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    <title>Cleophonie</title>
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    <description>Sachbuchautorin Cleo Libros Gedanken zu Gesellschaft und Gefühlen. Mal politisch, mal poetisch, immer exklusiv im Podcast &amp; Newsletter.</description>
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      <title>Cleophonie</title>
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      <title><![CDATA[#41: Aufklärung muss fühlbar werden]]></title>
      <description><![CDATA[Upskirting: Sie fühlen sich im Recht, auf andere Körper zuzugreifen. Fakten über Selbstbestimmung helfen hier nicht weiter &&& NEU Profi-Tipps: Beziehung öffnen?!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4>Upskirting: Sie fühlen sich im Recht, auf andere Körper zuzugreifen. Fakten über Selbstbestimmung helfen hier nicht weiter &amp;&amp;&amp; NEU Profi-Tipps: Beziehung öffnen?!</h4><p></p><p>Diese Woche hat es etwas in die News geschafft, das alle wissen: Auf dem Oktoberfest kommt es zu sexualisierten Übergriffen durch Upskirting-Videos. Nachrichtenwert hatte nicht die Tatsache, dass dort manche Menschen anderen ohne ihr Einverständnis unter den Rock filmen, sondern in welchem Ausmaß es passiert. </p><p>Die Täter*innen gehen laut einer Recherche des BR (<a href="https://www.br.de/nachrichten/bayern/oktoberfest-wer-hinter-voyeuristischen-teufelsrad-videos-steckt,VWVGYiF">Quelle</a>) teilweise seit Jahren sehr organisiert vor und verbreiten die Videos massenhaft im Netz - auch gegen Geld.</p><p>Was neben den psychischen Folgen für Betroffene von Upskirting bei der Berichterstattung zudem außen vor gelassen wird, sind die Motive der Täter*innen abseits des Monetären. Oder eine Antwort auf die Frage, wieso manche Menschen für Inhalte bezahlen, die viel weniger Fleisch zeigen als buchstäblich jeder gratis verfügbare Porno im Netz.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p><p>Eine mögliche Erklärung lautet:</p><h3>Es ist nicht die Lust an expliziten Bildern, es ist die Lust an der Grenzverletzung</h3><p>Dass Übergriffigkeit ungeil ist, haben professionelle Stellen bereits genauso lange versucht zu erklären wie Sex-Ed Influencer*innen oder Privatpersonen. Mit Zahlen und Fakten zur Häufigkeit, Motivation und Folgen von sexualisierter Gewalt lässt sich Täter*innen aber offenbar nicht nachhaltig vermitteln, dass diese entfallen sollte.</p><p>Sogar neue Gesetze, die bspw. Upskirting illegalisieren, helfen nicht gänzlich dagegen. Stattdessen gilt der nicht-konsensuelle Zugriff auf den weiblichen Körper im Patriarchat als besonderes Schmankerl.</p><p>Wieso? Weil es sich nicht falsch anfühlt. Sondern wie ein Anrecht. Und was man fühlt, ist erst einmal real. </p><h3>Right in the feels</h3><p>Faktisches Wissen bewegt die Menschen nicht annähernd so effektiv zum Umdenken oder zu Verhaltensänderungen wie Gefühle. Das habe ich während der Lektüre des Buchs <em>“Resist - Weich bleiben in harten Zeiten”</em> von Katrin Rönicke, Lena Sindermann und Laura Lucas verstanden. (<a href="https://www.leykamverlag.at/produkt/resist/">Link zum Buch</a>)</p><p>Nicht durch reines Nachdenken zur Einsicht zu gelangen, sondern durch die eigene emotionale Empfindung sei unheimlich wirkmächtig, schreibt Laura Lucas, Journalistin und Podcasterin, im Kapitel <em>“Vom Fooling her ein gutes Gefühl - Über Emotionalität und Rationalität im Patriarchat”</em>.</p><p>WIE mächtig lässt sich aktuell sehr gut am politischen Rechtsruck in Deutschland beobachten. Ängste, Frust und Verlustgefühle bewegen nicht nur Massen an die Wahlurnen, sie lassen sie sogar für Parteien stimmen, die ihre eigene Freiheit bedrohen. Menschen sind nicht rational. Deswegen ist es auch Politik nicht.</p><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diesen Newsletter einmalig unterstützen möchtest, kannst du mir unter diesem Link ein Trinkgeld geben:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><h3>Was heißt das für sexpositive Aufklärungsarbeit und Gewaltprävention? </h3><p>Es bedeutet, dass wir versuchen sollten, Aufklärung auch emotional wahrnehmbar zu machen.</p><p>Denn wie überlebenswichtig Krebsvorsorge oder Verhütung sind, verstehen die Meisten dann am einfachsten, wenn sie den Schreck einer verdächtigen Körperveränderung am eigenen Leib spüren.</p><p>Okay, das ist ein extremes Beispiel. Bei vielen Menschen fällt der Groschen nicht erst, wenn ein Problem sie selbst betrifft. Das Umdenken kann auch dann einsetzen, wenn ihren Liebsten etwas passiert. Für feministische Aufklärung ist das allerdings nicht die beliebteste Stratgie.</p><p>In öffentlichen Diskussionen über den Schutz von Frauen und queeren Personen vor sexualisierter Gewalt habe ich schon oft die folgende Argumentation beobachtet:</p><p><em>“Wieso findest du diese Schutzmaßnahme übertrieben?? Stell dir doch mal vor, sowas würde deiner eigenen Tochter oder Freundin passieren!”</em></p><p><em>“Das sollte nicht den Ausschlag geben. Wenn sich jemand nur dann sorgt, wenn es die eigenen Leute betrifft, dann steht die Person nicht wirklich gegen Gewalt ein. Das muss unabhängig davon passieren, ob man die Betroffenen mag oder nicht.”</em></p><p>Und auch wenn ich diesen Wunsch nach einer perfekten Welt verstehen kann, frage ich mich, ob wir angesichts weltweit vermehrter Gewalt gegen Frauen und queere Menschen in der Position sind, hier nicht alles mitzunehmen, was geht. </p><p>Menschen sind soziale Wesen. Es ist normal, dass wir uns um unsere Mischpoke mehr Gedanken machen als um Fremde, mit denen wir uns aber identifizieren können oder als um Menschen, deren Perspektive uns komplett unbekannt ist.</p><p>Was wir auslösen wollen, ist Mitgefühl. Ein Gefühl, das in rücksichtsvollem oder sogar solidarischem Verhalten resultieren kann. Und das geht am besten über einen bereits bestehenden Bezug zum Problem oder zu einem Menschen, der das Problem hat.</p><p>Neben Bezugspersonen und Selbsterfahrung können auch anfassbare Erzählungen wie Spielfilme, Doku-Serien oder Bücher die eigene Perspektive um das Erleben anderer erweitern und für Mitgefühl sorgen. Menschen sind nämlich nicht nur soziale Wesen, wir sind auch krass anpassungsfähig. Unsere Gehirne bleiben flexibel und lernfähig - ein Leben lang. </p><p>Neue Informationen müssen uns offenbar aber in einer schmackhaften Gefühls-Hülle präsentiert werden. So wie dem Haustier die Medizin in der Leberwurst. Fair enough.</p><p>Nun aber zurück zur <em>Rape Culture</em> und den aktuellen Gefühlen dazu.</p><h3>“Das gefährlichste Gefühl von allen ist, sich im Recht zu fühlen.”</h3><p>Schreibt Laura Lucas in besagtem Kapitel aus “<em>Resist</em>”, nachdem sie erläutert, wieso auf Ungerechtigkeiten wie Femizide oder auch massenhaftes Upskirting nicht von allen Seiten mit einem Aufschrei reagiert wird. Nämlich weil Menschen keine objektiven Informationsverarbeiter*innen seien: </p><p><em>“Deswegen brüllen so viele Männer stattdessen “#notallmen” ins Internet - sie haben schlicht keinen emotionalen Bezug zum Problem und nehmen es nicht als ihre Verantwortung wahr. Stattdessen erleben sie ihre </em><strong><em>eigenen</em></strong><em> Gefühle: wie die Angst, als Täter oder Teil des Problems gesehen zu werden, oder die Sorge, selbst zum Opfer zu werden.” </em>(S. 49)</p><p>Das ist der Grund, weshalb wir einerseits auch bei diesen Männern Mitgefühl mit Gewaltopfern herstellen und andererseits verhindern müssen, dass Menschen sich im Recht fühlen, wenn sie die Selbstbestimmung Anderer mit Füßen treten.</p><p>Hierzu müssen wir verstehen, wieso Menschen das Gefühl haben, gerade über weibliche Körper bestimmen oder verfügen zu können.</p><p>In einer seit langer Zeit patriarchal organisierten Gesellschaft hat das sicherlich etwas mit Objektifizierung von Frauen aus Gewohnheit zu tun. Aber auch mit der Tatsache, dass die &quot;Ressource Pussy” den eigenen Status als echter Mann definiert.</p><h4>Sexualaufklärung sollte das soziale Kapital thematisieren, das wir sexueller Aufmerksamkeit zuschreiben.</h4><p>Wer die Weiber aufreißen kann, bekommt nicht nur Sex, sondern vor allem Macht und Bestätigung. Der negative Einfluss, den es auf seinen Selbstwert hat, wenn ein Mann Sex gar nicht oder nur gegen Geld hat, ist etwas, dem wir begegnen müssen.</p><p>Wir müssen Sex als etwas anderes beibringen und erlernen als einen Validierungsmechanismus. Und sexuelle Intimität darf nicht mehr als einzige Form der Nähe dargestellt werden, die einem echten Kerl erlaubt ist. Damit “kein Sex” nicht gleichbedeutend ist mit “keine Nähe und Zugehörigkeit”. </p><p>Heißt, der Lehrauftrag manifestiert sich nicht nur in einem “Sex soll sich gut anfühlen” und “ein Übergriff fühlt sich schlecht an”. Sondern auch in einem “sexuell nicht anzukommen, darf sich frustrierend anfühlen, aber nicht den Selbstwert reduzieren”. Oder das Fehlen jeglicher Intimität bedeuten.</p><p>Wie viel einfacher lässt sich ein “Nein” zum sexuellen Angebot akzeptieren, wenn das Ego nicht mehr mitspielt? Wie viel weniger Angst das auch bedeuten würde. Auf allen Seiten.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Natürlich ist das Sachbuch, aus dem ich eben so fleißig zitiert habe, meine aktuelle Empfehlung. Sowohl hierin als auch in den vielen tollen Folgen des Lila Podcast befassen sich die Autor*innen mit den feministischen Themen, die uns alle angehen.</p><p>In unterhaltsamer und niederschwelliger Form tragen sie so vor allem zu einem bei: mehr Verständnis. Und wer Verständnis hat, verhärtet nicht.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/76f3bf74-37a9-4ba0-92e6-41ab5ce13680/uploads/images/kz35jxvak7/Resist_U1_final.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Profi-Tipps</p><p><strong>Zeit für eine neue Reihe - Hier kommen die Profi-Tipps!</strong></p><p><em>Ein großartiger Teil meiner Arbeit als Autorin sind die Interviews mit Expert*innen, die ich führen darf.</em></p><p><em>Immer wieder lassen sich Profis aus den Bereichen Therapie, Sexualmedizin, Coaching, Kulturwissenschaft oder Sexologie &amp; Bodywork von mir Löcher in den Bauch fragen. Meistens landen nur Bruchteile dieser interessanten Gespräche letztlich in den Artikeln oder Podcasts, die veröffentlicht werden. Viele hilfreiche Tipps und spannende Ideen fallen dem mangelnden Platz zum Opfer.</em></p><p><em>Deswegen nehme ich die interessantesten “Outtakes” dieser Interviews nun hier in den Newsletter auf. Allerdings nicht kostenlos. Dieser Teil meiner Arbeit gehört zu den intensivsten, wenn es um Arbeits- und Zeitaufwand geht, und verdient deshalb, bezahlt zu werden.</em></p><p>Heute geht’s um Partnerschaft und den einseitigen Wunsch, die Beziehung zu öffnen. Eine gute Idee oder der Anfang vom Ende?, habe ich Paartherapeutin Jamila Mewes (<a href="https://www.jamilamewes.de/">Website</a>) gefragt, die sich in ihrer Arbeit auf polyamouröse und nicht-monogame Partnerschaften spezialisiert hat:</p><h4>Mehr versprechen als man halten kann ist auch in offenen Beziehungen ein Fehler</h4><p>Viele Liebesbeziehungen starten monogam. Auch dann, wenn sich mindestens eine*r von beiden eigentlich eine offene Partnerschaft wünscht. Bei manchen Paaren ist das eine bewusste Entscheidung - sie wollen sich erst besser kennenlernen und dann öffnen. </p><p>Bei anderen ging ein Kompromiss voraus: Sie fangen einer Person zuliebe monogam an und die verspricht, es sich nach einer Weile nochmal zu überlegen. Kann das funktionieren? Oder sollten offene Beziehungen besser direkt als solche beginnen?</p><p>Laut der Expertin spielt die Beziehungsform zu Anfang keine große Rolle: “Entscheidend ist [...]</p><p><a href="https://steady.page/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/76f3bf74-37a9-4ba0-92e6-41ab5ce13680">Auf Steady weiterlesen</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 04 Oct 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#40: Herbst heißt Abschied]]></title>
      <description><![CDATA[Steht der Kalender auf September, heißt es: Abschied nehmen und Erinnern. Über das Ende als Jahreszeit und den Trost im Ritual &&& US Tales: Auf ihren Spuren in NYC]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4>Steht der Kalender auf September, heißt es: Abschied nehmen und Erinnern. Über das Ende als Jahreszeit und den Trost im Ritual &amp;&amp;&amp; Tales from the US: Auf ihren Spuren in NYC</h4><p></p><p><em><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Erwähnung von Suizid</mark></em></p><p>Jedes Jahr im September begegnet mir der Abschied. Manchmal als Erinnerung, manchmal als Trennung, manchmal als Tod. </p><p>Vor fast genau einem Jahr habe ich an dieser Stelle von unbemerkten Abschieden berichtet<sup><a>1</a></sup>. Dieses Mal geht es um Enden, die sich schon lange angekündigt haben. Und um die Frage, was passiert, wenn man sich der eigenen Endlichkeit tatsächlich bewusst wird.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p><p>Auf meinem Schreibtisch brennt eine Kerze; ich starre hinein. Dann sehe ich wieder auf die Uhr. 09:43.</p><p>Ich kenne den genauen Zeitpunkt nicht, an dem meine Protagonistin stirbt. Ich weiß nur, dass es wahrscheinlich in dieser Stunde passiert. Morgens halb zehn in Deutschland - denn auch hierzulande ist passive Sterbehilfe mittlerweile möglich<sup><a>2</a></sup>.</p><p>Das weiß ich von der Person, die ich innerhalb der letzten drei Monate journalistisch begleitet habe. Es wurden die letzten drei Monate ihres Lebens, das an seinem Ende von Krankheit, Schmerz und Verlust geprägt war. Aber auch von unerschütterlicher Akzeptanz, enormer Kraft und einem Mut, der sie selbst überrascht hat. </p><p>Manu D. bewies den Mut, bis zuletzt um ihre Selbstbestimmung zu kämpfen. In ihrem Sterben genauso wie im Abschluss ihres Lebens. Sie bewies den Mut, sich noch all das zu ermöglichen, worauf sie lange verzichtet oder gewartet hat, und sie wollte davon erzählen.</p><p>Am Tag vor ihrem Tod durch assistierten Suizid telefonieren Manu und ich für über eine Stunde. Ich nehme das Gespräch auf, vielleicht wird es Teil des Podcasts, an dem wir gemeinsam gearbeitet haben. Ein Hörstück über Krebs in jungem Alter, Sexualität trotz Krankheit, Selbstwirksamkeit und Sterbehilfe. </p><p>Nachdem wir aufgelegt haben, bin ich erstaunt, dass Manu mir noch einmal so viel Zeit gewidmet hat. Ich habe mir noch nie vorgestellt, was ich an meinem letzten Tag tun würde. Ob ich viel telefonieren würde? Vielleicht. Schließlich waren Manu und ich uns einig:</p><h4>Die Verbindung zu anderen Menschen zu spüren, ist das Einzige, was uns zeigt, dass wir am Leben gewesen sind.</h4><p>In Verbindung zu gehen bedeutet, einander wahrzunehmen. Ich spüre, höre, sehe, lese, rieche, dass du da bist. Frequenz, Stärke oder Verständnis in der Verbindung spielen dabei erst einmal keine Rolle.</p><p>Nicht alle Verbindungen halten (lange). Nicht alle sind angenehm. Aber alle manifestieren uns in diesem Moment. Sie loszulassen ist deshalb nie ganz einfach. Es weckt die Angst, sich selbst zu verlieren.</p><p>Trotzdem spült das Leben uns weiter, nachdem eine Verbindung getrennt wurde. So wie wir die Jahreszeiten unserer Umwelt durchlaufen, nehmen wir auch an einem Zyklus aus Verbindung finden, halten und trennen teil.</p><p>Wir sind für den Anfang genauso gebaut wie für das Ende - nur widmen wir dem Anfang viel mehr Rituale, geben ihm mehr Rahmen, Raum und Anerkennung. Ob in Baby Showers, ersten Dates, Einschulungen, Hochzeiten, Einweihungen oder Geburtstagsfeiern…überall <em>begehen</em> wir die Anfänge. </p><p>Die Enden hingegen bekommen Beerdigungen und Abschiedsfeiern. Oft sehr zeremoniell und vor allem eins: traurig. Dabei sollte die Trauer nicht das einzige Gefühl sein, das die große Bühne bekommt. Sie sollte Hand in Hand gehen mit Dankbarkeit.</p><p>Ich durfte diese Woche die Abschiedsworte einer Familie an ihre Großmutter in einen Text gießen, der bei der Beerdigung vorgetragen wird. Und wenn es <em>ein </em>Gefühl bei den Enkelkindern gab, das alles andere überlagert hat, dann war das die Dankbarkeit. Für die Verbindung, die die Verstorbene ein Leben lang zu ihren Liebsten gehalten hat.</p><h4>Auch Manu war es am Ende wichtig, auszudrücken, wofür sie dankbar ist.</h4><p>Sie wusste, dass die Akzeptanz von dem, was ist, der Schlüssel zu einem möglichst selbstbestimmten Leben sein würde. Auch wenn sie das erst spät eingesehen hat, gab es in ihrer Welt kein “zu spät”. Es gab nur ein “was auch immer noch geht”.</p><p>Dass es sich auf diese Weise leichter lebt, ist eine der Einsichten, die sie gerne hinterlassen wollte. Deshalb hat sie mir nach unserer letzten Begegnung eine Dankbarkeitsübung zukommen lassen. Deswegen arbeite ich auch nach ihrem Tod weiter an unserem Podcast. Und deshalb enthält jeder Abschied - ob angekündigt oder nicht - bei mir jetzt ein Dankbarkeitsritual.</p><p>Es wird noch etwas dauern, bis Manus und mein Podcast fertig und veröffentlicht ist. Jut Ding braucht Weile. Wenn es soweit ist, werde ich alle Infos dazu in diesem Newsletter, auf meiner Website und auf Insta verteilen. Für die Wartezeit hier schonmal ein klitzekleiner Vorgeschmack:</p><p><a href="https://steady.page/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/f94b0dd3-59a2-4444-a9f4-309c0f58da41">Auf Steady anhören</a></p><p><br/></p><p>P.S.: Sterbehilfe ist etwas anderes als Suizid. Am 10. September war Welttag der Suizidprävention: <a href="https://www.welttag-suizidpraevention.de/">Mehr Infos findest du hier.</a></p><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diesen Newsletter einmalig unterstützen möchtest, kannst du mir unter diesem Link ein Trinkgeld geben:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Tales from the US</p><h3>Auf ihren Spuren in NYC</h3><p>Anfang März 2026 war ich zum ersten Mal in meinem Leben in New York. Allerdings fühlte sich das nicht so an. Denn bevor ich zum ersten Mal einen Fuß in eine der berühmtesten Städte der Welt setzte, hatte ich sie schon unzählige Male in Filmen und Serien gesehen. Oder in Büchern und Geschichten erkundet. Und nicht zuletzt kannte ich New York City aus den Nachrichten.</p><p>Das erste Mal, dass ich die Stadt bewusst wahrnahm, war am 11. September 2001 in der Tagesschau gewesen. Die Videos des rauchenden World Trade Centers vor stechend blauem Himmel - wie es letzte Woche wieder überall zu sehen war. Damals war ich ein Grundschulkind und nicht fähig zu begreifen, dass das New York, das ich einmal bereisen würde, ein anderes sein würde, als das, was meine Eltern einst gesehen hatten.</p><p>Mein Vater hatte Ende der 70er Jahre eine Zeit lang in NYC gelebt und gearbeitet. Er erzählt auch heute noch gerne davon. Nannte mir Straßennamen, Geschäfte und Restaurants, die in Filmen und Büchern nicht vorkamen. In seinen Anekdoten blitzten Seiten dieser Stadt auf, die man nur zu Gesicht bekommt, wenn man sich ihr eine Weile lang anvertraut. Das Zarte und das Melancholische, das in allen Großstädten aufblüht, wenn man sie zu einsamen Tageszeiten durchstreift. </p><p>Die Nostalgie meines Vaters säte in mir über Jahre ein unterschwelliges Fernweh. Aber beinahe 50 Jahre später erlebe ich ein anderes New York als das aus seinen Erinnerungen. Eines, das seitdem Kulisse für so viele andere erfundene und wahre Geschichten geworden ist, dass die Vorstellung meiner Eltern in denselben Straßen sich nun genauso unwirklich anfühlt, wie das New York in <em>How I Met Your Mother</em>.</p><p>***</p><p>Es ist Nacht in Manhattan. Ich starre an einem schlichten, erleuchteten Gebäude hoch, in dem mein Vater einmal tagtäglich seinen Job gemacht hat. </p><p>Es ist der nächste, neblig-verhangene Tag. Ich schaue in einen Abgrund hinab, an dessen Stelle mal ein Wolkenkratzer stand, auf dem meine Mutter ein Foto gemacht hat. </p><p>Sie war noch Teenagerin, als sie nach New York reiste, um meinen Vater zu besuchen. Während ich an einem der Memorial Pools von Ground Zero stehe, rufe ich mir die Fotografie von ihr in Erinnerung.</p><p>Sie steht neben dem Geländer der Aussichtsplattform hoch oben über den Dächern. Hinter ihr die Stadtschluchten. Ihr dunkles, kurzes Haar hebt sich deutlich ab vom stechend blauen Himmel. Es wird das einzige Mal in ihrem Leben bleiben, dass sie New York City besucht.</p><p>In 2026, fast 50 Jahre später und 25 Jahre nach dem Terroranschlag, ist Ground Zero ein Ort, an dem sich tausende Menschen auf den Spuren ihrer Angehörigen einfinden. Sie wissen, näher als an den Rand des Pools kommen sie ihnen nicht mehr.</p><p>Orte des Erinnerns sind so unbefriedigend, weil sie für immer nur ein “fast” bleiben. Gleichzeitig sind sie oft alles, was wir haben. Es ist wichtig, dass sie bleiben, solange sich jemand an einen verlorenen Menschen erinnern will. Und wir erinnern uns, damit sie bleiben.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f94b0dd3-59a2-4444-a9f4-309c0f58da41/uploads/images/nwkjcih5rg/1000084883.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Empfehlungen</p><p>📖 Kein Buch und kein Fazit passen an dieser Stelle besser als Katja Lewinas “Was ist schon für immer”. Ein kluger und feinfühliger Essay über die Akzeptanz von Abschied und Endlichkeit:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f94b0dd3-59a2-4444-a9f4-309c0f58da41/uploads/images/bkfkuyqk3u/1000118279.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>📰 Passenderweise habe ich für das SZ Magazin kürzlich noch einmal über Trennungen schreiben dürfen. Allerdings über den lästigen Umstand, wenn man über eine Beziehung nicht hinweg kommt, obwohl der oder die Ex schon weitergezogen ist. Besonders dann, wenn dieses “Weiterziehen” grundlegende Veränderungen und damit die Frage aufwirft: <a href="https://www.sueddeutsche.de/magazin/liebe-und-partnerschaft/trennung-selbstwert-ex-partner-beziehungen-li.3539956?reduced=true">“Warum konntest du das nicht mit mir?”</a> (lesbar mit SZplus Abo).</p><p>📰 Und auch für WELT Lifestyle habe ich wieder Fragen gestellt - dieses Mal rund um die Unsicherheit meines Kinderwunschs: <a href="https://www.welt.de/iconist/familie/plus6a9fe9521c634564db632686/warum-frauen-wie-ich-sich-noch-nicht-fuer-kinder-entscheiden-koennen.html">“Viele Fragen - Warum Frauen wie ich sich (noch) nicht für Kinder entscheiden können”</a> (auch hier gibt’s ne Paywall).</p><p>📰 Dafür wurde es im Tagesspiegel praktisch. Ich erzähle von Learnings aus zehn Jahren Nichtmonogamie und Paartherapeutin Jamila Mewes gibt Tipps, wie man mit Anfangsfehlern in offenen Beziehungen gut umgehen kann: <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/wir-wollen-unsere-beziehung-offnen-aber-wie-macht-man-das-eigentlich-15979894.html">“<strong>Wir wollen unsere Beziehung öffnen</strong> - Aber wie macht man das eigentlich?”</a> (lesbar mit T+ Abo).</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine<a href="https://cleo-libro.de/kontakt/"> Website</a> erreichen oder mir bei<a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de"> Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen 🧡</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><h4>Quellen</h4><ol><li data-id="676b6e26-7051-4343-b4b3-5bb8edc95ca3"><p><a href="https://steady.page/de/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/747051bb-93b1-4325-8a46-663ec14bac15">NL #15: Von unbemerkten Abschieden und bewussten Trennungen</a></p></li><li data-id="6ceea5fd-6991-4486-8957-4ca4359b7e31"><p><a href="https://www.apotheken-umschau.de/familie/freizeit-alltag/recht-finanzen-familie/sterbehilfe-wie-ist-die-rechtliche-lage-in-deutschland-1173289.html">Sterbehilfe in Deutschland: Was erlaubt ist und was verboten</a></p></li></ol>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 20 Sep 2026 07:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#39: Was du nicht über Neugier weißt]]></title>
      <description><![CDATA[ Wieso neugierig sein die leichteste Form von (feministischer) Solidarität ist +++ 1,5 Jahre nach meinem Buch “Gleichstellung”: Was ich heute darüber denke +++]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h4>Wieso neugierig sein die leichteste Form von (feministischer) Solidarität ist +++ 1,5 Jahre nach meinem Buch “Gleichstellung”: Was ich heute darüber denke +++</h4><p></p><p>Ich habe diese Woche etwas Spannendes über Neugierde gelernt. Und zwar nicht, wie man offensichtliches Click Bait formuliert! Das wusste ich - Tagesspiegel-Überschriften sei Dank - schon vorher. </p><p>Ich habe gelernt, dass Neugier…</p><ol><li><p>vor der Epoche der Aufklärung als Sünde verschrien war, anstatt als Tugend gefeiert.</p></li><li><p>psychologisch wie Hunger verstanden werden kann und deshalb nicht unendlich groß ist.</p></li><li><p>einer der einfachsten Wege ist, wie man sich solidarisch gegenüber anderen zeigen kann.</p></li></ol><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p><p>Erkenntnis 1 und 2 hat mir die Folge “The Hole In Your Brain That Makes You Doomscroll”<sup><a>1</a></sup> vom großartigen Podcast <em>The Rest Is Science </em>beschert. Die dritte Einsicht entstand daraus quasi als ein <em>cannot be unseen </em>Zusammenhang. Aber von vorne.</p><h3><strong>Von der Sünde zur Tugend</strong></h3><p>Neugierde war einst nichts Gutes. Wurde mindestens als ungebührlich betrachtet (besonders für Frauen), wenn nicht sogar als große Gefahr und Sünde geframed. Hannah Fry präsentiert in besagter Podcast-Folge den schlechten Ruf, den Wissbegierde hatte, unter Nennung einer der einflussreichsten Schriften aller Zeiten - der Bibel. </p><p>Die Moral biblischer Geschichten über Figuren wie Eva oder Lots Ehefrau lautet nämlich ausnahmslos: Eine Frau, die entgegen klarer Anweisungen handelt und ihrer Neugier nachgibt, wird das sehr bereuen. Als wollte man Frauen systematisch davon abhalten, hinter die Kulissen der Welt zu schauen und zu viel über sie zu verstehen. Komisch.</p><p>Allerdings galt die Neugier oder auch die “Lust der Augen” für alle als Sünde. Wer mehr wissen wollte, als ihm die heilige Schrift vermittelte, der hinterfragte Gott. Zu erklären, wie es dazu kam, dass sich die Bewertung von Neugierde so stark aufpolierte, dass sie heute als positive Selbstbeschreibung in jedem 2. Datingprofil steht, überlasse ich <em>The Rest Is Science</em>.</p><p>Lieber widme ich mich hier noch dem Hintergrund von Erkenntnis #2. Nämlich der Frage, wieso Neugierde sich trotz drohendem Fegefeuer und sozialer Ächtung in so gut wie jedem Menschen durchgesetzt hat.</p><h3><strong>Konstantes Snacken ist nicht gesund</strong></h3><p>Auch nicht, wenn es sich dabei nur um kleine Happen von Informationen handelt. Ja, laut Hannah Fry konsumieren wir Neuigkeiten aufgrund eines Antriebs, der einem Hungergefühl entspricht. Wir verzehren uns sozusagen nach neuem Wissen. Ganz egal, ob Tratsch oder die drei ungewöhnlichsten Fun Facts über die Titanic. </p><p>Am verlockendsten sind dabei die Informationen, über deren Existenz und ungefähre Gestalt uns jemand gerade in Kenntnis gesetzt hat. Heißt, wenn dir jemand sagt: Es gibt da etwas über die Titanic, das du noch nicht weißt und das dich echt überraschen wird… Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du es nun auch gerne herausfinden willst, umso höher. So geht Click Bait. </p><p>Und so funktionieren auch jede Menge Algorithmen und Mechanismus hinter den Kulissen unserer Social Media Feeds. Laut Hannah Fry ist der Umstand, dass wir ständig kleinen Vorahnungen von Wissenslücken ausgesetzt sind, die wir mit dem nächsten TikTok oder Reel füllen können, vergleichbar mit einer ständig geöffneten Snackbar. Wir naschen hier, wir probieren da und die Pausen zwischen den Snacks sind nicht mehr lang genug, um größeren Wissenshunger zu entwickeln.</p><p>Wir lassen uns mit Infos über Themen übersättigen, die vom Algo ausgespielt werden, anstatt Neugier auf unsere Umgebung zu entwickeln. Wir haben also ein Stück weit die Kontrolle darüber, was uns interessieren wird, an private Unternehmen abgegeben. Was übrig bleibt, ist Desinteresse. Und das ist politisch gesehen vor allem eins: kein Treiber von Solidarität.</p><h3><strong>“Curiosity killed the cat” oder was?</strong></h3><p>Michael Stevens klärt in besagter Folge darüber auf, dass das Sprichwort ursprünglich anders lautete. Nämlich “care killed the cat”, also Sorge oder das sich Kümmern. “What do I care?” “Well, I care about you!” sind Sätze, die Verantwortung ablehnen oder übernehmen. Wer sich kümmert, setzt etwas ein, riskiert etwas.</p><p>Wer sich wundert, was mit der laut weinenden Nachbarin los ist und klingeln geht oder wer das streitende Paar am Bahnsteig fragt, ob es ein Problem gibt, dem*der wird auch mal mit einem “kümmer dich um deinen eigenen Kram” begegnet. Neugier oder sogar Sensationslust werden unterstellt. Aber was zeigt diese Neugier? Dass die Menschen wahrgenommen werden. Dass Konflikte nicht im luftleeren Raum passieren.</p><p>Darauf können solidarisches Einschreiten oder andere Hilfsangebote folgen. Sich zu sorgen oder wenigstens nachzufragen, was in einer Situation passiert, in der es ein Problem zu geben scheint, ist ein solidarischer Akt mit geringer Einstiegshürde.</p><p>Mit wem oder was wir unseren limitierten Hunger auf Hintergrundwissen stillen, ist also politisch. Es hat einen Einfluss auf uns und für was wir einstehen. </p><p>Deswegen nehme ich heute all meine Neugier zusammen und wende mich damit dem Osten zu. Heute wird in Sachsen-Anhalt gewählt und ich weiß, dass es vieles gibt, das ich darüber noch nicht verstehe. Also verschwinde ich bald in diesem Podcast-Rabbithole: DNA des Ostens.<sup><a>2</a></sup></p><hr/><p>Trinkgeld geben</p><p>Wenn du diesen Newsletter einmalig unterstützen möchtest, kannst du mir unter diesem Link ein Trinkgeld geben:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Blog</p><p>Letzte Woche war die Veröffentlichung meines ersten Buchs plötzlich schon anderthalb Jahre her… Passenderweise hat jemand mir fünf interessante Fragen zu “Gleichstellung - Sex zwischen Wunsch und Wirklichkeit” gestellt, die ich hier kurzerhand zu einem flotten Interview zusammengefasst habe:</p><p><strong>1. Was hat dich dazu inspiriert, <em>Gleichstellung</em> zu schreiben und welche Frage(n) wolltest du in diesem Buch beantworten?</strong></p><p>Die Entstehungsgeschichte von Gleichstellung ist keine romantische.</p><p>Ich wurde tatsächlich von einem Verlag geheadhunted, da ich mich schon einige Jahre lang öffentlich mit dem Thema sexueller Chancengleichheit befasst habe. Immer ausgehend von meiner persönlichen Erfahrung habe ich mich schlicht gefragt, ob ich die Einzige mit meinem Problem bin?</p><p>Besonders in einer Gesellschaft wie der deutschen, die spätestens seit den 80er Jahren offiziell behauptet, “sexuell aufgeklärt” zu sein. Mein Eindruck von meinem eigenen Wissensstand und Selbstbewusstsein rund um Sexualität - und von dem meiner Altersgenossinnen - war allerdings ein ganz anderer. Und das obwohl Social Media und das Internet uns mit all seinen Infos über selbstbestimmten Sex schon seit Jahren zur Verfügung stehen. </p><p>Ich habe mich in diesem Buch gefragt, was tatsächlich passieren muss, damit wir die Glaubenssätze über Sex verinnerlichen und danach leben können, die sich so einfach auf Spruchkacheln auf Insta liken lassen.</p><p><strong>2. Ist dir beim Schreiben des Buchs ein Gedanke über Sexualität, Gender oder Gleichstellung begegnet, der dich persönlich überrascht hat?</strong></p><p>Mich hat überrascht, wie groß meine eigenen Wissenslücken über Sex und genitale Anatomie ect. sind, obwohl ich mich schon seit Jahren journalistisch damit befasse.</p><p>Zudem fand ich überraschend, dass wir einander immer noch weiszumachen versuchen, man müsse Sex nicht lernen. Überall erkennen wir an, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, nur bei Sex soll das ganz anders sein.</p><p>Außerdem ist die Tiefe der Scham- und Schuldgefühle rundum Sexualität auch heute noch überraschend hoch bei einem Großteil der westlichen Bevölkerung.</p><p><strong>3. “Gleichstellung” analysiert das Spannungsfeld zwischen femnistischen Werten und dem alltäglichen Leben. Was ist der größte Widerstreit, dem Frauen sich zwischen ihrer sexuellen Freiheit und echter Gleichstellung ausgesetzt sehen?</strong></p><p>Der größter Auslöser für <em>persönlichen </em>Druck scheint zu sein, wenn Frauen erkennen, dass sie - sagen wir mal - misogyne Erregungsquellen haben. Also Pornos oder Praktiken heiß finden, die sie vor einem feministischen Hintergrund als frauenverachtend einordnen. Doch sie bekommen das Gefühl, ihre Präferenzen nicht an ihre politischen Werte anpassen zu können und verurteilen sich dann für ihren Konsum von bspw. “Dark Romance”.</p><p>Ich habe mich mit genau dieser Thematik tiefer im Kapitel über Fantasien befasst. Es ist die Frage nach der Eigenverantwortung: Wo kann ich mein Verhalten ändern, sodass es wirklich Einfluss auf meine Umwelt nimmt? Und wo muss ich mein Verhalten zwar reflektieren, aber kann einfach mal locker lassen?</p><p>Dieser Widerstreit ist für viele eine besondere Herausforderung, weil er in ihnen selbst passiert. Und nicht in einem Partner, der sich problematisch verhält. Auch die Feministin in mir selbst schaut da strenger drauf als die sexpositive Frau.</p><p>Wer sich mit der Frage noch auf eine andere Weise auseinandersetzen will, dem empfehle ich den Film “Teenage Sex and Death at Camp Miasma” zu schauen. Wie gehen Frauen aus unterschiedlichen Generationen mit ihrer sexuellen Freiheit um? Ich sage nur: Das Final Girl als ultimative Fantasie. Große Empfehlung!</p><p><strong>4. Welche Glaubenssätze, hoffst du, wird die Lektüre von <em>Gleichstellung</em> verändern?</strong></p><p>Ich würde hoffen, dass Gleichstellung Fenster in andere Perspektiven auf Sex als die eigene/gewohnte öffnet. Sexualität ist etwas, mit dem wir stets spielerisch arbeiten und das wir verändern können. Festgefahren zu sein, ist eine Illusion.</p><p>Ich wünsche mir, dass die Leser*innen ihre Muster danach wohlwollend hinterfragen und sich weniger vor Beurteilung von außen (und innen!) fürchten. Das wäre eine wirklich sexuelle Befreiung.</p><p><strong>5. Welche Impulse für die Leser*innen erhoffst du dir durch die Lektüre von <em>Gleichstellung</em>?</strong></p><p>Für ein Paar idealerweise z. B.: “Schatz, ich weiß, wir haben es bisher immer so gemacht und du machst es auch, weil du denkst, ich mag es so. Ich wusste nicht, wie ich dir sagen kann, dass sich für mich etwas verändert hat. Lies mal die Stelle in diesem Buch. SO geht’s mir auch und ich möchte unseren Sex gerne anpassen.”</p><p>Oder ganz allgemein: “Darf ich dich mal fragen, was Sex für dich ist? Ich suche nach Inspiration, weil ich weiß, da ist noch mehr und ich möchte über den Tellerrand hinaus zu schauen.”</p><p>Und bei hetero Paaren gerne auch: “Schau mal, wir sollten die Verhütungsverantwortung gerechter aufteilen. So wie wir es gerade machen, fühle ich mich damit ziemlich alleine gelassen.”</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>“Gleichstellung” ist überall bestellbar (<a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/cleo-libro-gleichstellung-9783426284476?srsltid=AfmBOoo6Ib97SCzAScISKkZvUpGS6q6d_xo7AjNle9u3dpHXjNdGFZBx">z. B. im Shop vom Verlag</a>) und sogar als Hörbuch bei audible verfügbar!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/930a2b05-a4dc-451f-9f6b-8c2bf32a8cc2/uploads/images/e2kjxwodog/Cover_Gleichstellung_online.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Außerdem empfehle ich heute ein Standard-Werk in spe, das gerade in die 2. Auflage geht:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/930a2b05-a4dc-451f-9f6b-8c2bf32a8cc2/uploads/images/snjwddtngo/1000115693.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine<a href="https://cleo-libro.de/kontakt/"> Website</a> erreichen oder mir bei<a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de"> Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen 🧡</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><h4>Quellen</h4><ol><li data-id="56df3517-641d-4fbe-a191-93fc2e315bba"><p><a href="https://open.spotify.com/episode/7fBvy7o8VptVPr6lMzdBiY?si=c7acba81717b4db8">Link zur Podcast-Folge von The Rest Is Science</a></p></li><li data-id="1a8e2ccd-9ac4-4863-bbe7-8b6c95d33ef1"><p><a href="https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/wendehausen/audio-osten-deutschland-afd-demokratie-100.html">Warum der Osten anders wählt - DNA des Ostens</a></p></li></ol>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 06 Sep 2026 07:01:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#38: Glow Up? Make Under!]]></title>
      <description><![CDATA[Zwischen Torschlusspanik bei Baby Botox und Empörung über Carbonara-Körper sorgt ein Make Under für Erleichterung +++ Tales from the US: Karnevalsmaus]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h5>Zwischen Torschlusspanik bei Baby Botox und Empörung über Carbonara-Körper sorgt ein Make Under für Erleichterung +++ Tales from the US: Karnevalsmaus +++</h5><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p><p>Es ist Spätsommer und ich bin müde. </p><p>Denn warmes Wetter bringt weniger Kleidung und wenig Kleidung bringt mehr Beauty Routinen: Mehr sichtbare Haut bedeutet mehr körperliches Empörungspotential über unelegante Speckrollen, vernachlässigte Pediküren und stoppelige Rasuren. Sommer-Routinen fordern dementsprechend mehr Haarentfernung, mehr formende, straffende Unterwäsche, mehr Gecreme und Gelacke.</p><p>Das kostet mehr Geld, mehr Zeit und vor allem mehr Energie. Aber ich bin müde.</p><h4>Je weniger Hülle, desto dicker der Panzer</h4><p>Es braucht einen Schutz aus vorauseilendem Schönheitsgehorsam, der die strafenden Blicke vorwegnimmt. Die schneidenden Kommentare, das Naserümpfen (im Spiegel). Die Abwertung, die eine Person erfährt, die weiblich, aber nicht <em>bonita </em>aussieht. Eine Rüstung dagegen zu tragen, wiegt schwer. </p><p>Doch dann sah ich einer Frau auf YouTube dabei zu, wie sie ihre Rüstung fallen ließ.</p><p>“I gave myself a makeunder”<sup><a>1</a></sup> heißt das kurze Video von Lauren Hope Krass, Comedian und Schauspielerin, in dem sie erklärt, dass sie keinen Bock mehr darauf hat, den Ansatz ihrer roten Haare<em> </em>nachzufärben. Sie erzählt, wie absurd es sei, drölfzig Mini-Glätteisen zu besitzen, von denen sie immer eins in der Tasche hat, um ihre natürlich welligen Haare zu glätten. Gerade im Sommer. Und dann das ständig zerlaufende Make-up. Gerade im Sommer. Gerade als dicke Person.</p><h4>Schnitt zu ihrem ungeschminkten Gesicht</h4><p>Ihr Haar ist braun und wellig, nur die Wimpern sind getuscht. Lauren wirkt erleichtert. Ein Make Under bedeute für sie nicht, danach schlechter auszusehen. Es bedeute, den Druck rauszunehmen. </p><p>Sie brauche ihren “fierce red bob” nicht mehr, um <em>Confidence</em> zu faken. Sie trägt ihr Selbstbewusstsein jetzt von innen nach außen - und es steht ihr gut. </p><h4>Ich überlege, woraus mein Panzer noch besteht</h4><p>Mit den Jahren habe ich schon viel abgerüstet: Mein Kopfhaar trage ich seit drei Jahren in Naturfarbe plus erste Glitzerstreifen. Meine Augenbrauen durften über die früher gezupften Ufer treten. Meine Körperhaare wachsen stetig von oben nach unten vom politischen Statement, über einen Fetish zur Normalität hinaus. Meine Kleidung ist oft Second Hand, meine Schuhe meist ohne Absatz. Und doch ist da noch Druck.</p><h4>Wie kann mein Make Under aussehen?</h4><p>Meine Pickel könnten unabgedeckt bleiben - man sieht sie sowieso. Meine Beine könnte ich unrasiert lassen - schaut eh niemand hin. Meine Nägel praktisch kurz und unlackiert tragen - hat so viele Vorteile. Bleibt noch die Körperfülle und das Versteckspiel im Spiegel - alle anderen sehen mich eh schon so wie ich bin.</p><p>Rational ist es klar. Aber verstehen heißt nicht fühlen. Viele Menschen sehen gut aus und fühlen es nicht.</p><p>Meine Freundin Mia hat in einem ihrer letzten Newsletter einen Tipp gegeben, wie man das <strong>Gefühl</strong> bekommen kann, nackt gut auszusehen. Was ja auch viel wichtiger ist, als es objektiv zu tun.</p><p>Sie schrieb, man solle sich Lover suchen, die einen nackt heiß finden und das auch spiegeln: <em>“Lass dich niemals auf jemanden ein, der an dir rummeckert oder der dir sagt, dass du dich an Stellen rasieren sollst, an denen du dich nicht rasieren willst.”</em><sup><a>2</a></sup></p><p>Dasselbe gilt für Gewicht, Hautunreinheiten, Falten, Frizz und krumme Ohrläppchen oder was uns sonst noch als Makel zugeschoben wird. Ich muss es nicht hot finden, nur mein Lover. Wie erleichternd.</p><h4>Zornesfalte oder O-face</h4><p>Mia erzählt im selben Text vom Hadern mit dem Altern und dem Anti-Aging-Aktionismus. Mache man Botox, koste das Geld und Energie und mache man es nicht, sei es auch anstrengend. Die Rüstung, wir erinnern uns. </p><p>Auch ich habe zuletzt aus gegebenem Anlass die sogenannte “Zornesfalte” zwischen meinen Augenbrauen begutachtet und dabei fiel mir etwas auf. Nämlich, dass mir die Falte bekannt vorkam! Und zwar nicht nur von meinem skeptischen Gesicht…</p><p>Die Google-Bildersuche bestätigte meinen Verdacht. Viele Menschen knautschen die Haut oberhalb ihrer Nasenwurzel genauso zusammen, während sie einen Orgasmus haben. </p><p>Wie stolz ich auf einmal auf meine Orgasmus-Falte bin. Was für ein Glow Up!</p><hr/><p>Kaffee spendieren</p><p>Wenn du diesen Newsletter einmalig unterstützen möchtest, kannst du mir unter diesem Link ein Trinkgeld geben:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Tales from the US</p><h3>Karnevalsmaus (Alle Amis lieben Köln)</h3><p>Anfang April 2026 am New Yorker Flughafen JFK. Nach über 90 min Warten in der Schlange vor dem Security-Check lasse ich mich erschöpft auf einen Sitz am Gate fallen. Noch 20 min bis Boarding. Gerade so geschafft.</p><p>Die Anspannung der letzten Woche fällt von mir ab, in der ich mir Sorgen gemacht habe wegen des überall fehlenden Flughafenpersonals den Anschlussflug zurück nach Deutschland zu verpassen. Aber es ist gerade nochmal gut gegangen - manchmal helfen wohl auch <em>thoughts and prayers.</em></p><p>Im vollen Wartebereich direkt neben mir sitzt eine alte Dame. Winzig klein, kurzes dunkel gefärbtes Haar, verwittertes Gesicht mit sehr flinken Augen. Sie spricht mich an und wir kommen über unsere Reisen ins Plaudern.</p><p>Auf dem Weg zu einer Schiffstour durch Europa sei sie. In Deutschland würde sie auf eine Gruppe Amerikanischer <em>friends</em> treffen. Sie ist gebürtige New Yorkerin in ihren tiefen Achtzigern, aber auch weite Reisen will sie sich noch nicht vom Alter nehmen lassen. Man müsse eben nur ein bisschen anders planen als früher.</p><p>Früher sei sie oft viel abenteuerlicher und ohne Pläne unterwegs gewesen. Ich bin beeindruckt. Frage mich laut, ob man sich beim Reisen überhaupt so viel steigern kann, wenn NYC der eigene Vergleichs- und Ankerpunkt ist. Die alte Dame findet diese Frage offensichtlich albern. Ganz die New Yorkerin lässt sie mich das auch wissen.</p><p>Es gäbe so viel zu entdecken an anderen Orten auf dieser Welt; London, Singapur, aber auch in viel kleineren Städten. Dann fragt sie, wo ich herkomme und weil ich meine Herkunft immer noch anders verstehe als mein Zuhause, sage ich: Köln, Deutschland.</p><p>“Oh, I’ve been to Cologne once!” ruft sie begeistert. “And I need to go back!”</p><p>Sie sei vor vielen Jahren dort auf der Durchreise nachts am Hauptbahnhof gestrandet (auf DB und ihren Ruf ist auch international Verlass). Habe nicht gewusst, wohin mit ihr, bis ihre nächste Verbindung wieder fuhr. Also habe sie ein paar “locals” gefragt, was sie tun könne und die hätten ihre geraten: Wenn du kein Geld für’n Hotel hast, Mädsche, dann schlaf doch im Dom.</p><p>Das gab mir einen Hinweis darauf, WIE lange ihr Besuch schon her sein musste. Denn der Kölner Dom, Wahrzeichen der Stadt und Lieblingskirche aller dort - ob gläubig oder nicht - wird schon seit langem nachts abgeschlossen. Seit diesem Sommer muss man sogar für einen Besuch tagsüber Eintritt zahlen! Unverschämtheit!</p><p>Doch zu dem Zeitpunkt, an dem besagte New Yorkerin in Köln ihren unfreiwilligen Zwischenstopp einlegte, war der Dom tatsächlich noch zu jeder Tages- und Nachtzeit geöffnet - und zwar für alle Menschen. Aber das Praktischste ist, er steht direkt neben dem Hauptbahnhof.</p><p>Entsprechend angetan erzählte mir die Dame, dass sie die Idee, die bittersten Stunden der Nacht mit einem kleinen “nap” auf der Kirchenbank zu verbringen, auch tatsächlich in die Tat umgesetzt habe. Als Jüdin wäre das für sie eine der geborgendsten Erfahrungen gewesen, die sie je mit der katholischen Kirche gemacht habe. Unbequem, aber immerhin sicher für eine Alleinreisende nachts in einer fremden Stadt. </p><p>Sie erinnere sich gerne an die “locals” in Köln. Die Offenheit und Nonchalance, mit der man ihr begegnet sei. Sie wolle unbedingt noch einmal wiederkommen. Vielleicht für eine <em>Cruise</em> auf dem Rhein. Dann boarden wir das Flugzeug und verlieren uns aus den Augen. </p><p>***</p><p>Auf dem langen Flug zurück nach Deutschland denke ich darüber nach, wie oft Menschen aus den USA mir schon ihre absoluten Sympathien für Köln ausgesprochen haben. Sie loben nie, wie hübsch es ist (da müssten sie auch lügen). Aber sie betonen immer, wie <em>easy</em> es für sie gewesen sei, mit der Stadt und ihren Bewohner*innen zu <em>connecten</em>. </p><p>Der Kölsche Hang alles und jeden ungefragt zu kommentieren, wird von den Amis wahrscheinlich als Small Talk verstanden. Und da Deutschland ansonsten darin nicht so firm ist, fühlen sie sich bei uns dadurch einfach willkommen. Und offenbar hinterlässt das bleibenden Eindruck. </p><p>Auch ich selbst habe schon den einen oder anderen US-amerikanischen Freund mit nach Köln genommen, ihnen die Stadt gezeigt und vor allem die kulinarische und karnevalistische Kultur näher gebracht. Auch wenn die Sprachbarriere zum Kölschen gerade in der Musik noch einmal höher ist als zum Hochdeutschen, durfte ich mit Entzücken feststellen, dass so manches davon trotzdem hängen bleibt:</p><p>Schließlich ist eine meiner schönsten Erinnerungen an diese USA-Reise ein Moment mit meinen beiden liebsten Amis und Köln-Touristen N. und B. auf unserem Roadtrip von Philadelphia nach D. C.</p><p>Im Auto sangen wir zusammen aus vollem Halse ihre deutschen Lieblingslieder. Darunter den Gassenhauer aus der letzten Session: die “Karnevalsmaus”<sup><a>3</a></sup>. Wir schmetterten den Banger gemeinsam und voller Inbrunst - ich die Strophe, die Amis den Refrain.</p><p>Selten war Völkerverständigung ein größerer Ohrwurm.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>📚 Heute zwei Oldie-but-Goldie Empfehlungen für erzählerische Sachbücher über Körperbilder:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a4a64991-3240-4acd-8197-0b6f09b97754/uploads/images/xsxmkqlomz/1000113206.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Und:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a4a64991-3240-4acd-8197-0b6f09b97754/uploads/images/h3tjd55ccr/1000113207.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>In meiner Kolumne für den Tagesspiegel habe ich jede Menge Fakten über Sex und Anatomie gesammelt, die eigentlich zur Allgemeinbildung zählen sollten… Es aber leider immer noch nicht sind: <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/bitte-dringend-lernen-sieben-dinge-die-heterosexuelle-manner-immer-noch-nicht-uber-sex-wissen-15908665.html">“Bitte dringend lernen!: Sieben Dinge, die viele heterosexuelle Männer immer noch nicht über Sex wissen”</a> (Tagesspiegel Plus).</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine<a href="https://cleo-libro.de/kontakt/"> Website</a> erreichen oder mir bei<a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de"> Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen 🧡</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><hr aria-hidden="true"/><h5>Quellen</h5><ol><li data-id="126ab88f-3320-4b1d-8408-d9972a6b21a9"><p><a href="https://www.youtube.com/shorts/RDFJq7AHeA8">Laurens Makeunder Video</a></p></li><li data-id="a430af20-2c8c-4f00-99b4-2bfd29a34e7a"><p><a href="https://steady.page/de/mia-gatow/posts/d5810423-9fa4-4a69-9db8-49d55408b30c">“Wie man nackt gut aussieht” in Romanzen und Finanzen</a></p></li><li data-id="afa1b28d-341d-48d4-b825-18b135fc9463"><p><a href="https://www.google.com/url?sa=t&amp;source=web&amp;rct=j&amp;opi=89978449&amp;url=https://www.youtube.com/watch%3Fv%3D6LlXRtfzf-A&amp;ved=2ahUKEwjRksDF6p2WAxWxRaQEHd4uOWgQ3aoNegQIWRAU&amp;usg=AOvVaw0Hmok3nyJi7GD-NN5H0Ltp">Karnevalsmaus von Druckluft</a></p></li></ol>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 23 Aug 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#37: Was sich mit 33 nicht mehr leugnen lässt]]></title>
      <description><![CDATA[+1 Lebenserfahrung heißt: Zeit für 33 Einsichten, die nicht mehr von der Hand zu weisen sind +++ Tales from the US: Cybertrucks und Steinzeit-Busse]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin kürzlich wieder ein Level aufgestiegen und habe mir bei der coolen Kim Pham<sup><a>1</a></sup> abgeguckt, für jedes Lebensjahr eine Erkenntnis zu notieren, die ich nicht mehr leugnen kann.</p><p>Schick mir doch auch ein paar von deinen? Oder sag mir, zu welcher du in diesem Newsletter gerne mehr erfahren willst.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><h4>Hier sind meine 33 Dinge, die ich mit 33 Jahren nicht mehr von der Hand weisen kann:</h4><p></p><p>1) Wenn der Kuss nicht gut ist, wird auch der Sex nix.</p><p></p><p>2) Eine Handvoll Reis reicht. Wirklich.</p><p></p><p>3) Ex-Affären-Männer kommen immer wieder zurück. Das ist ein Naturgesetz.</p><p></p><p>4) Sich nochmal auf sie einzulassen, lohnt sich nicht.</p><p></p><p>5) Monogame &amp; nicht-monogame Beziehungsformen unterscheiden sich nicht voneinander.</p><p></p><p>6) Ich brauche das zu klein gewordene Kleid oder die zu eng gewordene Jeans nicht im Schrank zu behalten.</p><p></p><p>7) “Freunde bleiben” kann funktionieren und ist ‘ne starke Green Flag.</p><p></p><p>8) Nichts zu tun macht <strong>immer</strong> kreativer, als sich zum kreativ Sein zu zwingen.</p><p></p><p>9) Länger als eine Stunde am Stück ein Buch lesen zu können ist ein Geschenk.</p><p></p><p> 10) Auch “vanilla” Sex braucht Aftercare.</p><p></p><p>11) Das Kölsche Grundgesetz ist eine ernstzunehmende und hilfreiche Lebensphilosophie<sup><a>2</a></sup>.</p><p></p><p>12) Sich nach langer Zeit wieder bei einer Freundin zu melden ist besser, als es nicht zu tun.</p><p></p><p>13) Man kann weder an Wut, noch an Liebeskummer, noch an einem zu großen Ego festhalten, während man auf einem Trampolin Sport macht. (<a href="https://youtube.com/shorts/S-voCXw6zeo?si=RglaUFWM9qfO5hdA">Beweis</a>)</p><p></p><p>14) Irgendwann sieht man die eigenen Tattoos nicht mehr.</p><p></p><p>15) Gute Ideen kommen immer wieder zurück - wie Ex-Affären-Männer.</p><hr/><p>Kaffee spendieren</p><p>Wenn du diesen Newsletter einmalig unterstützen möchtest, kannst du mir unter diesem Link ein Trinkgeld geben:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><p>16) Man kann niemanden zwingen. Erst recht nicht sich selbst.</p><p></p><p>17) Sextoys werden überbewertet. Gleitgel nicht<sup><a>3</a></sup>.</p><p></p><p>18) Menschen helfen gerne, wenn sie gefragt werden.</p><p></p><p>19) Irgendwann legt sich der Schalter um und man <em>denkt</em> die Fremdsprache, anstatt jeden Satz zu planen. Dran bleiben!</p><p></p><p>20) Tanzen ist der einzige Sport, der mich wirklich glücklich macht. Und Bälle fangen.</p><p></p><p>21) Wenn ich beim Interview denke, ich kenne die Antwort schon, bekomme ich meistens eine andere.</p><p></p><p>22) Frauen sind viel witziger als Männer (immer noch) denken<sup><a>4</a></sup>.</p><p></p><p>23) Freundschaft auf den ersten Blick kennt weder Alter noch Nationalität.</p><p></p><p>24) Geld bedeutet Sicherheit. Gemeinschaft auch. Am besten hat man beides.</p><p></p><p>25) Bei den meisten Menschen ist es Unvermögen, nicht Bösartigkeit.</p><p></p><p>26) Kalte Limo aus der Dose macht einen Sommertag perfekt.</p><p></p><p>27) Mein Bauchgefühl liegt schon richtig.</p><p></p><p>28) Das Leben ist zu kurz, um Food Cravings nicht nachzugehen.</p><p></p><p>29) Mein Schreibtisch sollte vor einem Fenster stehen.</p><p></p><p>30) Die Bosse dieser Welt wissen auch nicht, wo es lang geht.</p><p></p><p>31) Kommentare lesen &amp; online diskutieren bringt niemanden weiter.</p><p></p><p>32) Wenn das Angebot zu gut klingt, sollte man fragen, warum sie nicht selbst investieren.</p><p></p><p>33) Angebrochene Chips bleiben im Kühlschrank knackig. Gern geschehen.</p><p></p><p>Auf ein weiteres Jahr mit hoffentlich nicht nur einer guten Erkenntnis!</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>🎧 Dieser Podcast hat mich selbst als Empfehlung erreicht: “Swingers” von BBC Radio Wales (in englischer Sprache). Eine spannende und einsichtsreiche Recherche nicht nur in die Britische online Swinging-Szene sondern auch in die privaten Schlafzimmer vieler heterosexueller Beziehungen. Diese Analyse schaut überall hin, wo “sexual coercion” - Manipulation zu sexuellen Handlungen - immer noch für normal und nicht verwerflich gehalten wird. Große Hörempfehlung. Macht wütend und stößt zum Nachdenken über das eigene Sexualleben an (<a href="https://open.spotify.com/show/033vpSkQAGY3lasFL1rfvB?si=df1ef08827fb4705">Link zum Podcast</a>).</p><p>📖 Wer sich dann fragt, was stattdessen passieren muss, damit Sex - auch heterosexueller - genießbar wird, sollte Katherine Angels Buch lesen:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/65823276-11d9-4fbd-9bbc-c1f8e71cbac4/uploads/images/dk4ymphp7j/1000110549.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>⛓️ Im JOYclub-Magazin ist ein neuer Tagebucheintrag der Baby Domme erschienen! Wie ich gelernt habe, wie Impact Play wirklich geht und welches mein Lieblingstoy geworden ist, kannst du hier GRATIS lesen: <a href="https://www.joyclub.de/magazin/bdsm/impact_play_sadismus.html">“Sadismus allein macht nicht schlag-fertig - Impact Play als Anfängerin”</a></p><hr/><p>Tales from the US</p><h3>Cybertrucks und Steinzeit-Busse</h3><p>Das Silicon Valley verhält sich zur Identität der USA wie Berlin zu der von Deutschland. Berlin ist nicht Deutschland. Und die USA sind technologisch wie ein Land vor unserer Zeit.</p><p>“Da! Noch ein Cybertruck!&quot;, rufe ich N. entgeistert zu. Es war das sechste Exemplar von Teslas fragwürdig designtem Zukunftsauto, das ich auf unserer Reise live zu Gesicht bekam. Ich hatte nicht erwartet, dass irgendjemand außerhalb des Silicon Valley die tatsächlich durch die Gegend fuhr - erst recht nicht auf dem platten Land von Bumfuck Nowhere, Arkansas. </p><p>Andere Exemplare hatten wir in Großstädten entdeckt. Die meisten davon in New York City. Eine Stadt, in der Einparken mit jeglicher Art von Truck oder die Fortbewegung mit Autos an sich den Anschein einer abenteuerlichen Idee hatte. Amerikanischer Optimismus.</p><p>N. und ich erschlossen uns z. B. NYC oder Chicago größtenteils mit öffentlichen Verkehrsmitteln. “Sie haben richtig viel in die Verbesserung der Subway reingesteckt hier in New York”, kommentierte N. Im Vergleich zu seinem letzten Besuch im Big Apple sei die U-Bahn jetzt richtig sauber.</p><p>Ich sah mich um und er hatte recht - dreckig oder verwahrlost sah hier nichts aus. Weder Müll noch die berühmt-berüchtigten New Yorker Ratten sprangen mir ins Auge. </p><p>Beruhigend fand ich den Untergrundtransport dort allerdings trotzdem nicht. </p><p>Alles wirkte unerwartet alt. Die Bahnsteige waren nicht dafür konzipiert worden, damit wartende Fahrgäste sich bei der Zugeinfahrt besonders sicher fühlen konnten. Der Abstand zwischen Wand und Bahnsteigkante war an vielen Stellen so knapp, dass man sich an entgegenkommenden Menschen vorbeiquetschen oder einander den Vortritt lassen musste, wenn man nicht mit der Schulter ins Gleisbett ragen wollte. </p><p>Dabei werden die Bahnsteige in NYC ganz schön voll, auch außerhalb der Rushhour. Und zwar - ähnlich wie in Berlin - nicht nur mit Menschen, an die man sich gerne Schutz suchend anschmiegen möchte, wenn ein Zug einfährt.</p><p>Apropos, Einfahrt. In allen Städten klangen die ankommenden Subways wie die übergroßen, ratternden Blechdosen, die mit Hochgeschwindigkeit durch einen schallintensivierenden Tunnel geschossen werden, die sie eben sind. Sich während der Zugeinfahrt oder gar auf der Zugfahrt miteinander zu unterhalten, war N. und mir nicht möglich, wenn wir uns nicht anschreien wollten.</p><p>Alles in allem eine Erfahrung, die mich überrascht hat.</p><p>Nicht weil ich U-Bahnen generell als ein besonders angenehmes Verkehrsmittel verstehe. Sondern weil meine naive Vorstellung vom technologischen Fortschritt im Bereich der Fortbewegungsmittel in den Metropolen der USA, von selbstfahrenden Taxis, Elektroautos und eben auch Cybertrucks geprägt war.</p><p>Herauszufinden, dass die Fortbewegung in den Ostküsten-Cities gar nicht wirklich fortschrittlicher ist als in Deutschland, hat mich irgendwie enttäuscht. Doch zu erleben, wie rückschrittig der öffentliche Raum in den amerikanischen Suburbs organisiert ist, hat mich regelrecht erschüttert.</p><p>In Philadelphia z. B. fielen selbst bessere Wohngegenden rund um die Stadt im Vergleich zur City nicht durch mehr Ruhe, Sauberkeit und gepflegtere Häuser auf. Sondern durch erst aufgerissene und dann verwaiste Löcher in Bürgersteigen und riesige Kabelknäuel, die dem Anschein nach provisorisch an Hauswände geklatscht wurden, aber die offizielle Stromversorgung der Suburbs darstellten.</p><p><em>Call it the German in me</em>, aber nach Brandschutz sah das nicht aus. Und zwar an allen Häusern.</p><p>In den Buslinien, die die Vorstädte mit den Innenstädten verbanden, kam ich ebenso ins Staunen. Die kleinen Bildschirme, die die nächsten Haltestellen angekündigten, wirkten als wären sie hauptberuflich Werbetafeln für Rechtsanwälte a la <em>Better Call Saul </em>(“INJURED?!” fragt dich ein weißer Mann im Anzug; neben ihm ein Weißkopfseeadler und die obligatorische Flagge). Das war’s dann aber auch mit Technologie im Bus. </p><p>Als N. und ich aussteigen wollten, traute ich meinen Augen kaum.</p><p>Um einen Haltewunsch anzumelden, musste man an einer Schnur ziehen! Die erstreckte sich über die gesamte Länge des Busses bis nach vorne, wo sie mechanisch ein Lämpchen zum aufleuchten brachte. Fasziniert zog ich einmal kräftig dran und <em>not gonna lie</em>, es hatte was Befriedigendes - nur noch ein helles, bestätigendes “Pling!” fehlte. Und dann hielt der Bus auch schon am Straßenrand.</p><p>Geduldig wartete ich an der Bustür darauf (hinter mir N. und eine ganze Menge anderer Fahrgäste), dass sie sich automatisch für mich öffnete. Schließlich gab es keinen Knopf. Selbst wenn der vorhanden ist, bin ich es aus Berlin gewohnt, dass sich die Türen von Bus, Tram oder Bahn von selbst öffnen. Nicht so hier.</p><p>Hinter uns regten sich jetzt unruhige Rufe, aber ich kapierte es immer noch nicht. Schließlich streckte N. seinen Arm über meine Schulter aus, um die schmalen Flügeltüren des Busses mit seiner Hand aufzustoßen. Perplex und peinlich berührt über mein absolutes Unvermögen setzte ich mich endlich in Bewegung. </p><p>Draußen vergaß ich leider, mich bei den anderen Fahrgästen für meine Trödelei zu entschuldigen. So fasziniert war ich von den für mich so steinzeitlich wirkenden Mechanismen, die in meinem Verständnis von den digitalisierten USA absolut <em>out of place</em> waren.</p><p>Gleichzeitig sind sie symptomatisch für ein Land, in dem nur das private Kapital ein Anrecht auf Fortschritt bekommt. Und den investiert man nicht in die Öffis, sondern erfindet stattdessen ein Rad damit neu, das offenbar so mangelhaft designt ist, dass nicht einmal Reiche es kaufen.</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine<a href="https://cleo-libro.de/kontakt/"> Website</a> erreichen oder mir bei<a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de"> Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen 🧡</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><h4>Quellen</h4><ol><li data-id="7e21aa41-6fd7-495d-80b2-4bd96ec6cba4"><p><a href="https://substack.com/@kimoftheinternet">Kims Substack</a></p></li><li data-id="873eb6f6-d8d2-4504-8b1e-f23c54de44f2"><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/posts/15589b1d-e2cf-444a-a705-ad16f64ac5ae">Kölsche Zen</a></p></li><li data-id="3c50ef67-ff02-472d-a047-53963ef884e1"><p><a href="https://thevogeln.com/come-with-us">Gutes Gleitgel</a></p></li><li data-id="8b526ae8-fb1e-418e-a2bb-e792c230824d"><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=k0mWQGZ7y3A">Was haben wir gelacht</a></p></li></ol>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 09 Aug 2026 07:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#36: Mut machen ohne Gaslighting]]></title>
      <description><![CDATA[Der Grat zwischen Mut machen und Gaslighting ist schmal: Wie man nicht zum Badesee-Vater wird. +++ Tales from the US: Zeig mir deine Flagge…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Juli, es ist Juli.</p><p>Eine Woche lang gehe ich jeden Vormittag im See schwimmen. Schon am ersten Tag teile ich die kleine Ecke inoffiziellen Badestrand mit einem Paar, das wie Vater und Tochter auf mich wirkt. Sie ist vielleicht vierzehn und vorsichtig. Er ist vielleicht fünfzig und macht schnell einen Vorsprung ins Wasser.</p><p>Als er wieder auftaucht, steht seine Tochter noch wartend im knietiefen Bereich. Dort kann er sie so nicht stehen lassen.</p><p>“Komm schnell rein!”, fordert er sie auf.</p><p>Die Tochter wartet ab.</p><p>“Nein, es ist nicht kalt!”, straft er sie Lügen.</p><p>Die Tochter bewegt sich zaghaft tiefer. Der Vater planscht mit Nachdruck, als wolle er beweisen, wie angenehm das Wasser, wie fimschig die Tochter und wie klein seine Geduld sei.</p><p>“Na, komm schon! Spring einfach direkt rein!” Sie zögert sich vor.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Ich beobachte dieses Tauziehen eine ganze Weile mit überraschend viel Wut im Bauch.</p><p>Dass er seiner Tochter keinen Mut macht, wenn er ihr die Wahrnehmung der subjektiven Wassertemperatur abspricht, will ich sagen. Dass die ganzen jungen Männer im Sommer ertrinken, weil sie sich benehmen wie er, will ich ihm vorwerfen. Dass die Tochter aus seinen Worten genau eine Sache lernt: Du musst dich überwinden, weil ein Mann nicht auf dich warten will. Dein Unbehagen zählt nicht. Stell dich nicht so an.</p><p>Meine Wut denkt weiter, malt sich all die Moment aus, in denen das Mädchen sich später selbst sagen wird: So schlimm war es doch nicht. Ja, du hast dich gefürchtet, schlecht gefühlt. Aber am Ende hast du dich durch dein Unbehagen gepusht und warst ein gutes Mädchen. Dafür kannst du ihn doch nicht verantwortlich machen. Das war doch kein Übergriff.</p><h4><strong>Es ist erstaunlich, wie oft wir sprachliches Gaslighting anwenden, wenn wir anderen Mut machen wollen.</strong></h4><p>Wir sagen “Du fühlst das falsch.” oder “Es gibt gar kein Problem”, obwohl es da ist. Wir denken wirklich, das macht es einfacher. Dabei liegt die Wirksamkeit nicht im Mut, sondern in der Scham, die diese Sätze auslösen.</p><p>Die Menschen überwinden sich schließlich, lenken ein, weil sie sich nicht mehr für ihre vermeintliche Sensibilität schämen wollen. Die Bürde, zu der sie dadurch für andere werden.</p><p>Dabei ist es nicht viel schwerer, mit Worten tatsächlich Mut zu machen. Ich kenne zwei Strategien:</p><h4><strong>“Du kannst handeln.”</strong></h4><p>Zeig dem verunsicherten Menschen, dass er*sie selbstwirksam sein kann. Erkläre ihm*ihr, wo du Handlungsmöglichkeiten siehst.</p><p>“Du kannst langsam machen. Einen Schritt nach dem anderen, dann gewöhnst du dich an das Wasser.” Verpack es als Serviervorschlag, nicht als Erpressung.</p><h4><strong>“Ich bin da.”</strong></h4><p>Manche Herausforderungen kann man nicht unmittelbar in die Hand nehmen.</p><p>“Wenn das Wasser zu tief wird, bin ich da. Du kannst dich an mir festhalten.” Manche Probleme erfordern Mut, der dadurch entsteht, dass wir sie gemeinsam aushalten.</p><p>“Wenn der Krebs zurückkommt, ruf mich an. Ich begleite dich ins Krankenhaus. Ich sitze mit dir im Park und wir heulen. Ich nehme dich mit ins Kino und wir lachen.”</p><p>In der eigenen Realität gesehen und gehört zu werden, ist, was Mut macht. Nicht das Gegenteil.</p><hr/><p>Kaffee spendieren</p><p>Wenn du diesen Newsletter einmalig unterstützen möchtest, kannst du mir unter diesem Link ein Trinkgeld geben:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>Kürzlich habe ich in meiner Kolumne für den Tagesspiegel genauer erklärt, was alles mit den “Möbelstücken” auf einer Party passiert, bei der Frauen feiern und Männer nur als stumme Möbelstücke anwesend sein dürfen: “<strong>Typen, die zu Möbelstücken werden: </strong>Was wäre, wenn Frauen zur Abwechslung mal Männer benutzen?” (<a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/typen-die-zu-mobelstucken-werden-was-ware-wenn-frauen-zur-abwechslung-mal-manner-benutzen-15733636.html">Lesbar mit T+ Abo</a>)</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>💌 Mut hat mir zuletzt dieser Text auf Dana Buchziks Substack gemacht: “Du bist kurz vorm Aufgeben? Dann ist dieser Text für dich.”<sup><a>1</a></sup></p><p>💌 Und immer wieder die großartigen Inhalte von “Wie Rechte reden”<sup><a>2</a></sup> auf Steady (auch kostenlos).</p><p>🎬 Ebenso Mut machend, herrlich abrechnend und tief reflektiert ist der Dokumentarfilm “Was haben wir gelacht”<sup><a>3</a></sup> von Eva Müller und Isabel Schneider. Anhand alter Fernseh-Clips tauchen die 5 Interviewten Protagonistinnen der TV-Unterhaltung der 90er-Jahre ein in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des deutschen Humors. Der Sexismus ist himmelschreiend, die Reaktionen von Maren Kroymann, Esther Schweins, Hella von Sinnen, Gaby Köster und Bettina Böttinger sind lehrreich und heilsam ohne Ende. ICONIC ist eine Untertreibung für diesen Film. Unbedingt ansehen und das im Kino! Die Reaktionen des Saalpublikums gehören nämlich dazu ;-)</p><p>📖 Meine Buchempfehlung zum Thema Gaslighting - durch andere und sich selbst:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2dcbb2d6-33fc-4702-a21b-613a62289036/uploads/images/o3kulewlnv/1000107952.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Tales from the US</p><h3>Zeig mir deine Flagge…</h3><p>…und ich sag’ dir, wer du bist. Oder was.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2dcbb2d6-33fc-4702-a21b-613a62289036/uploads/images/w63xwly4y6/1000087851.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ob du reich bist oder arm. MAGA-Patriot*in oder Gewohnheits-Patriot*in. Für oder gegen die Freiheit aller in einem Land, das sich die Freiheit auf die Fahne geschrieben hat. <em>Literally.</em></p><p>Dass in den USA mehr Flagge gezeigt wird als in Deutschland, hatte ich erwartet. Schließlich gibt es kaum eine Nation, die inoffiziell mehr mit dem Zeigen ihrer Fahne hadert als die deutsche. Und das zurecht. Aber der Unterschied war eklatant. </p><p>Viele europäische Länder machen es auch anders als Deutschland, aber trotzdem immer noch subtiler als die USA: In Dänemark dekoriert man zum Geburtstag alles mit dänischen Fähnchen. Frankreich verleiht seinen kulinarischen Produkten durch den Aufdruck der Landesfarben quasi ein Gütesiegel.</p><p>Wer in den USA außerhalb der Großstädte etwas auf sich hält und sein Business als patriotischster aller Gebrauchtwagenhändler promoten will, der hisst eine Landesflagge, die größer ist als das eigene Haus (<em>I shit you not</em>). Und die Leute finden’s geil.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2dcbb2d6-33fc-4702-a21b-613a62289036/uploads/images/jags4blneo/1000087483.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Diese Flagge ist SEHR weit weg und SEHR groß.</figcaption></figure><p>In Deutschland hat Schwarz-Rot-Gold oft den gegenteiligen Effekt. </p><p>Wenn ich die Deutschlandfarben außerhalb eines Regierungsgebäudes, Sportereignisses oder Duolingo-Kurses sehe, werde ich skeptisch. Vom Nationalstolz bis zur Ausgrenzung “der anderen” ist mir der Weg einfach zu kurz.</p><p>Ich verstehe nicht, was der Mensch mir mitteilen will, der in seinem Kleingarten unsere Fahne gehisst hat. Oder welche Nachricht sie als Emoji im Dating-App-Profil senden soll. Klarstellung, in welcher Sprache man angeflirtet werden möchte oder doch, dass man nach Gleichgesinnten sucht?</p><p>Fragen dieser Art stellen sich in den Vereinigten Staaten gar nicht. Dafür sind die Stars’n’Stripes viel zu präsent. Nach einer Weile fiel mir schon fast nicht mehr auf, dass an jeglichen Hauswänden, in Vorgärten, auf U-Bahnen, an Straßenlaternen, auf Kleidung, Kaffeebechern <em>you name it</em>… die US-amerikanische Flagge prangte.</p><p>Woran ich mich nicht so schnell gewöhnt habe, war die Tatsache, dass Nationalstolz per se kein Geschmäckle haben muss. </p><p>Obwohl auch die Amerikaner*innen in der Intensität der Hingabe für ihr Land Unterschiede machen. Auch hier kann man an der Fahne ablesen, wer sein Land extremer liebt als andere und den berühmten amerikanischen Freiheitsgedanken nicht uneingeschränkt auf alle Amerikaner*innen anwenden will. Nur eben anhand anderer Codes.</p><p>An einem Ort, an dem die Nationalflagge, sagen wir mal, überrepräsentiert ist, kann man nicht mehr nur mit ihrer Existenz “Flagge zeigen”. Deswegen wird entweder die Flagge selbst oder der Umgang mit ihr an die eigene politische Haltung angepasst.</p><p>Eine Farbvariante der amerikanischen Fahne in dunklen Blautönen signalisiert Support für die Polizei (was als mindestens konservative Einstellung gewertet wird). Solche habe ich in Trump-Country, Arkansas, genauso gesichtet wie die berühmt-berüchtigte Konföderiertenflagge (zu Bürgerkriegszeiten repräsentativ für die Südstaaten und einer positiven Haltung gegenüber Sklaverei - heute ein “früher war alles besser” im Fahnen-Format). Und zwar nicht nur als Fahne oder “bumper sticker” auf dem Truck, sondern sogar als gesamtes Autokennzeichen.</p><p>Doch auch der Umgang mit der Flagge, lässt tief blicken: </p><p>Wer die US-Fahne “falsch herum”, also auf dem Kopf hisst, drückt seine Unzufriedenheit mit der Regierung und den politischen Zuständen im Land aus. </p><p>Wer ein Shirt in Amerika-Farben plus Flaggen- und Weißkopfseeadler-Aufdruck als alltägliches Shopping-Outfit bei Walmart trägt, trägt damit mindestens einen fragwürdigen Sinn für Mode, aber auch unhinterfragten Patriotismus zur Schau. </p><p>Und wer sich beim Mitsingen der Nationalhymne in einem Stadion nicht nur von seinem Sitz erhebt, sondern auch noch dem Spielfeld den Rücken zudreht, um die Flagge direkt angrölen zu können, der oder die gilt als besonders ehrfürchtig und vom Nationalstolz bis Oberkante Unterlippe erfüllt. Eine Geste, die auf mich als patriotisch zurückhaltende Deutsche beinahe religiös-fanatisch wirkt. </p><p>Das blau-rot-weiße goldene Kalb unter den Nationalflaggen.</p><p>Natürlich ist die Flagge ein Dingsymbol, das für mehr steht als nur ein Fleckchen Erde. Ähnlich wie das christliche Kreuz soll sie eine Wertegemeinschaft symbolisieren. Die Verehrung von Werten wie Freiheit, Zusammenhalt und Entfaltung aus eigener Kraft finde ich auch nachvollziehbar.</p><p>Paradox wird es, wenn im Namen dieser Verehrung Verbrechen gegen eben jene Werte legitimiert werden. Für diese Legitimation stehen die Stars’n’Stripes heute augenscheinlich auch. Besonders das Rot in ihrer Mitte.</p><p>Die MAGA-Bewegung hat das republikanische Rot zu ihrer Farbe gemacht und wer ihr keine Liebe entgegenbringen will, der wird als Feind verstanden. Zumindest laut dem MAGA-Merch-Straßenverkäufer in Washington D. C., der mir erst eine der berühmten leuchtend roten Kappen zum Kauf hinhielt und als ich dankend ablehnte, rief er mir hinterher:</p><p><em>“Isn’t it crazy!? People travel thousands of miles just to come here and hate on us!!”</em></p><p>Ich fragte mich für den Rest des Tages, ob er Recht hatte. Hasst man etwas, wenn man es nicht unterstützt? Ist es schon eine politische Positionierung, keine Flagge zu zeigen? In den USA scheinbar ja; in Deutschland ist es Normalität. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2dcbb2d6-33fc-4702-a21b-613a62289036/uploads/images/km2qxdqg6u/1000085562.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine<a href="https://cleo-libro.de/kontakt/"> Website</a> erreichen oder mir bei<a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de"> Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen 🧡</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><h4>Quellen</h4><ol><li data-id="18b2f9d5-ced4-451e-bc8a-6c354cacb1c8"><p><a href="https://danabuchzik.substack.com/p/du-bist-kurz-vorm-aufgeben-dann-ist">Dana Buchziks Substack-Artikel</a></p></li><li data-id="4333ae39-dd33-4317-8c4e-b43f16908cc8"><p><a href="https://steady.page/de/wie-rechte-reden/about">Zum Steady von “Wie Rechte reden”</a></p></li><li data-id="5bca8964-d230-4cb7-bcdf-2eb42efbb16d"><p><a href="https://www1.wdr.de/kultur/doku-film-was-haben-wir-gelacht-100.html">WDR Bericht zu “Was haben wir gelacht”</a></p><p></p></li></ol>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 26 Jul 2026 07:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#35: Schuld suchen, verschieben, tragen]]></title>
