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    <title>Balkanisator</title>
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    <description>Notizen aus der Balkanregion, Buchkritiken, Fotografie und Technik</description>
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      <title>Balkanisator</title>
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      <title><![CDATA[Post von Louis: Vom Mythos und Schicksal der Schiffskatzen]]></title>
      <description><![CDATA[Der beste Hund von allen, Louis ist Redaktionshund, Fotoassistenz, Personal-Trainer und Security-Mitarbeiter in einer Person. Louis hat seinen Namen von Spyridon Louis,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5cf967c1-2b79-436e-b078-8bebbff5f0dc/uploads/images/in6h7elp6h/DailyChalkidaEvia261010-33.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Der beste Hund von allen, Louis ist Redaktionshund, Fotoassistenz, Personal-Trainer und Security-Mitarbeiter in einer Person. Louis hat seinen Namen von Spyridon Louis, dem ersten Marathon-Olympiasieger der Neuzeit. Er ist jeden Tag viele Kilometer durch seinen Wohnort auf der wunderschönen Insel Euböa unterwegs. Euböa ist nach Kreta die zweitgrößte Insel Griechenland. Und auf Kreta wohnt Mitso Krygerakis. Er ist der Redaktionshund und Security-Mitarbeiter von </em><a href="https://radio-kreta.de/"><em>https://radio-kreta.de/</em></a><em>. Sein Chef, Jörg Krüger hat am gleichen Tag (nur in einem anderen Jahr) wie Louis Personal Trainer Geburtstag. In der unregelmäßig erscheinenden Kolumne „Post von Louis“ geht es um das, was Louis seinem Kollegen am Südwestzipfel Kretas gern mitteilen würde. Louis schreibt am liebsten über Tierthemen. Er setzt dabei humane Intelligenz zur Hilfe ein.</em></p><p> </p><p>Lieber Mitso,</p><p>Du weißt, die Katzen beherrschen die Welt. Es gibt eine bestimmte Karikatur in verschiedenen Variationen. Sie zeigt Gott, oder Petrus auf einem prachtvollen Thron. Vor ihm sind verstorbene Haustiere, die Eintritt ins Paradies haben wollen. Ein Hund redet apologetisch und beteuert, seinen Menschen gegenüber immer beschützend und treu gewesen zu sein. Danach ist die Katze an der Reihe. Sie läuft, ohne zu zögern und blickt Petrus – oder Gott – direkt an und tönt: „Du sitzt auf meinem Stuhl“. Es gibt Versionen der Karikatur, in denen Petrus aufsteht und den Platz frei macht.</p><p> </p><p>Gut – ich habe mich wie du daran gewöhnt. Wenn wir eine fremde Katze sehen, knurren wir mal kurz oder bellen. Aber die Katzen, die mit uns leben, sind unsere Chefs. Zu Hause bei uns hat Penelopi, kurz Popi oder „Star“, unsere Katze, das Sagen. Die ist schon älter als neun Jahre. Sie hat kaum noch Zähne aber dafür verteilt sie mit ihren Krallen schnell man eine Ohrfeige. Aber wir kommen gut miteinander aus. „Star“ hat ihren Spitznamen davon, dass viele ihrer Fotos in der Presse landen und Clips mit ihr im TV.  Und Popi / Star – ein Popstar halt - kann viele Geschichten erzählen.</p><p> </p><p>So wie über die Katzen auf Schiffen. Die waren wirklich einst die heimlichen Königinnen auf den Schiffen und Booten. Sie wanderten auf den hölzernen oder eisernen Planken und die Seeleute hatten tiefen Respekt vor ihnen. Die Katzen waren die Schiffspolizei. Sie schützten die Vorräte an Bord und die gesamten Seile, das Tauwerk vor den Ratten und Mäusen. Die Nager zerstörten das Tauwerk, raubten und verunreinigten den Proviant. So konnten die Katzen auch die Ausbreitung von Seuchen verhindern oder bremsen.</p><p>Stell dir mal vor, Mitso, die kleinen Viecher waren Leibwächter der Menschen wie wir es sind. Popi behauptet, dass sie sogar mehr als wir geleistet hätten und es deshalb in einigen Ländern zwar Hundesteuern gibt oder gab, aber niemals eine Katzensteuer eingeführt wurde. Das ist natürlich wieder eine ihrer Übertreibungen.</p><p>Aber sei es drum, für die Seeleute waren Katzen mehr als bloße Schädlingsbekämpfer. Sie waren mystische Figuren an Bord, mit denen die Seefahrer eine tiefe Liebe verband. Die glaubten sogar, die Katzen könnten Stürme abwenden und mit ihrem Gespür Wetter vorhersagen.</p><p>Der Seemannsdichter Nikos Kavvadias widmete ihnen ein Gedicht, „Die Katzen der Frachtschiffe“ (Οι γάτες των φορτηγών).Kavvadias beschreibt darin rund um die Katzen als Begleiter die Isolation, die psychische Härte und den Aberglauben des Seemannslebens. Das Frachtschiff dient dabei als kalter Mikrokosmos, in dem die Katzen als Spiegelbilder der sehnsüchtigen und einsamen Seeleute fungieren. Durch symbolische Elemente wie ein Kupferhalsband oder den drohenden Wahnsinn offenbart das Werk den fatalistischen und oft erbarmungslosen Alltag auf See. Wenn die Katzen der Seeleute sterben, berichtet Kavvadias, dann trauern sie wie „wenn wir eine herzliche, geliebte Frau verlieren.“</p><p> </p><p>Dieses jahrhundertealte Band zwischen Mensch, Tier und Meer zerbrach im Kielwasser der Moderne.  Nach dem letzten Weltkrieg ersetzten moderne Desinfektionsmittel die – eigentlich doch – niedlichen Tiere. Schlimmer noch, mit Quarantänegesetzen bekamen die Katzen in den Häfen der Welt Probleme, wenn sie per Schiff kamen. Die Katzen verschwanden von den Schiffen – aber nun beherrschen sie zumindest in Griechenland die Häfen.</p><p> </p><p>Und weißt Du was? Dort haben alle Respekt vor ihnen – auch ich. Die Katzen im Hafen, die sind für mich fast heilig – wie Popi zu Hause. Und sie posieren auch so selbstbewusst. Wie diese stolze schwarze Katze vorgestern Nacht. Fast unbeweglich saß sie in tiefer Dunkelheit.</p><p>Die wartet darauf, dass die alten Seeleute, die im Hafen ihren Club haben, sie füttern. Also irgendwie sitzen die Katzen dann doch auf einem Thron. Oder was meinst Du?</p><p>Bis demnächst</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5cf967c1-2b79-436e-b078-8bebbff5f0dc/uploads/images/6zwbcum4ho/DailyEvia260729-3.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p> </p><p>Dein Louis</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Tiere und Haustiere]]></category>
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      <pubDate>Sun, 11 Oct 2026 13:01:30 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Passierschein A38 als Ticket für die Zeitreise mit Asterix]]></title>
      <description><![CDATA[Mit Zeus und Teutates - eine Buchbesprechung Es gibt Jahre, die bleiben einem mit einer Fülle von Ereignissen ins Gedächtnis gebrannt. Das Jahr 1976 war für mich eines…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2>Mit Zeus und Teutates - eine Buchbesprechung</h2><p>Es gibt Jahre, die bleiben einem mit einer Fülle von Ereignissen ins Gedächtnis gebrannt. Das Jahr 1976 war für mich eines davon. Unsere Geschichte beginnt in einem kleinen Klassenraum in einem riesigen, alten Schulgebäude in Aachen, im altehrwürdigen Kaiser Karls Gymnasium (KKG). Es ist Montag, der 4. Oktober. Inmitten einer Klasse von Sextanern wurde eifrig und altklug über die Bundestagswahlen diskutiert. Aber an diesem Tag geschah im Lateinunterricht noch etwas ganz Besonderes. Etwas, was beinahe auf den Tag genau, ein halbes Jahrhundert später, als Echo nachwirkte.</p><p>Spoiler: es geht um eine persönliche Erfahrung mit Asterix , seinem selbstbewussten Freund Obelix und dem niedlichsten Hund aller Zeiten, Idefix. Diesmal geht es nicht wirklich um Griechenland, die Türkei oder den Balkan. Außer, man sieht Herakles und einen Marathonlauf pars pro toto als Repräsentanten des Balkans.</p><p> </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/66448086-3b87-4f05-af68-4c9efc9b1880/uploads/images/phgfngxinc/Passierschein_A_38.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Copyright der Abbildung: ASTERIX®-OBELIX®-IDEFIX® / © 2026 LES ÉDITIONS ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO</figcaption></figure><p>Aber der Reihe nach.</p><h2>Fünftklässler, die Sechstklässler genannt wurden</h2><p>Sexta, Lateinisch für die Sechste, so nannte man in einem humanistischen Gymnasium, wie es das KKG war, die erste Klasse der weiterführenden Schule. Es ist eigentlich nach der Grundschule die Fünfte. Ja, werden Altphilologen einwerfen, die Abschlussklassen wurden in Gymnasien rückwärts gezählt. Neudeutsch nennt man so etwas Countdown: 6, 5, 4, 3, 2, 1… </p><p>Schnell fällt dabei auf, dass man so auf sechs und nicht auf neun Schuljahre kommt. Man behilft sich in diesem antiquierten System mit einem Trick. Die Tertia, Sekunda und Prima – die Dritte, Zweite und die Erste werden zweigeteilt. Es gibt eine Untertertia, eine Obertertia, eine Untersekunda, eine Obersekunda eine Unterprima und eine Oberprima. Lateiner werden schnell entdecken, dass die Sekunda mit „k“ und nicht wie im lateinischen Original mit „c“ geschrieben wird. Die Ungereimtheiten, die wir heute mit pseudoenglischen Lehnwörtern haben, sind eben nicht so neu, wie so mancher denkt.</p><p>Die Schüler der jeweiligen Jahrgänge wurden mit eingedeutschten Begriffen als Sextaner, Quintaner, Quartaner, Untertertianer, Obertertianer, Untersekundaner, Obersekundaner, Unterprimaner sowie Oberprimaner betitelt. Die Lateinsprechenden sind verrückt – oder stilgerecht: Hi Latine loquentes insaniunt. So sind wir es von Asterix-Heften gewohnt. Denn in diesen ist es üblich, dass Originalzitate auf Latein eingestreut werden.</p><p>Für den gemeinen Sextaner aus dem Jahr 1976 war das die beliebteste Ausrede, um einen Comic-Band an den strengen Blicken der Eltern vorbeizuschleusen. Um die Erlaubnis zu bekommen, das gesparte Taschengeld in „dieses Heftchen“ zu investieren. Schließlich gab es auf dem KKG als erste Fremdsprache ab der fünften Klasse – der Sexta – Latein.</p><p>Später kam neben dem Englischen auch Altgriechisch hinzu. Bei Letzterem hatte ich einen ungeahnten Heimvorteil, weil der Dialekt der Pontosgriechen, zu denen ich wegen meines Vater gehöre, ein antiker attisch-ionischer Dialekt ist. Englisch stellte auch keine Hürde dar. Mutter war Dolmetscherin – Latein, ich sollte es sieben lange Jahre bis zum großen Latinum lernen, blieb die Hürde, die zu bewältigen war.</p><h2>Zurück in die bunte Vergangenheit</h2><p>Zurück zum Montag, den 4. Oktober 1976. Ich erlebte wie eingangs erwähnt als Sextaner zum ersten Mal bewusst die Diskussionen nach Bundestagswahlen. Es waren die ersten Bundestagswahlen, bei denen Achtzehnjährige passiv wahlberechtigt waren. Denn volljährig mit Achtzehn ist man in Deutschland erst seit dem 1.1.1975. Meine Mutter, eine Deutsche, hatte gewählt, Vater als Grieche natürlich nicht. Ich musste damals schon ab 19 Uhr ins Bett. Mehr als die erste Hochrechnung hatte ich nicht gehört. Und so hatte ich bei den Diskussionen meiner Mitschüler nicht viel beizutragen. Wenn man nichts zu sagen hat, guckt man nur. Und so brannte sich das Bild der bunten Kleidung, die wir seinerzeit alle trugen, in meinen Kopf. 1976 war – verglichen mit heute - alles irgendwie bunt. Das Orangene und das Rote waren überall präsent. Außer den weißen Taxis und den schwarzen Leichenwagen waren alle Autos auf den Straßen in poppigen Farben lackiert.  </p><p>Es sah an diesem Montag ganz nach einem gebrauchten Tag aus, bis der Lateinunterricht begann. Dr. Robert Wagner, im Nachblick ein unglaublich sensibler, gebildeter, liebe- und humorvoller Mann, hatte in meinen Kinderaugen eine gewisse optische Ähnlichkeit mit dem unterlegenen CDU- Kanzlerkandidaten Helmut Kohl. Oberstudienrat (was für ein Wort) Wagner, aus Bamberg stammend, lehrte Latein, Altgriechisch und Geschichte. Und er schaffte es zu Beginn jeder Unterrichtstunde mit einem aktuellen Aufhänger in den Stoff einzusteigen. Heute weiß ich, dass es oft Improvisation war. Ich hatte und habe die Ehre neben dem freien Beruf als Lehrkraft tätig zu sein. Vieles habe ich mir von Wagner und zwei, drei weiteren Lehrern vom KKG abgeschaut.</p><p>Der Lateiner traf auf eine politisch angespannte Klasse. Die meisten Mitschüler stammten gefühlt aus konservativem bis erzkonservativem Umfeld – zumindest waren es die lautesten. Demgegenüber standen Schülerinnen und Schüler wie ich, die ohne</p><p>Wagner spannte geschickt den Bogen. Er erklärte uns, dass wir nicht nur Latein lernen würden, sondern auch römische Lebensarten und römische Geschichte. Er sinnierte darüber, dass Politik und gesellschaftliche Ereignisse immer Teil so einer Geschichte seien. Geschichte, so Wagner, könne man überall entdecken. Man könne die Politik und geschichtliche Spuren sogar in Comics wiederfinden.</p><p>Ich horchte auf. Die „Schundheftchen“, als die sie der deutsche Opa immer gern bezeichnete, sollten lehrreich sein? Es wurde noch besser. Dr. Wagner erklärte uns, dass in den Asterix-Heften aktuelle Ereignisse mit der Geschichte Frankreichs und dem Seelenbefinden der Franzosen verbunden würden. Hatte er Asterix gesagt? Er hatte. Sein Sohn hatte in irgendeiner Arbeit für sein Studium untersucht, wie sehr das Weltkriegstrauma der Franzosen in Asterix-Heften zu finden war. Das Analogon von Alesia, den Ort, den niemand von Asterix‘ Freunden kennen will, identifizierte er als Vichy, die „Hauptstadt“ des mit der Nazi-Besatzung kollaborierenden Regimes von Marschall Petain. Wagner versuchte unseren Blick auf die römischen Legionäre und Cäsar zu schärfen. Indem er uns animierte, Comic und Lateinlehrbuch miteinander zu vergleichen, lehrte er uns so ganz nebenbei, wie man mit Freude pauken kann. Und er griff das Standard-Lateinzitat aller Asterix-Hefte auf: Die spinnen die Römer.</p><h2>Comics von den Eltern bezahlt</h2><p>Wagners Worte tischte ich noch am gleichen Abend meinen Eltern auf. Von nun an wurden die Comics nicht von meinem Taschengeld, sondern von den Eltern bezahlt. Alle Comics? Nein, nicht alle, nur ein kleiner Teil davon. Nur ein kleiner Teil aus der Feder von René Goscinny und Albert Uderzo. Dass ich zwei Jahre später mit der griechischen Version des „der kleine Nick“, den unglaublich interessanten Geschichten von René Goscinny konfrontiert wurde und mit diesen meine Griechisch Kenntnisse vertiefte, verstärkte die Bindung zur Asterix Welt.</p><h2>Mutters Geschenk – das Kino</h2><p>1976 war auch das Jahr des ersten Kinobesuchs. Mutter kam eines Tages mit dieser Überraschung. Wieso es diese Belohnung gab, weiß ich nicht mehr. An alles andere erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen. Ich wusste gar nicht, wie es in einem Kino ist, wo man sich am besten hinsetzt. In Konzerte waren wir bereits gegangen – da muss man möglichst nah an die Bühne. Mutters Information: Als ich klein war, rannte ich bei meinem ersten Mal in die erste Reihe und der verspannte Nacken tut mir auch in der Erinnerung noch weh, meine ich noch hören zu können. Das Kino war eine unwahrscheinliche Offenbarung, der Ton, das Bild, das Gesamterlebnis. Auf der Leinwand gab es nach den Werbeclips „Asterix erobert Rom“.</p><p>Der Film war für mich damals gleich mehrfach wichtig. Asterix, der Held, den auch meine Mitschüler, Freunde und Bekannten bewunderten, musste die Neuauflage der Prüfungen des Herakles absolvieren. Plötzlich konnte ich damit punkten, dass Herakles Grieche war und dass eine Prüfung – der Marathonlauf – eindeutig von den Griechen erfunden worden war. Indirekt war der Film für mich damals ein Schritt zur Inklusion.</p><p>Und ich erinnere mich an eine Szene in der „Höhle der Bestie“. Mitten in der Höhle fährt an unseren Helden, Asterix, Obelix und Idefix plötzlich eine Mischung zwischen U-Bahn und S-Bahn vorbei. Die Gallier finden sich in einer Bahn-Station mit dem Namen Alesia wieder. Ich könnte schwören, dass ich im Kino unbewusst „Victoria“ gelesen hatte. Denn im Sommer zuvor hatte ich ein ähnliches Erlebnis, als ich mit meinen Eltern und deren Aachener Freunden in der Victoria-Station auf den „Ilektriko“, die hybride U- und S-Bahn wartete. Der gesamte Film war, wie viele Asterix-Bände, voll mit Anachronismen. Heute kann man ihn – inklusive Waschmittelwerbung - auch als Zeitzeugnis für die Siebziger ansehen.</p><h2>Das Haus, das Verrückte schafft</h2><p>Und natürlich gibt es im Film das „Haus, das Verrückte schafft“. Es geht um ein Amt, auf dem Asterix und Obelix den berühmten Passierschein A38 erlangen müssen. Dabei drohen auch sie, an der Bürokratie zu verzweifeln. Diese Sequenz erwähne ich Schülern in Griechenland gegenüber gerne, um zu beschreiben, wie es früher einmal war. Denn der griechische Staat ist komplett digitalisiert. Den Passierschein A38 müsste man im modernen Hellas mit einigen Mausklicks im Internet beantragen. Was für die Griechen nun Geschichtsunterricht ist, ist in Deutschland oft sowohl im realen als auch im virtuellen Amt noch Realität. Wer sagt, dass man mit Asterix nicht in Zeit und Raum reisen kann?</p><h2>Eine Mail vom 2. Oktober</h2><p>All diese Gedanken und noch viel mehr Erinnerungen kamen mir in den Sinn, als ich am 2. Oktober eine Mail erhielt. Ich wurde informiert, dass der Egmont Verlag eine illustrierte Sonderausgabe „Asterix erobert Rom“ als gebundene Ausgabe (Erscheinungsdatum 6.10.2026) oder mit Softcover (20.10.2026) herausgibt. Man feiert die 50 Jahre seit der Filmpremiere von „Asterix erobert Rom“.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/66448086-3b87-4f05-af68-4c9efc9b1880/uploads/images/46kegrycsw/1219_ECC_01_ASTERIX_ERO_F30.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Copyright der Abbildung: ASTERIX®-OBELIX®-IDEFIX® / © 2026 LES ÉDITIONS ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO</figcaption></figure><p>Das ist nicht ungewöhnlich. So werden wir Journalisten über Neuerscheinungen informiert und so kommen wir oft auf die Idee, ein Rezensionsexemplar zu bestellen. Aus den oben genannten Gründen habe ich gleich mehrfach ein persönliches Interesse am Thema. Ich konnte mir zunächst ehrlich gesagt nicht vorstellen, was an der Sonderausgabe so besonders sein könnte. Man überraschte mich positiv.</p><p>Der Band, den ich elektronisch als pdf-Datei erhielt, ist kein Comic-Album und kein Asterix Heft im üblichen Sinn. Asterix erobert Rom gab es, anders bei den übrigen Asterix-Zeichentrickfilmen nicht als Comic. Dafür hat man nun ein Album in Händen, in denen es auch kleine „making of“ Einblicke zur Filmentstehung gibt.</p><p>Es ist kein Buch im Sinn eines Romans. Man kann das Werk auch nicht als Drehbuchvorlage bezeichnen, denn das wäre zu wenig. Es ist von allen etwas. Und es ist damit auch für eingeschworene Asterix-Fans, die schon alles haben, etwas, worüber sie sich freuen könnten. Ab einem gewissen Alter kommen mit diesem Band viele Erinnerungen wieder ans Tageslicht. Jüngere Leser, auch solche, die Asterix noch nicht kennen, können mit der Sonderausgabe einen Einblick bekommen, was die Comic-Reihe für ihre Eltern und Großeltern war.</p><p>Andere wiederum können den Band als eine Art Libretto für das kommende Asterix Kino-Festival betrachten. Ab dem 14. Januar 2027 kommen die ersten drei Filmabenteuer „Asterix – Der Gallier“, „Asterix erobert Rom“ und „Asterix und Cleopatra“ in restaurierten Fassungen in die deutschen Kinos.</p><p>Was kostet der Spaß? Mir wurden Preise in Euro von 17,00 Euro für den gebundenen Band und 9,99 Euro mitgeteilt. In Schweizer Franken soll das Werk für 24,50 SFR respektive 16,50 SFR erhältlich sein.</p><p>Transparenzhinweis: Ich habe keine Bezahlung für diese Rezension erhalten und verdiene auch nicht am Buchverkauf.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Kultur]]></category>
