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    <title>Cleanthinking</title>
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    <description>Unabhängiger Cleantech-Journalismus seit 2009. Faktenbasiert, konstruktiv, lösungsorientiert.
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      <title>Cleanthinking</title>
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      <title><![CDATA[Rauf auf’s Dach]]></title>
      <description><![CDATA[Chinas Solarexporte vermeiden 450 Millionen Tonnen CO2, Nigerias Haushalte schaffen den Generator ab, Europa plant mit drei Grad. Und wer verdient an der Hitze?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>die Electrotech-Revolution ist nicht zu stoppen. Sie ist eine globale Bewegung, die überall sichtbar wird. Heute im CT Briefing auf einer Hauptstraße im nigerianischen Lagos, in Pakistan und auf einem schicken Haus in Bornheim bei Bonn.</p><p>Summiert man das, was unzählige Menschen weltweit mit Electrotech bewegen, kommen beachtliche Zahlen dabei heraus: Die chinesischen Exporte von Solarmodule, Windturbinen, Batterien und Elektroautos <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">vermeiden in diesem Jahr 450 Millionen Tonnen CO2</mark>. Zum Verständnis der Größenordnung: Das entspricht ungefähr den jährlichen Emissionen Brasiliens.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fchinas-cleantech-exporte-vermiedenes-co2-2024-2026.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=680b3db5746b17b9cdef2cb38cc8dc3f" alt="https://www.cleanthinking.de/wp-content/uploads/chinas-cleantech-exporte-vermiedenes-co2-2024-2026.webp"/><p>Über ihre Lebensdauer vermeiden die Exporte dieses Jahres <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">8,4 Milliarden Tonnen, so viel wie die USA und Indien zusammen in einem Jahr ausstoßen.</mark> Die CO2-Last aus der Herstellung ist im Schnitt nach sechs Monaten Betrieb abgetragen. Allein die Solar- und Windexporte von 2026 erzeugen rund 800 Terawattstunden Strom im Jahr, anderthalbmal so viel, wie Deutschland verbraucht.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fchinas-cleantech-exporte-globaler-sueden-anteil.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=47656abce7d7a77a56918db34b99fc43" alt="https://www.cleanthinking.de/wp-content/uploads/chinas-cleantech-exporte-globaler-sueden-anteil.webp"/><p>Die wichtigste Zahl ist eine andere: 76 Prozent der Einsparung entstehen im globalen Süden, 52 Prozent allein in Süd- und Südostasien. Dem Exportwert nach ging der größere Teil in den Norden. Im Süden treffen die Module aber auf mehr Sonne und auf Netze, die an der Kohle hängen. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">In Pakistan entwerten Chinas Solarexporte bereits Chinas eigene Kohlekraftwerke.</mark></p><p>Auch Deutschland profitiert: Seit der Ölkrise zahlt das Land dank Elektroautos <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">660 Millionen Euro weniger für Öl</mark>. Den Vorwurf der Überkapazität prüft Myllyvirta an den Zahlen. Die E-Auto-Exporte der EU und vor allem Deutschlands wuchsen dem Wert nach stärker als die chinesischen. China erobert vor allem neue Märkte und günstigere Preissegmente.</p><a href="https://www.cleanthinking.de/chinas-cleantech-exporte-co2/">https://www.cleanthinking.de/chinas-cleantech-exporte-co2/</a><p>Aber klar ist: Es braucht weitere Maßnahmen, um die Marktkräfte so zu entfesseln, dass die Welt 2100 nicht bei 2,8 Grad mehr landet. Denn das ist exakt der Wert, auf den wir derzeit zusteuern.</p><h2>Solar auf der Hochzeitsliste</h2><p>Wie das vor Ort aussieht, zeigt Nigeria. Bis Mai 2023 hielt die Regierung den Benzinpreis mit einer Subvention niedrig. Sie war einer der wenigen Vorteile, die vom Ölreichtum des Landes je bei den Menschen ankamen. Dann fiel die Subvention, und nach dem Angriff der USA und Israels auf Iran stieg der Benzinpreis drastisch.</p><p>Oluwaseun Aguda aus Lagos zahlte für seinen Generator bis zu 70.000 Naira pro Woche, umgerechnet 53 Dollar, obwohl er ihn nur abends anschaltete. Im April lieh er sich Geld von einem Freund und kaufte eine Anlage mit drei Kilowatt. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Den Generator braucht er nur noch, um einmal pro Woche Wasser in Vorratstonnen zu pumpen.</mark></p><p>„Ich kämpfe nicht mehr um Strom. Allein das gibt mir Ruhe.&quot;</p><ul><li><p>Oluwaseun Aguda, Lagos</p></li></ul><p>Rund 1,7 Gigawatt Solar kommen in Nigeria 2026 hinzu, schätzen Ember und das African Tech Futures Lab. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">370 Solarfirmen trugen sich 2025 neu ins Handelsregister ein.</mark> Module, Batterien und Wechselrichter stehen inzwischen auf Hochzeits-Wunschlisten, neben Bettwäsche und Mikrowelle. Das staatliche Netz liefert für mehr als 200 Millionen Menschen im Schnitt rund 4.600 Megawatt und brach in zwei Jahren etwa 22-mal zusammen.</p><p>Eine entscheidende Hürde ist Geld. Eine Anlage für drei Personen kostet 4.500 Dollar und hat sich nach 16 Monaten bezahlt gemacht, weil der Generator rund 200 Dollar im Monat frisst. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Nigerianische Banken verlangen für Solarkredite aber 27 bis 36 Prozent Zinsen. </mark>Wer das Geld nicht bar hat, bleibt beim Generator. Hier läge der Hebel für Klimafinanzierung, die bei den Menschen ankommt.</p><p>Die vollständige Geschichte gibt es bei Cleanthinking:</p><a href="https://www.cleanthinking.de/nigerias-solarboom-haushalte-versorgen-sich-selbst/">https://www.cleanthinking.de/nigerias-solarboom-haushalte-versorgen-sich-selbst/</a><h2>Die Hitze in der Schokolade</h2><p>Nigeria liegt im westafrikanischen Kakaogürtel. Zusammen mit Elfenbeinküste, Ghana und Kamerun liefert das Land rund 70 Prozent des Kakaos. Der Kakaobaum braucht gleichmäßige Wärme und viel Regen. Mehr als 32 Grad Tageshöchstwert reduzieren die Ernte.</p><p>Exakt solche Tage häufen sich. In der Elfenbeinküste und in Ghana gab es laut der US-Forschungsorganisation Climate Central zuletzt rund<mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;"> 40 Tage pro Jahr mehr Hitzetage</mark>. Dazu breitet sich das Swollen-Shoot-Virus aus. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Ghanas Kakaobehörde ließ über 254 Millionen befallene Bäume fällen.</mark></p><p>Sollten die Emissionen und damit die Folgen nicht eingedämmt werden, verlieren bis 2050 neun von zehn untersuchten Standorten ihre Eignung. Planet A Foods aus Planegg stellt Schokolade aus Hafer und Sonnenblumenkernen her, bis zu 15.000 Tonnen im Jahr sind geplant.<mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;"> Im Vergleich zu 4,7 Millionen Tonnen Kakao ist das derzeit noch eine winzige Nische.</mark></p><a href="https://www.cleanthinking.de/kakao-klimawandel/">https://www.cleanthinking.de/kakao-klimawandel/</a><h2>Drei Grad als Planungsgröße</h2><p>Die EU-Kommission hat diese Woche den Entwurf für ein<strong> EU-Klimaresilienzgesetz</strong> vorgelegt. Die Schäden der Jahre 2022 bis 2025 beziffert sie auf rund 200 Milliarden Euro, 50 Milliarden pro Jahr. Für die Anpassung von Infrastruktur und Wirtschaft veranschlagt sie 70 Milliarden Euro jährlich.</p><p>Kern des Gesetzes ist ein Referenzpfad: 1,5 Grad bis 2030, zwei Grad bis 2050, <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">drei Grad bis 2100</mark>. Darauf steuere die Welt nach heutigem Stand zu, schreibt die Kommission. Die Mitgliedstaaten sollen daran künftig ihre Klimarisiken messen. Es ist die Planungsgrundlage für den Fall, dass die Welt an ihren Zielen scheitert.</p><p>„Europa mangelt es an Vorbereitung.&quot;</p><ul><li><p>Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin der EU-Kommission</p></li></ul><p>Auf eine drei Grad wärmere Welt kann sich niemand vorbereiten. Ernteausfälle wie beim Kakao, Wassermangel und unbewohnbare Regionen lassen sich nicht mit Deichen und Hitzeplänen auffangen. Ribera sagt es selbst: <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Die wirksamste Anpassung bleibt der Kampf gegen die Ursachen.</mark> Und selbst wer Anpassung im großen Stil will, mit Entsalzung, Kühlung und Pumpen, braucht dafür gewaltige Mengen sauberen Strom.</p><p>Am 9. November beginnt in Antalya die Klimakonferenz COP31. Die türkische Präsidentschaft will den Anteil von Strom am weltweiten Endenergieverbrauch bis 2035 auf 35 Prozent heben. Deutschland deckt erst 20,5 Prozent mit Strom.</p><a href="https://www.cleanthinking.de/eu-klimaresilienzgesetz-kommission/">https://www.cleanthinking.de/eu-klimaresilienzgesetz-kommission/</a><a href="https://www.cleanthinking.de/1-5-grad-ziel/">https://www.cleanthinking.de/1-5-grad-ziel/</a><h2>Baustelle der Woche</h2><p>Jede Woche fragen wir Sie nach Ihrer Baustelle der sauberen Zukunft. Diese Woche kam eine Antwort aus Bornheim bei Bonn. Das Ehepaar Süverkrüp hat die eigene Ölheizung zu Beginn diesen Jahres durch eine Sole-Wärmepumpe ersetzt. Seit April versorgt sie ein PVT-Dach: Unter den Photovoltaik-Modulen liegen Wärmetauscher, das Dach liefert Strom und Wärme zugleich. Eine Batterie speichert Strom für die Nacht, der Schornstein ist abgebaut.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5267e7d3-d5d3-4c45-bec6-108a074a0c06/uploads/images/ymcxqu64ja/Suver.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>„Inzwischen haben wir ein viel intensiveres Verhältnis zur Sonne und zum Wetter entwickelt. Dem Winter sehen wir mit Zuversicht entgegen.&quot;</p><ul><li><p>Ehepaar Süverkrüp</p></li></ul><p>Danke für die Einblicke! Einen Wissens-Evergreen zu PVT gibt es übrigens hier:</p><a href="https://www.cleanthinking.de/pvt-module-waermepumpe/">https://www.cleanthinking.de/pvt-module-waermepumpe/</a><h2>Wir bleiben unbequem</h2><p>Wer die Hitze verursacht und wer sie aushält, ist ungleich verteilt. Die Entwicklungsorganisation Oxfam hat das vor der COP31 durchgerechnet. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Ein Mensch aus den reichsten 0,1 Prozent hat demnach 125-mal mehr zu den heutigen Hitzewellen beigetragen als ein Mensch im weltweiten Durchschnitt.</mark> Gegenüber jemandem aus der ärmeren Hälfte der Menschheit sind es fast 400-mal mehr.</p><p>Verdient wird daran doppelt. Oxfam hat 217 börsennotierte Konzerne zu einem Index zusammengestellt: die größten Öl-, Gas-, Kohle- und Zementproduzenten und die Firmen, die nach Bränden und Fluten aufräumen. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Sechs Vermögensverwalter, darunter Vanguard, BlackRock und State Street, halten mehr als ein Viertel ihres Börsenwerts. Die Wiederaufbaufirmen schlugen den US-Leitindex S&amp;P 500 zwischen 2019 und 2024 um zehn Prozentpunkte pro Jahr.</mark></p><p>„Wer die Klimakrise so stark befeuert, muss auch für ihre Bewältigung zahlen.&quot;</p><ul><li><p>Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit, Oxfam Deutschland</p></li></ul><p>Wer die saubere Zukunft baut, entscheidet mit darüber, wem sie gehört. Das Dach in Bornheim gehört den Süverkrüps, die Anlage in Lagos Oluwaseun Aguda.</p><p>Die vollständige Analyse gibt es bei Cleanthinking:</p><a href="https://www.cleanthinking.de/superreiche-verdienen-an-der-klimakrise/">https://www.cleanthinking.de/superreiche-verdienen-an-der-klimakrise/</a><h2>Positiv denken</h2><p>Das CT Briefing geht mit den Problemen durch die Klimakrise offen um. Die Lage schönzureden, bringt nichts. Aber genauso offen benennen wir die Chancen, die sich uns allen dadurch ergeben, dass wir die Gestaltung der sauberen Zukunft in die Hand nehmen können. Die Beispiele diese Woche unter dem Motto <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Rauf auf’s Dach</mark> sind nur ein klitzekleiner Ausschnitt der Realität.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Uns motivieren sie zu positivem Denken und dem Antrieb, immer weiterzumachen. </mark>Was uns ebenfalls motiviert, ist die wachsende Zahl an Reaktionen und Zuschriften auf Basis dieses Newsletters, den mittlerweile etwas <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">mehr als 2.000 Menschen Woche für Woche</mark> empfangen. Über Feedback, Anregungen usw. freuen wir uns immer.</p><p>Wir suchen weiter: Wir wollen zeigen, was sich bewegt im Land. Welche <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Baustelle der sauberen Zukunft</mark> kennen Sie? Schreiben Sie an team@cleanthinking.de.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 30 Oct 2026 06:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wir bauen selbst]]></title>
      <description><![CDATA[Audi-Chef Gernot Döllner als unterwürfiger Wahlkampfhelfer von Donald Trump. Was am Sonntag passiert ist, ist nichts weniger als eine Attacke eines Europäers auf Europa.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2>Liebe Leserinnen und Leser,</h2><p>was in der Nacht auf Sonntag auf einer Wahlkampfbühne im US-Bundesstaat Georgia passiert ist, war nicht weniger als eine Attacke auf Europa. Als Audi-Chef Gernot Döllner beinahe unterwürfig neben US-Präsident Donald Trump stand und den Bau einer Fabrik für Premium-SUVs verkündete, sendete er eine Botschaft nach Europa: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Wir glauben weiter an den Verbrenner und Profite sind uns wichtiger als die Zukunft des Planeten.</mark></p><p>Es ist nicht kritikwürdig, dass Audi wie die Konkurrenten Mercedes und BMW nun auch ein eigenes Werk in den USA baut. Ein Eklat ist es aber, wenn daraus ein Auftritt in Trumps Wahlkampf wird, bei dem der Präsident zuvor wie so oft rassistische und frauenverachtende Hetze verbreitet hat. Mit den Werten Deutschlands und den bisherigen Werten einer Marke wie Audi ist das nicht in Einklang zu bringen.</p><a href="https://www.cleanthinking.de/audi-werk-georgia-trump/"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fi-cdn.embed.ly%2F1%2Fdisplay%2Fcrop%3Fheight%3D300%26key%3Dfd92ebbc52fc43fb98f69e50e7893c13%26url%3Dhttps%253A%252F%252Fwww.cleanthinking.de%252Fwp-content%252Fuploads%252Faudi-werk-usa-doellner-trump-wahlkampf-georgia.webp%26width%3D636?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=48c9d18bb802a8c4b22c8aff459c055b" alt=""/></a><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Klar ist: Audi bekommt gute Elektroautos bislang nicht hin und sehnt sich nach einfachen Märkten zurück. </mark>China ist verloren. In den USA war Audi wegen Trumps Zollpolitik nicht wettbewerbsfähig. Jetzt soll es ein Werk richten, das frühestens Anfang der 2030er-Jahre stinkende “Premium Verbrenner” baut und in einem schrumpfenden, hart umkämpften Premium-Markt Gewinne liefern soll. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Ein Risikospiel, dessen Folgen für Deutschland Gernot Döllner und der offenbar eingeweihte Konzernchef Oliver Blume billigend in Kauf nehmen.</mark></p><p>Autobauer verlagern ihre Produktion seit Jahrzehnten dorthin, wo ihre Kunden sitzen oder die Bedingungen besser sind. Doch die <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Empörung und die Beschämung</mark>, die Döllner mit seinem Auftritt in Deutschland ausgelöst hat, werden lange nachwirken. Von der <strong>Betriebsratschefin </strong>über <strong>SPD-Ministerpräsidenten</strong> bis zum Chef des Arbeitnehmerflügels der <strong>CDU</strong> kommt deutliche Kritik, ebenso von Audi zugeneigten Medien wie <strong>Handelsblatt </strong>und <strong>FAZ</strong>.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Ist es einer einstigen Vorzeigemarke wie Audi inzwischen egal, dass nur noch Rechtsaußen wie <strong>Ulf Poschardt</strong> oder <strong>Julian Reichelt</strong> applaudieren? Verpackt als “bürgerliche Politik” ist deren Applaus klar zu verstehen: Man will <strong>niedrigere Löhne</strong>, <strong>längere Arbeitszeiten</strong>, <strong>unbändiges fossiles Zeugverbrennen</strong> und natürlich den <strong>Green Deal in Gänze abschaffen</strong>.</p><blockquote><p>“Noch wichtiger allerdings wäre eine bürgerliche Politik, die es überhaupt wieder möglich macht, in Deutschland günstig, effizient und wettbewerbsfähig zu produzieren. Davon sind wir Lichtjahre entfernt.”</p><p>Ulf Poschardt, Springer, <a href="https://www.welt.de/debatte/plus6ade0f27247c1fa2013065f8/audi-in-den-usa-vorsprung-durch-technik-und-mut-zur-wirklichkeit.html">WELT-Kommentar</a></p></blockquote><p>Um die “bürgerliche Politik” herbeizuschreiben, wird alles beschimpft, was nicht ins Weltbild passt. Zwischen Reichelt und Poschardt mittlerweile fast mit den gleichen - befremdlichen und spalterischen - Worten:</p><ul><li><p>“Ökosozialisten”</p></li><li><p>„zerstörerische, grüne, ökosozialistische Politik“</p></li><li><p>“Die deutsche Automobilindustrie wird Amerika noch reicher machen, während sie in Deutschland verboten (?!?) wird.”</p></li><li><p>“Die Deutschen haben sich entschieden, als Moralweltmeister ungeschlagen abzusteigen.”</p></li></ul><p>Diese - auch sprachliche Einigkeit - zwischen Poschardt und Reichelt ist der zunehmend verzweifelte Versuch, die die unsägliche von Skandalen geprägte AfD einerseits und die innerlich zerrissene CDU doch noch zusammenzubringen. Um einem Weltbild zu fröhnen, das keine Zukunftsperspektive hat.</p><p>Da selbst der neoliberale Friedrich Merz diese Ideologie nicht verfolgt seit er im Amt ist, wird auch er als “linker als Helmut Schmidt” tituliert. In der Welt von Poschardt und Reichelt ist das eine Beschimpfung.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Zurück zu Audi: Wie fühlen sich die Menschen in Neckarsulm und Ingolstadt, die immer noch an eine glorreiche Zukunft für Audi glauben? Die Stimmung etwa in Ingolstadt ist miserabel, berichtet der BR gestern. Seit Monaten. Der Auftritt Döllners als Marionette von Trump, wird mit wenig Verständnis quittiert.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Klar ist: Die Disruption im Autosektor ist nicht aufzuhalten.</mark> Die USA haben Elektroautos bislang vor allem über Tesla angenommen, mit dem autonomen Fahren machen sie womöglich den nächsten Sprung. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Es wäre höchst untypisch für eine Disruption, wenn ausgerechnet ein so großer Markt nicht mitzieht.</mark> Die Vorteile der Elektromobilität sind zu bahnbrechend.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Weitere Gedanken und eine lebhafte Diskussion zu Döllners Auftritt gibt es </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/audi-werk-georgia-trump/"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">bei Cleanthinking.de</mark></a><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;"> und in </mark><a href="https://www.facebook.com/cleanthinking/posts/pfbid0xJpDvS6msvp4GtLrJ77bg5ivGmuCBtE1KRN1sSkYYRw7MZfk9om6EChVUrWjpuwXl"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">unserer Facebook-Community</mark></a><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">.</mark></p><p>Zwei politische Fragen wirft Döllners Auftritt auf:</p><ol><li><p>Will er so Druck auf die EU ausüben, damit das (nicht existente) Verbrenner-Aus im November weiter gelockert wird?</p></li></ol><ol start="2"><li><p>Welche Folgen hat es, dass der Audi-Chef einen mutmaßlich korrupten Präsidenten unterstützt, der keinen Hehl daraus macht, was er von Deutschland und Europa hält?</p></li></ol><p>Dabei hängen wir längst selbst an Trumps Tropf: 96 Prozent des Flüssiggases, das 2025 an deutschen Terminals ankam, stammten aus den USA. Wer mit Gas heizt, heizt mit Trumps Gas.</p><p>Beantworten lassen sich diese Fragen erst in einigen Monaten. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Eines ist aber schon jetzt klar:</mark> Menschen wie Sie, die Leserinnen und Leser dieses Briefings, die Beschäftigten von Audi und alle anderen Gestalter der sauberen Zukunft sollten sich nicht mehr auf irgendwen „da oben“ verlassen. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Nicht auf die Bundeswirtschaftsministerin oder den Bundeskanzler, und ebenso wenig auf die Chefs von Audi und Volkswagen.</mark></p><p>Die Verwerfungen bei den <strong>Gaspreisen </strong>hat Donald Trump mit seiner idiotischen Iran-Politik selbst verursacht. Ein Präsident in <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">fossiler Panik</mark> und in Panik vor dem Wahltag am 3. November. Ein wild <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">um sich schlagendes Fossil</mark>, das vor allem eines will: Deals machen, um selbst im Mittelpunkt zu stehen und sich zu bereichern.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Was zählt, ist deshalb das, was in Ihrem eigenen Umfeld passiert.</mark> Machen Sie sich unabhängig von Typen wie Trump, zum Beispiel mit Angeboten wie dem von tink, das wir unten vorstellen. Gasheizung raus, Wärmepumpe rein. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Und helfen Sie Ihren Nachbarn, Ihren Eltern und Großeltern und Ihren Freunden zu erkennen, dass wir die saubere Zukunft gemeinsam gestalten können.</mark></p><p>Was eine Wärmepumpe in Ihrem Haus spart und warum der Förderantrag vor dem 1. Februar gestellt sein sollte, zeigt unser Gaskosten-Rechner in einer Minute:</p><a href="https://www.cleanthinking.de/gas-raus-waermepumpe-rein/"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fi-cdn.embed.ly%2F1%2Fdisplay%2Fcrop%3Fheight%3D300%26key%3Dfd92ebbc52fc43fb98f69e50e7893c13%26url%3Dhttps%253A%252F%252Fwww.cleanthinking.de%252Fwp-content%252Fuploads%252Fheizkosten-vergleich-waermepumpe-gaszaehler-oeltank.webp%26width%3D636?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=d726596160bbac8fd3db751fde0ded4e" alt=""/></a><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 27 Oct 2026 07:27:07 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Ersatz entscheide]]></title>
      <description><![CDATA[E-Autos ersetzen Verbrenner, Wärmepumpen Gasheizungen, Solar und Wind die Kraftwerke. Die KfW-Rechnung schrumpft so auf 65 Milliarden. Und beim FCKW reichten zwei Jahre.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Der Ersatz entscheidet</h1><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>die Electrotech-Revolution ist im Kern eine Flut von Ersatzinvestitionen. E-Autos ersetzen Verbrenner, Wärmepumpen ersetzen Gasheizungen, Solar, Wind und Batterien ersetzen Kohle- und Atomkraftwerke. Ein Großteil dieser Investitionen findet in den kommenden 20 Jahren ohnehin statt, weil Autos, Heizungen und Kraftwerke das Ende ihrer Lebensdauer erreichen.</p><p>Deshalb muss die Zahl, die die KfW vergangene Woche vorgelegt hat, eingeordnet werden: <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">sechs Billionen Euro bis 2045</mark>. Das sind 290 Milliarden im Jahr. 110 Milliarden fließen heute schon, 115 Milliarden entfallen auf Ersatzkäufe, die ohnehin fällig sind. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Übrig bleiben 65 Milliarden Euro im Jahr, weniger als zwei Prozent der Wirtschaftsleistung.</mark> Zum Vergleich: 81 Milliarden Euro zahlt Deutschland jedes Jahr für Kohle, Öl und Gas ans Ausland.</p><p>Was es braucht, sind die richtigen Rahmenbedingungen. Ein Staat, der soziale Härten abfedert und Hersteller und Handwerksbetriebe stützt, die in Vorleistung gehen. Das Geld wird ohnehin ausgegeben. Die Frage ist nur, wofür.</p><a href="https://www.cleanthinking.de/6-billionen-klimaneutralitaet-kfw/">https://www.cleanthinking.de/6-billionen-klimaneutralitaet-kfw/</a><h2><strong>Siebenmal schneller als geplant</strong></h2><p>Dass die Electrotech-Revolution exakt die Technologien liefert, die die Welt zur Eindämmung der Erderhitzung braucht, bestätigt diese Woche ausgerechnet der Bericht, der das 1,5-Grad-Ziel ohne Überschreitung aufgibt. Der <strong>Emissions Gap Report 2026</strong> des UN-Umweltprogramms rechnet mit <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">2,8 Grad mehr Erderhitzung bei heutiger Politik</mark>. Der beste noch erreichbare Pfad erreicht um 2050 seinen Höhepunkt bei 1,8 Grad. <mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit;">Ein Grad Lücke.</mark></p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Femissions-gap-report-2026-erderwaermung-2100-szenarien-880.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=86da74f1e1651584bf0f8ed768ca44c0" alt="Erderwärmung bis 2100 laut Emissions Gap Report 2026: 2,8 Grad mit heutiger Politik, 1,8 Grad Höhepunkt im 1,5-Grad-Pfad"/><p>Und dann vergleicht UNEP, was die IEA 2015 für das Jahrzehnt erwartet hatte, mit dem, was geschah. Solar: 340 Gigawatt erwartet, 2.300 gebaut. Kohlestrom: 55 Prozent weniger Zuwachs als prognostiziert. 2025 lieferten Erneuerbare erstmals mehr Strom als Kohle, jeder vierte Neuwagen fuhr elektrisch. Hält das Tempo von Solar und Wind bis 2030, liegt die Welt exakt auf dem Rückweg zu 1,5 Grad. Vor Paris steuerte sie auf vier Grad zu.</p><p>Es braucht also eine weitere Beschleunigung der marktgetriebenen Transformation. Klimapolitik ist heute vor allem Wirtschafts- und Entwicklungspolitik.</p><p>Die vollständige Einordnung gibt es bei Cleanthinking:</p><p><a href="https://www.cleanthinking.de/emissions-gap-report-2026/">zum Artikel</a></p><h2><strong>Zwei Jahre reichten</strong></h2><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Die passenden Rahmenbedingungen waren auch entscheidend für die Lösung eines Umweltproblems, das auf eine 40-jährige Geschichte zurückblickt:</mark> die Beschädigung der Ozonschicht. Forscher erkannten in internationaler Zusammenarbeit, wie gesundheitsschädlich die Folgen sind. Einer von ihnen war Reinhard Zellner. Der Atmosphärenforscher und seine Kollegen sagten voraus: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Verbietet die Welt die FCKW in Kühlschränken und Spraydosen, erholt sich die Ozonschicht, und das Loch verschwindet.</mark></p><p>Es ist den besonderen Zeiten vor 40 Jahren zuzuschreiben, dass sich die Weltgemeinschaft nur zwei Jahre nach der Entdeckung des Ozonlochs entschied, FCKW schrittweise zu verbieten. Dabei wusste damals noch niemand genau, wie das Loch entsteht.</p><p>In Deutschland war der große Vorteil, dass nur zwei Unternehmen das Gas herstellten. Zellner suchte den Vorstandschef der Hoechst AG persönlich auf, einen Chemiker. Der verstand die Zahlen und schob Umsätze zugunsten der Umwelt beiseite, wie Zellner im Cleanthinking-Porträt erzählt. Apropos Ersatz: Forscher und Unternehmen suchten schon vor dem Verbot gemeinsam nach alternativen Stoffen, damit Kühlschränke und Spraydosen weiter funktionieren. Zellners eigene Gruppe arbeitete am Kältemittel R-134a. Heute kühlen weit über eine Milliarde Kühlschränke ohne FCKW.</p><p>Dieselbe Enquete-Kommission, in der Zellner saß, empfahl dem Bundestag 1990 minus 30 Prozent CO2 bis 2005.</p><blockquote><p>„Bereits vor nunmehr gut 30 Jahren haben wir diese Probleme im Rahmen der Enquete-Kommission ausformuliert. Geschehen ist bis heute wenig.&quot; <br/>Reinhard Zellner, Physikochemiker, Koordinator des Deutschen Ozonforschungsprogramms 1989 bis 2001</p></blockquote><p>Der Unterschied: <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Beim Klima ist jeder Emittent, und in Montreal saß kein Staat am Tisch, dessen Geschäftsmodell FCKW hieß. In Belém blockierten Saudi-Arabien, Russland und China den Ausstiegsfahrplan.</mark> Was sich seit 1987 geändert hat: Der Ersatz ist inzwischen da, und er ist billiger als das Original.</p><p>Das vollständige Porträt gibt es bei Cleanthinking:</p><a href="https://www.cleanthinking.de/reinhard-zellner-ozonloch/">https://www.cleanthinking.de/reinhard-zellner-ozonloch/</a><p><strong>Wo der Ersatz noch fehlt</strong></p><p>Strom ersetzt Kohle. Aber Erdöl steckt auch in Dämmplatten, Klebstoffen, Spritzgussteilen, und dafür gibt es bisher kaum Ersatz. Hier zieht der Staat selbst, auf seine Weise. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Die Bundesagentur für Sprunginnovationen in Leipzig gab 2023 acht Teams dieselbe Aufgabe</mark>: aus kohlenstoffhaltigem Abfall im Dauerbetrieb Produkte machen, mindestens 180 Tage am Stück. Den Weg schrieb sie nicht vor.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Gewonnen hat EveryCarbon aus Tübingen.</mark> Als Sebastian Beblawy und sein Doktorvater Johannes Gescher vorsprachen, hatten sie einen Bakterienstamm und eine Skizze. „Wir haben drei Säulen schon in der Hand, wir brauchen aber fünf und die Brücken dazwischen.&quot; Die Antwort der SPRIND: „Dann beweist uns das.&quot;</p><p>Drei Jahre später arbeiten elf Leute an einem Kunststoff aus Bioabfall, der 30 Jahre in feuchter Umgebung hält. Erste Anwendung: Dämmplatten als Ersatz für XPS, ein Material, das sich seit den Siebzigern kaum verändert hat. Den Markt beziffert Beblawy in Europa auf rund sieben Milliarden Euro.</p><blockquote><p>„Diese Challenge gibt auch die Möglichkeit, sich permanent neu zu erfinden.&quot;</p><p>Sebastian Beblawy, Mitgründer und CEO, EveryCarbon</p></blockquote><p>Bis zu 2,5 Millionen Euro als Auftrag, nicht als Zuschuss. Das ist die Baustelle der sauberen Zukunft dieser Woche: Der Staat bestellt den Ersatz, bevor ein Verbot ihn erzwingt.</p><p>Die <a href="https://www.cleanthinking.de/kunststoff-aus-bioabfall-everycarbon/">vollständige Unternehmergeschichte</a> gibt es bei Cleanthinking. </p><p><strong>Kurz notiert</strong></p><p><strong>37 zu 1.</strong> Die Leitung des Wirtschaftsministeriums traf von Januar bis September 37-mal Energiekonzerne und einmal Umweltverbände. Mit Erneuerbaren-Unternehmen: kein einziger Termin. Für Exxon in Houston überstimmte Reiche die eigene Fachebene, <a href="https://www.cleanthinking.de/reiche-treffen-energiekonzerne/">wie hier nachzulesen ist</a>.</p><p><strong>150 Gewinner, 19 Verlierer.</strong> Das PIK hat für 169 Staaten berechnet, wer von Klimaschutz profitiert. 81 Länder stark, 69 moderat, darunter USA, China und EU. Große Verluste drohen nur 19 fossil abhängigen Staaten mit <a href="https://www.cleanthinking.de/gewinner-der-energiewende/">sechs Prozent der Weltwirtschaft</a>.</p><p><strong>33,9 Gigawattstunden.</strong> So viel Batteriespeicher hat Deutschland Ende September, <a href="https://www.cleanthinking.de/batteriespeicher/">hundertmal so viel wie 2016 und fast so viel wie alle Pumpspeicher</a>. Allein 2026 kamen bisher 8,2 GWh dazu, die Großspeicher wachsen am schnellsten.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fbatteriespeicher-technikerin-speichercontainer-windpark.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=b73845b5c86597d47a0822060dbf402e" alt="Technikerin in Warnkleidung öffnet einen Batteriespeicher-Container, dahinter Umspannwerk und Windräder (KI-generiert)"/><p><strong>5.000 Euro.</strong> So viel verschenken Hausbesitzer<a href="https://www.cleanthinking.de/waermepumpe-statt-gasheizung-wwf/"> laut WWF</a>, die mit dem Wechsel von der Gasheizung auf die Wärmepumpe warten.</p><p><strong>134.000 Jobs.</strong> So viele könnte Deutschland gewinnen, wenn <a href="https://www.cleanthinking.de/elektrische-firmenwagen-jobs/">Dienstwagen konsequent elektrisch</a> würden.</p><h2><strong>Wir bleiben unbequem</strong></h2><p>Auch Katherina Reiche arbeitet an Rahmenbedingungen, allerdings an anderen. Die CDU-Politikerin will privates Kapital von KKR, Blackrock und Co. anlocken, etwa für den Ausbau der Verteilnetze. Ein Verdacht drängt sich auf: Wer Verteilnetzprojekte für Großinvestoren bündeln will, für den stört eine echte Bürger-Energiewende nur. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Das könnte erklären, warum Energy Sharing, Smart Meter oder bidirektionales Laden im Wortschatz der Ministerin kaum vorkommen.</mark></p><p>Noch ist es ein Verdacht mit vielen Indizien. Haben Sie sachdienliche Hinweise? <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Dann schreiben Sie uns, sehr gerne.</mark></p><p>Beim FCKW war der Ersatz da, und das Verbot kam in zwei Jahren. Beim Klima ist der Ersatz da, siebenmal schneller als geplant, und die Ministerin fliegt nach Houston. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Der Ersatz entscheidet. Die Entscheider noch nicht.</mark></p><p>Welche Baustelle der sauberen Zukunft kennen Sie? Schreiben Sie an <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a>.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 23 Oct 2026 05:00:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Bremsen lohnt sich]]></title>
      <description><![CDATA[Netzbetreiber verdienen am Kupfer, nicht am Tempo. Warum das Netzpaket ihnen mehr Macht statt mehr Pflichten gibt, was in Südlohn stillsteht und wer das ändern will.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>eine Energierechtsanwältin will für einen Batteriespeicher wissen, wie der Strom durch die Leitungen vor Ort fließt. Die Antwort des Netzbetreibers: „<em>Wir kennen die Ist-Lastflüsse in unserem Netz nicht, wir bekommen nur die Redispatch-Signale von unserem Übertragungsnetzbetreiber.</em>&quot; Heidrun Schalle, Gründungspartnerin der Kanzlei Aecoute, hat uns diese Szene erzählt. Mit Anschlussbegehren, die nicht vorankommen, <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">hat sie nach eigenen Worten fast jeden Tag zu tun.</mark></p><p>Letzte Woche hieß dieses Briefing „Es kommt von unten&quot;. Diese Woche geht es um die, die dazwischen sitzen: <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">die Verteilnetzbetreiber</mark>. Sie sind die Baustelle der sauberen Zukunft in dieser Ausgabe. Nicht, weil zu wenig Kupfer im Boden liegt. Sondern weil denen, die es betreiben, <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">jeder Grund fehlt, schneller anzuschließen und klüger zu steuern.</mark></p><p>In diesem Briefing:</p><ul><li><p>Baustelle der Woche: Südlohn, 77.000 Module und ein Speicher, der nicht laden darf</p></li><li><p>Verdienen an Intelligenz: Schröders Satz und E.ONs Zahlen<br/>Kupferpanik: Birnbaum und Kapferer in der WELT</p></li><li><p>Netzpaket: mehr Macht, nicht mehr Pflicht</p></li><li><p>Wie Tempo sich lohnen würde</p></li><li><p>Kurz notiert: Rabot, Schuby, Netzbooster, Veir, Gasumlage, Stromsteuer</p></li></ul><h2><strong>Baustelle der Woche: Südlohn, Münsterland</strong></h2><p>Christian Westhoff hat rund 77.000 Solarmodule auf die Gewächshäuser seines Gartenbaubetriebs gesetzt, künftig mit 32 Megawatt Spitzenleistung. An sonnigen, windigen Tagen drosselt der Netzbetreiber Westnetz die Anlage. Westhoff wollte deshalb einen Speicher, der auch Strom aus dem Netz aufnimmt, also genau dann hilft, wenn die Leitung voll ist.</p><p>Zugelassen wurde eine Batterie, die nur eigenen Solarstrom laden darf. Anlage und Speicher zusammen: höchstens 25 Megawatt Einspeisung. Mehr erst nach einem Netzausbau, der nach Westhoffs Angaben noch Jahre dauern kann.</p><p>Der WDR hat die Story noch viel ausführlicher geschildert:</p><a href="https://www1.wdr.de/wirtschaft/nrw-stromnetz-ausbau-batteriespeicher-100.html">https://www1.wdr.de/wirtschaft/nrw-stromnetz-ausbau-batteriespeicher-100.html</a><p>Der Fall ist kein Ausrutscher, er folgt der Logik des Systems. Ein Verteilnetzbetreiber ist Monopolist, seine Erlöse legt die Bundesnetzagentur für mehrere Jahre fest.</p><blockquote><p><em>„Netzbetreiber sind Monopolisten: Für sie entsteht durch jeden neuen Anschluss oder jede Zählerregistrierung zunächst Aufwand, aber kein unmittelbarer wirtschaftlicher Vorteil.&quot;</em><br/>Bastian Gierull, Chef von Octopus Energy Deutschland</p></blockquote><p>Thorsten Müller, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Umweltenergierecht, geht weiter: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Im Engpassgebiet kann jede neue Anlage dem Netzbetreiber sogar schaden, weil sie den Redispatch und damit seine Kosten treibt.</mark></p><p>Die Zahlen aus dem Westnetz-Gebiet zeigen, was daraus folgt. Bis Ende Juni gingen bei der E.ON-Tochter Speicheranfragen über rund 116 Gigawatt ein, bei einer Jahreshöchstlast von rund zwölf Gigawatt. Welcher Speicher an welchem Umspannwerk netzdienlich Platz hätte, verraten die Zahlen nicht. Dafür bräuchte es Lastflussdaten an jedem Knoten, also genau das, was in Schalles Fall fehlte.</p><p>Beim Smart-Meter-Rollout liegt Westnetz mit 60 Prozent vorn, danach hängt es: Octopus beantragt seit 2025 für seine Kund*innen die Umstellung auf Viertelstundenmessung, Westnetz bewilligte knapp vier Prozent der Anträge und lehnte fast 95 Prozent ab. Bei Rabot Energy fehlen 7,2 Prozent der gemeinsamen Kundschaft mit intelligentem Messsystem die Stammdaten, ohne die keine Abrechnung läuft. Seit Sommer 2025 läuft ein Aufsichtsverfahren der Bundesnetzagentur, Ende Mai bat das Präsidium die Geschäftsführungen nach Bonn.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Westenergie hat zugesagt, den Stau bis Ende 2026 abzuarbeiten.</mark></p><p>Die vollständige Analyse mit allen Fällen, allen Stimmen und dem, was Betroffene im Westnetz-Gebiet jetzt tun können, gibt es bei Cleanthinking: </p><a href="https://www.cleanthinking.de/westnetz-netzbetreiber-netzpaket/">https://www.cleanthinking.de/westnetz-netzbetreiber-netzpaket/</a><h2><strong>„Verdienen dürfen an Intelligenz&quot;</strong></h2><p>Leserinnen und Leser dieses Briefings kennen die Diagnose von letzter Woche: Philipp Schröder, Chef von 1KOMMA5°, nennt das Stromnetz das ISDN der Energiewende. Im ntv-Podcast Klimalabor sagt er auch, warum das Geschäft so läuft, wie es läuft:</p><blockquote><p><em>„Man verlegt Kupfer, dieses Kupfer wird vergütet über die Netzentgelte, das ist wie die GEZ eine staatlich definierte Abgabe, und die wird immer höher, desto mehr Kupfer ich verlege.&quot;</em>- Philipp Schröder, Chef von 1KOMMA5°, im ntv-Podcast Klimalabor</p></blockquote><p>Schröders Lösung ist kein Angriff auf die Netzbetreiber, sondern ein zweites Geschäftsmodell für sie: „<em>Aus meiner Sicht muss der Verteilnetzbetreiber verdienen dürfen an Intelligenz.</em>&quot; Die Bundesnetzagentur habe die Vorgaben dafür längst gemacht und werde aufgehalten.</p><hr aria-hidden="true"/><p><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit;">Anzeige · In Kooperation mit Anker SOLIX</mark></p><p><strong>Weniger Sonne, mehr Planung: Wie intelligente Speicher Solarenergie effizienter nutzbar machen</strong></p><p>Die Solarbank Max ist ein Plug-in-Heimspeicher mit 7 Kilowattstunden im Hauptmodul, erweiterbar auf bis zu 42 Kilowattstunden, mit bis zu 10 Kilowatt Solareingang und Anschluss per Schuko- oder Wieland-Stecker. Die Steuerung PowerOS entscheidet, ob Solarstrom gespeichert oder an Verbraucher geleitet wird, und lädt bei dynamischem Tarif Netzstrom, wenn er günstig ist.</p><p><a href="https://www.cleanthinking.de/anker-solix-solarbank-max-plug-in-heimspeicher/"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Zum Sponsored Post auf Cleanthinking</mark></a></p><a href="https://www.cleanthinking.de/anker-solix-solarbank-max-plug-in-heimspeicher/">https://www.cleanthinking.de/anker-solix-solarbank-max-plug-in-heimspeicher/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Die Zahlen hinter Schröders Satz haben wir gegen den E.ON-Geschäftsbericht gehalten. 2025 hat der Konzern ein bereinigtes EBITDA von 9,8 Milliarden Euro ausgewiesen, 7,7 Milliarden davon im Netzgeschäft, also knapp 80 Prozent. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Von den rund 48 Milliarden Euro, die E.ON bis 2030 investieren will, gehen rund 40 Milliarden in die Netze, mit einer Verzinsung, die die Bundesnetzagentur festlegt.</mark></p><p>Das vollständige Stück zu Schröders Herzrasen gibt es bei Cleanthinking: </p><a href="https://www.cleanthinking.de/philipp-schroeder-eon-stromnetz-herzrasen/">https://www.cleanthinking.de/philipp-schroeder-eon-stromnetz-herzrasen/</a><h2><strong>Wir bleiben unbequem: Kupferpanik in der WELT</strong></h2><p>Ausgerechnet in der Woche, in der der Bundestag über das Netzpaket verhandelt, warnen E.ON-Chef Leonhard Birnbaum und 50Hertz-Chef Stefan Kapferer in einem Gastbeitrag für die WELT, die Energiewende drohe „<em>am eigenen Erfolg förmlich zu ersticken</em>&quot;. Großbatterien seien eine „<mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Spekulationsblase</mark>&quot; wie die Eisenbahn-Manie im England des 19. Jahrhunderts: 800 Gigawatt Anschlussanträge lägen vor, das Zehnfache der deutschen Spitzenlast. Die Energiewende diene nicht dazu, „<em>Projektentwicklern nahezu risikolose Renditen auf Kosten der Allgemeinheit zu bescheren</em>&quot;.</p><blockquote><p><em>„Ein Netzanschluss ist kein Personalausweis, auf den jeder innerhalb kürzester Zeit einen Anspruch hat. [...] Wer wirtschaftlich erfolgreich sein will, muss Risiken eingehen.&quot;</em><br/>- Leonhard Birnbaum (E.ON) und Stefan Kapferer (50Hertz), Gastbeitrag in der WELT</p></blockquote><p>Das schreiben zwei Manager, deren Geschäftsmodell die gesetzlich abgesicherte Verzinsung ist. Gegenüber Investoren verkauft E.ON den Speicherboom als Wachstum. Wir nennen das Kupferpanik: die Sorge vor einem System, in dem Speicher und Flexibilität dem Kupfer Konkurrenz machen. Dabei sind Erneuerbare inzwischen so billig, dass beides geht, Speicher und Netzanschlüsse für die Industrie. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Wer das eine gegen das andere ausspielt, verteidigt kein Netz, sondern eine Position.</mark></p><p><a href="https://www.welt.de/wirtschaft/plus6ac7520175caf261c519d5c9/">Zum Gastbeitrag in der WELT (WELTplus)</a></p><h2><strong>Netzpaket: mehr Macht, nicht mehr Pflicht</strong></h2><p>Was der Gesetzentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums daraus macht, ist das eigentliche Problem. Netzbetreiber dürfen Umspannwerke und Leitungsabschnitte als kapazitätslimitiert ausweisen, wenn dort im Vorjahr mehr als fünf Prozent der Erzeugung abgeregelt wurden. Neue Solarparks und Windräder an Land verzichten dort bei Abregelung auf Entschädigung, bis zu 20 Prozent ihres Jahresstroms, bis zu sechs Jahre lang. Die Bundesnetzagentur bekommt die Ausweisung nur angezeigt, genehmigen muss sie nichts.</p><blockquote><p><em>„Heute hat der Anlagenbetreiber einen gesetzlichen Anspruch auf Netzanschluss. [...] Der Netzbetreiber könnte daher leicht Klauseln vorschlagen, die für den Anlagenbetreiber unannehmbar wären. [...] Das Netzpaket verschärft die Machtasymmetrie.&quot;</em><br/>- Thorsten Müller, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Umweltenergierecht</p></blockquote><p>Im kapazitätslimitierten Gebiet entfiele der Anspruch auf Anschluss, an seine Stelle träte ein Anspruch auf einen Vertrag. Was darin stehen muss, regelt der Entwurf nicht. Schalle erwartet, dass Netzbetreiber dort nur noch voll flexible Anschlüsse anbieten: „<em>Darauf kann ich kein Projekt finanzieren, weil ich nicht weiß, wann ich abgeregelt werde. Ich erwarte ein Spiel auf Zeit.</em>&quot;</p><p>Was das in der Praxis heißt, war am vergangenen Freitag vor dem Reichstag zu hören, wo mehr als 8.000 Menschen gegen EEG-Novelle und Netzpaket demonstrierten. Christian Porsch, Bürgermeister von Speichersdorf in Bayern, warnte, die Entwürfe drohten, „<em>vielen Projekten kurz vor der Umsetzung buchstäblich den Stecker zu ziehen</em>&quot;.</p><p>Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) warnt in seinem Brief an Kanzler Merz, nicht einmal bereits genehmigte Windparks ließen sich so bauen. Den Bericht von der Demonstration gibt es bei Cleanthinking: <a href="https://www.cleanthinking.de/demo-reiches-energiepolitik/">Mehr als 8.000 demonstrieren</a></p><p>Der Stand im Verfahren: Beides sind Entwürfe, beschlossen ist nichts. Erste Lesung am 24. September, Anhörungen am 5. und 7. Oktober. Die zweite und dritte Lesung war für Mitte Oktober geplant und ist nach Informationen von Klimareporter in den November gerutscht, der Bundesrat kann frühestens am 20. November zustimmen. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Der Bundestag kann die Richtung noch ändern. E.ON wirbt derweil laut ZfK dafür, die Auslöseschwelle auf drei Prozent zu senken, die Netzbetreiber bekämen das Instrument damit noch früher in die Hand.</mark></p><p>Vorgelegt hat den Entwurf Katherina Reiche. Von 2020 bis 2025 war sie Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG, der Muttergesellschaft von Westnetz.</p><h2><strong>Wie Tempo sich lohnen würde</strong></h2><p>Die Lösung ist nicht, auf Netzbetreiber einzuprügeln. „Ich will das nicht nur bei den Netzbetreibern abladen&quot;, sagt Schalle, vielen fehle Personal, oft hänge alles an denselben drei, vier Leuten. Es geht um Anreize. In Großbritannien sind Netzbetreiber an Leistungsziele gebunden, Verzögerungen bei der Digitalisierung kosten dort direkt Geld, berichtet Gierull. Alexander Vogt, Vizechef der SPD-Fraktion im NRW-Landtag, schlägt feste Abrechnungsfristen mit Verzugszinsen vor und Erlöskürzungen bei systematischen Rückständen:</p><blockquote><p><em>„Schneller und intelligenter anschließen, sauber abrechnen und besser digitalisieren muss sich finanziell lohnen.&quot;</em><br/>- Alexander Vogt, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im NRW-Landtag, an Cleanthinking</p></blockquote><p>Und es passt mehr ins Bestandsnetz, als die Anfragestapel vermuten lassen. Das Fraunhofer IEE hat für den Bundesverband Solarwirtschaft berechnet, dass an 1.313 ländlichen Umspannwerken Platz für 150 Gigawatt zusätzliche Solarleistung wäre, per Überbauung und mit rund einem Prozent Abregelung. Die Energieberatung BET schlägt vor, den Netzausbau an einer „<em>systemdienlichen Anschlussleistung</em>&quot; auszurichten, im Kern Überbauung als Regelfall. Aufgegriffen hat die Politik das bisher nicht.</p><h2><strong>Kurz notiert</strong></h2><p>Rabot Energy hat am Donnerstag eine Series-B-Finanzierung über 50 Millionen Euro bekanntgegeben, angeführt von Endeit, dazu der DeepTech &amp; Climate Fonds. Der Hamburger Stromanbieter hat mehr als 200.000 Kundinnen und Kunden, will auf eine Million wachsen und Haushaltsspeicher zu einem virtuellen Kraftwerk vernetzen. „Die nächste Kraftwerksgeneration wird nicht gebaut, sie wird zusammengeschaltet&quot;, sagt Chef Jan Rabe. Das ist die Intelligenz, die im Netz fehlt, von der Kundenseite her aufgebaut. Wir sprechen kommende Woche mit Rabot, das Interview lesen Sie bei Cleanthinking. <a href="https://www.windkraft-journal.de/2026/10/15/rabot-energy-erhaelt-50-mio-aus-millionen-haushalten-wird-ein-virtuelles-kraftwerk/228496">Zur Meldung</a></p><p>Schuby zeigt, dass es geht. Eco Stor nimmt im Kreis Schleswig-Flensburg einen Batteriespeicher mit 103,5 Megawatt und 238 Megawattstunden in Betrieb, direkt an der Höchstspannung von Tennet. Eine Ebene höher läuft es, was im Verteilnetz hängt. </p><a href="https://www.cleanthinking.de/batteriespeicher-schuby-uebertragungsnetz/">https://www.cleanthinking.de/batteriespeicher-schuby-uebertragungsnetz/</a><p>Netzbooster statt Leitungsreserve. Die Übertragungsnetzbetreiber stellen Großbatterien hinter Engpässe: Fällt eine Leitung aus, speist die Batterie binnen Sekunden ein, und die Leitung darf bis dahin voller gefahren werden. Was ein Netzbooster ist und wo er steht, erklären wir bei Cleanthinking.</p><a href="https://www.cleanthinking.de/netzbooster/">https://www.cleanthinking.de/netzbooster/</a><p>Veir will das Kupfer ersetzen. Das US-Unternehmen hat 110 Millionen Dollar eingesammelt, rund 98 Millionen Euro, für Supraleiterkabel in KI-Rechenzentren, gekühlt mit flüssigem Stickstoff. Passt zur Woche. <a href="https://www.cleanthinking.de/veir-supraleiterkabel-ki-rechenzentren/">Zum Artikel</a></p><p>Reiche bringt die Gasumlage zurück. Die nationale Gasreserve von 24 Terawattstunden soll über eine Umlage auf jede Kilowattstunde Erdgas finanziert werden, bis zu 308 Millionen Euro im Jahr. </p><a href="https://www.cleanthinking.de/neue-gasumlage/">https://www.cleanthinking.de/neue-gasumlage/</a><p>Merz will die Stromsteuer-Senkung für alle nachholen, auf das EU-Minimum, wie im Koalitionsvertrag vereinbart. Wer mit Wärmepumpe und E-Auto fährt, spart am meisten. </p><a href="https://www.cleanthinking.de/stromsteuer-senkung/">https://www.cleanthinking.de/stromsteuer-senkung/</a><h2><strong>Baustellen melden</strong></h2><p>Sie kennen eine Baustelle der sauberen Zukunft, ein Projekt mit Name, Ort und Gesicht, das hängt oder gelingt? Schreiben Sie uns an <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a>.</p><p>116 Gigawatt Anfragen, zwölf Gigawatt Höchstlast. 95 Prozent Ablehnungen. 7,7 von 9,8 Milliarden. Die Zahlen dieser Woche sagen alle dasselbe: Das Netz ist nicht zu klein. Ihm fehlt Intelligenz, und niemand wird dafür bezahlt, sie einzubauen. Das Netzpaket könnte das ändern. In seiner heutigen Form tut es das Gegenteil.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p>PS: Feedback, Kritik, Hinweise wie immer an <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a>.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 16 Oct 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Es kommt von unten]]></title>
      <description><![CDATA[Die Electrotech-Revolution wird nicht im Bundestag entschieden. Spediteure, Familien in Schweden, Chemiker in Bitterfeld sind schon unterwegs. Berlin kann bremsen, nicht ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>seit einer Woche tankt Deutschland &quot;billiger&quot;. 17 Cent je Liter, 2,5 Milliarden Euro bis Jahresende, im Eilverfahren beschlossen. Und während Berlin den Verbrenner subventioniert, haben die Deutschen im September <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">88.599 Elektroautos</mark> zugelassen, 95 Prozent mehr als vor einem Jahr. Mehr als jeder dritte Neuwagen fährt elektrisch, und zum ersten Mal in einem Monat wurden mehr Elektroautos verkauft als Benziner und Diesel zusammen. Benziner minus 29 Prozent, Diesel minus 20.</p><p>Bei den Lkw dasselbe Bild: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">158.000 schwere Elektro-Lkw</mark> weltweit im ersten Halbjahr, drei Viertel mehr als ein Jahr zuvor, in Europa 11.200, plus 50 Prozent. Ein Spediteur, der heute eine Zugmaschine bestellt, rechnet nicht mit dem Tankrabatt bis Silvester. Er rechnet mit fünf Jahren Mautbefreiung, und die machen einen E-Lkw laut Transport &amp; Environment rund <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">85.000 Euro günstiger</mark> als einen Diesel.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2912d0d3-bf7f-48f5-b274-00d94e61f0db/uploads/images/xcpr5odylj/auto-neuzulassungen-september-2026-video-vorschau.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Letzte Woche hieß dieses Briefing „Gestalter gegen Getriebene&quot;. Diese Woche zeigt, wer die Gestalter sind. Es sind selten Minister. Es sind <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Spediteure</mark>, <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Familien </mark>auf dem schwedischen Land, ein <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Nobelpreisträger </mark>in Bitterfeld, <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Fabrikbesitzer </mark>in Pakistan. Und es sind 380 Beschäftigte eines Hamburger Solarunternehmens, die gerade nicht wissen, ob es weitergeht. Von denen handelt dieses Briefing auch.</p><p><strong>In diesem Briefing:</strong></p><ul><li><p>Das dumme Netz: Philipp Schröder gegen E.ON, Reiche gegen die Zahlen</p></li><li><p>Es kommt von unten: E-Lkw, ID. Polo und Schwedens Klima-Sozialfonds</p></li><li><p>380 Menschen in Hamburg: Enerparc und die Angst vor dem Reiche-Knick</p></li><li><p>Die Welt macht weiter: Pakistan, zehn Billionen Dollar, eine Lücke bei Sungrow</p></li><li><p>Baustelle der Woche: Bitterfeld ersetzt Erdöl</p></li><li><p>Kurz notiert: Tuvalu, Flasbarth, tote Vögel</p></li></ul><h2>Das dumme Netz</h2><p>Philipp Schröder bekommt nach eigener Aussage Herzrasen. Der Chef von 1KOMMA5°, CDU-Mitglied, sieht, was auf das Stromnetz zukommt, und er sieht, wer es verhindert. Sein Vergleich: die Telekom. Die hat sich politisch durchgesetzt, das Kupfer weiter genutzt, ihre Profite abgesichert, und Deutschland hat beim Internet Jahrzehnte verloren.</p><blockquote><p>„Das Gleiche passiert jetzt auf der Stromnetzebene.&quot;</p><p>Philipp Schröder, CEO 1KOMMA5°, im ntv-Klimalabor</p></blockquote><p>Seine Kritik richtet sich an E.ON. Rund 80 Prozent des Konzerngewinns kommen laut Schröder aus dem Netzgeschäft, und das Geschäft funktioniert so: Wer Kupfer verlegt, bekommt die Investition über Netzentgelte garantiert vergütet. Wer das Netz intelligent steuert, mit Smart Metern, dynamischen Entgelten und steuerbaren Wallboxen, spart Kupfer und damit garantierte Rendite.<mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;"> In manchen Regionen liegen die Netzentgelte schon heute über 20 Cent je Kilowattstunde</mark>, bevor Strompreis und Abgaben dazukommen. <a href="https://www.cleanthinking.de/philipp-schroeder-eon-stromnetz-herzrasen/">Warum Schröder das Stromnetz das ISDN der Energiewende nennt</a>, steht bei Cleanthinking.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fphilipp-schroeder-1komma5-eon-stromnetz.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=f43dfaf78894fbf0e29219ded9e8bbdc" alt="Philipp Schröder, Mitgründer und CEO von 1KOMMA5°, vor Schaltschränken - hat Herzrasen wegen Kupfer als Geschäftsmodell"/><p>Wie dumm das Netz auf Mittelspannungs- und Verteilnetzebene ist, lässt sich leicht erkennen. Bis Ende Juni hatten 41 Messstellenbetreiber in Deutschland <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">keinen einzigen Smart Meter eingebaut</mark>, <a href="https://www.cleanthinking.de/smart-meter-rollout-netzbetreiber/">erst ein Viertel der Pflichtfälle</a> ist ausgestattet. Eine Studie rechnet vor, dass <a href="https://www.cleanthinking.de/smart-meter-light-studie/">36 Millionen Stromzähler</a> bislang ohne jeden Plan sind. Dass es anders geht, zeigen ausgerechnet die Übertragungsnetzbetreiber: Seit dem 1. Oktober <a href="https://www.cleanthinking.de/nutzen-statt-abregeln-zielmodell/">schreiben sie überschüssigen Windstrom für Wärme aus</a>, statt ihn abzuregeln.</p><p>Und in der Mitte steht der Paragraf 9 der EEG-Novelle: Neue Solaranlagen unter 100 Kilowatt sollen dauerhaft nur noch die Hälfte ihrer Leistung einspeisen dürfen, Heimspeicher und bidirektionale Autos dahinter inklusive. Schröder nennt das „Sabotage&quot;, wir auch. Er erwartet, dass die Regel - die Branche sagt dazu Wirkleistungsbegrenzung - „krachend&quot; aus der Novelle fliegt. Gegen sie stehen inzwischen die Autoindustrie, die Solarbranche und E.ONs eigener Vertrieb. Nächste Woche soll der Bundestag die Novelle in zweiter und dritter Lesung beschließen, der BEE rechnet mit einer Verschiebung um eine Sitzungswoche tief in den November hinein.</p><p>Die Ministerin verteidigt ihren Kurs derweil mit Zahlen, die nicht halten. Im SZ-Interview beziffert Katherina Reiche die Kosten der Energiewende auf „nahe einer Billion Euro&quot; für 20 Prozent Fortschritt. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Verteilt auf 20 Jahre sind das rund 50 Milliarden Euro im Jahr, ein Prozent der Wirtschaftsleistung.</mark> Für fossile Importe gibt Deutschland laut KfW 81 Milliarden Euro aus, jedes Jahr, ohne dass davon ein Windrad stehen bleibt. <a href="https://www.cleanthinking.de/katherina-reiche-sz-interview/">Wie Reiche an den Zahlen vorbeiredet</a>, haben wir Punkt für Punkt geprüft.</p><h2>Es kommt von unten</h2><p>Während Berlin über das Abschalten von Solardächern berät, entscheiden andere längst. Die Zahlen vom Anfang gehören dazu, und sie haben einen Grund: Die Bundesförderung, seit Mai in Kraft, hat laut KBA-Auswertung über 100.000 bewilligte Anträge. Dazu gehört der ID. Polo: Mehr als 30.000 Bestellungen seit April in Europa, das Schwestermodell Skoda Epiq liegt bei 35.000. Wer heute konfiguriert, wartet zehn bis zwölf Monate. Mit der neuen Bundesförderung zahlt eine Familie mit zwei Kindern und weniger als 45.000 Euro Einkommen <a href="https://www.cleanthinking.de/vw-id-polo-preis-foerderung/">18.995 Euro für den Polo</a>. Tesla wuchs im September <a href="https://www.cleanthinking.de/auto-neuzulassungen-september-2026/">um 268,7 Prozent, BYD um 86, Xpeng um 419</a>. Die Chinesen liefern das günstige Angebot, das Mercedes, BMW und Audi nicht haben.</p><p>Und dann ist da Schweden. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Dort bekommt ein Haushalt auf dem Land, der höchstens 80 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient, drei Jahre lang 1.300 Kronen im Monat für ein Elektroauto, rund 4.100 Euro insgesamt, auch für einen Gebrauchten.</mark> Nach sechs Monaten liegen über 20.000 Anträge vor, fast neun von zehn geförderten Autos sind gebraucht. Drei Viertel des Geldes kommen aus dem EU-Klima-Sozialfonds.</p><blockquote><p>„Wir müssen dafür sorgen, dass alle Haushalte dabei sein können.&quot;</p><p>Johan Britz, amtierender Klimaminister Schwedens</p></blockquote><p>Deutschland stehen aus Fonds bis 2032 rund 5,3 Milliarden Euro zu. Der Klima-Sozialplan dafür war am 30. Juni 2025 fällig. Nach einer Anfrage der Grünen lag Anfang September 2026 noch kein Entwurf in Brüssel. <a href="https://www.cleanthinking.de/schweden-e-auto-foerderung-land/">Wie Schweden das Geld nutzt, das Deutschland liegen lässt</a>, lesen Sie bei Cleanthinking.</p><p>Hier schließt sich der Kreis zur Autoindustrie, von der Philipp Raasch spricht. Der frühere Mercedes-Mann rechnet in seiner FOCUS-Kolumne vor: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">834.000 Beschäftigte 2019, 691.500 heute, der VDA erwartet bis 2035 weitere 125.000 weniger.</mark> Das ist Strukturwandel, keine Delle, und seine Schlussfolgerung ist die unsere: <em>„Hören wir auf, die Jobs von gestern zu retten. Und bauen wir die von morgen auf.&quot;</em> </p><p>Die Menschen, die heute in den Konzernen festsitzen, werden gebraucht, um das Neue zu bauen. Die Nachfrage dafür entsteht gerade, von unten.</p><h2>380 Menschen in Hamburg</h2><p>Nicht jeder Gestalter kommt durch. Enerparc aus Hamburg hat mehr als 500 Solarparks gebaut, 3,8 Gigawatt am Netz, 1,5 Gigawatt im Bau, 2025 allein 1,2 Gigawatt neu installiert. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">Am 7. September stellte der Vorstand Insolvenzantrag, nachdem eine Finanzierung für Solarparks mit Batteriespeichern geplatzt war.</mark> 380 Beschäftigte bei der AG, 84 weitere in zwei Schwestergesellschaften. Das Insolvenzgeld endet am 30. November.</p><p>Die Nachricht der Woche: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Mehr als 100 Kaufinteressenten haben sich gemeldet, erste indikative Angebote liegen vor. </mark>Der vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus strebt Anfang Dezember eine Transaktion an, die Solarparks, Pipeline und die Beteiligungen samt Belegschaft umfasst. Ein Brückenkredit im zweistelligen Millionenbereich soll den Betrieb bis dahin tragen. Vorrang haben 14 bis 15 fast fertige Anlagen.</p><p>Die Ursachen hat niemand öffentlich benannt, und wir erfinden keine. Was die Branche benennt: sinkende Zuschlagswerte, steigende Projektkosten, der Kampf um Netzanschlüsse, Negativpreise für Solarstrom ohne Speicher. Und seit dem Sommer ein Gesetzentwurf, der Banken vorsichtig macht. Martin Schachinger von pvXchange, seit 30 Jahren in der Branche, erinnert im pv magazine an den Altmaier-Knick von 2012, als Förderkürzungen weit mehr als die Hälfte der deutschen Solarfirmen in Schwierigkeiten brachten. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Sein Urteil zur geplanten 50-Prozent-Kappung: Unverändert beschlossen, könnte sie eine Lawine von Insolvenzen auslösen. Er nennt es schon den Reiche-Knick.</mark></p><p>Enerparc ist nicht allein. SMA streicht 350 Stellen, Sowitec hat Insolvenz angemeldet, RCT Power auch. Hinter jeder dieser Meldungen stehen Menschen, die in den vergangenen Jahren das gebaut haben, was Deutschland auf 60 Prozent Ökostrom gebracht hat. Sie verdienen mehr als eine Zeile im Insolvenzregister. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Sie verdienen eine Politik, die ihnen nicht mitten im Lauf die Geschäftsgrundlage entzieht.</mark></p><h2>Die Welt macht weiter</h2><p>Was in Berlin verhandelt wird, interessiert in Pakistan niemanden. Dort hat chinesische Solartechnik die chinesischen Kohlekraftwerke entwertet: Drei Importkohle-Kraftwerke mit zusammen 3.960 Megawatt liefen im vergangenen Geschäftsjahr zu 22,8 Prozent. Pakistan zahlt trotzdem rund 1,3 Milliarden Dollar im Jahr Kapazitätsvergütung an die Betreiber, 3,1 Milliarden Dollar chinesischer Kredite stehen noch aus. Eine Studie der Boston University und des pakistanischen SDPI skizziert den Ausstieg bis 2037.</p><blockquote><p>„Ich sehe für Kohlekraftwerke keine Zukunft.&quot;</p><p>Mian Muhammad Ahmed, Chef des Verpackungsherstellers Al-Momin, Pakistan</p></blockquote><p><a href="https://www.cleanthinking.de/kohlekraftwerke-pakistan-solar/">Warum Chinas Exporte Chinas Kraftwerke kannibalisieren</a>, haben wir nachgezeichnet. Es ist das Muster, das Kingsmill Bond für Europa durchrechnet und das im Sonder-Briefing vom Sonntag im Mittelpunkt stand: Wer Energie erntet, statt sie zu kaufen, gewinnt. Die Börse hat das verstanden, <a href="https://www.cleanthinking.de/gruene-wirtschaft-boersenwert-lseg/">Electrotech-Unternehmen sind inzwischen mehr wert als die Gesundheitskonzerne</a>, über zehn Billionen Dollar. Wer das Sonder-Briefing verpasst hat: </p><a href="https://steady.page/de/cleanthinking/posts/9f70e19f-8c4c-4cdc-bc32-3df3b32adc4f">https://steady.page/de/cleanthinking/posts/9f70e19f-8c4c-4cdc-bc32-3df3b32adc4f</a><p>Eine Nachricht aus dieser Welt, die wir nicht weglassen: Ein Sicherheitsforscher <a href="https://www.cleanthinking.de/sungrow-cloud-sicherheitsluecke/">hätte über eine Lücke in der Sungrow-Cloud 470.000 Solaranlagen in Europa abschalten können</a>. Der Hersteller schloss sie innerhalb eines Tages. Die Lehre ist nicht, auf chinesische Technik zu verzichten. Die Lehre ist, dass Europa seine Sicherheit selbst organisieren muss, so wie es seine Energie selbst ernten kann.</p><h2>Baustelle der Woche: Bitterfeld ersetzt Erdöl</h2><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fverbio-ethenolyse-anlage-bitterfeld.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=75f3139d27e4044e88df5654a396a64c" alt=""/><p>Richard Schrock ist 81 Jahre alt, Chemie-Nobelpreisträger, und er ist diese Woche aus den USA nach Bitterfeld gereist. Dort hat Verbio die nach eigenen Angaben weltweit erste großtechnische Anlage in Betrieb genommen, die Rapsmethylester per Ethenolyse in Chemie-Grundstoffe spaltet. Knapp 100 Millionen Euro, bis zu 60.000 Tonnen biobasierte Chemikalien im Jahr, 50 neue Jobs, künftig rund 130 Beschäftigte am Standort. Schrocks Katalysatoren laufen auf Molybdän und Wolfram, nicht auf Edelmetall.</p><blockquote><p>„Der Preis ist für Dinge, die zum Wohl der Menschheit geschaffen wurden, und das ist auch die Anlage, die wir heute hier sehen.&quot;</p><p>Richard Schrock, Chemie-Nobelpreisträger 2005</p></blockquote><p>Die Produkte heißen 1-Decen und 9-DAME, sie gehen in Schmierstoffe für Getriebe und Windkraftanlagen, in Reinigungsmittel, Kunststoffe. Die Anlage schafft 17.000 Tonnen 1-Decen im Jahr, der Weltmarkt liegt bei 600.000 bis 700.000. Ein Anfang, kein Durchbruch, und stoffliche Nutzung, kein Biosprit. Michael Carus vom nova-Institut sagte zur Eröffnung, was auch unsere Erzählung ist: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Europa kann bei günstigen fossilen Rohstoffen auf Dauer nicht konkurrieren. Die Chance liegt beim erneuerbaren Kohlenstoff.</mark></p><p>Nach Energie und Auto kommt die Chemie dran. Während Evonik bis 2029 weitere 3.200 Stellen streicht <em>[PRÜFEN: dpa-AFX 18.06.2026]</em> und BASF über eine Übernahme nachdenkt, baut ein Mittelständler in Sachsen-Anhalt die nächste Wertschöpfungsstufe.<a href="https://www.cleanthinking.de/verbio-biobasierte-chemikalien-bitterfeld/"> Was Verbio in Bitterfeld aus Rapsöl macht, lesen Sie bei Cleanthinking</a>.</p><h2>Kurz notiert</h2><p><strong>Tuvalu sammelt Staaten.</strong> Rund 30 Länder, darunter Frankreich, Indien und die Emirate, <a href="https://www.cleanthinking.de/taku-pakasoa-erklaerung-cop31/">haben die Taku-Pakasoa-Erklärung angenommen</a>, die den Dubai-Beschluss zur Abkehr von fossilen Energien bekräftigt. Fünf Wochen vor der COP31 in Antalya ist das die erste Koalition, die sich formiert.</p><p><strong>Flasbarth geht nach Den Haag.</strong> Jochen Flasbarth <a href="https://www.cleanthinking.de/european-climate-foundation-flasbarth/">wird Anfang 2027 Chef der European Climate Foundation</a>. Das Umweltministerium verliert seinen erfahrensten Klimadiplomaten, die Stiftung gewinnt ihn.</p><p><strong>Vattenfall zählt tote Vögel.</strong> Wärmebildkameras an einer Offshore-Turbine in den Niederlanden liefern erste echte Messwerte, <a href="https://www.cleanthinking.de/voegel-sterben-durch-windraeder-auf-see/">deutlich unter den bisherigen Modellrechnungen</a>. Zählen statt schätzen, auch das ist Gestalten.</p><h2>Zum Schluss</h2><p>88.599 Elektroautos gegen 17 Cent Tankrabatt. 20.000 schwedische Anträge gegen null deutsche Klima-Sozialpläne. 100 Interessenten für ein insolventes Solarunternehmen gegen einen Paragrafen, der Solardächer halbieren will. Nächste Woche sitzt der Bundestag. Die Electrotech-Revolution wartet nicht darauf, aber die 380 in Hamburg tun es.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p>PS: Feedback, Kritik, Hinweise wie immer an team@cleanthinking.de.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 09 Oct 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Electrotech-Revolution: Ernten statt verbrennen]]></title>
      <description><![CDATA[Strom hat seinen iPhone-Moment. Electrotech und Infotech treiben sich gegenseitig an und machen das Elektron billiger als die Flamme. Was das für Deutschland heißt.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>im Januar 2007 lachte Steve Ballmer. Der Microsoft-Chef hatte das erste iPhone gesehen. Er fand es absurd: Mit 500 Dollar viel zu teuer - und ohne Tastatur untauglich für den Markt. Er sollte sich gewaltig irren, wie wir heute wissen. Der iPhone-Moment ist keine 20 Jahre her und hat unser aller Leben verändert. <br/><br/>Greg Jackson, der CEO des britischen Cleantech-Unternehmens Octopus Energy, erzählt diese Geschichte heute immer wieder. Sein Ziel ist es dabei nicht, sich über Ballmer lustig zu machen. Vielmehr geht es ihm darum, zu zeigen, wie sehr Experten wie Ballmer oder er selbst im Hinblick auf technologische Disruptionen falsch liegen. <br/>Denn Jackson erinnert sich an seine ersten Reaktionen auf das Ding namens World Wide Web: Als es ihm jemand erstmalig zeigte, hielt er es für langsam und leer.</p><p>Heute hat Jackson einen Blick für technologische Durchbrüche. Zum Start des Webinars der Denkfabrik Ember zu deren neuer Analyse „The Age of Power“, sagte Jackson in einer Keynote:</p><blockquote><p>„Elektrizität erlebt gerade ihren iPhone-Moment.“</p><p>Greg Jackson, Gründer und Chef von Octopus Energy, Launch-Webinar zu „The Age of Power“, September 2026</p></blockquote><p>Strom hat seinen iPhone-Moment. Diese Sonderausgabe des CT Briefings erklärt Ihnen heute, was das heißt. Es geht um einen Begriff, der sich nur schwer ins Deutsche übertragen lässt: die Electrotech-Revolution. Es geht um zwei Analysen, die den Bauplan für die saubere Zukunft beschreiben. Aus Erkenntnis muss jetzt nur noch Handlung werden.</p><h2>Der Plan liegt auf dem Tisch</h2><p>Die Londoner Denkfabrik Ember hat innerhalb von zwölf Monaten zwei bahnbrechende, miteinander stark verzahnte Analysen veröffentlicht. „<mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">The Electrotech Revolution</mark>“ (September 2025) beschreibt, was passiert: Elektronen verdrängen (fossile Moleküle). Auf allen Ebenen. „<mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">The Age of Power</mark>“ (September 2026) erklärt, wieso sich die Electrotech-Revolution massiv beschleunigt: weil diese elektrische Revolution mit dem digitalen Wandel verschmilzt. Die Autoren Daan Walter, Sam Butler-Sloss und Kingsmill Bond sprechen dementsprechend neben der Electrotech-Revolution von der Infotech-Revolution.</p><p>Daan Walter drückt es so aus: Der erste Report &quot;The Electrotech-Revolution&quot; habe gezeigt, dass Electrotech nicht mehr in erster Linie wegen klimapolitischer Maßnahmen wächst, sondern aufgrund der Gesetze von Physik, Ökonomie und Geopolitik. Obwohl manche Regierung Klimapolitik in der Prioritätenliste verbannt hat, fließt derzeit doppelt so viel Kapital in Electrotech wie in fossile Energie.</p><p>Electrotech ist die Technik, mit der wir Strom erzeugen, speichern und nutzen: Solarmodule, Windräder, Batterien, Elektromotoren, Wärmepumpen und die Software dazwischen. Die Electrotech-Revolution ist der Umbruch, in dem diese Technik das Verbrennen fossiler Rohstoffe verdrängt.</p><blockquote><p>Die Electrotech-Revolution hat begonnen. Zum ersten Mal in der Geschichte können wir den Großteil unserer Energie ernten, statt sie zu verbrennen, und damit unsere Zivilisation erhalten und weiterentwickeln. Solarzellen, Batterien, Elektromotoren und Wärmepumpen sind erst der Anfang. Ihr Aufstieg folgt demselben Muster wie der des Smartphones: Je mehr davon gebaut und genutzt wird, desto billiger und besser werden sie, und desto schneller setzen sie sich durch. Einmal gebaut, liefern sie Energie aus Sonne und Wind im eigenen Land, und die kann niemand abdrehen. Deshalb verdrängen sie Kohle, Öl und Gas.</p></blockquote><p>Das ist der Weg, den Ember skizziert. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Es ist zugleich der Plan, den ein Land wie Deutschland umsetzen muss, wenn es Wohlstand und Unabhängigkeit behalten will.</mark></p><h2>Ernten statt verbrennen</h2><p>Seit 250 Jahren beruht unser Wohlstand darauf, dass wir altes Sonnenlicht verbrennen. Kohle, Öl und Gas sind Pflanzen und Plankton, die vor hunderten Millionen Jahren Sonnenenergie gespeichert haben. Wir graben sie aus, verschiffen und veredeln sie. Und dann zünden wir sie an: Fossiles Zeugverbrennen.</p><p>Dabei ist die Energie der Sonne auch direkter nutzbar. Alle bekannten fossilen Reserven der Erde enthalten zusammen rund 44.700 Exajoule Energie: Kohle 26.600, Öl 10.600, Gas 7.500. Die Sonne schickt 50.000 Exajoule auf die Erde. Dazu braucht es nur fünf Tage. Wir müssen davon nur einen winzigen Bruchteil einfangen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f70e19f-8c4c-4cdc-bc32-3df3b32adc4f/uploads/images/bt6zhfk45a/Grafik1.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>In fünf Tagen trifft mehr Sonnenenergie auf die Erde, als in allen fossilen Reserven zusammen steckt: 50.000 gegen 44.700 Exajoule.</em></p><p>Verbrennen hat einen zweiten Haken: Der größte Teil der Energie geht als Abwärme verloren, bevor irgendetwas Nützliches passiert. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Ember beziffert den Verlust des fossilen Systems auf zwei Drittel seiner Primärenergie, im Wert von 4,6 Billionen Dollar jedes Jahr.</mark></p><ul><li><p>Ein Kraftwerk macht aus 100 Einheiten Kohle oder Gas 30 bis 40 Einheiten Strom.</p></li><li><p>Ein Verbrennungsmotor bringt 25 bis 40 Prozent der Energie im Tank auf die Straße -&gt; ein Elektroauto 80 bis 90 Prozent der Energie aus der Batterie.</p></li><li><p>Ein Gaskessel liefert 85 Prozent als Wärme -&gt; eine Wärmepumpe 300 bis 400 Prozent, weil sie Wärme aus der Umgebung einsammelt, statt sie zu erzeugen.</p></li></ul><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f70e19f-8c4c-4cdc-bc32-3df3b32adc4f/uploads/images/j5g6q3uqod/Grafik_2.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Gleiche Leistung, ein Drittel der Energie: Kraftwerk, Verbrenner und Gasheizung verlieren den größten Teil als Abwärme. Solarstrom, E-Motor und Wärmepumpe holen aus jeder Kilowattstunde zwei- bis vierfach mehr heraus.</em></p><p>Die Faustregel: Electrotech ist rund dreimal so effizient. Für dieselben Dienste, die warme Wohnung, die gefahrenen Kilometer, die laufende Fabrik, brauchen wir etwa ein Drittel der Nutzenergie. Deshalb ist die Transformation kleiner, als sie aussieht. Wer heute 80 Prozent seiner Primärenergie verbrennt, muss nicht 80 Prozent Primärenergie ersetzen. Er muss ein Drittel davon als Nutzenergie ernten und bereitstellen.</p><h2>Warum der Marktpreis entscheidend ist</h2><blockquote><p>„Technik wird mit der Menge billiger. Rohstoffe werden teurer, je tiefer man gräbt.&quot;</p><p>Daan Walter, Sam Butler-Sloss und Kingsmill Bond, „The Electrotech Revolution“, September 2025</p></blockquote><p>Ein Solarmodul kostet heute 99,6 Prozent weniger als 1980, eine Batteriezelle 99 Prozent weniger als 1991, die Installation von Windkraft 80 Prozent weniger als 1984. Dahinter steckt eine Regel, die Ökonomen Lernkurve nennen: Mit jeder Verdopplung der produzierten Menge sinken die Kosten um rund 20 Prozent. Beim Öl gilt das Gegenteil. Die billigen Felder werden zuerst leer gepumpt, jedes weitere Barrel kommt aus teurerem Gestein. Ember nennt das „Lernen schlägt Graben&quot;.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f70e19f-8c4c-4cdc-bc32-3df3b32adc4f/uploads/images/m4r3tjics4/Grafik_3.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Zwei Kurven, zwei Richtungen: Der Preis für Solarmodule fällt seit 1976 mit jeder produzierten Menge. Der Ölpreis steigt, je mehr gefördert wurde, weil die billigen Felder zuerst leer sind.</em></p><p>Warum wird das Solarmodul mit jeder Verdopplung billiger, das Kraftwerk aber nicht? Weil das Solarmodul ein Massenprodukt aus der Fabrik ist. Rund 100 Dollar das Stück, ein bis sechs Monate von der Bestellung bis zum ersten Strom, Milliarden Einheiten, jede eine Gelegenheit, es besser zu machen. Ein Atomkraftwerk ist ein Einzelstück: rund sieben Milliarden Dollar, sechs bis zehn Jahre Bauzeit, weltweit nur ein paar hundert, die je gebaut wurden. Klein und modular lernt schneller als groß und einmalig.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f70e19f-8c4c-4cdc-bc32-3df3b32adc4f/uploads/images/t6tc7madvq/Grafik_4.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Je kleiner die Einheit, desto steiler die Lernkurve: Ein Solarmodul kostet rund 100 Dollar und liefert nach Monaten Strom, ein Atomkraftwerk kostet Milliarden und braucht ein Jahrzehnt. Milliarden Module sind Milliarden Gelegenheiten, es besser zu machen.</em></p><p>Das Ergebnis steht in jeder Ausschreibung: Zwischen 2014 und 2024 fielen die Stromgestehungskosten von Solarparks um 77 Prozent, die Preise für Batteriepakete um 84, die Kosten für Offshore-Wind um 58 Prozent. Und je billiger, desto schneller: Solaranlagen verdoppeln sich seit 30 Jahren im Schnitt alle drei Jahre, Batteriespeicher wuchsen seit 2010 um 71 Prozent pro Jahr.</p><p>Schon 2007 hat Strom das Öl als größte Quelle für Nutzenergie überholt. Nutzenergie ist der Teil der Energie, der am Ende wirklich etwas tut. 2022 lag der Anteil des Stroms bei 34 Prozent, der von Öl bei 26, der von Gas bei 22. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Das Zeitalter des Stroms und somit auch die Electrotech-Revolution hat nicht 2026 begonnen, sondern vor fast 20 Jahren.</mark> Wir haben es nur nicht gemerkt. Denn unser Fokus liegt bis heute viel zu sehr auf der Primärenergie. Was zählt, ist Nutzenergie.</p><hr aria-hidden="true"/><p><strong>Exkurs: Der Primärenergie-Trugschluss.</strong> Wer Energie in Primärenergie zählt, zählt den Abfall mit. Von rund 590 Exajoule, die 2023 weltweit in das Energiesystem flossen, gingen zwei Drittel als Abwärme verloren. In dieser Statistik wirken Kohle und Gas groß und Wind und Solar klein, obwohl sie dieselbe Arbeit mit einem Drittel der Energie erledigen. <a href="https://www.cleanthinking.de/schluss-mit-dem-primaerenergie-trugschluss/">Wir haben das im Februar ausführlich aufgeschrieben.</a> Wie lebhaft die Fachdebatte darüber gerade läuft, zeigt eine Podcast-Folge vom 23. September: Michael Liebreich spricht in „Cleaning Up&quot; (Folge 275, „The Scandal at the Heart of the Energy Transition&quot;) mit Professor Jan Rosenow über genau diese Zählweise. Liebreichs Vergleich: Energie in Primärenergie zu messen sei, als messe man Ernährung in bewirtschafteten Hektar. Rosenow hat vier Tage später nachgelegt und davor gewarnt, daraus ein „einfach Solar und Batterien bauen&quot; zu machen: Die letzten Prozentpunkte der Dekarbonisierung seien die teuersten, Effizienz und Systemdenken blieben entscheidend.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=7xDH8ZqJvqo">https://www.youtube.com/watch?v=7xDH8ZqJvqo</a><hr aria-hidden="true"/><h2>Niemand kann die Sonne abdrehen</h2><p>Mitte September kostete der Liter Diesel in Deutschland im Tagesschnitt 2,45 Euro, ein Allzeithoch laut ADAC. Der Preis entstand nicht in Berlin, sondern an der Straße von Hormus und an der Meerenge Bab al-Mandab. So fühlt sich Abhängigkeit an: Deutschland importiert 67 Prozent seiner Primärenergie in Form fossiler Brennstoffe, Japan 87, Italien 77, Spanien 74 Prozent. Drei Viertel der Weltbevölkerung leben in Ländern, die Energie einführen müssen.</p><p>Dagegen steht eine Zahl aus Embers Vorwort: 92 Prozent aller Länder haben ein Potenzial an Erneuerbaren, das über dem Zehnfachen ihres heutigen Bedarfs liegt. Solar, Wind, E-Autos und Wärmepumpen zusammen können fossile Importe um rund 70 Prozent senken. Der eigentliche Unterschied ist ökonomischer Natur. Öl und Gas sind ein Strom, den man jeden Tag neu kaufen muss, und ihr Preis entsteht dort, wo das Angebot knapp ist. Ein Solarpark, eine Batterie, eine Wärmepumpe sind ein Bestand: einmal bezahlt, liefern sie Jahrzehnte zu Kosten, die am Tag der Installation feststehen. Ember nennt das Energie ohne Inflationsrisiko.</p><p>Damit wandert die Macht von dem, der die Lagerstätte besitzt, zu dem, der die Fabrik besitzt und das Kapital, sie zu bezahlen. Wer von der Rente auf einen Rohstoff lebt, verliert gegen den, der von der Lernkurve einer Technik lebt. Die Oxford-Ökonomen um Rupert Way haben das 2022 über 140 Jahre nachgezeichnet: Jede Energietechnik, die vom Band läuft, wurde billiger, jeder Brennstoff blieb teuer oder wurde teurer. Ember nennt das den Sieg des Kopfes über die Muskelkraft, „brain over brawn&quot;. Das Risiko verschwindet dabei nicht, es wechselt die Adresse: von der Straße von Hormus zum Zinssatz, zu dem ein Land seine Anlagen finanziert.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f70e19f-8c4c-4cdc-bc32-3df3b32adc4f/uploads/images/rhghtiwp5t/Grafik_5.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Sonne und Wind gibt es überall: 92 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, deren Erneuerbaren-Potenzial über dem Zehnfachen ihres Energiebedarfs liegt. Afrika und Südamerika haben das Hundert- bis Tausendfache.</em></p><p>Für diese Unterscheidung gibt es zwei Wörter. Ein Petrostaat bezieht Macht und Einnahmen aus Öl und Gas. Ein Elektrostaat deckt einen großen Teil seines Energiebedarfs mit Strom und baut die Technik dafür selbst. Im Februar hat Kingsmill Bond, Mitautor beider Ember-Analysen, <a href="https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2026-01/erneuerbare-energien-indien-biomasse-stromerzeugung-china?freebie=0184a16c">der ZEIT ein Interview gegeben</a>, <a href="https://www.cleanthinking.de/europas-souveraenitaetskurs-kingsmill-bond/">das wir eingeordnet haben</a>. Für die drei Viertel der Menschheit ohne eigene fossile Vorkommen sei der Elektrostaat die einzige rationale Zukunft, sagte er dort.</p><p>Europas Befund fiel zwiespältig aus: Rund 70 Prozent des Stroms kommen aus klimafreundlichen Quellen, aber nur 22 Prozent der verbrauchten Endenergie sind überhaupt Strom, seit 15 Jahren fast unverändert. Europa habe die Dekarbonisierung des Stroms finanziert, indem es die Elektrifizierung abwürgte: mit Abgaben, die Strom teurer machen als Gas.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f70e19f-8c4c-4cdc-bc32-3df3b32adc4f/uploads/images/jm5r3kbt5x/Grafik_6.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Fünf Kurven, eine Richtung: Bei Cleantech-Patenten, Batteriefertigung, Autoexporten, Wind- und Solarstrom und beim Anteil des Stroms an der Endenergie hat China die USA und Europa seit 2010 überholt. Beim Elektrifizierungsgrad lag es 2010 noch hinter beiden.</em></p><p>China ist demnach der erste echte Elektrostaat: Es hält die meisten Electrotech-Patente, baut die Fabriken, exportiert die Technik, und mehr als 60 Prozent der dort verkauften Neuwagen sind E-Autos oder Plug-in-Hybride.</p><h2>Aber es hakt</h2><p>Wer Erneuerbare in zügigem Tempo ausbaut, stößt auf Herausforderungen, an denen die Electrotech-Revolution stockt. Weltweit warten mehr als 3.000 Gigawatt an Erzeugungs- und Speicherprojekten auf einen Netzanschluss, neue Leitungen brauchen vier bis acht Jahre. In Südaustralien sind die Strompreise inzwischen in 30 Prozent aller Stunden negativ, nicht weil es zu viel Strom gäbe, sondern weil nichts die Erzeugung mit Nachfrage und Speichern abstimmt. Von der weltweiten Stromnachfrage reagieren nur rund drei Prozent flexibel auf Preissignale. Netzbetreiber planen Leitungen nach dem schlimmsten Tag des Jahrzehnts, nicht nach dem, was Batterien und Software abfangen könnten. Daan Walter sagt es im Webinar unverblümt: Die meisten Netzbetreiber überschätzen den Netzbedarf, nicht aus Dummheit, sondern weil ihr Mandat sie zwingt, Batterien zu ignorieren.</p><p>Ember nennt diese Grenze die Informationsgrenze: zu viel Angebot, zu viele Geräte, zu wenig Koordination. Die Antwort darauf kommt nicht aus der Energiebranche.</p><h2>Die Infotech-Revolution läuft weiter</h2><p>Denn parallel läuft eine zweite Revolution, und sie ist längst nicht fertig. Wir haben das Internet bekommen, wir haben Smartphones in der Tasche, die um Größenordnungen leistungsfähiger sind als die ersten PCs. 99,9 Prozent aller gespeicherten Information und 99,9 Prozent aller übertragenen Bits sind heute elektrisch.</p><p>Die Lernkurven der Digitaltechnik waren steiler als alles zuvor: Festplatten wurden mit jeder Verdopplung 50 Prozent billiger, Transistoren 43, Speicherchips 39 Prozent, Solarmodule kommen auf 24, Batterien auf 20. Auf dieser Technik sind die Konzerne entstanden, die heute die Welt dominieren. 1980 stand die fossile Energie für 28 Prozent des Börsenwerts im S&amp;P 500, 2026 für drei Prozent. Die Unternehmen der Elektronenwirtschaft, Infotech und Electrotech zusammen, stehen heute für 51 Prozent.</p><p>Und jetzt beginnt der dritte Schritt der Digitalisierung. Speichern und Übertragen sind elektrifiziert, das Denken fängt gerade erst an: Rund ein Prozent der weltweit bezahlten Arbeitsstunden erledigen heute Maschinen. Das ist die KI-Welle, und sie stößt an eine Grenze, die der Energiebranche vertraut vorkommt. Rechenzentren brauchen Strom, und zwar in einem Tempo, das kein konventionelles Kraftwerk mitgeht.</p><p>Eine neue Gasturbine hat 2026 rund sechs Jahre Lieferzeit. Solarmodule gibt es ab Lager, Batteriesysteme in sechs bis zwölf Monaten, und fest abgesicherter Solarstrom ist in den meisten Märkten schon billiger als ein neues Gaskraftwerk. Ember nennt Gas deshalb ein Pflaster, keine Antwort.</p><p>Und die Rechenzentren sind nur der Anfang: Physische KI, also Roboter, fahrerlose Lastwagen, automatisierte Fabriken, könnte Ende der 2030er Jahre rund 7.350 Terawattstunden Strom im Jahr ziehen, sechsmal so viel wie alle Rechenzentren zusammen. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Nur Electrotech wächst schnell genug, um das zu liefern.</mark></p><h2>Zwei Revolutionen, ein Elektron</h2><p>Die Kernthese von „The Age of Power“: Die digitale und die elektrische Revolution waren nie zwei Geschichten. Sie laufen über dasselbe Elektron und stecken in denselben fünf Bauteilen: Chips, Batterien, Leistungselektronik, Elektromotoren und Sensoren. Alle fünf sind seit 1990 um 97 bis 99,9 Prozent billiger geworden, auf derselben Lernkurve. Das Smartphone machte die Batterie billig genug für das Auto. Das Auto macht sie billig genug für das Stromnetz. Jeder Kauf in der einen Welt verbilligt die andere.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f70e19f-8c4c-4cdc-bc32-3df3b32adc4f/uploads/images/nh4vwit5o3/Grafik_7.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Fünf Bauteile, ein Schwungrad: Laptop, Smartphone und KI-Server bestehen aus denselben Chips, Batterien, Leistungselektronik, Motoren und Sensoren wie Solaranlage, E-Auto und Netzspeicher. Jedes verkaufte Gerät der einen Welt senkt den Preis für die andere.</em></p><p>Es sind auch dieselben Leute. Robin Zeng, Gründer des Batterieriesen CATL, hat zehn Jahre lang Akkus für das iPhone gebaut. Wang Chuanfu, Gründer von BYD, lieferte Zellen an Nokia und Motorola, bevor er Autos verkaufte. Daan Walter erklärt damit, warum ein iPad-Hersteller wie BYD den Sprung zum E-Auto besser schafft als ein Benzinauto-Hersteller wie Ford: Er kannte die Bauteile schon.</p><p>Und die beiden Revolutionen brauchen einander, Ember spricht von einer Zweckehe. Ein Verbrennungsmotor reagiert höchstens dreimal pro Sekunde auf einen Steuerbefehl, ein Elektromotor 200-mal, und der Chip eines autonomen Autos schickt über 100 Befehle pro Sekunde. Autonomes Fahren mit Verbrenner gibt es deshalb nicht. Schnellladen ohne Chip gibt es nicht, der regelt tausendfach pro Sekunde. Und ein Netz, das Millionen Solardächer, Speicher und E-Autos koordinieren soll, gibt es ohne KI nicht.</p><p>Genau das ist die Antwort auf das Stocken von vorhin: Infotech löst das Koordinationsproblem der Electrotech. Electrotech löst das Stromproblem der Infotech. Octopus steuert in Großbritannien heute immerhin 3,5 Gigawatt an E-Autos mit Software, und laut Jackson ist ein Auto, das nachts zurückspeist, für das Netz keine Last mehr, sondern eine negative Spitze.</p><p>Was das für einen Haushalt heißt, hat Ember zu britischen Preisen von 2026 durchgerechnet, ausdrücklich als Beispielrechnung: Ein Haus mit Gaskessel und Benziner zahlt rund 290 Pfund im Monat für Energie, Wartung und Reparatur. Mit Solaranlage, Wärmepumpe, E-Auto, dynamischem Tarif, Speicher und einem Auto, das Strom ins Haus zurückgibt, sind es rund 60 Pfund. Minus 80 Prozent. Nicht durch Verzicht, sondern weil zwei Technologien zusammenarbeiten, die jede für sich schon exponentiell billiger wurden.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f70e19f-8c4c-4cdc-bc32-3df3b32adc4f/uploads/images/qb4vkdlzi4/Grafik_8.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Schritt für Schritt von 290 auf 60 Pfund im Monat: Jede Stufe, Solar, Wärmepumpe, E-Auto, dynamischer Tarif mit Speicher, Rückspeisung, senkt die Rechnung weiter. Den größten Sprung bringt nicht die Hardware, sondern die Software, die sie steuert.</em></p><p></p><p>Das ist der Kern. Zwei Technologiefamilien, die jede für sich seit Jahrzehnten exponentiell wachsen, treiben sich jetzt gegenseitig an. Diese Konvergenz, diese Potenzierung zweier ohnehin exponentieller Kurven, ist der entscheidende Treiber, der uns aus dem fossilen Zeugverbrennen herausholt. Nicht die Klimakonferenz, nicht das Gesetz. Der Markt, der das Elektron billiger und klüger macht als die Flamme.</p><blockquote><p>„Das Elektron ist heute die Grenzlinie sowohl des Handelns als auch der Intelligenz. Volkswirtschaften, die beide Revolutionen zusammen nutzen und nicht nur eine, werden das Zeitalter des Stroms anführen.“</p><p>Daan Walter, Ember</p></blockquote><h2>Und Deutschland?</h2><p>Ember hat die Länder in zwei Rennen sortiert. Das eine heißt: Wer baut Wind und Solar? Das andere: Wer stellt Heizung, Verkehr und Industrie auf Strom um? Deutschland führt im ersten und steht im zweiten fast still. In den ersten drei Quartalen 2026 kamen laut BDEW 60 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Quellen. Fast die Hälfte der Stromerzeugung kommt allein aus Wind und Sonne. Aber nur rund 20 Prozent unserer Endenergie sind überhaupt Strom. China liegt beim Strommix weit hinter uns und bei der Elektrifizierung weit vorn. Ember nennt Deutschland deshalb einen „renewables builder&quot;, nicht einen „electrostate builder&quot;. Wir bauen Erneuerbare. Einen Elektrostaat bauen wir nicht.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f70e19f-8c4c-4cdc-bc32-3df3b32adc4f/uploads/images/kbvsbdjije/Grafik_9.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><em>Deutschland rechts unten: viel Wind und Solar im Strom, wenig Strom in der Endenergie. Stand 2023 nach Ember. Bis 2026 ist der Wind- und Solaranteil auf fast die Hälfte gestiegen, der Stromanteil an der Endenergie liegt weiter bei rund 20 Prozent.</em></p><p>Ein Grund dafür sind die Steuern. Ein Industriebetrieb zahlt in Deutschland rund acht Cent Abgaben je Kilowattstunde Strom, aber knapp drei Cent je Kilowattstunde Gas (Eurostat, 2024). Fast die ganze EU belastet Strom höher als den Brennstoff, den er ersetzen soll. Ember bringt es auf eine Folie: „Tax what you want to phase out&quot;, besteuert, was ihr loswerden wollt. Kein Land mit teurem Strom hat bisher viel elektrifiziert. <a href="https://www.cleanthinking.de/strom-gas-steuern-elektrifizieren/">Wie der Stromsteuer-Vorschlag der Stiftung Klimaneutralität dazu passt, haben wir am Dienstag aufgeschrieben.</a></p><p>Der zweite Grund ist organisatorisch, und er betrifft die Konvergenz direkt. Wer treibt beide Revolutionen gemeinsam voran? Walter nennt China, und mit Abstand die nordischen Länder. Dort werde Energie und Digitalisierung als ein Plan geplant, mit denselben Teams und denselben Modellen. Im Westen laufe beides in Silos. In Deutschland haben Rechenzentren, Netzausbau, Wärmepumpen und E-Autos jeweils ihr eigenes Gesetz und ihre eigene Debatte. Die Marktkräfte haben längst entschieden, dass es eine Geschichte ist. Die Politik hat es noch nicht gemerkt.</p><h2>Die Welle reiten</h2><p>„Die Electrotech-Welle reiten oder von ihr mitgerissen werden&quot;, so endet Embers erste Analyse. Deutschland hat das Brett. Es hat 60 Prozent Erneuerbare im Netz, es hat die Ingenieure, die Netztechnik, die Wärmepumpenwerke, mit Frankfurt einen der größten Rechenzentrumsstandorte Europas. Es steht nur noch am Strand und diskutiert über den Spritpreis.</p><p>Die Electrotech-Revolution hat begonnen, und sie beschleunigt gerade, weil die zweite Revolution sie antreibt. Zum ersten Mal können wir ernten, statt zu verbrennen, und zum ersten Mal ist das nicht nur sauberer, sondern billiger, schneller und sicherer. Deshalb kommt diese Transformation, die Marktkräfte haben entschieden. Für Deutschland ist das die gute Nachricht: Es muss den Wandel nicht erzwingen, es muss ihm nur den Weg freiräumen. Strom nicht höher besteuern als Gas, Netze, Speicher und Software als eine Aufgabe planen, und die Welle trägt uns von selbst.</p><p>In den kommenden Wochen nehmen wir beide Ember-Analysen auf Cleanthinking Kapitel für Kapitel auseinander: auf Deutsch, mit Grafiken und mit Blick auf Deutschland. Welche Fragen sollen wir dabei beantworten? Schreiben Sie uns: team@cleanthinking.de</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><h2>Kurz erklärt</h2><p><strong>Electrotech.</strong> Die Technik, mit der wir Strom erzeugen, speichern und nutzen: Solarmodule, Windräder, Batterien, Elektromotoren, Wärmepumpen und die Steuerungssoftware dazwischen. Anders als „Erneuerbare&quot; umfasst der Begriff auch die Seite, auf der Energie verbraucht wird.</p><p><strong>Infotech.</strong> Die Technik, mit der wir Information speichern, übertragen und verarbeiten: Chips, Rechenzentren, Netze, Software, KI. Laut Ember teilt sie mit Electrotech Bauteile, Lieferketten, Physik und Lernkurven.</p><p><strong>Elektrostaat und Petrostaat.</strong> Ein Petrostaat bezieht Macht und Einnahmen aus Öl und Gas. Ein Elektrostaat deckt einen großen Teil seines Energiebedarfs mit Strom und baut die Technik dafür selbst. Gemessen wird das am Anteil des Stroms an der Endenergie. China gilt als erster großer Elektrostaat, Deutschland liegt bei rund 20 Prozent.</p><p><strong>Lernkurve.</strong> Mit jeder Verdopplung der produzierten Menge sinken die Kosten eines Fabrikprodukts um einen festen Prozentsatz, bei Solarmodulen, Batterien und Windrädern seit Jahrzehnten um rund 20 Prozent. Sie gilt für Dinge, die vom Band laufen, nicht für Einzelanlagen wie Großkraftwerke.</p><h2>Zum Nachlesen</h2><p>Ember, „The Electrotech Revolution. The shape of things to come&quot;, September 2025 (112 Folien):</p><a href="https://www.cleanthinking.de/wp-content/uploads/Ember-Electrotech-Revolution.pdf">https://www.cleanthinking.de/wp-content/uploads/Ember-Electrotech-Revolution.pdf</a><p>Ember, „The Age of Power. How an electric revolution in information and energy is redefining power&quot;, 16. September 2026 (99 Folien):</p><a href="https://www.cleanthinking.de/wp-content/uploads/Ember-Age-of-Power.pdf">https://www.cleanthinking.de/wp-content/uploads/Ember-Age-of-Power.pdf</a><p>Beide Analysen rund um die Electrotech-Revolution stammen von Daan Walter, Sam Butler-Sloss und Kingsmill Bond, die zweite zusätzlich von Antoine Issac. Die Zitate von Greg Jackson und Daan Walter stammen aus dem Launch-Webinar zu „The Age of Power&quot; und der Pressemitteilung von Ember. Die Grafiken „nachgebaut für Cleanthinking&quot; beruhen auf den genannten Folien, Ember-Originalfolien sind als solche gekennzeichnet.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 04 Oct 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Gestalter gegen Getriebene]]></title>
