#16 : Die Verteidigung der freien Arbeit
Dies ist die sechzehnte Ausgabe von 4. Mio+, dem regelmäßigen Briefing von Cathi Bruns. Diesmal:
Selbstständigkeit in Deutschland: Hat die freie Arbeit eine Zukunft in diesem Land? Viel Contra und ein ganz wichtiges Pro
Ein Gespräch über den Freelancer-Markt und die Zukunft der Arbeit mit Thomas Maas, CEO von freelancermap
Und, Neues von der 4. Mio+ Initiative: Unser Protest gegen das Ausschließen von Selbstständigen bei der „Aktivrente“. Ein offener Brief an das Wirtschaftsforum der SPD
Hi.
Herzlich willkommen zur neuen Ausgabe von 4. Mio+
Ich nehme dich mit in mein Engagement für die Selbstständigkeit und in dieser Ausgabe frage ich: Ist Deutschland noch das richtige Land für die Selbstständigkeit?
Doch zunächst möchte ich um Entschuldigung bitten, dass diese Ausgabe so spät kommt. Sie sollte schon vor Wochen im Postfach angekommen und online sein. Aber auch ich musste im Herbst erstmal einige Feuer löschen.
„Project freeze“, die fancy Begrifflichkeit für das kurzfristige Streichen von Projekten - ob durch unternehmensinterne Richtungsentscheidungen, die unendlich verschoben werden, Managerwechsel, Umstrukturierung und was sonst noch alles bei der Projektarbeit und Vergabe von Aufträgen dazwischen kommen kann - all das sorgt derzeit bei vielen Auftragnehmern und Freien für Frust. Unternehmen müssen auf Sparkurs gehen, es wird eingedampft und vertagt.
Ich erlebe es bei Unternehmen mit denen ich arbeite, Solos berichten mir von aussichtslos schwieriger Projekt-Lage, einige sehen sich missmutig in die Festanstellung wechseln. Oder hoffnungsvoll in Ausland.

Die Wirtschaftskrise ist hart. Und sie wird bei Selbstständigen zur verlängerten Belastungsprobe. Laut Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex fürchtet aktuell jeder 5 befragte Selbstständige um seine Existenz1. Aufträge fehlen, die Zukunft ist ungewiss. Schon seit der Coronapandemie heißt es für viele: Krise und kein Ende.
Und was tut die Politik? Sie sendet Selbstständigen mal wieder das falsche Signal: Mit dem Ausschluss bei der „Aktivrente“ wird selbstständige Arbeit ganz offiziell schlechter behandelt.
Und nun ruft die Arbeitsministerin auch noch zum Klassenkampf von vorgestern au (Opens in a new window)f?
Nein, das kann nicht umkommentiert bleiben.
Aber Gründen ist hier eben keine „Normalarbeit“ und freie Fachkräfte, die alles können und flexibel einsatzbereit sind, leiden unter freelancerfeindlichen Regelungen.
Tut sich da noch etwas für uns? Müssen wir Freie nun auswandern, oder hat der Standort nicht doch einiges für uns zu bieten? Darüber hab ich mit Thomas Maas, dem CEO von freelancermap, gesprochen. Er kennt sich mit dem Freelancer-Markt aus und sagt, was passieren muss, damit Freelancing auch hier als Wettbewerbsvorteil verstanden wird.
Ist Deutschland noch das richtige Land, um frei zu arbeiten?
Welche Zukunft der Arbeit wünschen wir uns? Und was können wir selbst dafür tun, damit Selbstständigkeit selbstverständlich wird?
Die Verteidigung der freien Arbeit - darum geht’s in dieser Ausgabe.
Viel Spaß beim Lesen.
Cathi

Warum muss uns das beschäftigen?
Es ist ganz einfach: Deutschland steht vor erheblichen Problemen. Nun müssen wir zeigen, dass wir Selbstständige zu denen gehören, die das Land voran bringen.
Oder mit den Füßen abstimmen?
Wie es Gründern gehen kann, die hier den Erfolg suchen, zeigt exemplarisch was die Kaffeekette „LAP Coffee“ erleben musste.2 Die Berliner Filialen des Kaffee-Startups sollten durch feigen Vandalismus eingeschüchtert werden. Mutmaßlich, weil sie den Kaffee zu günstig anbieten und die üblichen Kiez-Aufpasser hier keine neuen Geschäftsmodelle sehen wollen. Sieht so aus, als würde da von einigen freihändig „Milieuschutz“ betrieben.
Wer hierzulande etwas unternimmt, der muss eben mit Gegen-Kampagnen und Angriffen auf sein Geschäft rechnen. Das ist halt Berlin - könnte man sagen. Aber warum ist das hier so?
Marktwirtschaft wird in Deutschland nicht mit Freiheit und Chancen verbunden, nicht als Spielfeld auf dem man sich selbst aktiv auch auf Anbieterseite beteiligt verstanden, sondern Unternehmer sind immer die anderen.
Wer dennoch gründet, soll möglichst stark reguliert werden, aber natürlich trotzdem liefern. Und zwar gute Sitz- und Arbeitsplätze. Und alles, was man sonst noch so braucht - so lässt sich bequem auf den Kapitalismus schimpfen. Die überempfindliche Gesellschaft hat für jeden Quatsch Verständnis, nur Unternehmer sollen gefälligst nicht jammern - selbst wenn die Lage existenziell wird.
Warum ist Unternehmerfeindlichkeit und das bornierte Bremsen von Erfolg in Deutschland so selbstverständlich geworden?
Zur gesellschaftlichen Skepsis kommt die Regulatorische.
Nichts in diesem Land ist unkompliziert.