      <description><![CDATA[Nu(h)r provokant? Partnerschaftsgewalt, tja. Das hartnäckige Victim Blaming in unserer Gesellschaft zeigt, Frauenhass ist uns egal. +++ Tales from the US: Tornadowarnung!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich weiß, ich springe über sein Stöckchen, wenn ich die Aussage eines Mannes kommentiere, der eigentlich nuhr ein Clown ist. Dem es offensichtlich nicht um die Sache geht, sondern nur, wie viel Rage Bait Potential seine Worte haben. </p><p>Aber mein Pflichtgefühl, der schlimmen Wirkung dieser Worte etwas entgegenzusetzen, geht über den Ärger hinaus, dass ich ihm Reichweite verschaffe. Denn unter der Berufung auf Humor nach unten zu treten ist die eine peinliche Sache.</p><p>Eine andere, viel schlimmere Sache ist es, sich dafür eines Mechanismus zu bedienen, der in unserer Gesellschaft so tief verankert ist wie impulsiv “mehr trinken” zu empfehlen, wenn jemand über Kopfschmerzen klagt: Victim Blaming.</p><h4>Wer zum Opfer wird, war einfach nicht vorsichtig genug</h4><p>Selbst Schuld sollen Betroffene von sexualisierter Gewalt und Femiziden sein, wenn sie sich nachts allein auf die Straße getraut, Alkohol getrunken, die falsche Kleidung getragen oder mit fast Fremden Sex gehabt haben. Das ist Victim Blaming - die Schuld für eine Tat beim Opfer zu suchen anstatt beim Täter.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p><p>Beim Täter einen anderen Grund für sein Verhalten anzunehmen als Geringschätzung des Opfers oder ein tief verankertes Gefühl von Anspruch auf dessen Körper ist der erste Gedankenschritt der sogenannten Täter-Opfer-Umkehr<sup><a>1</a></sup>. Die Verantwortung für eine Missetat wird beim Opfer gesucht - Provokation, Unvorsicht, mangelhafte Abwehr.</p><p>Warum? Weil es bequem ist. Man so den (potentiellen) Opfern aufwendige Verhaltensanpassungen und teure Schutzmaßnahmen aufbürden kann, anstatt es den Tätern zur Aufgabe zu machen, ihre Anspruchshaltung, Privilegien und Gewaltbereitschaft zu reflektieren.</p><h4><strong>Wieso wird das von Tätern nicht verlangt?</strong></h4><p>Sexualisierte Gewalt ist oft geschlechtsbezogene Gewalt<sup><a>2</a></sup>. Also Gewalt gegen alle, die keine cis Männer sind. Psychische und physische Übergriffe dieser Art sitzen zudem am Ende einer Skala, die nicht erst bei einem tätlichen Angriff beginnt. Sondern schon bei jeglichem respektlosem Verhalten - aufgrund ihres Geschlechts - gegenüber Frauen und Personen, die nicht als cis Männer betrachtet werden.</p><p>Ja, das geht schon beim sexistischen Witz los. Oder bei der beiläufigen Bemerkung, die Ex sei <em>crazy</em> und man dürfe ihr nicht glauben, was sie den lieben langen Tag so von sich gebe. Oder eben bei der unverschämten Schuldzuweisung, dass zu einem “Liebesdrama” eben immer zwei gehören würden - selbst wenn es nur für eine tödlich endet.</p><p>Der besagte Fernsehclown ist nicht naiv. Er weiß, dass es bei Femizid-Statistiken um Gewalttäter geht, die meistens aus dem engsten Umfeld der Betroffenen kommen. Kein <em>stranger danger</em>.</p><p>Er entschied sich wahrscheinlich bewusst, das zu ignorieren, und brachte neben dem als naive Empfehlung getarnten Victim Blaming (einfach nicht mit Fremden ins Bett gehen) ein anderes, gern zitiertes “Argument”, das sich auch auf Statistik beruft. Um Leuten, die vor Gewalt als Männerproblem warnen, zu sagen, sie sollen mal den Ball flach halten. Und zwar ist das Argument - Überraschung - “not all men”.</p><p>Ich weiß, es ist schon fast enttäuschend, von der Gegenseite argumentativ so unterfordert zu werden. Aber leider ist der Schutzreflex gegenüber Männern - ganz ähnlich wie der Beißreflex - bei Bedrohung der eigenen Ignoranz gegenüber offensichtlichen Missständen zwischen den Geschlechtern augenscheinlich schwer zu unterdrücken. Denn sonst müsste man ja was gegen Gewalt von Männern unternehmen.</p><h4><strong>Die Absicht macht das Gift</strong></h4><p>Dabei ist der Hinweis auf die geringe statistische Wahrscheinlichkeit, von einem (Ex-)Partner misshandelt oder getötet zu werden, ein lausiges Argument. Denn diese Gewalt ist keine unkontrollierbare Naturkatastrophe oder Erbkrankheit. So zu tun, als könnte die geringe Wahrscheinlichkeit einem hungrigen Hai, einem Blitz oder einem Mörder zu begegnen, dasselbe Risiko-Potential beschreiben, ist lächerlich.</p><p>Männer entscheiden sich dazu, zuzuschlagen, mit Intention. Ein Blitzschlag kann das nicht. Außerdem wird empfohlen, Blitze zu meiden, während Frauen eine Liebesbeziehung mit einem Mann als unerlässlich für ein erfülltes Leben verkauft wird.</p><p>In Bezug auf Partnerschaftsgewalt leben wir in einer Gesellschaft, die uns bei Gewitter nackt und mit Metallhelm auf dem freien Feld ausgesetzt hat. Und dann überrascht ob der geringen Wahrscheinlichkeit sagt, wir seien selbst Schuld, wenn der Blitz uns erschlägt.</p><h4><strong>Aber zurück zur Schuldfrage</strong></h4><p>Wieso halte ich Victim Blaming für ein Verhalten, das unbedingt als solches benannt und kritisiert werden muss? Weil es wirkt. Nachhaltig und ausnahmslos diejenigen zum Schweigen bringt, die sich in ihrer Verletzlichkeit gezeigt haben. </p><p>Sogar mich. Selbst meine erste Reaktion auf die unfassbar bevormundende Ermahnung des Clowns, bloß nicht zu promiskuitiv zu leben, wenn ich weiterleben will, war ein Schuldgefühl. Ein schlechtes Gewissen. Ein Stich im Herzen und die unsichere Frage, ob er vielleicht Recht haben könnte. </p><p>Es brauchte die Empörung anderer Frauenstimmen in den Kommentaren und um mich herum, die sofort laut wurden und BULLSHIT anprangerten, um mich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.</p><p>Denn wenn ich eines weiß, dann dass es nichts mit meiner sexuellen Aktivität zu tun hat, wie Männer sich mir gegenüber verhalten. Es hat dagegen ALLES damit zu tun, ob ich selbstbestimmt Ja oder Nein zu Sex sage - das ist, was der Schlampenstempel, also das Victim Blaming verhindern soll: Die selbstbestimmte Entscheidung.</p><h4><strong>Gründe für Victim Blaming</strong></h4><p>Schon oft haben fremde oder nicht so fremde Menschen mir die Schuld gegeben, wenn Männer sich mir gegenüber übergriffig verhielten. Ich bin trotzdem jedes Mal überrascht und überrumpelt, wenn es wieder passiert. Ich frage mich dann immer, was die Leute davon haben.</p><p>Klar, Täter werden mit der Schuldzuweisung zum Opfer ihre Tat rechtfertigen wollen. Ein “Sie hat mich provoziert mit ihrem ständigen Gelaber” oder “Wenn man sich so zeigt, dann will man es doch nicht anders” funktioniert sogar nicht nur als Rechtfertigung einer Tat, sondern auch ihrer Wiederholung. Wie praktisch! </p><p>Die Good Guys, also die Männer, die denken, es reiche schon aus, kein Gewalttäter zu sein (selbige aber einfach ungehindert machen lassen), die betreiben Victim Blaming aus Bequemlichkeit.</p><p>Schließlich wäre es echt unangenehm, Streit mit dem Chef anzufangen, nur weil der die Kollegin betatscht hat. Ist denn keinem aufgefallen, wie die sich immer angebiedert hat in den Meetings? Die wollte sich doch hochschlafen!</p><p>Ab und zu beim After Work Gin Tonic über die dreckigen Witze vom Chef zu lachen ist ja wohl kein Verbrechen. Tut ja schließlich niemandem weh und witzig ist es schon auch. Weil’s halt oft auch stimmt, was der so über diese nervigen Tussen auf den Apps sagt. </p><p>Selbst wenn der Good Guy nicht so denkt, selbst wenn er weiß, dass der Chef sich sexistisch verhält und das doof findet. Sich mit der Realität von Gewalt zu befassen, die von Männern ausgeht, bedeutet, das eigene Denken und Handeln prüfen zu müssen.</p><p>Oder sogar etwas gegen herrschende Verhältnisse unternehmen zu müssen. Die wenigsten Männer ziehen sich diesen Schuh an. Da ist es dann doch bequemer, der Freundin, Schwester oder Tochter zu erklären, wie man sich schützt oder den Selbstverteidigungskurs zu bezahlen. Und sonst nichts.</p><p>Um meine Freundin und geschätzte Autorin Mia Gatow zu zitieren: “Sie werden uns nicht helfen.”</p><h4><strong>Not Just Men</strong></h4><p>Victim Blaming betreiben auch Frauen. Aber wieso suchen Personen, die selbst von geschlechtsbezogener Gewalt betroffen sein können, die Verantwortung für eine Gewalttat beim Opfer?</p><p>Als ich noch im Liebestagebuch des DLF Podcasts “Eine Stunde Liebe” auftrat, erzählte ich einmal von einem Mann, der mich in unserem Chat auf einer Dating App beleidigte und bedrohte. Er geriet außer sich über die Anmaßung, dass ich ihn gerne erst einmal an einem öffentlichen Ort persönlich kennenlernen wollte, bevor ich erwog, mit ihm ins Bett zu gehen.</p><p>Obwohl ich mich also genauso vorbildlich keusch verhalten habe, wie Dieter das empfiehlt, nahm dieser Mann das zum Anlass, mich für meine Entscheidung anzugehen und seine Wut an mir abzulassen. </p><p>Ich habe mich selbstverständlich nie mit diesem Menschen getroffen. Ich hatte einfach Glück, dass seine Impulskontrolle so grottig war, dass er mir bereits dann sein misogynes Gesicht gezeigt hat, als ich noch nicht emotional, finanziell oder sozial von ihm abhängig war. Viele andere Frauen erfahren die Wahrheit erst, wenn es zu spät ist.</p><p>Als ich von diesem Erlebnis öffentlich erzählte, schlugen mir jedoch nicht wie von mir naiv erwartet verständnisvolle oder tröstende Reaktionen entgegen, sondern Schuldzuweisungen.</p><p>Speziell der Kommentar einer mir fremden Frau blieb mir bis heute im Gedächtnis. Auch sie gab mir die Schuld an dieser beängstigenden Erfahrung. Ich solle mich nicht wundern, dass mir “so etwas” passiere, wenn ich auf Tinder unterwegs sei. Und das auch noch als Frau in einer offenen Beziehung. An diesem Urteil blieb nur noch das “Schlampe!” implizit.</p><p>Ich kann mir diesen Mangel an Empathie und Solidarität nur mit dem panischen Bedürfnis erklären, die Kontrolle behalten zu wollen. Personen, die von geschlechtsbezogener Gewalt bedroht sind, empfinden wahrscheinlich einen grundlegenden Wunsch nach Schutz davor und Selbstwirksamkeit dabei. </p><p>Sprich, wenn ich nur fest genug daran glaube, dass bestimmtes Verhalten von mir einen Übergriff verhindert, dann schafft das die Illusion, ich hätte mein Schicksal selbst in der Hand. Müsste mich nicht auf den Staat, die Menschen um mich herum oder einfach den Zufall, dass mir kein Mörder begegnet, verlassen.</p><p>Das sind die Leute, die Frauen, die applaudieren, wenn ein Witz im Fernsehen suggeriert, Opfer von sexualisierter Gewalt seien einfach zu dumm, um sich zu schützen. Sie lachen, weil sie Angst haben, es könnte anders sein. Sie bestätigen das bestehende System, weil die Einsicht, dass es nicht zu ihrem Schutz erbaut wurde, das Gefühl des freien Falls auslöst. Panik.</p><h4><strong>Schuld und Sühne</strong></h4><p>Nehmen wir mal an, das Verhalten eines Opfers könne wirklich einen ernstzunehmenden Einfluss darauf haben, wie ein Täter sich verhält. Dann überbrückt das doch trotzdem nie den maßlos überzogenen Abstand zwischen der “Provokation” und der letztlichen Gewalttat. </p><p>Wie erklären wir die Unverhältnismäßigkeit, die zwischen dem angeblichen Grund für die Tat und der Schwere der Tat und ihrer Folgen klafft? Wie wenn nicht mit der Annahme des Täters, dass sein Übergriff oder seine Gewalt gar nicht so unverhältnismäßig ist, sondern angemessen.</p><p>Das ist ein Indiz für das System, in dem wir immer noch denken und leben. Wenn ein sexueller oder gewaltvoller Übergriff eine angemessene Reaktion auf das Verhalten einer Frau ist, dann ist ihre körperliche und seelische Unversehrtheit nicht schützenswert genug. Ihre Selbstbestimmung nicht existent.</p><p>Dann leben wir in einer Gesellschaft, die geschlechtsbezogene und Partnerschaftsgewalt nicht schlimm genug findet. Was wir auch daran erkennen können, dass sie selten Konsequenzen hat. Also für die Täter.</p><p>In ihrem Buch “Gegen Frauenhass” auf Seite 138f.<sup><a>3</a></sup> schreibt die Anwältin und Kämpferin gegen geschlechtsbezogene Gewalt, Christina Clemm, zur Priorität, die die Strafverfolgung dieser Form von Gewalt in Deutschland hat, folgendes:</p><p><em>“Während sehr viel Kapazitäten in die Bekämpfung der sogenannten Clankriminalität gesteckt werden, in die Verfolgung von Diebstählen und islamistischem Terror, wird bei den Sexualdelikten gespart. So sollen in Berlin zusätzlich zwanzig neue Staatsanwaltschaftsstellen zur Bekämpfung der sogenannten Clankriminialität geschaffen werden. </em></p><p><em>Im Vergleich dazu gibt es in Berlin nur siebzehn Staatsanwältinnen der Spezialabteilung “Sexualdelikte”, die von sexuellem Kindesmissbrauch über Kinderpornografie bis zur sexuellen Belästigung Erwachsener und Vergewaltigungen alles zu bearbeiten haben. Warum das so ist? Weil kein Geld, kein Eigentum im Spiel ist, weil es nicht um staatsgefährdende Taten geht. Weil nur die Unversehrtheit weiblicher Körper und Seelen auf dem Spiel steht.”</em></p><h4><strong>Alles nicht so schlimm?</strong></h4><p>Das Wissen, dass Partnerschaftsgewalt kaum Konsequenzen für Täter hat, hält viele Frauen klein und in missbräuchlichen oder benachteiligenden Beziehungen gefangen. Denn “immerhin schlägt er mich nicht” oder “er könnte ausrasten, wenn ich gehe” sind Gedanken, die sich viele von ihnen machen. </p><p>Einfach, weil sie wissen, dass sie größtenteils auf sich allein gestellt sind. Wir alle wissen das. Aber wir tun nichts dagegen.</p><p>In jedem anderen Fall von Kriminalität wird festgestellt, dass das Problem an der Wurzel gepackt werden muss. Nur bei Gewalt gegen Frauen verhalten wir uns so, als seien Männer unveränderliche Naturgewalten, vor denen man sich nur mit etwas Glück und unter Einhaltung strengster Verhaltensregeln schützen könne - wir zucken mit den Schulten und sagen “tja”, wenn es dann doch passiert.</p><p>Es ist so perfide, durch Victim Blaming dann auch noch Schuldgefühle und Scham auf der Seite auszulösen, die schon den größten Schaden hat. “Nicht nur die Scham, sondern die Angst muss die Seite wechseln”, sagte Christina Clemm neulich in einem Interview mit der Zeit<sup><a>4</a></sup>. Aktuell sehe ich aber keinen Anlass dazu.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Hier empfehle ich einen Roman, der mir wie bisher keine andere Geschichte die Folgen eines sexuellen Übergriffs vor Augen geführt hat. Kein leichter Stoff, bitte trotzdem lesen:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/67e920f2-5d03-46c2-83f0-f5dd92143b61/uploads/images/hna6k47xci/1000106900.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Und natürlich das bereits zitierte Sachbuch von Christina Clemm:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/67e920f2-5d03-46c2-83f0-f5dd92143b61/uploads/images/eyz5obcawx/1000106901.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Tales from the us</p><h3>Tornadowarnung</h3><p>Es ist Sommer 2025 und es gewittert in Berlin. N. und ich sitzen gemeinsam auf meinem Balkon und warten auf die vereinzelten Blitze. “Krass, hast du den gesehen?!”, rufe ich. N. zuckt nur unbeeindruckt mit den Schultern.</p><p>Gar nichts sei das im Vergleich zu den Gewittern, die er in den USA erlebt habe. Den Platzregen in Minnesota, die Hochfrequenz der Blitze in den Suburbs von Chicago. So ein richtiges Gewitter habe er in seiner ganzen Zeit in Berlin noch nie erlebt. “Die Wolken und der Himmel sind einfach anders in den Staaten”, schließt er die Erzählung. </p><p>“Ja, klar”, sage ich, und glaube ihm kein Wort.</p><p>Als Kind hatten Unwetter etwas morbide Faszinierendes für mich. Ich wollte unbedingt Blitze beobachten, aber bloß nicht von draußen. Die sichernde Fensterscheibe zwischen mir und der Welt wirkte genauso wie der Fernsehbildschirm, auf dem ich gebannt Tagesschauberichte über Hurricanes, Typhoons und andere Wirbelstürme verfolgte. Ich musste das sehen, aber mit Sicherheitsabstand.</p><p>Manchmal träumte ich dann nachts von Tornados, die mein Zuhause verwüsteten. Mein Vater konnte mich danach immer nur mit einem Versprechen beruhigen: “Das passiert nur in Ländern, die ganz weit weg sind. Sowas gibt es bei uns nicht.” In dem Wissen, hierzulande sicher vor Wirbelstürmen zu sein, schlief ich selig wieder ein.</p><p>Im März 2026 sitze ich an einem Sonntagvormittag gemütlich im Bett und arbeite an meinem Laptop. Weil Sonntag ist und weil N. und ich zu Besuch bei seinen Eltern in Arkansas sind, ist er mit seiner Mutter in die Kirchengemeinde gefahren. Arkansas gehört schließlich zum “Bible Belt”, einem besonders streng christlichen Streifen von Bundesstaaten, der sich durch den Süden der USA zieht. Der sonntägliche Kirchgang bei Wind und Wetter gehört hier dazu. Besonders, wenn man der Sohn vom Pfarrer ist.</p><p>Apropos Wetter. Während ich so am Laptop vor mich hin tippe, fällt mein Blick in die untere linke Ecke des Bildschirms. Dahin, wo sich bei Windows abwechselnd die Verkehrs-, Aktienkurs- oder Wetteranzeigen befinden. Was ist das? Im ersten Moment wundere ich mich noch über das ungewohnte Wetter-Icon. Dann entschlüsselt mein Gehirn die Wörter, die ich in dieser Anzeige noch nie vorher gesehen habe: </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/67e920f2-5d03-46c2-83f0-f5dd92143b61/uploads/images/i4jng4mxot/1000106966.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>What. The. Fuck.</p><p>Ich springe vom Bett und laufe zum Fenster. Draußen ist es bereits verdächtig dunkel geworden. Erste Regentropfen klatschen wütend gegen die Scheibe. Baumwipfel schwingen hin und her wie Raver beim ersten DJ Set der Nacht. Ich tippe eine entsetzte Nachricht an N.: “Du hast gesagt, es sei keine Saison für Stürme???”</p><p>Prompt kommt seine Antwort: “Ist es auch nicht. Mach dir keine Sorgen, wir sind schon auf dem Weg nach Hause.” Dass wir uns in Tornado-Country befinden, war mir ungefähr bewusst gewesen. Beruhigt hatte mich, dass Wirbelstürme, ähnlich wie Gewitter, hier ein Sommer-Phänomen waren. Nur scherte sich dieser aufziehende Tornado offenbar wenig um die Jahreszeit - schließlich hatte es am Vortag fast 30°C Außentemperatur gehabt. </p><p>Als N. und seine Mutter zur Tür reinkommen, herrscht draußen schon ziemliche Weltuntergangsstimmung. “Eine Baumspitze ist abgebrochen und direkt vor uns auf die Gegenfahrbahn gefallen!” ruft mir N.s Mutter begeistert entgegen. Mit weit aufgerissenen Augen schaut N. mich an: “Keine Panik, die Sturmwarnung gilt immer für den ganzen Staat. Aber die Tornados sollen in einer ganz anderen Ecke auftreten. Nicht hier.” Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll.</p><p>“Okay. Und was macht man bei einer Tornadowarnung in der Nähe?”</p><p>“Man muss Schutz suchen. Am besten im Keller. Wenn man einen hat.”</p><p>“Haben wir denn hier einen?”</p><p>“Hier wird schon nichts passieren.”</p><p>Später am Tag sitzen wir alle gemeinsam im Fernsehzimmer und schauen die Oscarverleihung an. Oder das, was wir davon mitbekommen. Das Fernsehprogramm wird nämlich nur im Split Screen gezeigt und teilt sich den Sendeplatz mit einem Echtzeit-Wetterbericht.</p><p>Die Stimme des Wettermanns ist automatisch lauter gestellt als das eigentliche Programm, weswegen Zuschauende in ganz Arkansas die Oscar-Eröffnungsrede von Conan O’Briens Lippen ablesen müssen. Der Wettermann entschuldigt sich ständig für die Unterbrechung. Erklärt, dass die TV-Sender leider dazu verpflichtet sind, im Fall einer staatlichen Tornadowarnung live über die Wetterveränderungen zu informieren.</p><p>Schließlich sind die genauen Orte, an denen Tornados sich für den &quot;touchdown&quot; entscheiden, quasi kaum vorherzusagen. Wenn es passiert, bleiben den Menschen im betroffenen Gebiet selten ganze Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen. Was man macht, wenn man keinen Fernseher hat, will ich gar nicht wissen. Oder wenn die Oscar-Verleihung ab nächstem Jahr nur noch auf YouTube übertragen wird. Werden die Leute dann gar nicht mehr gewarnt? </p><p>N. zuckt mit den Schultern, er weiß es auch nicht. Der Wettermensch ruft Bewohner*innen von Bumfuck Nowhere, Arkansas, auf, sofort Schutz zu suchen. Das live Publikum in der anderen Übertragung klatscht, weil der erste Gewinner verkündet werden soll. Ich bekomme Lust, mir Tornado-Jagd Clips auf YouTube anzuschauen. Schließlich kam bei uns nie einer an.</p><p>Es ist Sommer 2026 und es gewittert in Berlin. Blitze zucken im Sekundentakt über den Himmel. Die dunkelgrauen Wolkenwalzen leuchten von innen wie Deckenlampen. Dann schlägt es in dicken Adern in den Boden ein.</p><p>So ein intensives Wetterleuchten hatte ich bisher erst einmal gesehen - in einer Nacht im März über den Suburbs von Chicago. Die Blitze hatten N. und mich geweckt. Fast eine Stunde saßen wir im Dunkeln am Fenster und beobachteten den Himmel.</p><p>In Berlin drücke ich alleine meine Nase an der Scheibe platt. Auf meinen Balkon traue ich mich nicht. So ein Gewitter habe ich in Deutschland noch nie gesehen. Kurze Zeit später verbreiten sich Bilder von einer Wasserhose über dem Bodensee auf Social Media. Das Wetter hier verändert sich.</p><p>Gebt Klimawarnung.</p><hr/><p>Gebt Trinkgeld</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine<a href="https://cleo-libro.de/kontakt/"> Website</a> erreichen oder mir bei<a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de"> Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen 🧡</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><hr/><p>Quellen</p><ol><li data-id="aba5bef6-e251-4340-bfee-ae447edd2598"><p><a href="https://hateaid.org/taeter-opfer-umkehr/">Definition von HateAid</a></p></li><li data-id="aaa6791c-8adb-408b-90be-f380d73ff1d9"><p><a href="https://www.ecchr.eu/glossar/geschlechtsbezogene-gewalt/">Definition und weitere Erläuterungen des ECCHR der EU</a></p></li><li data-id="d1271f91-eb80-4526-bce8-e3c0a2b70ba3"><p><a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/christina-clemm-gegen-frauenhass-9783446277311-t-3972">Clemm, Christina. Gegen Frauenhass. Hanser Berlin, 2023.</a></p></li><li data-id="976b09bf-efad-4254-ae10-b2b50063777b"><p><a href="https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-07/christina-clemm-sexualisierte-gewalt-frauen-vergewaltigung-gisele-pelicot">Zeit Interview Clemm</a></p></li></ol>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 12 Jul 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#34: “Wo ist deine Wut?” "Auf Insta."]]></title>
      <description><![CDATA[Was passiert, wenn politische Wut und Widerrede nur online stattfinden und wo sie tatsächlich etwas bewegen +++ Neues Newsletter Kurzformat: Tales from the US! Ab jetzt!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>#34: “Wo ist deine Wut?” “Auf Insta.”</h1><p>Ich erinnere mich gerne an die Premiere meines Sachbuchs “Gleichstellung” zurück. Nicht nur, weil so viele mir bekannte und unbekannte Gesichter aufgetaucht sind, um mich zu unterstützen. Auch nicht nur, weil ich schon so lange darauf hingefiebert hatte, endlich selbst zu erleben, was ich oft bei anderen beobachtet und gefeiert habe: der stolze Moment, in dem man das eigene Buch zum ersten Mal einem Publikum vorstellt.</p><p>Sondern auch wegen der lebendigen Diskussion unter den Gästen an diesem Abend, die im Anschluss an die Lesung entstand. Es ging um die Fragen, wieso sich das feministische Wissen über Sexualität so schlecht in unserer Gesellschaft hält und vermeintlich in jeder Generation immer wieder neu verbreitet werden muss.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Und wie wir es schaffen können, die Männer mit ins Boot zu holen, die doch auch endlich mal verstehen könnten, dass das Patriarchat nicht nur Privilegien für sie bereit hält. Sondern vor allem ein Regelwerk an Maßnahmen zur emotionalen Verstümmelung, das sie fast so wütend über und kampfbereit gegen das System machen sollte wie uns andere Geschlechter. </p><h4>Und dann kam die Frage nach der Wut.</h4><p>Eine Person aus dem Publikum meldete sich und fragte, wie ich angesichts der ganzen Ungerechtigkeiten, die dem sexuellen Wesen und Körper von Frauen immer noch entgegengestellt würden, so gelassen bleiben könne. Wie ich dann auch noch ein Buch mit einem Augenzwinkern darüber schreiben könne.</p><p>Sie fragte mich: “Wo ist deine Wut?” Und ich konnte ihr diese Frage nicht beantworten. Sie saß jedenfalls nicht bei mir mit auf der Bühne und fand auch nur selten ihren Weg in meine Texte.</p><p>Nur warum? Sie ist doch da.</p><p>Ich gehöre zu den vielen Menschen, vielen Frauen, die in dem Glauben aufgewachsen sind, dass wütend zu sein, sich ihrer nicht geziemt. Denn Wut bedeutet Kontrollverlust und eine unkontrollierte Frau? Dafür muss man sich schämen. Ganz ähnlich wie, wenn das Kind nicht hört oder der Hund aus der Reihe tanzt.</p><p>Also wird die Glut in der Kehle hinuntergeschluckt. Ob bei der Familienfeier, im Büro oder bei einem unhöflichen Date - bloß nicht zeigen, dass man die übergriffigen Flegeleien an sich heranlässt. Bloß nicht riskieren, als schwierig zu gelten oder gar als emotional. Denn wie häufig wird besonders weibliche Wut als übertrieben dargestellt, als unangebracht? </p><p>Dabei - und das wissen wahrscheinlich heute die Meisten - ist das Wutgefühl erst einmal ein emotionaler Schutzreflex<sup><a>1</a></sup>. Es warnt uns davor, wenn unsere Grenzen bedroht oder verletzt werden, und es verleiht uns auch die Kraft, sie zu verteidigen.</p><hr/><p>Cleo live</p><p>Am <mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">11. Juli 2026</mark> bin ich ab 16 Uhr auf dem <em>Localize Potsdam</em> Festival zum Talk über THE POWER OF LOVE mit der großartigen Katja Lewina geladen.</p><p>Kommt vorbei, der Eintritt ist frei und schafft Einblick in den alten Landtag auf dem Brauhausberg! <a href="https://localize-potsdam.de/">Hier gibt’s mehr Infos.</a></p><hr aria-hidden="true"/><h4>Gesetzt den Fall, wir lassen sie auch raus, die Wut.</h4><p>Doch das ist, wie schon beschrieben, oft unerwünscht. Außer an einem ganz bestimmten Ort: den sozialen Medien. Hier dient Wut bzw. Wut erzeugender Content einem ganz wichtigen und mächtigen algorithmischen Mechanismus - dem <em>Engagement</em>. </p><p>Und das hat laut einer Studie der Yale University<sup><a>2</a></sup> einen spannenden Lerneffekt. Die Forschenden konnten beobachten, dass Personen, die sich <em>einmal</em> auf Social Media über etwas aufregt haben, das sehr wahrscheinlich <em>wiederholen</em> werden. Und zwar, da sie durch das höhere <em>Engagement</em> (also mehr Likes, Shares und Kommentare zum Post) von anderen Nutzenden positiv dafür konditioniert werden. </p><p>Wenn wir auf Insta &amp; Co. also unserer Wut in Form von Beiträgen freien Lauf lassen und erleben, dass diese Posts viel besser performen als “ruhigerer” Content, dann fühlt sich die Wut auf einmal akzeptabel, sogar erwünscht und erfolgreich an.</p><p>Einer der Forschenden an der Studie, William Brady, fasst es so zusammen: <em>“This is the first evidence that some people learn to express more outrage over time because they are rewarded by the basic design of social media.”</em><sup><a>3</a></sup></p><h4>Algorithmic Anger</h4><p>Social Media zu nutzen kann eine*n also tatsächlich wütender machen, als man eigentlich ist. Das bestätigt auch meinen persönlichen Eindruck. Jedes Mal, wenn ich das Handy kopfschüttelnd zur Seite lege, weil ich in den Insta-Kommentarspalten wieder den Glauben an die Menschheit verloren habe. </p><p>Aber kann es nicht auch gut sein, wenn die sozialen Medien uns helfen Wut auszudrücken, die wir sonst immer so krampfhaft unterdrücken? Schließlich ist das auch nicht gesund<sup><a>4</a></sup>.</p><p>Eine weitere spannende Beobachtung aus dem Bereich “Studien über die emotionalen Auswirkungen von Social Media Nutzung”<sup><a>5</a></sup> ist jedoch die, dass die Wut, die wir dort konsumieren und platzieren, gar nicht unbedingt dieselbe ist, die wir im Alltag verdrängen.</p><p>Der <em>Engagement</em>-Mechanismus sei es, der maßgeblich bestimme, Themen stärker zu pushen, über die sich sonst nicht so viele Menschen aufgeregt hätten. Also aus einer Social Media-Mücke einen Emotions-Elefanten zu machen.</p><p>Denn wenn sich viele Leute über etwas aufregen und noch mehr von ihnen darauf reagieren, dann muss an der Wut wohl etwas dran sein. Nur stimmt das so wahrscheinlich nicht.</p><p>So werden Geschichten, die im Vergleich zum Weltgeschehen eher kleinere Geigen spielen, zum großen Konzert aufgeblasen. Oder es entsteht der Eindruck, dass die Menschen in unserer Gesellschaft fast nur noch wütend aufeinander seien, weil die Kommentarspalten angeheizt durch <em>Rage Bait</em> <em>Content</em> genau diesen Eindruck machen.</p><p>Es ist schwer festzustellen, wo die Wut zuerst war - im Internet oder außerhalb - oder welche Themen tatsächlich wie viel Wut und Aufschrei in der Gesellschaft und nicht nur auf Social Media produziert hätten.</p><p>Aber man kann ja selbst einmal in sich gehen und überlegen: Hätte zum Beispiel das Drama um den gestrandeten Wal vor ein paar Monaten die Gemüter auch ohne Tiktok-Trend und Insta-Berichterstattung so erhitzt?</p><h4>Ich bin auf Instagram wütend</h4><p>Vor einiger Zeit ist mir eingefallen - natürlich wieder nur im Nachhinein - was ich der Person aus dem Publikum bei meiner Buchpremiere hätte antworten können. Nämlich, dass sich meine Wut meistens auf Instagram abspielt. </p><p>Auch ich teile dort die Beiträge, die bei mir und anderen <em>feminist rage</em> auslösen und treffe verallgemeinernde Aussagen über Männer oder Tech-Kapitalisten, die meine Wut zum Ausdruck bringen sollen. Aber das war’s dann auch schon.</p><p>Dabei bewegt online Wut meistens gar nichts. Außer diejenigen, die zu viel durch dieses Geschimpfe scrollen, mit Einsamkeitsgefühlen und Weltuntergangsfantasien zurückzulassen. Im Internet wütend zu sein ist wie Kaugummi kauen, wenn man am verhungern ist.</p><p>Solange wir unsere Frustration und den angesammelten Zorn nicht auch in politische Aktionen in “der echten Welt” umsetzen, ist unsere aktivistische online Wut auf Social Media nutzlos, aber dort gut aufgehoben. Da bewegt sie schließlich nichts außer den Kontostand einzelner sehr reicher Männer nach oben. Ob das wohl System hat 👀 </p><p>Übrigens gilt die Nutzlosvermutung nicht nur für Posts, sondern auch für wütende online Diskussionen in Foren oder Kommentarspalten. Hierzu habe ich letztens ein total erhellendes Gespräch mit der Journalistin Dana Buchzik zu Gast im Talk-Podcast von Raul Krauthausen angehört (Link in den Empfehlungen). </p><p>Buchzik hat viel zu Mechanismen der politischen Radikalisierung gearbeitet und ist zusätzlich Kommunikationsberaterin. Sie hat ein Buch<sup><a>6</a></sup> über die Fragen geschrieben, warum radikale Ideologien bei Menschen immer wieder verfangen und wie man sie kommunikativ wieder aus deren Sog befreien kann. </p><p>Mit online Trolls und Kommentar-Diskussionen kennt sie sich also bestens aus und ihr Fazit ist: digital zu diskutieren hat meistens keinen Effekt.</p><p>Heißt, keine der beiden Seiten sieht den Standpunkt der anderen und der scheinbar öffentliche Raum, in dem das Wortgefecht stattfindet, kann zusätzlichen Druck erzeugen, Recht behalten zu wollen oder weiterhin zu seiner Ideologie zu stehen.</p><p>Letzteres steht in Zusammenhang mit einem Punkt, der mich ganz besonders überrascht hat: Buchzik erklärt im Gespräch mit Krauthausen, dass es gerade im extrem rechten Spektrum super gefährlich für einzelne Akteure werden könnte, sollten sie im Internet für alle lesbar zugeben, dass sie ihre Meinung geändert haben. Denn dann bestünde die Gefahr, dass der rechte Mob sich gegen sie selbst wendet. Und das kann nicht selten auch reale Gewalt bedeuten.</p><h4>Das heißt also:</h4><p>Online Diskussionen helfen wahrscheinlich genauso wenig wie Aktivismus, der sich aus dem digitalen Raum nicht auf die Straße, an die Wahlurne oder in die Politik übersetzt.</p><p>Und algo-gesteuerte online Wut verzerrt unseren Eindruck von den Menschen da draußen und was sie wirklich bewegt. </p><p>Stattdessen sollte unsere Wut - innerhalb angemessener Grenzen -, wenn sie in der Realität aufkommt, auch in eben dieser bearbeitet und bewältigt werden.</p><p>Wer weiß, zu welchen großartigen Aktionen sie uns dort bewegen kann. Und wenn es nur darum geht zu lernen, endlich unbequem zu werden und häufiger “Nein!”<sup><a>7</a></sup> zu sagen.</p><p>Wirklichkeits-Wut wirkt Wunder.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>🎧 Wie angekündigt, möchte ich wärmstens die Folge von Raul Krauthausens Podcast <strong>“Im Aufzug” mit Dana Buchzik</strong> empfehlen. Es geht um Deradikalisierung, Mechanismen von Hass im Netz und was ihr Aufwachsen in einer Sekte dazu beitrug, was sie heute macht (<a href="https://open.spotify.com/episode/1nvNKlM51J6OujlsIHZ4Kn?si=1fb3982ab5ef4e7c">Hier geht’s zur Folge</a>).</p><p>🎬 Immer mal was Neues: Heute mache ich hier zum ersten Mal eine Film-Empfehlung. <strong>“Die Vorkosterinnen”</strong> auf Netflix hat mich ziemlich überzeugt. Auf den Erfahrungen einer Zeitzeugin aufbauend, die in den letzten Kriegsjahren dazu gezwungen wurde, das Essen für Hitler vorzukosten, erzählt der Film viel über die Situation junger Frauen in Nazi-Deutschland. Der Film macht natürlich keine gute Laune, erinnert aber nochmal effektiv daran, worauf wir wirklich wütend sein können.</p><hr/><p>Tales from the US</p><p>Willkommen zu einem <strong>neuen Kurzformat</strong> in diesem Newsletter, in dem ich Eindrücke aus dem Monat schildere, den ich dieses Jahr in den Vereinigten Staaten von Amerika verbracht habe. Ich habe mich in Großstädten an der Ostküste und dem mittleren Westen aufgehalten, allerdings auch einen Schlenker aufs Land in die Südstaaten gemacht. Und dabei so einiges erlebt 🤠</p><p>Was ich hier aufschreibe, sind Erlebnisse, die aus politischen oder persönlichen Gründen in meinem Gedächtnis hängen geblieben sind.</p><p>Meistens weil sie mich überrascht und mir dieses facettenreiche Land näher gebracht haben, das mir gleichzeitig so vertraut vorkam und doch sehr fremd war. Aber manchmal einfach nur, weil’s witzig war 😁 Enjoy!</p><h3>Jedes Ma(h)l ein Burger…</h3><p>Ich habe in dem Monat, den ich dieses Jahr in den USA verbracht habe, so viel öfter Burger gegessen, als ich das eigentlich wollte. Nur aus ganz anderen Gründen, als ich das vorher dachte.</p><p>Vor meiner ersten Reise in die USA hatte ich schon befürchtet, dass ich viel mehr Fastfood essen würde als Zuhause. Nicht nur, weil dieses Land für McDonalds, Taco Bell, Burger King, Culver’s &amp; Co. so bekannt ist. Sondern auch, weil ich Sorge hatte, mir ein gesundes Gericht im Restaurant oder frische Zutaten im Supermarkt nicht so oft leisten zu können wie in Deutschland. </p><p>Tatsächlich hatten die Rezession und der Iran-Krieg im März 2026 schon starke Auswirkungen auf die Lebenshaltungskosten in den Staaten gehabt. Nicht nur der Sprit, der mit Mitgliedsausweis bei den Sam’s Club eigenen Tankstellen billiger zu haben war, sorgte für lange Warteschlangen vor dieser Supermarktkette der Superlative.</p><p>Auch die Tatsache, dass es sich in Sam’s Clubs hauseigenen Schnellimbiss-Kantinen seit 30 Jahren ungefähr für die gleichen Preise Hotdogs oder Pizza essen lässt (ein Dog mit Drink für $1,50!!), lockte die breite Bevölkerung vor die Tür, in ihre Autos und auf die blauen Bierbänke des Imbiss direkt zwischen Eingangsbereich und Supermarktkassen.</p><p>Denn nicht nur waren Nahrungsmittel überall teurer geworden, auch die berühmten Riesenportionen, die Teil des weltweiten kulinarischen Rufs der USA sind, waren verschwunden. Zwar wurden meine Begleitungen und ich überall, wo wir einkehrten, auch satt, aber Doggy Bags für den nächsten Tag nahmen wir so gut wie nie mit nach Hause. </p><p>Apropos “Doggy Bag”. Ich habe bisher nicht recherchiert, woher dieser Begriff stammt und auch noch nicht hinterfragt, was Essensreste mit Hunden zu tun haben sollen, die ganz klar am nächsten Morgen kalt (oder im Stehen nachts am Kühlschrank) von Menschen verputzt werden.</p><p>Ganz einfach, weil es unter meinen kölschen Großtanten und -onkeln früher ganz normal war, sich das Fleisch im Restaurant einpacken zu lassen, das man nicht mehr runter gekriegt hatte.</p><p>Weil man sich aber nicht die Blöße geben wollte, zuzugeben, dass man das bereits bezahlte Abendessen nicht wieder in die Küche zurückgehen lassen konnte, ließ man sich die Filetstücke in Alufolie eingewickelt vom Kellner mit den Worten “Dat es för de Hunk” (Das ist für den Hund) überreichen.</p><p>Deswegen, liebe Amis, “Doggy Bag” <em>makes perfect sense to me</em>. Wer weiß, wer hier wen beeinflusst hat.</p><p>Aber zurück zu den Fleischstücken, die ich unter Stöhnen aufgegessen habe, obwohl sie mir eigentlich viel zu viel waren: die Burger. </p><p>Jedes Mal, wenn wir uns in ein Diner oder einen Pub setzten, und ich mangels großem Hunger nur eine Kleinigkeit essen wollte, habe ich am Ende einen Burger bestellt.</p><p>Das lag daran, dass ich nicht wusste, dass ich gerade einen Burger bestelle. Denn Burger heißen in den USA meistens “Sandwich”. </p><p>Ganz anders als auf Denglisch bezeichnet der Begriff “Burger” in den Staaten nämlich nur das Rindfleischpatty. Das ganze Konzept eines Stücks Fleisch oder Fleischersatz garniert mit Saucen und Salat zwischen zwei Brötchenhälften dagegen - das ist dort ein Sandwich. </p><p>Wer in den USA also Beef essen will, bestellt einen Burger. Wer sich wie ich - ein deutsches Toastbrot - in den USA ab und zu nach einem guten alten Butterbrot anstatt nach einer vollen Mahlzeit sehnt, und deswegen ein Chicken Sandwich bestellt… bekommt auch einen Burger. </p><p>Es brauchte über drei Wochen und viele “unfreiwillig” verspeiste (deutsche) Burger mit Pommes, bis ich verstand, dass selbst “handhelds” keine Sandwiches auf Brotscheiben sein werden - außer sie tragen das Zauberwort “Club” im Namen.</p><p>Chicken <em>Club</em> Sandwich. Turkey <em>Club</em> Sandwich. Das waren die Butterbrote, nach denen ich mich sehnte. Ich wusste nur nicht, auf welches Wort es hierbei ankam.</p><p>Normalerweise erklären wir Kindern, dass sie gar nichts kriegen, wenn sie das “Zauberwort” weglassen. </p><p>Wenn man es in einem amerikanischen Diner weglässt, bekommt man anscheinend deutlich mehr als gar nichts. Einen Chicken-Burger mit Fritten statt eines Butterbrots mit Hähnchenaufschnitt zum Beispiel.</p><p>Da meint man, man beherrscht eine Sprache und wird doch immer wieder überrascht. </p><p>Naja, jetzt weißt du für den nächsten USA-Besuch jedenfalls auch Bescheid. Also willkommen im Club 😉</p><hr/><p>Trinkgeld</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine<a href="https://cleo-libro.de/kontakt/"> Website</a> erreichen oder mir bei<a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de"> Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen 🧡</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p><hr/><p>Quellen</p><ol><li data-id="eb780a49-40b3-4310-96cf-c4997fd07d9f"><p><a href="https://www.pharmazeutische-zeitung.de/wut-ist-nicht-toxisch-sie-hat-eine-funktion-164866/">Wut schützt</a></p></li><li data-id="026c94b3-ca0f-4877-940d-f2a2d5626705"><p><a href="https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abe5641">Originalstudie Yale Universität</a></p></li><li data-id="be3aee57-9470-4cb6-a981-96460f69a239"><p><a href="https://news.yale.edu/2021/08/13/likes-and-shares-teach-people-express-more-outrage-online">PM und Artikel zur Yale Studie (EN)</a></p></li><li data-id="363caa4c-d423-4321-93ec-2f26c44e0b28"><p><a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/emotionsforschung-wer-wut-unterdrueckt-kann-depressiv-werden-100.html">Auswirkungen unterdrückter Wut auf psychische Gesundheit</a></p></li><li data-id="9c7e0b8d-9a77-496c-a9a0-076cb75d3c0e"><p><a href="https://cordis.europa.eu/article/id/430608-trending-science-social-media-making-us-angrier-study-reveals/de">Analyse zur Yale Studie (DE)</a></p></li><li data-id="c8d16ebd-4cfa-4659-b556-954a1d61e169"><p><a href="https://www.rowohlt.de/buch/dana-buchzik-warum-wir-familie-und-freunde-an-radikale-ideologien-verlieren-und-wie-wir-sie-zurueckholen-koennen-9783499007460">Buchzik: Warum wir Familie und Freunde an radikale Ideologien verlieren - und wie wir sie wieder zurückholen können</a></p></li><li data-id="a9d8286f-38df-4ec0-b3df-aced4e86d07b"><p><a href="https://cordis.europa.eu/article/id/430608-trending-science-social-media-making-us-angrier-study-reveals/de">Buchzik: The Power of No. Warum wir endlich unbequem werden müssen</a></p></li></ol>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 28 Jun 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#33: Zukunft feministisch denken, erzählen, erfinden]]></title>
      <description><![CDATA[Was ich lange nicht wusste: SciFi gibt’s auch in feministisch! Hier kommen vier Empfehlungen zu meiner neuen Lese-Obsession für den Sommer.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Science Fiction ist ein Genre, zu dem ich lange Zeit keinen Zugang fand. Was u. a. daran liegt, dass ich ihn nie gesucht habe.</p><p>Weder in Form von Literatur, Filmen oder Serien - die ganzen Klassiker, mit denen viele meiner Mitmenschen begeistert aufgewachsen sind, <em>Star Trek, Star Wars</em> oder <em>Per Anhalter durch die Galaxis,</em> haben mich alle nie wirklich angeturnt.</p><p>Zum Einen, weil es lange niemanden in meinem Umfeld gab, der oder die mich mit dem SciFi-Fieber hätte anstecken können. Zum Anderen, da die prominentesten Geschichten überwiegend von der Aura klassischer Heldenepen umgeben waren.</p><p>Männlich, kriegerisch, kolonial.</p><p>Eine patriarchale Zukunftsvision eben, die sich höchstens im Stand der Waffentechnik von der Gegenwart unterschied. Das bot mir nichts, weswegen ich mich als junge Leserin auf die Reise gemacht hätte, um mir auf eigene Faust unbekannte literarische Weiten zu erschließen.</p><p>Fast forward nach 2026: E. erzählt mir zum ersten Mal von Ursula Le Guin.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Ich hatte ja keine Ahnung, was ich verpasste. Nicht bei den kulturell am meisten gehypten Klassikern, um ehrlich zu sein, sondern in der langsam wachsenden Nische der Frauen, die Science Fiction schreiben und der Menschen, die feministische Vorstellungen der Zukunft über ihre SciFi-Werke manifestierten. </p><p>Nur damit das klar ist, das sind durchaus nicht alles Utopien. Ein feministischer Blick in die Zukunft kann ganz schön düster sein, weil er uns warnen will. Ein lebendiges, anfassbares Beispiel dafür sein will, was passiert, wenn wir dem “Was wollt ihr denn  noch alles?!”-Gestöhne und dem “Der Feminismus ist zu weit gegangen”-Geheul nachgeben.</p><p>Nämlich der patriarchale Rückfall. Beispiele gibt es dafür genug, nicht nur in erfundenen Geschichten wie Margarets Atwoods <em>Report der Magd</em>, sondern auch in der Menschheitsgeschichte: Afghanistan in den 90ern<sup><a>1</a></sup>, Roe v. Wade in den USA in 2022<sup><a>2</a></sup> oder die Situation für Frauen in Iran heute<sup><a>3</a></sup>.</p><h4>Rollback is real, baby. </h4><p>Und er wird wahrscheinlicher, je unklarer unser Gegenentwurf einer feministischen Zukunft aussieht. Deswegen braucht es all das: die Dystopien, die uns warnen, die Utopien, die uns eine gleichgestellte Zukunft erträumen lassen, und die Geschichten, an denen alles bis auf ein kleines Detail bereits greifbar erscheint.</p><p>Damit wir uns Schritt für Schritt auf eine Zukunft zu bewegen können, in der die Gleichstellung der Geschlechter und ein selbstbestimmtes Leben für alle Realität sind.</p><p>Ich möchte heute vier Bücher vorstellen, die mit genau solchen Geschichten um die Ecke kommen und sich sogar alle mal eben so im Sommerurlaub weglesen lassen. Zumindest was ihren Umfang betrifft 😉</p><hr/><p>Cleo live</p><p>Am <mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">17.06.26 lese ich im Salon Hochkeppel</mark> aus “Gleichstellung”. Kommt zahlreich in den Garten vom Stadtteilzentrum Berlin Weißensee, das wird richtig schön! Der Eintritt ist frei, ein Beitrag für Unkosten von Wein und Snacks ist erwünscht!</p><p>Anmeldung: <a href="mailto:salon@hochkeppel.de">salon@hochkeppel.de</a></p><hr/><p>Buchempfehlungen</p><h3>“Die Linke Hand der Dunkelheit”<sup><a>4</a></sup> von Ursula K. Le Guin</h3><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5bfefd4e-66c2-4402-9e7e-6a9e194ea153/uploads/images/dmadwwvsut/U1_978-3-596-70712-6.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ngl, ich habe schon spannenderes World Building gelesen, aber Le Guins Stärke als Autorin liegt woanders. Sie ist einzigartig gut darin gewesen, ihr Schreiben als Spielplatz der gesellschaftlichen Ideen und politischen Ideale zu verstehen und auch so zu benutzen. </p><p>Sie hat in Wirklichkeit gegen Kriege demonstriert und in ihren Büchern und Geschichten deswegen <em>unapologetically</em> Völker konstruiert, die keine Kriege führen. Kategorisch nicht. Und als Leser*in merkt man ziemlich schnell, dass ohne diese Art von Konflikt nicht wirklich etwas fehlt.</p><p>Le Guins Stories erzählen von Macht, von Gewalt und von politischer Intrige. Besonders in “Die Linke Hand der Dunkelheit” gibt alles - außer Krieg und Langeweile:</p><p>Ein Schachspiel der Gesellschaftssysteme auf einem Planeten, auf dem fast ständig ein strenger Winter herrscht. Ein irdischer Abgesandter entdeckt diese neue Welt und in ihr neue Fragen: Wie anders funktioniert eine Gesellschaft, in der kein Gender existiert und in der alle Personen, jegliches sexuelle Geschlecht annehmen können, um sich zu reproduzieren? Welche Konflikte entfallen dadurch und welche kommen hinzu?</p><hr/><p>NL Trinkgeld</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Wie lebt es sich in einer Gemeinschaft, in der das Bewusstsein, dass man eigentlich nichts sicher weiß, zum erstrebenswerten und edelsten Zustand erhoben wurde? In der nur die Unsicherheit über das Leben wirklich transzendent ist? Wo nicht derjenige am meisten zählt, der am lautesten schreit, dass er die Lösung hat? Und welche Glaubensfragen kann man sich aufgrund dessen auch im eigenen Leben stellen?</p><p>Als Feministin dieses Buch zu lesen und durchs utopische Schlüsselloch auf ein Leben ohne geschlechtsbasierte Diskriminierung zu spinksen war spannend, wurde aber von der Tatsache getrübt, das die Autorin sich trotz der Geschlechslosigkeit ihrer Figuren dazu entschied, das Personalpronomen der 3. Person Singular im Maskulinum (“er/ihn”) für alle Figuren als Default zu verwenden. </p><p>Also ein generisches Maskulinum par excellence, obwohl das Englische Original des Textes die Möglichkeit des gender-ambigen Pronomens “they/them” geboten hätte.</p><p>Der Roman ist bereits 1969 zum ersten Mal erschienen und seitdem ist Ursula Le Guin häufig für diese Entscheidung zurecht kritisiert worden (schließlich schwächt das die ganze revolutionäre Idee des Buchs ab). Weswegen sie sich sogar schon in den 70ern in ihrem Essay “Is Gender Really Necessary?” nochmal mit der Wahl der Pronomen auseinandersetzt und eine Sache macht, die ihr für immer die Anerkennung vieler ihrer Leser*innen einbringen sollte:</p><p>Sie ändert ihre Meinung, gibt einige ihrer alten Texte kommentiert neu heraus und positioniert sich eindeutig für die Wichtigkeit von Gender-Repräsentanz in Sprache. </p><p>Wenn irgendwas das Label “Boss Move” verdient, dann ist es doch, öffentlich glaubhaft zu sagen: “Ich hab’ das damals nicht verstanden, aber jetzt schon. Lasst es mich besser machen!” Allein für diese Einstellung und diesen Mut, die sich durch Le Guins gesamtes Schaffen zogen, muss man sie bewundern.</p><h3>“Ich, die ich Männer nicht kannte”<sup><a>5</a></sup> von Jacqueline Harpman</h3><p><em>(viel Tod und Verzweiflung, bisschen eklig)</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5bfefd4e-66c2-4402-9e7e-6a9e194ea153/uploads/images/k2vojijcur/978-3-608-96670-1.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Dieser Roman sieht mit seinen unter 200 Seiten aus wie ein Leichtgewicht, aber der Inhalt ist ziemlich heavy. Eine handfeste Dystopie, die mit dem Gedankenexperiment einer Welt spielt, in der 40 Frauen versuchen, außerhalb jeglicher Gesellschaft in der Ödnis zu überleben.</p><p>Durch einen glücklichen Zufall konnte die Gruppe von Frauen einem kläglichen Leben in Gefangenschaft entfliehen, für die sie weder Gründe kannten, noch erinnern konnten, wie sie in diese ausweglose Situation geraten waren. Und die Verwirrung bleibt bestehen. In dieser Geschichte muss man wirklich aushalten lernen, dass es keine Welt-Erklärungen und auch keine Antworten auf die dringendsten Fragen geben wird.</p><p>Harpmans Roman, der zum ersten Mal 1995 im französischen Original veröffentlicht wurde, erlebte vor Kurzem eine kleine Renaissance auf BookTok.</p><p>Nämlich weil dort diskutiert wurde, ob es sich hierbei tatsächlich um ein feministisches Werk handelt, obwohl das Patriarchat und seine Auswirkungen nach der Flucht der Frauen nur über seine Abwesenheit verhandelt wird. Sprich, ist ein Buch schon feministisch, wenn die einzigen autonomen Figuren darin Frauen sind und es ansonsten gar nicht um die Gleichstellung der Geschlechter geht? </p><p>Ich denke, auch durch das Fehlen patriarchaler Strukturen kann ein feministisches Statement gemacht werden. In einer Welt, die nur von Frauen bevölkert wird, spielt Gender eine neue Rolle. Mit einer Protagonistin, die sich aufgrund nie einsetzender Pubertät körperlich nicht mit den 39 anderen Frauen vergleichen kann, wird die Frage gestellt, wer oder was ein weiblicher Körper ist und ob es diese Labels überhaupt braucht. </p><p>Mein einziger unfeministischer Kritikpunkt ist Harpmans Darstellung von Jungfräulichkeit und ihrer Reproduktion des Jungfernhäutchen-Mythos. Für einen Text aus den 90ern vielleicht verzeihlich, aber in der neu herausgegebenen Englischen Ausgabe, die ich gelesen habe, hätte ich mir gerne den folgenden Kommentar gewünscht:</p><p>Ein Jungfernhäutchen, das die Vaginalöffnung wie eine Frischhaltefolie verschließt und beim ersten zirklusiven Sex reißt, gibt es nicht<sup><a>6</a></sup>. Vor allem, weil die Beschreibung des Ganzen für die Handlung vollkommen verzichtbar gewesen wäre. Naja.</p><p>Die Autorin hat das Konzept vom Ende der Welt in dieser Story wirklich zuende gedacht. Die Erlebnisse der Protagonistin sind von dramatischer Tragweite und trotzdem muss sie sich immer wieder mit ihnen als ihrer Normalität arrangieren.</p><p>Die Bilder der beschriebenen Welt sind monoton bis zum Abwinken, was die Fragen, die das Leben außerhalb jeglicher bekannten Form von Zivilisation aufwirft, umso deutlicher in den Vordergrund rückt. Ein Buch, über das man sich austauschen will.</p><h3>“Annie Robot”<sup><a>7</a></sup> von Sierra Greer</h3><p><em>(ziemlich explizite Sex- und Missbrauchsszenen)</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5bfefd4e-66c2-4402-9e7e-6a9e194ea153/uploads/images/qgm3ugv7nw/Screenshot_2026-06-11_154716.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Was würde passieren, wenn man den eigenen KI-Chatbot auch in der physischen Welt daten kann? Wenn sich alle sexuellen Fantasien, die man jemals hatte, in die Realität übersetzen ließen - ohne Wertung und ohne jemals ein “Nein” hören zu müssen? Und zwar mithilfe eines maximal menschlich erscheinenden Sex-Roboters, dessen einziges Ziel es ist, dich niemals zu enttäuschen. Na? Würdest du?</p><p>Sierra Greer beschreibt die Beziehung eines Mannes in seinen Dreißigern mit einem hyperrealistischen Sexbot, der “zufällig” seiner Ex ähnelt, aus der Sicht des Roboters Annie. </p><p>Ist es Liebe oder ist es Sklaverei? </p><p>Ist es okayer eine humanoide Maschine auszuschalten oder in einen Schrank zu sperren, wenn man Streit mit ihr hat, als das mit einem Menschen zu tun? Ab wann sind Gefühle echt oder kommt es nur darauf an, ob ein Mensch sie hat oder eine KI?</p><p>Der Roman ist eine, ja, Coming of Human Story wie man sie sich wünscht und stellt die großen Fragen über die Liebe, die Menschlichkeit und die Unmenschlichkeit während man mit spannendem Plot versorgt wird. Lässt sich schlecht weglegen, dafür umso besser zwischendurch vor Wut an die Wand pfeffern.</p><p>Schafft Annie den Pinocchio-Move oder wird sie doch letztlich auf ihre Werkseinstellungen zurückgesetzt, wenn sie entdeckt, dass auch Maschinen einen Sinn für Gerechtigkeit besitzen?</p><p>Dieses Buch hat dieselbe Auszeichnung gewonnen wie vor langer Zeit einmal <em>Der Report der Magd</em> von Atwood - mit Recht! Denn ich bekam beim Lesen dasselbe unbeirrbare Gefühl, dass es sich bei den Schilderungen um ein brutales Unrecht handelt, wie bei der Beschreibung der rituellen Vergewaltigungen in Atwoods Dystopie.</p><h3>The Hidden Girl and Other Stories<sup><a>8</a></sup> von Ken Liu (Englisch)</h3><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5bfefd4e-66c2-4402-9e7e-6a9e194ea153/uploads/images/dxxbvsp4ie/the-hidden-girl-and-other-stories-9781982134044_hr.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Diese Sammlung von Kurzgeschichten ist leider (noch?) nicht ins Deutsche übersetzt worden. Aber wer es sich zutraut, dem*der empfehle ich dringend, einen Leseversuch auf Englisch zu starten. Es lohnt sich, Ken Lius Sprache ist nicht allzu kompliziert und trotzdem sind seine Beschreibungen so dicht, dass mich keine seiner Kurzgeschichten mit dem Gefühl zurückgelassen hat, nicht “satt” geworden zu sein. </p><p>Die Stories sind Blitzlichter in eine meistens technologisch nahe Zukunft, durch Gedankensprünge zu erreichen, die keine mentalen Verrenkungen mehr erfordern. </p><p>Wäre es eigentlich cool oder grausam mit einem Algorithmus quatschen, lernen und spielen zu können, der auf dem Bewusstsein des eigenen verstorbenen Vaters basiert?</p><p>Wie verändern sich Diskriminierung und Rassismus, wenn die Menschheit ausirdischem Leben begegnet oder selbst eine neue Evolutionsstufe erreicht, die sie in zwei Spezies aufteilt?</p><p>Viele von Ken Lius Geschichten haben einen feministischen Kern, weil sie eine oft herausfordernde, manchmal hoffnungsvolle Zukunft imaginieren, die er dem Publikum nicht selten durch die Augen von Frauen präsentiert. Frauen, die für Gerechtigkeit und Selbstbestimmung kämpfen und Missstände mithilfe neuer Technologien angehen. </p><p>Die Erzählungen sind dabei selten nur eins. Nur dystopisch oder nur <em>wholesome</em> oder nur über eine gerechter werdende Welt. Sie ließen mich oft mit dem Gefühl zurück, dass wir als Gesellschaft die Kontrolle darüber verloren haben, was mit unserer Zukunft passiert.</p><p>Aber auch mit der Hoffnung auf eine Chance an ihrer Mitgestaltung, weil immer alles gleichzeitig passiert - Rückschritt und Fortschritt, Akzeptanz und Widerstand.</p><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>📰 Für den Tagesspiegel durfte ich mal wieder eine rant Kolumne schreiben. Und zwar über Leute, die Sex in der Öffentlichkeit in Ordnung finden (<a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/mama-guck-mal-die-da-kussen-sich-voll-dolle-leute-offentlicher-sex-ist-wirklich-nicht-geil-15607743.html">lesbar hier mit TS+ Abo</a>).</p><p>Und für WELT Lifestyle habe ich zwei Serviceposts geschrieben:</p><p>📰 “Nichts mehr sagen dürfen? Catcalling und Körperkommentare sind keine Komplimente” (<a href="https://www.welt.de/iconist/gesellschaft/plus6a15783a3985a21ca1651a66/catcalling-warum-koerperkommentare-belasten-und-wie-komplimente-gelingen.html">lesbar hier mit WELT+ Abo</a>)</p><p>📰 “Was gemeinsamer Pornokonsum mit der Beziehung macht - ein Selbstversuch” (<a href="https://www.welt.de/iconist/partnerschaft/plus6a204a619d434f719fddfaae/was-gemeinsamer-pornokonsum-mit-der-beziehung-macht-ein-selbstversuch.html">lesbar hier mit WELT+ Abo</a>)</p><p>🎧 Außerdem durfte ich mal wieder an einer Folge für meinen OG Podcast “Eine Stunde Liebe” von DLF Nova mitarbeiten: <a href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/flinta-party-wie-ist-der-vibe-ohne-maenner">“FLINTA Party - Besserer Vibe ohne Männer?”</a></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine<a href="https://cleo-libro.de/kontakt/"> Website</a> erreichen oder mir bei<a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de"> Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen 🧡</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p><hr/><p>Quellen</p><ol><li data-id="de3b1495-5d11-4fcc-ab8d-bc45b6407cfc"><p><a href="https://www.srf.ch/news/international/frauenrechte-in-afghanistan-als-afghanische-frauen-westliche-mode-trugen">Hintergrund Afghanistan</a></p></li><li data-id="fc5c041b-fd5d-4f4d-8919-347728862601"><p><a href="https://reproductiverights.org/resources/roe-v-wade/">Hintergrund Roe vs. Wade 2022</a></p></li><li data-id="996bcf82-2a28-4c9f-873e-76e928707ae8"><p><a href="https://www.dw.com/de/frauen-im-iran-rechte-2025-parlament-gesetze-kopftuch-amini-scharia-erbe-scheidung-brautgeld-gewalt/a-75161792">Hintergrund Frauenrechte Iran</a></p></li><li data-id="c91d35dc-a22b-4328-abd1-0f5e76fb1a39"><p><a href="https://www.fischerverlage.de/buch/ursula-k-le-guin-die-linke-hand-der-dunkelheit-9783596707126">Die Linke Hand der Dunkelheit, Le Guin</a></p></li><li data-id="949b8554-9cc8-43fe-b444-7d326845c61f"><p><a href="https://www.klett-cotta.de/produkt/jacqueline-harpman-ich-die-ich-maenner-nicht-kannte-9783608966701-t-9326">Ich, die ich Männer nicht kannte, Harpman</a></p></li><li data-id="32084f78-706d-4891-8dbe-3d550414696d"><p><a href="https://www.swr.de/swrkultur/wissen/mythos-jungfernhaeutchen-wie-falsche-vorstellungen-frauen-schaden-102.html">Mythos Jungfernhäutchen</a></p></li><li data-id="10b9e290-969b-4f6b-9c44-90eb99027d02"><p><a href="https://www.liebeskind.de/buecher/neuerscheinungen/annie-robot">Annie Robot, Greer</a></p></li><li data-id="06c175a5-fbce-4548-863b-6c7902a55959"><p><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1057170820">The Hidden Girl and Other Stories, Liu</a></p></li></ol>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 14 Jun 2026 07:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[NL-Sondersendung: Mutterlos, nicht wehrlos]]></title>