      <description><![CDATA[Zwei Wochen nach dem Dementi weist Reiche Sefe an, Gas einzuspeichern. Berlin senkt den Spritpreis, Brüssel bittet ums Sparen. Andere gestalten derweil die Woche.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>am Mittwoch hatte Katherina Reiche zu einem Pressestatement eingeladen, Thema: „Versorgung Öl und Gas&quot;. Kurz vorher sagte die Wirtschaftsministerin den Termin ab, „aus organisatorischen Gründen&quot;. Stattdessen erklärte eine Sprecherin, die Ministerin habe in Absprache mit dem Kanzler entschieden, den Staatskonzern Sefe zum Einspeichern von Gas anzuweisen. </p><p>„<em>Dieser Bedarf ist nun eingetreten</em>&quot;, sagte sie laut <a href="https://www.zfk.de/politik/deutschland/reiche-sefe-gasspeicher-befuellung-anweisung">ZfK</a>. Zwei Wochen vorher hatte Sefe noch betont, es gebe keine Anweisung aus dem Ministerium. Nach dem Motto: “Das lassen wir uns nicht gefallen.”</p><p>Diese Woche lässt sich in zwei Spalten erzählen. In der einen stehen die, die vorangehen und dabei den Markt im Rücken haben: ein früherer VW-Chef und die Autoindustrie, ein Regulierer, ein Ingenieurbüro aus Dresden. In der anderen stehen die, die ihre Linie Woche für Woche der Wirklichkeit anpassen müssen.</p><p><strong>In diesem Briefing:</strong></p><ul><li><p>Gas auf Anweisung: Sefe speichert ein, Berlin verbilligt den Diesel</p></li><li><p>Vom Drama zum Durchbruch: Die Bundesnetzagentur öffnet Speichern und E-Autos den Strommarkt</p></li><li><p>Förderende 2045: 60 Prozent Ökostrom und ein Unionspapier</p></li><li><p>Einspruch in Karlsruhe: Mieter*innen klagen gegen das Heizungsgesetz</p></li><li><p>Baustelle der Woche: Schipkau hat den Weltrekord</p></li><li><p>Buch des Monats: Robert Habecks „Arctic Meltdown&quot;</p></li><li><p>Kurz notiert: E-Lkw und der Mythos vom billigen Russengas</p></li></ul><h2>Gas auf Anweisung</h2><p>Acht Terawattstunden Erdgas soll Sefe bis zum 15. Dezember beschaffen und einspeichern. Bei 248 Terawattstunden Speichervolumen in Deutschland sind das rund drei Prozent. Am Dienstag lag der Füllstand bei 58 Prozent, ein Jahr zuvor waren es rund 77. Die gesetzlich vorgeschriebenen 80 Prozent zum 1. November schafft Deutschland nicht mehr, der Speicherverband INES hält höchstens 77 Prozent für erreichbar und hatte der Ministerin schon vor Monaten geraten, mehr zu tun. <a href="https://www.cleanthinking.de/gasreserve-gasspeicher-2026/">Wie es um die Gasspeicher steht und ab wann es kritisch wird</a>, haben wir ausführlich aufgeschrieben.</p><p>Brüssel sieht die Lage anders als Berlin. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen bittet die Hauptstädte schriftlich, Gas und Strom zu sparen, so lange es nötig ist.</p><blockquote><p>„… stehen wir vor einer Preiskrise, die mit einer Versorgungskrise verknüpft ist.&quot; </p><p>Dan Jørgensen, EU-Energiekommissar</p></blockquote><p>Beim Treffen der Energieminister in Dublin <a href="https://www.euronews.com/my-europe/2026/09/29/no-energy-shortage-but-a-painful-winter-looms-for-europe-top-eu-energy-leader-warns">rechnete Jørgensen vor</a>, dass schon in einem normalen Winter fast 50 Millionen Europäerinnen und Europäer ihre Wohnung nicht ausreichend heizen können. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Gemeinsam mit IEA-Chef Fatih Birol forderte er, Steuersysteme zu überdenken, die Strom gegenüber Gas benachteiligen.</mark> In Deutschland <a href="https://www.cleanthinking.de/strom-gas-steuern-elektrifizieren/">will eine Stiftung die Stromsteuer auf das EU-Minimum senken</a>, die Bundesregierung hat andere Prioritäten.</p><p>Seit heute sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter, mit Mehrwertsteuer um rund 17 Cent. Bundestag und Bundesrat haben den Tankrabatt im Eilverfahren beschlossen, angehängt an ein Gesetz zur Versicherungsaufsicht. Bis Jahresende kostet er Bund und Länder rund 2,5 Milliarden Euro. Im Newsletter der Bundesregierung vom 25. September steht die Steuersenkung an prominenter Stelle. Zu Gasspeichern oder zum Energiesparen steht dort nichts. <a href="https://www.cleanthinking.de/energiekrise-eu-sparappell-tankrabatt/">Den Sparappell aus Brüssel und Berlins Antwort darauf</a> haben wir nebeneinandergelegt.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fenergiekrise-tankstelle-gasspeicher-winter.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=75cc431f4292254e3b61031134e05d2e" alt="Tankstelle im Winter vor einer Gasspeicheranlage, Symbolbild zur Energiekrise"/><p>Sie als aufmerksamer Leser dieses Briefings erinnern sich: Letzte Woche stellte Umweltminister Carsten Schneider in New York den deutschen Fahrplan zum Abschied von Kohle, Öl und Gas vor. Am selben Nachmittag brachte Reiche ihre EEG-Novelle in den Bundestag. taz-Autor Nick Reimer nannte den UN-Fahrplan deshalb „Makulatur&quot;. <a href="https://www.cleanthinking.de/eeg-novelle-reiche-sabotage/">Warum Reiches Novelle genau den Ausbau verteuert, den Schneider zusagt</a>, steht bei Cleanthinking.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fenergiekrise-tankstelle-gasspeicher-winter.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=75cc431f4292254e3b61031134e05d2e" alt="Tankstelle im Winter vor einer Gasspeicheranlage, Symbolbild zur Energiekrise"/><h2>Vom Drama zum Durchbruch</h2><p>Am Freitag vor einer Woche nannte Herbert Diess die Speicherpolitik der Bundesregierung im Handelsblatt <a href="https://www.cleanthinking.de/herbert-diess-bidirektionales-laden/">„ein Drama für die Volkswirtschaft&quot;</a>. Der frühere VW-Chef führt heute den Verwaltungsrat von The Mobility House, das Autobatterien am Strommarkt vermarktet. Er spricht also mit einem Geschäftsmodell im Rücken, und er stand nicht allein: BMW, Ford und die VW-Tochter Elli kritisierten dieselben Regeln. Die Zahlen geben ihnen recht. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Die Elektroautos in Deutschland hatten schon Ende 2025 rund 140 Gigawattstunden Batteriekapazität, mehr als dreimal so viel wie alle Pumpspeicherkraftwerke zusammen.</mark></p><p>Diess zielte auf zwei Häuser. Die Bundesnetzagentur arbeitete an Regeln, nach denen Haushalte für das Zurückspeisen aus dem Auto einen zweiten Zähler gebraucht hätten. Reiches Ministerium will mit der EEG-Novelle die Einspeiseleistung neuer Solaranlagen unter 100 Kilowatt dauerhaft halbieren, und weil die Kappung am Netzanschluss greift, trifft sie auch Speicher und Autos dahinter.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/fa457890-9b17-4ca3-a4a2-439a8f23b510/uploads/images/dmia4gwgbj/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Fünf Tage später lenkte die Bundesnetzagentur ein, die Hersteller setzten sich laut Handelsblatt in allen Punkten durch. <a href="https://www.cleanthinking.de/e-auto-stromspeicher-bundesnetzagentur-ein-zaehler/">Für E-Autos als Stromspeicher reicht künftig ein Zähler</a>, die Spanne ohne Förderung für Ladepunkte schrumpft deutlich, der Berechnungsfaktor sinkt von 0,5 auf 0,2. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Das Fraunhofer ISI rechnet laut Handelsblatt mit rund 22 Milliarden Euro Einsparung pro Jahr, vor allem beim Netzausbau, wenn viele Autos tatsächlich als Speicher am Netz hängen.</mark> Am Donnerstag hat die Behörde die Festlegung beschlossen.</p><blockquote><p>„Gute Sachargumente überzeugen diese Behörde.&quot; </p><p><em>Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur</em></p></blockquote><p>Müller erwartet, dass die neuen Regeln <em>„unzählige große und kleine Stromspeicher sowie Ladepunkte&quot;</em> für das Stromsystem aktivieren, so steht es in der <a href="https://www.bundesnetzagentur.de/1116876">Pressemitteilung der Bundesnetzagentur</a>. Reiches EEG-Entwurf rechnet anders. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Anreize für Netzbetreiber, Batteriespeicher anzuschließen, enthält er nicht, obwohl das Fraunhofer ISE allein an 1.313 ländlichen Umspannwerken Platz für Speicher sieht, die 150 Gigawatt zusätzliche Photovoltaik ins Netz bringen könnten.</mark></p><p>Müller sieht jetzt die Hersteller in der Pflicht, Autos und Wallboxen zu liefern. Die stehen bereit: Eon und Octopus Energy bieten schon Tarife an, die das Auto als Speicher nutzen, Volkswagen, Renault und The Mobility House wollen ihren Kund*innen bidirektionales Laden anbieten.</p><p>Für Prosumer gilt dabei eine wichtige Einschränkung, die womöglich übersehen wird. Die Förderung für gespeicherten Solarstrom gibt es nach der neuen Festlegung nur als Marktprämie, also in der Direktvermarktung. Wer für seine Dachanlage die feste Einspeisevergütung bekommt, kann die neuen Möglichkeiten nicht nutzen und lädt seinen Heimspeicher weiter nur mit Solarstrom. <a href="https://www.cleanthinking.de/mispel/">Für wen sich MiSpeL lohnt und was sich für Heimspeicher und Wallbox ändert</a>, haben wir mit Tabelle und FAQ aufgeschrieben.</p><a href="https://www.cleanthinking.de/mispel/">https://www.cleanthinking.de/mispel/</a><h2>Förderende 2045</h2><p>Erneuerbare haben in den ersten drei Quartalen 60,7 Prozent des Stromverbrauchs gedeckt, so viel wie nie, <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-10/erneuerbare-energien-oekostrom-stromverbrauch-anteil-zsw-bdew-gxe">berichtet die ZEIT</a> nach Berechnungen von ZSW und BDEW. BDEW-Chefin Kerstin Andreae fordert deshalb eine schnelle Einigung beim EEG. Genau darüber verhandeln Union und SPD gerade im Bundestag. Die CDU/CSU-Fraktion verlangt laut einer internen Tabelle 86 Änderungen. Die Förderdauer für neue Wind- und Solaranlagen soll von heute 20 Jahren bis 2035 auf zehn sinken, 2045 soll die laufende Förderung ganz enden.</p><p>Für Solarparks im ersten Segment nennt die Fraktion einen Höchstwert von 4,0 Cent je Kilowattstunde. In der Ausschreibung zum 1. Juli lagen die Zuschläge zwischen 4,38 und 4,97 Cent, kein einziges erfolgreiches Gebot hätte also unter die neue Grenze gepasst. Sonderausschreibungen für Speicher lehnt die Fraktion ab, für Biogas fordert sie mehr Geld. <a href="https://www.cleanthinking.de/eeg-novelle-union-papier-foerderende-2045/">Was im Unionspapier zur EEG-Novelle steht</a>, lesen Sie bei Cleanthinking.</p><a href="https://www.cleanthinking.de/eeg-novelle-union-papier-foerderende-2045/">https://www.cleanthinking.de/eeg-novelle-union-papier-foerderende-2045/</a><h2>Einspruch in Karlsruhe</h2><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit;">Die Deutsche Umwelthilfe und vier Mieter*innen haben Verfassungsbeschwerde gegen das Gebäudemodernisierungsgesetz eingereicht, Reiches Heizungsgesetz.</mark> Die Schrift umfasst 139 Seiten, verfasst hat sie Remo Klinger, der schon die Klimaklagen begleitete, die 2021 zum Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts führten.</p><p>Das Gesetz hat die 65-Prozent-Regel gestrichen und das Betriebsverbot für fossile Heizkessel ab 2045 gleich mit. Bis zu 40 Prozent fossiler Brennstoff bleiben dauerhaft erlaubt. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung rechnet bis 2030 mit rund 1,1 Millionen zusätzlich eingebauten Gas- und Ölheizungen gegenüber der alten Rechtslage. Bis 2045 summieren sich die Mehremissionen auf 230 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent, rund zehn Prozent des Budgets, das Deutschland nach Rechnung der Beschwerdeführenden noch bleibt.</p><blockquote><p>„Das Gesetz schafft keine Orientierung, sondern Verwirrung.&quot;</p><p>Remo Klinger, Rechtsanwalt der Beschwerdeführenden</p></blockquote><p>Dass ausgerechnet Mieter*innen klagen, hat einen Grund: Sie bezahlen die Heizkosten einer Heizung, die sie nicht ausgesucht haben. <a href="https://www.cleanthinking.de/verfassungsbeschwerde-gegen-gmodg/">Die Verfassungsbeschwerde gegen das GModG im Detail</a> gibt es bei Cleanthinking.</p><h2>Baustelle der Woche: Schipkau hat den Weltrekord</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/fa457890-9b17-4ca3-a4a2-439a8f23b510/uploads/images/wpunikormg/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Letzte Woche stand an dieser Stelle, dass der große Hub in Schipkau am Wind hängt. Am Montag war es geschafft: Der <a href="https://www.cleanthinking.de/windrad-weltrekord-gicon-hoehenwindrad/">Höhenwindturm von GICON stellt den Windrad-Weltrekord auf</a>, mit 300 Metern Nabenhöhe und 365 Metern Gesamthöhe. In Deutschland ist nur der Berliner Fernsehturm drei Meter höher. Das bisher höchste Serienwindrad in der Oberpfalz kommt auf 199 Meter Nabenhöhe.</p><blockquote><p>„Dieser Weltrekord gehört allen, die mit ihrem Wissen, ihrem Einsatz und ihrer Ausdauer dazu beigetragen haben.&quot; </p><p>Jochen Großmann, Geschäftsführer GICON</p></blockquote><p>Jetzt beginnt der Teil, der über das Projekt entscheidet: der Ertrag. Der Meteorologe Stefan Emeis, früher am Karlsruher Institut für Technologie, hat ein Jahr Mastmessungen aus Schipkau ausgewertet.<mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;"> In 300 Metern Höhe wehte der Wind im Mittel mit 8,51 Metern pro Sekunde, in 150 Metern mit 6,66. Eine Turbine käme damit auf rund 3.800 statt 2.350 Volllaststunden im Jahr, gut 60 Prozent mehr Strom aus derselben Anlage.</mark> GICON selbst erwartet etwa doppelt so viel, unabhängig gemessen ist das noch nicht. Die Pilotanlage trägt eine Turbine mit 3,8 Megawatt, Serientürme sollen deutlich größere tragen.</p><p>Wir bleiben dran, wenn die ersten Betriebsdaten kommen.</p><h2>Buch des Monats: „Arctic Meltdown&quot;</h2><p>Am Donnerstag ist Robert Habecks Buch „Arctic Meltdown&quot; bei Kiepenheuer &amp; Witsch erschienen. Habeck dreht darin die Weltkarte: Wer vom Nordpol aus auf die Erde schaut, sieht ein Mittelmeer aus Eis mit russischen, amerikanischen, kanadischen und europäischen Anrainern. Dieses Mittelmeer erwärmt sich viermal schneller als der Rest der Welt.</p><p>Für dieses Briefing zählt vor allem das Kapitel zu Öl und Gas. Habeck liest die Sperrung der Straße von Hormus als das Ereignis, das den fossilen Weltmarkt unglaubwürdig gemacht hat. Die Lehre von 2022 hieß Diversifizierung, sie trägt für ihn nicht mehr, wenn jede Meerenge zum Pfand werden kann. Heimische Erneuerbare und Elektrifizierung werden damit zur Sicherheitsfrage, und Norwegens CO₂-Speicherprojekt Northern Lights nennt er die Lebensversicherung eines fossilen Geschäftsmodells.</p><p>Ein Gedanke aus dem Schlusskapitel bleibt hängen: Wer den Glauben an eine bessere Zukunft verliert, wählt die Vergangenheit. Unsere <a href="https://www.cleanthinking.de/habeck-arctic-meltdown-rezension/">Rezension von „Arctic Meltdown&quot;</a> ordnet das Buch ein, auf unserer Seite mit <a href="https://www.cleanthinking.de/klimabuecher/">Klimabüchern</a> ist es diesen Monat Buch des Monats. Wie Habeck am Sonntag bei Caren Miosga <a href="https://www.cleanthinking.de/habeck-bei-miosga-soziale-frage-arktis/">vom Nordpol aus auf die Krise der Mitte schaute</a>, haben wir ebenfalls aufgeschrieben.</p><h2>Kurz notiert</h2><p><strong>E-Lkw schlagen den Diesel.</strong> Über fünf Jahre fährt eine deutsche Spedition mit einer elektrischen Sattelzugmaschine 85.400 Euro günstiger als mit einem Diesel, hat Transport &amp; Environment berechnet. In sechs von neun untersuchten EU-Ländern liegt der E-Lkw schon vorn. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit;">Elektrische Lkw seien „der beste Schutz vor Schocks am Ölmarkt&quot;, sagt Johanna Braun von T&amp;E, der Tankrabatt wiege Unternehmen in falscher Sicherheit.</mark> <a href="https://www.cleanthinking.de/e-lkw-guenstiger-als-diesel/">Die Rechnung im Detail</a>.</p><p><strong>Russisches Gas war nie billig.</strong> Eine Zahl, die den angeblichen Preisvorteil belegt, gibt es nicht: Das BAFA hat Einkaufspreise nie nach Herkunftsland ausgewiesen. Belegen lassen sich dagegen die Preisformeln in den Gazprom-Verträgen und die Milliarden, die Staat und Verbraucher ab 2022 zahlten. <a href="https://www.cleanthinking.de/russisches-gas-nie-billig/">Unser Faktencheck zum Russengas</a>.</p><h2>Und Sie?</h2><p>Der Aufruf steht weiter: Zeigen Sie uns Ihre Baustelle der sauberen Zukunft. Ein Speicher, der seit diesem Sommer den Abend versorgt. Eine Wärmepumpe, die den ersten Winter vor sich hat. Ein Dach, das Strom macht. Ein Satz genügt, ein Foto ist besser. <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a></p><p>Ein Ex-Konzernchef und die Autoindustrie haben in fünf Tagen die Regeln für Millionen Speicher verändert, ein Ingenieurbüro aus Dresden baut das höchste Windrad der Welt, Erneuerbare decken mehr als 60 Prozent des Stromverbrauchs. Das Wirtschaftsministerium hat in derselben Woche eine Anweisung erteilt, die zwei Wochen zuvor noch keine sein sollte, und den Diesel verbilligt.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 02 Oct 2026 05:00:02 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Vahrenholt gesteht: Mini-Reaktoren sind zu teuer. Schneider stellt in…]]></title>
      <description><![CDATA[Ein Atomkraft-Autor gesteht, dass Mini-Reaktoren zu teuer sind. Der Umweltminister stellt in New York den Ausstiegsfahrplan vor. Der Markt entscheidet, nicht der Mythos.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Markt schlägt Mythos</h1><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>„<em>Die Small Modular Reactors mit 300 Megawatt sind tatsächlich um etwa 50 Prozent teurer</em>&quot;, sagt Fritz Vahrenholt, den wir schon mal als <a href="https://www.cleanthinking.de/fritz-vahrenholt-apollo-klimadesinformation/">Architekt der Klima-Desinformation</a> bezeichnet haben, der Berliner Zeitung. An dieser Stelle hat er Recht. </p><p>Das ist bemerkenswert, denn Vahrenholt hat gerade zusammen mit Björn Peters ein Buch veröffentlicht, das Kernkraft als <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Schlüssel zum Wohlstand</mark> verkauft. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wirbt parallel für kleine modulare Reaktoren. Eine vertrauliche Unterrichtung des Bundestags durch Reiches Ministerium kommt allerdings zum selben Schluss wie Vahrenholt: Die Technik ist derzeit nicht marktfähig. <a href="https://www.cleanthinking.de/wohlstand-durch-erneuerbare-energien/">Unser Stück zum Mini-AKW-Mythos</a> rechnet vor, wieso.</p><p>Diese Woche zeigt gleich mehrfach, wie der Markt Mythen einholt.</p><p><strong>In diesem Briefing:</strong></p><ul><li><p>Der Wohlstands-Mythos: Ember rechnet gegen Vahrenholts und Reiches Mini-AKW</p></li><li><p>Schneider spielt das lange Spiel: der deutsche Fahrplan bei der UN in New York</p></li><li><p>Wer bremst, verliert Boden: das Autoländer-Papier gegen die eigene Regierungslinie</p></li><li><p>China fährt vor, Deutschland zögert: der E-Lkw-Hochlauf im Vergleich</p></li><li><p>Baustelle der Woche: Schipkau baut das höchste Windrad der Welt</p></li><li><p>Der Markt schützt auch, wo niemand zusieht: Stromtrassen als Lebensraum</p></li></ul><h2>Der Wohlstands-Mythos</h2><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fweltrisikobericht-2026-sturmflut-tropische-kueste.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=84661d6413fff92722d3b4b65ae55147" alt="Sturmflut an einer tropischen Küste mit Palmen und Wellblechhäusern unter dunklen Hurrikanwolken"/><p>Zehn Länder besitzen 73 Prozent allen je gefundenen Öls und Gases. Das ist die halbe Wahrheit der fossilen Welt. Die andere Hälfte liefert der Thinktank Ember in seiner Studie „The Age of Power&quot;: 97 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, deren Sonnen- und Windpotenzial mehr als das Zehnfache ihres heutigen Strombedarfs decken könnte.</p><p>Bis 2040 können nach Embers Rechnung bis zu 15 Billionen Dollar an fossilen Renten von Förderländern zu Verbraucherländern wandern. Die Hälfte der weltweit installierten Solarleistung steht bereits auf Dächern von Privathaushalten, Höfen und Betrieben, zusammen mit Heimspeichern zwölf Prozent der globalen Kraftwerkskapazität. Drei Viertel der Weltbevölkerung bekommen heute schon Solarstrom mit Batteriespeicher für unter 100 Dollar je Megawattstunde, bis 2040 gilt das für neun von zehn Menschen unter 80 Dollar.</p><blockquote><p>„Jedes Land muss die Stromkosten senken&quot;, sagt Ember-Direktor Kingsmill Bond.</p></blockquote><p>Dagegen steht das Kernkraft-Versprechen von Vahrenholt und Peters, verstärkt durch Reiches Werbung für SMR. 90 Prozent der Kosten von Kernenergie sind Kapitalkosten. In einem Stromsystem, in dem mittags reichlich Solarstrom fließt, konkurrieren Reaktoren um dieselben wenigen profitablen Betriebsstunden, jede Stillstandsstunde verteuert den produzierten Strom weiter. Ein Elektroauto braucht für dieselbe Strecke nur ein Drittel der Energie eines Verbrenners, eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Deutschland erzeugt inzwischen 60 Prozent seines Stroms aus Wind und Sonne, hat aber erst rund ein Fünftel seiner Endenergie elektrifiziert.</mark> Genau diese Lücke haben wir letzte Woche mit Ember beschrieben, und genau diese Lücke ist der eigentliche Hebel, nicht der Reaktor.</p><p>Wie wenig es dafür braucht, zeigt Äthiopien. Seit 2024 dürfen dort keine Verbrenner mehr importiert werden, weil die Treibstoffimporte den Staatshaushalt belasteten. Der Renaissance-Staudamm liefert den Strom, in 17 Werken montieren äthiopische Unternehmen Elektroautos, Kleinbusse und E-Zweiräder, ganz ohne Reaktorbau. <a href="https://www.cleanthinking.de/wohlstand-durch-erneuerbare-energien/">Die ganze Rechnung gegen den Mini-AKW-Mythos gibt es bei Cleanthinking.</a></p><h2>Schneider spielt das lange Spiel</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/226d95e8-49c1-44cc-9d8b-a7315861586b/uploads/images/m6c654uxre/Carsten-Schneider-Umweltminister-saubere-Zukunft-statt-fossile-Panik-1024x620.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Am Mittwoch hat das Bundeskabinett den deutschen Fahrplan zum Ausstieg aus Kohle, Erdgas und Öl beschlossen, vorgestellt hat ihn Bundesumweltminister Carsten Schneider am selben Abend in New York, am Rande der UN-Generalversammlung und der Climate Week. Deutschland ist damit das dritte Land nach Frankreich und den Niederlanden mit einer eigenen Roadmap für die internationale TAFF-Initiative, „Transitioning Away from Fossil Fuels&quot;.</p><blockquote><p>„Die aktuelle Weltlage bringt neue Dynamik in die internationale Klimaschutzpolitik&quot;, sagt Schneider dem SPIEGEL.</p></blockquote><p>Das 22-seitige Papier rechnet vor, was die Abhängigkeit kostet: 2024 gab Deutschland 76 Milliarden Euro für importiertes Öl, Gas und Kohle aus, „diese Kosten sind seit der Krise rund um Iran massiv gestiegen&quot;, heißt es darin. 2025 kamen bereits 55 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus Erneuerbaren, erstmals wurden mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verbaut, der Anteil batterieelektrischer Autos an den Neuzulassungen liegt über 30 Prozent. Bis 2030 soll das im März beschlossene Klimaschutzprogramm zusätzlich 2.000 Windkraftanlagen und 800.000 geförderte E-Autos bringen und so über 800 Millionen Liter Benzin sowie mindestens 2,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas einsparen.</p><p>„<em>Das Geld, das wir bisher für den Import von Öl und Gas ausgeben müssen, fließt künftig verstärkt in lokale Wertschöpfung</em>&quot;, sagt Schneider. „<em>Die Abkehr von fossilen Energien verbindet Unabhängigkeit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz miteinander.</em>&quot;</p><p>Kanzler Friedrich Merz blieb der Reise fern, offiziell wegen der Landtagswahlen und des Koalitionsstreits um den Reformkurs. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Das Papier selbst ist trotzdem mit dem Kanzleramt abgestimmt.</mark> Schneider setzt damit auf dieselbe Logik, die auch Ember beschreibt: Wer beim Markt vorangeht, zwingt andere zum Nachziehen. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">„Ich bin sicher, dass viele weitere Länder folgen werden&quot;, sagt er.</mark> Brasilien will im Oktober, rechtzeitig vor der Weltklimakonferenz in der Türkei, seinen eigenen internationalen Fahrplan vorstellen. Je mehr Länder vor der COP eine Roadmap vorlegen, desto schwerer wird es, in der Türkei ohne eine eigene anzureisen. <a href="https://www.cleanthinking.de/fossiler-ausstieg-roadmap-deutschland/">Der vollständige Fahrplan und die Hintergründe stehen bei Cleanthinking.</a></p><h2>Wer bremst, verliert Boden</h2><p>Während Schneider in New York verspricht, bis 2035 ausschließlich batterieelektrische Neuwagen zuzulassen, so wie es die EU-Flottenziele ohnehin vorsehen, fordern <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/briefe-flut-in-brussel-ozdemir-soder-und-lies-fordern-weniger-strenge-regeln-fur-die-autoindustrie-16069409.html">die Autoländer in Berlin das Gegenteil</a>.</p><p>Vergangene Woche haben die Ministerpräsidenten Olaf Lies (SPD, Niedersachsen), Cem Özdemir (Grüne, Baden-Württemberg) und Markus Söder (CSU, Bayern) ein gemeinsames Positionspapier vorgelegt. Es fordert: 2035 nur noch 90 statt 100 Prozent CO2-Minderung, mehr Anrechnung von E-Fuels, ein Aussetzen der PHEV-Nutzungsquote, keine EU-Unternehmensflottenquote.</p><p>„Vorfahrt für Technologieoffenheit und Nein zu Verboten&quot;, sagt Söder und spricht vom „echten Aus vom starren Verbrenner-Aus&quot; und dem „Hightech-Verbrenner&quot;.</p><p>Lies hält dagegen: „Die Elektromobilität bleibt die zentrale Zukunftstechnologie&quot;, die Transformation brauche nur mehr Zeit. Özdemir äußert sich zur Elektromobilität gar nicht erst, sondern nur zu Schutzinstrumenten für die Industrie. Begründet wird das Papier mit 52.000 verlorenen Jobs allein im vergangenen Jahr.</p><p>Nur: Die Jobs gingen verloren, während die Verbrennerstrategie verzögerte, nicht weil zu schnell elektrifiziert wurde. Wer jetzt die Ziele aufweicht, verlängert genau den Zustand, der die Jobs gekostet hat. Das Positionspapier fordert zudem, Antisubventionsmaßnahmen auf Plug-in-Hybride auszuweiten, exakt die Marktabschottung, die europäische Hersteller Brüssel gegenüber China ohnehin schon nahelegen. Schneiders TAFF-Roadmap und das Autoländer-Papier kommen aus derselben Regierung, in dieselbe Woche. Nur eines der beiden liest den Markt richtig. <a href="https://www.bayern.de/wp-content/uploads/2026/09/260917-Gemeinsames-Papier-Autolaender.pdf">Das vollständige Positionspapier steht als PDF bei der Staatskanzlei Bayern.</a></p><h2>China fährt vor, Deutschland zögert</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/226d95e8-49c1-44cc-9d8b-a7315861586b/uploads/images/uw7n7iap5l/e-lkw-hochlauf-daimler-truck-eactros-iaa-1024x576.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Auf der IAA Transportation diese Woche zeigt sich derselbe Mechanismus im Kleinen. In Deutschland waren 2025 gerade einmal 7,1 Prozent der neu zugelassenen Lkw batterieelektrisch, EU-weit sind es 5,6 Prozent, die Niederlande kommen auf 18,2 Prozent. Von rund 232.000 zugelassenen Lkw in Deutschland fahren nur 2.699 rein elektrisch.</p><p>Chinesische Hersteller bauten 2025 rund 95 Prozent aller batterieelektrischen Lkw weltweit. Shandong Heavy Industry allein 55.000 Einheiten, Volvo und Daimler Truck kommen auf jeweils 5.000, Traton auf 3.000. Während Chinas Produktion um 150 Prozent über den Erwartungen liegt, bleibt Europas Hochlauf 80 Prozent darunter zurück.</p><p>„Die Flottengrenzwerte für Lkw wirken und bringen E-Lkw schneller auf die Straße&quot;, sagt Johanna Braun von Transport &amp; Environment Deutschland.</p><p>Windrose-Chef Wen Han baut seine Lkw zu 85 Prozent aus standardisierten Bauteilen, 40 Prozent günstiger als vergleichbare Daimler-Modelle. „Die Hersteller sollten eher standardisierte Fahrzeuge anbieten, anstatt jeden exotischen Kundenwunsch zu bedienen&quot;, sagt Berater Andreas Collet. Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström sagt laut dpa, Wasserstoff sei im eigenen Geschäft nur „ein eher geringer Prozentsatz&quot;. </p><p>MAN-Chef Alexander Vlaskamp kündigt dagegen fünf Milliarden Euro Investitionen bis 2030 an und fordert gleichzeitig Zölle und Lokalisierungspflichten. Auch beim Lkw prallen Markttempo und Protektionismus-Reflex aufeinander. <a href="https://www.cleanthinking.de/e-lkw-hochlauf-china-tesla-deutschland/">Die vollständige Analyse zum E-Lkw-Hochlauf gibt es bei Cleanthinking.</a></p><h2>Baustelle der Woche: Schipkau baut das höchste Windrad der Welt</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/226d95e8-49c1-44cc-9d8b-a7315861586b/uploads/images/vnwgq5p7js/Hoehenwindrad-SPRIND-Horst-Bendix-1024x683.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Bei Schipkau in der Lausitz wächst gerade das höchste Windrad der Welt, und am Ende fehlen ihm nur drei Meter zum Berliner Fernsehturm. 365 Meter Gesamthöhe, Nabenhöhe 300 Meter, in einem einzigen Hub von rund 24 Stunden. Kein Kran der Welt könnte ein komplettes Maschinenhaus in dieser Höhe montieren, deshalb hat die Dresdner Ingenieurgruppe GICON den Turm zweigeteilt: Ein breiter, offener Außenturm dient als Gerüst, darin steckt der schlankere Innenturm, auf dem die Turbine in gut erreichbarer Höhe montiert wird. </p><p>Dann fährt der Innenturm mit Turbine und Rotorblättern nach oben, gezogen von einem Litzenhubsystem, wie man es sonst aus dem Brückenbau kennt, <a href="https://www.ingenieur.de/fachmedien/vdi-energie-umwelt/energie-vdi-energie-umwelt/erneuerbare-energien/365-m-in-24-stunden-die-lausitz-baut-das-hochste-windrad-der-welt/">hier zum ersten Mal an einem Windrad</a>, mit rund neun Metern pro Stunde.</p><p>Die Vorarbeiten sind gemacht: <a href="https://www.linkedin.com/posts/gicon-gruppe_gicon-haemhenwindturm-windenergie-activity-7503037890067836929-RNAM">„Das Transition Piece ist montiert&quot;</a>, meldet GICON, das vom Zulieferer BRÜCK gefertigte Bauteil sitzt auf der Stahlkonstruktion des Innenturms und schafft den Übergang von der eckigen zur runden Geometrie für Maschinenhaus und Rotor. „Auch die drei Rotorblätter sind angekommen&quot;, verteilt auf drei Schwerlasttransporte der Firma Gertzen Krane &amp; Transporte, je 65 Meter lang und rund 15 Tonnen schwer.</p><p>Der große Hub sollte eigentlich am Sonntag, den 20. September, starten. „Sicherheit geht vor Geschwindigkeit&quot;, schreibt GICON selbst, der Start hängt vollständig vom Wetter ab. Ein erster Versuch, die Rotorblätter zu montieren, scheiterte laut dpa an starkem Wind, einen neuen Termin gibt das Unternehmen üblicherweise erst 48 Stunden vorher bekannt.</p><p>Der Aufwand ist gewaltig: über 2.000 Tonnen Stahl, 22.000 Einzelteile im Gittermast. Der Lohn soll es auch sein. GICON verspricht bis zu 220 Prozent mehr Ertrag als eine konventionelle Anlage, weil der Wind in 300 Metern Höhe stärker und stetiger weht, unabhängig gemessen ist das bislang nicht. Serientürme sollen künftig zusätzlich Photovoltaik am Boden tragen, ein Hybridkraftwerk auf der Fläche bestehender Windparks, ohne einen einzigen neuen Quadratmeter. </p><p>Geht die Rechnung auf, sieht GICON Potenzial für bis zu 4.000 solcher Anlagen in Deutschland, bei Turbinen ab acht Megawatt kalkuliert das Unternehmen mit 30 bis 33 Gigawattstunden im Jahr. Getragen wird das Projekt von beventum, einer Tochter der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND, Ideengeber war der 2023 verstorbene Leipziger Ingenieur Horst Bendix. <a href="https://www.cleanthinking.de/innovation-hoehenwindrad-beventum/">Den bisherigen Stand des Projekts gibt es bei Cleanthinking.</a></p><h2>Der Markt schützt auch, wo niemand zusieht</h2><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Zum Schluss eine Baustelle, die niemand als Baustelle erkennt, weil sie unter jeder Freileitung verläuft.</mark> Netzbetreiber müssen die Schneisen unter ihren Stromtrassen freihalten, Jahrzehnte lang geschah das mit dem Kahlschlag. TransnetBW und Netze BW haben sich im Januar verpflichtet, bis 2030 über 95 Prozent ihrer bewaldeten Trassen in Baden-Württemberg stattdessen selektiv zu pflegen: nur die Bäume weichen, die den Leiterseilen zu nahe kommen, Sträucher, Totholz und offene Flächen bleiben.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/226d95e8-49c1-44cc-9d8b-a7315861586b/uploads/images/tbabyrr3ms/oekologisches-trassenmanagement-stromtrasse-wald-mueritz-1024x576.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Profitieren sollen der Blauschwarze Eisvogel, in Deutschland vom Aussterben bedroht, das Platterbsen-Widderchen und die Kreuzotter. In Südschweden und Südost-Norwegen fanden Studien auf solchen Trassen mehr Artenvielfalt als im angrenzenden Wald, mit Effekten noch 500 Meter über die Trassengrenze hinaus. Auf einer einzigen Stromtrasse in Pennsylvania wurden 126 Bienenarten gezählt, fast ein Drittel aller im Bundesstaat bekannten Arten.</p><p>Auch das ist freiwillig, das Bundesnaturschutzgesetz erkennt es bislang nicht automatisch als Ausgleichsmaßnahme an. Amprion, TenneT, TransnetBW und 50Hertz machen es trotzdem. Kein Gesetz zwingt sie dazu, der Markt aus Reputation, Akzeptanz und langfristiger Betriebssicherheit reicht. <a href="https://www.cleanthinking.de/oekologisches-trassenmanagement/">Die ganze Geschichte gibt es bei Cleanthinking.</a></p><h2>Und Sie?</h2><p>Der Aufruf steht weiter: Zeigen Sie uns Ihre Baustelle der sauberen Zukunft. Ein Windrad, das aufgestellt wird. Eine Leitung, die durchgeht. Ein Dach, das seit diesem Sommer Strom macht. Ein Satz genügt, ein Foto ist besser. <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a></p><p>Der Markt entscheidet diese Woche gleich viermal gegen den Mythos: beim Reaktor, bei der Diplomatie, beim Verbrenner, beim Lkw. Wer das ignoriert, verliert nicht den Streit um Worte. Er verliert Marktanteile.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik<br/></p><p><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fweltrisikobericht-2026-sturmflut-tropische-kueste.webp?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg&amp;s=f875d628a64595b438243a6578d5c478" medium="image"/>
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      <pubDate>Fri, 25 Sep 2026 05:00:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Elektrifizieren wir endlich!]]></title>
      <description><![CDATA[Diesel auf Rekord, Berlin will die Mehrwertsteuer auf Sprit senken. Von der Leyen sagt „Let's electrify“. Und ein Paar im Allgäu zahlt sechs Euro Energiekosten im Monat.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>es ist unser Satz der Woche: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">„Let’s electrify.“</mark></p><p>Gesagt hat ihn <strong>Ursula von der Leyen</strong> am Mittwoch im Straßburger Plenum, in ihrer durchaus kraftvollen und emotionalen <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Rede zur Lage der Union</mark>. 90 Milliarden Euro - so viel hat die Länder der EU der Konflikt im Iran bisher gekostet. Denn das ist der Betrag, der wegen der gestiegenen Öl- und Gaspreise zusätzlich bezahlt werden musste - ohne dafür ein einziges Molekül mehr zu erhalten. Die Antwort der Präsidentin? <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Schneller investieren</mark>, <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Netzanschlüsse beschleunigen</mark>, <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Speicher entwickeln</mark>.</p><blockquote><p>Oder kurz: Let’s electrify.</p></blockquote><p>Bis 2040 soll sich der Anteil des Stroms am europäischen Energieverbrauch verdoppeln. Das spart nach von der Leyens Rechnung <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">260 Milliarden Euro im Jahr an fossilen Importen</mark>. „Let’s electrify“ ist damit das zarte, aber ernst gemeinte Bekenntnis Europas, sich in Richtung <strong>Elektrostaat </strong>zu bewegen. Ob daraus eines Tages so etwas wie ein <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Commonwealth der Elektrostaaten</mark> wird, ist heute nicht entschieden. Aber die Richtung war in dieser Rede unmissverständlich: Kanada als assoziiertes Mitglied näher an Europa, klare Kante gegenüber Washington, Peking und den Tech-Konzernen. „Wir setzen unsere eigenen Regeln.“</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a2eac1ba-a907-4e7e-8d31-6b703d75dadb/uploads/images/mcobhdj4vd/Screenshot_2026-09-16_092213.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Und Deutschland? Deutschland streitet zeitgleich darüber, wie es fossilen Kraftstoff billiger machen kann.</p><h2>Das fossile Casino</h2><p>Am Mittwoch kostete ein Liter Diesel im bundesweiten Tagesschnitt 2,453 Euro. An manchen Autobahnen wurden mehr als 3,00 Euro verlangt. Der Durchschnittswert ist laut ADAC ein Allzeithoch, es übertrifft den bisherigen Rekord aus dem April. Beim Benzin werden schon länger Rekordpreise verlangt. Diese Preise entstehen nicht in Berlin. Die Huthi-Miliz hat die Meerenge Bab al-Mandab eingenommen. Damit ist die durch die Sperrung der Straße von Hormus etablierte Alternativroute ins Rote Meer ebenfalls blockiert. Die Folge: Die Ölsorte Brent kostet deutlich über 100 Dollar je Barrel. Inflationssorgen grassieren.</p><p>Die Politik ist angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen aufgeschreckt und überbietet sich mit Vorschlägen. Wie dynamisch die Lage ist, zeigt, dass einer der Kernvorschläge - die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent - am Mittwoch <a href="https://www.cleanthinking.de/entlastungen-bei-spritpreisen-klimageld/">zum Zeitpunkt unseres Kommentares zu den Spritpreisen</a> noch nicht einmal auf dem Tisch lag.</p><p>Mittlerweile kristallisiert sich heraus, dass es zunächst zum 1. Oktober die Mehrwertsteuer-Senkung geben könnte - und zusätzliche Maßnahmen für Spediteure folgen. <br/></p><p>Unionsfraktionschef Thorsten Frei hält das Tempo für machbar:</p><blockquote><p>„Ich glaube, wenn man das jetzt zügig macht, kann das zum 1. Oktober gelingen. Wenn wir eng zusammenarbeiten, auch im Parlament, dann ist das eine Chance.“</p><p>Thorsten Frei, Unionsfraktionschef, in der ARD-Sendung maischberger</p></blockquote><p>Als Beleg dafür, dass so etwas schnell geht, nannte Frei den Tankrabatt vom Frühjahr. Ausgerechnet. Schnell war der. Gewirkt hat er nicht: Der Staat hat gezahlt, die Preise an der Zapfsäule sind trotzdem gestiegen. Und ob eine gesenkte Mehrwertsteuer beim Kunden landet, lässt sich in jedem Restaurant überprüfen. Dort gilt der verminderte Satz. Die Weitergabe an die Gäste erfolgte nicht immer.</p><p>Klimaforscher Niklas Höhne vom NewClimate Institute wurde am <a href="https://www.linkedin.com/posts/niklashoehne_tankrabatt-mehrwertsteuersenkung-oder-preisdeckel-ugcPost-7505978984283914240-Dye5/">Mittwoch bei ntv gefragt</a>, ob Freis Vorschlag sinnvoll sei. Seine Antwort:</p><blockquote><p>„Nein, leider nicht. Das ist einfach, populär, schnell umzusetzen. Deswegen wird das gerne erwähnt. Aber es ist leider kurzfristig gedacht und kontraproduktiv. Die Zeit von billigem Öl, die wird nicht zurückkommen.“</p><p>Niklas Höhne, Klimaforscher, NewClimate Institute · ntv, 17.09.2026</p></blockquote><p>Was es stattdessen braucht, sagt Höhne: Benzin und Diesel müssen teuer bleiben, sonst steigt niemand um. Das sei unpopulär, aber nötig. Der Umstieg muss dafür möglich sein, mit billigerem Nahverkehr, zinslosen Krediten für E-Autos und Direktzahlungen für die, die beides nicht nutzen können, „aber auch nur diese“. Speditionen und Handwerksbetrieben wäre mit zinslosen Krediten für Lieferwagen und Lkw mehr geholfen als mit billigerem Diesel: Wer den Strom auf dem Dach der eigenen Lagerhalle erzeugt, tankt zehnmal so günstig.</p><p>Und dann nennt er die Zahl, um die es bei der Übergewinnsteuer geht:</p><blockquote><p>„Die Ölkonzerne machen derzeit nur innerhalb der EU und nur für Benzin und Diesel zusätzliche Gewinne von einer Milliarde alle drei Tage. Die Industrie gefährdet das Klima und profitiert von der Krise. Da sollte man unbedingt was tun und die rechtlichen Bedenken aus dem Weg räumen.“</p><p>Niklas Höhne</p></blockquote><p>Sein Schluss: Die Krise müsse genutzt werden, um die Transformation weiterzutreiben, „<em>und nicht rückwärtsgewandt einfach die jetzige Abhängigkeit zu zementieren. Das würde passieren, wenn wir Steuern senken oder einen Preisdeckel einführen würden</em>.“</p><p>Das bestätigt sogar die Tankstellenbranche. Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband: Weil in den USA die Spritpreise niedrig gehalten werden, verdienen die Konzerne ihr Geld woanders. „<em>Und das ist bei uns, das ist in Europa.</em>“ Der Staat ist es jedenfalls nicht. Die Energiesteuer ist ein Festbetrag je Liter, bei 65 Cent bleibt sie bei 65 Cent, ob der Liter zwei Euro kostet oder drei.</p><p>Eine gesenkte Mehrwertsteuer auf Sprit verbilligt Öl, das knapp ist. Sie macht niemanden unabhängiger von dem Preis, der gerade jede Tankfüllung teurer macht. Der Staat sitzt damit weiter am Tisch des fossilen Casinos, das er eigentlich verlassen müsste. Wir erinnern uns: Let’s electrify.</p><p>Am Sonntag wählen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Im Vorfeld hat sich der Youtuber Marcant mit Klima-Aktivisten Luisa Neubauer oben auf dem Windrad verabredet:</p><a href="https://www.cleanthinking.de/talk-im-windrad-neubauer-marcant/">https://www.cleanthinking.de/talk-im-windrad-neubauer-marcant/</a><h2>Warum das der falsche Reflex ist</h2><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Am selben Tag, an dem von der Leyen „Let’s electrify“ sagte, hat der Energie-Thinktank Ember eine Analyse vorgelegt, die erklärt, warum der Berliner Reflex in die falsche Richtung zeigt.</mark></p><p>Wir erzählen zwei Revolutionen, wo eine ist, sagt Ember. Die digitale und die elektrische laufen über dasselbe Elektron, dieselben Bauteile, dieselben Fabriken. Chips, Sensoren, Leistungselektronik, Batterien und Motoren stecken im Smartphone genauso wie in der Wärmepumpe. Ihr Preis ist seit 1990 um 99 Prozent gefallen, und jeder Kauf in der einen Welt verbilligt die andere.</p><p>Der Befund für Deutschland ist unbequem: Wir bauen Erneuerbare, und wir elektrifizieren nicht. Rund 40 Prozent unseres Stroms kommen aus Wind und Sonne. Aber nur etwa ein Fünftel unserer gesamten Endenergie ist überhaupt Strom. Der Rest wird verbrannt. Genau deshalb merken die Menschen den Ausbau nicht auf ihrer Rechnung, und genau deshalb trifft sie jeder Ölpreisschock mit voller Wucht.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a2eac1ba-a907-4e7e-8d31-6b703d75dadb/uploads/images/vm7mhyh76l/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Aus dieser Analyse wird in den nächsten Wochen bei uns eine ausführliche Erklärstrecke: Was die Electrotech-Revolution ist, was ein Elektrostaat ist, und was beides mit Ihrem Dach zu tun hat. Auf Deutsch gibt es das bisher nicht.</p><h2>Die Baustelle der sauberen Zukunft</h2><p>Man kann das Elektrifizieren aber auch einfach selbst anfangen. Letzte Woche haben wir Ihnen versprochen, ab sofort jede Woche eine Baustelle der sauberen Zukunft in den Mittelpunkt zu rücken. Mit Namen, mit Ort, mit Gesicht. Die erste war Brunsbüttel, wo auf einem Atomgelände ein Batteriespeicher entsteht. Die zweite steht in Marktoberdorf im Allgäu, und sie kam per Mail, als Antwort auf unseren Aufruf.</p><p>Fritz Hindelang ist 72. Von Mai 2018 bis Mai 2021 hat er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Evelin Hackenberg ein Haus von 1950 saniert, in dem die beiden heute wohnen. Knapp 10.000 Stunden Eigenleistung. Das Grundstück war nur mit dem Fahrrad zu erreichen, der Keller wurde ausgegraben und von außen gedämmt, aus 80 Quadratmetern wurden 120, aus einem Haus mit Ölzentralheizung ein KfW-55-Haus mit Luft-Wasser-Wärmepumpe, Fußbodenheizung, Lüftung mit Wärmerückgewinnung, knapp zwölf Kilowatt Photovoltaik auf Dach und Balkonen, zehn Kilowattstunden Speicher und einer Wallbox für das E-Auto.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=aZUgSQ5PGzs">https://www.youtube.com/watch?v=aZUgSQ5PGzs</a><p>Heizen, Warmwasser, Haushaltsstrom und rund 9.300 Kilometer E-Auto, inklusive Grundgebühr und Laden unterwegs, kosteten die beiden 2024 unterm Strich 71 Euro. Im ganzen Jahr. Das sind sechs Euro im Monat, nach Abzug dessen, was der Versorger für den eingespeisten Strom zahlt. 2025 waren es 8,30 Euro im Monat. Die Anlage deckte 78 beziehungsweise 85 Prozent des gesamten Bedarfs selbst.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a2eac1ba-a907-4e7e-8d31-6b703d75dadb/uploads/images/2vhacrrozx/quotecard-hindelang.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><blockquote><p>„Wir sind weitgehend unabhängig. Energiekosten spielen bei uns keine Rolle mehr.“</p><p>Fritz Hindelang, Marktoberdorf, per Mail an die Redaktion</p></blockquote><p>2024 bekamen die beiden dafür den Preis „gscheid saniert“ der Allgäuer Zeitung und des Energie- und Umweltzentrums Allgäu. Hindelang ist inzwischen zertifizierter Allgäuer Klimabotschafter und hat sein Projekt auf zwanzig Seiten dokumentiert, mit Wandaufbauten, Heizkurve und der kompletten Monatsabrechnung zweier Jahre. Wer wissen will, wie das geht, findet es dort. <a href="https://www.hindelangsoftware.de/gscheidsaniert.pdf">Fritz hat seine Aktivitäten hier eindrücklich dokumentiert</a>.</p><p>Sechs Euro im Monat, während der Liter Diesel 2,45 Euro kostet. Das ist der Unterschied zwischen einem Haushalt, der elektrifiziert hat, und einem, dem die Mehrwertsteuer gesenkt wird.</p><h2>Vermeiden ist billiger als einfangen</h2><p>Das UN-Umweltprogramm hat in seinem Overshoot-Report vorgerechnet, was Klimaschutz kostet, wenn man ihn vorne macht statt hinten: Bis 2035 ließen sich 41 Milliarden Tonnen Kohlendioxid im Jahr vermeiden, zu Kosten von höchstens 200 Dollar je Tonne. Die Hälfte davon für weniger als 20 Dollar. Der größte Posten liegt im Energiesektor. Die Rechnung setzt voraus, dass die Welt 2020 mit dem Handeln begonnen hätte. Jedes Jahr Verzögerung macht sie teurer.</p><p>Die WELT hat aus demselben Report „katastrophale Folgen“ hoher Klimaschutzkosten herausgelesen. Claudia Kemfert, Niklas Höhne und Mojib Latif haben diese Deutung für uns geprüft, statt sie stehen zu lassen.</p><a href="https://www.cleanthinking.de/klimaschutz-kosten-bojanowski-kemfert/">https://www.cleanthinking.de/klimaschutz-kosten-bojanowski-kemfert/</a><p>Und für das, was sich nicht mehr vermeiden lässt, gibt es auf Island eine gute Nachricht, die ohne Superlative auskommt. Jan Wurzbacher, Mitgründer und Co-Chef von Climeworks, beginnt seinen Bericht über anderthalb Jahre Mammoth so:</p><blockquote><p>„Bahnbrechende Industrietechnologien reifen nicht im Labor. Sie reifen im Betrieb.“</p><p>Jan Wurzbacher, Mitgründer und Co-Chef von Climeworks</p></blockquote><p>Die Anlage ging im Mai 2024 mit zwölf von 72 geplanten Kollektorcontainern in Betrieb und blieb unter den Erwartungen. Climeworks stoppte den Ausbau und begann zu messen. Jetzt liefern zwei Container seit sechs Monaten zuverlässig 1,37 Tonnen Kohlendioxid pro Tag. Die Betriebskosten je Tonne haben sich mehr als halbiert. Im ersten Halbjahr 2026 hat die Anlage 675 Tonnen netto entnommen, nach 119 Tonnen im Vorjahreszeitraum. Der Kapazitätsfaktor liegt bei 40 bis 50 Prozent, Solarparks kommen auf 20 bis 25, Windparks auf 30 bis 40.</p><a href="https://www.cleanthinking.de/climeworks-mammoth-durchsatz-kosten-2026/">https://www.cleanthinking.de/climeworks-mammoth-durchsatz-kosten-2026/</a><p>Das ist keine Lösung für 40 Milliarden Tonnen im Jahr. Es ist der Beweis, dass die Technik funktioniert, die wir für den Rest brauchen werden.</p><h2>Wir bleiben unbequem</h2><p>Nächsten Donnerstag gibt es im Bundestag die erste Lesung zu EEG-Novelle und Netzpaket stattgefunden. Der Konstruktionsfehler, den wir hier seit Wochen kritisieren, steht weiter drin: Neue Anlagen in überlasteten Netzgebieten können bis zu sechs Jahre lang für 18 bis 20 Prozent ihrer Jahresstrommenge ohne Entschädigung abgeregelt werden. Das Risiko wandert vom Netz zum Betreiber.</p><p>Es bleiben Wochen, in denen das repariert werden kann. Wer „Let’s electrify“ ernst meint, fängt hier an.</p><h2>Und Sie?</h2><p>Der Aufruf von letzter Woche gilt weiter, und Fritz Hindelang hat ihm das erste Gesicht gegeben. Zeigen Sie uns Ihre Baustelle. Ein Windrad, das aufgestellt wird. Eine Leitung, die durchgeht. Ein Dach, das seit diesem Sommer Strom macht. Ein Satz genügt, ein Foto ist besser. <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a></p><p>Und teilen Sie, was diese Woche gelungen ist. Nicht aus Höflichkeit. Sondern weil sonst niemand erfährt, dass es gelungen ist.</p><p>In diesem Sinne,<br/>Ihr Martin Jendrischik</p><p></p><p></p><p></p><p></p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 18 Sep 2026 05:00:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wohin wir schauen]]></title>
      <description><![CDATA[Warum wir ein fertiges CT Briefing verworfen haben und was wir stattdessen zeigen: einen Speicher auf dem Gelände des AKW Brunsbüttel...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Blick nach vorn</h1><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>wir haben diese Woche ein versandfertiges CT Briefing wieder gelöscht.</p><p>Es war fast 3.000 Wörter lang, jede Zahl gegen Primärquellen geprüft, jedes Zitat gegen das Plenarprotokoll. Es zerlegte eine Rede aus dem Deutschen Bundestag, in der behauptet wurde, das Kraftwerk Moorburg sei zerstört worden, &quot;ohne dass es eine einzige Stunde am Netz war&quot;. Moorburg lief sechs Jahre und lieferte 34,3 Terawattstunden Strom. Der Betreiber Vattenfall hat es 2020 freiwillig zur Stilllegung angemeldet, weil es Verluste machte.</p><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Die Gegenrede war zutreffend. Und sie soll hier trotzdem keinen Raum mehr einnehmen.</mark></p><p>Der Wahlsonntag war eine <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Zäsur</mark>, die unser Handeln verändern muss. Unser CT Briefing hätte einer (verlogenen) Erzählung Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl wir sie widerlegt hätten. Aber im Kampf um Deutungshoheit verlieren wir als vernünftiger Teil der Gesellschaft derzeit gnadenlos. Narrative schlagen Fakten. Bilder wecken Emotionen und Gefühlte. Gefühlte Wahrheiten werden durch ständige Wiederholung zu alternativen Fakten. </p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Deshalb beginnt mit diesem CT Briefing ein neuer Weg, eine neue Zeitrechnung.</mark></p><hr aria-hidden="true"/><h3><strong>Wir messen mit Maßstäben, die nicht greifen</strong></h3><p>Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben in den letzten Wochen alle dasselbe getan: Wahlprogramme durchgerechnet, Aussagen geprüft, Widersprüche aufgelistet. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle hat sauber gerechnet: 128 Maßnahmen im Programm der stärksten Partei verursachen Kosten, nur 28 davon lassen sich überhaupt beziffern. Diese 28 kosten zwischen 1,6 und 2 Milliarden Euro. Von jedem Euro, der ausgegeben werden soll, sind weniger als zehn Cent gedeckt.</p><p>Rational gesehen: Vernichtend für die Partei dahinter. Aber genau diese hat mehr als 43 Prozent der Wählerstimmen gewonnen. </p><p>Unsere Maßstäbe - also Daten, Fakten, Wissenschaft - gelten nicht mehr. Legen wir sie zur Gegenrede an, verschaffen wir nur den alternativen Fakten zusätzliche Aufmerksamkeit. Jede Widerlegung, die nichts bewirkt, ist auch eine Wiederholung des Falschen. Machen wir, die wir es entscheiden können, Schluss mit der Verbreitung von Jubelbildern derjenigen, die unsere Demokratie zerstören wollen. Schluss mit Aufmerksamkeit für die Menschen, die - bestätigt durch Kanzler Merz - nichts Anderes als ethnische Säuberung anstreben. <br/><br/>Schluss damit, vergangene Zeiten durch Emotionen zu vergolden. Die Simson des Wahlsiegers steht dafür exemplarisch. Denn zu dieser hat der Hallenser YouTuber <strong>Der Dunkle Parabelritter</strong> die Wahrheit beigesteuert: Zu DDR-Zeiten war das Ding alles andere als Kult. Fünfzehnjährige fanden es zu lahm, dreißig Kilometer Reichweite nur. Und wer eine hatte, wollte etwas Schnelleres. </p><p>Aus einem Verkehrsmittel, das damals niemand cool fand, ist vierzig Jahre später ein Heimatsymbol geworden, weil jemand es geschickt in Szene gesetzt hat. Genau so entstehen politische Bilder. Nicht aus dem Gegenstand, sondern aus der Aufmerksamkeit, die man ihm schenkt.</p><p>Womit wir bei uns wären.</p><p>Der Ökonom Patrick Kaczmarczyk hat es in dieser Woche in einem Podcast so gesagt:</p><blockquote><p>&quot;Es geht eben nicht um Fakten, um Rationalität, sondern es geht um Emotionen, um Ängste, die geschürt werden.&quot;</p><p>Dr. Patrick Kaczmarczyk, Ökonom, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=0jaKWih2R-I">Surplus Magazin, Podcast vom 8. September 2026</a></p></blockquote><p>Wer so gewinnt, muss nach der Wahl nichts einlösen. Die Kernkraftwerke, die in dieser Erzählung Deutschland retten sollen, bräuchten mindestens dreizehn Jahre Bauzeit. Hinkley Point C in Großbritannien kostet inzwischen 35 Milliarden Pfund und liefert Strom zu einem garantierten Preis von umgerechnet rund 15 Cent je Kilowattstunde, festgeschrieben auf 35 Jahre. Der französische Rechnungshof hat für Flamanville 3 nachgerechnet: 17 Jahre Bauzeit, 23,7 Milliarden Euro. Das ist keine Energiepolitik. Das ist ein Gefühl, Atomkraft müsse ein Rettungsanker für hohe Energiekosten sein.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=0jaKWih2R-I">https://www.youtube.com/watch?v=0jaKWih2R-I</a><p>Wir werden daher in Zukunft ein Stück anders agieren. Was zählt, ist der Blick nach vorn. Mit Stolz auf das, was in diesem Land gut funktioniert. Mit Freude daran, was gerade neu gebaut und geschaffen wird. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Mit der klaren Hoffnung, dass ein besseres Leben innerhalb der planetaren Grenzen möglich ist.</mark></p><hr aria-hidden="true"/><h3><strong>Wohin die Aufmerksamkeit gehört</strong></h3><p>Wir kennen die Bilder der einen Seite alle. Fragen Sie sich einmal, welches Bild Sie von der großen Transformation, von der Energie-, Verkehrs- oder Wärmewende aus dieser Woche im Kopf haben.</p><p>Vermutlich keines. Dabei ist Einiges passiert:</p><p><strong>Der Automarkt ist gekippt.</strong> Im August waren 32,4 Prozent aller neu zugelassenen Autos in Deutschland vollelektrisch. Vor einem Jahr waren es 19,0 Prozent. 68.930 Fahrzeuge, ein Plus von 75 Prozent. Rechnet man Hybride hinzu, fährt fast jeder zweite Neuwagen zumindest teilweise elektrisch. Benziner minus 37,9 Prozent, Diesel minus 17,3 Prozent. Diese Zahlen stammen nicht von einer Lobby, sondern vom Kraftfahrt-Bundesamt. <a href="https://www.cleanthinking.de/auto-neuzulassungen-august-2026/">Unsere Auswertung der August-Zahlen</a>.</p><p><strong>Der größte Windpark des Landes braucht keine Förderung mehr.</strong> Bei He Dreiht in der Nordsee stehen alle 64 Turbinen. Rechnerisch versorgt der Park 1,1 Millionen Haushalte. Gebaut hat ihn EnBW ohne einen Cent EEG-Vergütung. In den ersten sieben Monaten des vergangenen Jahres gingen in Deutschland null Megawatt Offshore-Windleistung ans Netz. In denselben Monaten dieses Jahres waren es 1.194 Megawatt. <a href="https://www.cleanthinking.de/he-dreiht-offshore-windpark/">Unser Bericht zu He Dreiht</a>.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bbda8301-a78b-4482-ac1c-13fec9a8a56d/uploads/images/qw4ymfuzqs/Batteriespeicher_Brunsbuttel.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>Und auf dem Gelände eines Atomkraftwerks entsteht ein Speicher.</strong> Vattenfall hat am Mittwoch die Investitionsentscheidung für einen Batteriespeicher in Brunsbüttel getroffen: 254 Megawatt, 1.000 Megawattstunden, Ende 2028 am Netz. Auf demselben Gelände wird seit 2011 der alte Reaktor zurückgebaut, und das dauert noch bis weit in die 2030er Jahre. Das Neue steht, Jahre bevor das Alte verschwunden ist.</p><p>Einige Medien haben die Meldung gebracht. Alle als schnell umgeschriebene Pressemitteilung. Was keines davon hatte: den Satz, den Claus Wattendrup, Leiter Solar und Batterien bei Vattenfall, am selben Tag auf LinkedIn schrieb:</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fclaus-wattendrup-vattenfall-zitat-brunsbuettel-880.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=910bd3dd689c793a4a19c4e6b447f82a" alt="Claus Wattendrup, Leiter Solar und Batterien bei Vattenfall: Heute ist einer der stolzesten Tage meines Berufslebens. Foto: Vattenfall"/><p>Ein Konzernmanager, der öffentlich Stolz zeigt, weil auf einem Atomgelände ein Speicher entsteht. Das ist die Emotion, die dieser Erzählung fehlt, und sie ist echt. Wir haben daraus die erste Folge einer neuen Serie gemacht: <strong>Gestalter der sauberen Zukunft</strong>, ein Gesicht, ein Zitat, vier Zahlen. <a href="https://www.cleanthinking.de/batteriespeicher-brunsbuettel-vattenfall/">Der ganze Artikel zu Brunsbüttel</a>.</p><p>Jede dieser Zahlen ist größer als alles, was in irgendeiner Bundestagsrede an Untergang beschworen wurde. Aber diesen Stolz, diese Zahlen hat niemand wahrgenommen, weil sie nicht verbreitet wurden. Das ist unser Versäumnis als Gesellschaft, die eine bessere Zukunft bauen will. Brunsbüttel steht dafür symbolisch.</p><hr aria-hidden="true"/><h3><strong>Damit kein Missverständnis entsteht: Wir bleiben unbequem</strong></h3><p>Wer den Aufbruch feiert, muss auch die Fehler benennen, sonst wird er Propagandist.</p><p>In dieser Woche hat die Bundesregierung die EEG-Novelle und das Netzpaket als Drucksache 21/7867 in den Bundestag eingebracht. Darin steckt ein Konstruktionsfehler, den wir hier seit Wochen kritisieren: Der sogenannte Redispatch-Vorbehalt erlaubt es, neue Anlagen in überlasteten Netzgebieten bis zu sechs Jahre lang für 18 bis 20 Prozent ihrer Jahresstrommenge ohne Entschädigung abzuregeln. Das Risiko wandert damit vom Netz zum Betreiber. Wer heute in eine Freiflächenanlage investiert, weiß nicht mehr, was er in fünf Jahren verdient. Dazu kommt die Direktvermarktungspflicht bis hinunter in kleine Anlagen.</p><p>Die erste Lesung ist für die Woche ab dem 21. September angesetzt, verabschiedet werden soll bis Ende Oktober. Es bleiben also sechs Wochen, in denen der Bundestag das reparieren kann. <a href="https://www.cleanthinking.de/netzpaket-3-aenderungen-energiewende-folgen/">Unsere Einordnung der drei folgenreichsten Änderungen</a> finden Sie bei Cleanthinking.</p><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Auch das gehört zur sauberen Zukunft: Sie wird gerade gebaut, und sie wird gerade an einer Stelle unnötig verteuert.</mark></p><hr aria-hidden="true"/><h3><strong>Was wir vorhaben, und warum wir Sie dafür brauchen</strong></h3><p>Dieses CT Briefing hat mittlerweile mehr als <strong>2.000 Abonnenten</strong> (DANKE!), und etwa die Hälfte von Ihnen öffnet es jede Woche. Das ist, gemessen an den Reichweiten, um die es oben ging, <strong>gar nichts</strong>. Und es ist trotzdem unendlich wertvoll, weil die Reichweite nicht durch russische Bot-Farmen oder unkritische Influencer-Videos künstlich erzeugt wird, sondern mit echten Menschen, mit echten Gestaltern der sauberen Zukunft, zu tun hat. </p><p>Als CleanThinking rücken wir ab sofort jede Woche in diesem Briefing und auf allen unseren Kanälen mindestens eine “Baustelle der sauberen Zukunft” in den Mittelpunkt. Ein Windrad, das aufgestellt wird. Eine Leitung, die durchgeht. Ein Betrieb, der seinen Gasbrenner ersetzt. Mit Namen, mit Ort, mit Termin und mit Gesicht. Nicht nur die Anlage oder Technologie, sondern die Menschen davor und die Geschichten dahinter. </p><p>Dafür brauchen wir Sie, und zwar ganz konkret:</p><p><strong>Erstens: Zeigen Sie uns “Ihre” Baustelle.</strong> Zeigen Sie uns, wo Deutschland funktioniert. Wo Zukunft gebaut wird. Wo schmutzig in sauber verwandelt wird. Ganz gleich, ob in Berlin, München, Köln oder Halle an der Saale, Schönebeck oder Köthen. Wenn in Ihrer Nähe etwas gebaut wird, das zur sauberen Zukunft gehört, schreiben Sie uns. Ein Satz genügt, ein Foto oder Video ist besser. Sie wohnen neben diesen Projekten, wir nicht. <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a></p><p><strong>Zweitens: Teilen Sie selbst Ihre eigenen Aktivitäten auf allen Kanälen.</strong> Zeigen wir Hoffnung und saubere Zukunft statt Empörung und Spaltung. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit"> Jeder Post, jeder Share, jede positive Emotion hilft.</mark></p><p>Fangen Sie heute an: Mit Brunsbüttel. Der Artikel liegt auf <a href="http://cleanthinking.de/">cleanthinking.de</a>, die Karte mit Wattendrups Satz auf allen unseren Kanälen. Teilen Sie ihn dort, wo Sie unterwegs sind: <a href="https://lnkd.in/p/d7hBxdCM">auf LinkedIn</a>, <a href="https://www.facebook.com/cleanthinking/posts/pfbid09sfhrXxRurn8Rr3Mfb3dKY9epH5AXjfKptVCWwBsRrj4pY8zZQKAW2d1dkbRYCg7l">auf Facebook</a>, <a href="https://wsocial.eu/profile/cleanthinking.wsocial.eu/post/3mv6ptwvav22x">auf Bluesky</a>, oder in der Familiengruppe, im Vereinschat, per Mail an einen Kollegen. </p><p>Denn Wattendrups Satz sagt mehr über die Energiewende und die saubere Zukunft als im Grunde alles, was diese Woche im Deutschen Bundestag besprochen wurde. Wenn eintausend Leserinnen und Leser dieses CT Briefings den Stolz des Vattenfall-Managers auf einen Speicher auf einem Atomgelände verbreiten, hat er an diesem Wochenende mehr Reichweite als die Pressemitteilung, aus der alle anderen abgeschrieben haben. <a href="https://www.cleanthinking.de/batteriespeicher-brunsbuettel-vattenfall/">Hier ist der Artikel</a>.</p><p><strong>Drittens: Trommeln Sie für die saubere Zukunft.</strong> Wir alle wollen eine Zukunft, in der wir freiheitlich, sicher, gesund und in Wohlstand leben können. Diese saubere Zukunft erreichen wir nicht durch die Rückkehr in die Vergangenheit. Wir haben die Technologien, das KnowHow und die Kraft, dass die Zukunft viel besser wird als die derzeit oft glorifizierte Vergangenheit. Leiten Sie das CT Briefing bitte weiter an die Menschen in Ihrem Umfeld. </p><p>Sie finden uns auf <a href="https://www.facebook.com/cleanthinking">Facebook</a>, <a href="https://www.instagram.com/cleanthinking.de/">Instagram</a>, <a href="https://www.linkedin.com/in/martinjendrischik/">LinkedIn</a>, <a href="https://wsocial.eu/profile/cleanthinking.wsocial.eu">Bluesky / W Social</a> und (in Kürze) Wedium. Und natürlich täglich auf <a href="http://cleanthinking.de/">cleanthinking.de</a>.</p><hr aria-hidden="true"/><h3><strong>Was wir unter der sauberen Zukunft verstehen</strong></h3><p>Zum Schluss eine Klarstellung.</p><p>Die saubere Zukunft ist kein Verzichtsprogramm. Sie ist die Feststellung, dass die großen Probleme dieses Jahrhunderts zusammenhängen und deshalb auch zusammen gelöst werden. Wer eine Wärmepumpe einbaut, senkt eine Heizkostenrechnung, kappt eine Abhängigkeit von einer Pipeline und schützt das Klima. Alles in einem Vorgang. </p><p>Wer ein Umspannwerk oder einen Batteriespeicher baut, sichert Gewerbesteuer für die Kommune und Versorgungssicherheit im Land. Wer eine Batteriezellfabrik hochzieht, macht Industriearbeit zukunftsfähig.</p><p>Dieser Wandel, diese große Transformation, ist teilweise mühsam und erzeugt Reibung. Aber sie ist im Gange. Überall im Land, ja beinahe überall auf der Welt. Seien wir stolz auf das, was schon gelungen ist: Die Energiewende ist ein globales Erfolgsprojekt. Schauen wir mit Klarheit auf die Wegstrecke, die noch vor uns liegt. Packen wir an, statt uns über Berlin zu empören. </p><p>Wir sind das Magazin für die Gestalter der sauberen Zukunft. Das war bisher eine Beschreibung unserer Leserschaft. Und die Beschreibung für diejenigen, denen wir Sichtbarkeit bieten. Ab heute ist es (auch) eine Aufforderung…</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/bbda8301-a78b-4482-ac1c-13fec9a8a56d/teaser_image/1789069238?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg" medium="image"/>
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      <pubDate>Fri, 11 Sep 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Streit um Gestern]]></title>
      <description><![CDATA[Eine TUM-Studie, die keiner gelesen hatte, ein Uni-Präsident im Eigentor, ein Kanzler im Rückspiegel. Dazu: Teslas Cybercab in Austin, UNEP und WMO.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>32,4 Prozent. So hoch war im August der Anteil rein elektrischer Autos an den Neuzulassungen in Deutschland, ein Plus von 75 Prozent zum Vorjahr. Benziner: minus 38 Prozent. Diesel: minus 17 Prozent. Der CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte<a href="https://www.cleanthinking.de/auto-neuzulassungen-august-2026/"> fiel auf 86 Gramm pro Kilometer</a>. </p><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">In der vergangenen Woche stritt Deutschland darüber, ob das Elektroauto überhaupt eine gute Idee ist.</mark></p><p>Auslöser war eine Studie, die exklusiv an die Bild am Sonntag gegeben wurde, offenbar, um sie gezielt und ohne Widerspruchsoption uminterpretieren zu können. Was zwischen der Bild am Sonntag und einem nächtlichen LinkedIn-Post des TUM-Präsidenten passierte, zeigt, wie man eine Debatte wiederbelebt. Trotzdem ist klar: Eine technologische Disruption kann man etwa als Bayerischer Ministerpräsident nicht stoppen.</p><h2>Die Studie, die keiner kannte</h2><p>Sonntagmorgen, Bild am Sonntag: &quot;Die Auto-Lüge der EU&quot;. Eine Studie der TU München belege, dass E-Autos über ihren Lebenszyklus nur 41 Prozent weniger CO2 ausstoßen als Verbrenner. Das sei keine überzeugende Begründung für das Verbrenner-Aus 2035.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fklimaneutrales-elektroauto-bild-schlagzeile-durchgestrichen.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=e71d51f6e22daa859bb7b27cbaf847b3" alt="Durchgestrichene Bild-Schlagzeile Die Auto-Lüge der EU - Kommentar zur Klimabilanz - klimaneutrales Elektroauto?"/><p>Nur: Die Studie gab es öffentlich noch nicht. BAMS berief sich auf eine &quot;Zusammenfassung, die Bild vorliegt&quot;. Kein Autor wurde zitiert, nur der Präsident der Universität genannt. Die Schlussfolgerung stammte nicht aus dem Papier, sondern von Bild-Autor Peter Tiede. Kein anderes Medium hatte das Whitepaper vorab bekommen.</p><p>Um 16:08 Uhr lieferte <a href="http://bild.de/">bild.de</a> die Politik dazu. Markus Söder: &quot;<em>Es braucht dringend das echte Aus vom Verbrenner-Aus der EU. Das belegt jetzt auch die Wissenschaft.</em>&quot; Am Sonntagabend legte der Bundeskanzler im ARD-Sommerinterview nach. Friedrich Merz, gefragt nach der Klimabilanz von Elektroautos: &quot;<em>Die CO2-Bilanz der Elektromobilität ist nicht so rosig, wie das immer wieder dargestellt wird.</em>&quot;</p><p>Zwei der mächtigsten Politiker des Landes bewerteten eine Studie, die noch niemand gelesen hatte. Der Streitpunkt: Laut der Meta-Studie verursacht das Elektroauto “nur” im Schnitt 41 Prozent weniger Emissionen als ein Verbrenner. Es braucht dazu wirklich Politiker wie Söder und Merz, um daraus die Forderung von längerer Verbrenner-Nutzung zu stricken. </p><p>Am Montag meldete sich Markus Lienkamp auf LinkedIn, Leiter des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik an der TU München. Er kenne das Papier seiner eigenen Universität nicht. Warum warte die Presse nicht auf die Quelle? Warum gebe die TUM eine Pressemitteilung heraus, bevor das Papier verfügbar sei? Warum kein Peer-Review?</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Cleanthinking hat die Bild-Kampagne noch am Sonntag zerlegt. Den vollständigen </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/klimaneutrales-elektroauto-tum-studie/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Kommentar gibt es hier</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">.</mark></p><h2>Dienstag: Die Studie zeigt das Gegenteil</h2><p>Dienstag, 11:30 Uhr, die TUM veröffentlicht das Whitepaper. Es fordert nicht das Ende des Verbrenner-Aus. Es bestätigt, dass Elektroautos in 92 Prozent aller untersuchten Szenarien die geringsten Lebenszyklus-Emissionen haben. Es hält E-Fuels für nicht ausreichend verfügbar. Es nennt seinen eigenen Vorschlag wörtlich eine &quot;Verstärkung des Elektrifizierungspfads&quot;.</p><p>Was das Papier vorschlägt: Die EU soll zusätzlich zur Auspuffmessung den ganzen Lebenszyklus regulieren - Stahl, Batterie, Aluminium, Recycling. Darüber kann man streiten. Ein Argument gegen das E-Auto ist es nicht.</p><p>Die vollständige Analyse des Whitepapers<a href="https://www.cleanthinking.de/tum-whitepaper-auto-lebenszyklus/"> gibt es bei Cleanthinking</a>.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FTUM-Whitepaper-Soeder-echtes-Verbrenner-Aus.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=78104f29fce18344361630a43b15aed5" alt="Markus Söder fordert &quot;echtes Aus vom Verbrenner-Aus&quot; wegen TUM-Whitepaper"/><p>Dann kam der Aufstand im eigenen Haus. Lienkamp, inzwischen mit dem Papier vertraut, gegenüber Spiegel und Zeit: Die drei Autoren - ein Materialforscher, ein Kreislaufwirtschaftler, ein Professor für Internationale Beziehungen - seien in der Automobil-Domäne nicht erfahren. Die einschlägigen TUM-Kollegen wurden nicht eingebunden. Ein Peer-Review fand nicht statt.</p><p><em>„Ich hätte als Reviewer das Paper zur Überarbeitung zurückgewiesen.&quot;</em></p><ul><li><p>Markus Lienkamp, Leiter des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik, TU München (im SPIEGEL)</p></li></ul><p>Der Fachmann für das Thema widerspricht öffentlich dem Präsidenten, der die Studie in Auftrag gegeben hat. <a href="https://www.cleanthinking.de/tum-whitepaper-kritik-lienkamp/"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Den vollständigen Bericht gibt es bei Cleanthinking.</mark></a><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit"> </mark></p><h2>Der Präsident und sein Geldgeber</h2><p>Warum hat TUM-Präsident Thomas Hofmann, ein Lebensmittelchemiker, diese Studie überhaupt bestellt? Eine Antwort lieferte am Mittwoch Welt-Redakteur Christoph Kapalschinski: BMW sei &quot;einer der größten privaten Geldgeber der Hochschule&quot;. Und BMW sei der einzige deutsche Autokonzern, der sich für genau die Lebenszyklus-Regulierung starkmacht, die das Whitepaper vorschlägt. Sie würde europäischen Herstellern mit grünem Stahl einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz aus China verschaffen.</p><p>Kapalschinski weiter: Selbst wenn BMWs Modell käme, würde es laut der Studie zu einer fast vollständigen E-Auto-Umstellung führen. Nur bürokratischer.</p><p>Wie bürokratisch, zeigt ein Vergleich, den bisher kaum jemand gezogen hat. Die Lebenszyklus-Regulierung, für die BMW über die TUM wirbt, verlangt für jedes Bauteil jedes Zulieferers eine CO2-Zertifizierung. Das ist ein Lieferkettengesetz hoch fünf. Gefordert von denselben politischen Kreisen, die das bestehende Lieferkettengesetz abschaffen wollen.</p><p>Am Mittwochabend verteidigte sich Hofmann auf LinkedIn. Man habe die Automobil-Experten der eigenen Universität &quot;wie Prof. Lienkamp&quot; bewusst ausgeschlossen, <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">um Voreingenommenheit zu vermeiden</mark>. In der Wissenschaft schließt man Fachleute nicht aus, um neutral zu sein. Man bezieht sie ein und lässt das Ergebnis begutachten. Die Verteidigung bestätigte den Vorwurf.</p><p>Ein Präsident bestellt eine Studie, sucht die Autoren aus, hält die eigenen Fachleute draußen, veröffentlicht ohne Peer-Review, zieht die politische Schlussfolgerung selbst - und die Zusammenfassung landet vorab exklusiv bei der Bild. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Der Schaden für den Ruf einer der besten Hochschulen Europas ist selbst gemacht.</mark></p><h2>41 Prozent, die zu niedrig sind</h2><p>Bleibt die Zahl, die alle wiederholen. 41 Prozent weniger CO2 - &quot;nur&quot;, schrieb die Bild.</p><p>Lienkamp hält die Zahl für zu niedrig. Die Studie mittelt ältere Untersuchungen, der Fortschritt der letzten Jahre fehlt. Aktuelle Werte liegen deutlich höher: Mercedes weist für die elektrische C-Klasse zwei Drittel weniger Emissionen aus als für den Verbrenner, TÜV-zertifiziert. BMW nennt für den iX3 bis zu 72 Prozent.</p><p>Und die Zahl steht nicht still. Stahl wird grüner, die ersten Werke stellen auf Wasserstoff um. Batterien werden grüner, Kobalt verschwindet aus der Zellchemie. Der Strommix wird grüner, jedes Jahr um mehrere Prozentpunkte. Ein Elektroauto, das heute vom Band läuft, wird über seine Lebensdauer sauberer. Beim Verbrenner bleibt jede Tankfüllung fossil.</p><p>Der Physiker Mario Buchinger hat das in einem Video eingeordnet, das wir hier einbinden. [VIDEO Buchinger]</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=QfTnwwaAmwk">https://www.youtube.com/watch?v=QfTnwwaAmwk</a><p>„<em>41 Prozent ist immer noch extrem viel. Jeder Controller würde bei 41 Prozent Gewinn sofort sagen: Geiles Projekt, investieren. Und dieser Wert ist auch noch schlecht gerechnet. Der ist eigentlich sehr viel besser.</em>&quot;</p><ul><li><p>Dr. Mario Buchinger, Physiker und Transformationsexperte</p></li></ul><h2>Die Debatte ist entschieden</h2><p>Zurück zu den 32,4 Prozent vom Anfang. Sie sind der eigentliche Kommentar zu dieser Woche.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Jeder dritte Neuwagen fährt elektrisch. </mark>Im August 2024 waren es knapp 14 Prozent. Der Benziner-Absatz brach im August um 38 Prozent ein. Das ist die S-Kurve, die jede Disruption beschreibt: erst langsam, dann plötzlich. Läuft sie weiter wie in den vergangenen 24 Monaten, kauft in Deutschland um 2030 kaum noch jemand einen Verbrenner als Neuwagen. Das sind fünf Jahre.</p><p>Wer heute &quot;Technologieoffenheit bei Neufahrzeugen&quot; fordert, streitet über einen Markt, den es in fünf Jahren nicht mehr gibt.</p><p>Die Debatte, die wir stattdessen brauchen, hat zwei Teile: </p><p>Erstens: Wie helfen wir den europäischen Ländern, die bei der Ladeinfrastruktur hinter Deutschland liegen? Dort entscheidet sich, ob die S-Kurve europaweit greift. </p><p>Zweitens: Was passiert mit dem Bestand? Rund 49 Millionen Pkw fahren auf deutschen Straßen, viele davon noch lange. Umrüstkits, Nachrüstung, Bestandsmanagement - das sind die Fragen mit Klimawirkung. Nicht E-Fuels für Neuwagen, die in fünf Jahren niemand mehr kauft.</p><h2>Blick nach vorn: Austin</h2><p>Während Deutschland über Gestern stritt, stellte Tesla in der Nacht zu heute sein Cybercab vor. Ein Elektroauto ohne Lenkrad, ohne Pedale, gesteuert von KI. Schon Stunden vor dem Event fuhren Dutzende Cybercabs durch die Innenstadt von Austin, Texas - und brachten Fahrgäste von A nach B.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Ftesla-cybercab-austin-strassenbild-guajardo.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=00a33357218bcdd8befa277e1564c117" alt="Cybercab-Start: Goldfarbenes Tesla Cybercab auf einer Straße in Austin vor einem Cafe"/><p>Der Preis: 30.000 Dollar. Waymo, der Marktführer, ist mit über 4.000 umgebauten Jaguar-SUVs unterwegs, ausgestattet mit teurer Lidar-Sensorik. Tesla setzt auf Kameras und Software und kommt damit um eine Größenordnung günstiger weg. Wenn das im Alltag hält, können Flottenbetreiber Robotaxi-Fahrten zu Preisen anbieten, die deutlich unter Uber liegen.</p><p>Das wäre die nächste Disruption nach dem Antrieb: Mobilität als Dienst statt Auto als Besitz. Experten sagen dazu: Mobility as a Service. In Städten, die wegen des Klimawandels Autos ohnehin aus den Zentren drängen müssen, ist das kein Verlust, sondern der Ausweg.</p><p>Ob Tesla Waymo wirklich einholt, ist offen. Waymo fährt seit Jahren ohne Sicherheitsfahrer, Tesla startet gerade erst. Und Europa entscheidet Anfang Oktober in einem EU-Ausschuss über die Zulassung von Teslas Fahrassistenz - Deutschland hat dabei ein gewichtiges Wort mitzureden. Die Einordnung zum Cybercab-Start <a href="https://www.cleanthinking.de/tesla-cybercab-start-waymo-eu-zulassung/">gibt es bei Cleanthinking</a>.</p><p>Während in Deutschland also die nächste Verbrenner-Debatte rollt, rollen in den USA und China die autonomen Fahrzeuge über die Straße und machen diese Art der Mobilität günstig, sicher und “normal”. Kommt die Welle des autonomen Fahrens nicht bald in Europa an, schwimmen hiesigen Unternehmen wie Holon oder <a href="http://motor.ai/">Motor.ai</a> schneller die Felle davon, als sie es es sich heute vorstellen können. </p><h2>Kurz notiert</h2><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fovershoot-1-5-grad-bergsteigerin-grat-gletscher-abstieg.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=49decf5038f644e4c0fcf252aea3f386" alt="Bergsteigerin auf einem Grat blickt auf den Abstieg in ein Tal, rechts ein zurückgez`ogener Gletscher"/><p><strong>UNEP plant den Rückweg.</strong> Das UN-Umweltprogramm hat erstmals einen Overshoot-Report vorgelegt, der nicht mehr fragt, wie sich das Überschreiten der 1,5-Grad-Marke verhindern lässt, sondern wie die Welt wieder darunter zurückkommt. Das verbleibende CO2-Budget reicht beim <a href="https://www.cleanthinking.de/unep-overshoot-report/">heutigen Ausstoß noch rund drei Jahre</a>.</p><p><strong>El Niño wird sehr stark.</strong> Die Weltwetterorganisation hat sich so eindeutig festgelegt wie nie: Wahrscheinlichkeit für El Niño 2026/27 nahezu 100 Prozent, Stärke &quot;sehr stark&quot;, Höhepunkt gegen Jahresende, Dauer mindestens bis Februar 2027. Klimaforscher Anders Levermann erklärt, <a href="https://www.cleanthinking.de/el-nino-2027-wmo-update/">was das für den deutschen Winter bedeutet</a>.</p><p><strong>Merz und der Batterie-Tsunami.</strong> Minutenlang wurde der Bundeskanzler im Sommerinterview zu Energiepreisen befragt. Seine Antwort: Deutschland könne wenig tun, am besten den Iran-Konflikt lösen. Dabei verändert der Speicherboom das Energiesystem gerade grundlegend - und mit ihm die Abhängigkeit von fossilen Preisen. Den Videoausschnitt <a href="https://www.facebook.com/cleanthinking/posts/pfbid02kxnxbg9SFfugCs1yTtczBGEaFXanoE7QcMNrCTj4hS9bjb1quQ7ftg9Sq9dzUMn7l?__cft__[0]=AZhXYoTw_mSBBMDBbejVgGrDlxDXJa0j9o4Yok8-3n1Y27kZv8mpKvRzu4t1sot7-EXNGbbUpXQNsCWShyoxoUaEcLBMGk40ZZ3aWDA8sn3xXXj5Xow8bCFen29Bo55KmB-TJVnhDNtwPKE7EhLviqNj__UGS1f22Dri9Bpyc2SG6kLUswayexbwNSs&amp;__tn__=%2CO%2CP-R">haben wir bei Facebook diskutiert</a>. </p><p><strong>Anschlag bei Jänschwalde.</strong> Unbekannte haben das Umspannwerk Turnow/Preilack bei Cottbus angegriffen, Entschärfer fanden Spreng- und Brandvorrichtungen. Netzbetreiber 50Hertz meldete nur eine kurze Leitungsunterbrechung - die Lichter blieben an. Wer dahintersteckt, ist völlig offen. Der Fall weckt Erinnerungen an den Berliner Blackout im Januar. </p><p><strong>Buch des Monats.</strong> Der britische Ex-Diplomat Arthur Snell zeigt in &quot;Erde, Luft, Feuer, Wasser&quot;, wie die Klimakrise entscheidet, welche Staaten aufsteigen und welche verschwinden. Sein Blick auf Hormus: nicht Beweis fossiler Macht, sondern <a href="https://www.cleanthinking.de/erde-luft-feuer-wasser-arthur-snell/">Endphase einer Epoche</a>.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Ferde-luft-feuer-wasser-arthur-snell-rezension.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=ac009e6cdd758c420016e87c29d83e2b" alt="Buchcover und Autorenportraet: Erde, Luft, Feuer, Wasser von Arthur Snell, Rezension Cleanthinking"/><hr aria-hidden="true"/><p>Wer sich in dieser Woche auf die Wissenschaft berufen hat, hätte sie lesen sollen. Wer sich auf den Markt beruft, findet die Antwort in den Zulassungszahlen. Und wer wissen will, wie Mobilität in fünf Jahren aussieht, schaut nach Austin, nicht nach München.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p>Rückmeldungen wie immer an <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fklimaneutrales-elektroauto-bild-schlagzeile-durchgestrichen.webp?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg&amp;s=3d004eb04a7bbc0ba2547ea59644267f" medium="image"/>