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      <pubDate>Mon, 05 Oct 2026 22:16:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Balkan-Blues: „Lehre mich das Tanzen (Leben), wirst Du das tun?“]]></title>
      <description><![CDATA[Wie viele Alexis Zorbas gibt es? Nikos Kazantzakis schrieb in Rechenschaft vor El Greco: „Müsste ich die Menschen nennen, die die tiefsten Spuren in meiner Seele…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/98f43556-4b70-4836-90d5-003f1194485b/uploads/images/3chik7ywwl/Daily2ChalkidaEvia260916-1-6.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h2>Wie viele Alexis Zorbas gibt es?</h2><p>Nikos Kazantzakis schrieb in <em>Rechenschaft vor El Greco</em>: „Müsste ich die Menschen nennen, die die tiefsten Spuren in meiner Seele hinterlassen haben, so wären dies wohl Homer, Buddha, Nietzsche, Bergson und Zorbas.“ Bei Homer und Buddha nimmt man eine reale Person als Hintergrund an. Die Philosophen Nietzsche und Bergson waren ebenfalls Menschen, die gelebt haben. Wie aber verhält es sich mit Zorbas? Ist es am Ende nur eine idealisierte Roman- und Filmfigur?</p><p> </p><p>Das Buch *Nikos Kazantzakis: Alexis Sorbas“ ist in deutscher Übersetzung von Alexander Steinmetz erschienen. Die Transkription des Namens mit „S“ für das griechische „Z“ folgt den von Steinmetz angewandten Transkriptionsregeln. Es ist lustig, dass der Roman gerne als „Buch zum Film“ beworben wird. Die Originalausgabe von Kazantzakis erschien 1946, die Verfilmung kam im Dezember 1964 in die griechischen Filmtheater. Für die Kamera verantwortlich zeichnete ein enger Mitarbeiter des griechisch-zypriotischen Regisseurs und Multikünstlers Michalis Cacoyiannis. Es war der aus Berlin stammende Weltenbummler Walter Lassally.</p><h2>Ein reales Vorbild</h2><p>Im Prinzip könnte den Helden auf eine literarische Figur begrenzen, wenn man die Geschichte streng an einem Alexis Zorbas und den von Kazantzakis beschriebenen Ereignissen auf Kreta ausgehen würde. Praktisch aber lebte Georgios Zorbas, wie er wirklich hieß. Er hatte zwar Kreta zeitlebens nie aus der Nähe gesehen, aber er arbeitete wie im Buch beschrieben in einer Mine in Mani auf dem Peloponnes für Kazantzakis.</p><p>Der reale Zorbas war wie sein literarisches Alter Ego grenzenlos. Unser Held wurde um 1865 in Katafygi, Kozani, Mazedonien, geboren. Er bewährte sich in mehreren Berufsfeldern, als Viehzüchter, Schmied, Holzfäller und vor allem als Bergmann auf der Halbinsel Chalkidiki. Zum Ende seines Lebens ließ er sich in Skopje im damaligen Jugoslawien nieder. Dort kaufte er Minen und gründete erneut eine Familie. Ab April 1941 war Skopje nach dem Überfall der Deutschen unter der Besatzung des Königreichs Bulgariens. Am 16. September 1941 starb Zorbas. Die Quellenlage ist nicht eindeutig. War es ein Schlaganfall? Waren es die Folgen des Kriegs? Oder war es ein Schlaganfall wegen der Einschränkungen von Krieg und Besatzung? Zorbas Grab ist in Skopje, im heutigen Nordmazedonien.</p><p> </p><p>Die spätere Generalsekretärin des griechischen Belgrader Clubs „Rigas Feraios“ und Präsidentin des Vereins der Freunde von Nikos Kazantzakis in Serbien, Anna Geiger, war eine Nachfahrin von Zorbas Familie aus Skopje. Sie war die Tochter von Katina Yanta und Jovan Yanta. Sie starb 2002.</p><p> </p><p>Georgios Zorbas, oft Giorgis genannt, hatte auch mit seiner Frau Eleni eine große Familie. Eleni bekam insgesamt 12 Kinder, von denen 8 überlebten. Zu seinen bekanntesten Nachkommen aus dem „griechischen Zweig“ zählt ein Urenkel: Pavlos Sidiropoulos, ein revolutionärer Rockmusiker und Komponist, für viele seiner Generation nur „der Prinz“. Sideropoulos starb am 6. Dezember 1990 mit nur 42 Jahren an einer Überdosis. War es Selbstmord durch den goldenen Schuss, weil sein linker Arm aus unerklärlichen Gründen wie gelähmt war? Fragen, die auch die aktuell junge Generation noch beschäftigen. Musikalben von Sidiropoulos erschienen auch im aktuellen Jahrtausend. In der modernen Jugendsprache sagt man Funfact zu einer weiteren interessanten Detailinformation: Sidiropoulos war auch der Neffe der Schriftstellerin Elli Alexiou und ihrer ebenfalls schriftstellerisch tätigen Schwester Galatia Kazantzaki, der ersten Gattin von Nikos Kazantzakis. Pavlos Sidiropou Mutter hieß Ioanna (Jenny) Zorba-Sidiropoulou und stammte aus Heraklion auf Kreta. Sie war die Tochter von Andromache, der Tochter des historischen Georgios Zorba.</p><p>Zorbas in der berühmten, Oscar-Prämierten Literaturverfilmung von Cacoyannis kurz angedeuteter familiärer Hintergrund und Lebenslauf war im realen Leben sogar noch vielfältiger. Allerdings gibt es außer der Verlegung des Drehortes nach Kreta noch einige weitere Ungereimtheiten zwischen Film und Wirklichkeit.</p><p> </p><p>Der reale Zorbas war, wie im Film gezeigt ein Virtuose am Santouri. Das teuflisch schwer zu beherrschende Instrument aus der Familie der Zittern ist eine Wissenschaft für sich. Aber, allein der Fantasie der Filmschaffenden entsprang die Szene in der Zorbas seinem Auftraggeber auf dessen Verlangen das Tanzen beibringt. Der gezeigte „Sirtaki“ existierte vor dem Film überhaupt nicht als griechischer Tanz. Er wurde musikalisch von Mikis Theodorakis erfunden. Dass der Schlusstanz metaphorisch als die Kunst zu Leben zu verstehen ist, ist nicht schwer.</p><h2>Zorbas als Symbol</h2><p>Wenn wir nun die Lebensläufe aller bisher genannten Personen, Galatia Kazantzakis, Anna Geiger, Mikis Theodorakis, Michalis Cacoyiannis, Walter Lassally, Elli Alexiou, Pavlos Sidiropoulos, Katina und Jovan Yanta, Rigas Feraios und allen voran Nikos Kazantzakis studieren, dann finden wir in jeder Biografie eine oder einen Zorbas. Das Lebensgefühl und das Streben der Freiheit, das uns Kazantzakis in seinem Roman <em>Βίος και πολιτεία του Αλέξη Ζορμπά</em> (Originaltitel) aufzeigte, kann man oft und in vielen Personen entdecken, wenn man danach sucht.</p><p>Unser Autor, Nikos Kazantzakis, wurde am 18. Februar 1883 im damals noch osmanischen Heraklion auf Kreta geboren. Als einer der bedeutendsten griechischen Schriftsteller der Neuzeit und weltweit einer der meistübersetzten Autoren schuf er ein großes Gesamtwerk bestehend aus Prosa, Belletristik, Lyrik, Philosophie und Theaterstücken. Zusätzlich beschäftigte er sich mit Journalismus, Musik und Politik. Sein bescheidendes Steingrabmal in der Bastion Martinego trägt auf der Rückseite unter dem Holzkreuz einen Auszug aus seinem wichtigsten Werk, <em>Askese: Salvatores Die</em>: „Ich hoffe auf nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.“ Von seinem Grab aus hat man einen der wenigen Panoramablicke auf die Stadt Heraklion. Man denkt an diesem Ort förmlich zu spüren, dass die Abwesenheit von Furcht und Hoffnung zu vollkommener spiritueller Autonomie und Freiheit führt.</p><h2>Kazantzakis und Zorbas – wahre Helden</h2><p>Wenn ein Mann von der spirituellen Größe Kazantzakis einen für viele Zeitgenossen eher unbekannten Giorgis Zorbas in einer Reihe neben Homer, Buddha, Nietzsche und Bergson als Vorbild anführt, dann steckt da mehr dahinter als eine Geschichte über eine Mine auf dem Peloponnes (real) oder auf Kreta (im Film). Wie tief das Vertrauen zu Zorbas gewesen sein muss, zeigt die Tatsache, auf wen er sich bei seiner schwierigsten Lebensaufgabe verließ. Ab 1919 und für 15 schwere Monate war Kazantzakis als Sondergesandter (Generaldirektor des Gesundheitsministeriums) des griechischen Premiers Eleftherios Venizelos im Kaukasus und im Gebiet des Pontos Euxinos am Schwarzen Meer unterwegs. Seine Auftrag war es Pontos-Griechen und Kaukasus-Griechen, die Opfer ethnischer Säuberungen wurden, zu retten. 100.000 bis 150.000 Rettungen gehen auf Kazantzakis Konto.</p><p>Seine engsten Vertrauten und Helfer bei diesem Abenteuer waren: Iraklis Polemarhakis und Yannis Konstantarakis, seine geliebten Klassenkameraden, Yannis Angelakis, ein Anwalt aus Kleinasien und Georgios Zorbas. Es war eine Heldentat, die Kazantzakis nie an die große Glocke hängte – vielleicht fehlt sie gerade deshalb in „Alexis“ Zorbas Biografie.</p><p>Welche Menschen und welche Lebewesen tiefe Spuren in unserer Seele hinterlassen haben - stellen wir uns diese Frage? Hatten oder haben wir Gelegenheit gehabt mit ihnen zu sprechen? Konnten wir es ihnen sagen? Für alle, die sich noch tiefer mit der Thematik und der wunderbaren Welt von Kazantzakis beschäftigen wollen, gibt es als Buchtipp das Gesamtwerk des Autor. Ich wüsste persönlich nicht, welches Buch ich aussortieren müsste. Zorbas ist eindeutig ein schönes Einstiegsbuch, um Kazantzakis kennenzulernen. Der Roman über Zorbas kann süchtig machen nach mehr - glücklicherweise liefert das Gesamtwerk des Autors dieses „Mehr“. Besser noch, man kann die Bücher auch mehrfach lesen und immer wieder etwas Neues in ihnen entdecken.</p><p> </p><p>Je nach Periode und Geschehnissen habe ich immer das eine oder andere Lieblingsbuch. <em>Die griechische Passion“ hat aktuell diesen Platz inne. Es geht im Buch – des exkommunizierten Kazantzakis – um eine bittere Kritik an der Diskrepanz des christlichen Glaubens zum unchristlichen Handeln der angeblich Gläubigen. Der Stoff wurde mehrfach verfilmt, unter anderen als Serie für das griechische Fernsehen und in einer weiteren interessanten Interpretation als Serie für die BBC. Eine der interessantesten Verfilmungen hat mit Carl Möhner und Gert Fröbe deutschsprachige Schauspiellegenden in Hauptrollen. Es ist der 1957 erschienene Film </em>Der Mann, der sterben muss* von Jules Dassin. Ein eindrucksvolles Werk – aber auch hier gilt: Das Buch ist um Längen besser.</p><p></p><p>Ohne Foto von Kazantzakis oder Zorbas wählte ich als Aufmacher das Konterfei des sympathischen Katers, den ich am Ufer von Nea Artaki traf. Waum? Weil er ein Überlebenskünstler ist – ein Survivor, wie die heutige Generation ihn taufen würde.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Kultur]]></category>
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      <pubDate>Sun, 04 Oct 2026 13:19:34 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA["It ain't over till the fat lady sings"]]></title>
      <description><![CDATA[Heißt bei uns: Der Sommer ist erst vorbei, wenn die letzten Trommler weg sind Zugegeben, für mich ist zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen noch der 62. August.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2>Heißt bei uns: Der Sommer ist erst vorbei, wenn die letzten Trommler weg sind</h2><p>Zugegeben, für mich ist zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen noch der 62. August. Zumindest tu ich so. Es ist das Festhalten wollen am Sommer. «Καλοκαιράκιδες», Sommertypen, nennt man Menschen wir mich in Griechenland. Das Pendant sind die «Χειμονάκιδες», die Wintertypen. Es soll Familien geben, in denen beide Spezies konfliktbefreit miteinander leben.</p><p> </p><p>Sommer, dieses beschwingte Gefühl, ohne Heizkosten, ohne großartigen fossilen Energieverbrauch mit allerlei frischen Früchten, Gemüse und Salaten durch die Tage zu kommen. An Kleidung braucht man – zumindest hier in südlichen Breiten – nicht mehr als eine kurze Hose, ein möglichst ärmelloses Shirt und irgendwas mit Sandalen (ohne Socken). Die Tage sind lang und die unbeschwerten Nächte eine kurze Unterbrechung der sonnigen Freude; die scheinbar unerträgliche Leichtigkeit mediterranen Lebens.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e528d81f-5caa-41d3-84c7-a3aeae42e455/uploads/images/oske4n66w5/CicadaChalkidaEvia260918-2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wenn man auch noch nahe am Meer ist, dann sind die Hitzetage weniger intensiv. Die riesige, natürliche Klimaanlage – das Mittelmeer – sorgte heuer dafür, dass die 40 Grad Celsius nie erreicht wurden. Sie war so wohl temperiert, dass auch am 53. August, auch als 22. September bekannt, noch ein angenehmes Bad möglich war. Wobei ich unter angenehm verstehe, dass ich per pedes zum Strand pilgere. Der Ablauf ist dann: Kurz an den Strand setzen, verschnaufen, rein ins Wasser, einige imaginäre Bahnen schwimmen und wieder raus an den Strand. Dann das Handtuch überwerfen und trotz nasser Badehose wieder nach Hause pilgern. Bevor man zuhause ist, ist alles knochentrocken.</p><p> </p><p>Bis vor knapp einer Woche war das Prozedere problemlos möglich. Heute ginge es nur, wenn man nicht zu lange im Wasser bleibt und beim Rausgehen sofort die nasse Badehose auszieht. Ein mitgebrachter Regenschirm ist unerlässlich. Ansonsten droht mindestens eine unangenehme Erkältung. Die Zeit der Winterschwimmer ist angebrochen. Und sie kam plötzlich.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e528d81f-5caa-41d3-84c7-a3aeae42e455/uploads/images/ixdisbaikz/CicadaChalkidaEvia260918-8.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Plötzlich? Nicht ganz, denn einige sehr kleine Zeitgenossen geben uns lautstark Bescheid. Lautstark? Nicht wirklich, denn eigentlich hören sie auf zu musizieren. Es geht um die perfekten Drummer. Die Trommler, deren Konzert den Sommer begleitet. Zwischen siebzehn und zwanzig Jahren lang bereiten sie sich auf ihren Kultursommer vor. Unter der Erde, als grabende Insekten. Sie kommen aus dem Untergrund hervor, wenn die Temperatur warm genug ist und der Sommer uns alle erfreut. Dann klettern sie an allem hoch, was ihnen passend erscheint. „Sommer ist, wenn die Zikaden platzen“, sagen die Älteren. Und so sieht man Zikadenhäute auf Bäumen, auf Zäunen und auch auf Fahrrädern, Motorrädern sowie den Reifen von Anhängern. Sie sind überall.</p><p> </p><p>Es ist die „Terrakotta-Armee“ des Sommers. Solange neue Zikaden aus der Erde kommen, so lange ist der Sommer nicht vorbei. Bis der letzte Trommler verstummt haben wir Sommer.</p><p> </p><p>Die letzten Trommler verstummten in unserem Hinterhof Anfang September – rund um den 40. August. Im Park am kleinen Hafen hörte man sie noch bis zum 53. August (22. September). Dann kamen der Regen und der Temperatursturz.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e528d81f-5caa-41d3-84c7-a3aeae42e455/uploads/images/7siyll23j2/CicadaChalkidaEvia260918-11.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Am vergangenen Sonntag hat ein starkes Herbstgewitter die meisten Zikadenhäute hinweggespült.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e528d81f-5caa-41d3-84c7-a3aeae42e455/uploads/images/pq53ghcrdt/Daily2ChalkidaEvia260916-1-2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Guten Monat, guten Oktober – der Sommer ist für dieses Jahr vorbei. Für alle? Nicht für alle. Jetzt beginnt die Zeit, an der wir mit dem besten Hund von allem sämtliche Strandbesucher mit dem Namen anreden können.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Gemischtes]]></category>
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      <pubDate>Thu, 01 Oct 2026 08:33:56 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die beste Kamera der Welt?]]></title>