Wer mit einer kleinen Website starten und etwas verkaufen möchte, wird sich tagelang mit Cookie Consent, den Informationspflichten, Datenschutz, Widerruf, dem „VerpackG“ und neuerdings ggf. noch mit dem „FernUSG“ beschäftigen.
Die besten Tools um erfolgreich zu sein sind alle da, aber sie sind selten aus Deutschland. Allein der Daten- und Verbraucherschutz schützt jeden hierzulande so gut vor sich selbst, dass es nicht wundert, dass in der Freizeit so wenige die Selbstständigkeit für sich entdecken.
Und zu viele, die mehr wollen als 9-5 haben das Gefühl, sich zu bemühen, sich an all die Regeln zu halten, aber einfach nicht voran kommen zu können. Seit Jahren geht das so. Immer neue Richtlinien und Pflichten. Immer höhere Belastungen und (psychologische) Kosten.

Durchhalteparolen oder Linkedin-taugliche Motivationsreden gibt es von mir aus guten Gründen hier nicht.
Wer kann, der wird das Land verlassen. Und das ist nachvollziehbar. Es ist nicht nur nachvollziehbar, sondern auch unternehmerisch, dorthin zu gehen, wo man besser vorankommt.
In Deutschland hat niemand das Gefühl, ausgerechnet unternehmerisch am besten voranzukommen. Ja, Leute - das ist ein Problem. Und hier wird massiv unterschätzt was langfristig passiert, wenn Gründen einfach kein Bock mehr macht.
Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) belegt, dass Leistungerechtigkeit gesellschaftlich immer noch wichtig ist. Immerhin 75 Prozent3 der Befragten stimmen zu, dass wer mehr leistet auch stärker dafür belohnt werden soll. 4
Wer fleißig ist, darf nicht der Dumme sein.
Politik, die Leistungsgerechtigkeit, angeblich im Namen der sozialen Gerechtigkeit, immer weiter ad absurdum führt, ist gefährlich. Fast alle Parteien, polemisieren inzwischen gegen Vermögende, Gewinnorientierung wird problematisiert und anstatt sich damit zu beschäftigen, wie Vermögensbildung für den Bürger erleichtert wird, konzentriert sich Politik lieber darauf, Vermögen kleiner machen zu wollen.
Nicht nur Selbstständige überlegen das Land zu verlassen. Alle, die können, werden Deutschland den Rücken kehren wenn sie nicht mehr das Gefühl haben, dass sie sich selbst etwas aufbauen und ermöglichen können.
Man kann nicht Aufsteiger- und Gewinnerland sein und gleichzeitig die Selbstständigkeit bekämpfen. Darum ist Deutschland auch nicht Land der Aufsteiger, sondern Land der Umverteilung. Und fällt überall zurück. Außer beim Staatskonsum (Opens in a new window). Oder bei der Klassenkampf-Rhetorik (Opens in a new window). Darin sind hier einige ganz groß. Geht das so weiter, kommt alles ins Kippen.
Nein, Deutschland ist rein rational betrachtet kein Land für Unternehmertum mehr. Darum wird hier auch weder ausreichend gegründet, noch kräftig investiert. Das ist Realität.
Wenn uns das jetzt nicht beschäftigt, gute Nacht.
Die Lage

Es ist so banal, wie verhängnisvoll: Wir erleben eine veritable Standortkrise, aber sehen keinerlei Reformen. Stattdessen wird sich endlos über Rente und Bürgergeld gestritten. Und es werden Schulden beschlossen, die spätestens die nächste Generation in die Knie gehen lassen.
Nichts ist dabei, was Selbstständigen Entlastung oder Auftraggebern endlich Rechtssicherheit in der Beauftragung von Freien brächte. Dabei bräuchten Unternehmen jetzt dringend den verlässlichen Rahmen, um sich flexibel Fach-Expertise und unternehmerischen Spirit in die Teams holen zu können. Denn so könnte man sich erneuern, Projekte schnell anschieben und sich aus der Krise herausarbeiten.
Aber es geht noch schlimmer: Mit dem Ausschluss von Selbstständigen bei der nun beschlossenen „Aktivrente“, also der Möglichkeit kräftig Steuern sparen zu können, wenn man über die Regelaltersgrenze hinaus weiterarbeitet, wird der selbstständige Lebensentwurf nun unverhohlen diskriminiert. Ein verheerendes Signal: Selbstständige Leistung wird in diesem Land schlechter behandelt.
Apropos Leistung. Die Leistung von Selbstständigen löst Probleme und stillt Bedürfnisse - wenn sie es nicht tut, regelt der Markt.
Bei Innovationsstau, drastischem Fachkräftemangel und immer höheren Arbeitskosten, müssten Freelancer sich eigentlich vor Projekten nicht retten können - wenn deutsche Politik die freie Arbeit nur nicht so vehement bekämpfen würde. Hier regelt nicht der Markt, sondern die Politik unser Schicksal.
Politik gegen die Selbstständigkeit: Leistungsversprechen ad absurdum
Besonders schön sichtbar wird die deutsche Leistungsfeindlichkeit wenn es um Selbstständige geht. Sie wurden schon bei der Inflationsausgeleichsprämie5 übergangen, nun werden sie auch bei der „Aktivrente“ missachtet.
Die Idee der Aktivrente hat nichts mit der Rentenversicherung zu tun, sondern stellt eine Steuererleichterung für alle dar, die über das Rentenalter hinaus weiterarbeiten. Ein treffenderer Name wäre also Rentner-Aktiv-Prämie gewesen.
Selbstständige jedoch, sind von der Steuererleichterung ausgeschlossen, mit ulkiger Begründung.