      <description><![CDATA[“Am 30. Mai ist deine Mutter gestorben?”, fragte mich R. “Da gibt’s doch dieses Lied…”. Sie grinste und ich wunderte mich über ihre Reaktion.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>NL-Sondersendung: Mutterlos, nicht schutzlos</h1><p>“Am 30. Mai ist deine Mutter gestorben?”, fragte mich R. “Da gibt’s doch dieses Lied…”. Sie grinste und ich wunderte mich über ihre Reaktion.</p><p>Sonst drücken Menschen mir meistens ihr Mitgefühl aus, wenn sie hören, dass meine Mutter nicht mehr lebt. Und das schon seit 30 Jahren. Aber R. amüsierte sich in Gedanken an ein Lied über’s Saufen und ich weiß jetzt auch, wieso. Ich hab’s mir angehört.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Der Schlager, an den sie dachte, heißt “Am 30. Mai ist der Weltuntergang” im Original vom Golgowsky-Quartett vertont und zum ersten Mal 1954 veröffentlicht. Das ist lange her und ein möglicher Grund, wieso ich noch nie zuvor von dem Stück gehört hatte.</p><p>Aber als ich es anspiele, geben mir schon die ersten Töne den Eindruck eines klassischen Karnevalslieds aus den 50ern (meistens auf Hochdeutsch gesungen). Als die Kölsche Karnevalsjecke, die ich bin, fange ich direkt an mitzuwippen. Im Kontrast zum Titel gibt&#39;s eine beschwingt und lustig klingende Melodie und einen Text, der zum gemeinsamen Trinken animieren soll. Los geht’s mit:</p><p><em>“Wie schön ist doch das Leben,</em></p><p><em>auf dieser bunten Welt.</em></p><p><em>Wir können einen heben,</em></p><p><em>so oft es uns gefällt.</em></p><p><em>Das macht uns allen Spaß,</em></p><p><em>Herr Ober, noch ein Glas.”</em></p><p>Soweit, so normal für ein Karnevalslied. Aber wieso Weltuntergang? Eine kurze Recherche bringt Licht ins Dunkle: Das Lied ist tatsächlich im Kontext von Köln entstanden und soll (laut einer für mich nicht ganz klar verifizierbaren Quelle) Bezug auf die “Operation Millennium&quot;<sup><a>1</a></sup>, auch genannt “Die Nacht der 1000 Bomber” von 1942 nehmen. </p><p>In der Quelle<sup><a>2</a></sup> heißt es:</p><p><em>“Der Anlass für das Lied ‘Am 30. Mai ist der Weltuntergang’ war die erste Flächenbombardierung der Stadt Köln im 2. Weltkrieg. Sie richtete sich nicht gegen militärische Ziele, sondern gegen die Zivilbevölkerung.</em></p><p><em>In der Nacht vom 30. Mai auf den 31. Mai 1942 wurde von der britischen Luftwaffe der &quot;1.000-Bomber-Angriff&quot; auf Köln geflogen - als Vergeltung für die Angriffe der Hitlerarmee auf London und Coventry. Das Lied mit der Melodie von Will Glahé und dem Text von Karl Golgowsky war in den 50iger Jahren ein ‘Gassenhauer’ und ist bis heute im musikalischen Gedächtnis der KölnerInnen präsent.”</em></p><p>Bisher zwar nicht in meinem Gedächtnis, aber dafür in R.s und in dem vieler Musiker*innen, die nach Golgowsky kamen - selbst Die Toten Hosen performten immer wieder ihre eigene Version des Titels. </p><p>Doch egal in welcher Form, die klassische “Memento Mori”-<em>Message</em> des Textes blieb überall erhalten:</p><p><em>“Am 30. Mai ist der Weltuntergang,</em></p><p><em>wir leben nicht mehr lang,</em></p><p><em>wir leben nicht mehr lang,</em></p><p><em>am 30. Mai ist der Weltuntergang,</em></p><p><em>wir leben nicht , wir leben nicht mehr lang.” (Schunkeln intensiviert sich)</em></p><p>…und deshalb könne man mit seinem Leben auch eigentlich genauso gut machen, was man wolle. Ein leicht zynisches und trotzdem erstaunlich gutes Beispiel von gelebtem Kölsche Zen. <em>Peak</em> “Et kütt, wie et kütt” sozusagen.</p><h4>Persönlicher Weltuntergang</h4><p>Ich kann es gerade nur vermuten, aber ich glaube, R. musste lächeln, weil sie es für einen unfassbaren Zufall hielt, dass mein persönlicher Weltuntergang auf einen 30. Mai fiel.</p><p>R. ist selbst Mama und wollte sich bestimmt nicht über den Tod meiner Mutter lustig machen. Aber ohne es zu wissen, hat sie mit ihrem Lachen etwas Neues in mir ausgelöst.</p><p>Denn irgendwie fühlte sich das besser an als Mitleid. Mitgefühl und Empathie in Reaktion sind schon ganz okay, <em>don’t get me wrong</em>, aber waren besonders als Kind in keiner Weise einfach zu ertragen. Sie konfrontierten mich mit der Tatsache, dass offenbar alle mein Schicksal für unvorstellbar schlimm hielten. Und wie du das als Kind verpacken sollst, das sagt dir keiner.</p><p>Die Assoziationen “mutterlos” gleich “schutzlos”, “ungeliebt”, “vereinsamt” standen und stehen auch heute noch im Raum. Tieftraurige Songs und ihre Geschichte wie &quot;Sometimes I feel like a motherless child”<sup><a>3</a></sup> bestimmen den Tonfall des schutzlos-Narrativs und der deutsche Begriff “mutterseelenallein” für die intensivste aller Einsamkeiten <em>really drives it home</em>. </p><p>Seinen abstoßenden Höhepunkt erreicht die Erzählung der Schutzlosigkeit auf einer Webseite, die bereits 2024 durch eine STRG-F Recherche einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde. Die Investigativ-Recherche zu Vergewaltiger-Netzwerken in Deutschland<sup><a>4</a></sup>, die ihre Opfer wiederholt betäuben, missbrauchen und Bildmaterial davon verbreiten, ist quasi als deutsche Massen-Pelicot durch die Medien gegangen. </p><p>Die Bilder und Videos der Taten werden laut der Recherche aber nicht nur in Chats ausgetauscht, sondern auch auf einer Plattform hochgeladen, wo sie von anderen Nutzern konsumiert werden können. Der Name dieser Webseite lautet “Motherless”. </p><p>Missbrauch als Wichsvorlage unter dem Label “mutterlos”, weil offenbar auf Täterseite sowohl Anstand als auch Erziehung fehlen und auf Seiten der Opfer besonders eins fehlt: Schutz und das Bewusstsein, dass ihnen Unrecht angetan wird.</p><p>Die Betreibenden posten dazu ganz unten auf ihrer Seite das folgende unbegreiflich feige und verdrehte Statement:</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8efad51d-e09b-4269-94e4-293c89eafd04/uploads/images/rkxzf6wbau/Screenshot_2026-05-31_155819.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Screenshot aus dem verlinkten Video von STRG-F &amp; Funk</figcaption></figure><p>Seitdem ich von dieser Seite weiß, kotzt ein Teil von mir täglich im Strahl. Und zwar nicht nur wegen des himmelschreienden sexualisierten Unrechts, das wahrscheinlich jeden Tag in den vermeintlichen Schutzräumen dieses Landes, den Privatwohnungen Deutschlands, passiert.</p><p>Sondern auch, weil ein mutterloses Kind in unserer kulturellen Vorstellung ein verkümmertes, wehrloses Wesen sein muss. Nicht stark genug, um in der großen weiten Welt zu überleben. Ausgesetzt der Gewalt der Raubtiere des Patriarchats. Und wenn wir es allein lassen, dann ist das auch so. Aber das muss nicht so sein.</p><p>Die Schutzlosigkeit, die wir mit Mutterlosigkeit metaphorisch beschreiben, ist kein unveränderlicher Zustand. Schutz entsteht nicht durch Blutsverwandtschaft, sondern durch gegenseitige Verantwortungsübernahme.</p><p>Mir als mutterlosem Kind sind - neben meinem Vater, dem ich so viel verdanke - viele Menschen zur Hilfe gekommen, die dafür gesorgt haben, dass der 30. Mai 1996 nicht zu meinem Weltuntergang wurde. Die meisten von ihnen sind nicht mit mir verwandt. </p><p>Ich finde meinen Schutz heute besonders in wahlfamiliären Strukturen und in weiblicher Solidarität. In feministischen Gruppen, in denen ich immer wieder erfahre, wie viel wir bewegen können, wenn wir zusammenhalten. Ich bin überzeugt davon, dass am Ende dieser Bewegung auch ein Ende von all dem stehen wird, wofür Motherless steht.</p><h4>Gestern war es wieder soweit, der 30. Mai 2026</h4><p>84 Jahre, seitdem meine damals fast 14-jährige Großmutter sich in einem Keller im Kölner Nordwesten vor britischen Bomben versteckte und überlebte. </p><p>30 Jahre seitdem ihre Tochter, meine Mutter im jungen Alter von 35 Jahren an Brustkrebs starb.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8efad51d-e09b-4269-94e4-293c89eafd04/uploads/images/r34dqbmvas/1000101079.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Meine Mutter, meine Großmutter und der Dom. Alle vor langer Zeit.</figcaption></figure><p>Ein Tag, an dem ich - heute selbst in meinen Dreißigern - auf die engen und weiten Kreise von Menschen um mich herum schaue, die mich schützen, mich halten, mich unterstützen. Menschen, die aus Köln kommen, aber z. B. auch aus Frankreich, den USA und Großbritannien. Und ich bin ihnen unendlich dankbar.</p><p>Heute ist wieder ein 31. Mai und der Weltuntergang ist wieder vorbei.</p><p><em>“Am 30. Mai ist der Weltuntergang,</em></p><p><em>wir leben nicht mehr lang,</em></p><p><em>wir leben nicht mehr lang.</em></p><p><em>Doch keiner weiss, in welchem Jahr</em></p><p><em>und das ist wunderbar.</em></p><p><em>Wir sind vielleicht noch lange hier</em></p><p><em>und darauf trinken wir.”</em><sup><a>5</a></sup></p><hr/><p>Termine</p><p>Meine Mutter starb an Brustkrebs. Aber auch mit Krebs-Erfahrungen müssen wir nicht alleine bleiben. Auch Angehörige sind willkommen am <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">05.07.26 im Bikini Berlin</mark>:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8efad51d-e09b-4269-94e4-293c89eafd04/uploads/images/ezbaq2lt5f/1000100851.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Hierzu möchte ich auch dieses verletzliche und gleichzeitig wehrhafte Werk von Käthe Lorenz empfehlen:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8efad51d-e09b-4269-94e4-293c89eafd04/uploads/images/grmou5w55e/1000100856.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ein Roman, der mich in den Arm genommen und gesagt hat: “Ich weiß, wie du dich gefühlt hast.”:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8efad51d-e09b-4269-94e4-293c89eafd04/uploads/images/ol2qpxzgsw/1000100858.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine<a href="https://cleo-libro.de/kontakt/"> Website</a> erreichen oder mir bei<a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de"> Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen 🧡</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><h4>Quellen</h4><ol><li data-id="8636049b-8a55-4267-8637-a668b31dc556"><p><a href="https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-tausend-bomber-angriff-koeln-100.html">Operation Millennium</a></p></li><li data-id="063c6836-1df9-46b8-9444-acfcaff83ade"><p><a href="https://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=10110">Hintergrund Liedtext-Entstehung</a></p></li><li data-id="bc88885c-d743-47a9-8b01-4878537e1348"><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ZXg9UFUXFXU">Zum Lied “Sometimes I feel like a motherless child”</a></p></li><li data-id="14c0dd57-833f-4fe8-947a-5a936e80c680"><p><a href="https://play.funk.net/channel/strgf-11384/wir-finden-die-taeter-strgf-epic-2069252">Zur STRG-F Recherche</a></p></li><li data-id="1ccb322d-c2aa-42e8-a674-577d2f16bab9"><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=fvCKkebxGgU&amp;list=RDfvCKkebxGgU&amp;start_radio=1">Zum Lied “Am 30. Mai ist der Weltuntergang”</a></p></li></ol>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/8efad51d-e09b-4269-94e4-293c89eafd04/teaser_image/1780241305?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sun, 31 May 2026 16:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#32: Männer vermöbeln, verkuppeln, verwenden]]></title>
      <description><![CDATA[Was kommt, wenn der Heteropessimismus den Höhepunkt erreicht? Keusch oder queer leben wollen nicht alle. Die Geschlechter im Patt? The only way out is through. Nur wie?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt viele Wege, auf eine Krise zu reagieren. <em>Freeze, Flight </em>oder<em> Fight</em> sind nur die bekanntesten. Aber keine Sorge, ich rufe hier nicht zur Gewalt gegen Männer auf - mehr dazu am Ende dieses Textes. 😉</p><p>Denn ob man den sogenannten Heteropessimismus der Millennials und der Gen Z nun für eine wiederkehrende Mode, eine radikale Phase oder für das unausweichliche Endergebnis des politischen auseinander Driftens der Geschlechter hält… Auch mit dieser Krise muss ein Umgang gefunden werden.</p><p>Sonst bleiben wir für immer in unseren individuellen Problemen verstrickt, anstatt uns mit anderen solidarisieren und strukturell aktiv werden zu können.</p><p>Heteropessimismus ist nämlich in erster Linie eine persönliche Befindlichkeit, die auf eine systematische Problemlage hinweist. Wenn wir das persönliche Befinden nicht durchdringen und hinter uns lassen, gelangen wir niemals ans Problem.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Das macht den gefühlten Zustand zwar nicht weniger schlimm, allerdings lenkt die Unzufriedenheit mit dem eigenen Liebesleben schnell vom <em>Bigger Picture</em> ab. Und das ist mit wachsender digitaler wie analoger Gewalt gegen Frauen* sowie dem anhaltendem Rechtsruck und der damit einhergehenden Normalisierung von struktureller Diskriminierung etwas, das wir doch besser mindestens mal im Blick behalten sollten. </p><p>Was also den Umgang mit der ablenkendsten, individuellen Krise seit der Erfindung der <em>Diet Culture</em> angeht, müssen Betroffene jetzt eine Entscheidung treffen.</p><hr/><p>cleo live</p><p>Am <mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">17.06.26 lese ich im Salon Hochkeppel</mark> aus “Gleichstellung”. Kommt zahlreich in den Garten vom Stadtteilzentrum Berlin Weißensee, das wird richtig schön! Und der Eintritt ist frei!</p><p>Anmeldung: <a href="mailto:salon@hochkeppel.de">salon@hochkeppel.de</a></p><hr aria-hidden="true"/><h3>Freeze - Sich nicht von der Stelle bewegen</h3><p>In einer Problemlage zu verharren, ist in den allermeisten Fällen wenig hilfreich.</p><p>Ja, man kann z. B. weiterhin auf Dating-Apps unterwegs sein, obwohl die tägliche Screentime schon für Schlafstörungen sorgt und man eigentlich den Eindruck hat, online nur noch Hoffnungslosigkeit zu begegnen.</p><p>Bei einigen wenigen sorgt die eigene Frustration immerhin für Social Media Content. Clips, die dann diejenigen liken, die sich in dem Eindruck bestätigt fühlen: Auf Apps findet man nicht, was man sucht.</p><p>Also ist die Lösung dann… so weiter machen wie bisher? Nein.</p><p>Bei wem das Gefühl von Desorientierung und Hoffnungslosigkeit auf der Suche nach Intimität, Liebe oder Partnerschaft überwiegt, der oder die tut gut daran, sich mit Menschen aus dem eigenen Umfeld auszutauschen.</p><p>Gemeinschaft zu fühlen und sich den Frust von der Seele zu reden, wirkt erleichternd und ist ein erster Schritt raus aus dem Stillstand. Denn wenn man sich nur beschwert und nie Taten folgen lässt, beschweren sich irgendwann die Leute, die einem dabei zusehen müssen. Es sei denn natürlich, man bespricht sich nur mit einem Chatbot. 👀</p><p>Den Ausweg aus dem Heteropessimismus findet man nicht, wenn man drin sitzen bleibt aka <em>the only way out is through. </em>Wenn es für diesen Schritt noch ein wenig mehr Motivation braucht, kann ich die folgende Lektüre empfehlen:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1f68cc80-d69d-4bf2-b7f5-3471e2de2c30/uploads/images/r7nwe7ceuh/1000099514.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h3>Flight - Sich dem Problem entziehen</h3><p>Die <a href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/4b-und-boysober-so-ziehen-sich-frauen-von-maennern-zurueck">4B-Bewegung, entstanden in Südkorea</a>, macht es vor und heterosexuelle Frauen überall auf der Welt machen es unter dem #boysober nach: Heteropessimismus überwinden, indem sie Dating und romantische Beziehungen mit Männern radikal von der Agenda streichen. </p><p>Während die Südkoreanerinnen sich damit auch gegen Kinder entscheiden, heißt es in anderen Teilen der Welt nicht, dass die Frauen auch die Familiengründung aufgeben.</p><p>Statt an einen Mann binden sie die Erfüllung ihrer Wünsche - je nach Art der Sehnsucht - an Wahlfamilien &amp; Co-Eltern aus dem Freundinnenkreis, Haustiere, Ehrenämter oder Sextoys. Ein Lösungsweg, bei dem es der Auseinandersetzung mit der Frage “Wie noch Männer lieben und mit ihnen leben?” nicht mehr Bedarf. Okay, cool.</p><h4>Die Herausforderungen:</h4><p>Erstens möchten und können nicht alle Menschen stattdessen queer oder keusch leben.</p><p>Zweitens werden in den meisten Gesellschaften dieser Welt alternativen Familien- und Lebensmodellen noch viele juristische und strukturelle Steine in den Weg gelegt.</p><p>Versorgungsgemeinschaften und Elternschaft werden gesetzlich nämlich meistens noch heteronormativ geregelt. Einen Ansatz, wie man gemeinsam in un-romantischen Beziehungen Sicherheit und Unterstützung verbindlich denken kann, liefert <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/lesart-rezension-andrea-newerla-wie-familie-nur-besser-100.html">Dr. Andrea Newerlas Buch “Wie Familie Nur Besser”</a>, das ich im Newsletter schon einmal empfohlen habe. </p><p>Alle, die schon einmal eine queere Patchwork-Familie oder eine poly Beziehungsstruktur aufgebaut haben, wissen es jedoch: der Kampf gegen gesellschaftliche Windmühlen kostet viel Kraft, die nicht immer alle haben, und es gibt nur wenige sichtbare Vorbilder, die vorleben, wie es gehen kann.</p><p>Zudem gibt es spätestens seit dem Aufkommen des Heteropessimismus einen interessanten Trend zu beobachten: Die Romantisierung der Freundinnenschaft. </p><p>Meine Newsletter-Kollegin Mia Gatow hat dazu auf <a href="https://steady.page/de/mia-gatow/posts/e4803116-8c79-42eb-9597-1b12b3ce5e28">“Romanzen+Finanzen” vor einer Weile spannende Gedanken veröffentlicht</a> und sich gefragt, ob wir zukünftig statt der romantischen Beziehung zum anderen Geschlecht die Freundinnenschaft mit Heilsbringer-Erwartungen überlasten werden.</p><p>Mit der Frage, ob Freundschaft Einsamkeit in gleichem Maße vertreiben kann wie Partnerschaft, hat sich auch schon Daniel Schreiber befasst. Meine Buch-Empfehlung, wenn man die Flight-Ausfahrt wählen und drüber nachdenken möchte, wie gut man allein eigentlich klar kommt:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1f68cc80-d69d-4bf2-b7f5-3471e2de2c30/uploads/images/prdarbf6h4/1000099513.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h3>Fight - Das Problem auseinander nehmen</h3><p>Was brauche ich eigentlich, um mich in einer heterosexuellen Partnerschaft sicher, wertgeschätzt und gleichgestellt zu fühlen? Und welche Vorstellungen von hetero Partnerschaft schleppe ich mit mir rum, die gar nicht auf dem Mist meiner eigenen Bedürfnisse gewachsen sind?</p><p>Diese Fragen sollten sich alle Menschen stellen, die mit dem Status Quo nicht mehr l(i)eben können, aber die hetero Liebe nicht aufgeben werden. Looking at you, liebe “ich bin leider hetero”-Damen und “es gibt keine normalen Frauen mehr”-Herren. Wenn euch das stört, dann gäbe es noch die Option, das eigene Verständnis von hetero Beziehungen zu reformieren.</p><p>Hier kommen drei Vorschläge, wie ein bisschen frischer Wind in die verkrusteten Denkmuster gebracht werden kann. Pragmatisch und für verschiedene Zeitpunkte der Beziehungsanbahnung.</p><h4>Vor dem Dating</h4><p>Bevor es los oder weiter geht mit der Partnersuche, kann es hilfreich sein, sich der unterschiedlichen Perspektiven der Geschlechter beim Dating bewusst zu machen. Welche Erwartungen existieren an Personen welchen Genders - bei mir und anderen? Wie soll ich mich verhalten und ist das überhaupt das, womit ich mich wohl fühle? </p><p>Letzten Monat habe ich an einem Event teilgenommen, das es Menschen aller Geschlechter ermöglicht hat, eine ganz bewusste und spielerische Verschiebung der Perspektiven zu erleben: Beate Absalons und Rebecca Frances Version des Workshops “Turning Men Into Furniture”. </p><p>Sich als Mann freiwillig objektifizieren zu lassen und zwar nicht sexuell, sondern im wahrsten Sinne als Möbelstück? Was kann das bringen? Lust? Einsicht in ein Dasein, für das die Erwartung besteht: <em>to be seen, not heard</em>?</p><p>Und wie fühlt es sich für Leute an, die zur Serviceorientierung erzogen worden sind, wenn sie andere einvernehmlich benutzen dürfen? Erleichternd? Überfordernd? </p><p>Ein soziales Experiment, das Spaß gemacht und bei der einen oder dem anderen Teilnehmer*in dafür gesorgt hat, das eigene Dating-Verhalten zu überdenken (mehr Einblicke gibt’s unter “Mehr von Cleo”).</p><h4>Beim Dating</h4><p>Wer schreibt zuerst auf einer Dating App? Was bei der ersten Nachricht noch eine Frage der Sozialisierung sein mag, wird nach ein paar Treffen bereits für viele zum Machtspiel.</p><p>Von alten “drei Tage warten”-Regeln bis hin zu “noch wach?”-Bootycalls und Ghosting. In der modernen Dating-Kommunikation scheint es (übrigens nicht nur bei den Heten) weniger darum zu gehen, ob unser Date uns mag, sondern ob sie*er uns mehr mag als umgekehrt </p><p>“Darf ich um deine Hand anhalten?” ist von Vorgestern. “Ich will meine Oberhand behalten” scheint aktuell zu sein. Ob das eine Folge aus oder ein Grund für den Heteropessimismus ist, kann ich nicht sagen. Wie ein Ausweg aus der Krise wirkt es jedenfalls nicht. Der läge wahrscheinlich eher in gegenseitiger Hand<em>reichung</em>. </p><p>Eine Freundin hat mich diese Woche auf einen Blog-Artikel aufmerksam gemacht, der das Phänomen “Oberhand statt Handreichung” anhand eines neuen Dating-Trendbegriffs beschreibt: <a href="https://theeverygirl.com/chalance-dating-trend/?utm_source=instagram&amp;utm_medium=linkinbio&amp;utm_campaign=team&amp;utm_content=link_in_bio&amp;fbclid=PAZnRzaAR04HNleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZA8xMjQwMjQ1NzQyODc0MTQAAaeBa5F2SBFOn9bB29mo3GX1QUXDEE5C7-7yAzJI0aA7EHUGkLvYP2BnUBl0iA_aem_qi9Vd3HSWD23TSllsrBvyA">“‘Chalance’ Has Become A Dating Non-Negotiable - But What Does It Mean?”</a>.</p><p>Die ganz kurze Antwort: Das heißt, die Leute wollen nicht mehr cool tun und sich rar machen. Sie wünschen sich, dass es als cool und nicht als <em>needy</em> gilt, wenn man direkt und offen sagt, dass man Interesse hat.</p><p>Offenbar haben die meisten die Schnauze voll von uneindeutiger Kommunikation und <em>mixed messages</em>. Was Sinn ergibt, wenn man bedenkt, dass wir eine der empfindlichsten Kommunikationsarten der Welt - den Flirt - hauptsächlich auf Chats reduziert haben. Ein Kommunikationskanal, der besonders für sein hohes Risiko für Missverständnisse und den Verlust von emotionaler Einordnung bekannt ist. Alles im Namen der Effizienz und gar nicht mal so eine gute Strategie. </p><p>Also nun der Versuch, anders zu daten. Mit mehr offline als online Kontakt und einem Beziehungs-Verständnis, das weniger auf Macht und Kontrolle ausgerichtet ist als auf Kooperation. Und wer das mit der Kooperation so richtig ernst nehmen will… Mittlerweile gibt es auch Apps, auf denen Singles von ihren Freund*innen gegenseitig verkuppelt werden. Das gute alte “Ich glaube, ihr könntet euch gut verstehen!” Einen Versuch ist es wert. 😉</p><h4>In der Beziehung </h4><p>In heterosexuellen Partnerschaften treffen heute nicht selten Welten aufeinander. Nicht nur zwischen den Beteiligten, sondern auch zwischen dem eigenen Selbstbild als unabhängiger Person und dem gleichzeitigen Bedürfnis nach Sicherheit und Unterstützung von einem*r Partner*in. </p><p>Diese inneren Konflikte können für Männer grundlegend anders aussehen als für Frauen. Nicht nur, weil sie durch individuelle Unsicherheiten bedingt werden, sondern auch, weil es an die verschiedenen Geschlechter unterschiedliche soziale Erwartungen gibt. </p><p>Dieser Artikel ging schon vor einer Weile durchs Netz und hat offenbar viele heterosexuelle Männer positiv angesprochen: <a href="https://oliviabarbulescu.substack.com/p/men-arent-needed-anymore-and-theyre?utm_id=97760_v0_s00_e0_tv3">“Men aren&#39;t needed anymore, and they’re struggling to adapt to being wanted”</a>.</p><p>Die These der Autorin gründete sich auf ihrer Beobachtung, dass hetero Männer sich gerne gebraucht fühlen würden. Das geht natürlich auch vielen anderen Menschen so. Doch für den Mann bedeutet Nützlichkeit und Können immer noch, gesellschaftlich seine männliche Identität zu bestätigen. Das ist der alte Weg des geringsten patriarchalen Widerstands für Männer und deswegen angenehmer zu gehen - ganz einfach, weil man weiß, wo lang. </p><p>Deswegen hier mein provokanter Vorschlag an die hetero Frauen: Wählt einen Partner, der sich gerne nützlich macht und verstanden hat, dass eine Beziehung auf Augenhöhe nicht über 50/50 in allen Lebenslagen funktioniert, sondern mehr Arbeit für ihn bedeuten wird.</p><p>Ja, so Leute gibt es und zusammen mit ihnen fällt es leichter, die gemeinsamen Beziehungs-Bedürfnisse über die individuellen zu stellen. Ich habe zuletzt für den Tagesspiegel das ganze wieso, wo und wie aufgeschrieben (siehe unten).</p><p>Für wen allerdings die klassische Versorgungssituation mit geteiltem Haushalt etc. eh überhaupt nichts ist, empfehle ich das folgende Buch, um einmal radikal alle Überzeugungen und Vorstellungen rund um romantische Liebe auf den Kopf zu stellen: </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1f68cc80-d69d-4bf2-b7f5-3471e2de2c30/uploads/images/q74jkq3745/1000099512.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>So, ich hoffe, diese Zusammenstellung liefert ein paar Ansätze, um dem Pessimismus ein wenig mehr Aktivismus entgegenzusetzen. Denn von allein wird sich hier nichts bewegen.</p><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Mehr von cleo</p><p>🎧 Meinen letzten Text aus dem NZZ Magazin gibt es jetzt in ähnlicher Version als Podcast: KI als Dating-Coach - Wenn ChatGPT beim Flirten hilft. <a href="https://www.nzz.ch/podcast/ki-als-dating-coach-wenn-chat-gpt-beim-flirten-hilft-ld.10004913">Hier kostenlos anhören!</a></p><p>🎧 Für Deutschlandfunk Nova habe ich über das oben erwähnte Event “Turning Men Into Furniture” berichtet und u. a. mit einer der Veranstalterinnen und einem männlichen Teilnehmer über die naheliegendste Frage gesprochen: Warum? Gratis anhören: <a href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/geschlechterrollen-experiment-wenn-maenner-zu-moebeln-werden">“Geschlecherrollen-Experiment: Wenn Männer zu Möbeln werden”</a></p><p>📰 Ganz im Sinne der Verwendung männlicher Hingabe habe ich meine neueste Kolumne für Tagesspiegel+ geschrieben: <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/die-losung-gegen-heteropessimismus-ich-date-nur-noch-unterwurfige-manner-15552146.html">“Die Lösung gegen Heteropessimismus - Ich date nur noch unterwürfige Männer”.</a></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen 🧡</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 24 May 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[14. Nachricht: Geschlechter connecten - Warum Männer zu Möbeln werden]]></title>
      <description><![CDATA[Das hier ging bestimmt auch durch deinen Feed: Hayali: “Was raten Sie Frauen?” Peglow: “Besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Das hier ging bestimmt auch durch deinen Feed: Hayali: “Was raten Sie Frauen?” Peglow: “Besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, eben Opfer von psychischer oder physischer Gewalt zu werden.” </p><p>Diese Aussage von Dirk Peglow vom Bund der Deutschen Kriminalbeamten im <em>heute journal</em> über die aktuelle Bundeskriminalstatistik sorgte für viel Diskussion. <em>Können</em> Frauen und Männer überhaupt noch miteinander? In Berlin fand jetzt zum ersten Mal ein Event statt, wo dieser Frage eher unkonventionell begegnet wurde. Ich habe eine Party besucht, bei der Frauen feiern und Männer zu Möbeln werden.</p><p>Nur ein soziales Experiment oder hilft es dabei, dass die Geschlechter sich mal wieder anders begegnen können?</p><p><a href="https://steady.page/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/53c865ef-0c8f-4952-bedf-39c42049ca55">Auf Steady weiterlesen</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Thu, 14 May 2026 17:24:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#31: Sexleben entblößen, inszenieren, verkaufen]]></title>
      <description><![CDATA[Autobiografische Dating-Kolumnen zu schreiben hat spätestens seit Sex and the City etwas Verrucht-Glamouröses. Dabei geht es um etwas Größeres als Skandal und Glamour.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Autobiografische Dating-Kolumnen zu schreiben hat spätestens seit <em>Sex and the City</em> etwas Verrucht-Glamouröses. Dabei geht es um etwas Größeres als Skandal und Glamour. Es geht um Macht und das ständige Tauziehen zwischen Nabelschau und Privatsphäre - meiner und der meiner Partner*innen. Doch aus gutem Grund.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>In einem ironisch-affirmativen Instagram-Post ist mir mal folgender Spruch begegnet:</p><p><em>Therapist: “What do we say if someone breaks our heart?” Me: “Thank you for the trauma, I need it for my art”</em> - und wenn man mich fragt, könnte das wahrer nicht sein.</p><p>Passiert etwas Peinliches oder Problematisches in meinem Liebesleben, etwas worüber man sich aufregen oder woran man lernen kann, dann springt in meinem Kopf automatisch eine kleine Schreibmaschine an. Es wird alles mitgetippt, was von außen betrachtet nach einer Story klingt. Ein <em>in real time</em> Verarbeitungsprozess, der mich mit einer gewissen gesunden Distanz auf Erlebnisse blicken lässt, die mich eigentlich ziemlich herausgefordert haben. Das ist die positive Seite.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cf572db7-ff33-43bb-9d46-86658d60cac3/uploads/images/67yzlwwe6b/1000096354.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Es gibt aber natürlich auch einen negativen Aspekt: Die ständige Bedrohung, mein Leben und meine Gefühlswelt auszubeuten. Und die der Menschen um mich herum. </p><p>Es soll schon vorgekommen sein, dass ich zu einem Date gegangen bin oder mich einer außergewöhnlichen Erfahrung ausgesetzt habe, um später darüber erzählen zu können. <em>We do it for the plot</em>, noch so ein Instagram-Spruch. Einerseits verlasse ich auf diese Weise zuverlässig meine eigene Komfortzone und werde um nicht wenige Einsichten reicher.</p><p>Andererseits gehe ich (meistens emotionale) Risiken ein, weil ich weiß, dass sich daraus Inspiration ziehen oder damit Geld verdienen lässt. Denn wenn mir die Klickzahlen meiner Veröffentlichungen in 2025 eines deutlich zeigen, dann, dass sich erzählerischer Exhibitionismus immer noch am meisten rechnet - gerade dann, wenn es um Sex geht.</p><hr/><p>support</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Fair enough</em>, das ist ja auch die wichtigste Legitimation vom Nabelschau-Schreiben und Identifikations-Journalismus: Nämlich, dass sich andere Leute durch mein Erleben informieren können. Ganz ohne selbst etwaige Risiken einzugehen. Und auch, wenn man letztlich nur dann wirklich herausfinden kann, ob eine Sexparty etwas für einen ist, wenn man sich dieser Erfahrung hautnah aussetzt… Zumindest eine Idee davon zu bekommen, was einen erwarten könnte und wie man sich anziehen soll, kann praktisch sein. </p><p>Aus keinem anderen Grund habe ich vor Jahren die Mütter-Interviews für meine Blog geführt. Ich wollte mich der Antwort auf die Frage nähern, ob Mutterschaft ein Konzept ist, mit dem ich mich vielleicht auch anfreunden kann. Eins ist sicher, ich habe viel gelernt. Gerade weil man in persönlichen Eindrücken und individuellen Geschichten einem Detailreichtum begegnet, den man tatsächlich nach<em>empfinden</em> kann. Gefühle und Sinneswahrnehmungen vermitteln Informationen nämlich für viele Menschen effektiver als Zahlen und Fakten.</p><h4>Facts tell, stories sell</h4><p>Wir erinnern, verstehen und erleben unser Dasein als Geschichten. Und je echter sie sich anfühlen, desto unwiderstehlicher sind sie. Das heißt, wenn man wie ich nicht die Kreativität und Muße besitzt, sich authentische Stories auszudenken, tippt man eben die Geschichten mit, die das Leben schreibt. Allerdings zum Leidwesen der Personen, die meine Lebensgeschichte bevölkern und durch <em>meine</em> Augen auf Situationen blicken müssen, die sie gemeinsam mit mir erlebt haben. </p><p>Ich kann versuchen meine Mit-Protagonist*innen vor dem Erkennen durch Dritte zu schützen, indem ich autofiktional schreibe oder mit Pseudonymen und Verfremdung arbeite. Aber das schützt sie nicht davor, sich selbst wiederzuerkennen und ihr Handeln durch andere Augen betrachten zu müssen. Abseits von meiner Bewertung des Ganzen - also ob ich sie lobe oder kritisiere - ist das eine Erfahrung, die sich sehr entmächtigend anfühlen kann. Sie schreiben ihre Geschichte hier nämlich nicht selbst. Ein Machtungleichgewicht, das eine wirkliche Belastung für persönliche Beziehungen sein kann.</p><p>Anderen Menschen außerdem das Gefühl zu geben, sie könnten stets und ständig zu Inhalten werden, verlangt einen großen Vertrauensvorschuss von ihnen ab. Das Vertrauen, dass ich sie nicht ausnutze oder bloßstelle und sie im Vorhinein um Erlaubnis frage, wenn ich etwas erzählen will, das auch sie betrifft. Dieses Einverständnis hole ich auch meistens ein, aber nicht immer. Denn auch ich habe ein Recht auf meine eigene Geschichte - besonders in Kontexten, in denen sowieso schon ein Machtgefälle besteht.</p><h4>Deshalb erzähle ich öffentlich hauptsächlich von heterosexuellen Begegnungen.</h4><p>Ich habe gerade Bianca Jankovskas neuen Roman “Fuckgirl” beendet und bei der Lektüre sind mir nicht wenige Stellen begegnet, in denen ich mich wiedererkannt habe. Eine Szene hat mich allerdings besonders zum Schmunzeln gebracht. Nämlich die, in der einer der Liebhaber der Protagonistin sie ein wenig ungehalten und ein bisschen angegeilt fragt, ob sie über ihre Liaison schreiben wird.</p><p>Das Lauernde, die Vorsicht und die leise Hoffnung, relevant genug gewesen zu sein, die in dieser Frage mitschwingen, kamen mir bekannt vor. Diesen Moment habe ich auch schon oft erlebt. Der Moment, in dem ein Mann realisiert, dass er sich auf eine Frau eingelassen hat, die Macht hat - die Macht, ihn für sein potenzielles Fehlverhalten öffentlich anzuprangern - ist köstlich. Denn neben dieser <em>shit ton of</em> Verantwortung gegenüber der Tatsache, dass ich meine Mitmenschen nicht erzählerisch ausbeuten will, gibt mir dieser Umstand ein Gefühl von Selbstwirksamkeit zurück.</p><p>Schlechter Sex, übergriffiges Verhalten, Ghosting und Alltagssexismus - ich kann mich gegen all diese Dinge wehren, indem ich sie für mich als Einnahmequelle umdeute. Und gleichzeitig öffentlich thematisiere, was gerne auch heute noch viel zu oft unter den Teppich gekehrt wird: Die Rücksichtslosigkeit und Anspruchshaltung, mit der viele Männer Frauen begegnen. </p><p>Frauen sollen sich für die Ungerechtigkeiten schämen, die Männer ihnen antun (“Oder wie viel hast du getrunken?”). Sie sollen die Konsequenzen von und Verantwortung für ein System tragen, das sie unterdrückt (“Oder wieso verlässt sie ihn nicht einfach?”). Und sie sollen das alles am besten stillschweigend aushalten (“Man darf ja heute gar nichts mehr sagen!”). </p><p>Demnach gibt es nichts Unbequemeres als eine Frau, die erzählt. Die aus dem Nähkästchen der Anmaßungen plaudert und sich auch mal nicht darum schert, die Perspektive der Gegenseite mitzudenken. Selbst beim Kritik Üben am Patriarchat wird nämlich noch Fürsorge und Mäßigung von uns verlangt (“Not all men!!!11!!”). Eine Frau, die die Geschichten teilt, die sie erlebt, solidarisiert sich mit anderen Frauen, weil sie eine Möglichkeit zur Wiedererkennung bietet. </p><p>Wenn andere sich in deiner Wut, in deiner Erkenntnis oder in deinem Wunsch nach mehr Gerechtigkeit wiedererkennen, verstehen sie, was sie selbst verändern wollen. Schritt für Schritt, Geschichte für Geschichte, ein Stückchen näher heran, ans Happy End.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Ich möchte an dieser Stelle deswegen einige autonome Kolumnen empfehlen, auf die ich mich jedes Mal freue, wenn die E-Mail Benachrichtigung in meinem Postfach erscheint:</p><p>💌 <a href="https://steady.page/de/mia-gatow/about">Romanzen &amp; Finanzen</a> von Mia Gatow</p><p>💌 <a href="https://undjetztgunda.substack.com/">Und jetzt?</a> von Gunda Windmüller</p><p>💌 <a href="https://steady.page/de/utopie-alltag/about">Utopie + Alltag</a> von Mareice Kaiser</p><p>💌 <a href="https://substack.com/@kimoftheinternet">Hornsome</a> von @kimoftheinternet</p><p>💌 <a href="https://steady.page/de/groschenphilosophin/newsletter/sign_up">Groschenphilosophin</a> von Bianca Jankovska</p><hr/><p>Blog</p><p>Heute auf dem Blog ein Blick in die Vergangenheit und Anfänge (oder Vorboten?) meiner Tätigkeit als Dating- und Lifestyle-Kolumnistin: Ein Artikel, den ich vor etwas über zwei Jahren auf Cleographie gespostet habe und der sich mit zwei anderen Fragen des autobiografischen Schreibens befasst: Ist das alles eigentlich für irgendjemanden spannend? Und haben meine Lebens-Geschichten überhaupt Aufmerksamkeit verdient?</p><p>Seht mir bitte den mäandernden, ausufernden Stil dieses Textes nach. Ich habe mich in weiteren zwei Jahren Schreibpraxis, unzähligen Artikel-Redaktionen und einem Buchmanuskript doch tatsächlich weiterentwickelt 😉</p><h2>„Main Character“ und „braves Mädchen“ – Zwei Identitätskrisen und ein Fazit</h2><p> „Hahaha! DU willst Carrie Bradshaw sein?! Ich lach mich tot, ihr habt ja mal so gar nichts gemeinsam!“ spottet meine Schulbusfreundin auf dem Weg nach Hause. Ich bin verwirrt und schäme mich ein bisschen, weil ich „Sex and the City“ nicht kenne und offenbar nicht weiß, was für einen grotesken Fehler ich gerade gemacht habe. Die Mädchen, die um mich herum im Bus saßen, hatten angefangen für das Spiel auf der Busfahrt Rollen zu verteilen. Ich nannte den einzigen Namen aus dieser Fernsehserie, den ich kannte, froh, in der Lage zu sein so zu tun, als würde ich mitreden können. Außerdem fängt mein Vorname auch mit „C“ an.</p><p>Dass die Namensähnlichkeit so ungefähr meine einzige Gemeinsamkeit mit der Figur einer erfolgreichen, stylischen und begehrenswerten Autorin aus der Großstadt war, wurde mir anhand der empörten Reaktion meiner Freundin unmissverständlich klar gemacht. Ihr höhnisches Lachen und der abschätzige Blick, mit dem sie mich von oben bis unten musterte, sagten: Eine bebrillte, dicke Zwölfjährige aus der Vorstadt sollte sich mal lieber zurückhalten, wenn es darum ging, sich irgendwo als Protagonistin aufspielen zu wollen. Oder wie man heute sagen würde, bei mir war nicht genug <em>main character energy </em>vorhanden.</p><p><a href="https://cleographie.com/weder-main-character-noch-braves-maedchen/">Weiter im Text geht’s auf cleographie.com</a></p><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>Ich war bei einer Party (und einem Workshop), bei der Frauen feiern und Männer nur als menschliche Möbel teilnehmen durften. Für den Deutschlandfunk habe ich aus diesem Erlebnis eine kleine Reportage gemacht.</p><p>📻 Du kannst sie am <mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">12.05. nach den 11:00 Uhr (vormittags)</mark> Nachrichten auf <a href="https://www.deutschlandfunknova.de/">DLF Nova im Stream</a> und im Radio hören. Und zwei Tage darauf on demand als Teil der Steady Mitgliedschaft als Podcastfolge hier und auf Spotify.</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen 🧡</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 10 May 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#30: Kunst, Klub, Kink schönreden]]></title>
      <description><![CDATA[Manche Menschen oder Dinge verdienen unsere Liebe nicht. Aber wir supporten sie trotzdem. Wenn das Fansein stärker ist als die eigene Haltung, dann wird auch mal der…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Manche Menschen oder Dinge verdienen unsere Liebe nicht. Aber wir supporten sie trotzdem. Wenn das Fansein stärker ist als die eigene Haltung, dann wird auch mal der mutmaßlich übergriffige Künstler, die eigentlich sexistische Literatur oder der ethisch fragwürdige Lieblingsverein schöngeredet. Und ich bin da ganz vorne mit dabei. Hier kommt mein Vorschlag, was man stattdessen machen könnte.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><em>Okay, hear me out</em>: Ich bin ja Eishockey-Fan. Und zwar nicht wegen <em>Heated Rivalry</em>, sondern wegen der Kölner Haie. Oder trotz ihnen sollte ich vielleicht besser sagen, denn mein Heimverein hat mich gerade mal wieder bitter enttäuscht (bitte weiterlesen, ich verspreche, das hat was mit Feminismus und Politik zu tun 😉).</p><p>Obwohl der KEC dieses Mal nichts weniger als eine phänomenale Saison gespielt hat. Sie haben die Hauptrunde mit Abstand als Tabellenerster abgeschlossen und sogar den neuen nationalen Rekord für die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/DEL-Rekorde">meisten Siege in Folge</a> aufgestellt (16 gewonnene Spiele!!! Btw. müssten sie allerdings auch Platz 2 der meisten Niederlagen hintereinander belegen. Es ist also eine hohe Gefühls-Amplitude für Fans dieses Klubs). Trotz all dem unterlagen sie diese Woche im Halbfinale den Eisbären Berlin (SCHON WIEDER BERLIN ICH KANN NICHT MEHR MIT BERLIN). Und flogen damit aus den Playoffs. </p><p>Wenn diese Saison für sich allein stünde, dann wäre das zwar unverdient und schade, aber auch verkraftbar. Aber leider fand das alles vor dem Hintergrund statt, dass die Haie bereits letztes Jahr gegen Berlin verloren haben und dann auch noch das Finale. Plus die Tatsache, dass dieser Verein trotz kontinuierlich guten Chancen schon seit 2002 keine deutsche Meisterschaft mehr gewonnen hat. Also seit satten 24 Jahren nicht mehr - das Kölner Eishockeyversagen hat quasi schon seinen Bachelor. </p><p>Folglich könnte man meinen, als Haie-Dauerkarten-Besitzerin von über 15 Jahren sei ich Kummer gewöhnt. Aber dieses Mal ist es anders. Dieses Mal ist da kein optimistisches “Ach wat soll et, Sommerpause und jut es!” in mir mehr übrig. Der Klub verdient meine Liebe einfach nicht und zudem auch nicht meine Zeit, meine Stimme und mein Geld. </p><p>Allerdings hat das noch einen ganz anderen Grund als das anhaltende Brechen meines Fanherzens. Einen Grund, der mich so langsam daran glauben lässt, dass die Kölner Haie vielleicht auch besser nicht einmal einen Blumentopf gewinnen sollten. Denn ein paar Ecken weiter gedacht könnte ein Meistertitel eine politische Message senden, mit der ich ein absolutes Problem hätte. Und das liegt wie immer am lieben Geld.</p><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Am Montag, den 20.04., fanden die beiden Gründe dafür, warum mein Verein meine Liebe nicht mehr verdient, letztendlich zusammen: Der Tag, an dem der KEC schon wieder am Berliner Eishockeyclub scheiterte, war auch der Tag, an dem <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/julian-reichelt-nius-hetze-gegen-minderheiten-und-das-geld-des-multimillionaers-a-39397baf-018d-487d-84b4-207078b431b0">DER SPIEGEL eine neue, haarsträubende Recherche</a> über die neuesten schmierigen Machenschaften von Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt veröffentlichte.</p><p>Die Journalist*innen beschreiben in diesem Artikel Reichelts neue Arbeitsstelle bei dem “Rechtsaußen-Portal” Nius und berichten von “Hetze gegen Migrant:innen und trans Menschen”, über die “Verbreitung völkischen Gedankenguts” sowie von einem “freihändigen” Umgang mit journalistischen Standards bei Nius (an alle, die schonmal KI-generierte Nachrichtenartikel gesehen haben, <em>iykyk</em>). </p><p>Außerdem beantworten sie die Frage, wer eigentlich Reichelt, der <a href="https://open.spotify.com/show/42A230DwCz7M1Wicnmjx7R?si=2e657a64b2844aee">sogar 2022 der BILD zu schmuddelig wurde</a>, und sein groteskes Hetz-Portal aktuell maßgeblich finanziert. Diese Geldbörse heißt Frank Gotthardt. Ein schimmelig-reicher, alter, weißer Mann, der nicht nur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Gotthardt_(Unternehmer)">Unternehmen in der IT &amp; Medien-Branche besitzt, sondern auch die Mehrheit der Gesellschaftsanteile an einem gewissen Eishockeyverein</a> - den Kölner Haien. </p><h3>Hier kommt dann auch endlich das liebe Geld und das Märchen von der Rettung in letzter Sekunde ins Spiel.</h3><p>Es war einmal nämlich eine Jungfrau in Nöten. Ein Eishockeyklub, der nicht genug Sponsoren davon überzeugen konnte, ihn finanziell zu unterstützen. Doch trotz leerer Taschen verlangte die böse Stiefmutter Lanxess-Arena immer noch Berge von Dukaten für die Hallenmiete (<a href="https://www.deutschlandfunk.de/koelner-haie-frank-gotthardt-nius-michael-schulze-100.html">laut dem DLF im Jahr 2024 40.000 Euro</a> für ein einziges Heimspiel). So kam es dann, dass im Jahre 2010 besagter Eishockeyklub in so starke pekuniäre Bedrängnis geriet, dass nur noch ein Wunder ihn vor der Insolvenz retten konnte. Und dieses Wunder erschien. </p><p>Aber nicht in Form der tausenden Charity-Shirts, die die treue Fangemeinde in Massen kaufte, um mit ihren Geringverdiener-Einkommen ihre sportliche Liebe zu retten. Es erschien in Gestalt des strahlenden Ritters Frank Gotthardt, der sowohl mit Dukaten als auch Kontakten die Jungfer KEC vor dem Ruin rettete. Alle atmeten auf, die Jungfer war in Sicherheit, die Stiefmutter befriedigt und niemand hinterfragte die Lichtgestalt, die zur Rettung in letzter Sekunde maßgeblich beigetragen hatte. </p><p>Bis sich im Frühjahr 2024 erneut ein Schatten über das Eis legte. Der Ritter entpuppte sich doch als Geschäftsmann und auch seine Einstellung als alles andere als ritterlich. Und wie enttarnen sich Männer und ihre Motive in modernen Märchen? Richtig, vor einem Podcast-Mikrofon. </p><p>In einem <a href="https://www.rund-ums-eck.de/g%C3%A4ste/frank-gotthardt">Interview für ein lokales Koblenzer Gesprächs-Format</a> sprach Frank Gotthardt zum ersten Mal mit Reichweite über seine Rolle als Vermieter, Finanz-Förderer und Gesinnungsgenosse von Nius und dessen Galionsfigur Julian Reichelt. Der <a href="https://www.deutschlandfunk.de/koelner-haie-frank-gotthardt-nius-michael-schulze-100.html">Deutschlandfunk berichtete und zitiert</a> Gotthardt mit: <em>„Ich glaube, dass unsere Medienlandschaft eine Ergänzung im konservativen Bereich braucht. Die Übermacht der Medien, die eher links zu verorten sind, die ist halt sehr groß. Und da muss man einfach etwas tun.“</em> Und weiter: <em>„Die neue Mitte ist ja links, insofern müssen wir ja rechts von der Mitte sein.“</em></p><p>Vor dem Hintergrund der SPIEGEL-Berichterstattung darüber, was “rechts von der Mitte” also gerade so en vogue und sagbar ist, wirken diese Aussagen auf absurdeste Weise verharmlosend und weltfremd. Aber was erwartet man auch von einem Multimillionär über 70. Anstand kann man sich eben immer noch nicht kaufen. Übrigens auch nicht als Fan der Kölner Haie.</p><p>Denn in Fankreisen gab es alles andere als einen Aufschrei dazu. Wenn überhaupt, dann munkelte man nur verharmlosend über die fragliche Relevanz eines Mediums auf Youtube. Was wir in Deutschland nämlich nur quälend langsam erkennen: Menschen, die offen für Verschwörungserzählungen sind, scheren sich nicht darum, wie “legitim” der Kanal ist, auf dem sie verbreitet werden. Jedenfalls gab es statt massenhaften Fan-Protesten in 2024 das:</p><ul><li><p>eine Vereins-Pressestelle, die um den heißen Brei herumredete, was den potentiellen Einfluss seines Besitzers auf die politische Haltung des Vereins angeht</p></li><li><p>eine offizielle Haie-Fanprojekt Stellungnahme, die so viel sagte wie &quot;Was geht uns das als Fans an?”</p></li><li><p>einen einzelnen Fan, Michael Schulze, <a href="https://www.deutschlandfunk.de/koelner-haie-frank-gotthardt-nius-michael-schulze-100.html">der sich mit einem offenen Protestbrief an die Kölner Haie wandte</a>, Stellungnahmen forderte und eine Kündigung seiner Dauerkarte erwog und</p></li><li><p>eine schweigende Mehrheit, zu der auch ich zählte.</p></li></ul><p><br/>Es brauchte weitere zwei Jahre der augenscheinlichen Radikalisierung besagten Portals und der sportlichen Enttäuschungen durch den KEC, um mich nun dasselbe erwägen zu lassen wie Michael Schulze (King, btw). Nämlich nicht meine nächste Dauerkarte zu kaufen, nicht mehr zu Auswärtsspielen zu gehen, keine Zeit und kein Geld und vor allem keinen öffentlich sichtbaren Support mehr in eine Sportmannschaft zu investieren, deren finanzieller und sportlicher Erfolg direkt oder indirekt einer politischen Agenda zugute kommen könnte, die diametral zu allem steht, wofür ich einstehe. </p><p>Und das, Ladies, Gents and Genbies, ist der älteste Konflikt seit es &quot;Cancel Culture” gibt: Ist meine Liebe für eine umstrittene Sache nur “guilty pleasure” oder doch schon Doppelmoral? </p><p>Diese Frage stellt sich nicht nur mir in Bezug auf die Kölner Haie, sondern auch vielen anderen Menschen mehr oder weniger öffentlich bezüglich u.a. ihrer musikalischen, literarischen, sexuellen oder wirtschaftlichen Präferenzen.</p><p>Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich bei Amazon bestelle? Eine schlechte Feministin, wenn ich <em>Dark Romance</em> oder <em>Harry Potter</em> lese? Eine unaufrichtige Demokratin, wenn ich dem AfD-Onkel beim Familientreffen nicht widerspreche? Ein schlechtes Vorbild, wenn ich doch wieder kränkelnd arbeite? </p><p>Dieser Konflikt zwischen Moralvorstellung und Bequemlichkeit oder Haltung und Bedürfnis treibt viele um. Er hat tonnenweise Texte, Diskussionen und schlechte Gewissen produziert. Alle immer auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, ob und wie man beides haben darf.</p><h3>Dabei haben wir das schon längst.</h3><p>Wir machen ja ständig beides. Wir treffen Kaufentscheidungen für und gegen Amazon. Wir kritisieren, was an Kunst oder Künstlern sexistisch ist, die wir mögen. Wir lassen den alten Onkel schwadronieren und gehen links wählen. Die Tatsache, dass das alles kein konsistentes Verhalten und nicht nur gute Entscheidungen darstellt, hält uns ja nicht davon ab, es zu tun. </p><p>Was diese ganze Diskussion und das Kopfzerbrechen über diese Dissonanzen allerdings ist, ist oft genug nur ein Schönreden von Verhaltensweisen, die vor allem eines sind: nicht optimal. Nicht vorhersehbar, nicht eindeutig, nicht rational. Dass wir denken, dass das so sein müsse, ist zuallererst ein Problem des Selbstbilds und dann der Moral.</p><p>Jedenfalls bin ich müde geworden, mir ständig über eine Frage Gedanken zu machen, auf die es augenscheinlich keine befriedigende Antwort gibt. Weil die Antwort bisher immer war: es kommt darauf an, wie viel Ambivalenz du aushältst. Ob dir dein eigener Vorteil wichtiger ist als die Veränderung zu sein, die du in deiner Welt sehen willst. Und ob das jedes Mal so sein soll oder nur in der Hälfte der Fälle.</p><p>Dass uns für unsere Kontraste weder jemand verurteilt, noch uns die Absolution für sie erteilt, ist unbefriedigend. Aber der Preis dafür, dir nicht mehr von Moralinstanzen wie Religion, Denkschule oder Gesellschaft diktieren lassen zu müssen, was du tun und lassen sollst, ist, diese Entscheidung selbst treffen zu müssen. Unbequem, aber auch irgendwie weniger anstrengend als kontinuierliches Schönreden. </p><h3>Was also stattdessen machen?</h3><p>Zum Beispiel, herausfinden, was an der Dissonanz tatsächlich stört. Die geschäftliche Assoziierung meines Klubs mit Medien vom rechten Rand oder dass meine Toleranz dessen nicht zu meinem Selbstverständnis als Feministin passt? Beides fühlt sich unangenehm an, aber eins von beiden stellt womöglich einen stärkeren Antrieb dar, mein Verhalten tatsächlich zu verändern.</p><p>Aber wodurch auch immer angestoßen, es gibt zwei Verhaltensänderungen, an die ich immer zuerst denke, wenn es mir ansonsten schwer fällt, einen “eindeutig richtigen Weg” einzuschlagen. Und das ist erstens, wofür ich mein Geld ausgebe und zweitens, ob ich über meine Kritik an einer Sache spreche oder schweige.</p><p>Unsere Konsumentscheidungen und öffentlichen Bekenntnisse (eine oft unterschätzte Währung), wie besagter offener Brief des Haie-Fans Schulze, sind die größte Macht, die wir haben. </p><p>Du fühlst ambivalent gegenüber sexistischer Literatur? Dann leih dir die Bücher aus, statt sie zu kaufen oder lies <em>Dark Romance</em> kostenlos online bis dir Autor*innen begegnen, die in einer Form über Sex und Macht schreiben, in der echter Konsens eine Rolle spielt. Du willst das neueste <em>Harry Potter</em> Franchise noch nicht boykottieren? Dann triff dich nach dem Film/Buch/Spiel mit anderen Fans und tausch dich dazu aus, was dich enttäuscht und wie ihr euch trotzdem gegen Rowling positionieren könnt. Oft sind es auch der Mangel an Zeit und Geld, der Menschen daran hindert, eine Konsumentscheidung zu treffen, die sich auch moralisch richtig anfühlt. </p><p>Wenn das so ist, dann schweig wenigstens nicht aus Scham dazu. Nimm all deinen Mut zusammen und sprich mit anderen darüber, dass du dir vielleicht nichts anderes leisten kannst, als den Einkauf beim billo Fast-Fashion laden. Du weißt nicht, mit welchen Vorschlägen die Leute dann möglicherweise um die Ecke kommen: Einen Kleidertausch, eine Einladung in die Nachbarschafts-WhatsApp-Gruppe, in der Essen oder Klamotten gerettet und kostenlos verteilt werden vielleicht. </p><p>Überwindung ist, was solche Schritte hauptsächlich kosten. Aber so kommen wir aus einer passiven Starre des Schönredens in einen aktiven Umgang mit unseren eigenen Ambivalenzen. Was übrigens auch sehr dabei helfen kann, zu akzeptieren, dass Inkonsistenz und Irrationalität menschlich sind und nicht zuerst wegoptimiert werden müssen, bevor man aktiv ins Geschehen eingreifen kann. Nur im Stillstand wird man zum Teil einer schweigenden Mehrheit oder wird einem so manche Entscheidung abgenommen.</p><p>So wie die Entscheidung über die Fortsetzung meiner Dauerkarte bei den Kölner Haien. Die neue ist nämlich schon gekauft. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass sie die Anfrage und Rechnung zur Verlängerung des Vertrags jährlich <em>vor</em> den Playoffs stellen. In einer Phase der Saison, in der es sich noch so viel leichter ignorieren lässt, wieso der Verein mich eigentlich <em>wirklich</em> enttäuscht.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>📰 Meine lieben Kolleginnen Stephanie Kossow und Bianca Jankovska sind zuletzt in einem Artikel für die Brigitte zu einer der Fragen interviewt worden, die auch hier im Newsletter anklangen: <a href="https://www.brigitte.de/aktuell/gesellschaft/dark-romance--was-uns-an-dunklen-liebesgeschichten-reizt-14073262.html">“Dark Romance - Was uns an Liebesgeschichten über Macht und Begehren fesselt&quot;</a>.</p><p>🎧 Es gibt aber auch die leicht anders lehnende und literaturwissenschaftliche Einordnung bei Eine Stunde Liebe (an der ich eventuell sogar mitgearbeitet habe): <a href="https://open.spotify.com/episode/7G98lU4qQp9Juv63dt7ZKD?si=LfcQ_9Y1QdGigHoGzj27EA">“Dark Romance - Machen spicy Stories Liebe und Feminismus kaputt?”</a></p><p>🎧 Und noch ein weiterer hörenswerter Podcast: ein Link aus dem Newsletter-Text extra aufgelistet, da wichtig. Der Podcast, der erzählt, was hinter den Kulissen bei Axel Springer u. a. mit Reichelt abging: <a href="https://open.spotify.com/show/42A230DwCz7M1Wicnmjx7R?si=2c46d01424a94ffa">BOYS CLUB -Macht &amp; Missbrauch bei Axel Springer</a></p><p>📖 Aber zurück zum Thema. Einer der genannten Texte, der das Schönreden sehr eloquent hin und her wälzt ist “Monsters - What Do We Do With Great Art By Bad People”:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/08f0edbf-1569-4a07-9d17-e9057b73530a/uploads/images/thw74uzmzl/1000092817.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>📖 Und eine Buchempfehlung, die den möglichen psychologischen Hintergrund dazu erklärt, wieso Schönreden sich überhaupt so viel besser anfühlt als den Fakten ins Gesicht zu sehen (Stichwort “kognitive Dissonanz”) ist “Mistakes Were Made (but not by me)”:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/08f0edbf-1569-4a07-9d17-e9057b73530a/uploads/images/usfs6u4xkj/1000092815.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>Mein erster Print-Artikel im NZZ Magazin! Ist es nicht hübsch geworden?!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/08f0edbf-1569-4a07-9d17-e9057b73530a/uploads/images/zbn3go3chi/1000092096.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>🎧 Watch out for die dazu passende Folge des <a href="https://www.nzz.ch/podcast/akzent">Podcast NZZ-Akzent</a>, die bald erscheint und die Geschichte noch einmal für all diejenigen erzählt, die sich in Deutschland keine Ausgabe kaufen konnten.</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 26 Apr 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#29: Schönheit maxxen, vermarkten, missbrauchen]]></title>
      <description><![CDATA[#Looksmaxxing? Gesundheit! Denn gerade die wird durch den aktuell viel besprochenen “Schönheits-Trend” aus der Manosphere gefährdet. Und zwar nicht nur die der Männer.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>#Looksmaxxing? Gesundheit! Denn gerade die wird durch den aktuell viel besprochenen “Schönheits-Trend” aus der <em>Manosphere</em> gefährdet. Und zwar nicht nur die der Männer.</p><p>Lasst uns bitte nicht das als verrücktes Beauty-Phänomen verharmlosen, was weltweit bei jungen Männern dafür sorgt, dass Frauenhass jetzt auch noch mit gutem Aussehen gleichgesetzt wird.</p><p>Auch wenn der erste Anschein, den dieser Trend hat, wirklich easy mit etwas Altbekanntem zu verwechseln ist: Schönheitsideale und -behandlungen, die schädlich für Körper und Geist sind… Das gab’s doch schonmal?!</p><p>Ja, geht es aktuell irgendwo um Looksmaxxing, dann wird in Kommentarspalten und Berichterstattung schnell der Vergleich zum Druck auf Frauen und weiblich gelesenen Personen durch patriarchale Schönheitsideale gezogen. Und wenn sich das so ähnlich sei, dann bestünde doch dadurch auch der Anspruch auf Mitleid mit den verblendeten Männern und ihre Rettung durch die Aufnahme in die Bodypositivity-Bewegung. Problem gelöst? </p><p>Oberflächlich betrachtet ist der Gedanke naheliegend. Schließlich sieht es so aus, als würden hier junge Männer ganz in der Tradition junger Frauen ihre Körper zur Mangelware erklären und unter Einsatz von teilweise gesundheitsgefährdenden Maßnahmen in neue Form pressen wollen. Dieser Vergleich könnte aber das eigentliche Problem hier nicht weniger verkennen. Des Pudels Kern liegt nämlich in der Antwort auf die Frage, für wen und warum <em>Manosphere</em>-Männer jetzt schön sein wollen. Spoiler: die Antwort ist nicht “Frauen”.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Aber lass mich nochmal ein paar Schritte zurückgehen: Wieso entstand aus dem alten Streben nach Attraktivität und Liebe nun schon wieder ein neuer Trendbegriff? Das hat meiner Meinung nach sowohl etwas mit der Brutalität der Kommunikation und der Methoden als auch mit dem Ort zu tun, der den Begriff “Looksmaxxing” getauft und etabliert hat: Zuerst Incel-Foren und dann TikTok - also bitte nicht den Eindruck erwecken, das hätte was mit <em>Beauty</em> zu tun und her mit dem neuen <em>hashtag</em>. </p><p>Spannend ist hier allerdings die Beobachtung (die ich in dieser <a href="https://open.spotify.com/episode/43G6lTeOL4cZ7PR79BOUmH?si=431e6923881c447a">Folge von In Bed With The Right</a> gehört habe), dass Looksmaxxer nicht die Standard Incels seien. Denn die hätten an sich ja die Werbung um die Gunst der Frauen längst aufgegeben (deswegen die ganze Misogynie). Während Looksmaxxer eigentlich mehr in der Tradition der “Pickup Artists” stehen, die davon ausgehen, dass ihre Objekte der Begierde sich durch küchenpsychologische Trickkommunikation ins Bett hinein manipulieren lassen.</p><p>Looksmaxxer schlagen in dieselbe Kerbe, glauben aber, dass sie dafür lieber die Klappe halten sollten, um die kantigen Kiefer<em> </em>besser anspannen zu können. Sie setzen eben auf <em>Looks</em> anstatt auf Tricks…oder so.</p><p>Diese <em>Looks </em>lassen sich im Übrigen unter allem subsumieren, das sich seit Jahrzehnten als stereotyp männlich definieren lässt; nur eben nochmal bis ins Groteske aufgedreht ( → maxxed). Alles muss starke Kanten haben, hart sein, bestimmte Abstände und Maße einhalten und sich möglichst weit weg von allem bewegen, das mit Rundungen und - Gott behüte - Femininität verwechselt werden könnte. Fett und Weichheit werden verteufelt. Man könnte den Eindruck bekommen, nichts sei alpha-männlicher als sich vor allem zu fürchten, das die Prädikate “klein” und “zart” verdient hat. </p><p>Okay, aber sich nach bestimmten Vorstellungen von Schönheit formen zu wollen, ist ja weder neu noch inhärent schlecht. Wieso also die ganz große Bühne für diesen Trend? </p><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><p>An der Tatsache, dass manche Looksmaxxer sogar zur Selbstverletzung greifen sollen, kann es nicht liegen (es geht das Gerücht um, sie schlügen sich mit Hämmern auf die Kinnpartie, um sie durch Frakturen im Knochen zum wachsen zu animieren; ein medizinisch sehr fragwürdiges Verhalten, das wahrscheinlich als ein Scherz gemeint war). Schließlich haben Frauen sich auch gefühlt schon immer im Namen der Schönheit mit Rasierklingen, Aufspritznadeln oder Schönheits-OPs verletzt, ohne dass es vergleichbare gesamt-gesellschaftliche Diskussion und Ängste nach sich zog.</p><p>Dann ist es stattdessen womöglich die Ausgrenzungs- und “wir gegen die”-Rhetorik, die sich in der sehr simplen, aber darum nicht weniger <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Looksmaxxing">menschenverachtenden Looksmaxxer-Kategorisierung</a> von Personen in drei Akzeptanz-Gruppen manifestiert: “subhuman” für die vielen, deren Looks nicht dem Ideal entsprechen, “normie” für diejenigen, die an dem Problem bereits mit mäßigem Erfolg arbeiten (oder Glück mit den Genen hatten) und “Chad” für die alpha Tiere, die es schon in die Nähe des <em>jawline</em>-Olymps geschafft haben. </p><p>Ich könnte kotzen.</p><p>Muss man immer wieder auf Nazi-Niveau anfangen? Anscheinend haben wir es nicht kleiner in der <em>Beauty-Manosphere</em>, die sich ja eh schon kaum vor Hybris retten kann. Aber in Anbetracht dieser Begriffe noch davon auszugehen, Looksmaxxing entstünde aus pubertärer Unsicherheit einiger Zartbesaiteter, denen man nur mal erklären muss, dass sie ihren Körper stattdessen auch einfach lieb haben könnten, halte ich für bestenfalls naiv.</p><p>Wer glaubt, dass es okay ist, bei einem Trend mitzumachen, wo angebliche Zurückweisung von Frauen eine Person “subhuman” macht, der hat den Knall nicht gehört. Ganz besonders, weil ziemlich schnell sichtbar wird, dass hier nicht “die Frauen” das Sagen darüber haben, wie Männer aussehen sollten.</p><h3>Was Looksmaxxing nicht ist </h3><p>Nämlich dieselbe Überlebensstrategie, die die meisten weiblich gelesenen Personen in der Geschichte des Patriarchats angewendet haben, um in diesem System nicht unterzugehen. Die mussten nämlich gut im Sinne des Schönheitsideals aussehen, um von einem Mann ausgesucht zu werden. Um verheiratet und versorgt zu werden. Denn ohne Partner stand frau auch ohne Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen da.</p><p>Looksmaxxing ist nicht das Verhalten, das sich Männer wie Frauen aufgrund von jahrhundertelanger patriarchaler Unterdrückung ihrer Körper und Rechte angeeignet haben - es ist die Unterdrückung selbst, in Reinform.</p><p>Quasi das Patriarchat als Serum fürs Gesicht, einmassiert mit einem Hammer. </p><p>Die Ressource, die Looksmaxxer angeblich ohne ihre “Verschönerungen” nicht erhalten, ist <em>Pussy</em>. Sex, Zuwendung und emotionale Pflege einer Frau. Zumindest offiziell. Viel näher an der Wahrheit scheint jedoch die Vermutung, dass es hier nicht um die Bestätigung von Frauen geht, sondern um die Anerkennung anderer Männer. </p><p>Ein Mann, der - ohne seine Zustimmung oder aktives Zutun! - von führenden Looksmaxxern als absolutes <em>Beauty</em>-Vorbild anerkannt wird, ist übrigens das australische Supermodel <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jordan_Barrett">Jordan Barrett</a>. Seine Gesichtszüge und Körperform gelten als ideal und setzen das Ziel, das man erreichen müsse, um Frauen anzuziehen. Ironischerweise liegt Jordan Barrett selbst augenscheinlich nichts ferner als das, war er doch bis vor Kurzem noch mit einem Mann verheiratet. </p><p>Na, wenn das das Ziel der <em>Manosphere</em> sein sollte - durch das <em>fashionable </em>Machen von Homoromantik in einem Aufwasch die “Male Loneliness Epidemic” UND patriarchale Gewalt in heterosexuellen Beziehungen zu beenden - dann lassen wir sie doch gerne einfach weiter machen, die Looksmaxxer. Jk.</p><h3>Aus Hass auf sich selbst wird keine Liebe zu anderen geboren</h3><p>Scherz beiseite: Wer glaubt, dass es einen jungen Mann nicht noch wütender auf “die ach so ignoranten Frauen” macht, wenn sie ihn auch dann nicht wollen, nachdem er sich im Namen der Attraktivität für sie Schmerzen und Selbstverletzungen zugefügt hat, der irrt. Ein geschundener Körper und eine wunde Seele haben wenig zu verlieren und richten ihre Frustration mit ebenso großer Härte womöglich auch nach außen. </p><p>Looksmaxxing ist ein Symptom einer antifeministischen Bewegung, die sich die perfekte Armee heranzüchtet - gestählte und gebrochene Gehorchende. Mit Rachedurst im Herzen. Wie gefährlich dieser Frauenhass für die mentale und körperliche Gesundheit von (Ex-)Partnerinnen von Männern werden kann, zeigt uns für Deutschland die <a href="https://www.bka.de/DE/Presse/Listenseite_Pressemitteilungen/2025/Presse2025/251121_PM_BLB_HG_StraftatengegenFrauen2024.html">Statistik des BKA</a>. Oder weltweit die <a href="https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-journal/antifeminismus-rechtsextremismus-femizide#:~:text=In%2060%20Prozent%20der%20F%C3%A4lle%20waren%20die,an%20Frauen%20zu%20wenig%20Informationen%2C%20um%20sie">Daten von Amnesty International</a>, die offenlegen, dass Frauenhass überall Frauen und Mädchen tötet. Jeden Tag. </p><p>Also nein, Looksmaxxing ist kein einfaches “ein bisschen an sich arbeiten wollen”, es ist ihre Frauenverachtung, die sich gegen die Männer selbst richtet. Looksmaxxing ist auch keine Selbsthilfebewegung einer Generation von Männern, die einfach nur Frauen gefallen wollen. Wenn sie das wollen würden, würden sie Frauen fragen, was denen gefällt. Und nicht Männer. </p><p>Die Antworten, die Frauen ihnen geben würden, zeugen nicht unbedingt von schwerer erreichbaren Zielen als einer definierten Bauchmuskulatur. Für manche Frauen ist es vielleicht viel Geld und Status, aber für viele andere wäre es ein interessantes Hobby, Respekt vor Frauen (auch vor denen, mit denen man keinen Sex haben will) oder die Fähigkeit mit der Bandbreite der eigenen Gefühle wie ein Erwachsener umzugehen. </p><p>Wie gesagt, das muss alles nicht leichter oder schwerer erreichbar sein als die ideale <em>jawline</em>. Aber es ist halt weniger alpha. Und genau hier liegt das Problem.</p><p>Solange Männer lieber von anderen Männern geliebt und bewundert werden wollen, wird es ihnen nicht wichtig sein, was die Menschen sich wünschen, auf die sie angeblich stehen. Und zugegebenermaßen läuft ein Männerleben bisher auch einfach besser, wenn man anderen Männern gefällt. Das war schon immer gut für die Karriere, das Erreichen persönlicher Ziele und für den Geldbeutel.</p><hr/><p>Blog</p><p>Apropos, Geld. Der Frage, wer mit dem Aufruf zum Looksmaxxing eigentlich Kasse macht, habe ich mich ja noch gar nicht gewidmet! Denn davon, dass Clavicular und Konsorten das ganze Theater aus Nächstenliebe und Sorge um die romantische Erfüllung ihrer Mitmänner veranstalten, ist nicht auszugehen.</p><p>Mit “cui bono?” kommen wir auch dem Bezug zur Schönheitsindustrie mit weiblicher Zielscheibe wieder näher. Durch die Spruchkacheln des Instagram-Internets postet sich immer wieder die Vermutung “Wenn morgen alle Frauen aufwachen und ihren Körper lieben würden, bräche die ganze Wirtschaft zusammen”...oder so ähnlich.</p><p>Klingt übertrieben, aber wie weit ist diese überspitzte Einschätzung tatsächlich von der Wirklichkeit entfernt? </p><p>Schließlich wurde sogar die Beschämung von weiblichem Körper- und Intimgeruch nur deswegen erfunden, weil ein Familienunternehmen seine neuen Erfindungen verkaufen wollte: das Deodorant und das Anti-Transpirant.</p><p>Die Hintergründe hierzu habe ich zuletzt für WELT Lifestyle recherchiert:</p><p><em>Kann also das Geschäft mit der Geruchsvermeidung tatsächlich der Grund für die Scham sein? Ein Blick in die jüngere Geschichte der Körperpflege zeigt, </em><a href="https://www.spektrum.de/kolumne/die-geschichte-des-deodorants/1720646"><em>dem gegenderten Kampf gegen Schweiß- und Intimgeruch könnte nichts anderes als ein ausgeklügelter Marketing-Trick zugrunde liegen</em></a><em>. Denn als zum Ende des 19. Jahrhunderts das erste Deodorant auf den US-amerikanischen Markt kam - dicht gefolgt vom ersten massentauglichen Antitranspirant zu Beginn des 20. Jahrhunderts - , fand keines der Produkte trotz revolutionärer Wirkungsweisen nachhaltigen Absatz. Die potentiellen Konsumentinnen und Konsumenten betrachteten Schweiß und Körpergeruch schlicht nicht als großes Problem, das kosmetisch beseitigt werden musste. </em></p><p><em>Um das zu ändern, wurde die Werbeagentur J. Walter Thompson Company damit beauftragt, eine Marketingkampagne zu fahren, die sich vor allem an hart arbeitende Hausfrauen richtete. Denen sollte der Agentur zu Folge ihr Ehemann die schweißtreibende Hausarbeit des Tages am Abend nämlich bloß nicht anmerken können. Schweiß und Körpergeruch wurden zum Lustkiller hochstilisiert und ein abgeturnter Ehemann (oder auch das Fernbleiben jeglicher Ehe-Anwärter) bedeutete für die Frau der 1920er bis 1960er Jahre immer noch eine Gefahr für ihre Existenz. Folglich wurden Produkte zur Vermeidung von Körpergeruch unter Frauen aufgrund der Kampagne nach kurzer Zeit zu einem großen kommerziellen Erfolg.<br/>Einige Jahrzehnte später wurde letztlich auch der weibliche Intimgeruch konkret problematisiert, indem die </em><a href="https://kulmine.de/magazin/menstruation/eine-kurze-geschichte-der-menstruation/"><em>ersten parfümierten Damenbinden in den 1980ern auf den Markt kamen</em></a><em>. Und wenn eine Lösung schon in den Geschäften bereit steht, muss die Konsumentin wohl schlussfolgern, ihr Geruch sei ein Problem.</em></p><p><em><br/>Die Annahme, der Intimgeruch von Frauen sei um jeden Preis zu neutralisieren, da er eine männerabweisende Zumutung sein müsse, sorgt allerdings nicht nur für einen gewinnbringenden Absatz unnötiger, wenn nicht sogar gesundheitsschädlicher, Hygieneartikel. Die jahrzehntelange Stigmatisierung von natürlichem Intimgeruch tabuisiert und behindert somit auch die gesundheitliche Aufklärung über unangenehme Gerüche von Vulva und Ausfluss als Symptom von möglichen vaginalen Infektionen.</em></p><p><a href="https://www.welt.de/iconist/gesellschaft/plus698ef3b056df0f71cc0413c3/hygiene-koerpergerueche-gibt-es-bei-allen-zum-problem-werden-sie-nur-bei-frauen.html">Hier findest du den ganzen Artikel!</a></p><hr/><p>Events</p><p>Am 16.04. findet eine KOSTENLOSE und großartige Lesung veranstaltet vom Verein BiBerlin statt! Die wundervolle Lea Holzfurtner moderiert die klugen und humorvollen Autor*innen und Sexpositivity Aktivistinnen Nike Wessel und Nana Myrrhe.</p><p>Zur Anmeldung geht’s hier entlang: <a href="https://www.eventbrite.de/e/lesung-im-namen-der-lust-sex-scham-und-selbstermachtigung-tickets-1984135285049">“Im Namen der Lust: Sex, Scham und Selbstermächtigung”</a></p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>🎧 Mehr und auf Deutsch (und lustig) über Looksmaxxing nachhören kann man in dieser Folge von einem meines Lieblingspodcasts, Too Many Tabs: <a href="https://open.spotify.com/episode/0Fim98cZ4hqJpAys6f7LrO?si=73fb9fc38e4c451d">looksmaxxer / windkraftschwindler</a></p><p>📰 Einen Artikel über einige Brüder im Geiste mancher Looksmaxxer habe ich zuletzt mit Spannung im Standard gelesen. Und da ich mich selbst vor wenigen Wochen noch in Arkansas befand auch mit Anspannung: <a href="https://www.derstandard.de/story/3000000313047/ein-dorf-in-arkansas-nur-fuer-weisse-hofft-auf-den-kollaps-der-demokratie">“Ein Dorf in Arkansas nur für Weiße hofft auf den Kollaps der Demokratie”</a></p><p>📖 Und last but not least noch zwei Buchempfehlungen von <a href="https://www.lauriepenny.me/">Laurie Penny</a> und <a href="https://www.hanser-literaturverlage.de/personen/moshtari-hilal-p-1873">Moshtari Hilal</a> zum Thema “Schönheitsstandards” und den Fragen, wer die festlegt und wieso damit so viel Geld verdient werden kann:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9a9ce005-a8f5-4610-8168-5fae86822542/uploads/images/hmhhlr6o3m/1000090867.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9a9ce005-a8f5-4610-8168-5fae86822542/uploads/images/ibwz2kdsba/1000090868.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>Alle aus der SCHWEIZ, aufgepasst: Am <mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">19.04.</mark> erscheint mein allererster Print-Artikel im NZZ Magazin 😍</p><p>Es geht um den Einsatz von KI-Chatbots beim Dating und ich habe die Erfolgs- und Misserfolgs-Geschichten von drei Personen erzählt, die ChatGPT als Dating-Coach eingesetzt haben.</p><p>Holt euch ein Exemplar am Kiosk und schickt mir Fotos!!</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 12 Apr 2026 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#28: Enttäuschungen erlauben, erleben, überleben]]></title>