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      <pubDate>Fri, 04 Sep 2026 05:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Rechnung kommt]]></title>
      <description><![CDATA[Merz benennt den Klimawandel, liefert aber nichts. Lomborg rechnet die Zukunft billig, die Natur schreibt ihre eigene Rechnung - und wer baut, senkt sie.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>am Samstag steht Friedrich Merz im Hürtgenwald, zwischen verkohlten Stämmen, in der Asche des größten Waldbrands der NRW-Geschichte. „<em>Das ist der Klimawandel</em>&quot;, sagt er dort - und dass wir alles dafür tun müssen, ihn zurückzudrängen. Am Mittwoch steht derselbe Kanzler in Neuhardenberg, nach der Kabinettsklausur, und sagt: Die Kommunen wissen am besten, wie Hitzeschutz geht. Handlungsbedarf für den Bund? Sieht er keinen.</p><p>Vier Tage liegen zwischen „alles tun&quot; und „nicht zuständig&quot;. Zusammen ergeben die beiden Sätze kein Programm. Sie ergeben eine Überweisung.</p><h2>Merz: vom Benennen zum Delegieren</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fc3c009-044d-40bf-9905-3af9b11b6af7/uploads/images/v65giimcoq/Bildschirmfoto_27-8-2026_193549_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der Kanzler hat recht, wenn er sagt, Kommunen und Länder verfügen über Geld: Aus dem 500-Milliarden-Sondervermögen stehen Ländern und Kommunen über zwölf Jahre 100 Milliarden Euro zur eigenen Verwendung für Klimaschutz und Klimaanpassung bereit.</p><p>„<em>Es mangelt nicht an Programmen, und es mangelt nicht an Geld.</em>&quot;</p><ul><li><p>Friedrich Merz, Bundeskanzler, nach der Kabinettsklausur in Neuhardenberg, 26.08.2026 (Zitat vor Audio/Wortlaut-Quelle zu verifizieren)</p></li></ul><p>Verfassungsrechtlich liegt Hitzeschutz zudem vorrangig bei den Ländern, das ist ebenfalls richtig. Nur: Zurückdrängen ist ein aktives Verb, und wer den Klimawandel zurückdrängen will, müsste beim eigenen Kurs anfangen. Genau davon war am Mittwoch nichts zu hören. Keine Wende der eigenen klima-negativen Politik, kein angefasster Beschluss, keine einzige konkrete Maßnahme. Neu ist einzig ein Staatsminister für Bund-Länder-Beziehungen, Philipp Amthor, der mit den Ländern „konkrete Vorschläge entwickeln&quot; soll. Aus der Rhetorik vom Samstag ist wieder keine Aktion geworden - die Diagnose blieb, die Zuständigkeit wanderte.</p><p>Die Grünen hatten Merz im Hürtgenwald einen Sechs-Punkte-Notfallplan entgegengehalten, von Tempolimit bis Verfassungsrang für Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe. CDU und SPD müssten dafür Gebäudeenergiegesetz, Netzentgelt-Paket und Effizienzgesetz gegen den Strich bürsten, heißt es dort. Merz hat davon nichts aufgegriffen, weder zugestimmt noch widersprochen.</p><p>Das letzte Briefing endete mit dem Satz: Die Politik hat diese Woche vor allem geredet. Diese Woche hat sie zumindest zugeordnet, wer künftig reden soll.</p><p>Die vollständige Einordnung zu Merz&#39; Aussage im Waldbrandgebiet gibt es bei <a href="https://www.cleanthinking.de/merz-klimawandel-zurueckdraengen-kommentar/">Cleanthinking</a>, den Sechs-Punkte-Plan der Grünen ordnet <a href="https://www.cleanthinking.de/klima-notfallplan-droege-merz-huertgenwald-waldbrand/">dieser Beitrag</a> ein.</p><h2>Die Kleinrechner</h2><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fbjoern-lomborg-waldbrand-debatte-borealer-wald.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=641270af35146e8e0d5140af87d7a547" alt="Bjoern Lomborg und die Waldbrand-Debatte: borealer Wald in Dämmerung, KI-generiertes Bild"/><p>Wer benennt, ohne zu handeln, überlässt das Feld denen, die kleinrechnen. Drei Beispiele dieser Woche, drei Methoden.</p><p>Björn Lomborg tut es mit einer einzigen Stellschraube: der Diskontrate, dem Zinssatz, mit dem ein Schaden im Jahr 2100 auf heute heruntergerechnet wird. Ein Unterschied von 3,6 Prozentpunkten macht in Oxford-Vergleichsrechnungen sieben Billionen Dollar aus. Lomborg rechnet nicht mit falschen Zahlen, er wählt nur konsequent den Ausschnitt, die Rate und die Maßeinheit, die in eine Richtung zeigen. In der deutschen Debatte kommt das nicht als Fachbeitrag an, sondern als Entwarnung, die über mehrere Übersetzungsstufen am Ende gegen die Wärmepumpe verwendet wird.</p><p>Benedikt Brechtken von Apollo News rechnet denselben Hürtgenwald-Brand klein, mit selektiven Zahlen zur Waldbrandstatistik. Die Zündung ist fast immer menschlich, das stimmt. Wie sich ein Feuer ausbreitet, entscheidet zunehmend das Klima, und 2025 liefert dafür die klarste europäische Datenlage. Wer wie Brechtken gegen Merz argumentiert, ignoriert genau diese Daten.</p><p>Axel Bojanowski baut an einer eigenen Legende: In seiner Version bremsen Umweltbewegung, Grüne und Wissenschaft den Klimaschutz, fossile Industrien und politisches Zögern kommen darin kaum vor. Cleanthinking hat das Muster zuletzt an seiner Darstellung der Rhein-Niedrigwasserlage nachgewiesen: Er zitierte eine Attributionsstudie, ließ aber deren Kernaussage zur Verdunstung aus.</p><p>Was die Diskontrate wirklich ist und warum sie zum Kampfbegriff wurde, erklärt der <a href="https://www.cleanthinking.de/bjoern-lomborg-diskontrate-klimapolitik/">Cleanthinking-Hintergrund</a>, den Faktencheck zum Waldbrand gibt es <a href="https://www.cleanthinking.de/waldbrand-und-klimawandel-faktencheck-apollo/">hier</a>, Bojanowskis Muster seziert <a href="https://www.cleanthinking.de/klimakrisen-niedrigwasser/">dieser Beitrag</a>.</p><h2>Die Rechnung der Natur</h2><p>Während in Berlin und bei Apollo News kleingerechnet wird, rechnet die Natur unbeirrt weiter, und sie schreibt gerade eine Korrektur. Zwei unabhängige Studien zeigen, dass Wald- und Ozeansenken in Europa weniger CO₂ aufnehmen als die EU-Kommission für ihre Klimaziele unterstellt. Der Wald-Rückgang begann 2018, der Ozean-Rückgang 2023. Die Kommission rechnet ihre 55-Prozent-Reduktion bis 2030 und die Klimaneutralität 2050 weiter mit intakten Senken, obwohl die Wald-Senke allein bis 2030 rund 27 Prozent unter den geplanten Werten liegen könnte.</p><p>Auch im Meer zeigt sich die Lücke. Eine ZMT-Bremen-Studie hat unter Laborbedingungen geprüft, wie sich wärmeres Wasser auf den gelösten organischen Kohlenstoff auswirkt, den Seegras und Algen abgeben. Ausgerechnet der langlebige Anteil, der normalerweise am längsten im Ozean gebunden bleibt, ging unter Wärme am stärksten zurück. Bestehende Klimamodelle könnten die Speicherleistung von Seegraswiesen, Kelpwäldern und Mangroven damit systematisch überschätzen.</p><p>Ein Hebel liegt ungenutzt am Boden: 92 Prozent der deutschen Moorböden sind entwässert und emittieren, statt zu speichern, verantwortlich für 7 Prozent aller deutschen Treibhausgase. Moore speichern pro Fläche mehr Kohlenstoff als Wald. Ein 1,75-Milliarden-Euro-Förderprogramm soll die Wiedervernässung vorantreiben, doch das Tempo bleibt hinter dem Bedarf zurück.</p><p>Solange die EU-Kommission ihre Ziele mit Senken kalkuliert, die in der Realität schrumpfen, wächst die Lücke zwischen Rechnung und Wirklichkeit weiter. Die Studien zu Wald- und Ozeansenke gibt es <a href="https://www.cleanthinking.de/klimaziele-in-gefahr-co2-senken/">bei Cleanthinking</a>, die Blue-Carbon-Studie <a href="https://www.cleanthinking.de/blue-carbon-seegras-kelp-co2-speicher/">hier</a>, den Moor-Hebel <a href="https://www.cleanthinking.de/moore-als-co2-speicher-klimahebel/">hier</a>.</p><h2>Wer baut, senkt die Rechnung</h2><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FPaebbl-zusatzstoff-agilis.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=7ac32533190cdaf9585b28a3f31e6122" alt="Paebbl Zusatzstoff Agilis"/><p>Die einzigen, die die Rechnung tatsächlich senken, sind die, die bauen. Zwei Beispiele aus dieser Woche.</p><p>Paebbl hat zwei Jahre nach dem Start seiner Rotterdamer Demo-Anlage sein CO₂-Mineral erstmals in kommerziellem Serienbeton verbaut, ausgerechnet im Gleitbauverfahren, der Königsdisziplin des Betonbaus, die keine Verzögerung im Aushärteverhalten verzeiht. Pro gebundener Tonne CO₂ entstehen rund drei Tonnen eines feinen, grünlich-grauen Pulvers, das Kalk und andere Zuschlagstoffe in Zement ersetzen kann. Die Zementindustrie verursacht rund acht Prozent der globalen CO₂-Emissionen, Paebbl will bis 2030 eine Million Tonnen seines Produkts auf den Markt bringen.</p><p>Heron Power, gegründet von einem früheren Tesla-Manager, legt seine erste US-Fabrik im kalifornischen Morgan Hill auf 40 Gigawatt Jahreskapazität aus, mehr als 100 Millionen Dollar Investition, mehr als 600 neue Jobs. Der Heron Link ersetzt klassische Öl-Transformatoren durch Halbleitertechnik und soll den globalen Trafo-Engpass entschärfen, der den Ausbau von Solar-, Speicher- und Rechenzentrumsprojekten derzeit ausbremst. Serienproduktion ist erst für Ende 2027 geplant, die Technologie hat ihre Bewährungsprobe im großen Maßstab also noch vor sich.</p><p>Zwei Nachrichten, ein Muster: Wo andere Zahlen drehen, drehen diese beiden Firmen Prozesse um und bauen die Kapazität, die die Kleinrechner für unnötig halten. Mehr zu Paebbls Serienbeton gibt es <a href="https://www.cleanthinking.de/paebbl-zusatzstoff-co2-beton/">bei Cleanthinking</a>, mehr zu Heron Power <a href="https://www.cleanthinking.de/heron-power-transformatorenfabrik-40-gigawatt/">hier</a>.</p><h2>Kurz notiert</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fc3c009-044d-40bf-9905-3af9b11b6af7/uploads/images/2gcy65kks3/Bildschirmfoto_27-8-2026_19148_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Waymo bringt seine Robotaxis Ende 2027 nach München, die erste Stadt in der EU. Zunächst fahren die Autos noch manuell, um das Straßennetz zu kartieren, dann übernimmt der Waymo-Fahrer schrittweise. Offen bleibt, wie das System mit deutschem Winterwetter zurechtkommt. <a href="https://www.cleanthinking.de/waymo-in-muenchen-robotaxi/">Mehr bei Cleanthinking</a>.</p><p>Tesla stellt sein Cybercab am 3. September in Austin offiziell vor, streng gehostet statt öffentlich, Mindestalter 21, Einlasskontrolle. Der zweisitzige Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale soll in die bestehende Robotaxi-App einsortiert werden. <a href="https://www.cleanthinking.de/tesla-cybercab-robotaxi-launch-austin/">Mehr bei Cleanthinking</a>.</p><p>Großbritannien übernimmt ab dem 27. August die deutsche 800-Watt-Grenze für Steckersolar-Geräte, nach einer Novelle der britischen Verkabelungsnorm BS 7671. Was als deutsches Nischenprojekt begann, wird zum europäischen Standard. <a href="https://www.cleanthinking.de/balkonkraftwerk-grossbritannien-marktoeffnung/">Mehr bei Cleanthinking</a>.</p><p>Sage Geosystems hat seine EGS-Pilotanlage bei San Antonio über 120 Tage stabil betrieben, der Wasserverlust ins umgebende Gestein liegt deutlich unter 10 Prozent, der entscheidenden Schwelle für die Wirtschaftlichkeit von Enhanced Geothermal Systems. <a href="https://www.cleanthinking.de/sage-geosystems-egs-texas-wasserverlust/">Mehr bei Cleanthinking</a>.</p><p>Ming Yang wirbt für seine Europa-Expansion gezielt Führungskräfte von Vestas, Siemens Gamesa und Vattenfall ab und verlagert Entwicklungsfunktionen auf den Kontinent. Nach der abgelehnten Fabrik in Schottland bleibt der Marktanteil chinesischer Hersteller in Europa unter 3 Prozent, doch der Personalaufbau zeigt, wie ernst es dem Unternehmen ist. <a href="https://www.cleanthinking.de/mingyang-europa-markt-offshore-windenergie/">Mehr bei Cleanthinking</a>.</p><p>Am Ende zählt, wer diese Woche etwas gebaut und wer nur gerechnet hat. Merz hat benannt und delegiert. Lomborg, Brechtken und Bojanowski haben kleingerechnet. Die Natur hat ihre eigene Bilanz vorgelegt, ungefragt und ohne Fristverlängerung. Paebbl und Heron Power haben stattdessen gegossen und gebaut. Nur diese Rechnung sinkt tatsächlich.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/8fc3c009-044d-40bf-9905-3af9b11b6af7/uploads/images/v65giimcoq/Bildschirmfoto_27-8-2026_193549_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg" medium="image"/>
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      <pubDate>Fri, 28 Aug 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Rekorde schlagen Reden]]></title>
      <description><![CDATA[Zwei Rekordjagden in einer Woche: Das Klima bricht seine Marken, der Umbau kontert mit eigenen. Größter Speicher, tiefster Tunnel, stärkster El Niño - wer ist schneller?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>am Eingang eines Festzelts in Schönebeck steht ein Eisberg. Kein echter, ein Objekt, gebaut für die Grundsteinlegung der neuen Florida-Eis-Fabrik gestern. Dieser Eisberg hat eine Uhr darin, die nicht ein Zifferblatt hat, sondern drei: eines zeigt 5 vor 12, eines 12, eines 5 nach 12. Die meisten der geschätzt 200 Gäste laufen im Gedränge daran vorbei. Also holt Firmenchef Olaf Höhn den Eisberg in seiner Rede auf die Bühne und erzählt von Grönland, wo er die Veränderung mit eigenen Augen gesehen hat.</p><p><em>„Ich möchte nicht, dass wir auf dem Ast sitzen, an dem wir sägen, sondern hier einen Baum pflanzen&quot;</em>, sagt er.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fstrukturwandel-sachsen-anhalt-grundsteinlegung-florida-eis-schoenebeck.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=91ea0de7e38ee6f264702508c74abe7a" alt="Grundsteinlegung der Florida-Eis-Manufaktur in Schoenebeck mit Sven Schulze, Armin Willingmann, Franziska Giffey und Olaf Höhn - Strukturwandel in Sachsen-Anhalt"/><p>Höhns drei Zifferblätter sind das Bild dieser Woche. Denn es liefen zwei Rekordjagden gleichzeitig: Das Klima hat neue Marken gesetzt, und der Umbau hat mit eigenen geantwortet. Größter Speicher Deutschlands, größtes Elektroflugzeug der Welt, tiefster Tunnel unter der Elbe auf der einen Seite. Der stärkste El Niño der Messgeschichte und die erste 180-Milliarden-Rechnung für einen europäischen Hitzesommer auf der anderen. Die Frage der Woche ist, welche Seite schneller ist.</p><h2><strong>Sachsen-Anhalt: Wo die Antwort schon steht</strong></h2><p>Anfangen muss man dort, wo gerade Landtagswahlkampf mit der Angst gemacht wird, und zwar mit dem, was dort real passiert. Bei Merseburg im Saalekreis hat Münch Energie einen Batteriespeicherverbund mit 250 Megawatt Leistung eingeweiht, nach Betreiberangaben Deutschlands größter tatsächlich in Betrieb befindlicher Speicher. Die Einschränkung trägt das Gewicht der Aussage: Mehrere Projekte sind auf dem Papier größer, aber allesamt noch Baustellen. Merseburg liefert bereits Strom ins Netz. Gebaut in sechs Monaten, komplett privatwirtschaftlich, ohne einen Euro Förderung. Aktuell 500 Megawattstunden Kapazität, bis Jahresende 800.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fbatteriespeicher-merseburg-luftbild-speicher-umspannwerk.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=8b033d95347176cbc69293dc0b23238d" alt="Luftbild des Batteriespeichers bei Merseburg mit Batteriecontainern, Umspannwerk und Freileitung"/><p>Der Speicher steht nicht zufällig dort. Sachsen-Anhalt ist Transitland für erneuerbaren Strom Richtung Süden, deshalb entstehen Großspeicher genau an diesen Trassen. Und um die Ecke, in Schönebeck, baut Höhn jetzt eine der nachhaltigsten Eisfabriken Deutschlands, mitten in einer Ernährungswirtschaft, die in diesem Bundesland kaum jemand auf dem Zettel hat. Das Gegennarrativ zum Wahlkampf sind keine Gegenreden, sondern Baustellen.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die ganze Reise durch den </mark><strong><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Strukturwandel </mark></strong><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">gibt </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/strukturwandel-sachsen-anhalt"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">es bei Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">. Mehr Infos zum </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/batteriespeicher-merseburg/"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Batteriespeicher Merseburg auch</mark></a><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">.</mark></p><h2><strong>Der Tunnel ist durch, der Streit nicht</strong></h2><p>Zweiter Rekord, gleiche Logik. In Wischhafen haben Ministerpräsident Daniel Günther, Niedersachsens Energieminister Christian Meyer und Tennet-COO Ina Kamps den Durchschlag des SuedLink-Elbtunnels gefeiert, der anspruchsvollsten Teilstrecke der Stromautobahn. Der technische Durchbruch lag da schon zwei Monate zurück: Die Tunnelbohrmaschine „Elsa&quot; erreichte den Zielschacht am 22. Juni, früher als geplant, in der besten Woche mit 158,7 Metern Vortrieb.</p><p>Meyer nutzte den Termin für einen Angriff auf Bundesenergieministerin Katherina Reiche und ihren Freileitungs-Kurs:</p><p><em>„Die vollständige Erdverkabelung war der richtige Weg. Sie schafft Akzeptanz vor Ort.&quot;</em></p><ul><li><p>Christian Meyer, Energieminister Niedersachsen</p></li></ul><p>Akzeptanz ist das Stichwort, das direkt zum nächsten Thema führt. Denn wie teuer fehlende Akzeptanz wird, kann Markus Winter vorrechnen. Der Technikvorstand der österreichischen Windkraft Simonsfeld baut seit über zwanzig Jahren Windparks. Früher dauerte einer drei bis vier Jahre von der Planung bis zum Bau.</p><p>Heute stecken manche seiner Projekte 15 oder 20 Jahre fest, weil jedes einzelne beeinsprucht wird. Und was ihm in Niederösterreich passiert, wiederholt sich in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern mit denselben Methoden, während Studien in beiden Ländern zeigen: Die Mehrheit ist für Windkraft, sie traut sich nur nicht, das laut zu sagen.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/suedlink-elbtunnel-durchschlag/"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">SuedLink-Geschichte</mark></a><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit"> - und wie eine </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/widerstand-gegen-windkraft-oesterreich-deutschland/"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Minderheit gewinnt</mark></a><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">.</mark></p><p><strong>„Palliative Industriepolitik&quot;: Trittins Abrechnung</strong></p><p>Warum die Politik trotzdem bremst, dafür hat Jürgen Trittin diese Woche einen Begriff geprägt, der bleiben dürfte. „Wir erleben palliative Industriepolitik&quot;, sagt der frühere Bundesumweltminister im Klima-Labor-Podcast von ntv über den Kurs von Kanzler Merz und Wirtschaftsministerin Reiche: Der Staat hält sterbende fossile Geschäftsmodelle mit Umlagen und Subventionen am Leben, statt Entscheidungen für die Zukunftsbranchen zu treffen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8a9970d8-9db7-4b77-83b2-88aedab612b1/uploads/images/yxakfrrnhu/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Das Bemerkenswerte an Trittins Befund: Die Front verläuft längst mitten durch die Industrie. Als Merz in Antwerpen den Emissionshandel infrage stellte, rauschte ausgerechnet die Aktie von Heidelberg Materials ab, einem Konzern, der massiv in CO2-armen Zement investiert hat. Wer geliefert hat, wird bestraft, wenn die Politik wackelt.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die vollständige </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/palliative-industriepolitik-trittin/"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Einordnung mit allen drei Schauplätzen</mark></a><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">.</mark></p><h2><strong>Die andere Rekordjagd: 180 Milliarden und ein nervöser Forscher</strong></h2><p>Und damit zur Gegenseite der Bilanz. Die niederländische Triodos Bank hat als erstes Institut durchgerechnet, was der laufende Hitzesommer die EU kostet: bis zu 180 Milliarden Euro entgangenes Wachstum. Am härtesten trifft es ausgerechnet Frankreich, das Land mit dem höchsten Kernkraftanteil Europas: 1,4 Prozentpunkte Wachstum weniger, rechnerisch eine Kontraktion. Der Grund ist so simpel wie unbequem: Werden die Flüsse zu warm, müssen wassergekühlte Reaktoren drosseln. An Hitzetagen wird das Wetter zum <a href="https://www.cleanthinking.de/hitzesommer-2026-kosten-kernkraft/">limitierenden Faktor der Stromerzeugung</a>.</p><p>Wie außergewöhnlich dieser Sommer ist, zeigt eine zweite Personalie. Zeke Hausfather, IPCC-Leitautor und unter Klimaforschern die vielleicht nüchternste Stimme des Fachs, widersprach im Januar noch öffentlich seinem Kollegen James Hansen. Jetzt schreibt er, vielen sei nicht klar, „wie verrückt die globalen Temperaturen 2026 und 2027 sein werden&quot;. Sein eigenes Dashboard zeigt das laufende El-Niño-Ereignis als beispiellos in 150 Jahren Messgeschichte. Wenn ausgerechnet der Mann für die Richtigstellung Alarm schlägt, <a href="https://www.cleanthinking.de/el-nino-rekord-2026/">sollte man hinhören</a>.</p><h2><strong>Kurz notiert</strong></h2><p>Heart Aerospace hat in New York das größte je geflogene Elektroflugzeug abheben lassen: 32,3 Meter Spannweite, über elf Tonnen, 27 Minuten Flug, mehr als <a href="https://www.cleanthinking.de/weltgroesstes-elektroflugzeug-heart-x1/">ein Megawatt Antriebsleistung</a>.</p><p>Das niederländische Startup Ore Energy hat den größten Eisen-Luft-Abnahmevertrag Kontinentaleuropas geschlossen: 400 Megawattstunden Mehrtagesspeicher ab 2028, <a href="https://www.cleanthinking.de/eisen-luft-batterie-ore-energy/">ausbaufähig auf eine Gigawattstunde</a>.</p><p>China verpflichtet neue Rechenzentren in acht Hub-Regionen auf mindestens 80 Prozent sauberen Strom, während in den USA Genehmigungen jahrelang dauern und die <a href="https://www.cleanthinking.de/rechenzentren-saubere-energie-china-usa/">Regierung aufs Kohle-Comeback setzt</a>.</p><p>In der Hallertau schützt Hopfenbauer Josef Wimmer seine schattenliebenden Pflanzen mit Solarmodulen sieben Meter über den Reben: weniger Hitzestress, mehr Bodenfeuchte, <a href="https://www.cleanthinking.de/agri-pv-hopfen-hallertau-solar/">Strom obendrauf</a>.</p><p>Und SpaceX und Tesla bauen in Texas die Chipfabrik Terafab, erste Bauphase 16,8 Milliarden Dollar. Den eigenen Chipbedarf beziffert Musk in Terawatt, mehr als die <a href="https://www.cleanthinking.de/terafab-musk-chipfabrik-texas/">gesamte installierte US-Kraftwerkskapazität</a>.</p><h2><strong>Fünf vor, fünf nach</strong></h2><p>Zurück zu Höhns Uhr mit den drei Zifferblättern. Das Klima hat diese Woche geliefert: stärkster El Niño der Messgeschichte, 180 Milliarden Euro Hitzerechnung. Der Umbau hat auch geliefert: 250 Megawatt in sechs Monaten, 5,2 Kilometer unter der Elbe, elf Tonnen in der Luft. Die Politik hat diese Woche vor allem geredet: über Emissionshandel, Freileitungen und Kapazitätsmärkte. Die Rekorde warten nicht, auf keinem der drei Zifferblätter.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 21 Aug 2026 05:06:45 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Auf allen Ebenen]]></title>
      <description><![CDATA[Eine Windmüllerin, ein Städtetag-Präsident, ein Kohlekonzern: Diese Woche zeigen die Ebenen, dass sie liefern. Nur eine nicht. (Foto: BWE)]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/80de819e-ed9e-4d10-89ea-62303bc2f86d/uploads/images/pn3vbh234s/solarstrom-rund-um-die-uhr-rwe-indeland-solarpark.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">„Das ist doch volkswirtschaftlich absoluter Nonsens.&quot;</mark></p><p>Der Satz gilt der Energiepolitik der Bundesregierung. Und er kommt nicht von einer Berufspolitikerin, sondern von einer <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Landwirtin aus Gevensleben</mark>, einem Dorf in Niedersachsen nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Bärbel Heidebroek</mark>, 56, vier Kinder, lebt auf einem Hof, der seit 1754 der Familie ihres Mannes gehört. 2001 gründete sie dort mit ihm die Landwind-Gruppe. Aus den ersten 13 Windrädern sind über 120 Anlagen geworden, dazu ein eigener Ökostrom-Versorger. Heute ist sie Präsidentin des Bundesverbands WindEnergie, zuletzt wiedergewählt mit 98,2 Prozent der Stimmen.</p><p>Vergangene Woche hieß dieses Briefing „Das große Schweigen&quot;. Der stellvertretende Regierungssprecher lieferte damals den Satz der Woche: Wichtig sei, „dass alle Ebenen ihre Aufgaben erfüllen&quot;. </p><p>Diese Woche haben sich die Ebenen zu Wort gemeldet. Eine Unternehmerin, die Rathäuser, ein Konzern. Sie alle sagen dasselbe: Wir erfüllen unsere Aufgaben. Lasst uns machen.</p><h2>„Wer gute Vorarbeit geleistet hat, wird bestraft&quot;</h2><p>Was Heidebroek so aufbringt, steht in der geplanten EEG-Reform von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Neue Wind- und Solaranlagen in Regionen mit viel Ökostrom sollen keine Entschädigung mehr bekommen, wenn der Netzbetreiber sie wegen Netzüberlastung abregelt. Die Schwelle ist niedrig angesetzt: Schon wenn fünf Prozent der erwarteten Strommenge nicht eingespeist werden können, entfällt der Anspruch. Betreiber müssten rund 20 Prozent weniger Erlöse einkalkulieren, sagt Heidebroek im ZEIT-Interview. Projekte in diesen Regionen wären damit unfinanzierbar.</p><p>Die eigentliche Absurdität steckt in einem Detail: Selbst wenn neben dem Windrad ein Speicher steht, darf der Betreiber ihn in dem Moment nicht füllen. Der Netzbetreiber schaltet die Anlage komplett ab, statt zu sagen: Macht etwas anderes mit eurem Strom.</p><p><em>„Wir haben immer gesagt: Gebt uns die Möglichkeit, mit dem Strom zu machen, was wir wollen. Wir könnten Wärmepumpen oder Firmen direkt damit versorgen. Wir wollen da kreativ sein.&quot;</em></p><ul><li><p>Bärbel Heidebroek, Präsidentin Bundesverband WindEnergie</p></li></ul><p>Die Größenordnung dessen, was auf dem Spiel steht: Bundesweit sind Windparks mit 48 Gigawatt Leistung genehmigt und warten auf ihren Bau, das entspricht etwa 60 mittelgroßen Kohlekraftwerken. Ausgeschrieben werden dieses Jahr zehn Gigawatt. Heidebroek vergleicht die Reform mit einer Gruppenarbeit in der Schule: Wer sich angestrengt hat, muss jetzt auf die Langsameren warten.</p><p>Am Ende des Interviews steht ein bemerkenswertes Detail. Seit Reiches Amtsantritt im Mai 2025 hat die Präsidentin des wichtigsten Ökostrom-Verbands genau einmal kurz mit der Ministerin gesprochen. Unter Robert Habeck gab es regelmäßige Branchendialoge, unter CDU-Minister Peter Altmaier auch. Das ist kein Parteipunkt. Es ist ein Arbeitsstil.</p><p>Man kann über einzelne Regelungen streiten. Aber wenn die Frau, die seit 25 Jahren Windräder baut, von einem „Rückschritt ins fossile Zeitalter&quot; spricht, sollte man wenigstens mit ihr reden. Wie breit der Widerspruch inzwischen ist, zeigt <a href="https://www.cleanthinking.de/reiche-bremst-beim-netzausbau/">unsere Einordnung zur Netzausbau-Bremse</a>: Institute, Verbände, die IEA, Vattenfall und zuletzt der Chef des weltgrößten Netzausrüsters Hitachi Energy.</p><p>Das vollständige Interview gibt es bei der <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-08/baerbel-heidebroek-erneuerbare-energien-katherina-reiche/komplettansicht">ZEIT</a>.</p><h2>„Die Stimmung in den Rathäusern ist explosiv&quot;</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/80de819e-ed9e-4d10-89ea-62303bc2f86d/uploads/images/jklv7hwjzv/Bildschirmfoto_13-8-2026_214429_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Eine Ebene tiefer, gleiche Botschaft. Burkhard Jung, seit 2006 Oberbürgermeister von Leipzig und Präsident des Deutschen Städtetages, hat diese Woche einen Vorschlag gemacht, der weiter reicht als jede Hitzegipfel-Forderung: Klimaanpassung und Hitzeschutz sollen als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz.</p><p>Eine Gemeinschaftsaufgabe verpflichtet Bund und Länder, sich dauerhaft an der Finanzierung zu beteiligen, so wie heute schon beim Hochschulbau. Es wäre die strukturelle Antwort auf das föderale Zuständigkeits-Pingpong, das wir vergangene Woche beschrieben haben.</p><p><em>„Glauben Sie mir: Die Stimmung in den Rathäusern der Republik ist explosiv. Sie war noch nie so schlecht wie heute.&quot;</em></p><ul><li><p>Burkhard Jung, Präsident Deutscher Städtetag</p></li></ul><p>Dass die Kommunen liefern können, wenn der Rahmen stimmt, haben sie bewiesen: Fast alle Städte über 100.000 Einwohner haben ihre Wärmepläne vorgelegt. Jung nennt die kommunale Wärmeplanung eine Erfolgsgeschichte. Zugleich rechnet der Städtetag mit gut drei Milliarden Euro Mehrbelastungen aus aktuellen Reformvorhaben, bei einem kommunalen Gesamtdefizit von über 30 Milliarden Euro pro Jahr. Und während die nächste Hitzewelle mit bis zu 39 Grad über das Land zieht, frisst die Dürre in Leipzig jedes Jahr einen Teil des Tausend-Bäume-Programms wieder auf.</p><p>Warum Jungs Vorstoß mehr ist als eine Finanzierungsforderung, lesen Sie in <a href="https://www.cleanthinking.de/burkhard-jung-klimaanpassung-grundgesetz/">unserer Einordnung zum Grundgesetz-Vorschlag</a>.</p><h2>Der Konzern hält die Frist, das Ministerium nicht</h2><p>Beim Braunkohleausstieg im Rheinischen Revier hat sich diese Woche etwas Bemerkenswertes sortiert: Der Konzern ist verlässlicher als die Politik.</p><p>RWE-Chef Markus Krebber stellte bei der Halbjahrespressekonferenz am Donnerstag klar, dass sein Unternehmen am vertraglich fixierten Ende der Braunkohleverstromung zum 31. März 2030 festhält.<em> „Wir haben einen klaren Vertrag&quot;</em>, sagte er. Mehr noch: Die ersten neuen wasserstofffähigen Gaskraftwerke könnten schon 2029 laufen, früher als gedacht. Damit kippt das zentrale Argument für längere Kohlelaufzeiten.</p><p>Das Bundeswirtschaftsministerium dagegen lässt die gesetzliche Frist für den Überprüfungsbericht zur Kraftwerksreserve an diesem Samstag verstreichen. Die Entscheidung über die Reserve, und damit über rund 50 Millionen Tonnen Braunkohle, die entweder im Boden bleiben oder verfeuert werden, verschiebt sich womöglich bis in den NRW-Landtagswahlkampf 2027.</p><p>Wie sehr die Klimarealität diese Entscheidung längst überholt hat, zeigt der Blick auf den Rhein. In Kaub am Mittelrhein steht ein knapp 18 Meter hoher Pegelturm, seine digitale Anzeige ist weithin sichtbar. Am Donnerstag stand darauf zeitweise: 10 Zentimeter. Vor zwei Wochen waren es noch über 50, und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt erwartet den ersten einstelligen Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. </p><p>Die Kleinstadt ist damit zur Weltnachricht geworden: Die New York Times berichtet, samt Foto der Burg Pfalzgrafenstein, Medien in China ebenso, Fernsehteams schalten live vom Rheinufer in die Tagesschau. Und für einen Mann in Kaub ist die Zahl auf dem Turm keine Kulisse, sondern eine Betriebsgrenze:</p><p><em>„Bis zu einem Rheinpegel von 15 Zentimetern können wir fahren, darunter geht das nicht mehr.&quot;</em></p><ul><li><p>Kevin Kilp, Fährmann in Kaub</p></li></ul><p>Am Ufer liegen freigespülte Felsen, die Rohstoffversorgung der Hüttenwerke Krupp Mannesmann läuft bereits teilweise per Bahn, weil Schiffe kaum noch zuladen können. Eine Energieversorgung, die an Brennstofflogistik und Kühlwasser hängt, wird in diesem Klima zum Risiko. Wind, Sonne und Speicher brauchen beides nicht. RWE selbst zieht die Konsequenz: 47 Prozent des Konzernstroms kommen inzwischen aus Erneuerbaren, im Tagebau Hambach entstehen Solarpark und Batteriespeicher.</p><p>Die vollständige Einordnung zum <a href="https://www.cleanthinking.de/braunkohleausstieg-rheinisches-revier-rwe/">Braunkohleausstieg</a> und die Analyse zur <a href="https://www.cleanthinking.de/niedrigwasser-im-rhein-fahrrinnenvertiefung/">Fahrrinnenvertiefung am Rhein</a> gibt es bei Cleanthinking.</p><h2>Wer baut, statt zu warten</h2><p>Und dann sind da die, die gar nicht erst auf Berlin warten.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/80de819e-ed9e-4d10-89ea-62303bc2f86d/uploads/images/cncvnwi6qs/elektrische-baustelle-strabag-oberhausen-luftaufnahme-1024x576.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Strabag testet auf einer Baustelle elf elektrische Baumaschinen im Regelbetrieb, vom Bagger bis zur Walze. Eine Käserei halbiert mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe von Arkaya ihre Stromkosten für die Milchkühlung. Und global hat ein neuer Ember-Report dokumentiert, dass Batterien den Solarstrom von den Sonnenstunden lösen: Das Dauersolar-Zeitalter hat begonnen, ausgerechnet Bulgarien und Chile machen es vor.</p><p>Die Details: <a href="https://www.cleanthinking.de/elektrische-baustelle-strabag/">elektrische Baustelle</a>, <a href="https://www.cleanthinking.de/arkaya-waermepumpe-molkerei-milchkuehlung/">Wärmepumpe in der Molkerei</a>, <a href="https://www.cleanthinking.de/solarstrom-rund-um-die-uhr/">Dauersolar</a>.</p><h2>Kurz notiert</h2><p>Ferdinand Dudenhöffer will die E-Auto-Kaufprämie beenden, wir halten dagegen: 2023 hat gezeigt, was ein abrupter Förderstopp anrichtet. <a href="https://www.cleanthinking.de/e-auto-kaufpraemie-debatte/">Schluss mit der Verunsicherung</a>. Und mit priwatt und Soluxtec sind zwei bekannte Balkonkraftwerk-Anbieter insolvent, <a href="https://www.cleanthinking.de/balkonkraftwerk-insolvenz/">was Käufer jetzt wissen müssen</a>.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Aus 13 Windrädern wurden 120. Fast alle Großstädte haben ihre Wärmepläne abgeliefert. Ein Kohlekonzern hält seinen Ausstiegsvertrag. Und die Präsidentin des wichtigsten Ökostrom-Verbands hat in 15 Monaten ein einziges kurzes Gespräch mit ihrer Ministerin geführt.</p><p>Die Ebenen erfüllen ihre Aufgaben. Sie warten darauf, dass eine mitzieht.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p>Kontakt für Leserfeedback: <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 14 Aug 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Das große Schweigen]]></title>
      <description><![CDATA[Das RKI meldet 11.900 Hitzetote, 9.600 davon in einer Woche. Der Kanzler beobachtet, die Regierung vertagt auf 2027. Und eine Ministerin hätte besser geschwiegen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">11.900 hitzebedingte Sterbefälle</mark> in diesem Sommer. Das ist die <a href="https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html">neueste Schätzung des Robert Koch-Instituts</a>, veröffentlicht an diesem Donnerstagmorgen.</p><p>Allein in der Hitzewoche Ende Juni, als vielerorts über 40 Grad gemessen wurden, <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">starben 9.600 Menschen</mark>, deutlich mehr als bisher angenommen. Im bisherigen Rekordjahr 2018 waren es rund 9.000, im gesamten Jahr. Diesmal reichte eine Woche.</p><p>Und der Bundeskanzler? <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Friedrich Merz verabschiedete sich mit den Worten, man werde die „Wetterentwicklung&quot; weiter beobachten, in den Urlaub</mark>. Oder wie Forscher Niklas Höhne sagt: <em>“Er hat es einfach nicht verstanden.” </em></p><p>Kein Gipfel, keine Ministerschalte, keine Regierungserklärung. Die Bundesregierung schweigt weitgehend zur Hitze und zu den Toten dieses Sommers. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/339b914e-b0b9-4604-8e44-0152e4a9351b/uploads/images/f4hfcdvcsn/Wasserpegel.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p><strong>Der Druck wächst</strong></p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Dieses Schweigen wird gerade schwerer zu halten. Deutschland steckt in der nächsten Hitzewelle.</mark></p><p>Und die kommenden Monate versprechen keine Entspannung: Die US-Ozean- und Wetterbehörde NOAA beziffert die Wahrscheinlichkeit eines sehr starken El-Niño-Ereignisses zum Jahresende auf 81 Prozent. Solche Ereignisse treiben die globalen Temperaturen vor allem im Folgejahr. 2027 dürfte also noch heißer werden.</p><p>Die besorgniserregenden Berichte der Klimaforscher werden mit dröhnendem Schweigen quittiert: </p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fpbs.twimg.com%2Fmedia%2FHPDC2URa8AAclMJ%3Fformat%3Djpg%26name%3Dlarge?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=36450ed6f6521429febffb28de5d3e44" alt="Image"/><p>Gleichzeitig melden sich immer mehr Institutionen, die das Thema nicht mehr hergeben. Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt <a href="https://www.kn-online.de/schleswig-holstein/goldschmidt-nennt-merz-haltung-zu-hitzetoten-fast-ruecktrittsgrund-T4RZRRVF3RHOPGFHZLQNV4CKYU.html">stellte etwa am Mittwoch</a> die <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Klimaanpassungsstrategie </mark>seines Landes vor und sagte dabei:</p><p><em>„Dieses Achselzucken, angesichts von 10.000 Toten, des Bundeskanzlers, das ist empörend und es ist aus meiner Sicht fast ein Rücktrittsgrund, sich mit diesem Thema nicht zu befassen.&quot;</em></p><ul><li><p>Tobias Goldschmidt, Umweltminister Schleswig-Holstein</p></li></ul><p>Die <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Bundesärztekammer </mark>fordert gemeinsam mit rund 80 europäischen Gesundheitsorganisationen, extreme Hitze als ernsthafte Gesundheitsgefahr anzuerkennen und Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen klimafest zu machen. Das zielt exakt auf die Gruppe, die in der RKI-Statistik den größten Anteil stellt: Menschen ab 75. </p><p>Vor dem Kanzleramt standen am Donnerstag BUND, Fridays for Future und Nabu:</p><p><em>„Wir fordern Bundeskanzler Merz und sein Kabinett dazu auf, einen Hitzegipfel einzuberufen. Bund, Länder und Kommunen müssen ihre Aktivitäten strategisch aufeinander abstimmen.&quot;</em></p><ul><li><p>Gemeinsame Erklärung von BUND, Fridays for Future, Nabu und weiteren Organisationen</p></li></ul><p>Die ZEIT-Journalistin Petra Pinzler hat in einem Kommentar daran erinnert, wie dieses Land Krisen behandelt, die es ernst nimmt: Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gab es Gipfeltreffen und Rüstungsprogramme fast über Nacht, nach Ceuta berieten die Innenminister binnen Tagen. Ihre Forderung: nach der Zeitenwende die <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Hitzewende</mark>.</p><h2><strong>Die Antwort: ein Plan, nächstes Jahr</strong></h2><p>Was stattdessen aus der Bundesregierung kommt, klingt so: Umweltminister Carsten Schneider hat einen <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Hitzeaktionsplan </mark>in Aussicht gestellt und auf die Kommunen verwiesen. Sein Staatssekretär Jochen Flasbarth wurde im ZDF konkreter, der Plan solle 2027 kommen. Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille sagte dazu:</p><p><em>„Wir haben in Deutschland nicht umsonst eine Staatsstruktur aus Kommunen, Ländern und dem Bund mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Wichtig ist, dass alle Ebenen ihre Aufgaben erfüllen.&quot;</em></p><ul><li><p>Sebastian Hille, stellvertretender Regierungssprecher</p></li></ul><p>Föderal ist das korrekt. Für mehr Schutz fordern etwa die Demonstranten vor dem Kanzleramt eine bessere Koordinierung zwischen den Staatsebenen. </p><p>Die Klimaforschung hat für solche Antworten seit 2020 einen Namen: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Verzögerungsdiskurse</mark>. Vier Argumentationsmuster, die an die Stelle des Leugnens getreten sind, seit das kaum noch Publikum findet. Das Verschieben von Verantwortung auf andere ist das erste davon.</p><p>Welche vier Ausreden das sind und wie eine einzige Juliwoche Belege für alle vier lieferte, lesen Sie in <a href="https://www.cleanthinking.de/verzoegerungsdiskurse-vier-ausreden/">Vier Ausreden, seit Leugnen nicht mehr reicht</a>.</p><h2><strong>Nichthandeln seit Dekaden: am Rhein seit 1992</strong></h2><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FNiedrigwasser-im-Rhein.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=19bc90daf70d8d1fb855fbb89556b029" alt="Niedrigwasser im Rhein (KI-generiert)"/><p>Wie lange Berlin ein Problem kennen kann, ohne zu handeln, ließ sich diese Woche am Rhein besichtigen. Der Pegel Kaub zeigte am Mittwoch 17 Zentimeter, der tiefste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. Dürreperioden dieser Art sind in Westeuropa durch den Klimawandel 80-mal wahrscheinlicher geworden, hat die World Weather Attribution berechnet.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Verkehrsminister Steffen Bilger</mark>, seit einer Woche im Amt, lud zum Krisengipfel nach Bonn: Industrie, Reeder, Spediteure, Häfen. Umweltverbände waren nicht eingeladen.</p><p>Im Phoenix-Interview am Morgen auf die Pläne angesprochen, verwies Bilger auf den Bundesverkehrswegeplan, dort liege längst alles auf dem Tisch. Der Verweis trifft den Kern des Problems: Der Ausbau von Mittel- und Niederrhein steht dort seit 1992 als vordringlicher Bedarf. Der Verband der Binnenschifffahrt rechnet vor, was das bedeutet:</p><p><em>„Es ist beschämend, dass der Bund sich also seit 34 Jahren vornimmt, etwas für die Güterschifffahrt und ihre Kunden zu tun, ohne dass allzu viel passiert ist.&quot;</em></p><ul><li><p>Jens Schwanen, Geschäftsführer Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt</p></li></ul><p>34 Jahre Ankündigung, und der Gipfel dieser Woche sollte laut Ministeriumssprecher zunächst „Problemstellungen und Herausforderungen&quot; identifizieren. Dazu eine Randnotiz aus demselben Interview: Das Förderprogramm für die Umrüstung von Schiffen auf niedrigwassertaugliche Rümpfe, eine der wenigen kurzfristig wirksamen Maßnahmen, steht im kommenden Haushalt zur Kürzung an.</p><p>Zur Wirkung der Ausbaumaßnahmen sagte Bilger selbst:</p><p><em>„Es gibt keine einfache Lösung für das Niedrigwasserproblem. Und diese Ausbaumaßnahmen sind auch nicht das Allheilmittel.&quot;</em></p><ul><li><p>Steffen Bilger, Bundesverkehrsminister</p></li></ul><p>Rückendeckung bekommt er von unerwarteter Seite:</p><p><em>„Wenn kein Wasser da ist, hilft auch die tiefste Fahrrinne nicht.&quot;</em></p><ul><li><p>Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer Verband der Chemischen Industrie</p></li></ul><p>Geschwiegen wurde in Bonn über die Frage, wie das Wasser in der Landschaft bleibt. Die Verbände, die dazu etwas zu sagen hätten, saßen nicht am Tisch.</p><p>Warum Fahrrinnenvertiefung das Wasser nicht ersetzt, das der Fluss nicht mehr führt, steht in <a href="https://www.cleanthinking.de/niedrigwasser-im-rhein-fahrrinnenvertiefung/">unserer Einordnung zum Niedrigwasser im Rhein</a>.</p><h2><strong>Sie hätte besser geschwiegen</strong></h2><p>Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gehört zu den Mitgliedern der Bundesregierung, die auch diese Woche nicht geschwiegen hat. Sie sprach zwar nicht zur Hitze, sondern zu Energiewende und Stromkosten. Doch sie hätte besser geschwiegen. </p><p>Reiche gab der Deutschen Presse-Agentur ein Interview und stellte sinkende Strompreise in Aussicht, spürbar allerdings erst in den 2030er Jahren. Nur führt vieles von dem, was sie sagte, in die Irre. Sie tut das Gegenteil von dem, was sie sagt. Der Reihe nach.</p><p>Ihre Begründung für die hohen Netzentgelte: der Ausbau der Erneuerbaren und der gesetzliche Anspruch auf Netzanschluss hätten einen Netzausbau erzwungen, der nicht zeitgerecht zu schaffen war.</p><p>Der Physiker und Transformationsexperte Mario Buchinger hat das Interview Satz für Satz geprüft. Sein Einwand lässt sich nachrechnen: Die 18 größten Verteilnetzbetreiber erzielten 2024 im Schnitt 30,1 Prozent Eigenkapitalrendite, einzelne deutlich mehr. Die Bundesnetzagentur hält je nach Anlage 3,5 bis 6,7 Prozent für angemessen.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=_EbmzlkKwnQ&amp;t=4s">https://www.youtube.com/watch?v=_EbmzlkKwnQ&amp;t=4s</a><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Nicht der Netzumbau treibt die Netzentgelte, sondern was die Netzbetreiber daran verdienen.</mark></p><p>Auch Reiches zweite These, die EEG-Novelle von 2014 sei eine Last, die man bis heute trage, hält der Prüfung schwer stand. Rund 58 Prozent des Stromverbrauchs deckten Erneuerbare im ersten Halbjahr 2026, der Strommix ist so sauber wie nie, die Erzeugungskosten sind niedrig. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Das waren Investitionen, deren Früchte gerade reifen.</mark></p><p>Und die Gaskraftwerke, auf die Reiche setzt? Für die erste Kapazitätsmarkt-Ausschreibung am 8. September musste die Gebotsobergrenze von <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">173.000 auf 244.000 Euro je Megawatt und Jahr angehoben werden</mark>, damit überhaupt jemand bietet. Bezahlt wird die Bereitstellung, nicht der Strom.</p><p>Dazu ein Detail, das in diese Woche passt: Gas- und Kohlekraftwerke brauchen Kühlwasser, genau wie die Kernkraftwerke in Ungarn und Rumänien, die gerade wegen Wassermangel vom Netz gehen. Wind und Sonne brauchen keines.</p><p>Die vollständige <a href="https://www.cleanthinking.de/strompreis-entlastung-reiche/">Analyse des Reiche-Interviews</a> gibt es bei Cleanthinking.</p><h2><strong>Einer schweigt nicht mehr</strong></h2><p>Wer an dem Pfad verdient, den Reiche verteidigt, zeigen die Quartalszahlen. Acht große Ölkonzerne, von Saudi Aramco über Shell bis ExxonMobil, haben im zweiten Quartal fast 93 Milliarden Dollar Nettogewinn erzielt, fast doppelt so viel wie im Vorjahresquartal.</p><p>Das sind mehr als <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">700.000 Dollar pro Minute</mark>, Tag und Nacht. Treiber war der Ölpreissprung nach dem Krieg gegen Iran.</p><p>Zu diesen Übergewinnen schweigt ausgerechnet einer nicht mehr: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Donald Trump kritisierte Chevron und ExxonMobil</mark> öffentlich, sie verdienten mit seinem Krieg „zu viel Geld&quot;, und drohte, die Konzerne zur Rückgabe von Gewinnen zu zwingen.</p><p><em>„Man merkt, dass Big Oil es übertreibt, wenn sogar Trump, einer ihrer größten Verbündeten, ihnen sagt, sie sollen ihre Profitmacherei zügeln.&quot;</em></p><ul><li><p>Patrick Galey, Global Witness</p></li></ul><p>Wer im Krisenquartal wie viel verdient hat und warum die Debatte über eine Übergewinnsteuer zurück ist, lesen Sie in <a href="https://www.cleanthinking.de/uebergewinne-oelkonzerne-93-milliarden-dollar/">unserer Auswertung der Quartalszahlen</a>.</p><h2><strong>Warum die Straße so leise war</strong></h2><p>Dass ausgerechnet die Klimabewegung dieses Schweigen so lange nicht gestört hat, hat<a href="https://www.spiegel.de/kultur/lea-bonasera-die-klimabewegung-ist-ausgebrannt-tot-ist-sie-nicht-a-88611f0c-597c-4464-8009-e45a7fa5438d"> Lea Bonasera im SPIEGEL</a> erklärt. Die Mitgründerin der Letzten Generation und Protestforscherin nennt drei Gründe: Erschöpfung nach Jahren des Engagements, Repression, und die Verschiebung des Engagements Richtung Antifaschismus.</p><p>In einer Umfrage unter rund 160 Klimaprotestierenden gaben 83 Prozent an, Repressionen erlebt zu haben. Eurowings und der Flughafen Berlin Brandenburg verklagen sechs Protestierende auf zusammen 185.000 Euro. Bonasera selbst gehört zu 13 Menschen, gegen die nach Paragraf 129 StGB ermittelt wird.</p><p>Die Demonstration vor dem Kanzleramt an diesem Donnerstag zeigt, dass sich das gerade ändert.</p><p><em>„Die entscheidende Frage für Protestbewegungen ist nicht ihre Sichtbarkeit im Moment. Sondern ob es ihnen gelingt, ihre Energie dauerhaft und zäh zu verstetigen - und in echte Macht umzusetzen.&quot;</em></p><ul><li><p>Lea Bonasera, Protestforscherin und Mitgründerin der Letzten Generation</p></li></ul><h2><strong>Wo gehandelt statt geschwiegen wird</strong></h2><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FHydnum-Steel-gruener-stahl-Spanien.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=25d68a607f48b6d9853f05fc143cd451" alt="Hydnum Stelle grüner Stahl aus Spanien"/><p>Pinzler nennt in ihrem Kommentar Länder, von denen Deutschland lernen könne, darunter <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Spanien</mark>, wo man das Energiesystem umbaut. </p><p>Diese Woche haben wir zweimal genau von dort berichtet: <a href="https://www.cleanthinking.de/hydnum-steel-cofides-investition-clean-steel/">Hydnum Steel erhält 150 Millionen Euro</a> von der staatlichen Cofides für Spaniens erstes Clean-Steel-Werk, und die <a href="https://www.cleanthinking.de/keramikindustrie-elektrifizieren-equipe-ceramicas/">spanische Keramikindustrie ersetzt Gasöfen durch elektrische</a>, in einer Branche, die als schwer elektrifizierbar galt. Weltweit hat die installierte Solarleistung diese Woche die Marke von drei Terawatt überschritten, in Rekordtempo.</p><p>11.900 Hitzetote in einem Sommer. 34 Jahre vordringlicher Bedarf am Rhein. Ein Aktionsplan, angekündigt für 2027. 150 Millionen Euro für ein Stahlwerk in Spanien. Über die ersten drei Zahlen wird in Berlin geschwiegen, vertagt oder beschwichtigt. Die vierte zeigt, wie Handeln klingt.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p>Kontakt für Leserfeedback: <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 07 Aug 2026 05:00:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Unten wird entschieden]]></title>
      <description><![CDATA[EEG 2027 und Netzpaket sind vom Kabinett abgesegnet. Das Risiko der Energiewende verschiebt sich nach unten. Aber dort wird trotzdem weiter gebaut... ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>vorgestern, am 29. Juli, hat das Kabinett in Berlin zwei Gesetzentwürfe beschlossen: EEG 2027 und Netzpaket. Vor zwei Wochen hatten die Verbände dafür drei Werktage Zeit zur Stellungnahme, letzte Woche hieß dieses Cleantech Briefing deshalb <strong>„Gebremst, nicht gestoppt&quot;.</strong> Jetzt liegt der Beschluss vor.</p><p>Das Kabinett hat am Mittwoch vor allem eines geregelt: wer künftig das Risiko trägt, wenn Netze fehlen und Strom abgeregelt wird. Die Antwort steht in den Paragrafen: Bürgerenergie, Kommunen, Hausbesitzer. Wer diese Woche genauer hinschaut, sieht aber auch das Gegenstück dazu: Unten, fernab der Kabinettstische, wird längst gebaut.</p><h2><strong>Was das Kabinett wirklich verteilt hat</strong></h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f3ba05ce-aecf-43a0-b339-d3a55958315f/uploads/images/lacuqicxlq/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ein Kabinettsbeschluss ist zunächst ein Regierungsentwurf. Bis daraus geltendes Recht wird, folgen Bundestag, Ausschüsse, Bundesrat und die beihilferechtliche Prüfung durch die EU-Kommission. Ein Inkrafttreten lässt sich seriös noch nicht datieren.</p><p>Konkret ist der Entwurf trotzdem: Das 80-Prozent-Ziel für 2030 bleibt, im ersten Halbjahr 2026 lag der Anteil Erneuerbarer am Stromverbrauch bei rund 58 Prozent. Für Neuanlagen unter 25 Kilowatt entfällt die feste Vergütung, an ihre Stelle tritt ein Direktvermarktungsbonus von 1,5 Cent je Kilowattstunde für vier Jahre. Wer keinen Speicher hat, muss künftig eine dauerhafte Kappung der Einspeisespitze auf 50 Prozent der installierten Leistung hinnehmen.</p><p>Das Netzpaket zieht nach: Neue Wind- und Freiflächen-PV-Anlagen bekommen ab 2027 nur noch einen Netzanschluss für 70 Prozent ihrer Kapazität. In besonders engen Netzgebieten sind bis zu 5 Prozent Abregelung ohne Entschädigung möglich, für maximal sechs Jahre, ein früherer Entwurf sah noch 3 Prozent und zehn Jahre vor. Die Bundesmittel für den Ausgleich steigen von 0,04 Milliarden Euro im Jahr 2027 auf 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2032.</p><p>Die Zahlen stehen fest, gestritten wird über ihre Bewertung. Carsten Körnig vom BSW-Solar warnt vor „No-Go-Areas für Erneuerbare Energien&quot;.</p><p><em>„Die jetzt vorgesehene Deckelung macht Projekte wieder bankfähig und steuert den Zubau dorthin, wo die Netze noch Luft haben, das ist der richtige Mechanismus: lenken statt abwürgen.&quot;</em></p><ul><li><p>Michael Sterner, Leiter FENES, OTH Regensburg</p></li></ul><p>Wer am Ende das Abregelungsrisiko trägt, hängt an der Unternehmensgröße. Uwe Holzhammer von der TH Ingolstadt weist darauf hin, dass große Konzerne dieses Risiko über ihr Anlagenportfolio streuen können. Kommunen, Bürgerenergiegesellschaften und privaten Investoren fehlt dieses Polster.</p><p>Was der Entwurf im Detail regelt, steht in unserem Überblick. Wer das Netzpaket und seine Folgen verstehen will, liest hier weiter: Zum <a href="https://www.cleanthinking.de/eeg-2027-referentenentwurf-was-sich-aendert/">EEG 2027</a> und zum <a href="https://www.cleanthinking.de/netzpaket-kabinett-kritik/">Netzpaket</a>.</p><h2><strong>Wer jetzt rechnen muss</strong></h2><p>Für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer zählt derweil ein Gesetz, das bereits alle Hürden genommen hat: das <strong>Gebäudemodernisierungsgesetz</strong>, verabschiedet vom Bundestag am 10. Juli, <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">unterzeichnet von Bundespräsident Steinmeier</mark>. Neue Gas- und Ölheizungen sind damit wieder ohne Erneuerbaren-Auflage erlaubt.</p><p>Das arbeitgebernahe IW Köln hat vorgerechnet, was das für eine teilsanierte Altbauwohnung mit 10.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch heißt: 1.080 Euro Heizkosten heute, 2.366 Euro im Jahr 2045. Knapp 74 Prozent dieser Mehrkosten kommen allein aus der steigenden Bio-Quote im Brennstoff.</p><p>Bei der Solaranlage tickt eine andere Uhr. Wer noch 2026 baut, sichert sich die alte Vergütung, ab 2027 verschiebt sich die Rechnung Richtung Eigenverbrauch und Speicher.</p><p>Was die neue Gasheizung wirklich kostet und was Sie bei der Solaranlage 2026 noch mitnehmen können, lesen Sie <a href="https://www.cleanthinking.de/gasheizung-kostenfalle/">hier</a> und dort konkret <a href="https://www.cleanthinking.de/solaranlage-2027-eeg-hausbesitzer/">für Hausbesitzer</a>.</p><p>Ob das eigene Haus je an ein Wärmenetz kommt, entscheidet die eigene Stadt, Berlin setzt nur den Rahmen. Köln hat seinen Wärmeplan vier Monate vor der gesetzlichen Frist beschlossen: eine 150-Megawatt-Flusswasser-Wärmepumpe in Niehl für rund 280 Millionen Euro, der Fernwärmeanteil soll von 8 auf rund 30 Prozent steigen, das Leitungsnetz von 380 auf 580 Kilometer wachsen. Zur Wahrheit gehört: Langfristig hängt nur etwa ein Viertel der Kölner Gebäude überhaupt am Wärmenetz.</p><p>Welche Stadt wie weit ist, <a href="https://www.cleanthinking.de/kommunale-waermeplanung/">führen wir laufend zusammen</a>. </p><h2><strong>Und unten wird gebaut</strong></h2><p>Während in Berlin über Deckelung und Kappung gestritten wird, meldet der Fuhrpark ein anderes Ergebnis. Erstmals ist das batterieelektrische Auto die führende Antriebsart in deutschen Firmenflotten, mit 30 Prozent der Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2026 vor Diesel und Benzin. 94 Prozent der Großflotten haben inzwischen E-Fahrzeuge im Bestand, 74 Prozent der Fuhrparkchefs mit E-Erfahrung nennen die Wirtschaftlichkeit als Grund.</p><p>Über die Hälfte aller deutschen Pkw-Neuzulassungen läuft über gewerbliche Halter, diese Kurve prägt also den Gesamtmarkt. An ihr hängt eine zweite Änderung, die kaum jemand bemerkt hat: Seit 1. Januar 2026 streicht die EnWG-Novelle die doppelten Netzentgelte für E-Autos, die Strom ins Netz zurückspeisen. Diese Regeländerung, mehr als jeder technische Fortschritt, öffnet den Massenmarkt für bidirektionales Laden: VW und Elli starten Ende 2026, mit bis zu 720 Euro Anschlussbonus im ersten Jahr.</p><p>Der Engpass liegt woanders. Weltweit fuhr 2025 jedes vierte neu verkaufte Auto elektrisch, Westeuropa kommt bei Schnelllademöglichkeiten auf einen Anteil von 20 Prozent, China auf 48 Prozent. In Westeuropa teilen sich rund 45 Batterieautos einen Schnellladepunkt, wirtschaftlich tragfähig wird der Betrieb erst ab gut 100 Fahrzeugen pro Punkt.</p><p>Auch die Industriewärme zeigt dieses Muster: Die Technik ist da, der Preis entscheidet. Über 70 Prozent der deutschen Prozesswärme sind fossil, Strom deckt gerade einmal 4 Prozent. Industriestrom kostet zwei- bis dreimal so viel wie Erdgas, unterhalb von 200 Grad Celsius ist die Wärmepumpe trotzdem schon heute günstiger als der Gaskessel.</p><p><em>„Gasbrenner raus, heiße Luft von Heatrix rein.&quot;</em></p><ul><li><p>Wei Wu, Heatrix, Bremen</p></li></ul><p>Was diese Umstellung europaweit bringt, hat die IEEFA in Kubikmeter Erdgas umgerechnet. Der Zubau an Wärmepumpen, Solar- und Windkraft hat der EU 2024 eine Gasnachfrage von 8,8 Milliarden Kubikmetern erspart, rund zwei Drittel dessen, was Europa an katarischem LNG importiert. Deshalb trifft ein Lieferausfall aus dem katarischen Terminal Ras Laffan Europa inzwischen kaum noch.</p><p>Kurz notiert: CorPower Ocean hat als erste Wellenenergie-Anlage weltweit ein DNV-Prototypenzertifikat erhalten, nach sieben Jahren Prüfung und einer überstandenen 18,5-Meter-Sturmwelle. Cylib übernimmt einen Recyclingstandort in Wernberg-Köblitz für bis zu 10.000 Tonnen Altbatterien im Jahr. Toyota wird dritter gleichberechtigter Gesellschafter bei Cellcentric. OutNature baut in Schwedt eine Strohfaseranlage für 7.000 Tonnen im Jahr.</p><p>Was die Elektrifizierung der Wärme für Gasimporte insgesamt bedeutet und wie Industriebetriebe an der Strompreisfrage rechnen, lesen Sie hier. [LINK: Wärmepumpen ersetzen Gasimporte] (/waermepumpen-ersetzen-gasimporte/) [LINK: Industriewärme Strompreis] (/industriewaerme-strompreis/)</p><h2><strong>Der Rest der Welt, und eine Gegenrede</strong></h2><p>China meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Kohleanteil von 49,7 Prozent am Strommix, erstmals unter der Hälfte. Speicherinvestitionen legten um 74 Prozent zu, Netzinvestitionen um 14 Prozent, und der 15. Fünfjahresplan strebt bis 2030 rund 3.500 Gigawatt Erneuerbaren-Leistung an. Ehrlich bleibt: Der absolute Kohleverbrauch steigt dabei weiter, und nicht-fossile Energie soll 2030 erst ein Viertel des Gesamtverbrauchs decken.</p><p>Aus den USA kommt der Kontrapunkt. Das Kernkraftwerk Palisades in Michigan sollte nach zwei Jahren Stillstand wieder ans Netz gehen, vier Jahre später fließt noch immer kein Strom, trotz 1,52 Milliarden Dollar Darlehen vom US-Energieministerium und weiteren 300 Millionen aus Michigan. Laut Öko-Institut liegen die CO₂-Vermeidungskosten von Kernkraft bei 285 bis 420 Euro je Tonne, Windkraft an Land kommt auf minus 37 bis minus 26 Euro.</p><p><em>„Es ist, als baue man ein Feuerwehrauto auf dem Weg zum Brand.&quot;</em></p><ul><li><p>Jeff Borah, General Manager Anlagenbetrieb, Holtec</p></li></ul><p>Apollo News und Fritz Vahrenholt machen derweil aus einer seit 2024 öffentlich dokumentierten Sicherheitsplattform Strom einen Geheimplan. Dabei existiert die vergleichbare Sicherheitsplattform Gas bereits seit Oktober 2022, mit rund 2.700 registrierten Großverbrauchern, und kam bislang nie zum Einsatz. Deutsche Stromkunden waren 2024 im Schnitt 11,7 Minuten ohne Strom, ein Rekordtief.</p><p>Vahrenholts Kernzahl „Wind nur an 25 Prozent der Zeit&quot; verwechselt zudem den Kapazitätsfaktor mit den Betriebsstunden: Windräder liefern an deutlich mehr Stunden des Jahres Strom, nur eben selten mit voller Nennleistung.</p><p>Den vollständigen Faktencheck<a href="https://www.cleanthinking.de/vahrenholt-apollo-blackout-angst/)"> gibt es bei Cleanthinking</a>.</p><p>Dieselbe Woche, andere Sprache. Am Sonntag schrieb Tim Stanley im Telegraph, dem Hausblatt des britischen Konservatismus und seit Ende Juni im Besitz von Axel Springer, die Rechte müsse den Klimawandel endlich ernst nehmen. Der Kapitalismus gedeihe nicht in einer Apokalypse.</p><p>Am Mittwoch antwortete ihm Allister Heath im selben Blatt: Der Krieg gegen die Erderwärmung sei verloren, Großbritannien stehe für 0,8 Prozent der globalen Emissionen, also weg mit Netto-Null. Stattdessen anpassen, mit Klimaanlagen, Bewässerung, Entsalzungsanlagen und mehr Swimmingpools.</p><p>Ein Satz aus seiner Aufzählung hebt das ganze Stück aus den Angeln: Dafür brauche es reichlich vorhandenen, billigen Strom. Woher der kommen soll, während man aufhört, Windräder zu bauen, schreibt Heath nicht. Mehr dazu unter „<a href="https://www.cleanthinking.de/seventh-carbon-budget-uk-net-zero-kosten/">Net Zero billiger als die nächste Ölkrise</a>”. Nächste Woche gehen wir dem nach.</p><h2><strong>Bordeaux, und was man im August liest</strong></h2><p>Stefan Rahmstorf war im Urlaub, als in der vergangenen Woche ein Waldbrand bis auf 15 Kilometer an Bordeaux heranrückte. Am Strand stand die Badeflagge auf Grün, während über dem Meer Rauch hing und Asche auf den Sand rieselte.</p><p><em>„Alles leuchtete orange, wie auf dem Mars.&quot;</em></p><ul><li><p>Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung</p></li></ul><p>Die grüne Flagge unter Ascheregen ist ein Bild für Verfahren, die für eine ruhigere Welt gemacht wurden und mit der neuen nicht mehr mithalten.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fwaldbraende-gruene-flagge.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=c47b9ee875b053173c62a5429190a6f7" alt="Waldbraende Bordeaux - Gruene Flagge waehrend Ascheregen (KI-generiert)"/><p>August ist Sommerloch und Lesezeit. Die zwölf Bücher, die wir für 2026 empfehlen, verhandeln genau diese Frage: wie man handelt, wenn die Verfahren der ruhigeren Welt nicht mehr passen. Hier der <a href="https://www.cleanthinking.de/klimabuecher/">Link zur Klimabücher-Seite</a>. </p><p>49,7 Prozent Kohle in China. 30 Prozent Elektroautos in deutschen Firmenflotten. 150 Megawatt Wärme aus dem Rhein. 8,8 Milliarden Kubikmeter Gas, die Europa gar nicht erst gebraucht hat. Keine dieser Zahlen stand auf der Tagesordnung des Kabinetts, sie entstehen in Fuhrparks, Ratssälen und Werkhallen. Nicht oben in Berlin, unten wird entschieden.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p>Kontakt für Leserfeedback: <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 31 Jul 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Gebremst, nicht gestoppt]]></title>
      <description><![CDATA[Reiches EEG 2027 kappt die Solarförderung, der Klimafonds verliert vier Milliarden, und der DWD meldet 41,8 Grad. Die Politik bremst, die Branche baut.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>drei Werktage. So lange durften die Verbände zu einem Gesetz Stellung nehmen, das über die Solarförderung auf Millionen deutscher Dächer entscheidet. Am vergangenen Freitag verschickte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche den Referentenentwurf für das EEG 2027, am Mittwoch endete die Frist, am 29. Juli soll das Kabinett ihn beschließen. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Wer die Energiewende bremsen will, muss sie nicht abschaffen. Es reicht, ihr die Zeit zu nehmen.</mark></p><p>Die letzte Ausgabe dieses CT Briefings liegt - wie angekündigt -  zwei Wochen zurück, sie hieß „Ich bin fassungslos&quot;. Aus der Fassungslosigkeit ist etwas Nüchterneres geworden, und das ist die eigentliche Nachricht dieser vierzehn Tage: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Die Politik geht auf die Bremse. </mark><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die Macher liefern trotzdem.</mark></p><h2><strong>Der Einsatz bleibt derselbe</strong></h2><p>Bevor es um Paragrafen geht, ein Blick nach draußen. Der Deutsche Wetterdienst hat die Hitzewelle dieses Sommers zur Zäsur erklärt, mit 41,8 Grad an der Spitze. Warum solche Rekorde keine Ausreißer sind, sondern Physik, erklärt das Clausius-Clapeyron-Gesetz: Pro Grad Erwärmung hält die Atmosphäre rund sieben Prozent mehr Wasser, das ist der Motor hinter Dürre und Starkregen zugleich. Und wie eine Welt aussieht, in der Waldbrandrauch zum Normalzustand wird, haben wir uns für das Jahr 2040 angesehen. Das ist die Kulisse, vor der die folgende Debatte spielt.</p><p>Die Physik hinter den Wetterrekorden haben wir in einem eigenen <a href="https://www.cleanthinking.de/clausius-clapeyron-gesetz-duerre-starkregen/">Erklärstück aufgeschrieben</a>.</p><h2><strong>Das Herzstück: Reiches EEG 2027</strong></h2><p>Der Kern der Reform trifft die kleinen Dächer. Die feste Einspeisevergütung, aktuell rund 7,78 Cent je Kilowattstunde und über 20 Jahre garantiert, fällt für neue Anlagen weg. An ihre Stelle tritt eine auf 36 Monate befristete Übergangszahlung, danach Direktvermarktung. Neuanlagen unter 25 Kilowatt bekommen gar keine feste Förderung mehr, und ohne Speicher dürfen sie dauerhaft nur die Hälfte ihrer Leistung einspeisen. Reiches Ministerium verkauft das über den Preis: Für Neuanlagen nach dem EEG 2027 plant der Bund im ersten Jahr gerade noch 0,04 Milliarden Euro ein, bis 2032 wächst dieser Posten auf 3,5 Milliarden. Zum Vergleich: Das bisherige EEG kostet den Bundeshaushalt zweistellige Milliardenbeträge pro Jahr.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FSolaranlage-2027.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=8bbd53e9205dbc87807e39ec929a6fce" alt="Solaranlage 2027"/><p>Günstig für den Haushalt, teuer erkauft. Der Bundesverband Erneuerbare Energie beziffert die Branche auf 436.000 Beschäftigte, die Solarwirtschaft rechnet bei kleinen PV-Anlagen mit einem Nachfrageeinbruch um rund zwei Drittel. Und die Wucht endet nicht bei Solar: Vattenfall-Chef Robert Zurawski sieht wegen des überarbeiteten Netzpakets 26 Windprojekte auf dem Prüfstand.</p><p>Was der Entwurf im Detail regelt und wo die Kritik ansetzt, steht in unserem <a href="https://www.cleanthinking.de/eeg-2027-referentenentwurf-was-sich-aendert/">Überblick</a>. Und wer aktuell selbst eine Anlage plant, findet die <a href="https://www.cleanthinking.de/solaranlage-2027-eeg-hausbesitzer/">konkrete Entscheidungshilfe hier</a>.</p><p>Das EEG ist nicht die einzige Bremse dieser zwei Wochen. Weil der Bund den CO2-Preis einfriert, entgehen dem Klimafonds vier Milliarden Euro. Bei den KTF-Kürzungen spart Berlin ausgerechnet am E-Bus, dem Arbeitspferd der Verkehrswende. Die ETS-Reform gibt es immerhin, Freizertifikate soll es künftig nur noch für echten Klimaschutz geben. Und dass Kanzler Merz die Klimaziele weiter vor allem beobachtet, haben wir bereits vor zwei Wochen ausführlich eingeordnet, hier bleibt es bei der Feststellung.</p><h2>Die Gegenrede</h2><p>Gegen die Erzählung vom teuren Irrweg haben in diesen Wochen gleich mehrere Stimmen aufgeräumt. Den Anfang machte ein Faktencheck: Wenn Evonik-Chef Christian Kullmann behauptet, tausend Milliarden Euro seien für nichts geflossen, dann verschweigt er, was diese Investitionen tatsächlich gebracht haben. Die Ökonomin Claudia Kemfert wird grundsätzlicher.</p><p><em>„Diesen fossilen Kapitalismus gilt es zu überwinden.&quot;</em></p><ul><li><p>Claudia Kemfert, Energieökonomin, DIW</p></li></ul><p>Ottmar Edenhofer räumt mit dem Reflex auf, den Klimaschutz zum Sündenbock der Wirtschaftskrise zu machen. Und der CDU-Politiker Thomas Heilmann zeigt, dass die Verteidigung der Klimaneutralität 2045 keine Frage der Parteifarbe ist, sondern manchmal ein Kampf gegen die eigene Lobby.</p><p>Den vollständigen Faktencheck zu Kullmann<a href="https://www.cleanthinking.de/energiewende-nichts-gebracht-kullmann/"> gibt es bei Cleanthinking</a>. </p><h2>Und trotzdem wird gebaut</h2><p>Hier kippt die Geschichte. Denn während in Berlin gebremst wird, liefert die Technik den Gegenbeweis im Wochentakt. In den USA hat Solar erstmals die Kohle überholt, und zwar trotz Donald Trump. Elektroautos sind laut aktueller Auswertung 18 Prozent günstiger als 2020. Energy Dome baut seine erste CO2-Batterie in Australien.</p><p>Am deutlichsten zeigt sich die Electrotech-Revolution dort, wo lange alle abgewinkt haben: in der Industrie. Ein elektrischer XXL-Föhn ersetzt den Gasbrenner, der Flumroc-Ofen beweist Hochtemperatur-Prozesswärme im Realbetrieb, und die Westerwälder Holzwerke fahren ihre Sägewerks-Logistik mit E-Lkw, gelobt von Claudia Kemfert. </p><p>Der eigentliche Star der zwei Wochen aber ist ein alter Bekannter mit neuer Rolle: Methanol. Auf unserer <a href="https://www.cleanthinking.de/methanol-dritte-industrielle-revolution/">runderneuerten Seite</a> ordnen wir ein, warum der Energieträger zur dritten industriellen Revolution gehört und warum Europa dafür kein neues Gasnetz braucht. Passend dazu die Geschichte des E-Kerosins, das in Dresden erfunden und in Shanghai gefeiert wird.</p><p>Kurz notiert, damit nichts untergeht: Perowskit-Solarzellen mit Carboran-Material, Norwegens erstes zertifiziertes BECCS-Projekt, Wasser aus Luft im Kubota-Pilot mit AirJoule, die Aquaductus-Wasserstoffpipeline in der Nordsee. Und während Deutschland bremst, denkt Brüssel voraus: Der geleakte EU-Electrification-Action-Plan zeigt, wie Europa raus aus Öl und Gas will.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FMethanol-statt-Wasserstoff.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=b308655fdebc0c5175cfb1ab7ef46304" alt="Methanol statt Wasserstoff"/><p>Warum Methanol die Debatte um das Gasnetz überflüssig macht, <a href="https://www.cleanthinking.de/methanol-statt-wasserstoff/">lesen Sie hier</a>.</p><h2><strong>Was Sie jetzt tun können</strong></h2><p>Bleibt die Frage, was das alles für Sie bedeutet. Drei Antworten aus diesen zwei Wochen. Erstens: Wer eine Solaranlage plant, sichert sich mit einem Bau noch 2026 die alte, garantierte Förderung, ab 2027 verschiebt sich die Rechnung auf den Eigenverbrauch. Zweitens: Die Wärmepumpe rechnet sich, aber erst das Trio aus Anlage, Speicher und passendem Tarif macht sie zur Sparmaschine. Drittens, für alle in einer Eigentümergemeinschaft: Ein aktuelles BGH-Urteil sortiert, wer über eine Klimaanlage mitentscheiden darf.</p><p>Die konkrete Rechnung für Ihr Dach <a href="https://www.cleanthinking.de/solaranlage-2027-eeg-hausbesitzer/">gibt es hier</a>.</p><p>Zwei Wochen, ein Muster. In Berlin schrumpft die Förderung für neue Solaranlagen Richtung Null, in den USA überholt Solar die Kohle, in Dresden startet das E-Kerosin, das Shanghai feiert. Die Politik nimmt der Energiewende die Zeit. Die Technik nimmt sich ihren Vorsprung trotzdem. Gebremst wird viel in diesen Tagen. Gestoppt wird nichts.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Feedback? Schreiben Sie an </em><a href="mailto:team@cleanthinking.de"><em>team@cleanthinking.de</em></a></p><hr aria-hidden="true"/><h2></h2>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 24 Jul 2026 05:01:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Ich bin fassungslos]]></title>
      <description><![CDATA[Als Katharina Dröge im Bundestag der Hitzetoten gedachte und einen Bericht der Kölner Feuerwehr verlas, blickte der Kanzler zu Boden. Das macht wirklich fassungslos.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>gestern Vormittag, exakt um 10 Uhr, stand Katharina Dröge im Bundestag und gedachte der Menschen, die diesen Sommer an der Hitze gestorben sind. Sie verlas einen Bericht der Kölner Feuerwehr, Einsatz für Einsatz, Kollaps für Kollaps. Friedrich Merz blickte auf seine Akten, kein Wort, keine Regung, neben ihm dieselbe Sprachlosigkeit bei Lars Klingbeil.</p><p>Ich bin fassungslos, und die Cleanthinking-Community auf Facebook ist es ebenfalls, wie <a href="https://www.facebook.com/share/v/1HQXAEqqGj/">diese Debatte bei Facebook zeigt</a>. Von dieser Regierung habe ich keinen ambitionierten Klimaschutz erwartet. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Aber hier wurden Tote betrauert, und die beiden mächtigsten Männer des Landes blickten nicht einmal auf.</mark></p><p>Eine Abrechnung wird dieses Briefing trotzdem nicht. Es hebt stattdessen den Blick: auf die Wissenschaft, die den Kurs längst kennt, und auf die Unternehmen, die ihn bereits bauen.</p><h2><strong>„Die Feuerwehr rückt aus, der Kanzler blickt weg&quot;</strong></h2><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fpbs.twimg.com%2Fmedia%2FHMxjKoYWQAAZSII%3Fformat%3Dpng%26name%3D900x900?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=916a062e1da09989611b15547074c48f" alt="Image"/><p>Der Kontrast dieses Vormittags fasst die deutsche Klimapolitik im Sommer 2026 zusammen. Auf der einen Seite eine Fraktionsvorsitzende, die konkret wird: Namen, Einsätze, der reale Bericht einer realen Feuerwehr. Auf der anderen Seite eine Regierungsspitze, die im Moment des Gedenkens den Blick senkt.</p><p>Dröge blieb bei der Anklage nicht stehen. Wir müssen jetzt in <strong>Hitzeschutz </strong>investieren, um unsere Mitmenschen zu schützen, forderte sie. Verschattung, Trinkwasser, kühle Räume, Hitzeaktionspläne für Kliniken und Pflegeheime: alles verfügbar, alles finanzierbar, alles eine Frage des politischen Willens.</p><p>Der Wille ist da, nur nicht auf der Regierungsbank. Im ARD-DeutschlandTrend sprechen sich <a href="https://presse.wdr.de/plounge/tv/das_erste/2026/07/20260702_deutschlandtrend_klima.html">89 Prozent der Befragten</a> dafür aus, dass die Politik mehr Geld bereitstellt, um Verkehrswege, Schulen und Krankenhäuser auf künftige Hitzephasen vorzubereiten. Selbst unter Unions-Anhängern sind es 83 Prozent, unter AfD-Anhängern 81 Prozent.</p><p>Die Bevölkerung ist also weiter als ihr Bundeskanzler, sogar innerhalb der Kanzlerpartei.</p><h2>Europa bricht den nächsten Rekord</h2><p>Wer den Blick hebt, sieht als Erstes: Die Hitze wartet nicht, bis ein Haushalt beschlossen ist. Während Berlin schweigt, glüht Frankreich erneut.</p><p>Erst im Juni meldete Météo France mit 44,3 Grad im südwestfranzösischen Pissos den heißesten Tag seit Messbeginn 1947. An einem einzigen Tag fielen 339 lokale Hitzerekorde. Paris knackte die 40-Grad-Marke, erst zum vierten Mal in 150 Jahren.</p><p>Jetzt läuft die nächste Welle. Im Breisgau werden am kommenden Dienstag wieder 40 Grad erwartet. Die Sommer stapeln ihre Rekorde inzwischen im Abstand von Wochen statt von Jahren. Was Klimaforscher seit Jahrzehnten als Kurve zeichnen, steht als Thermometerwert vor der Haustür.</p><h2><strong>Was Rahmstorf und Jacobson auf die Agenda setzen</strong></h2><p>Zwei Wissenschaftler, die nie weggesehen haben, prägen gerade die Debatte. Und beide zeigen in dieselbe Richtung.</p><blockquote><p>„Jedes Zehntelgrad zählt.&quot;</p></blockquote><p>- Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung</p><p>Jedes vermiedene Zehntelgrad senkt Leid und Kosten. Klimaschutz und Klimaanpassung gehören damit an die Spitze der Prioritätenliste jeder Regierung, gerade in einem Sommer wie diesem.</p><p>Rahmstorf hat diese Woche in einem beeindruckenden Webinar die Zukunft der AMOC erklärt:</p><a href="https://www.cleanthinking.de/stefan-rahmstorf-amoc-kipppunkt/">https://www.cleanthinking.de/stefan-rahmstorf-amoc-kipppunkt/</a><p>Mark Z. Jacobson ( Stanford University) liefert die Ermutigung dazu: Die Technologien, um Volkswirtschaften vollständig mit Wind, Wasser und Sonne zu versorgen, existieren bereits. Sein Team hat entsprechende Fahrpläne für 145 Länder durchgerechnet. Es fehlt kein Wunder, es fehlt Umsetzung.</p><p>Sein Namensvetter, Eliot Jacobson, Mathematiker im Ruhestand, macht derzeit mit solchen Grafiken fassungslos:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/37f904cf-e086-48b3-a2c6-14abbe287660/uploads/images/ca3ys224ss/741197851_1538380861111630_6582199379208276293_n.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>El Nino wird <a href="https://www.facebook.com/cleanthinking/posts/pfbid023DuDmjbpxLFt8H3A11q9gQMEzbS7nRdVUV3Ba3FPgbHBfHKbdvWLsoBQ35sgGiSAl?__cft__[0]=AZYcTqOKw5eeFkWCMaWuBtsKj68hQ3Irgk4LfnKtEe_h0z3kOQWvyYb9_OPWqiExbCqQpZE8MO-mHnbNQHNHVzvgSB7DJCOGM2rE00fIMdLMDCLBiZib0wKhSAc0teMv6FQAWRxfH92j1of7WUFOzUQ4ZRY3bqtxnsYaBRL7cdzVZHjF8Ma9CFpRVRltM4KQxRQ&amp;__tn__=%2CO%2CP-R">in Godzilla-Größe über uns hinwegrollen</a>. Jörg Kachelmann spricht auch deshalb davon, es werde für große Teile Mitteleuropas ein “Scheiß-Sommer”. </p><h2><strong>Milliarden kleiner Schritte, und lauter Gestalter</strong></h2><p>Diese Umsetzung läuft längst, nur selten dort, wo die Kameras stehen. <a href="https://www.cleanthinking.de/colipi-oel-aus-co2/">Die Hamburger COLIPI</a> produzieren per Fermentation klimafreundliche Öle und Fette und machen fossile und palmölbasierte Rohstoffe überflüssig. Die norwegische Kyoto Group speichert <a href="https://www.cleanthinking.de/industrieller-waermespeicher-heatcube-kyoto/">erneuerbare Wärme in ihrem Heatcube</a> und drängt das Erdgas aus der Industriewärme.</p><p>Zwei Beispiele von vielen. Die Nachfrage nach Öl und Gas sinkt, weil bessere Technik sie Schritt für Schritt ersetzt. Jede Wärmepumpe zählt dabei genauso wie jeder industrielle Wärmespeicher.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fpbs.twimg.com%2Fmedia%2FHMxjD-dXoAE1lVy%3Fformat%3Dpng%26name%3D900x900?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=1975e73de7b39a395014ff97d07c5f43" alt="Image"/><p>Wer heute auf das Standbild aus dem Bundestag blickt, hat zwei Möglichkeiten: resignieren oder bauen. Wir haben uns 2009 für das Zweite entschieden, und dieser Sommer bestätigt die Wahl jeden Tag aufs Neue.</p><p>Deshalb zum Schluss die Frage, die ich mir selbst jeden Morgen stelle: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Tragen Sie heute dazu bei, die saubere Zukunft zu bauen? Oder machen Sie die Menschen sichtbar, die es tun? Beides zählt. Und beides ist mehr, als zu Boden zu blicken.</mark></p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p>P.S.: Das nächste CT Briefing kommt - urlaubsbedingt - eventuell ein paar Tage später. Wir bitten um Verständnis.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fpbs.twimg.com%2Fmedia%2FHMxjKoYWQAAZSII%3Fformat%3Dpng%26name%3D900x900?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg&amp;s=9f8bde5ba21c122035ced261c5511070" medium="image"/>
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      <pubDate>Fri, 10 Jul 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Jetzt wird gebaut]]></title>