In dem Regierungsentwurf lautet sie wie folgt:
„Zudem werden hierdurch Tätigkeiten, die zu Einkünften aus selbständiger Arbeit, Gewerbebetrieb oder Land- und Forstwirtschaft führen, von der Begünstigung ausgenommen. Dies entspricht der Intention der neuen Steuerbefreiung, die Ausweitung abhängiger Beschäftigungsverhältnisse zu fördern und so dem sich weiter abzeichnenden Anstieg des Arbeitskräftemangels in diesem Bereich entgegenzuwirken. Außerdem arbeitet schon heute eine große Zahl von Selbständigen und Unternehmern nach dem Erreichen der Regelaltersgrenze weiter. Dies zeigt, dass es aktuell keiner weiteren Anreize durch eine steuerliche Förderung bedarf, diesen Personenkreis zur Weiterarbeit zu bewegen.“ 6
Auf deutsch: Wer von alleine viel arbeitet, braucht keine Anreize.
Bodenlos.
Das ist also das neue „Leistung muss sich lohnen“…?
Für Selbstständige endgültig der blanke Hohn. Ausgerechnet selbstgetriebene Leistung lohnt sich so eben nicht, sondern wird bestraft.
Man darf gespannt sein, wie die Koalition ihr bekanntes Vorhaben Selbstständige in die Rentenversicherung zu zwingen begründen will, wenn sie uns gleichzeitig bei der Aktivrente ausschließt. Altersarmut?
Wir sind nicht doof, wir sind selbstständig.
Abhängige Beschäftigungsverhältnisse will man fördern, aber viele seniorige Fachkräfte möchten gar nicht angestellt weiter arbeiten, sondern sie möchten frei sein!
Richtig wäre daher, die freie Arbeit zu liberalisieren, um Know-How und Arbeitskraft am Arbeitsmarkt zu halten. Deutschland tut das Gegenteil. Natürlich.
Die Absicht abhängige Beschäftigungsverhältnisse noch stärker zu bevorzugen in allen Ehren, aber eine Frage drängt sich für mich auf: Was tut die Regierung eigentlich dafür, Selbstständigkeit zu fördern?
Nichts. Gar nichts. Diese Politik jedenfalls, ist Politik gegen die Selbstständigkeit.
Währenddessen schrumpft die Zahl der Selbstständigen weiter:
https://x.com/cathibruns/status/1990814804659909114?s=20 (Opens in a new window)Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) begründet den Trend teils mit der Demografie, aber eben auch mit der fehlenden Attraktivität der Selbstständigkeit. Und prognostiziert für den Jahresschnitt 2025 und 2026 den „tiefsten Stand seit 1992“.7
Es brennt die Hütte.
Gipfeltreffen und Dialogformate reichen nicht, um diese Krise zu bewältigen. Hauptamtliche von Verbänden einladen und Altbekanntes vortragen lassen, ist sicher freundlich, ändert allerdings nichts. Aber Politik gegen die Selbstständigkeit - die hat Konsequenzen.
Ein Land, in dem Selbstständige immer die Angeschmierten sind, kann eben kein besonders aufstrebendes Land sein. Und wenn der Mittelstand erst kaputt ist, kommt so schnell kein neues Unternehmertum von dieser soliden Sorte nach.
Das hätte man schon lange erkennen müssen.
Das fehlende Interesse an Selbstständigkeit und Gründung ist hausgemacht.
Nun einigt sich die Koalition auf ein Rentenpaket, das neue teure Probleme schafft. Die nächste speziell eingesetzte Kommission soll unter anderem prüfen, ob für die Einnahmen der Rentenversicherung die Einbeziehung weiterer Einkunftsarten zur Beitragsbemessung sinnvoll ist und ob die politisch schon lange gewünschte Einbeziehung neuer Gruppen von Erwerbstätigen etwas bringt (wir alle wissen, gemeint und realistisch sind nur Selbstständige).
Wenn Ersteres kommt, ist das auch für Angestellte grauenhaft. Aber wenn beides kommt, dürfte es Selbstständigen endgültig den Rest geben. Wir Selbstständige kennen das schon, wenn wir uns freiwillig gesetzlich krankenversichern. Da werden Beiträge nicht nur auf das Arbeitseinkommen fällig, sondern auf alle Einkommensarten. Also zB. auch auf Mieteinkünfte und Kapitalerträge. Angestellte kennen das bisher nicht.8 Und fallen zu Recht vom Glauben ab, wenn sie dieses Schicksal bei den Rentenbeiträgen bald auch treffen sollte. Denn natürlich erschweren die Abzüge den persönlichen Vermögensaufbau. Die Altersvorsorge wird so immer stärker abhängig von politischer Lenkung. Ein Unding.
Die abhängige Beschäftigung fördern, die Abhängigkeit bei der Altersvorsorge fördern: Unabhängigkeit ist unerwünscht. Angestelltenland liebt die Selbstständigkeit nicht.
Wenn auch alle Selbstständigen nun wie geplant beitragspflichtig in der Rentenversicherung werden (für sich allein schon eine Maßnahme, die Selbstständigkeit noch stärker belastet) und gleichzeitig ihre private Altersvorsorge und die Möglichkeit Vermögen aufzubauen geschwächt wird, dann fragt man sich wirklich warum man hierzulande eigentlich so viel für ein marodes System arbeiten sollte, das für Selbstständige gar nicht gemacht ist und noch mehr Freiräume nimmt. Andere Länder haben funktionierende Sozialversicherungen, bei weniger Gesamtbelastung.
Kurzum, wenn es so kommt, wird die Selbstständigkeit in diesem Land nochmals schwieriger und nochmals unattraktiver. Diese Politik ruiniert uns.
Verzweiflung an der deutschen Mischung aus Bürokratie, komplizierten Steuern, erdrückender Abgabenlast und freelancerfeindlichen Arbeitskultur
Es ist natürlich leicht auf die Politik zu schimpfen, aber auch die Unternehmen stehen nicht zu ihren freien Mitarbeitern.