      <description><![CDATA[Mythen der Fotografie entzaubert – Teil 1 Hinsichtlich der Fotografie gibt es zahlreiche Mythen, Klischees und Binsenweisheiten. In loser Abfolge sollen einige von ihnen…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e51a63de-6c75-4b84-b7b5-ddb04d4c8ff7/uploads/images/i7isizpitq/DailyChalkida260420-110.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h2>Mythen der Fotografie entzaubert – Teil 1</h2><p>Hinsichtlich der Fotografie gibt es zahlreiche Mythen, Klischees und Binsenweisheiten. In loser Abfolge sollen einige von ihnen bestätigt, ergänzt oder widerlegt werden. Spätestens seit dem Buch „The Best Camera Is The One That&#39;s With You: IPhone Photography“ von Chase Jarvis wird die Binsenweisheit, dass die beste Kamera der Welt diejenige ist, die man dabeihat, weltweit verbreitet. Sie entbehrt nicht einer gewissen Logik. Denn was nützt eine Kamera, die man nicht hat, wenn man unbedingt etwas fotografieren muss? Aber ist die Aussage, dass die beste Kamera genau die ist, die man dabeihat, wirklich umfassend?</p><p> </p><p>Mathematiker und Physiker lieben solche Fragestellungen, die man mit Gegenbeweisen lösen kann. Regeln und Gesetze in Frage zu stellen gehört zu dem, wozu man ausgebildet wurde. Die Mathematiker sind in ihrer Beweisführung in der Regel sehr ausführlich und korrekt, Physiker neigen dagegen dazu, „in erster Näherung“ ihren Punkt zu setzen und die Details den Betrachtern zu überlassen. Man kommt nicht leicht von einem Klischee los. Ergo erhebe ich als Physiker keinen expliziten Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Es geht darum, einen Denkanstoß zu liefern. Und der Sinn dieses Einwurfs ist es, Fotografie zu propagieren.</p><p> </p><p>Denn genau darum geht es. Was nützt mir die schöne „beste Kamera der Welt“, wenn es mir keinen Spaß macht, damit zu fotografieren? In Jarvis‘ Buch geht es um ein bestimmtes Mobiltelefon. Eines, das für ihn zumindest zum Zeitpunkt des Schreibens seines Buchs auf eine individuelle Art und Weise das fotografische Nonplusultra war. Viele Fotografen rümpfen gerne die Nase über Fotos mit dem Mobiltelefon. Denn es sind ihrer Ansicht nach keine „richtigen Fotos“, weil es keine „richtige Kamera“ ist.</p><p> </p><p>Genau das bekam ich durch zwei Frauen und einen Mann eindrucksvoll widerlegt. Die erste, eine Universitätsdozentin, kam zu mir als Fotografie-Schülerin. Sie hatte eine perfekte, professionelle Spiegelreflexkamera eines führenden Herstellers. Dazu kam ein beeindruckendes Set von hochwertigen, professionellen Objektiven. Zu jener Zeit hatten sich die spiegellosen Systemkameras noch nicht durchgesetzt. Ich erwischte mich dabei, dass ich ihre Ausrüstung mit meiner, zum Teil schlechteren Ausstattung verglich. Was könnte man mit diesen Linsen nicht alles anstellen? Das ging mir durch den Kopf. Die Fotos der Schülerin mit der Kamera waren gut, aber nicht umwerfend.</p><p> </p><p>Ganz ehrlich? Man denkt dann als Dozent schnell: Was für eine Verschwendung? Man möchte Tricks mit der Ausrüstung lehren. Man will beibringen, wie man diese tolle Kamera mit diesen schnellen, scharfen Objektiven perfekt nutzen kann. Was aber, wenn dabei der Funke nicht überspringt? Spontan kam mir die Idee, bei der Foto-Tour alle dazu zu animieren, mit Kamera oder Mobiltelefon zu fotografieren. Was auch immer passte, sollte ausprobiert werden. Die Schülerin mit der perfekten DSLR und der professionellsten Ausrüstung lieferte an einem sehr sonnigen Tag das schönste Foto von allen – mit einem etwas älteren Mobiltelefon. Denn das hatte die Kamera, die sie bedienen konnte und mit deren Bildausschnitt sie intuitiv fotografisch denken konnte. Es war keine Nachbearbeitung nötig. Straight out of camera, SOOC – direkt als JPEG-Datei ging das Bild in den Druck für die Werksausstellung. Und es stellte die Bilder aller anderen in den Schatten. War es ein einfacher Schnappschuss? Ein Zufallsbild? Nein, denn auf der Foto-Tour gelangen ihr mehrere Bilder vergleichbarer Qualität. War die DSLR für sie letztendlich nutzlos? Auch das ist zu verneinen. Denn sie nutzte die Kamera auch bei einem späteren Kurs für Themen und Bildkompositionen, bei denen das Mobiltelefon unzureichend war.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e51a63de-6c75-4b84-b7b5-ddb04d4c8ff7/uploads/images/xb6fnmuk62/SunsetChalkidaEvia260916-2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die zweite Frau ist meine Tochter. Sie hat über mich Zugang zu professionellen Kameras. Seit ihrer Schulzeit kann sie von mir professionelles Gerät für Fototouren ausleihen und ältere Kameras „aufbrauchen“. Das eine oder andere Foto von ihr wurde in Print-Zeitschriften veröffentlicht. Viele Bilder schafften es in Online-Publikationen. Und doch erwischte sie sich dabei, dass sie nie einfach so mit der Kamera auf die Straße ging. Sie wollte aber gerne regelmäßig fotografieren, erklärte sie immer wieder, wisse aber nicht wie.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e51a63de-6c75-4b84-b7b5-ddb04d4c8ff7/uploads/images/lqyaxzxs2u/CicadaChalkidaEvia260918-2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Jetzt hat sie wieder Spaß am Fotografieren. Mit dem Mobiltelefon macht sie ihre Street-Fotografie und ihre Fotoprojekte. Türen, Gebäudefassaden und Schnappschüsse kann ihr Telefon sehr gut ablichten. Für Erinnerungsfotos hat sie analoge Kameras entdeckt. Eine moderne Sofortbildkamera ist ihr Stolz. Allein schon wegen der Preise für die Filme wird jedes Foto von ihr bewusst zelebriert.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e51a63de-6c75-4b84-b7b5-ddb04d4c8ff7/uploads/images/23ovqavriq/ResinChalkidaEvia260918-1.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Im vergangenen Sommer kam sie erneut mit einer Idee. Was, wenn sie ihre DSLR gegen eine analoge Sucher- oder Messsucherkamera eintauschen würde? Sie war sich sicher, das würde ihr die Freude am Fotografieren wieder zurückgeben. Lange Geschichte kurz erzählt – es kam genauso. Sie ist nun oft mit einer alten Kamera ihres Opas unterwegs und sie ist sehr glücklich damit. Auch die Fotos mit dem Mobiltelefon wurden besser – weil sie genauer hinsieht. Eine ähnliche Richtung hat ein befreundeter Rechtsanwalt und begnadeter Fotograf eingeschlagen. Er hat mehrere Bildbände veröffentlicht. Er könnte sowohl vom juristischen Beruf als auch vom fotografischen Hobby leben. Auf einen Schlag verkaufte er seine komplette digitale Ausrüstung und macht nur noch mit analogen Kameras weiter.</p><p> </p><p>Pars pro toto zeigen diese individuellen Beispiele, dass „die beste Kamera der Welt“ tatsächlich eine ist, die man dabeihat. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es muss auch eine Kamera sein, die man gerne aus der Tasche holt und die zum Fotografieren animiert. Was nützt die schönste Kamera, die man dabeihat, aber aus vielerlei Gründen nicht benutzt?</p><p>Aktuell habe ich die Kamera vom Aufmacherfoto immer gerne dabei. Es ist nicht meine neueste Kamera. Es ist auch nicht die schnellste Kamera oder die technisch perfekte. Es gibt kein warum, keine logische Begründung. Und ist nicht genau das ein Teil der Magie der Fotografie? </p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Fotografie]]></category>
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      <pubDate>Tue, 22 Sep 2026 20:04:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[The story of my…. Wiedehopf]]></title>
      <description><![CDATA[Wie ein(?) Vogel mich einen Sommer lang auf Trab hielt Seit Frühjahr 2026 habe ich einen Vogel – dachte ich zumindest. Denn seit Ende August weiß ich, dass es mehrere…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2>Wie ein(?) Vogel mich einen Sommer lang auf Trab hielt</h2><p>Seit Frühjahr 2026 habe ich einen Vogel – dachte ich zumindest. Denn seit Ende August weiß ich, dass es mehrere Vögel sind und dass sie offenbar mich haben. Denn unser Hinterhof ist ihr Pit Stop. Es begann allerdings tatsächlich mit einem einzelnen Wiedehopf.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/534c7752-a0e6-4200-b570-b1d8d1260a1c/uploads/images/bielqwn25n/BirdChalkidaEvia260830-12.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der griechische Name für diese sympathischen Flieger ist τσαλαπετεινός (ausgesprochen: Tsalapetinos). Der Wiedehopf ist gegenüber Menschen tolerant. Aufgrund seiner Färbung, seiner Haube und seines Verhaltens ist er mit keinem anderen Vogel zu verwechseln. Er hat kräftige Beine und offenbar eine sehr große Neugier. Wie anders ist es zu erklären, dass Ende März ein Vertreter dieser Vogelart beschloss, unseren Hinterhof zu erkunden. Es war einer der ersten warmen Tage. Die Tür zum Hof blieb auf, zum Lüften und zum Herausgucken. Einzig die Schwingtür mit dem Fliegengitter trennte uns vom Hof, dem Landeplatz des Vogels.</p><p> </p><p>Der stolzierte herum, präsentierte seine Haube und spazierte furchtlos an der Katze vorbei. Nur mit Louis hatte er nicht gerechnet. Unser Redaktionshund stieß die Schwingtür auf und stürzte sich laut bellend in Richtung Wiedehopf – weg war er. Das Spiel wiederholte sich mehrfach bis Mitte April. Ich dachte, ich hätte es mit einem einzelnen Vogel zu tun. In den Jahren zuvor hatte ich so ein Tier nie gesehen. Ergo sprach ich mit Freunden und Verwandten darüber. Ziel war es, das Tier, das so oft erschien, zu fotografieren. Aber das erwies sich als gar nicht mal so einfach. Denn beim Anblick einer Kamera war der Vogel – wir glaubten alle zu diesem Zeitpunkt, dass es nur einer war – weg.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/534c7752-a0e6-4200-b570-b1d8d1260a1c/uploads/images/44bxigwmjm/BirdChalkidaEvia260830-5.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Auch Dimitris berichtete, dass so ein Vogel auf seinem Balkon in Chalkida gelandet sei. Wobei dort auch ohne das Gebell von Louis und ohne konventionelle Kamera kein Foto möglich war. Selbst ein Mobiltelefon schien ihn zu erschrecken. Ein Vogel, der vollkommen selbstsicher in die Küche hinein stolzierte und der auf Dimitris‘ Balkon keine Ecke unerforscht ließ. So ging es bis Mitte Mai. Da rief Dimitris begeistert an: „Das sind zwei Vögel, die waren als Paar eben auf dem Balkon!“.</p><p> </p><p>Es half nichts, die Vögel blieben kamerascheu. Bis eines sonnigen Tages Ende August Louis das Geheimnis lüftete, wo sich die Vögel aufhalten, wenn sie nicht in unserem Hinterhof oder auf Dimitris‘ Balkon Nahrung suchen. Wir waren im kleinen Park am Strandufer von Nea Artaki. Louis wurde unruhig, blickte die Bäume hinauf und bellte. Ich versuchte zu erkennen, was er anbellte, und sah eine Silhouette mit der charakteristischen Haube. Ich notierte mir die Zeit.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/534c7752-a0e6-4200-b570-b1d8d1260a1c/uploads/images/spmx2aqlvx/BirdChalkidaEvia260830-9.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Am nächsten Tag ging ich zur gleichen Zeit in den Park – ohne Louis und ohne Kamera. Verwundert registrierte ich, dass diese auffälligen Vögel mit ihrem unverwechselbaren Aussehen eine perfekte Tarnung haben. Denn man sah sie nur, wenn man sich auf sie konzentrierte. Die Vögel, im Park zählte ich mindestens vierzehn, waren all die Wochen und Monate vor unsere Nase. Sie haben eine Vorliebe für Zikaden. Dabei schnappen sie sich die Insekten sowohl im ausgeschlüpften, reifen Zustand als Vollinsekt, als auch kurz vor dem Häuten im Larvenstadium.</p><p> </p><p>Ich beobachtete sie eine Weile und beschloss, an einem der nächsten Tage mit Kamera wiederzukommen. Tatsächlich wiederholte sich das bekannte Spiel, sobald die Kamera hochgehoben wurde, waren die Vögel alarmiert und flüchteten. Allerdings sorgte die Nähe der Zikaden dafür, dass sie nicht allzu weit wegflogen. Und so gelangen endlich die ersehnten Bilder.</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/534c7752-a0e6-4200-b570-b1d8d1260a1c/uploads/images/eh2rvfxrme/BirdChalkidaEvia260830-3.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p> </p><p>Bis Ende September wird sich das Gros der Vögel auf die Reise ins Winterquartier nach Afrika begeben haben. Die letzten Nachzügler sind dann im Oktober weg. Auf ein Neues, wenn sie im Frühjahr 2027 wieder zurückkommen. Hoffentlich haben wir dann weniger verrückte Zeiten als heute.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Tiere und Haustiere]]></category>
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      <pubDate>Mon, 14 Sep 2026 13:17:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[„In Griechenland bist du, was du vorgibst“]]></title>
      <description><![CDATA[Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie einen realen Arzt oder Apotheker Dieser Spruch wird gerne mit dem Maler Giannis Tsarouchis verbunden. Er setzte ihn oft ein. …]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2>Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie einen realen Arzt oder Apotheker</h2><p>Dieser Spruch wird gerne mit dem Maler Giannis Tsarouchis verbunden. Er setzte ihn oft ein.  Seine Urheberschaft ist jedoch unklar. Jeder kennt die Leichtigkeit, mit der jemand in Griechenland sozialen Status, einen Berufstitel oder Ansehen erlangen kann. Es gibt nämlich viele, die durch die bloße mündliche Behauptung, ohne zwingend über die entsprechenden Qualifikationen zu verfügen Rollen und Berufe ausfüllen. Das kann humorvoll und lustig sein. Es kann aber auch tödlich enden.</p><p> </p><p>Beim aktuellen Beispiel zu Tsarouchis Lieblingsspruch geht es um den Tod eines der beliebtesten griechischen Künster – „Mazo&quot;. Giorgos Mazonakis, gerade mal 54 Jahre alt, starb am vergangenen Mittwoch in einer Arztpraxis im Athener Nobelviertel Kolonaki. Einer Praxis, die von der Naivität der Reichen und Schönen sowie von der Verzweiflung der Übrigen lebt. Es war ein unnötiger Tod. Ein Tod, der wütend macht.</p><p> </p><p>Wer war Mazonakis? Was ist das für eine Praxis? Das sind Fragen, um die es nun geht. Wichtiger aber ist: Was geht mich das Thema an? Viel, diese Antwort gibt es schon zu Anfang. Denn zu den Kunden der Praxis gehör(t)en auch Prominente und Künstler aus dem Ausland. Aus aller Welt reis(t)en sie an. Die Hauptakteurin des Dramas, eine Medizinerin ohne jegliche Fachausbildung, aber mit zahlreichen fantasievollen Titeln, war im In- und Ausland für ihre Dienste.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c6dd3a5d-d3ef-4257-a3f1-90a0ba118ae4/uploads/images/x42j4fb3sd/ChalkidaEvia260804-2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Das hätte sie auch noch lange weiter tun können, wäre nicht „Mazo“ in ihrer Praxis verstorben. Und hätte sie ihn nicht an ein Gerät zu einer Art „Blutbehandlung“ mittels Plasmapherese angeschlossen, und darüber gelogen. Dem Patienten wird über eine Kanüle Blut entnommen und dann wird das Blutplasma ausgetauscht. Danach wird das Blut wieder in den Körper gepumpt. Dabei kann es extreme und auch fatale Komplikationen geben. Das sei ein Eingriff ohne jedes Risiko, versicherte die Ärztin all ihren Patienten. Man glaubte ihr.</p><p> </p><p>Sie und ihr Ehemann, ebenfalls Arzt, logen, dass sich die Balken bogen. Der Künstler war nach aktuellen Ermittlungsergebnissen bereits neunzig Minuten tot, bevor die Rettung alarmiert wurde. Den innerhalb von drei Minuten eingetroffenen Rettungssanitätern erzählte man, dass Mazo wenige Minuten nach Eintreffen in der Praxis und vor jeglicher Behandlung einen Herzanfall erlitten habe. Hätte es nicht Mazonakis getroffen, dann hätte es wohl kaum eine so penible Überprüfung gegeben. Weder die Ärztin noch ihr Gatte würden jetzt in Untersuchungshaft sitzen. Vielmehr hätten sich beide weiterhin mit der Vermehrung ihres Vermögens beschäftigen können. Und sie hätten weiter Gelegenheit für prestigeträchtige öffentliche Auftritte gehabt.</p><p> </p><p>So repräsentierte die Ärztin 2023 ihre Praxis und ihre Kollegen auf einer Veranstaltung der Regionalverwaltung Attikas, des Tourismusministeriums und des Gesundheitsministeriums zum Medizintourismus aus dem Ausland nach Griechenland, der „1st Health Travel International Conference“.  Schon damals konnte jeder sehen: diese Life-Style-Mediziner haben Kunden, keine Patienten. Wie egal das den staatlichen Behörden war, zeigt ein Beitrag des damaligen Gesundheitsministers zum fraglichen Medizinkongress. Er meinte allen Ernstes, dass man auch Blutwäschen in Hotels durchführen solle, um den Medizintourismus zu fördern.</p><p> </p><p>Heute weiß ganz Griechenland, dass das illegal ist. Dass solche Eingriffe nur in wenigen spezialisierten Krankenhäusern und Kliniken durchzuführen sind. Und, dass eine normale Praxis keine Klinik ist. Gegenwärtig erklären Minister, der Vorsitzende der Ärztekammer und auch weitere Verantwortliche, dass niemand damals die Präsentation der Ärztin wirklich verfolgt habe. Es sei keinem aufgefallen, dass die betreffende Praxis überall im Internet mit unlizenzierten und nicht angemeldeten Maschinen Behandlungen anbot.</p><p> </p><p>Die Ärztin „las das Blut“ eines neunjährigen Mädchens. Nein, es geht nicht um eine mikrobiologische Blutanalyse, sondern vielmehr um das Lesen des Blutes, wie man Kaffeesatz liest. Sprich, sie meinte aus dem Blut Informationen zu den Sorgen und Problemen des Mädchens in dessen Vergangenheit „lesen“ zu können. Dass sie dies alles bei dem besagten Kongress aussprechen und bewerben konnte, dass der damalige Regionalgouverneur gleichzeitig Vorsitzender der Ärztekammer Attikas war und ist, das alles war natürlich Werbung für ihre Praxis und für Laien ein trügerischer Beleg von Seriosität.</p><p> </p><p>Sie hat in ihrem öffentlichen Lebenslauf eine Spezialisierung in „Quantenmedizin“ der „University of Hawaii“ stehen. Dazu behauptet die Ärztin unter anderen Gynäkologin und Schamanin zu sein. Den Abschluss in Quantenmedizin kann sie, wie man leicht recherchieren kann, nur von der akademisch nicht anerkannten „Quantum University“ in Hawaii erworben haben. Um es kurz zu machen, bei der zuständigen Ärztekammer Athens ist sie als Ärztin mit Universitätsabschluss aber ohne jegliche Fachausbildung gemeldet.</p><p> </p><p>Ihr Ehemann ist Pathologe. Auf seinen Namen läuft die Praxis. Er ist gleichzeitig Importeur medizinischer und paramedizinischer Apparate, sowie von medizinischen und paramedizinischen Präparaten. Die beiden kassierten viel Geld für das, was sie als medizinische Behandlung feilboten. Zwischen 250 Euro und 450 Euro kostete bei ihnen eine einfache Konsultation. Das fünfminütige Gespräch gab es für 200 Euro, wenn man auf einen Kassenbon verzichtete. Ein Grund, weswegen nun auch die Steuerfahndung auf den Plan gerufen wurde.</p><p> </p><p>Die Mediziner verkauften die Illusion der Longevity, der Landlebigkeit. Das wollten sie mit Plasmapherese, Stammzellentherapie, mit verschiedenen Tinkturen und weiteren Maschinen erreichen – oder zumindest sollten die zahlungswilligen Kunden es glauben. Dass die Ermittlungen nun ergaben, dass einigen Kunden auch Krankheiten eingeredet wurden, gehörte offenbar zum Geschäftsmodell.</p><p> </p><p>Diese neugriechische Tragödie soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass der überwiegende Teil der griechischen Ärzte für relativ niedrige Honorare in staatlichen Krankenhäusern und Polikliniken alles dafür tut, Leben zu retten und Lebensqualität zu erhalten. Unser tragischer Held, Giorgos Mazonakis, war ein Musiker und Sänger der Unterhaltungsmusik. Er war jedoch, was sehr selten ist, bei allen Musikern und bei Fans jeder Art von Musik beliebt. Ob Rock- oder klassischer Orchestermusiker, ob Rempetiko-Sänger oder kretischer Volksmusiker – alle trauern in diesen Tagen bei ihren Konzerten. Alle spielen das eine oder andere Lied von Mazo. Ob Boomer, Generation X, Millenials oder Gen Z – alle kennen die Strophen von mindestens einem Lied auswendig.</p><p> </p><p>Und so hilft Mazo auch mit seinem Tod, vielen die Augen zu öffnen. So, wie er mir Rat, Tat und Geld half, wann immer ihm jemand in Not auffiel. Das ist ein Grund, warum jetzt mit seinem Tod alle Fernsehsender und alle Print- und Onlinemedien sein persönliches Drama als erste Nachricht bringen – und der Grund dafür, dass sein Leichnam zur öffentlichen Anteilnahme und zur Totenwache in die Kirche seines Geburtsorts kam.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Politik]]></category>