      <description><![CDATA[Spatenstich in Klostermansfeld, DAC-Einweihung in Berlin, Dampf aus flüssigem Salz: Während der Klimaanlagen-Kulturkampf tobt, entsteht die flexible Energiewelt.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/81c73f3b-db52-4aee-967c-315445736a7e/uploads/images/kky46bdied/KMF_Groundbreaking_Photo_%281%29.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Bild: EW ESS</figcaption></figure><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>am Mittwoch stand Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann auf einer <strong>Industriebrache in Klostermansfeld</strong>, einer Gemeinde mit 3.000 Einwohnern im Landkreis Mansfeld-Südharz, und griff zum Spaten. Auf 15 Hektar versiegelter Fläche entsteht dort Deutschlands größter Batteriespeicher. In Berlin-Marzahn weihte das Cleantech-Startup Ucaneo gestern die erste deutsche Anlage ein, die CO2 aus der Luft filtert und dauerhaft im Untergrund speichert. Und seit heute Morgen steht bei Cleanthinking ein Gespräch über flüssiges Salz, das Industriebetrieben den Gaskessel ersetzt.</p><p>Letzte Woche endete dieses Briefing mit dem Satz, die Hitze habe vorgeführt, was das Warten kostet.<mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit"> Diese Woche liefert die Gegenbewegung: Es wird gebaut.</mark></p><h2>Dampf aus flüssigem Salz, Regelenergie inklusive</h2><p>Die Energiewende hat eine vergessene Hälfte. 75 Prozent der industriellen Prozesswärme in der EU stammen noch aus fossilen Quellen, Strom deckt gerade vier Prozent, so das Fraunhofer ISI. „<em>Industriebetriebe brauchen typischerweise zwei Drittel ihrer Energie als Wärme und nur ein Drittel als Strom</em>&quot;, sagt Tim de Haas, Chief Commercial Officer der norwegischen Kyoto Group, im Gespräch mit Cleanthinking. Beim Strom ist die Dekarbonisierung weit gekommen, die Wärme holt erst jetzt auf.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/81c73f3b-db52-4aee-967c-315445736a7e/uploads/images/u243cdzshw/admin-ajax.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Antwort der Norweger heißt <strong>Heatcube</strong>: Flüssiges Salz wird mit Strom auf über 415 Grad erhitzt und gibt die Energie als Prozessdampf bei 150 bis 300 Grad wieder ab. Heizen, Speichern, Übertragen, alles im selben Medium, ohne Zwischensystem. Weil die Schmelze fließt, kann die Anlage gleichzeitig laden und entladen. </p><p>Die größte Anlage steht beim Lebensmittelproduzenten <strong>KALL Ingredients</strong> in Ungarn: 56 Megawattstunden Speicherkapazität, nach Unternehmensangaben der größte elektrifizierte thermische Industriespeicher Europas, finanziert und betrieben von Kyoto Group, der Kunde kauft nur den Dampf.</p><p>Der eigentliche Präzedenzfall steht aber in Aalborg. Dort hat Netzbetreiber Energinet den Heatcube als weltweit ersten Salzschmelze-Speicher für den Regelenergiemarkt zugelassen, Reaktionszeit unter drei Sekunden. Ein Wärmespeicher, der Dampf liefert und nebenbei das Stromnetz stabilisiert: Genau diese Doppelrolle honoriert auch die EU. In der milliardenschweren Pilotauktion zur Elektrifizierung von Prozesswärme gilt eine Kapazitätsgrenze, damit Anlagen nicht in Knappheitsstunden Strom ziehen. Projekte mit Speicher sind davon ausgenommen, weil sie laden, wenn Strom im Überfluss da ist.</p><blockquote><p>„Wenn du Dampf brauchst, speichere die Energie in Form von Wärme.&quot;  (Tim de Haas, Chief Commercial Officer, Kyoto Group)</p></blockquote><p>Der <a href="https://www.cleanthinking.de/industrieller-waermespeicher-heatcube-kyoto/">vollständige Beitrag ist heute Morgen</a> bei Cleanthinking erschienen.</p><h2>Ein Gigawatt auf der Brache</h2><p>Was das Salz für den Dampf ist, ist die Batterie für das Netz. In Klostermansfeld baut der Schweizer Betreiber BW ESS jetzt 1.000 Megawatt Leistung und bis zu 5.700 Megawattstunden Kapazität, den größten in Bau befindlichen Batteriespeicher Deutschlands. Mehr als 1.100 Batteriecontainer entstehen auf einer versiegelten Industriebrache, keine Flächenkonkurrenz zur Landwirtschaft, dafür reichlich Lob, auch in den Business-Netzwerken.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/81c73f3b-db52-4aee-967c-315445736a7e/uploads/images/v47llpz4ni/grossspeicher-klostermansfeld-bw-ess-anlage-vogelperspektive-768x432.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Standortwahl ist der Kern des Projekts. Das Umspannwerk Zirkelschacht ist ein zentraler Netzknoten und liegt an der Trasse des SuedOstLink, der ab 2027 Windstrom aus Sachsen-Anhalt nach Bayern transportieren soll. Der Speicher speist direkt in die Höchstspannungsebene ein, kann Erzeugungsspitzen puffern, bevor sie die Leitung überlasten, und Lücken füllen, wenn sie ausgelastet ist. Genehmigt wurde das Ganze ohne eigenen Bebauungsplan, im Einvernehmen mit einer Gemeinde, die erstmals die volle Gewerbesteuer eines Energieprojekts behält.</p><p>Leserinnen und Leser dieses Briefings kennen das Lehrbuchargument aus der Vorwoche: Tagsüber drückt die Photovoltaik die Preise, abends setzen Gaskraftwerke den Takt, wer dazwischen speichert, verdient Geld und stabilisiert das Netz. Klostermansfeld ist die bislang größte deutsche Antwort darauf. Und der Andrang ist enorm: Bei den vier Übertragungsnetzbetreibern liegen Anschlussanfragen für über 500 Gigawatt Speicherleistung, gebraucht werden bis 2035 etwa 55 bis 100. Der Engpass ist nicht Kapital, sondern der Netzanschluss.</p><p>Die vollständige Einordnung zum Projekt gibt es bei Cleanthinking. [<a href="https://www.cleanthinking.de/klostermansfeld-europas-groesster-speicher/">https://www.cleanthinking.de/klostermansfeld-europas-groesster-speicher/</a>]</p><h2>Der Massenmarkt zieht ein</h2><p>Dieselbe Logik skaliert nach unten, bis in die Mietwohnung. Auf der Energiemesse The smarter E in München, 2.650 Aussteller, rund 105.000 Fachbesucher aus 163 Ländern, gab es kaum noch Einzelgeräte zu sehen, sondern Komplettsysteme aus Photovoltaik, Speicher, Wallbox und Wärmepumpe, gesteuert von KI. Heimspeicher kosten im Schnitt noch rund 315 Euro pro Kilowattstunde, ein Drittel weniger als 2023.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/81c73f3b-db52-4aee-967c-315445736a7e/uploads/images/ypzyuwrnt4/energiemanagement-the-smarter-e-messe-muenchen-768x512.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Bild: Solar Promotion</figcaption></figure><p>Volkswagen bringt das bidirektionale Laden in den Volumenmarkt: 360.000 Fahrzeuge in Deutschland sind technisch startklar, die Wallbox von The Mobility House kostet 1.000 bis 2.000 Euro statt des Doppelten bis Fünffachen bisheriger Pilotlösungen. Und Octopus Energy steckt Mietern einen Speicher von der Größe eines Getränkekastens in die Steckdose. Die größere Variante fürs Eigenheim kostet einmalig 1.999 Euro, dafür gibt es zehn Jahre lang null Euro Stromkosten auf die ersten 2.000 Kilowattstunden im Jahr.</p><blockquote><p>„Überall, wo Speicher ins Netz kommt, fallen die Strompreise.&quot; (Herbert Diess, Verwaltungsratschef, The Mobility House)</p></blockquote><p>Je mehr Haushalte mitmachen, desto stärker sinken die Kosten für alle, auch für jene ohne eigene Anlage. Wie die neue Energiewelt den Massenmarkt erobert, <a href="https://www.cleanthinking.de/energiemanagement-massenmarkt-neue-energiewelt/">steht bei Cleanthinking</a>.</p><h2>Sogar die CO2-Entnahme läuft jetzt flexibel</h2><p>Auch das dritte Bauprojekt dieser Woche folgt dem Muster. Die Ucaneo-Anlage in Berlin-Marzahn filtert 150 Tonnen CO2 pro Jahr aus der Luft, mit Strom statt Wärme: Ein enzymbasiertes Lösungsmittel bindet das Gas, elektrische Spannung setzt es wieder frei. Den Strombezug können die Berliner flexibel in Stunden mit viel Wind- und Solarstrom legen. Das CO2 wird nach Dänemark transportiert und dauerhaft in Gesteinsformationen gespeichert. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/81c73f3b-db52-4aee-967c-315445736a7e/uploads/images/ufsewj7ar5/Ucaneo-DAC-Anlage-1024x640.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Bild: Ucaneo</figcaption></figure><p>Beim Preis nennt das Unternehmen unter 300 Euro pro Tonne, Marktführer Climeworks liegt laut Schätzungen bei 600 bis 800 Dollar. Siemens standardisiert die Automatisierung, für 2027 ist eine Folgeanlage mit zehnfacher Kapazität geplant. Eine Flanke bleibt offen: An der Seed-Runde war Aramco Ventures beteiligt, und wer die Entnahme-Zertifikate am Ende nutzen darf, beantwortet das Unternehmen bislang nicht öffentlich.</p><p>Was hinter dem Verfahren steckt und wie es sich von Climeworks unterscheidet, <a href="https://www.cleanthinking.de/ucaneo-dac-anlage-berlin-marzahn-einweihung/">gibt es bei Cleanthinking</a>.</p><h2>Und der Kulturkampf? Läuft ins Leere</h2><p>Während gebaut wird, sucht die Debatte ihr Thema. In Frankreich hat Marine Le Pen die Klimaanlage zum Wahlkampfversprechen gemacht, als „gesunden Menschenverstand&quot; gegen angebliche Verzichtsprediger. Die Kulisse dazu ist bitter: Das RKI schätzt mehr als 800 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland bis zum 21. Juni, die große Juniwelle noch nicht mitgezählt. Die Kölner Leitstelle zählte auf dem Höhepunkt 1.136 Einsätze an einem einzigen Tag, normal sind rund 500.</p><p>In Deutschland hat Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge die importierte Kulturkampf-Vorlage nicht abgewehrt, sondern umgedreht: fünf Milliarden Euro für Klimaanlagen plus Solar in Kitas, Schulen, Kliniken und Pflegeheimen. Der wunde Punkt liegt woanders. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/81c73f3b-db52-4aee-967c-315445736a7e/uploads/images/jpezxyhk4i/Klimaanlagen-Kulturkampf-Installateur-installiert-Klimageraet-768x512.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>KI-generiert</figcaption></figure><p>Das passende Förderprogramm AnpaSo liegt seit Januar auf Eis, wer heute einen Antrag stellen will, kann das nicht. Warum der Kulturkampf beendet ist, bevor er hierzulande richtig begonnen hat, steht im <a href="https://www.cleanthinking.de/klimaanlagen-kulturkampf-zukunft-gestalten/">Kommentar bei Cleanthinking</a>.</p><h2>Schluss</h2><p>415 Grad heißes Salz in Ungarn. 1.100 Batteriecontainer im Mansfelder Land. Ein Speicher im Getränkekastenformat hinter der Wohnungstür. Während die Debatte noch klärt, wer beim Thema Hitze zuerst recht hatte, wird die Antwort längst betoniert, verkabelt und eingesteckt. Es gewinnt, wer einfach baut.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 03 Jul 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Grundlast war gestern]]></title>
      <description><![CDATA[Eine neue Fraunhofer-Studie zeigt: Der günstigste Weg zu einem klimaneutralen Energiesystem ist konsequent elektrisch und bleibt rund um die Uhr zuverlässig.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>in der Nacht zum Dienstag drosselte Frankreichs Stromkonzern EDF das Kernkraftwerk Golfech. Nicht wegen einer Panne, sondern wegen der Hitze: Die Garonne war zu warm, um die Reaktoren noch sicher zu kühlen. Drei weitere Meiler folgten mit Einschränkungen, in der Schweiz halbierte das AKW Beznau seine Leistung. Ausgerechnet jene &quot;Grundlast&quot;, die uns angeblich vor der Wetterabhängigkeit der Erneuerbaren schützt, fiel aus, als die Hitzeglocke über Europa am dichtesten war.</p><h3>Die Hitze treibt die Preise, nicht die Erneuerbaren</h3><p>Die Folge ließ sich an der Strombörse ablesen. Am Mittwoch kletterte der Großhandelspreis in Deutschland in der Spitze auf über 700 Euro je Megawattstunde, in Belgien über 1.000 Euro, in den Niederlanden und Dänemark lag er nicht weit darunter. Treiber war ein Dreiklang: hohe Kühllast, schwacher Wind und der Einbruch der Solarleistung nach Sonnenuntergang.</p><p>Statt 12 Gigawatt Atomstrom exportierte Frankreich lediglich noch 3 Gigawatt - auch, weil Klimaanlagen den eigenen Verbrauch erhöhten. Trotzdem liegen die Strompreis-Kapriolen in Deutschland auch am hiesigen Stromsystem. Es fehlt an Flexibilität.</p><p>Tagsüber drückt die Photovoltaik die Preise, abends übernehmen Gaskraftwerke und setzen den Takt. Wer in dieser Lücke Strom einspeichern und abends ausspeisen kann, verdient Geld und stabilisiert das Netz. Es ist das Lehrbuchargument für Batteriespeicher.</p><p>Wer die Vorgeschichte kennt: Leserinnen und Leser dieses Briefings haben die gedrosselten Reaktoren schon Anfang der Woche bei uns gelesen. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die laufende Hitzewelle und die </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/solar-plus-speicher-grundlast/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Einordnung zum Mythos Grundlast</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit"> gibt es bei Cleanthinking.</mark></p><h2>Und die Rechnung geht über die Strombörse hinaus</h2><p>Wie teuer Hitze insgesamt wird, hat der Kreditversicherer Allianz Trade gerade vorgerechnet. Würden die stärksten Hitzewellen der Jahre 2014 bis 2024 zwischen 2026 und 2030 erneut auftreten, summieren sich die Wachstumsverluste für Deutschland in diesem Szenario auf rund 131 Milliarden US-Dollar. Der Effekt ist nicht linear: Jenseits eines Kipppunkts von etwa 30 Grad sinkt die Stundenproduktivität um rund 3 Prozent je zusätzlichem Grad, während der Energiebedarf um 1,2 Prozent steigt. Also genau dann, wenn die Betriebe mehr kühlen müssen.</p><p>Bemerkenswert ist, dass die Allianz-Analyse exakt den Mechanismus beschreibt, der diese Woche an der Börse sichtbar wurde: Hitze drosselt thermische Kraftwerke in dem Moment, in dem die kühlungsgetriebene Stromnachfrage anschwillt. Und der Schaden frisst sich in die Substanz. Die Investitionen könnten im Mittel der betroffenen Länder um 8 Prozent zurückgehen, die Fiskalbilanzen um rund 0,5 Prozent des BIP pro Jahr.</p><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Die Studienautoren warnen vor stagflationären Dynamiken, also steigenden Preisen bei steigender Arbeitslosigkeit.</mark> Europa trifft das härter als die USA, schon weil hier nur 19 Prozent der Haushalte eine Klimaanlage haben, jenseits des Atlantiks rund 90 Prozent. Die Zahlen im Detail <a href="https://www.allianz-trade.de/content/dam/onemarketing/aztrade/allianz-trade_de/dokumente/2026-05-28-allianz-trade-studie-the-economic-costs-of-extreme-heat.pdf">stehen in der Allianz-Trade-Studie</a>.</p><h3>Was Fraunhofer für 2045 durchrechnet</h3><p>Pünktlich zur Leitmesse <strong>The smarter E in München</strong> hat das Fraunhofer ISE eine Studie vorgelegt, die genau diese Frage beantwortet: Wie sieht ein technologieoffenes, zuverlässiges, klimaneutrales Stromsystem rund um die Uhr aus, und was kostet es? Auftraggeber sind die Messeveranstalter, also die Solar- und Speicherbranche. Die Rechnung der Freiburger Forschenden Charlotte Senkpiel und Christoph Kost ist deshalb interessengeleitet im Anlass, aber methodisch transparent und in den Annahmen erfreulich nüchtern.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Der kostengünstigste Pfad ist konsequent elektrisch. </mark>Die Strombereitstellung steigt von 443 Terawattstunden heute auf 1.607 im Jahr 2045, mehr als die Hälfte der Primärenergie kommt dann aus Wind und Sonne. Zuverlässigkeit entsteht nicht mehr aus großen Blöcken, sondern aus dem Zusammenspiel: Speicher, flexible Lasten, Wärmepumpen mit Wärmespeichern, der europäische Netzverbund und ergänzende steuerbare Kraftwerke auf Basis von Biomasse und Wasserstoff. Dunkelflauten, so die Studie, lassen sich damit zuverlässig überbrücken.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/fcdbe6df-be16-4b55-83c4-78430a527f69/uploads/images/24asl6nd5o/Bildschirmfoto_25-6-2026_215842_.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der entscheidende Satz steht im Kostenkapitel. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die Mehrkosten gegenüber einem Weiterso liegen im Mittel bei rund 54 Milliarden Euro pro Jahr, kumuliert 1,3 Billionen Euro über 25 Jahre. </mark>Bis 2050 aber ist die Transformation laut Modell <strong>kostenneutral</strong>, weil eingesparte fossile Importe und vermiedene Klimafolgen gegenrechnen. Schon heute ist Solarstrom vom Acker mit 4,2 bis 6,9 Cent je Kilowattstunde die günstigste Erzeugung überhaupt, während Strom aus modernen Gaskraftwerken 8,9 bis 15,6 Cent kostet und aus Gasturbinen bis zu 32,6 Cent.</p><blockquote><p>„Die Transformation des Energiesystems [bietet] nicht nur die Möglichkeit, eine zuverlässige und resiliente Energieversorgung sicherzustellen, sondern [kann] gleichzeitig kosteneffizient gestaltet werden [...]. Entscheidend für deren Realisierung sind jedoch die richtigen politischen Weichenstellungen sowie ein breiter gesellschaftlicher Konsens und der kollektive Wille zur Umsetzung der notwendigen Maßnahmen.&quot;</p><p>Charlotte Senkpiel und Christoph Kost, Fraunhofer ISE</p></blockquote><p>Die Studie verschweigt die Herausforderungen nicht. Der Investitionsbedarf von 210 bis 270 Milliarden Euro jährlich trifft auf einen Fachkräftemangel, die Lieferketten für Batterien und Photovoltaik bleiben verwundbar, und mit den heutigen Maßnahmen klafft bis zur Klimaneutralität eine Emissionslücke von 212 Millionen Tonnen CO2.</p><p>Resilienz ist trotzdem das stärkste Argument: Deutschland importiert heute 67 Prozent seiner Primärenergie, die Transformation senkt die fossile Importabhängigkeit um rund 80 Prozent. Die Energiekrise 2022/23 kostete den Staat zwischen 71 und 187 Milliarden Euro an Entlastungen. So teuer ist Abhängigkeit. Die Studie steht hier zum Download zur Verfügung.</p><p></p><h3>Schluss</h3><p>74,7 Cent je Kilowattstunde an einem Hitzetag im Juni. 4,2 Cent aus dem Solarpark. Dazwischen liegt längst keine Frage der Physik mehr, sondern eine der Weichenstellung. Fraunhofer hat den günstigsten Weg durchgerechnet. Die Hitze dieser Woche hat vorgeführt, was das Warten kostet.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Leserfeedback: </em><a href="mailto:team@cleanthinking.de"><em>team@cleanthinking.de</em></a></p><hr aria-hidden="true"/><p>).</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 26 Jun 2026 05:00:02 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Schneller als gedacht]]></title>
      <description><![CDATA[Remscheider Schmiede, Chinas Automarkt, Bloombergs 285-Millionen-Offensive: Die fossile Fassade bröckelt - an allen Ecken gleichzeitig.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>zunächst muss ich mich entschuldigen. Dieses CT Briefing sollte bereits am Freitag veröffentlicht werden - aber die Rückreise vom Future Cleantech Festival nach Remscheid mit der Bahn gestaltete sich schwieriger als gedacht - und so fehlte Bildschirmzeit, um das Briefing zu tippen. Kudos, ab jetzt wieder pünktlich!</p><p>Das Warten hat sich allerdings gelohnt - denn das CT Briefing ist gespickt mit positiven Indizien, die dafür sprechen, dass das zweite Halbjahr 2026 entscheidende Weichenstellungen in Richtung Elektrifizierung bringen wird. Kann die fossile Übermacht gebrochen werden?</p><p></p><hr aria-hidden="true"/><h2>Denkfabrik entwickelt Dekabonisierungsideen für Dirostahl</h2><p>in Remscheid, meiner alten Abitur-Stadt im Bergischen Land, erlebte ich in einer Werkshalle hautnah, wie der schwerste Dampfhammer Europas im schnellen Tempp auf 1.200 Grad heißen Stahl einprügelte und die Erde zum Beben brachte.</p><a href="https://www.linkedin.com/posts/dirostahl-karl-diederichs-kg_hammerschmieden-weissbiertrinken-siehabendiewahl-activity-7458053407463858176-Gs9S?utm_source=share&amp;utm_medium=member_desktop&amp;rcm=ACoAAAB7EzUBlwQDO0t5n9KivilosEJHDa1DE_c">https://www.linkedin.com/posts/dirostahl-karl-diederichs-kg_hammerschmieden-weissbiertrinken-siehabendiewahl-activity-7458053407463858176-Gs9S?utm_source=share&amp;utm_medium=member_desktop&amp;rcm=ACoAAAB7EzUBlwQDO0t5n9KivilosEJHDa1DE_c</a><p>Das Unternehmen <a href="https://dirostahl.com/">Dirostahl </a>(Karl Diederichs GmbH &amp; Co. KG) schmiedet hier seit 400 Jahren in höchster Qualität. Heute entstehen hier unter anderem Teile für die Getriebe von Windkraftanlagen. 380 Beschäftigte, 100 Millionen Euro Umsatz.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Nachhaltigkeit wird in diesem energieintensiven Familienbetrieb gelebt.</mark> Dirostahl hat bereits vieles getan, was innerhalb des bestehenden Systems möglich ist: Photovoltaik aufs Dach, Abwärme zum Heizen, 100 Prozent Grünstrom, 500 Messstellen fürs Energiecontrolling.</p><p>Die Energiekosten tragen entscheidend dazu bei, dass Dirostahl aktuell Verluste macht. Die CO2-Kosten drücken: 1,1 Millionen Euro CO₂-Kosten pro Jahr, die Wettbewerber in Spanien oder Italien heute nicht haben. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Ohne Erdgas laufen die Öfen und der Dampfhammer nicht.</mark></p><p>Beim Future Cleantech Festivals zeigen die Analysten Antoine Koen und James Lazenby der Denkfabrik Future Cleantech Architects, welche weiteren Maßnahmen identifiziert wurden. <a href="https://fcarchitects.org/wp-content/uploads/2026/04/Policy-Brief_Decarbonizing-Iron-and-Steel.pdf">Ihr Strategiepapier zur Dekarbonisierung</a> von Eisen und Stahl legt insbesondere drei Pfade offen.</p><ul><li><p><strong>Erstens:</strong> Direktreduktion mit Wasserstoff, die 70 bis 80 Prozent der Stahl-Emissionen beseitigt.</p></li><li><p><strong>Zweitens: </strong>Direkte Elektrifizierung durch Schmelzflusselektrolyse, die Wasserstoff komplett umgeht.</p></li><li><p><strong>Drittens:</strong> Materialeffizienz, die den europäischen Eisenerzbedarf um 27 Prozent senken könnte.</p></li></ul><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Was Unternehmen wie Dirostahl dafür brauchen, ist Planungssicherheit.</mark> Der Industriestrompreis der Bundesregierung läuft zwei Jahre und senkt die Stromkosten ein wenig. Auch die sogenannte Strompreiskompensation hilft ein wenig. Wer aber eine Schmiedemaschine für 20 Jahre anschafft, kann darauf keine Investitionsentscheidung gründen.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Mindestens ebenso wichtig: gleiche Regeln in Europa. </mark>Dirostahls Konkurrenten in Spanien und Italien zahlen die nationale CO₂-Abgabe nicht. Der europäische Emissionshandel ETS 2 würde das ändern. Aber der wurde verschoben, während das nationale BEHG-System weit höher ist als in den anderen Ländern. Für (europäische) Chancengleichheit fordert das Industrieunternehmen daher die schnellere CO₂-Bepreisung.</p><p>Dirostahl zeigt symbolisch, wie gigantisch die Herausforderungen rund um Klimaneutralität 2045 sind. Sauberen Strom erzeugen ist die Basis. Die industrielle Kette dahinter sauber zu machen - die Teile für Windräder, den Stahl für Elektroautos, den Zement für Stromleitungen - das steht erst am Anfang. In Remscheid, in einer 400 Jahre alten Schmiede, arbeiten sie daran.</p><h2>Kein Verbrenner in den Top Ten</h2><p>Ein weiteres Indiz für das Kippen in Richtung beschleunigte Elektrifizierung, kommt aus China: Im Mai war zum ersten Mal kein einziges Auto mit reinem Verbrennungsmotor unter den zehn meistverkauften Modellen in China. 62,9 Prozent aller Neuzulassungen hatten einen Stecker. Die Verbrennerverkäufe brachen um 39 Prozent ein.</p><p>Im April hatten Elektroautos die Verbrenner bei den Zulassungen erstmals überholt: 580.000 gegen 560.000. Das war der Monat, in dem es hieß, der Elektroauto-Boom in China breche ein. <a href="https://www.n-tv.de/wirtschaft/Das-E-Auto-ueberholt-in-China-den-Verbrenner-id30983909.html">Mehr dazu bei ntv</a>.</p><p>BMW hat am vergangenen Dienstag eine Gewinnwarnung veröffentlicht: Marge im Automobilgeschäft auf 1 bis 3 Prozent. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Der Konzern schreibt wörtlich, die Schwäche beschleunige sich bei „Nicht-Elektroautos&quot;.</mark></p><p>Einen Tag später, bei der VW-Hauptversammlung, verteidigt Oliver Blume den Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 und kündigt 30 Elektromodelle für China bis 2027 an. Analysten fragen: Warum so spät?</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Chinas Markt hat entschieden.</mark> Die deutschen Hersteller haben dort mit Verbrennern so viel Geld verdient wie nirgends sonst. Jetzt ist dieses Geschäft im freien Fall. Verbrenner werden in China zum Ladenhüter.</p><p>Die deutsche Industriepolitik will derweil in Brüssel die CO₂-Flottengrenzwerte aufweichen. Für eine Technologie, die auf dem größten Automarkt der Welt gerade aus den Top Ten fliegt.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cd9bb08a-09ef-4206-a011-f6f0be17fb92/uploads/images/z4sflo5pkf/e-autos-infografik.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Eine Schiffsladung Elektroautos verdrängt 840.000 Barrel Rohöl über 15 Jahre - 56.000 Barrel jedes einzelne Jahr. Was in China passiert, ist keine Konjunkturschwankung. Es ist ein permanenter Ölverdrängungseffekt, der sich mit jeder Lieferung aufaddiert.</p><h2>Geld gegen die Öl-Lobby</h2><p>In London läuft seit Samstag die Climate Action Week, eine der größten Klimakonferenzen der Welt. Zehntausende Beamte, Unternehmensvertreter und Fachleute sind in der Stadt. Mittendrin: <a href="https://www.ft.com/content/5d02676c-60cb-4d11-b719-9ece20d11849">Michael Bloomberg mit 285 Millionen Dollar für Branchenverbände erneuerbarer Energien</a>, Teil eines 590-Millionen-Dollar-Pakets. Die Finanzierung wird die Gesamtbudgets der meisten Zielverbände verdoppeln oder verdreifachen.</p><p>Das Geld fließt dorthin, wo der Großteil des weltweiten Energiewachstums stattfindet: Indien, Indonesien, Vietnam, Südafrika, Kenia, Nigeria, Ghana, Brasilien, Philippinen, Kolumbien, Mexiko. Die Philippinen sind dieses Jahr zum zweitgrößten Importeur chinesischer Solarmodule aufgestiegen. Nigeria und Pakistan erleben Solarbooms.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cd9bb08a-09ef-4206-a011-f6f0be17fb92/uploads/images/y3txgcemju/solarmodule-infografik.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Eine Schiffsladung Solarmodule erzeugt 10 TWh Strom über 20 Jahre. Erdgas braucht dafür jedes einzelne Jahr einen neuen LNG-Tanker. Jedes Schiff, das in Manila oder Lagos anlegt, produziert zwei Jahrzehnte lang sauberen Strom.</p><p>Das Problem in diesen Märkten ist nicht die Technologie. Dave Jones, Mitgründer des Thinktanks Ember, beschreibt es so: strukturelle Hürden, vor allem fehlende Daten und Analysen, um politische Entscheidungen voranzutreiben.</p><blockquote><p>„Der Großteil des weltweiten Energiewachstums findet in Schwellenländern statt, und zwar im Bereich Elektrizität.&quot; Dave Jones, Mitgründer Ember</p></blockquote><p>Die fossile Lobby ist in diesen Ländern institutionell verankert, die Erneuerbaren haben dort keine Stimme. Saliem Fakir von der African Climate Foundation fasst es zusammen: Was in Afrika fehle, sei nicht das Potenzial, sondern die institutionelle Infrastruktur, es freizusetzen.</p><p>Bloombergs Kalkül: Wer diese Infrastruktur aufbaut, verschiebt die Machtverhältnisse dauerhaft. 285 Millionen Dollar für Verbände klingen unspektakulär. Aber es sind diese Verbände, die Daten und Analysen liefern, auf deren Basis Parlamente und Regierungen Gesetze machen.</p><p>Der Hintergrund ist bekannt: Erneuerbare haben die Kohle als größte Stromquelle der Welt überholt. Was jetzt zählt, ist die Frage, ob die Länder mit dem größten Wachstum auch die Strukturen bekommen, um den Ausbau zu verstetigen.</p><p>In Bonn hat die COP31-Präsidentschaft beim Vorgipfel <a href="https://www.cleanthinking.de/vor-cop31-elektrifizierungsziel-2035/">ein globales Elektrifizierungsziel vorgestellt</a>. In Brüssel arbeitet die EU-Kommission am Elektrifizierungspaket, das im Juli kommen soll.</p><p>Europaparlamentarier Michael Bloss kündigt das Paket mit ungewöhnlich starken Worten an. Wer Bloss kennt, weiß: Mehr Sachlichkeit gibt es in der europäischen Energiepolitik kaum.</p><h3>Kurz notiert: Kipppunkt oder Lernkurve?</h3><p>Daniel Wetzel hat in der WELT den neuen REN21-Report zum „Kipppunkt des grünen Energiebooms&quot; umgedeutet. Der Report dokumentiert 741 Gigawatt Rekordzubau bei neun Prozent weniger Investitionen.</p><p>Der Grund: Solarmodule sind 90 Prozent billiger geworden. Weniger Dollar, mehr Leistung. <a href="https://www.cleanthinking.de/ren21-report-kipppunkt-erneuerbare/">Warum Wetzel die entscheidenden Zahlen weglässt, steht bei Cleanthinking</a>.</p><h3>Nächste Woche: Wie Deutschland sich rund um die Uhr versorgt</h3><p>Und es geht munter weiter mit den positiven Nachrichten. Am Dienstag stellt Dr. Christoph Kost vom Fraunhofer ISE eine neue Systemstudie vor: Wie kann sich Deutschland rund um die Uhr zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom versorgen? Im Webinar diskutieren Europaabgeordnete Jutta Paulus und Grünen-Bundesvize Sven Giegold die Ergebnisse.</p><p>Für zahlende Unterstützer gibt es die detaillierte Cleanthinking-Analyse exklusiv am Dienstag - <a href="https://www.cleanthinking.de/ren21-report-kipppunkt-erneuerbare/">hier gibt es alle Infos zu Mitgliedschaften</a>. Was bedeuten die Ergebnisse für Kommunen, Unternehmen, Prosumer? Wer das vorab lesen will, wird hier Mitglied.</p><hr aria-hidden="true"/><p>1 bis 3 Prozent Marge bei BMW. Null Verbrenner in Chinas Top Ten. 34 Prozent erneuerbare Energie am Weltstrom. 285 Millionen Dollar gegen die Öl-Lobby. Und eine 400 Jahre alte Schmiede in Remscheid, die schnelleren Emissionshandel fordert.</p><p>„Die Segel setzen&quot; hieß es letzte Woche in diesem Briefing. Diese Woche wird klarer, wie stark der Wind bereits weht. Im Juli kommt das EU-Elektrifizierungspaket. Bleibt die EU - im Gegensatz zur Bundesregierung - auf Kurs “beschleunigte Elektrifizierung”? Wir werden es erleben.</p><p>In diesem Sinne, <br/>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 22 Jun 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Segel setzen]]></title>
      <description><![CDATA[Die NZZ erklärt die Energiewende mit dem Dampfschiff für gescheitert - ausgerechnet mit dem Lehrbuchbeispiel der Disruption. Über Klipper, Wärmepumpen und glühenden Sand.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>am 26. Juni 1897 liegt die Royal Navy bei Spithead zur Flottenparade vor Anker, aufgefahren zum Diamantjubiläum von Königin Victoria. Plötzlich schiebt sich ein schmales, ungebetenes Boot zwischen die Reihen der Kriegsschiffe: die Turbinia von Charles Parsons, angetrieben von einer neuartigen Dampfturbine. </p><p>Mit 34 Knoten rast sie an der versammelten Weltmacht vorbei, schneller als jedes Kriegsschiff der Welt. Kein Schiff der Navy kann sie einholen. Neun Jahre später läuft mit der Dreadnought das erste Turbinen-Schlachtschiff vom Stapel.</p><p>Warum ich Ihnen das erzähle? Weil diese Woche zeigt, dass wir mitten in so einem Moment stecken. Und weil eine große Zeitung daraus die falsche Geschichte gemacht hat.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bdafb16b-a094-48bf-aee1-efef1d9a5ac4/uploads/images/3amppbxe2s/Bildschirmfoto_11-6-2026_204523_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h2><strong>Das Dampfschiff beweist das Gegenteil</strong></h2><p>Die NZZ erklärt die deutsche Energiewende zur „<em>Abkehr von der Moderne</em>&quot;. Kolumnist Malte Fischer wählt als Kronzeugen das Dampfschiff: Die Moderne habe den Menschen von den Launen der Natur emanzipiert, Seeleute mussten nicht mehr auf Wind warten. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Wer heute Wäsche wasche, wenn der Wind weht, trete eine Zeitreise in die Vormoderne an.</mark></p><p>Es ist ein starkes Bild. Fischer erzählt die Geschichte nur zur Hälfte. Die ganze steht seit 1997 in einem der meistzitierten Wirtschaftsbücher überhaupt: Clayton Christensen hat das Dampfschiff in „<em>The Innovator&#39;s Dilemma</em>&quot; als Fallstudie seziert. Die ersten Dampfschiffe waren der etablierten Technik hoffnungslos unterlegen: unzuverlässig, teuer, lächerliche Reichweite.</p><p>Also wuchsen sie in der Nische, auf Flüssen, wo Unabhängigkeit vom Wind mehr zählte als Reichweite. Die Segelschiffbauer schauten zu und entschieden rational: Ihre Kunden, die Ozean-Reeder, brauchten keinen Dampf.</p><p>Dann kam die bittere Ironie der Geschichte: Die Klipper der 1850er- und 1860er-Jahre waren die besten Segelschiffe, die je gebaut wurden, schneller und eleganter als alles zuvor. Die schönsten Segel wurden genäht, als die Werften längst verloren hatten. Kein einziger Hersteller von Transatlantik-Segelschiffen überlebte den Wechsel ins 20. Jahrhundert.</p><p>Wer heute durch die Wirtschaftsteile blättert, erlebt die publizistische Klipper-Ära des fossilen Systems: Gas wird zur Brückentechnologie geadelt, die Atomkraft zur verkannten Zukunft erklärt, der Verbrenner zur Ingenieurskunst ohne Alternative. Je lauter das Lob der alten Technologie, desto näher ist erfahrungsgemäß ihr Ende.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die vollständige Einordnung zur </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/energiewende-gescheitert-nzz-dampfschiff/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">NZZ-Kolumne gibt es bei Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">.</mark></p><h2><strong>Destatis liefert die Zahl zur Theorie</strong></h2><p>Was bei Christensen Fallstudie ist, steht seit Mittwoch als amtliche Statistik fest. 73,6 Prozent der 2025 fertiggestellten Wohngebäude in Deutschland heizen mit einer Wärmepumpe. Vor zehn Jahren waren es 31,4 Prozent. Und der Frühindikator zeigt noch steiler nach oben: Von den 62.100 im vergangenen Jahr genehmigten Wohngebäuden setzen 83 Prozent auf die Wärmepumpe. Erdgas kommt auf 2,2 Prozent. Ölheizungen wurden 2025 in exakt 190 Neubauten verbaut. Nicht 190.000. Einhundertneunzig.</p><p>Das Bemerkenswerte daran: Die Bundesregierung hat die 65-Prozent-Regel im Gebäudeenergiegesetz abgeschafft - jene Vorgabe, die neue Heizungen auf erneuerbare Energien verpflichtete. Auf die Zahlen hat das keinen erkennbaren Einfluss. Die Entscheidung fällt ökonomisch. Wer neu baut, kombiniert Wärmepumpe mit Photovoltaik, Speicher und dynamischem Tarif - die Heizung wird vom Kostenblock zum steuerbaren Teil des eigenen Energiesystems. Der Markt hat entschieden, nicht das Gesetz. Die Dampfschiffe übernehmen gerade die Transatlantik-Route.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die vollständige Analyse der </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/waermepumpe-im-neubau-2025-destatis/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Destatis-Zahlen gibt es bei Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">.</mark></p><h2><strong>Deutschland kauft Klipper</strong></h2><p>Und die Bundesregierung? Setzt die Segel. Einhundert Tage nach Beginn des Iran-Kriegs hat das Energiewirtschaftsinstitut IEEFA ausgewertet, wie Europa auf die zweite Gaspreiskrise in vier Jahren reagiert. Die EU insgesamt senkt ihre LNG-Importe. Großbritannien reduziert um 20 Prozent. Deutschland steigert um 72 Prozent - der höchste Wert aller EU-Staaten, Schlusslicht der Gemeinschaft.</p><blockquote><p>„<em>Die EU hat erkannt, dass ihre Entscheidung von 2022 zur Steigerung der LNG-Importe nicht mehr tragfähig ist.</em>&quot;<br/></p><p>Ana Maria Jaller-Makarewicz, Analystin, IEEFA</p></blockquote><p>Wer trotzdem erhöht, segelt gegen den Strom. Dazu passt die zweite Zahl der Analyse: 60 Milliarden Euro haben die EU-Staaten seit Kriegsbeginn für energiepolitische Notfallmaßnahmen ausgegeben. Weniger als fünf Prozent davon, rund zwei Milliarden, flossen in Elektrifizierung - in die eine Strukturinvestition, die Abhängigkeit dauerhaft verringert.</p><p>Dabei rechnet sich die Gegenstrategie längst: Allein Solarenergie hat Europa seit Jahresbeginn 12,8 Milliarden Euro gegenüber fossilen Alternativen gespart.</p><p>Leserinnen und Leser dieses Briefings kennen das Muster. „<em>Europa ist allein</em>&quot; hieß eine Ausgabe im Mai. Die EU hat mit AccelerateEU inzwischen eine Antwort formuliert: Strom günstiger machen, Netze ausbauen, Smart Meter ausrollen. Berlin bestellt derweil Frachter voller Flüssiggas.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die vollständige Auswertung der </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/eu-reduziert-lng-importe-deutschland-steigert/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">IEEFA-Analyse gibt es bei Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">.</mark></p><h2><strong>In Finnland glüht der Sand</strong></h2><p>Wie die Nische aussieht, in der die nächste Technologie wächst, zeigt ein Dorf nördlich von Helsinki. In Pornainen hat die weltgrößte Sandbatterie ihr erstes Betriebsjahr abgeschlossen: ein Speicher, 13 Meter hoch, gefüllt mit 2.000 Tonnen zerkleinertem Speckstein, der sich auflädt, wenn Strom billig ist, und Wärme über Tage bis Wochen abgibt.</p><p>Die Jahresbilanz: 70 Prozent weniger Emissionen im Fernwärmenetz. Kein Tropfen Heizöl mehr. 100 Prozent Liefersicherheit, keine einzige Unterbrechung. Und der ökonomische Hebel: Geladen wurde im Schnitt 70 bis 80 Prozent unter dem Spotmarkt-Durchschnitt, in einzelnen Monaten lag der Vorteil über 90 Prozent.</p><blockquote><p>„Wir haben gezeigt, dass die Sandbatterie kosteneffizient deutliche Emissionssenkungen liefert.&quot; Liisa Naskali, COO, Polar Night Energy</p></blockquote><p>Schule, Verwaltung und Bibliothek von Pornainen hängen an diesem Netz. Das nächste Anwendungsfeld ist die industrielle Dampferzeugung, bislang eine Domäne von Erdgas und Öl. Eine Wärmequelle für ein finnisches Dorf - das klingt nach Nische. Genau dort, auf den Flüssen und Binnengewässern, haben die Dampfschiffe angefangen.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die vollständige Jahresbilanz aus </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/sandbatterie-pornainen-jahresbilanz/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Pornainen gibt es bei Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">.</mark></p><h3><strong>Kurz notiert: Der Rhein heizt Köln</strong></h3><p>Die Elektrifizierung der Wärme bleibt nicht in der finnischen Nische. In Köln-Niehl hat die Hauptbauphase für die größte Flusswasser-Wärmepumpe Europas begonnen: 150 Megawatt, die dem Rhein ab 2028 Wärme für 50.000 Haushalte entziehen und jährlich rund 100.000 Tonnen CO₂ einsparen. Die schönste Pointe steckt im Generalunternehmer: Everllence ist die frühere MAN Diesel &amp; Turbo - das Unternehmen, das Ende des 19. Jahrhunderts mit Rudolf Diesel den ersten Dieselmotor der Welt baute, liefert jetzt die Maschinen der Wärmewende. Manche Werften lernen eben doch, Dampfschiffe zu bauen.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die Details zum </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/flusswasser-waermepumpe-koeln-niehl/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Kölner Projekt gibt es bei Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">.</mark></p><h3><strong>Kurz notiert: GModG im Bundestag</strong></h3><p>Das Gebäudemodernisierungsgesetz hatte am Donnerstag seine 1. Lesung - in einer Debatte, die kaum jemand bemerkt hat. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hielt eine Rede, der Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge vorwarf, mit der Realität im Heizungsmarkt nichts zu tun zu haben. Die Destatis-Zahlen oben sprechen für Dröge. Spannender als die Debatte ist der Streit hinter den Kulissen: Bei der Grüngasquote kämpft die Energiebranche gegen sich selbst - Uniper dafür, Eon dagegen.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Wer wissen will, warum, </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/quote-fuer-gruene-gase-eon-gegen-uniper/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">findet die Analyse bei Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">.</mark></p><hr aria-hidden="true"/><p>Die Klipper waren die schönsten Schiffe ihrer Zeit, und sie waren verloren. 83 Prozent Wärmepumpe gegen 2,2 Prozent Gas im genehmigten Neubau. 70 Prozent weniger Emissionen in Pornainen. 72 Prozent mehr Flüssiggas für Deutschland. Zwei dieser Zahlen gehören der Zukunft.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Wer die Segel setzt, entscheidet sich für die dritte. Es geht auch anders: Die Erben Rudolf Diesels bauen schon am neuen Antrieb.</mark></p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 12 Jun 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Vorfahrt für Gestern]]></title>
      <description><![CDATA[Silke Stremlau erklärt, warum Deutschland kein Kapitalproblem hat, sondern ein Regelproblem. Vier Bundesratsausschüsse bestätigen das. Ein DIW-Forscher auch.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>Dänemark hat bei 6 Millionen Einwohnern 350 Wärmegenossenschaften. Deutschland bei 84 Millionen gerade mal 150. Diese Zahl stammt von Silke Stremlau, Expertin für Transformationsfinanzierung. Sie steht für etwas, das sich diese Woche von vier Seiten gleichzeitig bestätigt hat: Es fehlt nicht am Geld. Es fehlt nicht an der Technologie. Es fehlt an Regeln, die beides in die richtige Richtung lenken.</p><h2>„Geld ist niemals neutral&quot;</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a226db9a-7616-4a40-b2be-af361e6bf310/uploads/images/2l23bvvbe5/Bildschirmfoto_4-6-2026_174457_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Silke Stremlau leitet Finance for Transition, einen neuen Berliner Thinktank, finanziert von der Stiftung Mercator, acht Personen, fünf Jahre gesichert, mit Perspektive auf weitere fünf. Im Cleanthinking-Interview stellt sie eine Diagnose, die unbequem ist, weil sie nicht nach mehr Geld ruft, sondern nach besseren Regeln: <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Deutschland hat kein Kapitalmangelproblem. Es hat ein Kapitalallokationsproblem.</mark></p><p>Das heißt konkret: Institutionelle Investoren finanzieren durchaus nachhaltige Infrastruktur. Aber sie tun das in Frankreich, in Spanien, in Skandinavien. In Deutschland nur zu einem sehr geringen Teil. Das Geld wandert dorthin, wo die Rahmenbedingungen stimmen. In Deutschland stimmen sie nicht.</p><p>Besonders drastisch ist die Lage bei der kommunalen Wärmewende. 50 Prozent der deutschen Stadtwerke haben eine Bilanzsumme zwischen 50 und 100 Millionen Euro. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Was sie an Investitionen vor sich haben: 500 Millionen.</mark> Fünfmal mehr als die eigene Bilanz hergibt. Das Kapital dafür existiert - bei Pensionskassen und Versicherungen, die mit 20 bis 50 Jahren Horizont investieren. Aber es gibt keine Plattform, die beide Seiten zusammenbringt.</p><p>Stremlau berichtet, <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">dass Stadtwerke wegen des Gebäudemodernisierungsgesetzes eine Vollbremsung bei ihren Investitionsplanungen gemacht haben</mark>. Gas und Wärme parallel, das sei nicht finanzierbar. Also werde erst mal gar nichts gemacht.</p><blockquote><p>„Geld ist niemals neutral. Es wirkt immer, je nachdem, wofür wir es einsetzen.&quot; (Silke Stremlau, Finance for Transition)</p></blockquote><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Das vollständige Interview gibt es auf </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/silke-stremlau-finance-for-transition/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">.</mark></p><h2>Vier Ausschüsse, ein Urteil</h2><p>Dass Stadtwerke bremsen, liegt auch am Gesetz, das ihnen Klarheit geben sollte und das Gegenteil liefert. Diese Woche haben vier Bundesratsausschüsse ihre Stellungnahmen zum Gebäudemodernisierungsgesetz von Katherina Reiche und Verena Hubertz vorgelegt. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Das Urteil: Das Gesetz „weise in die falsche Richtung&quot;.</mark></p><p>Die Bio-Treppe sei riskant, weil sie einen fossilen Lock-in begünstige. Der Mieterschutz sei mangelhaft. Wer heute eine fossile Heizung einbaue, werde morgen für die Umrüstung erneut zahlen. Das Gesetz schaffe nicht Sicherheit, sondern Unsicherheit.</p><p>Nach dem Normenkontrollrat, der den Entwurf im Mai als eines der „<em>handwerklich schwächsten Vorhaben</em>&quot; der letzten Jahre bezeichnete, kommt jetzt die nächste institutionelle Absage. Und Stremlaus Diagnose liefert den Grund: Die Wärmewende ist exakt das Feld, in dem die größte Finanzierungslücke klafft. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Ein Gesetz, das fossile Heizungen begünstigt, schließt sie nicht. Es reißt sie auf.</mark></p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die Details und die Ausschuss-Zitate </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/gmodg-bundesratsausschuesse-scharfe-kritik/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">stehen bei Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">. </mark></p><h2>Dunkelflaute: Der Forscher widerspricht</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a226db9a-7616-4a40-b2be-af361e6bf310/uploads/images/bh7ozftzei/Bildschirmfoto_4-6-2026_174415_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Letzte Woche hieß dieses Briefing „<a href="https://steady.page/de/backend/publications/36f63fec-ff0d-4815-ab07-de2c7687c875/posts/b7e0a47c-d3e6-4753-a943-b66a433d00e0/edit"><em>Daniel Wetzels Strohmann</em></a>&quot;. Kurze Erinnerung: WELT-Redakteur Wetzel hatte der DIW-Ökonomin Claudia Kemfert vorgeworfen, sie verharmlose Dunkelflauten. Sein Kronzeuge: der Gaskonzern Uniper, der mit einer bestimmten Zählmethode auf 160 Dunkelflauten im Jahr 2024 kommt. Kemfert hatte am Spotmarkt zwei extreme Preisereignisse identifiziert. Zwei gegen 160 - das klingt vernichtend.</p><p>Jetzt hat sich der Forscher gemeldet, der die Methode kennt wie kein Zweiter. <strong>Martin Kittel vom DIW</strong>, der den Mean-Below-Threshold-Ansatz mit seinem Kollegen Wolf-Peter Schill weiterentwickelt hat, nennt Wetzels Vergleich im Gespräch mit Cleanthinking „<em>methodisch unzulässig</em>&quot;. Kemfert misst Preisausschläge. Uniper zählt Stunden mit geringer Einspeisung. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Das sind zwei verschiedene Perspektiven auf dasselbe Phänomen - und die eine kann die andere nicht widerlegen.</mark></p><blockquote><p>„Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.&quot; (Martin Kittel, DIW Berlin)</p></blockquote><p>Dazu kommt eine neue Studie des Wuppertal-Instituts im Auftrag von Greenpeace, die zeigt: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Selbst fünftägige Dunkelflauten lassen sich überbrücken - mit einer Kombination aus Batteriespeichern und Biogas-Blockheizkraftwerken</mark>. Ohne neue fossile Gaskraftwerke. Die Lösung existiert. Sie braucht nur Regeln, die sie nicht ausschließen.</p><p>Genau das ist das Problem beim Stromversorgungskontinuitätsgesetz: Die Ausschreibungsbedingungen sind so formuliert, dass Batteriespeicher praktisch keine Chance haben. Fraunhofer-Forscher nennen das „<em>willkürlich gewählt</em>&quot;. Der DIW-Forscher, der die von Uniper genutzte Dunkelflauten-Methode weiterentwickelt hat, widerspricht dem WELT-Redakteur, der sich auf diese Methode beruft: Wer die Regeln schreibt, bestimmt das Ergebnis.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die vollständige Analyse </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/dunkelflaute-rechenfehler-welt/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">gibt es bei Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">.</mark></p><h2>Perowskit: 35 Prozent und ein Werk in Brandenburg</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a226db9a-7616-4a40-b2be-af361e6bf310/uploads/images/x5722ypleu/Bildschirmfoto_4-6-2026_174331_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Silizium-Solarzellen stoßen bei 29,4 Prozent Wirkungsgrad an eine physikalische Mauer. Das ist kein technisches Versagen, sondern ein Naturgesetz, das Shockley-Queisser-Limit. <strong>Die Perowskit-Tandemzelle durchbricht es</strong>: zwei Halbleiterschichten übereinander, die das Sonnenspektrum unter sich aufteilen. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Theoretisches Potenzial: 43,3 Prozent</mark>. Der aktuelle Laborrekord, gehalten vom chinesischen Hersteller LONGi: 35 Prozent.</p><p>Was die Technologie jahrelang ausbremste, war nicht die Effizienz, sondern die <strong>Haltbarkeit</strong>. Perowskit altert unter Temperaturschwankungen schneller als Silizium. Forscher der TU München haben 2026 den Mechanismus entschlüsselt und einen molekularen Anker gefunden, der die Kristallstruktur stabilisiert.</p><blockquote><p>„Die Zukunft der Photovoltaik trägt die Vorsilbe Tandem.&quot; (Prof. Peter Müller-Buschbaum, TU München)</p></blockquote><p>In Brandenburg an der Havel liefert Oxford PV seit 2024 die weltweit ersten kommerziellen Perowskit-Tandemmodule aus. 25 Prozent Modulwirkungsgrad, etwas mehr als herkömmliche Siliziummodule. First Solar, der größte Modulhersteller der westlichen Hemisphäre, hat eine Patentlizenz genommen. </p><p>Das Fraunhofer ISE hat im Mai das Pero-Si-SCALE eröffnet, eine offene Industriebrücke, über die europäische Hersteller die Technologie in ihre Linien integrieren können. Europa hat die erste Solarrevolution an China verloren. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Bei der Tandemzelle beginnt der Markt gerade erst.</mark></p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die vollständige Einordnung zur Peroswkit-Tandemzelle </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/perowskit-tandemzelle/"><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">gibt es bei Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">.</mark></p><hr aria-hidden="true"/><p>350 gegen 150. Fünfmal mehr Investitionsbedarf als Bilanzsumme. Vier Bundesratsausschüsse gegen ein Gesetz. Ein DIW-Forscher gegen einen WELT-Redakteur. Und ein Werk in Brandenburg, das Solarmodule liefert, die Silizium physikalisch nicht mehr erreichen kann. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Vorfahrt für Gestern ist eine politische Entscheidung. Keine technische.</mark></p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/a226db9a-7616-4a40-b2be-af361e6bf310/teaser_image/1780587962?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg" medium="image"/>
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      <pubDate>Fri, 05 Jun 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Echte Daten, falsche Geschichte]]></title>
      <description><![CDATA[Echte Daten, falsche Geschichte: Interessierte Akteure wollen eine tatsachenferne Interpretationsrealität schaffen. Dabei: NZZ oder Tichys Einblick. Was dahintersteckt!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>diese Woche sind zwei Texte erschienen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: ein NZZ-Artikel mit dem Titel <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">„Fehlschlag Energiewende&quot;</mark> und eine Welle von Kommentaren, die das Klima-Worst-Case-Szenario RCP8.5 für vom Tisch erklären und daraus folgern, Klimaschutz sei übertrieben gewesen. Beide Texte arbeiten mit echten Daten. Beide ziehen daraus falsche Schlüsse. Beide lassen denselben Faktor weg: die Transformation, die genau diese Daten erst erzeugt hat.</p><h2>Wie das Muster funktioniert</h2><p>Es gibt eine Lücke zwischen Daten und Deutung, und sie ist in den letzten Monaten gewachsen. Reale Messwerte aus Stromsystemen, Klimamodellen und Marktdaten werden in eine Interpretationsrealität gepresst, die sich von der Empirie gelöst hat. Das Verfahren ist immer dasselbe: Ein Faktum wird isoliert. Der Kontext wird entfernt. Aus dem isolierten Faktum wird eine politische Forderung abgeleitet, die ohne den entfernten Kontext schlüssig klingt.</p><p>Bei der NZZ heißt diese Forderung: Rückbau der Energiewende. Bei Vahrenholt, Tichy und Ex-Familienministerin Kristina Schröder heißt sie: Klimapolitik war übertrieben, der Emissionshandel kann weg. Der Mechanismus ist derselbe. In beiden Fällen dient das Ergebnis der Transformation als Beleg dafür, dass die Transformation überflüssig sei.</p><p>Zwei Fälle, dieselbe Bewegung. Hier die Auflösung.</p><h3>Was die NZZ verschweigt</h3><p>Im NZZ-Format „<mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Der andere Blick</mark>&quot; erschien am 16. Mai ein Artikel von Morten Freidel, Sophia Kissling und Simon Off. Kernthese: Trotz Rekordausbau bei Wind und Solar erzeuge Deutschland weniger Strom als früher. Die Energiewende habe versagt.</p><p>Die NZZ zeigt eine Kurve: Die installierte Leistung in Deutschland ist seit 2000 um 167 Prozent gewachsen, gemessen in Gigawatt. Das stimmt. Was die NZZ nicht zeigt: Die tatsächliche Erzeugung aus erneuerbaren Energien ist im selben Zeitraum um 670 Prozent gestiegen, gemessen in Terawattstunden. Gigawatt ist Kapazität. Terawattstunden ist Realität.</p><figure><a href="https://claude.ai/design/p/04f18c3c-eb39-401d-b399-4612707e081b?file=infografik.html&amp;present=1"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9023229a-91ee-4ffa-8aa0-f3988c0dd60a/uploads/images/ykakbzt5sf/Was_die_NZZ_vergisst.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Die Cleanthinking-Grafk zeigt den Unterschied, den die NZZ &quot;vergisst&quot;.</figcaption></figure><p>Die Gesamterzeugung Deutschlands ist seit 2000 um 12 Prozent zurückgegangen. Auch das stimmt. Aber der Kontext fehlt: Die Kernenergie ist zu 100 Prozent weggefallen, 170 Terawattstunden Atomstrom sind aus dem System verschwunden. Die Erneuerbaren haben diesen Ausfall nicht nur ausgeglichen, sondern zusätzlich 254 Terawattstunden Mehrerzeugung geliefert. Was übrig bleibt, erklärt sich durch Effizienzgewinne und den Strukturwandel der Industrie. Kein Versorgungsengpass. Kein Fehlschlag.</p><p>Professor Stefan Krauter und weitere Fachleute haben den Artikel umgehend als faktisch irreführend eingestuft.</p><blockquote><p><strong>„Ohne Energiewende: Blackout.&quot; </strong></p></blockquote><p>Den vollständigen Faktencheck mit Grafik <a href="https://www.cleanthinking.de/fehlschlag-energiewende-nzz-analyse/">gibt es auf Cleanthinking</a>. </p><hr aria-hidden="true"/><h3>Apokalypse fällt aus, sagen sie</h3><p>RCP8.5 ist das härteste Klimaszenario, das die Forschung modelliert hat. 2011 wurde es als oberer Pfad in die Klimamodelle eingespeist: ein Strahlungsantrieb von 8,5 Watt pro Quadratmeter bis 2100, also eine Welt mit massivem Kohleausbau, ohne wirksame Klimapolitik und mit gebremster Diffusion der Erneuerbaren. Heute gilt dieses Szenario als sehr unwahrscheinlich. Das ist eine gute Nachricht.</p><p>Sie kommt zustande, weil die globale Kohleflotte ausgebremst wurde, weil Solar, Wind und Batterien schneller wachsen als jedes Modell vorhergesagt hat, und weil Schwellenländer wie Indien und China den fossilen Pfad verlassen, den RCP8.5 unterstellt. Der Klimaforscher Zeke Hausfather hat das 2020 zusammen mit Glen Peters in einer vielbeachteten Nature-Analyse präzise dokumentiert. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut erklärt es seit Jahren in der deutschen Debatte.</p><p>Vahrenholt, Tichy und Kristina Schröder ziehen daraus diese Woche einen anderen Schluss: Die Apokalypse falle aus, also seien die Klimaziele übertrieben, der Emissionshandel könne beerdigt werden, die Klimapolitik habe sich an der eigenen Wirksamkeit erledigt. Der Trick ist exakt derselbe, den auch die NZZ verwendet: Das Ergebnis der Transformation wird zum Beleg dafür erklärt, dass die Transformation nie nötig gewesen sei.</p><p>Mario Buchinger hat den Mechanismus in einem vielbeachteten Video aufgearbeitet. Was in der deutschen Debatte fehlt, ist eine breitere wissenschaftliche und politische Antwort. Während diese Antwort auf sich warten lässt, kommen die Daten aus der echten Welt weiter herein.</p><p>Mehr dazu im <a href="https://www.cleanthinking.de/klimaszenario-rcp85-unwahrscheinlich/">Cleanthinking-Artikel</a>. </p><hr aria-hidden="true"/><h3>30 Gigawatt in der Wüste</h3><p>Rund 520 Quadratkilometer Salzwüste im indischen Bundesstaat Gujarat. 15.000 Arbeiter. Eine eigene Entsalzungsanlage, ein eigenes Glasfasernetz, Roboter, die zweimal täglich die Module reinigen. Willkommen im Khavda Renewable Energy Park, dem größten Kraftwerk, das die Menschheit je gebaut hat.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9023229a-91ee-4ffa-8aa0-f3988c0dd60a/uploads/images/ybqhzt6wua/Adani.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Quelle: Adani Green Energy</figcaption></figure><p>30 Gigawatt, Solar und Wind kombiniert, betrieben vom Adani-Konzern. 13 Gigawatt sind bereits am Netz. Das entspricht der gesamten installierten Solarleistung mancher europäischer Länder, an einem einzigen Standort.</p><p>Weil tagsüber mehr Strom produziert wurde als verkauft werden konnte, hat Adani in neun Monaten die vermutlich größte Netzbatterie der Welt gebaut: 1,1 Gigawatt Leistung, 3,5 Gigawattstunden Kapazität, seit diesem Monat in Betrieb. Bis April 2027 kommen weitere 10 Gigawattstunden dazu. Das ist kein Subventionsmodell.</p><blockquote><p>„Wir machen nichts auf Megawatt-Ebene. Auch nicht auf Hunderte-Megawatt-Ebene. Wenn es nicht Gigawatt ist, haben unsere CEOs nicht die Aufmerksamkeitsspanne dafür.&quot;</p><p>- Arun Sharma, Nachhaltigkeitschef Adani</p></blockquote><p>Khavda ist kein Einzelfall. In der chinesischen Provinz Qinghai steht der Talatan-Solarpark auf dem Tibetischen Plateau, 3.000 Meter über dem Meer: über 17 Gigawatt auf einer Fläche von sieben Manhattan. In Kalifornien plant der Westlands Water District einen 21-Gigawatt-Park auf brachliegenden Agrarflächen, deren Grundwasser versiegt ist. Aus einem Wasserproblem wird ein Energieprojekt.</p><p>Vor fünf Jahren galten Solarprojekte mit einigen hundert Megawatt als Rekorde. Heute operiert die Solarbranche routinemäßig in der Gigawatt-Größenordnung.</p><hr aria-hidden="true"/><h3>Deutschland exportiert wieder Netto-Strom</h3><p>Im ersten Quartal 2026 ist Deutschland erstmals seit Ende 2023 wieder Nettostromexporteur. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">17,9 Terawattstunden Export, 15,3 Terawattstunden Import.</mark> Nettoplus: 2,6 Terawattstunden. Im Vorjahresquartal war es noch ein Importüberschuss von vier Terawattstunden. Die Wende kam innerhalb eines Jahres.</p><p>Der Grund laut Bundesnetzagentur: Die Großhandelspreise in Deutschland sind stärker gefallen als in den meisten Nachbarländern. Für Stromversorger in Österreich, Dänemark und Norwegen war es schlicht billiger, deutschen Strom zu kaufen als eigenen zu erzeugen.</p><p>Womit exportiert Deutschland diesen günstigen Strom? 57,1 Prozent der Exporte stammten aus Erneuerbaren. Größter Einzelbeitrag: Windenergie an Land. Das ist exakt der Mechanismus, den Patrick Graichen in seiner Spanien-Analyse beschrieben hat. Mehr Erneuerbare drücken den Börsenstrompreis. Je öfter Wind und Solar den Preis setzen, desto günstiger der Strom. Die Nachbarn kaufen ihn, weil er günstig ist, weil Wind und Solar keine Brennstoffkosten haben.</p><p>Das Narrativ vom teuren deutschen Ökostrom, den niemand will, hält dieser Datenlage nicht stand. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn Deutschland die 80-Prozent-Marke bei Erneuerbaren erreicht: Dann exportieren wir nicht nur Strom, sondern Preisstabilität. Wenn Katherina Reiche das nicht blockiert.</p><hr aria-hidden="true"/><h3>Gesicherte Leistung: Was Reiche meint und was IRENA rechnet</h3><p>Wenn Katherina Reiche von „gesicherter Leistung&quot; spricht, meint sie Gaskraftwerke. Die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien hat diese Woche nachgerechnet. Der neue IRENA-Report „24/7 Renewables&quot; führt eine Kennzahl ein: gesicherte Stromgestehungskosten, Firm LCOE. Anders als die üblichen Kosten rechnet dieser Wert alles mit ein, was nötig ist, damit Solarstrom rund um die Uhr verfügbar ist: Batteriespeicher, Überbau, Systemintegration. Kein Schönwetter-Strom.</p><p>Für Schleswig-Holstein, Wind plus Speicher, ergibt sich 2025 ein Wert von 91 Dollar pro Megawattstunde, bis 2030 fallen die Kosten auf 73 Dollar. Das ist teurer als Abu Dhabi, klar. Aber günstiger als jedes neue Gaskraftwerk, das die Bundesregierung im Rahmen der Kraftwerksstrategie plant.</p><p>Seit 2010 sind die Kosten für Großspeicher um 93 Prozent gefallen, allein 2025 nochmals um 31 Prozent. Gesicherte Leistung ist damit nicht mehr an fossile Brennstoffe gebunden. Wenn Reiche von „gesicherter Leistung&quot; spricht, verkauft sie eine fossile Lösung für ein Problem, das die Erneuerbaren bereits gelöst haben.</p><p>Mehr dazu <a href="https://www.cleanthinking.de/gesicherte-leistung-solar-speicher-firm-lcoe/">bei Cleanthinking</a>. </p><hr aria-hidden="true"/><h3>Der Boden gibt nach</h3><p>Eine neue Studie in Nature Communications zeigt: Menschen in dicht besiedelten Küstenregionen erleben einen relativen Meeresspiegelanstieg von durchschnittlich 6 Millimetern pro Jahr. Das ist dreimal so viel wie der globale Mittelwert von 2,1 Millimetern. Der Unterschied kommt nicht aus dem Meer, sondern von unten: Der Boden sinkt ab.</p><p>Ursachen laut den Forschenden von TU München und Tulane University: Grundwasserentnahme, Öl- und Gasförderung, das Gewicht schnell wachsender Städte. In Jakarta sinkt der Boden in manchen Stadtteilen um bis zu 42 Millimeter pro Jahr. Bangkok, Lagos, Tianjin und Alexandria folgen.</p><blockquote><p>„Wer den Meeresspiegelanstieg an Küsten verstehen und wirksam darauf reagieren will, muss nicht nur den Ozean beobachten, sondern auch das Land selbst.&quot;<br/>- Dr. Julius Oelsmann, Hauptautor, DGFI-TUM</p></blockquote><p>Es gibt Gegenbeispiele: Tokio und Houston haben durch Regulierung der Grundwasserentnahme die Subsidenz stark verlangsamt. Lokale Entscheidungen können den globalen Klimawandel-Effekt teilweise kompensieren.</p><p><em>Quelle: Oelsmann et al., Nature Communications 17, 4382 (2026)</em></p><hr aria-hidden="true"/><h4>Kurz notiert: E-Auto-Förderung 2026</h4><p>Die neue E-Auto-Förderung ist in Kraft. Welche Modelle förderfähig sind und wie viel Zuschuss es gibt, <a href="https://www.cleanthinking.de/neue-e-auto-foerderung-2026-elektroautos/">zeigt unser Förderrechner</a>. </p><p>Die Lücke zwischen Daten und Deutung wird größer. Die Daten selbst kommen aber weiter herein, jede Woche, in dieselbe Richtung. Indien baut das größte Kraftwerk der Menschheitsgeschichte. Deutschland exportiert Windstrom in die Nachbarländer, weil er günstiger ist als alles andere. Die IRENA rechnet vor, dass gesicherte erneuerbare Energie billiger ist als neue Gaskraftwerke. </p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Wer diese Datenlage nicht sehen will, will aus Eigeninteresse eine tatsachenferne Interpretationsrealität erzeugen. Das sollten wir nicht zulassen.</mark></p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 22 May 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Murks mit Ansage]]></title>
      <description><![CDATA[Das CT Briefing ist ein Mix aus guten und schlechten Entwicklungen. Wer für "Murks mit Ansage" verantwortlich ist, ist leicht erratbar. Aber es gibt auch Positives!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>diese Woche ist kurz, der Brückentag drückt den Takt. Deshalb heute drei Themen statt fünf - aber eines davon hat es in sich.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/168ca06c-7fbf-40fb-82a7-d8d2dd097834/uploads/images/fbmlwzjnxq/Warmegesetz.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h2>Reiches Wärmegesetz: Der Normenkontrollrat spricht Klartext</h2><p>Das Kabinett hat diese Woche das Gebäudemodernisierungsgesetz beschlossen - Katherina Reiches Gegenentwurf zum Gebäudeenergiegesetz der Ampel. Acht Verbände haben den Entwurf am selben Tag zerlegt. Vom BUND bis zum VDI, von der Verbraucherzentrale bis zur Solarwirtschaft. Selbst Verbände, die eigentlich profitieren müssten, kritisieren scharf. Die ganze <a href="https://www.cleanthinking.de/reiches-waermegesetz-verbaende-kritik/">Analyse lesen Sie hier</a>.</p><p>Aber der härteste Befund kommt nicht aus der Branche. Er kommt vom <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Nationalen Normenkontrollrat</mark>.</p><p>NKR-Vorsitzender Lutz Goebel nennt den Entwurf eines der <em>„handwerklich schwächsten und praxisfernsten Vorhaben&quot;</em>, die dem Rat in den vergangenen Jahren vorgelegt wurden. Der Gesetzestext sei <em>„in weiten Teilen kaum verständlich, unnötig kompliziert und für Betroffene häufig nicht nachvollziehbar&quot;</em>. <br/><br/>Die komplizierten Vorgaben zur Nebenkostenteilung bei fossilen Heizungen seien für viele Eigentümer nur mit externer Beratung überhaupt umsetzbar. Goebels Fazit:</p><blockquote><p>„Dieses Gesetz ist ein Paradebeispiel dafür, warum viele Menschen staatliche Regeln nicht mehr verstehen.&quot;</p><p>– Lutz Goebel, Vorsitzender NKR</p></blockquote><p>Das ist nicht Greenpeace. Das ist nicht der BUND. Das ist das Gremium, das die Bundesregierung selbst eingesetzt hat, um Gesetze auf Praxistauglichkeit zu prüfen.</p><p>Rechtsanwalt Martin Riedel von der Kanzlei Aecoute <a href="https://www.linkedin.com/feed/?highlightedUpdateUrn=urn%3Ali%3Aactivity%3A7460770490358378496&amp;highlightedUpdateType=SHARED_BY_YOUR_NETWORK&amp;origin=inapp&amp;showCommentBox=true">ordnet ein</a>, was das juristisch bedeutet: Kanzleien bereiten bereits Anträge beim Bundesverfassungsgericht vor - <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">und halten die Erfolgsaussichten für hoch</mark>. Sein Appell an die Abgeordneten: <em>„Werdet Eurer Aufgabe im Interesse Aller gerecht.&quot;</em></p><p>Dazu kommt ein Skandal im Verfahren selbst: Verbände hatten vier Werktage Zeit für ihre Stellungnahmen. Vier Tage für ein technisch hochkomplexes Gesetz mit weitreichenden Folgen für Millionen Eigentümer, Mieter und Unternehmen. Das Umweltinstitut München hat trotzdem eine fundierte Stellungnahme vorgelegt und rechnet darin vor, warum neue Gasheizungen für Bürgerinnen und Bürger ein finanzielles Risiko sind: Wer heute noch Gas einbaut, wird zu den letzten Kunden am Netz gehören und muss mit Mehrkosten von bis zu 4.000 Euro pro Jahr allein durch steigende Netzentgelte rechnen.</p><a href="https://media.licdn.com/dms/document/media/v2/D4D1FAQFoFgkQ_xM5MA/feedshare-document-url-metadata-scrapper-pdf/B4DZ4bPGVKI0A4-/0/1778573404474?e=1779350400&amp;v=beta&amp;t=TUEa99ugcqkM10qCzX7xzAERR4fzDyJwMuA1n6epelo">https://media.licdn.com/dms/document/media/v2/D4D1FAQFoFgkQ_xM5MA/feedshare-document-url-metadata-scrapper-pdf/B4DZ4bPGVKI0A4-/0/1778573404474?e=1779350400&amp;v=beta&amp;t=TUEa99ugcqkM10qCzX7xzAERR4fzDyJwMuA1n6epelo</a><p>Im Bundestag entscheidet sich jetzt, ob dieser Entwurf nachgebessert oder durchgewinkt wird. Wer schweigt, hat sich entschieden.</p><h2>Florida Eis: Klimaneutral und profitabel</h2><p>Zwischen all dem Politikfrust eine Geschichte, die zeigt, wie es auch geht. Florida Eis aus Berlin-Spandau produziert seit Jahren klimaneutral - mit Solarenergie, Wärmepumpen und einer Philosophie, die Nachhaltigkeit nicht als Kostenfaktor begreift, sondern als Geschäftsmodell. Das Unternehmen baut jetzt ein zweites Werk in Schönebeck an der Elbe - und setzt dort neue Maßstäbe. Die ganze Geschichte <a href="https://www.cleanthinking.de/florida-eis-klimaneutrale-eisfabrik/">lesen Sie hier</a>.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fflorida-eis-olaf-hoehn-solarmodule-dach.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=b694a89f069aee6fc58346509193d65b" alt="Olaf Höhn zwischen Solarmodulen auf dem Dach der Florida Eis Manufaktur"/><h2>Cleanthinking im neuen Gewand</h2><p>Zum Schluss noch etwas in eigener Sache: <a href="http://cleanthinking.de/">Cleanthinking.de</a> bekommt ein komplett neues Design. Schneller, klarer, besser lesbar - auf allen Geräten. Wir überarbeiten die Seite von Grund auf, damit Sie die Inhalte finden, die Sie brauchen, ohne sich im Klick-Dschungel zu verlaufen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/168ca06c-7fbf-40fb-82a7-d8d2dd097834/uploads/images/t22kbewtzz/Redesign.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die ersten Schritte sind gemacht - wenn Sie Anregungen haben, was Cleanthinking besser machen kann - Themen, die fehlen, Funktionen, die Sie sich wünschen, oder Kritik, die überfällig ist: Schreiben Sie uns an <a href="mailto:team@cleanthinking.de">team@cleanthinking.de</a>. Wir lesen jede Mail.</p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/168ca06c-7fbf-40fb-82a7-d8d2dd097834/teaser_image/1778788558?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg" medium="image"/>
      <link>https://steady.page/36f63fec-ff0d-4815-ab07-de2c7687c875/posts/168ca06c-7fbf-40fb-82a7-d8d2dd097834</link>
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      <pubDate>Fri, 15 May 2026 05:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Europa ist allein]]></title>
      <description><![CDATA[Vestas-CEO warnt vor Rationierung, BILD verteidigt Windenergie, BDI rechnet 880 Mrd. Euro vor. Fünf Signale einer entscheidenden Woche.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>Joschka Fischer hat gestern Abend bei Markus Lanz einen Satz gesagt, der über die Außenpolitik hinausreicht: „Wir Europäer müssen begreifen, dass wir allein sind.&quot; Er meint damit Atomwaffen, Abschreckung, die NATO. <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Aber der Satz gilt genauso für Energie.</mark> In diesem Cleanthinking Briefing zeige ich Ihnen, warum.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/52312c8d-9132-4cf4-9c40-a5b0826ad3b6/uploads/images/ja3bpfhap5/briefing-teaser-europa-ist-allein.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><h2>„Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um sich aufs Klima zu fokussieren&quot;</h2><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/52312c8d-9132-4cf4-9c40-a5b0826ad3b6/uploads/images/ltdkofzfz4/vestas-henrik-andersen-ceo.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Vestas CEO Henrik Andersen"/><figcaption>Vestas CEO Henrik Andersen</figcaption></figure><p>Der CEO des weltgrößten Windkraftherstellers sagt im <a href="https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/interview-vestas-chef-wir-stehen-vor-einer-energiekrise-einer-ganz-neuen-dimension/100218434.html">Handelsblatt</a> einen Satz, der erst einmal irritiert. Henrik Andersen meint das ernst. Sein Argument ist nicht Resignation, sondern Eskalation: Europa habe aus der Gaskrise vor vier Jahren erschreckend wenig gelernt.</p><p>Die Fakten, die Andersen aufzählt, sind ernüchternd. Europa importiert noch fast genauso viel Energie wie 2022. Die Lufthansa streicht 20.000 Flüge, weil sie ernsthaft Kerosinmangel befürchtet. Europa hat zu Beginn der Krise ein Drittel seiner Ölnotfallreserven freigegeben, um die Preise zu drücken. Ohne Erfolg.</p><blockquote><p>„Verteidigung und Energieversorgung sind untrennbar verbunden. Wer im Winter im Dunkeln sitzt, verliert seine Verteidigungsfähigkeit.&quot;</p><p>– Henrik Andersen, CEO Vestas</p></blockquote><p>Andersen erzählt eine Szene vom EU-Gipfel in Kopenhagen im Oktober: Drei Kriegsschiffe im Hafen, weil es kurz zuvor Luftraumverletzungen durch Drohnen gegeben hatte. In dieser Lage lasse Europa immer noch zu, dass andere Regionen seine Energieversorgung kontrollieren.</p><p>Andersen rechnet vor, warum Europa die Krise nicht schnell lösen kann: Neue Batteriespeicher brauchen in Dänemark sieben Jahre Genehmigung. Neue Gaskraftwerke sind in Europa sechs Jahre entfernt. Neue Atomkraftwerke fünfzehn. Währenddessen hat China seit 2022 in zwei Jahren so viel Solar und Wind zugebaut wie der Rest der Welt zusammen.</p><p>Andersen fordert einen EU-Energiemanager, monatliche Treffen, permanente Ausbaukontrolle. Sein Vorbild: die Covid-Impfstoffentwicklung, 18 Monate vom Labor zur Spritze. Deutschland sieht er als Ausnahme, weil hier tatsächlich gebaut wird. Selbst sein Heimatland Dänemark blockiere große Windprojekte aus politischer Rücksichtnahme. Seine Warnung:</p><blockquote><p>„Wenn nicht mehr genügend Energie zu uns kommt, bleibt nur noch Rationierung.&quot;</p><p>– Henrik Andersen, CEO Vestas</p></blockquote><p>Der Windkraft-CEO hat nicht das Klimaargument aufgegeben. Er hat es durch eines ersetzt, dem niemand mehr ausweichen kann: Souveränität, Sicherheit, Bezahlbarkeit. Dass genau diese Transformation nebenbei den wirksamsten Klimaschutz liefert, muss er nicht mehr sagen.</p><hr aria-hidden="true"/><h2>Eine Redaktion, ein Tag, zwei Wahrheiten</h2><p>Mittwoch bei BILD, 14:36 Uhr: Aramcos neuer Hybridmotor wird als Innovation gefeiert. Der weltgrößte Ölkonzern baut einen Verbrenner, <a href="https://www.bild.de/leben-wissen/auto/oelkonzern-baut-spar-motor-dieser-hybrid-soll-35-prozent-sprit-sparen-69faf972cbc6aa7d81ba135d">BILD druckt die PR-Mitteilung als Artikel</a>. Kein Wort dazu, dass Saudi-Arabien ein wirtschaftliches Interesse daran hat, die Verbrenner-Ära zu verlängern. Kein Vergleich mit der Effizienz eines Elektroautos.</p><figure><a href="https://www.bild.de/leben-wissen/kosten-windraeder-mehr-energie-als-sie-je-liefern-69ede287abfdaf26dabf8e0a"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/52312c8d-9132-4cf4-9c40-a5b0826ad3b6/uploads/images/4gkfoe2yu3/bild-landman-windraeder-headline.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>So berichtet die Bild-Zeitung über die kuriosen Windkraftaussagen.</figcaption></figure><p>Mittwoch bei BILD, 15:49 Uhr: Ein Faktencheck zur Erfolgsserie „<strong>Landman</strong>&quot; rechnet sauber vor, dass eine moderne Windkraftanlage den gesamten Energieaufwand für Herstellung und Rückbau nach fünf Monaten eingespielt hat. Mit Tabelle, mit Quellen, mit dem klaren Ergebnis: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Windkraft liefert über ihren Lebenszyklus das 20- bis 30-Fache der investierten Energie.</mark></p><p>Dieser Kontrast ist kein Zufall. Er ist ein Röntgenbild davon, wie fossile Desinformation funktioniert: nicht durch offene Leugnung, sondern durch unkritisches Weiterreichen von Konzernkommunikation. Verschiedene Ressorts, verschiedene Autoren, keine gemeinsame Einordnung.</p><p>Der „Landman&quot;-Faktencheck ist der bessere Journalismus. Die Aramco-Story ist PR mit Redaktionsstempel. Dass beides in derselben Zeitung am selben Tag erscheint, zeigt: Die Auseinandersetzung um die Energiewende findet nicht nur zwischen Medien statt, sondern innerhalb einzelner Redaktionen.</p><hr aria-hidden="true"/><h2>880 Milliarden Euro, und es ist der BDI, der das sagt</h2><p>880 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung bis 2045. Das ist das <a href="https://assets.foleon.com/eu-central-1/de-uploads-7e3kk3/50809/07-05-28-circular_economy_bcg-bdi_de-kurzfassung_1.ae0132cb1b2a.pdf?utm_medium=referral&amp;utm_source=microsite&amp;utm_campaign=circulareconomy&amp;utm_description=organic&amp;utm_geo=de">Ergebnis einer BCG-Studie</a> im Auftrag des BDI zur Kreislaufwirtschaft. Die zirkuläre Bruttowertschöpfung könne sich von 60 Milliarden Euro auf 125 Milliarden pro Jahr mehr als verdoppeln.</p><p>Die strategische Dimension geht über Klimaschutz hinaus. Recycling und Wiederverwendung könnten 20 bis 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte ersetzen. Bei Seltenen Erden sinke die Importabhängigkeit um bis zu 20 Prozent, bei Batteriematerialien um bis zu 10 Prozent. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Dazu: 11 Millionen Tonnen weniger CO₂ und 40 Milliarden Euro geringere Energiewende-Kosten.</mark></p><p>Es ist der BDI, der das vorrechnet. Nicht Greenpeace, nicht der BUND. Der Bundesverband der Deutschen Industrie erklärt <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Kreislaufwirtschaft zum strategischen Wachstumsmotor</mark>. Wer nach dieser Studie noch behauptet, Klimaschutz und Industriepolitik seien Gegensätze, hat sie nicht gelesen.</p><hr aria-hidden="true"/><h2>Was der 1. Mai über das deutsche Stromsystem verrät</h2><p>Am 1. Mai hat das deutsche Stromsystem gezeigt, was es kann. <a href="https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7457779589197520897/">Prognos-Analyst Marco Wünsch</a> hat die blockscharfen Daten ausgewertet: Bei Großhandelspreisen von bis zu minus 500 Euro pro Megawattstunde wurden Gaskraftwerke auf 400 Megawatt gedrosselt. Steinkohle ging auf 112 Megawatt. Offshore-Windparks wurden zwischen 11 und 16 Uhr komplett aus dem Wind gedreht.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Der Kraftwerkspark reagiert.</mark> Die Flexibilität ist da. Was fehlt, sind Speicher und Nachfrageflexibilität. Wünsch rechnet vor, dass mit mehr Speichern die Windstromerzeugung acht Gigawatt höher hätte liegen können. Dazu kämen PV-Anlagen, die wegen negativer Preise vom Netz gingen.</p><p>Das ist kein Beweis für „zu viel Erneuerbare&quot;. Das ist der Beweis für zu wenig Speicher. Die Erzeugungsseite der Energiewende funktioniert. Die Verbrauchsseite muss nachziehen.</p><hr aria-hidden="true"/><h2>Die DIHK will bremsen. Die Fakten sprechen dagegen.</h2><p>Währenddessen hat die DIHK auf ihrer Vollversammlung ein Positionspapier zum Klimaschutz verabschiedet, das in die Gegenrichtung zielt. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Jahresscharfe Klimaziele auflösen</mark>, <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Förderungen reduzieren</mark>, <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">auf „</mark><em><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">technologieneutrale</mark></em><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">&quot; Marktmechanismen setzen</mark>. Die Forderung nach Technologieneutralität klingt vernünftig, bis man liest, was damit gemeint ist: Wasserstoff-Pipelines und CO₂-Netze statt Elektrifizierung.</p><p>BNW und andere Verbände haben bereits mit Faktenchecks begonnen. Einer unserer Leser hat das Papier Absatz für Absatz kommentiert und dabei interne Widersprüche, fehlende Quellenangaben und eine Logik offengelegt, die auf Verzögerung statt Transformation setzt. Unter dem Motto <em>„Nicht in unserem Namen – Wirtschaft denkt weiter&quot;</em> können IHK-Mitglieder ihrer Kammer signalisieren, <a href="https://wirtschaft-denkt-weiter.de/">dass dieses Papier nicht in ihrem Namen spricht</a>.</p><p>In einer Woche, in der der Vestas-CEO vor Rationierung warnt, die BILD Windkraft-Fakten verteidigt und der BDI 880 Milliarden Euro Wertschöpfungspotenzial durch Kreislaufwirtschaft vorrechnet, wirkt das DIHK-Papier nicht vorsichtig. Es wirkt fahrlässig.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Fischer hat Recht: Europa ist allein. Die Frage ist nicht mehr, ob wir unabhängiger werden müssen. Die Frage ist, ob wir schnell genug sind. Die Antworten dieser Woche geben Grund zur Zuversicht, dass die Richtung stimmt. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Und Grund zur Sorge, dass diejenigen, die bremsen, noch immer zu laut gehört werden.</mark></p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/52312c8d-9132-4cf4-9c40-a5b0826ad3b6/teaser_image/1778172115?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg" medium="image"/>
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      <pubDate>Fri, 08 May 2026 05:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der Tag, an dem Europa einen Cent vom Stromnotstand entfernt war]]></title>