Personalabteilungen wissen zwar alles über „New Work“, verstehen Freie aber auch 2025 noch nicht als Teil des strategischen Talentpools. Es gibt schlicht keine Personalstrategie für Feelancer in den Unternehmen. Kompetenz soll eingestellt werden, nicht frei rumlaufen. Um Externe kümmert sich dann der Einkauf.
Externe werden eben wie Externe behandelt - sollen schnell Feuer löschen (der Jahresabschluss!!) und dann wieder abhauen.
Für die meisten ist das auch klar und ok, wer sich lange hinsetzten will, kann ja in die Festanstellung wechseln.
Für die mangelnde Integration von Freien ist allerdings auch die Politik verantwortlich. Denn Unternehmen dürfen freie Mitarbeiter gar nicht in die Arbeitsorganisation und damit ganz normal in bestehende Teams eingliedern.
Die komischen Regelungen zur so genannten Scheinselbstständigkeit, in der Freelancer-Bubble bereits mit der sarkastischen Abkürzung „ScheiSe“ geadelt und das für Selbstständige unsinnige „Statusfeststellungsverfahren“, stellt eine der größten Verhinderungsmaßnahmen für freie Arbeit in diesem Land dar.
Unternehmen, die Aufträge vergeben wollen werden dadurch massiv verunsichert. Denn „Scheinselbstständigkeit“ ist keine Kleinigkeit. Sie ist eine ausgedachte Sonderform der Schwarzarbeit und damit irgendwie schon illegale Beschäftigung. Bei nachträglicher Feststellung des Arbeitnehmerstatus können die fälligen Nachzahlungen zur Sozialversicherung, je nach Einzelfall, so manchen Auftraggeber regelrecht ruinieren. Bevor man für jedes Projekt (!) erneut ein Statusfeststellungsverfahren anstößt, oder noch schlimmer - ohne eigenes Dazutun geprüft wird, arbeitet man lieber gar nicht mit Freien.
Schlussendlich gibt es keine Rechtssicherheit und dafür nur schwer nachvollziehbare Interpretationen der Prüfstelle, angesiedelt ausgerechnet in der Rentenversicherung selbst. „All clear“, wenn die so genannte „Clearingstelle“ auch dem letzten Freien einen Arbeitnehmerstatus verpasst hat.
Dabei können auch aus Freelancern schnell Unternehmer werden, die etwas bauen, das wächst. Jeder, der sich selbstständig macht, kann potenziell Innovation und auch Arbeitsplätze schaffen - allerdings nicht, wenn der Staat schon die Soloselbstständigkeit gängelt und uns nur als verhinderte Arbeitnehmer versteht. Es passt zur hiesigen Mentalität, nicht an den Einzelnen zu glauben. Aber es ist unendlich schädlich.
Nein, Deutschland ist kein Land für die freie Arbeit. Aber das Land braucht die freie Arbeit.

Aber ist Auswandern wirklich die bessere Option?
Natürlich ist in vielen Ländern das Steuersystem attraktiver. Die Sozialversicherungssysteme können sehr unterschiedlich sein, aber kaum ein Land belastet Arbeitsleistung so sehr, wie Deutschland. Ob nun durch verschwenderische Politik oder gesellschaftliche Neid-Reflexe. Wer noch an Erfolg durch Eigenleistung glaubt, braucht starke Nerven.
Das ifo-Institut wertete kürzlich aus, dass der soziale Aufstieg in Deutschland schwieriger geworden ist.9
Das sollte nicht wundern, denn unser Bildungssystem selbst ist nicht mehr leistungsfähig. Eine neue Studie des IW-Köln zeigt:
„Deutschland gibt inzwischen mehr Geld in die soziale Sicherung als die nordischen Wohlfahrtsstaaten. Bei Bildung und Investitionen spart die Bundesrepublik dagegen…“ 10
Der Studie zufolge fließen 41 Prozent der Gesamtausgaben in die soziale Sicherung, über die Hälfte davon geht in die Rente. Nur 9 Prozent wird für Bildung ausgegeben. Für Investitionen hat der Staat sogar nur 6 Prozent übrig.
Für die Zukunft hat die Politik also weder Ideen, noch Geld übrig. Das ist doch Wahnsinn.
Und Unternehmertum spielt weder auf dem Bildungsweg eine Rolle, noch ist es gesellschaftliche Normalität zu gründen. Wie also aufsteigen, wenn der Staat schon bei kleinen Einkommen gnadenlos abschöpft?
Steuer- und Abgabenlast jenseits der 50% - Mit uns kann man es ja machen?
Im neuen Jahr können wir uns alle erneut auf steigende Krankenkassenbeiträge einstellen. Ob privat oder gesetzlich versichert - die hohe Abgabenlast ist für Selbstständige besonders schwer zu tragen. Hinzu kommt die hohe Einkommensteuer, die nach, voraus, oder auch nachträglich voraus gezahlt werden muss. Die Regelungen zur Steuervorauszahlung kommen einem Zermürbungsprozess gleich, denn sie erschweren die Resilienz auch nach jahrelang erfolgreicher Selbstständigkeit erheblich11. Für kinderlose Singles - egal ob selbstständig oder nicht - ist die Belastungsquote im europäischen Vergleich einfach absurd hoch.12
Dazu viel unnötige Bürokratie und nicht selten Finanzämter und Behörden, die weder schnell noch modern aufgestellt sind. Schon die Ausstellung einer Steuernummer kann ein paar Monate dauern. Zeit ist Geld, das man währenddessen nicht verdienen kann.
Die Anmeldung eines Unternehmens ist noch lange nicht innerhalb von 24 Stunden möglich - auch wenn sämtliche Regierungen angeblich schon seit Jahren da dran sind. Auch Peter Altmaier hatte es in seiner Amtszeit als Bundeswirtschaftsminister hoch und heilig versprochen.