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      <pubDate>Sat, 12 Sep 2026 21:36:50 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Autos „mit ohne” C, D, G, J, L, Q, S, V, W]]></title>
      <description><![CDATA[Griechische Nummernschilder sehen auf den ersten Blick aus, wie die anderen Autokennzeichen der EU-Staaten. Es gibt bei Autos in der aktuell modernen Ausführung eine…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Griechische Nummernschilder sehen auf den ersten Blick aus, wie die anderen Autokennzeichen der EU-Staaten. Es gibt bei Autos in der aktuell modernen Ausführung eine Abfolge von drei Buchstaben und danach vier Ziffern. Ältere Kennzeichen haben zwei Buchstaben. Bei Motorrädern haben wir drei Buchstaben und ein bis drei Ziffern. Autoanhänger haben zwei Buchstaben und fünf Ziffern. Bei Kleinkrafträdern und Mofas gibt es keine Kennzeichen des Verkehrsministeriums, sondern polizeilich zugeteilte Nummernschilder, bei denen die Besitzer selbst die Erstellung übernehmen.  Hier finden wir zwei Buchstaben und vier Ziffern.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/93af05dc-5dc6-41f0-8870-8acfb675fb16/uploads/images/hd6d2jtjpc/Net2ChalkidaEvia260803-1.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Nichts davon klingt seltsam. Und doch gibt es einige Eigenheiten. Wer auf einem griechischen Nummernschild ein „C“ sucht, wird es nicht finden. Auch die Buchstaben „D“, „G“, „J“, „L“, „Q“, „S“, „V“ und „W“ fehlen. Selbstverständlich gibt es keine Umlaute. Der Grund ist simpel. Auf den Nummernschildern der Griechen sollen nur Buchstaben stehen, die es auch im griechischen Alphabet gibt. A für άλφα B für βήτα und so weiter und so fort.</p><p>Es gab anfangs die Pläne, dass die Nummernschilder aus den ersten „lateinisch interpretierbaren“ Buchstaben des Sitzes der Zulassungsbehörde gebildet werden. Für Kilkis war das sehr einfach ein „KI“. Bei der Nachbarstadt Serres, auf Griechisch Σέρρες geschrieben, fällt der Anfangsbuchstabe Sigma weg. Das Epsilon wird in Druckbuchstaben zum „E“. Dann wird aus dem ersten Rho ein „P“. Europäer, wie man in Griechenland gerne die Nordeuropäer nennt, lesen „EP“ und Griechen „Epsilon Rho“. Danach folgte eine Reihe mit dem Buchstaben „A“ und als es hier 9999 Zulassungen gab, ging es mit „B“ weiter.</p><p>Das System schien durchdacht. Es scheiterte aber an der Tatsache, dass in Athen „halb Griechenland“ wohnt. Die Athener Zulassungsstellen haben einen unstillbaren Hunger nach Zulassungsnummern. Schnell waren Kennzeichen zum Beispiel aus Ioannina für Athener Autos zugeteilt worden. Im vergangenen Dezember parkte plötzlich auf Euböa ein Fernsehteam mit Nummernschild aus Kilkis auf einem nagelneuen Auto. Ich fragte nach bei den Kollegen. Es stellte sich heraus, dass sie von der staatlichen ERT aus Athen waren. Dort gab es gerade mal wieder keine Athener Nummern - man holte dann mal schnell welche aus Kilkis.</p><p>Auf Euböa war es üblich, die Autos mit den Anfangsbuchstaben der Inselhauptstadt zuzulassen. Χαλκίδα, Chalkida lieferte die Buchstaben „XA“. Heute hat Euboea die „EH“-Buchstabenreihe. Wir sind beim EHB.</p><p>Zum System gehören zudem verschiedene Farben für Fahrzeuge mit besonderem Zweck. Taxen haben schwarze Buchstaben auf gelben Grund. Ebenfalls gelb ist der Hintergrund bei Lastkraftwagen, die gemietet werden können.  Staatliche Autos haben schwarze Schrift auf orangem Hintergrund. Rote Buchstaben auf weißem Grund haben Autos, die mit Steuerrabatten erworben wurden.</p><p>Interessant ist, dass es auch Kennzeichen mit griechischen Buchstaben gibt. „ΔΟΚ“ steht für Überführungskennzeichen von Händlern. „ΠΣ“ steht für die Feuerwehr. Auch die Küstenwache, Luftwaffe, Kriegsmarine und das Heer haben ebenso wie das Diplomatische Corps griechische Buchstaben auf dem Kennzeichen.</p><p>Mithin fehlt es an der letzten Konsequenz. Denn so sind eben nicht alle Kennzeichen für „Europäer“ lesbar. Dennoch ist es ein Riesenfortschritt – zumindest gemessen an der Zeit von 1956 bis 1972. Damals gab es ein bis sechsstellige schwarze. Zahlen auf weißem Grund im unteren Teil des Kennzeichens. Im oberen Teil, und erheblich kleiner, stand auf blauem Grund der griechische Anfangsbuchstabe des Zulassungsbezirk. Aus der Entfernung waren und sind diese Kennzeichen nicht besonders leicht erkennbar. Es gibt noch vereinzelt historische Fahrzeuge mit diesen alten Autonummern. Sie wirken wie ein Relikt aus sehr alten Zeiten.</p><p>Fun fact: Die autonome Mönchsrepublik Athos hat eigene, griechische Kennzeichen. Sie beginnen mit den Buchstaben AO für Άγιον Όρος (Heiliger Berg).  Es folgt eine dreistellige Ziffer, dann ein Leerzeichen und dann eine zweistellige Ziffer. Das sind eine Menge möglicher Kombinationen für die insgesamt weniger als 2.000 dauerhaft auf der Halbinsel Athos lebenden Männer. Damit verhält es sich für die Fahrzeuge der Mönche genau andersherum wie mit den Autos der Bewohner Griechenlands, bei denen regelmäßig chronischer Mangel an Nummernschildern herrscht. Dann heißt es, Geduld zu haben, bis das Fahrzeug zugelassen werden kann.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Gemischtes]]></category>
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      <pubDate>Mon, 03 Aug 2026 20:04:34 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Griechische Kindheitserinnerung: Warum haben ein „Idiot.“ und sein…]]></title>
      <description><![CDATA[Zu den prägendsten Erlebnissen der Kindheit zählte ein erster langer Aufenthalt in Griechenland – ohne die Eltern. Der Kulturschock war umso größer, als dass ich aus…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Griechische Kindheitserinnerung: Warum haben ein „Idiot.“ und sein Bruder „Dim.“ so viele Autos?</h1><p>Zu den prägendsten Erlebnissen der Kindheit zählte ein erster langer Aufenthalt in Griechenland – ohne die Eltern. Der Kulturschock war umso größer, als dass ich aus einem von Willy Brands SPD regiertem Land schnurstracks in ein Land mit Diktatur kam. Zu den eindeutig positiven Erlebnissen gehörte das erlernte Lesen, unzähliges Lesematerial und die Antwort auf die lange unbeantwortete Frage, warum ein „Idiot“ aus der Familie „Chrisis“ so viele Autos hat.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c0bd2875-fe87-409b-8242-034c2b734970/uploads/images/lqnsjk6aqh/EPONEvia260721-1-8.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h2>Ein Todesfall sorgt für das Erleben von Vaters Heimat</h2><p>Auslöser für den ersten langen Betreuungsaufenthalt bei den griechischen Großeltern war der tödliche Herzinfarkt der deutschen Omi Anna. Ich war noch nicht in der Grundschule und Omi war bis dahin meine Bezugsperson. Mutter war berufstätig und vom frühen Verlust Omis geschockt. Wohin mit dem Kind? Ab zu den Großeltern nach Griechenland und dort in die Grundschule. Gesagt, getan. Und so fand ich mich aus dem belebten Aachener Ostviertel und der relativ dunklen Bismarckstraße mit den mehrstöckigen Mehrfamilienhäusern in Kilkis wieder. In einem Ort, in dem damals das Gebäude des „OTE“, des staatlichen Telefonunternehmens, das heute zur Telekom gehört, das größte war. Es hatte mitsamt der Parterre ganze drei Stockwerke. Alles drumherum war einstöckig oder maximal mit einem Obergeschoß ausgestattet. Kilkis hatte anders als Aachen keine Tram, keine Oberleitungsbusse und auch keinen innerstädtischen Busverkehr. Es gab zudem kaum private Personenkraftwagen. Wir Kinder konnten durch die Nebenstraßen toben, ohne dass jemand Angst um uns haben musste.</p><p>Die Mobilität im Ort fand unter dem Motto „Pezo 2“ statt. Was gleichklingend wie Peugeot 2 mit weichen „z“ ausgesprochen wurde. Es bedeutet „Fußgänger 2“. Omas Wohnhaus war im Zentrum des Verkehrsgeschehens. Zwei Häuser neben uns war die Station des KTEL-Kilkis, der Überlandbusse. In der rechten Stichstraße, die von der Kreuzung an unserem Haus startete, warteten Tagaus Tagein «τρίκυκλα», dreirädrige Lastenpritschenwagen. Sie hießen offiziell Lastentaxi. Ebenfalls direkt an der Kreuzung startet das Gebiet des Wochenmarktes, der immer noch jeden Samstag stattfindet.</p><h2>Alles ist anders</h2><p>Direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite gab es eine Limonadenfabrik und neben ihr einen Gemischtwarenladen mit allem, was man sich wünschen konnte. Ebenfalls an Omas Haus angegliedert war eine Traktorenwerkstatt. Neben der Werkstatt ein Kaffeehaus. Und vor Werkstatt und Kaffeehaus positioniert ein kleiner Kiosk. In ihm hockte ein Weltkriegsveteran, der seit Kriegszeiten ein kaputtes Bein hatte. Kaffeehaus und Kiosk – heute hört es sich normal an. Aber damals hatte ein provinzielles Kaffeehaus nichts damit zu tun, was man aus der deutschen Gastronomie kennt. Es hatte sehr einfache, mehrfach notdürftig geflickte Holzmöbel und einen unglaublich behaarten, sehr freundlichen Wirt. Der Kioskbesitzer hatte eine damals 17-jährige Tochter, Maritsa. Sie schenkte mir hin und wieder einen Kaugummi.</p><p>Beim Gemischtwarenhändler gab es ein «Λουκούμι», das die Türken „Lokum“ nennen. Der Limonadenfabrikant spendierte nichts umsonst, ließ mich aber immer durch die Fabrik schlendern und auch auf seine LKWs steigen. In der griechischen Provinz war ich nicht das „Ausländerkind“. Ich hörte von meinen Altersgenossen nie das Wort „Bastard“, das ich in Deutschland gelernt hatte. Aber ich war „der Sohn der Deutschen“. Manchmal gab es politische Anspielungen. Ohne es hier weiter zu vertiefen, schon Sozialdemokraten galten als Kommunisten. Aber als Kind kann man so etwas nicht einordnen. Anders war es bei der immer und immer wieder aufkommenden Frage, wo es denn schöner sei. Hier konnte ich eindeutig antworten: „in Kilkis“.</p><p>Es war für mich trotz vieler Zwänge ein Paradies. Zu den Zwängen gehörte die Schuluniform. Passend zu den regierenden Obristen mussten wir Hosen in Tarnfarben und weiße Shirts tragen. Die Haare wurden uns Jungen auf maximal fünf Millimeter gestutzt – mit einem Trimmer. Die Mädchen trugen uniformartige Kleider. Sie waren unpraktisch, weil sie übers Knie gingen und die Mädchen behinderten. Die Schule war streng. Für Verfehlungen gab es Schläge mit dem Rohrstock oder einem Lineal.</p><h2>Rohrstock und Lineal – Pädagogik war das nicht</h2><p>Gelernt habe ich in der Schule, dass die kantigen Lineale mehr Schmerzen erzeugen als der runde und breitere Stock. Ich lernte auf die harte Tour, Gewalt zu verabscheuen. Und ich lernte Lesen. Es war das größte Geschenk überhaupt. Denn – Fernsehen hatte niemand – Lesen bedeutete Abenteuer. Und der Lesestoff war für mich fast frei zugänglich. Ein bis zwei Drachmen dafür bekam ich gebrauchte beziehungsweise neue Micky Maus Comic-Hefte. Hefte mit einem „Tiramola“ als Helden waren eine Drachme teurer. Zum Vergleich: das Kilo Brot kostete zehn Drachmen. Eine DM aus Deutschland war rund zehn Drachmen wert. Später musste ich erfahren, dass die Hefte in Deutschland das Fünffache kosteten. Ich hatte von den Eltern fünf DM Taschengeld pro Woche – ich war reich! Die Comics waren alle in Druckschrift mit Großbuchstaben – sehr leicht zu lesen. Märchenhefte in einfach lesbarer kindgerechter Sprache gab es auch zum kleinen Preis.</p><p>Und ich durfte anders als in Deutschland allein durch die Straßen schlendern. Besser noch, Oma schickte mich durch die halbe Stadt zum Brotkauf bei ihrem favorisierten Bäcker – „Herrn Petros“ (kurz Kyr Petros). Dass dieser Petros später als Rentner im Bäckerreibetrieb meiner Ex zur Aushilfe arbeitete und ich irgendwie sein Vorgesetzter sein sollte, gehört zu einer anderen Geschichte. Denn niemand konnte so ein Brot backen wie er. Petros hatte einen uralten Steinofen – die anderen Bäcker hatten Etagenöfen nach deutscher Bauart. Jahre später beendeten irgendwelche scharf ausgelegten Auflagen einen Weiterbetrieb des mit Brennholz befeuerten Steinofens.</p><p>Oma stellte schnell fest, dass sie mich für ein Brot zu Petros schickte, ich aber mit einem Comic und einem dreiviertel Brot zurückkam. Zunächst vermutete sie, ich würde vom Brotgeld die Comics kaufen. Kyr Petros klärte sie auf. Ich bat ihn immer das Brot durchzuschneiden und verspeiste „meinen“ Teil im Stadtpark mit dem Comic als Lektüre. Seitdem lautete die tägliche Bestellung: 1,5 bis zwei Brote. Es waren Freiheiten, die es im strengen Deutschland nicht gab. Dass unser Haus kein WC, sondern nur einen Abort in einem getrennten Lagerhaus hatte, war mir egal. Das Lagerhaus war aus ungebrannten Lehmziegeln errichtet, hatte einen Boden aus gepresster Erde und wurde regelmäßig von außen mit Kalk getüncht. Das Klo im Lagerhaus war surreal. Ein Waschbecken mit Wasserhahn und fließendem – kalten - Wasser. Eine Sitztoilette und neben ihr ein großer Eimer mit einem Becher. Dazu gehörte ein Abfallkorb, in dem bei jeder maximal zwei Stück Toilettenpapier hinterließ. Richtig geraten, hier wurde gewaschen, statt mit dem Papier abgewischt.</p><p>Die Sauberkeit war essenziell. Denn wir hatten auch keine Waschmaschine. Wäsche waschen hieß, dass Oma einen riesigen Bottich voll Wasser über einer Feuerstelle erwärmte. Da kam die Schmutzwäsche rein, die sie mir erheblichem Kraftaufwand per Hand wusch. Im Hof gab es einen Brunnen – kein Trinkwasser. Am Brunnen konnte man sich fantastisch, aber mit eiskaltem Wasser waschen.</p><p>Fürs Bad – an reales Duschen in komfortablen Duschkabinen war nicht zu denken – musste Oma wieder den Bottich mit Wasser heiß machen und man konnte sich – im Sommer im Hof, im Winter im Lagerhaus – in einer Zinkwanne am ganzen Körper waschen. Zum Ambiente gehörte der zweite Wasserhahn mit fließendem Wasser nahe den Beeten von Oma. Von dort holte sie sich das Wasser für die Küche. Bleibende Nebenwirkung dieser Erfahrung bis heute ist, dass ich ab Frühjahr bis Sommer überwiegend kalt dusche.</p><p>Zum absoluten Luxus gehörte aber, dass wir Telefon hatten. Telefonische Erreichbarkeit, heute selbstverständlich, war damals ein Privileg.</p><h2>Wenige Privatautos – wem gehören sie?</h2><p>Eine weitere Nebenwirkung jener Zeit ist, dass ich mir beim durch Straßen schlendern immer die Autos ansehe. „Wir haben hier kaum private Autos wie ihr in Deutschland“, hörte ich immer wieder. Ich legte diese Information auf eigene Weise aus. Und im kindlichen Hirn gab es eine eindrucksvolle Bestätigung. Auf den LKWs vom Limonade-Fabrikanten stand in großen Buchstaben «ΙΔΙΟΤ. ΧΡΗΣΗΣ» und darunter eine Reihe kryptischer Wörter samt Zahlenfolgen. Das gleiche «ΙΔΙΟΤ. ΧΡΗΣΗΣ» mit anderen Zahlen prangte auf dem Lieferwagen vom Gemischtwarenhändler. «ΙΔΙΟΤ. ΧΡΗΣΗΣ» stand auf einem Auto, das einem Elektriker gehörte.</p><p>Bei jedem Spaziergang durch die Stadt sah ich mehr «ΙΔΙΟΤ. ΧΡΗΣΗΣ». Wer ist dieser Idiot Chrisis, dem all diese Autos gehören? Warum verleiht er sie an all die Menschen, die damit arbeiten?  Wieso heißt der wie ein deutsches Schimpfwort? Warum ist ein Punkt zwischen Vor- und Nachnamen? Ich grübelte oft über diese Fragen.</p><p>Ich traute mich nicht, die Älteren danach zu fragen. Gleichaltrige wollte ich erst recht nicht damit behelligen. Sie hätten mich, dachte ich, für einen ungebildeten Trottel gehalten. Während ich tagelang sinnierte, entdeckte ich einen weiteren Vertreter der „Chrisis-Familie“. Er hieß «ΔΗΜ. ΧΡΗΣΗΣ». Sein Name stand an weniger Autos. Es waren alles Transportfahrzeuge. Und es stand an allen Lastentaxis. Daneben gab es in unseren Straßen sehr wenige Autos ohne Beschriftung. Sie gehörten reichen Bürgern. Die mussten besonders reich sein, dachte ich. Denn zu Hause im „reichen Deutschland“ hatten meine Eltern und auch die meisten Nachbarn im Viertel noch kein eigenes Auto.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c0bd2875-fe87-409b-8242-034c2b734970/uploads/images/7kbqd6nc6h/EPONEvia260721-2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Tage später las ich bei einem Besuch im Heimatdorf von Vater auf den Pickups der Bauern «ΑΓΡΟΤΙΚΟ». „Agrotiko“, das heißt „bäuerlich“ und machte irgendwie in meinem Kopf Sinn. War es ein Indiz, um mehr über Idiot Chrisis herauszufinden? Auch das Dorf in den Kroussia-Bergen hatte Kaffeehäuser. Es gab – und gibt – derer drei. Sie liegen alle am Dorfplatz. Dort sammelten sich jeden Nachmittag die Männer mit ihren Pickups und Traktoren. Und zu einem Kaffeehaus pilgerte auch ich regelmäßig. Denn es war gleichzeitig ein Tante-Emma-Laden, in dem es leckeres Eis gab.</p><p>Auf den Autos standen auch andere Buchstaben. Buchstaben, die ich so nicht in der Schule lernte. Ein Alphabet, das ich noch nicht kannte. Die Männer lasen mir die Worte vor. Es waren „Toyota“, „Datsun“, „Mazda“ – trotzdem nannten alle die Pickups „Datsun“. Ich verstand das nicht und protestierte – endlich! Denn mein Protest löste eine Kette von Erklärungen aus. „Datsun“, so nannten die Griechen lange alle Pickups, weil die überwiegende Mehrheit von ihnen aus der Produktion der heutigen Nissan-Werke stammte. „Und warum habt ihr überall ‚Agrotiko‘ drauf geschrieben? Man sieht doch, dass es Autos von Bauern sind?“, war meine nächste Frage. Die Männer erklärten mir geduldig, das sei das Gesetz. Alle Autos im beruflichen Einsatz müssten so eine Aufschrift haben. Man müsse damit erklären, wofür man das Auto nutzt.