      <description><![CDATA[Analyse der Lage im europäischen Stromnetz am 1. Mai 2026 - was gilt es jetzt zu tun, um vergleichbar dramatische Situationen an Pfingsten zu vermeiden?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/77c44105-cbca-4b7e-bf06-3eed329cb10f/uploads/images/ubqqbc4tcl/PV-Anlagen_ausschalten.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Heute, am 1. Mai 2026, lagen sechs Länder zwischen Frankfurt und Warschau gleichzeitig am regulatorischen Tiefpunkt des Strompreises. Hirth hatte das Szenario vor 18 Monaten beschrieben. Meyer hatte das Politikversagen längst seziert. Was am Feiertag passiert ist - und warum die nächsten 30 Tage über den Umgang mit der Energiewende entscheiden.</p><p>Es waren minus 499,99 Euro pro Megawattstunde. Ein Cent über dem absoluten Tiefpunkt, den der europäische Stromhandel überhaupt zulässt. Heute Mittag, am 1. Mai 2026, lag der Day-Ahead-Preis für Deutschland exakt einen Cent über dem regulatorischen Boden des Marktes. Und Deutschland war nicht allein. Frankreich lag bei minus 497,58 Euro, Belgien bei minus 498,76, die Niederlande bei minus 499,37, Polen bei minus 489,99, Österreich bei minus 497,58. Sechs Länder zwischen Atlantik und Weichsel, alle gleichzeitig einen Cent oder weniger vom regulatorischen Boden entfernt.</p><p>Im Intraday-Handel, der keine solche Deckelung kennt, fiel der Preis sogar auf minus 855 Euro pro Megawattstunde. Energieökonom Lion Hirth dokumentierte den Wert auf LinkedIn mit dem trockenen Kommentar „fasten your seatbelt&quot;. Wenige Stunden später schob er nach: „Tanz auf dem Vulkan. Für morgen Mittag hätte der Day-Ahead-Markt um ein Haar nicht geräumt. -500 €/MWh ist der Price Floor, wir waren bei -499,99, kein Witz.&quot;</p><p>Was harmlos klingt nach einem Computerproblem an einer Stromauktion, war in Wahrheit das knappste Beinahe-Ereignis, das das europäische Verbundnetz seit langer Zeit erlebt hat. Hätte das Stromangebot bei diesem Tiefpunkt die Nachfrage immer noch überstiegen, wäre die Day-Ahead-Auktion gescheitert. Die Übertragungsnetzbetreiber hätten Regelleistung aktivieren müssen, von der in Deutschland nur etwa drei Gigawatt vorgehalten werden. Hätte das nicht gereicht, wäre die Netzfrequenz im europäischen Verbundnetz angestiegen. Bei weiterer Eskalation hätten Kraftwerke automatisch abgeschaltet, ganze Verteilnetze hätten getrennt werden müssen.</p><p>Nichts davon ist passiert. Aber der Abstand war ein Cent.</p><h2>Hirths Drehbuch von 2024</h2><p>Wer wissen will, was heute fast geschehen wäre, muss nicht spekulieren. Lion Hirth hat das Szenario im September 2024 in seinem Paper „<em>Achtung, Stromüberschuss! Warum ungeregelte Solarerzeugung zum Problem wird</em>&quot; <a href="https://l.facebook.com/l.php?u=https%3A%2F%2Fdrive.google.com%2Fopen%3Fid%3D1h-X33V0bLCJDJ7MxCEREYvdMMIFfT1LK%26usp%3Ddrive_fs%26fbclid%3DIwZXh0bgNhZW0CMTAAYnJpZBEyQ3FoWTQ3YzlBcjQ1ZmhZVXNydGMGYXBwX2lkEDIyMjAzOTE3ODgyMDA4OTIAAR42JjO59CnKqWfPMOUtmptLn3BlfIC225HDN0lrbojdPkZgvuSuiVEirXda3Q_aem_jMyVo7bmNOYAtbHiNB5x_Q&amp;h=AUA5BpkHJUPAWc5VVTNinNjPOuifqCoDTh7ceMhWZU2jMt0whByAWZgqOgyaQLchIgtGAdWPkoHxbsap3nv38KOn4u3RnjaZakBxEY6CFitoHfs2RoYQKAhoPHMXwkGJ8M8j5gCBq2gztE3x9jshTtlg32TOPg&amp;__tn__=R]-R&amp;c[0]=AUAtjZX0NEGUL3RYwTXMH4a5ZU0MTZFTYD6EaD5mNbm8AdCPVMcjnMnFmEMrefyx--Ho5W0Iqx07AMlvn0ud7uIl5ns2G7-AJcbffVfkdSCOtVimhfII1iTmwc0wHEU29m44HlwLO9nBDVd0DMXl6BgIj3N4rwgFd1L-r0zHIs-wxwI6HTJzhT3Vxar8kGI">minutiös beschrieben</a>. Vor 18 Monaten. Hirth hatte damals analysiert, dass etwa 70 Prozent der installierten Photovoltaik-Leistung in Deutschland im Festvergütungs-Modell laufen. Das sind die kleineren Dachanlagen, die einen festen Cent-Betrag pro eingespeister Kilowattstunde bekommen, völlig unabhängig vom Marktpreis. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Sie haben keinerlei finanziellen Anreiz, bei negativen Preisen abzuschalten.</mark></p><p>Stand Sommer 2024 unterlagen rund 60 Gigawatt PV-Leistung diesem Festeinspeisetarif. Hirth rechnete vor: Bei einem jährlichen Solarzubau von 15 Gigawatt, einem Festtarif-Anteil von 70 Prozent und einem Gleichzeitigkeitsfaktor von 60 Prozent steigt die solare Einspeisespitze um sechs Gigawatt pro Jahr an.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/77c44105-cbca-4b7e-bf06-3eed329cb10f/uploads/images/25srhycked/Stromuberschuss_Fehlende_Marktraumung.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Anderthalb Jahre später ist die Hochrechnung Realität. Auch die Heimspeicher, von denen Hirth wusste, dass sie das Problem nicht lösen würden, sind explosionsartig gewachsen. Tim Meyer beziffert den aktuellen Bestand auf 14 Gigawatt Leistung mit 21 Gigawattstunden Kapazität. Genug, um die Mittagsspitze zu glätten. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Würden sie marktorientiert betrieben.</mark></p><p>Werden sie aber nicht. Heimspeicher werden auf Eigenverbrauchs-Maximierung optimiert. Sie laden, sobald die PV-Anlage produziert. An sonnigen Tagen sind sie um zehn Uhr morgens voll. Wenn der Strompreis um 13 Uhr ins Bodenlose fällt, können sie nichts mehr aufnehmen. Hirth nannte das 2024 explizit als Strukturproblem. Geändert hat sich seither nichts.</p><h2>Was Tim Meyer offenlegt</h2><p>Tim Meyer, Energieexperte und Buchautor, hat heute <a href="https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7455873267636113408/">auf LinkedIn die politische Versäumnisliste sortiert</a>. Sein zentraler Befund: Das <strong>Solarspitzengesetz </strong>aus dem Februar 2025 enthält eine Wahloption, von der praktisch niemand weiß. Betreiber von Festvergütungs-Anlagen können wählen: 0,6 Cent mehr Vergütung pro Kilowattstunde, im Gegenzug Verzicht auf Vergütung in Stunden mit negativen Preisen. <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Wer zusätzlich aktiv abregelt, bekommt am Ende der 20-jährigen Förderdauer eine Verlängerung.</mark></p><p>Klingt vernünftig. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Würde funktionieren, wenn die Anlagenbetreiber davon wüssten.</mark> Tun sie aber nicht. Die Bundesregierung hat das Instrument verabschiedet und nie aktiv kommuniziert. Keine Direktansprache der fünf Millionen PV-Anlagenbetreiber, keine Informationskampagne, keine standardisierten Anschreiben über die Netzbetreiber. Das Werkzeug existiert auf dem Papier und liegt in der Schublade.</p><p>Meyer benennt die zweite Lücke: Die Nachrüstung von Smart Metern für Bestandsanlagen unter sieben Kilowatt ist im Solarspitzengesetz vorgesehen, aber erst bis 2029. Das sind drei Jahre, in denen jede Pfingstwoche und jeder Maifeiertag dasselbe Risiko produziert wie heute. Drei Jahre, in denen sich die installierte PV-Leistung weiter aufbaut, ohne dass die Steuerungsinfrastruktur Schritt hält. Meyer fasst zusammen: <em>„Da geht mehr.&quot;</em></p><p>Das ist eine bemerkenswert höfliche Formulierung für einen strukturellen Politikausfall.</p><h2>Die europäische Wahrheit</h2><p>Bis hierher liest sich die Geschichte als deutsches Problem. Sie wird falsch erzählt, sobald man die Karte nicht mit anschaut. Heute Mittag sah die europäische Strompreis-Karte aus wie ein orangefarbener Block zwischen Atlantik und Weichsel. Skandinavien blieb verschont, Italien blieb verschont, Großbritannien blieb verschont. Aber das gesamte mitteleuropäische Verbundgebiet drückte gleichzeitig gegen den Price Floor.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/77c44105-cbca-4b7e-bf06-3eed329cb10f/uploads/images/cvo3tv6eoa/Die_europaische_Wahrheit.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Das verändert die Diagnose fundamental. Zwei Arten von Inflexibilität trafen aufeinander. Auf der einen Seite die deutsche Variante: ungeregelte Photovoltaik-Anlagen, mittags volle Heimspeicher, fehlende Smart Meter, ausgebremste Großbatterien. Lösbar mit Software, dynamischen Tarifen, beschleunigten Netzanschlüssen. Eine Frage von 24 bis 36 Monaten, wenn die Politik will.</p><p>Auf der anderen Seite die Frankreich-Polen-Variante: 35 Gigawatt französische Atomkraft, die durchläuft, weil Atomkraftwerke technisch nicht für tägliche Lastfolge gebaut sind. Etwa sechs Gigawatt polnische Kohle und zwei Gigawatt polnisches Gas, die ebenfalls weiterlaufen, obwohl genügend Erneuerbare zur Verfügung stünden, weil ein Wiederanfahren teurer wäre als der Verlust durch Negativpreise.</p><p>Diese 43 Gigawatt strukturell unflexibler Erzeugung in den Nachbarländern sind mehr als die maximale deutsche Solareinspeisespitze. Wer also heute behauptet, deutsche PV-Anlagen seien das Hauptproblem, blendet die fundamentale fossil-nukleare Inflexibilität jenseits der Grenzen aus. Der eigentliche Treiber der Negativpreise ist nicht die Überproduktion sauberer Energie. Es ist die Unterproduktion an Flexibilität.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/77c44105-cbca-4b7e-bf06-3eed329cb10f/uploads/images/h6aobmurtp/Bildschirmfoto_1-5-2026_12177_app.electricitymaps.com.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Frankreich ist dabei der größte Brocken. 35 Gigawatt Atomkraft, die jeden Tag liefern, egal wie die Sonne scheint, egal wie der Wind weht. An sonnigen Mittagen wird dieser Atomstrom in die Nachbarländer exportiert und verstärkt dort die Negativpreis-Spirale. Würde Frankreich seine Atomflotte abbauen, wäre das Problem im europäischen Verbund deutlich kleiner. Würde Polen seine sechs Gigawatt Kohle und zwei Gigawatt Gas durch Speicher und steuerbare Lasten ersetzen, ebenfalls.</p><p>Genau diese strukturelle Inflexibilität ist es, die in Berlin gerade als Lösung präsentiert wird. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche plant das Kraftwerkssicherheitsgesetz mit milliardenschwerer Förderung neuer Gaskraftwerke. Stimmen aus CDU und BSW liebäugeln offen mit einer deutschen Atom-Renaissance. Wer heute auf die Karte schaut, sieht: Genau dieses Modell verschärft das Negativpreis-Problem, statt es zu lösen. Frankreich lebt es vor.</p><h2>Warum die Interkonnektoren das Problem nicht heute Mittag retten</h2><p>Die EU-Kommission hat im November 2023 ihren „Grids Action Plan&quot; vorgelegt. 584 Milliarden Euro sollen bis 2030 in europäische Stromnetze fließen, ein erheblicher Teil davon in grenzüberschreitende Verbindungen. Die Übertragungskapazität zwischen den Mitgliedstaaten soll sich verdoppeln. Die Liste der Projekte ist konkret. Spanien-Frankreich über die Pyrenäen, Italien-Tunesien (ELMED), Deutschland-Norwegen über NordLink hinaus, Sizilien-Festland, Griechenland-Zypern-Israel über den EuroAsia Interconnector.</p><p>Wenn das alles gebaut wäre, würde sich die heutige Logik komplett drehen. Sizilianischer Solarstrom verdrängt mittags polnische Kohle. Norwegischer Wasserkraft-Speicher gleicht abends die Solarspitze in Mitteleuropa aus. Spanischer Wind und Solar liefern überschüssige Energie nach Frankreich, wo dann Atomkraftwerke heruntergefahren werden müssten.</p><p>Mit ausgebauten Netzen würde Erneuerbarer Strom Kohle und Atom systematisch verdrängen. Heute passiert das Gegenteil. Weil die Leitungen fehlen, müssen alle Erzeugungsformen gemeinsam in den Negativpreis gedrückt werden. Der Stromüberschuss bleibt regional gefangen. Wer sich gegen Hochspannungstrassen wehrt, blockiert nicht nur die deutsche Energiewende, sondern die europäische Verdrängungsdynamik gegen fossile und nukleare Erzeugung.</p><p>Aber: Bis 2030 ist viel zu spät. Pfingsten kommt in vier Wochen. Christi Himmelfahrt ist in zwei Wochen. Jeder sonnige Sommertag wird ähnliche Situationen produzieren. Die Interkonnektor-Strategie ist richtig und unverzichtbar, aber sie wirkt nicht in den nächsten 30 Tagen. Was wir kurzfristig brauchen, sind die schnellen Hebel auf der nationalen Ebene.</p><h2>Die 30-Tage-Liste</h2><p>Was technisch verfügbar wäre und politisch sofort entschieden werden könnte:</p><p><strong>Erstens: Smart-Meter-Notrollout</strong>. Deutschland liegt beim Smart-Meter-Ausbau bei 5,5 Prozent. Frankreich, Italien und Skandinavien liegen über 90 Prozent. Die im Solarspitzengesetz vorgesehene Nachrüstung bis 2029 ist drei Jahre zu spät. Die Bundesnetzagentur müsste die Frist auf 2027 vorziehen und die Verteilnetzbetreiber zu standardisierten Pauschalverträgen mit wettbewerblichen Messstellenbetreibern verpflichten.</p><p>Anbieter wie Octopus Energy, 1Komma5° oder Tibber haben die Kapazität, den Rollout massiv zu beschleunigen. Sie werden durch zähe Genehmigungsprozesse und Konkurrenzdenken der grundzuständigen Betreiber gebremst.</p><p><strong>Zweitens: Aktive Kommunikation der Solarspitzengesetz-Wahloption</strong>. Die Bundesregierung muss die fünf Millionen Festvergütungs-Anlagenbetreiber direkt anschreiben und ihnen die 0,6-Cent-plus-Verzicht-Option erklären. Standardisierte Briefe, online ausfüllbare Formulare, Frist von sechs Wochen. Wenn das nicht reicht, eine Info-Pflicht für Direktvermarkter und Stadtwerke. Das ist eine Verwaltungsaufgabe, kein Gesetzesvorhaben. Sie kann morgen beginnen.</p><p><strong>Drittens: Beschleunigte Anschlussgenehmigungen für Großbatterien</strong>. Hirth wies bereits 2024 darauf hin: 2024 wurden lediglich 0,3 Gigawatt Speicherleistung neu installiert, obwohl Investoren bereit standen. Die Verteilnetzbetreiber bremsen, weil sie Anschlüsse nur zögerlich gewähren. Die Bundesnetzagentur müsste eine Stichtags-Regelung einführen: Anschlussbegehren für Batteriespeicher müssen innerhalb von acht Wochen bearbeitet werden, sonst gelten sie als genehmigt. Bewährtes Modell aus dem Telekommunikationsrecht.</p><p><strong>Viertens: Verpflichtende Steuerbarkeit für alle Neuanlagen</strong>. Heimspeicher und Wallboxen, die ab Sommer 2026 installiert werden, müssen Marktsignale verarbeiten können. Technisch ist das Standard. Was fehlt, ist die regulatorische Verpflichtung und ein einheitliches Schnittstellen-Protokoll. Beides Sache der Bundesnetzagentur.</p><p><strong>Fünftens: Sofortige Flexibilisierung der Biogasanlagen</strong>. Etwa 9 Gigawatt Biogasleistung werden in Deutschland heute weitgehend wie eine Grundlast gefahren, obwohl sie technisch flexibel einsetzbar wären. Hier müsste das EEG kurzfristig so umgestaltet werden, dass Biogasanlagen einen Aufschlag bekommen, wenn sie ihre Erzeugung in die Abendstunden verschieben. Das entlastet die Mittagsspitze und füllt die Lücken am frühen Abend.</p><p>Das sind die Maßnahmen, die zwischen jetzt und Pfingsten umsetzbar wären, wenn die politische Priorität gesetzt würde. Keine davon ist neu. Alle stehen seit Jahren auf den Listen der Branchenverbände, der Wissenschaft, der Marktakteure. Was fehlt, ist nicht die Technik. Was fehlt, ist die Dringlichkeitswahrnehmung in Berlin.</p><h2>Was die Bundesnetzagentur stattdessen tut</h2><p>Während sechs Länder am Price Floor stehen und Hirth „Tanz auf dem Vulkan&quot; twittert, arbeitet BNetzA-Präsident Klaus Müller an etwas anderem. Zwei Tage vor dem Beinahe-Ereignis veröffentlichte er im Handelsblatt einen Gastkommentar unter dem Titel „In der Netzkostenverteilung ist mehr Fairness geboten&quot;. Müller schlägt darin vor, im Rahmen der neuen Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) auch Speicherbetreiber und Einspeiser an den Netzentgelten zu beteiligen. Prosumer, also Haushalte mit eigener PV-Anlage, sollen über einen höheren Grundpreis stärker belastet werden.</p><p>Müller benennt das Problem dabei korrekt: „Es gibt im System heute keine Anreize, die flexibles Verhalten belohnen, eher im Gegenteil.&quot; Sein Lösungsweg: dynamische Netzentgelte, Baukostenzuschüsse für Netzanschlüsse, faire Beteiligung aller Akteure an den 600 Milliarden Euro Netzausbaukosten bis 2045.</p><p>Das alles ist langfristig richtig. Akut ist es ein Problem. Müller plant, ausgerechnet die Akteure mit zusätzlichen Kosten zu belasten, die das Negativpreis-Problem heute lösen helfen würden: Speicherbetreiber, die mit Großbatterien einspringen könnten, wenn ihre Anschlüsse genehmigt würden.</p><p>Einspeiser, die mehr Flexibilität bringen würden, wenn die Smart Meter da wären. Prosumer, die als willige Pioniere der Energiewende in Anlagen investiert haben, die das Land heute dringend braucht. Müllers Satz <em>„Wir brauchen noch viel mehr davon&quot;</em> über Speicher steht im Widerspruch zur Gesamttendenz seines Gastkommentars, der Speicher mit neuen Hürden konfrontiert.</p><p>Vom 1. Mai 2026 selbst, vom Beinahe-Ereignis, von der Frage, was zu tun wäre: kein Wort. Keine Pressemitteilung der BNetzA, keine LinkedIn-Einordnung, keine Live-Schaltung. Während Wissenschaftler und Unternehmer auf öffentlichen Plattformen warnen, schweigt die zuständige Bundesbehörde an einem der historisch dramatischsten Tage des deutschen Stromsystems.</p><h2>Stratmanns Befund: 851 Netzbetreiber an der Belastungsgrenze</h2><p>Klaus Stratmann hat im Handelsblatt am 30. April eine Recherche veröffentlicht, die erklärt, warum auch die Verteilnetzbetreiber heute schweigen. Deutschland hat 851 Stromverteilnetzbetreiber, überwiegend kommunale Stadtwerke. Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), räumt ein, dass das Transformationstempo Netzbetreiber an ihre Grenzen bringe, „unabhängig von ihrer Größe&quot;. Eine BET-Studie im Auftrag des VKU stellt fest, dass insbesondere kleinere und mittlere Netzbetreiber über begrenzte Ressourcen und eingeschränkte Möglichkeiten zur internen Spezialisierung verfügen.</p><p>Im Klartext: Viele dieser 851 Netzbetreiber haben weder die Smart-Meter-Infrastruktur noch die digitalen Systeme noch das Personal, um an einem Tag wie dem 1. Mai 2026 steuernd einzugreifen. Der Digitalisierungsrückstand ist strukturell. Der VKU bietet Konsolidierung als Lösung an, McKinsey rechnet 15 Prozent Kostensenkungspotenzial vor. Das mag mittelfristig stimmen. Akut ist es kein Plan.</p><p>Hier zeigt sich die Tiefe des deutschen Problems. Selbst wenn die Bundesnetzagentur morgen die Smart-Meter-Frist auf 2027 vorzöge, fehlte den meisten Verteilnetzbetreibern die Kapazität, das umzusetzen. Was fehlt, ist nicht nur Technik. Was fehlt, ist eine handlungsfähige institutionelle Struktur auf der untersten Ebene des Stromsystems.</p><h2>Die Erzählungs-Schlacht</h2><p><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Was nach diesem 1. Mai entscheidend wird, ist nicht die technische, sondern die politische Verarbeitung. Drei Erzählungen konkurrieren bereits.</mark></p><p>Die erste Erzählung kommt aus dem Lager der fossilen Beharrung: Die Solarwelle ist außer Kontrolle, Deutschland produziert mehr Strom, als es vertragen kann, der Zubau muss gebremst werden. Diese Erzählung wird in BILD, WELT, NIUS und in Teilen der CDU vorgetragen. Sie blendet aus, dass die ungeregelte Solarerzeugung nur ein Teil des Problems ist und dass die Lösung Flexibilisierung heißt, nicht Verlangsamung. Wer den Solarzubau bremst, lässt die Negativpreis-Stunden trotzdem auftreten, weil 60 Gigawatt ungesteuerte Bestandsleistung bereits installiert sind. Die Bremsung ändert nichts am Heute. Sie verhindert nur, dass das Morgen besser wird.</p><p>Die zweite Erzählung kommt aus der Atom-Renaissance: Wir brauchen wieder Grundlastkraftwerke, die durchlaufen, dann gibt es keine Negativpreise mehr. Diese Erzählung wird in CDU, FDP-Resten und BSW gepflegt. Sie ist faktenbefreit. Frankreich macht heute live vor, wie Atomkraft das Negativpreis-Problem verschärft. 35 Gigawatt unflexible Atomerzeugung sind keine Lösung, sondern Teil der Diagnose.</p><p>Die dritte Erzählung kommt aus Wissenschaft, progressiver Industrie und Teilen der Branche: Das Problem ist lösbar, die Werkzeuge liegen auf dem Tisch, was fehlt, ist politisches Tempo. Diese Erzählung wird von Hirth, Meyer, Schröder, Kemfert, Hirschl, von Anbietern dynamischer Tarife, von Speicher-Investoren und von Teilen der Energiegenossenschafts-Bewegung getragen. Sie hat die besseren Argumente und die schlechtere mediale Verbreitung.</p><p>Welche dieser drei Erzählungen sich nach diesem 1. Mai durchsetzt, wird darüber entscheiden, ob Deutschland 2026 in eine produktive Krise eintritt oder in eine regressive Phase rutscht. Die erste Erzählung führt zu Solarbremse und damit zu höheren Strompreisen in vier bis fünf Jahren, weil dann Erzeugungskapazität fehlt. Die zweite Erzählung führt zu Milliardenfehlinvestitionen in Atomkraftwerke, die in 15 Jahren ans Netz gingen, in einer Welt, in der Speicher und Flexibilisierung längst die billigeren Lösungen liefern. Die dritte Erzählung führt zu einem stabileren, billigeren, klimafreundlicheren Stromsystem - wenn sie es schafft, die institutionelle Trägheit zu überwinden.</p><h2>Was Sie jetzt tun können</h2><p>Wer das System heute entlasten will, hat konkrete Hebel. Sie wirken einzeln klein, kollektiv aber massiv.</p><p>Verschieben Sie Stromverbrauch in die Mittagsstunden zwischen 11 und 15 Uhr. Laden Sie das Elektroauto, lassen Sie Waschmaschine und Geschirrspüler laufen, heizen Sie den Warmwasserspeicher auf. Wenn Sie eine PV-Anlage ohne Speicher betreiben und keinen dynamischen Tarif haben: Schalten Sie die Einspeisung an Tagen wie diesem ab, wenn Ihr Wechselrichter das erlaubt, und verbrauchen Sie den Strom selbst.</p><p>Mittelfristig: Wechseln Sie zu einem dynamischen Stromtarif. Octopus, Tibber, Rabot Charge, 1Komma5°, aWattar und Ostrom haben jeweils eigene Profile bei Marge und App-Qualität. Wer einen Smart Meter braucht, sollte einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber wählen, nicht den grundzuständigen Netzbetreiber. Anbieter wie Octopus oder 1Komma5° übernehmen den Einbau im Paket mit dem Tarif, oft schneller und kundenfreundlicher.</p><p>Wer einen Heimspeicher hat, sollte prüfen, ob er marktorientiert betrieben werden kann. Moderne Energiemanagementsysteme können den Speicher gezielt für Mittags-Negativpreis-Stunden freihalten und den Strom in den teuren Abendstunden einsetzen. Das verschiebt Ihren Beitrag zur Systemstabilität ohne Komfortverlust.</p><p>Wer noch keinen Speicher hat: Ein Heimspeicher rentiert sich heute auch ohne PV-Anlage. Bei Spreizungen von 87 Cent pro Kilowattstunde innerhalb eines einzigen Tages, wie wir sie heute gesehen haben, lohnt sich der Einkauf in der Mittagszeit und der Eigenverbrauch am Abend wirtschaftlich. Vor zwei Jahren wäre dieses Geschäftsmodell undenkbar gewesen.</p><h2>Pfingsten kommt</h2><p>Der 1. Mai 2026 wird kein Einzelereignis bleiben. Christi Himmelfahrt am 14. Mai, Pfingsten am 24. und 25. Mai, jedes sonnige Wochenende im Sommer wird ähnliche Situationen produzieren. Bei jedem dieser Ereignisse rückt die solare Einspeisespitze um sechs Gigawatt näher an den nicht mehr räumbaren Markt heran. Hirth sah das schon 2024 voraus. Inzwischen ist die Wahrscheinlichkeit eines tatsächlich gescheiterten Day-Ahead-Marktes nicht mehr theoretisch.</p><p>Wenn dieser Tag kommt, wird die Politik unter Druck reagieren müssen. Ohne vorbereitete Strategie wird die Reaktion sein, was politisch immer am einfachsten ist: bremsen statt umbauen. Solarzubau drosseln, Festvergütung kürzen, Verantwortung auf die Prosumer abwälzen. Das ist die Falle, vor der Hirth 2024 gewarnt hat. <em>„Sollte eine solche Situation auftreten, steht zu befürchten, dass die Politik den Solarzubau kurzerhand abwürgt&quot;</em>, schrieb er damals. Es ist exakt das Szenario, in das Deutschland heute hineinläuft.</p><p>Die Aufgabe der nächsten 30 Tage ist es, eine andere Reaktion vorzubereiten. Nicht bremsen, sondern flexibilisieren. Nicht den Prosumern die Schuld geben, sondern den verschleppten Smart-Meter-Rollout, die ausgebremsten Großbatterien, die ungenutzten Wahloptionen, die institutionelle Trägheit der 851 Verteilnetzbetreiber, das Zögern der BNetzA bei der Krisenkommunikation.</p><p>Heute war die Mahnung. Was Deutschland aus dem 1. Mai 2026 macht, wird die Energiewende der nächsten fünf Jahre prägen.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 01 May 2026 10:21:47 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt]]></title>
      <description><![CDATA[Neuer WMO/Copernicus-Bericht zeigt: 2025 war für Europa das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Hier gibt es die wichtigsten Fakten aus dem Report. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/346eac2b-bf49-4d50-9639-d9d0687b9a36/uploads/images/scu7ve5vxv/European_State_of_the_Climate.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>der neue WMO/Copernicus-Bericht zeigt: 2025 war für Europa das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Waldbrände, marine Hitzewellen, Gletscherverlust auf Rekordniveau. Und ein Kapitel, das zeigt, warum das nicht das Ende der Geschichte ist.</p><p>Der heutige Newsletter liefert die Fakten und den schnellen Überblick. Aber jetzt: Ran an die (bedrückenden) Fakten.</p><hr aria-hidden="true"/><p>30 Grad am Polarkreis</p><p>Am 17. Juli 2025 maß die Wetterstation im norwegischen Frosta 34,9 Grad. Frosta liegt auf 63,4 Grad nördlicher Breite, ungefähr auf Höhe des Polarkreises. Die Hitzewelle, die Fennoskandinavien im Juli traf, dauerte 21 Tage. Normalerweise erlebt die Region zwei Tage pro Jahr mit starkem Hitzestress. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">2025 waren es fast zwei Wochen am Stück.</mark></p><p>Der WMO/Copernicus-Bericht <strong>„European State of the Climate 2025&quot;</strong> dokumentiert dieses Ereignis als die längste und schwerste Hitzewelle, die jemals im subarktischen Europa gemessen wurde. Aber die Hitzewelle in Fennoskandinavien ist nur ein Eintrag in einem 173-Seiten-Bericht, der in fast jeder Kategorie Rekorde verzeichnet. Rund 100 Wissenschaftler haben 45 Datensätze ausgewertet. </p><p><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Das Ergebnis ist der umfassendste Zustandsbericht, den es zum europäischen Klima je gab.</mark></p><p>Die Kernzahl steht auf Seite 12: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Europa erwärmt sich mit 0,56 Grad pro Jahrzehnt.</mark> Das ist mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt von 0,27 Grad. Gegenüber dem vorindustriellen Niveau hat sich der Kontinent bereits um rund 2,5 Grad erwärmt. 2025 war für die WMO-Region Europa das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.</p><p>Meteorologe Özden Terli ordnete den <a href="https://www.linkedin.com/posts/%C3%B6zden-terli-404a47298_klimakatastrophe-ugcPost-7455517081426440193--aIe?utm_source=share&amp;utm_medium=member_desktop&amp;rcm=ACoAAAB7EzUBlwQDO0t5n9KivilosEJHDa1DE_c">Bericht im ZDF knapp ein</a>: Es sei ein Trugschluss zu glauben, die globale Erhitzung treffe nur andere. Europa sei ein Hotspot, mittendrin. Die 1,5-Grad-Marke werde laut Copernicus-Programm 2029 endgültig überschritten, die 2-Grad-Marke könnte bereits in den 2040er Jahren fallen. [Link auf Terlis LinkedIn-Post mit dem Studioausschnitt]</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/346eac2b-bf49-4d50-9639-d9d0687b9a36/uploads/images/gh43bavhqp/Europe_Fastest_Growing.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Quelle: C3S/ECMWF."/><figcaption>Quelle: C3S/ECMWF.</figcaption></figure><p>Die zweite Hitzewelle des Sommers traf Südeuropa im Juli und Anfang August. In der türkischen Stadt Silopi wurden am 25. Juli erstmals 50,5 Grad gemessen. Auf Zypern fiel der Juli-Rekord mit 44,7 Grad. In Griechenland waren geschätzt 85 Prozent der Bevölkerung von Temperaturen nahe oder über 40 Grad betroffen. Im August folgte die dritte Hitzewelle in Westeuropa, von Portugal über Spanien bis Frankreich.</p><p>Für den Kontinent insgesamt verzeichnete der Bericht einen Rekordtiefstand bei Kältestress-Tagen. 90 Prozent Europas erlebten weniger Frosttage als im Durchschnitt. Die Fläche, die winterliche Frostperioden kennt, schrumpft seit Jahrzehnten und war 2025 deutlich kleiner als der Referenzzeitraum 1961 bis 1990. Südlich der Alpen verschwinden zweiwöchige Frostperioden fast vollständig.</p><h2>Eine Million Hektar</h2><p>2025 war ein Rekordjahr für Waldbrände in Europa. 1.034.552 Hektar verbrannten, mehr als der bisherige Rekord von 2017 mit rund 988.500 Hektar. Die Brandsaison begann ungewöhnlich früh: Bereits im Februar brannten Teile Großbritanniens und Irlands. Im Sommer schufen die aufeinanderfolgenden Hitzewellen ideale Bedingungen für Großbrände auf der Iberischen Halbinsel.</p><p>Spanien und Portugal machten 65 Prozent der gesamten europäischen Brandfläche aus. In Zamora brannte mit 40.081 Hektar das größte einzelne Feuer, das Spanien seit Beginn der Aufzeichnungen 1968 verzeichnet hat. Bis Ende August hatten Spanien und Portugal Rekord-Brandflächen von 380.877 und 265.139 Hektar erreicht, jeweils das 4,6- und 3,7-Fache des langjährigen Durchschnitts.</p><p>Die Feueremissionen lagen europaweit auf dem höchsten Stand seit Beginn der CAMS-Aufzeichnungen 2003. Spanien stellte einen neuen Jahresrekord auf und trug allein rund die Hälfte der gesamten europäischen Feueremissionen bei. Aber die auffälligste Entwicklung betrifft Länder, die sich bisher nicht als Waldbrandregionen verstanden haben: Deutschland, die Niederlande und Großbritannien verzeichneten jeweils ihre höchsten Feueremissionen seit Aufzeichnungsbeginn.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/346eac2b-bf49-4d50-9639-d9d0687b9a36/uploads/images/fuzozzzutb/Burnt_areas.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Die Grafik zeigt die Verschiebung der Brandgebiete nach Norden auf einen Blick. Quelle: EFFIS/CEMS/C3S/ECMWF."/><figcaption>Die Grafik zeigt die Verschiebung der Brandgebiete nach Norden auf einen Blick. Quelle: EFFIS/CEMS/C3S/ECMWF.</figcaption></figure><p>Das IPCC hatte in seinem Sechsten Sachstandsbericht projiziert, dass neue Brandgebiete in West-, Mittel- und Nordeuropa entstehen werden. Diese Projektion hat sich 2025 in den Daten materialisiert.</p><h2>Ozeane im Dauerstress</h2><p>Die Meeresoberflächentemperatur der europäischen Gewässer erreichte zum vierten Mal in Folge einen Rekordwert: 10,94 Grad im Jahresdurchschnitt, 0,65 Grad über dem Mittel und nochmals 0,07 Grad höher als der bisherige Rekord von 2024. Seit 2021 steigt die jährliche Meeresoberflächentemperatur in der europäischen Region sprunghaft an, mit aufeinanderfolgenden Rekorden von 2022 bis 2025.</p><p>86 Prozent der europäischen Meeresregion erlebten mindestens eine Phase mit „starken&quot; marinen Hitzewellen. Das ist ein Rekord. Für „schwere&quot; oder „extreme&quot; Bedingungen lag der Anteil bei 36 Prozent, ebenfalls ein Rekord. Das Mittelmeer war das dritte Jahr in Folge zu 100 Prozent von mindestens starken marinen Hitzewellen betroffen. Mehr als die Hälfte des Mittelmeers erlebte 2025 schwere oder extreme Bedingungen.</p><p>Was das konkret bedeutet, zeigt sich am deutlichsten in der Norwegischen See. Am 24. Juli erreichte die Wassertemperatur dort 15,5 Grad, 3 Grad über dem Durchschnitt. Das war der größte Tagesausschlag, der in dieser Meeresregion jemals in irgendeinem Monat gemessen wurde. An der norwegischen Küste kletterte das Wasser auf 19 Grad. Die marine Hitzewelle fiel zeitlich mit der Hitzewelle über Fennoskandinavien zusammen und hat diese wahrscheinlich verstärkt, weil warmes Meerwasser die Luft über dem Küstengebiet zusätzlich aufheizt.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/346eac2b-bf49-4d50-9639-d9d0687b9a36/uploads/images/2gckd5cvkk/Marine_Heatwaves.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diese Grafik verknüpft die Ozean-Erwärmung direkt mit der Fennoskandinavien-Hitzewelle und macht den Mechanismus sichtbar. Quelle: C3S/ECMWF."/><figcaption>Diese Grafik verknüpft die Ozean-Erwärmung direkt mit der Fennoskandinavien-Hitzewelle und macht den Mechanismus sichtbar. Quelle: C3S/ECMWF.</figcaption></figure><p>Im Mittelmeer sind die Folgen für das Ökosystem bereits messbar. Die Seegrasart Posidonia oceanica, die rund 19.000 Quadratkilometer europäischer Küstengewässer bedeckt und als wichtigster mariner Lebensraum des Mittelmeers gilt, ist durch die wiederkehrenden marinen Hitzewellen akut bedroht. </p><p>Studien zeigen, dass Posidonia-Bestände bei fortschreitender Erwärmung bis 2050 massiv zurückgehen könnten. Seegraswiesen speichern CO₂, filtern Bakterien, stabilisieren Sedimente und dienen als Kinderstube für Fischpopulationen. Ihr Verlust wäre ein Kipppunkt für das gesamte mediterrane Ökosystem.</p><h2>Die langsame Katastrophe</h2><p>Die Veränderungen, die sich über Jahrzehnte aufbauen, stehen in den hinteren Kapiteln des Berichts. Die europäischen Schneedaten gehören dazu.</p><p>Im März 2025 war die schneebedeckte Fläche Europas 1,32 Millionen Quadratkilometer kleiner als der Durchschnitt. Das entspricht ungefähr der Fläche von Frankreich, Italien, Deutschland, der Schweiz und Österreich zusammen. Die Schneebedeckung am Saisonende war die drittgeringste im 42-jährigen Messrekord. Die Schneemasse lag 45 Prozent unter dem Durchschnitt, ebenfalls die drittgeringste je gemessene.</p><p>Das <strong>Grönländische Eisschild</strong> verlor 139 Gigatonnen Eis, das 1,5-Fache der gesamten Eismasse aller Alpengletscher. Gletscher in allen europäischen Regionen verloren Masse, das vierte Jahr in Folge, in dem weltweit sämtliche 19 Gletscherregionen Nettoverluste verzeichneten. Island traf es am härtesten mit einem Verlust von 1,55 Metern Wasseräquivalent, dem zweithöchsten jemals gemessenen. Global haben die Gletscher seit 1975 rund 9.580 Gigatonnen Eis verloren, das Äquivalent von 26,4 Millimetern Meeresspiegelanstieg.</p><p>Die Bodenfeuchte war 2025 eine der drei niedrigsten seit 1992. Der Abfluss lag in 70 Prozent der europäischen Flüsse unter dem Durchschnitt.</p><p>Die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre war 2025 höher als zu jedem Zeitpunkt in mindestens zwei Millionen Jahren. Die Methan-Konzentration war höher als in 800.000 Jahren. Seit 2020 steigt CO₂ im Schnitt um 2,6 ppm pro Jahr. Erstmals lagen drei aufeinanderfolgende Jahre, 2023 bis 2025, über 1,5 Grad globaler Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Wenn die Erwärmung im Tempo der letzten 30 Jahre weitergeht, könnte die 1,5-Grad-Schwelle als langfristiger Durchschnitt noch in diesem Jahrzehnt erreicht werden, mehr als ein Jahrzehnt früher als beim Pariser Abkommen prognostiziert.</p><h2>Das achte Kapitel</h2><p>Zwischen all diesen Rekorden steht Kapitel 8 des Berichts, überschrieben mit „<em>Renewable energy resources</em>&quot;. Es liest sich wie ein Text aus einem anderen Bericht.</p><p>46,4 Prozent der europäischen Stromerzeugung kamen 2025 aus erneuerbaren Quellen. Das ist fast identisch mit dem Rekordwert von 2024 und bedeutet: Zum zweiten Mal in Folge lieferten Erneuerbare mehr Strom als fossile Quellen in Europa. Solar erreichte mit 12,5 Prozent Anteil an der europäischen Stromerzeugung einen neuen Höchststand, nach 10,3 Prozent im Vorjahr. Ein Sprung von 2,2 Prozentpunkten in einem einzigen Jahr, getrieben durch 65 Gigawatt Solarzubau allein in der EU.</p><p>14 von 27 EU-Ländern erzeugten 2025 mehr Strom aus Wind und Solar als aus fossilen Quellen. Die Mehrheit.</p><p>Wind kam auf 18 Prozent, trotz unterdurchschnittlicher Windbedingungen über weiten Teilen Europas. In Teilen Süddeutschlands, um die Alpen herum und in Südosteuropa lag das Windpotenzial bis zu 25 Prozent unter dem Durchschnitt. Im Februar fiel das Windpotenzial in Nordwesteuropa sogar 32 Prozent unter den Durchschnitt, auf der Iberischen Halbinsel 48 Prozent. Trotzdem blieb der Windanteil an der Stromerzeugung nur 0,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahr. Der Grund: 17 Gigawatt neuer Onshore-Windkapazität und 2 Gigawatt Offshore glichen die schwächeren Winde teilweise aus.</p><p>Dieser Befund ist wichtiger, als er auf den ersten Blick wirkt. Er zeigt, wie installierte Kapazität die Abhängigkeit von Wettervariabilität reduziert. In einem schlechten Windjahr liefert ein System mit mehr Turbinen immer noch annähernd so viel Strom wie ein kleineres System in einem guten Windjahr. Genau das ist der Mechanismus, auf den die Electrotech-Perspektive setzt: Kapazitätszubau schafft physische Fakten, die Wetterschwankungen absorbieren.</p><p>Gleichzeitig zeigt der Bericht einen interessanten Kontrast zwischen Nordwest-/Zentraleuropa und der Iberischen Halbinsel. Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Großbritannien hatten 2025 überdurchschnittliches Solarpotenzial, bis zu 10 Prozent über dem Mittel. Spanien und Portugal dagegen unterdurchschnittliches Solarpotenzial, weil es dort wolkiger war als üblich. Großbritannien erlebte sein sonnigstes Jahr seit Aufzeichnungsbeginn. Die Ironie, dass der Norden 2025 mehr Sonne hatte als der Süden, zeigt, warum ein europäisch vernetztes Stromsystem so wichtig ist.</p><h2>Was der Bericht zwischen den Zeilen sagt</h2><p>Ein Klimabericht, der neben Hitzewellen und Gletscherverlust ein ganzes Kapitel über erneuerbare Stromerzeugung enthält, trifft eine redaktionelle Entscheidung. Er sagt: Diese Daten gehören zusammen. Die Erderwärmung und die Antwort darauf sind nicht zwei getrennte Geschichten.</p><p>Die 46,4 Prozent Erneuerbaren-Anteil und die 12,5 Prozent Solar sind die Gegenerzählung zu den Rekorden in den anderen Kapiteln. Sie zeigen, dass sich die Stromerzeugung in Europa bereits transformiert, schneller, als die meisten politischen Debatten vermuten lassen. Aber der Bericht zeigt auch, wie weit der Weg noch ist. Der Stromsektor ist nur ein Teil des Energiesystems. Wärme, Verkehr, Industrie müssen folgen. Jedes Jahr ohne beschleunigte Elektrifizierung in diesen Sektoren ist ein Jahr, in dem die Rekorde in den anderen Kapiteln weiterlaufen.</p><p>Wer den vollständigen Bericht lesen möchte: </p><a href="https://library.wmo.int/viewer/69848/download?file=Europe-State-Climate-2025_en.pdf&amp;type=pdf&amp;navigator=1">https://library.wmo.int/viewer/69848/download?file=Europe-State-Climate-2025_en.pdf&amp;type=pdf&amp;navigator=1</a><hr aria-hidden="true"/><p><strong>Zusammenfassung zum Weiterleiten:</strong></p><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt:</mark> 0,56 Grad pro Jahrzehnt, doppelt so schnell wie der globale Schnitt. 2025 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Über eine Million Hektar verbrannten, ein <strong>neuer Rekord</strong>. Die <strong>Meeresoberflächentemperatur </strong>war zum vierten Mal in Folge auf Rekordniveau. Die <strong>Schneebedeckung </strong>die drittgeringste in 42 Jahren. Erstmals lagen drei Jahre in Folge über 1,5 Grad globaler Erwärmung. </p><p>Gleichzeitig: 46,4 Prozent der europäischen Stromerzeugung aus Erneuerbaren, Solar mit neuem Rekordanteil von 12,5 Prozent, 14 von 27 EU-Ländern mit mehr Wind- und Solarstrom als fossilem Strom.</p><p>Quelle: C3S/ECMWF und WMO, European State of the Climate 2025.</p><p>In diesem Sinne wünsche ich einen schönen Feiertag!<br/>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 30 Apr 2026 14:19:32 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Kümmern Sie sich um dynamische Tarife. Das war erst der Anfang.]]></title>
      <description><![CDATA[Octopus-Kunden bekamen am Sonntag bis zu 40 Cent pro Kilowattstunde gutgeschrieben. BILD nannte es "Strom-Geschenk ans Ausland". Aber was bedeutet es wirklich?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>am vergangenen Sonntag ist im deutschen Stromsystem etwas passiert, das womöglich die Energiewende-Debatte für die nächsten Monate prägen wird. <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Acht Stunden lang lag der Großhandelspreis für Strom im Minus.</mark> Um 14 Uhr fiel er auf minus 480 Euro pro Megawattstunde, das entspricht minus 48 Cent pro Kilowattstunde. Es war einer der tiefsten Werte, die der deutsche Strommarkt je gesehen hat.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Bei Anbietern dynamischer Tarife landete dieser Marktpreis direkt auf der Stromrechnung.</mark> Octopus-Kunden bekamen über mehrere Stunden Geld dafür, dass sie ihren Strom verbrauchten, <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">in der Spitze über 40 Cent pro Kilowattstunde</mark> gutgeschrieben. Wer in dieser Zeit das E-Auto an die Wallbox hängte, fuhr mit einer Gutschrift von mehreren Euro vom Hof. Auf BlueSky kursierten Screenshots, eine Userin nannte es den Schnäppchen-Sonntag.</p><p>Über genau diesen Sonntag sind in den letzten Stunden <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">drei Texte erschienen</mark>, die exemplarisch für die deutsche Energie-Debatte stehen. Sie zeigen, wie unterschiedlich man dieselben Daten erzählen kann. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Und sie zeigen, warum dynamische Tarife die wichtigste Verbraucherentscheidung der nächsten Jahre sein werden.</mark></p><h2>Drei Texte, drei Wirklichkeiten</h2><p>Der <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/stromkosten-warum-haushalte-am-wochenende-zeitweise-geld-fuer-strom-erhielten-a-83bbb862-b35e-42cb-b79f-d0768514ab2f">Spiegel</a> brachte am Montagabend, 22 Uhr, einen sauberen Erklär-Artikel von <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Henning Jauernig</mark> und <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Benedikt Müller-Arnold</mark>. Titel: <em>&quot;Warum private Stromkunden am Wochenende Geld geschenkt bekamen.&quot;</em> Der Text beschreibt nüchtern, was passiert ist, zitiert Octopus, Tibber, Rabot Charge und 1Komma5°, ordnet die Smartmeter-Lücke ein und stellt fest: Der deutsche Strommarkt funktioniert nicht optimal, weil nur eine Minderheit von Verbrauchern flexibel auf Marktsignale reagieren kann. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Deutschland hat einen Smartmeter-Ausbau von 5,5 Prozent. Frankreich, Italien, Skandinavien liegen über 90 Prozent.</mark></p><p>Der Spiegel benennt auch eine berechtigte Schwäche des aktuellen Systems. Solange Bestands-EEG-Anlagen weiter Vergütung bekommen, auch wenn der Börsenpreis im Minus ist, trägt der Bundeshaushalt einen Teil der Kosten. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Das sei ökonomisch nicht sinnvoll, schreibt der Spiegel. Stimmt.</mark> Wir kommen weiter unten darauf zurück.</p><p>Heute morgen, am Dienstag, hat <a href="https://www.linkedin.com/posts/philipp-schr%C3%B6der-b94b6576_danke-henning-jauernig-und-der-spiegel-activity-7454820787821146113-MLvP?utm_source=share&amp;utm_medium=member_desktop&amp;rcm=ACoAAAB7EzUBlwQDO0t5n9KivilosEJHDa1DE_c">Philipp Schröder</a>, Gründer und CEO von 1Komma5°, auf LinkedIn die volkswirtschaftliche Logik nachgeschoben. Sein Punkt: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Negative Preise sind keine Verschwendung, sondern eine Chance mit Milliarden-Einsparpotenzial.</mark> Wenn Verbrauch gezielt in Erzeugungs-Spitzen verschoben wird, entstehen fünf konkrete Effekte. Schröder zählt sie auf, ich entfalte sie hier in voller Länge, weil jeder einzelne ein eigenes Argument ist.</p><p><strong>Erstens:</strong> Erneuerbare müssen weniger abgeregelt werden. Jede Kilowattstunde Solar oder Wind, die in einer Negativpreis-Stunde sinnvoll abgenommen wird, muss nicht abgeschaltet werden. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit der Anlagen und macht zukünftige PV- und Windprojekte rentabler.</p><p><strong>Zweitens:</strong> Es fallen weniger Redispatch-Entschädigungen an. Das entlastet den Steuerzahler unmittelbar und reduziert die Netzkosten für alle Verbraucher.</p><p><strong>Drittens:</strong> Es fällt weniger Verbrauch in den Spitzenzeiten an. Wer mittags lädt, statt abends, drückt die Spitzenpreise im Markt nach unten. Davon profitieren alle, auch die Haushalte ohne dynamischen Tarif.</p><p><strong>Viertens:</strong> Strom wird regional und national verbraucht statt großräumig transportiert. Das reduziert Übertragungsverluste und entlastet die Netze, die ohnehin bereits am Limit laufen.</p><p><strong>Fünftens:</strong> Die fossile Grundlast wird durch bessere Synchronisierung von Erzeugung und Verbrauch verdrängt. Genau dort, wo flexible Verbraucher mittags Erneuerbaren-Strom nutzen, müssen Kohle- und Gaskraftwerke nicht hochfahren.</p><p>Schröders Schlussbild: Die Flexibilität ist bereits da, in Millionen E-Autos, Wärmepumpen und Speichern. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Sie muss nur erschlossen werden. Es braucht dafür keinen Cent Steuergeld.</mark></p><p>Heute morgen um 09:06 Uhr ist außerdem ein dritter Text erschienen - <a href="https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/solarstrom-negativ-rekord-deutschland-macht-irres-strom-geschenk-ans-ausland-69ef21d99f919872ba012bdd">bei BILD</a>. Redakteur Philip Fabian behauptet: <em>&quot;Wir zahlen dem Ausland jetzt dicke Strom-Prämien.&quot;</em> Drei Redaktionen, dieselben Daten, dasselbe Wochenende. <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Der Spiegel sah eine Effizienzlücke. Schröder sah ein volkswirtschaftliches Geschenk. BILD sah einen Skandal.</mark></p><h2>Wie BILD aus Schnäppchen-Sonntag eine Steuerzahler-Lüge konstruiert</h2><p>Ich habe den BILD-Artikel im Detail zerlegt. Neun Befunde, von denen drei reichen, um zu zeigen, wie das Empörungs-Narrativ funktioniert. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b70fb347-f540-4ea1-b0f5-5145bd9cefb5/uploads/images/bt5ercmmns/Faktencheck_BILD____Solarstrom____28.04.2026_page-0001.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>Erstens, die &quot;Steuerzahler&quot;-Lüge.</strong> BILD behauptet, der &quot;deutsche Steuerzahler&quot; überweise eine &quot;Prämie&quot; ans Ausland, weil der Strompreis ins Minus fällt. Das ist erfunden. Negative Börsenpreise tragen die Verkäufer am Spotmarkt, also Direktvermarkter und Erzeuger. Der Bundeshaushalt überweist hier nichts ans Ausland. Was tatsächlich aus dem Bundeshaushalt fließt, ist die EEG-Festvergütung an Bestandsanlagen, und die fließt an deutsche Anlagenbetreiber, nicht an österreichische Pumpspeicher. BILD vermischt zwei Geld-Quellen, um den emotionalen Eindruck zu erzeugen, deutsche Steuerzahler subventionierten ausländische Versorger. Das ist Konstruktion, nicht Berichterstattung.</p><p><strong>Zweitens, der 88-Cent-Trick.</strong> BILD rechnet vor: 40 Cent EEG-Vergütung plus 48 Cent negativer Börsenpreis ergibt 88 Cent &quot;Kosten für Strom, der überhaupt nicht gebraucht wird&quot;. Diese Summe existiert in keinem realen Cashflow. Die 40 Cent gab es nur ein einziges Mal in der EEG-Geschichte: für Anlagen, die 2009, 2010 oder 2011 ans Netz gegangen sind. Aktuelle Vergütung Anfang 2026: 7,86 Cent pro Kilowattstunde. </p><p>Diese teuren Altanlagen aus dem Solar-Boom 2009 fallen ab 2029 schrittweise aus der 20-Jahre-Förderung. BILD nimmt also einen Tarif aus 2010 und kombiniert ihn mit Marktbedingungen aus 2026, um eine Zahl zu erzeugen, die in der Realität nicht vorkommt. Selbst wenn man großzügig zu Frondels Gunsten rechnet: Die wenigen verbliebenen Anlagen mit 40-Cent-Tarifen erhalten ihre Vergütung getrennt vom negativen Börsenpreis, der eine andere Logik und einen anderen Empfänger hat. Drei Quellen, drei Empfänger, drei Zeiten, eine Zahl. Es ist ein Zeitreise-Trick.</p><p><strong>Drittens, was BILD verschweigt.</strong> 2025 ist die Erdgasverstromung in Deutschland um 20 Prozent gestiegen. Das ist exakt derselbe Prozentsatz, den der von BILD befragte RWI-Ökonom Manuel Frondel beim PV-Zubau als Skandal markiert. Die teuersten Stromstunden 2025 waren nicht die mit minus 48 Cent am sonnigen Sonntag. Es waren die mit plus 30 Cent an dunklen Wintertagen, getrieben von LNG-Gaspreisen. </p><p>Dazu schweigt der &quot;Energie-Experte&quot; Prof. Manuel Frondel, dazu schweigt BILD. Eine Stimme, die seit Jahren in BILD, Welt und NIUS dieselbe Logik vertritt: Erneuerbare schlecht, Gas und Atom gut.</p><h2>Was wirklich teuer ist: das fossile System</h2><p>Wer wissen will, wo die deutschen Steuermilliarden im Strommarkt tatsächlich verschwinden, muss nicht zur Solaranlage auf dem Nachbardach schauen. <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Er muss zu den Kohlekraftwerken in Boxberg und Niederaußem.</mark></p><p>Die Bundesnetzagentur hat für 2025 die Redispatch-Kosten mit insgesamt 3,1 Milliarden Euro beziffert. Wer von dieser Summe was bekommen hat, ist die eigentliche Geschichte. Anlagenbetreiber von Erneuerbaren, die wegen Netzengpässen abgeregelt werden mussten, erhielten 433 Millionen Euro Entschädigung, das sind 14 Prozent der Gesamtsumme. Die übrigen 86 Prozent flossen an fossile Kraftwerke, die hochgefahren werden mussten, um die Lücke zu schließen, sowie an Reservekraftwerke, die für solche Fälle vorgehalten werden. Allein die Vorhaltekosten der fossilen Reserven betrugen 952 Millionen Euro.</p><p>Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat dieselbe Zahl, drei Milliarden Euro Redispatch-Kosten, vor einigen Wochen in einem LinkedIn-Video als &quot;<em>weggeworfener Strom</em>&quot; bezeichnet. Es war eine grobe Falschdarstellung um den Faktor fünf, die ich in einem <a href="https://www.cleanthinking.de/faktencheck-redispatch-drei-milliarden/">ausführlichen Faktencheck auf Cleanthinking</a> widerlegt habe.  Was Reiche, BILD und Frondel gemein haben: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Sie schieben die Kosten der fossilen Strukturen den Erneuerbaren in die Schuhe.</mark></p><p>Das ist die Mechanik, die hinter &quot;<em>Strom-Geschenk ans Ausland</em>&quot; und &quot;<em>drei Milliarden weggeworfen</em>&quot; steht. <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Wer die Aufschlüsselung kennt, sieht die Erzählung in Sekunden zusammenbrechen.</mark></p><h2>Die EEG-Bestandsanlagen-Frage</h2><p>Bleibt die Spiegel-Anmerkung: Solange Bestandsanlagen weiter Festvergütung bekommen, auch in Negativpreis-Stunden, ist das ökonomisch nicht sinnvoll. Stimmt. Aber hier ist eine wichtige Differenzierung nötig, die BILD bewusst übergeht.</p><p>Für PV- und Windanlagen, die vor dem 1. Januar 2021 in Betrieb gingen, gilt die alte 6-Stunden-Regel. Erst wenn der Börsenpreis sechs Stunden durchgehend negativ ist, entfällt die Marktprämie. Für Anlagen ab 500 Kilowatt aus den Jahren 2021 bis Februar 2025 greift die 4-Stunden-Regel. Für alle Neuanlagen ab dem 25. Februar 2025 gilt unter dem Solarspitzengesetz die Viertelstunden-Regel: Bereits ab der ersten Viertelstunde mit negativem Preis entfällt die Vergütung. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Ab 2027 soll diese Verschärfung auch auf größere Bestandsanlagen ausgedehnt werden, dann reicht eine einzige Stunde negativer Preise.</mark></p><p>Bedeutet konkret: Eine kleine Aufdachanlage aus dem Jahr 2018 mit 9,8 Kilowattpeak bekommt ihre Festvergütung von rund 8 Cent pro Kilowattstunde weiter, völlig unabhängig vom Börsenpreis. Eine große Bestandsanlage ab 500 Kilowatt aus dem Jahr 2022 verliert ihre Vergütung erst, wenn die negativen Preise vier Stunden durchgehend anhalten. Eine Neuanlage ab Februar 2025 verliert sie bei der ersten Viertelstunde.</p><p>Das System steht also nicht still. Es ist seit 2021 schrittweise verschärft worden und wird 2027 die nächste Stufe erreichen. Wer also wie BILD so tut, als gäbe es keine Reform, ignoriert vorsätzlich vier Gesetzesnovellen.</p><p>Die teuren Altanlagen mit 40 Cent EEG-Vergütung machen 2026 nur noch einen kleinen Anteil der installierten 117 Gigawatt PV-Leistung aus. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Sie laufen ab 2029 schrittweise aus der Förderung. Bis 2030 werden 76 Prozent der dann installierten Leistung entweder unter 10 Cent EEG-Vergütung oder bereits ausgefördert sein.</mark> Der Spiegel-Hinweis ist berechtigt, aber er beschreibt ein Auslaufmodell. Was uns bleibt, ist die Frage, ob wir den verbleibenden Strukturschaden weiter passiv begleiten oder die Verbrauchsseite endlich flexibel machen.</p><h2>Was Sie jetzt konkret tun können</h2><p>Genug Analyse. Wenn Sie nach diesem Sonntag eine Lehre ziehen wollen, dann diese: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Das Strom-Schlaraffenland kommt, mit oder ohne Sie. Die Frage ist, ob Sie dabei sind oder nicht.</mark></p><p><strong>Heute, mit moderatem Aufwand:</strong></p><p>Der erste Schritt ist die Wahl eines dynamischen Tarifs.<mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit"> Octopus, Tibber, Rabot Charge, 1Komma5°, aWattar, Ostrom</mark> haben jeweils eigene Profile bei Marge, App-Qualität, Smartmeter-Service und Rückspeisemodellen. Vergleichen Sie nicht nur die Preise, sondern auch, ob der Anbieter den Smartmeter-Einbau übernimmt, wie die App funktioniert und welche Optimierungs-Funktionen für Wallbox und Wärmepumpe integriert sind.</p><p><strong>Der zweite Schritt ist der Smart Meter.</strong> Hier wird häufig falsch beraten. Sie müssen den Smart Meter nicht über Ihren grundzuständigen Messstellenbetreiber, also typischerweise den lokalen Netzbetreiber, einbauen lassen. Im Gegenteil: Wer einen dynamischen Tarif nutzen will, sollte einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber wählen. </p><p>Octopus, 1Komma5° und einige andere Anbieter sind selbst als wettbewerbliche Messstellenbetreiber aktiv und übernehmen den Einbau im Paket mit dem Tarif. Das ist meist schneller, kundenfreundlicher und auf die dynamische Tarifnutzung ausgerichtet. Der grundzuständige Betreiber erfüllt typischerweise nur das gesetzliche Pflichtprogramm, mit oft langen Wartezeiten.</p><p><strong>Der dritte Schritt</strong> ist die Bestandsaufnahme im eigenen Haushalt. Welche großen Verbraucher haben Sie? Wallbox, Wärmepumpe, Boiler, Geschirrspüler, Waschmaschine, Trockner, Pool, Gartenbewässerung. Welche davon können Sie zeitlich verschieben?</p><p><strong>Mittelfristig, mit Investition:</strong></p><p>Eine <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Wallbox mit Tarif-Steuerung</mark> ist der größte Hebel für die meisten Haushalte. Moderne Modelle wie go-e, Easee oder cFos lassen sich an Smartmeter und dynamische Tarife koppeln und laden automatisch in den günstigsten Stunden. Investition zwischen 700 und 1.500 Euro plus Installation, Amortisation oft unter zwei Jahren bei aktivem Pendler-Profil.</p><p>Eine <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Wärmepumpe mit Smart Meter-Anbindung</mark> verschiebt Ihren größten Stromverbraucher in die günstigsten Phasen. Heizen genau dann, wenn der Strom geschenkt wird. Pufferspeicher und Fußbodenheizung machen das System noch flexibler.</p><p><strong>Hier wird es interessant:</strong> Auch ohne eigene Photovoltaikanlage kann sich ein Heimspeicher mit intelligentem Energiemanagementsystem rechnen. 1Komma5° beispielsweise vermarktet seinen &quot;<em>Heartbeat AI</em>&quot;-Speicher genau für dieses Modell. Sie kaufen Strom in Negativpreis-Phasen ein, speichern ihn und nutzen ihn in den teuren Abendstunden selbst. Bei Spreizungen von 60 bis 80 Cent zwischen Tagestief und Abendspitze, wie wir sie am Sonntag gesehen haben, trägt sich das Modell auch ohne eigenes Solardach. </p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Wer keinen Platz für eine PV-Anlage hat, in einer Mietwohnung lebt oder das Dach nicht selbst nutzen kann, hat hier einen Einstiegspfad in die Energiewende, der vor zwei Jahren noch undenkbar war.</mark></p><p><strong>Strategisch, in den nächsten zwei bis drei Jahren:</strong></p><p>Bidirektionales Laden, also Vehicle-to-Home und Vehicle-to-Grid, wird Mainstream. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Das E-Auto wird vom Verbraucher zum rollenden Speicher.</mark> Bei einer 70-Kilowattstunden-Batterie haben Sie das Äquivalent von sieben Heimspeichern in der Garage stehen. Modelle wie Hyundai Ioniq 5, Kia EV6, Volvo EX90, der neue Renault 5, Polestar 3 und 4 sind bereits V2L- oder V2H-fähig oder werden es per Update.</p><h2>Wer noch tiefer einsteigen will</h2><p>Die volkswirtschaftliche Tiefenanalyse habe ich bereits am Sonntag <a href="https://www.cleanthinking.de/strompreis-sonntag-minus-480-euro/">selbst auf Cleanthinking veröffentlicht</a>. Der Energieökonom Lion Hirth hat dort sechs konkrete Hebel benannt, mit denen das deutsche Stromsystem aus der Negativpreis-Falle herausfindet: dynamische Tarife für Haushalte, schneller Smartmeter-Rollout, Hochlauf von Großspeichern, Reform der Industrie-Netzentgelte, dynamische Verteilnetzentgelte und regionale Großhandelspreise. Die Liste ist seit Jahren bekannt. </p><p>Jeder Sonntag wie der vergangene zeigt, was uns der Stillstand kostet. </p><h2>Das war erst der Anfang</h2><p>Die Negativpreis-Stunden werden nicht weniger. 2025: 575 Stunden im Minus. Prognosen für 2026: 700 bis 900 Stunden. Pfingsten am 24. und 25. Mai wird das nächste große Negativpreis-Ereignis. Der Sommer wird voll davon sein. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Mit jedem Solarpark, mit jedem Windrad verschiebt sich die Strompreis-Mathematik weiter in Richtung Strom-Schlaraffenland.</mark></p><p>Wer einen dynamischen Tarif und einen Smart Meter hat, ist dabei. Wer beim Festpreis bleibt, schaut zu.</p><h2>Während Deutschland zögert, redet die Welt schon weiter</h2><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Das Tempo der Disruption im Energiesektor ist schwindelerregend.</mark> Die Bundesregierung versucht parallel, fossile Benzinpreise gegen den Weltmarkt herunter zu subventionieren, um Wähler zu beruhigen. Im selben Moment dringen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und IEA-Chef Fatih Birol auf eine deutlich schnellere Elektrifizierung. Das manager magazin titelt diese Woche &quot;<em>Die Fossile</em>&quot; und zitiert die Chefs von EnBW, Vattenfall und RWE mit Worten wie &quot;absurd&quot;, wenn es um die Bremspolitik des Wirtschaftsministeriums geht.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b70fb347-f540-4ea1-b0f5-5145bd9cefb5/uploads/images/qv27mrieh3/Die_Fossile.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Drei Texte über einen Sonntag. Drei Wirklichkeiten. Eine davon, die BILD-Frondel-Reiche-Variante, ist die Wirklichkeit, in der Deutschland seit Jahren feststeckt. Die anderen beiden, Spiegel und Schröder, beschreiben die Wirklichkeit, in der die Welt bereits lebt. Wie lange wird das Merz-Klingbeil-Reiche-Drama noch weitergehen? <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Wie viele Schnäppchen-Sonntage müssen noch vergehen, bis die Bundesregierung erkennt, dass das System bereits an ihr vorbeizieht?</mark></p><p>Bis nächste Woche!</p><p>Martin Jendrischik</p><hr aria-hidden="true"/><p><strong>Datenquellen:</strong></p><p>Bundesnetzagentur · Fraunhofer ISE · Energy-Charts · EEX · BMWK · Agora Energiewende · ZfK · Spiegel · 1Komma5° · Octopus Energy</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist Teil des Cleanthinking-Steady-Abonnements. Wenn Ihnen der Text gefällt, leiten Sie ihn gerne weiter. Wer regelmäßig Cleanthinking-Inhalte unterstützen möchte, findet alle Optionen auf steady.page/de/cleanthinking.</em></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 28 Apr 2026 16:18:04 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Das leise Ende des Kohle-Jahrhunderts]]></title>
      <description><![CDATA[Der neue Ember-Report zeigt, dass Erneuerbare die 100jährige Vorherrschaft der Kohle durchbrochen haben. Es ist definitiv ein Wendepunkt im Umgang mit Strom. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>nach dem gestrigen IEA-Report ist heute die Denkfabrik an der Reihe. Der <strong>Global Electricity Review 2026 </strong>zeigt: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die Kohle at erstmals seit 100 Jahren den Spitzenplatz im Strommix verloren.</mark> Aber das ist nur eine von vielen Nachrichten, die sich im Report verbirgt. Die Zusammenfassung gibt es in diesem Cleanthinking-Newsletter.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/54cd5211-58bc-4400-858c-c33f50df6f42/uploads/images/x4ptm66vkb/Saubere-Stromerzeugung-deckt-2025-den-globalen-Nachfragezuwachs-komplett.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ember legt die Zahlen vor, die einen historischen Kipppunkt markieren. Erstmals seit rund 100 Jahren erzeugt die Welt mehr Strom aus Erneuerbaren als aus Kohle. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Wer diesen Moment nicht sieht, arbeitet noch im alten System.</mark></p><p>Kohle hat im Jahr 2025 ihre Mehrheit im globalen Strommix verloren, zum ersten Mal seit rund 100 Jahren. Der heute veröffentlichte <strong>Global Electricity Review 2026</strong> (<a href="https://ember-energy.org/app/uploads/2026/04/Global-Electricity-Review-2026.pdf">Download hier</a>) der britischen Denkfabrik Ember dokumentiert den <strong>Jahrhundertkipppunkt</strong> mit zwei Zahlen: 33,8 Prozent Erneuerbare, 33,0 Prozent Kohle. Der Abstand ist knapp.</p><p>Die Richtung aber ist eindeutig, und die Geschwindigkeit überrascht selbst optimistische Prognosen. Der Report analysiert Daten aus 215 Ländern und stützt sich für 2025 auf Ist-Zahlen aus 91 Ländern, die 93 Prozent des weltweiten Strombedarfs abdecken. Was er zeigt, ist mehr als eine statistische Wendemarke. Es ist das Ende einer Epoche, in der Kohle den Takt des Weltstromsystems vorgab.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/54cd5211-58bc-4400-858c-c33f50df6f42/uploads/images/4tw73gi7a6/Bildschirmfoto_21-4-2026_15830_ember-energy.org.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h2>Wenn zwei Kurven sich schneiden</h2><p>Der Kreuzungspunkt ist knapp, aber er ist nicht zufällig. Erneuerbare erzeugten 2025 weltweit 10.730 Terawattstunden Strom, Kohle 10.476 Terawattstunden. Der Abstand beträgt weniger als drei Prozent der globalen Gesamterzeugung. Aber er wird größer werden, weil beide Kurven gleichzeitig in die richtige Richtung zeigen. Solar wuchs 2025 um 636 Terawattstunden, ein Plus von 30 Prozent. Kohle fiel um 63 Terawattstunden, minus 0,6 Prozent, der erste Rückgang seit dem Pandemiejahr 2020.</p><p>Die Ember-Analystin Kostantsa Rangelova, eine der Autorinnen des Reports, bezeichnet Solar als den zentralen Weichensteller des globalen Stromsystems. Ihr Kollege Kingsmill Bond formuliert die These dahinter seit Jahren: Der Stromsektor erlebt einen disruptiven Technologiewechsel, bei dem Solar und Batterien fossile Erzeugung nicht ergänzen, sondern verdrängen. Die neuen Daten geben ihm Recht.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Solar hat sich seit 2015 mehr als verzehnfacht.</mark> 256 Terawattstunden damals, 2.778 Terawattstunden heute. Das ist keine Trendlinie mehr, das ist der steile Abschnitt einer S-Kurve. Solar hat 2025 auch Wind erstmals global überholt, und Ember geht davon aus, dass Solar und Wind 2026 gemeinsam die Atomkraft ablösen werden. Der Abstand zwischen den Technologien, die wachsen, und denen, die schrumpfen, öffnet sich immer weiter.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Entscheidend dabei: Solar wächst nicht mehr allein, sondern im Verbund mit Batteriespeichern.</mark> Der im Januar veröffentlichte European Electricity Review von Ember dokumentierte für die EU einen deutlichen Schub bei Großbatterien. Global gilt das umso mehr. Batterien machen Solar grundlastfähig, glätten Tages- und Saisonprofile und verdrängen damit genau jene Gaskraftwerke, die in der fossilen Debatte noch immer als unverzichtbar gelten. Der Report spricht diesen Zusammenhang nicht in einem eigenen Kapitel an, aber er liegt der zentralen Zahl zugrunde: Wenn Kohle fällt und Gas im globalen Mix seitwärts läuft, dann deshalb, weil der Flexibilitätsvorteil des fossilen Systems verschwindet.</p><h2>Ein Solar-Jahr, so groß wie Hormus</h2><p>Die eindringlichste Zahl des Reports steht in den Fußnoten und in keiner Pressemitteilung einer deutschen Bundesregierung. Die 636 Terawattstunden zusätzlicher Solar-Strom, die 2025 weltweit erzeugt wurden, entsprechen rechnerisch der kompletten Gasverstromung, die im vergangenen Jahr aus LNG-Exporten durch die Straße von Hormus gespeist wurde. Ember schätzt diese Menge auf rund 550 Terawattstunden.</p><p>Das Bild hat Kraft, weil die Straße von Hormus seit Monaten die außenpolitische Agenda bestimmt. Der Iran-Konflikt hält das Weltmarkt-Nadelöhr unter Spannung, über das ein Viertel der globalen LNG-Lieferungen und mehr als 20 Prozent des Öls fließen. Jede Verhandlung über europäische Versorgungssicherheit im vergangenen halben Jahr drehte sich um diese Passage. Und während Regierungen in Rom, Paris und Berlin über Alternativ-Routen für Flüssigerdgas berieten, installierte die Welt so viel Solar, dass der Hormus-Anteil im Stromsektor theoretisch schon ersetzt wäre.</p><p>Die ökonomische Seite ist ähnlich deutlich. Ember hatte Anfang des Jahres ausgerechnet, dass die Gas-Importrechnung des EU-Stromsektors 2025 auf 32 Milliarden Euro geklettert ist, ein Plus von 16 Prozent gegenüber 2024. Parallel stiegen in 21 EU-Ländern die Strompreise, getrieben durch Gaspreis-Spitzen in Nachfragestunden. Wer Gas importiert, importiert Preisspitzen gleich mit. Wer Solar und Wind installiert, koppelt sich davon ab. Der Stromsektor ist der Teil der Energiewirtschaft, in dem diese Entkopplung am weitesten fortgeschritten ist, und der Ember-Report zeigt, dass sie global längst nicht mehr in Nische stattfindet.</p><p>Kingsmill Bond, Senior Principal bei Ember und einer der profiliertesten Analysten der weltweiten Energiewende, hat dieses Argument in einer parallel erschienenen Ember-Analyse zur fossilen Verwundbarkeit auf den Punkt gebracht:</p><blockquote><p>„Öl ist die Achillesferse der Weltwirtschaft. Die aktuelle Krise hat insbesondere Asiens Öl-Verwundbarkeit offengelegt. Das ist Asiens Ukraine-Moment. Anders als bei den Ölkrisen der 1970er Jahre gibt es heute eine bessere Alternative.&quot;</p><p>Kingsmill Bond, Ember, April 2026</p></blockquote><p>Was Bond für den Ölsektor formuliert, zeigt der heute veröffentlichte Global Electricity Review 2026 für den Strom bereits als Vollzug. Jede Terawattstunde Solar ist eine Terawattstunde weniger Abhängigkeit von Pipelines, Tankern und Transitrouten. Der Ember-Report liefert für das Argument den bis dato klarsten empirischen Beleg: Was Bond und seine Koautoren seit Jahren formulieren, steht seit heute in den offiziellen Daten.</p><h2>China und Indien drehen</h2><p>Der dritte zentrale Befund trifft dort, wo die deutsche Debatte gern ein Gegenargument holt. China und Indien, die beiden größten Kohleländer der Welt, haben 2025 gleichzeitig ihre fossile Stromerzeugung reduziert. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Es ist das erste Jahr dieses Jahrhunderts, in dem das in beiden Ländern zeitgleich passiert. </mark>Chinas Rückgang: minus 56 Terawattstunden oder 0,9 Prozent, der erste seit 2015. Indiens Rückgang: minus 52 Terawattstunden oder 3,3 Prozent, nach vier Jahren starker Anstiege in der Nach-Covid-Phase. Diese Trendumkehr ist der eigentliche Treiber des globalen Kippens, weil beide Länder zusammen mehr als die Hälfte der Welt-Kohleverstromung bestreiten.</p><p>Chinas Wende ist die strukturell wichtigere. Das Land hatte den Kohlestrom über Jahrzehnte konsequent ausgebaut, 2023 noch mit Rekord-Neuinstallationen. 2025 ist die Linie gebrochen. Nicht wegen politischer Vorgaben, sondern weil Solar und Batterien in der Kostenrechnung nicht mehr zu schlagen sind. Indien folgt mit dem gleichen Muster zwei Jahre später. Das ist nicht Klimaschutz, das ist Kostenlogik.</p><p>In der deutschen Debatte wird regelmäßig das Argument bemüht, dass europäische Klimapolitik wirkungslos bleibe, solange China fossil expandiere. Die Ember-Daten ziehen diesem Argument das Fundament weg. China expandiert nicht mehr fossil. China baut ab. Und wer in Berlin noch davon spricht, Gas als „<strong>Brückentechnologie</strong>&quot; einzuplanen, baut an einer Brücke in eine Landschaft, die sich gerade verändert.</p><p>In den 1920er Jahren begann das Kohle-Jahrhundert. Die großen Industrienationen entdeckten die Elektrizitätswirtschaft, und Kohle war der einzige Rohstoff, der die neuen Kraftwerke wirtschaftlich betreiben konnte. Hundert Jahre später, mit einer Zahl in einem Report, den am Erscheinungstag vielleicht ein paar hundert Menschen aufmerksam lesen, endet diese Ära.</p><p>Das bedeutet nicht, dass Kohle morgen verschwindet. Bestandskraftwerke laufen, neue entstehen in einigen Schwellenländern trotz der globalen Wende, und der Ausstieg wird in keinem Szenario linear verlaufen. Aber die strukturelle Rolle der Kohle als Rückgrat moderner Stromsysteme ist vorbei. Was seit den 1920er Jahren eine Selbstverständlichkeit war, wird ab 2025 zur Ausnahme.</p><p><strong>Ember selbst formuliert das knapp: Die Welt tritt in eine Ära sauberen Wachstums ein, während das fossile Wachstum im Stromsektor zu Ende geht.</strong></p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Was jetzt beginnt, heißt in der Sprache der Analysten Electrotech-Revolution. Man könnte es auch einfacher sagen: Die Welt kommt vom Verbrennen ab.</mark></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 21 Apr 2026 13:39:50 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Solar überholt alles]]></title>
      <description><![CDATA[Der IEA-Jahresreport 2026 zeigt: Solar überholt erstmals alle anderen Energieträger beim globalen Wachstum. Batteriespeicher schlagen Gaskraftwerke, Kohle geht zurück.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>die IEA hat heute ihren Global Energy Review 2026 veröffentlicht, und die Zahlen markieren einen Wendepunkt. Solar überholt erstmals alle anderen Energieträger, Batteriespeicher schlagen Gaskraftwerke, Kohle geht global zurück. <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">In diesem Newsletter: die Einordnung zu den sieben wichtigsten Rekorden.</mark> <a href="https://steady.page/de/cleanthinking/about#js-publication_plans">Cleanthinking-Supporter</a> bekommen morgen <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">zusätzlich die Deutschland-Analyse</mark>.</p><hr aria-hidden="true"/><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Der Global Energy Review 2026 der IEA zeigt 2025 als das Jahr, in dem Solar erstmals der größte Einzeltreiber des globalen Energiehungers wurde. Batteriespeicher übertreffen erstmals Gaskraftwerke, E-Autos erreichen jede vierte Neuzulassung, und die globale Kohleverstromung sinkt erstmals seit der Pandemie.</mark></p><p>Wenn die Internationale Energieagentur einmal im Jahr ihre <a href="https://iea.blob.core.windows.net/assets/ade8ff08-3401-4e0b-9b3b-e8f3988d238e/GlobalEnergyReview2026.pdf">Bilanz der globalen Energiewirtschaft</a> zieht, ist das meistens eine Übung in inkrementellen Verschiebungen. Ein halber Prozentpunkt hier, ein paar Terawattstunden dort, ein neuer Höchststand für irgendeine Technologie als Randnotiz. In diesem Jahr liegt der Ton anders.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">„Die zunehmende Elektrifizierung der Volkswirtschaften”</mark> nennt IEA-Chef Fatih Birol den Befund des heute veröffentlichten <a href="https://www.cleanthinking.de/global-energy-review-2026-2/">Global Energy Review 2026</a>. Er meint damit keinen Trend, der sich irgendwann auswachsen wird, sondern eine bereits stattfindende strukturelle Umwälzung.</p><p>2025 war das Jahr, in dem <strong>Solarstrom</strong> erstmals mehr als ein Viertel des gesamten globalen Energiebedarfswachstums abdeckte: mehr als Öl, mehr als Kohle, mehr als Biomasse. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Erdgas, bisheriger Wachstums-König unter den fossilen Quellen, rutscht mit 17 Prozent auf Rang zwei.</mark></p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/04cf1fd2-c49c-4be6-b752-26312e2a8872/uploads/images/cffsha6wem/Solar-treibt-das-Energiewachstum_Global_Energy_Review_2026.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Anteile der Energieträger am globalen Nachfragewachstum 2025. Quelle: IEA Global Energy Review 2026"/><figcaption>Anteile der Energieträger am globalen Nachfragewachstum 2025. Quelle: IEA Global Energy Review 2026</figcaption></figure><p>Die 27 Prozent sind mehr als ein Statistikausschlag. Sie markieren den Punkt, <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">an dem Erneuerbare nicht länger als Ergänzung fossiler Versorgung gelten, sondern den Takt der Weltwirtschaft aktiv bestimmen</mark>. Zusammen lieferten emissionsarme Quellen, also Solar, Wind, Atomkraft, Wasserkraft und weitere Erneuerbare, fast 60 Prozent des globalen Nachfragewachstums.</p><p>Der Report prägt dafür erstmals konsequent den Begriff „<strong>Age of Electricity</strong>&quot;. Die Zahlen geben ihm recht: Der Strombedarf wuchs mit drei Prozent mehr als doppelt so schnell wie der Gesamtenergiebedarf.</p><h2>Sechshundert Terawattstunden</h2><p>Besonders eindrücklich ist der Zubau in der Stromerzeugung. Die <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">600 zusätzlichen Terawattstunden Solarstrom</mark>, die 2025 weltweit ans Netz gingen, sind der größte jemals gemessene Jahreszubau einer einzelnen Stromtechnologie.</p><p>Nicht der größte für Solar, nicht der größte für eine erneuerbare Quelle, sondern <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">der größte, den die IEA je für irgendeine Stromtechnologie registriert hat</mark>. Allein dieser Zubau deckte rund 70 Prozent des globalen Stromwachstums.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/04cf1fd2-c49c-4be6-b752-26312e2a8872/uploads/images/qo3mtxlzkx/China-dominiert-aber-der-Zubau-wird-global_Global_Energy_Review_2026.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Solar- und Wind-Kapazitätszubau 2025 in ausgewählten Märkten. Quelle: IEA Global Energy Review 2026"/><figcaption>Solar- und Wind-Kapazitätszubau 2025 in ausgewählten Märkten. Quelle: IEA Global Energy Review 2026</figcaption></figure><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">China bleibt der Motor</mark>. Fast 500 Gigawatt neue Erneuerbaren-Kapazität ging dort 2025 ans Netz, davon 370 Gigawatt Solar. Aber die Welle ist kein chinesisches Phänomen mehr.</p><p>Die Europäische Union schaffte 85 Gigawatt Zubau, einen neuen Rekord. Indien steigerte seinen Renewables-Zubau um 60 Prozent, Saudi-Arabien vervierfachte seine Solar-Installationen auf 7 Gigawatt. Pakistan installierte 10 Gigawatt, fast vollständig im verteilten Eigenausbau.</p><p>Insgesamt haben 30 Länder 2025 mehr als ein Gigawatt Solar zugebaut, fast doppelt so viele wie 2020. Das zeigt, wie breit die Technologie inzwischen global verankert ist.</p><h2>Die Electrotech-Partner</h2><p>Dass Solar in diesem Tempo Strommärkte durchdringen kann, liegt am Partner, der sich parallel entfaltet. Batteriespeicher waren 2025 die am schnellsten wachsende Kraftwerkstechnologie der Welt.</p><p>108 Gigawatt neue Speicherkapazität gingen ans Netz, 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum ersten Mal in der Geschichte der Elektrizitätswirtschaft hat der Jahreszubau einer Speichertechnologie den jemals höchsten Jahreszubau von Erdgaskraftwerken übertroffen.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/04cf1fd2-c49c-4be6-b752-26312e2a8872/uploads/images/urzlofm272/Batteriespeicher-wachst-exponentiell_Global_Energy_Review_2026.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Globaler jährlicher Zubau an Batteriespeicher-Kapazität. Quelle: IEA Global Energy Review 2026"/><figcaption>Globaler jährlicher Zubau an Batteriespeicher-Kapazität. Quelle: IEA Global Energy Review 2026</figcaption></figure><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Elffach mehr als 2021.</mark> Das ist keine Beschleunigung, das ist eine Phasenverschiebung. Lithium-Eisenphosphat-Zellen machen inzwischen 90 Prozent der neuen Speicher aus, weil sie günstiger sind und häufiger geladen werden können.</p><p>Rund 80 Prozent der Kapazität geht in Netzspeicher, der Rest in Eigenheime, Gewerbe und Industrie. Die Speicherdauern verlängern sich allmählich von zwei auf vier Stunden, was den Nutzen in Systemen mit hohem Solaranteil erheblich erhöht.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die zweite Elektrifizierungswelle rollt im Straßenverkehr.</mark> 21 Millionen Elektroautos wurden 2025 verkauft, jede vierte Neuzulassung weltweit. In China überschritt der Anteil der E-Autos bei Neuverkäufen erstmals die 50-Prozent-Marke.</p><p>Und anders als in den Vorjahren ist Europa zurück. Mit 30 Prozent Plus ist der Kontinent der am schnellsten wachsende Großmarkt, vor China. Deutschland, Spanien und Italien treiben die Wende, <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">in Polen stiegen die E-Auto-Verkäufe sogar um 140 Prozent</mark>.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/04cf1fd2-c49c-4be6-b752-26312e2a8872/uploads/images/pq5ruq5lao/E-Autos-Europa-zieht-an-USA-fallt-zuruck_Global_Energy_Review_2026.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Globaler E-Auto-Absatz 2021 bis 2025, in Millionen verkaufter Fahrzeuge pro Region. Quelle: IEA Global Energy Review 2026"/><figcaption>Globaler E-Auto-Absatz 2021 bis 2025, in Millionen verkaufter Fahrzeuge pro Region. Quelle: IEA Global Energy Review 2026</figcaption></figure><p>In den USA dagegen fielen die Verkäufe um zwei Prozent, nachdem die Trump-Regierung im September die Bundessteuergutschriften für Elektroautos und die Mindestgrenzen für Flottenverbräuche abgeschafft hatte. Außerhalb Chinas wachsen die Schwellenländer-Märkte rasant: 80 Prozent Plus im Durchschnitt, Mexiko verdreifachte seine Verkäufe, Indonesien legte um 125 Prozent zu, Indien um 75 Prozent.</p><h2>Drei Gigatonnen weniger</h2><p>Die logische Folge all dieser gleichzeitigen Entfaltungen: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die globale Kohleverstromung ist 2025 erstmals seit 2019 zurückgegangen, um 0,4 Prozent</mark>. Was bescheiden klingt, ist historisch.</p><p>Zum ersten Mal seit fünf Jahrzehnten sind Chinas und Indiens Kohleverstromung gleichzeitig gesunken, in China um 1,5 Prozent, in Indien um drei Prozent. In der Europäischen Union fiel der Kohleanteil erstmals unter zehn Prozent der gesamten Stromerzeugung.</p><p>Solar und Wind erreichten zusammen 30 Prozent der EU-Stromproduktion und überholten damit alle fossilen Quellen zusammen. Nur die USA gingen rückwärts: Weil Erdgas dort teurer wurde, sprang die Kohleverstromung um 10 Prozent nach oben.</p><p>Die Folge zeigt sich in der CO₂-Bilanz der Industrieländer, die 2025 erstmals seit den 1990er Jahren wieder stärker wuchs (plus 0,5 Prozent) als die der Schwellen- und Entwicklungsländer (plus 0,3 Prozent). <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Chinas Emissionen sanken um 0,5 Prozent</mark>, <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Indiens waren flach</mark>. Global stiegen die energiebedingten CO₂-Emissionen <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">nur noch um 0,4 Prozent</mark> auf 38,1 Gigatonnen, die niedrigste Wachstumsrate seit 2021.</p><p>Was die Electrotech-Revolution bereits jetzt leistet, rechnet das letzte Kapitel des Reports präzise aus. Der Zubau von Solar, Wind, Atomkraft, Elektroautos und Wärmepumpen seit 2019 hat 2025 eine jährliche fossile Energienachfrage von 35 Exajoule verdrängt.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Das entspricht sieben Prozent der globalen fossilen Energienutzung oder anders ausgedrückt dem gesamten Energieverbrauch Lateinamerikas.</mark></p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/04cf1fd2-c49c-4be6-b752-26312e2a8872/uploads/images/lb2q7ahqlh/Ohne-Cleantech-ware-2025-bei-41-Gt-CO____Global_Energy_Review_2026.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Globale energiebedingte CO₂-Emissionen 2019 bis 2025, hypothetischer Pfad versus tatsächlicher Verlauf. Quelle: IEA Global Energy Review 2026"/><figcaption>Globale energiebedingte CO₂-Emissionen 2019 bis 2025, hypothetischer Pfad versus tatsächlicher Verlauf. Quelle: IEA Global Energy Review 2026</figcaption></figure><p>Die verdrängte Kohle allein übersteigt Indiens gesamten Jahresverbrauch. Das verdrängte Erdgas entspricht der Hälfte des weltweiten LNG-Marktes. 3 Milliarden Tonnen CO₂ werden jährlich vermieden, rund 8 Prozent der globalen energiebedingten Emissionen.</p><p>Ohne diesen Zubau läge die Welt 2025 bei rund 41 Gigatonnen CO₂ statt 38. Drei Gigatonnen, die nicht in die Atmosphäre gehen, weil Module produziert, Rotoren errichtet, Batterien verschaltet wurden.</p><p>„<em>In der heutigen, sich rasch verändernden Landschaft werden die Länder, die auf Resilienz und Diversifizierung setzen, am besten aufgestellt sein, um Volatilität zu bewältigen und in den kommenden Jahren eine sichere und bezahlbare Energieversorgung zu liefern</em>”, sagt Birol. Das ist die politische Botschaft des Reports in Diplomatensprache.</p><p><strong>Die physikalische Botschaft ist direkter:</strong> Solar, Wind und Batterien sind keine Nischentechnologien mehr, die gefördert werden müssten, damit sie irgendwann funktionieren. Sie funktionieren. Sie sind 2025 zur Infrastruktur der neuen Weltwirtschaft geworden.</p><p>Beste Grüße,</p><p>Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 20 Apr 2026 13:34:48 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ist das der Kipppunkt?]]></title>
      <description><![CDATA[80.000 Menschen demonstrierten für die Energiewende. Harald Lesch hielt seine erste Demo-Rede. Die Schilder richteten sich direkt an Reiche. Dreht sich die Stimmung?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fcdn.bsky.app%2Fimg%2Ffeed_fullsize%2Fplain%2Fdid%3Aplc%3As6vuu3cktg7e7prviqtor2h2%2Fbafkreia3xhfrdmwu7o7vxdvih6ad4acaya5omtiy6h747blzsrznumhkzy?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=dba2374a659b24d3c5694ea9d7d644ac" alt=""/><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>heute haben <a href="https://www.deutschlandfunk.de/80-000-bei-demos-fuer-erneuerbare-energien-in-hamburg-koeln-berlin-und-muenchen-100.html">80.000 Menschen</a> in Deutschland demonstriert. In Köln <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">30.000</mark>, in Berlin <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">24.000</mark>, in Hamburg <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">15.000</mark>, in München <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">12.000</mark>. Gingen die Menschen aus breiten gesellschaftlichen Schichten auf die Straße. Um ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen im Sinne eines Stoppschilds, das sagt: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Es reicht, Frau Reiche</mark>.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fcdn.bsky.app%2Fimg%2Ffeed_fullsize%2Fplain%2Fdid%3Aplc%3Agt3prpuxyrodfwyizkgndsqr%2Fbafkreidtdmyoxw2ajur5wbt6ives6kj4re6ksplurpzvygxfg3pegbsm6y?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=3427a6cbaa559f85b4fb52340a2dfcad" alt=""/><p>Die Proteste sind Ausdruck einer Entfremdung zwischen dem politischen Handeln auf der einen Seite und dem, was die übergroße Mehrheit der Bevölkerung möchte. So drückt es auch Luisa Neubauer im ntv-Frühstart aus: “Die Menschen sind so viel weiter als die Politik.”</p><a href="https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Teure-60-Tage-Tankrabatt-Wie-D-Ticket-fuers-ganze-Jahr-id30719850.html">https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Teure-60-Tage-Tankrabatt-Wie-D-Ticket-fuers-ganze-Jahr-id30719850.html</a><p>Das <strong>ZDF-Politbarometer</strong> bestätigt das mit einer Zahl, die jede Ausrede zerlegt: 57 Prozent der Deutschen sagen, die Energiewende geht zu langsam. Nur 15 Prozent sagen „zu schnell&quot;. Bei den unter 35-Jährigen sind es 67 Prozent.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6e4a0d05-a886-40f6-a3dc-a888d92f855c/uploads/images/ekr642mhmm/Politbarometer.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Politik agiert kurzsichtig und lässt sich von fossiler Panik und den Akteuren dahinter treiben. Nur so ist zu erklären, dass das Ergebnis eines Koalitionsausschusses am Ende lautet: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Wir machen fossiles Zeugverbrennen billiger</mark>. Und zwar inmitten der galoppierenden Klimakrise und einer Energiekrise, die zu Mengenproblemen auch in Europa führen wird.</p><p><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Sparen wäre rational. Die Menschen zur grünen Transformation aufzurufen, ebenso.</mark> Aber Ratio setzt derzeit völlig aus. Der Druck, handeln zu müssen, entlädt sich in teuren und falschen Instrumenten. Wie dem Tankrabatt 2.0. Luisa Neubauer rechnet vor: “Der Tankrabatt kostet in zwei Monaten so viel wie das Deutschlandticket pro Jahr.”</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Und doch gibt es 5 Gründe, warum dieser Samstag der gesellschaftliche Kipppunkt werden kann.</mark></p><p><strong>Erstens: Die Breite der Bewegung.</strong> Das hier ist kein Klimastreik im klassischen Sinne. In Berlin stehen die Elektrizitätswerke Schönau vor dem Wirtschaftsministerium - Bürgerenergie direkt vor Reiches Tür. In München hält Harald Lesch seine allererste Demo-Rede überhaupt. Münchens Ehrenbürger, Astrophysiker, ZDF-Gesicht. Sein Einstieg: „Ich habe noch nie auf einer Demo gesprochen, aber die Lage ist so kacke.&quot;</p><p>Wenn Lesch auf die Straße geht, ist das kein Klimastreik mehr. Das ist ein <strong>Zukunftsstreik</strong>. Mehr als 5.000 Unternehmen haben im Vorfeld einen <strong>Appell für die Energiewende</strong> unterschrieben. Firmen kamen mit ganzen Belegschaften.</p><p>Auf den Schildern: „<em>Freiheitsenergien statt Diktatoren-Gas!</em>&quot;, „<em>Hört endlich auf, Physik für Grüne Ideologie zu halten!</em>&quot;, „<em>Reiche = Gestern. Erneuerbare = Morgen.</em>&quot; Wenn die Wirtschaft demonstriert, hat die Politik ein Problem.</p><p><strong>Zweitens: Reiche ist persönlich zum Feindbild geworden.</strong> Nicht „<em>die Regierung</em>&quot;, nicht „<em>die CDU</em>&quot; - <strong>Katherina Reiche</strong>. In Köln steht ein Schild mit ihrem Foto: „<em>Geh mir aus der Sonne.</em>&quot; In München zeigt eine aufwändige Karikatur Reiche als Marionette der fossilen Lobby: „<em>Schluss mit dem fossilen Theater!</em>&quot; Ein anderes Schild bringt es auf drei Wörter: „<em>@Reiche in die Produktion.</em>&quot;</p><p>Wenn Zehntausende eine Ministerin beim Namen nennen, ist das politisch eine andere Kategorie als ein allgemeiner Klimaprotest. Das erzeugt konkreten Druck auf konkrete Gesetze.</p><p><strong>Drittens: Die ökonomische Evidenz ist erdrückend.</strong> Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin, sagt im ZDF-Gespräch mit Lesch: „<em>Klimapolitik ist gute Wirtschaftspolitik.</em>&quot; Lesch rechnet vor: Jeder Euro Klimaschutz erspart 5 Euro Klimaschaden. Das Umweltbundesamt beziffert die fossilen Subventionen auf 50 bis 60 Milliarden Euro jährlich.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6e4a0d05-a886-40f6-a3dc-a888d92f855c/uploads/images/ywopuxbbdy/QuoteCard_Marcel_Fratzscher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Geld, das in Abhängigkeit fließt statt in Zukunft. Klaus Töpfer habe mal gesagt, Deutschland verdiene einen Friedensnobelpreis für die Photovoltaik. Leschs bittere Pointe: „<em>Aber dann haben wir sie weitergereicht. Genauso mit der Windkraft.</em>&quot; Die goldene Ehrennadel für die Pionierleistung bekommt Deutschland. Die Milliardenmärkte gehen an die, die skaliert haben.</p><p><strong>Viertens: Die Iran-Krise beweist die fossile Verwundbarkeit in Echtzeit.</strong> 20 Prozent weniger Öl auf dem Weltmarkt durch die Sperrung der Straße von Hormus. Die Preise explodieren. Und die Antwort der Bundesregierung? Subventionen für genau die Abhängigkeit, die das Problem verursacht. Lesch bringt es auf den Punkt: „<em>Das ist keine Energiekrise im allgemeinen Sinn. Es ist eine Energiekrise der fossilen Energien. Die Erneuerbaren haben kein Problem.</em>&quot; Neubauer ergänzt: „<em>Auf welche Energiekrise wartet die Bundesregierung, bis sie sich mal hinstellt und ehrlich zugibt, dass unser System so nicht funktioniert?</em>&quot;</p><a href="https://www.facebook.com/cleanthinking/posts/pfbid02ogCNr2qToGqxogJSzW261PEYeDbE74hMkZf21gWehPUDHDnoGGLH5wBVaJcDCj5wl?__cft__[0]=AZYJ198rQ2XHxQ-03GqSbUAaOAMJ5SLNMzdREvczCWSgPTKpMqNTpWw4jR6jP60HKO0WOu4KWS2w32is2Ohu-GpUdZeSe9-5rphR8owrt5vIdN_NIb5ii9dW1K7dzxxJRQOEU8xjxKFqJbsqEMBk26nwshBlJTMKwQg1jXH38lpiLg&amp;__tn__=%2CO%2CP-R">https://www.facebook.com/cleanthinking/posts/pfbid02ogCNr2qToGqxogJSzW261PEYeDbE74hMkZf21gWehPUDHDnoGGLH5wBVaJcDCj5wl?__cft__[0]=AZYJ198rQ2XHxQ-03GqSbUAaOAMJ5SLNMzdREvczCWSgPTKpMqNTpWw4jR6jP60HKO0WOu4KWS2w32is2Ohu-GpUdZeSe9-5rphR8owrt5vIdN_NIb5ii9dW1K7dzxxJRQOEU8xjxKFqJbsqEMBk26nwshBlJTMKwQg1jXH38lpiLg&amp;__tn__=%2CO%2CP-R</a><p><strong>Fünftens: Die Technologie ist bereit.</strong> Deutschland liegt bei über 60 Prozent erneuerbaren Energien im Strommix. Bayern - ausgerechnet Bayern - bei 75,5 Prozent. Die Speicher werden billiger, die Netze wachsen, bidirektionales Laden steht vor dem Durchbruch. Fratzscher: „<em>Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und gute Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern hängt entscheidend davon ab, ob wir führen bei grünen Technologien.</em>&quot; Es fehlt keine Technologie. Es fehlt eine Strategie. Und der politische Wille, sie umzusetzen.</p><p>Und doch wäre es naiv, den Tag nur zu feiern. Petra Pinzler stellt auf LinkedIn die unbequeme Frage: Wie überzeugt man die Menschen, denen alle Umwelt-, Klima-, Wirtschafts- und sicherheitspolitischen Argumente für die Energiewende offensichtlich egal sind? Das Risiko ist real: Je mehr Leute gegen Reiche protestieren, desto mehr wird sie zur Ikone des rechten CDU-Randes. Wer die Habeck-Freunde ärgert, kann in dieser Logik keine schlechte Wirtschaftspolitik machen. Das ist falsch und gefährlich. Aber es funktioniert bei allen, die nicht wissen oder nicht wissen wollen, dass Länder mit hohem Erneuerbaren-Anteil wie Spanien von der aktuellen Energiekrise kaum betroffen sind.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fcdn.bsky.app%2Fimg%2Ffeed_fullsize%2Fplain%2Fdid%3Aplc%3Agt3prpuxyrodfwyizkgndsqr%2Fbafkreihthwqyzghfktj2ur5yeyuqg2x7rqtwsvxnpuc4fdv3uvocyn26ra?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=0355dc4e6fb6549d8227074382da7587" alt=""/><p>Die Antwort kann nicht nur Protest sein. Sie muss auch Überzeugung sein. Und dafür braucht es genau das, was Fratzscher und Lesch im ZDF vorgemacht haben: Fakten, Ehrlichkeit, und den Mut zu sagen, dass Klimapolitik keine grüne Ideologie ist, sondern die wirtschaftlich klügste Entscheidung, die dieses Land treffen kann.</p><p>Was wir heute gesehen haben, ist mehr als ein Protest. Es ist die <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Sichtbarmachung einer Mehrheit</mark>, die längst da ist, aber politisch nicht repräsentiert wird. 57 Prozent sagen: zu langsam. 80.000 standen auf der Straße. Lesch hielt seine erste Demo-Rede. Unternehmer demonstrierten neben Gewerkschaftern. Eltern brachten Lego-Protestschilder mit.</p><p>Leschs Schlusswort im ZDF-Livestream gilt für den ganzen Tag: „<em>Pessimismus ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können. Resignation: Zeitverschwendung. Also ran an den Speck.</em>&quot;</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die Frage an Katherina Reiche ist nicht mehr, ob sie ihren Kurs halten kann. Die Frage ist, wie lange noch.</mark></p><p>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fcdn.bsky.app%2Fimg%2Ffeed_fullsize%2Fplain%2Fdid%3Aplc%3As6vuu3cktg7e7prviqtor2h2%2Fbafkreia3xhfrdmwu7o7vxdvih6ad4acaya5omtiy6h747blzsrznumhkzy?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg&amp;s=0219bf05a3fc0812e88dfe282ed4059c" medium="image"/>