      <description><![CDATA[Ich probiere es zum ersten Mal, während ich mitten in einem Nichts namens Arkansas (USA) auf einer Terrasse sitze: “Du darfst dich selbst enttäuschen.” Diesen Satz habe..]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich probiere es zum ersten Mal, während ich mitten in einem Nichts namens Arkansas (USA) auf einer Terrasse sitze: “Du darfst dich selbst enttäuschen.” Diesen Satz habe ich noch nie zu mir gesagt. Und die Folgen dieser Tatsache spüre ich jetzt.</p><p>Ich befinde mich für den ganzen Monat März auf einer Reise durch die Vereinigten Staaten und wollte diese eine Woche Ruhepause zwischen meinen Aufenthalten in Ostküsten-Großstädten und Chicago zum Schreiben nutzen. Ich hatte so viel in New York, DC und Philly gesehen, erlebt und durchfühlt, ich brummte nur so vor Inspiration.</p><p>Also dachte ich, sobald ich mit Stift und Papier an einem ruhigen Ort sitze, müssten die Worte aus mir raus schießen wie die Munition aus den Revolvern der Rednecks, die in meiner Vorstellung diesen heißen Südstaat in ihren Trucks und Trailern bevölkern.</p><p>Doch entgegen meiner Erwartung fällt es mir unheimlich schwer, nach meiner zweiwöchigen Pause wieder ins Schreiben zurückzufinden. Die Dynamik meines Outputs ähnelt deutlich weniger den erwarteten Pistolenkugeln. Und mehr den lahmen Golfbällen, die auf dem Platz neben besagter Terrasse in unregelmäßigen Abständen von unterdurchschnittlich begabten Rentnern mit überdurchschnittlich teurer Ausrüstung abgeschlagen werden. Und das enttäuscht mich. Also nicht nur die Performance der Golfer.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Keine Sorge, hier gibt’s nicht nur Rentner, sondern tatsächlich auch Trucks mit Konföderierten Flaggen als vorderem Nummernschild (nein, nicht <em>auf </em>dem Kennzeichen, <em>als </em>Kennzeichen) und Rednecks mit MAGA-Merch im Walmart. Das lässt mich auch alles mit vor Verwunderung großen Augen durch die Gegend laufen (fahren, <em>let’s be real here</em>) sowie ständig “That’s like in the MOVIES!” zu N. sagen. Aber zum Schreiben und Arbeiten motiviert es mich trotzdem nicht; weder die irren Eindrücke, noch die enorme Leere und Weite der Welt an diesem Fleckchen Erde. Und das enttäuscht mich.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/15019765-ff75-494f-9435-7aa63ad2e84b/uploads/images/dedw7fe457/1000087278.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>A whisper of the native land</figcaption></figure><p>Ich starre Löcher in den Himmel, von dem es hier so viel mehr gibt als in Berlin und in dem so viel mehr Menschen einen Gott wohnen wissen wollen als Zuhause. Und gleichzeitig kann ich für eine Weile auf der Terrasse nur an den fremd klingenden Vogelstimmen erkennen, wie weit weg von Deutschland ich eigentlich gerade bin. </p><p>Deutschland - das erinnert mich wieder ans Arbeiten.</p><p>Mein Februar war ein enorm anstrengender Monat voller Deadlines und Aufträge, die mir über den Kopf gewachsen sind. Wochenlang empfand ich jeden Tag einen immensen Druck, den Anforderungen meines Jobs gerecht zu werden. Und ich spürte die Angst, ihnen nicht gerecht werden zu können. Ich fürchtete, an ihnen zu scheitern und damit meine Auftraggeber*innen und mich selbst davon zu überzeugen, dass ich als Autorin nicht geeignet bin. Ich wusste nicht, wie ich den Workload und die herausfordernden Recherchen bewältigen sollte, ich wusste nur: ich wollte die Erwartungen an mich nicht enttäuschen. </p><p>Aber… warum eigentlich nicht? Schließlich habe ich schon oft andere Menschen enttäuscht und manchmal war das gar nicht so schlimm.</p><hr/><p>Osterferien</p><p>Ganz im Sinne dieses Newsletters enttäusche ich uns jetzt alle mal milde und gönne mir über die Osterfeiertage eine Pause. Deswegen erscheint die nächste Ausgabe erst wieder in 3 Wochen anstatt am Ostersonntag.</p><p>Frohes Eiersuchen! 🐇🐣</p><hr aria-hidden="true"/><p>Wenn man einmal großzügig außer Acht lässt, dass Enttäuschung auf professioneller Ebene im schlimmsten Fall Jobverlust und finanzielle Einbußen zur Folge haben kann, stößt man als Antwort auf die Frage “warum eigentlich nicht?” schnell auf das Stichwort “<em>people pleasing</em>”. Das soziale Phänomen beschreibt das Bestreben, es ständig allen anderen recht machen zu wollen - häufig aus Angst vor Ablehnung. In Gesprächen, Texten oder Social Media Posts wird der Begriff heute mindestens genauso häufig gedroppt wie die ADHS-Diagnose von Dr. Tiktok. <em>People Pleasing</em> als Volkskrankheit. </p><p>Deswegen haben die meisten Menschen wahrscheinlich auch schon den gegenteiligen Take gehört: “<em>you cannot pour from an empty cup</em>”, frei übersetzt “wenn du nicht auf den Erhalt deiner eigenen Kraft achtest, kannst du sie auch nicht zur Unterstützung anderer einsetzen”.</p><p>Popkultur-Psycholog*innen und online Coaches wollen uns mit diesem Spruch daran erinnern, dass die unbedingte Vermeidung von Situationen, in denen wir andere potentiell enttäuschen, weil wir nein sagen - z. B. wenn wir ihnen einen Gefallen ausschlagen, ihnen keine Arbeit abnehmen oder anderweitig keine Verantwortung für sie übernehmen - letztlich zu endgültiger Erschöpfung führt. Ein Zustand, in dem wir dann weder anderen noch uns selbst helfen können und stattdessen sogar auf fremde Hilfe angewiesen sind. Aka <em>burnout</em>.</p><p>Hinzu kommt oft das Argument, dass man im eigenen Leben nur dann nachhaltig glücklich werden könne, wenn man im Grunde seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen von bspw. Karriere, Familie oder Identität folgt. Ein nachvollziehbarer Ansatz, der allerdings auch wieder unangenehm enden kann, wenn man ihn ins Extreme verkehrt und ausschließlich das macht, was einem selbst nützt - egal, ob es anderen schadet.</p><p>Die Lösung liegt wie immer irgendwo in der Mitte und in einer idealen Welt wäre nicht die Angst vor Enttäuschung, sondern die Freude an Verantwortungsübernahme für uns selbst und unsere Mitmenschen der treibende Faktor eines zufriedenen Zusammenlebens.</p><p>Doch Enttäuschungen passieren und im Gegensatz zu enttäuschten Erwartungen anderer können wir uns unserer eigenen Enttäuschung schwer entziehen. Denn die Gefühle, die entstehen, wenn wir nicht den Erwartungen anderer entsprechen - Scham, Verlustangst, Wut, Frust - sind an eine externe Perspektive gebunden. Also an eine Person oder Verantwortung, die im Außen liegt. Und vor der man entsprechend auch davon laufen kann. </p><p>Aber während man sich eine Pause von der Enttäuschung anderer Leute gönnen kann, ist das ungemein schwieriger, wenn es um die eigene geht. Klar, auch hier lassen sich Verdrängungsstrategien beobachten, aber früher oder später zahlt man dafür einen Preis. Meistens auf Kosten der eigenen mentalen Gesundheit. Es scheint mir, als gelte auch für die Selbst-Enttäuschung die Faustregel “<em>the only way out is through</em>”.</p><p>Und dieser Weg beginnt mit dem Schritt, sich selbst die Erlaubnis zu erteilen, sich und andere zu enttäuschen. </p><p>Das soll ja super viel Druck rausnehmen. Womöglich auch Platz für Kreativität schaffen oder Verständnis für eigene Fehler und die Möglichkeit, aus ihnen zu lernen. So klang zumindest die Rückmeldung von meinen Freund*innen, mit denen ich über meine Versagensängste im Februar sprach. “Klingt alles total berechtigt”, dachte ich mir. “Ganz generell coole Sache, das mit der ‘<em>permission to disappoint’</em>. Muss ich auf jeden Fall mal machen”, wurde mir bewusst. “Aber nicht dieses Mal.” </p><p>Dieses Mal wollte ich nochmal unter Beweis stellen, dass ich eine gute Autorin, eine zuverlässige Projektpartnerin und es wert bin, dass man mir Aufträge und Geld dafür gibt. Ja, ich merk’s selbst.</p><p>Was mir auch dämmerte, war, dass ich mir das selbst viel mehr beweisen wollte als allen anderen. Und dass ich mich wirklich nicht ständig über meine eigenen Grenzen hinaus <em>pushen</em> sollte, wenn ich in meinem <em>cup</em> wenigstens noch ein bisschen länger genug <em>juice </em>für meine mittelfristige Zukunft als Freelancerin behalten wollte.</p><p>Was. Also. Tun?</p><p>Während meiner Recherche zum Stichwort “<em>permission to disappoint yourself</em>” sind mir unterschiedliche Ansätze begegnet. Einige blasen ins Horn des “wenn du mit Selbst-Enttäuschung kämpfst, dann hör halt einfach auf damit, indem du BESSER wirst”. Okay, cool. Kann man so machen. Endet dann halt aber wieder in derselben Erschöpfung, wie wenn ich versuche, das Scheitern unter allen Umständen zu vermeiden. <em>Next</em>! </p><p>Ein deutlich verständnisvollerer Ansatz begegnete mir in der Idee, die eigenen Erwartungen ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen: Sind sie eigentlich vor dem Hintergrund, was ich an Zeit und Kraft und Fähigkeiten zur Verfügung habe, angemessen? Bin ich der Meinung, meine Zielsetzungen auch nach unten korrigieren zu dürfen oder nicht? Und woher kommen überhaupt diese hohen, unnachgiebigen Ansprüche an mich selbst?</p><p>Richtig vermutet, die Antworten zu diesen Fragen verlangen u.a. einen <em>Deep Dive</em> in die eigene Psyche. Das ist eine gute Idee, dauert aber meistens eine Weile und bedarf gelegentlich der Unterstützung von außen. Aber es gibt auch kurzfristig umsetzbare Strategien, den eigenen Erwartungen anders zu begegnen. Und zwar mit Neugierde.</p><p>Auf einer Website, die sich <a href="https://zenhabits.net/disappointed/">Zen Habits nennt, habe ich folgenden interessanten Absatz gefunden</a>: </p><p><em>Let’s practice tossing out our expectations of how we’re going to do today (and in life in general), and instead adopt an attitude of curiosity. We don’t know how we’re going to do at work, or in our relationships, or with our personal habits. We can’t know. So let’s find out: what will today be like? How will it go?</em></p><p><em>Be curious, in an attitude of not-knowingness.</em></p><p><em>It’s fun to find out things!</em></p><p><em>Yes, expectations will come up for us, and we will fail to live up to them, and we will feel frustration and disappointment again. This will happen, and this too will be a bit disappointing, because we want to be perfect at being curious and present. We’ll have to repeat the process when we notice this happening. That’s OK. That’s how it works - constantly renewing, never done.</em></p><p>Ich weiß, der Gedanke, ein nie endendes “<em>work in progress</em>” zu sein, kann sich anstrengend anfühlen. Aber in dieser Einstellung liegt auch eine entlastende Kapitulation davor, wie das Leben eben spielt - unperfekt. Oder um es mit meiner <a href="https://steady.page/de/cleophonie/posts/15589b1d-e2cf-444a-a705-ad16f64ac5ae">Jahresphilosophie 2026 “Kölsche Zen</a>” auszudrücken, Artikel 7 des Kölschen Grundgesetzes: <em>Wat wells de maache?</em> („Was willst du machen?“). Frei interpretiert als “Füg dich in dein Schicksal.”</p><p>Das ist in der Tat nicht immer einfach. Für mich persönlich liegt die größte Hürde hierbei darin, Verständnis für meine eigenen Schwächen aufzubringen. <em>Self-compassion </em>will sowohl gelernt als auch geübt sein, aber vor allem will sie zuerst erlaubt werden.</p><p>Auf der <a href="https://jackypower.substack.com/p/permission-to-feel-disappointment">Website der Bloggerin Jacky Power habe ich einen wundervollen Text über die Erlaubnis, zu enttäuschen</a> und damit die Erlaubnis, Nachsicht mit sich selbst zu haben, gefunden. Power stützt sich dabei auf einen Grundlagentext der <a href="https://adultchildren.org/">ACA (<em>Adult Children of Alcoholics and Dysfunctional Families</em>)</a>, die “<em>Bill of Rights of Being</em>” (“Lebensrechte”). U. a. werden als Rechte aufgeführt:</p><p><em>1) Ich habe das Recht, nein zu sagen.</em></p><p><em>2) Ich habe das Recht zu sagen, “Ich weiß es nicht”.</em></p><p><em>3) Ich habe das Recht, falsch zu liegen.</em></p><p><em>4) Ich habe das Recht, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.</em></p><p>Zusammengefasst: Ich habe die Erlaubnis zu enttäuschen - andere und mich selbst. Das fühlt sich nicht gut an, aber - wie man dann bald feststellt - die Welt dreht sich trotzdem weiter.</p><p>Es kommt eine nächste Chance oder eine helfende Hand, aber in jedem Fall ein neuer Frieden ins Leben. Denn je schneller man sich durch die Gefühlssuppe der Enttäuschung und ihre Konsequenzen hindurchbewegt, umso schneller ist es vorbei. <em>And we can move on.</em></p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/15019765-ff75-494f-9435-7aa63ad2e84b/uploads/images/fwve6s6xgp/1000087279.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>The vastness of Arkansas</figcaption></figure><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Ich weiß, der Titel mag abschreckend und brutal klingen, aber diese Autobiografie ist tatsächlich eine sehr einfühlsam erzählte Geschichte. “I’m Glad My Mom Died” von Jennette McCurdy beinhaltete viele Enttäuschungen. Für ihre Mutter, für sie selbst als Tochter und beschreibt perfekt, wie manche Menschen die Angst zu Enttäuschen als Machtinstrument über ihre Liebsten nutzen. CN: dysfunktionale Familie und Essstörung.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/15019765-ff75-494f-9435-7aa63ad2e84b/uploads/images/dbqirqcxat/1000086916.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>Im JOYclub-Magazin ist wieder ein Text von mir erschienen - ohne Paywall, ganz nackig: <a href="https://www.joyclub.de/magazin/bdsm/einstieg_sadistisches_spielen.html">“Wie ich ins dominante Spielen einstieg - Baby Domme Diary”</a>. Enjoy!</p><p>Lass ein Like da oder teile den Text, damit es in Zukunft weitere Diary Einträge zu lesen gibt 🤗</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 22 Mar 2026 08:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#27 Feministisch ficken, handeln, helfen]]></title>
      <description><![CDATA[Letztens wurde ich gefragt, wie ich eigentlich vor 10 Jahren drauf war und ein Teil meiner Antwort lautete: “Ich war noch keine Feministin”. Dabei stimmt das nicht ganz.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Letztens wurde ich gefragt, wie ich eigentlich vor 10 Jahren drauf war und ein Teil meiner Antwort lautete: “Ich war noch keine Feministin”. Dabei stimmt das nicht ganz.</p><p>Wie viele andere Menschen auch, habe ich mich nicht als feministsich bezeichnet, obwohl ich die Werte der feministischen Idee geteilt habe: Gleichstellung der Geschlechter, Aufklärung über und Ausgleich von Diskriminierung bei gleichzeitiger Anerkennung und Akzeptanz von Unterschieden. Aber ich habe mich nicht mit der Bewegung und diesem Label identifiziert, feministisch. Wieso das so war, sehe ich heute etwas klarer:</p><p>Vor 10 Jahren dachte ich noch, es bräuchte die Bewegung nicht mehr. Schließlich durfte ich selbstverständlich studieren, eigenes Geld verdienen und über mein Leben bestimmen. Aber dann wurde ich erwachsen und mit Einsichten und Ungerechtigkeiten konfrontiert, die mich erstmal hilflos zurückließen. Strukturen, die sich gegen mich und andere Menschen stellten, weil wir keine bestimmten Genitalien, Persönlichkeitsmerkmale, Religion oder Hautfarbe etc. hatten, wurden für mich sichtbar. Und sie wirkten zunächst einmal riesig, mächtig und erhaben - einschüchternd auf eine einzelne Person.</p><p>Das war der Punkt, an dem ich verstand, dass es deswegen Feminismus gibt. Damit man eben nicht alleine für sich einstehen muss und um tatsächlich etwas bewegen zu können. Um einen politischen oder sozialen Unterschied zu machen, der in der Gruppe hoffentlich einfacher umzusetzen ist. Ich spürte den Drang danach, zu so einer Gruppe gehören zu dürfen.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Doch Feministin habe ich mich immer noch nicht genannt. Ich hatte Angst, nicht genug über die Materie zu wissen, um eine Feministin sein zu können. Ich dachte, ich müsste alle Bücher gelesen und Petitionen unterschrieben haben und auf allen Demos gewesen sein, damit nicht mehr hinterfragt werden kann, ob ich auch wirklich Feministin bin. Also so richtig.</p><p>Deshalb habe ich angefangen mich einzulesen - und don’t get me wrong, das war keine schlechte Idee - aber je mehr ich über Feminismus lernte, desto klarer verstand ich auch, dass das nicht nötig gewesen wäre. Zumindest nicht, um Feministin zu werden. </p><p>Dazu reicht (und das klingt super cheesy) eine profunde Liebe für die Menschen und den Wunsch nach Gerechtigkeit für sie. Der Versuch, diese Gerechtigkeit herzustellen, ist der schwierigere Schritt. Aber hier kommt wieder die Stärke der Gruppe ins Spiel. Man muss sich nur als Teil von ihr verstehen und bekennen.</p><p>Ich weiß nicht mehr, wann genau ich mich das erste Mal als Feministin bezeichnet habe. Ich weiß aber noch, dass ich aufgeregt war. Unsicher, ob ich das jetzt wirklich durfte. Nervös, ob das die richtige Entscheidung war. Beides kann ich rückblickend mit einem eindeutigen Ja beantworten. </p><hr/><p>Events</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7f0f49be-8b21-44e3-adc4-df197c757b34/uploads/images/jzlubily6g/Screenshot_2026-03-07_173317.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://www.eventbrite.de/e/feministischer-kampftags-brunch-fur-alle-tickets-1980370016028">TicketsTicketsTicketsTicketsTicketsTicketsTicketsTicketsTickets!</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Wie viele andere politische Bewegungen ist der Feminismus nicht besonders homogen. Es existieren viele feministische Geschmacksrichtungen, bei denen manche Feminist*innen das Gesicht verziehen, während andere es als genau richtig empfinden. Der Feminismus spricht eine Vielzahl von gesellschaftlichen Problemen an, weshalb viele Anhänger*innen sich gewissermaßen spezialisieren. Manche kämpfen für reproduktive Rechte, andere für faire Bezahlung, wieder andere für Freiheit von Einschränkungen durch Genderrollen und Sexualität im Allgemeinen. </p><p>Und was dabei nicht vergessen werden darf, ist, sich für den Erhalt der Gleichstellung dort einzusetzen, wo vorherige Generationen sie schon für uns erkämpft haben. Was dafür totales Gift ist, ist die Erzählung, dass wir den Feminismus heute nicht mehr benötigen würden. Oder eben der Glaube, dass dem feministischen Label ein Studium der Politikwissenschaften zugrunde liegen muss.</p><p>Für ein besseres Verständnis davon, was eine feministische Einstellung bereits sein kann - auch ganz speziell auf Sexualität bezogen - möchte ich an dieser Stelle einen Auszug aus dem Vorwort <mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">meines Sachbuchs </mark><a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/cleo-libro-gleichstellung-9783426284476?srsltid=AfmBOopOT2XsQD5CB5yZG-Q3lGo_5aPt9MMM6NX3Ys_b66OGK2hBCxQW"><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">“Gleichstellung - Sex zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Ein feministischer Selbstversuch”</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit"> </mark>zitieren. Zu dem passendem Anlass, dass mein Buch diese Woche tatsächlich schon seinen ersten Geburtstag gefeiert hat:</p><p><em>“Ich bin mit dem Eindruck aufgewachsen, dass dieser Feminismus etwas ziemlich Nerviges und Überflüssiges sei. Als ich ein junges Mädchen war, taten die Menschen im Fernsehen das Thema immer nur als eine unnötige, da längst irrelevante Anspruchshaltung irgendwelcher unzufriedenen Emanzen ab und die Menschen in meinem Umfeld gebrauchten nicht einmal dieses Wort - Feminismus.</em></p><p><em>Ich wusste also nicht viel über diese geschichtsträchtige politische Bewegung, ich wusste nur, dass ich keine sogenannte Emanze werden wollte. Schließlich schienen die sehr unbeliebt und auch irgendwie mindestens ein bisschen hässlich zu sein. Beide Eigenschaften waren in meinen Augen lange sozial komplett unverträglich und deswegen dringend zu vermeiden. Schließlich wollte ich gesehen werden - und das ging nach meinem eigenen Verständnis nur als normschöne Frau, die sich mit keinem anlegt, damit sie jedem gefällt.</em></p><p><em>Dass es aber gerade die feministische Bewegung sein sollte, die genau das für mich ermöglichen wollte - als die Person sichtbar sein zu dürfen, die ich tatsächlich bin, ungefährdet vom Urteil anderer - wurde mir erst sehr langsam klar, lange nachdem meine Zwanziger bereits angebrochen waren.</em></p><p><em>Dieses Verständnis der feministischen Maximen, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe, möchte ich an dieser Stelle einmal teilen. Denn diese Prinzipien bilden die Grundlage, auf der ich mein individuelles Sexleben, aber auch unser Handeln als politische Akteur*innen in einer von bestimmten Sexualnormen geprägten Gesellschaft ausmisten will. </em></p><p><em>Feministisch zu handeln bedeutet in meinen Augen </em><strong><em>Verantwortung</em></strong><em> für mich selbst und andere zu übernehmen. Um verbindliche Gemeinschaften zu bilden, die sich durch einen starken Zusammenhalt auszeichnen, den es braucht, um gegen einen ungerechten Status Quo anzugehen und bereits erreichten Fortschritt zu erhalten.</em></p><p><em>Ich fühle eine feministische Einstellung in der </em><strong><em>Akzeptanz </em></strong><em>von mir selbst und anderen. Durch die Toleranz, die füreinander entsteht, wenn wir unterschiedliche Lebensrealitäten anerkennen und ihnen Raum zum Atmen geben, ungeachtet der Tatsache, ob wir sie verstehen können oder an ihnen teilhaben wollen oder nicht.</em></p><p><em>Feministisches Denken ist meiner Ansicht nach, ein </em><strong><em>Bewusstsein </em></strong><em>für die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Menschen zu entwickeln, die aus eben jenen verschiedenen Lebensrealitäten erwachsen. Außerdem darauf aufbauend den Antrieb zu finden, gerade wegen unserer Unterschiedlichkeiten für alle die gleichen Chancen auf Lebenszufriedenheit zu ermöglichen sowie gesellschaftliche Teilhabe für alle herzustellen (besonders über freien Zugang zu Ressourcen wie Bildung, gesundheitliche Versorgung und Zeit).</em></p><p><em>Und nicht zu vergessen betrachte ich die </em><strong><em>Unabhängigkeit</em></strong><em> von Wert und Würde eines Menschen von seinem*ihrem “Humankapital” als basal feministisches Verständnis von Zwischenmenschlichkeit. Soll heißen, die Frage, inwieweit unsere Gesellschaft oder ich selbst von der Macht, Arbeitskraft oder Attraktivität einer Person profitieren kann, sollte nicht beeinflussen, wie viel Respekt oder Empathie ich ihr entgegen bringe.</em></p><p><em>Diese vier Aspekte im Besonderen machen für mich das feministische Verständnis aus, das den Überlegungen in diesem Buch zugrunde liegt. Denn sie tragen Sorge dafür, dass der einzelnen Person ein selbstbestimmtes Leben zugestanden wird, ohne dass sie sich vereinzeln muss. </em></p><p><em>Die Chance sowohl im eigenen Leben als auch erst recht im eigenen Sexualleben der Mensch sein zu dürfen, der man wirklich ist und sein will, ist auch das Ziel dieser sagenumwobenen “sexuellen Befreiung” gewesen. Die ja wie gesagt schon stattgefunden haben soll in unserer deutschen Gesellschaft. Aber wenn das so wäre, wie sähe dann ganz praktisch unsere kollektive, normenbasierte und unsere individuelle Sexualität aus? Wirklich so wie jetzt oder vielleicht doch deutlich weniger dogmatisch und schambehaftet?”</em></p><p>[weiter geht’s in “Gleichstellung”]</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7f0f49be-8b21-44e3-adc4-df197c757b34/uploads/images/eafwbx5hye/1000084687.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Grüße vom Stonewall Monument auf der Christopher Street in NYC 🥰</figcaption></figure><p>Die feministische Bewegung hat bereits viel für Menschen aller Geschlechter erreicht. Ja, auch für Männer, die jetzt zum Beispiel auch vollständige Wesen mit Emotionen sein dürfen und sich nicht mehr auf die Rolle des stoischen, starken Ernährers reduzieren müssen. Außer sie wollen es so, nicht wahr, Andrew?</p><p>Der 8. März ist also nicht umsonst ein Feiertag, an dem wir Anerkennung verteilen und erhalten dürfen. Aber vor allem sollte er uns als Erinnerung dafür dienen, was alles noch zu tun ist. Und wenn du dir darüber unsicher bist, dann empfehle ich: nutz die vielen Angebote in Form von Demos, <a href="https://www.eventbrite.de/e/feministischer-kampftags-brunch-fur-alle-tickets-1980370016028">Brunches</a>, Kulturveranstaltungen, Filmvorführungen, Lesungen und Panel Diskussionen, die heute stattfinden, um zuzuhören. Hör zu und versuch zu verstehen, wo andere noch strugglen und wie du als Teil der feministischen Bewegung dabei helfen kannst, dass die Welt für alle ein Stück besser wird. </p><p>Wenn du dich davon angesprochen fühlst, dann kannst du auch am <a href="https://toechterkollektiv.de/">Montag, den 9. März, mit uns in den Frauen*streik</a> treten: “Der Frauen*streik macht sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt. Er zeigt, was passiert, wenn wir unsere Arbeit niederlegen.” (Quelle: töchterkollektiv)</p><p>Also, halt dich nicht aus Unsicherheit zurück. Nenn dich Feminist*in, wenn du unsere Werte teilst und zeig Präsenz besonders offline. Die Gruppe braucht dich und du brauchst die Gruppe.</p><p>Schönen feministischen Kampftag euch allen!</p><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>📖 Zum smoothen Einstieg in den Feminismus, wenn man wie ich trotzdem zuerst etwas drüber lesen will 😉</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7f0f49be-8b21-44e3-adc4-df197c757b34/uploads/images/oholuqoax2/1000084803.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>📕 Mehr Hintergründe gibt’s auch als Comics und in lustig:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7f0f49be-8b21-44e3-adc4-df197c757b34/uploads/images/pybamlvltd/1000084805.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>📚 Und hier einmal auf Englisch und auf Deutsch ein bisschen Feminismus-Kritik für die Fortgeschrittenen:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7f0f49be-8b21-44e3-adc4-df197c757b34/uploads/images/mymsc5dfxc/1000084806.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7f0f49be-8b21-44e3-adc4-df197c757b34/uploads/images/hzlxk5jpus/1000084807.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>🎧 Für Deutschlandfunk Nova habe ich zuletzt recherchiert, wie man sich gegen Grauzonen-Übergriffe in der Sauna wehren kann:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7f0f49be-8b21-44e3-adc4-df197c757b34/uploads/images/atfu2sz44s/1000084567.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/starren-filmen-folgen-sexuelle-%C3%BCbergriffe-in-der-sauna">Hier anhören!</a></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 08 Mar 2026 08:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[13. Nachricht: Starren und Filmen in Saunen - Was wir Übergriffen…]]></title>
      <description><![CDATA[So langsam fühlt sich der Winter echt lang an. Und bei diesem nasskalten Wetter gibt es doch nichts Schöneres, als gemütlich in der Sauna zu entspannen. Allerdings kann…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>13. Nachricht: Starren und Filmen in Saunen - Was wir Übergriffen entgegensetzen können</h1><p>So langsam fühlt sich der Winter echt lang an. Und bei diesem nasskalten Wetter gibt es doch nichts Schöneres, als gemütlich in der Sauna zu entspannen.</p><p>Allerdings kann ein Saunabesuch auch ganz schön ungemütlich werden: Wer dort nackt gefilmt oder mit aufdringlichen Blicken belästigt wird, hat selten die Möglichkeit, sich juristisch dagegen zu wehren. Wie Thermalbäder in Deutschland damit umgehen und was Betroffene fordern, habe ich recherchiert.</p><p><a href="https://steady.page/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/cffcee38-f427-4eaa-8d45-5de940ad7cb9">Auf Steady weiterlesen</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Sat, 28 Feb 2026 14:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#26: Romantik zulassen, verstehen, nutzen]]></title>
      <description><![CDATA[Es war mal wieder Valentinstag. Also fragte man sich auch wieder: Blumen schenken - ja oder nein? Verliebt sein auf Knopfdruck - yay oder nay? Und nicht zu vergessen:…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es war mal wieder Valentinstag. Inklusive der alten Fragen: Blumen schenken - ja oder nein? Verliebt sein auf Knopfdruck - yay oder nay? Und nicht zu vergessen: romantische Liebe - nervig oder nötig?</p><p>Die Romantik, hauptsächlich in ihrer heteronormativen Version, steht in der feministischen Welt ja nicht erst seit gestern in der Kritik. Aber innerhalb der letzten Jahre sind - gefühlt! - die Stimmen immer lauter und vielfältiger geworden, die fordern, dass die Idee der romantischen Liebe mitsamt ihrer unfeministischen Auswüchse Ehe und Kernfamilie vom Thron gestoßen werden soll.</p><p>Wie gesagt, eigentlich ja keine neue Idee. Nur umgesetzt hat sie bisher noch keine. </p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Obwohl tatsächlich gerade alle Zeichen auf Abkehr von der hetero Romantik stehen, wenn man dem Internet Glauben schenken möchte. Der sogenannte Heterofatalismus war ja auch schon in <a href="https://steady.page/de/cleophonie/posts/eac503e0-a17f-4851-a1c1-6d79838b87bd">einer Ausgabe dieses Newsletters Thema</a> und wird uns sicherlich noch eine Weile medial begleiten.</p><p>Schließlich ist die grundlegende Disziplin hierbei eine der Lieblingsbeschäftigungen des Internets: nämlich Beschwerden. Und zwar über die gegenseitige Un-Datebarkeit von Männern und Frauen, die sich augenscheinlich nicht mehr miteinander verständigen können (außer vielleicht Chatty flirtet mit). Weil sie nicht mehr dieselbe Sprache benutzten, durchschnittlich nicht mehr miteinander vereinbare politische Einstellungen verträten oder einfach nicht mehr zurückschreiben würden.</p><p>Und sowieso soll das Konzept der Romantik und der daraus resultierenden Liebesheirat ja alles eh ein Scam sein. Dem will ich auch gar nicht unbedingt widersprechen, ich bin ja selbst skeptisch, was die ganze Suche nach the one and only Mr./Mrs. Right anbelangt.</p><p>Aber irgendwas Gutes muss uns das Ganze doch geben, wenn ein Großteil der Menschheit seit nun mehreren hundert Jahren und trotz bitterster Rückschläge und Scheidungsraten weiterhin wie liebestoll diesem einen Ideal hinterherrennt: unseren Seelenverwandten.</p><p>Es kann ja nicht sein, dass das Projekt “romantische Liebe des Lebens” ausschließlich Quatsch ist, oder?</p><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Das hat sich auch die Redaktion des Podcasts <em>Wissen Weekly </em>angesichts des drohenden Valentinstags gefragt und deswegen eine Folge zum Thema produziert: <a href="https://open.spotify.com/episode/1TiW2eGnWpuW0pYwBI2tgu?si=a0a37a296f8c4a3c">“Soulmates: Gibt es die eine große Liebe?”</a></p><p>Hier soll eindeutig geklärt werden, ob es sie nun gibt oder nicht, die einzig wahre romantische Liebe. Spoiler: nicht so wirklich. Shocking! Naja, auch nicht so wirklich. Aber eine Randbemerkung von der für die Folge interviewten Soziologin und Paartherapeutin, Dr. Barbara Kuchler, fand ich persönlich dann doch hochinteressant.</p><p>Und zwar erklärt sie, welches Bedürfnis für viele Menschen <em>eigentlich</em> hinter der Idealisierung von romantischen Beziehungen steht: “Sich zu verlieben beginnt mit Projektion. Das heißt, ich projiziere die Dinge, die ich in meinem tiefsten Inneren als Wünsche und Sehnsüchte habe - und vielleicht gar nicht [bewusst] kenne - in die äußere Welt und glaube sie in einem anderen Menschen zu sehen.”</p><p>Ein Crush ist für Dr. Kuchler also nicht (nur?) der berühmte Mangel an Informationen über die Person, sondern eine Personifikation unserer unerfüllten Bedürfnisse: “Entweder das, was mir in meiner Kindheit das tiefste Glücksgefühl gegeben hat oder was ich in meiner Kindheit vermisst habe, ohne das zu wissen. Also meine tiefsten unerfüllten Sehnsüchte. Das ist, was ich jetzt [vom Crush] zu kriegen hoffe - und dann verliebe ich mich.”</p><p>Aber mit der Zeit lernten wir das Subjekt unserer Begierde besser kennen und die Projektion müsse in diesem Prozess immer weiter der Realität weichen: Dieser Mensch hat eine eigene Persönlichkeit und seine Funktion ist es nicht, unser Elternteil zu ersetzen.</p><p>Darauf folge eine beinahe unausweichliche Ernüchterung, die in vielen Fällen auch zum Ende der Verliebtheit führen würde. So tragisch, so bekannt.</p><p>Das muss allerdings nicht das Ende der Liebe bedeuten. Reife partnerschaftliche Beziehungen legen jetzt erst so richtig los. Nur bedeutet es eben oft das Ende der Romantik in der Art, in der sie uns seit Jahrhunderten vorgeführt wird: kopflos, liebestrunken, hormonhigh und in glückseliger Verschmelzung mit unserem Schatzi.</p><p>Doch der von Dr. Kuchler vorgetragene Forschungsstand ändert nichts daran, dass wir offenbar gesamtgesellschaftlich weiter von einem romantischen Liebesideal träumen, das uns endlich wieder so quietschfidel und glücklich macht wie zuletzt als Kleinkind.</p><p>Und weißt du was? Ich finde das total nachvollziehbar. Ich würde sogar sagen, dass wir die Romantik hier zu unserem Vorteil nutzen sollten.</p><hr/><p>Termine</p><p><strong>26.02. Soli-Lesung für den Periodenladen im Friedrichshain!</strong></p><p>Ab 19:30 Uhr sprechen Nike Wessel, Lea Holzfurtner, Stephanie Kossow, Beate Absalon und ich mit EUCH über “Orgas-MUSS? - Ein Abend zu Scham, Stress und Spielräumen”.</p><p><a href="https://periodenladen.de/pages/workshops"><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Tickets gibt’s hier!</mark></a><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit"> Wir freuen uns auf euch!</mark></p><hr aria-hidden="true"/><p>Denn wenn das Bild, das wir auf unseren neuen <em>Love Interest </em>projizieren, uns über unsere aktuell oder urzeitlich unerfüllten Bedürfnisse und Sehnsüchte informieren kann, dann steckt in einem Crush doch mindestens genauso viel Potential zur Selbsterkenntnis wie in sechs Monaten Journaling oder drei Sitzungen Gesprächstherapie. Das sollten wir nutzen, das spart Zeit und bares Geld 😉</p><p>Aber mal ohne Witz: Egal, wie reflektiert wir das mit der partnerschaftlichen Liebe auch angehen, wir bringen immer Erwartungen mit ein, die eine neue Verbindung erfüllen soll. Und so manche Sehnsucht braucht mit Sicherheit auch Teamwork, um befriedigt zu werden. Denken wir an einen möglichen Kinderwunsch, den Drang nach Verbundenheit und dem Wunsch, sich verstanden und gesehen zu fühlen. Das können wir nicht alles mit uns selbst ausmachen.</p><p>Gleichzeitig wird es aber auch einige Anteile in unseren Bedürfnissen geben, für die wir tatsächlich selbst Verantwortung übernehmen können. Zum Beispiel, dass wir gut versorgt sind mit Erholung und Ausgleich oder anderen Dingen, die uns körperlich und seelisch gut tun. Auch das Gefühl von Anerkennung und Sinn ist etwas, das wir nicht allein im Außen suchen müssen. Für all diese Aspekte reicht es, uns selbst ein gutes Elternteil zu sein.</p><p>Ich gebe zu, dass das keine einfache Aufgabe ist. Aber der schwierigste Schritt ist häufig, überhapt zu erkennen, dass wir noch nicht gut in Selbstfürsorge sind und worin eigentlich die Bedürfnisse bestehen, dir wir uns selbst erfüllen können. Bei Letzterem hilft uns jetzt eventuell die Romantik weiter.</p><p>Frag dich doch bei deinem nächsten Crush mal (der durchaus auch ein fiktiver Film- oder Buchcharakter sein kann 😈), wovon genau du eigentlich träumst, wenn du gerade deine Gedanken schweifen lässt. Hoffst du auf ihre Anerkennung und lobenden Worte? Fantasierst du darüber, dass er dich an die Hand nimmt und dich auf einen Wochenendtrip entführt? Dir also die Erlaubnis für eine Pause erteilt? Du merkst es schon, der Weg zu mehr Erkenntnis über die eigenen Wünsche ist gut sichtbar auf der eigenen emotionalen Landkarte eingezeichnet. Dein Crush ist die Gelegenheit einmal genauer hinzusehen.</p><p>Wie es um meine Selbstfürsorge-Skills steht habe ich persönlich übrigens über die Frage nach meinem Kinderwunsch festgestellt - vorhanden oder nicht? Meine Gedanken dazu habe ich ursprünglich für das Schweizer Magazin annabelle aufgeschrieben. Heute teile ich sie auch nochmal im “Blog”-Teil dieses Newsletters.</p><p>Auf der einen Seite ist das Thema hochindividuell, hängt es doch stark von den persönlichen Lebensumständen ab. Auf der anderen Seite sind wir alle aber auch nicht so verschieden voneinander in dem, was uns antreibt und uns nachts wach liegen oder träumen lässt.</p><p>Am Ende des Tages suchen wir alle unser Glück. In der romantischen Liebe, in der Eltern-Kind-Beziehung, in diesem einen Leben, das wir haben. Was genau wir also am Ende nutzen, um herauszufinden, was dieses Leben ein Stückchen schöner für uns macht, ist ganz gleich. Solange wir es nicht nur bei dem theoretischen Wissen belassen.</p><hr/><p>Blog</p><h2>Will ich Mutter werden?</h2><h4>Wie ich nach meinem Kinderwunsch suchte und meinen Mutterwunsch fand</h4><p>Jahrelang war ich auf der Suche. Seit ich Ende 20 war, intensiver denn je. Ich stellte Fragen, recherchierte Informationen und hörte mir die persönlichen Erlebnisse von jungen und älteren Eltern in meinem Umfeld an. Ich wollte endlich vollumfänglich darüber aufgeklärt werden, was es mit Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft eigentlich auf sich hat. Warum? Damit ich hoffentlich bald eine informierte Entscheidung darüber treffen kann, ob ich einmal selbst Mutter werden will. Ich hatte die Hoffnung, dass die Erfahrungen und Geschichten anderer Menschen entweder eine profunde Abneigung gegen oder doch einen bislang verborgenen Wunsch nach eigenen Kindern in mir wecken würden. Aber es kam anders. </p><p>Meine eigene Mutter starb bereits vor meinem dritten Geburtstag an Brustkrebs. Mein Vater erzog mich allein, weshalb ich nie bewusst erlebt habe, wie es ist, wenn jemand die Mutterrolle für mich übernimmt. Meine Kindheit war dennoch glücklich und für die längste Zeit meines Lebens dachte ich, mir würde nichts fehlen. Wie sollte man auch etwas vermissen können, das man gar nicht kennt?</p><p>Heute bin ich über 30 und habe die Antwort darauf, ob ich einmal Mutter werden will, gefunden. Und obwohl sie in einem tiefen Wunsch nach Mutterschaft wurzelt, ist sie alles andere als ein Kinderwunsch.</p><h4>Die Rollen, die Mütter spielen - Welche sind echt?</h4><p>Ich gehöre nicht zu diesen Menschen, die quasi mit der Gewissheit auf die Welt gekommen sind, dass sie einmal Kinder in selbige setzen wollen. Stattdessen ist da bisher nur ein gewisses Interesse. Allerdings nicht an Kindern direkt und auch nicht an der Fantasie, meine Gene weiterzugeben. Stattdessen verspüre ich Faszination für die krasse physiologische Erfahrung, mit meinem Körper ein Baby zu produzieren. Aber qualifiziert sich das schon als Kinderwunsch? </p><p>Würde ich das Leben mit Kind genug wollen, um die Mutterrolle ausfüllen zu können, die dann von mir erwartet wird?</p><p>Da ich ohne Mutter aufgewachsen bin, wurde mein Bild von dieser Rolle hauptsächlich durch die Popkultur der letzten 30 Jahre geprägt. Die Repräsentationen von Müttern, die mir in Kinderbüchern, Film &amp; Fernsehen oder zuhause bei meinen Schulfreund*innen begegneten, waren allerdings sehr gegensätzlich. Wie verhält sich eine Mutter wirklich? Die teils medial überspitzten Bilder und die wenigen privaten Beispiele halfen mir kaum, eine echte Vorstellung von Mutterschaft zu entwickeln.</p><p>Die aufmerksam überbesorgte Hausfrau-Mutti stand gegenüber der ständig abgehetzten berufstätigen Mama. Es gab die übergriffige Neugier der Mutter, die immer ungefragt ins Zimmer platzt, neben dem Bollwerk von unerschütterlicher Akzeptanz für alle Fehler ihrer Kinder. Und nicht zuletzt wurde in den Neunzigern zum ersten Mal das Bild des warmherzigen Hausmütterchens dem nicht weniger eindimensionalen Sexsymbol der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/MILF_(Ausdruck)">MILF</a> gegenübergestellt. Kurz gesagt, mich erreichten <em>mixed messages</em>.</p><p>Welche der aufgezählten Aspekte tatsächlich die Mutterrolle ausmachen und welche nicht, konnte ich alleine nicht klären. Und ohne eigene Mutter wurde mir kein Beispiel vorgelebt, nach dem ich einmal selbst jemanden bemuttern könnte. Was mich ratlos vor der Frage zurückließ, welche mütterlichen Eigenschaften ich eventuell entwickeln würde. Neurotisch besorgt, dafür immer ansprechbar? Ständig im Wettbewerb mit anderen Eltern um das hochbegabteste Kleinkind, dafür extrem engagiert? Oder doch entspannt-selbstverwirklicht, aber meistens abwesend? Und welches Verhalten als Mutter wäre  - mal abseits von meinem angestrebten Selbstbild - wirklich vorteilhaft für meinen Nachwuchs?</p><p>Um eine bessere Vorstellung von einer klischeebefreiten Mutterrolle zu bekommen, habe ich zum ersten Mal das getan, was für die meisten anderen Menschen total normal ist: Ich habe Mama um Rat gefragt. Zwar nicht meine eigene, dafür aber gleich zehn Mütter unterschiedlichen Alters (von Mitte 20 bis Anfang 60), <a href="https://cleographie.com/category/mama-messages/">deren Gespräche mit mir ich auf meinem Blog veröffentlichen durfte</a>. </p><p>Manche der Mamas, mit denen ich sprach, kamen aus meinem Bekanntenkreis, andere waren mir fremd. Alle hatten unterschiedlich viele Kinder und manchmal sogar schon Enkel bekommen. Einige hatten Kinder verloren, andere hatten sowohl Geburten als auch Abtreibungen erlebt. Gerade wegen ihrer grundverschiedenen Lebensgeschichten habe ich ihnen allen diese eine identische Frage gestellt: Was macht eine Person zur Mutter?</p><h4>Zehn Mütter über Mutterschaft - Drei Wahrheiten</h4><p>Wenn diese zehn Interviews eines hervorgehoben haben, dann dass die Erfahrungen rund ums Muttersein sehr individuell sind. Dennoch gibt es drei grundlegende Aspekte, von denen mir jede meiner Gesprächspartnerinnen berichtet hat. Und ich habe den Eindruck, dass ihre Fundamentalität auch Menschen, die (noch) ohne Kinder leben, ein grundlegendes Bild von Elternschaft vermitteln kann.</p><p>Die erste basale Mutterschafts-Erfahrung klingt so selbstverständlich wie simpel: Veränderung. Wenig ist wahrscheinlich aus der Perspektive von vielleicht-Mal-Müttern so schwierig vorstellbar wie die Tatsache, dass das eigene Leben <em>so</em> plötzlich <em>so</em> anders ist. </p><p>Ich persönlich stehe ja sehr auf Veränderungen. Zum Beispiel darauf, im Urlaub an immer andere Orte zu reisen. Oder aufs Möbelrücken, um in der Wohnung für frischen Wind zu sorgen. Also Veränderungen, die nach meinen eigenen Vorstellungen passieren und am besten dann, wenn es mir gerade in den Kram passt. Laut meiner Gesprächspartnerinnen gibt es aber kaum Kontrolle über die Veränderungen im eigenen Leben, wenn man Mutter wird. Stattdessen beschreiben sie einen Wandel, der meistens von äußeren Umständen bestimmt ist und dem man sich nicht entziehen kann. Und auch die, die sich vorgenommen hatten, <em>einfach ihr altes Leben dann eben mit Kind weiterzuleben</em>, verstanden mit der Zeit, dass die Veränderung, die stattfindet, keine Entscheidung ist.</p><p>Die Mutterrolle anzunehmen, bedeutet also, zu akzeptieren, auf welche Weise auch immer sich das eigene Leben verändern mag - und zwar nachhaltig.</p><p>Diese Nachhaltigkeit steht für den zweiten fundamentalen Aspekt der Mutterrolle, nämlich Verbindlichkeit. In den Interviews beschreiben einige der Mamas ein Maß an Verantwortungsgefühl für ihre Kinder, das absolut und unbegrenzt zu sein scheint. Sie sind sich bewusst geworden, dass diese Fürsorge-Beziehung auf “ein Leben lang” ausgelegt ist. Ein Level an Verbindlichkeit, das sich die meisten von uns heute von romantischen Beziehungen erhoffen. Für mich klingt das nach einer langlebigen und enorm tiefen Zuneigung. Tiefer noch als wir sie in romantischen Beziehungen erfahren?</p><p>Die Mamas bestätigten diesen Eindruck, was uns zum dritten grundlegenden Aspekt der Mutterrolle bringt. Und zwar betrachten meine Gesprächspartnerinnen die absichtslose Liebe zum Kind als eine einzigartige Lebenserfahrung, die sich besonders durch ihre Bedingungslosigkeit zu partnerschaftlicher Liebe unterscheidet. Sie zeichnen das Bild der Zuneigung zum Kind als eine Liebe, die größer nicht sein könnte und die keine Gegenleistung erwartet.</p><h4>Wie ich in all dem meine Antwort fand</h4><p>Auch wenn ich das, was meine zehn Interviewpartnerinnen mir dankenswerterweise so offen erzählten, als Nicht-Mutter nicht nach<em>empfinden</em> kann, schärft es meine Vorstellung von Mutterschaft deutlich. Trotzdem alle Frauen in den Gesprächen die Mutterrolle durch eine mehr oder weniger freiwillige Selbstlosigkeit beschrieben, warnen nicht wenige von ihnen vor der Falle der völligen Selbstaufgabe: “Man verliert leicht das eigene Ich aus den Augen, weil man das Beste für sein Kind möchte [...] Das Kind braucht in erster Linie Liebe und Verständnis, was tragischerweise die beiden Aspekte sind, die sich am schnellsten aus den Augen verlieren lassen, wenn man sich die ganze Zeit mit Ansprüchen an Unwichtigkeiten [wie den perfekten Haushalt] auseinandersetzt“, gibt mir Ria (Name geändert), Mutter eines Jungen, zu verstehen. </p><p>Sie betonte die Wichtigkeit und oft gleichzeitige Unmöglichkeit der Selbstfürsorge als Mama und dann sagte sie einen Satz, der noch sehr lange in mir nachklingen wird: “Im Idealfall wird man nicht nur zur Mutter für das eigene Kind, sondern auch für sich selbst.“</p><p>Die Einsicht traf mich nicht sofort, sondern tatsächlich erst mehrere Jahre nach meinem Gespräch mit Ria. Mehrere Jahre, in denen ich in vielen weiteren Unterhaltungen, in Fachliteratur, aber auch in einer Therapie, die meine Familiengeschichte aufbereitet, langsam begriff, dass meine Suche nach Wissen zu Mutterschaft viel weniger mit einem Kinderwunsch als mit einem Mutterwunsch zusammenhängt. Dass mich dieses Thema so in seinen Bann gezogen hat, liegt nicht daran, dass es mich nervös machen würde, wie unklar mir mein Kinderwunsch ist. Sondern dass ich die Leerstelle füllen möchte, die meine eigene Mutter in meinem Leben hinterlassen hat. </p><p>Ich verstand, dass ich nicht nur eine Antwort auf die Frage hatte finden wollen, wie es ist, Mutter zu sein, sondern auch, wie es sich anfühlt, eine Mutter zu haben. Als mir die unterschwellige Motivation meiner Suche bewusst wurde, verließ mich zunächst mein Mut. Aus dem simplen Grund, dass es mir schlicht nicht möglich sein wird, die Erfahrung von Mutterliebe durch reine Wissensanhäufung nachzuholen. Aber ich fand Trost in Rias Worten, die mir eine Möglichkeit eröffneten, auf die ich nie alleine gekommen wäre: Ich kann versuchen, mir selbst eine Mutter zu sein. Und zwar indem ich mir die drei Aspekte der Mutterrolle, die die zehn Mamas mir erklärt haben, zu Herzen nehme und auf mich selbst anwende. </p><p>Akzeptanz dafür zu schaffen, dass ich mich verändere, ob körperlich, psychisch oder in meinen Bedürfnissen und Zielen. Und eine verbindliche Fürsorge für mich zu etablieren, die durch eine absichtslose Zuneigung zu mir selbst aufrechterhalten wird. Aus dem einfachen Grund, dass wenn das jemandes Verantwortung ist, dann meine. Klingt kitschig, aber wie sähe die Alternative aus? Einem Partner oder einem eigenen Kind will ich diese Verantwortung für mich auf keinen Fall überstülpen.</p><p>Wer weiß, vielleicht kriege ich das nach ein paar Jahren Übung ja auch ganz gut hin mit dieser Selbstfürsorge und -akzeptanz. Und wenn ich dann etwas mehr Routine darin habe, eine Mutter für mich selbst zu sein, kann ich immer noch schauen, ob mich das schon an meine Grenzen gebracht hat. Oder ob es mich vorbereiten konnte, um diese Rolle einmal für einen anderen Menschen zu übernehmen. </p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>📖 Heute gibt es eine Buch-Empfehlung pro Thema. Die erste bezieht sich auf eine von den anfangs genannten Stimmen, die schon seit Jahren dafür plädieren, das Monopol der Romantik auf unser Lebensglück zu hinterfragen: Dr. Andrea Newerlas Sachbuch-Debut “Das Ende des Romantikdiktats”.</p><p>Das Buch kann nicht nur fluffig und in angenehmer Sprache hochspannende Erkenntnisse aus der Sozialwissenschaft verständlich machen. Es erreichte bei mir auch eines der selbstgesetzten Ziele der Autorin: Es hat mich dazu angeregt, grundlegend über meine Art und Weise Beziehungen zu leben nachzudenken und zu diskutieren. Mit anderen und mit mir selbst.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/06984d48-776e-44aa-8166-34a7081d7fe1/uploads/images/zhfq53paq3/1000082671.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>📖 Die zweite Empfehlung ist eine deutlich tiefere Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Mutterwunsch: Sheila Hetis “Mutterschaft”</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/06984d48-776e-44aa-8166-34a7081d7fe1/uploads/images/jp66wdb6xo/1000082652.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>🎧 Außerdem habe ich diese spannende Folge von Esther Perels Podcast <em>Where Should We Begin?</em> entdeckt: <a href="https://open.spotify.com/episode/5R4iA8j5S1lgmdgDewW1fW?si=6b4344dcf3a24af9">“Mothering My Mother Into Mothering Me” </a>- für alle, die die Chance noch haben.</p><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>💦 In meiner Tagesspiegel Kolumne wurde es zuletzt ziemlich feucht… bzw. nicht. Weshalb ich mich endlich einmal systematisch über Gleitgel informiert habe. Und oh boy, damit kann man auch so einiges falsch machen! Was es zu beachten gibt, liest du mit Plus-Abo in <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/hoffentlich-werde-ich-gleich-feucht-unsere-autorin-braucht-gleitgel--und-will-sich-nicht-mehr-dafur-schamen-15180551.html">“<strong>Hoffentlich werde ich gleich feucht </strong>- Unsere Autorin braucht Gleitgel und will sich nicht mehr dafür schämen”</a>.</p><p>👃Dafür schämt man sich doch heutzutage schon gar nicht mehr, sagst du? Du willst lieber über etwas lesen, das vielen Menschen noch peinlicher ist, als vermeintliche sexuelle Funktionsstörungen? Dann ist dieser Artikel für WELT Lifestyle vielleicht etwas für dich: <a href="https://www.welt.de/iconist/gesellschaft/plus698ef3b056df0f71cc0413c3/hygiene-koerpergerueche-gibt-es-bei-allen-zum-problem-werden-sie-nur-bei-frauen.html">„Körpergerüche gibt es bei allen“ – zum Problem werden sie nur bei Frauen.</a></p><p>Vielen Frauen ist ihr Intimgeruch unangenehm. Die Scham hat weniger mit Hygiene zu tun als mit einem jahrzehntelang gepflegten Marketingnarrativ. Was bei vaginalen Gerüchen normal ist – und wie richtige Intimhygiene wirklich aussieht, liest mit WELT+ Abo.</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 22 Feb 2026 08:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#25: Ablenkung finden, vermeiden, brauchen]]></title>
      <description><![CDATA[Ablenkung hat keinen guten Ruf. Denn wir sind Follower des Fokus-Kults. Trotzdem suchen wir überall nach Ablenkungen und verwenden jede Menge Zeit darauf, ständig neue…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ablenkung hat keinen guten Ruf. Denn wir sind Follower des Fokus-Kults. Trotzdem suchen wir überall nach Ablenkungen und verwenden jede Menge Zeit darauf, ständig neue zu erschaffen. Ob das wohl heißt, dass wir sie einfach brauchen? Oder liegt die Entscheidung, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, vor dem Hintergrund von Smartphones, endlosen Content-Feeds und digitalen Gleichzeitigkeiten schlicht nicht mehr in unserer Hand?</p><p>“Hintergrund” ist dabei ein interessantes Stichwort, ist er doch zu der Bühne geworden, auf der sich viele Sachen abspielen, die eigentlich für den Vordergrund gedacht waren: Podcasts und Hörbücher, Serien, Filme und TV-Sendungen, Radio und Musik - manchmal sogar das Gespräch, das wir gerade mit jemandem führen.</p><p>All diese Dinge sind heute viel häufiger Hintergrundrauschen als im Fokus unserer Aufmerksamkeit, obwohl wir sie dort eigentlich nicht in Gänze wahrnehmen können. Dabei sind Inhalte, die uns informieren, zum Tanzen motivieren, uns unterhalten oder uns miteinander verbinden sollen, eigentlich nur dann so richtig in der Lage all das zu tun, wenn wir uns auf sie konzentrieren. </p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Aber zeig mir mal die Person, die sich abends 45 Minuten lang auf die Couch setzt, um einen Podcast zu hören. Nicht zum essen und Podcast hören oder stricken und Podcast hören oder scrollen und Podcast hören, sondern um nichts anderes zu tun als den Podcast zu hören. Nee, ich kenn’ die auch nicht. </p><p>Wenn ich Podcasts höre, putze ich oft währenddessen oder fahre in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn ich eine Serie gucke, dann koche oder esse ich meistens dabei. Wenn ich Musik höre, liegt meine Aufmerksamkeit meistens auf der Arbeit oder dem Sport, den ich dabei mache. Die Vermutung liegt also nahe, dass das Hintergrund-Entertainment ganz andere Funktion erfüllen soll, als eigentlich gedacht.</p><p>Auch wenn es nicht immer zwingend mit Bildschirmen zu tun hat, nennt man das Phänomen, zu dem dieses Verhalten bereits geworden ist <a href="https://www.bpb.de/themen/medien-journalismus/medienpolitik/500722/second-screen/">“Second Screening”</a>. Eigentlich beschreibt der Begriff Verhaltensweisen wie das Scrollen auf dem Telefon, während man gerade auf dem Laptop oder Fernseher eine Serie schaut - also wenn buchstäblich mehr Screens eingeschaltet sind, als man Augenpaare zum Hinsehen hat.</p><p>Aber im Kern geht es nicht nur um Bildschirme und Energieverschwendung, sondern darum, zwei Aktivitäten gleichzeitig zu tun, für die es aber in beiden Fällen mehr als nur jeweils 50% der Aufmerksamkeit benötigen würde. Die Ablenkung ist hierbei also keine Einbahnstraße. Das Scrollen lenkt von der Serie genauso ab wie die Serie vom Scrollen.</p><hr/><p>Termine</p><p><strong>26.02. Soli-Lesung für den Periodenladen im Friedrichshain!</strong></p><p>Ab 19:30 Uhr sprechen Nike Wessel, Lea Holzfurtner, Stephanie Kossow, Beate Absalon und ich mit EUCH über “Orgas-MUSS? - Ein Abend zu Scham, Stress und Spielräumen”.</p><p><a href="https://periodenladen.de/pages/workshops">Tickets gibt’s bald hier!</a> Wir freuen uns auf euch!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Ganz im Gegensatz zur Prokrastination, bei der die Ablenkung von der eigentlichen Aufgabe darin besteht, mit voller Aufmerksamkeit etwas ganz anderes zu machen (Wäsche aufhängen, anstatt einen Text zu schreiben zum Beispiel oder mit einer Freundin Kaffee zu trinken anstatt die Sachen für die Steuer zusammen zu suchen). Wenn ich mit meinen Händen gerade Hausarbeit mache, kann ich sie halt nicht zum tippen eines Artikels einsetzen.</p><p>Aber im Gegenteil zu meinen zählbaren Gliedmaßen wirkt meine Aufmerksamkeit auf mich eher wie eine aufteilbare Ressource. Wenn auch nicht unendlich teilbar, trotzdem nicht nur auf eine Sache gleichzeitig beschränkt. Ich meine, inwiefern soll mich denn Hintergrundmusik vom Arbeiten ablenken? Ich stelle mir Aufmerksamkeit als etwas Fließendes vor, das sich durchaus um mehrere Dinge herumlegen kann. Aber damit scheine ich falsch gelegen zu haben, wie ich zuletzt im Podcast “<a href="https://open.spotify.com/episode/7E0AdMlu0FgsIuNrAOIwdz?si=15f9f4718afd4d02">Wissen Weekly” in der Folge zu Second Screening</a> gelernt habe. </p><p>“Multitasking” sei als Bezeichnung für das Aufteilen der Aufmerksamkeit auf mehr als eine Aktivität irreführend gewählt, berichtet dort Sven Lindberg, Diplompsychologe und Professor für klinische Entwicklungspsychologie an der Uni Paderborn. Man solle besser von “Task Switching” sprechen, da immer mehr wissenschaftliche Studien darauf hinweisen würden, dass wir Menschen uns gar nicht auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren können, sondern sozusagen gedanklich schnell zwischen Aufgaben hin und her springen - mit fatalen Folgen für die Qualität der Resultate.</p><p>Du kannst dir vorstellen, wie ich gerade skeptisch in Richtung meiner Box schiele, während ich gerade mit musikalischer Untermalung diese Zeilen schreibe. Immerhin läuft bei mir so gut wie IMMER irgendwas im Hintergrund. Außer wenn ich lese.</p><p>Aber wenn ich nicht aktiv gegensteuere, dann lebe ich tatsächlich unter ziemlicher Dauerbeschallung. Schon als Jugendliche war meine erste Amtshandlung, nachdem ich von der Schule nach Hause kam, erst einmal den Fernseher einzuschalten, um im Hintergrund irgendein seichtes Nachmittagsprogramm laufen zu lassen. Selbst beim Hausaufgaben machen.</p><p>Ob das nicht ablenkend gewesen ist? Klar, und wie, bestätigt mir ein imaginärer Prof. Lindberg nun in meiner Vorstellung. Ohne die stets verfügbare Ablenkung hätte ich mich sicherlich intensiver auf meine Hausaufgaben fokussieren und schneller fertig werden können, um meinem Gehirn vielleicht <em>danach </em>seichte Berieselung zu gönnen. Aber wieso nacheinander tun, was man auch gleichzeitig haben kann? Besonders, wenn es sich doch so gut anfühlt? </p><p>In der bereits erwähnten Folge von Wissen Weekly werden ein paar Theorien besprochen, warum wir uns so gerne mehreren aufmerksamkeitsheischenden Reizen aussetzen. Ich spoilere hier mal nicht weiter, verrate aber noch so viel: der plötzlich neue Reiz ist immer der interessantere. Und in einer Welt, in der wir technologisch auf hochfrequent anklopfende neue Reize eingestellt sind, entsteht ein starkes Bedürfnis nach ihnen genau dann, wenn es doch mal ruhig wird um uns herum. Dieses <em>craving</em> nach allem, was nicht Stille ist, wurde in uns zwar durch Social Media Algorithmen und Benachrichtigungstöne mittlerweile auf maximale Lautstärke gedreht, aber antrainiert werden musste uns dieser Reiz-Reflex nicht. </p><p>Gegen Ende dieses Videos von <a href="https://youtu.be/xHd4zsIbXJ0?si=JMe_2bNyk51wJtXM">Vsauce über die Spuren, die wir als Menschen hinterlassen</a>, geht der von mir hochverehrte Michael Stevens (der übrigens vor 2 Wochen 40 geworden ist, happy birthday!) auf die Theorie ein, dass unsere Eigenart Ablenkungen und neuen Reizen nachzugehen für uns Menschen ein evolutionärer Vorteil gewesen sein könnte.</p><p>Neugier als Gier nach Neuem, als Motor der Entwicklung unseres Gehirns? Ich gebe zu, ich habe dieses Video zwei mal sehr müde geguckt und bezweifle, dass ich seine Argumentation in Gänze verstanden habe. Aber selbst wenn es sich hier um ein Missverständnis meinerseits handelt, finde ich den Gedanken spannend, dass Ablenkung zuzulassen (kognitive Ablenkung, nicht die oft erleichternde emotionale Version) auch mal von Vorteil sein könnte. Schließlich gibt’s einfach wenige Dinge, die wirklich nur schlechte Seiten haben.</p><h3>Sich Ablenkung abgewöhnen?</h3><p>Ich erinnere mich noch gut an die Sitzung mit meiner ehemaligen Verhaltenstherapeutin, in der ich ihr <em>ausversehen </em>davon erzählte, dass bei mir immer etwas im Hintergrund läuft. Es war mir so rausgerutscht, dass ich ständig Podcasts höre oder Serien laufen lasse und zwar nicht, um dadurch Inspo für meine Texte zu finden (ein netter Nebeneffekt, der sich oft in den Empfehlungen in diesem Newsletter niederschlägt 😉 ).</p><p>Sondern, weil ich mich wohler fühle, wenn ich nicht ständig meiner eigenen Gedankenwelt ausgesetzt bin. Zu spät erkannte ich meinen Fehler. Ich konnte ihr quasi in Echtzeit dabei zusehen, wie ihre therapeutischen Antennen ansprangen. Mit hochgezogener Augenbraue und einem Schmunzeln im Mundwinkel schlug sie vor, mein Bedürfnis nach permanentem Hintergrundrauschen doch mal in einer der folgenden Sitzungen zu thematisieren. Aber das wollte ich nicht. </p><p>Zum ersten Mal in meiner Therapie-Geschichte hatte ich nicht das Bedürfnis, ein offensichtlich als “therapiewürdig” bewertetes Verhalten zu verändern. “Ich habe ja keinen Nachteil dadurch”, verteidigte ich meinen Unwillen, meine geliebte und gewohnte Ablenkung zu problematisieren. </p><p>Heute ist mir klar, dass es zwar Vorteile für meinen Fokus, meine Kreativität und meine mentalen Energiereserven hätte, wenn ich meine Aufmerksamkeit wenigstens seltener solchen Zerreißproben aussetzen würde. Aber das kommt bei mir nicht gegen den Eindruck an, dass es okay ist, im Hintergrund den Fernseher oder einen Podcast anzuschalten, wenn man sich dann sofort und akut weniger einsam fühlt. Oder weil es schwierig ist, von jetzt auf gleich langjährig erprobte Routinen abrupt zu verändern.</p><p>Außerdem gibt es einen spannenden Aspekt an Ablenkung, der wegfällt, sobald ich mich nur auf eine Sache fokussiere und alles andere ausblende: meine Gedanken erhalten keine Stichworte von der Seitenlinie mehr. Ich stelle mir meinen Verstand gerade wie eine Bühne vor, auf der eine Impro-Theatergruppe spielt. Und die Ablenkung aus dem Hintergrund wirkt wie die Inspo aus dem Publikum - ein auf die Bühne hinauf gerufenes Stichwort, das die Improvisation in eine neue Richtung lenkt und gedankliche Zusammenhänge herstellt, die mir sonst wahrscheinlich entgangen wären. </p><p>So wie der Gedanke - jetzt wird’s meta - der mir zum Stichwort “Fokus” gekommen ist, als ich mich eben mit den Worten des Autors und Aktivisten <a href="https://www.instagram.com/_faanil/?hl=de">Fikri Anıl Altıntaş</a> im Hintergrund von diesem Text abgelenkt habe. Der hat nämlich auf seinem Instagram Kanal einen gerade erschienenen Artikel in der <a href="https://www.sueddeutsche.de/medien/stoizismus-philosophie-broicismus-manosphere-influencer-social-media-marc-aurel-li.3377959?reduced=true">SZ zum Zusammenhang von modernem Stoizismus und der Manosphere</a> kommentiert und versucht zu erklären, wie diese berühmte Strömung der Philosophie von Männlichkeits-Influencern umgedeutet wird, um ihre Workshops und Coachings buchstäblich gewerblich an den Mann zu bringen. Der SZ-Artikel ist hinter ‘ner Paywall, aber ich habe noch einen weiteren, etwas älteren Text gefunden, der in eine ähnlich interessante Richtung denkt: <a href="https://jungle.world/artikel/2025/24/andrew-tate-manosphere-stoiker-mit-mark-aurel-zum-bugatti">“Mit Mark Aurel zum Bugatti”</a> von Martin Seng.</p><p>Das hier soll kein betreutes online Artikel lesen werden, deswegen sei nur soviel gesagt: Wenn die Manosphere uns zu erklären versucht, dass stoischer Fokus die einzig wahre männliche Männlichkeits-Superkraft ist, um alles zu erreichen, was man will. Und jegliche Ablenkung, z. B. in Form von Empathie, Verantwortungsübernahme für andere Menschen oder schlicht Spaß am Leben, schlecht sei, dann klingt Ablenkung an sich plötzlich gar nicht mehr so negativ für mich. </p><p>Wenn Andrew, Jordan &amp; Co. sagen, man soll das Eine tun, dann mache ich mit ziemlicher Sicherheit das Andere. </p><p>Denn Mal abgesehen davon, dass der Stoizismus mit Sicherheit keine Gym-Mitgliedschaft zum Ziel hatte, ist purer Fokus mal wieder ein unerreichbares Ideal, das sicherlich besonders einen Zweck hat. Nämlich den Andrews und Jordans und wie die Fake-Fokussierten dieser Welt alle heißen die Taschen voll zu machen, während sie mit ultra-misogynen und antifeministischen Narrativen davon ablenken, wer hier tatsächlich Männer hasst.</p><p>Ah Mist, jetzt hab ich mich wieder von Gefühlen ablenken lassen… 😉</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>📖 Und wenn es gerade ein bisschen tatsächliche Ablenkung sein darf, empfehle ich diesen beinahe völlig eskapistischen Roman 😌</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/dde95ffa-6421-42de-a2a0-7b462be639b2/uploads/images/ps43tevtic/1000080197.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>🎧 Nicht weniger gesellschaftlich relevant sind Esther Perels Einschätzungen zu der Frage, was KI-Chatbots uns in Sachen Liebe wirklich geben können. Meine Hörempfehlung für heute ist die Folge <a href="https://open.spotify.com/episode/326SlyjoRz2ShWblj1rf5J?si=477265e25f8e46e5">“Esther Perel on Why AI Intimacy Feels Safe but Isn’t Real”</a> vom New York Times Podcast <em>The Opinion</em>.</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 08 Feb 2026 08:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#24: Vom Schreiben träumen, leben, heilen]]></title>