Passiert ist nichts.
Wer noch nie etwas gegründet hat, weiß das alles gar nicht. Angestelltenland wird für Selbstständige zur Parallelgesellschaft.

Gut, nicht alle Freelancer müssen ein Gewerbe anmelden. Und die meisten sind, was das Arbeiten angeht, ortsunabhängig. Das heißt aber nicht, dass jeder auch privat völlig ungebunden ist. Man hat schließlich nicht nur Kunden, sondern auch Freunde und meist vor allem seine Familie hier.
Wer weiterhin Kunden in Deutschland betreuen möchte, bleibt hier auch beschränkt steuerpflichtig. Und spätestens nach dem Umzug erfährt auch der tüchtige Freelancer dann von der genialen Regelung der so genannten „Entstrickungsbesteuerung“ …
Alles nicht so einfach. Und hey, natürlich ist das Gras anderswo nicht automatisch grüner.
Wenn Selbstständige ständig über das Auswandern reden, dann ist das sicher oft auch bloß Gerede - aber es ist sicherlich ebenso ein Zeichen für echte Verzweiflung, die man nicht einfach abtun sollte. Wenn Menschen, die Lust auf Arbeit und Verantwortung haben das Land verlassen wollen, weil sie sich nicht wohl fühlen oder sie aufgrund der Abzüge weniger arbeiten als sie können, dann stimmt etwas mit den Anreizen für Leistung generell nicht.
Gehen oder bleiben? Darüber hab ich mit Thomas Maas gesprochen. Er kennt sich mit dem Freelancer-Markt aus und ist CEO von freelancermap, einer beliebten Projektplattform, die Freelancer und Auftraggeber zusammenbringt.
Das Gespräch


Lieber Thomas, wie schätzt du die aktuelle Lage für Freelancer in Deutschland ein?
Thomas Maas: Ich sehe eine gemischte Lage. Laut unserer jährlichen Umfrage im Freelancer-Kompass geben 81 Prozent der Freien an, dass sie grundsätzlich zufrieden mit ihrer Arbeit sind und 86 Prozent würden den Schritt in die Selbstständigkeit jederzeit wieder gehen. Gleichzeitig stehen sie vor realen Herausforderungen wie komplexen Verwaltungsprozessen oder rechtlichen Definitionen, die für diese Berufsgruppe nicht klar definiert sind. Diese Belastungen kosten Zeit, Geld und Nerven.
Die Mehrheit fordert daher weniger Papierkram, verlässliche Regeln und endlich ein Umfeld, das freie Arbeit als festen Bestandteil der Gesellschaft und Wirtschaft anerkennt.
Aus einer eurer aktuellen Freelancer Umfragen geht hervor, dass Auswandern für mehr als die Hälfte der Freien eine ernsthafte Option ist. Warum wollen Freie weg?
Thomas Maas: Dass knapp 50 Prozent der Freelancer über das Auswandern nachdenkt, ist ein deutliches und strukturelles Warnsignal. Wenn anderswo die Lebensqualität höher und gleichzeitig die steuerliche sowie bürokratische Last geringer ist, kann ich jede und jeden verstehen, der über den Schritt nachdenkt. Besonders besorgniserregend finde ich den Fakt, dass unter den Auswanderungswilligen neun von zehn KI-Skills besitzen.
Dabei sind genau diese Menschen die Innovations- und Zukunftstreiber unserer Wirtschaft von morgen. Wenn wir diese Talente verlieren, verlieren wir den Anschluss an Schlüsselmärkte der Zukunft.
Welche Argumente sprechen denn aktuell für den Standort und die freie Arbeit hier?
Thomas Maas: Deutschland ist nach wie vor ein guter Standort für Freelancer. Der Markt ist groß, die Stundensätze sind stabil und die Nachfrage nach freier Expertise in Bereichen wie KI steigt immens. Im Durchschnitt verdienen Freelancer hier knapp über 100 Euro pro Stunde, was sich dabei natürlich von Branche zu Branche und im Erfahrungslevel unterscheidet. Auch die Infrastruktur erlaubt weitgehend ortsflexibles Arbeiten.
Insgesamt ist hier der Spirit als Land der Erfindungen noch nicht verloren, es bieten sich viele Chancen für alle, die professionell aufgestellt sind und gute Netzwerke pflegen. Jetzt heißt es nur, diesen Spirit durch einen Strukturwandel wieder zu bestärken.
Personaler reden viel darüber, wie wichtig Mitarbeiterbindung ist, wenn es um Angestellte geht. Welches Verhältnis haben Unternehmen und Personalabteilungen zum Freelancing? Was können Auftraggeber tun, um gut ausgebildete freie Profis zu halten?
Thomas Maas: Viele Unternehmen schätzen die Spezialisierung und Flexibilität freier Experten, sind aber oft noch zu vorsichtig im Umgang mit ihnen. Viele fürchten Komplikationen mit Bürokratie oder gar Scheinselbstständigkeit. Wer gute Freelancer haben und halten will, sollte klare Strukturen schaffen: transparente Verträge, schnelle Prozesse, faire Stundensätze und ein professionelles Miteinander auf Augenhöhe.
Vor allem sind es Unternehmen aber oft nicht gewöhnt, in Projekten zu denken. Ein gutes Projektmanagement mit einem klaren Rahmen und konkreter Zielsetzung sind also das A und O. Gerade, weil der Fachkräftemangel in der IT, KI oder der Cybersicherheit ohne Freie kaum zu bewältigen ist sollten sie als Projektpartner auf Augenhöhe wahrgenommen werden.