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      <pubDate>Sat, 18 Apr 2026 13:55:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Reiche-Ministerium bestellte bei EnBW Argumente gegen Batteriespeicher]]></title>
      <description><![CDATA[Das BMWE unter Katherina Reiche hat bei EnBW und RWE gezielt Vorschläge angefordert, die Gaskraftwerke bevorzugen und Batteriespeicher benachteiligen. Hier alle Details.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Kraftwerksicherheits-gesetz: Reiche-Ministerium bestellte bei EnBW Argumente gegen Batteriespeicher</h1><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/04567bdd-ff93-4bee-8c42-030da34e147e/uploads/images/er4d3e5grj/Bundeswirtschaftsministerium_Kraftwerkssicherheitsgesetz.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Von Kr0l42 - Eigenes Werk, CC0"/><figcaption>Von Kr0l42 - Eigenes Werk, CC0</figcaption></figure><p><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Kraftwerksstrategie, Gaskraftwerke und Batteriespeicher</mark></p><p>Eine <em>SPIEGEL-Recherche</em> zeigt, wie das Wirtschaftsministerium bei Energiekonzernen wie EnBW und RWE Vorschläge bestellte, die Gaskraftwerke im Vergleich zu Batteriespeichern bei den Auktionen für das Strom-Backup systematisch bevorteilen.</p><p>Das <strong>Kraftwerkssicherheitsgesetz</strong> soll Deutschlands Stromversorgung für die Zeit nach dem Kohleausstieg absichern. Doch wie die Rahmenbedingungen für das milliardenschwere Strom-Backup entstehen, wirft schwere Fragen auf. Nach <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/katherina-reiches-ministerium-bat-enbw-um-argumente-fuer-gaskraftwerke-a-1ce69ada-8eff-444b-a7f9-4eaf4d6e5447">Recherchen des SPIEGEL</a> hat das Bundeswirtschaftsministerium unter <strong>Katherina Reiche</strong> (CDU) beim Energiekonzern <strong>EnBW</strong> gezielt Vorschläge angefordert, die <strong>Batteriespeicher</strong> bei den geplanten Auktionen faktisch ausschließen würden.</p><p>Der Vorgang wurde erst nach einer Medienanfrage ins <strong>Lobbyregister</strong> eingetragen. Das vom Ministerium beauftrage <a href="https://www.lobbyregister.bundestag.de/media/67/f1/721321/Stellungnahme-Gutachten-SG2604100001.pdf">Dokument ist hier zu finden</a>.</p><p>Das ist keine gewöhnliche Lobbyarbeit. Hier hat nicht ein Konzern ein Ministerium mit Forderungen behelligt, sondern das Ministerium hat bei einem Konzern, der selbst neue <strong>Gaskraftwerke</strong> bauen will, Argumente gegen dessen Hauptkonkurrenz bestellt. Der Unterschied ist fundamental – und er fügt sich in ein Muster ein, das die Amtszeit von Wirtschaftsministerin Reiche durchzieht.</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FKraftwerkssicherheitsgesetz-Reiche-bestellt-Argumente-1024x385.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=1bee026e40d225b8ce1e1da367067de6" alt="So berichtet DER SPIEGEL über den neuerlichen Lobby-Skandal des BMWE. "/><figcaption>So berichtet DER SPIEGEL über den neuerlichen Lobby-Skandal des BMWE. </figcaption></figure><p>Schon <a href="https://www.lobbyregister.bundestag.de/media/fa/c0/634884/Stellungnahme-Gutachten-SG2510300014.pdf">ein früheres Lobbypapier der EnBW</a> zeigte die Richtung, die das Energieunternehmen mittlerweile eingeschlagen hat. Die Argumentation für Gaskraftwerke steht klar im Mittelpunkt im Vergleich zu Batteriespeichern.</p><h2>EnBW lieferte „Überlegungen&quot; für Gaskraftwerke und gegen Batteriespeicher</h2><p>Am 13. Januar 2026 schickte der EnBW-Cheflobbyist dem zuständigen Abteilungsleiter Strom im Wirtschaftsministerium ein Papier mit dem Titel <em>„Überlegungen für ergänzende Kriterien zur 10h-Regel”</em>. Die sogenannte <strong>Zehn-Stunden-Regel</strong> besagt, dass Backup-Anlagen im Rahmen der <strong>Kraftwerksstrategie</strong> mindestens 10 Stunden am Stück Strom liefern können müssen. Das Papier enthielt 5 konkrete Vorschläge, die allesamt darauf abzielten, Batteriespeicher bei den Auktionen zu benachteiligen.</p><p>Das Brisante: Das Papier entstand nicht auf Initiative von EnBW, sondern auf ausdrückliches Ersuchen des Ministeriums. EnBW bestätigte das gegenüber dem SPIEGEL. Das Ministerium dementierte es auf mehrfache Anfrage nicht. Eine Auftragsarbeit also – beim Konzern, der selbst massiv in neue Gaskraftwerke investieren will und Batteriespeicher als direkte Konkurrenz betrachtet.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FKraftwerkssicherheitsgesetz-Reiche-bestellt-Argumente-1024x385.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=1bee026e40d225b8ce1e1da367067de6" alt="So berichtet DER SPIEGEL über den neuerlichen Lobby-Skandal des BMWE. "/><p>Unter den EnBW-Vorschlägen: Boni für Anlagen, die länger als 10 Stunden laufen können. Priorisierung solcher Anlagen bei der Vergabe. Kürzere Pausenzeiten zwischen Einsätzen. Höhere Anforderungen an die Netzstabilisierung. All das können Gaskraftwerke deutlich leichter erfüllen als Batteriespeicher – zumindest mit den heutigen Ausschreibungsbedingungen.</p><p><em>Lobbyregister-Verstoß: Eintrag erst nach SPIEGEL-Anfrage</em></p><p>EnBW hätte den Vorgang bis Ende März 2026 im Lobbyregister vermerken müssen – Pflicht bei laufenden Gesetzgebungsverfahren. Das geschah nicht. Erst nachdem der SPIEGEL am 9. April deswegen anfragte, lud der Konzern das Papier ins Lobbyregister hoch. Eine Erklärung für das Versäumnis lieferte EnBW nicht.</p><p>Ein Verstoß gegen das Lobbyregistergesetz kann mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld geahndet werden.</p><p>Das Ministerium machte allein EnBW für das Versäumnis verantwortlich und verwies darauf, dass es keine systematische Prüfung der Einhaltung durchführe. Ob Ministerin Reiche von dem verzögerten Eintrag wusste, blieb auf Anfrage unbeantwortet.</p><h2>Auch RWE lieferte – ebenfalls auf Wunsch des Ministeriums</h2><p>EnBW rund um das Kraftwerkssicherheitsgesetz ist kein Einzelfall. Bereits Ende Februar hatte das Handelsblatt über ein ähnlich gelagertes Lobbypapier von <strong>RWE</strong> berichtet. Auch dort soll der Input auf Wunsch des Wirtschaftsministeriums entstanden sein – auch das wurde nicht dementiert. RWE empfahl unter anderem, dass Backup-Anlagen zwischen Einsätzen maximal 2 Stunden Pause machen dürften und dass Backup-Leistung nicht von mehreren dezentralen Kleinanlagen erbracht werden sollte. Beides wären faktische Ausschlusskriterien für Batteriespeicher.</p><p>RWE trug sein Papier ordnungsgemäß ins Lobbyregister ein. Auf die Frage, ob es darüber hinaus weiteren, nicht dokumentierten Austausch mit dem Ministerium gab, antwortete der Konzern ausweichend und verwies auf allgemeine „Fachgespräche&quot;. Andere Konzerne wie Uniper und EWE verneinten klar, zur Einreichung von Argumenten gegen Batteriespeicher aufgefordert worden zu sein.</p><p><em>Batteriespeicher könnten die 10-Stunden-Regel längst erfüllen</em></p><p>Die zentrale Frage hinter dem Vorgang: Können Batteriespeicher als Langzeit-Backup funktionieren? Führende Projektierer sagen: ja. Der Chef des Batterie-Großspeicher-Betreibers Kyon Energy erklärte gegenüber dem SPIEGEL, dass eine Anlage mit 100 Megawatt Leistung und 400 Megawattstunden Kapazität 10 Stunden lang 10 Megawatt Backup-Strom liefern könnte. Die restliche Kapazität ließe sich parallel am freien Markt vermarkten – was die Anlage in der Mischkalkulation konkurrenzfähig zu Gaskraftwerken machen würde.</p><p>In einem solchen Szenario bräuchte Deutschland deutlich weniger als die geplanten 10 bis 12 Gigawatt neue Gaskraftwerke. Gaskraftwerke wären dann nur noch als Grundsicherung und für extrem seltene, mehrtägige Dunkelflauten nötig. Doch genau dieses Szenario scheint das Ministerium unter Reiche aktiv verhindern zu wollen.</p><p>Aufschlussreich ist auch, wen das Ministerium nicht gefragt hat: Weder Kyon Energy noch der Großspeicherbetreiber Eco Stor wurden proaktiv um Input gebeten. Das Ministerium holte sich also gezielt die Expertise der Gaskraftwerks-Befürworter ein – nicht die der Batterie-Branche.</p><p><em>Was bedeutet das für die Energiewende in Deutschland?</em></p><p>Der Vorgang reiht sich in eine Serie von Entscheidungen ein, die Wirtschaftsministerin Reiche seit ihrem Amtsantritt getroffen hat. Von der ursprünglichen Forderung nach mehr als <a href="https://www.cleanthinking.de/kraftwerksstrategie-neue-details-reiche/">20 Gigawatt Gaskraftwerken</a> (die EU genehmigte nur 12) über die massive Einschnitte bei kleinen Solaranlagen bis hin zur umstrittenen Personalpolitik im Ministerium: Das Muster ist eine systematische Bevorzugung fossiler Strukturen gegenüber erneuerbaren Alternativen.</p><p>Dabei ist die ökonomische Logik eindeutig: <strong>Batteriespeicher</strong> werden Jahr für Jahr günstiger, Gaskraftwerke bleiben an importiertes Erdgas gebunden – mit allen geopolitischen Risiken, die das mit sich bringt. Die Weltmarktpreise für stationäre Batteriespeicher sind 2025 laut BloombergNEF um 45 Prozent auf 70 Dollar pro Kilowattstunde gefallen – so günstig wie nie. In Australien, Großbritannien und den USA verdrängen Großspeicher bereits Gaskraftwerke aus dem Markt.</p><p>Deutschland steht an einem Scheideweg: Investiert das Land Milliarden in fossile Backup-Infrastruktur, die in 10 Jahren möglicherweise nicht mehr wettbewerbsfähig ist? Oder schafft es Rahmenbedingungen, die den technologischen Fortschritt bei Speichern nicht ausbremsen, sondern nutzen? Die Art, wie das Kraftwerkssicherheitsgesetz entsteht, gibt eine beunruhigende Antwort auf diese Frage.</p><h2>Fossile Abhängigkeit statt technologischer Souveränität</h2><p>Der Vorgang hat eine geopolitische Dimension, die im Berliner Tagesgeschäft oft untergeht. Jedes neue Gaskraftwerk, das Deutschland baut, verlängert die Abhängigkeit von importiertem Erdgas – ob aus Norwegen, den USA oder perspektivisch wieder aus dem Nahen Osten. Die aktuelle Lage rund um die Straße von Hormus zeigt, wie fragil diese Lieferketten sind. Batteriespeicher hingegen nutzen heimisch erzeugten Solar- und Windstrom und stärken damit die energiepolitische Souveränität.</p><p>Global betrachtet ist die Entwicklung eindeutig: China installiert Batteriespeicher in einem Tempo, das westliche Beobachter regelmäßig überrascht. Großbritannien hat im März 2026 erstmals über 4 Gigawatt Batterieleistung am Netz. Australien baut Großspeicher, die in der Mischkalkulation günstiger sind als der Betrieb bestehender Gaskraftwerke. Die S-Kurve der Batteriespeicher-Disruption verläuft nach demselben Muster wie zuvor bei Solar und Elektroautos – nur schneller.</p><p>Wer in dieser Phase Milliarden in neue Gaskraftwerke lenkt und deren Hauptkonkurrenz per Ausschreibungsdesign ausschließt, riskiert <strong>fossile Stranded Assets</strong> auf Kosten der Stromkunden. Die Anlagen sollen bis 2045 laufen. Ob sie dann noch wirtschaftlich betrieben werden können, ist angesichts der Kostenentwicklung bei Speichern und Erneuerbaren eine offene Frage – die das Wirtschaftsministerium offenbar gar nicht erst stellen möchte.</p><h2>Kurz erklärt: Kraftwerkssicherheitsgesetz und Kraftwerksstrategie</h2><p>Das <em>Kraftwerkssicherheitsgesetz </em>(KWSG) ist die gesetzliche Umsetzung der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung. Es regelt, wie Deutschland nach dem Kohleausstieg seine Stromversorgung in wind- und sonnenarmen Zeiten absichert. Im Januar 2026 einigten sich Berlin und Brüssel auf die Ausschreibung von 12 Gigawatt neuer steuerbarer Kapazität. Davon sind 10 Gigawatt an ein Langfristkriterium von mindestens 10 Stunden Dauerbetrieb geknüpft – de facto auf Gaskraftwerke zugeschnitten. Nur 2 Gigawatt werden technologieoffen ausgeschrieben und stehen damit auch Batteriespeichern offen.</p><h2>KWSG als Weichenstellung</h2><p>Die SPIEGEL-Recherche legt offen, was viele Beobachter der Energiepolitik unter Katherina Reiche seit Monaten vermuten: Das Wirtschaftsministerium agiert nicht als neutraler Gesetzgeber, sondern als aktiver Verbündeter der fossilen Energiewirtschaft. Wenn ein Ministerium bei Konzernen Argumente gegen eine Technologie bestellt, die deren Geschäftsmodell bedroht, ist das keine reguläre Konsultation – es ist <strong>industriepolitische Parteinahme</strong>.</p><p>Die Frage ist, ob der Bundestag diese Schieflage im parlamentarischen Verfahren korrigiert. SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer hat wiederholt gefordert, Batteriespeicher gleichberechtigt in die Auktionen einzubeziehen. Der parlamentarische Prozess zum Kraftwerkssicherheitsgesetz wird zeigen, ob die Koalition an dieser Stelle zu einer echten Korrektur bereit ist – oder ob die fossile Logik im Gesetz zementiert wird.</p><p>Für Stromkunden steht dabei viel auf dem Spiel: Jedes Gigawatt Gaskraftwerk, das statt eines günstigeren Batteriespeichers gebaut wird, verteuert die Energiewende und verlängert die Importabhängigkeit.</p><p>Dieser Cleanthinking-Beitrag erschien zuerst hier: </p><a href="https://www.cleanthinking.de/kraftwerkssicherheitsgesetz-reiche-enbw-rwe/">https://www.cleanthinking.de/kraftwerkssicherheitsgesetz-reiche-enbw-rwe/</a>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 15 Apr 2026 06:39:41 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Die Zwillingsschocks - und die Parallelen zu heute]]></title>
      <description><![CDATA[1973 und 1979 veränderten die Ölschocks die Welt. 2022 und 2026 passiert es wieder. Aber diesmal gibt es einen Ausweg, den es damals nicht gab.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Die Zwillingsschocks – Warum die 2020er die Energiewelt stärker verändern als die 1970er</h1><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>in der Karwoche habe ich Ihnen in drei Teilen den „<strong>Ökologischen Kalten Krieg</strong>&quot; beschrieben – den <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Konflikt zwischen Petrostaaten und Elektrostaaten</mark>, der die Welt gerade neu sortiert. Viele von Ihnen haben mir darauf geschrieben. <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Heute ein neues Kapitel, das die historische Tiefe liefert, die in der Serie noch fehlte.</mark></p><p><strong>Kingsmill Bond</strong> hat heute zusammen mit Sam Butler-Sloss, Daan Walter und Antoine Issac von der <strong>Denkfabrik Ember</strong> eine neue Analyse veröffentlicht. Ihr Titel: „<em>The New Twin Fossil Shock</em>&quot;. <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Ihre These: Die 2020er Jahre wiederholen die 1970er – aber mit einem entscheidenden Unterschied.</mark></p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><hr aria-hidden="true"/><h2>Zwei Schocks, ein Muster</h2><p>Am 28. Februar 2026 wurde die Straße von Hormus geschlossen. Mehr als zehn Millionen Barrel Öl pro Tag fielen über Nacht aus – die größte Angebotsunterbrechung in der Geschichte des Ölmarkts. Sechs Wochen später ist selbst eine sofortige Wiedereröffnung Monate von Normalität entfernt. Über 60 beschädigte Energieanlagen am Golf müssen repariert werden. Das Risikoaufgeld für die Durchquerung der Meerenge wird noch Jahre nachwirken.</p><p>Vier Jahre zuvor hatte Russlands Invasion der Ukraine den größten fossilen Exporteur der Welt von seinem größten Absatzmarkt abgeschnitten. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Damals traf es Europa.</mark> <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Diesmal trifft es Asien</mark>, wo 40 Prozent des Öls durch die Straße von Hormus fließen.</p><p>Bond und seine Mitautoren formulieren es nüchtern: <strong>Ein Schock ist ein Ereignis. Zwei Schocks sind ein Muster.</strong></p><h2>Was die 1970er lehrten</h2><p>Die Parallele ist nicht zufällig gewählt. 1973 und 1979 – die beiden Ölschocks des 20. Jahrhunderts – haben die Welt verändert. Nicht durch gute Absichten, sondern durch ökonomischen Druck. Bond und sein Team rekonstruieren das mit Daten, die eine bemerkenswerte Geschichte erzählen.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Vor 1973 galt der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch als Naturgesetz.</mark> Die Schocks sprengten ihn. Das jährliche <strong>Wachstum des Primärenergieverbrauchs</strong> fiel von knapp fünf Prozent in den Jahren 1960 bis 1973 auf zwei Prozent bis 1985. Die <strong>Energieproduktivität </strong>in den OECD-Staaten verbesserte sich um den Faktor zehn. <strong>Effizienz </strong>wurde über Nacht vom akademischen Konzept zur ökonomischen Kraft.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/07f52d19-3633-46f5-a007-94cf9edf5677/uploads/images/pt44b7empq/Olschocks_und_BIP.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Und die Schocks trafen nicht alle Energieträger gleich. Fossile Brennstoffe wurden bestraft, Elektrizität belohnt. Die Elektrifizierung gewann Momentum – <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Jahrzehnte bevor jemand sie als Klimapolitik verstand.</mark></p><p>Die prägnanteste Zahl: <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Der globale Ölverbrauch pro Kopf erreichte 1979 seinen Höhepunkt.</mark> Er hat sich seitdem nie erholt. Nie. Der erste Schock verlangsamte das Wachstum. Der zweite stieß es über die Klippe. Bond schreibt: „<em>One shock gives you pause. Two gives you wisdom.</em>&quot;</p><p>Auch die Substitution war real. <strong>Öl war 1973 noch für ein Viertel </strong>der globalen Stromerzeugung verantwortlich. Zwei Jahrzehnte später für ein Zehntel. Heute für rund zwei Prozent. Atomkraft wuchs in den 1970ern mit über 20 Prozent pro Jahr und stieg von drei auf 17 Prozent der Stromerzeugung. Die Schocks trafen die schwächsten Glieder am härtesten.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/07f52d19-3633-46f5-a007-94cf9edf5677/uploads/images/zb4aw2f6gn/Fossile_Peaks.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h2>Warum der Rollback kam</h2><p>Aber die 1970er waren auch eine Geschichte der Grenzen.</p><p>Als die Ölpreise in den 1980ern wieder fielen, fiel auch der Druck zu handeln. Der fossile Handel, der während der Schocks stagniert hatte, wuchs ab Mitte der 1980er wieder mit knapp drei Prozent pro Jahr – bis 2022. Die Alternativen von damals – <strong>Atomkraft, Nordsee-Öl, Effizienz</strong> – waren <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">teuer</mark>, <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">langsam </mark>und deckten nur einen <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Bruchteil der fossilen Nachfrage</mark> ab. Sobald billiges Öl zurückkam, war der Reformdruck weg. Die Atomenergie stagnierte, als die Kosten stiegen und Unfälle ihren Ruf zerstörten. Und das Öl im Verkehr? Autos wurden effizienter, aber die Welt fuhr mehr davon.</p><p>Die Lehre der 1970er ist deshalb doppelbödig: Selbst teure und langsame Alternativen konnten das Energiesystem eines Jahrzehnts umbauen. Aber sie waren nicht gut genug, um den Rückfall zu verhindern.</p><h2>Warum es diesmal keinen Rollback gibt</h2><p>Und hier wird es interessant. Bond und sein Team arbeiten den entscheidenden Unterschied zu heute heraus: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Electrotech </mark>ist <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">billiger</mark>, <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">schneller</mark>, <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">größer </mark>und <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">sicherer </mark>als alles, was 1979 zur Verfügung stand.</p><p><strong>Billiger.</strong> Solar plus Speicher kostet global unter 60 Dollar pro Megawattstunde. LNG-Strom in Asien liegt bei über 160 Dollar – fast das Dreifache. Im Verkehr: Damit ein Verbrenner in China mit einem E-Auto konkurrieren kann, müsste Rohöl unter 15 Dollar pro Barrel fallen. Das ist kein Wettbewerb mehr. Das ist eine Einbahnstraße.</p><p><strong>Größer.</strong> In den 1970ern war Öl in der Stromerzeugung ein Zehntel der Ölnachfrage – ein kleines Ziel. Heute sind die verwundbaren Sektoren riesig: Straßentransport macht fast die Hälfte der Ölnachfrage aus, Stromerzeugung ein Drittel der LNG-Nachfrage. <br/>Und die Alternativen starten nicht mehr klein. Solar und Wind sind heute relativ gesehen fünfmal größer als Atomkraft es beim ersten Ölschock war. Elektroautos machen ein Viertel der globalen Autoverkäufe aus. In China die Hälfte. In Vietnam 38 Prozent. In Indonesien 15 Prozent. Selbst bei schweren Lkw hat der Elektroanteil in China 29 Prozent erreicht.</p><p><strong>Schneller.</strong> Ein Atomkraftwerk oder ein neues Ölfeld brauchte in den 1970ern ein Jahrzehnt. Ein Solarpark braucht 18 Monate. Eine Dachanlage ein paar Wochen. Ein Elektroauto kann man am selben Nachmittag kaufen und nach Hause fahren. Die Abhängigkeit zu kappen braucht keine Genehmigung mehr – es geht mit der Geschwindigkeit der Konsumentenentscheidung. Und die Lieferketten stehen bereit. China hat bereits die Fabrikkapazität, um den Absatz von Solar, Batterien und E-Autos von 2025 mehr als zu verdoppeln. Was gestern als „Überkapazität&quot; galt, ist heute einfach Kapazität.</p><p><strong>Sicherer.</strong> Einmal installiert, braucht Electrotech keinen Brennstoff. Die Sonne kann nicht sanktioniert werden. Bond und sein Team bringen es auf den Punkt: Der Unterschied ist der zwischen einem Eigenheim und einer Mietwohnung bei einem gierigen Vermieter. Als Hormus gesperrt wurde, stiegen Preise, Regierungen rationierten, Warteschlangen bildeten sich.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Nichts davon passiert mit Electrotech: Wenn der Lieferant dich abschneidet, hast du 30 Jahre Zeit, einen neuen zu finden.</mark></p><p><strong>Irreversibel.</strong> Und das ist der Punkt, an dem sich die 2020er von den 1970ern endgültig trennen. In den 1980ern fiel der Ölpreis, und die Nachfrage kam zurück. Das kann diesmal nicht passieren. Einmal installiert, haben Solar und Wind nahezu null laufende Kosten. Kein Preisverfall bei fossilen Brennstoffen kann die Nachfrage zurückholen. E-Autos und Wärmepumpen folgen der gleichen Logik: günstiger im Betrieb, auf ein Jahrzehnt oder mehr festgelegt. Niemand wechselt zurück. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Die Ölschwemme der 2030er wird permanent sein.</mark></p><h2>Was das für die Welt bedeutet</h2><p>Bond und sein Team identifizieren vier Konsequenzen, die sich aus dem Vergleich ergeben.</p><p><strong>Asien wird den Electrotech-Schnellweg nehmen.</strong> Wenn der Schock von 2022 primär Europa traf, trifft der von 2026 <strong>Asien </strong>am härtesten. Mehr als 40 Prozent des asiatischen Öls flossen durch Hormus. Der Kontinent, der das nächste Jahrzehnt der fossilen Nachfrage treiben sollte, hat jetzt den stärksten Grund, sie zu verlassen. <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Die Analogie ist europäische Ölnachfrage nach 1979 – sie erreichte ihren Höhepunkt und kam nie zurück.</mark></p><p><strong>LNG wird aus der Stromerzeugung verdrängt.</strong> Es droht das gleiche Schicksal wie Öl in den 1970ern: teuer, unsicher, von billigerer Konkurrenz unterboten. Über ein Drittel der LNG-Nachfrage entfällt auf die Stromerzeugung, zwei Drittel davon in Asien. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Das Bullen-Szenario für LNG hat sich in ein Bären-Szenario verwandelt.</mark></p><p><strong>Öl wird aus dem Transport verdrängt.</strong> Der Sektor, den die 1970er nicht knacken konnten, wird jetzt durch billige Batterien aufgebrochen. Der Straßentransport war jahrzehntelang die Wachstumsmaschine der Ölnachfrage. Jetzt wird er zur Maschine ihres Rückgangs. Bond rechnet vor: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Importeure könnten über 600 Milliarden Dollar pro Jahr einsparen, wenn sie Öl im Straßentransport durch Elektrofahrzeuge ersetzen</mark> – der größte Einzelhebel, den ein Land hat, um seine Importrechnung zu senken.</p><p><strong>Peak Fossil ist bereits erreicht.</strong> Die Ära des fossilen Höhepunkts begann vor den Zwillingsschocks der 2020er. OECD-Fossilnachfrage erreichte 2007 ihren Höhepunkt. Globaler fossiler Energieverbrauch in der Industrie stagnierte seit 2014. In Gebäuden seit 2018. Im Straßentransport seit 2019. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Außerhalb Chinas ist die fossile Nachfrage seit 2019 flach.</mark> Und Chinas eigener Fossilverbrauch erreicht jetzt ein Plateau. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die Zwillingsschocks ziehen die Peaks vor, verkürzen die Plateaus und beschleunigen den Abstieg.</mark></p><h2>Die Wahl</h2><p>Bond und sein Team schließen mit einer Warnung, die in der Karwochen-Serie den roten Faden bildete: Die Versuchung wird sein, zum bekannten Spielbuch zu greifen. Mehr Bohrungen, mehr Subventionen, mehr Diversifizierung der Lieferanten. <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Aber diese Reflexe wurden für eine Welt ohne Alternativen gebaut.</mark></p><p>Bis neue fossile Förderung ans Netz geht, wird sie von billigerem Electrotech unterboten. Subventionen zementieren genau die Abhängigkeit, die die Krise verursacht hat. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Und selbst diversifizierte fossile Importe werden immer weniger verlässlich sein als der Sonnenaufgang.</mark></p><p>Die 1970er formten das Energiesystem trotz Alternativen, die langsam, teuer und auf einen Bruchteil der fossilen Nachfrage beschränkt waren. Die heutigen Alternativen sind schneller, billiger, brennstofffrei – und können den größten Teil ersetzen. Zum ersten Mal in der Geschichte existieren überlegene, kostengünstige Alternativen im großen Maßstab.</p><p>Wer sich in der Karwochen-Serie gefragt hat, ob Electrotech wirklich unaufhaltsam ist, hat hier die historische Antwort. Selbst die teuren, langsamen Alternativen der 1970er haben das Energiesystem für eine Generation umgebaut. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Was werden die schnellen, billigen schaffen?</mark></p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die Regierungen der Welt stehen vor einer Wahl: vorwärts ins elektrische Zeitalter bauen</mark> – <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">oder zurückgreifen, um das fossile zu reparieren.</mark></p><a href="https://ember-energy.org/latest-insights/the-new-twin-fossil-shock/">https://ember-energy.org/latest-insights/the-new-twin-fossil-shock/</a><hr aria-hidden="true"/><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 14 Apr 2026 15:14:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Super El Niño 2026: Warum er die fossile Rechnung präsentiert]]></title>
      <description><![CDATA[Im Pazifik baut sich der dritte Super El Niño in 30 Jahren auf. Latif warnt: „Der Revolver ist geladen." Was das für Energiepreise und Klima bedeutet.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Seit heute Morgen berichten tagesschau, Spiegel und Süddeutsche über den <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">drohenden Super El Niño</mark>. Die Fragen klingen überall gleich: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Droht ein Hitzeschub?</mark> <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Wird 2027 das heißeste Jahr?</mark> <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Wie stark wird es?</mark></p><p>Was niemand fragt: <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Was passiert, wenn dieses Klimaereignis auf ein Energiesystem trifft, das gerade fossiler wird statt unabhängiger?</mark></p><p>Ich habe mir die Quellen angeschaut - <strong>NOAA, Washington Post, New York Times, ECMWF, Severe Weather Europe, Spiegel, Spektrum</strong> - und die Geschichte weitergedacht. <strong>Mojib Latif</strong> sagt, <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">der Revolver sei geladen</mark>. NOAA gibt <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">80 Prozent Wahrscheinlichkeit</mark>. Aber die eigentliche Nachricht ist nicht der El Niño selbst.</p><p><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Es ist die Kollision: Rekordsommer trifft auf Gaspreiskrise, Hormus-Blockade und politischen Klimaschutz-Rollback.</mark></p><p>Wer mit Gas heizt, zahlt doppelt. Wer Wärmepumpe mit Sommerkühlung hat, sitzt es aus. Solar, Wind und Batterien haben keine Lieferkette, die durch eine Meerenge passt.</p><p>Die vollständige Analyse:</p><a href="https://www.cleanthinking.de/super-el-nino-2026/">https://www.cleanthinking.de/super-el-nino-2026/</a><p>Und zum Abschluss dieses kurzen, aber wichtigen Newsletters ein Satz von Latif, der sitzt: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">„Angesichts des derzeitigen Rollbacks in der Klimapolitik gehe ich davon aus, dass die Welt auch das 2-Grad-Ziel reißen wird, und zwar krachend.&quot;</mark></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 31 Mar 2026 15:44:51 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wie Deutschland, EU und Asien auf die Energiekrise reagieren]]></title>
      <description><![CDATA[Warum die schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung zur Mogelpackung macht. Und was jetzt nötig wäre. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Benzin wird knapp, die Krise verschärft sich, die Börsen wissen es längst: Elektrifizierung ist die einzige Antwort</h1><h2>Warum die schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung zur Mogelpackung macht</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b965313d-b368-440b-85b2-1338a6959083/uploads/images/x2g6ds2j4t/thumbnail_Schneider_Mogelpackung.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Liebe Cleanthinking-Leserinnen und -Leser,</p><p>was für ein Tag. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche warnt heute Morgen auf der Energiekonferenz Ceraweek in Houston, Texas, vor drohenden Engpässen bei Benzin und Diesel: <em>„Noch sehen wir keine Knappheiten beim Volumen, aber wenn der Konflikt nicht endet, rechnen wir damit vermutlich Ende April oder im Mai.&quot;</em> Zeitgleich legt Bundesumweltminister Carsten Schneider in Berlin das <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Klimaschutzprogramm 2026</mark> vor, am letzten Tag der gesetzlichen Frist. Zwei Nachrichten, die zusammengehören und doch in unterschiedlichen Welten stattfinden.</p><p>Denn während Reiche die Symptome einer fossilen Abhängigkeit beschreibt, fehlt in diesem Klimaschutzprogramm die entscheidende Konsequenz: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">der schnelle, kompromisslose Ausstieg aus genau dieser Abhängigkeit.</mark> Ich nehme Sie heute mit durch die Lage, die Zusammenhänge und die Frage, die sich jeder stellen sollte: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Wer jetzt nicht elektrifiziert, tappt in die Kostenfalle.</mark></p><h2>Die Lage: Drei Krisen in einer</h2><p>IEA-Chef Fatih Birol hat die Situation vor wenigen Tagen auf den Punkt gebracht. Während der Ölkrisen der 1970er-Jahre habe die Welt „jeweils etwa fünf Millionen Barrel Erdöl pro Tag verloren&quot;. Heute seien es elf Millionen. Birols Formel:</p><blockquote><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">„Zwei Ölkrisen und ein Gaskollaps in einem.&quot;</mark></p></blockquote><p>Und weiter: <em>„Kein Land wird von den Auswirkungen dieser Krise verschont bleiben, wenn sie sich weiter in diese Richtung entwickelt.&quot;</em></p><p>Die Lieferketten sind schon heute geschwächt. Durch die Blockade der Straße von Hormus, über die rund 20 Prozent des globalen Öl- und Gashandels abgewickelt werden, sind Millionen Barrel vom Markt verschwunden. Der Brent-Preis ist auf über 100 Dollar gestiegen. Benzin kostet in Deutschland über 2,15 Euro pro Liter, Diesel über 2,28 Euro. Und es könnte schlimmer werden.</p><p>Die Ökonomie-Professorin Isabella Weber rechnet bereits jetzt mit einem Energieschock, der global nachhallen wird.<a href="https://www.newstatesman.com/international-politics/geopolitics/2026/03/the-world-energy-shock-is-coming"> In ihrem Beitrag in New Statesman</a> beschreibt sie, wie Lieferketten bereits gebrochen sind - und noch viel mehr Verwerfungen kommen werden. Möglicherweise bis zu einer globalen Wirtschaftskatastrophe.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die Konsequenz von Reiches Warnung muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: </mark>Die Wirtschaftsministerin einer der größten Industrienationen der Welt sagt, in fünf Wochen könnte es Engpässe bei Treibstoff geben. Deutsche Wirtschaftsinstitute beziffern den potenziellen Schaden auf rund 40 Milliarden Euro.</p><p><em>„Die kleine, fragile Erholung der deutschen Wirtschaft steht derzeit unter Druck&quot;</em>, räumt Reiche selbst ein. Etwa 36 Prozent des gesamten deutschen Primärenergiebedarfs werden durch Mineralöl gedeckt, weitere 27 Prozent durch Erdgas. Rund zwei Drittel der Erdölprodukte gehen in den Bereich Mobilität. Das ist der neuralgische Punkt.</p><h2>Was andere tun: Von IEA-Empfehlungen bis EU-Notpakete</h2><p>Die IEA hat in ihrem Bericht „<a href="https://iea.blob.core.windows.net/assets/01fe3dd7-21c1-4b16-8c5b-7df1aca6d6ff/Shelteringfromoilshocks.pdf">Sheltering from Oil Shocks</a>&quot; zehn konkrete Sofortmaßnahmen aufgelistet: Tempolimits senken, Homeoffice ausweiten, öffentlichen Nahverkehr stärken, Carsharing fördern, Flugverkehr reduzieren. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Alles erprobt, alles sofort umsetzbar, alles mit konkreten Einsparpotentialen beziffert.</mark></p><p>Einige europäische Staaten handeln bereits. Spanien hat das umfassendste Paket geschnürt: Die Regierung senkte die Mehrwertsteuer auf alle Energieformen von 21 auf zehn Prozent, ein Programm im Umfang von gut fünf Milliarden Euro. Portugal reduzierte die Dieselsteuer. Ungarn führte einen Preisdeckel ein. Österreich begrenzt Preiserhöhungen an Tankstellen auf dreimal pro Woche.</p><p>Auf EU-Ebene hat Kommissionspräsidentin von der Leyen Optionen zur Energiepreissenkung angekündigt: bessere Nutzung von Stromabnahmeverträgen, staatliche Beihilfen, Subventionen und eine mögliche Gaspreisdeckelung. Besonders wichtig: In vielen EU-Ländern wird Strom bis zu 15-mal höher besteuert als Gas. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Eine Senkung der Stromsteuer würde die Elektrifizierung beschleunigen und gleichzeitig Verbraucher entlasten.</mark> <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Und Deutschland? Beobachtet (und gründet Arbeitskreise, die auf neudeutsch Task Force genannt werden).</mark></p><h2>Das Signal der Börsen: Asien elektrifiziert, während Europa zögert</h2><p>Wer verstehen will, wohin die Reise geht, muss nicht auf Politiker schauen. Er muss auf die Aktienmärkte schauen. Analyst Neil Beveridge von AB Bernstein hat <a href="https://www.ft.com/content/b122ca1f-fc99-4749-9764-f1998b84dd07?syn-25a6b1a6=1">für die Financial Times eine Analyse vorgelegt</a>, die es in sich hat: <em>„Der Krieg verändert das gesamte Energieparadigma komplett.&quot;</em></p><p>Seit Beginn des Iran-Krieges haben die asiatischen Hersteller CATL, Sungrow und BYD zusammen 70 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung hinzugewonnen. CATL plus 19 Prozent, Sungrow plus 19,4 Prozent, BYD plus 21,9 Prozent. Die westlichen Ölkonzerne Chevron, ExxonMobil und BP dagegen? Trotz eines Ölpreis-Anstiegs von 47 Prozent nur ein moderates Plus zwischen 4,7 und 15,2 Prozent.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b965313d-b368-440b-85b2-1338a6959083/uploads/images/6l2ojyytyl/Asien.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Üblicherweise profitieren Ölunternehmen massiv von steigenden Rohstoffpreisen. Dass Investoren stattdessen auf die Gewinner der Energiewende setzen, zeigt: Der Markt erwartet einen strukturellen Wandel, der weit über den aktuellen Konflikt hinausgeht. Beveridge: <em>„Selbst wenn der Krieg nächsten Monat endet: Es gibt kein Zurück mehr.&quot;</em> China werde seine Anstrengungen bei Erneuerbaren, Batterien und Elektroautos verdoppeln. Auch Japan, Südkorea und Taiwan dürften den Ausstieg aus fossilen Energieträgern intensivieren.</p><p><strong>Lesen Sie dazu:</strong> <a href="https://www.cleanthinking.de/energieschock-iran-krieg-energiewende-asien/">Energieschock durch Iran-Krieg beschleunigt Energietransformation in Asien</a></p><h2>Die mittelfristige Antwort: Raus aus dem fossilen Zeugverbrennen</h2><p>Die kurzfristigen Maßnahmen sind wichtig: Preisdeckel, Übergewinnsteuer, Tempolimit. Sie lindern das Symptom. Aber die mittelfristige Lösung kann nur lauten: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Elektrifizierung</mark>. Überall, wo es möglich ist. Im Verkehr, in der Wärme, in der Industrie.</p><p>Das ist keine ideologische Forderung, sondern ökonomische Logik. Jede Kilowattstunde aus Wind und Sonne ist eine Kilowattstunde, die nicht durch die Straße von Hormus muss. Jedes Elektroauto ist ein Auto, das nicht an der Zapfsäule steht, wenn das Benzin knapp wird. Jede Wärmepumpe ist eine Heizung, die nicht vom Gaspreis abhängt.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die asiatischen Börsen haben das verstanden. Die Frage ist, ob die deutsche Bundesregierung es auch versteht.</mark></p><h2>Das Klimaschutzprogramm 2026: Schönrechnen statt Handeln</h2><p>Heute hat Umweltminister Carsten Schneider das <a href="https://www.cleanthinking.de/klimaschutzprogramm-2026-erhebliche-zweifel/">Klimaschutzprogramm 2026</a> vorgestellt. 67 Maßnahmen, 25 bis 27 Millionen Tonnen CO₂ Einsparung bis 2030, acht Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds und dem Sondervermögen. Klingt nach etwas. Ist aber nicht genug.</p><blockquote><p>Prof. Niklas Höhne vom NewClimate Institute <a href="https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7442529439034441728/">wird deutlich</a>: „Schönrechnen ist kein adäquater Umgang mit der Klima- und Energiekrise. Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung ist eher ein Schönrechnen von sich widersprechenden Tendenzen. Ein Gesamtkonzept, das der Klimakrise und der Energiekrise vollends gerecht würde, ist es leider nicht.&quot;</p></blockquote><p>Formal würden die gesetzlich verpflichtenden Ziele erreicht, so Höhne weiter,<em> „aber nur mit Verrenkungen&quot;</em>. Die Verrenkungen beginnen bei der Datengrundlage: Das Klimaschutzprogramm nutzt den ein Jahr alten Projektionsbericht, in dem die Lücke zum 2030er-Ziel noch bei 25 Millionen Tonnen CO₂ liegt.</p><p>Der aktuelle Projektionsbericht des Umweltbundesamtes vom März beziffert sie bereits auf 30 Millionen Tonnen. Formal erlaubt, weil der neue Bericht noch vom Expertenrat für Klimafragen geprüft werden muss. Aber unrealistisch, weil die aktualisierten Zahlen bereits den verlangsamten Erneuerbaren-Ausbau, den gesunkenen Absatz von E-Autos und den gebremsten Austausch fossiler Heizungen berücksichtigen. Alles Auswirkungen der Verunsicherung, die diese Regierung selbst geschürt hat.</p><h2>Wuppertal Institut: Die wahre Lücke ist doppelt so groß</h2><p>Das <strong>Wuppertal Institut</strong> hat eine Stellungnahme veröffentlicht, die das Ausmaß des Schönrechnens mit konkreten Zahlen belegt. Die Forscher um Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick kommen zu dem Ergebnis: Die tatsächliche Klimaschutzlücke im Jahr 2030 könnte bei rund <strong>50 Millionen Tonnen CO₂</strong> liegen, statt bei den 25 Millionen Tonnen, die das Klimaschutzprogramm zugrunde legt. Mindestens doppelt so hoch also.</p><p>Die Rechnung im Detail: Fünf Millionen Tonnen kommen allein durch die aktuelleren Berechnungen des Projektionsberichts 2026 hinzu. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Weitere fünf bis acht Millionen Tonnen durch das Gebäudemodernisierungsgesetz, das entgegen der bisherigen GEG-Regelungen auch zukünftig beim Heizungstausch neue Gas- und Ölheizungen erlaubt. </mark>Und möglicherweise rund 15 Millionen Tonnen durch die <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Verschlechterung der Rahmenbedingungen für Windkraft und Photovoltaik</mark>, wenn Reiches Pläne zum <strong>Netzpaket </strong>und zur <strong>EEG-Reform</strong> wie angekündigt umgesetzt werden.</p><p>Das Wuppertal Institut benennt dabei konkret, was Reiches Wirtschaftsministerium plant: die Abschaffung der garantierten Einspeisevergütung für Dach-Solaranlagen bis 25 kWp ab 2027, den Wegfall von Entschädigungen bei Abregelung von Wind- und Solaranlagen in bestimmten Regionen. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Die Forscher gehen davon aus, dass dies den jährlichen Ausbau von Windkraft und Photovoltaik um ein Viertel reduzieren könnte. </mark>Das ist kein abstraktes Szenario. Das ist die hochwahrscheinliche Folge von Gesetzesvorhaben, die bereits in der Abstimmung sind.</p><p>Höhne ergänzt die Kritik: <em>„Das potenziell Negative ist noch nicht berücksichtigt. Viele von der Regierung geplante Maßnahmen werden die Lücke noch vergrößern.&quot;</em> Er listet auf: das angekündigte Aus vom „Verbrenneraus&quot;, das Gebäudemodernisierungsgesetz ohne die 65-Prozent-Erneuerbaren-Regelung, der verlangsamte Erneuerbaren-Ausbau wegen EEG-Reform und Netzpaket, die Aufweichung der Emissionshandelssysteme.</p><h2>25,5 Milliarden Euro Strafzahlungen drohen</h2><p>Die Konsequenzen dieser Lücke sind nicht nur klimapolitisch, sondern auch fiskalisch dramatisch. Deutschland wird seine Verpflichtungen nach der europäischen Klimaschutzverordnung (Effort Sharing Regulation) laut <a href="https://www.cleanthinking.de/klimaziele-2025-umweltbundesamt-klimabilanz/">UBA-Projektionsbericht</a> um rund 255 Millionen Tonnen CO₂ verfehlen. Dafür muss Deutschland Emissionsrechte von anderen EU-Staaten kaufen. Das Wuppertal Institut rechnet bei einem keineswegs übertriebenen Preis von 100 Euro pro Tonne mit <strong>Strafzahlungen (bzw. Kosten für Zertifikate) von 25,5 Milliarden Euro</strong>. Geld, das besser in Wärmepumpen, Elektroautos und Solaranlagen investiert wäre.</p><p>Höhne fasst die fehlenden Maßnahmen zusammen: <em>„Nicht enthalten im Klimaschutzprogramm sind Maßnahmen, die schon lange als wirkungsvoll gelten: Rückbau umweltschädlicher Subventionen wie Dieselprivileg, Dienstwagenprivileg und Entfernungspauschale, Anhebung des CO₂-Preises mit sozialgestaffeltem Ausgleich, allgemeines Tempolimit, Klimaabgabe auf Verbrenner bei Förderung von kleinen E-Autos, geplanter Gasausstieg.&quot;</em> Die soziale Komponente sei zudem kaum vorhanden. Der Expertenrat für Klimafragen hat das Programm im Vorfeld geprüft und <a href="https://expertenrat-klima.de/presse/pressemitteilung-zur-stellungnahme-zum-entwurf-des-klimaschutzprogramms-2026">fordert ebenfalls Nachbesserungen</a>.</p><h2>Schneider kämpft, aber die Koalition bremst</h2><p>Um fair zu sein: Carsten Schneider wirkt als Umweltminister bemüht. Sein Haus hat innerhalb weniger Monate ein Programm zusammengeschnürt, das immerhin den gesetzlichen Rahmen nicht sprengt. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">12 Gigawatt zusätzliche Windkraft-Ausschreibungen, die rund 2.000 Windrädern entsprechen, sind ein positives Signal. </mark>2025 gab es einen Genehmigungsrekord von 20 Gigawatt, es gibt also genügend Projekte, die gebaut werden könnten. Die zusätzlichen Ausschreibungen beziehen sich auf bereits genehmigte Anlagen, was bedeutet, dass diese Kapazität vergleichsweise schnell ans Netz gehen kann.</p><p>Auch das Wuppertal Institut erkennt an: <em>„Die im Klimaschutzplan angekündigte zusätzliche schrittweise Ausschreibung in den nächsten Jahren von 12 GW Windstrom an Land ist für die Beschleunigung des Windenergie-Ausbaus eine wichtige Maßnahme.&quot;</em> Aber im selben Atemzug warnt das Institut, dass die seitens des Wirtschaftsministeriums geplanten Verschlechterungen der Rahmenbedingungen die EEG-Ausbauziele unerreichbar machen. Die regulären Ausschreibungen von 10 GW pro Jahr reichen nicht einmal aus, um das gesetzliche EEG-Ziel von 84 GW installierter Leistung bis Ende 2026 zu erreichen. Ende 2025 standen gerade 68 GW.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b965313d-b368-440b-85b2-1338a6959083/uploads/images/djs7rdgs74/Analyse_Klimaschutzprogramm.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Schneider kämpft gegen Windmühlen, im doppelten Sinne, denn seine Koalitionspartner planen an vielen Stellen Rückschritte. </mark><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Auch deshalb hat die Deutsche Umwelthilfe </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/klimaklage-duh-klimaschutzprogramm-ksp-2026/"><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">neuerliche Klimaklagen</mark></a><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit"> angekündigt.</mark></p><h2>Reiche verwaltet die Krise, statt sie zu lösen</h2><p><strong>Und Katherina Reiche?</strong> Sie erkennt die Probleme an. Die Warnung vor Benzinknappheit ist ehrlich. Aber ihr Lösungsansatz lässt sich in einem Wort zusammenfassen: <strong>Diversifizierung</strong>. Sie will die Importquellen erweitern, etwas mehr LNG aus Namibia oder Argentinien statt aus den USA.</p><p>Das klingt nach Strategie, ist aber keine. Rohöl wird auf einem Weltmarkt gehandelt. Ob das Barrel aus Saudi-Arabien, Norwegen oder Kasachstan kommt, ist dem Preis egal. Brent ist Brent. Mehr Importrouten ändern nichts am Preis. Sie ändern nur, wem man das Geld überweist. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die einzige echte Diversifizierung ist der Wechsel des Energieträgers.</mark></p><p>Stattdessen erleben wir, wie Thüringens Ministerpräsident Voigt die Aussetzung der CO₂-Steuer fordert und Reiche selbst am europäischen Klimaneutralitätsziel mindestens laut zweifelt. Wie die Regierung an einem Spritpreispaket bastelt, das Preiserhöhungen auf einmal täglich begrenzt. Wie Reiche in Texas darüber spricht, dass Europas Klimaziele zu rigide seien. Das ist Krisenverwaltung im fossilen Rahmen. Kein Paradigmenwechsel.</p><h2>Deutschland steht am Scheideweg</h2><p>Das Wuppertal Institut formuliert die zentrale Frage dieses Tages: <em>„Deutschland steht am Scheideweg: Stellen wir uns mit unserer Innovationskraft dem Wettrennen um die Technologiemärkte von morgen? Oder setzen wir weiter auf Mineralöl und Erdgas, deren Einsatz wir mit viel Geld unterstützen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben? Das wäre ein Rennen, das wir nicht gewinnen können und bei dem uns nach einigen Jahren die Luft ausgehen würde.&quot;</em></p><p>Was die Menschen in diesem Land jetzt brauchen, ist eine klare Botschaft: Wer nicht in eine Kostenfalle tappen will, sollte elektrifizieren. Diese Botschaft müsste von der Bundesregierung kommen, laut und deutlich. Stattdessen herrscht Verunsicherung. Soll ich noch eine Gasheizung einbauen? Lohnt sich das E-Auto? Wird die Wärmepumpen-Förderung gekürzt?</p><p>Die Energiekrise liefert die Antworten: Wer bereits auf erneuerbare Energien umgestiegen ist, spürt die Preisexplosion deutlich weniger. Das ist keine Theorie. Wärmepumpen haben 2025 erstmals die Gasheizung als meistverkaufte Heizungsart überholt. Seit Ausbruch der Iran-Krise ist die Nachfrage nach Photovoltaik und Elektrofahrzeugen noch einmal sprunghaft gestiegen. Die Leute verstehen es längst. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Was fehlt, ist eine Regierung, die ihnen Rückenwind gibt, statt Unsicherheit zu schüren.</mark></p><p>Die Technologien sind da. Solarstrom kostet einen Bruchteil von Atomstrom, <a href="https://www.linkedin.com/posts/martinjendrischik_neue-kernkraftwerke-kosten-bis-zu-49-cent-activity-7441365553396715520-bB6j?utm_source=share&amp;utm_medium=member_desktop&amp;rcm=ACoAAAB7EzUBlwQDO0t5n9KivilosEJHDa1DE_c"><em>wie Harald Lesch betont</em></a>. Elektroautos haben niedrigere Betriebskosten als Verbrenner. Die Wärmepumpe ist über die Lebensdauer günstiger als jede Gasheizung. <a href="https://www.cleanthinking.de/netzentgelte-verteilnetz-kostensenkung-studie/">Stromnetze sowohl auf europäischer als auch auf Verteilnetzebene können deutlich billiger ausgebaut werden, zeigen Studien.</a> Was fehlt, ist nicht die Technik. Was fehlt, ist der politische Wille, die vorhandenen Lösungen konsequent auszurollen.</p><p>Oder, wie das Wuppertal Institut es sagt: <em>„Richtig gemachter Klimaschutz wirkt in erheblichem Maße präventiv gegenüber den Versorgungsrisiken mit Erdöl und Erdgas. Er macht weniger abhängig von der Volatilität der internationalen fossilen Energieträgermärkte.&quot;</em></p><p>Die asiatischen Börsen wetten auf die Zukunft. Die Frage ist, ob Deutschland mitmacht oder den Anschluss verliert. Und natürlich, ob der Krieg noch Monate dauert oder - aus welchen Gründen auch immer - zeitnah endet. Derzeit ist das nicht absehbar.</p><p>Bleiben Sie sauber,<br/>Ihr Martin Jendrischik</p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/b965313d-b368-440b-85b2-1338a6959083/uploads/images/x2g6ds2j4t/thumbnail_Schneider_Mogelpackung.png?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 25 Mar 2026 16:05:21 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Kuba: Wie Trump unfreiwillig zum Solarteur des Jahres wurde]]></title>
      <description><![CDATA[Trumps Öl-Embargo gegen Kuba treibt die schnellste Solar-Revolution der Welt voran. Die Gewinner: China und die Erneuerbaren. Foto von MJ Haru auf Unsplash Es gehört zur…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2>Trumps Öl-Embargo gegen Kuba treibt die schnellste Solar-Revolution der Welt voran. Die Gewinner: China und die Erneuerbaren.</h2><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fimages.unsplash.com%2Fphoto-1559560927-0cbc3bb50bb3%3Ffm%3Djpg%26q%3D60%26w%3D3000%26auto%3Dformat%26fit%3Dcrop%26ixlib%3Drb-4.1.0%26ixid%3DM3wxMjA3fDB8MHxwaG90by1wYWdlfHx8fGVufDB8fHx8fA%253D%253D?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=eb097cc7ceb25a35b25bac18992c1419" alt="Mann schiebt braunes Fahrrad"/><figcaption>Foto von MJ Haru auf Unsplash</figcaption></figure><p>Es gehört zur <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">bitteren Ironie der Geopolitik</mark>, dass <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">ausgerechnet Donald Trump</mark> zum wirksamsten Beschleuniger der Energiewende in der Karibik geworden ist. Sein faktisches <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Öl-Embargo gegen Kuba</mark>, kombiniert mit der Drohung, jeden Staat mit Zöllen zu belegen, der die Insel mit Erdöl beliefert, hat die <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">schlimmste Energiekrise seit Jahrzehnten</mark> ausgelöst.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Doch statt Kuba in die Knie zu zwingen, treibt der Druck eine beispiellose Solar-Revolution voran.</mark></p><p>Die Zahlen sind beeindruckend: Innerhalb eines Jahres ist der Anteil der Solarenergie an Kubas Stromerzeugung von mageren 5,8 Prozent auf rund 20 Prozent gestiegen. Im Februar 2026 meldete das kubanische Energieministerium stolz einen neuen Rekord: Mehr als <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">900 Megawatt Solarleistung</mark> zur Mittagsspitze, genug, um in diesem Moment<mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit"> ein Drittel des Landes mit Strom zu versorgen</mark>.</p><p>Dave Jones vom britischen Energie-Thinktank Ember nennt es <em>„vielleicht die schnellste Solar-Revolution weltweit&quot;</em>. Wobei etwa Pakistan oder Indien ebenfalls längst den Solar-Turbo gezündet haben.</p><h2>China liefert, was Trump verbietet</h2><p>Hinter dem Boom steht ein mächtiger Partner: China. Peking hat seine Exporte von Solarausrüstung nach Kuba von etwa 5 Millionen Dollar im Jahr 2023 auf 117 Millionen Dollar im Jahr 2025 gesteigert. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Chinesische Unternehmen produzieren und liefern nicht nur die Panels, sondern bauen die Solarparks gleich selbst.</mark> Von 92 geplanten Solarparks bis 2028 ist bereits mehr als die Hälfte in Betrieb. Satellitenbilder zeigen, wie innerhalb weniger Wochen ganze Cluster von Solaranlagen aus dem Boden sprießen.</p><p>Das unterscheidet Kuba von anderen Ländern, die chinesische Solartechnik nutzen. In Pakistan etwa kaufen Haushalte und Unternehmen einzelne Panels und installieren sie selbst. In Kuba dagegen übernehmen chinesische Firmen den kompletten Aufbau. <em>„China installiert nicht massenhaft kleine Solaranlagen auf der ganzen Welt&quot;</em>, sagt Ember-Analyst Jones. <em>„Was wir in Kuba sehen, ist ziemlich einzigartig.&quot;</em></p><h2>Fossile Abhängigkeit als Waffe</h2><p>Was in Kuba geschieht, illustriert ein Muster, das weit über die Karibik hinausreicht. Fossile Abhängigkeit wird zur geopolitischen Waffe: Wer vom Öl abhängt, ist erpressbar. Trump nutzt diese Abhängigkeit, um Kubas kommunistische Regierung unter Druck zu setzen. Er hat unverhohlen angekündigt, Kuba <em>„in irgendeiner Form zu übernehmen&quot;</em>. Nach der Festnahme von Venezuelas Machthaber Maduro und der Tötung von Irans oberstem Führer Khamenei wirken solche Drohungen keineswegs hohl.</p><p>Doch der Druck erzeugt Gegendruck. <em>„Fossile Abhängigkeit reißt nationale Sicherheit und Souveränität weg und ersetzt sie durch Unterwürfigkeit und steigende Kosten&quot;</em>, warnte UN-Klimachef Simon Stiell in Brüssel. Sein Satz fasst das Dilemma präzise zusammen: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Sonnenlicht ist nicht auf verwundbare Seestraßen angewiesen.</mark></p><h2>Chinas Überproduktion findet ihren Markt</h2><p>Für China ist Kuba mehr als ein humanitäres Projekt. Die Unterstützung dient strategischen Interessen. Peking hat ein Interesse am Überleben eines befreundeten Regimes in unmittelbarer Nähe der USA. Gleichzeitig fliegt die Hilfe <em>„unter dem Radar&quot;</em>, wie der Lateinamerika-Experte Evan Ellis vom U.S. Army War College formuliert: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Solarpanels zu liefern provoziert weniger Gegenreaktionen als Waffenlieferungen.</mark></p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9052bba8-4313-4a25-9b98-9fe6c6bb0320/uploads/images/5gjxumk4h4/Solar_Cuba_China_production.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Quelle: Ember</figcaption></figure><p>Vor allem aber löst Kuba ein wirtschaftliches Problem: Chinas massive Überproduktion an Solarmodulen braucht Abnehmer. Die geopolitische Krise, die Trump mit seiner aggressiven Außenpolitik auslöst, schafft genau diese Nachfrage. Länder, die unter fossiler Erpressung leiden, werden zu dankbaren Kunden für chinesische Solartechnik. Pan Deng, ein prominenter chinesischer Lateinamerika-Forscher, bringt es auf den Punkt: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Chinas Stärke bei „neuen Energietechnologien&quot; mache es zum unverzichtbaren Partner der Region.</mark></p><h2>Die Grenzen der Solar-Revolution</h2><p>So beeindruckend der Ausbau ist, er reicht noch lange nicht. Noch Anfang 2024 stammten bis zu 95 Prozent von Kubas Energie aus fossilen Quellen. Kubas Präsident Díaz-Canel räumte in einer Rede ein: <em>„Selbst mit allem, was wir zusammenbauen, brauchen wir immer noch Öl.&quot;</em> <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Solarenergie liefert tagsüber, doch der Spitzenbedarf fällt auf die Abendstunden zwischen 19 und 20 Uhr.</mark></p><p>Deshalb ist die nächste Herausforderung klar: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Batteriespeicher</mark>. Große Speichersysteme sind teuer und aufwändig zu installieren. Doch auch hier liefert China: Die Exporte von Batterien nach Kuba steigen rasant. Jones vom Thinktank Ember sieht die Fortschritte bei der Batterietechnologie als „unglaublich&quot; an. Gleichzeitig fehlt vielen Kubanern schlicht das Geld für eigene Solaranlagen. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Ein Heim-Solarkit kostet rund 5.000 Dollar, unerreichbar für die meisten Familien.</mark></p><h2>Was Kuba für die Welt bedeutet</h2><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Kubas Solar-Revolution ist ein Lehrstück in mehrfacher Hinsicht. </mark>Sie zeigt, wie schnell ein Ausbau erneuerbarer Energien gelingen kann, wenn der politische Wille und die Rahmenbedingungen stimmen. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Sie zeigt auch die Verwundbarkeit fossiler Energiesysteme:</mark> Wer vom Öl abhängt, ist den Launen geopolitischer Machtkämpfe ausgeliefert. Und sie zeigt, dass Chinas Dominanz bei erneuerbaren Energien längst über den Handel hinausgeht: <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Peking nutzt Solartechnik als geopolitisches Instrument, um Einfluss zu gewinnen, wo die USA Druck ausüben.</mark></p><p>Trump mag davon träumen, Kuba <em>„in irgendeiner Form zu übernehmen&quot;</em>. Doch sein Öl-Embargo erreicht das Gegenteil dessen, was er beabsichtigt: Es beschleunigt die Abkehr von fossilen Energien und treibt die Insel in die Arme Chinas. So wird der selbsternannte Fossile-Energien-Präsident zum unfreiwilligen Solarteur des Jahres.</p><p><em>Lesen Sie auch: </em><a href="https://www.cleanthinking.de/von-der-leyen-solar-turbo-reiche-rueffel/">Von der Leyen fordert Solar-Turbo und rüffelt Katherina Reiche</a></p><hr aria-hidden="true"/><p><strong>Quellen:</strong></p><a href="https://www.economist.com/the-americas/2026/02/26/donald-trumps-oil-embargo-reveals-a-solar-boom-in-cuba">https://www.economist.com/the-americas/2026/02/26/donald-trumps-oil-embargo-reveals-a-solar-boom-in-cuba</a><a href="https://www.slashgear.com/2125434/china-cuba-solar-power-record-900-mw/">https://www.slashgear.com/2125434/china-cuba-solar-power-record-900-mw/</a><p><a href="https://www.washingtonpost.com/world/2026/02/28/china-cuba-solar-trump-oil-blockade/">Artikel auf </a><a href="http://washingtonpost.com/">washingtonpost.com</a><a href="https://www.washingtonpost.com/world/2026/02/28/china-cuba-solar-trump-oil-blockade/"> lesen &gt;</a></p><a href="https://www.washingtonpost.com/world/2026/02/28/china-cuba-solar-trump-oil-blockade/">https://www.washingtonpost.com/world/2026/02/28/china-cuba-solar-trump-oil-blockade/</a><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fimages.unsplash.com%2Fphoto-1559560927-0cbc3bb50bb3%3Ffm%3Djpg%26q%3D60%26w%3D3000%26auto%3Dformat%26fit%3Dcrop%26ixlib%3Drb-4.1.0%26ixid%3DM3wxMjA3fDB8MHxwaG90by1wYWdlfHx8fGVufDB8fHx8fA%253D%253D?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg&amp;s=fec21d183a29a1a20d0790dba55447f1" medium="image"/>
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      <pubDate>Sat, 21 Mar 2026 06:46:42 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Ölpreis-Schock & Fossilokratie: Wo ist der Weg in die Freiheit?]]></title>
      <description><![CDATA[Nahost-Eskalation treibt Energiepreise hoch. Doch die Lösung existiert: Wie Haushalte und Staaten jetzt das fossile Casino verlassen und auf Autarkie setzen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Ölpreis-Schock &amp; Fossilokratie: Wie wir jetzt den Weg in die Freiheit finden</h1><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Der Flächenbrand im Nahen Osten hat heute eine neue Eskalationsstufe erreicht: </mark>Nach Attacken u.a. auf die größte LNG-Anlage in Katar, sind die <a href="https://www.washingtonpost.com/business/2026/03/18/oil-jones-act-trump-iran/">globalen Öl- und Gaspreise</a> sprunghaft um zeitweise mehr als 30 Prozent angestiegen. Weitere ökonomische Folgen sind sehr wahrscheinlich - manche Beobachter fürchten <a href="https://www.tagesspiegel.de/internationales/blockierte-strasse-von-hormus-es-besteht-ganz-klar-die-gefahr-einer-welternahrungskrise-15370012.html">eine Ernährungskrise</a>, andere wiederum <a href="https://www.reuters.com/business/finance/ecb-talk-tough-iran-war-raises-inflation-fears-2026-03-18/">starke Inflationstendenzen</a>. Der Ökonom Jaques Attali gar einen <a href="https://www.lesechos.fr/idees-debats/editos-analyses/la-chine-la-russie-liran-le-pakistan-suniront-alors-pour-en-finir-avec-cinq-siecles-darrogance-occidentale-peut-on-encore-eviter-la-troisieme-guerre-mondiale-2219347">Dritten Weltkrieg</a>. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/494b4785-cb89-4610-b4a9-5bb3c3894a05/uploads/images/7d6kf37hje/1-The-Strait-of-Hormuz-is-the-worlds-most-vulnerable-commodities-chokepoint.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>In dieser aufgeheizten geopolitischen Lage ist dieser heutige Newsletter ein <strong>Spagat</strong>. Denn er spannt den Bogen von einer der treffendsten Situationsanalysen, die mir bekannt sind, über die beschriebene, aktuelle Lage in Nahost bis hin zur Frage: <strong>Wie kommen Haushalte und Staaten raus aus diesem fossilen Casino?</strong></p><h2>Teil 1: Die Diagnose – und warum die Realität schneller ist als das neue Buch von Claudia Kemfert</h2><a href="https://www.cleanthinking.de/buch-kurzschluss-kemfert-fossilokratie/">https://www.cleanthinking.de/buch-kurzschluss-kemfert-fossilokratie/</a><p>Prof. Kemfert hat ein weiteres Buch geschrieben, das bei Erscheinen bereits von der Wirklichkeit eingeholt wurde. „<strong>Kurzschluss</strong>&quot; erscheint heute im Campus Verlag. </p><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Die These: Bei jeder fossilen Krise stabilisiert (auch) Deutschland reflexartig das fossile System, statt es zu überwinden. Kemfert nennt dieses Muster Kurzschluss. Und die Machtordnung dahinter: </mark><strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Fossilokratie</mark></strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">.</mark></p><p>Drei historische Belege liefert sie selbst: die <strong>Ölkrise </strong>der 1970er (neuer Lieferant statt Ölausstieg), den <strong>Dieselskandal </strong>2015 (Betrug statt Elektromobilität), die <strong>LNG-Terminals</strong> 2022 (russisches Gas ersetzt durch US-Fracking-LNG). Drei Krisen, drei Jahrzehnte, ein Muster.</p><p>Den vierten Beleg liefert die Realität in Echtzeit. Seit dem 1. März bombardieren die USA den Iran. Die <a href="https://www.cleanthinking.de/strasse-von-hormus-europas-energiepolitik/">Straße von Hormus</a> ist geschlossen, Öl- und Gaspreise steigen stark - heute neuerlich. Und was passiert in Deutschland? Ministerin Katherina Reiche fordert <a href="https://www.cleanthinking.de/reiche-berater-empfehlen-fracking-deutschland/">Gas-Fracking</a>. Fraktionschef Jens Spahn will irgendwie irgendwann <a href="https://www.facebook.com/reel/909600225308421/?__cft__[0]=AZb0ScB59goidZx7TvDQMMEvGpKI14bMFFB5ITz5KF8SDaCN7Briq5yjvnZOfI8PzWKTS4r4YcpoPAQSIwlgsMif-3wt4dEBjRs0mDo73JFRp9RJ7VBJLdwgrG0YNrRdwwpU-XXMZOXfJr4Gn0csSH-vIq9Oqy0-4YlS3nhmGe-QlyUvtYComuKWQBmxB6sCfkLn3Fp6TEOePVc9r2I7AKf3&amp;__tn__=%2CO%2CP-R">kleine, modulare Atomreaktoren</a>. WELT-Chefreporter Wissenschaft Axel Bojanowski erklärt Erneuerbare zum Problem. Die Bundesregierung gibt strategische Ölreserven frei. Kemferts Kurzschluss-Muster, live und in Farbe.</p><p>Die DIW-Ökonomin nimmt sich in 13 Kapiteln die Kampfbegriffe der fossilen Gegenwart vor: „<strong>Heizungshammer</strong>&quot;, „<strong>Technologieoffenheit</strong>&quot;, „<strong>Dunkelflaute</strong>&quot;. Sie zerlegt jeden einzelnen mit Daten, ökonomischer Logik und einer Methode, die „Kurzschluss&quot; von ihrem Vorgänger „Schockwellen&quot; unterscheidet: Jedes Kapitel beginnt mit einer persönlichen Begegnung. Der Taxifahrer, dessen Sohn bei VW arbeitet. Die 68-Jährige, die um den Wert ihres Hauses fürchtet. Der erschöpfte Student, der fragt: Ist es nicht schon zu spät?</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Kemferts Antwort: Erneuerbare Energien sind dezentral, resilient und unerpressbar. Kein Autokrat kann den Hahn abdrehen, wenn Millionen Solardächer die Versorgung sichern. Das ist keine Utopie. Das ist Physik und Ökonomie.</mark></p><p>Dazu passt: INES, der Betreiberverband der deutschen Gasspeicher, hat gestern bestätigt: <a href="https://www.cleanthinking.de/keine-gasmangellage-2026-ines-offiziell/">Keine Gasmangellage</a>, Versorgung gesichert. Die „unabwendbare&quot; Apokalypse, die AfD-nahe Experten auf YouTube und bei NIUS <a href="https://www.cleanthinking.de/droht-uns-wirklich-eine-gasmangellage-2026/">im Januar prophezeit hatten</a>? Nicht eingetreten. So wie wir es analysiert haben. So wie es alle seriösen Quellen bei halbwegs normalem Winterverlauf analysiert haben.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Hier kann man das Buch kaufen (mit einem Kauf erhält Cleanthinking eine kleine Provision): </p><a href="https://amzn.to/40FsN1G">https://amzn.to/40FsN1G</a><hr aria-hidden="true"/><h2>Teil 2: Wie Haushalte rauskommen</h2><a href="https://www.cleanthinking.de/mutmacher-weg-raus-aus-fossiler-ohnmacht/">https://www.cleanthinking.de/mutmacher-weg-raus-aus-fossiler-ohnmacht/</a><p>Kemfert beschreibt das System. Aber was tun Haushalte, die nicht auf die Politik warten wollen? Die einfach anfangen?</p><p>Genau darum geht es in der neuen Cleanthinking-Serie <strong>„Die Mutmacher&quot;</strong>. Ich habe Menschen gesucht, die ihre Häuser und ihren Alltag konsequent elektrifiziert haben. Keine Ingenieure mit unbegrenztem Budget, sondern ganz normale Eigenheimbesitzer, die irgendwann gesagt haben: Wir fangen jetzt an. Jede Geschichte zeigt einen anderen Weg raus aus dem fossilen Casino. Und jede zeigt: Es geht. Auch ohne Neubau, auch ohne Riesenbudget.</p><p>Diese Woche sind die ersten Geschichten erschienen:</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Nabil aus Südhessen</mark> hat sein Eigenheim Schritt für Schritt elektrifiziert. Sein Trick: gebrauchte E-Autos statt Neuwagen und smarte Sektorenkopplung mit kleinem Budget. <a href="https://www.cleanthinking.de/mutmacher-nabil-unabhangig-sein-dienstwagen/">Mehr dazu hier.</a></p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Svenja aus NRW</mark> hat mit ihrem Mann ein Haus von 1932 in radikaler Eigenleistung saniert. Ohne Handwerker-Budget, dafür mit wassergeführter Deckenheizung im Eigenbau und Einblasdämmung. Ihr Antrieb: <em>„Wir wollten keinen Krieg mitfinanzieren.&quot;</em> <a href="https://www.cleanthinking.de/mutmacherin-svenja-fossilfreie-sanierung/">Hier die Mutmacher-Story.</a></p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Judith und Thomas aus Baden-Württemberg</mark> haben ihr 1970er-Haus zum Prosumer-Eigenheim umgebaut. Vom fossilen Bestandshaus zum weitgehend autarken Haushalt. <a href="https://www.cleanthinking.de/mutmacherin-judith-mutmacher-thomas/">Soweit sind sie gekommen.</a></p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Dominic </mark>kümmert sich nicht nur um die eigene Energiewende, sondern auch um die seiner Mieter. Der Schweizer ist nämlich Mit-Vermieter eines Mehrfamilienhauses. <a href="https://www.cleanthinking.de/mutmacher-dominic-hyundai-mehrfamilienhaus/">Wie er das angegangen ist?</a></p><p>Das sind alles Menschen, die die letzte große Krise 2022 zum Anlass genommen haben, aus Öl und Gas auszusteigen. Auch aktuell <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-03-18/uk-german-consumers-seek-out-solar-evs-heat-pumps-due-to-iran-war?srnd=phx-green">berichten Unternehmen in Großbritannien oder Deutschland</a>, das die Nachfrage nach Solaranlagen, Wärmepumpen und Elektroautos spürbar angezogen hat, seit Trump mit Netanjahu begonnen hat, den Iran zu bombardieren.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Bloomberg hat in </mark><a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-03-18/electric-vehicles-avoided-use-of-2-3-million-barrels-of-oil-daily-in-2025?srnd=phx-green"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">einer interessanten Analyse errechnet</mark></a><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">: Schon das zarte Pflänzchen Elektromobilität, das durch Exponentialkurven schnell wachsen wird, hat zu einem Nachfragerückgang beim Öl von 2,3 Millionen Barrel Rohöl geführt - pro Tag. </mark></p><p>Und selbst manche <strong>Talkshow </strong>beginnt endlich, Wege aus dem fossilen Casino zu diskutieren. Der Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, <strong>Claus Ruhe Madsen (CDU)</strong>, etwa vertritt ein Bundesland, das mehr erneuerbare Energie produziert als es verbrauchen kann. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Doch statt Redispatch als unabwendbares Problem zu karikieren, sucht Madsen pragmatisch nach Lösungen. </mark></p><p>Bei Maischberger berichtet er von einem Treffen mit einem investitionsbereiten Unternehmen, das als Bedingung 1,2 GWh erneuerbaren Strom pro Jahr verlangte. Die Antwort des Netzbetreibers? S<mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">uper, das können wir problemlos garantieren - wir wissen gerade eh nicht wohin mit dem Strom (sinngemäß). </mark></p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Sind also Stromüberschüsse vielleicht gar kein Problem, sondern Teil der Lösung?</mark> Braucht es mehr kreative und pragmatische Wege, um diese Überschüsse sinnvoll zu nutzen? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Industrieansiedlungen dort häufiger sein werden, wo ausreichend Strom und ggf. auch Wasserstoff verfügbar ist. </p><p>Und auch Herbert Diess - Ex-VW-Chef - macht sinnvolle, zukunftsgerichtete Aussagen, berichtet über das 5-Milliarden-Investment von Infineon und die Lage der Autoindustrie sowie des Standorts: </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=0JAQwMfN0k0">https://www.youtube.com/watch?v=0JAQwMfN0k0</a><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">So viel Zukunftsorientierung ist selten geworden im deutschen Fernsehen - umso wohltuender sind diese 25 Minuten. </mark></p><h2>Teil 3: Wie Staaten rauskommen</h2><p><a href="https://ember-energy.org/latest-insights/the-energy-security-fall-out-from-fossil-fuel-fragility-to-electric-independence/">Kingsmill Bond und EMBER</a> haben gestern eine Analyse veröffentlicht, die den Weg aus der fossilen Abhängigkeit in Zahlen gießt. Die Kernbotschaft: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Drei Viertel der Weltbevölkerung leben in fossilen Importländern.</mark> Die Importrechnung lag 2024 bei 1,7 Billionen Dollar. Jede Erhöhung des Ölpreises um 10 Dollar pro Barrel kostet die Welt 160 Milliarden Dollar pro Jahr.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/494b4785-cb89-4610-b4a9-5bb3c3894a05/uploads/images/jxylyejvog/6-Every-country-in-the-world-can-be-energy-independent-with-electrotech.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Lösung existiert bereits und hat einen Namen: <strong>Electrotech</strong>. EVs, Erneuerbare, Wärmepumpen, Batteriespeicher. Wenn Importländer diese Technologien konsequent skalieren, könnten sie ihre fossilen Importe um 70 Prozent senken. Allein EVs würden die Importrechnung um 600 Milliarden Dollar pro Jahr reduzieren.</p><p>Die Skala ist schon da: Der globale Solarausbau in 2025 konnte so viel Strom erzeugen wie alle LNG-Exporte durch die Straße von Hormus. EVs haben 2025 weltweit 1,7 Millionen Barrel Öl pro Tag verdrängt, fast so viel wie Irans gesamte Exporte.</p><p>Bond schreibt: <em>„Sceptics argue electrotech merely exchanges one dependency for another – Saudi oil out, Chinese solar panels in. But this is to confuse renting and owning.&quot;</em> Ein Solarpanel liefert 30 Jahre Strom ohne Brennstoffkosten. <strong>Öl und Gas müssen endlos neu importiert werden.</strong> Das eine ist Eigentum, das andere ist Miete. In einer Welt, in der der Vermieter jederzeit die Miete verdreifachen kann.</p><p>Das ist der Weg raus aus dem fossilen Casino. Nicht irgendwann. Der Anfang muss jetzt gemacht werden. Allerdings droht ein nächster Kurzschluss: Heute beim <a href="https://www.facebook.com/cleanthinking/posts/pfbid02i87r7itxccLup3ZBr6KWsExVPAXAGXdwXWZmtQxMDRwDDV7t7Bqw6G9xxMcmM6Pal?__cft__[0]=AZZV0REEpB1NA0Lg--8OTLRXh_Cd0o1195pooPQAs6bORDjuIF7vQkv8iBIOHySyZ4HewM3Ux0qycRabWXYYu5Jp6hwPiaONDkdvPHz1Z7aN0YxDLcjNwgT7mT8TbnxLuXXAZfMGorKfc1S7kM5-5e0PoIrvR53NxUfa-ImZBE9Nx_O-rUFJ9if8SIHTJXWoLso&amp;__tn__=%2CO%2CP-R">EU-Gipfel geht es um die Frage</a>, ob der <strong>Europäische Emissionshandel weiter geschreddert wird</strong>. Fossile Panik greift weiter um sich. </p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Selbst Kanzler Merz will den Emissionshandel erhalten. Hoffen wir, dass er sich in dieser Frage durchsetzen kann. </mark></p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die jetzige Polaykrise wird also wieder zur Chance, wenn wir dieses Mal keinen Kurzschluss daraus machen, sondern den Blick in Richtung saubere Zukunft richten. Diese geht bei der Energieversorgung los, aber natürlich bei regenerativer Landwirtschaft oder alternativen Proteinen weiter. </mark></p><hr aria-hidden="true"/><p>Was passieren könnte, wenn wir auch dieses Mal wieder falsch agieren, hat Blackout-Autor Marc Elsberg in seinem neuen, atemberaubenden Thriller “Eden” beschrieben. Hier gibt es das Hörbuch (mit einem Kauf erhält Cleanthinking eine kleine Provision): </p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fi-cdn.embed.ly%2F1%2Fdisplay%2Fcrop%3Fheight%3D300%26key%3Dfd92ebbc52fc43fb98f69e50e7893c13%26url%3Dhttps%253A%252F%252Fm.media-amazon.com%252Fimages%252FI%252F91%252BG6Sth3LL.jpg_BO30%252C255%252C255%252C255_UF750%252C750_SR1910%252C1000%252C0%252CC_ZJPHNwYW4gZm9yZWdyb3VuZD0iIzBGMTExMSIgZm9udD0iQW1hem9uRW1iZXIgNjYiPjQsMzwvc3Bhbj4%253D%252C60%252C875%252C420%252C420%252C0%252C0_PIRIOFOURANDHALF-medium-V2%252CTopLeft%252C190%252C885_ZJPHNwYW4gZm9yZWdyb3VuZD0iIzU2NTk1OSIgZm9udD0iQW1hem9uRW1iZXIgNjYiPigxMTUpPC9zcGFuPg%253D%253D%252C650%252C875%252C420%252C420%252C0%252C0_QL100_.jpg%26width%3D636?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=184fdf264e2b283774e5f684f390bce1" alt=""/><p>Viele Grüße,<br/>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/494b4785-cb89-4610-b4a9-5bb3c3894a05/uploads/images/7d6kf37hje/1-The-Strait-of-Hormuz-is-the-worlds-most-vulnerable-commodities-chokepoint.webp?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg" medium="image"/>
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      <pubDate>Thu, 19 Mar 2026 11:49:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Heißer, härter, schneller – und trotzdem...]]></title>