      <description><![CDATA[Ich liebe Schreiben - in der Theorie. Autorin zu sein ist eine romantische Idee. Aber sobald es an die Praxis geht, kostet das Schreiben mich mehr Überwindung als…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe Schreiben - in der Theorie. Autorin zu sein ist eine romantische Idee. Aber sobald es an die Praxis geht, kostet das Schreiben mich mehr Überwindung als morgens um 6 Uhr ins Fitnessstudio zu gehen. Jeden Tag. Wenn ich anfangen möchte, strebt alles in mir in die entgegengesetzte Richtung des Schreibtischs. Weil das nachvollziehbare Formulieren von Gedanken Schwerstarbeit ist, die Mut erfordern und Schmerzen verursachen kann.</p><p>Wieso ich mir dann diesen Beruf ausgesucht habe? Das ist es ja, hab ich gar nicht. Es war nie mein Traum, vom Schreiben zu leben oder überhaupt regelmäßig Texte zu veröffentlichen. Und trotzdem ist das Leben als selbstständige Schriftstellerin traumhaft. Zum ersten Mal in meiner Karriere als Karriere-Inhaberin muss ich mir keine Gedanken mehr über meine “Work-Life-Balance” machen. Nicht, weil Schreiben als Beruf keinen Ausgleich brauchen würde, sondern weil mich das Schreiben selbst zu Pausen zwingt. Es gibt kein <em>9 to 5 </em>in der Schriftstellerei, weil man nicht auf Termin schreiben kann. Zumindest nicht, wenn es gut werden soll.</p><p>Zwar interessiert das weder eigene Deadlines noch Redaktionen oder Verlage, aber Kreativität auf Knopfdruck gibt es nicht (sorry, Chatty). Als Autorin muss man also lernen, Texte entsprechend früher anzufangen, damit genug Zeit für die kleinere oder größere Schreibblockade bleibt. Oder damit zu leben, dass Texte, die aus Abgabedruck heraus geschrieben werden, einfach schlechter sind als Texte, die reifen durften. Ganz wie dieser Newsletter heute 😉</p><p>Jedenfalls zwingt das Schreiben einen genauso zum Nicht-Schreiben. Zum Pausen machen, Input holen, Gefühle fühlen und reflektieren. Und dann ist es plötzlich wieder da und hat ganz nebenbei ein paar deiner Wunden in Echtzeit geheilt. Aber dazu später mehr.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Als ich am 17. Januar 2021 die ersten beiden Texte auf meinem neuen persönlichen Blog <a href="https://cleographie.com/">“Cleographie”</a> veröffentliche, klopft mein Herz ungewohnt heftig. Zum ersten Mal in meinem Leben gebe ich Fremden im Internet die Möglichkeit, meine Gedanken zu finden, zu lesen, zu missverstehen und zu kommentieren. Gemischte Gefühle machen sich deswegen in mir breit. Einerseits weiß ich, dass das Netz voll ist mit persönlichen Sexblogs und Geschichten über offene Beziehungen, weil ich hier die Definition von <em>late to the party</em> bin und mich so schlecht mit Google Indexierung auskenne, dass eh niemand meine Seite finden wird.</p><p>Andererseits fühle ich mich exponiert und angreifbar, weil bisher die Anonymität des Liebestagebuchs und die massiv-filternden E-Mail Postfächer des Deutschlandfunk jegliches Feedback fremder Leute zu meinen Gedanken von mir abgehalten hatten. <em>Noch einen </em>Blog über Alternativen zur Monogamie und Sexgeschichten zu eröffnen, war trotzdem mein Projekt der letzten Monate gewesen. Nicht weil das was total Neues war, sondern weil es <em>meins </em>werden würde. Nicht nur, weil Corona vorher so viele andere Hobbies wegfallen ließ, sondern auch weil ich entdeckt hatte, dass es mir Freude machte und mir bei meiner persönlichen Entwicklung half, meine Reflektionen zu Papier zu bringen.</p><p>Allerdings konnte und kann ich mich so viel besser dazu motivieren, wenn mein Schreiben ein Ziel hat. Und das ist auch heute noch die Möglichkeit, von anderen Menschen gelesen zu werden. Und zwar ganz besonders die Themen, die hochgradig persönlich und verletzlich sind.</p><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Über die Edition F Journalistin Sarah Große-Johannböcke stieß ich diese Woche auf einen Substack-Artikel, der eine mögliche Erklärung für diesen Wunsch enthält. <a href="https://substack.com/home/post/p-185147119">Der Text von Decolonizing Love über die unerkannte Trauerarbeit in Polyamorie</a>, ist unfassbar feinfühlig und klar geschrieben, benennt viele emotionale Herausforderungen in Beziehungen zu Partner*innen, Freund*innen oder Familie, auf die man durch eine mono-normative Kultur nicht vorbereitet wird und macht eine ganz wichtige Beobachtung: Uns allen passieren andauernd Verluste, die nicht einmal etwas mit Tod oder Trennung von einer nahestehenden Person zu tun haben müssen.</p><p>Auch schon die Transformation einer Beziehung von nah zu ferner kann sich wie ein Verlust anfühlen. Ein Verlust von Sicherheit, Routine, Vertrauen oder gemeinsamen Plänen. Zudem brauchen Verluste Anerkennung und das Gesehen werden von außen, damit wir sie besser verwinden können. Deswegen seien kulturelle Umgangsformen mit dem Tod so ritualisiert. Um die Trauer sichtbar, nachvollziehbar und mitfühlbar zu machen. Doch bis auf die ganz vereinzelt stattfindende Scheidungsparty habe ich bisher noch nicht erlebt, dass wir das Verarbeiten anderer Beziehungsverluste irgendwie ritualisiert hätten. Genau hier kommt das Schreiben ins Spiel. </p><p>Im Text heißt es, dass Trauer Zeug*innen und Rituale braucht, um verarbeitet werden zu können. Wenn ich über meine Erlebnisse und Gefühle schreibe, mache ich sie erfahrbar für andere. Ich schaffe mir die Möglichkeit, Menschen zu Zeugen meines Verlusts zu machen und das ist unfassbar heilsam - nicht nur für mich selbst, sondern auch für diejenigen, die sich mit meinem Erleben, aber besonders mit der Art und Weise, wie ich es erzähle, identifizieren können.</p><p>Übrigens liegt im <em>Wie </em>des Erzählens eine spannende Idee. Nämlich die, dass der eigene emotionale und psychische Zustand stark davon abhängt, ob wir uns unser Leben als Drama oder als Komödie erzählen. Eine These, die auch der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Narrative_Therapie">“narrative therapy” Methode</a> zugrunde liegt und die aus der Idee des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Radikaler_Konstruktivismus">radikalen Konstruktivismus</a> entstanden ist. Viele große Worte, die im Kern nur sagen, dass Realität allein durch unsere eigene Wahrnehmung der Dinge um uns herum entstünde. Und dass die Bewertung unserer Umstände als “schlimmer unausweichlicher Schicksalsschlag”, “Strafe für schlechtes Verhalten” oder “dornige Chance für die Persönlichkeitsentwicklung” komplett in unserer Hand läge. </p><p>Ja, man hört schon die ganzen Selbstbestimmungs-Psycho-Ratgeber und Self-Help-Podcasts im Hintergrund mit den Hufen scharren. Natürlich steckt in so einer Idee die Gefahr, vor lauter “du musst das einfach nur positiv sehen” psychische Krankheiten und das Abwälzen aller Verantwortung auf die isolierte Einzelperson komplett zu ignorieren. </p><p>Gleichzeitig sehe ich in der Art und Weise, wie wir uns unser eigenes Leben erzählen, auch die Möglichkeit, sich tatsächlich immer wieder mehrere Notausgänge heraus aus verfahrenen Situationen einzubauen. Hintertürchen in die Hoffnung.</p><p>Ganz ähnlich habe ich das schon einmal mit meinen Gästen und der Autorin Ricardia Bramley bei diesem <a href="https://steady.page/de/cleophonie/posts/d2dc585f-ab97-4d02-9526-c2e986e5dded">Salon darüber besprochen, wie man mit Humor Trennungen überwindet</a>. Und genauso parallel empfinde ich das Aufschreiben meiner Geschichten als mächtiges Werkzeug, nicht nur, um meine Gedanken zu ordnen, sondern auch, um ihnen den Ton zu verpassen, der mich (und andere) weitermachen lässt.</p><p>Dabei erinnere ich mich noch sehr gut an all die Ängste und Vorannahmen in meinem Kopf, die sich Ende 2020 gegen meine Idee richteten, mein Schreiben auf eigene Faust zu veröffentlichen.</p><p>Wer soll das lesen wollen? Du kennst dich doch gar nicht aus! So gut ist dein Schreiben bei weitem nicht… Ich habe diese Stimmen meine “inneren Kritiker*innen” getauft, ihnen individuelle Namen und Persönlichkeiten gegeben und kurzerhand in meinem Notizbuch über SIE geschrieben. Woher sie kommen, was sie bewirken wollen und letztlich, wieso ich nicht auf diese Stimmen hören will. Als das aus dem Weg geräumt war, musste ich nur noch einen gefühlten Bachelorabschluss in Datenschutzerklärung machen, bevor ich Cleographie endlich in die digitale Welt hinaus entlassen konnte. </p><p>Fünf Jahre später habe ich ein Sachbuch über feministische Sexualität publiziert, veröffentliche seit 2023 eigene Artikel, aber auch Interviews mit mir in führenden Medien des gesamten DACH-Raums und habe mich hauptberuflich als Schriftstellerin selbstständig gemacht. Obwohl das nie mein Ziel war. Bis es das doch wurde. </p><p>Denn der Moment, in dem nicht irgendein Jürgen aus dem Internet, sondern eine <em>echte</em> Journalistin (Hi, Charlotte ✌️) mir zum ersten Mal Feedback zu meinen Texten gab, ließ mich Verdacht schöpfen. Verdacht und Hoffnung, dass ich gut genug war, um dem Geschichten Erzählen eine echte Chance einzuräumen. Mich nicht mehr hinter “Ach, das ist doch nur ein Hobby, damit verfolge ich keine Karriereziele” zu verstecken. Die Angst vor dem Scheitern an den Grenzen des eigenen Könnens zu überwinden und mich vor allem immer wieder zum Schreiben zu überwinden. </p><p>Denn so einfach, wie das Steady Blog-Tool es hier suggeriert, ist es oft nicht:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c44ffa6f-3517-49c7-95ea-987a5bf8eaee/uploads/images/zt4vaqg63t/Screenshot_2026-01-24_201438.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Aber manchmal ist es das eben doch. Und immer ist es die Überwindung von Ängsten und Anstrengungen wert.</p><p>Deswegen möchte ich auch euch Leser*innen des Newsletters heute einmal gerne dazu auffordern, gemeinsam mit dem Stift die Träume in die Hand zu nehmen, die ihr für lächerlich, unnötig oder selbstbezogen haltet. Es startet mit dem Aufschreiben oder Erzählen der eigenen Geschichte. Und wieso sollte ihr erster Entwurf direkt zu einer Tragödie werden, wenn wir ihn genauso gut als Held*innenreise formulieren können 😉</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Wer mit dem Schreiben noch gar nicht so viel am Hut hat und sich fragt: “Schreiben, ja, aber worüber?”, dem*der möchte ich dieses kleine, aber feine Arbeitsbuch von Doris Dörrie empfehlen:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c44ffa6f-3517-49c7-95ea-987a5bf8eaee/uploads/images/w5zqzzy26h/1000078783.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>📺🎧 Und wem es bei der aktuellen international-politisch Lage zwischendurch nach ein bisschen queerem Eskapismus ist, dem empfehle ich die Serie “Heated Rivalry” bzw. diese Episode des Podcasts <em>The Rest Is Entertainment</em> dazu: <a href="https://open.spotify.com/episode/2u9F8PDJxU4MTNhDIQbr7I?si=df411e846ddf4ca5">“The Heated Rivalry Hype Explained”</a> - falls noch Unklarheiten bestehen, warum alle die Show so hot finden. Funny und klug und Eskapismus, ohne unpolitisch zu werden!</p><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>🎭 Diese Woche ginge es übrigens weiter - mit meiner Kolumne im Tagesspiegel und meinen Expeditionen zu den unterschiedlichsten Sexpartys Deutschlands 😌 Nachlesbar mit Tagesspiegel+ Abo: <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/eine-swingernacht-auf-schloss-milkersdorf-wo-ganz-normale-paare-heimlich-aus-dem-alltag-ausbrechen-15076687.html"><strong>“Eine Nacht auf Schloss Milkersdorf - Sexpartys gibt es also auch für Spießer”</strong></a> Es klingt wie eine Szene aus “Eyes Wide Shut”: ein abgelegenes Schloss, auf dem Pärchen wilde Orgien feiern. Unsere Autorin war dabei. Sie hatte sich mehr davon versprochen.</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 25 Jan 2026 10:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#23: Gelassenheit finden, behalten, überschätzen]]></title>
      <description><![CDATA[Die Feiertage um den Jahreswechsel. Zwei Wochen Tag und Nacht mit einem neuen Partner verbringen. Die Weltlage - all das fordert mehr Gelassenheit, als ich besitze... ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Feiertage um den Jahreswechsel. Zwei Wochen Tag und Nacht mit einem neuen Partner verbringen. Die Weltlage - all das fordert mehr Gelassenheit, als ich besitze. Aber ich habe meinen (augenzwinkernden) spirituellen Weg für 2026 gefunden. Ich nenne ihn: Kölsche Zen. <em>Bear with me here</em> 😉</p><p>Es ist der Silvesterabend 2025, N. und ich sind auf dem Weg zu Freund*innen. Wir freuen uns, denn wir müssen uns an diesem Abend kulinarisch um nichts kümmern - außer um das Dessert, einen wärmenden Apple Crumble. Eine kleine, aber nicht zu verachtende Verantwortung. </p><p>Da wir die Nacht auswärts verbringen werden, sitzen wir voll berucksackt in der S-Bahn. Außerdem im Gepäck zwei wichtige Taschen. In meiner die Geschenke für die Kinder, in N.s die Hauptzutaten für besagten Nachtisch. Es geht raus aus der Stadt und die Fahrt dauert eine Weile, also vertiefen wir uns beide ins Lesen. N. noch einmal mehr als ich, was mir allerdings erst klar wird, als unsere Zeit zum Aussteigen gekommen ist.</p><p>Wir raffen unsere Sachen, verlassen die S-Bahn und werden auf dem Bahnsteig von ekligem Nieselregen begrüßt. Während ich noch mit Rucksack, Tasche und meiner Kapuze kämpfe, höre ich N. hinter mir “Oh, Shit!!” rufen.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Ich drehe mich um und sehe in seine vor Schreck geweiteten Augen. Dann schauen wir beide suchend an ihm herunter, nur um festzustellen, dass etwas Wichtiges fehlt. “Wo ist dein Beutel?!”, frage ich ihn, obwohl ich es eigentlich schon weiß. Unsere Blicke richten sich zurück auf den Zug, der sich gerade mit den typischen S-Bahn-Geräuschen wieder in Bewegung setzt. Durchs Fenster sehe ich die Tasche mit dem Inhalt, der der Nachtisch für alle Gäste hätte werden sollen, einsam auf einem Sitz liegen und ohne uns weiterreisen. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=57VMB1IzLKY">Mist.</a></p><p>Wenn ich gelassen reagiert hätte, hätte ich wahrscheinlich über die Situation gelacht. Unsere Tasche voller harmloser Äpfel, die sich gerade dazu entschieden hatte, sich allein auf den Weg in Richtung Düsseldorf Flughafen zu machen, um dort zu einem verdächtigen Gepäckstück hoch zu eskalieren. Das hat Witz.</p><p>Aber ich fand’s nicht lustig in dem Moment. Ich war enorm genervt. So genervt, dass nicht einmal meine innere Autorin sich über diese potentielle Story freuen konnte. </p><p>Es kostete mich stattdessen all meine Contenance, um N. nicht auf der Stelle zur Schnecke zu machen. Schließlich hockten wir bereits seit zehn Tagen ununterbrochen aufeinander und die flügge gewordene Apfeltasche war nicht das Einzige, was bisher an meinen Nerven genagt hatte. Meine Freund*innen zu enttäuschen, die sich für uns so einen großen Aufwand mit einem schönen Abendessen machten, stand nicht auf meinem Plan und ich fühlte mich in der Verantwortung für unseren Beitrag zu einem gelungenen Abend von N. allein gelassen.</p><p>“Wieso musst du immer Sachen verlieren?”, platzte es trotz aller Mühe aus mir heraus und: “Müssen wir demnächst alles an dir festbinden, was du mitbringen sollst?” N. war die Situation sichtlich unangenehm. Er machte sich Vorwürfe und begegnete dem Ganzen genauso wenig mit Gelassenheit wie ich.</p><p>Doch dann erwähnte er beiläufig, was ihn auf der Bahnfahrt gedanklich so gefesselt hatte, dass er alles um sich herum vergaß. Und das entpuppte sich als die bisher wirkungsvollste Lektion in Gelassenheit, die mir jemals begegnet ist.</p><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><h3>Radikale Akzeptanz</h3><p>Wie schon gesagt, gelassen zu bleiben fällt mir zur Zeit nicht leicht. Dabei gibt es eine Menge Dinge, die sich auch dann nicht ändern, wenn ich mich darüber aufrege. Was also tun? Die Antwort vieler Expert*innen auf die Frage nach der Quelle der Gelassenheit ist: radikale Akzeptanz.</p><p>Letzten Monat durfte ich die <a href="https://www.louisascheel.com/">Berliner Paartherapeutin Louisa Scheel</a> für einen Artikel im SZ Magazin zum Thema “Trennungen trotz Liebe” interviewen. Als Antwort darauf, wie man es verwinden kann, wenn unterschiedliche Lebenswege der Liebe zweier Menschen im Weg stehen, fiel unweigerlich das Stichwort “radikale Akzeptanz”. In Scheels Augen ist sie der einzige Weg, um damit umzugehen, wenn das Leben einfach andere Pläne macht als man selbst.</p><p>Ansonsten drohten Bitterkeit und ständiges Hadern mit dem eigenen Schicksal. Aber wie erreicht man Akzeptanz, vielleicht sogar radikale? Louisa Scheel ist dafür unter die Zen-Buddhist*innen gegangen. Viele andere Leute gehen dafür in den Buchhandel.</p><p>Die wohl aktuell bekannteste (oder lauteste?) Stimme im Reich der Akzeptanz-Ratgeber stammt von <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mel_Robbins">Mel Robbins</a>. Sie nennt ihre Philosophie der radikalen Akzeptanz “Let Them Theory” und erläutert sie in einem gleichnamigen Buch mit dem kurzen Satz “Let them.” zu Deutsch: “Lass sie.”.</p><p>Damit ist eigentlich auch schon das Meiste erklärt, womit die Autorin Akzeptanz erreichen will: einem Mantra der eigenen Abkopplung von den Meinungen, Bewertungen, Gefühlen und Einstellungen aller Menschen um sich herum. </p><p>Das Buchcover ist auch in der deutschen Übersetzung giftgrün und leuchtet einem in fast jeder Buchhandlung aus dem Regal entgegen - ein absoluter Bestseller. Wie so viele populäre Sachbücher, die ihren Leser*innen Lösungen für drängende Lebensfragen versprechen, wird es allerdings auch viel kritisiert. Zurecht, wie ich finde.</p><p>Auf <a href="https://www.instagram.com/reel/DQJzi6KEXgt/">Social Media wird in Rezensionen</a> des Buchs bzw. von Robbins Vorträgen und Erklärungen zu ihrer Theorie oft davon gesprochen, dass die Einstellung “Wenn jemand etwas (nicht) machen/sein will, dann lass ihn*sie (“let them”)” auf den ersten Blick gut klingt und auf den zweiten wie eine Einladung zur Grenzverletzung. Oder eine Ode an die Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen und dem Handeln von Fremden, aber auch unseren Nächsten. </p><p>Vielleicht muss ich meinen Verwandten eine rechte Partei wählen lassen, weil wir in einer Demokratie leben. Aber soll ich das einfach achselzuckend akzeptieren (“lass ihn”) oder erst, nachdem ich mit ihm unsere unterschiedlichen Sichtweisen bei der Familien-Weihnachtsfeier diskutiert und ein Gegengewicht gebildet habe? </p><p>Lasse ich meine Kollegin ungebeten meine Gewichtszunahme nach den Feiertagen kommentieren und es schweigend an mir abperlen? Oder lasse ich ihr ihre Meinung, aber spreche die Übergriffigkeit in ihrer Wertung an, damit unser Arbeitsumfeld erkennt, welche Verhaltensweisen inakzeptabel sind?</p><p>Lasse ich meine Partnerin sauer auf mich sein und ignoriere sie solange, bis sie sich entscheidet, ihren Ärger loszulassen? Oder nehme ich mir kurz die Zeit und überlege, was vielleicht mein Anteil an ihrer Wut war?</p><p>Es gäbe hunderte von Beispielen, die zugegebenermaßen alle unter “pick your battles” fallen, aber die trotzdem zeigen, dass ein sofortiges “ach, ich lasse alle anderen einfach” mehr der Flucht vor sozialer Verantwortung gleicht als einer gesund-gelassenen Einstellung.</p><p>Und wenn man schon keine <em>soziale </em>Verantwortung übernehmen will, dann doch bitte wenigstens eine <em>persönliche</em>. Wir sollten erwachsene Menschen immer dazu befähigen und ermutigen, von ihren Mitmenschen Respekt vor den eigenen Grenzen einzufordern, anstatt ihnen zu raten, alles mit sich geschehen zu lassen. Wo kommen wir denn da sonst hin?</p><p>Die “Let Them Theory” kommt jedenfalls schnell an ihre eigenen Grenzen, weil klar wird, dass es einen Unterschied gibt zwischen den Dingen, die wir besser akzeptieren sollten, weil wir keinen Einfluss auf sie nehmen können. Und den anderen Dingen, die wir sehr wohl zum Besseren für uns und andere verändern können, wenn wir dazu die Initiative ergreifen.</p><h3>Die Weisheit, den Unterschied zu erkennen</h3><p>Akzeptanz kann demnach auch lähmend-gefährlich und Gelassenheit überschätzt werden, wenn sie dazu führen, dass wir keine Dinge mehr in die Hand nehmen. Keine kritische Nachfrage mehr stellen. Nicht mehr gegen Ungerechtigkeiten aufstehen. Und nicht mehr für das Eintreten, was wir für richtig halten. Allerdings gilt es, unterscheiden zu können, wann Gelassenheit angesagt ist und wann nicht. Es gibt eine Bewegung, die weiß das schon ganz lange. Und das ist nicht der Zen-Buddhismus, sondern die Anonymen Alkoholiker.</p><p>Kein Scherz. In den Treffen der meisten Gruppen, die einem sogenannten “Zwölf Schritte Programm” folgen, um jedwede Süchte und Abhängigkeiten zu bekämpfen, wird regelmäßig gebetet (ob an einen Gott gerichtet oder an eine allgemeine “höhere Macht”). Und zwar das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gelassenheitsgebet">“serenity prayer”, das “Gelassenheitsgebet”</a>. Im modernen Englischen Original geht das so: </p><p>“God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,</p><p> Courage to change the things I can,</p><p> And wisdom to know the difference.</p><p>[...]”</p><p>Auf Deutsch: </p><p>“Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,</p><p>den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,</p><p>und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.”</p><p>Der letzte Satz ist dabei ausschlaggebend: die Weisheit, unterscheiden zu können, wann Loslassen angesagt ist und wann <em>Action.</em> Ich bin fest davon überzeugt, wer das drauf hat, lebt gelassener und gleichzeitig nicht gleichgültig gegenüber der Welt oder sich selbst.</p><p>Was es also zu erreichen gilt zwischen Let-Them-Zen und totaler Selbstüberfrachtung mit Verantwortung, ist ein goldener Mittelweg. Und auf den schubste N. mich durch einen lustigen Zufall.</p><h3>Kölsche Zen</h3><p>N. und ich warten am letzten Silvestersabend gemeinsam im Regen am Bahnhof darauf, dass eine Freundin uns mit dem Auto einsammelt. Die S-Bahn mit unserem Nachtisch darin ist vor 10 Minuten abgefahren. Ich bin immer noch sauer und N. schaut weiter schuldbewusst drein.</p><p>Ich überlege laut, wie wir der Freundin gleich erklären sollen, wie das passieren konnte. Da sagt N.: “Ich war eben so sehr darin vertieft, das Kölsche Grundgesetz für dich auswendig zu lernen. Ich habe gerade versucht, mir ‘Wat fott es, es fott’ zu merken, als wir plötzlich aussteigen mussten. Und darüber habe ich die Tasche einfach vergessen…”</p><p>Erstaunt lausche ich N.s Ausführungen. Dann muss ich laut anfangen zu lachen.</p><p>Als gebürtige Kölnerin ist mir das “Kölsche Grundgesetz” schon von Kindheit an ein Begriff. Es setzt sich aus ursprünglich zehn (wie die Gebote), heute elf kurzen, humoristischen “Artikeln” zusammen, die in kölscher Mundart verfasst sind und die rheinische Lebensart beschreiben sollen. Darin geht es vor allem um den Fokus auf das Lebem im Moment, aber auch um das Vermeiden sowohl von <em>Overthinking</em> einerseits als auch von <em>Bullshit </em>andererseits.</p><p>Mit Sätzen wie “Et kütt wie et kütt” (“Es kommt wie es kommt”) wird man in Köln daran erinnert, dass nicht alles unter unsere Kontrolle gebracht werden kann und “Et es wie et es” (“Es ist wie es ist”) fordert zur Akzeptanz der aktuellen Situation auf. Aber es gibt auch Artikel wie “Wat soll dä Quatsch?” (“Was soll der Unsinn?”), die an den gesunden Menschenverstand appellieren, um nicht alles Sinnlose und Schlechte einfach hinzunehmen.</p><p>Erstere “Lebe den Moment mit radikaler Akzeptanz”-Einstellung läuft parallel zur zentralen Idee des Zen-Buddhismus. Letztere Aufforderung, auch mal Grenzen aufzuzeigen, wo es nötig ist, erinnert mich wiederum an die Eigenverantwortung des “Gelassenheitsgebets”.</p><p>Hatte der goldene Mittelweg also die ganze Zeit praktisch vor meiner Haustür gelegen? Ist “Kölsche Zen” möglicherweise die Lebensphilosophie, die mich zu wahrer Gelassenheit erleuchten wird?</p><p>In der Silvesternacht 2025/26 war das jedenfalls geschehen. Schließlich hatte N. gerade genau den Artikel auswendig gelernt (und erfolgreich zitiert!), der dazu ermahnt, die Dinge loszulassen, die nicht mehr zu retten sind: “Wat fott es, es fott” (“Was weg ist, ist weg”) - eben genau wie unser Nachtisch.</p><p>Wirklich selten habe ich so herzlich über einen Verlust gelacht wie in dieser Nacht. In diesem Sinne: <a href="https://www.chefkoch.de/rezepte/178781077721777/Apple-Crumble.html">Maach et joot, ävver nit zo off!</a></p><hr/><p>WDNJS...Sex ab 50</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat.</p><p>Das 11. Interview (kölsche Jubiläum) habe ich mit zwei Frauen gleichzeitig geführt. Louela (64) und Intelluna (60), die schon seit vielen Jahren befreundet sind und dabei sehr unterschiedliche Erfahrungen in ihrem Sexleben gemacht haben. Das hat dieses (leider hier etwas gekürzte) Gespräch zu einem wunderbaren Dialog der Pesperketiven werden lassen!</p><p>Wenn du auch einmal Teil der Interview-Reihe sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir! Los geht’s:</p><h4><em>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?</em></h4><p>Intelluna: “Entspannt, nicht mehr vorkommend.” </p><p>Louela: “Hach, bei mir ist das ganz anders. Erfüllend, lustvoll, ausprobierend, lebendig. Ich will das jetzt keine Erweckung nennen, aber schon ein wachgerüttelt Sein. Also ein sich selber Wachrütteln.”</p><p>Intelluna: “Vielleicht ergänze ich dann auch noch ein bisschen, damit man das “entspannt” und “nicht mehr vorkommend” einordnen kann. Ich hatte nämlich mit 50, sehr exakt zu meinem 50. Geburtstag, eine Reihe von kritischen Lebensereignissen.<br/>Schlagartig kam ich in die Menopause, hatte plötzlich gar keine Regel mehr. Und bin von einer heftigen Angst und Depression über Monate hinweg aus dem Leben katapultiert worden. Außerdem gab es noch eine Reihe von anderen Belastungsfaktoren. U. a. noch relativ kleine, gerade eingeschulte Zwillinge. Der Sex kam irgendwann wieder in mein Leben zurück, aber verhalten.”</p><h4><em>Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?</em></h4><p>Louela: “Ich fahre nicht mehr so viele Schleifen im Kopf: Wie muss ich performen? Wie muss ich sein? Was wird von mir erwartet? Und auch mein Körpergefühl hat sich geändert. Ich bin nicht mehr so auf der Hut, kann mit meiner Üppigkeit ganz anders umgehen. Und ich habe keine Bilder mehr von mir im Kopf, wie ich meine, dass ich gesehen werden möchte. Das hat dazu geführt, dass mir beim Sex heute völlig egal ist, wie ich aussehe oder wie ich wirke. Also insgesamt ist da mehr Ich-Bezogenheit. Es ist vom Außen ins Innen gegangen. Und wieder raus - in Form von Orgasmen.”</p><p>Intelluna: “Das ist genau, was ich mit “entspannter” meinte. Ja, da kann ich einiges unterschreiben. Die Performance war nicht mehr so wichtig und umso weniger, weil ich mit 50 seit 10 Jahren mit meinem heutigen Mann zusammen war und es keine anderen Sexualpartner gab. Deswegen war unser Sex weniger lustorientiert, weniger ein “Boah, lass es uns tun jetzt sofort”, sondern mehr ein “in tune” sein, ein Synchronschwimmen. Aus Lustbefriedigung als Motivation für Sex wurde die Sehnsucht nach dem zusammen schwimmen.”</p><h4><em>Worauf willst du heute beim Sex (nicht mehr) verzichten?</em></h4><p>Intelluna: “Ich möchte gerade auf Sex verzichten dürfen.”</p><p>Louela: “Das finde ich auch wichtig. Auf Sex verzichten zu dürfen, ohne mich als Neutrum oder mit so einer negativen Konnotation asexuell zu fühlen. Ich fühle mich sehr sinnlich, ich habe auch ein Gespür für Erotik, aber ich möchte zur Zeit nicht mit einer anderen Person - auch kaum mit mir selbst - sexuell interagieren.</p><p>Ich möchte allerdings nicht mehr darauf verzichten, wenn ich Sex habe zu unterscheiden, wann ich bei mir bin und wann ich lustgebend bin. Ich meine jetzt nicht bei Solosex, sondern bei Sex mit einem Partner oder einer Partnerin. Also dieses Hingeben an so etwas Fließendes beim Sex, darauf will ich auf keinen Fall wieder verzichten. Und auch nicht auf das, was ich mir da geschaffen habe an Ich, Ich, Ich. Aber auch nicht auf die Phasen, wo ich nicht nur Ich, Ich, Ich bin. Diese große Bandbreite, darauf will ich auf keinen Fall mehr verzichten - und nicht auf diese Flexibilität.”</p><h4><em>Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?</em></h4><p>Louela: “Er ist mir heute wichtiger, weil mir viel klarer ist, was dabei für mich ist. Ich bin auch mutiger im Sinne davon, was ich alles ausprobieren will. Nicht, dass ich das alles schon ausprobiert hätte oder vor nichts mehr zurückschrecke. Aber ich habe viel mehr Gefühl dafür und deswegen ist Sex lustvoller.</p><p>Und auch diese Verbindung zu Bindung. Einfach nur Sex aus Lust zu haben, ging früher nicht. Das musste legitimiert sein durch eine Verbundenheit mit dem Partner. Also nicht, dass es nicht erlaubt war, verschiedene Partner zu haben. Aber es war für mich gekoppelt an Bindung. Also Sex ging nur, wenn ich mir eingebildet habe oder das Gefühl hatte, ich bin verliebt. Oder ich will mehr von dem. Mach mir ein Kind, bau mir ein Haus, kauf mir einen Porsche - diese Art von Sinn in Verbindung. Der Zwang ist bei mir heute nicht mehr vorhanden.”</p><p>Intelluna: “Mir war Sex mit 50 unwichtiger als mit 30. Tatsächlich folgerichtig aus dem vorher Gesagten. Mit 30 war viel mehr Lust und Neugierde, Abenteuerlust da. Aber durchaus auch diese Bindungs-Konstrukte.  Ich habe mich oft dabei ertappt mit einem Typ erst mal Sex zu haben in dem Wissen, dass das eine vorüberziehende Figur ist. Um hinterher festzustellen, dass sich da schon wieder ein Teil von mir verknallt hat. Wie schrecklich! Muss das sein? Warum passiert das in mir? Es hat mich aber Gott sei Dank - obwohl ich auch intensiv auf Beziehungssuche war - nicht daran gehindert, phasenweise viele wechselnde Sexualpartner zu haben. Mit mehr oder weniger intensiver Lust. Es war einfach eine starke Bindungssehnsucht in mir.”</p><h4><em>Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</em></h4><p>Intelluna: “Ich wundere mich, dass mein physisches und emotionales Interesse an Sex tatsächlich so gesunken ist. Weil ich davon ausgegangen bin und das in den Jahrzehnten vorher so auch in meiner Umgebung wahrgenommen habe, dass selbstverständlich auch die Frau oder die Paare im fortgeschrittenen Alter Sex haben. Und auch haben sollen, weil das ein Zeichen seelischer und sonstiger Gesundheit sein soll, dass Menschen bis ins hohe Lebensalter sexuell aktiv bleiben. Und dass das bei mir jetzt so anders geworden ist, wundert mich.</p><p>Klar, das Biografische ist natürlich immer sehr individuell, aber mir hat irgendwie keiner gesagt, dass das passieren kann. Tatsächlich habe ich mich noch wahnsinnig gefreut, als meine Regel ausblieb und die Gynäkologin mir gesagt hat, jetzt sind Eisprünge auch mit größter Sicherheit auszuschließen. Da dachte ich: “Hurra, endlich kein Verhütungsthema mehr! Und die Kinder sind groß!” Ich dachte, jetzt geht es ab! Was haben wir darauf gefiebert, wenn die Kinder aus dem Haus sind, endlich mal Zeit zu haben, ohne sich etwas erschleichen zu müssen. Aber jetzt kommt unser Sex überhaupt nicht mehr in Gang. </p><p>Was mir jetzt gut tut, ist, auch von der einen oder anderen Frau oder Freundin zu hören, dass ich nicht die Einzige bin, bei der das sexuelle Interesse so nachgelassen hat. Aber ich hätte mir gewünscht, dass mir das vorher einfach als eine Option vorgestellt wurde: Verlust der Lust kann passieren. Ein Teil von mir findet das auch okay und ich spüre kein schmerzhaftes Vermissen. Aber es gibt einen anderen Teil von mir, der es gerne so aufblühend erleben würde wie Louela. Der denkt, es wäre auch schön, wenn ich das mit meinem Mann auf diese entspannte Art leben könnte. Also ein Bedauern ist da, aber kein Leidensdruck.”</p><p>Louela: “Also ich habe nicht gehört, dass Sex später so aufblühen kann. Ja, dass er mit 50 nochmal aufblühen kann vielleicht, aber ich bin nun immerhin 64 und gucke immer noch nach und frage mich, ist mein Sex noch da? Und er ist noch da. Dabei sagen doch eigentlich alle, im Alter kommt ein irrer Libidoverlust und die Unsichtbarkeit. Ich freue mich, dass ersteres bei mir nicht so ist.</p><p>Allerdings stimmt es, dass ich als Frau unsichtbarer werde und das kotzt mich an! Besonders in dem Wissen darum, wie attraktiv ich früher war und, dass ich das nicht bewusst ausgelebt habe. Das ist wirklich so ein ganz tiefes Gefühl von: “Mist! So ein Scheiß, was für ein Ärger!” Wenn ich das damals gewusst hätte, dann hätte ich das, was ich jetzt an Gefühl habe… Boah, ich hätte es so genießen können. Wie schade, wie schade, wie schade. Und ja, ich werde unsichtbarer. Dummerweise. Und ich höre aber immer mehr Frauen unseres Alters, die sagen, sie möchten so gerne mehr über ihre Weiblichkeit reden. Die jungen Frauen machen das jetzt Gott sei Dank endlich und noch mehr. Vielleicht haben wir dafür ja ein Stück den Weg bereitet.”</p><p>Dessen bin ich mir ganz sicher, liebe Louela. Danke dafür und auch dir, liebe Intelluna, für euer Vertrauen und eure Offenheit. Eure Erfahrungen zeigen ganz eindrücklich, wie individuell die Erwartungen an ein Sexleben ab 50 sein können und wie viel mehr die Betonung hierbei auf dem Leben liegen kann als auf Sex. Es ist toll zu sehen, dass Zufriedenheit trotz allem immer möglich ist.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Passend zur Erwähnung der Kritik an Mel Robbins Buch und Konzept zur “Let Them Theory” möchte ich hier den Podcast <a href="https://open.spotify.com/show/2khJBoF73ujIATWUFtSxLD?si=5de4de94f97b460a">“If Books Could Kill”</a> empfehlen. Die beiden Hosts lesen und zerpflücken (meistens Amerikanische und rechts-konservativ geprägte) Sachbücher, damit wir es nicht müssen. <a href="https://open.spotify.com/episode/2RupLQH4eBnUX4mo1zAAFz?si=41b27e22fc954f58">Hier die Folge zu Robbins</a>, die den wunderbaren Kommentar enthält, dass es kein ganzes Buch braucht, um den Satz “Let them.” zu erklären 😉</p><p>Übrigens gibt’s in letzter Zeit für mich noch einen anderen Weg, über den ich mehr Gelassenheit erreiche: weniger Screentime. Und nein, es ist keine Realitätsflucht, wenn man Apps hinter sich lässt, die dazu designed wurden, uns vornehmlich die Inhalte auszuspielen, die uns wütend und traurig machen. Wen interessiert, was genau dahinter steht und wie das (soziale) Netz sich in den letzten Jahren verändert hat, der empfehle ich die Folge<a href="https://open.spotify.com/episode/2ix6fwfsPnzM7gBmTaNqTv?si=b925fc5d8709405a"> “Internet bad”</a> von <em>Today, Explained</em>.</p><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>In der Winterpause ist meine Artikel-Premiere beim SZ Magazin erschienen! 🎉</p><p>Wer diesen Newsletter schon länger verfolgt, erinnert sich vielleicht an die <a href="https://steady.page/de/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/747051bb-93b1-4325-8a46-663ec14bac15">Ausgabe über bewusste und unbewusste Abschiede</a>. In diesem Artikel habe ich von eben dieser und anderen Trennungen trotz Liebe erzählt und gemeinsam mit Paartherapeutin Louisa Scheel herausgestellt, wie man diese besondere Art des Liebeskummers gut verarbeiten kann. Der Artikel ist mit SZplus Abo lesbar und lohnt sich wirklich. I literally poured my heart into it: <a href="https://sz-magazin.sueddeutsche.de/liebe-und-partnerschaft/trennung-wider-willen-trotz-liebe-95748?reduced=true">“Wir waren ein Traumpaar - dann kam das Leben dazwischen”</a>.</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 11 Jan 2026 08:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#22: (Kein) Bock auf Jahresrückblicke]]></title>
      <description><![CDATA[Bleibt mir weg mit Spotify-, YouTube- oder Duolingo-Wrapped. Auch Posts über das 2025 eurer Instagram-Persönlichkeiten interessieren mich nicht. Aber sie haben einen Sinn]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Bleibt mir weg mit Spotify-, YouTube- oder Duolingo-Wrapped. Auch Posts über das 2025 eurer Instagram-Persönlichkeiten interessieren mich nicht. Denn ich will weder das Geschäftsjahr großer Unternehmen feiern, noch die kuratierten Highlights eines Jahres sehen, das so nur auf Social Media stattgefunden hat.</p><p>Und trotzdem verstehe ich, warum man das postet: Jahresrückblicke sind wie abgehakte To-Do-Listen für die Seele. Wir posten sie nur eben ausschließlich für uns selbst anstatt für andere.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p><p>Ich habe schon vor Ewigkeiten aufgehört, &quot;Das Jahr 20XX im Rückblick”-Shows im Fernsehen zu schauen, denn irgendwie bringt mir das nichts. Meistens schickt jeder Sender viel zu früh im Jahr die überall gleichen Archivbilder ins Rennen, weil alle die ersten sein wollen, da alle das selbe zeigen. Bilder von Naturkatastrophen oder Wahl-Katastrophen oder Terror-Anschlägen oder Großevents werden mit emotionaler Musik unterlegt und ohne Übergänge hintereinander abgespult. Mit dem Ziel, ein kollektives, sentimentales Erleben in Deutschland zu simulieren, das es so in einer Gesellschaft gar nicht gibt, in der sich die Generationen, die Geschlechter oder die politischen Lager gegenseitig ständig die Schuld für Missstände in die Schuhe schieben.  </p><p>Ja, erinnern ist wichtig. Gleichzeitig ist die Entscheidung, was wichtig zu erinnern ist, etwas sehr persönliches. Diese Auswahl TV-Produktionen zu überlassen, schafft bei mir kein Gefühl von Gemeinschaft. Stattdessen macht es den Eindruck, dass wir in Parallelgesellschaften leben, die voneinander nicht viel mitbekommen.</p><p>Aber auch individuelle Jahresrückblicke wecken dieses Jahr keine guten Gefühle in mir. Trotzig und desinteressiert scrolle ich durch meinen Insta-Feed und wische alles schnell weg, was auch nur annähernd nach einem “Das war 2025”-Post aussieht. Und so unspannend wie ich die High- und Lowlights des öffentlichen Lebens semi-fremder Menschen (oder schlimmer noch, Unternehmen) finde, so sehr nerven mich auch die Beiträge und Spruchkacheln zum Thema “Vergleiche bauen Druck auf, deshalb poste ich nichts”.</p><p>Es stimmt wahrscheinlich. Wenn man den ganzen Tag darüber liest, was andere Leute alles in einem Jahr erreicht haben, setzt man das sicher unweigerlich auch zu den eigenen Vorsätzen und Errungenschaften in Beziehung. Und egal wie wenig man über die tatsächliche Vergleichbarkeit zweier Leben oder Karrieren weiß, das Gefühl, mit manchen Plänen gescheitert zu sein oder nicht genug erreicht zu haben, kann schneller angeflogen kommen als eine Erkältung im nasskalten deutschen Winter.</p><hr/><p>Spendenaufruf</p><p>Anstatt heute um Support für diesen Newsletter zu bitten, möchte ich deine monetäre Aufmerksamkeit auf die folgenden Projekte lenken.</p><p>Durch die Initiative “<a href="https://frauengegenmerz.de/">Frauen gegen Merz</a>” wurden drei Organisationen ausgewählt, für die um Weihnachts-Spenden gebeten wird:</p><p>🌟 “<a href="https://www.betterplace.org/de/projects/117232-frauenhaeuser-und-beratungsstellen-zugang-fuer-alle-frauen">Frauenhäuser und Beratungsstellen: Zugang für ALLE Frauen</a>“ (ein Projekt von Frauenhauskoordinierung)</p><p>🌟 “<a href="https://www.betterplace.org/de/projects/159022-femizide-verhindern-durch-wegweisende-gerichtsverfahren">Femizide verhindern – durch wegweisende Gerichtsverfahren</a>“ (ein Projekt von Jumen)</p><p>🌟 “<a href="https://www.betterplace.org/de/projects/158559-neuer-truck-fuer-griechenland">Neuer Truck für Griechenland</a>“ (ein Projekt von ROSA – Rolling Safespace)</p><p>Ich danke dir sehr herzlich auch im Namen von “Frauen gegen Merz” für deine Spende!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Aber ist es deshalb hilfreich, von anderen zu lesen, dass sie keinen Rückblick veröffentlichen, um sich nicht zu vergleichen? Naja, geht so. Denn der Diskurs über den Nicht-Vergleich führt auch wieder zum Vergleich. Und zwar, weil man sich als Leser*in auch wieder zum Inhalt solcher Statements in Beziehung setzt.</p><p>Vielleicht fühlt man sich dann schlecht, dass man seine 2025-Erfolge öffentlich gefeiert und andere damit womöglich unter Druck gesetzt hat. Vielleicht fühlt man sich gekitzelt, auch zu posten, dass man ja lieber auf die Gefühle anderer achtet <em>aka</em> ein besserer Mensch ist. Und am Ende füttern alle nur ein privates Unternehmen mit ihrer kostenlosen <em>Content Creation</em>. </p><p>Heißt das also, wir sollten Jahresrückblicke generell deswegen besser sein lassen? <em>Absolutely not.</em></p><p>Die Tatsache, dass die halbe Welt jedes Jahr begeistert ihr Spotify-Wrapped postet, obwohl alles in einer Flut von identisch aussehenden <em>Share Pics</em> untergeht, zeigt, dass Jahresrückblicke sich offenbar für viele ziemlich gut anfühlen. Woran kann das liegen?</p><p><a href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/psychische-gesundheit-wie-jahresrueckblicke-helfen-koennen">Die psychologische Forschung zum Thema “Nostalgie” kennt einige Gründe</a>: das Gefühl von Verbindung über gemeinsame Erinnerungen, Stolz auf Errungenschaften oder heilende Verarbeitung negativer Erfahrungen - nicht zuletzt, um positiv und motiviert in die Zukunft schauen zu können.</p><p>Und das ist nicht nur, warum Rückblicke sich so befriedigend anfühlen können wie eine abgearbeitete To-Do-Liste. Das ist auch der Unterschied zwischen kuratierten Jahresrückblicken zur <a href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/2024-warum-wir-einen-jahresrueckblick-brauchen-oder-eben-nicht">Selbstdarstellung auf der einen und Reflektion</a> zur Verbesserung der psychischen Gesundheit auf der anderen Seite.</p><p>Das Geheimnis liegt nicht im vermiedenen Vergleich (auch nicht zum Vergangenheits-Ich), sondern in der Wertung(sfreiheit). Wer direkt bewertet, anstatt erstmal nur Revue passieren zu lassen, baut Druck auf. Ganz egal, ob auf sich selbst oder öffentlich auf andere. Druck, der mit Blick auf die Zukunft genauso gut motivieren wie de-motivieren kann. Das kommt, wie so häufig, sehr auf die eigene Persönlichkeit und Situation an.</p><p>Zum Jahresabschluss möchte ich also gerne kollektiv daran erinnern, dass Selbstreflektion ohne Wertung und im Stillen auch eine gute Idee sein kann. Ein eigener Jahresrückblick, ganz ohne ihn groß zu veröffentlichen. Weil uns das von dem Gefühl befreit, überperformen oder sich für gescheiterte Pläne schämen zu müssen. Oder eben für die peinliche Wahrheit über das eigene meistgehörte Musik-Genre 😉</p><hr/><p>Blog</p><p>Ganz im Sinne des Jahresrückblicks und des Geistes der vergangenen Weihnacht, verschenke ich heute meinen erfolgreichsten Artikel von 2025:</p><h2>Das passiert wirklich bei Play Partys: Manche Gäste brauchen vom Smalltalk bis zum Sex nicht länger als eine Viertelstunde</h2><h4>In fast allen deutschen Großstädten treffen sich Leute, um gemeinsam Sex zu haben. Aber wie kommt man da rein? Ist das sicher? Und was zieht man eigentlich an? Unsere Autorin war bei einer dabei.</h4><p>Etwas zu hastig drücke ich die Klingel einer Friedrichshainer Altbauwohnung und trete einen Schritt von der Tür zurück. Zurück in den Schutz der kleinen Gruppe von Freund*innen, mit denen ich eine sogenannte “Play Party” besuchen will. Wir sind zu viert, zwei Frauen und zwei Männer. Zwei von uns sind ein Liebespaar. Alle von uns sind nervös. </p><hr/><p>Ankündigung</p><p>Ich gönne mir eine kleine Pause zwischen den Jahren. Deswegen erscheint der nächste Newsletter ausnahmsweise erst <strong>in drei Wochen</strong> am 11. Januar 2026.</p><p>Bis dahin wünsche ich ein erholsames Jahresende und einen guten Rutsch!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Aber was genau ist eigentlich eine sogenannte “Play Party”? Das sind Events, bei denen sich beliebig große Gruppen Erwachsener aller Geschlechter und sexuellen Orientierungen im privaten oder öffentlichen Rahmen treffen, um miteinander intim zu werden. Diese Intimität kann die unterschiedlichsten Formen annehmen: Manche wollen kuscheln, andere wollen sich auspeitschen oder von mehreren Menschen gleichzeitig verwöhnen lassen. Und wieder andere möchten ihnen dabei zusehen. </p><p>Die Vielfalt der Möglichkeiten scheint endlos groß zu sein. Entsprechend schwierig ist es, im Vorhinein einzuschätzen, worauf man sich bei der nächsten Play Party gefasst machen darf. Nervöse Erwartung und schüchterne Vorfreude sind also vorprogrammiert, völlig normal und gehören zum Reiz solcher Veranstaltungen dazu.</p><h4>Sex der Zukunft</h4><p>Unterdessen öffnet sich meinen Freund*innen und mir im Friedrichshain mit der Wohnungstür auch die futuristisch gestaltete Welt des <a href="https://cybrothel.com/de/cybrothel">Cybrothels</a>, Berlins erstem Puppenbordell. Bestückt mit fast lebensechten Sexpuppen, hyperrealistischen Wand-Projektionen und VR-Brillen für den beinahe hautnahen Porno-Genuss soll das Etablissment einen Eindruck vom Sex der Zukunft vermitteln. </p><p>Hinter den Kulissen in der Kaffeeküche hängen die gesäuberten, kopflosen Puppen an Haken von der Decke und verbreiten eher die Atmosphäre einer altmodischen Fleischerei anstatt einer heißen Zukunftsfantasie. Aber wir sind ja heute nicht wegen der Puppen, sondern wegen der Menschen hier.</p><p>Die Menschen, unter die wir uns jetzt mischen, sind queer, international und extrem leicht bekleidet. Sie verteilen sich auf die Fläche von drei &quot;Playrooms&quot;, die meine Freund*innen und ich als erstes neugierig und ein bisschen ruhelos durchstreifen. Die anderen Gäste lassen gelöst die Korken knallen und unterhalten sich angeregt. Manche Männer stehen unbeholfen daneben. Aber die meisten Leute bewegen sich routiniert durch die Räume, in denen in jeder Ecke Kondome in allen Größen und Farben verteilt liegen. </p><p>Die Souveränsten unter den Gästen braucht es vom Smalltalk bis zum Hook-up oft nicht länger als eine Viertelstunde. Wie Sexparty-Dauercamper, die jedes Wochenende vor den Augen fremder Leute zum Höhepunkt kommen.</p><h4>Die Regeln der Play-Parties</h4><p>Ich hingegen bin mir sicher, dass mir die Reizüberflutung ins Gesicht geschrieben steht. Zwar ist das nicht meine erste Sexparty, aber trotzdem kostet es mich viel Überwindung, das Knäuel aus sechs nackten Menschen nicht offen anzustarren, das sich auf einer der extra ausgelegten Matratzen auf dem Boden gebildet hat. Dabei ist uneingeladenes Starren ein klassischer Anfängerfehler. Weswegen ich mich schnell selbst daran erinnere, was ich über die Etiquette auf Sexparties weiß:</p><p>Achtsamkeit und Rückversicherung sind immer eine gute Strategie. Sowohl in der zwischenmenschlichen Kontaktaufnahme, als auch im Konsum von Rauschmitteln. Sexclubs und Play-Parties sind Räume, in denen Menschen sich sehr verletzlich zeigen - auch wenn alles erst einmal super abenteuerlich und draufgängerisch aussieht. Deswegen ist der wichtigste Skill auf einer Sexparty nicht, stundenlang Sex haben zu können. Sondern zu erkennen, wo die eigenen und anderer Leute Grenzen liegen. Und sie natürlich zu respektieren.</p><p>Denn wenn eines auf Play Parties nicht gut ankommt, dann ist das Übergriffigkeit. Die meisten sexuell offenen Räume dieser Art, egal ob öffentlich oder halbprivat, predigen das Abklären von Einvernehmlichkeit vor jeglicher Handlung als oberstes Gebot. Wer sich nicht daran hält oder andere Gäste diskriminiert, kommt nicht gut an und fliegt raus. Und kommt auch so schnell nicht wieder rein. </p><p>Ein Umstand, der dazu führt, dass ich selten so viele respektvolle Gesprächseinstiege oder rücksichtsvolle One-Night-Stands erlebt habe, wie auf solchen Parties. Offenbar ist die ganze Konsens-Thematik doch nicht zu viel verlangt, wenn die Alternative lautet, dass man sonst nicht an der Party teilnehmen darf.</p><p>Deswegen kommt es auch nicht zu dramatischen Szenen, wenn das Angebot zum intimen Kontakt einmal abgelehnt wird. Als ich mich ohne meine Gruppe daran mache, einmal die VR-Brillen auszuprobieren, setzt sich ein Mann neben mich. “Hi”, sagt er, “du bist mir aufgefallen.” Er streckt mir seine Hand entgegen. Nachdem ich mich auch vorgestellt habe, fragt er ohne Umschweife, ob ich Lust habe, ihn zu berühren und deutet zwischen seine Beine. Leicht überrumpelt sage ich: “Nein, danke” und drehe mich weg. Einen Moment später ist er verschwunden. Dass ein Mann einen Korb so nonchalant und ohne Widerrede akzeptiert, habe ich bisher nur auf Sexparties erlebt. Diese Art der lieblosen und beinahe geschäftsmäßigen Anmache gibt’s aber wahrscheinlich auch nur dort.</p><h4>Talk dirty to them</h4><p>Dabei gilt auch auf Play Parties, der erste Eindruck zählt - und darf auch gerne charmant sein. Wem der Einstieg ins Gespräch mit fremden Menschen schwer fällt, könnte davon profitieren, die nächste Sexparty in Begleitung zu besuchen. Auf diese Weise kann man sich etwas sicherer fühlen. Außerdem wirkt es einladender für andere, wenn sich zwei Menschen bereits angeregt unterhalten und man locker zum Gespräch dazustoßen kann.</p><p>Was ich zudem empfehlen würde, ist Übung beim Sprechen über sexuelle Grenzen und Vorlieben. Wem Begriffe, die Körperteile oder Sexpraktiken beschreiben, schwer über die Lippen gehen, sollte im Vorhinein das laute Aussprechen genau dieser Ausdrücke üben. Denn es gibt wenig Unpraktischeres auf einer Sexparty als plötzliche Sprachlosigkeit, wenn man eigentlich gerade mit dem Spaß loslegen will. Selbst wenn es zu zweit im Schlafzimmer oft auch ohne viele explizite Begrifflichkeiten klappt, auf einer expliziten Party mit fremden Menschen in einvernehmlichen, intimen Kontakt zu kommen, wird noch mehr Kommunikation erfordern, als beim Sex zu zweit schon ratsam ist.</p><p>Aber bitte nicht einfach rücksichtsvolle Kommunikation mit schüchterner Zurückhaltung verwechseln! Wer als Frau alleine auf eine Sexparty geht, wird wahrscheinlich wenig Schwierigkeiten haben, mit den anderen Gästen in Kontakt zu kommen - die sprechen eine einsame Dame gerne an. Wer aber als Mann alleine kommt, der muss schon etwas offensiver werden.</p><p>Das heißt allerdings nicht, dass man mit der Tür ins Haus fallen und ohne Umschweife Sex anbieten sollte. Sich jedoch offen gegenüber einer angeregten Unterhaltung zu zeigen und zunächst einmal mit interessierten Fragen ein Gespräch auf Smalltalk-Ebene zu eröffnen, ist immer eine gute Idee. Ob die Gesprächspartner*innen an mehr interessiert sind, lässt sich dann durchaus schnell feststellen. Schließlich sind (im Gegensatz zu einem normalen Club) die Gäste einer Play Party alle aus demselben Grund vor Ort: Bock auf Sex. Also keine falsche Scheu! Die Klassiker “über wen bist du auf diese Party eingeladen worden?” oder “hast du sowas schon einmal gemacht?” können schon ein ausreichender Anfang sein.</p><h4>Sexparty, ja! Nur wie?</h4><p>Apropos Einladung. Wie kommt man eigentlich auf eine Sexparty? Und was zieht man an? Zweiteres ist wichtiger, wenn man versucht, Zutritt zu einem öffentlichen Sexclub zu bekommen. Straßenkleidung wird einem dort keine Türen öffnen, aber keine Sorge: Berlin hat genug Geschäfte, in denen man Fetish-Kleidung erwerben kann. Gerade für Männer! </p><p>Aber auch auf einer privaten Play Party wirkt es attraktiv, wenn die Gäste aussehen, als hätten sie etwas Mühe in ihr Outfit gesteckt. Man kann zwar in normaler Unterhose und Socken teilnehmen, aber welche Gelegenheit wäre besser, um es vielleicht einmal mit einem feschen Latex- oder Lederhöschen zu probieren? Ein bisschen Glitzer hat auch noch nie geschadet, aber wichtig ist, dass man sich nicht unwohl fühlt. </p><p>Jedenfalls kann besonders sexy-funktionale Kleidung mit Reißverschlüssen oder Löchern an den interessantesten Stellen einen tollen Einstieg in den nächsten Flirt bieten! </p><p>Und hat man erstmal im Sexclub mit den richtigen Partygästen angebandelt, lässt die Einladung zur nächsten Privatveranstaltung meistens nicht mehr lange auf sich warten. Wer allerdings öffentliche Events in Kitty &amp; Co. lieber überspringen möchte und noch nicht von der Kreuzberger Nachbarin in die Swinger-WhatsApp-Gruppe eingeladen wurde, dem empfehle ich auf Webseiten wie z. B. Joyclub nach Play Parties Ausschau zu halten. Das Vorgehen dort ist ähnlich wie beim online Dating: Mit einem ansprechenden Profil, das mit ansehnlichen Bildern ausgestattet ist, klappt es dann auch mit dem Besuch der nächsten privaten Sexparty.</p><p>Mir persönlich gefällt die intimere und persönlichere Atmosphäre solcher kleinen Events deutlich besser als die großen Clubs. Die Action wirkt im kleineren Rahmen weniger performativ auf mich und mit einer geringeren Anzahl an Gästen ist auch schnell klar, ob jemand dabei ist, mit dem*der man sich mehr Nähe wünscht. Und auch für alle, denen es schwer fällt, unter Beobachtung eine Erektion zu halten, kann ein privater Kontext mit weniger Gästen angenehmer sein.</p><p>Im Friedrichshainer Cybrothel ließ die Reizüberflutung bei mir jedenfalls nach ca. einer Stunde endlich nach und hinterließ stattdessen Lust auf neue Entdeckungen. Praktischerweise setzte ich mich im nächsten Raum zufällig genau neben einen gutaussehenden Mann, der meine neu entfachte Begeisterung für lustvolle Technik teilte. Eine kurze Unterhaltung genügte, um zu festzustellen, dass wir uns sympathisch waren. Und im nächsten Moment stürzten wir uns auch schon gemeinsam ins Getümmel.</p><hr/><p>WDNJS</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat.</p><p>Das hier ist schon Interview Nummer 10 in der Reihe und so langsam holen die Berichte aus männlicher Perspektive ein bisschen auf! Egon (50+) war nicht nur so cool, mein Buch “Gleichstellung” zu lesen, er hat mir auch Rede und Antwort zu männlicher Lust über 50 gestanden.</p><p>Wenn du auch einmal Teil der Interview-Reihe sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir! Los geht’s:</p><h4><em>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?</em></h4><p>Egon: “Bedingungslose <em>Liebe</em>, das Leben feiern, Slowsex, Mut und Gnade.”</p><h4><em>Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?</em></h4><p>Egon: “Viel bewusster. Ich erkenne und erlebe, welch ein großartiges Geschenk es ist, Sexualität mit einem anderen Menschen zu teilen.”</p><h4><em>Worauf willst du heute beim Sex (nicht mehr) verzichten?</em></h4><p>Egon: “Auf meine Ejakulation und mein Ego möchte ich heute verzichten, um das sinnliche Spiel zu verlängern, den Orgasmus vor oder nach der Ejakulation zu erleben und immer wieder reinspüren zu können: Welche Gefühle durchströmen mich gerade? Wie erlebe ich mein Gegenüber? Auch um das Abschweifen in Kopfkino zu vermeiden oder eben als Kino wahrzunehmen…”</p><h4><em>Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?</em></h4><p>Egon: “Weniger ist mehr. Sex ist nicht unwichtiger geworden, aber da ist weniger Verlangen. In dem Sinne, dass die Akzeptanz leichter fällt, wenn Sex nicht so häufig stattfindet.</p><p>Was heute immer noch wichtig ist, ist mehr Nähe und ein bewusstes Begegnen mit dem Gegenüber.”</p><h4><em>Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</em></h4><p>Egon: “Wie schön es sein kann... Tendenz: Es wird immer schöner.”</p><p>Danke für diesen ermutigenden und Lust machenden Ausblick auf Sex über 50, lieber Egon! Nach 10 unterschiedlichen Perspektiven überwiegt der Eindruck, dass Genuss und Gelassenheit mit ansteigendem Alter auch beim Sex im Vordergrund stehen - ganz egal, ob die Lust ansteigt oder abnimmt.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>🎧 Eine Hörempfehlung mit Warnung: Dieser Inhalt macht wirklich schlechte Laune und ist trotzdem extrem wichtig zu wissen.</p><p>Die Nachricht und ihre zugrunde liegende Recherche, die mich dieses Jahr am nachhaltigsten schockiert und bewegt hat, ist in der <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:174ee31947f3b8fe/">Podcast-Serie “Rape Tapes” bei 11KM Stories</a> in 5 kurzen Folgen festgehalten worden. Die (mittlerweile verdient preisgekrönten) Investigativ-Journalistinnen Isabell Beer und Isabel Ströh dokumentieren seit Jahren deutsche Netzwerke von Vergewaltigern, die ihre Opfer (meistens ihnen nahestehende Frauen aus demselben Haushalt) á la Pelicot regelmäßig betäuben, sexuell missbrauchen und sich darüber im Netz mit anderen Tätern austauschen.</p><p>Es ist schrecklich, es ist überhaupt keine Seltenheit und es ist ongoing. Was die deutschen Behörden dagegen tun oder auch nicht tun, wird in der Mini-Serie herausgestellt. Du lebst mit einem Mann in einem Haushalt? Dann nimm dich in Acht. Diese Frauen haben ihren Partnern, Brüdern, Vätern oder Söhnen auch vertraut.</p><p>📚 Wer sich diesen Podcast anhört, hat zwischendurch ein wenig Realitätsflucht in gute Literatur nötig. Meine Buchtipps sind tatsächlich nicht die besten Reads aus diesem Jahr - denn ich habe sie alle schon letztes Jahr gelesen. Aber es sind Erzählungen, an die ich das ganze Jahr hindurch immer wieder gedacht habe. Und was könnte eine bessere Referenz für ein Buch sein?</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f4ec4017-bd78-4624-abed-7a3980eab567/uploads/images/gc4qx5jz5w/1000074450.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f4ec4017-bd78-4624-abed-7a3980eab567/uploads/images/k3xjjhabgq/1000074451.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f4ec4017-bd78-4624-abed-7a3980eab567/uploads/images/cwiamuc6rh/1000074452.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Alle drei machen sich tatsächlich auch wirklich gut unterm Weihnachtsbaum, wobei “Bin nebenan” wirklich jedem geschenkt werden kann und “Auf Allen Vieren” vielleicht nicht unbedingt dem seltsamen Onkel 😉</p><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>Für WELT Lifestyle habe ich meine Eindrücke von einem Besuch bei einer professionellen Dominatrix geschildert und die Sexualmedizinerin Dr. Stephanie Kossow um eine Einordnung der Ereignisse gebeten: <a href="https://www.welt.de/iconist/partnerschaft/plus6936c6ecc3b4893a9e2b1e84/bdsm-ab-jetzt-werdet-ihr-nicht-mehr-sprechen-ausser-die-herrin-fordert-euch-auf-besuch-bei-der-domina.html">“Ab jetzt werdet ihr nicht mehr sprechen, außer die Herrin fordert euch dazu auf!”</a> (Paywall)</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 21 Dec 2025 08:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#21: Kontraste zulassen, bewältigen, schaffen]]></title>
      <description><![CDATA[“Dich trifft gleich ein Kontrast”, flüsterte mir letztens meine Masseurin zu, bevor sie ihre entspannende Berührung meiner Schultern unterbrach. Sie wollte mich darauf…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>“Dich trifft gleich ein Kontrast”, flüsterte mir letztens meine Masseurin zu, bevor sie ihre entspannende Berührung meiner Schultern unterbrach. Sie wollte mich darauf vorbereiten, dass der tranceartige Zustand enden würde, den ihre Massage bei mir unweigerlich auslöst.</p><p>Und so war es auch. Auf einmal fehlte mir die beruhigende Wärme ihrer heilenden Hände, die mich ununterbrochen durch die letzte Stunde begleitet hatten. Auch unsere Verbindung war plötzlich nicht mehr spürbar und ich kam langsam wieder in der weniger entspannenden Realität an. Schade.</p><p>Das war zwar alles keine Tragödie und auch irgendwie erwartbar - schließlich kommt auch die schönste Massage leider irgendwann zu ihrem Ende. Aber trotzdem hatte sie mich auf eine kommende Veränderung aufmerksam machen wollen, die zu managen, mir wahrscheinlich nicht ganz leicht fallen würde. Und ihr Satz, den ich so vorher noch nie in meinem Leben gehört hatte, hallte noch lange in meinem Bewusstsein nach. </p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Denn zu hören, dass jemand anderes eine Veränderung in meinem Erleben ernst nimmt und als etwas versteht, mit dem ich irgendwie umgehen muss, etwas, wofür ich Resilienz und Kraft aufwenden können muss… Das fühlte sich tröstlich an und irgendwie schön.</p><p>Die Menge an Empathie, die in diesem Satz lag, rührte mich an und gleichzeitig stellte ich mir die Frage, wann ich das letzte Mal in dieser Art und Weise vor einer Veränderung in meinem Leben gewarnt worden war. Oder was ich bisher mit solchen Warnungen tatsächlich angefangen habe.</p><p>Klar, ich lese (leider) fast täglich Hinweisschilder der örtlichen Verkehrsbetriebe, die mich über zukünftige Streckensperrungen informieren und… verdränge die Info.</p><p>Oder ich bekomme E-Mails, in denen lange Erklärungen zu Anpassungen in den Geschäftsbedingungen irgendeines meiner Vertragspartner stehen und… ich lese sie mir nicht durch.</p><p>Aber so einen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Veränderung, die ich nicht beeinflussen kann, obwohl sie mich sehr direkt betrifft, den bekomme ich meistens nicht.</p><p>Dabei sind Kontraste in unserem Erleben überall vertreten und wir müssen ständig verarbeiten, dass sich Dinge verändern, die nicht in unserer Macht liegen. Das erfordert eine Menge Resilienz, wenn man mal darüber nachdenkt. Denn nur, weil man etwas andauernd macht, heißt es nicht, dass es keine Energie kostet.</p><p>Deswegen möchte ich in diesem Newsletter - ganz passend zum <em>Vibe</em> des letzten Monats des Jahres - einmal gedanklich innehalten und auf die Kontraste schauen. Darauf, welche uns von außen treffen, welche wir zulassen dürfen und welche wir selbst schaffen können, um wieder Kraft zu tanken.</p><p>Denn, dass wir viel Energie aufwenden müssen, um Kontraste zu bewältigen, das können wir zum Jahresende hier gerne einmal anerkennen. Und das bitte mit genauso viel Empathie für uns selbst wie füreinander.</p><h3>Kontraste, die wir bewältigen - eine unvollständige Liste</h3><ul><li><p>die lange Winterdunkelheit im Kontrast zu den vielen Sonnenstunden im Herbst und Sommer</p></li><li><p>die Distanz zu einem lieben Menschen im Kontrast zur vorherigen räumlichen oder emotionalen Nähe</p></li><li><p>der plötzlich wieder fremdbestimmte Alltag durch den Beginn eines Jobs im Kontrast zur vorherigen Arbeitslosigkeit</p></li><li><p>oder die ganz andere Struktur eines neuen Teams, einer anderen Stelle oder eines neuen Berufs nach dem Jobwechsel</p></li><li><p>aus einem Traum geweckt werden</p></li><li><p>aus der heißen Dusche ins kühle Badezimmer steigen</p></li><li><p>ans Telefon gehen und in eine andere Sprache wechseln müssen, als die, in der man denkt</p></li><li><p>Hormonschwankungen </p></li><li><p>von gesund sein zu krank sein (zu gesund sein)</p></li><li><p>an einen anderen Wohnort umziehen</p></li><li><p>Temperaturabfall und Wetterumschwünge</p></li><li><p>plötzlich (nicht mehr) schwanger sein</p></li><li><p>wenn ein Verlust bewusst wird</p></li><li><p>Eltern werden</p></li><li><p>das Alleinsein, nachdem der letzte Gast gegangen ist</p></li><li><p>wenn eine Geschichte, in die man total vertieft war, zu Ende gegangen ist</p></li><li><p>wenn der Lieblingsladen oder der übliche Supermarkt zu macht</p></li></ul><p>Was du alles gemeistert kriegst, ist enorm! Well done!</p><h3>Kontraste schaffen, die Resilienz bringen - auch eine unvollständige Liste</h3><ul><li><p>aus der Schreibtisch-Shrimp- oder Schonhaltung aufstehen und in Bewegung kommen</p></li><li><p>die Kopfhörer abnehmen</p></li><li><p>Urlaub machen</p></li><li><p>das Telefon in einem anderen Raum lassen</p></li><li><p>Social Media Pause einlegen (auch unbegrenzt möglich)</p></li><li><p>etwas kochen, das man noch nie ausprobiert hat</p></li><li><p>mit diesem einen Kumpel oder dieser einen Freundin mal über was ganz anderes reden</p></li><li><p>selbst was produzieren, anstatt es zu konsumieren</p></li><li><p>sich etwas von einem Kind erklären lassen</p></li><li><p>im Winter in die Sauna gehen</p></li><li><p>das ewige Home- oder Café-Office mal für eine Weile in einen Co-Working Space verlegen</p></li><li><p>bei Gelegenheiten, zu denen Alkohol getrunken wird, nicht trinken</p></li><li><p>eine neue Route nach Hause nehmen</p></li><li><p>Edging</p></li><li><p>die Biographie eines Menschen kennenlernen, der ganz anders ist als man selbst</p></li><li><p>nach einem Kompliment, das man bekommt, nicht relativieren</p></li><li><p>ein Fenster öffnen</p></li></ul><p>Du weißt sicherlich am besten, welche Impulse für dich sonst noch spannend sind. Viel Spaß beim ausprobieren und Achtung: dich trifft jetzt ein Kontrast 😉</p><hr/><p>support</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Blog</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat.</p><p>Im 9. Interview habe ich mit <a href="https://www.instagram.com/mrs.maike.schumacher/?hl=de">Maike Schumacher</a> (52) gesprochen, die in ihrem großartigen <a href="https://open.spotify.com/show/2hrbXM8rFw9bpTsCPEynJC?si=01028c410ed74fe2">Podcast MILF Life Crisis</a> fleißig dabei ist, Scham rund um Lust und Sex aufzulösen! Und dabei weiß sie: für’s neugierige Fragen stellen und sich selbst Entdecken ist es nie zu spät - auch nicht, wenn man erst in der Lebensmitte damit anfängt.</p><p>Wenn du auch einmal Teil der Interview-Reihe sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir! Los geht’s:</p><h4><em>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?</em></h4><p>Maike: “Wahrhaftig, sinnlich, mutig. Und vor allem endlich für mich. Sex ab 50 ist weniger eine Performance, sondern mehr Präsenz. Weniger „Wie wirke ich?“, mehr „Wie fühle ich mich?“</p><p>Es ist ein Ja zu mir und ein Nein zu allem, was sich nach Pflicht anfühlt.”</p><h4><em>Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?</em></h4><p>Maike: “Mit 30 habe ich über Sex und beim Sex kaum ein Wort gesagt. Nicht mit Dates, nicht mit festen Partnern. Ich dachte damals wirklich: „Darüber spricht man nicht. Das macht man einfach.“</p><p>Und weil ich nicht gesprochen habe, habe ich Dinge mitgemacht, die mir nicht gefallen haben. Und Männer mussten sich an mich „rantasten“, statt dass ich einfach gesagt hätte:<br/>„Hey, das mag ich. Das nicht.“ Das hat alles viel komplizierter gemacht, obwohl es so einfach gewesen wäre.</p><p>Ab 50 wurde alles anders. Ich habe mit meinem Podcast MILF Life Crisis angefangen und rede jetzt darüber. Und ich frage, und teile mit. Dadurch fühlt sich Sex viel Ehrlicher an, auch, wenn ich immer noch übe und längst noch nicht routiniert im Sprechen währenddessen bin.”</p><h4><em>Worauf willst du heute beim Sex nicht mehr verzichten?</em></h4><p>Maike: “Auf Ehrlichkeit, Offenheit und Langsamkeit, plus ein beruhigtes Nervensystem (mein neuester Kink!). </p><p>Ich möchte darauf verzichten zu performen, Erwartungen zu erfüllen, und mich unter Druck setzten zu lassen. Und ganz sicher möchte ich auf Menschen verzichten, die denken, dass Sex ein Sprint ist und kein Tanz.”</p><h4><em>Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?</em></h4><p>Maike: “Wichtiger. Aber anders wichtig. Nicht im Sinne von „viel“, sondern im Sinne von „gut“. Und ich gebe meinem Körper die Zeit, die er braucht.</p><p>Ich will nicht bumsen. Ich will Liebe machen.”</p><h4><em>Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</em></h4><p>Maike: “Dass es besser wird. Wahrer. Und dass der Körper, auch wenn er sich verändert, ein unglaubliches Lustorgan bleibt.</p><p>Dass ich noch so viel Neues über meinen Körper lernen kann, was ich bisher noch nicht wusste, nur, weil ich jetzt darüber spreche.</p><p>Dass die Fantasien freier werden und ich mir auch erlaube, sie zu fantasieren. Und dass man in den Wechseljahren manchmal mehr Lust hat als je zuvor – wenn man aufhört, sich zu schämen und anfängt, sich zu spüren.”</p><p>Was für einen wunderbaren Abschluss du hier findest, Maike, vielen herzlichen Dank! Übrigens ist Maike Schumacher nicht nur wortgewandte Podcasterin, sondern auch <a href="https://www.maike-schumacher.de/">Bewegungsbotschafterin in Berlin und ganz Deutschland</a>. Tanzt mit ihr und lasst euch von ihrer Freude an der Bewegung und dem Leben anstecken!</p><hr/><p>mehr von cleo</p><p>📻 Letzte Woche war mein allererster eigener Radiobeitrag live bei Deutschlandfunk Nova zu hören! Anlässlich von ChatGPTs drittem Geburtstag habe ich mir angeschaut, wieso und wofür Menschen aktuell KI-Chatbots beim online Dating nutzen oder für schwierige Beziehungsgespräche heranziehen. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Kostenlos nachhörbar hier</mark>: <a href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/online-dating-flirte-ich-noch-mit-menschen-oder-schon-mit-bots">“KI und online Dating - Bots verändern unsere Art zu flirten”</a>.</p><p>👯 Außerdem gab’s von mir für den Tagesspiegel plus einen Ratgeber-Text zur Frage aller Fragen vor dem (spontanen) Party-Wochenende: <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/muss-es-immer-latex-oder-leder-sein-wie-man-das-richtige-outfit-fur-play-partys-findet-14828852.html">“Wie finde ich das passende Outfit für eine Play Party?: „Die Riemchen und Schnallen rieben gegen mein Fleisch“ - Sie fror, sie schwitzte, sie fühlte sich zu nackt. Gar nicht so einfach, das richtige Outfit für eine Sexparty zusammenzustellen! Inzwischen weiß unsere Autorin, worauf es ankommt.”</a> Und mit einem TS+ Abo kannst du das jetzt auch wissen 😉</p><hr/><p>Empfehlung</p><p>Ein Buch, das den Kontrast im Titel genauso trägt wie in jedem einzelnen Absatz, ist “Rausch und Klarheit” von Mia Gatow. Ein Memoir über das Trinken und das unabhängig werden. Und niemand weiß besser als die Autorin, dass die Kontraste in der Klarheit erst so richtig stark hervor treten.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f5b223b-db04-4f67-97d2-63876f6e9d57/uploads/images/kbv2n3qzvn/1000072811.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 07 Dec 2025 08:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[12. Nachricht: Wie KI-Chatbots unser Kennenlernen beeinflussen]]></title>