Welche Rolle spielt Politik? Was kann diese Regierung jetzt richtig machen für Freie und ihre Auftraggeber?
Thomas Maas: Die Politik steht an einem entscheidenden Punkt: Wenn Deutschland seine besten digitalen Fachkräfte halten will, braucht es endlich die richtigen Weichen. Konkret heißt das: Wir brauchen ein modernes Statusfeststellungsverfahren, das Selbstständigkeit nicht länger pauschal unter Verdacht stellt. Eine flexible, realitätsnahe Altersvorsorge und deutlich weniger Bürokratie. Wenn Deutschland Freelancern faire Bedingungen bietet, stärkt das nicht nur die individuelle Freiheit, sondern auch unsere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Das wäre gutes Regieren – im Sinne der Zukunft der Arbeit.
Welche Zukunft der Arbeit siehst du kommen?
Thomas Maas: Die Zukunft der Arbeit ist genau das, was Freelancer schon seit langem vorleben und so, wie viele Unternehmen morgen arbeiten wollen, nämlich individuell, digital und projektbasiert. Menschen wollen zunehmend selbst bestimmten, wie, wann und wo sie arbeiten. Auch das, “Was” wird sich verändern, denn in Zeiten von Künstlicher Intelligenz wird bei allem das Mittelmaß zunehmend kostenlos verfügbar sein.
Vielmehr braucht es Menschen mit spezialisierten Fähigkeiten, die Unternehmen an den entscheidenden Punkten weiterbringen. Gerade hier werden Freelancer als Experten, Problemlöser und Wissensvermittler in den Unternehmen gebraucht. Wo außerdem lebenslanges Lernen und das innovationsgetriebene Arbeiten immer wichtiger werden, greifen freie Experten auf Fähigkeiten zurück, die sowieso in ihrer DNA verankert sind. Die Arbeitswelt von morgen kann also jetzt schon viel von den Freelancern von heute lernen.
Vielen herzlichen Dank, Thomas!

(Opens in a new window)..Ok, und jetzt?
Jetzt haben wir viel über die strukturellen Schwierigkeiten gesprochen - aber auch gehört, dass Deutschland von Thomas immer noch gute Noten bekommt.
Und es gibt auch aus meiner Sicht gute Gründe, hierzulande für die freie Arbeit zu streiten.
Eigentlich sind Krisenzeiten immer auch Zeiten der Flexibilisierung. Es ist nicht schwer zu erkennen, was zu tun wäre:
Entbürokratisierung in den Unternehmen und in der Verwaltung und die Liberalisierung freier Arbeit, wären einige der wichtigsten Stellschrauben, um die Wirtschaft anzukurbeln und mehr Menschen wieder mehr Lust auf Zukunft zu machen. Das größte Problem ist, dass Deutschland derzeit kein Anreizsystem für freie Arbeit hat.
Deutschland tut einfach nicht ausreichend dafür, ambitionierte Freelancer, Selbstständige und Gründungswillige anzuziehen, sie hervorzubringen oder sie zu halten.
Es wird politisch viel zu viel getan um Arbeit zu verhindern („irreguläre Arbeitsverhältnisse“…) und viel zu wenig, um Selbstständigkeit zu ermöglichen.
Der wahre Verlierer von selbstständigenfeindlicher Politik sind nicht Selbstständige, sondern Deutschland ist es.
Denn damit werden die Probleme im Land verschärft. Mit immer weniger Selbstständigen, schwindet auch die wirtschaftliche Dynamik immer mehr. Ich werbe also dafür, sich trotz aller Schwierigkeiten für den unternehmerischen Weg zu entscheiden.
Da die fehlende Attraktivität für Selbstständigkeit hausgemacht ist, kann man die Gründe dafür auch loswerden. Politik kann die Weichen auch anders stellen. Und langsam müsste sie das auch, wenn Fortschritt und Wohlstand noch Ziele sind.
Bahn frei für Wachstum, verdammt.
Vieles spricht dagegen, aber was spricht dafür?
Den Blick bloß auf schwierige Rahmenbedingungen zu verengen, ist nicht unternehmerisch. Für Freelancer ist es selbstverständlich für Projekte zu kämpfen. Und für eine florierende Wirtschaft, braucht es uns. Das ist auch Unternehmen klar. Es liegt an uns und den Unternehmen, also unseren Auftraggebern, der Politik deutlich zu machen, welche Rolle die freien Arbeit für Fortschritt und Wachstum spielt: Durch unsere Kooperation.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat bei einer Gewerkschaftsveranstaltung kürzlich angemahnt: Er erwarte von den Unternehmen mehr „Standortpatriotismus (Opens in a new window)“.
Ich habe da eine Idee..

Der Standortpatriotismus, den es braucht.
Deutschland ist ein tolles Land. Eine freie Demokratie, die alles bietet, was man für ein gutes Leben braucht. Aber es ist nie selbstverständlich, dass es so bleibt. Für Freiheit, Fortschritt und Wohlstand ist nicht nur die richtige Politik gefragt. Man kann und muss auch selbst etwas tun.
KI, Robotik und Automatisierung werden die Art und Möglichkeiten wie, woran und wo wir arbeiten und zusammenarbeiten vollkommen verändern. Aber das heißt nicht, dass man den Entwicklungen bloß ausgeliefert ist.
Die Bevölkerung selbst muss klar stellen, welche Zukunft der Arbeit sie möchte. Und zwar indem sie die Marktwirtschaft neu entdeckt und beginnt die nächste Arbeitskultur zu leben. Das mag auf den ersten Blick naiv klingen, aber es ist der einzige Weg Veränderung in eigenem Sinne zu treiben. Wer frei arbeiten will, muss auch Führung übernehmen, was eine neue Arbeitskultur angeht.