      <description><![CDATA[... die leise Macht der Transformation. Zwischen Klimaphysik und Geopolitik setzen sich die Technologien durch, die es braucht, um die Klimakrise in Griff zu bekommen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Heißer, härter, schneller – und trotzdem: Die leise Macht der Transformation</h1><p>Liebe Leserinnen und Leser,<br/><br/>in Zeiten des Wandels lohnt es sich besonders, über den Tellerrand hinauszublicken. Daher liefert dieser Newsletter viele Eindrücke und Erkenntnisse, die aus der globalen Entwicklung hervorgehen. Los geht es aber mit bedrückenden Studien, die zeigen: Die Klimakrise bereitet uns große Bauchschmerzen – und für Fehlentscheidungen wie den Iran‑Krieg durch Trump haben wir wahrlich keine Zeit mehr.</p><h2>Klimaphysik: Immer heißer, immer schneller, immer weniger „normaler Alltag“</h2><p>Seit 2015 hat sich die <a href="https://www.cleanthinking.de/globale-erwaermung-beschleunigung-pik-studie/">globale Erwärmung deutlich beschleunigt</a> – statt etwa 0,2 Grad pro Jahrzehnt liegen wir inzwischen bei rund 0,4 Grad pro Jahrzehnt. Was lange wie eine abstrakte Zahl wirkte, bedeutet: Wir rasen doppelt so schnell auf kritische Schwellen wie 1,5 Grad zu. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Die neue Temperaturdynamik baut das physikalische Fundament dafür, dass Hitzewellen, Dürren und Extremwetter häufiger und heftiger werden.</mark></p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FBeschleunigung-der-Erderwaermung-PIK-750x430.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=441c49c148e64a1419d97495bb4e9bf0" alt="Beschleunigung der Erderwärmung"/><p><a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-03-10/around-the-world-unbearably-hot-days-are-multiplying?srnd=phx-green">Eine aktuelle Studie in „Environmental Research: Health“ zeigt</a>, was das für unseren Alltag heißt. Die Zahl der Stunden, in denen es weltweit zu heiß für normale Tätigkeiten ist – Hund ausführen, einkaufen, leichte Arbeiten im Freien –, hat sich seit 1950 verdoppelt. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Im Schnitt verlieren Menschen über 65 heute bereits rund einen Monat pro Jahr an „lebbarer“ Zeit draußen, jüngere Erwachsene etwa 50 Stunden</mark>; in Ländern wie Katar ist es für Ältere inzwischen rund ein Drittel des Jahres zu heiß und selbst 18‑ bis 40‑Jährige kommen auf mehr als 800 eingeschränkte Stunden.​</p><p>Parallel dazu rücken natürliche Schwankungen in ein deutlich aufgeheiztes Klima. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Forschende zeigen, dass rund drei Viertel des jüngsten Temperatursprungs auf das Zusammenspiel von Treibhausgasen und dem Übergang von einer außergewöhnlich langen La‑Niña‑Phase zu einem starken El‑Niño‑Ereignis zurückgehen.</mark> NOAA hat deshalb begonnen, seine El‑Niño/La‑Niña‑Definitionen anzupassen, weil die alten Schwellen mit der neuen Hitze nicht mehr Schritt halten – <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">„normal“ liegt inzwischen Jahrzehnte hinter uns.​</mark></p><p><a href="https://www.euronews.com/2026/03/09/dangerous-droughts-triggered-by-heatwaves-are-accelerating-at-an-alarming-rate-study-shows">Eine weitere Studie beleuchtet</a>, wie Hitzewellen und Dürre sich zu gefährlichen Kaskaden verbinden. Hitze‑getriebene „Flash‑Dürre“-Ereignisse haben seit den 1980er‑Jahren stark zugenommen: von etwa 2,5 Prozent der Landfläche pro Jahr auf zuletzt rund 16,7 Prozent, mit einem langjährigen Mittel von knapp 8 Prozent. Besonders seit den 2000er‑Jahren steigt der Anteil rasant – im Gleichschritt mit beschleunigter Arktiserwärmung und Eisschmelze, was Forschende inzwischen als mögliches Anzeichen eines überschrittenen Kipppunkts diskutieren.​</p><h2><strong>Iran‑Krieg, Ölpreis und deutsche Politik in der Zange</strong></h2><p>Mitten in diese physikalische Zuspitzung hinein hat Trump den Krieg gegen den Iran eröffnet – mit unmittelbaren Folgen für Spritpreise, Inflation und deutsche Politik. <a href="https://www.reuters.com/business/energy/oil-falls-over-6-trump-predicts-middle-east-de-escalation-2026-03-10/">Der Ölpreis für Brent sprang zwischenzeitlich auf knapp 120 Dollar je Barrel</a>, zeitweise ein Plus von bis zu 60 Prozent seit Kriegsbeginn; an deutschen Tankstellen kletterten die Preise über die Zwei‑Euro‑Marke. Ökonomische Institute wie ifo und RWI rechnen vor: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Bleibt der Energieschock nur einige Wochen, kostet das rund 0,2 Prozentpunkte Wachstum; hält das hohe Preisniveau an, könnten es bis zu 0,4 Punkte werden – aus einem Mini‑Aufschwung wird fast Stagnation.</mark></p><p><a href="https://www.stern.de/politik/ausland/oelkrise-und-iran--intern-rechnet-die-regierung-mit-dem-schlimmsten-37205548.html">Der „Stern“ berichtet von Krisenrunden</a> im Kanzleramt und im Finanzministerium, die intern mit Szenarien von minus 0,1 bis minus 0,4 Prozentpunkten BIP‑Wachstum jonglieren – je nach Dauer und Härte des Schocks. <strong>Besonders bitter:</strong> Die Merz‑Regierung hatte eine Angebots‑Reformagenda vorbereitet – Senkung der Lohnnebenkosten, Milliarden für marode Infrastruktur, steuerliche Entlastung der Mittelschicht, finanziert über eine moderat höhere Mehrwertsteuer. </p><p>In einem Umfeld, in dem die Inflation Richtung drei Prozent läuft und der Zorn an der Zapfsäule wächst, ist eine Mehrwertsteuererhöhung politisch nicht mehr vermittelbar – die Agenda wird zur Makulatur.</p><p>Für die Industrie ist es die zweite Energiekrise binnen vier Jahren. Energieintensive Betriebe, die den Gaspreisschock 2022 noch nicht verdaut haben, werden erneut getroffen – durch höhere Öl‑ und Gaspreise, neue Lieferkettenprobleme und enorme Unsicherheit. Ja, nach Trumps jüngster Ankündigung einer baldigen Deeskalation ist der Ölpreis auch wieder kräftig gefallen – Reuters berichtet von einem Einbruch um rund 11 Prozent an einem Tag. Aber genau diese Volatilität zeigt, wie sehr unsere Wohlstandsbilanz von geopolitischen Launen und OPEC‑Plus‑Entscheidungen abhängt.</p><h2><strong>Energiekrise vs. Transition: Wallace‑Wells und die „Klimaökonomie“</strong></h2><p><strong>Politisch wirkt vieles nach Rückschritt:</strong> Trump erklärt den Klimaschutz zur Nebensache, hebt die Einstufung von CO₂ als Schadstoff auf, und auch in Europa feiern Gas‑ und Kohlekraftwerke ein Comeback. <a href="https://www.nytimes.com/2026/02/25/opinion/clean-green-energy.html">Doch David Wallace‑Wells erinnert in der „New York Times“ daran</a>, dass die harte Realwirtschaft längst eine andere Geschichte schreibt: 2024 waren weltweit rund 92,5 Prozent der neu installierten Kraftwerksleistung erneuerbar, und zwischen 2025 und 2030 erwartet die Internationale Energieagentur, dass global weiterhin über 90 Prozent aller neuen Kapazitäten grün sein werden.​</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Auch im Verkehr hat die fossile Kurve ihren Peak überschritten. </mark>Weltweit sind die Verkäufe von Verbrenner‑Pkw seit ihrem Höhepunkt vor rund einem Jahrzehnt um mehr als 20 Prozent gefallen, während der Absatz von Elektroautos fast um den Faktor 30 gewachsen ist. 2019 waren nur etwa 3 Prozent der global verkauften Autos elektrisch, 2025 war es bereits etwa ein Viertel – in der EU lag der Anteil von E‑Autos und Hybriden sogar über 50 Prozent, in China überschritten reine E‑Autos die Hälfte der Verkäufe. </p><p>Und dann die Überraschungen am Rand: Nepal kam 2024 auf 76 Prozent E‑Anteil bei Neuwagen, Äthiopien überschritt nach einem Importstopp für Verbrenner ebenfalls die 50‑Prozent‑Marke.​</p><p>Wallace‑Wells spricht deshalb von „<strong>Klimaökonomie</strong>“: billige Solar‑ und Batteriekapazitäten, volatile Fossilpreise, lokale Energiekrisen und geopolitische Risiken treiben Staaten und Unternehmen in Richtung Erneuerbare – selbst dann, wenn die Politik wackelt. Nicholas Stern, einer der Vordenker der Klimadebatte, nennt das „vorsichtigen Optimismus“: Politisch hätten wir Paris heute vielleicht nicht mehr hinbekommen, technologisch standen wir aber nie besser da. </p><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Die unbequeme Wahrheit ist: Jede neue Klimastudie macht die Lage physikalisch düsterer – jede neue Statistik zur Energieinfrastruktur macht den Strukturwandel sichtbarer.​</mark></p><h2><strong>Tiefe Geothermie: Ruhe im Heizungskeller statt Drama an der Zapfsäule</strong></h2><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Genau hier setzt eine deutsche Technologie an, die viel zu selten Schlagzeilen macht:</mark> die tiefe Geothermie. <a href="https://www.ingenieur.de/fachmedien/vdi-energie-umwelt/energie-vdi-energie-umwelt/erneuerbare-energien/projektlandkarte-zeigt-erdwaermeausbaudynamik/">Laut Bundesverband Geothermie</a> sind derzeit 45 Anlagen in Betrieb, so viele wie nie zuvor – 43 liefern primär Wärme in kommunale und regionale Netze, 12 erzeugen zusätzlich Strom, meist in Kraft‑Wärme‑Kopplung. Weitere 18 Anlagen befinden sich im Bau, und bemerkenswerte 178 Projekte sind in Planung; die Zahl der Aufsuchungserlaubnisse hat sich 2024 nahezu verdoppelt, von 82 auf 155.​</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fc02.purpledshub.com%2Fuploads%2Fsites%2F97%2F2026%2F03%2F2026_BVG-TG-Poster-digital.jpg.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=03a2cab5a0dcd556cfdc9d6740570eca" alt=""/><p>Die installierte Wärmeleistung summiert sich aktuell auf 442 MW, die jährliche Wärmeerzeugung auf etwa 1,8 TWh. Mittelfristig hält der Verband 10 TWh im Jahr für erreichbar und sieht perspektivisch das Potenzial, mindestens ein Viertel des deutschen Wärme‑ und Kältebedarfs mit tiefer Geothermie zu decken. Der Charme liegt auf der Hand: Grundlastfähig, witterungsunabhängig, lokal – ohne Importabhängigkeit, ohne Hormus‑ oder Russlandrisiko, dafür kompatibel mit bestehenden Fernwärmenetzen.​</p><p>Politisch unterstützt werden die Projekte durch das Geothermiebeschleunigungsgesetz und einen neuen <strong>„Förderkredit Tiefengeothermie“ von KfW und Munich Re</strong>, der vor allem das Fündigkeitsrisiko abfedern soll. Der Verband rechnet bei entsprechendem Ausbau mit bis zu 24.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen entlang der Wertschöpfungskette, der Vermeidung von rund 34 Mio. Tonnen CO₂ und Einsparungen von bis zu 9 Mrd. Euro an fossilen Importen. Während also der Ölpreis auf Trumps Wort hin Achterbahn fährt, entsteht unter unseren Füßen eine Wärmeinfrastruktur, die genau diese Nervosität überflüssig machen könnte.​</p><h2><strong>AI zwischen Müllberg und Batteriesprung</strong></h2><p>KI sorgt dieser Tage für Schlagzeilen – oft als Stromfresser der Zukunft. Aber sie kann auch helfen, Ressourcen effizienter zu nutzen. <a href="https://qz.com/recycling-industry-cameras-robots-garbage-data">In der Recyclingbranche werden zunehmend KI‑gestützte Kameras und Roboterarme eingesetzt</a>, um Wertstoffe in gemischten Abfallströmen zu identifizieren und zu sortieren. Große Player wie Waste Management und spezialisierte Firmen wie AMP bauen Anlagen, die unsortierten Restmüll verarbeiten, Wertstoffe herausziehen und organische Fraktionen beispielsweise zu Biochar für CO₂‑Zertifikate umwandeln – ein Ansatz, der ganze Städte unabhängig davon macht, wie gut Bürger:innen ihren Müll trennen.​</p><p><strong>Bei Elektro‑Altgeräten experimentieren Startups mit „generalized disassembly intelligence“</strong>: Roboter, die mithilfe von Computer Vision Schrauben an Flachbildschirmen oder Smartphones finden, entfernen und gezielt an hochwertige Komponenten wie Leiterplatten mit Gold, Kupfer und Palladium herankommen. Ähnliches passiert im Textilbereich, wo KI‑Sortieranlagen Kleidung nach Fasertyp, Zustand und Wiederverwendungspotenzial klassifizieren, um hochwertige Secondhand‑Ware von Stoffen für chemisches Recycling zu trennen. Noch hakt es am Markt – recycelte Materialien sind oft teurer als Neuware, und ohne klare Regulierung fehlen Abnehmer –, aber die Werkzeuge sind da.​</p><p>Und ja: AI erhöht selbst den Strombedarf, vor allem durch Rechenzentren. Doch genau hier zeigt sich erneut, wie Klimaphysik und Klimaökonomie zusammenlaufen. <a href="https://www.ft.com/content/3fdcf8e8-5eb5-4403-9b26-cb8191f8b6ff">Der chinesische Batterieriese CATL hat seinen Nettogewinn 2025</a> um 42 Prozent auf 72,2 Mrd. RMB gesteigert – angetrieben nicht nur vom E‑Auto‑Boom, sondern zunehmend von Batteriespeichern für Stromnetze und AI‑Rechenzentren. Die <strong>Umsätze im Bereich Energiespeicher wuchsen kräftig</strong>, insbesondere in Überseemärkten, in denen der Energiebedarf von Datenzentren steigt und flexible Regelkapazitäten gesucht werden.​</p><p>CATL geht von jährlichen Wachstumsraten der Branche von 20 bis 30 Prozent in den nächsten fünf Jahren aus und investiert in neue Fabriken in Deutschland, Ungarn, Indonesien und Spanien; Analysten sehen besonders große Sprünge bei Speicherbatterien. Dasselbe AI‑System, das Rohstoffe effizienter sortiert, sorgt also gleichzeitig für Nachfrage nach Speichern und Netzausbau – und beschleunigt damit indirekt die Dekarbonisierung des Stromsystems.​</p><hr aria-hidden="true"/><p>Wenn man all das zusammennimmt, entsteht ein widersprüchliches Bild – aber auch eine klare Richtung. Die Klimawissenschaft schreit Alarm: mehr Hitze, mehr Dürre, weniger Lebenszeit im „Normalzustand“. Die Geopolitik stolpert weiter durch fossile Kriege und Preisschocks. Katherina Reiche baut trotzdem Gaskraftwerke, die <a href="https://www.cleanthinking.de/kosten-gaskraftwerk-vs-batteriespeicher/">teuer</a> und <a href="https://www.cleanthinking.de/gaskraftwerke-kosten-67-cent-studie/">problematisch</a> sind. Gleichzeitig baut die Welt leise an einer neuen Infrastruktur: mehr Erneuerbare, mehr Speicher, mehr Geothermie, mehr Kreislaufwirtschaft.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob die Transition stattfindet – sie läuft. Die Frage ist, ob sie schnell genug wird, um der Physik davonzulaufen.</mark></p><p>In diesem Sinne,</p><p>ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FBeschleunigung-der-Erderwaermung-PIK-750x430.webp?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg&amp;s=bf4a70f410a36a3dd5406e65a83e3615" medium="image"/>
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      <pubDate>Tue, 10 Mar 2026 16:16:41 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Fossile oder Zukunft: Warum Merz, Reiche und Spahn es übertrieben]]></title>
      <description><![CDATA[Warum Heizungsgesetz, Netzpaket und Co. breiten gesellschaftlichen Widerstand erzeugen. Nicht nur wegen dem Iran-Krieg. Der fossile Backlash wandelt die Stimmung im Land.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Entweder Fossile oder Zukunft: Warum Merz, Reiche und Spahn es übertrieben haben</h1><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/124da064-91b8-4129-a499-0897364ecd67/uploads/images/kfqhyeojpa/federico-beccari-ahi73ZN5P0Y-unsplash.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Foto von Federico Beccari auf Unsplash"/><figcaption>Foto von Federico Beccari auf Unsplash</figcaption></figure><h2>Wie eine breite &amp; überparteiliche Allianz den fossilen Rollback stoppt</h2><p>Heute wird in Baden-Württemberg der neue Landtag gewählt. Die Umfragen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Grünen, beide liegen laut Forschungsgruppen Wahlen bei 28 Prozent. Beinahe unabhängig davon, ob am Ende Manuel Hagel (CDU) oder Cem Özdemir (Grüne) vorne liegen wird: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Dass es überhaupt noch einmal so eng werden konnte, ist eine klare Zäsur in der politischen Landschaft in Deutschland.</mark></p><p>Campact-Chef Christoph Bautz vergleicht die aktuelle Stimmung mit dem gesellschaftlichen Aufbruch nach Fukushima vor 15 Jahren. Damals wurde Winfried Kretschmann als erster und bisher einziger grüner Ministerpräsident ins Amt gespült — obwohl Angela Merkel panisch den Atomausstieg beschloss. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Es war eine breite, gesellschaftliche Allianz, die sich für den Atomausstieg stark machte.</mark></p><p>Die Parallele ist frappierend: Wieder gibt es einen externen Schock — diesmal den Iran-Krieg und explodierende Öl- und Gaspreise. Wieder versagt eine CDU-geführte Bundesregierung beim Schutz vor fossilen Abhängigkeiten. Erneuerbare, Heizungen, Klimaneutralität: Schwarz-rot sägt an jahrzehntelangen Errungenschaften, auf die Millionen Menschen, Institutionen und auch viele Parteimitglieder zu Recht stolz sind.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Und wieder formiert sich Widerstand, der weit über die üblichen Verdächtigen hinausgeht. Merz, Spahn und Reiche haben übertrieben.</mark></p><h2>Die Fassungslosigkeit wächst — in alle Richtungen</h2><p>Etwas ist anders geworden in diesem Frühjahr 2026. Die Menschen in Deutschland sind zunehmend fassungslos über eine Regierung, die den fossilen Rollback zum Programm erklärt hat. Katherina Reiche, die Wirtschaftsministerin, die bei Westenergie als &quot;Gas-Kathi&quot; bekannt war, bevor sie ins Kabinett wechselte, <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">demontiert systematisch die Energiewende.</mark> Jens Spahn erklärt die <strong>&quot;Freiheit im Heizungskeller&quot;</strong> für wiederhergestellt. Friedrich Merz schwärmt vom “hocheffizienten Verbrenner”, der mit Methanol betrieben wird (und CO2 ausstößt).</p><p>Hans Well <a href="https://www.sueddeutsche.de/meinung/merz-reiche-energiewende-gas-habeck-kommentar-li.3397098?reduced=true">schrieb diese Woche in der Süddeutschen Zeitung</a>: <em>&quot;Merz und Reiche: Das ist das Klima-Albtraumpaar.&quot;</em> Well ist kein grüner Aktivist — er ist ein bayerischer Kabarettist, tief verwurzelt im Konservativen. Wenn er schreibt, dass <em>&quot;die Bürger in diesem Land kein Zurück zu fossilen Energien wollen&quot;</em> und Reiche den <em>&quot;fossilen Energieputsch&quot;</em> betreibe, dann spricht da nicht die linke Blase. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Dann spricht die Mitte.</mark></p><p>Sogar die <a href="https://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung.html#topPosition"><em>Bayerische Staatszeitung wetterte</em></a>: <em>„Zurück in die Fossilwelt!“</em>. Reiche wolle den <em>„fossilen Energieputsch, die Vollendung ihrer Ökoenergiezerstörungspläne.“</em></p><p>Und es hört nicht bei den Medien auf. Das Handelsblatt — wahrlich kein Greenpeace-Organ — nannte Reiches <a href="https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-katherina-reiches-bekenntnis-zu-den-klimazielen-ist-laecherlich/100203407.html">Bekenntnis zu den Klimazielen &quot;lächerlich.&quot;</a> Der Expertenrat für Klimafragen prognostiziert, dass Merz als <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/klimaschutz-friedrich-merz-und-seine-regierung-bremsen-fortschritte-bei-klimazielen-aus-a-8fcf6bad-371f-4a82-8ba5-9df640889e5e">erster Kanzler seit Jahrzehnten</a> den Klimaschutz aktiv abbauen wird. Merz vergisst die Tradition von Kohl über Umweltminister Töpfer bis zu Angela Merkel. Heizungsbauer sind sauer, dass Eon wieder &quot;Reiche-Beute&quot; macht, wie Well es formulierte.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Und selbst konservative Energiewende-Fans in der Union sind brüskiert — sie wissen, dass Solar- und Windstrom mit fünf Cent pro Kilowattstunde konkurrenzlos günstig produziert wird.</mark></p><h2>Die Widersprüche werden unerträglich</h2><p>Was <strong>Merz</strong>, <strong>Spahn </strong>und <strong>Reiche </strong>treiben, ist <strong>voller Widersprüche</strong> — und die Menschen spüren das. Keine Bevormundung im Heizungskeller, ruft die CDU. Aber den Bürgern vorschreiben, wie sie ihr Geld aufteilen sollen — <a href="https://www.wiwo.de/politik/deutschland/friedrich-merz-50-euro-im-monat-kanzler-ruft-zum-sparen-fuer-das-alter-auf/100206313.html">50 Euro im Monat für die Altersvorsorge</a> — das geht dann schon. Freiheit für Konzerne, Disziplin für Normalverdiener.</p><p>Reiche beteuert, zum 80-Prozent-Ausbauziel von Ökostrom bis 2030 zu stehen. <a href="https://www.cleanthinking.de/netzpaket-3-aenderungen-energiewende-folgen/">Gleichzeitig blockiert sie mit ihrem Netzpaket den vorrangigen Netzzugang für Ökostrom</a> — den Anker, auf den sich die Branche 35 Jahre lang verlassen konnte. Was sie als &quot;Systemverantwortung&quot; beschönigt, nennen Energiefachleute eine systematische Zerstörung der Energiewende oder befürchten nach der Altmaier-Delle nun den tiefen <a href="https://www.cleanthinking.de/reiche-schlucht-eeg-novelle-27-solarhandwerk/">Fall des Solarhandwerks in die Reiche-Schlucht</a>.</p><p>Denn mit der EEG-Novelle 2026 plant sie das nächste Kapitel: ein zehnjähriges Ökostrom-Moratorium, das den Solar- und Windkraftausbau entschleunigt und dem Solarhandwerk die Existenzgrundlage entzieht. Schon als Parlamentarische Staatssekretärin wickelte Reiche von 2009 bis 2013 zusammen mit Altmaier die deutsche Solarindustrie ab. China bedankte sich. Jetzt wiederholt sie es — in einer Welt, die noch gefährlicher geworden ist.</p><h3>Parteisoldaten der CDU verteidigen die Rückwärts-Politik</h3><p>Es gibt sie noch, die CDU-Abgeordneten, die die Politik von Merz, Söder, Spahn und Reiche verteidigen. <strong>Sepp Müller</strong> ist so einer. Der Bundestagsabgeordnete aus Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt hat <a href="https://www.facebook.com/share/v/1FCHvTUxdw/">im Bundestag gerade erklärt</a>, die Koalition werde mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz <em>&quot;die Klimaschutzziele übererfüllen.&quot;</em> Auf Twitter legte er nach: Habecks Ansatz sei <em>&quot;krachend gescheitert.&quot;</em> </p><p>Schauen wir uns Müllers eigene Zahlen an. In seiner Bundestagsrede rechnet er vor: Deutschland hat einen Wärmebedarf im Gebäudebestand von 245 Terawattstunden. Das Biomasse-Potenzial, auf das die Koalition setzt: 21 bis 30 Terawattstunden. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Das sind 8 bis 12 Prozent des Bedarfs. </mark>Mit einem Achtel will er die Klimaschutzziele &quot;übererfüllen.&quot; </p><p>In derselben Rede sagt Müller wörtlich: Die Wärmepumpe sei <em>&quot;die energieeffizienteste Methode, um Gebäude zu heizen&quot;</em>, weil eine Energieeinheit vier Wärmeeinheiten schafft. Er kennt die überlegene Technologie — und argumentiert im selben Atemzug dafür, dass Menschen weiter unbegrenzt Öl- und Gasheizungen einbauen dürfen. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Die bessere Lösung kennen, die schlechtere bewerben und das &quot;Akzeptanz&quot; nennen: Das ist die Energiepolitik dieser Koalition in einem Satz.</mark></p><p><a href="https://www.zeit.de/2026/11/heizungsgesetz-reform-sepp-mueller-cdu-klima-luisa-neubauer">Im ZEIT-Interview wird es dann richtig entlarvend.</a> Luisa Neubauer fragt: Was passiert mit den Leuten, die sich jetzt eine Gasheizung einbauen, wenn ab 2028 der europäische Emissionshandel auf den Gebäudesektor ausgeweitet wird und die Kosten steigen? Müllers Antwort: <em>&quot;Sie müssen mit den Konsequenzen ihrer Entscheidung leben.&quot;</em> Da ist sie wieder, die Freiheitsrhetorik dieser Koalition: Freiheit im Heizungskeller predigen, das Risiko auf die Bürger abwälzen, und wenn es teuer wird — Pech gehabt. Das ist keine Freiheit. Das ist organisierte Verantwortungslosigkeit.</p><p>Neubauer kontert Müllers Arbeitsplatz-Argument präzise: <em>&quot;Sollen wir darüber reden, dass Ihre Wirtschaftsministerin Hunderttausende Jobs in der Branche der erneuerbaren Energien gefährdet, weil sie die Energiewende zurückdreht?&quot;</em> Über die SPD sagt sie: <em>&quot;Die SPD spielt wirklich eine absolut enttäuschende Rolle. Sie hat sich klein machen lassen.&quot;</em> Und über Müllers Biogas-Versprechen: <em>&quot;Es gibt diese Brennstoffe einfach nicht in den Mengen. Sie führen die Menschen auf eine falsche Fährte.&quot;</em></p><p>Und was macht Müller? Er beschuldigt Neubauer, <em>&quot;dem Klimaschutz schweren Schaden zugefügt&quot;</em> zu haben. Die Aktivistin ist schuld. Nicht die Regierung, die die Energiewende zurückdreht. Nicht die Wirtschaftsministerin, die bei Westenergie als &quot;Gas-Kathi&quot; bekannt war. Nicht der Kanzler, der den Menschen 50-Euro-Spartipps gibt. Nein — Luisa Neubauer.</p><p>Neubauers Antwort darauf verdient es, in voller Länge gelesen zu werden: <em>&quot;Wir brauchen die Konservativen für den Klimaschutz. Ohne sie geht es nicht.&quot;</em></p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Das ist der Unterschied. Müller zeigt mit dem Finger. Neubauer streckt die Hand aus. Wer spaltet hier eigentlich, und wer eint?</mark></p><h2>Aber etwas kippt gerade</h2><p>Iran-Krieg. Explodierende Tankstellenpreise. Ein zaghafter Börsencrash. Gasspeicher, die so leer sind, dass das Befüllen für den kommenden Winter <a href="https://www.cleanthinking.de/kosten-gaskraftwerk-vs-batteriespeicher/">im fossilen Casino</a> schwierig bis teuer wird — in Kriegszeiten. Und ein März in Deutschland mit 6 bis 10 Grad Abweichung zum langjährigen Mittel. Am Niederrhein gibt es bereits Vegetationssignale über 200 — die Landwirte können am 6. März mit der Saat beginnen. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Das ist nicht normal. Das spürt jeder, der vor die Tür geht.</mark></p><p>Die Realität holt die Ideologie ein. Und die Menschen reagieren — nicht mit Resignation, sondern mit Handeln. Balkonkraftwerke boomen so stark, dass selbst die <a href="https://www.nytimes.com/2024/07/29/business/germany-solar-panels-climate-change.html">New York Times</a> und <a href="https://www.theguardian.com/environment/2024/dec/18/if-a-million-germans-have-them-there-must-be-something-in-it-how-balcony-solar-is-taking-off">The Guardian</a> darüber berichten. Die installierte PV-Leistung in Deutschland wuchs 2025 um 17 Prozent auf fast 120 Gigawatt. 55,1 Prozent des deutschen Stroms kamen im vergangenen Jahr aus erneuerbaren Quellen — trotz einem historisch windschwachen Frühjahr und extremer Trockenheit.</p><blockquote><p>Luisa Neubauer hat es diese Woche vor dem Kanzleramt bei einer ersten Protestkundgebung von Fridays for Future in Worte gefasst, die den Kern treffen: &quot;Die Bundesregierung unterschätzt massivst, wie viel Stolz berechtigterweise Menschen aus der wirklich handgemachten Energiewende ziehen. Wie viel das Menschen gibt zu wissen: Nee, meine Energie, das ist Wind und Sonne und das haben wir selbst erkämpft und umgesetzt.&quot;</p></blockquote><a href="https://www.youtube.com/watch?v=5nLlpax-YgQ">https://www.youtube.com/watch?v=5nLlpax-YgQ</a><p>Es ist wohltuend, sich von all dem Alltagsstress zu erholen, indem man eigene Tomaten anpflanzt oder sich um die eigene PV-Anlage kümmert. Es gibt Selbstwirksamkeit in einer Zeit, in der einem sonst alles aus den Händen gleitet. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die Energiewende ist für Millionen Menschen kein politisches Projekt mehr — sie ist Lebensgefühl.</mark> Und Reiche greift nicht nur eine Technologie an. Sie greift dieses Lebensgefühl an.</p><h2>Dienstag vor dem Kanzleramt</h2><p>Am letzten Dienstag, dem 3. März, standen rund 400 Menschen vor dem Kanzleramt in Berlin. Spontan aufgerufen, an einem Werktag, mitten in der Woche. Luisa Neubauer hielt eine Rede, die keine Klimaschutzrede war. Sie war eine Demokratie-Rede.</p><p><em>&quot;Dieses Gesetz, diese Vorhaben und grundsätzlich der Abbau der Energiewende — das ist nicht deshalb undemokratisch, weil man einseitig auf Wirtschaftsinteressen hört. Es ist undemokratisch, weil man klare demokratische Pflichten kalkuliert vernachlässigt.&quot; </em>Neubauer zog die Parallele zu den USA: <em>&quot;Wer einmal anfängt, demokratische und verfassungsgemäße Pflichten zu relativieren, begibt sich auf Wege, auf die man sich nicht begeben möchte. Wir sehen doch weltweit, allen voran in den USA, wie das im schlimmsten Falle aussieht.&quot;</em></p><p>Und dann der Appell, der nachhallte: <em>&quot;Wir haben von unseren Großeltern und Eltern gelernt, wie es aussehen kann im allerbesten Falle, wenn man das Beste zusammenholt, was eine Demokratie zu bieten hat. Innovation, Wirtschaft, Gesellschaft, demokratisches Organisieren, die Genossenschaften, das Gemeinsame, das Vorangehen, das Pionierhafte, das sich Wehren gegen die fossilen Konzerne, das Durchziehen in den harten Zeiten.&quot;</em> </p><p>Ihre Großmutter baute in den 90ern die ersten Photovoltaikanlagen. Die Enkelin verteidigt jetzt das Erbe. Das ist keine Protestbewegung. Das ist eine Generationen-Erzählung.</p><p><em>&quot;Recht haben reicht nicht,&quot;</em> sagte Neubauer. <em>&quot;Es geht um Macht. Wer hat die Macht und wer kann die Macht aufbauen, sich gegen diese Energieabwürgerei zu wehren?&quot; </em>Der Satz, der bleibt: <em>&quot;Entweder Fossile oder Zukunft.&quot;</em></p><h2>Der juristische Schutzwall steht</h2><p>Der Großangriff der Merz-Söder-Union auf die Klimaneutralität 2045 wird aus vielerlei Gründen scheitern. Denn diese ist nicht einfach ein politisches Versprechen, das man nach Belieben kassieren kann. Sie ist in einem vielschichtigen Geflecht verankert: im Bundes-Klimaschutzgesetz, im EU-Klimagesetz mit verbindlichen Sektorzielen, im europäischen Emissionshandel als Marktmechanismus, im Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2021 zur Generationengerechtigkeit und im Pariser Abkommen als völkerrechtliche Verpflichtung.</p><p>Hans Well bringt es in der Süddeutschen auf den Punkt: <em>&quot;Wenn Merz und Reiche so weitermachen, brechen sie die Verfassung. Der Kanzler sollte sich mal fragen, was die Töchter seiner Töchter dazu sagen.&quot;</em> Anderswo ist zu lesen, Merz begehe “Verfassungsbruch mit Ansage.” Damit handelt er de facto wie Trump.</p><p>Aber anders als Trump hat Merz ein Problem: Die EU. Selbst als Reiche 20 Gigawatt Gaskraftwerke bauen wollte, genehmigte ihr die EU-Kommission nur etwa zehn — genau so viel wie zuvor von Habeck beantragt. Nur die EU-Regeln bewahrten Reiche davor, wie Well schreibt,<em> &quot;zur Vollgas-Kathi zu werden.&quot;</em> Das europäische Recht ist ein Schutzwall, den diese Regierung nicht einfach schleifen kann.</p><h2>Der Widerstand formiert sich — breit und überparteilich</h2><p>Die Frage ist nicht mehr, ob Widerstand kommt. Er ist da. Am 14. Februar legte Campact ein Rotorblatt eines Windrads vor Reiches Ministerium ab — die <em>&quot;Schrottplatz der Energiewende&quot;</em>-Aktion ging durch alle Medien. Fast 200.000 Menschen unterzeichneten den Campact-Appell gegen Reiches fossile Pläne. Am Dienstag standen spontan 400 Menschen vor dem Kanzleramt. Für die Wochen nach Ostern werden Großdemos vorbereitet.</p><p>Bautz erklärte vorgestern bei Europe Calling : <em>&quot;Die Bundesregierung muss jetzt den Plänen von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die Energiewende auszubremsen, eine klare Absage erteilen. Der Iran-Krieg zeigt eindrucksvoll unsere Abhängigkeit von Öl und Gas — und wie wir uns dadurch gegenüber autoritären Regimen erpressbar machen.&quot;</em></p><p>Aber der Widerstand kommt längst nicht nur von der Straße. Über 1.700 Unternehmen haben innerhalb kürzester Zeit einen <a href="https://www.n-tv.de/politik/Mehr-als-1700-Firmen-kritisieren-Energiepolitik-des-Bundes-id30442879.html">Appell gegen Reiches Energiepolitik unterzeichnet</a> — darunter nicht nur Solarfirmen und Windparkbetreiber, sondern auch Architekturbüros, Beratungsunternehmen, Arztpraxen, Werbeagenturen, Tourismusanbieter.<mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit"> Die Breite ist das Signal: Das sind keine Branchenlobbyisten, das ist der Mittelstand, der um seine Zukunft bangt. </mark></p><p>Das ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus zeigte am Mittwoch Unternehmen, die sich längst für Elektrifizierung und Erneuerbare entschieden haben: </p><a href="https://www.ardmediathek.de/video/plusminus/plusminus-vom-4-maerz-2026/das-erste/Y3JpZDovL2FyZC5kZS9wbGFuQVJEXzZiMThhYTMyLTA3YTktNDJhOC1iZGYyLWQwMDYzNWQ2ZTlhZl9nYW56ZVNlbmR1bmc">https://www.ardmediathek.de/video/plusminus/plusminus-vom-4-maerz-2026/das-erste/Y3JpZDovL2FyZC5kZS9wbGFuQVJEXzZiMThhYTMyLTA3YTktNDJhOC1iZGYyLWQwMDYzNWQ2ZTlhZl9nYW56ZVNlbmR1bmc</a><p>Sieben Landesenergieminister — von Baden-Württemberg über Nordrhein-Westfalen bis Schleswig-Holstein — haben in einem offenen Brief an Reiche gefordert, die Gesetzesentwürfe zu korrigieren. Über 800.000 Menschen haben bei Campact oder den Grünen Petitionen gegen Reiches Energiepolitik unterschrieben.</p><h3>Widerstand wächst. </h3><p>Er kommt aus den Redaktionen: Süddeutsche, Capital, Stern, Handelsblatt, Bayerische Staatszeitung. </p><p>Er kommt aus der Wirtschaft: Audi-Chef Döllner erklärte Elektroautos für überlegen, Volvo widersprach der Union beim Verbrenner-Aus. Windkraftpionier Johannes Lackmann schrieb einen offenen Brief an Eon-Chef Birnbaum: <em>&quot;Wenn man seine frühere Mitarbeiterin erfolgreich als Wirtschaftsministerin platziert hat, fällt es natürlich erstmal leicht, unverschämte Forderungen in den Raum zu stellen.&quot;</em> </p><p>Er kommt aus der Wissenschaft: Claudia Kemfert vom DIW belegt, dass jeder in den Klimaschutz investierte Euro einen Nutzen von 1,8 bis 4,8 Euro schafft. </p><p>Und er kommt aus den Regierungsparteien selbst: Juso-Chef Türmer kritisiert das neue Heizungsgesetz — obwohl seine Partei zugestimmt hat. Selbst die energiepolitische Sprecherin der SPD wies Reiches EEG-Vorstoß als &quot;nicht akzeptabel&quot; zurück.<mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit"> An der CDU-Basis und tief verankert in der SPD gibt es eine Wut und Ungläubigkeit darüber, wie der fossile Rollback durch Merz, Spahn und Reiche durchgesetzt wird.</mark></p><h2>Baden-Württemberg: Die besseren Konservativen</h2><p>Heute können die Wählerinnen und Wähler in Baden-Württemberg zeigen, dass es einen anderen Weg gibt. Die Grünen in <strong>The Länd</strong> sind seit 15 Jahren das, was Konservative eigentlich sein sollten: Sie bewahren und modernisieren, ohne zu zerstören. Sie verstehen den Ausgleich zwischen Ökologie und Ökonomie, zwischen Bewahrung und Zukunft. Das, was Friedrich Merz teilweise und zaghaft mit Rhetorik versucht, aber Katherina Reiche mit großer Dynamik zerstört, machen die Grünen in Baden-Württemberg seit anderthalb Jahrzehnten.</p><p>Baden-Württemberg steht nicht perfekt da — die Abhängigkeit von der Autoindustrie ist ein Risiko. Aber es steht besser da als fast alle anderen Bundesländer. Und der Merz-nahe Hagel-Kurs, der Kulturkampf gegen alles Grüne, hat an seine Grenzen gestoßen. Die Menschen in The Länd haben dafür ein feines Näsle: Sie wollen Pragmatismus, keine Ideologie. Sie wollen Zukunft, nicht Nostalgie. Und sie wollen jemanden, der ihre handgemachte Energiewende schützt, nicht jemanden, der sie auf den Schrottplatz wirft.</p><h2>Neue Allianzen damit die Energiewende eine Energiewende der Bürger bleibt</h2><p>Luisa Neubauer sagte vor dem Kanzleramt: <em>&quot;Lasst uns am Start sein — mit den besseren Argumenten, aber vor allem mit den besseren Lösungen, mit dem Solidarischen, mit dem Selbstmachen, mit dem Anpacken, mit dem sich gegenseitig Aufrütteln, mit den ganz kleinen Orten und in riesengroßen Massen.&quot;</em></p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Neubauer streckt die Hand aus. Sie sagt: Wir brauchen die Konservativen. Ohne sie geht es nicht. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen von Stärke. Es zeigt: Hier wird nicht gespalten. Hier wird eingeladen.</mark></p><p>Cleanthinking schließt sich dem an. Diese Plattform ist offen für Akteure aus allen (demokratischen) Parteien, aus der Wirtschaft, aus der Zivilgesellschaft, die eine bessere Zukunft bauen wollen. </p><blockquote><p>Oder wie es Cem Özdemir ausdrückt: “Eine Idee ist nicht per se schlecht, weil sie von einer anderen politischen Partei oder gar keiner Partei kommt.” Das, was an der Merz-Politik abstößt und empört ist, dass nicht mehr um die besten Lösungen gerungen wird, sondern die Ziele in Frage gestellt werden. </p></blockquote><p>Es ist Zeit, dass wir uns nicht mehr von einer Politik aufhalten lassen, die die Zukunft in der Vergangenheit sucht. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Es ist Zeit für neue Allianzen damit die Energiewende eine Energiewende der Bürger bleibt.</mark> Die Energiewende war immer eine Bürgerbewegung. Sie war immer überparteilich. Und sie war immer stärker als diejenigen, die sie stoppen wollten.</p><p>Heute Abend Baden-Württemberg. Demnächst Rheinland-Pfalz, Bayern und Hessen. Danach der Rest. Die Zahl der Akteure, die eine #saubereZukunft statt #fossilerPanik wollen, ist groß. Millionen Menschen sind begeisterte Prosumer (so wie ich selbst), lieben ihre Balkonkraftwerke oder fahren begeistert Elektroauto. </p><p>Es ist der Stolz dieser Menschen, den die Merz-CDU unterschätzt. Sie glaubt mutmaßlich, es reiche aus, die SPD beim eigenen Weg “ins Boot zu holen” - doch dabei vergisst sie nicht nur die eigene Basis, sondern auch die des Koalitionspartners. Das Grummeln und Murren aus den einst dominierenden Volksparteien ist laut vernehmlich. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Der Aufschrei steht unmittelbar bevor. </mark></p><p>In diesem Sinne wünsche ich einen spannenden Wahlabend - und viel Erfolg beim Schmieden neuer Allianzen im Sinne unserer Zukunft!<br/><br/>Ihr Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 08 Mar 2026 10:30:53 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Warum wir an der Zapfsäule für verpasste E-Autos zahlen]]></title>
      <description><![CDATA[Benzin und Diesel haben die Marke von zwei Euro längst gerissen, die Tendenz zeigt im März 2026 steil nach oben. Dieser Artikel beleuchtet einen weit verbreiteten Irrtum.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Die Quittung für das Zögern: Warum wir an der Zapfsäule für verpasste E-Autos zahlen</h1><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6cfb5eff-da41-48f2-aee6-eb2396a18a71/uploads/images/55njsgdgqn/engin-akyurt-f4UbPVbJcjw-unsplash.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Foto von engin akyurt auf Unsplash"/><figcaption>Foto von engin akyurt auf Unsplash</figcaption></figure><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>Benzin und Diesel haben die Marke von zwei Euro längst gerissen, die Tendenz zeigt im März 2026 steil nach oben. Während die Bundesregierung den Ölkonzernen „<strong>Abzocke</strong>“ vorwirft und Wirtschaftsministerin <strong>Katherina Reiche</strong> (CDU) kartellrechtliche Prüfungen ankündigt, wird eines übersehen: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Wir erleben gerade das teure Scheitern einer Politik, die den Schutz des Verbrenners über die Unabhängigkeit der Bürger gestellt hat.</mark></p><h3>Das Ablenkungsmanöver „Abzocke“</h3><p>Es ist ein bekanntes Muster: Wenn die Preise steigen, sucht die Politik Sündenböcke. Doch wie schon Justus Haucap feststellte, ist das Problem nicht illegale Absprache, sondern die schiere Marktmacht der „Big Five“. Dass Konzerne bei drohender Knappheit – verschärft durch den Konflikt im Iran – die Preise präventiv erhöhen, ist kein „Fehler im System“, sondern dessen logische Konsequenz.</p><p>Die Rufe nach einem <strong>erneuten Tankrabatt</strong> oder einer <strong>Aussetzung der CO₂-Steuer</strong>, wie sie von der Opposition und Teilen der Union kommen, greifen zu kurz. Solche <strong>Geschenke </strong>würden Milliarden kosten, die beim Ausbau der Ladeinfrastruktur fehlen, und am Ende vor allem den Mineralölkonzernen zugutekommen. Das schreibt auch <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-03/benzinpreise-erhoehung-massnahmen-konzerne/komplettansicht">Alan Posener in seiner Analyse</a>.</p><h3>Energiezeitwende als Freiheitsstatue</h3><p>Warum tun wir uns das eigentlich noch an? <a href="https://www.spiegel.de/politik/krieg-ums-oel-friedenschance-durch-erneuerbare-energie-a-c31224ef-48d0-43c0-be7b-f9d0641c2c3a">Ullrich Fichtner hat recht</a>: Die Ära, in der Weltpolitik mit „Öl und Blut“ geschrieben wurde, neigt sich dem Ende zu. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Wir befinden uns in einer historischen Transition.</mark></p><p>Bisher war Energie eine Ressource, die man von fernen Autokraten kaufen musste, geliefert durch hochgradig verwundbare Nadelöhre wie die <a href="https://www.cleanthinking.de/strasse-von-hormus-europas-energiepolitik/">Straße von Hormus</a>. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die Energiewende ist das größte Friedens- und Freiheitsprojekt unserer Zeit.</mark> Denn Sonne und Wind schicken keine Rechnung und führen keine Kriege. Je dezentraler, kleinteiliger und lokaler wir unsere Energie erzeugen, desto weniger sind wir Spielball globaler Preisschocks. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Jedes Elektroauto und jede Wärmepumpe ist ein Stück persönlicher Souveränität.</mark></p><h3>Der Motivationsschub: Hören wir auf zu warten!</h3><p>Die aktuelle Belastung ist der Preis für ausgebliebene Reformen der letzten Jahre. Aber statt im Zorn über die Zapfsäule zu verharren, sollten wir diesen Moment als brutalen, aber notwendigen Weckruf nutzen. Es ist Zeit, das Versäumte nachzuholen – privat wie beruflich:</p><ul><li><p><strong>Privat:</strong> Wer die nächste Gasrechnung oder den nächsten Spritpreis-Schock fürchtet, sollte nicht auf das nächste Entlastungspaket warten. Investitionen in Photovoltaik, Speicher und E-Mobilität sind heute keine „ökologischen Hobbys“ mehr, sondern knallharte ökonomische Selbstverteidigung.</p></li><li><p><strong>Beruflich:</strong> In den Unternehmen müssen wir jetzt die Prozesse umstellen. Die Zeit der billigen fossilen Energie kommt nie wieder zurück. Wer jetzt seine Flotte elektrifiziert und auf Eigenstrom setzt, sichert die Wettbewerbsfähigkeit von morgen.</p></li></ul><p><strong>Die Welt bleibt unsicher.</strong> Niemand kann uns dauerhaft niedrige Ölpreise garantieren. Aber wir können uns entscheiden, nicht länger Teil des Problems zu sein. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Die Technik ist da, die Argumente liegen auf dem Tisch.</mark> Der beste Zeitpunkt, um unabhängig zu werden, war vor fünf Jahren. Der zweitbeste Zeitpunkt ist <strong>jetzt</strong>.</p><p><strong>Was ist ihre Strategie?</strong> Haben Sie den Umstieg bereits gewagt oder planen Sie jetzt den Befreiungsschlag aus der fossilen Abhängigkeit? Schreiben Sie mir Ihre Erfahrungen an <a href="mailto:recherche@cleanthinking.de">recherche@cleanthinking.de</a> - am Besten mit Bildern von Ihnen mit den sauberen Technologien. Danke.</p><p>Viele Abendgrüße,</p><p>Martin Jendrischik</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 05 Mar 2026 18:43:46 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Straße von Hormus ist gesperrt. Europa zahlt die Zeche.]]></title>
      <description><![CDATA[Was bedeutet der Iran-Krieg für Europa? Es gibt treffliche Analysen, die klar zeigen, wie Europa reagieren sollte. Aber Merz fliegt in die USA und duckt sich weg.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/39027b5e-1a87-416e-8747-95a738f1e310/uploads/images/2xifj3mb2e/sajad-nori-rG41gpS2FKI-unsplash.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Foto von Sajad Nori auf Unsplash"/><figcaption>Foto von Sajad Nori auf Unsplash</figcaption></figure><p>Guten Morgen, liebe Cleanthinking-Leserinnen und -Leser,</p><p>vor <a href="https://steady.page/de/cleanthinking/posts/a10a8c67-6f8e-4029-a3f2-e45ca442e2ca">zwei Tagen schrieb ich</a>:</p><blockquote><p>„Wer den Iran angreift, spielt mit dem Nervensystem der fossilen Weltwirtschaft. Das ist kein Nebeneffekt. Das ist der Punkt.“</p></blockquote><p>Damals war das eine Warnung. Heute Morgen ist es bittere Realität. Die Straße von Hormus – Lebensader für 20 Prozent des globalen Öls und Gases – liegt lahm. 150 Tanker ankern vor der Küste, Brent-Öl schießt auf 82 Dollar (plus 10 Prozent), Gaspreise explodieren um 25 Prozent, der DAX taumelt um 1,7 Prozent abwärts. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Europa spürt es zuerst und am härtesten.</mark></p><p>Donald Trump hat Ajatollah Khamenei getötet und eine Region ohne Plan dem Chaos überlassen. <a href="https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/angriff-usa-iran-donald-trump-bundesregierung?freebie=bf5271b3">Wolfgang Bauer nennt es in der ZEIT</a> <em>„ein großes Unrecht“</em> – <strong>völkerrechtswidrig</strong>, <strong>ohne stichhaltige Gründe</strong>, <strong>ohne Aussicht auf Stabilisierung</strong>. Die US-Geheimdienste selbst widersprechen Trumps Raketen-Narrativ. </p><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Und Friedrich Merz? Der Kanzler verurteilt nicht den Angriff, sondern nur Irans Vergeltung. Er duckt sich weg, aus Angst vor Trumps Zollhammer.</mark></p><p>Doch die eigentliche Tragödie liegt tiefer. <a href="https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/januar/abhaengigkeit-als-waffe">Wie Susanne Götze und Annika Joeres in den Blättern analysieren</a>, sitzen wir Europäer in einer Falle, die wir uns selbst gebaut haben:<strong> „Weaponizable dependencies“</strong> – Abhängigkeiten, die als Waffe eingesetzt werden können. 90 Prozent unseres Gas- und Öls kommen aus dem Ausland. Putin drehte den Hahn zu, Katar erpresst mit LNG, Trump handelt 750 Milliarden Euro Gas-Deals aus. </p><p>Die Merz-Regierung pumpt Milliarden in Aufrüstung, schwächt aber den Green Deal und lässt unsere Solarindustrie verrotten. Währenddessen finanzieren wir mit jedem Liter Benzin Kriegsmaschinen – russische, katarische, saudische.</p><h2>Erneuerbare sind keine Klimareligion. Sie sind die einzig rationale Sicherheitspolitik</h2><p>Solarpaneele auf Dächern und Windräder in Wiesen brauchen keine Hormus-Straße, kein LNG aus Krisenherden, kein russisches Gas. Sie sind dezentral, resilient, unangreifbar. Das fränkische Dorf Großbardorf zeigt es vor: Mit Bürgergenossenschaften ersetzt es 400.000 Liter Heizöl jährlich, schüttet Gewinne von 500 bis 4.000 Euro pro Anteil aus und verdreifacht Gewerbesteuern. Während die Welt brennt, wächst dort Wohlstand – fossilfrei.</p><p>Und Katherina Reiche? Sie versucht verzweifelt, ihre vermurksten Gesetze schönzureden. <a href="https://www.facebook.com/reel/955405073687047/?__cft__[0]=AZbAgDFrTgwyoC6xoMbwGS62FDUcvqJ8tWp0Pbj49bhb0Rm33uu3Q9fbvjiEViqzZnSytEepM2Sj8dNCNeKg-D8vrCOVfE5c-DNlnQ_LL87-hs-hjIbAkh2grNv3l39iZN98XwsnLLxIY5JHZddkjkt4BIF5ZUBUD-WsJ1IxilXAXmsfTqb_xxTuewneMwzr5LriQbYKXXiN6s-kKGgtRhXb&amp;__tn__=%2CO%2CP-R">Dieser Interview-Unfall ist bezeichnend</a>.</p><p>Die fossile Panik ist kein Zufall. Sie ist ein System. Trump zündet Bomben, Merz zündet Paragraphen, Europa zahlt die Preise. Aber wir haben die Wahl: <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Entweder wir bleiben Spielfiguren in einem Krieg um fossile Vorräte – oder wir bauen Souveränität auf, Stück für Stück, Modul für Modul, Rotor für Rotor.</mark></p><p>Die Trümmer im Iran liegen nicht nur dort. Sie schlagen morgen an jeder Zapfsäule, jeder Heizkostenabrechnung auf. Zeit, die Energiewende nicht nur zu fordern, sondern zu leben.</p><p>Mit nachdenklichen Grüßen,<br/>Martin Jendrischik<br/><br/><strong>P.S.:</strong> Teilen Sie diesen Newsletter. Der Iran-Krieg ist nicht „irgendwo da draußen“. Er erreicht über den Preis-Hammer jeden von uns.</p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/39027b5e-1a87-416e-8747-95a738f1e310/uploads/images/2xifj3mb2e/sajad-nori-rG41gpS2FKI-unsplash.jpg?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;crop=faces&amp;fm=jpg" medium="image"/>
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      <pubDate>Tue, 03 Mar 2026 06:29:20 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der Iran-Angriff hat nichts mit Energie zu tun? Doch, hat er.]]></title>
      <description><![CDATA[Trump bombardiert den Iran – und zeigt damit die größte Schwäche der fossilen Weltordnung. Warum der Angriff mit Energie zu tun hat. Und was das für Deutschland bedeutet.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Wer glaubt, der Iran-Angriff habe nichts mit Energie zu tun, hat nichts verstanden</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a10a8c67-6f8e-4029-a3f2-e45ca442e2ca/uploads/images/whq7yafuaw/Jens_Spahn.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>Die USA bombardieren den Iran. <strong>Khamenei ist tot.</strong> Trump bricht Völkerrecht, riskiert eine Eskalation mit globalen Folgen – und die Welt hält den Atem an.</p><p><strong>Warum der Iran? Warum jetzt?</strong></p><p>Durch die <strong>Straße von Hormus</strong> laufen 30 % des weltweiten Öl-Tankerverkehrs und bis zu 20 % des globalen LNG-Handels. Wer den Iran angreift, spielt mit dem Nervensystem der fossilen Weltwirtschaft. Das ist kein Nebeneffekt. Das ist der Punkt.</p><p>Und derselbe Donald Trump, der dieses geopolitische Pulverfass gezündet hat, erzählt seinen Wählern, Windräder würden Vögel töten, Elektroautos nicht funktionieren und der Klimawandel sei eine Erfindung. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Er pumpt Milliarden in fossile Infrastruktur, rollt Umweltgesetze zurück und nennt die Energiewende einen „Scam&quot;.</mark></p><p>Das ist kein Widerspruch. Das ist ein System.</p><p><strong>Es heißt: Fossile Panik.</strong></p><p>Fossile Macht erzeugt Abhängigkeiten. Abhängigkeiten erzeugen Konflikte. Konflikte treiben Preise. Und steigende Preise treffen am Ende genau die Menschen, die Trump vorgibt zu schützen – an der Zapfsäule, auf der Heizkostenabrechnung, im Supermarkt.</p><p><a href="https://www.facebook.com/ClaudiaKemfert?__cft__[0]=AZYY0uh_vD77yoUc82-FUw0Lf2LaDwIT2lJE13NfbioCnsZpb1-gm12ICBcqzqV4CxSB24KlpcwpJFx2mrOcN_IDdxgWJCG_Ke6PE1n5ls_fifFpXUBAXpAj0d_i7OVel2hM0sChIzAXjkl7ODMEYU1elcBganLBbhMmFs2CRPBRYi9_rt0ln4omtn_4XHz7kOE&amp;__tn__=-]K-R"><strong>Claudia Kemfert</strong></a> nennt dieses System treffend „<strong>Fossilokratie</strong>&quot;. Wer Energie kontrolliert, kontrolliert Wirtschaft. Wer Energiesysteme beherrscht, bestimmt geopolitische Machtverhältnisse. <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Wer die Energiewende blockiert, entscheidet über die Zukunft des Planeten.</mark></p><figure><a href="https://www.linkedin.com/posts/claudia-kemfert-517598167_energiewende-fossilokratie-kurzschluss-activity-7433560460202889217-tC0r?utm_source=share&amp;utm_medium=member_desktop&amp;rcm=ACoAAAB7EzUBlwQDO0t5n9KivilosEJHDa1DE_c"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a10a8c67-6f8e-4029-a3f2-e45ca442e2ca/uploads/images/vbgvmyz5lt/Kemfert.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Screenshot eines aktuellen Linkedin-Posts von Prof. Claudia Kemfert."/></a><figcaption>Claudia Kemfert heute auf Linkedin zur &quot;Fossilokratie&quot;</figcaption></figure><p>Nicht weil er es kann. Sondern weil er Angst hat, die Kontrolle zu verlieren.</p><p>Und genau diese fossile Panik erleben wir auch in Deutschland. Nicht mit Bomben, aber mit Politik: Ein <strong>Gebäudemodernisierungsgesetz</strong>, das fossile Optionen wieder stärkt. Kürzungen bei der Solarförderung. Ein Diskurs, der die <strong>Energiewende </strong>zum Sündenbock macht für Probleme, die das fossile System selbst verursacht hat.</p><p>Das eigentlich Perfide: Während Trump im Nahen Osten die Risiken fossiler Abhängigkeit in Echtzeit demonstriert, schwächen wir in Deutschland genau die Instrumente, die uns unabhängig machen würden.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Solar und Wind brauchen keine Straße von Hormus. Wärmepumpen brauchen kein LNG aus Krisenzonen. Ein saniertes Haus braucht kein russisches Gas und kein amerikanisches Fracking.</mark></p><p>Erneuerbare Energien sind keine Ideologie. Sie sind <strong>Souveränitätspolitik</strong>, <strong>Sicherheitspolitik</strong>, <strong>Friedenspolitik</strong>.</p><p>Die wirkliche Frage ist nicht, ob wir uns die Energiewende leisten können. Die Frage ist, ob wir es uns leisten können, in einer Welt fossiler Panik weiter von Öl und Gas abhängig zu sein.</p><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Die Antwort liegt gerade in Trümmern im Iran.</mark></p><p>Nachdenkliche Sonntagsgrüße aus Leipzig,</p><p>Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 01 Mar 2026 07:56:06 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Atombombe für die Energiewende”]]></title>
      <description><![CDATA[Katherina Reiche zündet mit dem EEG-Entwurf die nächste Eskalationsstufe. Sie will die Bürger-Energiewende vollständig vernichten. Alle Infos  im Cleanthinking-Beitrag.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/31d38d84-9f1d-4cc0-b2b7-c4dbe1efb62d/uploads/images/zyt4ec5oeo/Katherina-Reiche-zur-Gasversorgung-im-Wirtschaftsausschuss-750x430.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="© Presse- und Informationsamt der Bundesregierung"/><figcaption>© Presse- und Informationsamt der Bundesregierung</figcaption></figure><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><p>eigentlich, wollte ich in diesem Cleanthinking-Newsletter noch einmal zusammenfassen, wie es um die angebliche Gasmangellage steht, die Deutschland in diesem Winter ereilen sollte. Trotz der verkündeten Gewissheit einer Unabwendbarkeit ist die Botschaft eindeutig: <strong>Katherina Reiche hatte mit ihrer Strategie recht</strong> - es wird in diesem Winter, der meteorologisch am Samstag endet, geben. </p><p>Eine Masche der lauten Akteure, die nun eiligst ihre Narrative überdenken müssen: Es wurde behauptet, dass ab 20 Prozent Speicher-Füllstand “normalerweise” eine Gasmangellage ausgerufen werden müsse. Denn ab dieser Schwelle werde es schwieriger, Gas aus den Speichern herauszubekommen, so die Begründung. </p><p>Nur: <strong>Das Ganze ist falsch und lächerlich obendrein</strong>. Denn, wie kann es im Falle unterschiedlicher Speichertypen (Kavernenspeicher vs. Porenspeicher) eine technische oder physikalische Schwelle geben, die von einem Durchschnittswert abhängt? <strong>Das ist komplett unmöglich. </strong></p><p>Obendrein wurden die Fakten bewusst verschleiert: Ja, bei einzelnen Speichern kann es ab 20, 15 oder 10 Prozent Füllstand schwieriger werden, das Gas im gleichen Tempo auszuspeisen - generell kann jeder Speicher aber bis zu einem Füllstand von 0 entladen werden. Denn zusätzlich zu diesem Arbeitsgas gibt es das sogenannte Kissengas, das immer im Speicher verbleibt - und den notwendigen Druck sicherstellt. </p><h2>Katherina Reiches Atombombe auf die Energiewende</h2><p>Die Aktualität hat mich überholt: Heute Abend ist Gesetzentwurf für das Erneuerbare-Energien-Gesetz geleaked worden. Medien wie Handelsblatt und Süddeutsche Zeitung berichten seit 17 Uhr darüber. <a href="https://www.cleanthinking.de/reiche-eeg-entwurf-verguetung-pv-2027/"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Im Cleanthinking-Beitrag</mark></a> sind die wichtigsten Informationen sowie Branchenstimmen zusammengefasst. </p><p>Dazu zählt auch die Stimme von <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Frank Farenski</mark> von <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">“Leben mit der Energiewende”</mark>, der einen Generalangriff auf die Energiewende sieht:</p><blockquote><p>„Der Generalangriff ist komplett: Fossile Gaskraftwerke, AgNes-Papier, Netzpaket, Streichung Einspeisevergütung. Wirklich ein koordinierter Großangriff. Bundesministerin Reiche wirft die Atombombe auf die Energiewende. Wann aber steht die Branche auf und verteidigt die Energiewende, den Klimaschutz und das eigene Geschäftsmodell? </p><p>Ich lese von den zahlreichen Verbänden ab und zu mal eine kritische Pressemitteilung. Damit scheint es dann getan zu sein. Ich frage als Journalist: Wann wehrt sich die Branche wirklich? Offenbar lässt man sich abschlachten. Wer hofft denn, zu überleben?“</p></blockquote><p>Faktisch versucht Katherina Reiche nach dem Ende der 65-Prozent-Regel im künftigen Gebäudemodernisierungsgesetz sowie der Kraftwerksstrategie und dem Netzpaket, die Bürger-Energiewende zu beenden. Das betrifft nach meiner Einschätzung auch quasi sämtliche Geschäftsmodelle, die unter dem Stichwort <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">“Flexibilisierung”</mark> zusammengefasst werden. </p><p>So beispielweise bidirektionales Laden, Energy Sharing oder ganz banal dynamische Stromtarife. Wer braucht noch einen Smart Meter, wenn er angesichts chancenloser Direktvermarktung seines Überschussstroms ohnehin seine Anlage ausschließlich auf Eigenverbrauch optimiert. </p><p><strong>Das Problem:</strong> Alle Energiewende-Szenarien beziehen private PV-Anlagen mit ein. Katherina Reiche, die gerne von RWE, EON oder neuerdings Haus &amp; Grund abschreibt, will das ändern. Ob die SPD erneut einknicken wird, wie beim <strong>Gebäudemodernisierungsgesetz</strong>? </p><p>Insbesondere die Netzbetreiber sollten überlegen, ob sie die Energietransformation wirklich komplett abwürgen wollen. Denn, so Solar-Unternehmer Holger Laudeley, immer mehr Menschen fragen mittlerweile nach Anlagen zur “<strong>Nulleinspeisung</strong>”. Sie nutzen das Netz also nur noch, um daraus Energie zu ziehen, wenn es aus dem Speicher nicht reicht - oder stellen sich gleich ein Mikro-Blockheizkraftwerk als “<strong>Notstromaggregat</strong>” in die Garage. </p><p>Fazit für heute: Katherina Reiche wird mit der <strong>Demontage des Wirtschaftsstandorts Deutschland</strong> nicht durchkommen. Aber sie wird mehrere Bremsen reinhauen, die Branchen wie etwa die des Solarhandwerks erneut schwer belasten werden. Auch Kanzler Merz raunt lieber über hässliche Windräder und philosophiert über nicht existierende Kernfusions-Reaktoren, als sich mit der Wirklichkeit zu befassen. </p><p>Dazu passen die Worte von Jonas Schaible und Markus Becker vom <a href="https://www.facebook.com/derspiegel?__cft__[0]=AZYGAVUT42rv6qZVEvZbzqIqTGfl61XQUoVlhWNCz1gz854D9Gww7T35U9o9O_6Vez8o1YszI4PqUlKB2NKM2IicNd0lPT8pAXdBlSq2dkECVLEkbJZU_iDAvOndRACUYqhGdBFl6V0jJEW0Jg5sPpIg181twcxf_spCI8TRQFTvlOGs_fuU9BrnzBlhs9IAisk&amp;__tn__=-]K-R"><strong>DER SPIEGEL</strong></a>. Die beiden Autoren haben Merz als <strong>&quot;Anti-Klima-Kanzler&quot;</strong> beschrieben. Nicht nur wegen Modernisierungspaket, sondern auch wegen dem Netzpaket und der zu erwartenden Abschwächung des europäischen Emissionshandels ETS I im Sommer. </p><p>Die Autoren sagen klipp und klar: <em>&quot;Wohl zum ersten Mal seit sehr langer Zeit gibt eine Bundesregierung Klimaneutralität faktisch auf, nicht durch Untätigkeit, sondern durch bewusstes Handeln.&quot;</em></p><p>Klar ist, dass es Umweltminister Schneider durch das vermurkste GMG nicht einfacher gemacht wurde, ein adäquates Klimaschutzprogramm bis Ende März zum Fristende vorzulegen. Klappt das nicht, steht eine Klage der Deutschen Umwelthilfe bevor, die sich auf ein <strong>Rückschrittsverbot </strong>aus dem Klimaschutzgesetz berufen würde. </p><p>Die Analyse des Spiegel endet so: &quot;In seinem Klimabeschluss von 2021 hat das Bundesverfassungsgericht sehr klar formuliert, was das Grundgesetz vorschreibt: <em>‘Art. 20a GG verpflichtet den Staat zum Klimaschutz. Dies zielt auch auf die Herstellung von Klimaneutralität.’</em> Die Regierung zielt darauf offensichtlich nicht. </p><p>Und nimmt so in Zukunft eine <strong>Verfassungskrise in Kauf</strong>.&quot;</p><p>Während die ganze Welt den Erneuerbaren-Turbo zündet, hat Deutschland Katherina Reiche. Es ist ein Desaster und wird uns alle extrem teuer zu stehen kommen. Es braucht lauten Widerstand. </p><p>In diesem Sinne,</p><p>Ihr Martin Jendrischik</p><p>P.S.: Ich dürfte gestern Abend bei n-tv ein Live-Interview zum Gebäudemodernisierungsgesetz geben - der Mitschnitt folgt im kommenden Newsletter.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 26 Feb 2026 18:19:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Gas, Gas, Gas]]></title>
      <description><![CDATA[Die Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes sind da. Klimaschutz wird weiter zerstört - die Menschen und die Branchen tief verunsichert. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FGebaeudemodernisierungsgesetz-Spahn-Pressekonferenz-750x430.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=91e46261d4028d86dbd5afd8573189e1" alt="Pressekonferenz Eckpunkte vom Gebäudemodernisierungsgesetz mit Jens Spahn"/><p>Liebe Leserinnen und Leser von Cleanthinking.</p><p>am 25. Juni 2025 trug dieser Cleanthinking-Newsletter den Titel “<strong>Gas, Gas, Gas – Katherina Reiche setzt voll auf Erdgas und ignoriert die Klimakrise</strong>”. Heute, im Februar 2026, ist die Aussage berechtigter als jemals zuvor. Gestern Abend hat die schwarz-rote Koalition die Eckpunkte für das Gebäudemodernisierungsgesetz vorgelegt. Es soll das Gebäudeenergiegesetz ablösen.</p><p>Die geplanten Maßnahmen, die leider auch der erfahrene Umweltpolitiker Matthias Miersch mitträgt, reihen sich ein in die oben skizzierte Strategie von Katherina Reiche. Nach dem verheerenden Zurückdrehen des <strong>Verbrenner-Aus</strong>, nach einer einseitig auf Gaskraftwerke ausgerichteten <strong>Kraftwerksstrategie</strong>, nach der tiefergehenden <strong>Verunsicherung von Solar- und Wind-Branchen</strong> nun also der Schlag gegen die <strong>Wende im Heizungskeller</strong>.</p><p>Die Kurzform ist: Die <strong>65-Prozent-Regel</strong> (65 Prozent Anteil erneuerbar bei neu eingebauten Heizungen) ist gestrichen worden. Stattdessen soll es eine <strong>Grüngasquote</strong> und eine <strong>Grünheizölquote</strong> geben. Öl- und Gasheizungen dürfen bei entsprechenden Verträgen unbehelligt verbaut werden. Es ist der klimapolitische Offenbarungseid von CDU, CSU und SPD.</p><ul><li><p>Beitrag zur <a href="https://www.cleanthinking.de/gruengasquote-greenwashing-heizungskeller/">Grüngasquote</a> von Cleanthinking.</p></li><li><p>Beitrag zu den <a href="https://www.cleanthinking.de/gebaeudemodernisierungsgesetz-eckpunkte/">Eckpunkten des GMG</a></p></li><li><p>Beitrag zur <a href="https://www.cleanthinking.de/65-prozent-regel-gebaudeenergiegesetz-reform/">65-Prozent-Regel</a></p></li></ul><p>Verbraucher werden in Kostenfallen gejagt. Fortschrittliche Installationsbetriebe werden Schwierigkeiten bekommen. Der Klimaschutz wird - mal wieder - mit Füßen getreten. Es wird Chaos geschürt zwischen Kommunaler Wärmeplanung und Gebäudemodernisierungsgesetz.</p><p>Die große Frage ist nun, ob ein solches Gesetz verfassungskonform ausgestaltet werden kann. Daran gibt es erhebliche Zweifel. Aber Verunsicherung und Verzögerung nehmen weiter zu. Deutschland wird zur lahmen Wärmewende-Ente in Europa. Als Nächstes werden die EU-Gebäuderichtlinie und der EU-Emissionshandel II geschreddert.</p><p>Ich habe eine zehnjährige Tochter. Für sie werde ich mich dafür einsetzen, dass diese verrückten Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt werden.</p><p>Besorgte Grüße,</p><p>Martin Jendrischik</p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 25 Feb 2026 07:05:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Reiches Netzpaket, Forrests Angebot und Newsoms Klarheit]]></title>
      <description><![CDATA[Dieser Artikel ist vollgepackt mit Diskussionen und Entwicklungen rund um Europas Energiesouveränität und den möglichen Wandel zum Elektrostaat.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d352f11-3e8c-44dd-8683-8c81de5820f1/uploads/images/zebw2w6tee/634863968_1499495102178607_5863518189983273389_n.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Münchener Sicherheitskonferenz bot in diesem Jahr zahlreiche, bemerkenswerte Reden und schuf eine Art Koalition der Entschlossenen. Die Worte, die Friedrich Merz bei der Münchener Sicherheitskonferenz wählte, waren klar und unmissverständlich: <em>„Wir besinnen uns auf uns selbst“</em> und <em>„Zwischen Europa und den Vereinigten Staaten hat sich eine Kluft, ein tiefer Graben aufgetan“</em>.</p><p>Der einst glühende Transatlantiker beansprucht eine deutsche Führungsrolle in Europa und einen selbstbewussten <strong>Souveränitätskurs</strong>. Doch Souveränität endet nicht bei Panzern und Raketen. Bei <strong>Energie</strong>, <strong>Mobilität </strong>und <strong>Gebäuden </strong>steuert Europa weiter in fossile Abhängigkeiten – und eine der beiden Großmächte, zwischen denen der Kontinent schwankt, will genau das.</p><p>Wie groß die Kluft zwischen Europas Anspruch und der energiepolitischen Realität tatsächlich ist, zeigt <a href="https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2026-01/erneuerbare-energien-indien-biomasse-stromerzeugung-china?freebie=87559063">ein bemerkenswertes Interview</a>, das die ZEIT mit <a href="https://www.linkedin.com/in/kingsmill-bond-6982123/">Kingsmill Bond</a> geführt hat. Bond ist Energiestratege beim Londoner Think Tank Ember, zuvor analysierte er für Carbon Tracker und das Rocky Mountain Institute die globale <a href="https://www.cleanthinking.de/energiewende-deutschland-dezentrales-system/">Energiewende</a>. Seit mehr als 30 Jahren beobachtet er Finanzmärkte und Energiepolitik – und was er über Europa sagt, ist ernüchternd.</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FZEIT-Interview-zum-Souveraenitaetskurs-mit-Kingsmill-Bond-1024x630.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=f3416f622dc0a3427842920e1ef29aa9" alt="Kingsmill Bond im ZEIT-Interview über Europas Souveränitätskurs und die globale Energiewende zu Elektrostaaten."/><figcaption>Gelingt mit Elektrifizierung Europas Souveränitätskurs?</figcaption></figure><h2><strong>Ein Kontinent, der seine eigene Revolution nicht nutzt</strong></h2><p>Bond hat ein Konzept geprägt, das die Debatte verändern könnte: den <strong>Elektrostaat</strong>. Gemeint ist ein Land, das seinen Strom erneuerbar erzeugt und gleichzeitig seine gesamte Volkswirtschaft elektrifiziert – Heizung, Verkehr, Industrie. Für die 75 Prozent der Weltbevölkerung, die in Ländern leben, die fossile Energieträger importieren müssen, ist das laut Bond die einzige rationale Zukunft.</p><p>Lesen Sie auch: <a href="https://www.cleanthinking.de/indien-elektrostaat-ember-analyse-electrotech/">Energietransformation: Entsteht mit Indien der nächste Elektrostaat?</a></p><p>Europa sollte auf diesem Weg vorne liegen. Bei der Dekarbonisierung des Stroms ist der Kontinent tatsächlich hervorragend: 70 Prozent kommen inzwischen aus erneuerbaren Quellen. Aber bei der Elektrifizierung des tatsächlichen Energieverbrauchs hingegen ist Europa „miserabel“. Nur 22 Prozent der verbrauchten Endenergie ist Strom – fast unverändert seit 15 Jahren.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Europa hat die Electrotech-Revolution mitfinanziert. Vom Nutzen profitieren derzeit aber Andere.</mark></p><h3>Der selbstverschuldete Fehler</h3><p>Bonds Diagnose ist so simpel wie schmerzhaft: Die Steuer- und Abgabenbelastung von Strom ist in vielen Staaten höher als die Belastung von fossilem Gas. Das verlangsamt die Elektrifizierung im Vergleich zu Staaten ohne fossile Abhängigkeiten massiv. Dänemark – lange das Extrembeispiel – hat das begriffen und mittlerweile die Stromsteuer abgeschafft.</p><p>Deutschland ist ein weiteres Extrembeispiel. Milliarden flossen in erneuerbare Energien, doch der Strom wurde so teuer gemacht, dass die Elektrifizierung von Wärme und Mobilität bis heute stockt. Wer eine Wärmepumpe betreiben will, zahlt drauf. Wer sein Elektroauto lädt, zahlt drauf.</p><p><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die Dekarbonisierung wurde finanziert, indem man die Elektrifizierung abwürgte.</mark></p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FEmber-Europa-besteuert-Strom-1024x574.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=8406a01cff8b2ef25c1c78436ca64a68" alt="Hohe Steuern und Abgaben auf Strom verlangsamen die Elektrifizierung. "/><p>Dazu kommen politische Altlasten. Zu viel Fördergeld fließt in Wasserstoff-Anwendungen, wo direkte Elektrifizierung drei- bis fünfmal effizienter wäre. Die H2-Busse deutscher Stadtwerke sind ein Paradebeispiel – ein Betrieb nach dem anderen stellt fest, dass die Kosten ein Vielfaches der batterie-elektrischen Alternative betragen.</p><p>Für Stahl, Zement und Chemie bleibt grüner Wasserstoff zwar alternativlos, aber die politische Debatte verwischt diese Trennlinie bewusst. CCS wirkt ähnlich als Verzögerung: Solange Kohlenstoffabscheidung als Option existiert, haben fossile Akteure eine Ausrede, nicht zu elektrifizieren.</p><p>Bei Biomasse greift Bonds Pauschalkritik allerdings zu kurz – Biogas liefert regelbare Leistung gegen Dunkelflauten und sinnvolle dezentrale Wärme gerade im ländlichen Raum.</p><h3>Souveränitätskurs: Die Welt wartet nicht</h3><p>Während Europa mit sich selbst beschäftigt ist, elektrifiziert der Rest der Welt mit beeindruckendem Tempo. China ist dabei der klare Anführer und Favorit, als erstes Land den Status eines Elektrostaats zu erreichen. Aber die eigentliche Überraschung liegt woanders: Indien, das bevölkerungsreichste Land der Erde, hat bereits 20 Prozent seiner Endenergie elektrifiziert und etabliert einen Entwicklungspfad, dem andere Schwellenländer folgen können. Südostasien liegt bei 23 Prozent – und hat Europa damit bereits überholt.</p><p>Vietnam gehört zu den wenigen Ländern weltweit, die bei Dekarbonisierung und Elektrifizierung gleichzeitig Tempo machen. Selbst für Subsahara-Afrika zeichnet sich ein Leapfrogging ab: Länder, die wirtschaftlich noch hinter Indien liegen, könnten die fossile Phase weitgehend überspringen – so wie der Kontinent einst Festnetzleitungen übersprungen hat und direkt zum Mobilfunk wechselte. Diesmal könnten es Gaspipelines und Kohlekraftwerke sein, die nie gebaut werden.</p><p>Für diese Länder ist der Weg einfacher als für Europa – gerade weil sie keine politischen Altlasten mitschleppen. Keine Gaslobby, kein H2-Masterplan, keine CCS-Debatte.</p><h3>Souveränität gibt es nicht mit Panzern allein</h3><p>Hier schließt sich der Kreis zu Merz und der Münchener Sicherheitskonferenz. Europa debattiert leidenschaftlich über Verteidigungsausgaben und strategische Autonomie. Aber die energiepolitische Souveränität ist mindestens ebenso existenziell. Wer fossile Brennstoffe importiert, ist erpressbar – das hat Putins Krieg gezeigt.</p><p>Doch statt die Konsequenz daraus zu ziehen, droht Europa unter Trumps Einfluss in neue fossile Abhängigkeiten zu stolpern: LNG-Verträge, die Jahrzehnte binden, Gasinfrastruktur, die Investitionen zementiert. Selbst das <a href="https://www.wsj.com/business/energy-oil/europe-needs-to-learn-its-lesson-stop-relying-on-imported-energy-63a7349e">Wall Street Journal ermutigt Europa</a>, sich nicht mehr auf Energieimporte zu verlassen – schon gar nicht solche von Donald Trump.</p><p>Bonds Empfehlung hat bestechende Klarheit: Strom muss billiger werden, fossile Energie teurer. China, Schweden und Norwegen machen es vor. Europa hat das Fundament – 70 Prozent erneuerbarer Strom. Was fehlt, ist der politische Wille, <em>Europas Souveränitätskurs</em> konsequent umzusetzen.</p><p>Solange Europa seine Gebäude mit importiertem Gas heizt, seine LKW mit importiertem Diesel fährt und seinen sauberen Strom künstlich verteuert, bleibt der Kontinent verwundbar. Friedrich Merz hat recht: Europa muss sich auf sich selbst besinnen. Aber das bedeutet mehr als Aufrüstung. Es bedeutet konsequente Elektrifizierung.</p><hr aria-hidden="true"/><h2>Das Angebot des Australiers Andrew Forrest an Europa</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3d352f11-3e8c-44dd-8683-8c81de5820f1/uploads/images/5zjuvc3jtc/Andrew_Forrest_Fortescue_Koalition_der_Entschlossenen.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ein australischer Bergbau-Milliardär, ein kalifornischer Gouverneur, eine portugiesische Konservative und ein pazifischer Inselminister sitzen auf einer Bühne in München. Klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes. Ist aber die vielleicht wichtigste Podiumsdiskussion der Münchner Sicherheitskonferenz 2025. Denn während im Saal nebenan über Billionen für Verteidigung verhandelt wird, stellt sich die <strong>Koalition der Entschlossenen</strong> eine unbequeme Frage: Was nützt militärische Aufrüstung, wenn Europa energiepolitisch ein Vasallenstaat bleibt?</p><p>Donald Trump hat die USA aus dem Pariser Abkommen abgemeldet, alle Umweltvorschriften de facto abgeschafft und – in den Worten von Kaliforniens Gouverneur <a href="https://www.linkedin.com/in/gavinnewsom/">Gavin Newsom</a> – den Amerikanern gesagt:<em> „Verschmutzt das Land, so viel ihr wollt.&quot;</em> China schickte fast 800 Delegierte zur COP, die USA nicht einmal einen Stenografen. Die größte Volkswirtschaft der Welt ist klimapolitisch ausgefallen.</p><p>Aber statt Resignation passiert etwas Bemerkenswertes: Eine neue Koalition formiert sich. Nicht aus Idealismus, sondern aus Notwendigkeit. Quer zu den alten Hierarchien, quer zu den Kontinenten, quer zu den politischen Lagern.</p><a href="https://youtu.be/Cbsvuunw5jc?si=_3Kuuw3330PF3Qtq">https://youtu.be/Cbsvuunw5jc?si=_3Kuuw3330PF3Qtq</a><h3>Neue Diplomatie: Der Gouverneur spricht mit dem Kanzler</h3><p>Die Szene an sich ist bemerkenswert. Gouverneur Newsom spricht auf der Sicherheitskonferenz selbstverständlich mit Kanzler Merz – ein Gouverneur redet mit einem Kanzler, weil er von diesem mehr Verbindlichkeit bekommt als vom eigenen Präsidenten. Das ist die neue Klimadiplomatie: subnational, pragmatisch, ergebnisorientiert.</p><p>Newsom hat bei der COP in Belém Absichtserklärungen mit 22 brasilianischen Bundesstaaten unterzeichnet – keine Absichtserklärungen im üblichen Sinne, sondern konkrete Verpflichtungen zu technischer Hilfe und Zusammenarbeit.</p><p>Ralph Regenvanu, Klimaminister von Vanuatu, organisiert mit rund 80 Ländern ein Treffen im April in Kolumbien, um einen Ausstiegspfad aus fossilen Brennstoffen zu erarbeiten – außerhalb des COP-Prozesses, weil der von wenigen Blockierer-Staaten als Geisel gehalten wird. <em>„Es ist ein konsensbasiertes System&quot;</em>, sagt Regenvanu. <em>„Ein paar Länder können uns als Geisel halten. Also haben wir es nach außen verlagert.&quot;</em></p><p>Die Koalition der Entschlossenen umgeht die Blockade. Und sie tut es mit einer neuen Selbstverständlichkeit: Newsom betont, dass Kalifornien – bevölkerungsmäßig so groß wie 21 US-Bundesstaaten zusammen und die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt – ein „stabiler und verlässlicher Partner&quot; sei. Die Botschaft an die Welt: Verlasst euch nicht auf Washington. Aber verlasst euch auf uns.<em> „Donald Trump ist vorübergehend&quot;</em>, sagt Newsom. <em>„Er wird in drei Jahren weg sein.&quot;</em></p><h3>Andrew Forrest: „Vor neun Monaten ging das noch nicht&quot;</h3><p>Dann betritt <a href="https://www.linkedin.com/in/drandrewforrest/">Andrew Forrest</a> die Bühne – und liefert den härtesten Business Case des Tages. Forrest ist Executive Chairman von Fortescue, einem der größten Bergbaukonzerne der Welt. Sein Unternehmen verbrennt eine Milliarde Liter Diesel pro Jahr, beschafft aus der ganzen Welt. Damit ist in diesem Jahrzehnt Schluss, sagt Forrest. Nächstes Jahr schaltet Fortescue das weltweit erste grüne Netz im industriellen Maßstab ein.</p><p>Was das jetzt möglich macht, ist nicht allein Solar, Wind oder Batterien – die sind seit Jahren auf der exponentiellen Kostenkurve. Der entscheidende Durchbruch ist KI. Forrest sagt auf der Bühne in München:</p><blockquote><p>„Die Technologie existiert jetzt – mit Solar, Wind, Batterien und vor allem mit KI. Vor sechs bis neun Monaten hatten wir sie noch nicht, aber jetzt haben wir sie. Sie können ein erneuerbares Energienetz mit KI betreiben, was vorher nicht möglich war. Wenn eine Wolkenbank über einen Solarpark zieht, ändert sich alles. Sie müssen Entscheidungen buchstäblich mit Lichtgeschwindigkeit treffen. Menschen können das nicht.&quot;</p></blockquote><p>Das ist der Moment, in dem das letzte große Argument der fossilen Lobby stirbt: <em>„Erneuerbare können keine Grundlast liefern.&quot;</em> Doch, können sie. Jetzt. KI optimiert in Millisekunden Stromflüsse zwischen Solar, Wind und Batteriespeichern – sie reagiert auf Wolkenbänke, Windflauten und Lastspitzen schneller, als ein menschlicher Netzbetreiber den Bildschirm ablesen kann.</p><p>Und die Rechnung? Fortescue spart damit rund eine Milliarde Dollar pro Jahr. Kein Klimaaktivismus – rationale Betriebswirtschaft im industriellen Maßstab.</p><blockquote><p>„Es ist mir wirklich egal, ob Sie an die Klimawissenschaft glauben oder nicht. Ich bin weder Republikaner noch Demokrat, aber ich liebe meinen Planeten. Wir sind der industrielle Beweis: Das Zurückdrehen der Uhr zu Öl und Gas ist sehr schlechte Wirtschaft. Das ist mein einziges Argument.&quot;</p></blockquote><p>Forrest geht noch weiter. Er richtet sich direkt an Europa mit einem konkreten Vorschlag: Nordafrika, insbesondere Marokko, als Energiebank Europas zu entwickeln. <em>„Sie haben eine Energiebank direkt vor Ihrer Haustür, die ein Vielfaches von allem ist, was Saudi-Arabien jemals produzieren wird.&quot;</em> Fortescue könne 40 bis 50 Unterwasserkabel mit jeweils 2 bis 2,5 Gigawatt Kapazität verlegen – innerhalb weniger Jahre, innerhalb der eigenen Bilanz. Das Ergebnis: eine Energieversorgung für Europa in der Größenordnung Deutschlands.</p><p>Sein Appell an die Unternehmensführer weltweit: <em>„Wann werden Sie aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrennen? Nennen Sie das Datum. Und wenn Sie kein Datum nennen können – dann geben Sie das Mikrofon ab.&quot;</em></p><h3>Lídia Pereira: Die Konservative, der das Dach wegflog</h3><p>Lídia Pereira ist Vizepräsidentin der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Gleiche politische Familie wie Friedrich Merz. Gleiche politische Familie wie Katherina Reiche, Deutschlands neue Energieministerin. Aber Pereira redet völlig anders.</p><p>Am 28. Januar 2025 verschwand ein Teil ihres Hausdaches in einem Sturm in Portugal. Ihre Heimatstadt stand am Rande der vollständigen Überflutung. Menschen ohne Strom, ohne Wasser. Gehälter, die nicht vollständig ausgezahlt werden konnten, weil die Infrastruktur zusammenbrach. Die Schadensbilanz allein für dieses eine Wetterereignis: 4,5 Milliarden Euro. In einem einzelnen EU-Mitgliedsstaat. Bei einem einzelnen Sturm.</p><p>Und was sagt die Konservative? Nicht: Wir müssen die Klimaziele abschwächen, weil die Industrie leidet. Sondern:</p><blockquote><p>„Wenn wir über Klima sprechen, sprechen wir über Sicherheit, Innovation und ein Wirtschaftsmodell, das wir in Europa wirklich vorantreiben müssen. Dafür braucht es das Engagement der Premierminister. Ich komme aus dem Europäischen Parlament – das Problem liegt nicht dort. Das Problem liegt bei den Staats- und Regierungschefs, die nationale Interessen und europäische Ziele in Einklang bringen müssen. Hier muss sich die Denkweise ändern.&quot;</p></blockquote><p>Pereira argumentiert nicht aus der Öko-Ecke, sondern aus knallharter europäischer Wettbewerbs- und Sicherheitslogik. Wir können nicht über Kampfjets reden, die mit Öl fliegen, und gleichzeitig Energieautonomie beanspruchen. Saubere Technologien sind kein Luxus – sie sind Voraussetzung für europäische Souveränität. Und die Unternehmen müssten lauter werden: <em>„Ich sehe viel Schweigen und viel Angst, wenn es Zeit ist, sich zu bekennen&quot;</em>, sagt sie.</p><p>Der Kontrast zu Katherina Reiche könnte nicht schärfer sein. Beide konservativ. Aber die eine hat am eigenen Dach erlebt, was Klimawandel konkret bedeutet – und zieht die richtigen Schlüsse. Die andere baut Gasinfrastruktur aus.</p><p>Lesen Sie auch: <a href="https://www.cleanthinking.de/europas-souveraenitaetskurs-kingsmill-bond/">Wie Europas Souveränitätskurs gelingen kann</a></p><h3>Die Stimme der Opfer</h3><p>Und dann ist da noch Ralph Regenvanu, der Minister aus Vanuatu, der die moralische Klammer des Panels liefert. Sein Land hat maßgeblich dafür gekämpft, dass das 1,5-Grad-Ziel ins Pariser Abkommen aufgenommen wurde. Wissenschaftler sind sich mittlerweile sicher, dass es nicht erreicht wird.</p><p>Vanuatu hat daraufhin einen anderen Weg eingeschlagen: Der Internationale Gerichtshof hat auf Initiative der Pazifik-Inseln ein Gutachten abgegeben, das Völkerrecht in Sachen Klima kristallisiert hat. Neue fossile Lizenzen sind demnach völkerrechtswidrig. Regenvanu sagt: <em>„Staaten haben Verpflichtungen, den Klimawandel anzugehen. Die Lizenzierung neuer fossiler Brennstoffunternehmen ist jetzt eine rechtswidrige Handlung unter internationalem Recht.&quot;</em></p><p>Sein Schlussstatement trifft den Saal:</p><blockquote><p>„Wenn wir die Klimakrise nicht angehen, wenn wir nicht sofort einen fairen und vollständigen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen durchführen, wird es keine Zukunft geben für viele Menschen auf den Pazifischen Inseln. Wir sind Teil dieser Welt. Und wir brauchen nicht dieses Zurückweichen vor dem Thema. Wir wissen, dass es die Öllobby ist. Wir wissen, dass es die Profite bestimmter Unternehmen sind, die die Welt zerstören. Es sind die Länder in diesem Raum, die entwickelten Staaten, die sich mit diesem Problem befassen müssen – denn wir sind die Opfer Ihres Problems.&quot;</p></blockquote><h3>Verschmutzung ist Diebstahl</h3><p>Gouverneur Newsom bringt es am Ende auf eine Formel, die das gesamte Kostenargument der fossilen Lobby umdreht:</p><blockquote><p>„Die moderne Umweltbewegung in den USA begann in Kalifornien unter Ronald Reagan – nicht weil er ein leidenschaftlicher Verfechter sauberer Luft war, sondern weil Los Angeles so versmogt war, dass Unternehmen sagten: Wir können hier keine Geschäfte machen. Und jetzt macht Trump das Gegenteil: Er schafft die Umweltvorschriften ab und sagt damit: Verschmutzt die USA, so viel ihr wollt.</p><p>Das sind Defizitausgaben. Verschmutzung ist ein Akt des Diebstahls – an der Gesundheit einer Nation und durch die Sanierungskosten. Allein 2023 gab es in den USA 23 wetterbedingte Ereignisse, die die Steuerzahler jeweils über eine Milliarde Dollar gekostet haben. Sagen Sie mir nicht, es geht ums Geldsparen.&quot;</p></blockquote><p>Kalifornien selbst ist der Gegenbeweis: 81 Prozent BIP-Wachstum seit 2000, gleichzeitig 21 Prozent weniger Treibhausgasemissionen, sieben Mal mehr saubere Energiejobs als fossile. Neun von zehn Tagen lief die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt im vergangenen Jahr mit 100 Prozent sauberer Energie. Und 29 Prozent aller Neuwagenkäufe im letzten Quartal waren Elektrofahrzeuge.</p><h3>Die eigentliche Sicherheitsfrage</h3><p>Die Münchner Sicherheitskonferenz 2025 wird als Verteidigungskonferenz in Erinnerung bleiben – Billionen für Aufrüstung, europäische Autonomie, strategische Souveränität. Aber dieses eine Panel zeigt, was in der Debatte zu kurz kommt: Ohne Energiesouveränität ist alles Makulatur.</p><p>Die Technologie für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ist da. KI macht sie jetzt beherrschbar. Die Wirtschaftlichkeit ist überlegen. Ein australischer Bergbaukonzern beweist es mit einer Milliarde Dollar Ersparnis pro Jahr. Eine portugiesische Konservative fordert ihre eigenen Regierungschefs zum Handeln auf. Ein pazifischer Inselstaat nutzt das Völkerrecht, um fossile Lizenzen für rechtswidrig zu erklären. Und Kalifornien zeigt im Maßstab einer Billionen-Dollar-Volkswirtschaft, dass Klimaschutz und Wirtschaftswachstum keine Gegensätze sind.</p><p>Wer jetzt noch fossile Infrastruktur ausbaut, wählt nicht Stabilität – sondern Abhängigkeit. Die Koalition der Entschlossenen handelt. Und in Deutschland sorgt Katherina Reiche für fossile Lockin-Effekte und gewaltige Abhängigkeiten. Ausgerechnet von Donald Trumps USA.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Und Katherina Reiche? Aus ihrem Haus wird das Netzpaket geleaked, das - würde es so kommen - ausgerechnet die erneuerbaren Energien, über die in München alle sprechen, abwürgen. In Deutschland - Europas wichtigster Ökonomie.</p><p><strong>Ein durchgesickerter Referentenentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium unter Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sieht tiefgreifende Änderungen am Energiewirtschaftsrecht vor. Das sogenannte Netzpaket würde zentrale Mechanismen der </strong><a href="https://www.cleanthinking.de/energiewende-deutschland-dezentrales-system/"><strong>Energiewende </strong></a><strong>verändern und den Ausbau erneuerbarer Energien an mehreren Stellen finanziell unattraktiver machen. Branchenverbände warnen vor Investitionsunsicherheit, Befürworter sehen die Maßnahmen als notwendige Synchronisierung von Netzausbau und Anlagenzubau. Eine Analyse.</strong></p><h2><strong>Kurz erklärt: Die Kernpunkte des Referentenentwurfs</strong></h2><p>Das Bundeswirtschaftsministerium unter <a href="https://www.cleanthinking.de/katherina-reiche-wirtschaftsministerin/">Katherina Reiche</a> (CDU) plant Änderungen im Energiewirtschaftsrecht, bekannt als <em>Netzpaket</em>. Netzgebiete mit hoher Abregelung sollen als „<strong>kapazitätslimitiert</strong>“ ausgewiesen werden können. In diesen Gebieten würden Entschädigungszahlungen für neue Erneuerbare-Energien-Anlagen für bis zu zehn Jahre entfallen.</p><p>Zusätzlich sollen Anlagenbetreiber den Netzausbau über <strong>Baukostenzuschüsse </strong>mitfinanzieren. Der bisherige <strong>Anschlussvorrang </strong>für erneuerbare Energien könnte faktisch aufgehoben werden. Branchenvertreter warnen vor einem massiven Rückgang bei Investitionen in Wind- und Solarenergie.</p><h3><strong>Hintergrund: Warum das Ministerium handeln will</strong></h3><p>Am Wochenende des 8. Februar 2026 ist ein auf den 30. Januar datierter Referentenentwurf aus dem BMWE öffentlich geworden. Das Dokument trägt den Titel <em>„Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts zur Synchronisierung des Anlagenzubaus mit dem Netzausbau sowie zur Verbesserung des Netzanschlussverfahrens“</em>. Zuerst berichtete der Spiegel über das 36-seitige Papier, anschließend veröffentlichten t-online und Fachmedien weitere Details.</p><p>Die Ausgangslage ist unstrittig: Der Bau von Solar- und Windkraftanlagen schreitet schneller voran als der Ausbau der Stromnetze. Netzbetreiber müssen daher immer häufiger Anlagen drosseln oder vorübergehend abschalten – ein Vorgang, der als Abregelung bezeichnet wird. Abregelung bedeutet, dass Netzbetreiber Erzeugungsanlagen zeitweise drosseln; Redispatch umfasst die daraus entstehenden Eingriffe und Ausgleichsmaßnahmen zur Netzstabilität.</p><p>Die betroffenen Betreiber erhalten für den entgangenen Strom Entschädigungszahlungen. Zusammen mit den Kosten für den Ersatzbetrieb konventioneller Kraftwerke entstehen Redispatchkosten, die für 2025 auf rund 2,7 Milliarden Euro geschätzt werden. Hinzu kommt eine Antragsflut für den Anschluss von Großbatteriespeichern mit einer Gesamtleistung von rund 400 Gigawatt (laut Referentenentwurf des Ministeriums) – obwohl nur ein Bruchteil dieser Projekte realisierbar ist.</p><p>Ein Ministeriumssprecher betonte, es sei <em>„schlicht nicht mehr zeitgemäß, neuen Anlagen ohne Rücksicht auf die tatsächliche Erzeugungs- und Netzstruktur vor Ort die Abnahme des Stroms zu garantieren“</em>. Eine bessere räumliche Steuerung erhöhe die Kosteneffizienz des Energiesystems.</p><h2><strong>Die drei zentralen Maßnahmen des Netzpakets</strong></h2><p>Der Referentenentwurf sieht drei ineinandergreifende Änderungen vor, die den regulatorischen Rahmen für erneuerbare Energien grundlegend verändern würden.</p><h3><strong>1. Redispatch-Vorbehalt: Entschädigungsverzicht für bis zu zehn Jahre</strong></h3><p>Netzgebiete, in denen im Vorjahr mehr als drei Prozent der Strommenge nicht eingespeist werden konnten, sollen als „kapazitätslimitiert“ ausgewiesen werden können. Die Ausweisung kann für bis zu zehn Jahre gelten. Wer in einem solchen Gebiet eine neue Solar- oder Windkraftanlage anschließen will, muss für die gesamte Dauer der Kapazitätslimitierung auf Entschädigungszahlungen bei Abregelungen verzichten.</p><p>Die BEE-Präsidentin <a href="https://www.linkedin.com/in/ursula-heinen-esser-8b006550/?originalSubdomain=de">Ursula Heinen-Esser</a> bezeichnete den Vorschlag als <em>„Gift für dringend benötigte Investitionen, wenn Entschädigungen für Abregelungen pauschal infrage gestellt werden.“</em></p><p>BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig geht weiter: Die Streichung von Entschädigungen komme einem „<em>Anschlussverbot für Solaranlagen</em>“ in engpassbehafteten Leitungsabschnitten gleich. Ein wirtschaftlicher Betrieb und die Aufnahme von Fremdkapital zur Finanzierung neuer Anlagen seien unter diesen Voraussetzungen nicht mehr möglich.</p><p>Die Drei-Prozent-Schwelle ist dabei ein zentraler Streitpunkt. Sven Kirrmann vom Ökostromanbieter Naturstrom erklärte im Tagesspiegel Background, dass diese Schwelle beim Netzausbau als Planungsstandard gelte – das Netz werde aus Effizienzgründen bewusst nicht bis zur Aufnahme der letzten Kilowattstunde ausgebaut. <em>„Wenn beim Überschreiten dieses Normalfalls direkt ein Ausnahmeregime mit erheblichen Einschränkungen beginnen soll, reduziert das die planungssicheren Ausbaugebiete in Deutschland massiv.“</em> Nach Einschätzung von Branchenexperten könnten weite Teile des Bundesgebiets von der Regelung betroffen sein.</p><h3><strong>2. Baukostenzuschüsse: Anlagenbetreiber sollen Netzausbau mitfinanzieren</strong></h3><p>Netzbetreiber sollen von den Erbauern neuer Ökostromanlagen künftig Baukostenzuschüsse zur „Optimierung, Verstärkung und zum Ausbau des Netzes“ verlangen dürfen. Die Höhe dieser Zuschüsse steht nicht im Entwurf – die Ausgestaltung wird der Bundesnetzagentur überlassen. Die Zuschüsse können regional unterschiedlich ausfallen, um <em>„für Erzeuger Anreize zu setzen, sich an möglichst netzverträglichen Standorten anzuschließen.