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Recycling als Spiel – eine uralte, schöne Tradition

Es war ein Veranstaltungspunkt auf dem 1. Festival für Kinder und Jugendliche des «Σύλλογος Απανταχού Αρτακηνών Κυζικηνών», des Kulturvereins der Menschen aus Artaki und Kyzikos. Also der Nachkommen jener, die vor mehr als einem Jahrhundert aus Kleinasien im Rahmen des Bevölkerungsaustauschs nach Griechenland flüchten mussten. Und mir erschien diese Aktion in vielfacher Hinsicht zu den wichtigsten Nachrichten der Woche zu gehören.

 

Vor knapp 100 Jahren spielten griechische Kinder am Marmarameer „Karava“, ein Spiel mit kleinen Spielzeugschiffen. Die Schiffe waren selbstgemacht und bestanden aus einem Metallrumpf, der aus einer Olivenöldose oder einem ähnlich großen alten Blechkanisters zugeschnitten und gebogen wurde. Alte Holzstücke dienten als Mast. Takelage und Flaggen wurden aus Stoffresten gefertigt. Das Foto zeigt die Wiederbelebung des Karava-Brauchs. Beim Festival lernten die Kinder und Jugendlichen wie diese Technik – abseits von Youtube-Tutorials oder ihren sonstigen sozialen Medien – funktioniert. Sie hatten drei Tage Spaß bei der Kreation und am Ende stand die feierliche „Schiffstaufe“ samt Jungfernfahrt. Die kleinen Schiffe werden dabei mit Fäden oder Schnüren über das Meer gezogen.

 

Dabei entstand in Nea Artaki auf der Insel Euböa am späten Sonntagnachmittag des 21. Juni 2026, stellvertretend für alle Beteiligten das Bild:

„Ein Junge spielt das alte kleinasiatische Spiel ‚Karava‘.“

 

 

 

Wir sehen den Jungen, der stolz sein Boot zur Taufe ins Meer und zur Jungfernfahrt bringt. In diesem Moment gibt es kein Mobiltelefon für ihn. Der schmale Evripos, der natürliche Kanal zwischen der Insel Euböa und dem Festland erscheint fast wie ein Ozean. Der Junge spielt mit etwas, für das er keine Ressourcen verschwenden musste. Er hat gelernt, dass Recycling Spaß machen kann. Dass die Wiederverwendung und Veredelung alter Materialien Mehrwert generieren kann. Und schließlich, dass nicht alles im Leben gekauft werden muss.

 

Es ist ein wichtiger Tag im Leben eines Kindes. Vielleicht erinnert es sich, wenn er hoffentlich sehr als wird, in Jahrzehnten an diese Stunden im Juni 2026. Wie lächerlich nebensächlich werden ihm dann die übrigen für uns heute so wichtigen Nachrichten erscheinen?

 

Das Leben könnte so schön sein.

Tópico Fotografie