Polywork statt Polykrise
Neue Zusammenarbeit, radikal flexible Arbeitsmodelle, der Mix aus Festanstellung und Selbstständigkeit, Freelancing als Normalität im Unternehmenskontext, skills-based hiring, Projektarbeit, Nebenprojekte und jede Form der selbstständigen Initiative sollte gefördert und mit voller Kraft ermöglicht werden.
Die „Portfolio-Karriere“, wie Wirtschafts- und Sozialphilosoph Charles Handy (Opens in a new window) sie schon seit den späten 80er Jahren vorhersah.
Die Zukunft ist hier. Auch wenn Politiker und Gewerkschaften sie so lange wie möglich aufhalten wollen.
„I told my children when they were leaving education that they would be well advised to look for customers not bosses.“
Charles Handy

Machen.
Politiker sprechen dauend davon, wie selbstbewusst sie alles nach vorne bringen. Machen! Machen! Machen! Selbst das Wort „machen“ ist so wegen fehlender Ergebnisse nun schon zur Lächerlichkeit geworden. Wie wäre es, wenn wir zur Abwechslung nicht auf bessere Politik warten, sondern uns alle wie Unternehmer verhalten? Machen!
Es braucht jetzt die Zuversicht in eine Zukunft der Arbeit, die nicht auf starre Normierung aus ist und einseitig zugunsten der Sozialversicherungen funktionieren muss.
Deutschland darf sich nicht weiter ausschließlich an das Modell der abhängigen Beschäftigung klammern. Fest ist der Fortschritt von gestern (Opens in a new window). Nach fest kommt frei. Projektarbeit ist die Zukunft.13
„Such dir Kunden, nicht Jobs“. Charles Handy wusste es schon damals. Die Arbeitswelt wandelt sich und es ist nur klug, wenn man die neuen Möglichkeiten für sich nutzen kann.
Niemand wird das Neue hier ermöglichen, wenn alle, die Selbstständigkeit hochalten, aufgeben oder das Land verlassen. Und auch Unternehmen dürfen die Zukunft nicht verpennen indem sie z.B aus Angsthasigkeit sagen „Wir arbeiten nicht mit Freien.“
Was spricht also für die freie Arbeit?
Das einzige und gleichzeitig wichtigste Argument ist: Ohne Selbstständige geht es nicht. Freie Arbeit bringt uns in die Zukunft - wenn wir es wollen!
Es ist unser gutes Recht, so zu arbeiten, wie es zu den eigenen Fähigkeiten, Talenten und der eigenen Idee einer modernen Arbeitswelt passt. So viel, so smart, so frei, wie möglich.
Wir Freelancer können von uns behaupten, dass wir ausnahmslos Fachkräfte sind - denn unsere Leistung muss sich auf dem Markt beweisen. Wir können es uns gar nicht leisten, an der Nachfrage vorbei zu arbeiten. Und der Staat kann sich nicht leisten unseren Beitrag an jeder Stelle zu verhindern.
Selbstbestimmung ist ein hohes Gut. Das Recht frei zu arbeiten und durch eigene Leistung vorankommen zu können, müssen wir in diesem Land alle viel stärker verteidigen. Das Aufstiegsversprechen für sich selbst erneuern - dafür lohnt es sich zu arbeiten.
Auftraggeber und Freie brauchen vor allem eins: Peace of Mind. Den verlässlichen rechtlichen Rahmen, dass sie ohne Sanktionen befürchten zu müssen, zusammen an die Arbeit gehen können.
Und „Standortpatriotismus“ sollten Politiker nicht dauernd von Unternehmen fordern, die ihre Loyalität seit Generationen beweisen - sondern sich an die eigene Nase fassen und Selbstständigen, Mittelstand und allen, die hier alles am Laufen halten, endlich mehr Spielraum geben.
Politik müsste also den Standortpatriotismus wieder in sich selbst entdecken und alles dafür tun, dass der Standort für leistungsorientierte, arbeitswütige und aufstiegshungrige Menschen zur Bonanza wird. Wenn Macher und Mitarbeiter hier Top-Bedingungen für den wirtschaftlichen Erfolg vorfinden, dann kommt auch der Aufschwung. Und dann wird nicht nur der Sozialstaat, sondern auch das Aufstiegsversprechen wieder halten.
Wenn Unternehmen und Freie sich zusammentun, wenn viel mehr Menschen Lust auf Leistung und Selbstständigkeit haben, dann gestalten wir die Zukunft der Arbeit. Politik, die sich am Gestern festhält, kann das nicht. Aber sie wird irgendwann auf die neue Nachfrage reagieren müssen.
Freie Arbeit hat einen hohen Wert - eigentlich unbezahlbar.
Schließt mich von allen Anreizen aus, aber ich werde die Selbstständigkeit der Festanstellung trotzdem immer vorziehen.
Ich weiß, dass ich damit in der Minderheit bin, aber auch nicht ganz alleine.
Unternehmerisches

„Sind Selbstständige in Deutschland unerwünscht, Frau Bruns?”
Ist das nicht ein absolut irrer Gedanke?
Diesen Eindruck haben leider viele Selbstständige in Deutschland. Höchste Zeit, das Ganze mal zu besprechen.
Ich war zu Gast im Podcast von Autor und Arbeitspsychologe Markus Väth. Vielen ist Markus sicher bekannt als Urheber der Idee des „Radikalen Arbeitens“. Unter gleichen Motto sprechen Markus und seine Co-Host Romy Kopsch in dem Podcast-Format mit „Experten und außergewöhnlichen Persönlichkeiten zu Führung, Zusammenarbeit, Kultur und Zukunft.“ Und in dieser Folge mit mir.
