»Dutzende Aufgaben, Hunderte Informationen – dafür sind unsere Gehirne nicht gemacht«, sagt Psychologieprofessorin Eva Asselmann. Hier verrät sie, was wir tun können, wenn zu viel unkontrolliert auf uns einprasselt.
Zuerst erschienen am 5. März 2026 beim Spiegel (Öffnet in neuem Fenster)
SPIEGEL: Frau Asselmann, den Stoßseufzer »Mir ist gerade alles viel zu viel« hört man heutzutage ständig. Warum?
Asselmann: Es liegt am Tempo und an der Reizüberflutung. Es prasselt so vieles unkontrolliert auf unseren Geist ein.
SPIEGEL: Ist das neu?
Asselmann: Nein, aber es kommt immer wieder eine Schippe obendrauf. Los ging es mit der Industrialisierung, damit begann die Entkopplung des Alltags von der Biologie des Menschen. Die Uhr trat an die Stelle von Licht und Dunkelheit. Seitdem dreht sich der technologische Fortschritt weiter. Das Telefon wurde erfunden, Autos, Flugzeuge, Fernsehen, Internet. Seit Kurzem spielt auch noch künstliche Intelligenz eine Rolle. Wir haben jederzeit unbegrenzt Zugriff auf Informationen, können in Echtzeit mit der ganzen Welt kommunizieren, vieles passiert gleichzeitig. All das trägt dazu bei, dass Leute sagen: »Boah, ich kann nicht mehr, ich komme nicht hinterher.«
Zur Person

Eva Asselmann ist Psychologieprofessorin an der HMU Health and Medical University in Potsdam. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Persönlichkeitsentwicklung, Stressmanagement und Prävention.
SPIEGEL: Aber war es früher leichter?
Asselmann: Nicht unbedingt. Früher gab es Armut, harte Arbeitsbedingungen. Alles riesige Belastungen, denen wir heute möglicherweise nicht gewachsen wären. Heute leiden die Menschen wenig unter körperlichem, dafür umso mehr unter emotionalem und kognitivem Stress. Dutzende Aufgaben, Hunderte Informationen – dafür sind unsere Gehirne nicht gemacht, auf Dauer kann das krank machen. Wir beobachten heute mehr psychische Probleme als zuvor.
SPIEGEL: Wofür ist das menschliche Gehirn gemacht?