“</em></p><p>Die wirtschaftliche Tragweite dieser Regelung ist erheblich: Sie erhöht die Investitionskosten für erneuerbare Energien, während konventionelle Kraftwerke wie Gas- und Kohlekraftwerke nach dem Entwurf weiterhin Anspruch auf Entschädigungen bei Abregelungen behalten. Ein Branchenpapier, das t-online vorliegt, kommentiert die Kombination aus Baukostenzuschüssen und Redispatch-Vorbehalt mit der Feststellung, man frage sich, <em>„weshalb das BMWE parallel zwei neue Maßnahmen einführt, welche beide die Risiken und Kosten für erneuerbare Energien erhöhen, es sei denn, man möchte einen Spatz gleich mit zwei Kanonen erschießen.“</em></p><h3><strong>3. Einschränkung des Anschlussvorrangs für Erneuerbare</strong></h3><p>Seit 25 Jahren gilt in Deutschland nach Paragraf 8 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, dass Solar- und Windkraftanlagen vorrangig ans Netz angeschlossen werden. Der Entwurf sieht vor, dass Netzbetreiber für Anlagen ab einer Nennleistung von 135 Kilowatt eigene Priorisierungen für künftige Anschlussbegehren entwickeln sollen. Ob der bisherige Anschlussvorrang damit de facto aufgehoben wäre, bleibt unklar. Das Ministerium hat eine entsprechende Anfrage des Spiegel nicht beantwortet.</p><p>Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) warnt, der Anschluss erneuerbarer Energien werde damit in großen Teilen des Landes <em>„von der Willkür der Netzbetreiber abhängig gemacht.“</em> In Deutschland gibt es fast 900 Verteilnetzbetreiber, die durch die Neuregelung alle unterschiedliche Vorgaben machen könnten. bne-Geschäftsführer Robert Busch fasst zusammen: <em>„Dieses Netzpaket ist ein in Gesetzesform gegossener Wunschzettel der Netzbetreiber: weniger Ausbaudruck, mehr Steuerungsmacht. Bezahlen sollen das die Erneuerbaren, die Stromkunden und die Steuerzahler.“</em></p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=IAnzD0SewtY">https://www.youtube.com/watch?v=IAnzD0SewtY</a><h3><strong>Systemische Einordnung: Wem das Gesetzespaket nützt</strong></h3><p>Der Entwurf verschiebt Investitionsrisiken von Netzbetreibern auf Anlagenbetreiber und erhöht damit die Unsicherheit im Ausbau erneuerbarer Energien. Während fossile Reservekraftwerke nach Reiches Kraftwerksstrategie staatlich abgesichert werden sollen, steigt für erneuerbare Investitionen das regulatorische Risiko.</p><p>UKA-Geschäftsführer Gernot Gauglitz identifiziert ein konkretes Wettbewerbsproblem: Große Unternehmen wie Eon oder EWE betreiben über Tochtergesellschaften selbst Wind- und Solarparks.<em> „Wenn ich zum Beispiel weiß, dass das Netz in zwei Jahren wieder aufnahmefähig ist und ich nicht das Risiko einpreisen muss, dass es zehn Jahre dauert, dann ist das ein signifikanter Wissensvorsprung“</em>, erklärte Gauglitz gegenüber t-online. Das Netzpaket verschaffe großen Konzernen einen systematischen Vorteil gegenüber mittelständischen Projektentwicklern. Gauglitz erwartet, dass sich vor allem Mittelständler aus dem Markt zurückziehen – zur Freude der großen Kraftwerksbetreiber.</p><p>Die Interessenlage ist dabei auffällig: Katherina Reiche war vor ihrem Ministeramt Vorsitzende der Geschäftsführung der Westenergie GmbH, einer Eon-Tochter. Eon ist der größte Verteilnetzbetreiber Deutschlands. Dessen Chef Leonard Birnbaum forderte laut Tagesspiegel Background Ende Januar – kurz vor Fertigstellung des Referentenentwurfs – dass Anlagen, <em>„die den Kunden keinen Wert bringen, sondern die meiste Zeit abgeregelt sind, anders beim Netzanschluss behandelt werden“</em> sollten. Diese Forderung spiegelt sich im Referentenentwurf wider. Positiv reagierten denn auch die Netzbetreiber: 50Hertz-Geschäftsführer Stefan Kapferer erklärte gegenüber der FAZ, es brauche ein neues System zur Priorisierung neuer Anlagen.</p><p>BEE-Präsidentin Heinen-Esser weist zudem darauf hin, dass die Kostendarstellung des Ministeriums an der realen Entwicklung vorbeigehe: Seit 2022 seien die Redispatchkosten gefallen, und die Netzbetreiber selbst prognostizierten keinen Anstieg. Dass ein kleiner Teil der Erzeugung nicht abtransportiert werden könne, gelte zudem genauso für fossile Kraftwerke.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=7LilM1SMSTY&amp;t=461s">https://www.youtube.com/watch?v=7LilM1SMSTY&amp;t=461s</a><h3><strong>Stimmen, die Positives sehen</strong></h3><p>Der BDEW, der sowohl Netzbetreiber als auch Energieerzeuger vertritt, erkennt Teile des Entwurfs an. BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae unterstützt den Ansatz regional differenzierter Baukostenzuschüsse, betonte jedoch, Teile des Pakets <em>„gehen insgesamt jedoch zu weit“</em>. Der Redispatch-Vorbehalt müsse „kritisch diskutiert“ werden.</p><p>Energieexperte Tim Meyer schreibt auf LinkedIn, im Entwurf stehe „viel Richtiges“ – etwa die Notwendigkeit, Netzausbau und Anlagenzubau besser zu synchronisieren, sowie der Plan, Netzengpässe auf einer digitalen Plattform transparenter auszuweisen. Kritisch sieht Meyer jedoch die <strong>Machtverschiebung zugunsten der Netzbetreiber</strong>: Bei 850 Verteilnetzbetreibern im Land gebe es diejenigen, die gut vorankommen, und jene, die sich schwertun.</p><p>Letztere bekämen mit dem Entwurf die Macht, weiter zu bremsen. <em>„Deutschlandgeschwindigkeit der Energiewende darf nicht darin bestehen, erst auf Nachzügler zu warten, bevor es weitergehen kann. Wir müssen endlich die Nachzügler beschleunigen.“</em></p><h3><strong>Das Muster: Regulatorische Unsicherheit bremst Investitionen</strong></h3><p>Die deutsche Energiebranche kennt dieses Muster. Unter Wirtschaftsminister Peter Altmaier – als Reiche Parlamentarische Staatssekretärin war – führte regulatorische Unsicherheit zu einem messbaren Einbruch beim Windenergieausbau. Der Mechanismus ist strukturell derselbe: Steigende Investitionsrisiken verteuern die Finanzierung erneuerbarer Projekte, mittelständische Entwickler ziehen sich zurück, das Ausbautempo sinkt.</p><p>Carolin Dähling von Green Planet Energy formuliert das Problem: <em>„Ministerin Reiche hält zwar offiziell an den Ausbauzielen fest, doch was nützen Solardächer und Windräder auf dem Papier, wenn neue Anlagen nicht wirtschaftlich betrieben werden können und keinen verlässlichen Netzanschluss mehr bekommen?“</em> Der Einspeisevorrang der Erneuerbaren – <em>„das Rückgrat der Energiewende“</em> – dürfe nicht angetastet werden.</p><p>Deutschland müsste das aktuelle Ausbautempo mindestens halten, um sein Ziel zu erreichen, bis 2030 rund 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu decken. 2025 lag der Anteil bei etwa 60 Prozent. Einer Analyse von Agora Energiewende zufolge ist das Ziel erreichbar – aber nur, wenn alle bereits genehmigten Wind- und Solaranlagen tatsächlich realisiert werden. Das Netzpaket gefährdet diese Voraussetzung.</p><h2><strong>Gegenentwurf: Was die Grünen stattdessen fordern</strong></h2><p>Dass die identifizierten Probleme – Netzüberlastung, steigende Redispatchkosten, Antragsflut bei Speichern – auch anders gelöst werden könnten, zeigt ein Beschluss der Grünen-Bundesdelegiertenkonferenz vom November 2025. Das Papier <em>„Energiewende 2.0: Nutzen statt Abwürgen“</em> setzt den Reiche-Plänen ein alternatives Konzept entgegen, das auf Digitalisierung, Dezentralität und Flexibilisierung statt auf Zugangsbeschränkungen setzt.</p><p>Der zentrale Unterschied liegt im Lösungsansatz: Wo Reiches Netzpaket die Netzüberlastung als Argument für die Einschränkung des Zubaus nutzt, argumentieren die Grünen, dass nicht weniger erneuerbare Energien die Lösung seien, sondern intelligentere Netze, mehr Speicher und flexible Verbraucher. „Den immer reichlicher vorhandenen günstigen Strom aus Wind und Sonne wollen wir kostengünstig integrieren statt ihn teuer abzuregeln“, heißt es im Beschluss.</p><p>Im Einzelnen fordern die Grünen eine Digitalisierungsoffensive für die Verteilnetze. Durch intelligente Messsysteme, automatisierte Steuerung und datenbasierte Netzplanung ließen sich mindestens 30 Prozent mehr Kapazität aus bestehenden Netzen herausholen. Bis 2030 sollten alle Haushalte und Unternehmen Smart Meter erhalten, verbunden mit zeitlich und räumlich differenzierten Tarifen, die flexibles Verhalten belohnen. Statt Netzbetreibern die Befugnis zu geben, Anlagen abzulehnen, sollen sie in die Pflicht genommen werden, ihre Infrastruktur zu modernisieren. Wettbewerb bei Messstellen soll gestärkt statt – wie unter Reiche geplant – abgeschafft werden.</p><a href="https://youtu.be/QD84d4rAQ6Y?si=xFBXK8JB3O33xTil">https://youtu.be/QD84d4rAQ6Y?si=xFBXK8JB3O33xTil</a><p>Das Grünen-Papier betont zudem die Rolle der Bürgerenergie als systemische Alternative: Wer Energie lokal erzeugt, nutzt und speichert, entlastet das überregionale Netz. Energy Sharing, vereinfachte Regelungen für Mieterstrom und ein Recht auf Solar sollen den dezentralen Ausbau stärken. <em>„Die Selbstwirksamkeit jedes Haushalts, Betriebs und Unternehmens müssen wir nutzen und anreizen, nicht verbieten“</em>, heißt es im Beschluss.</p><p>Für die Industrie setzt das Papier auf gezielte Ansiedlungspolitik statt Zugangsbarrieren: Großverbraucher wie Elektrolyseure und Rechenzentren sollen dort errichtet werden, wo erneuerbarer Strom im Überfluss vorhanden ist – und ihre Abwärme für Wärmenetze nutzen. Das ist ein systemdienlicher Ansatz, der Erzeugung und Verbrauch zusammenbringt, statt Erzeugung zu beschränken.</p><p>Auch die Finanzierung denken die Grünen anders im Vergleich zum Netzpaket der Ministerin: Statt Anlagenbetreiber über Baukostenzuschüsse zu belasten, setzen sie auf einen Bund-Länder-Fonds für Energienetze und staatliche Garantien, die Kapitalkosten und Netzentgelte niedrig halten sollen. Für große PV-Anlagen und Windenergie sollen Differenzverträge stabile Erlöse garantieren, ohne Übergewinne auf Kosten der Allgemeinheit zu ermöglichen.</p><p>Sabine Nallinger von der Stiftung KlimaWirtschaft unterstützt diese Stoßrichtung: Überlastete Netze und Redispatchkosten seien „ein reales Problem“. <em>„Doch mit dem Bau von Speichern und Anreizen zur Flexibilisierung gibt es bereits effiziente Lösungen. Den Netzzugang der Erneuerbaren zu schwächen, schafft dagegen Unsicherheit und gefährdet den Ausbau, was zu einer schlechteren Versorgung und höheren Preisen führen könnte.“</em></p><h2><strong>Energiewirtschaftsrecht: Wie es weitergeht</strong></h2><p>Der Referentenentwurf vom Netzpaket muss zunächst in die Verbändeanhörung. Die Positionen der Interessenvertreter werden gesammelt und ausgewertet, bevor das Gesetz ins Kabinett und anschließend in Bundestag und Bundesrat geht. SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer hat den Entwurf bereits abgelehnt: <em>„Der beschleunigte Umstieg auf Erneuerbare ist längst eine Frage der Energiesicherheit geworden, Beschränkungen in Tempo und Menge können wir uns nicht leisten.“ </em>Der Grünen-Abgeordnete Alaa Alhamwi spricht von einer „fossilen Agenda“, seine Parteifreundin Katrin Uhlig warnt: <em>„Statt Planungssicherheit zu schaffen, wachsen mit Frau Reiches Vorhaben Kosten und Unsicherheit für alle Projekte.“</em></p><p>Ob das Netzpaket zu mehr Systemstabilität oder zu Investitionsunsicherheit führt, wird sich im parlamentarischen Verfahren entscheiden. Die Taktik, zunächst einen weit gefassten Entwurf vorzulegen, um sich anschließend auf einen Kompromiss herunterhandeln zu lassen, ist in der Energiepolitik nicht unüblich. Doch selbst ein abgemildertes Netzpaket würde den regulatorischen Rahmen für erneuerbare Energien grundlegend verändern.</p><p>Klar ist: Tempo und Planungssicherheit bleiben die entscheidenden Faktoren für das 80-Prozent-Ziel 2030. Der Konflikt dreht sich letztlich um die Frage, ob Deutschland Engpässe durch Bremsen des Zubaus löst – oder durch Beschleunigung von Digitalisierung, Flexibilität und Netzausbau. Jede regulatorische Unsicherheit verteuert Kapital, verzögert Projekte und macht die Energiewende insgesamt teurer.</p><p>Die Erneuerbaren-Branche, die Kommunen und die mittlerweile Millionen Prosumer im Land, die in Solardächer, Balkonkraftwerke und Wärmepumpen investiert haben, werden den parlamentarischen Prozess aufmerksam beobachten. Und das sollten sie auch.</p><p>Verwendete Quellen</p><ul><li><p><a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/katherina-reiche-wirtschaftsministerin-plant-massive-einschnitte-fuer-erneuerbare-energien-a-c8d3fb96-2d80-41c4-9ff4-dc7a82f9019e">Spiegel – Bericht zum Referentenentwurf „Netzpaket“ (Februar 2026)</a></p></li><li><p><a href="https://www.t-online.de/heim-garten/aktuelles/id_101121408/netzpaket-von-katherina-reiche-frontalangriff-auf-die-energiewende-.html">t-online – Analyse und Branchenreaktionen zum Netzpaket</a></p></li><li><p><a href="https://background.tagesspiegel.de/energie-und-klima/briefing/mehr-kritik-als-zustimmung-fuer-netzpaket">Tagesspiegel Background – Aussagen zum Netzanschluss</a></p></li><li><p><a href="https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/reiche-will-erneuerbare-staerker-am-bedarf-orientieren-mit-einem-redispatch-vorbehalt-110834189.html">Frankfurter Allgemeine Zeitung – Stellungnahme von 50Hertz</a></p></li><li><p><a href="https://www.agora-energiewende.de/publikationen/erneuerbare-energien-senken-strompreise-unabhaengig-von-der-nachfrage">Agora Energiewende – Analyse zum 80-Prozent-Ziel bis 2030</a></p></li><li><p><a href="https://www.bee-ev.de/service/pressemitteilungen/beitrag/das-netzanschlusspaket-schafft-neue-konflikte-statt-loesungen">Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) – Stellungnahme zum Redispatch-Vorbehalt</a></p></li><li><p><a href="https://www.bne-online.de/bne-position-wettbewerbsverzerrungen-durch-netzausbauzuschuesse/">Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) – Bewertung der Baukostenzuschüsse</a></p></li><li><p><a href="https://www.bdew.de/presse/energiewirtschaft-fordert-ausreichend-zeit-zur-konsultation-ee-ausbau-und-netzausbau-konsequent-voranbringen/">BDEW – Position zu regional differenzierten Baukostenzuschüssen</a></p></li><li><p><a href="https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energiewende-reiche-will-zugang-von-erneuerbaren-zum-stromnetz-neu-regeln/100198662.html">Stiftung KlimaWirtschaft – Einschätzung zu Flexibilisierung und Netzausbau</a></p></li><li><p>Grüne zur Energiewende 2.0: <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/elektrostaat-statt-petrostaat-grune-wollen-energiewende-20-in-deutschland-14589953.html">Elektrostaat statt Petrostaat</a></p></li></ul><p>In diesem Sinne, liebe Leser, wünsche ich Ihnen einen gedankenstarken Sonntag,</p><p>Martin Jendrischik</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 15 Feb 2026 10:27:34 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Droht Deutschland wirklich eine Gasmangellage 2026?]]></title>
      <description><![CDATA[NIUS und Apollo News warnen vor dem Kollaps, Vahrenholt prophezeit Industrie-Abschaltungen, ein YouTuber flieht im Wohnmobil. Berechtigterweise?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2>Gasmangel: NIUS, Apollo, Oli &amp; die Günther-Debatte über journalistische Standards</h2><p>Die Debatte über journalistische Qualitätsstandards bei Online-Medien wie NIUS oder Apollo News ist in vollem Gange. Ausgelöst durch Äußerungen von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther bietet ein aktueller NIUS-Artikel mit der Überschrift <em>„Speicher auf Rekord-Tiefstand! Experte: ‚Eine Gas-Mangellage ist nicht mehr abzuwenden‘“</em> Anlass für einen genaueren Blick auf Quellen, Zitate und Experten. Droht tatsächlich eine <strong>Gasmangellage </strong>– oder trägt die Berichterstattung zu Gasspeichern und Gasmangel weiter, als die zugrunde liegenden Aussagen es hergeben? Lesen Sie die Analyse und entscheiden Sie selbst.</p><h2>Wie viel Gas braucht Deutschland – und woher kommt es heute?</h2><p>Um beurteilen zu können, wie realistisch eine Gasmangellage tatsächlich ist, reicht der Blick auf Speicherfüllstände allein nicht aus. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus täglichem Verbrauch, laufenden Importen und der Fähigkeit des Systems, kurzfristig auf Wetter, Preise und Nachfrage zu reagieren.</p><p>Deutschland verbraucht im Winter – abhängig von Temperatur, Wirtschaftsaktivität und Stromerzeugung – zwischen <strong>drei und fünf Terawattstunden (TWh) Erdgas pro Tag</strong>. An milden Wintertagen liegt der Bedarf typischerweise im Bereich von etwa drei TWh. Bei normalen winterlichen Bedingungen steigt er auf rund vier TWh. In ausgeprägten Kältephasen können kurzfristig auch fünf TWh und mehr erreicht werden.</p><p>Dieser Verbrauch verteilt sich auf mehrere Sektoren. Im Winter entfallen rund <strong>40 bis 45 Prozent</strong> auf Raumwärme in Haushalten, Gebäuden und Fernwärmenetzen. Etwa <strong>30 bis 35 Prozent</strong> werden in der Industrie für Prozesswärme und stoffliche Nutzung benötigt. Weitere <strong>15 bis 20 Prozent</strong> fließen – insbesondere bei wind- und sonnenarmen Wetterlagen – in die Stromerzeugung in Gaskraftwerken. Der verbleibende Anteil entfällt auf Gewerbe, kleinere Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und systembedingte Verluste.</p><p>Wichtig ist dabei: Dieser tägliche Bedarf wird nicht primär aus den Gasspeichern gedeckt. Die Speicher sind kein Ersatz für laufende Versorgung, sondern fungieren als <strong>Puffer im System</strong>. Die Grundversorgung erfolgt über kontinuierliche Importe.</p><p>Über Pipelines aus Norwegen und den westeuropäischen Nachbarländern fließen auch im Winter stabil rund <strong>2,5 bis 3 TWh Erdgas pro Tag</strong> nach Deutschland wie die Grafik zeigt. Hinzu kommen LNG-Importe über die deutschen Terminals, die aktuell etwa <strong>0,4 TWh täglich</strong> beisteuern und bei entsprechenden Preissignalen deutlich ausgeweitet werden können. Die Speicher schließen schließlich die verbleibende Lücke – insbesondere an kalten Tagen, wenn der Verbrauch kurzfristig über den Importmengen liegt.</p><a href="https://www.datawrapper.de/_/NLcsJ/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/53dbfa8c-991e-42f6-b920-1064bcf1e2d0/uploads/images/y46tiwlaqb/wochentliche-gasimporte-nach-deutschland-br-.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="So viele Terawattstunden Gas wurden pro Woche importiert: als LNG und per Pipeline aus Norwegen, den Niederlanden und anderen Ländern."/></a><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Entscheidend ist: </mark><strong><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Gasspeicher ersetzen keine Importe.</mark></strong><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit"> Sie stabilisieren ein System, das im laufenden Betrieb vor allem auf kontinuierliche Zuflüsse angewiesen ist.</mark></p><h3>Was hat sich seit dem Ende von Nord Stream verändert?</h3><p>Seit dem Wegfall der russischen Pipeline-Lieferungen hat sich die Struktur der deutschen Gasimporte grundlegend verschoben. Bis 2021 war Deutschland stark von Ost-Routen abhängig – insbesondere von Nord Stream. Diese Abhängigkeit existiert heute faktisch nicht mehr.</p><p>Rund <strong>90 Prozent der Pipeline-Importe stammen inzwischen aus europäischen Nachbarländern</strong> – vor allem aus <strong>Norwegen</strong>, den <strong>Niederlanden</strong> sowie über Transitpunkte auch aus <strong>Belgien und Frankreich</strong>. Norwegen ist dabei mit Abstand der wichtigste Lieferant und stellt einen stabilen Grundlaststrom dar.</p><p>Parallel dazu wurde innerhalb von nur zwei Jahren eine vollständig neue Importebene aufgebaut: <strong>LNG-Terminals an der Nord- und Ostseeküste</strong>. In Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Mukran kann heute verflüssigtes Erdgas direkt aus dem Weltmarkt angelandet und in das deutsche Netz eingespeist werden – überwiegend aus den USA, aber auch aus anderen Exportregionen wie etwa Katar.</p><p>Tatsächlich macht LNG derzeit noch einen vergleichsweise geringen Anteil an den realen Importmengen aus – je nach Tag und Marktlage etwa <strong>zehn bis fünfzehn Prozent</strong>. Entscheidend ist jedoch nicht der aktuelle Anteil, sondern die verfügbare Reservekapazität. Die Terminals sind technisch in der Lage, ihre Durchsätze deutlich zu erhöhen, sobald europäische Preise zusätzliche Lieferungen wirtschaftlich attraktiv machen.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Viele Kapazitäten sind derzeit nicht vollständig gebucht – nicht aus Mangel an Infrastruktur, sondern weil sie bislang schlicht nicht benötigt wurden.</mark></p><p>Hinzu kommt ein zweiter, oft unterschätzter Strukturwandel: Deutschland hat die Gasflüsse im europäischen Netz von einem früher dominierenden Ost-West-System auf ein <strong>Nord- und West-Ost-System</strong> umgestellt. Zusätzliche Einspeisepunkte über Frankreich, Belgien und die Benelux-Staaten wurden erschlossen.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Gas kann heute grenzüberschreitend flexibel umgeleitet werden – abhängig von Angebot, Nachfrage und Preis.</mark></p><p>Das deutsche Gasversorgungssystem ist damit deutlich breiter aufgestellt als noch im unmittelbaren Krisenjahr 2022. Neben stabilen Pipelineflüssen existiert erstmals eine flexible maritime Importoption, die kurzfristig reagieren kann. Diese neue Architektur erhöht die Resilienz gegenüber regionalen Engpässen erheblich – ein struktureller Unterschied, der in vielen aktuellen Debatten kaum berücksichtigt wird.</p><p>Diese Veränderung wirkt direkt auf die Rolle der Gasspeicher. Sie sind nicht mehr der alleinige Rettungsanker der Versorgungssicherheit, sondern ein Element in einem diversifizierten System aus laufenden Importen, Marktmechanismen und infrastruktureller Redundanz. Niedrige Speicherstände wirken optisch alarmierend – sind isoliert betrachtet jedoch kein hinreichender Indikator für eine reale Versorgungskrise.</p><h3>Was bedeutet „Gasmangellage“ eigentlich?</h3><p>Genau an dieser Stelle lohnt der präzise Blick auf die rechtliche und technische Definition der Gasmangellage.</p><p><strong>Was bedeutet „Gasmangellage“ rechtlich und technisch?</strong></p><p>Der Begriff „Gasmangellage“ ist kein journalistischer Kampfbegriff, sondern ein klar definierter Zustand im europäischen und deutschen Energierecht. Maßgeblich sind die <strong>EU-Gasversorgungsverordnung (EU) 2017/1938</strong>, das <strong>Energiesicherungsgesetz (EnSiG)</strong> sowie die nationale Notfallstufen-Logik der Bundesnetzagentur.</p><p><strong>Das Krisensystem kennt drei Stufen:</strong></p><p><strong>1. Frühwarnstufe</strong></p><p>Wird ausgerufen, wenn sich eine erhebliche Verschlechterung der Versorgungslage abzeichnet. Der Markt funktioniert weiterhin vollständig. Staatliche Eingriffe erfolgen noch nicht.</p><p><strong>2. Alarmstufe</strong></p><p>Wird ausgerufen, wenn die Gasversorgung spürbar beeinträchtigt ist, der Markt die Lage aber noch selbst ausgleichen kann – etwa durch Preisreaktionen, Mehrimporte oder freiwillige Verbrauchsreduktionen.</p><p><strong>3. Notfallstufe (faktische Gasmangellage)</strong></p><p>Erst in dieser Stufe liegt eine Gasmangellage vor. Der Staat greift aktiv ein, weil Angebot und Nachfrage nicht mehr ausgeglichen werden können. Die Bundesnetzagentur wird zum „Bundeslastverteiler“ und ordnet hoheitlich an, wer Gas erhält und wer nicht.</p><p><strong>Wer wird geschützt – wer nicht?</strong></p><p><strong>Priorität genießen:</strong> Private Haushalte, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, kritische Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Sicherheitsdienste).</p><p><strong>Nachrangig behandelt werden:</strong> Industrieanlagen, gewerbliche Großverbraucher, nicht systemrelevante Prozesse.</p><p><strong>Technische Schwelle der Mangellage</strong></p><p>Ein erheblicher Teil der deutschen Speicher sind sogenannte Porenspeicher. Mit sinkendem Füllstand nimmt der Gasdruck ab. <strong>Unterhalb von etwa 20 Prozent Füllstand</strong> kann nicht mehr das gesamte Arbeitsgas mit ausreichender Leistung entnommen werden.</p><h4><strong>Kurz gesagt:</strong></h4><ul><li><p>Sinkende Speicherstände allein = <strong>keine</strong> Gasmangellage</p></li><li><p>Steigende Preise = <strong>keine</strong> Gasmangellage</p></li><li><p>Gasmangellage erst, wenn: Markt versagt + Staat eingreift + physische Grenzen erreicht</p></li></ul><p><em>Alles darunter ist Marktdynamik – keine Krise im rechtlichen Sinn.</em></p><h3>Wie nah ist ein Gasmangel wirklich?</h3><p>Vor diesem Hintergrund lässt sich die aktuelle Lage nüchtern einordnen. Mitte Januar liegen die deutschen Gasspeicher bei rund 38 bis 42 Prozent. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lagen sie bei etwa 60 bis 65 Prozent. Der Unterschied ist erheblich – aber er erklärt zunächst nur einen Befund, keine Krise.</p><p>Die entscheidende Frage lautet nicht, <em>dass</em> die Speicher niedriger gefüllt sind, sondern <em>warum</em>.</p><p>Der Grund ist relativ einfach: Während die Speicher in den vergangenen Jahren über den Sommer so gefüllt wurden, dass sie zu Beginn des Winters praktisch voll waren, war dies 2025 anders. In die aktuelle Heizsaison startete Deutschland Anfang Oktober mit einem Füllstand von nur 75 Prozent – nach rund 96 Prozent Anfang Oktober 2024. <a href="https://www.capital.de/wirtschaft-politik/gasspeicher--niedrige-fuellstaende---droht-uns-ein-kaelte-schock--37063822.html">Diese Differenz von gut 20 Prozentpunkten bleibt bis heute ziemlich konstant.</a></p><p>Dahinter stehen strukturelle Veränderungen auf dem Gasmarkt. Während es sich für Gasimporteure in früheren Jahren rechnete, Gas im Sommer günstig einzukaufen, einzuspeichern und im Winter teurer zu verkaufen, gibt es diesen sogenannten Sommer-Winter-Spread beim Preis nicht mehr – mitunter war Gas sogar im Sommer teurer als im Winter. Händler haben entsprechend zurückhaltend eingespeichert. Das System hat marktwirtschaftlich funktioniert – nur mit einem Ergebnis, das optisch ungewohnt ist.</p><p>Die Bundesregierung verzichtete zuletzt darauf, in den Markt einzugreifen, um Mindestvorgaben für die Füllstände zu erreichen – so wie sie es nach Russlands Angriff auf die Ukraine getan hatte, als sie für Milliardensummen Gas einkaufen ließ.</p><p>Gleichzeitig greifen heute andere Stabilitätsmechanismen als noch vor wenigen Jahren. LNG-Importe können bei steigenden Preisen hochgefahren werden. Pipelinezuflüsse sind diversifiziert. Der europäische Markt erlaubt flexible Umlenkungen. Speicher dienen primär der Glättung kurzfristiger Schwankungen – nicht als alleinige Versorgungsquelle.</p><h3>Was sagen die zuständigen Behörden und Marktakteure?</h3><p>Am 12. Januar – also vor der aktuellen Debatte – veröffentlichte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, einen ausführlichen <a href="https://bonn.social/@Klaus_Mueller/115880954506127628">Thread auf X oder Mastodon</a>. Seine Kernpunkte:</p><ul><li><p>Der Speicherfüllstand ist „nicht allein relevant&quot; für die Versorgungssicherheit</p></li><li><p>Deutschland verfügt über ausreichende Importmöglichkeiten</p></li><li><p>Händler können jederzeit zusätzliches Gas beschaffen</p></li><li><p>Die Gasflüsse wurden von Ost-West auf Nord/West-Ost umgestellt</p></li><li><p>Der Weltmarkt hat ausreichend Gas verfügbar</p></li><li><p>LNG-Terminals haben noch freie Kapazitäten</p></li><li><p>Die Nachfrage in Asien ist rückläufig</p></li><li><p>Gaspreise bei 28-30 Euro/MWh zeigen „keine Zeichen von Knappheit&quot;</p></li></ul><blockquote><p>Sein Fazit: „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist aktuell gewährleistet.&quot;</p></blockquote><p>Das Bundeswirtschaftsministerium verweist auf die neue Importflexibilität und den fehlenden Bedarf an staatlichen Markteingriffen. Auch andere, zentrale Marktakteure teilen diese Einschätzung – mit unterschiedlichen Akzenten:</p><ul><li><p>Stefan Dohler (EWE) warnt gegenüber der dpa vor strukturellen Fehlanreizen bei der Speicherbefüllung, relativiert jedoch ausdrücklich die Wahrscheinlichkeit eines extremen Mangels und fordert langfristig eine strategische Reserve.</p></li><li><p>Uniper sieht die Versorgung aktuell als gewährleistet, verweist aber auf Risiken bei außergewöhnlichen Extremszenarien.</p></li></ul><p><strong>Claudia Kemfert (DIW)</strong> sieht ebenfalls keinen Grund zur Besorgnis. <a href="https://www.swr.de/swraktuell-radio/gasspeicher-in-deutschland-fuellstand-aktuell-nur-noch-50-prozent-100.html">Im SWR-Interview vom 12. Januar</a> sagte die Energieökonomin: <em>„Es droht jetzt keine Versorgungskrise – wir haben ja immer noch ausreichend Gas auf den internationalen Märkten und die Importe bleiben auch stabil.&quot;</em> Die Lage sei nicht vergleichbar mit dem ersten Ukraine-Winter 2022. Heute gebe es genug Gas auf dem Weltmarkt und ausreichend Infrastruktur. Kemfert warnt allerdings: <em>„Die Sicherheitsmargen werden dünner.&quot;</em></p><p>Besonders relevant ist die Rolle der <strong>Initiative Energien Speichern (INES)</strong>. In ihren Szenarien taucht im Extremkälteszenario eine sogenannte „Unterdeckung“ auf. Dieser Begriff wird in der öffentlichen Debatte häufig mit einer Mangellage gleichgesetzt – fachlich zu Unrecht.</p><h3>Was sagen die Gasspeicherbetreiber selbst?</h3><p>Die Initiative Energien Speichern (INES) vertritt über 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten. <a href="https://energien-speichern.de/ines-gas-szenarien-mildere-witterung-entschaerft-lage-strukturelle-risiken-bleiben-bestehen/">In ihrem Januar-Update</a> vom 20. Januar 2026 ordnet sie die Lage ein:</p><blockquote><p>„Der milde Winterverlauf hat die Lage kurzfristig entschärft, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Speicherbefüllung vor dem Winter 2025/26 unzureichend war.&quot;</p></blockquote><p>Die INES-Szenarien modellieren drei Temperaturverläufe: warm (EU-Wetterjahr 2020), normal (2016) und extrem kalt (2010). Nur im Extremszenario – bei Temperaturen wie im historisch kalten Winter 2010 – weist das Modell eine rechnerische Unterdeckung aus.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fimage-148.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=fb7c1e99dc74984dcd83571bea87f3ed" alt="image 148"/><p>Entscheidend ist der Temperaturvergleich:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/53dbfa8c-991e-42f6-b920-1064bcf1e2d0/uploads/images/2qwmjeqgec/Bildschirmfoto_25-1-2026_8032_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der Dezember 2025 war über 7 Grad wärmer als im Extremszenario erforderlich. INES schreibt dazu: <em>„Dies hat die Ausgangslage für den weiteren Winterverlauf verbessert und den in den Modellen ausgewiesenen Gasmangel gegenüber dem November-Update reduziert.&quot;</em></p><p>INES-Chef Sebastian Heinermann ordnet ein: „Der milde Winterverlauf hat die Lage kurzfristig entschärft.&quot; Der Januar verlaufe bislang zwar kälter als in einem Normaljahr, jedoch „ohne Extremwerte&quot;. Dadurch entleerten sich die Speicher langsamer als im Worst-Case-Szenario vorgesehen. Von einer flächendeckenden Kältewelle, die Verbrauch und Speicherentnahmen massiv treiben würde, ist derzeit wenig zu sehen.</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2Fimage-147-679x1024.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=c890ca4ee3c0a9286db52357dbb8e3ea" alt=""/><figcaption>Indiz: So ist die Wettervorhersage für Garmisch-Partenkirchen laut wetter.com (Stand: 23.1.2026).</figcaption></figure><p>Und zur Einordnung des Begriffs „Gasmangel&quot;:</p><blockquote><p>„Ein in der Modellierung ausgewiesener Gasmangel bedeutet jedoch keine physische Nicht-Versorgung, sondern würde sich in der Realität zunächst durch starke Preissteigerungen äußern, die Verbrauchsreduktionen erzwingen und so den Markt wieder in einen ausgeglichenen Zustand bringen.&quot;</p></blockquote><p><strong>Was bedeutet „Unterdeckung&quot; in den INES-Szenarien?</strong></p><p>In der öffentlichen Debatte wird häufig aus den Szenarien der INES zitiert – insbesondere aus dem Extremszenario, das eine sogenannte „Unterdeckung&quot; ausweist. Dieser Begriff wird dabei oft mit einer drohenden Gasmangellage gleichgesetzt. Fachlich ist das jedoch nicht korrekt.</p><p>INES weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Modellierung keine Preisreaktionen abbildet. Das Modell rechnet mechanisch: Temperatur führt zu Verbrauch, Verbrauch führt zu Speicherentnahme, Speicher sinken – bis rechnerisch ein Defizit entsteht. Doch dieser modellierte „Gasmangel&quot; bedeutet nicht, dass physisch kein Gas mehr verfügbar wäre.</p><p>In der Realität würde eine solche Situation zunächst Preissignale auslösen, die sowohl die Nachfrage dämpfen als auch zusätzliche Importe anziehen – lange bevor es zu staatlichen Eingriffen käme.</p><p>Dieser Unterschied ist zentral für die Einordnung aktueller Medienberichte. Wer „Unterdeckung&quot; mit „Gasmangellage&quot; gleichsetzt, verwechselt ein Preissignal mit einem Versorgungsbruch – und dramatisiert eine Modellrechnung zu einer Krise, die so nicht eintreten würde.</p><p>Was unterscheidet „Unterdeckung&quot; von einer echten Gasmangellage?</p><p>INES selbst formuliert es eindeutig: <em>„Ein in der Modellierung ausgewiesener Gasmangel bedeutet jedoch keine physische Nicht-Versorgung, sondern würde sich in der Realität zunächst durch starke Preissteigerungen äußern, die Verbrauchsreduktionen erzwingen und so den Markt wieder in einen ausgeglichenen Zustand bringen.&quot;</em></p><p>Das INES-Modell bildet bewusst keine Preisreaktionen ab: <em>„Die Modellierung berücksichtigt keine preiselastische Nachfragereaktion.&quot;</em> Es rechnet mechanisch: Temperatur → Verbrauch → Speicherentnahme → Defizit. Doch dieser rechnerische „Gasmangel&quot; ist kein physischer Versorgungsbruch.</p><h4>Der entscheidende Unterschied:</h4><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/53dbfa8c-991e-42f6-b920-1064bcf1e2d0/uploads/images/srntbavduf/Bildschirmfoto_25-1-2026_829_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h4>Der doppelte Marktmechanismus</h4><p>Bei steigenden Preisen greifen zwei Effekte gleichzeitig:</p><p><strong>1. Nachfrageseite:</strong> Industrie und flexible Verbraucher reduzieren ihren Verbrauch, weil Gas zu teuer wird.</p><p><strong>2. Angebotsseite:</strong> Höhere Preise locken zusätzliche LNG-Schiffe nach Europa – der Spotmarkt reagiert.</p><p><strong>📌 Kurz gesagt:</strong></p><p>Eine echte Gasmangellage würde voraussetzen, dass <strong>beide</strong> Marktmechanismen gleichzeitig versagen. Unter den aktuellen Bedingungen – diversifizierte Importe, verfügbare LNG-Kapazitäten, funktionierender europäischer Markt – gilt dieses Szenario als extrem unwahrscheinlich.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">„Unterdeckung&quot; ist kein Blackout – es ist eine Rechnung, die höher ausfällt.</mark></p><p>Vor diesem Hintergrund überrascht die nüchterne <a href="https://www.wiwo.de/unternehmen/energie/gasspeicher-fuellstaende-keine-panik-der-markt-regelt-das-schon/100190797.html">Einordnung der WirtschaftsWoche</a> kaum: Gasspeicher bleiben ein wichtiger Puffer – aber sie sind nicht mehr der alleinige Maßstab für Versorgungssicherheit. Deutschland ist heute deutlich flexibler aufgestellt als im Krisenjahr 2022. &quot;Keine Panik, der Markt regelt das schon&quot;, kommentiert Autor Florian Güßgen.</p><p>Unterdessen spielt die Industrie zwar eine Gasmangellage durch - <a href="https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/versorgungssicherheit-industrie-spielt-gasmangellage-durch/100190790.html">glaubt aber selbst nicht an eine Gefahr</a>. Als sehr unwahrscheinlich bezeichnet <a href="https://www.welt.de/wirtschaft/video6960e2ec8605767e8f9309e7/historischer-tiefststand-gasspeicher-nur-noch-zur-haelfte-gefuellt-es-gibt-notfallplaene.html">auch Daniel Wetzel bei WELT TV</a> eine solch schwierige Situation - wenngleich im Interview auch über den unwahrscheinlichen Konjunktiv gesprochen wird.</p><p>Mit dieser Faktenlage im Hintergrund stellt sich nun die Frage, wie ausgewählte Medien, YouTube-Kanäle und Experten diese Situation darstellen – und welche Folgen daraus entstehen. Hier werden die Ansätze von NIUS, OutdoorChiemgau und Apollo News dokumentiert. Entscheiden Sie selbst!</p><h3>NIUS: „Speicher auf Rekord-Tiefstand! Experte: Eine Gas-Mangellage ist nicht mehr abzuwenden&quot;</h3><p>Am 21. Januar veröffentlichte NIUS einen <a href="https://www.nius.de/energie/news/speicher-auf-rekord-tiefstand-experte-eine-gas-mangellage-ist-nicht-mehr-abzuwenden">Artikel zur Gasspeicher-Lage</a>. Der Text zitiert zwei Stimmen: EWE-Chef Stefan Dohler und Stefan Spiegelsperger vom YouTube-Kanal „Outdoor Chiemgau&quot;, den NIUS als Energieexperten einführt.</p><p>Dohler wird mit den Worten zitiert: <em>„Ich möchte keinen Alarm schlagen, aber trotzdem darauf hinweisen, dass die Füllstandssituation heute so schlecht ist, wie sie es Anfang 2022 war.&quot;</em> Der relativierende Satzbeginn findet sich in der Überschrift nicht wieder.</p><p>Der Artikel enthält ein Auszug aus der Verordnung mit der Bildunterschrift: <em>„Die Gasspeicherfüllstandsverordnung (GasSpFüllstV) regelt klar: Zum 1. Februar gehören die Speicher zu 40 Prozent gefüllt.&quot;</em> Die Verordnung schreibt 30 Prozent als Durchschnittswert für die meisten Speicher vor – nicht 40 Prozent.</p><p>Weiter heißt es: <em>„Die Initiative Energien Speichern e.V. (INES) geht davon aus, dass zwischen März und Mai eine Gas-Mangellage entstehen wird.&quot;</em> INES spricht in ihren Szenarien von einer möglichen <strong>„Unterdeckung&quot;</strong> im Extremszenario – ein Begriff, den die Initiative ausdrücklich von einer physischen Gasmangellage unterscheidet.</p><p>Das Fazit des Artikels liefert Spiegelsperger:<em> „Egal, wie man es dreht und wendet. Ich denke, eine Gas-Mangellage ist nicht mehr abzuwenden.&quot;</em></p><h3>Spiegelsperger im NIUS-Morgenmagazin</h3><p>Zwei Tage später, am 23. Januar, war Spiegelsperger live im NIUS-Morgenmagazin zugeschaltet – per Handy aus seinem Wohnmobil, mit dem er zu diesem Zeitpunkt Deutschland verließ.</p><p>Im Interview wiederholte er die zentralen Aussagen: Die Speicher würden sich mit „<em>ungefähr 1% pro Tag</em>&quot; leeren, ab 20 Prozent trete eine Gasmangellage ein, die INES-Berechnungen zeigten einen Endstand von „10 bis 12 Prozent&quot;. Auf die Entwarnung der Bundesregierung angesprochen, sagte Spiegelsperger: <em>„Wenn die Bundesregierung sagt, es ist keine Panik, dann ist Panik.&quot;</em></p><p>Zur LNG-Infrastruktur erklärte er: <em>„Es fehlen die LNG-Schiffe, um das zu transportieren.&quot;</em> Die Bundesnetzagentur hatte zehn Tage zuvor mitgeteilt, dass die deutschen LNG-Terminals über freie Kapazitäten verfügen.</p><p>Die Moderatoren u.a. NIUS-Chef Julian Reichelt ordneten Spiegelspergers Aussagen nicht ein. Einer kommentierte: <em>„Das, was er zu sagen hat, ist wahnsinnig wichtig.&quot;</em></p><a href="https://youtu.be/63dnApgxNXM?si=9BoQlVRW0DXpCuEs">https://youtu.be/63dnApgxNXM?si=9BoQlVRW0DXpCuEs</a><h3>Spiegelspergers YouTube-Kanal: 147.000 Aufrufe</h3><p>Die Aussagen, die Spiegelsperger bei NIUS verbreitet, stammen von seinem YouTube-Kanal „Outdoor Chiemgau&quot;. Dort veröffentlichte er am 20. Januar ein 13-minütiges Video zur Gasspeicher-Lage, das bis heute 147.000 Aufrufe erreicht hat.</p><p>Im Video analysiert Spiegelsperger die INES-Szenarien und kommt zu dem Schluss: <em>„Gasmangellage ist nicht mehr abzuwenden.&quot;</em> Er rechnet die INES-Prognosen mit eigenen Annahmen auf einen Endstand von „10 bis 12 Prozent&quot; herunter. INES selbst weist in ihrem Januar-Update einen Wert von 18 Prozent aus – und betont, dass auch dieser nur im Extremszenario mit Temperaturen wie im Jahr 2010 eintreten würde.</p><p>Zur LNG-Infrastruktur sagt Spiegelsperger: „Du brauchst für LNG Schiffe und da gibt&#39;s halt nicht so viele, als dass man davon genug Gas bekommen könnte.&quot; Die Bundesnetzagentur hatte am 12. Januar mitgeteilt, dass die deutschen LNG-Terminals über ungenutzte Kapazitäten verfügen.</p><p>Das Video endet mit den Worten: <em>„Ich bereite meinen Camper vor. Schauen wir mal, was passiert.&quot;</em></p><a href="https://youtu.be/kmAUC7lzZ6I?si=dVVNr3LY4TPnpoWs">https://youtu.be/kmAUC7lzZ6I?si=dVVNr3LY4TPnpoWs</a><h3>Apollo News: „Gasspeicher nur noch zu unter 41 Prozent gefüllt&quot;</h3><p>Am <a href="https://apollo-news.net/fuellstand-unter-41-prozent-kaum-einspeicherung-in-die-gasspeicher-und-jetzt-wird-es-wieder-richtig-kalt/">22. Januar veröffentlichte Apollo News einen Artikel</a> zur Gasspeicher-Situation. Darin heißt es, ausgehend von einem Speicherstand von „57 Prozent am 1. Januar&quot; sei „von einem massiven Gasmangel schon im Februar auszugehen&quot;. Der tatsächliche Füllstand am 1. Januar lag bei rund 69 Prozent.</p><p>Der Artikel zitiert die Initiative Energien Speichern (INES) als Quelle für die Prognose eines <em>„massiven Gasmangels&quot;</em>. INES selbst verwendet den Begriff „Unterdeckung&quot; und betont, dass diese <em>„nicht physische Nicht-Versorgung bedeutet, sondern sich zunächst durch starke Preiserhöhungen äußern würde&quot;.</em></p><p>Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, wird im Artikel als<em> „Grünen-Politiker und Habeck-Vertrauter&quot;</em> eingeführt. Seine fachliche Einschätzung zur Versorgungslage – <em>„Händler und Lieferanten könnten zusätzliches Gas beschaffen&quot;</em> – wird nicht inhaltlich eingeordnet.</p><p>Lesen Sie auch: <a href="https://www.cleanthinking.de/blackout-angst-transnetbw-springer-presse/">Verantwortungslos: Wie die Springer-Presse Blackout-Angst schürt</a></p><h3>Apollo News: Interview mit Fritz Vahrenholt</h3><p>Am selben Tag veröffentlichte Apollo News ein Interview mit Fritz Vahrenholt, den der Sender als Energieexperten und ehemaligen Umweltsenator der Stadt Hamburg vorstellt. Das Video erreichte bis heute 215.000 Aufrufe.</p><p>Zur LNG-Infrastruktur sagt Vahrenholt: <em>„Ich bin der festen Überzeugung, dass die Lücke des Speichergases nicht durch unsere LNG-Kapazitäten abgedeckt werden kann.&quot;</em> Die Bundesnetzagentur hatte am 12. Januar mitgeteilt, dass die deutschen LNG-Terminals über freie Kapazitäten verfügen und <em>„Händler jederzeit zusätzliches Gas beschaffen&quot;</em> könnten.</p><p>Vahrenholt erklärt, Deutschland werde <em>„bis Anfang Februar bei den kritischen 30 Prozent&quot;</em> ankommen. <em>„Darunter wird&#39;s dann kritisch, weil der Gasdruck bei der Entnahme dann absinkt.&quot;</em> Die technische Schwelle, ab der Porenspeicher Druckprobleme bekommen, liegt nach Branchenangaben bei etwa 20 Prozent.</p><p>Als Lösung fordert Vahrenholt die Aufhebung des deutschen Fracking-Verbots: <em>„Wir hätten in der norddeutschen Tiefebene für die nächsten 30 Jahre ausreichend Schiefergas.&quot;</em> <a href="https://www.cleanthinking.de/fritz-vahrenholt-apollo-klimadesinformation/">Mehr zu Fritz Vahrenholt gibt es hier bei </a><a href="http://cleanthinking.de/">Cleanthinking.de</a>.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=QzM4lUqAhfg&amp;t=1s">https://www.youtube.com/watch?v=QzM4lUqAhfg&amp;t=1s</a><p>Die Erzählung verbreitete sich über weitere YouTube-Kanäle: „Meinung mit Kopf&quot; titelte <em>„WARNUNG Gasmangellage – Habecks Vermächtnis macht uns ENERGIELOS&quot;</em>, Oliver Haas warnte <em>„Firmen müssen ABSCHALTEN – Deutschlands Gaskrise spitzt sich zu&quot;</em>, und das klimaskeptische Portal EIKE veröffentlichte ein eigenes Vahrenholt-Interview unter dem Titel <em>„Die Stunde der Wahrheit hat geschlagen&quot;</em>.</p><h2>Fazit: Zwei Realitäten zum Gasmangel 2026</h2><p>Auf der einen Seite stehen Bundesnetzagentur, Bundeswirtschaftsministerium, die Gasspeicherbetreiber selbst, EWE-Chef Dohler, Uniper, DIW-Energieökonomin Claudia Kemfert – und Medien wie Capital, WirtschaftsWoche, Handelsblatt und WELT, die von einer angespannten, aber beherrschbaren Lage berichten.</p><p>Auf der anderen Seite stehen NIUS, Apollo News und eine Handvoll YouTube-Kanäle, die eine unmittelbar bevorstehende Gasmangellage als unabwendbar darstellen – gestützt auf eigene Berechnungen, falsch wiedergegebene Schwellenwerte und einen YouTuber, der Deutschland im Wohnmobil verlässt. Vielleicht glauben die alternativen Medien das wirklich, was sie erzählen.</p><p>Entscheiden Sie selbst. Hat Daniel Günther recht, neue Qualitätsstandards zu fordern? Was ist Ihre Meinung? <a href="https://www.cleanthinking.de/droht-uns-wirklich-eine-gasmangellage-2026/">Lassen Sie es mich in den Kommentaren wissen</a>!</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 25 Jan 2026 07:06:26 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Natrium-Welle rollt an – und Europa ist diesmal nicht nur…]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leserinnen und Leser, das neue Jahr beginnt mit einigen Paukenschlägen. Während offenbar Linksextreme das Stromnetz in Berlin so schwer beschädigen, dass es fünf…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Die Natrium-Welle rollt an – und Europa ist diesmal nicht nur Zuschauer</h1><p>Liebe Leserinnen und Leser,</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.cleanthinking.de%2Fwp-content%2Fuploads%2FSymbolfoto-Stromausfall-Berlin-2026-Vulkangruppe-750x430.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=9752958670ec21539edd0782984d82a1" alt="Vulkangruppe verursacht Stromausfall Berlin Januar 2026 - Teile der Stadt sind dunkel (KI-Foto)"/><p>das neue Jahr beginnt mit einigen Paukenschlägen. Während offenbar Linksextreme das Stromnetz in Berlin so schwer beschädigen, dass es fünf Tage Stromausfall gibt, fällt Donald Trump in fossiler Panik über Maduro her und bricht dabei nicht nur das Völkerrecht. Daneben besticht die Energiewende mit guten Nachrichten: In Klostermansfeld entsteht <a href="https://www.cleanthinking.de/klostermansfeld-europas-groesster-speicher/">Europas größter Batteriespeicher</a> und Solar und Wind werden immer bedeutsamer für die <a href="https://www.cleanthinking.de/stromerzeugung-2025-deutscher-wendepunkt/">Stromerzeugung in Deutschland</a>.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Ich wünsche ihnen allen und uns trotzdem oder gerade deswegen ein gesundes, sauberes &amp; erfolgreiches Jahr 2026!</mark></p><p><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Mehr zur </mark><a href="https://www.cleanthinking.de/vulkangruppe-stromausfall-berlin-2026/"><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Vulkangruppe gibt es hier bei Cleanthinking</mark></a><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit"> sowie </mark><a href="https://www.facebook.com/cleanthinking/posts/pfbid02x9NA6Qzwauj1GQ1G99XMVYtsN8VkXELhVdwJGQ1ybgkUAx1dAqKkqGbz1ioTVccel?__cft__[0]=AZbukFMNJmyXtcuEM17mWeuwZyYbWWCKSQP_1HnD1sGIq1ELbegVHsldLFVQegcO7rK8KlbEl34LZ2mpunKAd3YpkNbUPyW0GEm1uTuLF5LQ4KEhdMrgtj7n5WxtSII5xwrasklTu-fgc72Upjvi3V-01Q0UqY3dK77DcvZ8R9RiQoYNaH2Zr-iitBWYlAWcGrA&amp;__tn__=%2CO%2CP-R"><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">hier</mark></a><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit"> und </mark><a href="https://www.facebook.com/cleanthinking/posts/pfbid02vjnX92DJ6E5fHqbp8Z5w56iLYpns1KsvC4T6YJoD2dUHXPaVzL28VR6BntpGMXZ8l?__cft__[0]=AZbTw9kZbO1f4kJZCIQhSWeaTqfjFOt2Uze_Gj0Kaav-gLJ_JplQMpJjFhS36dkBFV7tGk75W9-f8ElHeLwRu2xcj97qoAidH8xx8w9VNbOo2NwR1eD_9Weq6GHLAyILt_rt8wL8qtV7A6x-6en9XltZZvOjqxlKHAhTREXXT9FeluXQrVo0-5bz1QLFJHM_qrU&amp;__tn__=%2CO%2CP-R"><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">dort</mark></a><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit"> in der FB Community. Mehr zum </mark><a href="https://www.facebook.com/cleanthinking/posts/pfbid02T4cg7Skvkfp8Z4VMWBJEcHcTpVh6TTHx8wgPWpop1cAajtckRXLxV4jybiX4Jb9xl?__cft__[0]=AZacR4ahPTqs2WrWOHqxw598l2v4HWeaFgjdWkTfZUayhRa1XxxqTit_nHo8TO18a6NiMTIf0beqvpSz6qH_v_4MFRx7D-MZOiGhlsffsCH_EptVQTZwloIatf7BmPpUphYsgORs6SBQLpPOx-ZegcBXNMia3D1eFYOIEX1VFVLFHukKwYG9K-n6I9pjGrCYwNM&amp;__tn__=%2CO%2CP-R"><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Trump-Irrsinn gibt es ebenfalls bei Facebook</mark></a><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">.</mark></p><p>Technologische Disruptionen folgen einem Muster, das wir inzwischen kennen: Lange Anlaufphasen mit marginalen Marktanteilen, belächelt von etablierten Playern. Dann ein Kipppunkt. Und plötzlich geht alles sehr schnell.</p><p>Bei der <a href="https://www.cleanthinking.de/natrium-batterie-vorteile-und-nachteile/">Natrium-Ionen-Batterie verdichten sich die Anzeichen, dass wir diesen Kipppunkt</a> gerade erleben.</p><h3>Was in den letzten Wochen passiert ist</h3><p><strong>CATL macht Ernst.</strong> Der weltgrößte Batteriehersteller hat mit <a href="https://www.cleanthinking.de/catl-naxtra-natrium-industrie-rollout-2026/">Naxtra die dritte Generation seiner Natrium-Ionen-Technologie vorgestellt</a> – und die Zahlen sind bemerkenswert: 175 Wh/kg Energiedichte, 80 Prozent Ladung in 15 Minuten, volle Funktionsfähigkeit bis minus 40 Grad. Das reicht für über 400 Kilometer Reichweite in Kompaktfahrzeugen. Die Massenproduktion startet jetzt, die angekündigten Kapazitäten für 2026/27 summieren sich auf über 100 Gigawattstunden.</p><p><strong>Bayern investiert.</strong> In Lichtenfels baut die <a href="https://www.pv-magazine.de/2025/12/18/mehr-als-22-millionen-euro-fuer-natrium-ionen-batterieproduktion-in-bayern/">Firma Moll Batterien eine Produktionsstätte</a> für Natrium-Ionen-Batterien auf – mit 22 Millionen Euro Förderung von Freistaat und EU. Eine Gigawattstunde Jahreskapazität, 126 neue Arbeitsplätze, Inbetriebnahme Ende 2026. Es ist ein vergleichsweise kleines Projekt. Aber es ist ein Anfang. Und es ist hier.</p><p><strong>Estland liefert.</strong> Das Unternehmen <a href="https://www.pv-magazine.de/2025/09/02/freen-bringt-skalierbare-natrium-ionen-batteriespeicher-als-hoch-und-niedervolt-variante-auf-den-markt/">Freen bringt skalierbare Natrium-Ionen-Speicher auf den Markt</a> – entwickelt und produziert in Europa. Hochvolt-Variante bis 100 kWh, Niedervolt bis 45 kWh. Preis: 330 Euro pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Ihre Lithium-Speicher kosten 230 Euro. Der Aufpreis schrumpft. Und: Keine Transportbeschränkungen, kein Kobalt, keine Abhängigkeit von chinesischen Raffinerien.</p><h3>Die Gegenstimme</h3><p>Wer jetzt denkt &quot;Zu schön, um wahr zu sein&quot; – <a href="https://www.ft.com/content/76cce65f-b0f1-4334-b151-0e12dd37aaa6">die Financial Times hat genau diese Skepsis aufgegriffen</a>. Eine Analyse von Benchmark Mineral Intelligence kommt zu dem Schluss: Der Hype übertrifft die Realität. Natrium-Ionen-Batterien machen heute weniger als ein Prozent des globalen Marktes aus. In zehn Jahren könnten es drei Prozent sein – im optimistischsten Szenario 15 Prozent.</p><p>CATL-Gründer Robin Zeng glaubt, Natrium könnte die Hälfte des LFP-Marktes ersetzen. Benchmark hält das für unrealistisch. Es bräuchte &quot;einen sofortigen Durchbruch&quot; bei Performance und Kosten.</p><h3>Warum die Skeptiker einen Punkt haben – aber trotzdem falsch liegen könnten</h3><p>Benchmark macht solide Arbeit. Ihre Analyse ist methodisch sauber. Das Problem: Sie extrapoliert linear in eine Welt, die sich exponentiell verändert.</p><p>Wir haben das bei Photovoltaik gesehen. Bei Elektroautos. Bei Batteriespeichern. Die seriösen Prognosen lagen fast immer daneben – nach unten. Weil sie unterschätzt haben, wie schnell Lernkurven fallen, wenn Skaleneffekte einsetzen.</p><p>Die Frage ist nicht, ob Natrium-Ionen-Batterien perfekt sind. Sie sind es nicht. Die Frage ist: Sind sie gut genug für bestimmte Anwendungen? Und die Antwort ist heute schon: Ja.</p><p>Stationäre Speicher. Heimspeicher. Einsteiger-Elektrofahrzeuge. Nutzfahrzeuge mit planbaren Routen. Regionen mit extremen Temperaturen. Das ist kein Nischenmarkt. Das ist ein riesiges Segment.</p><p>Und während Benchmark rechnet, bauen CATL, BYD, Moll und Freen Fabriken.</p><h3>Der Blick nach vorn: Natrium hebt ab</h3><p>Hier wird es spekulativ – aber spannend. Forscher am MIT haben eine Brennstoffzelle entwickelt, die flüssiges Natrium als Treibstoff nutzt. Die Energiedichte: Viermal höher als bei den besten Lithium-Ionen-Batterien. Die Vision: Klimaneutrales Fliegen.</p><p>Der Clou: Die chemische Reaktion von Natrium mit Sauerstoff und Wasserdampf erzeugt Strom. Dabei entsteht Natriumhydroxid, das wieder zurück in Natrium umgewandelt werden kann. Ein geschlossener Kreislauf.</p><p>Noch ist das Labor. Aber es zeigt: Natrium hat Potenzial weit über Batterien hinaus.</p><h3>Was das für uns bedeutet</h3><p>Europa hat die Lithium-Ionen-Revolution verschlafen. Die Wertschöpfung liegt in China. Die Abhängigkeit ist real.</p><p>Bei Natrium könnte es anders laufen. Die Rohstoffe sind global verfügbar. Die Lieferketten sind weniger komplex. Und: Es bewegt sich etwas. In Bayern. In Estland. In Laboren und Fabriken.</p><p>Das ist noch keine Disruption. Aber es sind die ersten Wellen. Und wer bei der nächsten Technologiewende nicht wieder nur Zuschauer sein will, sollte jetzt genau hinschauen.</p><h3>Weiterlesen bei Cleanthinking</h3><p>→ <a href="https://www.cleanthinking.de/natrium-batterie-vorteile-und-nachteile/"><strong>Natrium-Batterie: Die ökonomische Disruption der Energiespeicherung</strong></a> </p><p>→ <a href="https://www.cleanthinking.de/catl-naxtra-natrium-industrie-rollout-2026/"><strong>CATL Naxtra: Die Natrium-Disruption beginnt 2026</strong></a></p><p>Bleibt Sie neugierig.</p><p>Martin Jendrischik</p><p><em>P.S.: Die CES in Las Vegas beginnt, und bald erscheinen Cathie Woods &quot;Big Ideas 2026&quot;. Sobald hierzu relevante Updates da sind, gibt es den großen Jahresausblick – mit allem, was die Transformation 2026 prägen wird.</em></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 05 Jan 2026 15:00:04 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Europas größter Batteriespeicher ]]></title>
      <description><![CDATA[In Sachsen-Anhalt soll Europas größter Batteriespeicher entstehen. Der Artikel zeigt die Details - und erläutert, warum das "van Gogh"-Projekt systemisch relevant ist.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Europas größter Batteriespeicher in Klostermansfeld: Warum das Projekt systemisch relevant ist</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4e7f451b-e7bb-45e7-af96-cfc6bd774f02/uploads/images/swengqztd6/Bildschirmfoto_29-12-2025_102440_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h2>Zelos Energy Developments aus Berlin projektiert Großspeicher (1 GW / 5,7 GWh), der Redispatch-Kosten am Netzknotenpunkt reduzieren soll</h2><p><strong>In Klostermansfeld, Sachsen-Anhalt, entsteht ein Batteriespeicherprojekt von außergewöhnlicher Dimension: Direkt neben dem Umspannwerk Zirkelschacht plant die Berliner Zelos Energy Developments GmbH eine Anlage mit 5,7 Gigawattstunden (GWh) Kapazität und einem Gigawatt (GW) Leistung. Die Gemeinde spricht von der größten Investition ihrer Geschichte. Entscheidender als der symbolische Charakter sind jedoch die technischen Eckdaten und die Wahl des Standorts: Als Flexibilitätsbaustein könnte der Speicher künftig helfen, das Stromsystem zu stabilisieren, Preisspitzen zu glätten und Abregelungen zu vermeiden.</strong></p><p><em>Technologie und Standort: Warum der Netzknoten entscheidend ist</em></p><p>Batteriespeicher sind keine Ersatzkraftwerke, sondern „zeitliche Brücken“ im Stromsystem: Sie speichern Überschussstrom aus Solar- und Windanlagen und speisen diesen bei Bedarf wieder ein. Die geplante Kombination aus 1 GW Leistung und 5,7 GWh Energieinhalt bedeutet rechnerisch, dass der Speicher etwa sechs Stunden lang mit voller Leistung Strom liefern könnte.</p><p>Besonders wichtig: Der Standort direkt am Umspannwerk. Dort, wo Stromflüsse gebündelt werden und Engpässe auftreten können, kann ein Speicher besonders effektiv wirken. Solche Knotenpunkte im Netz sind Schlüsselorte für die Integration von Flexibilität und die Stabilisierung der Stromnetze.</p><p><em>Projektträger: Zelos Energy Developments</em></p><p>Die Zelos Energy Developments GmbH verantwortet das Vorhaben und nennt es „van Gogh“. Im Dezember 2025 informierte die Gemeinde Klostermansfeld umfassend über den aktuellen Stand: Die Baugenehmigung liegt vor, und das Projekt befindet sich in der Phase der Bauvorbereitung. Die Geschäftsführer Timo Juritsch und Joshua Seib begleiten den Prozess seit mehreren Jahren in engem Austausch mit der Kommune.</p><p>Zelos kommuniziert transparent über <a href="https://vangogh.zelosdev.de/">eine eigene Projektseite</a>, die Informationen zum Standort, zur Planung und zum Beteiligungsprozess bereitstellt.</p><h3><strong>Bedeutung für die Gemeinde Klostermansfeld</strong></h3><p>Klostermansfeld, eine Gemeinde mit rund 3.000 Einwohnern im Landkreis Mansfeld-Südharz, bezeichnet den Speicher als größte Investition ihrer Geschichte, <a href="https://www.mz.de/lokal/eisleben/strom-fur-6-5-millionen-haushalte-in-klostermansfeld-entsteht-ein-batteriegrossspeicher-4167750">wie auch die Mitteldeutsche Zeitung berichtet</a>. Sichtbar wird das an mehreren konkreten Projekten: So soll mit Unterstützung des Projektierers u. a. ein neuer Spielplatz entstehen, der lange aufgeschoben wurde. Auch energetische Sanierungen an kommunalen Gebäuden sowie Investitionen in die örtliche Infrastruktur (z. B. Breitband und Straßenbeleuchtung) stehen im Raum.</p><p>Zudem rechnet die Gemeinde mit:</p><ul><li><p>zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen,</p></li><li><p>wirtschaftlichen Impulsen für lokale Unternehmen in der Bauphase,</p></li><li><p>einem stärkeren Standortprofil für Energieprojekte.</p></li></ul><p>Begleitet wird das Projekt durch Bürgermeistersprechstunden, Informationsveranstaltungen und Beratungen im Gemeinderat. Eine zentrale Rolle spielt dabei Bürgermeister Frank Ochsner, der zugleich ehrenamtlicher Feuerwehrchef in Klostermansfeld ist. Er steht nicht nur für administrative Begleitung, sondern verkörpert auch den direkten Draht zu den Bürger*innen – ein Faktor, der für das Vertrauen in das Projekt entscheidend ist.</p><p><em>Zeitplan und Erwartungen</em></p><p>Die aktuell kommunizierten Eckdaten lauten:</p><ul><li><p>Baubeginn: Winter 2026</p></li><li><p>Bauende: Herbst 2027</p></li><li><p>Inbetriebnahme: Sommer 2028</p></li></ul><p>Wie bei Großprojekten üblich, ist dieser Zeitplan in frühen Phasen vorläufig. Lieferketten, Netzanschluss und regulatorische Entwicklungen können Verzögerungen verursachen.</p><p>Mehr dazu auch im Lokal-Fernsehen:</p><h3><strong>Systemische Relevanz: Was Batteriespeicher leisten können – und was nicht</strong></h3><p>Große Batteriespeicher spalten oft die Meinung: Für die einen sind sie überbewertet, für die anderen ein Allheilmittel der Energiewende. Dabei liegt der Nutzen – wie so oft – in der konkreten Anwendung. Der Speicher in Klostermansfeld wird nicht über Wochen Strom liefern oder das Netz allein stabil halten. Aber er kann gezielt dann einspringen, wenn kurzfristig viel Wind- oder Solarstrom im Netz ist und kein Abnehmer zur Stelle. Genau in solchen Momenten kann er Preisspitzen glätten, Netzengpässe entschärfen oder verhindern, dass Erneuerbare abgeregelt werden.</p><p>Was der Speicher nicht leisten kann, ist ebenso wichtig: Er ersetzt keine saisonalen Speicher für Wintermonate, keine Reservekraftwerke für tagelange Dunkelflauten – und schon gar nicht den Netzausbau.</p><p>Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass Energiewende-Infrastruktur nicht zwangsläufig auf Kosten wertvoller Agrarflächen gehen muss. Die Anlage in Klostermansfeld soll auf einer versiegelten Industriebrache errichtet werden – in einem Bundesland, das von Braunkohletagebauen geprägt ist und viele ehemalige Industrieflächen birgt, die sich für solche Projekte eignen. Sorgen um Flächenkonkurrenz sind also verständlich, aber in diesem Fall unbegründet.</p><p>Gerade weil sein Nutzen so spezifisch ist und die Standortwahl mit Bedacht erfolgt, verdient das Vorhaben Aufmerksamkeit: Ein Speicher dieser Größe, direkt an einem zentralen Netzknoten errichtet, kann zeigen, wie systemdienliche Flexibilität in der Praxis aussieht – und welchen Unterschied sie dort macht, wo es im Stromnetz wirklich eng wird.</p><h3><strong>Kein Einzelfall: Die Batterie-Welle rollt</strong></h3><p>Klostermansfeld ist Teil einer größeren Entwicklung. Bei den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern liegen aktuell Netzanschlussanfragen für über 500 Gigawatt Batteriespeicherleistung vor. Zum Vergleich: Deutschland braucht bis 2035 schätzungsweise 55 bis 100 GW, um ein zu 100 Prozent erneuerbares Stromsystem flexibel zu betreiben. Die Anfragen übersteigen den Bedarf um das Fünf- bis Neunfache.</p><p>Das Problem ist nicht Kapital oder Technologie – beides ist da. Der Engpass sind Netzanschlüsse: 50Hertz, der zuständige Übertragungsnetzbetreiber für Ostdeutschland, hat seine Anschlusskapazitäten bis 2029 bereits erschöpft. Die Branche spricht intern vom „Batterie-Tsunami“.</p><p>Projekte wie Klostermansfeld zeigen: Die S-Kurve der Batteriespeicher will steil nach oben. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell wir sie lassen.</p><p><em>Einordnung: Systemwirkung statt Haushaltsvergleich</em></p><p>Die öffentliche Kommunikation verwendet oft vereinfachte Größen wie „x Haushalte für y Stunden“. Solche Vergleiche greifen zu kurz: Ein Batteriespeicher speist ins Netz ein – nicht direkt in Haushalte. Wichtig ist stattdessen:</p><ul><li><p><strong>Leistung (GW):</strong> Wie schnell kann Strom aufgenommen/abgegeben werden?</p></li><li><p><strong>Kapazität (GWh):</strong> Wie lange kann der Speicher diese Leistung liefern?</p></li><li><p><strong>Standort:</strong> Wo entsteht netzdienliche Wirkung?</p></li></ul><p><em>Offene Punkte und Ausblick</em></p><p>Noch nicht öffentlich einsehbar sind:</p><ul><li><p>technische Details (Zellchemie, fortlaufende Überwachung und exaktes Brandschutzkonzept),</p></li><li><p>Betriebsstrategie (vermarktete Dienste, Netzdienlichkeit),</p></li><li><p>Vertrags- und Finanzierungsstruktur,</p></li><li><p>Umweltschutzmaßnahmen.</p></li></ul><p>Diese Informationen werden typischerweise in späteren Projektphasen transparent.</p><h3><strong>Skalierbare Systemlösung oder Einzelfall?</strong></h3><p>Der Batteriespeicher in Klostermansfeld ist kein Symbolprojekt, sondern ein potenzieller Systembaustein. Wenn es gelingt, Flexibilität gezielt am Netzknoten bereitzustellen, könnte das Projekt bundesweit Signalwirkung entfalten: für eine netzdienliche Integration Erneuerbarer, für einen effizienteren Netzbetrieb – und als Baustein für ein flexibles Stromnetz 2035.</p><p>Weitere Cleanthinking-Inhalte:</p><a href="https://www.cleanthinking.de/exxpress-video-bjoern-peters-fossile-panik/">https://www.cleanthinking.de/exxpress-video-bjoern-peters-fossile-panik/</a><a href="https://www.cleanthinking.de/thwaites-gletscher-antarktis-schmilzt/">https://www.cleanthinking.de/thwaites-gletscher-antarktis-schmilzt/</a><a href="https://www.cleanthinking.de/statcom-smart-grid-netzstabilitaet/">https://www.cleanthinking.de/statcom-smart-grid-netzstabilitaet/</a>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 29 Dec 2025 09:28:20 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Black River auf Jamaika: Wird Sebas Vision Realität?]]></title>
      <description><![CDATA[Kann eine zerstörte Stadt zur Vorzeigestadt der Zukunft werden? Tony Seba hat diese Idee für Black River auf Jamaika. Was ist passiert und was spricht dafür und dagegen?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7e3e5653-89fb-4c80-b0c0-e1c2ad649223/uploads/images/bckpfrgsym/Bildschirmfoto_23-12-2025_11111_www.cleanthinking.de.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>Andrew Holness</strong> schwebt über einer Stadt, die es nicht mehr gibt. Der Helikopter kreist über <strong>Black River</strong>, der Premierminister von Jamaika filmt mit seinem Handy. Unter ihm: abgedeckte Dächer wie offene Wunden, umgeknickte Strommasten, braunes Wasser in den Straßen. Drei Monate zuvor stand er hier unten, eröffnete einen KFC und sprach von der Zukunft. Jetzt sagt er nur noch: <strong>&quot;Ground Zero.&quot;</strong></p><p>Die Nacht vom 27. auf den 28. Oktober 2025 hat Black River ausgelöscht. <strong>Hurrikan Melissa</strong> traf die Küstenstadt im Südwesten Jamaikas mit 295 Stundenkilometern – der stärkste Sturm seit 174 Jahren. <strong>Maurice Mullings</strong> hielt sechs Stunden lang seine Fenster zu, während draußen die Welt zerbrach. <strong>Jerselyn Rowe</strong> verlor das Dach über dem Kopf. Die siebenjährige <strong>Layla</strong> malte danach Bilder vom Sturm, weil sie nicht schlafen konnte.</p><p>80 bis 90 Prozent der Dächer wurden abgerissen. Das Krankenhaus, das gerade erst modernisiert worden war, liegt in Trümmern. Das <strong>Stromnetz </strong>existiert nicht mehr – mehr als 500.000 Menschen auf der Insel saßen im Dunkeln, manche für Wochen. St. Elizabeth, die &quot;<strong>Brotkammer</strong>&quot; Jamaikas, verlor zehntausende Farmen. Mindestens 45 Menschen starben.</p><p>Melissa war kein Zufall. Hurrikane werden stärker, weil die Meere wärmer werden. Was Meteorologen &quot;<strong>rapid intensification</strong>&quot; nennen – ein Sturm, der innerhalb von Stunden von gefährlich zu katastrophal wächst – wird zur neuen Normalität. Melissa explodierte förmlich über der Karibik, angetrieben von Wassertemperaturen, die Rekorde brachen. Der <strong>Klimawandel</strong> hat diesen Sturm nicht erschaffen, aber er hat ihm Steroide gespritzt.</p><p>Drei Monate vor der Katastrophe hatte Holness große Pläne verkündet. Black River sollte nach Kingston und Montego Bay zur <strong>dritten Stadt Jamaikas</strong> werden – eine Stadt, die von Grund auf geplant wird. <em>&quot;Jamaika hat so etwas nie gebaut&quot;</em>, sagte er damals. <em>&quot;Nicht seit Spanish Town in der Kolonialzeit.&quot;</em> Er sprach von einem Ort zum Leben, Arbeiten, Familien gründen. <em>&quot;Im Paradies alt werden&quot;</em>, sagte er wörtlich.</p><p>Die Geschichte schien auf seiner Seite. Black River war schon einmal Pionier gewesen: <strong>1893 die erste Stadt Jamaikas mit elektrischem Strom</strong>, <strong>1903 die erste mit Automobilen</strong>. Ein Handelshafen, der die Karibik mit Europa verband. Dann kam der langsame Abstieg, die Bedeutung schwand, die jungen Leute zogen weg. Heute leben noch 5.000 Menschen hier. Holness wollte das ändern.</p><h3>Jetzt steht er vor einer anderen Frage: Wiederaufbau oder Neuanfang?</h3><p>8.000 Kilometer entfernt sitzt Tony Seba in Kalifornien und arbeitet an einem Blogpost. Der Ökonom ist bekannt für Prognosen, die erst belächelt und dann bestätigt wurden. 2014 sagte er voraus, dass <strong>Elektroautos </strong>den Verbrenner verdrängen würden – damals hielten ihn viele für verrückt.</p><p>Jetzt leitet er den Think Tank <strong>RethinkX </strong>und denkt über Städte nach. Sein jüngstes Buch heißt &quot;<strong>Stellar</strong>&quot; und beschreibt, wie Gesellschaften funktionieren könnten, die auf Solar, autonomer Mobilität und lokaler Nahrungsproduktion aufbauen.</p><p>Sebas Idee für Black River: <strong>Nicht reparieren, sondern überspringen</strong>. Das 20. Jahrhundert auslassen. Statt Stromleitungen zu flicken, dezentrale Solaranlagen bauen. Statt Gebrauchtwagen zu importieren, auf autonome Flotten setzen. Statt Lebensmittel einzufliegen, Proteine vor Ort produzieren. Er nennt das eine &quot;<strong>Stellar City</strong>&quot; – die erste ihrer Art.</p><p>Die Zahlen, die er präsentiert, sind beeindruckend. Jamaikas Energieversorgung hängt zu über 90 Prozent an Öl und Gas, fast alles importiert. Jeder Hurrikan zeigt, wie fragil das ist. Ein dezentrales System aus Solar und Batterien wäre widerstandsfähiger – nach Melissa hatten die wenigen Häuser mit Solaranlagen auf dem Dach am nächsten Morgen wieder Strom. Die Nachbarn warteten Wochen.</p><p>Ähnlich beim Transport: Jamaika gibt Milliarden für importierte Gebrauchtwagen und Treibstoff aus. Seba rechnet vor, dass autonome Elektroflotten vier- bis zehnmal günstiger pro Kilometer wären. Weniger Parkplätze, mehr Platz für Menschen. Beim Essen sieht er Chancen in der Präzisionsfermentation – Proteine, die in Tanks statt auf Weiden entstehen. Jamaika exportiert ohnehin Zucker, der perfekte Rohstoff dafür.</p><h3>Es klingt wie Science-Fiction, aber die Technologien existieren</h3><p>Die Frage ist, ob sie hier funktionieren.</p><p>Denn Black River ist nicht Silicon Valley. Es ist eine Kleinstadt mit 5.000 Einwohnern in einem Land, das gerade andere Sorgen hat. Waymo und Tesla suchen Testmärkte – aber lohnen sich 5.000 Menschen für einen Piloten? Wer investiert in eine Insel, die alle paar Jahre von Stürmen getroffen wird? Die Weltbank hat 9 Milliarden Dollar Schaden geschätzt. Woher soll das Geld für den Neuaufbau kommen?</p><p>Und dann ist da der Schutt. Tonnen von Trümmern liegen in den Straßen von Black River. Im Independence Park, wo sonst Familien picknicken, türmen sich die Überreste der zerstörten Häuser. Menschen durchsuchen die Haufen nach brauchbarem Material. Die <strong>Urban Development Corporation</strong> soll aufräumen, aber wohin damit?</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7e3e5653-89fb-4c80-b0c0-e1c2ad649223/uploads/images/bxxrjxzp6q/ChatGPT_Image_23._Dez._2025__13_50_03.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Black River: Zerstörung durch Melissa (links) und Vision für den Neuaufbau (rechts, KI-generiert)."/><figcaption>Black River: Zerstörung durch Melissa (links) und Vision für den Neuaufbau (rechts, KI-generiert).</figcaption></figure><p>Ein Neuaufbau, der ernst gemeint ist, müsste hier anfangen: <strong>Kreislaufwirtschaft</strong>. Beton zerkleinern, Metall sortieren, Holz wiederverwenden. Das wäre weniger glamourös als Solarparks und autonome Taxis, aber vielleicht der erste Schritt.</p><p>Holness hat nach seinem Überflug etwas Bemerkenswertes gesagt: <em>&quot;Die Wahrheit ist, viele Gebäude standen von Anfang an am falschen Ort.&quot;</em> Das klingt nach Einsicht. Es klingt nach jemandem, der verstanden hat, dass einfaches Wiederaufbauen nicht reicht. Aber zwischen Einsicht und Umsetzung liegen Jahre. Eine Dekade mindestens. Regierungen wechseln, Aufmerksamkeit schwindet, neue Krisen kommen.</p><h3>Hat Jamaika das Durchhaltevermögen für einen echten Systemwechsel?</h3><p>Das Prinzip des Überspringens ist nicht neu. Afrika hat das Festnetztelefon ausgelassen und ist direkt zum Mobilfunk gegangen. Kenia hat Bankfilialen übersprungen – heute wickelt das Land einen Großteil seiner Zahlungen über M-Pesa ab. Entwicklungsökonomen nennen das <strong>Leapfrogging</strong>. Aber es braucht mehr als Technologie. Es braucht Institutionen, Ausbildung, politischen Willen über Wahlzyklen hinweg.</p><p>Black River hat etwas, das andere Städte nicht haben: ein leeres Blatt. Das ist zynisch formuliert angesichts des Leids, aber es ist auch wahr. Wer neu bauen muss, kann anders bauen. Die Frage ist, ob der Druck groß genug ist, um alte Muster zu durchbrechen – und ob die Unterstützung lange genug hält.</p><p>Tony Seba sieht die Welt in S-Kurven. Alte Technologien sterben langsam, dann plötzlich. Neue Technologien wachsen langsam, dann exponentiell. Für ihn hat Jamaika die Chance, auf der richtigen Seite der Kurve zu stehen. Für die Menschen in Black River ist das abstrakt. Sie wollen ein Dach über dem Kopf, Strom, der nicht ausfällt, Arbeit. Ob das aus Solarpanels oder Dieselgeneratoren kommt, ist ihnen vermutlich egal.</p><p>Aber vielleicht liegt genau darin die Chance. Nicht als ideologisches Projekt, sondern als pragmatische Lösung. Solarzellen, weil sie schneller da sind als neue Übertragungsleitungen. Lokale Nahrungsproduktion, weil Importe zu teuer sind. Autonome Shuttles, weil sich ein Busunternehmen für 5.000 Menschen nicht lohnt.</p><h3>Nicht Verbrennung gegen Licht als Glaubensfrage – sondern als Rechenaufgabe</h3><p>Innerhalb von drei Monaten hat Holness eine KFC-Filiale eröffnet und eine Stadt verloren. In drei Monaten hat Seba einen Blogpost geschrieben und eine Vision entworfen. Dazwischen liegt ein <strong>Hurrikan</strong>, der stärker war als alle zuvor. Die Frage, die bleibt, ist nicht technisch. Sie ist politisch. Will Jamaika der Ort sein, der zeigt, dass es anders geht? Oder wird Black River so wiederaufgebaut, wie es vorher war – und wartet auf den nächsten Sturm?</p><p>Der Klimawandel wird weitere Melissas schicken. Das ist keine Frage des Ob, sondern des Wann. Black River könnte vorbereitet sein. Oder es könnte wieder bei null anfangen. Die Entscheidung fällt jetzt.</p><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Dieser Text erschien in anderer Form mit vielen Quellenangaben zuerst hier:</mark></p><a href="https://www.cleanthinking.de/seba-black-river-jamaika-stellar-city/">https://www.cleanthinking.de/seba-black-river-jamaika-stellar-city/</a>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 23 Dec 2025 12:53:15 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das fossile Zeitalter zerbricht – und die Welt dreht durch]]></title>
      <description><![CDATA[Warum gerade alles so verrückt erscheint. Und warum das ein gutes Zeichen ist. Aus meiner Sicht hat fast alles, was derzeit Skurriles auf der Welt passiert, mit dem…]]></description>
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      <pubDate>Wed, 17 Dec 2025 17:06:09 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[COP30: Tod der Einstimmigkeit, Geburt der Elektrostaaten]]></title>
      <description><![CDATA[Als am vergangenen Samstag die Klimakonferenz COP30 endete, war klar: Das Prinzip der Einstimmigkeit hat ausgedient. Wie geht es nun weiter...?]]></description>
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      <pubDate>Wed, 26 Nov 2025 16:32:41 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Deindustrialisierung? Hans-Werner Sinns Thesen im Check]]></title>
      <description><![CDATA[Analyse des Interviews von Ökonom Hans-Werner Sinn im Clasen Expertentalk: Aus seiner Sicht wird die deutsche Industrie die nächsten Jahre nicht überleben. Ist das so?]]></description>
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      <pubDate>Sat, 22 Nov 2025 11:11:30 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Auf dem Weg in die saubere Zukunft…]]></title>
      <description><![CDATA[muss fossile Panik überwunden werden. Viele, viele positive Nachrichten der letzten Woche zeigen: Ja, das ist machbar. ]]></description>
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      <pubDate>Sat, 08 Nov 2025 07:31:45 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Es geht um die Wurst!]]></title>
      <description><![CDATA[Das deutsche 1,5-Grad-Budget ist verbraucht, erster Kipppunkt (Korallenriffe) ist überschritten, nie stieg der CO2-Anteil schneller. Was können wir jetzt (noch) tun?]]></description>
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      <pubDate>Fri, 17 Oct 2025 06:26:59 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Hamburger Klimavolksentscheid: Fridays for Future sorgt für…]]></title>
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      <pubDate>Sun, 12 Oct 2025 18:54:41 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Zeitalter der Extraktion]]></title>
      <description><![CDATA[Wie eine Zivilisation lernte, Energie zu verbrennen – und dabei ihre eigene Zukunft vergaß Das Zeitalter der Extraktion beschreibt eine Epoche, in der die Menschheit…]]></description>
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      <pubDate>Fri, 10 Oct 2025 16:18:08 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Quo Vadis, Energiewende?]]></title>
      <description><![CDATA[Wo steuert Katherina Reiche die Energiewende hin? Großes Thema: Die Kraftwerksstrategie. Doch neue Details dazu werfen weitere Fragen auf. Mehr dazu im Beitrag.]]></description>
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      <pubDate>Fri, 03 Oct 2025 06:44:23 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Das Zeitfenster schließt sich]]></title>
      <description><![CDATA[Drei führende wissenschaftliche Institutionen schlagen gleichzeitig Alarm: Die Deutsche Physikalische Gesellschaft, die Deutsche Meteorologische Gesellschaft und das…]]></description>
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      <pubDate>Fri, 26 Sep 2025 05:15:41 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Energiewende in Gefahr: Reiche und Merz spielen mit den Klimazielen]]></title>
      <description><![CDATA[Ist es mehr als Rhetorik, wenn Katherina Reiche und Friedrich Merz betonen, sie würden an den Klimazielen festhalten? Wie passen 72 Gaskraftwerke dazu?]]></description>
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      <pubDate>Tue, 16 Sep 2025 18:07:07 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Harald Lesch eskaliert: Warum seine Wutrede zur Klimakrise…]]></title>
      <description><![CDATA[Physiker Harald Lesch findet in einem Vortrag an der Uni Mainz drastische Worte zur Klimakrise – und trifft den Nerv der Zeit. Jetzt ist der Moment, diese Rede in jede Sc]]></description>
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      <pubDate>Wed, 10 Sep 2025 07:15:30 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[IGH: Kampf gegen Klimawandel völkerrechtlich bindend]]></title>
      <description><![CDATA[Das IGH-Gutachten, initiiert von Vanuatu, etabliert Klimaschutz als völkerrechtliche Pflicht und schafft Grundlagen für rechtliche Konsequenzen gegen große Emittenten.]]></description>
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      <pubDate>Wed, 23 Jul 2025 18:04:42 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Lauter werden gegen “Klimarealismus” und fossiles “Weiter-so”]]></title>
      <description><![CDATA[Solarstrom ist im Juni erstmals die wichtigste Stromquelle Europas – und damit der beste Beweis, dass konsequente Klimapolitik wirkt. ]]></description>
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      <pubDate>Fri, 11 Jul 2025 08:04:56 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Zwischen Disruption und Destruktion]]></title>
      <description><![CDATA[Wir leben in bewegten Zeiten, die mental wahrlich schwer zu verarbeiten sind. Wie geht es weiter?]]></description>
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      <pubDate>Tue, 08 Jul 2025 17:28:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[„Strategie ist eben nichts für Feiglinge“]]></title>
      <description><![CDATA[In einer schonungslosen Analyse in der ZEIT nehmen Petra Pinzler und Bernd Ulrich die Klimapolitik der schwarz-roten Bundesregierung auseinander. ]]></description>
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      <pubDate>Fri, 04 Jul 2025 05:29:25 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Katherina Reiche blendet das erneuerbare Energiesystem einfach aus]]></title>
      <description><![CDATA[Mehr zum Monitoringverfahren  gibt es im Text von Cleanthinking.de. Dabei deutet sich an, mit welchem Trick die Energieministerin fossile Strukturen erhalten will.]]></description>
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      <pubDate>Mon, 30 Jun 2025 14:53:10 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Gas, Gas, Gas – Katherina Reiche setzt voll auf Erdgas und ignoriert…]]></title>
      <description><![CDATA[Lippenbekenntnissen zum Trotz: Mit ihrer Energiewende in Richtung fossile Erdgas wird Katherina Reiche Deutschland um Jahrzehnte zurückwerfen.  (Bild: BMWE, Chaperon)]]></description>
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      <pubDate>Wed, 25 Jun 2025 15:42:50 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Die alte Ordnung – und warum wir endlich systemisch denken müssen]]></title>
      <description><![CDATA[Der Realitätscheck der Energiewende muss ein neues Mindset bringen: Das erneuerbare System entsteht von unten nach oben - nicht umgekehrt.]]></description>
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      <pubDate>Mon, 23 Jun 2025 17:04:46 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der EU-Klimasozialfonds entsteht 2026 - was bedeutet der für uns?]]></title>
      <description><![CDATA[Deutschland bekommt 5,3 Mrd. €, wenn die Bundesregierung bis Ende Juni 2025 einen überzeugenden Klima-Sozialplan bei der EU einreicht. Was steckt dahinter?]]></description>
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      <pubDate>Sun, 08 Jun 2025 11:16:19 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Klimastabile Zukunft? Der Spalt wird enger...]]></title>
      <description><![CDATA[Das Zeitfenster schließt sich: Neue Klimadaten machen selbst führende Forscher nervös. Warum jetzt Tempo und Richtung entscheidend sind.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 05 Jun 2025 12:10:12 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ist das das "Paradies"?]]></title>
      <description><![CDATA[Blick über die Brücke nach Pontevedra - die autofreie Stadt in Spanien könnte auch für Heidelberg zum Vorbild werden. Wie kam es dazu?]]></description>
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      <pubDate>Mon, 12 May 2025 05:13:33 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Blackout in Spanien und Portugal – Ursachenforschung und strukturelle…]]></title>
      <description><![CDATA[Stromversorgung wiederhergestellt, Ursachenforschung im Gange Nach dem massiven Stromausfall in Spanien und Portugal am 28. April 2025, über den Cleanthinking gestern…]]></description>
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      <pubDate>Tue, 29 Apr 2025 09:41:24 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Merz' CCS-Plan: Schnelle Lösung oder teurer Traum à la Kemper?]]></title>
      <description><![CDATA[Um die Energieversorgung Deutschlands zu sichern, bringt CDU-Chef Friedrich Merz CCS-Gaskraftwerke ins Spiel. Doch wie realistisch ist dieser Plan? Wir haben die…]]></description>
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      <pubDate>Wed, 23 Apr 2025 15:30:39 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Gegen-Narrative: Rechte Kritik am Emissionshandel souverän kontern]]></title>
      <description><![CDATA[Inmitten einer komplexen Debatte um Klimapolitik und soziale Gerechtigkeit erhebt sich eine Stimme der Kritik am Emissionshandel. Der Cicero-Artikel “Bundestag…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 20 Apr 2025 07:33:13 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Angriff auf den Emissionshandel und Gasifizierung der Energiewende]]></title>
      <description><![CDATA[Wie wird sich der CO2-Preis mit dem ETS II verändern? Wie relevant sind die Angriffe auf das System? Welche Rolle spielt die Bild-Zeitung?]]></description>
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      <pubDate>Sat, 19 Apr 2025 12:15:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wärmewende auf Eis – Koalitionsvertrag des Grauens]]></title>
      <description><![CDATA[Die Wärmewende steht vor einem Scherbenhaufen: Der Koalitionsvertrag lässt nichts Gutes ahnen. Hier die Analyse von Cleanthinking.de für alle Newsletter-Empfänger! ]]></description>
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      <pubDate>Mon, 14 Apr 2025 15:59:56 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Global Electricity Review 2025]]></title>
      <description><![CDATA[Solarenergie treibt Energiewende an, Hitzewellen erhöhen fossile Nutzung Erneuerbare mit 40 Prozent der weltweiten StromerzeugungSolarenergie als Motor der globalen…]]></description>
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      <pubDate>Tue, 08 Apr 2025 13:50:50 +0000</pubDate>
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