      <description><![CDATA[Vor 3 Jahren wurde der KI-Chatbot ChatGPT für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seitdem nutzen viele Menschen KI-Tools bei der Arbeit oder für lästige E-Mails. Aber…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Vor 3 Jahren wurde der KI-Chatbot ChatGPT für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seitdem nutzen viele Menschen KI-Tools bei der Arbeit oder für lästige E-Mails. Aber langsam häufen sich die Berichte darüber, dass KI auch im ganz privaten Kontext verwendet wird: beim online Dating nämlich oder für schwierige Beziehungsgespräche. Für den Deutschlandfunk habe ich nachgeforscht, warum Menschen KI als Dating-Coach benutzen und was das mit unserem Kennenlernen macht.</p><p><a href="https://steady.page/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/4d45c842-0274-43f7-8e27-9ff942b75355">Auf Steady weiterlesen</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Sat, 29 Nov 2025 08:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#20: Selbstbestimmt verhüten, entscheiden, reproduzieren wollen]]></title>
      <description><![CDATA[In Deutschland herrscht immer noch keine reproduktive Gerechtigkeit. Das wissen einige und spüren viele und wem das nicht so geht, der liegt weich auf seinem Privileg.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In Deutschland herrscht immer noch keine reproduktive Gerechtigkeit. Das wissen einige und spüren viele und wem das nicht so geht, der liegt weich auf seinem Privileg.</p><p>Dass das so ist, wurde mir wieder extrem bewusst gemacht, als ich letztes Wochenende der wortgewandten Dr. Alicia Baier, Gynäkoligin und Aktivistin, bei der Lesung aus ihrem gerade erschienenen Buch<a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/dr-med-alicia-baier-das-patriarchat-im-uterus-9783426566091?srsltid=AfmBOoo_5f8QJusNYDwE2uzwpuOir4w6OBcpCGlcZVzcLzUXENSB9Tnv"> “Das Patriarchat im Uterus”</a> gelauscht habe. Sie hat <a href="https://doctorsforchoice.de/ueber/wer-wir-sind/">Doctors for Choice Germany</a> mitbegründet und auch schon <a href="https://msfcberlin.com/">Medical Students for Choice in Berlin</a> begleitet und das aus gutem Grund: Schwangerschaftsabbrüche werden hierzulande immer noch kriminalisiert und im europaweiten Vergleich extrem schwer zugänglich gemacht. </p><p>Am meisten hat mich dabei Baiers Bericht aus der Praxis schockiert, wie sogar die Regelung bei kriminologischer Indikation (auf Deutsch: gewünschter Abbruch nach Vergewaltigung) eine Abtreibung praktisch noch weniger barrierefrei macht, obwohl sie durch die Befreiung von der Beratungspflicht und Wartezeit zugänglicher sein sollte. Mehr hierzu kann in ihrem Buchkapitel “Tatbestand Schwangerschaft II” S. 93 ff. nachgelesen werden.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Aber ob aus Baiers Erklärungen oder der Berichterstattung von Doctors for Choice und anderen aktivistischen Quellen, eines wird schnell ersichtlich: Menschen ohne viel Geld, Schutz, Bildung, Fortbewegungsmöglichkeiten oder Deutschkenntnisse sind in Deutschland schlicht und einfach ziemlich verloren, wenn sie in die Situation kommen, eine Schwangerschaft abbrechen zu wollen. </p><p>Dass das letzlich aber <a href="https://www.dw.com/de/faktencheck-stoppt-ein-verbot-wirklich-abtreibungen/a-62302659">nicht die Abtreibungen an sich, sondern nur sichere Abtreibungen für die Betroffenen verhindert</a>, gilt als statistisch belegt. Was bedeutet, dass Deutschland als Staat und wir als deutsche Gesellschaft Hilfsbedürftige nicht ausreichend schützen oder unterstützen. Und das ernsthaft aus dem Grund, dass wenige Menschen in Machtpositionen von dubios motivierten Moralbauchschmerzen berichten, wenn sie das Wort “Abtreibung” hören? Dass das keinen ohrenbetäubenden Aufschrei erzeugt, kann in meinen Augen nur daran liegen, dass viel zu wenige Leuten hierzulande darüber bescheid wissen.</p><p>Mir waren bis zu Baiers Lesung auch viel weniger Hintergründe zum Thema Abtreibungsverbot bewusst, als ich dachte. Es hat mich schockiert, zu erfahren, dass politisches und selbst medizinisches Fachpersonal in dieser Debatte lieber Gefühle als wissenschaftliche Evidenz gelten lassen. </p><p>Denn die <a href="https://www.who.int/publications/i/item/9789240039483">Empfehlungen der WHO zum Thema Schwangerschaftsabbruch</a> sind (für mich und deutsche Standards überraschend) liberal und sehr progressiv, selbst im Hinblick auf die Fristenregelungen (hier als Interpretation eine <a href="https://doctorsforchoice.de/2022/03/pm-who-leitlinien-schwangerschaftsabbruch/">PM von Doctors for Choice</a> dazu). Und auch die im Sommer 2025 nach langem Warten endlich durch das Bundesministerium für Gesundheit veröffentlichten <a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/meldungen/studien-ungewollte-schwangerschaft-veroeffentlicht.html">Ergebnisse der ELSA-Studie</a>, in der die Verfügbarkeit von Abtreibungen in Deutschland und etwaige mentale Folgen für Betroffene untersucht wurden, weisen keinesfalls in eine Richtung, die es faktisch rechtfertigen würde, <a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen/details/carepreg.html">Schwangerschaftsabbrüche weiterhin zu kriminalisieren.</a> </p><p>Huch, zeigt da der Gesetzgeber etwa genau das rationale Fehlverhalten, weswegen es gebärfähigen Personen nicht erlaubt werden soll, sich frei für den Abbruch einer Schwangerschaft zu entscheiden? Oder gilt nur bei weiblich gelesenen Menschen die Unmündigkeitsvermutung aufgrund von zu hoher Emotionalität? Rhetorische Frage.</p><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diesen Newsletter unterstützen möchtest, kannst du das auch ohne Abo tun! Über den folgenden Link kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, um meine Arbeit zu supporten.</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p></p><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Das Thema “selbstbestimmt und barrierefrei Abtreiben” bleibt auch im Jahr 2025 mit einem riesigen Stigma belegt, das laut Ergebnissen derselben Studie weit mehr zur psychologischen Belastung von Patient*innen, die sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entschieden haben, beiträgt als die Prozedur selbst.</p><p>Solche Erkenntnisse scheinen aber leider nichts am Narrativ der “bösen Abtreibung” in den Köpfen zu verändern, was teilweise auch an der medialen Berichterstattung über die ELSA-Studie und deren tendenziöser Bebilderung erkannbar war (viele verstört dreinblickende, weiße Frauen; manche depressiv im Bett liegend). Von neutraler Berichterstattung oder Akzeptanz der Tatsache, dass vorzeitig abgebrochene Schwangerschaften - ob auf natürlichem Weg oder nicht - zu den Lebenserfahrungen sehr vieler Menschen gehören, sind wir noch weit entfernt.</p><p>Diese Tabuisierung erweitert sich zudem auch auf den Einsatz von Notfallverhütungsmitteln oder der Forschung und Weiterentwicklung von gängigen oder neuen Verhütungsmethoden (auch für den Hoden). Wieso die Wirkungsweise der sogenannten Antibabypille sich trotz enormer Nebenwirkungen seit Jahrzehnten nicht signifikant verbessert, fragen und kritisieren Aktivist*innen wie Verbraucher*innen schon seit langem.</p><p>Genauso wie die Frage, weshalb es keine Forschungsgelder für alternative Verhütungsmethoden für den Hoden gibt. Die Umstände hier sind zusammengefasst und gut aufbereitet nachlesbar in der Arbeit der Autorin und Aktivistin <a href="https://frankafrei.com/">Franka Frei</a> oder der Initiative <a href="https://betterbirthcontrol.org/">Better Birth Control</a>.</p><p>Und was steht hinter der fehlenden Diskussion über die (größtenteils finanzielle) Ungerechtigkeit im Bereich der Reproduktionsmedizin, wenn es um den unerfüllten Kinderwunsch geht? Oder die Steine, die besonders queeren Menschen immer noch in den Weg gelegt werden, wenn wir uns die Gesetzgebung zu gleichberechtigter Elternschaft von nicht-biologischem Nachwuchs anschauen? </p><p>Wir haben noch so, so viel Arbeit vor uns, wenn wir reproduktive Gerechtigkeit herstellen wollen. Leider scheint das nicht im Interesse vieler Menschen in Entscheidungspositionen zu sein, da oft nicht einmal die Wege zur Diskussion offen stehen. Dabei ist unser Status Quo nicht nur ungerecht, sondern schafft so viel Leid.</p><p>Besonders im Hinblick auf den internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und INTA*-Personen am 25.11. scheint die Möglichkeit zur selbstbestimmten Entscheidung über den eigenen Körper als so ein basaler Schritt zur Beseitigung eben jener Gewalt zu sein. Ungewollte Schwangerschaften und die sozialen und finanziellen Folgen für die Betroffenen erschweren in den allermeisten Fällen die Befreiung aus Partnerschafts- oder Familiengewalt. </p><hr/><p>Termine</p><p>Ich freue mich sehr, dass ich am <strong>25.11.</strong> beim Soli-Paneltalk zum Tag gegen Gewalt an Frauen und LINTA* im Periodenladen in Berlin Friedrichshain teilnehmen darf.</p><p>Um 19:30 Uhr geht es los und das Thema ist “<strong>Reclaim the Gaze. Die Normalisierung des gewaltvollen Blicks.” </strong>Gemeinsam mit den Größen der sexpositiven Bewegung Laura Méritt und Nike Wessel diskutieren wir und sammeln Geld und Aufmerksamkeit für das Aufklärungsbuch “Frauenkörper neu gesehen” herausgegeben von Laura Méritt. <a href="https://periodenladen.de/products/gaze?utm_source=copyToPasteBoard&amp;utm_medium=product-links&amp;utm_content=web">Hier gibt’s Tickets und alle Infos!</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Vielen Menschen ist das bewusst und eine <a href="https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/246478/9b685f150c5734ef76efa909234f9285/umfrage-reproduktive-selbstbestimmung-data.pdf">große Mehrheit der Deutschen sprach sich letztes Jahr für eine Entkriminalisierung von Abtreibungen aus</a>. Der Auftrag an den Gesetzgeber ist klar. Unser eigener auch: Tabus brechen, Missstände thematisieren, Desinformation bekämpfen und Wissenslücken füllen. Miteinander sprechen.</p><p>Keine Person, mit der ich jemals über ihre Abtreibung gesprochen habe, hat diese Entscheidung oder das Erleben als leichtfgertig geschildert.</p><p>Natürlich lässt so eine Erfahrung niemanden kalt oder unberührt, aber das heißt nicht, dass das Erlebnis die Personen nachhaltig beeinträchtigt. Es wird sonnenklar, dass es demjenigen, der Abtreibungen unmöglich machen will, nicht um die Menschen geht. Auch nicht um die werdenden, die oft zu Kindern werden, die in benachteiligten Lebensverhältnissen aufwachsen müssen. Weil der “Lebensschutz” ironischerweise selten über die Geburt hinausreicht.</p><p>Wem es um die Menschen geht, der informiert sie, unterstützt sie und ermöglicht ihnen ein selbstbestimmtes Leben nach ihrer Geburt.</p><p>Abortion is healthcare. Genauso Verhütung.</p><hr/><p>Blog</p><p>Aus gegebenem Anlass möchte ich heute einen Einblick in mein Buch <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/cleo-libro-gleichstellung-9783426284476?srsltid=AfmBOoqSaBI0aCN4pmgfu2-_BIsafgy-bqbgZmAZ7-idVRPM3MEXuBcL">“Gleichstellung - Sex zwischen Wunsch und Wirklichkeit”</a> spendieren und zwar aus einem Kapitel über Verhütungs-Gerechtigkeit.</p><p>An dieser Stelle beschreibe ich, wie ich eine Verhütungspanne erlebt habe und mit meinen großen Wissenslücken im Bereich von Notfallverhütungsmitteln konfrontiert wurde - mit Ende 20. Hier also ein Ausschnitt aus dem Kapitel “Verbindlichkeit” ab S. 187 ff.</p><h3>Wenn alle Stricke und Kondome reißen</h3><p>…Etwas seltener erlebte ich das potenzielle Malheur aber auch im Moment seiner eventuellen Entstehung. So geschehen zum Beispiel in einer Herbstnacht vor drei Jahren, in der ich mich in der Wohnung meines Dates, eines Lehrers der örtlichen Gesamtschule, eingefunden hatte, damit wir uns untenrum besser kennenlernen konnten.</p><p>Ein paar Stunden später lagen wir im Bett, und ich tauchte aus einem tiefen und langen Orgasmusgefühl auf. Kurz darauf konnte ich auch in seinem Gesicht das Heraufziehen und Abflauen eines Höhepunkts beobachten. Unser Sex hatte sich gut angefühlt, irgendwie nah und unaufgeregt für ein erstes Mal.</p><p>Aber als er Anstalten machte, sich aus mir zurückzuziehen, sah ich Wolken der Verwirrung über sein Gesicht ziehen. Seine Lippen formten ein »Oh!«, das mehr von Schock als von Lust zeugte, und meldeten im nächsten Moment das Kondom als vermisst, das sich eigentlich zwischen uns im Einsatz befinden sollte. Es musste während unserer Action abgerutscht und in meiner Vagina verloren gegangen sein. Es dauerte einen Moment, bis auch bei mir die Erkenntnis durchgesickert war: Ich hatte gerade komplett unverhüteten Sex mit einem Fremden gehabt (und dann auch noch mit einem Mathelehrer).</p><p>Kurz darauf fand ich mich in seinem Badezimmer ein, um nackt, breitbeinig und leise vor mich hin fluchend mit zwei Fingern in mir nach dem abgängigen Präservativ zu angeln. Inklusive ansteigender Panik und Scham bei dem Gedanken, dass ich es vielleicht gar nicht aus eigener Kraft aus meiner Vagina hervorzaubern könnte und zum nächstmöglichen Zeitpunkt meine Frauenärztin um Mithilfe bitten müsste. Aber don’t get your hopes up auf eine weitere Gynäkologinnen-Stuhl-Anekdote, letztlich habe ich’s erwischt. Und dadurch aber jegliche Hoffnung darauf verloren, dass es vielleicht doch erst nach dem Sex magischerweise in den Laken gelandet sein könnte.</p><p>Damit setzte dann endgültig eine Kakophonie von Sorgen und Abwägungen in meinem Kopf ein, die ich auf diese Art und Weise tatsächlich zum ersten Mal erlebte. Ich hatte zwar in meinem Leben schon mehrmals Verhütungspannen mit Kondomen durchgemacht – sie waren geplatzt, verrutscht oder gerissen – , aber zu diesen Anlässen hatte ich auch immer selbst noch aktiv verhütet. Dieses Mal fehlte mir der doppelte Boden.</p><p>Dann hatte ich jedoch einen erleichternden Einfall. Mir ging auf, dass ich mir ja einfach asap diese berühmte »Pille danach« besorgen und mit ihrer Hilfe meiner Panik vor einer ungewollten Schwangerschaft ein schnelles und sicheres Ende bereiten könnte. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt, als ich dort im Dunkeln auf einem fremden Klo saß, noch nicht, was ich über die verfügbaren Mittel zur Notfallverhütung alles nicht wusste.</p><p>Ich zog mich also hastig und nachlässig an (wer braucht schon nach dem One-Night-Stand einen BH?), schnappte meine Sachen und stürmte aus seiner Wohnung. Die nächste Apotheke mit Notdienst lag nämlich glücklicherweise beinahe auf meinem Heimweg.</p><p>Umgeben von den Gestalten des öffentlichen Nahverkehrs einer Großstadt um halb drei Uhr morgens, kauerte ich übellaunig auf meinem Sitz. Ich bildete mir ein, dass mein ungewaschenes Gesicht unter meiner FFP2-Maske noch nach fremdem Körper roch. Leichte Übelkeit stieg in mir auf, gemeinsam mit dem Gedanken, ob ich nicht besser direkt nach Hause fahren, duschen und schlafen gehen sollte. Schließlich gab mir diese »Pille danach« ja ein paar Stunden Zeit für ihre Einnahme.</p><p>Ich griff mein Telefon, um herauszufinden, wie lange nach der Verhütungspanne die »Pille danach« noch eingenommen werden konnte. Eine schnelle Suche bei Google ergab, dass das Medikament in deutschen Apotheken in zwei Wirkstoffvarianten rezeptfrei käuflich zu erwerben sei. Und dass die Varianten sich in ihrer Wirkungsweise leicht voneinander unterschieden.</p><p>Nummer eins, Levonorgestrel, muss bis spätestens 72 Stunden nach dem betreffenden Sex eingenommen werden, wobei Wirkstoff Nummer zwei, Ulipristalacetat, sogar ein Zeitfenster von bis zu 120 Stunden bietet. Beide Notfallverhütungsmittel wirken allerdings auf die gleiche Weise auf den Hormonhaushalt ein. Und zwar, indem sie das zur Zyklusmitte hin ansteigende LH-Level, an dessen Höhepunkt der Eisprung ausgelöst wird, hemmen und den Zeitpunkt des Eisprungs dadurch um bis zu fünf Tage verzögern oder in einigen Fällen sogar verhindern können.</p><p>Jedenfalls wird genug Zeit gewonnen, damit befruchtungsfreudige Spermien abgestorben sind, bevor die Eizelle sich auf ihren Weg machen kann. Über weitere Wirkungsweisen scheiden sich laut Internet auch heute noch die Forschungsgeister: Ob auch die Einnistung einer befruchteten Eizelle durch Ulipristalacetat verhindert werden kann, scheint bisher nicht eindeutig belegt und deswegen unwahrscheinlich zu sein. Darauf, dass die Einnahme der »Pille danach« zu einer Abtreibung einer bereits eingenisteten Eizelle führt, gibt es ebenfalls keine Hinweise.</p><p>All das las und lernte ich in dieser Klarheit also in jener Nacht in der Straßenbahn. Und meine leichte Übelkeit verstärkte sich durch die einsickernde Erkenntnis, dass eine »Pille danach« mir faktisch gar nicht mehr helfen konnte. Weil mein Eisprung für den aktuellen Zyklus bereits hinter mir lag. Aber wann genau hatte ich ihn gehabt? War es lange genug her, dass das kritisch fruchtbare Zeitfenster bereits verstrichen war? Ich wusste es nicht.</p><p>Ob es mir gefiel oder nicht, die unbarmherzigen Ergebnisse meiner Google-Recherche führten mir deutlich vor Augen, dass wir die Verhütungspanne besser ein paar Tage vor meinem Eisprung gehabt hätten. Klarer Fall von ganz schlechtem Timing also.</p><p>Was mich allerdings am meisten irritierte, war, dass ich mein Leben lang geglaubt hatte, die »Pille danach« sei ein magisch wirkendes Wundermittel gegen ungewollte Schwangerschaften, wenn man sie nur schnell genug einnahm. Aber dass dieses Medikament mir in der »gefährlichsten« Phase meines Zyklus offenbar gar nichts mehr nützen konnte, tja, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.</p><p>Letztlich habe ich mich am Morgen nach dieser Nacht dazu entschieden, kein Präparat zur Notfallverhütung einzunehmen.</p><p>Ich rechnete mir die Chance ziemlich hoch aus, dass ich zum Zeitpunkt der Verhütungspanne schon nicht mehr fruchtbar gewesen war, und ich sollte Recht behalten.</p><p>Im Nachhinein wünschte ich, ich hätte all diese wichtigen Infos über Notfallverhütung nicht erst in einem Moment gelernt, in dem es praktisch schon zu spät war. Die Wurzel des Übels der Desinformation liegt wie so oft im Tabu, das immer noch auf ungewollten Schwangerschaften liegt und selbstverständlich auch Abtreibungen umfasst.</p><p>Mangelnde Aufklärung, eine Gesetzgebung, die weiterhin die Entscheidungsgewalt über den eigenen gebärfähigen Körper einschränkt (wie wir sie mit § 218 StGB in Deutschland auch heute noch kultivieren) und eine »Leben schützende« Online-Propaganda sind Symptome des aktuell stattfindenden politischen Rollbacks als Gegengewicht zu feministischen Fortschritten im Bereich reproduktiver Gerechtigkeit. Ein Rollback, angetrieben durch (rechts-)konservative politische Interessen, der die Tabuisierung sogar noch verstärken wird, wenn wir als Gesellschaft das zulassen. Und in diesem Fall würde nicht nur das Erreichen geschlechtergerechter Verhütungsmöglichkeiten wieder in weite Ferne rücken.</p><h4>Verbündete werden</h4><p>Wir können festhalten, das F in »Verhütung« steht hierzulande für »fair« und »feministisch«. Dabei ist es nicht einmal wahr, dass es keinen Ausweg aus der Ungleichheit im Sinne des Fehlens reproduktionsmedizinischer Entwicklungen oder des Willens zur gleichgestellten Verantwortungsübernahme gibt.</p><p>Und selbst wenn ein Mensch mit Penis keinen einzigen feministischen Knochen im Leib hat, muss es für ihn doch eine nervige Unsicherheit darstellen, in Sachen Schwangerschaftsverhütung fast immer auf die Verbindlichkeit seiner Partner*innen angewiesen zu sein. Will er nicht selbst bestimmen können, ob man ihm ein Kind unterjubeln kann oder nicht?</p><p>Solche Überlegungen funktionieren auf individueller Ebene, aber nicht auf struktureller Ebene, auf der die wirtschaftlichen und politischen Interessen den Status Quo – keine flächendeckende Verbreitung von kostengünstigen Verhütungsmethoden für den Hoden – weiterhin aufrechterhalten. Tatsächlich aber steigt die Nachfrage nach solchen Methoden, wie Franka Frei in ihrem Buch Überfällig berichtet14, und kann hoffentlich etwas bewegen. Also Jungs, lauft los und demonstriert für Eierwärmer, damit der Markt regelt und eure feministische allyship nicht nur heiße Luft bleibt.</p><p>Danach bliebe nur noch zu organisieren, dass alle einen offenen Zugang zu Schwangerschaftsverhütung beziehungsweise zu selbstbestimmter Familienplanung erhalten. Denn dieser ist in Deutschland allein durch den Kostenfaktor längst nicht für alle Menschen gleich einfach erreichbar oder überhaupt zugänglich.</p><p>Konsequente Schritte, die es braucht, wenn es wirklich darum gehen soll, ausgelebte Heterosexualität gleichzustellen, sind die Legalisierung und die Sicherung der Kostenfreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland sowie eine volle Kostenübernahme von Verhütungsmitteln (auch Kondomen!) durch das Gesundheitssystem.</p><p>Verhütung ist nämlich im Zweifel überlebenswichtig und darf einfach kein Luxus mehr sein. Und nein, Enthaltsamkeit ist weder eine gleichwertige Option noch eine freie Entscheidung, wenn die Alternative mit einem hohen finanziellen Aufwand und der Beeinträchtigung der eigenen Gesundheit einhergeht.</p><p>Schnell fällt nämlich der abfällige Satz »Muss sie halt die Beine besser zusammenhalten«, wenn Frauen und andere weiblich gelesene Personen kritisieren, dass ihnen kein Verhütungsmittel zur Verfügung stünde, bei dem sie keine Nebenwirkungen aushalten müssten und mit dem sie sich außerdem sicher fühlen könnten. Dieser Satz fällt, obwohl heute gleichzeitig von der »sexuell befreiten Frau« erwartet wird, dass sie verfügbar für unverbindlichen Sex ist. Denn wofür haben wir ihr das sonst erlaubt?</p><p>So hat sich die gesellschaftliche (also unsere) Erwartungshaltung an weiblich kategorisierte Menschen nicht von »sei anständig« zu »sei verfügbar« verschoben, sie hat sich um Letzteres ergänzt. Und dadurch eine quasi schizophrene Haltung gebildet, die sich genau in dem Umstand zeigt, dass gebärfähige Personen immer noch die hauptsächliche Verantwortung für die Schwangerschaftsverhütung tragen sollen, obwohl ihnen keine vernünftigen Mittel dazu zur Verfügung gestellt werden, die sie weder schröpfen noch in ihrer Lebensqualität einschränken. Klassischer Fall von »Wie du es machst, machst du es verkehrt«.</p><p>                                                      […]</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Es steht außer Frage, dass ich an dieser Stelle nochmal Alicia Baiers Buch <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/dr-med-alicia-baier-das-patriarchat-im-uterus-9783426566091?srsltid=AfmBOoo_5f8QJusNYDwE2uzwpuOir4w6OBcpCGlcZVzcLzUXENSB9Tnv">“Das Patriarchat im Uterus - Ein Plädoyer für körperliche Selbstbestimmung”</a> empfehle.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d81a0ed3-7b04-412c-af19-1084d834a49f/uploads/images/rjyzxevunm/Screenshot_2025-11-20_183425.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Darüber hinaus lege ich den geneigten Leser*innen aber natürlich auch das mittlerweile Standardwerk zum Überblick über die Verhütungssituation aller Geschlechter in Deutschland von Franka Frei ans Herz: <a href="https://frankafrei.com/ueberfaellig/">“Überfällig - Warum Verhütung auch Männersache ist”</a>.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d81a0ed3-7b04-412c-af19-1084d834a49f/uploads/images/5x3xccdscu/1000070848.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>💌 Im Schweizer Magazin annabelle ist diese Woche ein Essay von mir erschienen, der ein sehr persönliches Thema behandelt hat und mir viel bedeutet: <a href="https://www.annabelle.ch/leben/wie-freundschaft-huerden-ueberwindet-an-denen-partnerschaft-scheitert/">“Wie Freundschaft Hürden überwindet, an denen Partnerschaft scheitert”</a>. <mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Ohne Paywall frei verfügbar lesbar!</mark></p><p>🌽 Dafür wieder hinter der Abo-Paywall meine Analyse für WELT Lifestyle, warum den Dating-Reality-Shows die Zuschauenden abhanden kommen. Inkl. Interview mit der feministischen Porno-Regisseurin und Autorin <a href="https://www.paulitapappel.com/">Paulita Pappel</a> zu der Frage, wie explizite Sexszenen mit echten Paaren das ändern könnten: <a href="https://www.welt.de/iconist/partnerschaft/plus691ca3f6073d0eb6833e4345/reality-tv-die-meisten-formate-verkaufen-sex-sie-zeigen-ihn-nur-nicht-eine-porno-plattform-will-das-aendern.html">“Echter Sex, echte Paare - der Versuch, Authentizität ins Reality-TV zu bringen”</a>.</p><p>🎧 Zum Schluss noch etwas kostenloses für die Ohren: mein live Sexcoaching durch und mit der Sexologin Lea Holzfurtner für ihren Podcast <a href="https://open.spotify.com/episode/2XiBisgFQUu6L67xV0obIf?si=vsE99WMtSpOaxSZEHA4jWw">“Berlin Intim” über meine Solosex-Krise und die Angst, Fantasien mit dem Partner zu teilen</a>, ist jetzt überall anhörbar, wo es Podcasts gibt!</p><hr/><p>kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 23 Nov 2025 08:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#19: Mit KI arbeiten, daten, hadern]]></title>
      <description><![CDATA[Berufsbezeichnung: Schreibmaschine. Das ist wahrscheinlich aber auch alles, was ich mit einem Sprachmodell gemeinsam habe. Doch besonders professionell Schreibende nutz..]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Berufsbezeichnung: Schreibmaschine. Das ist wahrscheinlich aber auch alles, was ich mit einem Sprachmodell gemeinsam habe. Doch besonders professionell Schreibende nutzen KI-Tools immer selbstverständlicher für ihre Arbeit. Und auch in ihrer Freizeit lassen sich viele Menschen mittlerweile von KI-Chatbots beraten.</p><p>Die beste Sightseeing Route durch ein neues Urlaubsziel finden? Den Pitch für den nächsten Artikel erstellen? Die Geburtstagskarte schreiben oder schnell nochmal nachschauen, wie man Apfelkuchen backt? Für KI basierte Assistenz Programme sind das alles keine Herausforderungen mehr. Sie sind Allrounder, die immerhin zu allem einen Ansatz liefern können. Aber was macht das aktuell mit uns?</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Einerseits ist das gut, weil die unterschiedliche Funktionsweise zwischen meinem Hirn und einem Sprachmodell bedeutet, dass Large Language Models (LLM) wie sie hinter ChatGPT, Claude &amp; Co. stecken, mir tatsächlich bei Aufgaben behilflich sein können, die ich alleine nicht bewältigen kann. Zum Beispiel extrem viele Informationen nach Mustern durchforsten oder in Windeseile zusammenfassen. Oder Statistik. </p><p>Andererseits ist unsere Unähnlichkeit ungünstig, weil der Output von Sprachmodellen (besonders der in Form einer Unterhaltung mit einem KI-Chatbot) mir suggeriert, wir würden gar nicht unterschiedlich sein. Schließlich lassen sich die Antworten in Sinnhaftigkeit, Tonfall oder Geschwindigkeit heute nicht mehr von denen eines menschlichen Chatpartners unterscheiden.</p><p>Dabei funktionieren menschliches Bewusstsein, Kreativität und menschliche Sprache höchstwahrscheinlich ganz anders als die Rechenvorgänge im Hintergrund einer sogenannten Künstlichen Intelligenz.</p><h3>Same same but different</h3><p>Besonders bei der Produktion von Sprache und Text gibt es zwei ganz markante Unterschiede: <strong>Erstens</strong> haben Sprachmodelle kein Bedürfnis danach zu kommunizieren und verstanden zu werden. Ihre Antworten sind die Produkte rechenbasierter Satzvervollständigungen. Dahinter steht kein Gedanke, der mitgeteilt werden möchte, kein Bedürfnis, das gehört werden möchte.</p><p>Stattdessen steht hinter ChatGPTs Antwort auf einen Prompt die Berechnung, welches nächste Wort wohl wahrscheinlich auf mein letztes folgt. Und zwar rein nach der musterhaften “Erfahrung”, welche Wörter typischerweise und wie oft bisher auf das letzte Wort gefolgt sind.</p><p>Diese “Erfahrung” berechnet ein Sprachmodell während seines Trainings oder “Lernprozesses” auf großen Text-Datensätzen wie eine Statistik. Ähnlich wie bei einer linguistischen Korpusanalyse, in der man viele unterschiedliche Text-Dokumente (Romane, Rezepte, Artikel, Briefe, Rezensionen etc.) nach dem Vorkommen einer bestimmten Formulierung durchsucht. Wie oft und in welchen Kontexten man sie dann findet, bestimmt, ob wir sie als wichtig für die Produktion der jeweiligen Sprache einstufen.</p><p>Ein Beispiel: in deutschsprachigen Datensätzen kommt wahrscheinlich deutlich häufiger die Wortkombination “ich esse” vor als “ich Hund”. Weswegen “ich esse” als wichtiger für die Produktion von Deutsch betrachtet werden kann als “ich Hund”.</p><p>Umso seltener eine Kombi vorgefunden wird, umso unwahrscheinlicher wird sie für diese Sprache eingestuft und entsprechend umso unwahrscheinlicher auch von einem LLM generiert. Außer vielleicht es bekommt den Befehl, besonders originelle, also unwahrscheinlichere Wortkombinationen in Betracht zu ziehen.</p><p>Aber zurück zum Lernen: Es handelt sich also beim Training eines Sprachmodells nicht um praktische Sprach-Erfahrung in dem Sinne, wie ein Mensch sie sammelt, wenn er eine Sprache anwendet. Sondern um ein systematisches Absuchen von einem großen Haufen Text nach Mustern, die oft vorkommen. ChatGPT hat demnach vielleicht doch mehr mit mir zu Zeiten meines Linguistik Studiums gemeinsam als mit mir als Autorin.</p><p>Denn ich schreibe, weil ich etwas mitteilen möchte. Sprachmodelle generieren Text, weil sie einen Befehl zur Berechnung erhalten. Letzteres können wir noch nicht als Bewusstsein bezeichnen, dass nach dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kooperationsprinzip_(Sprache)">linguistischen Kooperationsprinzip</a> mit seinem Gesprächspartner kommunizieren will.</p><p>Ein Sprachmodell will nicht verstanden werden. Und es hat auch keinen Drang uns zu verstehen und nachzuvollziehen. Stellt sich die Frage, wieso offenbar viele Menschen trotzdem versuchen, mit KI-Chatbots gerade die Probleme zu besprechen und zu lösen, die Empathie und Erfahrung erfordern (der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/ELIZA_effect">Eliza-Effekt</a>, dem sich niemand so wirklich entziehen kann, könnte hier eine mögliche Antwort sein).</p><hr/><p>cleo live</p><p>Am <strong>12.11.</strong> bin ich live bei der Podcastaufnahme von “Berlin Intim - 2. Staffelfinale” zu Gast! Kommt zum Event “Cocktails &amp; Conversation” im <strong>Fotografiska Berlin</strong> und beobachtet ab 18.15 Uhr die wunderbare Host Lea Holzfurtner dabei, wie sie mich live sexcoacht! So viel kann ich verraten: Es wird darum gehen, wie man Sexfantasien mit der Partnerpersin anspricht und das eigene Solo-Sex Game uplevelt. <a href="https://berlin.fotografiska.com/de/events/cocktails-and-conversation-berlin-intim-season-2-finale">Tickets gibt’s hier!</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Was mich zum <strong>zweiten</strong> markanten Unterschied zwischen Mensch und Modell bringt: Ein Sprachmodell kann zwar Output generieren, der wie Erfahrung klingt, hat diese Lebenserfahrung aber selbst nicht gemacht.</p><p>Das kann total egal und auch bei manchen Menschen der Fall sein, wenn es um reine Fakten, allgemeine Informationen oder Best Practices geht. Aber dort, wo Ratschläge und Einschätzungen auf Mitgefühl und geteilten Erlebnissen beruhen, kann KI aktuell nur performativ wirksam werden.</p><p>D.h., sie kann sich anhören wie ein vertrauter Mensch, der mit uns sympathisiert oder wie eine Autorität, die uns einen Rat auf Basis von Erfahrungswerten gibt, aber eigentlich kann das Sprachmodell nicht zu uns <em>relaten</em> und hat auch nicht unser Bestes im Sinn. Es hat aber auch nichts Schlechtes im Sinn. Es hat einfach gar nichts im Sinn, weil es keinen anderen Grund hat, mit uns zu kommunizieren, als seine Programmierung, auf einen Sprachbefehl zu reagieren. Und das kann zu Ratschlägen führen, die uns eine schädliche Richtung weisen, ohne dass wir das kommen sehen und die wir für “neutral” halten.</p><h3>Eine einseitige Beziehung</h3><p><em>Hate to break it to you</em>, aber Chatti ist es egal, wie schlecht es bei dir im Job läuft oder dass du verzweifelt eine Partnerschaft suchst. Auch wenn es sich nicht so liest. Weswegen wir KI-Chatbots - so wie sie heute funktionieren - als das benutzen sollten, was sie sind: Werkzeuge zur Arbeitserleichterung und Einstiegshilfen in Themenbereiche, die ansonsten zu hohe Hürden aufweisen. Aber nicht als Ersatz für ein menschliches Gegenüber.</p><p>IBM hat zu diesem Zweck sogar einen <a href="https://www.ibm.com/de-de/think/insights/eliza-effect-avoiding-emotional-attachment-to-ai">Leitfaden</a> veröffentlicht, der KI-Nutzende am Arbeitsplatz davon abhalten soll, das Tool zu vermenschlichen (wahrscheinlich nicht, weil IBM die Menschheit retten will. Sondern weil sie nicht wollen, dass Mitarbeitende einem Bot so sehr vertrauen, dass sie unbedarft sensible Daten preisgeben, aber wir lassen hier mal den Gedanken zählen…).</p><p>Dabei glaube ich, dass die schnelle Personifizierung eines KI-Chatbots gar nicht das eigentliche oder einzige Risiko darstellt, dem wir in der Nutzung von KI-Tools mit Chatfunktion begegnen können.</p><p>Ich denke, das größte Risiko für die menschliche Psyche steckt in der ständigen Verfügbarkeit von Sprachmodellen als Gesprächspartner und der Tendenz, Computerprogrammen und anderen Dingen, die wir nicht verstehen, eine übermenschliche Autorität beizumessen. Eine Allwissenheit und siliziumbasierte Neutralität, die zumindest aktuell frei verfügbaren LLM nicht inne wohnt.</p><p>Ganz im Gegenteil: Informationen können falsch oder missverständlich sein. Und Antworten sind so formuliert, dass Nutzende möglichst mehr Zeit und Ressourcen in das Tool investieren wollen. Und das wird sich auch nicht durch ein “Chat redet dir jetzt weniger nach dem Mund”-Update verändern. Denn das ist das gesamte Geschäftsmodell.</p><p>Aufgrund der Art und Weise wie KI-basierte Chatbots aktuell kommunizieren, liegt der Schritt total nahe, sich vertrauensvoll und ratsuchend an einen Bot zu wenden, wenn man nachts um 3 Uhr mit Liebeskummer wach liegt. ChatGPT &amp; Co. waren bisher schließlich immer für uns da, selbst zu den Zeiten, zu denen sonstige Bezugspersonen schlafen oder arbeiten oder uns aus anderen Gründen nicht zur Verfügung stehen, um uns zu halten oder zu helfen. </p><h3>LLM als Dating-Coach</h3><p>Ein Freund erzählte mir kürzlich davon, dass sein Date ihre gemeinsame Interaktion und Kommunikation ständig mit ChatGPT analysiert. Er vermutet, dass sie auch Nachrichten, die sie an ihn schickt, mit KI generiert und bekommt das Gefühl, ständig durch ein Programm analysiert zu werden. <em>In real time</em>.</p><p>Was früher noch die gatekeepende Schwiegermutter war, ist heute offenbar ein Sprachmodell, das schreibt <em>“dump him, you go guuuurrrrll”</em>, wenn er mal 3 Stunden lang nicht auf deine Nachricht antwortet. Aber das ist ja auch unverschämt, schließlich antwortet Chat ja auch immer sofort.</p><p>Ich muss wahrscheinlich nicht dazu sagen, dass aus dem Date meines Bekannten keine Beziehung entstanden ist.</p><p>Dabei ist der Einsatz von KI bzw. Algorithmen zumindest beim online Dating eigentlich schon längst ein alter Hut. Nicht nur sortieren Algos für uns vor, welche Profile von anderen Suchenden wir auf Dating Apps angezeigt bekommen und welche nicht. Sie sind auch schon fleißig dabei, Profilbeschreibungen und Chat-Nachrichten zu analysieren oder sogar ganz zu generieren. In manchen Apps ist das gewollt, in anderen entscheiden das die Nutzer*innen auf eigene Faust.</p><p>Bei Hinge z. B. gibt es das sogenannte Eisbrecher-Feedback. Als Eisbrecher werden auf dieser Dating-App die Fragen oder Satzanfänge bezeichnet, die man im eigenen Profil beantworten oder ergänzen kann, um anderen einen besseren Eindruck von sich zu geben.</p><p>Was man dort als Antwort eintippt, kann seit einiger Zeit von einem Sprachmodell auf seine Originalität hin analysiert und bewertet werden. Das Modell gibt dann Feedback dazu, wie aussagekräftig der Text ist. Vielleicht erlöst uns das zukünftig von den Unmengen an Profilen, die den nicht-mehr-so-Hot-Take “Ananas auf Pizza” entweder als Red Flag oder provokantesten Belag ever erwähnen. Denn Originalität war auf Dating-Apps noch nie massig vertreten.</p><p>Bei vielen Anbietern steht für die Profilbeschreibung ein leeres Textfeld zu Verfügung, in das mehr oder weniger Informatives über die eigene Person eingetragen werden soll. Übrigens auch etwas, bei dem wir m. E. n. immer mehr KI-generierte Texte vorgesetzt bekommen.</p><p>Das mag man wenig authentisch finden, aber ich finde es immerhin besser als Selbstbeschreibungen, die nur aus Emojis und “frag, wenn du was wissen willst” bestehen. Beides zeugt von minimalem Aufwand, aber auf eins hin kann man sich wenigstens eine erste Nachricht einfallen lassen.</p><h3>Flirten mit dem Chatbot</h3><p>Apropos erste Nachricht: aktuell recherchiere ich für einen Radiobeitrag im Deutschlandfunk zum Einsatz von KI-Chatbots beim online Dating. Genauer gesagt dazu, wieso Menschen ChatGPT &amp; Kollegen bitten, ihre Profilbeschreibungen zu generieren, Entwürfe für erste Nachrichten gegenzulesen oder ganze Chat-Konversationen mit ihren Dates auf Red Flags hin zu analysieren. Ja, das passiert. Ja, dazu gibt es sogar Daten und Menschen, die mit mir darüber vor dem Mikro sprechen. </p><p>Eine davon ist die psychologische Paatherapeutin und Hinge Dating-Expertin Anouk Algermissen, die ich letzte Woche in Berlin persönlich treffen und zum Thema interviewen konnte.</p><p>Ich will hier nicht zu viel spoilern, ihr werdet den entsprechenden Beitrag am 28.11. im Nachmittagsprogramm von DLF Nova hören können. Aber eine Erkenntnis will ich hier schon einmal anteasern: Die Leute haben Schiss. </p><p>Schiss, das Falsche zu sagen. Schiss, durch den Filter eines Dating-Profils nicht attraktiv rüberzukommen. Schiss, im Konflikt die toxische Partei gewesen zu sein. Und was eignet sich zur Wiederherstellung des eigenen Sicherheitsgefühls besser als ein vermeintlich neutrales und kommunikativ hochbegabtes Sprachmodell, das unsere Wortwahl und Selbstdarstellung glatt bügelt oder uns nach einer Trennung die Absolution erteilt?</p><p>Ein LLM, das uns zudem nicht dafür bewertet, wie unbeholfen unser erster Textentwurf gewesen ist oder wie absurd die Unsicherheit, die wir gegenüber unseren Partner*innen empfinden. Gerade weil es kein menschliches Bewusstsein mit eigener romantischer Lebenserfahrung ist. </p><p>Chatti wird dir niemals genervt unterstellen, dass du ein <em>Overthinker</em> bist. Denn <em>overthinking </em>ist hier Teil des Business.</p><p>Und das ist, womit ich persönlich gerade am meisten hadere, wenn ich über die Nutzung von KI-Chatbots als Dating-Consultants nachdenke. Aber dazu mehr dann Ende des Monats.</p><p>Denn ob man KI-Tools als Chance oder Risiko für die Suche nach Verbindung betrachtet, faszinierend sind diese Entwicklungen gerade allemal. Und wer weiß, vielleicht wird nicht nur mein Job als Schreibmaschine, sondern auch online Dating bald durch KI ersetzt. Immerhin soll <a href="https://www.heise.de/news/Erwachsenenmodus-ChatGPT-kann-bald-auch-Erotik-10764906.html">Chat ab nächstem Monat auch das Sexting </a>übernehmen können 😉🤖💦</p><hr/><p>Support</p><p>Wenn du diese Newsletter-Ausgabe besonders magst, kannst du mich auch ohne Abo unterstützen! Hier kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, wenn du es übrig hast 😊</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Termine</p><p>Düsseldorf! Ich komme und lese! Und zwar aus meinem Buch <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/cleo-libro-gleichstellung-9783426284476?srsltid=AfmBOorWb2cu5pbKP22r8PhBLd1dqVLkPPn_SWrEsPrT3m12zSuvOoBr">“Gleichstellung - Sex zwischen Wunsch und Wirklichkeit”</a>. Am <strong>17.11. um 19:30 Uhr in der BiBaBuZe</strong> Buchhandlung: <a href="https://www.bibabuze.de/17-11-2025-cleo-libro-gleichstellung/">mehr Infos unter diesem Link.</a></p><p>Außerdem freue ich mich sehr, dass ich am <strong>25.11.</strong> beim Soli-Paneltalk zum Tag gegen Gewalt an Frauen und LINTA* im Periodenladen La Blutique teilnehmen darf. Um 19:30 Uhr geht es los und das Thema ist “<strong>Reclaim the Gaze. Die Normalisierung des gewaltvollen Blicks.” </strong>Gemeinsam mit den Größen der sexpositiven Bewegung Laura Méritt und Nike Wessel diskutieren wir und sammeln Geld und Aufmerksamkeit für das Aufklärungsbuch “Frauenkörper neu gesehen” herausgegeben von Laura Méritt. <a href="https://periodenladen.de/products/gaze?utm_source=copyToPasteBoard&amp;utm_medium=product-links&amp;utm_content=web">Hier gibt’s Tickets und alle Infos!</a></p><hr/><p>Blog</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat.</p><p>Das 8. Interview hat mir Karl (fast 50) gegeben, der sich bei mir gemeldet hat, weil es ihm wichtig ist, als cis Mann offen über Sex zu sprechen. Das tun ihm nämlich viel zu wenige seiner Geschlechtsgenossen, weshalb er nun mit gutem Beispiel voran geht!</p><p>Wenn du auch einmal Teil der Interview-Reihe sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir! Los geht’s:</p><h4><em>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?</em></h4><p>Karl: “Erfüllter, bewusster, kunstvoller.”</p><h4><em>Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?</em></h4><p>Karl: “Ich weiss besser und ehrlicher von mir und anderen, was ich weswegen fühle und brauche. Und ich kann besser darüber kommunizieren. Die Ehrlichkeit ist größer denn je.”</p><h4><em>Worauf willst du heute beim Sex nicht mehr verzichten?</em></h4><p>Karl: “Dass ich mich nicht mehr vor mir selbst verstecke. Zudem auf das Geschenk des Vertrauens, dass es meiner Frau und mir ermöglicht, unsere langjährige Ehe um einen weiteren Menschen zu ergänzen.</p><p>Außerdem möchte ich auf Neugier und BDSM (ich bin Switcher) als Teil meines Sexlebens nicht mehr verzichten und auch nicht auf meine Biamorie. Der Begriff bedeutet für mich eine tiefere, emotionale Ergänzung zur Bisexualität, die ich aber aktuell nicht auslebe.”</p><h4><em>Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?</em></h4><p>Karl: “Mein Sex ist heute in Kommunikation, Gefühl, Wissen und Mut, wie er mit 30 hätte sein sollen und für mich weiterhin zentral und wichtig. Ich trauere deswegen ein wenig, weil ich mit 30 noch nicht so weit war. Aber besser jetzt als nie und ich freue mich schon auf das nächste Jahrzehnt.</p><p>Schade ist es nur um die Verletzungen, die dieser Entwicklungsprozess bei anderen und bei mir bis heute verursacht hat und für die ich nur um Verzeihung bitten kann.”</p><h4><em>Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</em></h4><p>Karl: “Wie viel Trauer es auslösen kann, zu merken, dass sich die eigenen Erektionen verändern und dass das vermutlich auch so bleibt. Meine gehen in der Dauer und Zuverlässigkeit von „berührt werden heißt, Erektion bekommen“ seit ein paar Jahren zurück und ja, das macht was mit mir. Es nimmt mir das Gefühl von Zuverlässigkeit und Sicherheit. Besonders weil ich erst lernen musste, dass Orgasmus und Lust trotzdem noch klappen. </p><p>Allerdings liegt meine Präferenz auch nicht im penispenetrativem Sex. D.h. hin und wieder mag ich ihn, aber mein Schwerpunkt liegt woanders, sodass es an dieser Stelle leichter und schwerer gleichzeitig wurde. Keine dauerhafte Erektion zu haben, war nicht so dramatisch. Nur nervig, wenn es uns dann doch aus einem Innigkeitswunsch heraus wichitg gewesen wäre oder wir einfach Lust auf penispenetrativen Sex hatten.</p><p>Ich habe aber auch mit vom Arzt testweise verschriebenen sanften Erektionshilfe-Medikamenten keine großartig positive Erfahrung gemacht. Ja, sie wirken, haben aber bei mir auch das Körpergefühl am Penis etwas verändert und das fand ich nicht angenehm.</p><p>Meine Message an die Männer: Es ist normal, wenn sich die Erektion mit der Zeit verändert. </p><p>Und meine Message an alle: Eine Erektion hat wenig bis nichts mit Lustempfinden zu tun. Wenn es aber störend wird, dann geht zum Arzt. Idealerweise in eine andrologische Praxis. </p><p>Mein Fazit ist, dass das Leben deswegen nicht weniger lustvoll ist, aber die frühere Beständigkeit meiner Erektionen schon schön war. Ich habe das damals zu wenig an mir selbst wertgeschätzt. Danke, Körper!”</p><p></p><p>Ja, danke, Körper! Und danke, Karl! Für deine Offenheit, an mich heranzutreten und für deinen Mut, auch über die traurigen Begleiterscheinung von Sex mit zunehmendem Alter zu sprechen. Deine Messages sollten m. M. n. noch viel mehr Männer erreichen.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Natürlich möchte ich das bereits erwähnte Aufklärungswerk “Frauenkörper neu gesehen” an dieser Stelle noch einmal empfehlen. Es handelt sich hierbei um eine Neuauflage, nachdem dieses Buch und das enthaltene Wissen über weiblich kategorisierte Anatomie und Sexulität immer wieder aus den Verkaufsräumen und dem Bewusstsein verdrängt wurde.</p><p>Allerdings kann es erst nach einem erfolgreichen Crowdfunding wieder in den Druck gehen, da es aktuell einen neuen Umschlag benötigt. Warum und was das mit der Zensur von Inhalten zur Sexualaufklärung zu tun hat, das lest ihr hier im Pressestatement auf der <a href="https://www.frauenkoerper-neu-gesehen.de/">Webseite</a>. Aber dieser Screenshot aus der Google-Suche spricht auch schon für sich:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9289b2c8-d837-42fc-b86c-285b10fbe700/uploads/images/uujvfpvamx/Screenshot_2025-11-07_at_21-00-54_frauenkorper_neu_gesehen_bild_-_Google_Suche.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><a href="https://www.sexclusivitaeten.net/Neues/Frauenkoerper-neu-gesehen-Hg-Laura-Meritt-Vorbestellung::1043.html">Hier könnt ihr euch Exemplare der neuen Auflage vorbestellen.</a></p><p>Mehr on topic mit dem heutigen Newsletter ist meine zweite Leseempfehlung zum Thema “Chatfishing” - ein Guardian-Artikel über das neue Phänomen, wenn KI-Chatbots bei der Partnersuche so exzessiv eingesetzt werden, dass das erste Date quasi zur kommunikativen Totalenttäuschung wird: <a href="https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2025/oct/12/chatgpt-ed-into-bed-chatfishing-on-dating-apps">“‘I realised I’d been ChatGPT-ed into bed’: how ‘Chatfishing’ made finding love on dating apps even weirder”</a> (big thanks to Jack for forwarding this fascinating and horrifying read to me).</p><hr/><p>mehr von Cleo</p><p>Für die WELT habe ich mit einem Thema befasst, dass alle Jahre wiederkehrt: die frenetische Partnersuche vor den kalten Wintermonaten, auch bekannt als “Cuffing Season”. Ich habe recherchiert, wieso der Wunsch nach Nähe allerdings nicht nur etwas mit den Außentemperaturen zu tun haben muss.</p><p>Und außerdem habe ich Expertinnen interviewt, die Tipps geben, wie man es schafft, das beste aus dem Dating-Herbst für sich herauszuholen - auch ganz ohne Zeitdruck. Oder welche Alternativen zur Romantik auf Zeit eigentlich direkt vor unserer Haustüre warten. Alles nachlesbar mit WELT+ Abo hier: <a href="https://www.welt.de/iconist/partnerschaft/plus690c4b550580923d09988e11/partnersuche-die-cuffing-season-ist-die-beste-zeit-um-herauszufinden-was-man-sucht.html">“Partnersuche: die “Cuffing Season” ist die beste Zeit, um herauszufinden, was man sucht”</a>.</p><hr/><p>kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 09 Nov 2025 13:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#18: Offline lesen, flirten, vernetzen]]></title>
      <description><![CDATA[Es ist unverkennbar Herbst und das ist gut so. Endlich nieselt draußen das richtige Wetter, um sich mit den herbstlichen Buch-Neuerscheinungen 2025 auseinander zu…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es ist unverkennbar Herbst und das ist gut so. Endlich nieselt draußen das richtige Wetter, um sich mit den herbstlichen Buch-Neuerscheinungen 2025 auseinander zu setzen. Oder - wie in meinem Fall - sich dem Stapel ungelesener Bücher zu widmen, der mir bereits bis an die Brust reicht.</p><p>Und das ist’n Stück. Schließlich bin ich groß genug, dass Männer, die in ihre Datingprofile großzügig und passiv-aggressiv “1,80m….. scheint ja wichtig zu sein” eintragen, mir bei ersten Dates regelmäßig unterstellen, größer als besagte 1 Meter 80 zu sein (<em>Hätte ich ja gar kein Problem mit, Lukasphilipptobiasleonmartin, aber es entspricht leider nicht den Tatsachen. Genau wie deine Größenangabe </em>👀).</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p><p>Will sagen, es ist gut, dass meine innere Deutsche nicht mehr ständig vom Sommer draußen ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn ich auf der Couch hocke und lese, weil ich in Ruhe Meter machen will. Buchregalmeter. Übrigens die einzige Größenangabe, die beim Dating zählen sollte, wenn man mich fragt.</p><p>Apropos Dating, das macht man jetzt übrigens auch besser offline und zwar im Buchclub. Wieso das eine richtig gute Idee ist, kannst du weiter unten aufm Blog nachlesen. Und eine andere großartige Möglichkeit, um sich in der kälter werdenden Jahreszeit mit Gleichgesinnten zu vernetzen, sind die nun wieder zahlreich stattfindenden Buchlesungen. Live Lesungen und vor Ort Events rund um Literatur sind gemütliche und inspirierende Räume, die ich dieses Jahr aufgrund von geringen Ticketverkäufen leider als ziemlich gefährdet erlebt habe.</p><p>Lasst die Lesung nicht aussterben, das sind jedes Mal Chancen auf tolle Begegnungen und neuen Input für vergleichsweise wenig Geld! Schau dich um, in deiner Umgebungen gibt es sicher auch Events. Und wenn du dich vielleicht sogar fragst, wie du dich mehr politisch informieren und engagieren kannst, sind das genau die Orte, an denen sich besagte Banden bilden können.</p><p>Aber jetzt gibt’s erts einmmal ein bisschen Inspo von mir dazu, was in diesem Herbst bei Kerzenschein und Heißgetränk Gutes gelesen werden könnte. Oder welche Buchlesungen einen Besuch wert sein könnten. Meine gruseligen, gemütlichen oder gemeinschaftlichen Buchtipps für den Herbst 2025!</p><h3>Gruseliges</h3><ul><li><p><a href="https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9781399729826/Baker-Kylie-Lee/Bat-Eater">“Bat Eater. And other names for Cora Zeng”</a> war wirklich das blutigste Buch, das ich seit einer Ewigkeit gelesen habe. Der sogenannte “Social Horror-Thriller” hat alles, was man für Halloween braucht: hungrige Geister, alten Aberglauben, Corona Erinnerungen und US amerikanische Gesellschaftskritik.</p></li><li><p>Wer sich lieber ein bisschen (wirklich nur ein bisschen) weniger ekeln will, lese <a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/monika-kim-das-beste-sind-die-augen-9783462009989">“Das Beste sind die Augen”</a> von Monika Kim. Es gibt Rachefantasien, Crime und Kannibalismus - ein Spaß für buchstäblich die ganze Familie.</p></li><li><p>Auch um Nahrung und Konsum (von Kunst) geht es in <a href="https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9780349015637/Kohda-Claire/Woman-Eating">“Woman, Eating”</a> von Claire Kohda. Und auch wenn das etwas mehr <em>sophisticated</em> klingt, muss man Blut sehen können, um dieses Buch zu lesen. Eine etwas andere Vampirgeschichte und der Parasit sitzt nicht dort, wo man ihn vermutet.</p></li></ul><h3>Gemütliches</h3><ul><li><p><a href="https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783426293683/Hanada-Nanako/Die-einsame-Buchh%C3%A4ndlerin-von-Tokio">“Die einsame Buchhändlerin von Tokio”</a> geschrieben von Nanako Hanada ist eine Geschichte bestehend aus den kleinen Geschichten, die in kurzen Begegnungen entstehen. Eine Buchhändlerin macht sich auf, neue Menschen kennenzulernen und ihnen genau das Buch zu empfehlen, das zu ihnen passt. Die bestmögliche Version von online Dating, wenn man so will. Eine wirklich cute Sozialstudie.</p></li><li><p>Die Komikzeichnerin und Ulknudel Stefanie Sargnagel hat mit <a href="https://www.rowohlt.de/buch/stefanie-sargnagel-iowa-9783499011306?srsltid=AfmBOorOCQhkc_RiQaDyYjVhySXdQpeeEYNpDp0tBGHFSp6d9IdmtS8h">“Iowa - Ein Ausflug nach Amerika”</a> einen Sozialreport der anderen Art geschrieben. Ich weiß nicht, wie sie es gemacht hat, aber ihre Beschreibung der absoluten Ereignislosigkeit unendlicher Weiten im mittleren Westen ist sehr witzig. Eine Österreicherin, die das zu Fuß Gehen auch in den USA nicht aufgibt und gleichzeitig mit einer deutschen Alt-Punkerin eine ungleiche WG für ein Auslandssemester eröffnet. Zwischen College, BBQ und Kirchgang sammelt Sargnagel die Straßenweisheiten der Boomerin und kommentiert sie mit dem Zynismus der Millennials. Alles vom Easy Chair aus. Gipfel der Gemütlichkeit!</p></li><li><p>Walter Moers bringt ein neues Buch raus! <a href="https://www.penguin.de/buecher/walter-moers-qwert/buch/9783328604273">Qwert!</a> Endlich geht es um den Gallertprinz aus der 2364. Dimension, in der Parallelwelt Orméa! Ihr wisst schon, der mit den Musikinstrumenten aus Milch, der schon in den <a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1059125146">“13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär”</a> aufgetaucht ist und dort m. M. n. nicht genug Aufmerksamkeit bekommen hat. Aber ab dem 05.11.25 bekommt er sie endlich, und zwar in einem ganz eigenen Roman. Kann ich ein Buch empfehlen, das ich noch gar nicht gelesen habe? Wenn es von Moers ist, dann schon! Ich freu mich so!!</p></li></ul><hr/><p>Trinkgeld geben</p><p>Wenn du diese Newsletter-Ausgabe besonders magst, kannst du mich auch ohne Abo unterstützen! Hier kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, wenn du es übrig hast 😊</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><h3>Gemeinschaftliches</h3><ul><li><p>Meine Freundin und mein Vorbild Katja Lewina hat ein neues Buch geschrieben! Und zwar über das Gemeinschaftlichste ever: Gossip über Trennungen. Und lernen können wir alle auch noch was von <a href="https://www.dumont-buchverlag.de/buch/katja-lewina-wir-koennen-doch-freunde-bleiben-9783755811411-t-7712">“Wir können doch Freunde bleiben - Trennungsgeschichten aus der Hölle”</a>. Z. B., dass man nur befreundet <em>bleiben</em> kann, wenn man auch schon in der Beziehung befreundet war. Ha!</p></li><li><p>Auch das neue Sachbuch von Andrea Newerla legt den Fokus auf die Kraft der Gemeinschaft: <a href="https://www.penguin.de/buecher/andrea-newerla-wie-familie-nur-besser/buch/9783466373512">“Wie Familie nur besser - Wie wir neue Formen des Zusammenlebens gestalten”</a> untersucht genau das, Wahlverwandschaften und Alternativen zur Vater-Mutter-Kind Kernfamilie. Wieso? Weil die für viele nicht das bringt, was sie sich erhofft haben. Und weil wir aufgrund unserer romantischen Prägung oft übersehen, welche Menschen tatsächliche seit Jahrzehten ein haltgebendes Netzwerk um uns herum bilden.</p></li><li><p>Wen schließen wir aus unserer Gesellschaft aus und wann? Und wie kann eine Fan-Gemeinschaft damit umgehen, wenn ihr Idol sich zwar als genialer Künstler, aber auch als schlechter Mensch entpuppt? Ab wann wir Kunstschaffende canceln und wie wir damit umgehen, wenn wir ihre Kunst trotzdem weiter genießen wollen, bespricht die Kritikerin Claire Dederer in <a href="https://www.shakespeareandsons.com/products/monsters-what-do-we-do-with-great-art-by-bad-people">“Monsters: What Do We Do with Great Art by Bad People?”</a>. Scharfzüngig, witzig und mit besseren Antworten als bloß: Ambiguitätstoleranz.</p></li></ul><p>Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und stehe gerne bereit für gemeinsame Buchbesprechungen im Nachgang!</p><hr/><p>Podcast</p><p>Noch mehr Buchtipps, aber zum Anhören gibt’s hier: Bücher mit von und über “außergewöhnlichen Frauen” inklusive kurzer Rezensionen bespreche ich in der neuen Folge von Cleophonie:</p><a href="https://steady.page/de/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/4e04af7c-c6e5-4821-a422-2b23179c4ad4">https://steady.page/de/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/4e04af7c-c6e5-4821-a422-2b23179c4ad4</a><p>Als Steady Mitglied kannst du sie und alle älteren Folgen sogar auf Spotify anhören!</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><hr/><p>Blog</p><h2>Buchclub statt Gym - Wieso lesende Männer die besseren Dates sind</h2><h4>Männer lesen heute immer weniger Bücher. Ganz im Gegensatz zu Frauen. Tatsächlich sorgt das nicht nur für schlechte Zahlen in der Buchbranche, sondern auch für weniger Erfolg bei der heterosexuellen Partnersuche - behaupte zumindest ich. Aber kann Lesen wirklich einen positiven Einfluss aufs Datingverhalten haben? Oder sorgen Bücher einfach nur für attraktive Fotos auf seinem Hinge-Profil und mehr nicht?</h4><p>“Endlich einer, der liest!” Ich weiß noch wie heute, wie groß meine Freude darüber war, ein Date mit einem Mann zu haben, der genauso oft und gerne wie ich seine Nase in ein Buch steckt. Es war mir in meinen vorherigen Beziehungen zwar nicht bewusst geworden, aber als ich nun das Kontrastprogramm präsentiert bekam, verstand ich, was mir vorher gefehlt hatte: ein Partner, der nicht nur eines meiner ältesten Hobbies teilt, sondern aufgrund dieses Hobbies auch ganz andere Voraussetzungen mitbringt, um ein gutes Date zu werden. Ich war begeistert!</p><p>Aber sind lesende Männer wirklich so selten geworden? Woran könnte das liegen und welchen Einfluss hat das literarische Desinteresse auf die heterosexuelle Partnersuche?</p><p> Tatsächlich zeigen <a href="https://de.euronews.com/my-europe/2024/11/12/umfrage-frauen-in-der-eu-lesen-mehr-bucher-als-manner">europaweite Erhebungen der letzten Jahre, dass das “männliche Lesen” nicht nur in Deutschland in der Krise zu sein scheint.</a> Zwar verzeichnet das Statistische Bundesamt in seinen Zeitverwendungsstudien einen <a href="https://www.boersenblatt.net/news/menschen-deutschland-lesen-im-schnitt-27-minuten-am-tag-348691">allgemeinen Rückgang der durchschnittlichen Leseminuten</a> (von 32 min täglich im Jahr 2012 auf 27 min täglich in 2022), aber bei den Männern ist der Rückgang auf 24 min stärker als bei den Frauen (30 min). </p><p>Innerhalb der Gruppe der Männer zeichnet sich ab, dass Teenager immer noch mehr lesen als junge Männer und die wiederum noch etwas mehr lesen als ältere Erwachsene und Rentner. Dass besonders die finanzstarken Altersgruppen der Hälfte der Bevölkerung immer weniger lesen, führt nicht nur zu <a href="https://www.zdfheute.de/wirtschaft/buchmarkt-handel-leser-umsatz-trend-deutschland-100.html">sinkenden Verkaufszahlen im Buchmarkt und dem Aussterben unabhängiger Buchläden</a>, sondern auch zu Frust bei der Partnersuche. Schließlich findet sich Lesen sowohl <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1199/umfrage/hobbys-die-frauen-bei-maennern-attraktiv-finden/">in Deutschland </a>als auch <a href="https://datepsychology.com/the-most-and-least-attractive-male-hobbies/">international </a>unter den Hobbys, die Frauen an ihren Partnern am attraktivsten finden.</p><p>Auch im Nachgang an die letzte Leipziger Buchmesse wurde aus den genannten Gründen in der Presse und auf den sozialen Medien heiß diskutiert, wie man eine Kehrtwende des aktuell sichtbaren Trends erreichen könne. Das heißt, wie man besonders jüngere Männer wieder für das Medium Buch begeistern und verhindern kann, dass sie mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter Bücher gegen Streaming oder Doom Scrolling eintauschen. Der Verfasser <a href="https://www.deutschlandfunk.de/maenner-buecher-maennlichkeit-zielgruppe-toxisch-100.html">eines Kommentars zum Thema im Deutschlandfunk</a>, Nils Schniederjann, vermutet, es fehle an Literatur über Themen, die junge Männer interessieren. <a href="https://www.stiftunglesen.de/ueber-uns/newsroom/pressemitteilung-detail/internationaler-frauentag-vor-lesen-ist-weiblich-maennliche-vorbilder-sind-gefragt">Die Stiftung Lesen spekuliert, es mangele an lesenden männlichen Vorbildern für Jungen</a>, da das Vorlesen als Teil der Einschlafbegleitung durchschnittlich öfter von Frauen übernommen würde. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu existieren bislang jedoch nicht.</p><p>Allerdings könnte es ebenso gut am Medium selbst und der Tatsache liegen, dass viele Menschen sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht die Zeit nehmen (können), kontinuierlich lange Texte zu lesen. Podcasts und Streams hingegen kann man wunderbar im Sinne des Produktivitäts-Mindsets laufen lassen, während man gleichzeitig noch zwei andere Dinge mit den Augen und den Daumen anfängt. Langes Lesen, das den totalen Fokus auf eine einzige Sache erfordert, passt einfach nicht in die Muster unserer Suche nach den nächsten Dopamin-Hits.</p><p>Ganz ähnlich sieht das auch Podcaster und Buch-Influencer Tobias Milbrandt, der kürzlich erst selbst unter die Buchautoren gegangen ist. In seinem Sachbuch <a href="https://www.m-vg.de/redline/shop/article/25380-lesen-ist-deine-superkraft/">“Lesen ist deine Superkraft - Wie Bücher dich in Zeiten von Social Media glücklicher, klüger und fokussierter machen”</a> beschreibt er, dass die vergleichsweise langsame Aufnahme von Leseinhalten starke Spitzen und Tiefen im Dopaminhaushalt vermeiden würde. Ganz im Gegensatz zum Wischen und Liken auf den sozialen Medien. Denn die dortigen kurzweiligen Inhalte seien dafür entwickelt worden, in unserem Gehirn für ständig neue Ausschläge im Belohnungssystem zu sorgen. </p><p>Das mache uns auf die Dauer abhängig und habe sowohl zur Folge, dass wir immer mehr Zeit auf Apps verbrachten als auch, dass sich unsere Aufmerksamkeitsspanne immer weiter reduziere. Laut den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Lesen von Büchern, die Milbrandt und Höper in ihrem Buch zusammengetragen haben, sei aber noch nicht alles verloren. Lesen könne nämlich dabei helfen, u. a. die Konzentrationsfähigkeit wiederherzustellen. Darüber hinaus wirke Bücherlesen Stress reduzierend und es sorge sogar für eine bessere Schlafqualität, wenn man abends zum Buch greife. Auf diese Weise setze man sich nämlich nicht dem <a href="https://www.srf.ch/wissen/gesundheit/bildschirmlicht-am-abend-probleme-beim-einschlafen-macht-blaues-licht-wirklich-wach">kurzwelligen Licht eines Handybildschirms aus, das sich nachweislich negativ auf den Prozess des Einschlafens auswirkt.</a></p><p>Besserer Schlaf und höhere Ausgeglichenheit sind allerdings nicht das einzige, was der mentalen Gesundheit zugutekommt. Dazu kann man auch ein aktives Sexualleben und die Vermeidung von Gefühlen der Einsamkeit zählen. Und um das zu erreichen, braucht es erfolgreiche Rendezvous. Doch während sich die weibliche Seite der Bevölkerung über Liebesromane Inspiration sucht oder mithilfe von Partnerschaftsratgebern weiterbildet, steht sie einer mehrheitlich immer weniger lesenden - und deswegen partnerschaftlich ungebildeten? - männlichen Bevölkerung gegenüber. </p><p>Dabei würde es nicht nur auf den Dating-Profil-Fotos oder im Park einladender und interessanter wirken, wenn man als Mann auf Partnersuche zum Buch anstatt zum Handy oder zur Bierflasche greife, meint Tobias Milbrandt im Interview. </p><p>Auch die Fähigkeit, die eigenen Gefühle an seine Partnerin zu kommunizieren oder schlichtweg bessere Gespräche auf einem Date zu führen und miteinander in bedeutungsvollen Kontakt zu treten, werde durch das Bücherlesen gefördert: “Bevor ich in meinen Dreißigern anfing Bücher zu lesen, lief es für mich als Mann auch beim Dating nicht rund. Durch’s Lesen bin ich über Wissen und Perspektiven auf Partnerschaft gestolpert, die mir vorher nicht bewusst waren”, erklärt Milbrandt. “Ich war früher in einem Umfeld unterwegs, in dem eigentlich nur Fußball und Alkohol eine Rolle gespielt haben. Da tauscht man sich nicht mit seinen Freunden darüber aus, wie man sensibel mit Frauen über Gefühle sprechen kann, wenn man sie kennenlernt.”</p><p>Besonders Sachbücher zum Thema Beziehungsarbeit zu lesen und die Ratschläge umzusetzen, habe ihm das beigebracht. Zu seinen Empfehlungen zählen Titel wie “Wie man Freunde gewinnt” von Dale Carnegie (laut Milbrandt solle man sich nicht vom leicht unglücklich gewählten Titel der deutschen Übersetzung irreführen lassen, es sei sehr gut auf die Partnersuche anwendbar) oder “Die Fünf Sprachen der Liebe” von Gary Chapman. Letzteres habe ihm die Augen dafür geöffnet, auf welche verschiedenen Arten Menschen miteinander in intime Verbindung treten können und wie sich das von den eigenen Präferenzen unterscheiden kann. </p><p>Gerade dieser Perspektivwechsel ist es, den der Autor auch an fiktionaler Literatur schätzt, wenn es darum geht, sich bei Dates besser auf sein Gegenüber einlassen zu können: “In belletristischen Titeln geht es ja oft um Schicksale und Geschichten, die aus einem persönlichen Blickwinkel erzählt werden. Auf diese Weise lernt man sozusagen eine fremde Realität kennen. Das ist dann nichts, was man selbst erlebt hat, aber es hilft dabei, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können.” </p><p>Milbrandt gibt zu, nicht immer der empathischste Mensch gewesen zu sein, was sich in seinen Augen allerdings durch das Lesen positiv verändert habe. Seine persönliche Erfahrung untermauern die beiden Autoren in ihrem Sachbuch mit dem Verweis auf die <a href="https://www.science.org/doi/10.1126/science.1239918">Ergebnisse einer Studie, die 2013 in der wissenschaftlichen Zeitschrift <em>Science</em> veröffentlicht wurde. Hier wird das Lesen fiktionaler Inhalte mit der Weiterentwicklung der kognitiven Fähigkeit in Verbindung gebracht, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können.</a> </p><p>Bücher zu lesen bildet also nicht nur auf der Ebene des Allgemeinwissens, sondern macht uns auch noch zu empathischen, kommunikativen und interessanten Gesprächspartner*innen. Das sind nicht nur sehr gute Voraussetzungen, um beim Dating positiv aufzufallen, sondern sorgt auch in Langzeitbeziehungen für besseren Austausch und anhaltende Zufriedenheit. Tobias Milbrandts Ehefrau kann das bestätigen. “Wenn ich immer noch ein großer Fußballfan wäre, würde es unsere Beziehung nicht geben”, resümiert der Podcaster lachend. Bücher zu lesen, habe ihm neue Welten eröffnet, weswegen er das Interesse am Fußball und dem dazugehörigen Umfeld nach und nach verloren habe.</p><p>Öfter Mal zum Buch zu greifen, muss allerdings nicht bedeuten, gleich alle alten Hobbies hinter sich lassen zu müssen. Die tägliche Lesezeit kann bereits dadurch signifikant erhöht werden, in der S-Bahn auf dem Weg zum Fußball ein Buch zu lesen, anstatt aufs Smartphone zu starren. Und wer es auch beim Lesen gerne sportlich-kompetitiv mag, der kann sich auf Apps wie Goodreads, die den eigenen Lesefortschritt dokumentieren, mit seinen Freunden vergleichen.</p><p>Ebenfalls im Sinne der Suche nach zwischenmenschlicher Verbindung über Bücher gibt Autor Tobias Milbrandt zum Schluss noch den Tipp, gerade bei Beziehungs- und Sexualitätsratgebern auch einmal auf das Geschlecht der Person zu achten, die das Buch verfasst hat. Sich Literatur aus der Perspektive der eigenen romantischen Zielgruppe zu Gemüte zu führen, könne laut Milbrandt zu interessanten neuen Einsichten führen: “Ich kenne andere Männer, die sagen, ein Buch einer Frau über Sexualität würden sie niemals lesen. Ich halte das für Schwachsinn.”</p><p>Ob die Leselust der Männer zukünftig wieder erstarken wird, mag niemand sicher vorauszusagen. Ein Blick auf das Dating-Verhalten der Generation Z zeigt jedoch, dass die wachsende Abkehr junger Leute von Dating-Apps Alternativen für die offline Partnersuche aufkommen lässt: <a href="https://nypost-com.translate.goog/2025/05/29/lifestyle/move-over-dating-apps-gen-z-is-now-having-meet-cutes-at-book-club/?_x_tr_sl=en&amp;_x_tr_tl=de&amp;_x_tr_hl=de&amp;_x_tr_pto=sc">u. a. in Buchclubs für Menschen mit romantischen Absichten</a>. Hier ist tatsächlich für Männer die Wahrscheinlichkeit eine Partnerin zu finden deutlich höher als beim online Dating. Schließlich herrscht bei diesen Events im Gegensatz zu den einschlägigen Apps aktuell noch ein deutlicher Frauenüberschuss. Eine Frage der Zeit? </p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Ich möchte heute zur Abwechslung mal eine Ausstellung empfehlen und zwar im Museum für Kommunikation in Berlin. Die “Apropos Sex” ist am 16. Oktober gestartet und möchte bis September 2026 Hintergrundwissen und Anregungen für Jung und Alt bieten, um über sexuelle Wünsche, Grenzen und Erlebnisse sprechen zu lernen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8e000cbd-ba47-46fd-8a1e-08ea4a621a8c/uploads/images/6vmtmswsr2/1000065788.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Und auch hier gilt: Sexting is hot’n all, aber am besten kommuniziert es sich dann doch ohne Bildschirm zwischen den Gesichtern - gerade über Themen, mit denen man sich verletzlich zeigen kann. Missverständnisse können ja witzig sein und sind auch nicht das Ende der Welt, aber damit es im wahrsten Sinne des Wortes intim werden kann, müssen wir tatsächlich eine Verbindung aufbauen. Zueinander, nicht zum Wlan.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8e000cbd-ba47-46fd-8a1e-08ea4a621a8c/uploads/images/qb2q7xrzgh/1000065790.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Ausstellung liefert konkrete Vorschläge, um die richtigen Fragen zu stellen, die ein gemeinsames Verständnis von Sexualität und ihrer Prio in unserem Leben schaffen. Und sie gibt eine Auswahl an Begriffen an die Hand, unter denen sicherlich für jede*n etwas dabei ist, mit dem er*sie sich genug wohlfühlen kann, um sie über die Lippen zu bringen 😊</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8e000cbd-ba47-46fd-8a1e-08ea4a621a8c/uploads/images/tyhiz2ktdh/1000065799.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8e000cbd-ba47-46fd-8a1e-08ea4a621a8c/uploads/images/vxdunrtkdw/1000065808.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ein weiteres Buch, das dabei sehr gut helfen kann (nicht nur Eltern) ist <a href="https://orgasmic-woman.com/buecher/orgasmic-parents/">“Orgasmic Parents”</a> von Mara Stadick, Vivien Adam und Natalia Alicja Dziwisch: Ein Praxisbuch zum Wiederfinden und Neuentdecken von Solo-und Paarintimität für Eltern. Oder die, die es noch werden wollen!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8e000cbd-ba47-46fd-8a1e-08ea4a621a8c/uploads/images/7rks2lmwix/1000064967.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Man findet in diesem Buch einfühlsame und zugängliche Erklärungen, jede Menge persönliche Geschichten und Perspektiven unterschiedlicher Eltern, hilfreiche Übungen für das zu sich und zueinander finden und natürlich - wie auch schon im ersten Werk der drei Autorinnen &quot;Orgasmic Woman&quot; - schöne und inklusive, handgemachte Illustrationen.</p><p>Und wer glaubt, dass es bei den Übungen und Praxistipps nur ums Atmen und Entspannen geht, wird sich wundern! Raum finden auch Wut über ungeachtete Grenzen, Frust über ungleich verteilte Lust und ganz, ganz praktischer Input für die logistischen Fragen: welche Stellungen gehen in der Schwangerschaft am besten? Das Buch ist eine kleine Investition mit großer Wirkung für ein Hand in Hand von Intimität und Elternschaft.</p><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>In der WELT ist im Ressort Lifestyle ein Report von mir zur Frage erschienen, <a href="https://www.welt.de/iconist/partnerschaft/plus68ee22addd2b5af37a7b73aa/was-wirklich-passiert-wenn-frauen-allein-auf-eine-sexparty-gehen.html">“Was wirklich passiert, wenn Frauen alleine auf eine Sexparty gehen”</a>. Leider nur mit Abo lesbar.</p><p>Kostenlos lesbar ist aber mein erster Artikel im Magazin von JOYclub: <a href="https://www.joyclub.de/magazin/sex/casual_dating_cleo_libro.html">“No Fucks Given - Was eine Feministin von Männern über Casual Sex gelernt hat”</a>. Reinschauen lohnt sich, man kann nämlich sogar bis zum 27.10. noch bei einem Gewinnspiel mitmachen und drei Mal die Möglichkeit bekommen, mein Buch <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/cleo-libro-gleichstellung-9783426284476?srsltid=AfmBOooepDr8ErtJdnnMrXYdLjyLVzQQDCPC30fIUX26FxD8nU8vSgu3">“Gleichstellung - Sex zwischen Wunsch und Wirklichkeit”</a> zu gewinnen. Und falls du das zu spät lesen solltest… Über einen Kauf freue ich mich natürlich auch 😉</p><p>Aber auch mit der Kolumne auf Tagesspiegel+ ging es in der Zwischenzeit weiter: <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/das-erste-mal-als-mann-auf-einer-play-party-wenn-ich-so-weitermache-gehe-ich-mit-sicherheit-enttauscht-nach-hause-14578388.html">“<strong>Das erste Mal als Mann auf einer Play Party</strong> - “Wenn ich so weiter mache, gehe ich mit Sicherheit enttäuscht nach Hause”</a>.</p><p>Und wer nach all dem immer noch nicht genug von mir gelesen hat, der kann mich auch hören. In einem online Live-Talk nämlich mit Nadine von <a href="https://steady.page/de/zucker-und-gold/about">Zucker und Gold</a>. Sie hat mich eingeladen am 29.10. ab 20:45 Uhr gemeinsam mit ihr über Solosex zu sprechen. Und zwar darüber, wie der richtig gut werden und uns außerdem dabei helfen kann, beim Paarsex über unsere Bedürfnisse sprechen zu lernen. Um teilzunehmen, benötigt es ein Abo auf Nadines Steady. Das ist aber monatlich kündbar und LOHNT SICH EH. See you there!</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 26 Oct 2025 08:00:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[11. Nachricht: Gelesen - Außergewöhnliche Frauen]]></title>