</p><p>Erneut wurde ich stutzig. „Warum schreibt der Idiot Chrisis dann nur seinen Namen drauf? Und sein Bruder, der Dim Chrisis? Warum macht der das auch? Heißt der eigentlich Dimitris? Wisst Ihr das ein Idiot in Deutschland ein Dummkopf ist?“ Ich weiß nicht, wie lange die Männer lachten. Es muss recht lang gewesen sein. Denn einer schaffte es, mir währenddessen eine Limonade zu holen. Sie klärten mich nachsichtig auf. «ΙΔΙΟΤ. ΧΡΗΣΗΣ» stand für «ΙΔΙΟΤΙΚΗΣ ΧΡΗΣΗΣ», was nichts anderes als „private Nutzung“ ist. «ΔΗΜ. ΧΡΗΣΗΣ» heißt ausgeschrieben «ΔΗΜΟΣΙΑΣ ΧΡΗΣΗΣ», „öffentliche Nutzung“. Es waren einfache Bauern und doch auf ihre Art bessere Pädagogen als die Lehrerin mit dem verdammten Rohrstock. Diese Erfahrung lehrte mich zunächst unbewusst, nie Menschen abschätzig einzuordnen. Man weiß nie, was sie einen lehren können. Natürlich erfuhr mein Opa über den Onkel aus dem Dorf von meiner Lehrstunde in Fahrzeugbeschriftungen. Und all dies führte zu weiteren kindgerecht aufgearbeiteten Informationen. Die Zeit in Kilkis vor der Grundschule in Aachen war die intensivste Vorbereitung für das spätere Leben. Lernen pur ohne Druck.</p><p>Heute weiß ich, dass die privat genutzten Lieferwagen nur für den Unternehmer genutzt werden dürfen, dem sie gehören. Die „öffentliche Nutzung“ besagt nichts anderes, als dass jeder diese Fahrzeuge für einen Einsatz mieten kann. Und heute hat man die Aufschrift auf den Autos weniger zweideutig formuliert. Nun kann niemand mehr „Idioten“ im englischen oder deutschen Wortsinn vermuten. IX oder I.X. steht für die private Nutzung, Δ.Χ. für die öffentliche. Bei bäuerlichen Fahrzeugen steht meist wie früher «ΑΓΡΟΤΙΚΟ» oder «ΑΓΡ» an der Seite. Manchmal sieht man auch Pleonasmen. Wie auf dem Teaser-Foto. Dort prangt mit «IX.ΧΡΗΣΗ» die Information, dass das Auto “Private Nutzung.Nutzung” ist. Es beruhigt mich, dass nicht nur ich mit diesen Beschriftungen Probleme hatte.</p><p>Die für Kinder kryptischen Zahlenfolgen geben das Gesamtgewicht, das Leergewicht und die Nutzlast an. Heute kürzt man I.X., Δ.Χ. und AΓΡ oft ab. Dafür schreibt man «Απόβαρο» (Leergewicht) und «Ωφέλιμο» (Nutzlast) aus oder kürzt es verständlicher ab. Zusätzlich gab und gibt es die Angabe zum Ort des Firmensitzes. Alles hat seine Ordnung und eine Erklärung. Nur das Kilkis von damals gibt es nicht mehr. An seine Stelle trat ein Ort mit vielen Hochhäusern und noch mehr Autos. Die Menschen haben Fernseher, Bad und Gäste-WC im Haus. Sie sprechen weniger miteinander.</p><p>Sie rennen wie in Deutschland mit scrollend mit dem Mobiltelefon durch die Straßen. Die Kinder lässt kaum noch jemand bis spät abends durch die Straßen ziehen – auch Griechenland kennt nun die „Helikopter-Eltern“. Zum „früher war alles besser“-Gejammere müsste ich noch zufügen, dass die Tram in Aachen auf Initiative der FDP und im Sinn einer „autogerechten Stadt“ noch in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts abgeschafft wurde. Aber, es gibt wieder elektrische Busse im Aachener Stadtbild – diesmal sogar ohne Oberleitung. Und in den Kaffeehäuser in Griechenland sitzen – anders als in den Siebzigern – immer mehr Frauen. Das gilt auch in den Bergdörfern von Euböa.</p><p>Heute ist nicht alles schlechter als damals – es ist anders und oft sogar besser. Was mir in Griechenland aber bleibt ist der preiswerte Zugang zu haptisch fassbarem Lesestoff. Die Sonntagszeitungen werden allwöchentlich zusammen mit Zeitschriften und Büchern als Beilage verkauft. Für sagenhaft günstige vier Euro gibt es so manchmal ein interessantes Fotobuch eines prominenten Fotografen. Ein anderes Mal ein Buch der Weltliteratur wie „Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald. Man erhält mit wenig Geld Zugang zu neuen Autoren, die wöchentliche Fernsehzeitschrift oder ein Mobilitäts-Magazin.</p><p>Und bestimmt haben die Kinder von heute in späteren Jahren Geschichten über ihre «ΙΔΙΟΤ. ΧΡΗΣΗΣ»-Momente. Ich würde zu gerne wissen, was das dann für Themen sind.</p><p>PS: Die Erklärung, warum ein „Idiot“, übersetzt eigentlich ein Privatier, eine negative Konnotation hat ist einfach. In der Attischen Demokratie galten Menschen, die sich nicht um das Gemeinwohl kümmern, die also nur Privatiers sind, als Dummköpfe.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Gemischtes]]></category>
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      <pubDate>Tue, 28 Jul 2026 08:19:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Post von Louis]]></title>
      <description><![CDATA[Der beste Hund von allen, Louis ist Redaktionshund, Fotoassistenz, Personal-Trainer und Security-Mitarbeiter in einer Person. Louis hat seinen Namen von Spyridon Louis,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der beste Hund von allen, Louis ist Redaktionshund, Fotoassistenz, Personal-Trainer und Security-Mitarbeiter in einer Person. Louis hat seinen Namen von Spyridon Louis, dem ersten Marathon-Olympiasieger der Neuzeit. Er ist jeden Tag viele Kilometer durch seinen Wohnort auf der wunderschönen Insel Euböa unterwegs. Euböa ist nach Kreta die zweitgrößte Insel Griechenland. Und auf Kreta wohnt Mitso Krygerakis. Er ist der Redaktionshund und Security-Mitarbeiter von <a href="https://radio-kreta.de/">https://radio-kreta.de/</a>. Sein Chef, Jörg Krüger hat am gleichen Tag (nur in einem anderen Jahr) wie Louis Personal Trainer Geburtstag. In der unregelmäßig erscheinenden Kolumne „Post von Louis“ geht es um das, was Louis seinem Kollegen am Südwestzipfel Kretas gern mitteilen würde. Louis schreibt am liebsten über Tierthemen. Er setzt dabei humane Intelligenz zur Hilfe ein.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a9380b5c-a726-4257-b3c0-f31cfc9a0b2d/uploads/images/zjcbfs4ubm/EPONEvia260721-1-5.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Lieber Mitso,</p><p>ich bin sauer. Mein schöner, gewohnter Alltag wurde gestört. Wir haben nun eine neue auf dem Hof und im Haus. Ja, eine neue junge Hündin – schlimmer noch, eine Welpin. Sie ist laut, hektisch und jagt die liebe Katze, die Popi. Stell Dir das mal vor, die Popi, die seit neuneinhalb Jahren, seit ihrer Geburt hier das Revier hat. Die Königin vom Hof. Ich beschütze Popi, die mich so lieb aufgenommen hat, als ich kam. Das ist ein Dilemma, denn ich muss die neue, die noch keinen richtigen Namen hat, anbellen.</p><p> </p><p>Schlimmer als alles ist der Grund, warum sie hier ist. Als sie kam, war sie nur ein zitterndes Etwas aus Haut und Knochen. Voll mit Zecken, Dreck und allem Möglichen. Die Menschen sagen, man hätte sie ausgesetzt. Die Kleine hatte Angst vor allem. Sie war beim Tierarzt. Impfungen, Medizin und Tipps gab es dort. Sie hat keinen Chip, wurde nie registriert. Jemand hat sie von der Mutter getrennt – vielleicht sogar schon, bevor sie zwei Monate auf der Welt war. Darauf steht eine dicke Geldstrafe. Und nicht nur das.</p><p>Das Aussetzen eines Welpen oder eines anderen Haustieres ist in Griechenland eine schwere Straftat (Verbrechen oder Vergehen). Gemäß Gesetz 4830/2021 über Haustiere sind die Strafen äußerst streng:</p><p>1.        Verwaltungsstrafen (Geldstrafen):</p><p>a.        Für das Aussetzen von Welpen: Die Verwaltungsstrafe beträgt 30.000 bis 50.000 Euro pro Tier.</p><p>b.        Für das Aussetzen eines erwachsenen oder älteren Tieres: Die Verwaltungsstrafe beträgt 5.000 Euro pro Tier.</p><p>Diese Bußgelder werden direkt von der Polizei verhängt, unabhängig von der Justiz.</p><p> </p><p>2.        Strafrechtliche Sanktionen (Freiheitsstrafe):</p><p>a.        Bei neugeborenen Welpen gilt die Tat als Verbrechen (Tötung/Misshandlung) und wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren und einer zusätzlichen Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro geahndet.</p><p>b.        Bei einem größeren Hund gilt die Tat als Ordnungswidrigkeit und wird mit einer Freiheitsstrafe von 1 bis 5 Jahren und einer Geldstrafe von bis zu 18.000 Euro geahndet.</p><p>3.        Weitere Maßnahmen: Dem Täter wird das Tier dauerhaft entzogen (Einziehung durch die Staatsanwaltschaft) und es ist ihm für einen Zeitraum von bis zu 5 Jahren untersagt, ein anderes Haustier zu erwerben.</p><p>Trotz dieser drakonischen Strafen hat man die Kleine ausgesetzt. Die Tochter vom Chef fand sie auf einem Feld. Ohne Wasser, ohne Futter bei fast 40 Grad Celsius. Die musste sofort zum Arzt. Sie beißt noch viel. Aber sie ist dankbar für alles, was man für sie tut. Dann freut sie sich. Und die Menschen hier sind dann zu mir noch lieber als sonst. „Er soll nicht eifersüchtig werden“, höre ich. Sie muss öfter raus als ich. Aber dafür hat sie noch keine langen Spaziergänge.</p><p>Wenn ich Pech habe, bleibt sie. Oder wäre das Glück? Das weiß noch keiner. Es gibt Menschen, die sich melden. Sie wollen sie adoptieren. Ein Mann hätte sie fast genommen, aber seine Frau wollte nicht. Wer ein Tier adoptiert, der muss wissen, wie viel Verantwortung das bedeutet. Es ist nun auch in Griechenland so, dass die Menschen verantwortungsvoller werden. Aber immer noch gibt es viele Verantwortungslose. Die setzen Tiere aus.</p><p>Und dann sieht man Rudel wilder Hunde durch die Felder ziehen. Wenn die kein Essen haben, kommen die in die Dörfer und in die Stadt. Die sind aggressiv und gefährlich. Aber ist es ihre Schuld? Wir wurden schon mal von einem Rudel angegriffen. Da nahm der Chef mich in den Arm. Ob die Kleine deshalb so viel Angst hat, wenn sie lautes Bellen hört? Hat man sie gejagt? Ich weiß es nicht. Der Chef will sie Goofy nennen, weil sie hier immer fröhlicher und gelöster wirkt. Wenn wir im Haus sind, schläft sie vollkommen entspannt.</p><p> </p><p>Sie hat nun auch einen Haustierpass mit Impfeintragungen. Der Tierarzt hier ist toll. Der mag uns. Impfungen und Untersuchungen für die Kleine gab es mit Rabatt – denn der Tierarzt unterstütz den Tierschutz. Der Chef sagt, der Arzt habe ihm geholfen, streunende Katzen zu sterilisieren – zum Sonderpreis. Das tut er für alle Tierschützer. Habt Ihr auf Kreta auch solche Ärzte?</p><p> </p><p>Vielleicht findet sich eine Familie für sie. 50 cm groß soll die Goofy werden, aber relativ leicht mit bis zu 25 kg. Sie ist ein Jagdhund-Mix. Die braucht viel Auslauf. Das ist für viele, die sie adoptieren wollen, ein Problem. Du siehst, auch ich fange an, sie beim Namen zu nennen. Aber noch habe ich Angst davor, denn der Name bindet. Und Bindung heißt, dass sie noch wahrscheinlicher bleiben könnte. Schaun wir mal. Vielleicht bleibt sie. Wir alle hier wissen nicht, was wird. Nach ihrer schlechten Erfahrung darf sie nur in Hände, die sicher für ihr ganzes Leben lang für sie da sein wollen. Sie soll nie wieder verstoßen werden. Das sind wir ihr schuldig.</p><p>So oder so, ich hasse die Typen, die Hunde und Katzen einfach so auf der Straße aussetzen. Hier ist übrigens ein Porträt von Goofy:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a9380b5c-a726-4257-b3c0-f31cfc9a0b2d/uploads/images/mb7z6wg3fi/EPONEvia260721-1-6.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p> </p><p>Dein Louis</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Tiere und Haustiere]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/a9380b5c-a726-4257-b3c0-f31cfc9a0b2d/uploads/images/zjcbfs4ubm/EPONEvia260721-1-5.jpg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sat, 25 Jul 2026 12:04:12 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Meine Ente macht Urlaub]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn man in Deutschland sagt, dass man mit einer Ente irgendwohin fährt, dann denken alle (älteren) Zuhörer an einen Citroën 2 CV. Obwohl es das legendäre Auto im Herbst…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man in Deutschland sagt, dass man mit einer Ente irgendwohin fährt, dann denken alle (älteren) Zuhörer an einen Citroën 2 CV. Obwohl es das legendäre Auto im Herbst 2005 auf die 0,50 € Briefmarken Griechenlands schaffte, wurde es in Hellas nie „Ente“ genannt. Das kultige Auto ist wie in Frankreich als „deux chevaux“ bekannt. Ungefähr fünf Millionen Fahrzeuge dieses Modells liefen von 1949 bis 1990 vom Band. Das ist beeindruckend aber weitaus weniger als die 21.529.464 VW „Käfer“, die von 1938 bis 2003 produziert wurden. Diese Zahlen verblassen jedoch vor „weit mehr als 100 Millionen“ (Herstellerangabe), welche das meist verkaufte Kraftfahrzeugmodell der Welt aufbietet. Dieser mobile Untersatz heißt in Griechenland «παπί» (papi = Ente).</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/691986f4-5df0-414c-9ae0-1954582fb2f7/uploads/images/bqrfbjht6s/EPONEvia260721-1-2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Marke von 100 Millionen für das fragliche Fahrzeug wurden bereits 2017 im Stammwerk Kumamoto erreicht. Heute, 2026, wird es immer noch im Original und in Lizenzen produziert. Kumamoto? Die Stadt liegt an der Westküste von Kyūshū, der südlichsten Hauptinsel Japans. Das gesuchte Fahrzeug ist japanisch. Es hat zwei Räder und wurde vom Firmengründe Soichiro Honda 1958 persönlich entwickelt. Es ist die legendäre Honda CUB. CUB steht für <strong>C</strong>heap <strong>U</strong>rban <strong>B</strong>ike. Es war eines der ersten Motorräder seiner Art mit Viertaktmotor. Selbst in der kleinen 49 ccm-Klasse, in der die Erfolgsgeschichte startete, fühlt es sich wie ein vollwertiges Fahrzeug an. Die Honda CUB und Honda Super CUB Motorräder haben Generationen von Familien in Asien und auf dem Balkan motorisiert.</p><p> </p><p>Es ist hier nicht der Ort, um besonders tiefgründig auf die technischen Daten des Kultfahrzeugs einzugehen. Das können andere besser. In der Serie Discovery Channel’s Greatest Ever wurde die Honda Super CUB zum „greatest ever motorcycle“, zum besten Motorrad aller Zeiten gewählt. Die kleine Honda ist genügsam beim Sprit. Die Wartung ist sehr einfach. Sie verhält sich gutmütig beim Fahren. Man kann große Lasten auf ihr transportieren oder einhändig am Steuer Kaffee an Kunden ausliefern. Wenn es nötig ist, können Feldarbeiter zu zweit mit ihrem schweren Arbeitsgerät auf dem Fahrzeug zum Arbeitsplatz fahren. Beobachtern kann nicht entgehen, dass in Asien oft auch mehr als drei Personen auf CUBs unterwegs sind.</p><p> </p><p>Die „Ente“ wurde nicht nur im Asien zum Fahrzeug der Lieferanten, Kuriere und Handwerker. Mit keinem anderen fahrbaren Untersatz ist das schnelle Schlängeln durch einen chaotischen Stadtverkehr wie in Athen einfacher. In der Provinz ist die Tatsache, dass Ersatzteile fast wortwörtlich an jedem Zeitungskiosk feil geboten werden das Verkaufsargument überhaupt. Wo keine komplizierte Technik drin ist, kann auch nicht viel kaputt gehen. Es sei denn, man hat einen Kurzschluss im Kabelbaum. Das ist dann wiederum eine Geduldsarbeit, deren Arbeitskosten nur im globalen Süden bezahlbar sind.</p><p> </p><p>Die Griechen lieben ihre „Enten“. Für gut erhaltene Oldtimer werden höhere Preise gezahlt als für nagelneue Konkurrenzfahrzeuge aus China. Die Bezeichnung „Ente“ (oder „Entchen“) für die kleinen Mokicks etablierte sich in Griechenland in den frühen 1980er Jahren. Der Name leitet sich von ihrer Form ab, da Lenker und Verkleidung stark an Kopf und Körper einer Ente erinnern. Die billig zu ersetzende, weiße Plastikverkleidung des Motorblocks am Fahrzeug soll an eine Entenbrust erinnern – das ist die mir bekannte vorherrschende Meinung zur Entstehung des Namens. Mittlerweile heißen alle vergleichbaren motorisierten Zweiräder „Ente“. Die Honda stand und steht für eine komplette Fahrzeugkategorie Pate. Dabei kam die Begriffsbildung streng genommen von einer Werbeaktion eines der ärgsten Konkurrenten: Yamaha. Genau genommen hieß das Modell Yamaha Mate, später Yamaha Town Mate. Die Yamahas hatten Zweitaktmotoren und waren deshalb für die Zielgruppe weniger attraktiv als die Viertakter von Honda. Erschwerend kam hinzu, dass die unverwüstlichen Yamahas die Kraftübertragung per Kardanwelle hatten. Im Unterschied zum Kettenantrieb der Honda konnten die notorischen Bastler in Griechenland hier nicht mit anderen Ritzel-Übersetzungen höhere Endgeschwindigkeiten herauskitzeln.</p><p> </p><p>Anders als in Mittel- und Nordeuropa, wo „Käfer“, „deux chevaux“ und „Ente“ vor allem den Älteren die Begeisterung in die Augen treiben, sind griechische „Enten“ auch für die Generation Alpha, Geburtsjahrgänge ab 2010 ein Thema. Neulich durften wir mit Redaktionshund Louis auf dem letzten Gassi-Gang des Tages einem solchen Dialog lauschen. Es ist Schulferienzeit und die Generation „Tablet und Mobiltelefon“ nutzt die freien Tage.</p><p> </p><p>Zwei Teenies standen neben einer aufgemotzten „Ente“ jüngerer Generation und fachsimpelten. Das dunkle Motorrad war erkennbar mit viel Schnickschnack geschmückt. Es parkte am Straßenrand des Vorplatzes der Grundschule im Viertel. Ein Vorplatz mit Trainingsgeräten für Ältere auf der rechten Seite und einem hübschen Spielplatz auf der Linken. Nach Einbruch der Dunkelheit treffen sich hier Schüler der Sekundarstufen und junge Erwachsene. An Festtagen gibt es sogar das Treffen mehrerer Familien. Man kann sich auch real ohne internetbasierte soziale Netzwerke und ohne teure Gastronomiebesuche treffen. Sogar 2026, stell man sich das mal vor.</p><p> </p><p>„Die sieht toll aus, fährt sich bestimmt gut. Aber, wenn ich nächstes Jahr den Führerschein mache, dann hole ich mir eine alte, richtige Ente.“</p><p>„Es gibt hier noch viele originale aus der C50-Serie.“</p><p>„Das sind eigentlich Entchen, ich will eine C90ger, die fährt besser.“</p><p>Louis und ich zogen vorbei, konnten aber hören „der mit dem Hund hat eine blaue GLX…“</p><p> </p><p>Ja, ich oute mich auch als „Enten“-Fan. Meine „blaue Perle“ habe ich seit mehr als zwei Jahrzehnten. Es gibt Ehen mit kürzerem Haltbarkeitsdatum als meine Beziehung zur Honda. Meine war schon ein altes Fahrzeug, als ich sie erwarb. Der Verkäufer hatte mir explizit erklärt, dass einzig der Rahmen und der Motor vom Originalfahrzeug, einem gebrauchten Japan-Import stammten. Ich war auf der Suche nach einer Nachfolgerin meiner Yamaha Chappy, einem anderen Kultmotorrad. Jemand hatte es sich ohne mein Wissen ausgeliehen und verunfallt zurückgebracht – Totalschaden. Nun stand ich vor einem aus mehreren Teilespendern wiederauferstandenen Fahrzeug.