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Eurosky soll Abhängigkeit von US-Konzernen verringern

Bluesky-Briefing Nr. 9/25

Ein Bündnis aus Unternehmen, IT-Fachleuten und zivilgesellschaftlichen Organisationen hat das Projekt Eurosky (Opens in a new window) vorgestellt. Das Projekt will eine gemeinsame europäische digitale Infrastruktur für soziale Medien, Suchmaschinen, Nachrichten und E-Commerce aufbauen und die Abhängigkeit von den US-Technologieriesen verringern. Eurosky baut auf dem gleichen Open-Source-Protokoll auf wie Bluesky, dem AT-Protokoll (Opens in a new window). Daher der Name Eurosky.

Die gemeinsame Infrastruktur soll europäischen Unternehmern helfen, schnell zu wachsen und mit Big Tech zu konkurrieren. Unterstützt von Tools, die nahtlos und im Einklang mit den europäischen Digitalgesetzen entwickelt wurden. Das soll das Wachstum einer Vielfalt von Plattformen ermöglichen – und damit einen Wettbewerb um die beste Benutzererfahrung anregen.

Derzeit beherrschen wenige US-amerikanische Konzerne die sozialen Medien weltweit. „Ihre Algorithmen schüren Wut und machen süchtig. Illegale Inhalte und Desinformation sind allgegenwärtig. Ihre Monopolmacht erstickt europäische Innovationen. Sie zahlen nicht ihren fairen Anteil an Steuern. Ihre Eigentümer verhöhnen die europäische Demokratie und ihre Gesetze“, heißt es auf der Webseite von Eurosky. „Soziale Medien sind eine kritische Infrastruktur und ein zentraler Baustein der europäischen Strategie für technologische Souveränität. Wir müssen die Kontrolle über unsere Informationsökosysteme zurückgewinnen.“

Gemeinnütziger Moderations-Service

Eine der größten Hürden für neue Social-Media-Start-ups ist die Moderation. Wenn ein kleines Start-up rasant wächst, gerät es oft schnell an seine Grenzen, illegale Inhalte wie Kinderpornografie oder gewaltverherrlichende Videos zügig zu löschen. Der gemeinnützige Moderationsdienst von Eurosky will Betreibern sozialer Plattformen diese Aufgabe abnehmen, sagte Sherif Elsayed-Ali von Eurosky der Nachrichtenagentur Reuters (Opens in a new window).

Bei der Moderation sei digitale Souveränität besonders wichtig. „Der Informationsraum sollte unseren Gesetzen, Werten und Regeln unterliegen, nicht der Kontrolle durch Unternehmen oder ausländische Regierungen“, so Elsayed-Ali. Vier europäische Regierungen hätten starkes Interesse an der Unterstützung des Projekts gezeigt. Welche das seien, wollte er aber noch nicht öffentlich sagen.

Alternative zu den BigTech-Monopolen

Dank Bluesky und dem AT-Protokoll verfüge man endlich über einen gemeinsamen, offenen Social Graph mit bereits über 37 Millionen Nutzer:innen weltweit, den jede:r Entwickler:in nutzen könne, sagt der Berliner Unternehmer und Software-Entwickler Sebastian Vogelsang dem Bluesky-Briefing. Möglich ist das, weil die Daten des AT-Protokolls öffentlich sind. Europäische Social-Media-Start-ups müssen also nicht mehr mit einer leeren App anfangen. Sie können einfach auf dem vorhandenen Netzwerk aufbauen und Inhalte auf neue Weise kuratieren, ohne die Community zu fragmentieren.

Sebastian glaubt, dass der Abschied von geschlossenen Plattformen (Walled Gardens) zugänglichere, personalisierte und kreativere soziale Erlebnisse ermögliche - und das jetzt der perfekte Zeitpunkt dafür sei. Wie das praktisch aussehen kann, zeigt Vogelsang mit seinen drei Apps: Skeets.app (Opens in a new window) ist ein alternativer Bluesky-Client, Bluescreen eine TikTok-ähnliche Video-App und Flashes.blue (Opens in a new window) eine Instagram-ähnliche Foto-App für die ATmosphäre.

Bluesky-Chefin Jay Graber sieht darin keine Konkurrenz, sondern eine Chance. „Da Apps wie Flashes und Bluesky ein gemeinsames Backend nutzen, profitieren beide vom Wachstum des anderen“, sagte Graber dem Technik-Magazin Wired. Die 33-jährige Software-Expertin ist davon überzeugt, dass das von ihrem Team erschaffene offene AT-Proto-Ökosystem mehr Innovation und Wachstum ermöglicht als geschlossene Plattformen.

Eurosky wird von Free Our Feeds (Opens in a new window) unterstützt, weitere Teilnehmer sind unter anderem Flashes-Gründer Vogelsang und der ehemalige Datenstratege der New York Times, Robin Berjon.

https://www.eurosky.social/ (Opens in a new window)

Mehrheit wünscht sich Europäische Social Media Plattformen

Eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Nicht-Regierungs-Organisationen People vs Big Tech (Opens in a new window) und WeMove Europe (Opens in a new window) ergab, dass in Frankreich, Deutschland und Spanien die Mehrheit europäische Social-Media-Plattformen wünscht, während nur 5 % US-amerikanische Anbieter zu bevorzugen.

Reuters veröffentlichte kürzlich Daten, die eine leichte Verlagerung der Nutzung von US-amerikanischen E-Mail- und Suchanbietern hin zu europäischen Anbietern zeigen (Opens in a new window) - teils wegen Bedenken über digitale Souveränität und wegen der Verbindungen zwischen US-Technik-Milliardären und der immer autokratischer agierenden Trump-Regierung.

Topic News

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