      <description><![CDATA[Dieses Mal empfehle ich fünf Bücher, die es aufgrund ihres Genres nicht in meine Insta-Rezensionen geschafft haben. Aber deren außergewöhnliche Protagonistinnen es auf…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Mal empfehle ich fünf Bücher, die es aufgrund ihres Genres nicht in meine Insta-Rezensionen geschafft haben. Aber deren außergewöhnliche Protagonistinnen es auf jeden Fall wert sind gelesen zu werden! Ich bespreche drei Romane und zwei Autobiographien, u. a. “Oh Miriam!” von Miriam Margolyes und den Roman “Sky Daddy” von Kate Folk.</p><p>Du hast Lust auf außergewöhnliche weibliche Figuren und Personen, in denen man sich doch wiedererkennt? Von deren Lebensweisheiten und Macken man auch dann etwas lernen kann, wenn man gar keine Frau ist? Dann hör rein!</p><p><a href="https://steady.page/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/4e04af7c-c6e5-4821-a422-2b23179c4ad4">Auf Steady weiterlesen</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Thu, 23 Oct 2025 10:31:26 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#17: Weicheier, Familienväter, Gentle-Men, wir wollen euch!]]></title>
      <description><![CDATA[Wie können wir mit Männern leben? Das fragt sich die Philosophin und Beobachterin des Pelicot-Prozesses Manon Garcia. Wie können wir neben Männern unseren Alltag…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wie können wir mit Männern leben? Das fragt sich die Philosophin und Beobachterin des Pelicot-Prozesses <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Manon_Garcia">Manon Garcia</a>. Wie können wir neben Männern unseren Alltag bestreiten, obwohl sie alle vom Patriarchat profitieren, ob sie wollen oder nicht? Wie mit ihnen unser Leben teilen, obwohl gerade die <a href="https://www.ndr.de/kultur/Femizide-in-Deutschland-Fallzahlen-gehen-2021-leicht-zurueck,femizid100.html">Männer, die uns besonders nahe stehen</a>, eine der größten Gefahren für Leib und Leben sind? <a href="https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/93970/957833aefeaf612d9806caf1d147416b/gewalt-paarbeziehungen-data.pdf">Statistisch gesehen</a>. Wie gleichzeitig mit diesen Zahlen und der Einsicht, die sie bringen, gemeinsam mit Männern existieren, ohne vor Angst paranoid zu werden?</p><p>Garcia hat dieser Problematik <a href="https://www.suhrkamp.de/buch/manon-garcia-mit-maennern-leben-t-9783518001301">ein Buch</a> gewidmet, in dem sie ihre Beobachtungen und Gedanken über den Prozess gegen Dominique Pelicot und seine Mitangeklagten zusammengefasst hat. Pelicot, der dafür verurteilt wurde, seine Ehefrau über ein Jahrzehnt lang immer wieder betäubt und gemeinsam mit Dutzenden anderer Männer massenhaft vergewaltigt zu haben.</p><p>Ein Verbrechen von monströsem Ausmaß, aber mit sehr mondänen Tätern. Alle Verurteilten seien “normale” Männer mit durchschnittlichem Leben, ein Querschnitt der männlichen Gesellschaft, so Garcia. Sie hätten auch unsere Väter, Partner, Brüder, Freunde oder Söhne sein können. Das ist für mich, abgesehen von der Perfidität in Pelicots Vorgehen, der schockierendste Aspekt des ganzen Falls.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Manon Garcias Analyse umfasst augenöffnende Gedanken über unser unzureichendes Verständnis von “Zustimmung” zu Sex und die kollektiv empfundene Überforderung mit der Banalität der faulen Ausreden, die die Täter für ihre Verbrechen finden. Ich möchte hier aber nicht näher erläutern, was ich alles gelernt habe. Gar nicht, um nicht zu spoilern, sondern weil ich denke, dass es den Platz ihres schmalen, aber schwerwiegenden Büchleins benötigt, um alles ausreichend zu erklären. Und Garcia hat selbst schon sehr klare, oft wenig philosophisch-verklausulierte Worte dafür gefunden. Meine Leseempfehlung. </p><p>Aber eines findet sie nicht: einen Lösungsvorschlag, der die Moderatorin und das Publikum in Berlin bei der Premiere der deutschen Übersetzung ihres Buchs zufriedenstellen konnte. Denn ihre Antwort auf die Frage, wie besonders Frauen, die Männer lieben, auch mit ihnen leben können, ist Liebe.</p><p>Allerdings nicht die Liebe dieser Frauen. Sie sieht den Ball durchaus im Spielfeld der Männer. Sie plädiert dafür, dass Männer, die mit Frauen romantisch verbandelt sein wollen, diese wenigstens ein bisschen mehr lieben müssten. Nicht besitzen wollen, nicht kontrollieren wollen, nicht als Objekt betrachten, sondern lieben im Sinne der Akzeptanz als selbstbestimmte Person. So als wäre sie ein anderer Mann.</p><p>Garcia vermutet wahrscheinlich, dass Vergewaltigungen und (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen allgemein dadurch seltener vorkommen sollten. Was auch gut sein kann. Aber was das Publikum wahrscheinlich vor den Kopf stieß, war die Einfachheit der Antwort im Kontrast zur Komplexität der neuen Frage: Wie lernen Männer, Frauen mehr zu lieben? Und wieso sollten sie das wollen?</p><hr/><p>Cleo live</p><p>Am <strong>14.10.</strong> darf ich die Moderation der Buchpremiere von <a href="https://orgasmic-woman.com/orgasmic-parents/">“Orgasmic Parents”</a> bei der Buchbox im Prenzlauer Berg übernehmen! Ein wundervoll anschaunlich in Wort und Bild gestaltetes Praxisbuch für lebendige Sexualität rund um das Eltern werden und sein. <a href="https://www.buchboxberlin.de/event-calendar/buchpremiere-von-%E2%80%9Eorgasmic-parents%E2%80%9C?srsltid=AfmBOoo1j3Qjq79vXlQrTwaHb9EMKlAGfYzcgEgVsWv1mEZISCZYxT4S">Hier finden sich die Tickets</a> - seid schnell und erscheint zahlreich, um dieses tolle Werk mit uns zu feiern!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Ich habe dazu zwei Thesen. Erstens, indem sie Weichheit (und das damit stereotyp verbundene Weibliche) <em>embracen</em>. Zweitens, indem Frauen lernen, weiche Männer zu lieben. Ja, es braucht einen <em>team effort</em>.</p><p>Ich persönlich date am liebsten weiche Männer. Sanfte Typen, die am besten auch ein bisschen gay sind. Aber noch bis vor zwei Jahren sah das komplett anders aus. Genau wie mein Dating-Leben, das deutlich belasteter war von Seximus, Empathiemangel und Übergriffigkeit. Ich will gar nicht behaupten, dass es jetzt nicht mehr zu Konflikten zwischen mir und meinen männlichen Partnern kommt. Aber die Qualität der Kommunikation und das Level an Respekt mir gegenüber haben sich deutlich verbessert, seitdem ich Weicheier bevorzuge. </p><p>Weicheier, das sind Männer, die Schwäche zulassen, Fehler eingestehen und andere Gefühle als Wut zeigen, habe ich gelernt. Ich bin in dem Glauben aufgewachsen, dass Weicheier das Gegenteil von “echten Männern” darstellten und deswegen unsexy seien. Nichts war lange Zeit weniger hot für mich, als ein Mann, der nicht ständig sagen kann, wo’s lang geht. Es ging sogar noch tiefer als reine Attraktivität, ich habe sanfte Männer nicht im selben Maß respektiert wie “echte”.</p><p>Dabei ist der Gentleman einst ein erstrebenswerter Status gewesen, der sich im herkömmlichen Sinne des Begriffs über besonders respekt- und rücksichtsvolles Verhalten gegenüber anderen Menschen - auch Frauen - auch Frauen, an denen es kein sexuelles Interesse gab - ausgezeichnet hat. Das moderne Verständnis des “Gentlemen’s Club” hingegen bezieht sich nicht selten auf Männerbünde, die Frauen als Lustobjekte betrachten, und einfach nicht ernst nehmen. Wobei letzteres vielleicht schon immer so war.</p><h3>Dabei ist das genau, was wir brauchen: <em>gentle men</em>, sanfte Männer. Wieso? Weil sie zuallererst niemandem Angst machen.</h3><p>Letztens saß ich in Neukölln auf einer Parkbank und las obiges Buch. Zwischendurch musste ich mir ein paar Verschnaufpausen von der manchmal schwer einzuhaltenden Lektüre gönnen und ließ meinen Blick dafür durch die Gegend wandern. Ich beobachtete alle Leute, die im Oktobersonnenlicht an meiner Parkbank vorbei schlenderten und stellte fest: Auch wenn ich per se keine Angst vor fremden Menschen habe, gibt es manche, die mich weniger einschüchtern als andere.</p><p>Und wenn ich das auf Personen beziehe, die ich als Männer lese, dann ist das vor allem eine Gruppe: Väter. Männer mit Kindern. Um sie herum, vor ihnen im Buggy oder an ihre Körper geschnallt. Sie wirken einfach unheimlich friedlich auf mich. Das kann daran liegen, dass ich ein unerschütterliches Vertrauensverhältnis zu meinem eigenen Vater habe. Es kann aber auch daran liegen, dass Männer, die sich um Kinder kümmern, das Sinnbild ungefährlicher, sanfter Männlichkeit sind.</p><p>Ich persönlich habe noch nie von einer Frau gehört, sie fände bevaternde Männer in irgendeiner Art und Weise bedrohlich. Auch nicht von denjenigen, die selbst keine Kinder haben wollen. </p><p>Worum es hier nicht geht, ist, diese Männer als besonders hot oder attraktiv darzustellen. Ich spreche hier nicht vom Sexsymbol “Dad Bod”, sondern von einem nicht-alarmierten Nervensystem beim Anblick eines Mannes mit Kind.</p><p>Der “Familienvater” ist in meinen Augen der am wenigsten bedrohliche Archetyp Mann, sogar noch vor dem “alten Mann”, weil der Vater sich höchstwahrscheinlich vor seinen Kindern selbst mit übergriffigen Kommentaren und Geräuschen zurückhält. Schließlich gehört der Ausdruck von Sexualität vor ihren Kindern für die meisten Eltern noch zu den ungebrochenen Tabus. Von Vätern erwarte ich also nichts Ekliges, das über Baby-Kotze auf dem Shirt hinausgeht.</p><p>Was alles nicht heißen soll, dass Väter keine Gewalt anwenden können. Aber mir geht es erst einmal um den friedvollen Eindruck, den sie vermitteln. Der auch schon oft genug dafür gesorgt hat, dass Betroffenen nicht geglaubt wurde, gerade weil man es mit einem Familienvater als Täter zu tun hatte. Ich schweife ab.</p><p>Jedenfalls bin ich davon überzeugt, dass wir das Muster “hart gleich hot” und “weich gleich shit” auch wieder verlernen können und sollten. Denn der “weiche Mann”, ist ein Mensch, der weiblich konnotierte Verhaltensweisen, Interessen etc. nicht von sich weist - und damit einer, der im Sinne Garcias die Frauen ein bisschen mehr liebt. Denn der Kult um “wahre Männlichkeit” mit Härte, Stärke, Bärten und anderen Umlauten wurzelt in nichts anderem als Misogynie.</p><h3>Also, wie kann man “das Weibliche” als Mann mehr annehmen?</h3><p>Wo konkrete Schritte sehr individuell gestaltet werden können, habe ich einen allgemeinen Ratschlag: Interessiere dich für die Perspektive von Frauen und nicht-binären Personen. Lies ihre Bücher, schau ihre Filme und höre den Menschen in deinem Umfeld zu. </p><p>Oder geh doch z. B. Mal in einen <a href="https://periodenladen.de/">Laden für Periodenprodukte</a> und schau dich um, was es so gibt. Lass dir erklären, was du noch nicht kennst. Lass dich beraten, welche Produkte du für deinen nächsten Damenbesuch bei dir Zuhause in deinem Badezimmer anbieten könntest. Aber lass auf jeden Fall dieses seelenlose Desinteresse an sogenannten “Frauenthemen” sein.</p><p>Du bist ein Mann und willst deine Mitmenschen nicht einschüchtern? Weil du keine Gefahr bist? Dann zeig es!</p><p>Du willst nicht bedrohlich wirken? Dann werd weich!</p><p>Du hast von ‘ner Frau gehört, sie findet das nicht attraktiv? Dann lass sie ziehen! Da kommt schon noch eine andere, die das hot findet. Weil es auch eh nicht um deine Schale gehen sollte, sondern um deinen Kern.</p><p>Harte Schale war gestern. Wie wär’s mal mit weiche Schale dort, wo auch weicher Kern drin ist? Vor wem versteckst du den eigentlich? Immer noch vor deinem Vater? Grow. The fuck. Up.</p><p>Und nun mein Aufruf an die hetero datenden und liebenden Frauen um mich herum. Hinterfragt bitte eure Vorurteile gegenüber und Berührungsängste mit weicher Männlichkeit. Denn wenn er sich für deinen Geschmack “zu feminin” bewegt, kleidet oder spricht, könnte das deine persönliche Präferenz sein. Oder auch ne gute Prise internalisierte Misogynie. Bei mir war das jedenfalls so und ich kann bestätigen, dass man das verändern kann.</p><p>Aber mehr Veränderung müssen wir von unseren Mit-Männern einfordern. Indem wir zeigen, dass ihre Weichheit willkommen ist und dass die alte Härte sie nicht mehr weiterbringt.</p><p>Ich hoffe sehr, dass sie das motivieren wird, Frauen ein bisschen mehr zu lieben.</p><hr/><p>Trinkgeld, bitte?</p><p>Wenn du diese Newsletter-Ausgabe besonders magst, kannst du mich auch ohne Abo unterstützen! Hier kannst du mir einmalig ein Trinkgeld geben, wenn du es übrig hast 😊</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Blog</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat.</p><p>In Ausgabe Nummer 7 hat Toni S. (64) über ihre Erfahrungen gesprochen und ermuntert alle, Sex gerne auch abseits der bekannten, ausgetretenen Pfade zu erkunden!</p><p>Wenn du auch einmal Teil der Interview-Reihe sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir! Los geht’s:</p><h4><em>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?</em></h4><p>Toni: “Fantastische Orgasmen, fantasievoll, lustorientiert. Von der Performance zur Lustreise.”</p><h4><em>Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?</em></h4><p>Toni: “Ich fühle mich beim Sex lustvoller, selbstbestimmter, befreiter und neugieriger.”</p><h4><em>Worauf willst du heute beim Sex nicht mehr verzichten?</em></h4><p>Toni: “Ein*e entdeckungsfreudige*r Partner*in. Mit 50, 10 Jahre nach meiner Scheidung und nach vielen unterschiedlichen Sexpartnern, bin ich in eine offene Beziehung gerutscht. Der Mann, mit dem ich ein Jahr zusammen war, war mein erster Partner, der sich intensiv mit der weiblichen Sexualität auseinandergesetzt hatte.</p><p>Er hatte tolle Bücher darüber gelesen. Bücher, die ich bis dahin nicht kannte. Und hatte viel Erfahrung und Lust sich mit mir und meinem Körper zu beschäftigen. Er selbst war impotent. Und wir hatten viele wunderbare Erlebnisse mit mir und meiner Vulva, die sich mir mit völlig neuen Lustgefühlen offenbarte.</p><p>Vielleicht war es der Fakt, dass er impotent war. Ich hatte zum erstmal Sex ohne das vorrangige Gefühl bei mir, den Mann unbedingt befriedigen zu müssen. Mein Erleben stand komplett im Vordergrund und meine Lust war es, die ihn befriedigte.</p><p>Dadurch konnte ich diesen inneren, patriarchal getriebenen Zwang überwinden, unbedingt befriedigen zu müssen. Ich könnte mich zum ersten Mal völlig frei meiner Lust hingeben.”</p><h4><em>Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?</em></h4><p>Toni: “Wichtiger, weil tiefer und erfüllender.”</p><h4><em>Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</em></h4><p>Toni: “Dass es unendliche Tiefen zu entdecken gibt, die mich als Mensch weiter machen. Die Tiefe kam mit meiner erstaunlichen Einsicht, dass der Sex und die Befriedigung nur für mich da waren, ohne diesen <em>Care</em>-Zwang.”</p><p>Herzlichen Dank für dein Vertrauen, liebe Toni, und dass du deine Erfahrungen mit einem buchstäblich weichen Mann mit uns geteilt hast!</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Natürlich empfehle ich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich Manon Garcias gesammelte Gedanken zum Pelicot-Prozess “Mit Männern leben”:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/df7b25d2-c68a-493e-8573-80aed5305a83/uploads/images/ye4fmerxzk/1000063710.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wer sich unabhängig vom Geschlecht dafür interessiert, wie man sich seine Sanftheit erkämpft und auch in politisch harten Zeiten bewahrt, der*die sollte einen Blick in das ebenfalls gerade erschienene Buch von Laura Lucas, Katrin Rönicke und Lena Sindermann werfen: <a href="https://www.leykamverlag.at/produkt/resist/">“Resist! Weich bleiben in harten Zeiten”</a>. Die Macherinnen produzieren übrigens auch den großartigen, feministischen <a href="https://lila-podcast.de/">Lila Podcast</a> und sind auch hier auf Steady mit einem Newsletter vertreten (schaut mal in meinen Empfehlungen vorbei).</p><p>Und zu guter Letzt noch eine andere Podcast-Empfehlung: In Bed With The Right ist ein Format, dem ich regelmäßig mit Verzückung und Empörung zugleich lausche. Aber der <a href="https://open.spotify.com/episode/5TLdM1e5v0gPP0gQ9kLrCe?si=1290c9f7ee464071">Zweiteiler über Phyllis Schlafly</a> - die Frau, die eigenhändig den Equal Rights Act in den USA gekippt hat - ist ganz besonders empfehlenswert. Alle, die sich politisch interessieren, sollten ihre Geschichte kennen. Sie hat den Vorwurf der Unmoral über die Gleichstellung der Geschlechter gebracht. And frankly, I hope she’s rotting in her own personal hell.</p><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>Im Tagesspiegel ist mal wieder eine neue Kolumne von mir erschienen! Lesbar mit Abo: <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/wer-hat-eigentlich-sex-in-der-therme-mist-ich-hab-bestimmt-zu-laut-geatmet-14316884.html">“Wer hat eigentlich Sex in der Therme?”</a></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 12 Oct 2025 07:01:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#16: Nicht einer Meinung sein]]></title>
      <description><![CDATA[Meinungsverschiedenheiten sind mir unangenehm. Ich bin nicht sehr konfrontativ und hab’s generell lieber harmonisch. Aber zur Harmonie gehören immer mindestens zwei. Und…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Meinungsverschiedenheiten sind mir unangenehm. Ich bin nicht sehr konfrontativ und hab’s generell lieber harmonisch. Aber zur Harmonie gehören immer mindestens zwei. Und wenn mein Gegenüber nicht mitmacht und Dinge von sich gibt, die ich so nicht stehen lassen will, kommt es wohl oder übel zum Konflikt. Diskussion kostet mich allerdings deutlich mehr Kraft als Diplomatie und ich finde kaum etwas so unbefriedigend wie die verpasste Chance auf eine Einigung (gib mir halt einfach Recht 😛).</p><p>Meine Freundin F. ist da interessanterweise ganz anders, sie liebt die Konfrontation verschiedener Standpunkte. Entsprechend viel wird miteinander diskutiert, wenn wir uns treffen. Obwohl es immer respektvoll zwischen uns bleibt, fühlt sich der intellektuelle Prüfstand, auf den wir uns gegenseitig stellen, nicht immer angenehm an. </p><p>“Ich finde es in Ordnung, wenn mir nicht immer alles angenehm ist”, erklärte F. mir zuletzt bei einem morgendlichen Kaffee. “Das sind die Momente, in denen ich aus begangenen Fehlern lerne. Ich möchte auch einmal etwas riskieren und an Herausforderungen wachsen! Deswegen muss ich Unannehmlichkeit gar nicht immer vermeiden.”</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Tja, so hatte ich das noch nicht betrachtet. Meine feministische Social Media Bubble hat mich dafür sensibilisiert, bei anderen keine Grenzen zu übertreten. Seitdem kommt es mir wie ein Kardinalfehler vor, wenn sich jemand in meiner Anwesenheit, mit meiner Sprache oder wegen meiner Fragen unangenehm berührt fühlt. Also versuche ich das natürlich zu vermeiden, frage nach Einverständnis und Wohlfühlfaktor und <a href="https://open.spotify.com/episode/7fy61qtEslZpUUhH0ruFKS?si=88046462a188409f">setze Triggerwarnungen und Content Notes</a> in meine Texte, mein Buch oder meine Insta-Stories.</p><p>Dabei habe ich einfach gleichgesetzt, dass “unangenehm” auch immer “unfreiwillig” bedeutet. Ich konnte mir vor meinem Gespräch mit F. nicht vorstellen, dass jemand sein Einvernehmen dazu gibt, sich z. B. mit Interview-Fragen von mir unwohl zu fühlen. Der Konsens zur Meinungsverschiedenheit und den damit einhergehenden negativen Gefühlen war mir einfach schon immer fremd. Entsprechend fern lag mir der Gedanke bisher, mich im Debattieren zu üben. Und das stellt sich in Abetracht der aktuell politisch immer unruhiger werdenden Zeiten als großer Nachteil heraus.</p><p>Denn wenn es eine Fähigkeit gibt, die politisch oder aktivistisch publizierende Menschen heute mehr denn je gebrauchen können, dann ist das sicheres, kluges und vor allem flinkes Argumentieren. Und den Mut zur Meinungsverschiedenheit.</p><p>Also hier einmal ein <strong>Aufruf an meine Community:</strong> Wenn ihr gute Bücher, Podcasts, Content oder Kurse kennt, die gutes Debattieren lehren, bitte her damit! Sendet mir eure Tipps gerne per DM auf Insta oder an cleo.libro@gmail.com.</p><p>Ich möchte nämlich die Bühnen der sekundenschnellen Argumentationen nicht den Populist*innen überlassen. Aber dafür müssen wir ganz schön auf Zack sein. Wer hier tiefer einsteigen möchte, höre sich gerne einmal die Folge <a href="https://open.spotify.com/episode/3tddvUDsDez75NiPtPt5mI?si=2ca67724773940ba">“Debate or rage-bait?”</a> vom englischsprachigen Podcast <em>Today, Explained</em> an.</p><p>Währenddessen dreht sich der Blog-Teil dieses Newsletters um ein paar Situationen, die beispielhaft für mein nun zartes inneres Pflänzchen des Muts zum Dissenz und der Offenheit zur Diskussion sind. Auch wenn es sich dabei teilweise um sehr persönliche und emotionale Themen handelt. Aber etwas anderes ist Politik ja auch nicht.</p><hr/><p>Blog</p><p>Hier folgt jetzt eine kleine Premiere: mein erster Blog-Text in englischer Sprache. Dieser Newsletter wird auch zukünftig hauptsächlich auf Deutsch erscheinen. Ich behalte mir aber vor, zwischenzeitlich ein wenig an meinen fremdsprachlichen Schreib<em>skills</em> zu arbeiten 😉 An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Nate für das Korrekturlesen meiner auf EN noch schrecklicheren Interpunktion!</p><p>Wenn dir das Leseverständnis auf Englisch Probleme bereitet, empfehle ich dir, die <strong>automatische Übersetzungsfunktion deines Browsers</strong> anzuwenden. Die findet sich meistens im Menu und klappt tatsächlich in den meisten Programmen super zuverlässig.</p><p>Danke für dein Verständnis und los geht’s!</p><h2>Search Inside the Box</h2><p>I carry this box of feelings. It lies heavy in my hands.</p><p>It’s packed to the brim with sadness and fear and grief. With panic and regret. With pain and loss and love that has nowhere to go anymore. The box feels like too much to bear and I carry it with my arms outstretched. It’s heavier this way, more difficult to hold up. But I cannot stand it either to hold it closer to my heart.</p><p>Another reason being that I want to hand it over to someone. I don’t really care to whom. I just don’t want to have to carry it myself anymore. I’m desperately searching for someone else to hold all these feelings for me. At least for a short while. Therefore I tell everyone about my pain, I show my box to all of the people I encounter and speak to during the day.</p><p>Even to that stranger on the street on Sunday who asked me how I was doing because he wanted me to buy this artist’s newspaper from him. He was this old black man who spoke English with a US accent, and he took only a quick glance at my heartbreak before telling me this was all my own doing.</p><p>He didn’t pick up the box for me, of course. He told me that I was the only person capable of hurting myself emotionally. That the contents of my box were all just in my head and therefore under my control. I could choose to just put the box down and stop carrying its weight, the painful load.</p><p>In his eyes I was expecting too much of others. ‘The people around us are not obligated to love us, even if we think we’re entitled to their love’, is what he explained to me. I should stop frantically searching for help from the outside, help with carrying my box of feelings. I could accept help when offered to me freely, I shouldn’t count on it though. </p><p>When he spoke to me like that, I could feel the resistance rising in my chest. His way of explaining the world to me felt condescending, but also good in that way in which we sometimes like to be told what to do by the elders (and he was many decades my senior). I had never received tough love: bold words like this about love and pain. Words that didn’t care if they hurt my ego, but cared enough to try and make me see a way out of my misery.</p><p>So, part of me felt grateful for the advice of a grandfather I’d have never known. And a much more mature part of me smirked down on this stranger, not respecting him as much anymore, because–even at his age–he still mistakes his personal disappointments for a universal truth about life as a human under humans. </p><p>I think we can and should look for help from others. I don’t think we should expect, but hope and open our mouths and hearts to ask for support. I think we should be grateful instead of entitled when receiving it. And we shouldn’t overstay our welcome. Think of our helpers and their limited resources by moving on with our boxes. Even if we don’t know yet where or to whom we can hand them over for a little break next time. But we shouldn’t be convinced we have to do this alone all the time. </p><hr/><p>Cleo live</p><p>Übrigens, ich lese aus meinem Buch <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/cleo-libro-gleichstellung-9783426284476?srsltid=AfmBOorsf031t8to5cbst6Yp1KxAJM06YxAbFywh-SaFaCT554oQM1Q-">“Gleichstellung - Sex zwischen Wunsch und Wirklichkeit”</a> am <strong>10.10. ab 19:30 Uhr</strong> in Berlin Friedrichshain bei La Blutique, dem Periodenladen! <a href="https://periodenladen.de/products/cleo-libro?variant=50933936324955">Tickets gibt’s hier!</a> Letzte Chance auf Gleichstellung in Berlin in 2025!</p><p>Am <strong>14.10.</strong> darf ich die Moderation der Buchpremiere von <a href="https://orgasmic-woman.com/orgasmic-parents/">“Orgasmic Parents”</a> bei der Buchbox im Prenzlauer Berg übernehmen! Ein wundervoll anschaunlich in Wort und Bild gestaltetes Praxisbuch für lebendige Sexualität rund um das Eltern werden und sein. <a href="https://www.buchboxberlin.de/event-calendar/buchpremiere-von-%E2%80%9Eorgasmic-parents%E2%80%9C?srsltid=AfmBOoo1j3Qjq79vXlQrTwaHb9EMKlAGfYzcgEgVsWv1mEZISCZYxT4S">Hier finden sich die Tickets</a> - seid schnell und erscheint zahlreich, um dieses tolle Werk mit uns zu feiern!</p><hr aria-hidden="true"/><p>And yes, I could probably decide at any point in time to put the box down. To just drop it in front of me, let it fall to the ground, break open and let its contents spill all over the place. The chance that I make a huge mess, though, is big. The chance that I let it literally fall on my feet (which is a German idiom for worsening a situation for yourself) is also not very small. And even the thought of just slowly setting the box down in front of me - since it’s all under my control and I can choose just not to hurt RIGHT?!??!! - feels like I’m only setting a trap in my own path.</p><p>I will fall over this big ass box of grief whenever I forget it’s there. Because you can choose to look the other way, but grief doesn’t ignore you back. It doesn’t just dissolve into the Void. It’s a substance that sticks to your feet if you step into a box full of it, making them heavy, slowing your pace down.</p><p>The only way to be able to move forward despite the grief mud in front of you is: unpacking the box. Using the smallest gadget to scoop out the slimy grief, say a spoon, and spread it out thinly in front of you. So that you can walk on it without the layer being so thick that your soles keep getting stuck.</p><p>So yeah, that’s a lot of dirty work. It’ll take time and resilience and patience and bravery. And sometimes the kindness of others taking over for an afternoon so you can rest. </p><p>I disagree with the alternative said stranger chose for his own life. Because what does that mean?</p><p>It means never moving along your path. Being blocked by one or more boxes. Letting them pile up around you like a cardboard fortress. A wall that keeps people out but will still not protect you from the elements. A shelter that’ll burn in seconds and take you down with it. That keeps you from moving on and over time blocks even your outlook on the path that could lay ahead of you. </p><p>No, that’s sad. It’s so much more sad than hurting myself by carrying and unpacking and carrying and unpacking my box. I know it’ll never be fully empty while wandering my life’s path. But I also know that only this way will I keep meeting other people with their boxes, so that I’ll never be alone in this.</p><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber lieber ohne Abo? Das geht!</p><p>Wenn du diesen Newsletter besonders magst, kannst du mir auch einfach einmalig dafür ein Trinkgeld geben:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>WDNJSÜ Sex ab 50</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat.</p><p>Diese Woche widme ich den Platz, den das Interview-Format hier einnimmt, den Menschen, die mit diesen fünf Fragen so gar nichts anfangen konnten. Bis hin zu einer Stimme, die die Sinnhaftigkeit des gesamten Formats in Frage stellt. Die Fragen:</p><h5>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten? Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30? Worauf willst du heute beim Sex (nicht mehr) verzichten? Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30? Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</h5><p>Auch wenn diese fünf Fragen die Menschen, deren Rückmeldung ich hier zusammenfasse, zum Nachdenken angeregt haben, empfanden einige sie nicht als relevant für oder anwendbar auf ihre individuelle sexuelle Lebensgeschichte. Das hatte verschiedene Gründe, aber der Tenor war: das Älterwerden hat nichts an ihrem Sex verändert.</p><p>Auch wenn die eine oder andere körperliche Alterserscheinung aufgetreten sei (Verlust von Zyklus, Fruchtbarkeit oder Energie), nahmen die eigenen Veränderungen weniger Einfluss auf ihre ausgelebte Sexualität als die Verfügbarkeit oder die Persönlichkeit ihrer Sexualpartner*innen. Egal zu welchem Zeitpunkt im Leben, ein sexuell aufgeschlossener und abenteuerlustiger Spielgefährte brächte immer mehr Veränderung ins Schlafzimmer als die vergehende Zeit allein.</p><p>Ähnliches gelte auch für die Fähigkeit herauszufinden und zu kommunizieren, was einem im Bett gefällt oder wichtig ist. Wo von Beginn an das Verständnis für und die Priorisierung von eigenen Bedürfnissen vorhanden war, nahm die Selbstbestimmung mit der Zeit weder zu noch ab, noch komme es zu dramatischen Momenten der Erkenntnis á la “darauf will ich (nie wieder) verzichten!”</p><p>Besonders herausfordernd fand ich allerdings die Gegenfrage einer Person, die sich aus folgendem Grund nicht auf das Interview mit mir einließ: sie stellte von Grund auf in Frage, dass ein öffentlicher Diskurs über persönliche sexuelle Erfahrungen überhaupt von Nutzen für Dritte sein könnte.</p><p>Schließlich seien die Antworten und Perspektiven auf Sexualität sehr individuell und ein Gespräch darüber für sie höchstens in einem persönlichen Austausch unter Bekannten sinnvoll. Sich mit Fragen oder Sorgen rund um Sexualität unter Nahestehenden auszutauschen, leuchte ein. Der öffentlichen Verhandlung fehle es jedoch an der nötigen intimen Verbindung, dem daraus resultierenden sicheren Raum und damit der Möglichkeit für Nachfragen und Auseinandersetzung.</p><p>Auf Deutsch gesagt, stellte sie mir die Frage: was und wem nützt die (öffentliche) Reflektion über Sex ab 50? Was wollen junge Menschen mit Erfahrungsberichten über den Sex der Alten? Sie können die Entwicklungen in ihrem eigenen Sexleben doch dadurch nicht aufhalten, dass sie einmal gelesen haben, was bei anderen passiert.</p><p>Und damit sind wir wieder bei einer Meinungsverschiedenheit angelangt, die mich intellektuell genug provoziert hat, um zu widersprechen.</p><p>Meiner Ansicht nach kann ein Austausch zwischen den Generationen in allen Bereichen hilfreich sein, auch in sehr persönlichen und auch dann, wenn es sich außerhalb eines privaten Rahmens bewegt. Bspw. auf Social Media die Reaktionen, Nachfragen und Bezugnahmen einer Vielzahl anderer Menschen zu lesen, entstigmatisiert schambehaftete Themen (wie es Sex nunmal immer noch ist, besonders “im Alter”) und schafft Bewusstsein.</p><p>Ein Bewusstsein dafür, dass die meisten auftretenden Veränderungen, Sorgen, Hürden und Freuden keine noch nie dagewesenen Herausforderungen oder Übertreibungen sind, die man nur mit sich selbst ausmachen darf. Wo ein Leidensdruck, da ein Lösungsweg und wieso sollten wir die Zugänge zu diesen Lösungen nicht so einfach wie möglich gestalten? Besonders, wenn sie schon von so vielen vor uns beschritten worden sind.</p><p>Was für mich zudem auch eine Rolle spielen darf, ist die schlichte Neugier. Die existiert in den meisten von uns aber nicht ohne Scham, vor allem, wenn sich die Wissenslücken auf Sexualität beziehen. Informationen und Erfahrungsberichte, für die man nicht erst selbst das Gespräch suchen muss, können einen wunderbaren Einstieg bilden, um mehr über ein Thema zu erfahren. Wer dann noch immer nicht genug hat, findet sicherlich auch irgendwann den Mut zum persönlichen Austausch. Doch dafür muss man zunächst einmal die richtigen Worte parat haben. Und auch hierfür liefern Interviews dieser Art eine Hilfestellung.</p><p>Offen und authentisch über Sexualität zu sprechen, fällt vielen Menschen noch nicht leicht. Es erfordert Übung, aber auch Inspiration, gerade wenn es darum geht, eine für sich passende Wortwahl zu finden. Sich hierfür anzusehen, welchte Worte andere Menschen für ihr Sexleben wählen, ist eine absolut valide und smarte Methode. Öffentlich gemachte Gespräche bilden eine prima Vorlage dafür.</p><p>Und zu guter letzt: natürlich können und sollten wir uns alle trauen, selbst Fragen zu stellen, wenn wir etwas wissen möchten. Aber hier dürfen wir nicht vergessen, dass wir ja nicht wissen, was wir noch nicht wissen. Und das ist ein schwieriger Ausgangspunkt, um Fragen zu formulieren.</p><p>Oft geraten wir auch zuerst an Mythen anstatt Wissen über tabuisierte Themen wie Sexualität im fortgeschrittenen Alter. Tabu-Bereiche wie Sex, aber auch körperlicher und gesundheitlicher Abbau, sind besonders anfällig für Legendenbildung, bei der nie jemand nachfragt, ob das auch wirklich so kommen <em>muss</em>. Denn das direkte Ansprechen ist ja unangenehm 😉</p><p>Ich bin dankbar für die kritischen Fragen und Argumente aus diesen Gesprächen. Sie haben mich zur Reflektion über die Sinnhaftigtkeit dieser kleinen Aktion angeregt und das Ergebnis hat mich noch einmal darin bestärkt, dass die Interviews eine gute Idee sind.</p><p>Aber wie seht ihr das? Hat das Konzept für euch Sinn und Mehrwert oder nicht? Und wie sieht das bezüglich der fünf einzelnen Fragen aus?</p><p>Ich bin gespannt auf eure Meinungen! Auch auf die Verschiedenheit.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Entsprechend des Themas “Meinungsverschiedenheiten” folgen hier ein paar passende Buchempfehlungen.</p><p>Um sich inhaltlich mit flinken Argumenten, Statistiken und Beispielen für die nächste “Brauchen wir überhaupt noch Feminismus”-Diskussion zu wappnen, empfehle ich das Buch <a href="https://www.ullstein.de/werke/was-wollt-ihr-denn-noch-alles/hardcover/9783548068244">“Was wollt ihr denn noch alles” von Alexandra Zykunov</a>.</p><p>Und wer lieber einmal in Romanform gedanklich durchspielen möchte, wie es ist, wenn man mit keinem mehr einer Meinung ist und ob sich die daraus folgende Isolation lohnt, dem*der empfehle ich “Schäfchen im Trockenen” von der unheimlich lustigen Anke Stelling:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/50950f04-7068-470c-b497-8ba00641f0bc/uploads/images/pcmwfwpbql/1000058240.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 28 Sep 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#15: Von unbemerkten Abschieden und bewussten Trennungen]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn dir plötzlich der Anblick von Banalitäten weh tut, weißt du, dass du dich mitten in einem Abschied befindest. Und so ging es mir, als ich vor ein paar Tagen an der…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn dir plötzlich der Anblick von Banalitäten weh tut, weißt du, dass du dich mitten in einem Abschied befindest. Und so ging es mir, als ich vor ein paar Tagen an einer Fußgängerampel wartete. </p><p>Auf einmal sprang mir das Straßenschild auf der Mittelinsel ins Auge, das an einem kurzen Pfosten angebracht ist und dem Autoverkehr anzeigt, in welche Spur eingebogen werden soll. Der Pfosten schließt in einem schwarzen, runden Plastikdeckel ab.</p><p>Dass man diese Deckel abnehmen und darunter kleine Gegenstände verstecken kann, weiß ich erst seit Kurzem. Nämlich seitdem mir <em>jemand</em> gezeigt hat, dass Geocaching zwar ein nerdiges, aber auch spaßiges Spiel ist. Das ist das Suchen kleiner Gegenstände in der Umgebung, die andere Spielende vorher versteckt und mit Hinweisen versehen haben. Und solche Caches findet man eben manchmal unter diesen Deckeln. Ein kleines, urbanes Geheimnis.</p><p>Ganz cool eigentlich. Aber jetzt muss ich beim Anblick von Pfosten mit schwarzen Deckeln die Tränen wegblinzeln. Weil mir vorher nichts so <em>wirklich</em> bewusst machen konnte, dass dieser Mensch, den ich tief in mein Herz geschlossen habe, bald das Land verlässt. Und zwar ohne Rückflugticket.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><hr/><p>Blog</p><p>Wir fragen: “Wann habt ihr euch getrennt?” als würden Trennungen an einem einzelnen Tag und zu einem definierbaren Zeitpunkt passieren. Dabei habe ich mich manchmal über Jahre getrennt. Ich meine damit nicht, dass ich mich jahrelang langsam distanziert habe, bis das zur Trennung führte, sondern die Trennung selbst.  </p><p>Denn manchmal hat es Jahre gebraucht, bis ich das Gefühl hatte, mit keiner Faser meines Seins mehr an der jeweiligen Person, dem Ort oder der Version meines Selbst zu hängen, die ich hinter mir gelassen hatte. Zudem hat es nicht selten auch Jahre gedauert, bis ich überhaupt verstanden habe, dass es einen Abschied gab. Das Leben spült mich manchmal einfach weiter, hin zu anderen Menschen oder Plätzen, ohne dass ich mir bewusst vorgenommen habe, etwas zu verändern.</p><p>Das ist mir bisher vor allem beim Verlassen von Orten passiert, die einmal mein Zuhause waren.</p><p>Ich vermute, das liegt daran, dass ich Orte immer dann erst hinter mir lasse, wenn ich schon ein neues Ziel vor Augen habe, auf das ich mich zubewegen kann. Die Vorfreude, ein neues Umfeld zu entdecken, mich in ihm auszuprobieren und zu beobachten, wie sich mein Freundeskreis, mein Geschmack oder mein Auskommen dort verändern, übertönt die Einsicht, dass etwas Neues eben auch oft eines Abschieds bedarf. </p><p>Man sollte eigentlich meinen, dass es auffällt, wenn man sein Zuhause hinter sich lässt. Ich habe das aber oft einfach nicht kapiert, als es passierte. Ich hatte immer vor, wieder an den Ursprung zurückzugehen; nicht für immer an einem neuen Ort zu bleiben. Was zur Folge hatte, dass ich sogar meine Heimat Köln endgültig verließ, ohne mich aktiv von ihr zu verabschieden. So habe ich erst im Rückblick mit großem Schrecken verstanden, was ich da verloren hatte. Und dass es auch keine Möglichkeit zur Rückkehr mehr gab, weil der Mensch, den ich damals dort - Zuhause - zurückließ, irgendwann weitergezogen war.</p><p>Als ich endlich einen ersten Blick in den Rückspiegel warf, wurde mir klar: einen Heimatort machen die Menschen aus, die ihn bewohnen. Und wenn diese Menschen nicht mehr da sind, gibt es auch kein Zurück mehr. Zumindest nicht mehr an den Platz, der dein Zuhause einmal gewesen ist. Dann sind die Türen zu den Orten, an denen so viele Erinnerungen hängen, verschlossen. Die Schlüssel abgegeben und der Name an der Tür ausgetauscht. Oder das gesamte Heim ist einfach nicht mehr existent. So wie das Haus, in dem ich aufgewachsen bin.</p><p>In meiner Erinnerung sehe ich die alte Einrichtung bis ins letzte Detail noch vor mir - die holzvertäfelte Küche, die Ledercouchgarnitur, das pastellgrüne Wählscheiben-Telefon. All das fühlt sich immer noch wie Zuhause an und all das ist nicht mehr vorhanden. Dass ich diesen Ort aber nicht dadurch verlieren würde, dass sich die Einrichtung änderte, sondern dass seine Bewohnerin auszog und verstarb, hatte ich nicht kommen sehen. Es hatte keinen Abschied von diesem Zuhause gegeben, weder für mich noch für sie.</p><p>Aber dass manche Orte schlicht nicht mehr existieren oder man dort nicht mehr dieselben Menschen wie früher antrifft, sind nicht die einzigen Gründe, wieso man nicht mehr wirklich in alte Heimaten zurückkehren kann. Meistens ist man selbst der Grund dafür. Denn ob es bewusste Entscheidungen sind, sich raus in die Welt zu wagen und andere Orte zu bewohnen oder ob das Leben einen unbewusst weiterträgt, der Effekt ist derselbe - nur du bist nicht mehr dieselbe. Und du hast maßgeblich dazu beigetragen, dass dein Zuhause das Zuhause aus deiner Erinnerung war.</p><p>Wenn man verändert versucht zurückzukehren, hilft es auch nicht, wenn die Lieben auf einen gewartet haben. Es ist einfach nicht mehr das Gleiche. Kleine Veränderungen sind noch überbrückbar. Sie lösen nur aus, dass der Schuh kaum merklich an ein paar Stellen drückt. Man trägt ihn weiter aus Vertrauen in die bisherigen Erfahrungen mit ihm.</p><p>Aber Große Veränderungen verhindern, dass man ihn überhaupt wieder anziehen kann. Und auch wenn diese Einsicht nicht überraschend klingt, als persönliches Erleben ist sie ein Schock. Ein Abschied, der sich nicht freiwillig anfühlt, weil man sich nicht gegen das Alte entschieden hat, sondern nur für das Neue.</p><p>Ich wollte doch nur gleichzeitig gehen und bleiben.</p><p>Dabei habe ich das Gehen nie bereut. Ich habe mir nur vorgenommen, in Zukunft besser auf meine Abschiede zu achten. Damit ich wenigstens die Großen nicht mehr einfach verpasse. Weil unbewusste Abschiede die Trennung verlängern.</p><p>Weil es so viel schwerer ist, das loszulassen, was man nicht mehr in der Hand hat.</p><p>Deswegen gehe ich gerade durch die bewussteste Trennung von einem Menschen, die ich mir je vorstellen konnte. Es gibt ein Datum für seinen Abflug, einen Ozean, der uns trennen wird und dadurch eine enorme Klarheit für unser Ende. Natürlich wissen wir, dass wir Kontakt halten können. Aber noch nie war <em>staying in touch</em> einfacher und überfordernder zugleich. Natürlich wissen wir auch, dass er nicht mehr derselbe sein wird, wenn wir uns wiedersehen. Weil er weitergezogen sein wird und ich hoffentlich auch.</p><p>Was bitter und kühl klingen mag, ist mein Weg aus vorherigen Abschieden zu lernen, anstatt zu erwarten, dass alles so bleibt, wie es war. Den Versuch zu wagen, anstehende Veränderungen anzunehmen, anstatt verzweifelt gegen sie anzukämpfen.</p><p>Wir sprechen über den Abschied und heulen zusammen Rotz und Wasser.</p><p>Wir erinnern uns an unser gemeinsam verbrachtes Jahr und liegen uns dabei dankbar in den Armen.</p><p>Wir nutzen die verbleibende Zeit, um neue Erinnerungen zu schaffen und fein säuberlich zu verpacken. Sie passen jetzt ins Handgepäck.</p><p>Ich glaube, das ist dieses <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Conscious_uncoupling">Conscious Uncoupling</a>, von dem alle reden. Tut verdammt weh, aber auch irgendwie gut, dem Abschied ein erstes Mal ins Auge zu sehen. Gemeinsam zu trauern, gemeinsam zu erinnern und gemeinsam loszulassen.</p><p>Thank you.</p><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber lieber ohne Abo? Das geht!</p><p>Wenn du diesen Newsletter besonders magst, kannst du mir auch einfach einmalig dafür ein Trinkgeld geben:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Lesungen</p><p>Am <strong>21.09. ab 11 Uhr</strong> diskutiere ich mein Buch “<a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/cleo-libro-gleichstellung-9783426284476?srsltid=AfmBOoqpBU-6JTRC7xCNmBZuKGieb03ho_Pj6aCW69rH8-ET2kYpvXw-">Gleichstellung - Sex zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Ein feministischer Selbstversuch</a>” im Liosalon in Berlin Kreuzberg! Es ist ein Sonntag und wir brunchen :-)</p><p>Eintritt gegen Spende und Anmeldung bei <a href="https://www.instagram.com/liofemtalk/">Lio Brix</a> . Ich freu mich auf euch!</p><p>Außerdem lese ich am <strong>10.10. ab 19:30 Uhr</strong> in Berlin Friedrichshain bei La Blutique, dem Periodenladen! <a href="https://periodenladen.de/products/cleo-libro?variant=50933936324955">Tickets gibt’s hier!</a></p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Welche Lektüre könnte einem besser durch eine Trennung helfen als Ricardia Bramleys Buch “The Breakup Call” (EN)?</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/747051bb-93b1-4325-8a46-663ec14bac15/uploads/images/zfi4pa6gzo/1000055803.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ricardia&#39;s voice saved my ass. Through many phone calls, conversations and voicemessages, she was a huge part of what was guiding me through the acute phase of the separation from my ex partner in 2023. Because her words held something for me that I could no longer muster myself: basic compassion and love for myself.</p><p>Many months after the breakup I had her voice with me again, but in the form of her book &quot;The Breakup Call&quot;. I gratefully read the thoughts, stories and tips again that I found so helpful in the past, and much more: It&#39;s okay to need help to get through a breakup. It&#39;s okay to still need that help, even if the breakup was a long time ago.</p><p>I don&#39;t know what helps other people through this, but for me it was Ricardia&#39;s voice. Thank you from the bottom of my heart, my lovely and generous friend!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Ein deutschsprachiger Buch-Tipp gegen Herzschmerz ist übrigens Michèle Loetzners “<a href="https://www.dumont-buchverlag.de/buch/michele-loetzner-liebeskummer-bewaeltigen-in-99-tagen-9783832199821-t-5196">Liebeskummer bewältigen in 99 Tagen</a>”. Die Autorin hat ihr Buch vor ein paar Jahren im sexOlogisch Podcast von Magdalena Zidi vorgestellt, wozu du auch <a href="https://www.sexologisch.com/post/liebeskummer-woher-er-kommt-und-was-gegen-ihn-helfen-kann-folge-95">hier einen Blogartikel</a> von mir lesen kannst.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/747051bb-93b1-4325-8a46-663ec14bac15/uploads/images/ohnvxs7yne/Screenshot_2025-09-13_233117.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 14 Sep 2025 10:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#14: Netzwerke: neuronal, sozial, digital - egal?]]></title>
      <description><![CDATA[Als Freelancer*in musst du netzwerken. Sonst gibt dir niemand Arbeit. Die meisten von uns Selbstständigen stöhnen resigniert auf oder rollen dramatisch mit den Augen,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als Freelancer*in musst du netzwerken. Sonst gibt dir niemand Arbeit. Die meisten von uns Selbstständigen stöhnen resigniert auf oder rollen dramatisch mit den Augen, wenn sie das hören. Der Gedanke, sich nur mit anderen Menschen zu verbinden, weil sie ein potentieller Auftrag oder Auftraggeber sein könnten, scheint vielen fast körperliches Unbehagen zu bereiten. Man will ja niemanden ausnutzen. Es soll ja alles möglichst nicht nutznießerisch wirken.</p><p>Leute, die dir schon ihre Visitenkarte in die Hand drücken, bevor du Gelegenheit hattest, ihren Namen zu vergessen, wirken sofort unsympathisch. Dabei sind sie vielleicht einfach nur ehrlicher zu sich selbst. Sie haben sich schließlich offensichtlich damit arrangiert, weswegen sie auf diesem Business-Lunch/ Community-Dinner/ After-Work-Event gelandet sind. Nämlich zum Netzwerken.</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Dafür, dass Netzwerke eigentlich schon immer in uns und um uns herum bestehen, dafür, dass sie in sozialer und digitaler Form schon so lange unser ganzes Leben prägen, beschweren sich besonders Freischaffende ziemlich oft über sie. Genauer gesagt, über ihr mangelndes Talent dazu, das eigene Netzwerk zu pflegen und zu erweitern. Aber sind wir Menschen nicht eigentlich wie dafür geschaffen, Verbindungen zu knüpfen? Unser buchstäbliches Bewusstsein ist ein Netzwerk von Neuronen, die in Verbindung miteinander eine Persönlichkeit und ihr Denken formen.</p><p>Die Erfolgsgeschichte unserer Spezies beruht genau darauf und auf der Tatsache, dass wir damit Zusammenhänge erkennen und zu unserem Vorteil nutzen können. Das ist, was gemeint ist, wenn gesagt wird, der Mensch sei ein soziales Tier. Hier wird nicht unser Hang zum Altruismus herausgestellt. Hier geht’s um unsere Abhängigkeit vom Prinzip der Hände, die einander waschen, weil wir als Art schlicht nicht ohne Genoss*innen auskommen. Wieso also der ganze <em>struggle</em>, wenn’s ums Netzwerken geht? Sollten wir da drin nicht alle Expert*innen sein?</p><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber lieber ohne Abo? Das geht!</p><p>Wenn du diesen Newsletter magst, kannst du mir auch einfach einmalig dafür ein Trinkgeld geben:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Mein Eindruck ist, dass wir in Zeiten von LinkedIn völlig vergessen zu haben scheinen, was “soziale Netzwerke” vor Facebook, Instagram und Co. bedeutet haben: ein Umfeld, privat wie beruflich, das zu einem großen Teil aus Menschen besteht, die wir persönlich kennen und nicht selten sogar mögen. Mit denen wir Gemeinsamkeiten haben, Erlebnisse teilen oder Pläne verfolgen. </p><p>Bei einer <em>random</em> Vernetzungseinladung auf LinkedIn ist das anders. Ich verstehe konzeptionell, wieso manche das machen. Fremden Leuten aus dem eigenen beruflichen Feld eine digitale Info-Benachrichtigungen zu schicken, dass es sie gibt, meine ich. Denn sowohl die Job- als auch die Auftragssuche ist ein <em>numbers game</em>. Je mehr Leute wissen, dass du und dein Angebot existieren, desto größer deine Chance auf Projekte. Egal, ob du deine Zielgruppe persönlich kennst oder nicht. Aber annehmen oder selbst verschicken konnte ich diese Krawatte tragenden Freundschaftsanfragen noch nie. Irgendwas in mir sträubt sich gegen eine Geste, die so performativ und sinnentleert wirkt, als würden sich zwei KI-Chatbots miteinander über ihre liebsten Reiseziele unterhalten.</p><p>Kein Wunder, dass uns beim Gedanken an Networking die Haare zu Berge stehen, wenn wir darunter ausschließlich die massenhafte, hauptsächlich digitale Begegnung mit Profilen anstatt Menschen verstehen, über die wir wenig wissen und die wir möglicherweise nicht einmal sympathisch finden. Mal ganz abgesehen davon, dass auch viele persönlich stattfindende Networking Veranstaltungen wie Selbstvermarktung im Speeddating-Stil anmuten. Dabei schaffen es die wenigsten Menschen, sich erfolgreich selbst zu pitchen und sich gleichzeitig wohl in ihrer Haut zu fühlen. Deswegen glaube ich, dass wir einfach falsch Netzwerken. </p><p>Anstatt sich beim “Was kannst du für mich tun - Wie wertvoll bin ich für dich?” Ping-Pong zu verausgaben, sollten wir lieber das Umfeld als unser Netzwerk verstehen, das wir aus allen möglichen anderen Gründen als reinen <em>business opportunities </em>aufgebaut haben: Freund*innen, mit denen wir Leidenschaften teilen. Familie oder andere Verbindungen, in denen wir gemeinsam wirtschaften. Menschen, die wir im Buchclub, Sportverein oder bei der Liveshow unseres Lieblingspodcasts getroffen haben und mit denen es sich so gut reden ließ. Leute, die wir mögen und umgekehrt. Bei denen es sich nicht gleich wie Arschkriechen anfühlt, wenn man über ihre oder eigene Projekte spricht. </p><p>Wenn mir eine Sache über’s Netzwerken klar geworden ist, dann ist das, dass du Andere von dir mit guter Arbeit überzeugen kannst. Oder eben nicht. Bei manchen Leuten kannst du dir ein Bein ausreißen, sie werden dich nicht unterstützen und du wirst nie genau erfahren, woran et jelejen hat. Ich möchte mich nicht mehr extra lange mit Menschen unterhalten, die Macht und Möglichkeiten haben, nur weil sie eventuell vielleicht beim 4. Mal plötzlich bemerken, was für eine geniale Geschäftspartnerin ich doch sein könnte. </p><p>Wenn ich spüre, dass jemand keine weitere Notiz von mir nimmt, dann belasse ich es auch dabei. Dann soll es nicht sein. Wenn jemand zwar mit mir über Projekte spricht, aber nur, um sich selbst zu profilieren und beklatschen zu lassen, dann muss ich mir eingestehen, dass die Person mich am nächsten Tag vergessen haben wird. Oder dass der Frage nach einem Drink am späten Sonntagabend andere Motive zugrunde liegen als der Wunsch nach produktiver Zusammenarbeit. </p><p>Ich kenne nicht wenige Frauen in meinem Umkreis, die unter dem unausgesprochenen Vorwand einer geschäftlichen Angelegenheit zu Treffen gelockt wurden, die sich dann als romantische Avancen entpuppt haben. Meistens von sehr viel älteren Männern. </p><p>Darauf fällt man ein paar Mal rein, spürt ein paar Mal die Scham, die eigentlich der Typ dabei empfinden müsste, bis man einen Schlussstrich zieht. “Scheiß drauf, nur noch Menschen, mit denen ich <em>vibe</em>”, habe ich mir selbst versprochen. Ich vernetze mich nur noch mit den Leuten, deren Interesse an meiner Arbeit sich aufrichtig anfühlt, die Nachfragen stellen und das gleiche Leuchten in den Augen bekommen, wenn ich von den Themen berichte, die mich bewegen. </p><hr/><p>Cleo live</p><p>Im September wird die Sommerpause vorbei sein und dann gibt es Lesungen aus meinem Buch “Gleichstellung” auch wieder live:</p><p>09.09. 20 Uhr: gemeinsam mit Matthias Kreienbrink im Kino Union, Berlin Friedrichshagen (<a href="https://www.kino-union.de/ticket?l=%2Fticket%3Fl%3D*kinoheld*%25250AcinemaPath%25253A%252520%252526apos%25253Bkino-berlin%252Fkino-union-friedrichshagen-berlin%252526apos%25253B%25252C%25250Atarget%25253A%252520%252526apos%25253Bself%252526apos%25253B%25252C%25250AnoChange%25253A%252520true%25252C%25250Arb%25253A%252520%252526apos%25253B1%252526apos%25253B%25252C%25250Alang%25253A%252520%252526apos%25253Bde%252526apos%25253B%25252C%25250Amode%25253A%252520%252526apos%25253Bwidget%252526apos%25253B%25252C%25250AshowId%25253A%252520%252526apos%25253B3247626179%252526apos%25253B">Tickets gibt’s hier</a>)</p><p>16.09. 18:30 Uhr: Lesung und Q&amp;A im Sisu Lou Buchcafé in Braunschweig</p><p>21.09. Brunch: Lesung und Diskussion im Liosalon bei Lio Brix in Berlin-Kreuzberg</p><hr aria-hidden="true"/><p>Diese Personen sind in meiner Erfahrung tatsächlich oft ältere, kreativ oder sozial arbeitende Frauen. Und das macht zwar kein reiches, aber ein stabiles und nachhaltiges Netzwerk aus - digital wie analog.</p><p>Bereiche der Sozialen- oder Pflegearbeit sind ja sowieso die Zukunft, wenn man einigen führenden Stimmen aus dem Umfeld der Entwicklung künstlicher Intelligenz (auch Netzwerke!) Glauben schenkt. Und das tue ich, denn der Trend des Rückgangs von digitalen Deskjobs - vom Callcenter-Mitarbeiter bis zur Anwaltsgehilfin - wird ziemlich offensichtlich, wenn man sich ein wenig mit dem Einsatz von KI im Arbeitsmarkt beschäftigt. </p><p>Das wird zum Beispiel besonders deutlich, wenn man Geoffrey Hinton <a href="https://open.spotify.com/episode/4X7dO0FuglP7yTm0kBAc50?si=af0bd948176e4955">in dieser Folge des Diary of a CEO Podcast zuhört</a>. Hinton, der sogenannte “Godfather of AI”, empfiehlt zwar zukünftig auf den Beruf des Klempners umzuschulen, aber seine Empfehlung für Jobs, die sich so schnell noch nicht durch KI ersetzen lassen, sollte auch andere handwerkliche Tätigkeiten und alle Aufgaben umfassen, die sich in der physischen Welt abspielen. Oder die ein hohes Maß an Erfahrung und Empathie erfordern. In ein Care-Beruf-Netzwerk zu investieren, ist auf mittelfristige Sicht vielleicht also gar keine so schlechte Idee.</p><p>Denn eins ist klar, das Netzwerken an sich ist absolut wichtig - solange wir es richtig machen. Dazu darf nicht nur gehören, sich mit Menschen zu verbinden, mit denen man sich in erster Linie gut versteht und zu denen man Vertrauen aufbauen kann. Dazu zählt auch, aktiv Gelegenheiten zu finden, um die Menschen im eigenen Netzwerk zu unterstützen. Nicht, weil sie dir dann einen Gefallen schulden. Sondern, weil sie auf diese Weise erkennen, dass du es ernst meinst und wo deine Fähigkeiten liegen. Und weil du dadurch jede Menge lernst. Also, <em>let’s connect</em> 😉</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Allen, die der Umsturz der Arbeitswelt durch KI-Tools interessiert, möchte ich dieses Sachbuch von Sara Weber empfehlen:</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e104435a-e13d-4538-91f1-2ca8c8c7a135/uploads/images/uymgggd5w7/1000054057.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><blockquote></blockquote><hr/><p>Blog</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat.</p><p>In dieser Ausgabe gibt es ein gemischt-geschlechtliches Doppel: Tina (50) von <a href="https://www.tabootalker.com/">Taboo Talker</a> und Stephan (55) haben gemeinsam Rede und Antwort gestanden und wir fanden es besonders spannend, ihre Antworten nebeneinander zu veröffentlichen!</p><p>Wenn du auch einmal Teil der Interview-Reihe sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir!</p><h4><em>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?</em></h4><p>Tina: “Selbstbestimmt, erfühlter, experimentierfreudiger.”</p><p>Stephan: “Seltener, langweiliger, weniger Kick, mehr Gefühl.”</p><h4><em>Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?</em></h4><p>Stephan: “‘Oh’ statt ‘Wow, what the f… geil’. Das beste liegt hinter uns.”</p><p>Tina: “Mehr (und bessere) Orgasmen als früher! Mehr Gleichberechtigung. Man weiss, was man will und was man (Frau ;-)) nicht mehr will.”</p><h4><em>Worauf willst du heute beim Sex nicht mehr verzichten?</em></h4><p>Tina: “Keine Scham mehr zu haben, die Dinge an- und auszusprechen. Weiterhin offen zu sein und Dinge ausprobieren.”</p><p>Stephan: “Auf nix. Der Sex sollte am besten wie mit 30 sein.”</p><h4><em>Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?</em></h4><p>Stephan: “Unwichtiger, viel.”</p><p>Tina: “Gute Frage! Ich glaube, mir war Sex früher wichtiger, aber aus den falschen Gründen. Falsche Gründe sind: Alle haben viel Sex und deswegen sollte ich es auch haben. Da war der Druck in den 30ern höher zu “liefern” und “aktiv” zu sein. Letztendlich auch in einer Beziehung zu sein (und Kinder zu bekommen). Das alles fällt mit 50 auch weg.”</p><h4><em>Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</em></h4><p>Tina: “It gets greater later.”</p><p>Stephan: “Dass die Lust und auch die Bereitschaft, Umstände und Aufwand für Sex in Kauf zu nehmen, stark nachlassen.”</p><p>Danke, danke, danke, Tina und Stephan! Eure knackigen Antworten fühlen sich unheimlich authentisch an und ich freue mich, dass ihr euch auch damit wohl gefühlt habt, von Enttäuschungen im Sexleben zu sprechen.</p><hr/><p>Cleophonie</p><p>Folge #10 vom Cleophonie Podcast ist online! Es geht um <a href="https://steady.page/de/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/bdd89bb7-d7c8-48a6-a360-456f56c54629">kreative Pausen und wie sie Prokrastination und Social Burnout vorbeugen können.</a></p><p>Mit dem Abschluss einer Steady-Mitgliedschaft kannst du diese und alle älteren Folgen (sogar auf Spotify) hören!</p><a href="https://steady.page/de/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/bdd89bb7-d7c8-48a6-a360-456f56c54629">https://steady.page/de/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/bdd89bb7-d7c8-48a6-a360-456f56c54629</a><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><hr/><p>Mehr von Cleo</p><p>Ich war im Deep&amp;Dirty Podcast - moderiert von der wahnsinnig klugen und talentierten <a href="https://www.instagram.com/pleasepinchmehard/?hl=de">Lisa Opel</a> - zu Gast: <a href="https://open.spotify.com/episode/3rzlJjr4p7N0DcFVogooUh?si=529d8dd4f491483c">Wir haben uns über Feuchtigkeit, Lust und feministischen Sex unterhalten und auch viel gelacht!</a></p><p>Mehr Sex gab’s bei meiner Kolumne im Tagesspiegel (Paywall): <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/das-passiert-wirklich-bei-play-partys-manche-gaste-brauchen-vom-smalltalk-bis-zum-sex-nicht-langer-als-eine-viertelstunde-14165981.html">“<strong>Das passiert wirklich bei Play Parties.</strong> Manche Gäste brauchen vom Smalltalk bis zum Sex nicht länger als eine Viertelstunde”</a></p><p>Wer es dieses Wochenende aber lieber etwas domestizierter angehen möchte, kann bei Welt+ (Paywall) vorbeischauen: <a href="https://www.welt.de/iconist/partnerschaft/plus68af139f7810010108f7d123/Maenner-die-Buecher-lesen-sind-beim-Dating-erfolgreicher-Warum.html">“Männer lesen weniger - und das schadet auch beim Dating”</a></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 31 Aug 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[10. Nachricht: Kreative Pausen gegen Prokrastination & Social Burnout]]></title>