</p><p> </p><p>„Was kostet sie?“, „sie ist zusammengesetzt aus….“, „was kostet sie?“ – „gut, wenn du sie haben willst, dann finden wir den Preis gemeinsam“. Die in der Werkstatt zusammengesetzte Ente wurde technisch überprüft und bekam zur Jahrtausendwende als Importfahrzeug griechische Papiere. Offiziell bin ich damit „erste Hand“. Rund 1,5 Liter Sprit auf 100 km Inselverkehr kostet mich der Betrieb. Einmal im Jahr sind die Versicherung und die Lizensierung bei der Polizeiwache fällig.</p><p> </p><p>Denn anders als in Deutschland werden die 50ger in Hellas bei der Polizei im Register geführt. Das kostet einmal pro Jahr 12 Euro für die Erneuerung der Lizenz. Ebenfalls anders als in Deutschland ist das eine digital komplett unkomplizierte Angelegenheit. Man logt sich im Bürgerportal <a href="http://gov.gr/">gov.gr</a> ein. Man beantragt die neue Lizenz und weist den bestehenden Versicherungsschutz nach. Zwei drei Klicks später wird die Gebühr bezahlt und ab dem nächsten Tag kommt die Erneuerung der Lizenz digital ins E-Mail-Postfach.</p><p> </p><p>Was aber hat eine Ente mit Urlaub zu tun? Oder habe ich im Titel nur geschummelt? Nun, die einfachen Viertakter haben hin und wieder Schluckbeschwerden. Vergasereinstellung lautet meist das gesuchte Zauberwort. Mitte der Neunziger des vergangenen Jahrhunderts warteten wir, Nikos, mein „Koumbaros“ und ich auf einen Dritten. Er kam später und meinte, „mein Entchen macht (Zünd-)Unterbrechungen“. Auf Griechisch: «το παπάκι μου κάνει διακοπές». Gibt man das in einem Online-Übersetzungstool ein kommt: „meine kleine Ente ist in Urlaub“. Schon damals sorgten automatische Übersetzungstools für derartige Sprachverwirrungen.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/691986f4-5df0-414c-9ae0-1954582fb2f7/uploads/images/tufk6fw73u/Bildschirmfoto_2026-07-25_um_10.41.46.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Im vorliegenden Fall war es freilich die Inspiration zum Illustrationsfoto: meine Ente parkt am Strand auf der Insel Euböa. Dort, wo andere Urlaub machen. Sie hat nun insgesamt mehr Kilometer Laufleistung als manches Auto – und sie hat frisch bis auf die „Entenbrust“ alle Plastikteile neu, sowie den fünften Tacho. Niemand weiß wirklich, wie oft der Motor überholt wurde. Der erste original japanische Tacho hielt bis 39.000 Meilen. Den vierten, von der Sonne regelrecht aufgelösten, tauschte ich vor Kurzem bei 16.568 km. Im Schnitt lagen die Tacho-Laufleistungen zwischen diesen beiden Extremen. Aber die Honda schert das nicht, sie fährt und fährt….</p><p> </p><p>PS: κουμπάρος (Koumbaros) ist ein Wahlverwandter. Ich hatte Nikos als Trauzeuge verheiratet und sein erstes Kind getauft. Solche Wahlverwandtschaften zählen manchmal mehr als Blutsbande.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Gemischtes]]></category>
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      <pubDate>Sat, 25 Jul 2026 10:05:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Schönberg spielt Rempetiko]]></title>
      <description><![CDATA[Vom kurzen Leben eines begnadeten Komponisten Wer in Athens Opernhaus geht, wird den Saal „Nikos Skalkottas Hall“ sehen. Es ist ein zentraler, sehr beliebter Saal für…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2>Vom kurzen Leben eines begnadeten Komponisten</h2><p>Wer in Athens Opernhaus geht, wird den Saal „Nikos Skalkottas Hall“ sehen. Es ist ein zentraler, sehr beliebter Saal für einen von Kennern fast abgöttisch geliebtem, dem breiten Publikum aber meist unbekannten Komponisten. Dabei ist Nikos Skalkottas, der 1949 mit nur 45 Jahren vor der Geburt seines zweiten Sohnes starb, einer der bedeutendsten Künstler des vergangenen Jahrhunderts. Wie passt das zusammen?</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a2b8e702-197c-4880-b047-d1f3b9baef84/uploads/images/pn6wibk4h2/DailyiEvia260629-1.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Heute steht Skalkottas Name an der öffentlichen Musikschule seiner Geburtsstadt - und an den Filialen in den Nachbarorten, wie hier in Nea Artaki.</figcaption></figure><p>Bereits seine Biografie lässt aufhorchen. Skalkottas stammt aus einer Musikerfamilie. Zwei Enkellinnen Eva und Anna Lindal sind ebenfalls renommierte Musikerinnen. In Chalkida auf der Insel Euböa geboren, musste er schon früh wegen der Musik umziehen. Sein Vater verlor den Posten als Kapellmeister der Stadt und zog nach Athen, bevor der kleine Nikos drei Jahre alt war. Sein Vater Alekos änderte schon vor Nikos Geburt den Familiennamen von Skalkottos in Skalkottas. Denn das klang musikalischer.</p><p>Bei Papa und dem Onkel gab es den ersten Geigenunterricht. Skalkottas Ausbildung war so fundiert, dass er sich lange als Profi-Geiger finanziell über Wasser halten konnte. Es kam wie es kommen musste. Der aufstrebende Skalkottas schrieb sich am Athener Konservatorium ein. Dort bekam er von Tony Schultze Lehrstunden. Für seine Abschlussarbeit, eine Interpretation von Beethovens Violinkonzert gab es 1918 die „Goldmedaille“, die höchste Auszeichnung des Konservatoriums. In den folgenden Jahren spielte er Violine bei verschiedenen Anlässen. Gleichzeitig veröffentlichte er Gedichte in der Zeitschrift „Noumas“ (Νούμας).</p><p>Mit einem Stipendium der Averoff-Stiftung ging es 1921 für weitere Violine-Studien nach Berlin. Dort aber gewann die Komposition sein Interesse. Es studierte bei Lehrern wie Kurt Weill, Philipp Yarnach bevor er in die Meisterklasse vom „Papst der Avantgarde“, Arnold Schönberg kam. Skalkottas gewann die Sympathie und Wertschätzung Schönbergs. Er blieb mit einem Folgestipendium von Emmanuel Benakis bis 1931 in Berlin bei Schönberg. Für die Ergänzung seines Lebensunterhalts spielte er nebenbei Violine in Orchestern.</p><p>In Berlin komponierte er mehr als 70 Werke, von denen ein geringer Anteil erhalten ist. Obwohl Skalkottas Schönberg als Vorbild bewunderte, folgte er nicht blindlings dessen Zwölftontechnik, sondern entwickelte seine eigene, völlig originelle Variationssprache. Und diese kompositorischen Meisterwerke finden in der griechischen Heimat, aber auch darüber hinaus immer mehr Bewunderer. Skalkottas starb an einem „durchgebrochenen Bruch&quot;; die Mediziner sagen dazu „inkarzerierte Hernie mit Organperforation“.</p><p> </p><p>Zu den klassisch komponierten Werken Skalkottas zählen 31 griechische Tänze und vieles mehr. Aber, ein Stück birgt eine große Besonderheit. Der klassisch ausgebildete Skalkottas war bekennender Fan der griechischen Rempetiko-Musik. Heute kann man sich kaum vorstellen, was das bedeutete. Ein Feingeist geht in die verufenen Spelunken und hört die bis 1974 immer wieder verbotene und stets zensierte Musik der untersten Klasse der Flüchtlinge aus Kleinasien. In den Rempetiko-Musikern sah Skalkottas die ehrlichsten Diener der Musik. Weit bevor Mikis Theodorakis das Instrument des Rempetiko, Bouzouki, in die Kammerorchester brachte, setzte Skalkottas 1944 der heute anerkannten Musikrichtung ein Denkmal. In seinem Violinkonzert: „Concerto for 2 Violins“, AK 24 gibt es im zweiten Satz II „Variations sur un theme grec Rembetiko“ (Variationen über ein griechisches Rempetiko Thema).</p><p>Nachzuhören ist das Stück in einer fantastischen Interpretation auf Youtube mit den Solisten Georgios Demertzis und Simos Papanas, sowie dem Staatliches Symphonieorchester Thessaloniki unter Vassilis Christopoulos:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=xnBOzimSR7w">https://www.youtube.com/watch?v=xnBOzimSR7w</a><p> </p><p>Fachleute des Rempetiko erkennen sofort, dass Skalkottas niemand geringeres als Vassilis Tsitsanis in die Zwölftonwelt übersetzt hat. Meine persönliche Erfahrung rund um das Originalstück von Tsitsanis umfasst ein „sehr gut“ für eine Referatsarbeit zum Thema im Musikunterricht. Mein damaliger Lehrer, der immer noch von mir geliebte und bewunderte, selige Herr Rosenbaum kann mit wenigen Worten beschrieben werden. „Was ist der Unterschied zwischen Hindemith und Mozart?“, war eine seiner liebsten Fragen. Die richtige Antwort darauf war, „beide konnten perfekte Fugen schreiben – bei Mozart klingen sie auch perfekt“. Er stand jeder Innovation der klassischen Musik – diplomatisch ausgedrückt – sehr skeptisch gegenüber.</p><p>Könnte ich in der Zeit reisen, ich würde zurück zum Referat reisen und ihm eine Ergänzung anhängen: „Rempetiko kann, mit der kompositorischen Eleganz von Skalkotta Zwölftonmusik von hohem Standard. hoher Qualität und perfektem Hörgenuss sein.“ Und irgendwie hätte ich damit Schönberg ins „Rempetiko-Klassenzimmer“ gebracht.</p><p>Das Stück, welches Skalkotta variierte ist relativ kurz, es heißt „Die Magierin Arabiens“:</p><p> </p><p>„Ich werde nach Arabien reisen, denn man hat mir erzählt</p><p>von einer großen Magierin, die meine Zauber brechen soll  2x</p><p> </p><p>Und ich werde ihr von meinem Leid erzählen, das ich ertragen habe</p><p>und von den Narben der Verrückten, die sie ins Feuer werfen soll 2x</p><p></p><p>um sie zu entzünden und zu verbrennen, wie sie auch mich verbrannt haben</p><p>ihre Zauber sollen sie treffen, um sie in fremde Länder kriechen zu lassen“</p><p> </p><p>Hier bei Youtube hörbar in der Erstinterpretation mit dem Gesang von Stratos Pagioumtzis und Tsitsanis am Bouzouki vom 10. Juni 1940:</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=U8wU_Bd_vdQ">https://www.youtube.com/watch?v=U8wU_Bd_vdQ</a>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Kultur]]></category>
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      <pubDate>Sat, 04 Jul 2026 13:45:02 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Post von Louis]]></title>
      <description><![CDATA[Der beste Hund von allen Louis ist Redaktionshund, Fotoassistenz, Personal-Trainer und Security-Mitarbeiter in einer Person. Louis hat seinen Namen von Spyridon Louis,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Der beste Hund von allen Louis ist Redaktionshund, Fotoassistenz, Personal-Trainer und Security-Mitarbeiter in einer Person. Louis hat seinen Namen von Spyridon Louis, dem ersten Marathon-Olympiasieger der Neuzeit. Er ist jeden Tag viele Kilometer durch seinen Wohnort auf der wunderschönen Insel Euböa unterwegs. Euböa ist nach Kreta die zweitgrößte Insel Griechenlands. Und auf Kreta wohnt Mitso Krygerakis. Er ist der Redaktionshund und Security-Mitarbeiter von <a href="https://radio-kreta.de/">https://radio-kreta.de/</a>. Sein Chef, Jörg Krüger hat am gleichen Tag (nur in einem anderen Jahr) wie Louis Personal Trainer Geburtstag. In der unregelmäßig erscheinenden Kolumne „Post von Louis“ geht es um das, was Louis seinem Kollegen am Südwestzipfel Kretas gern mitteilen würde. Louis schreibt am liebsten über Tierthemen. Er setzt dabei humane Intelligenz zur Hilfe ein.</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/06530309-7fe5-4074-a3ba-6ce598b0a86c/uploads/images/crqkkgtzxe/KaravaArtakiEvia260621-1-4.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p> </p><p>Lieber Mitso,</p><p>hast du gelesen, was in den letzten Tagen wieder los war? In Gastouni? Was dort einer von uns erleiden musste? Der Reihe nach: Die Fahrerin, die am 18. Juni in Gastouni im Stadtteil Stathmos absichtlich einen streunenden Hund überfahren hat, wurde identifiziert. Der Panhellenische Tierschutz- und Umweltschutzbund hatte 3.000 Euro Belohnung für ihre Ergreifung ausgelobt. Sie wurde  von der Polizei im Zuge der Ermittlungen identifiziert. Diese begannen, nachdem ein Video aufgetaucht und eine entsprechende Anzeige bei der Polizei von Pinios erstattet worden war. Aus dem Bildmaterial war ersichtlich, dass eine Frau am Steuer des Autos saß.</p><p> </p><p>Ihr graues Auto wurde von einer Überwachungskamera dabei gefilmt, wie es den auf der Straße stehenden Hund überfuhr. Ich habe das schreckliche Video gesehen – schau es dir nicht an. Man kann es nicht „entsehen“. Es brennt sich in den Kopf und man versteht nicht, wie jemand so böse sein kann. Ich beschreibe es kurz:</p><p> </p><p>Das Auto stoppt kurz vor dem uralten Hund. Es ist Nacht, was man an den Scheinwerfen sieht. Der Hund ist perfekt beleuchtet, steht aber und geht weder vor noch rückwärts. Das Auto steht eine Weile. Dann gibt die Fahrerin Gas und man sieht, wie sie zuerst mit den Vorderreifen, dann mit den Hinterreifen den Hund überfährt. Nein, sie fuhr nicht einfach mit einem Manöver am Hund vorbei. Sie fuhr eiskalt drüber. Den vorliegenden Informationen zufolge kommt sie sogar aus der Gegend. Sie muss gewusst haben, dass der liebe Hund schon fast zwanzig Jahre dort ist. Dass er dort war…</p><p> </p><p>Die 60-jährige Fahrerin bestreitet nun ihre Tat. Aber die Polizei hat neben den Videos auch noch Zeugenaussagen und weiteres Beweismaterial. Nun wird sie sich verantworten müssen. Griechenland ist nicht mehr das Land der rechtlosen Tiere. Es sei daran erinnert, dass die Tötung eines Haustieres gemäß Gesetz 4830/2021 ein Verbrechen darstellt. Jedes Quälen oder Vernachlässigen von Tieren wird mit 4830/2021 unter Strafe gestellt. Auf Tiermord stehen besonders hohe Strafen. Bis zu zehn Jahre Zuchthaus sind möglich. Die dazugehörige Geldstrafe reicht von 30.000 bis 50.000 Euro.</p><p> </p><p>Das, lieber Mitso, ist kein Trost. Aber es ist gerechter und es schreckt einige Menschen bereits ab. Wie schön wäre es, wenn sie ohne Strafen schnell lernen könnten, Tiere nicht zu quälen?</p><p> </p><p>Bis bald</p><p> </p><p>Dein Louis</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Gemischtes]]></category>
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      <pubDate>Fri, 26 Jun 2026 13:32:29 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Yalancı – oder, wenn die Lüge zur Delikatesse wird]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn man auf Türkisch „yalancı“ sagt, dann ist es in der Regel negativ konnotiert. Kein Wunder, denn das Wort wird mit „lügenhaft“, „verlogen“, „lügnerisch“ oder…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man auf Türkisch „yalancı“ sagt, dann ist es in der Regel negativ konnotiert. Kein Wunder, denn das Wort wird mit „lügenhaft“, „verlogen“, „lügnerisch“ oder weiteren Synonymen des betrügerischen übersetzt. Wenn man im Griechischen γιαλαντζί (yalancı in griechischer Schrift) sagt, dann kommen zwei Bedeutungen in den Sinn. Zum einen die wortwörtliche. So kann ich mit Fug und Recht sagen, dass ich ein yalancı Festlandsgrieche bin. Denn Vaters Familie stammt komplett aus der Schwarzmeerregion, dem heutigen Trabzon. Mutter wurde in Bardenberg, heute ein Stadtteil von Würselen bei Aachen geboren. Da ist nichts mit dem Festlandsgriechen. Vater war Pontos-Grieche, womit ich das dann auch bin.</p><p> </p><p>Wobei der eingegriechischte Name „Aswestopoulos“ mit der typischen „opoulos“-Endung sogar eine Herkunft von «κάτω από το αυλάκι», unter dem korinthischen Kanal, sprich Peloponnes vorgaukelt. Die Namensanpassung geschah schrittweise. Mein Uropa wurde bei der Einreise in den 1920grn vom „Kireçoğlu“ zum „Asvestoğlu“, sein Bruder und die bereits lebenden Kinder zu „Asvestopoulos“. Dem Beamten, welche deren Papiere „griechisch“ machten, fiel im Gegensatz zum ersten Beamten auf, dass die Endung „oğlu“ nicht Griechisch klingt.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c8a5ba50-0cca-47af-b324-6ec56f287b6d/uploads/images/qmtslqtwph/DailyArtakiEvia260610-18.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Was ist an dieser Delikatesse wohl &quot;lügnerisch&quot;?</figcaption></figure><p></p><p>Zu ergänzen ist, dass niemand in Griechenland „Aswestopoulos“ schreiben würde – „Asvestopoulos“ ist die richtige Transkription. Das „w“ hab‘ ich im deutschen Personalausweis im Namen, weil der damalige Übersetzer im Konsulat in Köln und spätere Außenminister Michalis Papakonstantinou es in den Fünfzigern meinem Vater verpasste. Beim 1960 gefolgten Bruder meines Vaters schrieb das Konsulat den Namen mit „v“. Merke, jedes Aus- und Einwandern kann den Namen verändern. Oder man hat deren zwei, einmal mit und einmal ohne „w“.</p><p> </p><p>Sei es drum, wir schweifen ab. Festzuhalten ist, dass die Namensänderung bei kulinarischer Migration kaum angewandt werden. So heißen die Fleischbällchen aus Gehacktem in Griechenland Kefte, in der Türkei Köfte, im Persischen Kufteh, bei den Armeniern Kyufta, in Pakistan Kofta und sonst auf dem Balkan ćufta. Klingt gleich? Ist auch fast gleich lecker. Denn jede Region hat natürlich das Essen erfunden und die anderen haben es nur kopiert. So sehr meine griechischen Landsleute – aber auch meine selige Mutter – versuch(t)en, Kefte und Köfte mit «κοπτόν» dem „Geschnittenen“ auf eine griechische Sprachbasis zu stellen, sie haben vermutlich unrecht. Das Wort „Kefte“ für die Benennung des Fleischbällchens ist rein türkisch (Köfte), stammt aber aus dem Persischen (Kufteh  vom Verb kuftan - schlagen, zerkleinern).</p><p>Auch hier stellen wir fest, die persische Küche bescherte dem Nahen Osten, Anatolien und dem Balkan fantastische Gerichte. Eines davon sind die Dolmadakia, auch als Dolmades bekannt. Wieder die Frage: Wo kommt der Name wirklich her? Starten wir die Suche mal wieder im Türkischen, stoßen wir auf „Dolmas“. Was nicht mehr und nicht weniger heißt als „Gefülltes“.  Im Fall der Dolmadakia haben wir im Griechischen als Assoziation gefüllte Weinblätter. Ein traditionelles Gericht, das in fast allen Ländern des östlichen Mittelmeers, von Griechenland über Zypern, Ägypten, die Türkei und im Nahen Ostens  im Libanon, in Syrien, in Jordanien und in weiteren Ländern in verschiedenen Variationen zubereitet wird. In Ägypten werden Tomaten und Nelken hinzugefügt. In Zypern heißen die Dolmadakia „Koupepia“ und sind mit Lammhackfleisch und Tomatenmark gefüllt. In der Türkei gibt es zwei Varianten. Die „normale“ Version mit Rinderhackfleisch und die nun wichtige  „Yalancı“-Variante. Die „betrügerische“, die keine Fleischfüllung enthält. Oma machte als typische Pontierin immer die „normale“ Variante. Die beste Ehefrau von allen bevorzugt trotz familiärer Wurzeln aus Kleinasien die yalancı. Ob mit oder ohne den „Betrug“, es ist eine Delikatesse.