Natürlich geht es um die Selbstständigkeit, um Leistung und die Kernthemen meiner eigenen „radikalen Arbeit“: Kommunikation und Gestaltung. Viel Spaß beim Reinhören:
https://open.spotify.com/episode/4FjM1pgP6aXVb1AZ6qYBIA (Opens in a new window)Zahl der Woche
(Opens in a new window)Politisches

(Opens in a new window)Was gibt’s Neues von der 4.Mio+ Initiative?
Wer mir auf X folgt (Opens in a new window), weiß, wie sehr ich mich über die Ankündigungen zur Aktivrente aufgeregt habe. Nicht nur aufgrund der Diskriminierung von Selbstständigen halte ich die Idee für falsch. Aber wenn man eine derart teure Maßnahme schon einführen will, dann kann man Selbstständige nicht mit billigen Begründungen außen vor lassen.
https://x.com/cathibruns/status/1976194919288238229?s=20 (Opens in a new window)Natürlich ist die Diskriminierung selbstständiger Arbeit ein politischer Fehler. Für die 4.Mio+ Initiative haben wir daher schon im Oktober einen offenen Brief an das SPD-Wirtschaftsforum formuliert.
Warum?
Weil die aus unserer Sicht maßgebliche Seite, um das schwierige Verhältnis von Politik und Selbstständigkeit zu verbessern, die Sozialdemokraten sind. Nicht selten werden aufgrund der aktuellen sozialdemokratischen Denkweise, Selbstständige, bewusst oder unbewusst, vor den Kopf gestoßen. Oft genug, und besonders derzeit, fragt man sich, für welches Jahrhundert die Sozialdemokraten Politik machen wollen.
Das Wirtschaftsforum der SPD ist laut Selbstdarstellung14 ein unabhängiger unternehmerischer Verband, ohne finanzielle, personelle oder strukturelle Verbindungen zu einer politischen Partei und vornehmlich mit dem Ziel gegründet, die soziale Marktwirtschaft zu fördern und weiterzuentwickeln.
Der Verband baut Brücken explizit zu sozialdemokratischen Entscheidern und ist damit sicherlich ein guter Ansprechpartner für unsere Anliegen. Ob wir gehört werden? Wir werden sehen..
Die Stärkung

Was gibt diese Woche Schub?
Selbstständige wehren sich gegen die Diskriminierung bei der Aktivrente. Der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) e.V., die BAGSV und weitere Verbände haben eine fulminante Petition gestartet, die bereits zehntausende von Mitzeichnern mobilisiert hat. Hier kann man sich anschließen um die 100k vollzumachen: openpetition.de/!aktivrente (Opens in a new window)
Und: Ich denke immer noch auf einem geeigneten Konzept für eine 4.Mio+ Podcast-Version rum. Würdet ihr den Hören?

Zum Gründen gehört es groß zu träumen - zum Erwachsensein gehört die Selbstständigkeit. In diesem Sinne - nicht aufhalten lassen!
Bis zum nächsten Mal.
Cathi
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(Opens in a new window)ifo Institut: „Jeder fünfte Selbständige sieht Existenz bedroht“ (Opens in a new window). Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex für Selbstständige, 12. November 2025 ↩
Berichterstattung dazu zB. im Berliner Tagesspiegel, online. „Farbanschlag auf preiswerte Cafés: Mehrere LAP-Coffee-Filialen in Berlin beschmiert – Polizei ermittelt (Opens in a new window)“. Stand: 25.10.2025 ↩
Warum das nicht 100 Prozent meinen, ist mir schleierhaft… ↩
IAB: „Breite Zustimmung zum Sozialstaat – Leistung soll sich aber lohnen (Opens in a new window)“. 23.10.2025 ↩
FAQ zur Inflationsausgleichsprämie (Opens in a new window) nach § 3 Nummer 11c Einkommensteuergesetz vom Bundesministerium der Finanzen. ↩
Gesetzentwurf der Bundesregierung. Entwurf eines Gesetzes zur steuerlichen Förderung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Rentenalter (Aktivrentengesetz (Opens in a new window)), S. 14 ↩
IAB-Prognose 2025/2026. „Fiskalpolitik stützt Konjunktur und Arbeitsmarkt (Opens in a new window).“ IAB-Kurzbericht 19|25. S. 6 ↩
Dafür haben Selbstständige Wahlfreiheit und können in die private Krankenversicherung wechseln. Arbeitnehmer können dies bekanntlich bis zur Versicherungspflichtgrenze nicht. ↩
ifo Institut. „Soziale Mobilität in Deutschland geht zurück (Opens in a new window)“. Pressemitteilung 5. September 2025. ↩
Pressemitteilung (Opens in a new window) Institut der Deutschen Wirtschaft Köln. 24.11.2025. Zitierte Studie: Kauder, Björn, 2025, Öffentliche Ausgaben im internationalen Vergleich. Wo steht Deutschland im Vergleich zu seinen Nachbarregionen?, IW-Report, Nr. 61, Köln ↩
Auch darum ist eine Kernforderung unserer 4.Mio+ Initiative, endlich die steuerlichen Möglichkeiten für nicht entnommene Gewinne zu reformieren: „Eine Steuerreform, die Eigenkapital stärkt“. (Opens in a new window) ↩
„Belastungs-Check 2025 (Opens in a new window)“. Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. ↩
Interessant dazu, die Zukunft-Szenarios der schon etwas älteren PwC Studie: „Workforce of the future: The competing forces shaping 2030 (Opens in a new window)“ und die Sonderausgabe der Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit der Denkfabrik Millenium Project und den Szenario-Experten von future impact. „2050: Die Zukunft der Arbeit. Ergebnisse einer internationalen Delphi-Studie des Millennium Project (Opens in a new window)“, sieht etwa S. 15 ↩
Website: Wirtschaftsforum der SPD e.V (Opens in a new window). ↩