</p><p>Genug analysiert. Es folgt ein Rezept für eine Yalancı Version der beliebten Speise. So ist es vegan und alle können etwas davon haben.</p><h2>Rezept für Dolmades – gefüllte Weinblätter</h2><p>Zutaten für gefüllte Weinblätter (Yalancı Version)</p><p>Für die Füllung:</p><p>400 g Reis</p><p>200 g Frühlingszwiebeln</p><p>2 Knoblauchzehen</p><p>1 große Zwiebel</p><p>150 g Olivenöl</p><p>400 g Wasser</p><p>1 EL gehackte Petersilie</p><p>2 EL gehackter Dill</p><p>1 EL gehackte Minze</p><p>Saft von 1 saftreichen Zitrone</p><p>Dazu zum „Einpacken“:</p><p>250 g eingelegte Weinblätter (gibt es auch in Deutschland zu kaufen)</p><p>50 g Olivenöl</p><p>Saft von 1 Zitrone</p><p> </p><p>Füllung vorbereiten</p><p>Gemüse und Kräuter gründlich waschen und putzen. Frühlingszwiebeln und Knoblauch fein hacken, die Zwiebel grob hacken. Einen Topf bei mittlerer Hitze erhitzen. Die 50 g Olivenöl, Frühlingszwiebeln, Zwiebel und Knoblauch hinzufügen. Mit einem Kochlöffel umrühren und 8–10 Minuten karamellisieren lassen. Die Hitze auf mittel bis hoch erhöhen und den Reis hinzufügen. 1–2 Minuten unter ständigem Rühren anbraten. Wasser, restliches Olivenöl hinzufügen und aufkochen lassen. Es gibt Zeitgenossen, die packen für den Geschmack auch noch einen Brühwürfel hinein.</p><p> </p><p>Die Hitze reduzieren und 5–6 Minuten köcheln lassen, dabei ständig umrühren, bis der Reis das Wasser aufgenommen hat. Der Reis ist in diesem Stadium noch nicht gar. Vom Herd nehmen und die Füllung abkühlen lassen. Petersilie, Dill, Minze und Zitronensaft hinzufügen, umrühren und beiseitestellen.</p><p>Vier oder fünf Weinblätter auf den Boden eines Topfes mit ca 22 cm Durchmesser legen. Falls Blätter eingerissen oder beschädigt sind, verwenden wir bevorzugt diese.</p><p>Dann nehmen wir die übrigen Weinblätter einzeln in die Handfläche oder legen sie auf ein Schneidebrett, sodass die Blattadern nach oben und die glänzende Seite nach unten zeigt. Wir packen 1 EL Füllung in die Mitte, klappen die Seiten nach innen und rollen  die Blätter zum kleinen Päckchen auf.</p><p>Die gefüllten „Weinblattrouladen“ legen wir so nebeneinander in den Topf, dass keine Lücken bleiben. Falls 2–3 Weinblätter übrig sind, legen wir diese oben auf die gefüllten Päckchen.</p><p>Wir gießen Sie lauwarmes oder heißes Wasser hinzu, bis die Kohlrouladen vollständig bedeckt sind. Jetzt geben wir Olivenöl und Zitronensaft hinzu und legen einen umgedrehten Teller auf die gefüllten „Dolmades“, damit sie beim Kochen nicht auseinanderfallen. Topf mit einem Deckel abdecken und auf dem Herd bei hoher Hitze lassen, bis das Wasser kocht.</p><p>Die Hitze vollständig reduzieren und ca. 40 Minuten köcheln lassen. Vom Herd nehmen und die gefüllten Meisterwerke im Topf abkühlen lassen.</p><p>Mit Zitronenscheiben als Deko, zur Verfeinerung ein bisschen Olivenöl und gehacktem Dill servieren - oder schlicht allein auf den Teller legen. Denn auch das ist Geschmackssache.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c8a5ba50-0cca-47af-b324-6ec56f287b6d/uploads/images/ahmuhakkhc/KaravaArtakiEvia260621-1-2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>So sehen die Dolmadakia vor dem Kochen aus.</figcaption></figure>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Gemischtes]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/c8a5ba50-0cca-47af-b324-6ec56f287b6d/uploads/images/qmtslqtwph/DailyArtakiEvia260610-18.jpg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 24 Jun 2026 16:37:39 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Recycling als Spiel – eine uralte, schöne Tradition]]></title>
      <description><![CDATA[Es war ein Veranstaltungspunkt auf dem 1. Festival für Kinder und Jugendliche des «Σύλλογος Απανταχού Αρτακηνών Κυζικηνών», des Kulturvereins der Menschen aus Artaki und…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es war ein Veranstaltungspunkt auf dem 1. Festival für Kinder und Jugendliche des «Σύλλογος Απανταχού Αρτακηνών Κυζικηνών», des Kulturvereins der Menschen aus Artaki und Kyzikos. Also der Nachkommen jener, die vor mehr als einem Jahrhundert aus Kleinasien im Rahmen des Bevölkerungsaustauschs nach Griechenland flüchten mussten. Und mir erschien diese Aktion in vielfacher Hinsicht zu den wichtigsten Nachrichten der Woche zu gehören.</p><p> </p><p>Vor knapp 100 Jahren spielten griechische Kinder am Marmarameer „Karava“, ein Spiel mit kleinen Spielzeugschiffen. Die Schiffe waren selbstgemacht und bestanden aus einem Metallrumpf, der aus einer Olivenöldose oder einem ähnlich großen alten Blechkanisters zugeschnitten und gebogen wurde. Alte Holzstücke dienten als Mast. Takelage und Flaggen wurden aus Stoffresten gefertigt. Das Foto zeigt die Wiederbelebung des Karava-Brauchs. Beim Festival lernten die Kinder und Jugendlichen wie diese Technik – abseits von Youtube-Tutorials oder ihren sonstigen sozialen Medien – funktioniert. Sie hatten drei Tage Spaß bei der Kreation und am Ende stand die feierliche „Schiffstaufe“ samt Jungfernfahrt. Die kleinen Schiffe werden dabei mit Fäden oder Schnüren über das Meer gezogen.</p><p> </p><p>Dabei entstand in Nea Artaki auf der Insel Euböa am späten Sonntagnachmittag des 21. Juni 2026, stellvertretend für alle Beteiligten das Bild:</p><p>„Ein Junge spielt das alte kleinasiatische Spiel ‚Karava‘.“</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a3571eae-e964-4488-b537-498976b5582b/uploads/images/uuxwvtju4p/KaravaArtakiEvia260621-1.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p> </p><p> </p><p>Wir sehen den Jungen, der stolz sein Boot zur Taufe ins Meer und zur Jungfernfahrt bringt. In diesem Moment gibt es kein Mobiltelefon für ihn. Der schmale Evripos, der natürliche Kanal zwischen der Insel Euböa und dem Festland erscheint fast wie ein Ozean. Der Junge spielt mit etwas, für das er keine Ressourcen verschwenden musste. Er hat gelernt, dass Recycling Spaß machen kann. Dass die Wiederverwendung und Veredelung alter Materialien Mehrwert generieren kann. Und schließlich, dass nicht alles im Leben gekauft werden muss.</p><p> </p><p>Es ist ein wichtiger Tag im Leben eines Kindes. Vielleicht erinnert es sich, wenn er hoffentlich sehr als wird, in Jahrzehnten an diese Stunden im Juni 2026. Wie lächerlich nebensächlich werden ihm dann die übrigen für uns heute so wichtigen Nachrichten erscheinen?</p><p> </p><p>Das Leben könnte so schön sein.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Fotografie]]></category>
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      <pubDate>Wed, 24 Jun 2026 09:44:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wer hat’s erfunden? Die Socken in den Sandalen?]]></title>
      <description><![CDATA[Kennt jemand die Antwort? Oder wäre es eine gute Frage für „wer wird Millionär?“ Die Antwort dürfte Millionen deutscher, Klischee-geplagter Touristinnen und Touristen…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/20ef14e1-b1fd-43dd-9f99-b1fd21ba4828/uploads/images/xsaerr4bvn/DailyArtakiEvia260610-24.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Kennt jemand die Antwort? Oder wäre es eine gute Frage für „wer wird Millionär?“ Die Antwort dürfte Millionen deutscher, Klischee-geplagter Touristinnen und Touristen gefallen. Denn sie sind vollkommen unschuldig. Besser noch, sie sind Bewahrer einer sehr alten Tradition. Alle Fritz, Hans, Bernds, Ernas und Gerdas, die jahrzehntelang im Urlaub wegen Sandalen mit Socke gemobbt wurden können sich freuen. Historische Quellen, die wissenschaftlicher Prüfung standhalten, belegen das.</p><p> </p><p>Aber der Reihe nach. Griechische Sockenhersteller haben sich bemüht, die Tradition des Kleidungsstücks zu erforschen. Ihnen ging es darum, die Herkunft des beliebten Kleidungsstücks zu dokumentieren. So lese ich auf der Homepage des Sockenfabrikanten Pournara den entscheidenden Hinweis: „Bindet euch passende Sandalen um die Füße, die aus dem Fell eines gewaltsam getöteten Ochsen gefertigt und innen mit Filz gefüttert sind.“ Der Satz steht in Hesiods „Werke und Tage“</p><p> </p><p>Der antike Dichter war im Nebenjob Hirte in Böotien in Askra am Fuße des Helikon. Er lebte in der Zeitperiode um 750 bis 700 vor Christus. Also ist er zeitlich nach dem sagenhaften Homer, dessen Ilias und Odyssee einzuordnen. In Vers 542 von „Werke und Tage“ findet sich die Patentanmeldung der deutschen touristischen Klischeekleidung. Dort gibt Hesiod seinem Bruder Persis den Tipp, Sandalen zu tragen und die Füße darin mit Filz einzuwickeln. Dass er aus der Erfahrung des harten antiken Hirtenlebens Persis eine Reihe von Bekleidungsanweisungen für das reale Überlebensszenario in der Kälte gibt, liefert den Liebhabern der Geschichte weitere Informationen.</p><p> </p><p>Für uns wichtig bleibt, dass der damalige Filz Stoff aus gepressten Tierhaaren oder Borsten war. Und damit haben wir unsere erste Socke. Woher aber stammt das Wort? Also „Socke“ und nicht das mit dem Begriff verbundene Kleidungsstück? Auch hier führt die Spur zu den Hellenen. Das Wort Socke geht auf das lateinische „soccus“ zurück. Es war eine Art leichtem Schuh oder Pantoffel. Ein Kleidungsstück, das der sowohl von den alten Griechen als auch von den Römern, insbesondere im Theater, getragen wurde. Aus dem Lateinischen kam das Wort als „socc“ ins Altenglische. Im Mittelenglischen wurde dann „socke“ daraus. Allerdings hat auch das lateinische „soccus“ griechische Wurzeln. Hier haben wir als Urahnen das Wort «συκκός»  (sykkos), das den phrygischen Schuh bezeichnete.</p><p> </p><p>Nun nutzen die Griechen aber nicht Socke oder ein ähnliches Wort für ihre Fußbekleidung. Sie bezeichnen sie als «κάλτσα» (Kalza). Der Ausdruck stammt vom mittelgriechischen Wort κα(λ)τσα (ka(l)tsa), einem Lehnwort aus dem Italienischen – von „calza“. Das italienische „calza“ wiederum leitet sich vom lateinischen calcea. Das stammt nun als Ableitung vom calceus, einem Ausdruck für Fußbekleidung. Somit nutzen die deutschen, Socken tragenden Touristinnen und Touristen auch noch das wahre griechische Worte.</p><p>Ich gebe zu, dass ich persönlich diese Art der Bekleidung nicht besonders schön finde. Aber, mit derartigem Wissen ausgestattet, trägt sich die Socke in Sandalen beim nächsten Tripp zur Akropolis doch mit Stolz, oder?</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Kultur]]></category>
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      <pubDate>Tue, 16 Jun 2026 12:44:29 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Medizin aus der Boutique und Mathematik aus der Backstube]]></title>
      <description><![CDATA[Könnten Sie sich vorstellen, in eine Boutique zu gehen, um sich den Blutdruck messen zu lassen? Kaum jemand dürfte auf die Idee kommen, in Köln in eine Boutique zu…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Könnten Sie sich vorstellen, in eine Boutique zu gehen, um sich den Blutdruck messen zu lassen? Kaum jemand dürfte auf die Idee kommen, in Köln in eine Boutique zu stapfen und nach Erkältungsmedizin plus einer Einlösung eines E-Rezepts zu fragen. Oder nicht? Und warum schickte meine Oma Mathematiker an den Backofen?</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b1fbf03f-3fc7-423b-810c-16fc46a9b8cc/uploads/images/5grl7t5aza/DailyArtakiEvia260610-35.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Eine Apotheke auf der Hauptstrasse des wunderschönen Nea Artaki auf der Insel Euboea</figcaption></figure><p> </p><p>Nun, es ist alles eine Definitionssache. In Deutschland, Österreich, der deutschsprachigen Schweiz, in Luxemburg, in Liechtenstein und im deutschsprachigen Teil Belgiens gehen die Menschen wenn sie krank sind in die Apotheke. In Schweden, Norwegen und Dänemark nennt man die Geschäfte „Apotek“. Die Russen sagen  „apteka“. Auch bei den Polen und ebenso in Serbien und sogar der Ukraine gibt es Medizin in der „Apteka“. In den Niederlanden sagt man „Apotheek“ und in Finnland „Apteekki“. Und ja, das hat sehr viel mit „Boutique“ zu tun – mit dem Wort und nicht mit der heutigen Bedeutung.</p><p> </p><p>In Boutiquen erwartet man modische Kleidung, Accessoires, Schmuck oder Kosmetik. Mit einer Boutique verbindet man im Gewöhnliches exklusives Einkaufen und erlesene Dienstleistungen. Der Begriff wurde so sehr mit Exklusivität verbunden, dass es auch Boutique-Anwaltskanzleien, Boutique-Verlage und Boutique-Agenturen gibt. Wer was auf sich hält, geht in ein Boutique-Hotel, statt in einem unpersönlichen Haus einer weltweiten Kette abzusteigen.</p><p> </p><p>Auch die Griechen kennen das Wort Boutique. Sie schreiben es naturgemäß im griechischen Alphabet etwas anders. «Μπουτίκ» (Mpoutik, das „Mp“ wie ein „b“ gesprochen) ist ein klassisches Lehnwort. Es stammt aus dem Altgriechischen, verbreitete sich über die europäischen Sprachen und gelangte schließlich über das Französische zurück ins Neugriechische.</p><p> </p><p>Altgriechisch? Wie kommt das? Nun „Boutique“ stammt zweifelsfrei vom französischen Wort „boutique“. Das wiederum hat seine Wurzeln im altokzitanischen Wort „botica“. Okzitanisch ist eine galloromanische Sprache, die heute noch als Dialekt in Gebieten von Frankreich, Spanien und Italien gesprochen wird. In Katalonien hat sie den Status einer zweiten Amtssprache. In Frankreich wird sie als Minderheitensprache anerkannt. Die Sprache ist eine Geschichte für sich. Festzuhalten ist, dass das Altokzitanische als Sprache der Troubadours im Mittelalter sehr zur Verbreitung des Wissens in Europa beigetragen hat.</p><p> </p><p>Die galloromanische Sprache hatte die „botica“ als Form des im Lateinischen üblichen „apotheca“ übernommen. Und da sind wir wieder bei unserer Apotheke. Die Lateiner wiederum nahmen ihre „apotheca“ aus dem Lager der altgriechischen Vokabeln, hier dem « ἀποθήκη» (apothiki). Das Wort existiert auch im Neugriechischen weiter und wird vereinfacht als «αποθήκη» geschrieben. Ein Wort, in dem sich nichts Exklusives versteckt. Es setzt sich zusammen aus dem Präfix «ἀπο-», das schlicht die Entfernung vom aktuellen Ort angibt. Dazu kommt das Substantiv «θήκη», das vom Verb «τίθημι» stammt. Das Verb bedeutet etwas zu platzieren oder zu setzen. Auch die Theke als Ablageort für irgendetwas hat diesen etymologischen Ursprung.</p><p> </p><p>Die Apotheke ist somit profan ein vom Hauptraum räumlich abgetrenntes Lager. Wortwörtlich wäre der Treffpunk am Kamin im Boutique-Hotel damit ein Rendezvous an einem Lagerfeuer. Wieso wir heute unsere Medizin aus einem Lagerraum holen und dabei akademisch gebildete Lageristen (Apotheker) bezahlen? Ganz einfach, im Mittelalter waren besonders in Nordeuropa die Klöster die Hüter des Wissens und damit auch der Medizin. Von einem Kloster konnte man sich Heilkräuter erbitten. Und diese wurden zusammen mit den aus ihnen gebrauten Tinkturen im Klosterlager, der Apotheke aufbewahrt.</p><p> </p><p>Die Griechen, aus deren Sprachschatz das Wort stammt, kämen nie auf so eine Idee. Bei ihnen heißt es „Pharmakeio“ (φαρμακείο). Daraus wiederum machten die Franzosen ihr „pharmacie“ und die englischen Sprachen ein „pharmacy“. Die einzige Medizin, die man dort in einer Boutique erwirbt, ist eher metaphorisch. Sie hängt mit der als „Shopping Therapy“ bekannten modernen Form des Sammelns und Jagens zusammen. Des Einkaufsbummels, den mehr oder weniger vermögende Zeitgenossen als Mittel zur Stimmungsaufhellung betreiben.</p><p> </p><p>Heißt das, dass wir alle eine Art Griechisch sprechen? Nein. Denn nehmen wir mal eins der heute wichtigsten Wörter, den Algorithmus. Es sieht auf den ersten Blick vielleicht Griechisch aus. Aber tatsächlich geht es auf den begnadeten Mathematiker Abu Dshafar Muhammed Ibn Musa al-Khwarizmi. Latinisiert wurde der Name des Mathematikers zu Argorismi. Im 16 Jahrhundert wollte man dem Namen einen etwas griechischer wirkenden Anstrich verleihen und schrieb ihn Algorithmus. Damit wollte man es gebildeter wirken lassen.</p><p> </p><p>Unser Mathematiker, dem wir so viel verdanken, bekam davon nichts mit. Im neunten Jahrhundert erfand er nebenbei die Algebra, als er ein Lehrbuch mit der mathematischen Erfassung von Erbschaftsregeln schrieb. Um es kurz zu machen – der Begriff „Algebra“ ist vom arabischen Titel des Buches abgeleitet. Und ausgerechnet mit diesem Wort animierte mich meine Oma, die Etymologie von Begriffen zu erforschen. Das Neugriechische war neben ihrer Muttersprache, dem pontischen Griechisch und dem an ihrem Geburtsort üblichen Türkischen, sowie dem Russischen des zwischenzeitlichen Flüchtlingsaufenthalts ihre vierte Sprache. Wenn ihre Kinder und später ihre Enkel sich mit der Mathematik, insbesondere der Algebra beschäftigten, fand sie das außerordentlich lustig. Denn Oma sagte Alevra (άλευρα) statt dem im Griechischen üblichen Aljevra. Durch den weggelassenen Laut wurde die mathematische Rechenkunst zum simplen Mehl degradiert. Wieso wir für unser „Mehl“ stundenlang starr auf Papier starren, während sie damit leckere Speisen zaubern würde, wollte Oma von uns wissen.</p><p> </p><p>Oma genoss die Geschichten der Wörter, mit denen sie so gern spielte. Sie tat es im vollen Bewusstsein und nicht aus Unwissen. Es war das Kokettieren einer Frau, die wegen Flucht und Vertreibung kaum vier Jahre Schule genießen durfte, mit Wissen und Sprachen. Denn in den meisten Fällen kannte Oma zu meiner großen Überraschung immer die Herkunft der Worte, mit denen sie uns zum Narren hielt. Selbst, wenn die genaue Etymologie ihr nicht immer bekannt war, wusste sie, welches Wort aus dem Griechischen, Türkischen, Arabischen, Russischen oder aus sonst einer Fremdsprache stammt. Vielleicht sollte ich meine Fantasie, Oma mit ihren coolen Sprüchen in ein Boutique-Hotel zu schicken, einmal zu einer Geschichte machen. Es hätte ihr gefallen.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Kultur]]></category>
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      <pubDate>Sun, 14 Jun 2026 11:09:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wer rettet uns vor den Logistics-„Profis“]]></title>
      <description><![CDATA[Es gibt Schlimmeres als die ICE, Schienen und Verspätung Oft lese ich in Sozialen Medien Berichte über Zugverspätungen und schlechten Service der Bahn. Man gewinnt den…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2>Es gibt Schlimmeres als die ICE, Schienen und Verspätung</h2><p>Oft lese ich in Sozialen Medien Berichte über Zugverspätungen und schlechten Service der Bahn. Man gewinnt den Eindruck, dass der Schienenverkehr pars pro toto für den aktuellen Niedergang der Wirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland gilt. Wirklich? Ich denke, es gibt Schlimmeres – Paketdienste. Besonders dreist ist, dass sie für eigene Fehler und willkürliche Namensänderungen nicht einmal Rede und Antwort stehen möchten. Denn ja, heuer muss man damit rechnen, dass der eigene Name auf einem Adressaufkleber eigenmächtig in einen Fantasienamen geändert wird.</p><p> </p><p>Vor knapp sieben Wochen meldete sich mein Verlag aus der Schweiz bei mir. „Mein“ Verlag, der Weber Verlag, hat den ursprünglichen Verlag meines Buchs aufgekauft. Eine dort konzipierte Buchreihe mit Biographien  berühmter Personen aus der Feder mehrerer Autoren ist nicht wirklich das Konzept des Verlags. Ergo läuft mein ursprünglicher Verlag als Imprint nun etwas neben der Spur. Sei es drum, acht Jahre nach Publikation der Reihe werden die Lagerbestände vermindert. Überschüssige Bücher werden entweder makuliert oder uns Autorinnen und Autoren angeboten. Für das Archiv wollte ich die schon gern haben. Vielleicht freuen sich später Enkelkinder darüber.</p><p> </p><p>Schnell wurden wir uns einig, sofort wurde das Geld für Bücher und Transport mit einer Echtzeitüberweisung entrichtet. Heute geht alles so schnell, oder? Man würde vom deutschen Lager aus über einen deutschen Logistiker versenden, teilte man mir mit. Offenbar ging man davon aus, dass so die Pakete korrekt speditiert werden.</p><h2>Wenn man Griechenland in Deutschland sucht, wird man nicht fündig</h2><p>Vor Ende April erwartete ich die Sendung. Acht bis zehn Tage gibt der Dienstleister als Paketlaufzeit an. Zu blöd, dass ich um den 24. April weg von zuhause im Foto-Einsatz war. Aber man hat ja liebe Nachbarn. Wobei, die brauchte ich gar nicht. Denn beim Tracking des Pakets konnte ich miterleben, wie dieses quer durch Deutschland ging. Das deutsche Logistikunternehmen war dort verzweifelt auf der Suche nach „34600 Nea Artaki“ einem Ort auf der Insel Euböa, die laut korrekter Adressierung in Griechenland liegt. Man fand in der gesamten Bundesrepublik keinen Ort, auf den die Adresse zutraf. Das Paket ging Retoure – so wie man mir mitteilte sogar auf Kosten des Verlags. Ansonsten, so hieß es, würde man die Bücher vernichten.</p><p> </p><p>Der Verlag startete einen neuen Anlauf mit dem gleichen Dienstleister. Was kann da schon schiefgehen? Man denkt, dass jedem Fehler passieren können und dass sich der Paketdienst nun besonders engagieren sollte. Weit gefehlt.</p><p> </p><p>Zunächst hing das Paket tagelang beim Zoll fest. Laut Tracking-Info des Dienstleisters fehlten Angaben. Diese holte beziehungsweise bestätigte sich der Zoll vollkommen unbürokratisch mit einem Anruf bei mir. Damit ist gesichert, dass der Zoll meine Mobilfunknummer und meinen Namen kannte. Der Dienstleister hatte keinerlei Veranlassung gesehen, mich zu kontaktieren. Man teilte mir auch nicht mit, welches Unternehmen in Griechenland das Paket als Subunternehmer übernommen hatte. Auch nicht, unter welcher Sendungsnummer das Paket beim Subunternehmer lief. Zudem hatte man dem Subunternehmer nicht meine Telefonnummer mitgeteilt.</p><p> </p><p>All das wäre verkraftbar gewesen, wenn… ja wenn auf dem Paket weiterhin mein Name geblieben wäre. Denn aus Asvestopoulos, wie der Name in der gültigen internationalen Transkription geschrieben wird, wurde Argiropoylos. Der „neue“ Name wurde in einem Mix von Transkriptionsregeln geschrieben, „Argyropoulos“ oder „Argiropoulos“ wäre richtig gewesen – aber „Argiropoylos“ eben nicht. Nun folgte ein weiteres Problem. Paketdienste in Griechenland rufen die Kunden vor der Auslieferung oder bei Unklarheiten an. Das ging im vorliegenden Fall nicht. Ein real existierender, lokal bekannter Argyropoulos vor Ort erwartete kein Paket von einem Schweizer Verlag. Kurz, das Paket sollte erneut zurück an den Absender gehen.</p><p> </p><p>In der Zwischenzeit sah ich im Tracking, dass es angeblich fruchtlose Versuche der Anlieferung an meine Adresse gegeben habe. Es half nichts tagtäglich mit förmlich mit dem Ohr an der Grundstückstür zu kleben und Paketdienste abzupassen. Der mir als Subunternehmer bekannte Paketdienst ACS hatte weder einen Asvestopoulos, noch einen Aswestopoulos oder gar meine Telefonnummer für eine Auslieferung im Computer. Die deutsche Trackingnummer war komplett unbekannt. Mehrfache Telefonate halfen da nicht. Ich kontaktierte die mir bekannten Paketdiensten, bei keinem davon ergab sich eine Spur. Mehr als sechs Wochen waren seit dem ersten Versand vergangen. Es sah ernsthaft danach aus, als gäbe es erneut ein Fiasko.</p><p> </p><p>Entschlossen, mich nicht abwimmeln zu lassen, suchte ich die lokale ACS-Filiale auf. Wieder wimmelte man mich ab; es gab keine gültige Sendungsnummer, kein Paket auf diesen Namen und keine Speicherung meiner Telefonnummer als Kontakt für irgendeine Sendung. Und als Krönung gab es auch kein Paket mit dem Verlag oder dessen Bücherdienst als Absender.</p><p> </p><p>Spätestens an diesem Punkt ist man eigentlich am Ende. Nicht so, wenn die Mitarbeiter vor Ort mitdenken. Nachdem ich die Bedienung mehrerer weiterer Kunden abwarten musste, wurde der Auslieferungsfahrer kontaktiert. „Gibt es ein größeres Paket aus Deutschland oder der Schweiz, das nicht ausgeliefert werden kann?“ Es gab es – für einen Argiropoulos und mit dem deutschen Paketdienst als Absender. Unter diesem Etikett war eine weiteres, überklebtes Etikett. Et voila, darauf stand mein Name, meine Adresse …</p><p> </p><p>Haben wir nun ein Ende gut und damit alles gut? Nein. Ich wollte das so nicht auf sich sitzen lassen. Ich kontaktierte das deutsche Paketunternehmen und beschwerte mich. Nach einigen Tagen kam die folgende Antwort:</p><p>„Guten Tag Vasilis Asvestopoulos,</p><p>vielen Dank für Ihre Nachricht.</p><p>Aufgrund des aktuell stark erhöhten E-Mail Aufkommens (sic!) bitten wir die verspätete Bearbeitung Ihres Anliegens zu entschuldigen.</p><p>Die E-Mail-Adresse <a href="mailto:XXXX@XXX-germany.com">XXXX@XXX-germany.com</a> ist ausschließlich für Anfragen von Empfängern in Deutschland vorgesehen. Für Ihr Anliegen wenden Sie sich bitte an:  <a href="mailto:XXX@acscourier.gr">XXX@acscourier.gr</a></p><p>Wir bitten um Ihr Verständnis für diese Vorgehensweise.</p><p>Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag.</p><p>Freundliche Grüße / Best regards</p><p>Ihr XXX Service-Team“</p><p>Ich habe kein Verständnis. Weder für ein „erhöhtes E-Mail-Aufkommen“, noch für einen grottenschlechten Kundendienst, nicht für die Verweigerung einer Antwort auf eine willkürliche Namensänderung und erst recht nicht für mehr als sechs Wochen Paketlaufzeit ohne korrekte Trackingdaten.</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/968c038a-95ab-4edb-b554-090dc3634d55/uploads/images/kx6q2kr4vy/20260526_132208.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/968c038a-95ab-4edb-b554-090dc3634d55/uploads/images/akwynh4g5f/20260526_132029.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/968c038a-95ab-4edb-b554-090dc3634d55/uploads/images/6fcf4e5aoz/20260526_132025.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/968c038a-95ab-4edb-b554-090dc3634d55/uploads/images/rndk6kybhj/20260526_132019.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p> </p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Gemischtes]]></category>
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      <pubDate>Mon, 01 Jun 2026 11:16:25 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Warum haben die Autos in Griechenland einen demontierten Kugelkopf?]]></title>
      <description><![CDATA[Bei Autos in Griechenland fällt auf, dass sehr viele davon einen demontierten Kugelkopf haben. Das heißt, dass der Kugelkopf der Anhängerkupplung fehlt. Nur äußerst…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bei Autos in Griechenland fällt auf, dass sehr viele davon einen demontierten Kugelkopf haben. Das heißt, dass der Kugelkopf der Anhängerkupplung fehlt. Nur äußerst selten sieht man ein Fahrzeug, bei dem die Anhängerkupplung komplett montiert ist, ohne dass ein Anhänger daran hängt. Starre, fest verschweißte Anhängerkupplungen sieht man dagegen nie. Zumindest nicht an Fahrzeugen mit griechischem Nummernschild und gültiger TÜV-Plakette. Das hat einen Grund.</p><p> </p><p>Der griechische Gesetzgeber hat entdeckt, dass Autos mit angeflanschter Anhängerkupplung länger sind, als es der Hersteller im Fahrzeugschein angibt. Die griechischen Versicherer haben ausgerechnet, dass die Kugelköpfe bei Auffahrunfällen einen erhöhten Schaden hervorrufen. Die fest installierte Anhängerkupplung wurde als gefährlich eingestuft. Erschwerend kam hinzu, dass sie auch für Fußgänger gefährlicher ist.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/40d32930-fb99-4b37-9638-1b129b291a4a/uploads/images/7iyuwdiv4l/DailyChalkida260517-1.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Grund genug für die Regierung, mittels Ministerialerlass für Klarheit – oder Verwirrung zu sorgen. Der <a href="https://www.taxheaven.gr/circulars/35424/2805-7-1-2021">Erlass 2805 vom 7.1.2021</a> wurde mehrfach in Details ergänzt. Die Kernaussage ist, dass man niemals mit einem montierten Kugelkopf fahren darf, wenn kein Anhänger am Fahrzeug hängt.</p><p> </p><p>Halter, deren Fahrzeuge über fest installierte Anhängerkupplungen verfügen, müssen diese entfernen. Sie können anschließend durch zugelassene, abnehmbare oder klappbare Anhängerkupplungen ersetzt werden. Wer das unterlässt, riskiert sieben Punkte im Verkehrssünderregister, ein Bußgeld über 200 Euro und fünfzehn Tage Fahrverbot für das Fahrzeug. Die Zulassung und die Kennzeichen des Autos werden dann so lange eingezogen, bis der Mangel nachweislich beseitigt ist.</p><p> </p><p>Etwas geringer fallen die Strafen aus, wenn man mit montierter Kupplung aber ohne Anhänger daran erwischt wird. Dann sind fünf Punkte und 33 Euro fällig. Bei insgesamt 25 Punkten im Strafregister ist der Führerschein weg. Er wird dann nur nach erneuter theoretischer und praktischer Prüfung wieder erteilt. Fährt man mit montierter Kupplung zum TÜV, dann wird die Plakette nicht erteilt.</p><p> </p><p>Natürlich müssen Fahrerinnen und Fahrer die entsprechende Fahrerlaubnis besitzen. Die Fahrzeugkategorie richtet sich nach dem zulässigen Gesamtgewicht (zGG), wie in den Zulassungspapieren angegeben:</p><p> </p><p>• Führerschein-Kategorie B: zGG (Pkw + Anhänger) bis 3.500 kg </p><p>• Führerschein-Kategorie B mit Code 96: zGG von 3.501 bis 4.250 kg</p><p>• Führerschein-Kategorie B+E: zGG über 4.250 kg</p><p> </p><p>Wieder gibt es ein Detail zu beachten.  Das zGG bezieht sich auf den in den Papieren von Pkw und Anhänger angegebenen Wert. Das tatsächliche Gesamtgewicht des Gespanns ins dabei unerheblich, solange es unter dem zugelassenen Wert liegt.</p><p> </p><p>Wenn Sie beispielsweise mit Führerscheinkategorie B ohne Zusatz einen leeren Bootstrailer ziehen und das tatsächliche Gesamtgewicht unter 3.500 kg liegt, das zulässige aber darüber, dann wird die Polizei einen Verstoß feststellen. Dabei ist es unerheblich, dass ein unbeladener Bootsanhänger tatsächlich viel weniger wiegt als das in seiner Fahrerlaubnis angegebene zulässige Gesamtgewicht.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Gemischtes]]></category>
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      <pubDate>Mon, 18 May 2026 18:35:23 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[„Ich habe eine alte Kamera, taugt die noch was?“]]></title>
      <description><![CDATA[Die Alternativfrage lautet: „Meine Kamera ist 14 Jahre alt, die taugt doch nichts mehr, oder?“ Wenn man als Fotograf unterwegs ist, hört man solche Fragen oft. Sie…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Alternativfrage lautet: „Meine Kamera ist 14 Jahre alt, die taugt doch nichts mehr, oder?“ Wenn man als Fotograf unterwegs ist, hört man solche Fragen oft. Sie kommen sogar - oder soll man sagen erst recht? -  von ambitionierten Hobbyfotografen. Was antwortet man darauf? Nehmen wir ein praktisches Beispiel. Es geht um das hier abgebildete Foto, seine Entstehungsgeschichte und die Kamera.</p><p> </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9d7f9e97-275f-44e8-a3f6-b8fddc21ebcc/uploads/images/47nex252lt/BWChalkida260221-6.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Es dämmert. Ein Dreimaster vollbesetzt mit Touristen, fährt am 16. Februar 2026 an der Uferpromenade von Thessaloniki vorbei. Thessaloniki, die Griechen nennen die Stadt gern „Braut des Nordens“ ist eine Millionenstadt und ein Tourismusmagnet. Mein Hund, der beste Hund von allen, ist auf meiner linken Hand, denn die Kamera in meiner rechten Hand lässt sich mit der Linken leider kaum bedienen. (Wann erfindet endlich jemand eine Kamera für Linkshänder?)</p><p> </p><p>Passanten eilen vorbei. Jogger kreuzen den Weg und immer wieder droht man, aus Versehen auf den Radweg zu treten. Tatsächlich bleibt kaum Zeit für ein Foto. Und es gibt erst recht keinen Spielraum für Fehler. Eine Kamera mit hoher Serienbildgeschwindigkeit wäre da ideal, nicht wahr? Nun ja, meine Kamera ist nicht schnell, der Autofokus ist nicht schnell und der Serienbildmodus ist auch nicht gerade brauchbar. Die Kamera ist eine Fujifilm X-Pro 1, die im Januar 2012 auf den Markt kam. Sie ist ausgerüstet mit einem nicht mehr traufrischen XF 16mm F2.8 R WR Objektiv. Das Objektiv ist wetterfest, hat aber keine Bildstabilisierung. </p><p>Eine Verschlusszeit von 1/125 Sekunde und eine Blende von f/3.2 bei ISO 200 sind völlig ausreichend. Und nein, mit 16,3 Megapixeln ist die Kamera kein Pixelmonster, aber auch nicht uralt. Aufnahmen im RAW-Format ermöglichen später mehr Feineinstellungen. Das ist für eine spätere Nachbehandlung effektiver als die Aufnahme vieler „fertiger“ JPEGs mit moderneren Kameras.</p><p> </p><p>Leute, nein, für den täglichen Gebrauch ist es sinnlos, jedes Jahr die neueste Kamera zu kaufen. Selbst für Profis lohnen sich ein Kameragehäuse und teure Spezialobjektive nur, wenn man sie bei der alltäglichen Arbeit ausreizen kann. Welcher Taxifahrer würde sich einen Lamborghini anschaffen, um seine Fahrgäste durch die winterliche Nordeifel zu kutschieren? Genauso verhält es sich mit einer Kamera. Am Ende des Tages sind auch sie nur Werkzeuge.</p><p>Es sei denn natürlich, man glaubt, die Kamera mache von selbst großartige Bilder. Oder aber man schießt Serienbilder wie ein Maschinengewehr ab und sucht sich dann aus Hunderten von Aufnahmen das perfekte Bild aus. Dafür habe ich normalerweise weder die Zeit noch den Speicherplatz auf dem Computer. Meine alte Kamera ist im Vergleich zu so einem Vorgehen definitiv schneller. Somit ist sie abseits der professionellen Aufträge als „immer dabei“ Begleitung völlig ausreichend. Sie macht, was sie soll, und liefert brauchbare Fotos. Warum sollte ich sie also ins Regal stellen und verstauben lassen? Das wäre weder finanziell noch hinsichtlich des Klimas nachhaltig.</p><p>Schließlich hat so eine alte, leichte, spiegellose Kamera noch mehr „Nebenwirkungen“. Dort, wo bei der Straßenfotografie eine große Spiegelreflexkamera oder Vollformat-Spiegellose auf Passanten abschreckend wie ein Maschinengewehr wirken, sorgt älteres Gerät für Gesprächsstoff und wohlwollende Blicke. Außerdem sind, was vor allem mit zunehmendem Lebensalter spürbar wird, kleinere Kameras mit einer leichten Linse für jeden Rücken eine Erholung. Was nutzt uns die beste und teuerste Fotoausrüstung, wenn sie komplett mit allem Zubehör knapp 18 bis 20 kg schwer in einem Rucksack an uns hängt?</p><p>Gut Licht – mit der besten Kamera, die ihr habt. Der, die wenn ihr sie braucht in euren Händen ist.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Fotografie]]></category>
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      <pubDate>Fri, 27 Feb 2026 16:02:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Werde kostenlos Subscriber]]></title>
      <description><![CDATA[Erhalte neue Inhalte von mir direkt in dein Postfach. So haben es nicht mehr die Social-Media-Algorithmen in der Hand, ob und wann du von mir hörst.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Verpasse nichts vom Balkanisator</h1><h2>Was dich erwartet</h2><p>beim Balkanisator geht es um…</p><ul><li><p>… den Balkan als Lebensgefühl zwischen Politik, Geschichte, Kultur, Sport und Tourismus jenseits von Klischees.</p></li><li><p>… Bücher aus verschiedenen Sprachräumen, um ehrliche Kritiken und Lektüren, die nachhallen.</p></li><li><p>… Fotografie als erzählende Kunst mit praktischen Tipps, Anleitungen und Ausstellungshinweisen.</p></li><li><p>… Technik und digitale Trends, neugierig betrachtet, verständlich erklärt und kritisch eingeordnet.</p></li></ul><h2>Werde kostenlos Subscriber</h2><p>Erhalte neue Inhalte von mir direkt in dein Postfach. So haben es nicht mehr die Social-Media-Algorithmen in der Hand, ob und wann du von mir hörst.</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Gemischtes]]></category>
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      <pubDate>Fri, 27 Feb 2026 14:24:10 +0000</pubDate>
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