      <description><![CDATA[Kennst du das? Du vertendelst schon wieder viel zu viel Zeit, anstatt zu arbeiten? Und wenn du dann mal eine Pause machst, verhindert dein schlechtes Gewissen, dass du…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kennst du das? Du vertendelst schon wieder viel zu viel Zeit, anstatt zu arbeiten? Und wenn du dann mal eine Pause machst, verhindert dein schlechtes Gewissen, dass du abschalten kannst? Ich kenne da eine mögliche Lösung!</p><p>In dieser Sprachnachricht erzähle ich, was mit “kreativen Pausen” gemeint ist und wieso sie für mehr Motivation, bessere Erholung und damit auch weniger Prokrastination sorgen können. Außerdem berichte ich von meiner Vorliebe für kreative Einzelarbeit in Gesellschaft meiner Freund*innen. Und reading parties? Her damit! Was das ist, hörst du in dieser Folge von Cleophonie!</p><p><a href="https://steady.page/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/bdd89bb7-d7c8-48a6-a360-456f56c54629">Auf Steady weiterlesen</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Sat, 30 Aug 2025 15:41:43 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#13: Geld verdienen, vergleichen, verteilen]]></title>
      <description><![CDATA[“Geld bedeutet für mich Sicherheit”, sagte ich zu einer Freundin, während wir Limo trinkend auf meinem Balkon saßen. “Das ist für mich ganz anders", antwortete sie, “Ich…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>“Geld bedeutet für mich Sicherheit”, sagte ich zu einer Freundin, während wir Limo trinkend auf meinem Balkon saßen. “Das ist für mich ganz anders&quot;, antwortete sie, “Ich fühle Sicherheit in Gemeinschaft und Geld ist für mich ein notwendiges Übel.” </p><p>Dieses Gespräch ist jetzt ziemlich genau zwei Jahre her, aber ich kann immer noch spüren, wie wenig ich ihre Sichtweise nachvollziehen konnte. Mit Geld konnte ich mir doch Unterstützung kaufen? Andere Leute für die Dinge oder Dienste bezahlen, die ich selbst nicht oder nicht alleine zu Wege bringen kann. Und abseits dieser Transaktion schuldete ich ihnen nichts. </p><p>Wieso sollte ich meine beruhigende, finanziell basierte Unabhängigkeit eintauschen wollen gegen eine Gemeinschaft, in der man zwar Verantwortung unter mehreren Menschen aufteilen kann, aber eben auch immer auf andere angewiesen ist? Abhängig sein. Dann könnte ich ja gar nicht allein entscheiden, was wann und wie passieren soll.</p><p>Mein Gefühl der Ablehnung gegenüber dieser Idee war stark. Mir eine große Hausgemeinschaft wie die der Freundin vorzustellen, die Ressourcen teilte und gemeinsam Entscheidungen traf, kam mir langsam und unfrei vor. Aber der Gedanke an Ehe, geteiltes Heim und Kernfamilie schien mir immer noch normal und die Aussicht auf ein zukünftiges Gemeinschaftskonto mit einem romantischen Partner sinnvoll. Wie passt das zusammen?</p><hr/><p>Cleo live</p><p>Im September wird die Sommerpause vorbei sein und dann gibt es Lesungen aus meinem Buch “Gleichstellung” auch wieder live:</p><p>09.09. 20 Uhr: gemeinsam mit Matthias Kreienbrink im Kino Union, Berlin Friedrichshagen (<a href="https://www.kino-union.de/ticket?l=%2Fticket%3Fl%3D*kinoheld*%25250AcinemaPath%25253A%252520%252526apos%25253Bkino-berlin%252Fkino-union-friedrichshagen-berlin%252526apos%25253B%25252C%25250Atarget%25253A%252520%252526apos%25253Bself%252526apos%25253B%25252C%25250AnoChange%25253A%252520true%25252C%25250Arb%25253A%252520%252526apos%25253B1%252526apos%25253B%25252C%25250Alang%25253A%252520%252526apos%25253Bde%252526apos%25253B%25252C%25250Amode%25253A%252520%252526apos%25253Bwidget%252526apos%25253B%25252C%25250AshowId%25253A%252520%252526apos%25253B3247626179%252526apos%25253B">Tickets gibt’s hier</a>)</p><p>16.09. 18:30 Uhr: Lesung und Q&amp;A im Sisu Lou Buchcafé in Braunschweig</p><p>21.09. Brunch: Lesung und Diskussion im Liosalon bei Lio Brix in Berlin-Kreuzberg</p><hr aria-hidden="true"/><p>Heute dämmert mir so langsam, was die Freundin gemeint haben könnte, als sie explizit von der Sicherheit in einer Gemeinschaft, einem Netzwerk an Menschen sprach, das weiter gespannt ist als die Nuklearfamilie. Und auch, wieso sie die Nähe zu anderen Menschen als sicherer empfindet als ein gefülltes Sparschwein.</p><h4>Geld und Erwartungen </h4><p>Geld ist für viele Menschen ein Konfliktthema in ihrer Beziehung zu sich selbst und ihren Partner*innen. Zu wenig davon zu verdienen, zu wenig zur Verfügung zu haben oder zu viel Geld für die falschen Dinge und zu wenig für die richtigen auszugeben, hat bestimmt bei den meisten schon zu Stress geführt. Mich finanziell auf eigene Beine zu stellen und mich auch darauf verlassen zu können, wurde mir als oberstes Gebot beigebracht. Finanziell unabhängig zu sein, besonders als Frau. </p><p>Aber was ist, wenn das nicht (mehr) klappt? Wenn ich zu dem Zeitpunkt, an dem ich nicht mehr genug Geld habe, bisher nur in mein erfolgloses Aktiendepot anstatt in ein Support-Netzwerk investiert habe, dann gucke ich ganz schön dumm aus der Wäsche. Und wenn ich eine andere Einzelperson als alleiniges Auffangnetz betrachte, dann legt das einen hohen Druck und eine große Verantwortung auf eben nur ein einziges Paar Schultern. Vor allem in den Fällen, in denen romantische Gefühle die Basis der Verbindlichkeit zwischen den Beteiligten bilden, können wir häufig beobachten, dass dieser Druck und die Erwartung, alles für einen anderen Menschen sein zu müssen, auch der*die finanzielle Versorger*in, eben diese Basis auch schnell wieder zermürben können.</p><p>Sehr deutlich spürbar wird der Druck, laut dem SPIEGEL Magazin, wenn man sich die heteronormativen Ehen anschaut, in denen das klassische Verdienst-Verhältnis umgekehrt ist - sprich, in denen die Frau ein höheres Einkommen mit nach Hause bringt als ihr Mann. In dem Artikel mit dem <em>leicht</em> überzogenen Titel <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/gehalt-und-partnerschaft-wenn-frauen-mehr-verdienen-als-ihre-partner-a-2d461583-358b-48d5-a63a-cd73ff073111">“Hilfe, mein Mann verdient weniger als ich!”</a> werden die Ergebnisse des neuesten deutschen Sozialberichts (von November 2024) besprochen, der herausstellt, dass Frauen nur in 10% der Fälle mehr zum Haushaltseinkommen beitragen als ihre Partner. In Haushalten mit Kindern verzeichnete man nur 8%. </p><p>Der Artikel fährt fort mit dem kurzen Interview einer solchen Hauptverdienerin, die ihre Unzufriedenheit darüber zum Ausdruck bringt, dass sie sowohl mehr Brötchen verdiene als auch noch die buchstäblichen Brötchen in Form von Einkäufen mit nach Hause bringen müsse, weil ihr Mann das meistens nicht übernehmen würde. In ihrer Beziehung käme es regelmäßig zum Konflikt über das Ungleichgewicht in der Übernahme von Erwerbs- und Sorgearbeit. Heißt, die Interviewte übernahm immer noch mehr Arbeit im Haushalt als ihr Partner, obwohl der aufgrund seiner Arbeitslosigkeit mehr Zeit Zuhause verbrachte. Zu dem Verantwortungsdruck, dass das Überleben der Familie von ihr abhängig sei, gesellten sich auch noch tagtägliche Machtkämpfe innerhalb der Beziehung.</p><p>Ich möchte an dieser Stelle nicht den ganzen Artikel nacherzählen, aber es melden sich noch unterschiedliche Paartherapeuten und Soziologinnen zu Wort, die wahlweise behaupten, Frauen müssten halt jetzt bei der Berufswahl mal anfangen mitzudenken, dass sie auch ihren Mann mitversorgen müssen, wenn sie gleichgestellt leben wollen (unverschämt). Oder dass die guten alten Rollenbilder daran Schuld seien, dass sich Paare mit “umgekehrtem” Einkommensverhältnis darin unwohl fühlten und die Männer deswegen aus Angst um ihre schwindende Männlichkeit erst recht keine Sorgearbeit übernehmen und die Frauen aus Sorge um sein verletztes Ego im Haushalt sogar nochmal eine Schippe drauflegen würden (unverhältnismäßig). </p><p>Jedenfalls finden weder der SPIEGEL noch die zitierten Expert*innen eine Lösung, sondern hoffen leise, dass das Problem in Zukunft dadurch von selbst verschwinde, “dass Krisen und wirtschaftliche Unsicherheit am Ende zu mehr Gerechtigkeit führen könnten. Gerade jungen Frauen wird stark dazu geraten, wirtschaftlich unabhängig zu werden, statt sich darauf zu verlassen, dass die Partnerschaft hält und sie im Alter durch andere versorgt werden”, so Soziologin Jutta Allmendinger.</p><p>Das “Problem”, von dem hier die Rede ist, ist nicht das Risiko, dass ein Gehalt allein irgendwann auch für den Lebensunterhalt eines oder einer Einzelnen nicht reicht. Das “Problem” ist hier nur das Unwohlsein der Geschlechter mit einem umgekehrten finanziellen Machtgefälle von Frau zu Mann. </p><p>Aber das Problem, auf das wir gerade durch besagte “wirtschaftliche Krisen” zusteuern, ist doch, dass beide trotz Vollzeitverdienst immer prekärer leben werden. Was hilft mir mein eigenes Einkommen als Frau, wenn ich damit nicht überleben kann. Das Erreichen meiner Unabhängigkeit liegt in diesem Fall hauptsächlich nicht in meiner Entscheidung, sondern in fairer Bezahlung.</p><p>Und was die angesprochene unsichere Versorgung durch andere im Alter angeht, kann ich mir gut vorstellen, dass Allmendinger recht behält, wenn man sich alleine auf den*die Partner*in oder etwaige Kinder bezieht. Aber wie war das nochmal mit der Idee einer Gemeinschaft, die sich anders aufstellt als die Kernfamilie? </p><p>Was für mich erst einmal abschreckend (Abhängigkeit) oder utopisch (unklare Umsetzbarkeit) geklungen hat, wird abseits der heteronormativen und mono-normativen Vorstellungen von Familie bereits in Ansätzen gelebt: queere Kollektive, Poly-Patchwork-Familien oder Alters-WGs unter Freund*innen teilen Ressourcen wie Wohnraum, Geld und Sorgearbeit und unterstützen sich gegenseitig auch über Generationen hinweg in Hausgemeinschaftsprojekten wie dem meiner Freundin vom Anfang. </p><p>Wie es klappen kann, sich auch als Freund*innen und vor allem in Gruppen, die größer sind als die ewige 2, gegenseitig zu supporten und Sicherheit zu geben, erklärt die Soziologin und Beziehungsberaterin Dr. Andrea Newerla in ihren Workshops und in ihrem bald erscheinenden Buch <a href="https://www.penguin.de/buecher/andrea-newerla-wie-familie-nur-besser/buch/9783466373512">“Wie Familie, nur besser - Wie wir neue Formen des Zusammenlebens gestalten”</a>. Ich schätze ihre Arbeit und Expertise sehr und freue mich deshalb wie eine Schneekönigin auf diesen neuen Wissensschatz. </p><p>Weil ich spüre, dass mir noch der Mut fehlt, nicht nur romantische Beziehungen anders zu leben, sondern auch diese Glorifizierung der Unabhängigkeit des Individuums abzulegen. Denn Abhängigkeit ist nichts, das wir in unserem System tatsächlich verhindern können. Und sie wird nur dann wirklich gefährlich, wenn es nur einen einzigen Anker gibt, der uns hält. Doch wenn es viele gibt, geraten wir nicht direkt in Not, nur weil mal eine Kette reißt.</p><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber nicht das 1000. Abo irgendwo abschließen, nur um es aus den Augen zu verlieren und umständlich kündigen zu müssen? Feel you.</p><p>Wenn du diesen Newsletter heute besonders magst, kannst du mir auch einfach einmalig dafür einen Kaffee spendieren:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Blog</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat.</p><p>In Gespräch Nummer fünf hat mir die promovierte Biologin und Autorin Meike Stoverock, fast 51, Rede und Antwort gestanden. Ja, richtig gelesen, ihr Name ist dir in diesem Newsletter schon einmal begegnet. Ich werde nämlich nicht müde eines ihrer tollen Bücher zu empfehlen: “<a href="https://www.klett-cotta.de/produkt/meike-stoverock-female-choice-9783608504804-t-2932">Female Choice - Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation</a>”.</p><p>Meike Stoverock hostet allerdings auch den sehr hörenswerten <a href="https://steady.page/de/olle-kamellen-lebende-geschichte/posts">Geschichtspodcast “Olle Kamellen”</a> und schreibt regelmäßig in ihrem <a href="https://steady.page/de/frau-meike-meint/about">Newsletter “Amor und Psyche</a>” und in den sozialen Medien (Instagram @meikestoverock, <a href="https://bsky.app/profile/meikestoverock.bsky.social">Bluesky</a>) über eine interessante Mischung aus <em>mental health</em>, Politik und Zwischenmenschlichem. Schau rein!</p><p>Wenn du auch einmal Teil der Interview-Reihe sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir!</p><h4><em>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?</em></h4><p>Meike: “Authentischer, mit mehr Respekt für meine eigene Lust, nicht mehr so sehr gefärbt durch gesellschaftliche Normen. Mit 30 habe ich den Druck, vaginale Penetration als das Nonplusultra zu sehen, noch viel stärker gespürt.”</p><h4><em>Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?</em></h4><p>Meike: “Zu wissen, dass männliche Zärtlichkeit nicht bedeutet, dass der Mann etwas für mich empfindet. Das war früher ein Einfallstor für schmerzhafte emotionale Verstrickungen, die für mich meist mit Liebeskummer endete.”</p><h4><em>Worauf willst du heute beim Sex nicht mehr verzichten?</em></h4><p>Meike: “Meine klitoralen Orgasmen ohne vaginale Penetration.”</p><h4><em>Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?</em></h4><p>Meike: “Sowohl als auch. Das patriarchal geprägte Standardprogramm ist mir heute unwichtiger als früher, in diesem Rahmen ist es für mich reizlos, mich mit Männern zu treffen. Meine Ansprüche an Sexualität sind gewachsen und eine Lust, in der sie erfüllt werden, ist mir mindestens genauso wichtig wie mit 30, wenn nicht sogar wichtiger.”</p><h4><em>Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</em></h4><p>Meike: “Dass sich die eigene Sexualität entwickeln kann und darf. Sie darf stärker oder schwächer werden, Neigungen und Fetische können auftreten oder an Reiz verlieren, der persönliche Fokus darf sich verschieben. Und dass man nicht nur unter 35 seine Sexualität entdecken und ausleben kann.”</p><p>Vielen herzlichen Dank dafür, liebe Meike, für deine einsichtsreiche Arbeit und dass du dir die Zeit genommen hast, in deinen klaren Antworten herauszustellen, dass ein Fokus auf die eigenen sexuellen Bedürfnisse auch für die psychische Gesundheit von Vorteil ist und in jedem Alter Platz haben sollte!</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>In einem Newsletter über das Geld verdienen und die Unterschiede der Gehälter darf die Lektüre von Mareice Kaisers Arbeit nicht unerwähnt bleiben. Deswegen gilt meine Leseempfehlung dieses Mal ihrem Sachbuch “WIE VIEL - Was wir mit Geld machen und was Geld mit uns macht”:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7dcd8d0c-e167-4b8b-ba95-f4571e26f232/uploads/images/aciszcxz4j/1000051818.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Was wir allerdings immer noch viel zu oft mit Geld machen, ist, darüber zu schweigen, wie viel wir davon verdienen, (ver)erben oder ausgeben. Deshalb haben Mia Gatow und ich den <strong>CA$HLETTER</strong> gegründet. Einen <strong>Mail-Verteiler für Schreibende</strong>, die mit ihren Texten Geld einnehmen und sich anonym darüber informieren wollen, wie hoch aktuell ihre Honorare für Artikel, Moderationen oder Bücher sind.</p><p>Einmal im Quartal versenden wir eine anonyme Umfrage an alle Leute im Verteiler, werten sie aus und versenden dann die Ergebnisse als Newsletter. Wer den ersten CA$HLETTER empfangen und sich im Oktober an der nächsten anonymen Umfrage beteiligen möchte, der*die kann sich bei mir mit einer formlosen E-Mail an <a href="mailto:cleo.libro@gmail.com">cleo.libro@gmail.com</a> dafür anmelden. The more, the merrier, the aussagekräftigere Daten ;-)</p><hr/><p>Events</p><p>Kommt zahlreich zu meiner gemeinsamen Lesung mit Matthias am 09.09. ins Kino Union in Berlin Friedrichshagen! <a href="https://www.kino-union.de/ticket?l=%2Fticket%3Fl%3D*kinoheld*%25250AcinemaPath%25253A%252520%252526apos%25253Bkino-berlin%252Fkino-union-friedrichshagen-berlin%252526apos%25253B%25252C%25250Atarget%25253A%252520%252526apos%25253Bself%252526apos%25253B%25252C%25250AnoChange%25253A%252520true%25252C%25250Arb%25253A%252520%252526apos%25253B1%252526apos%25253B%25252C%25250Alang%25253A%252520%252526apos%25253Bde%252526apos%25253B%25252C%25250Amode%25253A%252520%252526apos%25253Bwidget%252526apos%25253B%25252C%25250AshowId%25253A%252520%252526apos%25253B3247626179%252526apos%25253B">Tickets gibt es hier </a>(sind auch nicht teuer 😉):</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/eac503e0-a17f-4851-a1c1-6d79838b87bd/uploads/images/nl33m5dtny/1000049899.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wir freuen uns auf euch!</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 17 Aug 2025 09:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#12: Make straight great again?]]></title>
      <description><![CDATA[“Es hat für mich überhaupt keinen Sinn mehr, noch Sex mit hetero Männern zu haben”, verkündete ich vor ein paar Monaten überschwänglich einer Freundin. Worauf ich dabei…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>“Es hat für mich überhaupt keinen Sinn mehr, noch Sex mit hetero Männern zu haben”, verkündete ich vor ein paar Monaten überschwänglich einer Freundin. Worauf ich dabei anspielte, war, dass meine sexuellen Begegnungen mit queeren Menschen in der letzten Zeit überdurchschnittlich positiv ausgefallen waren. Lustvoll, kommunikativ-sicher und aufregend. Aber reichte das schon, um eine ganze Kohorte von der Speisekarte zu nehmen?</p><p>Die positiven Erfahrungen auf der einen Seite wahrscheinlich nicht. Wenn da nicht die frustrierenden Erfahrungen auf der anderen Seite stünden und in der Verhandlungssache gegen “straight dudes” schwer ins Gewicht fallen würden. Wenn es um Sex geht, zeigt nicht zuletzt die Statistik um den “<a href="https://drvivienkarl.com/blogs/wissen/orgasm-gap-warum-frauen-seltener-zum-hohepunkt-kommen"><em>Orgasm Gap</em></a>” in heterosexuellen Verhältnissen einen der prominentesten Frustrationspunkte. Auch schon auf dem möglichen Weg hinein ins Bett, beim Dating nämlich, gibt es Schwierigkeiten in der Verständigung zwischen den Geschlechtern. </p><p>Erst letzte Woche wurde mir von einer Freundin, die auf heterosexueller Partnersuche ist, ein Artikel in der New York Times weitergeleitet. Schon der Titel sang dasselbe leidvolle Lied, das mir auch seit einiger Zeit in meiner <em>Social Media Bubble</em> genauso begegnet wie in Gesprächen mit Freundinnen: <a href="https://www.nytimes.com/2025/07/21/magazine/men-heterofatalism-dating-relationships.html">“The Trouble With Wanting Men”</a>.</p><p>Memes, humoristische T-Shirts und anderer Merch verkünden auf Insta augenzwinkernd, was in langen Berichterstattungen über die <a href="https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:382814a46e0b9157/"><em>Boysober</em>- und <em>4B</em>-Bewegungen</a> in ernster Tiefe besprochen wird. Frauen seien frustriert vom hoffnungslosen Dating mit hetero Männern, die sich nicht (genug) melden, mit Therapie-Sprech egoistisches Verhalten rechtfertigten, schnell aggro würden oder anderweitig nicht den Standards entsprächen, die die empowerte und unabhängige Frau von heute voraussetze.</p><p>Ich leitete den Artikel an mehrere Männer in meinem Umkreis weiter, die Frauen daten, und war ehrlich gespannt auf ihre Reaktionen. Und es wird wenig überraschen, wenn ich sage, dass auch auf der “anderen Seite” (siehe da, auch in meinem Kopf herrscht schon Lagerbildung) der Frust schon ganz nah unter der Oberfläche saß: </p><hr/><p>Termine</p><p>Im September wird die Sommerpause vorbei sein und dann gibt es Lesungen aus meinem Buch “Gleichstellung” auch wieder live:</p><p>09.09. 20 Uhr: gemeinsam mit Matthias Kreienbrink im Kino Union, Friedrichshagen</p><p>16.09. 18 Uhr: Lesung und Q&amp;A im Sisou Lou Buchcafé in Braunschweig</p><p>21.09. Brunch: Lesung und Diskussion im Liosalon bei Lio Brix in Berlin-Kreuzberg</p><hr aria-hidden="true"/><p>“Ich hab es so langsam satt, immer von Frauen zu hören, wie schlimm Männer doch seien und wie viel lieber sie lesbisch werden würden, wenn sie könnten. Manche Frauen haben mir gegenüber auch schon das Equivalent von “du bist anders als andere Frauen” geäußert und ich empfinde diese Einstellung beinahe als die neue Norm unter jungen, liberalen Frauen”, brach es aus einem meiner Gesprächspartner heraus.</p><p>Als ich das hörte, fühlte ich mich ertappt. Mal abgesehen von den aktuell sehr angesagten Beschwerden über hetero Männer als “<em>un-dateable</em>”, denen ich mich auch schon das eine oder andere Mal angeschlossen hatte,  hatte ich ihm und wenigen anderen Typen in meinem Umfeld auch schon zurückgespiegelt, dass er mir “anders als die anderen Männer” vorkam. Aber meint der Spruch wirklich dasselbe, wenn man ihn an eine Frau vs. einen Mann richtet? </p><p>Ursprünglich als “du bist nicht wie die anderen Mädchen, du bist [etwas besseres]” bekannt geworden, stellte dieser Satz quasi den Ritterschlag des “Cool Girls” dar. Auch zu meinen “Cool Girl” Hochzeiten wollte ich unbedingt diese verbale Auszeichnung von einem am besten älteren Mann verliehen bekommen, die mir bescheinigte, dass ich im besten Sinne wenig mädchenhaft war. Dieser beste Sinn bedeutete, zwar wie ein <em>hot chick </em>auszusehen, sich aber möglichst nicht für andere Frauen oder Mädchenkram zu interessieren.</p><p>Möglichst “unweiblich” kategorisierte Interessen wie Eishockey, Scotch trinken und Death Metal machten mich also besser als andere Frauen. Was an sich - abgesehen vom verdammt misogynen Ursprung der Bewertung meiner Hobbies - nicht so schlimm wäre, würden dem “Cool Girl” Topos nicht auch eine ganze Menge Erwartungen an ein maximal “unschwieriges” Verhalten zugrunde liegen.</p><p>Das “Cool Girl” hat sich nämlich nicht zu beschweren, kein “Drama” zu machen, wenn mal etwas passiert, das sie nicht gut findet. Z. B., wenn ihr Freund seine Freiheiten genießt, ohne die Beziehungsabsprachen zu respektieren. Oder wenn sie dumm angemacht wird oder man sich ihr gegenüber sexistisch verhält. Ein “Cool Girl” tut dann so, als wäre nichts, um nicht direkt wieder zum “zickigen Mädchen” degradiert zu werden.</p><p>Ein “Cool Girl”, eine, die nicht so ist wie andere Frauen, macht den Mund nicht auf. Sie ist nicht unangenehm, weil sie nicht auf Ungerechtigkeiten aufmerksam macht. Sie lässt die Dinge geschehen, wie sie immer schon passiert sind, und das Beste an allem: sie stellt nie Ansprüche. Nicht an ein gerechteres Miteinander im Öffentlichen und auch nicht an einen verantwortungsbewussten Partner im Privaten. </p><blockquote><p>Eine Frau, die nicht ist wie die anderen, ist bequem für’s System.</p></blockquote><p>Ein Mann, der nicht ist wie die anderen, ist auch bequem. Aber nicht in der Hinsicht, dass er ständig kuscht, seine Bedürfnisse unsichtbar macht und versucht, sich möglichst wie das stereotype Bild einer Frau zu verhalten. Einer, der anders ist als viele andere (<em>not all men</em>, haha), versucht nicht mit mir um die Oberhand in jeder Unterhaltung zu kämpfen. Er hört zu, weil es ihn tatsächlich interessiert. Er kümmert sich um seine eigenen Bedürfnisse, aber kann auch nach Hilfe fragen und es sogar akzeptieren, wenn er sie gerade nicht bekommen kann. </p><p>Vor einem Mann, der anders ist als viele andere, sorge ich mich nicht um meine emotionale und körperliche Unversehrtheit - weder wenn ich alleine mit ihm bin, noch wenn ich mit ihm schlafe, noch im Kreis seiner Freunde. Weil er sich vor ihnen mir gegenüber nicht plötzlich anders verhält, als wenn wir alleine sind. <em>You get the idea.</em> </p><p>Es mag zwar derselbe Satz sein, aber je nachdem, an wen er sich richtet, stellt er durchaus sehr unterschiedliche Qualitäten in den Vordergrund. Gegenüber Männern kann er ein Vertrauensbekenntnis sein und eine Kritik an vielfach am eigenen Leib erfahrenen Frauenhass. Gegenüber Frauen klingt er auch wie Kritik. Aber nicht daran, dass Frauen Männern ständig so gefährlich werden würden. Sondern weil sie Männer nerven mit ihren Ansprüchen und ihrem Weiberkram. </p><p>Das gibt’s doch so gar nicht mehr, sagst du? Dann verlass vielleicht mal das Haus. Ich tippe diese Zeilen im Exil eines bayerischen Dorfs mit 110 Einwohner*innen. Glaub mir, außerhalb von Ehrenfeld und Kreuzberg ist noch alles beim Alten. </p><p>Die Spaltung zwischen Männern und Frauen, die heterosexuell daten, zu erkennen und zu kritisieren, ist das Eine. Sich nun zu überlegen, wie man wieder Brücken schlagen kann, ist das Andere und mein präferierter nächster Schritt. </p><hr/><p>Cleophonie</p><p>Ob aus reinem Interesse, sozialwissenschaftlicher Neugier oder therapeutischer Empfehlung heraus - die eigenen Eltern nach ihren Lebenseinstellungen und - Geschichten zu befragen, kann vieles bewegen. Ein tieferes Verständnis füreinander, transgenerationele Traumata, Empathie und Konflikte liegen nah beisammen und manchmal nur wenige Fragen entfernt verborgen.</p><p>In der 9. Sprachnachricht teile ich mit dir, welche Erkenntnisse ich durch die Gespräche mit meinem Vater gewinne. Außerdem erkläre ich dir, wie und warum du dasselbe Experiment mit deinen Eltern oder Großeltern starten solltest.</p><a href="https://steady.page/de/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/6a4284bf-b41c-4e14-acaa-89b437d8f18a">https://steady.page/de/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/6a4284bf-b41c-4e14-acaa-89b437d8f18a</a><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Zuletzt saß ich in einem Kreuzberger Café mit einem hetero Mann, der mir davon berichtete, dass er mittlerweile mit der Verwendung des Labels “hetero/straight” für sich hadere, obwohl es die Wahrheit sei - die für seine Liebespräferenzen schlichtweg richtige und passende Bezeichnung. Er haderte demnach auch nicht mit seiner Identität, sondern mit dem Eindruck, dass dieses Label es ihm mittlerweile deutlich erschweren würde, Frauen näher kennenzulernen.</p><p>Es sei so, als würden alle anderen Menschen “straight dudes” meiden. Erst kürzlich habe ein Date ihm mit den Worten abgesagt, sie würde sich nicht mehr auf hetero Männer einlassen wollen. Vollkommen ungeachtet seiner Person und Persönlichkeit. Dass alles, was man in diesem Moment fühlt, tiefe persönliche Enttäuschung und Frustration ist - und nicht abstrakte Genderpolitik - kann ich komplett nachvollziehen. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/eac503e0-a17f-4851-a1c1-6d79838b87bd/uploads/images/waumo6z2vg/1000049820.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Die Frage, was das mit einem selbst zu tun haben soll? Das Gefühl, dass diese Sippenhaft für ein ganzes Geschlecht doch nicht fair ist, weil man selbst doch einer von den Guten sei, das musste er mir gar nicht erst erklären. Das sehe ich ein. Aber ein wichtiges Detail sehe ich tatsächlich nicht mehr ein: Dass das bedeuten soll, dass ich jetzt hier meine Reichweite nutze, um zu sagen “Ladies, lasst uns doch mal nicht den Teufel an die Wand malen. Sie sind ja nicht alle schlimm und keiner ist unfehlbar!” </p><p>Auch wenn das stimmt, ist das nicht der nächste Schritt, der im Brückenbau-Projekt passieren muss. </p><p>Der nächste Schritt liegt auf der Seite der Männer: Bist du ein Mann, der mit Frauen intim, romantisch und verpartnert sein möchte? Dann mach dir erstmal klar, was es überhaupt für dich und deine Dating-Zielgruppe bedeutet, “einer von den Guten” zu sein. Was heißt das konkret? Lackierte Fingernägel tragen? Jeden Tag ein “GuMo”-Text zum Aufstehen senden? Oder doch regelmäßig einen Beziehungs-Check-In organisieren, ohne zu erwarten, dass die Partnerin die Leitung durch alle aufkommenden emotionalen Momente übernimmt?</p><p>Welche Art von Beziehung möchtest du überhaupt zu einer Frau führen? In was bist du schon gut? Kommunikation? Gefühle erkennen und benennen können? Oralsex? Was magst du an Frauen überhaupt? Und auch wenn die Antwort auf diese letzte Frage: “eigentlich nichts so wirklich” ist, <em>fair enough</em>. Aber dann hör auf, Frauen zu daten, weil du denkst, das würde von dir erwartet und Nähe zu anderen Männern sei schwul und unmöglich.</p><p>Wenn du Frauen ganz leidlich findest oder dir egal ist, welches Geschlecht jemand hat, wenn du die Person magst, dann ist das Brückenbau-Projekt etwas für dich. Aber es ist ein ganzes Stück Arbeit und egal, ob wir das fair finden oder nicht, es ist einfach viel kaputt gegangen zwischen den Geschlechtern in den letzten Jahrhunderten. Wir dürfen uns auch ruhig darüber beschweren, dass das nicht unsere eigene Schuld ist, solange wir dabei anpacken und versuchen, die Verhältnisse neu und gleichgestellt aufzubauen. </p><p>Das können wir bspw. über die Reflektion eigener Vorstellungen vom Zusammenleben mit anderen schaffen. Oder eigener Vorstellungen und Bewertungen von Geschlecht, Nähe und Sexualität. Und durch das Gespräch miteinander. Damit meine ich aber nicht nur die Kommunikation zwischen den Geschlechtern wie “ich will offen gegenüber deiner Sicht auf die Dinge sein” oder “mir ist bewusst, du hast schon viel Negatives erlebt und ich will es gemeinsam besser machen”.</p><p>Damit meine ich auch besonders Kommunikation unter (hetero) Männern, in der man sich gegenseitig zur Verantwortung zieht für das Verhalten, weswegen alle Männer gerade in Sippenhaft genommen werden.</p><blockquote><p>Es reicht nicht, nur “einer von den Guten zu sein”, um einer von den Guten zu sein.</p></blockquote><p>Du musst dich auch mit den anderen darüber austauschen, was das bedeutet, wie das geht und wie nicht. </p><p>Und natürlich schaue ich hier auch auf mich, meine Freundinnen und meine fellow hetero datenden Frauen, die aktuell lieber über einen “Männer sind trash”-Witz <em>bonden</em> als normalen Smalltalk zu machen. Ich weiß ja, wo es herkommt, aber dass wir mit der menners-Attitüde als Lebenseinstellung mehr Mauern als Brücken bauen, dürfen wir uns schon bewusst machen. Und auch hier: <em>boysober</em> etc. ist komplett <em>fair game</em>. Aber schon ohne jegliche Geduld, Resilienz oder Offenheit ins (online) Dating einzusteigen, wird höchstwahrscheinlich enden mit: wie man in den Wald ruft… Ein gutes Beispiel dafür kann man in besagtem New York Times-Artikel lesen.</p><p>Ich denke, wir sind alle erwachsen und sollten Verantwortung übernehmen. Nur so schaffen wir wieder Vertrauen ins hetero Dating, ins “straight”-Label und in die Idee, dass gleichgestellte Verbundenheit zwischen allen Geschlechtern nicht nur eine Utopie sein muss.</p><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber nicht das 1000. Abo irgendwo abschließen, nur um es aus den Augen zu verlieren und umständlich kündigen zu müssen? Feel you.</p><p>Wenn du diesen Newsletter heute besonders magst, kannst du mir auch einfach einmalig dafür einen Kaffee spendieren:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Mehr Cleo lesen</p><p>Um’s Dating geht’s hier ja öfter. So wie in meiner neuesten Kolumne beim Tagesspiegel+: <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/ich-will-heute-abend-unbedingt-sex-wie-frauen-einen-sicheren-one-night-stand-finden-13901779.html">“Ich will heute Abend unbedingt Sex! Wie Frauen einen sicheren One-Night-Stand finden”</a>.</p><p>Umso spannender, auf Cleographie die Dating Eindrücke meines Vergangenheits-Ichs nachzulesen (bisschen wie im Tagebuch schmökern). Auch vor 3 Jahren war ich nicht gerade von der Situation begeistert. Aber heute klinge ich schon wieder etwas hoffnungsvoller, findest du nicht? 🥲 <a href="https://cleographie.com/date-neid-wieso-selbstbewusstsein-nicht-hilft/">“Date Neid - Wieso Selbstbewusstsein nicht immer hilfreich ist”</a>.</p><p>Wenn Kommunikation der gewissenhafte große Bruder vom Flirt ist, dann ist Dirty Talk seine verbotenerweise flirtende Cousine. In meinem Artikel auf WELT+ liest du über die Bettgeflüster-Tipps aus der Sexualberatung und die Insights aus der Sprachforschung: <a href="https://www.welt.de/iconist/partnerschaft/plus688b773f97501d2cebe05feb/Sexting-bis-Dirty-Talk-So-funktioniert-erotische-Kommunikation.html">“Worte, die Lust machen - und wie man sie richtig einsetzt”</a>.</p><hr aria-hidden="true"/><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><hr/><p>Empfehlung</p><p>Was könnte besser zum Thema dieses Newsletters passen, als ein Buch, das so wundervoll facettenreich und humorvoll über die Abgründe des ewigen heterosexuellen Missverständnisses berichtet wie Virgine Despentes “Liebes Arschloch”:</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/eac503e0-a17f-4851-a1c1-6d79838b87bd/uploads/images/pg64avmyls/1000046089.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Event</p><p>Kommt zahlreich zu meiner gemeinsamen Lesung mit Matthias am 09.09. ins Kino Union in Berlin Friedrichshagen! <a href="https://www.kino-union.de/ticket?l=%2Fticket%3Fl%3D*kinoheld*%25250AcinemaPath%25253A%252520%252526apos%25253Bkino-berlin%252Fkino-union-friedrichshagen-berlin%252526apos%25253B%25252C%25250Atarget%25253A%252520%252526apos%25253Bself%252526apos%25253B%25252C%25250AnoChange%25253A%252520true%25252C%25250Arb%25253A%252520%252526apos%25253B1%252526apos%25253B%25252C%25250Alang%25253A%252520%252526apos%25253Bde%252526apos%25253B%25252C%25250Amode%25253A%252520%252526apos%25253Bwidget%252526apos%25253B%25252C%25250AshowId%25253A%252520%252526apos%25253B3247626179%252526apos%25253B">Tickets gibt es hier </a>(sind auch nicht teuer 😉):</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/eac503e0-a17f-4851-a1c1-6d79838b87bd/uploads/images/nl33m5dtny/1000049899.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wir freuen uns auf euch!</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 03 Aug 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[9. Nachricht: Wie(so) die Lebensgeschichte der eigenen Eltern…]]></title>
      <description><![CDATA[Ob aus reinem Interesse, sozialwissenschaftlicher Neugier oder therapeutischer Empfehlung heraus - die eigenen Eltern nach ihren Lebenseinstellungen und - Geschichten zu…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>9. Nachricht: Wie(so) die Lebensgeschichte der eigenen Eltern aufnehmen?</h1><p>Ob aus reinem Interesse, sozialwissenschaftlicher Neugier oder therapeutischer Empfehlung heraus - die eigenen Eltern nach ihren Lebenseinstellungen und - Geschichten zu befragen, kann vieles bewegen. Ein tieferes Verständnis füreinander, transgenerationele Traumata,  Empathie und Konflikte liegen nah beisammen und manchmal nur wenige Fragen entfernt verborgen.</p><p>In der 9. Sprachnachricht teile ich mit dir, welche Erkenntnisse ich durch die Gespräche mit meinem Vater gewinne. Außerdem erkläre ich dir, wie und warum du dasselbe Experiment mit deinen Eltern oder Großeltern starten solltest.</p><p><a href="https://steady.page/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/6a4284bf-b41c-4e14-acaa-89b437d8f18a">Auf Steady weiterlesen</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Mon, 28 Jul 2025 11:36:19 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#11: Dritte Orte brauchen, öffnen, halten]]></title>
      <description><![CDATA[Dritte Orte sind Räume, in denen wir sein können. Einfach sein, ohne dass wir dort einer Erwerbsarbeit nachgehen. Entspannt sein, ohne dass dieser Ort unser privates…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dritte Orte sind Räume, in denen wir <em>sein</em> können. Einfach sein, ohne dass wir dort einer Erwerbsarbeit nachgehen. Entspannt sein, ohne dass dieser Ort unser privates Zuhause ist. Weil ein Dritter Ort einen offenen Raum bieten soll, um anderen Menschen zu begegnen - uns schon bekannten oder noch unbekannten Menschen. </p><p>Ein Beispiel für einen guten, alten Dritten Ort ist das “Jugendzentrum” oder “Jugendheim”, wie es früher dort hieß, wo ich herkomme. Damit waren keine Wohneinrichtungen gemeint, in denen Kinder und Jugendliche sich permanent aufhielten oder in Obhut genommen wurden. Sondern Orte, an die sie nach der Schule, in den Ferien oder am Wochenende gehen konnten, um andere Menschen zu treffen, gleichaltrig oder nicht, und um ihre Freizeit gemeinsam zu gestalten. </p><p>Wir haben damals gelernt, dass man nicht unbedingt “etwas mitbringen” muss, um in Dritte Orte aufgenommen zu werden. Nur die eigene Bereitschaft zur Begegnung und das Interesse an der Verbindung mit anderen. </p><p>An Dritten Orten kann man produktiv werden und etwas lernen oder das eigene Wissen an andere Leute weitergeben. Man kann Ressourcen sammeln und sich für gute Zwecke einsetzen. Man kann rumgammeln und sich mit sich selbst beschäftigen, aber eben in der Gesellschaft von anderen. Man kann versuchen, der Einsamkeit zu entkommen. Man kann dort Freundschaft und Liebe genauso finden wie Konkurrenz und Hierarchien.</p><p>Kurzum, man lernt Gemeinschaft. Und wie man mit anderen Leuten in Kontakt kommt. Ohne Dritte Orte fehlt uns diese Praxis. Die meisten von uns merken das, wenn sie außerhalb von Familie und/oder Job keine neuen Menschen mehr treffen und keine neuen Eindrücken mehr bekommen, weil sich die meisten Dritten Orte heute nur an Kinder und Jugendliche richten. Und selbst die werden stetig weniger.</p><hr/><p>Aufruf</p><p>Writers Unite. Denn wir müssen über Geld reden.</p><p><strong>Du bekommst regelmäßig Geld dafür, dass du für Zeitungen, online Magazine oder Buchverlage schreibst?</strong> Dann suchen wir dich! Wir sind Mia Gatow und Cleo Libro, Autorinnen und freie Schreibende, die mehr Transparenz in Schreib-Business bringen wollen.</p><p>Dafür eröffnen wir im Juli 2025 einen Newsletter, über den wir einmal im Quartal anonym die aktuellen Honorare und Vorschüsse schreibender Freelancer abfragen, auswerten und zurück in die Gruppe kommunizieren. Zusätzlich mit den neuesten Tipps und allem, was die Gruppe gerne miteinander über Marketing, Pitches oder Geld teilen will.</p><p>Melde dich per Mail bei mir, wenn du mitmachen möchtest: <a href="mailto:cleo.libro@gmail.com">cleo.libro@gmail.com</a></p><hr aria-hidden="true"/><p>Ich halte es nicht für übertrieben, davon auszugehen, dass die Corona-Zeit einen Trend intensiviert hat, der sich schon vorher ankündigte: Den Trend der “verdeckten Vereinzelung” nämlich. </p><p>Verdeckt, weil wir durch unseren ständigen digitalen Sozialkontakt nicht den Eindruck haben, einsam zu sein. Im Gegenteil erscheint mir meine eigene Erschöpfung darüber, wessen <em>beef </em>mit wem und wessen Trennung oder <em>collab </em>mit- und voneinander ich alles am selben Tag auf <em>Social Media</em> beobachten kann, enorm groß zu sein.</p><p>Was zur Folge hat, dass ich nicht kapiere, wie stark ich mich vereinzelt habe. Abgekapselt von Orten der persönlichen Begegnung, mit “zu leeren <em>social batteries</em>”, wenn es dann darum geht, am Abend oder am Wochenende doch noch rauszugehen und (neue) Leute zu treffen. Also doch lieber Absagen hageln lassen im Namen von <em>Me Time</em> und <em>Self Care. </em>Aber gibt es überhaupt etwas Erholsameres für soziale Säugetiere wie uns als die gemeinsam verbrachte Zeit mit anderen Menschen, mit denen wir uns wohl fühlen?</p><p>Ein großer Teil meines Soziallebens fühlt sich so an, als würde ich mich von Lebensmittelattrappen anstatt von echtem Essen ernähren, weil es ausschließlich am Bildschirm stattfindet. Eine Fülle und Sättigung, die mich aber nicht mit Nährstoffen versorgt, also meine Bedürfnisse nicht nachhaltig stillt. Weshalb ich dann wieder mehr konsumiere und mich am Ende übersättigt fühle, ohne jedoch neue Energie zu haben.</p><p>Die digitale Verbindung, in die ich tagtäglich zu Leuten trete, ist alles andere als <em>the real deal</em>. Anders kann ich mir diese Gleichzeitigkeit von Müdigkeit und Überreizung nicht erklären, die neben dem ungestillten Verlangen nach zwischenmenschlicher Verbindung existiert.</p><p>Es ist schon schwierig genug, sich bewusst zu werden, woran diese unterschwellige Unausgeglichenheit liegt. Aber richtig kompliziert scheint es für die meisten Menschen dann zu werden, wenn sie einen Versuch starten sollen, diesen Teufelskreis aus sozialer Erschöpfung und simultaner sozialer Verkümmerung zu verlassen. </p><p>Ich denke, das könnte daran liegen, dass den Erwachsenen die Jugendzentren fehlen, die Dritten Orte.</p><p>“Wir müssen wieder mehr offline leben!”, heißt es dann (genau wie in diesem Newsletter). Aber wie machen wir das, wenn jegliche Kommunikation über Treffen und Veranstaltungen online abläuft?</p><p>Ganz einfach: Wir müssen ja auch nicht wieder zurück in die Briefpost-Steinzeit. Wir können unsere digital-sozialen Vernetzungen nutzen, um uns gegenseitig einzuladen. Und zwar in die Dritten offline Orte, die wir füreinander eröffnen können. Dazu, wie das gehen kann, habe ich (besonders im Austausch mit schlauen anderen Menschen) ein paar Tipps gesammelt:</p><ul><li><p>Wenn du kannst, öffne deinen Raum für Andere: veranstalte Salons, einen Tag der offenen Tür, lade zur Nutzung deines Raums ein für Co-Working, Kunst schaffen, Handarbeit, <em>reading parties</em> oder Schreibgruppen. Was auch immer das Herz begehrt und in deine vier Wände passt</p><p></p></li><li><p><em>Make Stammtisch Great Again</em>: plane ein Treffen an einem gut erreichbaren, öffentlichen Ort, wo man gemütlich zusammenkommen kann und bereite ein paar Gesprächsthemen zum Einstieg und Kennenlernen vor - vernetze die Leute, in deinem sozialen Kreis persönlich miteinander</p><p></p></li><li><p>Wenn du einen öffentlichen Raum wie ein Ladenlokal, Café, Büro oder Atelier leitest, stelle ihn mal kostenlos für Kulturveranstaltungen zur Verfügung (macht sogar Werbung für dein Business 😉)</p><p></p></li><li><p>Spende Geld oder helfe ehrenamtlich an einem bereits bestehenden Dritten Ort wie einem Jugendzentrum oder einer kulturellen Begegnungsstätte in deiner Umgebung aus</p><p></p></li><li><p>Leite Aktionen an, die helfen, Hürden für Leute abzubauen, die sich nicht so recht trauen, alleine an Events teilzunehmen: </p><ul><li><p>“<em>Pre-Party</em>” mit Kennenlern-Begleitung (Danke, <a href="https://steady.page/de/zucker-und-gold/posts">Nadine Köster</a>, für die Idee): Lade Leute dazu ein, sich in einer Gruppe vor einem Event zu treffen, das ihr gemeinsam besuchen wollt. Vielleicht in der Kommentarspalte unter einem Post zur Veranstaltung. Mach deutlich, dass die Interessierten willkommen sind und freudig erwartet werden, um Ängste zu minimieren. Und hilf deinen Gästen vor Ort am besten über kleine Impulse in die Unterhaltung hinein (Inspo dazu findest du online!)</p></li><li><p>Gruppenaktivitäten mit geringem Aufwand initiieren: plane und initiiere Gruppen für Spaziergänge oder Wanderungen, Tanzen im Park, Radtouren oder gemeinsame Ausflüge in die Boulderhalle, an den Badesee oder ins Museum</p></li></ul></li></ul><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber nicht das 1000. Abo irgendwo abschließen, nur um es aus den Augen zu verlieren und umständlich kündigen zu müssen? Feel you.</p><p>Wenn du diesen Newsletter heute besonders magst, kannst du mir auch einfach einmalig dafür einen Kaffee spendieren:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Das nur mal als kleine Sammlung hauptsächlich niederschwelliger Ideen, die meistens nur einmal von jemandem losgetreten werden müssen, damit sie fast von allein ins weitere Rollen kommen.</p><p>Achja, und was ich an dieser Stelle gar nicht hilfreich finde, sind Stimmen, die darüber ätzen, wie unselbstständig und ängstlich und <em>socially awkward</em> doch unsere Gesellschaft geworden sei. Danke für Nichts. Menschen dafür zu beschämen, dass sie nicht mehr so richtig wissen, wie sie aus sich herauskommen sollen, wird ihnen ganz bestimmt dabei helfen, aus sich rauszukommen. Ironie aus, so funktioniert Scham nicht.</p><p>Ich wäre dafür, dass wir die Situation jetzt einmal so annehmen, wie sie ist, ohne Wertung. Und die sieht nunmal so aus, dass viele von uns (besonders die Jüngeren, die noch gar nicht so viel Übung im Begegnen außerhalb der digitalen Welt bekommen konnten (danke nochmals für diesen wertvollen Hinweis an Nadine Köster!)) ganz schön eingerostet sind, wenn es darum geht, sich miteinander zu verbinden. </p><p>Also geht mein Aufruf raus an diejenigen, denen es vielleicht ein bisschen leichter fällt, ihre Räume (zeitweise) zu Dritten Orten zu machen: nutzt die Tipps oder eure eigenen Ideen und setzt etwas in Bewegung!</p><p>Zum Beispiel so wie die großartigen Unternehmerinnen Josie Marwehe vom <a href="https://periodenladen.de/?srsltid=AfmBOopd7imZzhsIARcJgBkZcRD0nQM8z1KbTL9wfb2ZEgGBVVuIGfOS">Periodenladen La Blutique</a> und Coco Meurer vom Buchladen <a href="https://literaturensohn.de/">Literaturensohn</a> in Berlin, die beide innerhalb der letzten Woche die Türen ihrer Shops für wundervolle Abende des Austauschs geöffnet haben, an denen ich teilhaben durfte. Vielen herzlichen Dank!</p><p>Oder nehmt euch ein Beispiel an meinem nächsten Gast in der Interview-Reihe “Was dir nie jemand sagt… über Sex ab 50”, Laura Méritt, die seit Jahrzehnten queerfeministische Salons und Workshops in ihrem privaten Wohnzimmer stattfinden lässt. </p><p>Manchmal braucht es nur einen Ort. Die Energie, die Freude, den Austausch und all das Gute bringen die Menschen selbst mit, die man dorthin einlädt.</p><hr/><p>TERMINÄNDERUNG</p><p>Oh no, Sommerloch!</p><p>Meine Lesung aus “Gleichstellung” im Liosalon in Kreuzberg wird vom 22. Juli auf den 21. September verschoben! Das ist ein Sonntag und wir werden uns gemütlich zum Brunch und Q&amp;A über weibliche Sexualität treffen. Kommt vorbei!</p><p>Anmeldung über <a href="https://www.instagram.com/liofemtalk/reels/">@liofemtalk</a> oder per Mail an mich.</p><hr/><p>Blog</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat.</p><p>Im vierten Interview stellt Laura Méritt, 65, ihre Erfahrungen vor. Sie ist Kommunikationswissenschaftlerin, queerfeministische Aktivistin und Herausgeberin des Buchs <a href="https://www.rootsofcompassion.org/frauenkorper-neu-gesehen-meritt">“Frauenkörper neu gesehen”</a>. Außerdem betreibt sie den traditionsreichen Sexshop <a href="http://sexclusivitaeten.de/">Sexclusivitäten</a> und veranstaltet die berühmten <a href="http://weiblichequelle.de/">Freudenfluss-Workshops</a> zu weiblicher Ejakulation in Berlin!</p><p>Wenn du auch einmal dabei sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir!</p><h4><em>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?</em></h4><p>Laura: “Vielfältig, feinfühlig, großzügig, liebevoll, leidenschaftlich, polygastisch! So nenne ich die Vielfalt und wunderbare Unterschiedlichkeit der Orgasmen.”</p><h4><em>Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?</em></h4><p>Laura: “In den ersten Jahrzehnten des Lebens ist es eher Gymnastik (lacht). Also eher körperliches Sexperimentieren. Natürlich auch mit Gefühlen, aber es differenziert sich über die Jahre doch stark aus.</p><p>Du spürst andere Ebenen, der Sex wird feinporiger und feinfühliger. Du weißt besser, was du willst und gleichzeitig geht es in eine größere Offenheit hinein, weiter auf Entdeckungsreisen: Was ergibt sich in einer Begegnung mit genau dieser Person? Sex ist ja immer wieder anders, auch mit derselben Person.</p><p>Ich gehe auch weniger nach dem Äußeren oder bestimmten Charakterzügen, die mich früher vielleicht mehr angezogen hätten.”</p><h4><em>Worauf willst du heute beim Sex nicht mehr verzichten?</em></h4><p>Laura: “Ich will Sex in jeder Situation neu aushandeln und mich neu ausrichten können. Auf dumme, sexistische Anmache und sexuelle Gewalt will ich unbedingt verzichten!”</p><h4><em>Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?</em></h4><p>Laura: “Früher habe ich Sex anders definiert als heute. Die enge Definition von Sex war mir damals wichtig, also das Körperliche und auch die genitalorientierte Berührung.</p><p>Jetzt ist Sex viel, viel mehr: ein toller Flirt, ein tiefer Kuss, ein Naturerlebenis, Dirty oder Silly Talk, Gruppe, Verhandeln uvm. Daran erfreue ich mich. Insofern ist Sex für mich heute raumgreifender. Den Wind auf der Haut spüren in einem Moment, in dem du glücklich bist? Was ist das anderes als Sex, vielleicht Ökosex? Ganz im Moment sein und genießen. Du kannst im spirituellen Sinne oder emotional oder intellektuell orgasmieren.</p><p>Das sind alles andere Ebenen von dem primär physischen Sex, die ich mit 30 echt noch nicht drauf hatte (lacht). Aber es ist auch schön, dass sich das mit der Zeit verändert. Heutzutage ist dieses Wissen innerhalb einer sexpositiven Kultur viel zugänglicher, das ist toll und ein großer Verdienst der Frauenbewegung!”</p><h4><em>Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</em></h4><p>Laura: “Ich beschäftige mich ja schon lange mit Sex und habe viele ältere Freundinnen, mit denen ich keinen „Alterssex“ praktiziert habe, wie es gern heißt. Den gibt es nicht.</p><p>Die Arbeit von Feministinnen und sexpositiven Aktivistinnen wie z.B. <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Annie_Sprinkle">Annie Sprinkle</a> in den 90ern hat dabei geholfen, merkwürdige Mythen abzubauen. In dem Film “<a href="https://www.sexclusivitaeten.net/Filme/Sexpertisen/Vulvarisches/Masturbation-Memoirs::288.html">Masturbation Memoirs</a>” von der Regisseurin und Aktivistin <a href="https://mobil.l-mag.de/news/artikel.html?readArticle=3810&amp;cHash=29b6d8469b02d162f862d5c3e8b1dc68">Dorrie Lane</a>, die auch die Vulva Puppets und Vuva Academy erfunden hat, sieht man neben Annie in ihren 50ern noch andere berühmte und weniger berühmte „ältere“ Frauen, aber auch junge Dykes &amp; Teens, die uns ihre Selbstliebe zeigen. Das habe ich mit 30 gesehen und mir gedacht “Super, genauso!” (lacht).</p><p>Solche vielfältigen Darstellungen von weiblichen Sexualitäten haben dafür gesorgt, dass auch Sex ab 50 für mich spannend war. Und als wir dann den lesbischen Escort „Club Rosa” in den 90ern gegründet haben, den gibt es übrigens noch, waren die ersten Kundinnen über 50. Ich fand sie sehr mutig, cool und selbstbestimmt.</p><p>Aktuelle Statistiken, bspw. der AIDS-Hilfe zeigen übrigens, dass gerade heterosexuelle Frauen ab 50 wieder sexuell abgehen. Wenn Kinder und Mann aus dem Haus sind, sagen sie klar: “Jetzt bin ich wieder dran!” Das erlebe ich auch in meinen Workshops ganz oft und finde es toll!”</p><p>Ein riesiges Dankeschön an dich, liebe Laura, für deine ganze sexpositive Arbeit seit Jahrzehnten und dass du die Leser*innen an deinen spannenden Erkenntnissen über Sexualität teilhaben lässt, die über diese ganze Zeit gewachsen sind!</p><hr/><p>Ankündigung</p><p>Ich betreibe diesen Newsletter jetzt seit über zwei Monaten und es macht mir unheimlich Spaß! <strong>Um ihn weiterhin kostenlos anbieten zu können, werde ich ihn in nächster Zeit allerdings nicht mehr jede, sondern nur noch alle zwei Wochen versenden.</strong> Ganz einfach, damit ich mehr Zeit und Kreativität für bezahlte Aufträge einräumen kann.</p><p>Ich hoffe auf dein Verständnis… oder auf dein Abo, das dir Zugriff auf meinen Podcast gibt und dazu ganz solidarisch kostenfreie Veröffentlichungen für alle unterstützt ;-)</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 20 Jul 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#10: Weibliche Verfügbarkeit, künstliche Weiblichkeit, natürliche…]]></title>
      <description><![CDATA[Das hetero Dating steckt in der Krise. Ist ja auch irgendwie nichts Neues. Klar, eine Partnerschaft zum Gründen einer Familie zu finden, war wahrscheinlich noch nie…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>#10: Weibliche Verfügbarkeit, künstliche Weiblichkeit, natürliche Auslese</h1><p>Das hetero Dating steckt in der Krise. Ist ja auch irgendwie nichts Neues. Klar, eine Partnerschaft zum Gründen einer Familie zu finden, war wahrscheinlich noch nie einfach. Aber heute ist es für viele Menschen schwieriger als noch zu Zeiten der arrangierten Ehen. Besonders für Männer. Und der Feminismus soll Schuld daran sein.</p><p>Diese Bewegung - oder besser gesagt, ihr Einsatz für reproduktive Selbstbestimmung und finanzielle Unabhängigkeit von Frauen - hat Teilen der Weltbevölkerung nämlich ein Konzept zurückgebracht, das den meisten anderen Spezies auf dieser Erde nie abhandengekommen ist: Female Choice. Die Damenwahl bei der Fortpflanzung.</p><hr/><p>Cleophonie</p><p>Mit dem Abschluss einer Steady-Mitgliedschaft unterstützt du nicht nur meine Arbeit, sondern erhälst auch Zugriff auf alle Folgen meines Podcasts “Cleophonie” auf Spotify und Steady!</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><hr/><p>Blog</p><p>Die Tatsache, dass wir ein Wort für den Teil eines Tanzabends haben, zu dem ausnahmsweise die Dame ihren nächsten Tanzpartner aussuchen darf, markiert die Besonderheit dieses Vorgehens. “Herrenwahl” brauchen wir nicht abgrenzend zu sagen, ist ja eh normal.</p><p>Aber eigentlich sind wir mit der Herrenwahl ziemlich allein auf weiter Flur, was die von Traditionalisten oft heraufbeschworene “natürliche Ordnung der Dinge” angeht. Die überwiegende Mehrheit der beobachteten Spezies auf unserer schönen Erde hält es nämlich schon lange so, dass das Weibchen entscheidet, mit wem es sich fortpflanzen wird. </p><p>Das Austragen und Versorgen von Nachwuchs kostet nämlich viele Ressourcen und vor allem Zeit, weshalb die Qualität stimmen muss, um sich in die nächste Generation herüber zu retten. Das Zeugen hingegen geht deutlich schneller und häufiger. Weshalb es für die Weitergabe der eigenen Gene des Erzeugers auch nicht so wichtig ist, unbedingt immer das beste Weibchen auszuwählen. Stattdessen lieber Quantität über Qualität.</p><p>Jetzt kann man sich zurecht fragen, was das heute alles noch mit modernen Menschen zu tun hat. Klar, unsere Biologie beeinflusst uns. Allerdings können wir uns dieser Mechanismen bewusst werden und sie sogar teilweise manipulieren. Zum Beispiel durch Schwangerschaftsverhütung, die sexuelles Vergnügen für alle Menschen zum ersten Mal von reproduktiven Konsequenzen abgekoppelt hat. </p><p>Aber beim Dating geht es ja nicht nur um Sex. Vielen Leuten geht es darum, eine Familie zu gründen, sprich, in Sachen Verhütung mal Fünfe gerade sein zu lassen. Und auf die Wahl des Partners oder der Partnerin für die Umsetzung des Kinderwunschs, wirken besonders ökonomische Aspekte ein.</p><p>Aber mindestens über diese eine Sache hat die Biologie in feministisch-progressiven Gesellschaften ihre Macht wieder zurück erobert: Die Person, die das Kind in ihrem Körper zusammensetzt, sucht jetzt wieder aus, wer es erzeugen soll. Auf einen heteronormativen Rahmen gespannt: Die Damenwahl ist zurück und Frauen bestimmen in weiten Teilen, mit welchem Mann sie Kinder haben wollen.</p><p>Manchmal entscheiden sie sich sogar ganz gegen einen Mann und für Solo-Mutterschaft durch Samenspende. Einen Umstand, den die Menschen, die diesen Samen produzieren, ihnen so schnell nicht nachmachen können. Und das führt momentan zu einem Massenaussterben genau der Männer, die keine Frau reproduzieren möchte. Das soll sogar auf die Mehrheit der aktuell zwischen 15 und 50 Jährigen Männer zutreffen, zumindest nach der Ansicht von Dr. Alok Kanojia (aka Dr. K von <em>Healthy Gamer</em>), Psychiater mit Spezialisierung auf (online) Sucht- und Verhaltensforschung. </p><p>In einer ziemlich empfehlenswerten <a href="https://open.spotify.com/episode/2f1yFQnr1XGbCs7XbLa8cI?si=7c08c1a113ca4ad5">Folge des Podcasts “Diary of a CEO” spricht Kanojia mit Steven Bartlett</a> über das Phänomen der <em>“mass extinction of men”</em> und in welcher Weise er das mit der Verfügbarkeit von Pornografie und KI-Chatbots sowie durch unser nach Corona weitgehend digital mögliches Leben in Verbindung bringt.</p><p>Ich sehe seine unausweichlich klingende Verschmelzung von Masturbation mit Pornokonsum kritisch und denke, dass in diesem Interview einige Dinge als miteinander verknüpft vorausgesetzt werden, die nicht erklärt und differenziert werden. Trotzdem sind die Tipps und Perspektiven von Dr. K auf online Suchtverhalten mindestens spannend, wenn nicht sogar praktisch hilfreich, weswegen ich die Folge <em>with a grain of salt</em> empfehle. Nicht zuletzt, weil sie mich zu diesem Newsletter inspiriert hat.</p><p>Als ganz besonders interessant empfand ich zwei Aussagen Kanojias, die sich beide auf das Verhalten und die Wünsche heterosexueller Single-Männer auf der Suche nach einer Partnerin beziehen. </p><p>Die erste war: <em>“The solutions that work for successful people don’t work for unsuccessful people”</em> und bezog sich auf Dating-Ratschläge, die sich Männer von anderen “erfolgreichen” Männern holten. Das heißt, männliche Singles, die dringend nach einer Partnerin suchen, von Männern, die in einer hetero Partnerschaft leben und eventuell auch Kinder mit ihrer Partnerin haben. </p><p>Er veranschaulicht diese Dynamik sehr schön, indem er den “romantisch erfolgreichen” Moderator, Steven Bartlett, um Tipps bittet, die er einem Teenager-Jungen geben würde, um ebenfalls romantisch erfolgreich zu werden. Bartletts darauf folgende Ratschläge ließen sich alle gut unter &quot;Arbeite an deinem Erscheinungsbild und deinem Intellekt, um dich attraktiv zu machen” zusammenfassen. Aber auf die Nachfrage hin, was zu tun sei, wenn dieses Vorgehen auf Dauer nicht helfen würde, hieß es: &quot;Arbeite härter an dir”. Was in anderen Worten so viel heißen könnte wie: &quot;Mach noch mehr von dem, was dir jetzt schon nicht hilft.”</p><p>Dass damit das Konzept vieler <em>Manosphere-Dating-Coaches</em> ziemlich gut auf den Punkt gebracht wurde (minus vielleicht der Misogynie), ließ mich kurz innehalten. Manchen mag es schon bewusst gewesen sein. Aber ich hatte bisher weder die Einsicht gehabt, dass Coaching dieser Art der breiten Masse gar nicht helfen soll, sondern eher gegen die Interessen seiner Kundschaft arbeitet, die die Schuld dann bei sich selbst sucht.</p><p>Noch hatte ich die Parallele zum Prinzip vieler Dating Plattformen gesehen, die sich ja auch eher ungern durch erfolgreiche Verkuppelung ihrer eigenen Nutzer*innenbasis berauben.</p><p>Jedenfalls schienen Coaching-Angebote und Ratgeber dieser Art eher zu Frustration zu führen, was die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Geschlechtern wahrscheinlich nochmal verschlimmert. Ist ja auch nachvollziehbar. Da macht mann schon alles, rennt täglich ins Gym, hat kein Leben neben dem Job, weil <em>six figure income</em> sein soll und die Alte will einen trotzdem nicht, weil man keine Bücher liest. Wann soll das denn bitte noch passieren??</p><p>Ich glaube, es wird klar, was ich meine.</p><p>Was Alok Kanojia schlussfolgert, ist, dass ein Großteil der Männer überhaupt nicht gelernt hätte, Liebe in zwischenmenschlichen Beziehungen zu empfangen und zu geben: <em>“I was loved as a child in a way that taught me how to love and receive love. A third of the men I meet don’t know how to do that.”</em> Dr. K führt weiter aus, dass das für die meisten ihrer potentiellen Partnerinnen mittelfristig mächtig viel Beziehungsarbeit und unerfüllte Bedürfnisse bedeute, weswegen Frauen lieber die Männer zu den Vätern ihrer Kids machten, die grundlegend liebesfähig und <em>caring</em> wären. </p><p>Bedeutet das also, alle einsamen hetero Männer müssen sich grundlegend ändern? Nein. Aber sie müssen sich eventuell mit dem Gedanken anfreunden, nie auf dem klassischen Wege Kinder zu zeugen oder Vater zu sein. Oder überhaupt in einer langfristigen romantischen Partnerschaft zu leben. </p><p>Aber irgendwie scheint das nicht so eine echte Option zu sein? Letztens stand ich bei Dussmann vor einem ganzen Regal voller Bücher, die sich an Single-Frauen in ihren Zwanzigern bis Vierzigern richten und erklären, wie man Liebe, Familie und Gemeinschaft auch abseits der heteronormativen Partnerschaft gestalten kann. Aber wo ist die entsprechende Ratgeberliteratur, die Männern erklärt, wie man über 30 und Single ist?</p><p>Bzw. wieso ist besagte Literatur so tendenziös bis eindeutig weiblich gegendert? Wäre es so abwegig auch unter Männern einen Markt für solche Literatur, also auch ein Interesse an platonischen Beziehungen oder alternativen Familienmodellen zu vermuten? Können (hetero) Männer keine Gemeinschaft? Ich dachte, sie seien so viel besser im Networking, Friedrich? 😈</p><hr/><p>Events</p><p>Ich freue mich schon sehr auf meine Lesung und Besprechung von “Gleichstellung” im Liosalon in Kreuzberg! <strong>Am 22.07. geht’s los um 19 Uhr.</strong> Meldet euch per Nachricht bei mir oder <a href="https://www.instagram.com/liofemtalk/">Lio Brix</a>, wenn ihr euch anmelden möchtet!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Statt sich einander zuwendender Männer, die Alternativen zur Nuklearfamilie formen, um dort Liebe und Elternschaft zu erfahren, beobachtet Dr. Kanoija etwas anderes: ein verstärktes Hinwenden zu Technologie und digitalen Medien, um eben diese Bedürfnisse ansatzweise zu befriedigen. Dabei erwähnt er nicht nur Pornografie, sondern auch die mittlerweile oft medial besprochene Zuneigung, die Männer (wie auch Frauen) für KI-Chatbots entwickeln. </p><p>Der misogyne Traum von der automatisierten Freundin, die auf Bestellung erscheint und zu jeder Zeit verfügbar ist, um jegliche Nähebedürfnisse und Bestätigungsdefizite zu (er)füllen. Der Traum ist zum Greifen nah und wird sicherlich in irgendeiner Form bald Gestalt annehmen. Der Großteil der benötigten Technologie scheint vorhanden zu sein; jetzt müssen sie nur noch herausfinden, wie man die lebensechten Sexpuppen mit ChatGPT kombiniert. Natürlich erfüllt das dann immer noch keinen biologischen Kinderwunsch, aber hey, die Babyborn gab’s auch schon als ich noch klein war. </p><p>Jedenfalls trifft Dr. K in besagtem Podcast-Interview noch eine zweite spannende Aussage, die vor allem daher rührt, dass sein Forschungsschwerpunkt das menschliche Suchtverhalten ist. Er prognostiziert, dass die zweite Generation der KI-Partnerinnen ihrem Besitzer nicht einfach nur ständig nach dem Mund reden und alles <em>amazing </em>finden wird, was er will. </p><p>Er sagt eine künstlich-intelligente Freundin voraus, die ab und zu aus unerfindlichen Gründen sauer auf ihren menschlichen Freund wird: <em>“An “AI girlfriend loop box”. Once a month she must get mad at you because random rewards reinforce addictive behaviour. Which means that it will make your AI partner more irresistible to you. And since this is what AI was designed to do - find ways to keep you engaged with it - it will “evolve” to withdraw from you to keep you hooked.”</em></p><p>Ich muss zugeben, an der Stelle hab ich bitter-amüsiert geschnaubt. Eine Partnerin, ob künstlich oder natürlich, die ihren Partner immer mit netten Reaktionen belohnt, ist nicht so attraktiv wie eine unvorhersehbare Partnerin, der man es manchmal einfach nicht recht machen kann. Aber <em>wenn </em>man es ihr dann einmal recht gemacht hat, schmeckt die Belohnung umso süßer. </p><p>Und zwar so süß, dass die KI-Freundin sich in ihrem Verhalten immer mehr an eine echte Partnerin annähern wird? Das ist nicht nur ironisch und unfreiwillig komisch, das weist auch in die Richtung, dass ein Geschlecht ein anderes nicht durch KI ersetzen will. Nur wieder besser verfügbar machen.</p><p>Oder um es mit den Worten von Autorin Laura Bates zu sagen: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=jfgiWjOaKPI"><em>“the new age of sexism.” </em></a></p><p>Und das lässt mich mit vielen Fragen zurück. Wie wird der moderne Feminismus darauf reagieren? Überwiegen die Chancen oder Risiken der Auswirkungen von KI-Partnerschaften auf unsere Gesellschaft? Und was können wir tun, damit die Geschlechter sich wieder mehr aufeinander zu- als voneinander wegbewegen? Dass Wiederannäherung das bessere Szenario für eine gleichgestellte Gesellschaft wäre, davon bin ich überzeugt. Denn aus Begegnung entsteht Verständnis, nicht aus Abkehr.</p><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber nicht das 1000. Abo irgendwo abschließen, nur um es aus den Augen zu verlieren und umständlich kündigen zu müssen? Feel you.</p><p>Wenn du diesen Newsletter heute besonders magst, kannst du mir auch einfach einmalig dafür einen Kaffee spendieren:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Welche Buchempfehlung könnte hier passender sein als Meike Stoverocks “Female Choice” - die evolutionsbiologische Analyse, woher das Patriarchat kam und warum es nicht die “natürliche Ordnung” ist:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1a9c1237-caf2-41c0-893e-986282c76bd7/uploads/images/uq73swqzpq/1000047085.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Wer sich für meine Gedanken zum Urteil im Fall Sean “Diddy” Combs interessiert und wissen möchte, was das mit sexueller Gleichstellung zu tun hat, kann das aktuell auf WELT+ nachlesen:</p><p><a href="https://www.welt.de/iconist/partnerschaft/plus256356894/Slutshaming-hat-nichts-mit-Sex-zu-tun-sondern-mit-Macht-ueber-Frauen.html"><em>Slutshaming hat nichts mit Sex zu tun, sondern mit Macht über Frauen</em></a></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 13 Jul 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#9: Dinner for one, two, three]]></title>
      <description><![CDATA[Diese Woche dreht sich bei mir viel ums Essen. Allerdings achte ich nicht aufs Essen, ich beobachte es. Ich lese Literatur und lerne Fakten über Essen. Das ist ein…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Diese Woche dreht sich bei mir viel ums Essen. Allerdings achte ich nicht aufs Essen, ich beobachte es. Ich lese Literatur und lerne Fakten über Essen. Das ist ein kleiner, feiner Unterschied, der aber stark ins Gewicht fallen kann (Verzeihung). Denn Essen hat Folgen. Kurzzeitig für den Genuss und auf lange Sicht für die Gesundheit. </p><p>Wir ahnen mittlerweile alle, dass Essen mehr ist als reine Nahrungsaufnahme. Seine Zubereitung und Qualität können zum Statussymbol erhoben werden. Die Art und Weise zu essen kann Teil des sozialen Kitts einer Gemeinschaft sein oder ein eindeutiger Hinweis auf die Herkunft der Essenden. </p><p>Was, wie, wann und wie viel wir essen, beeinflusst das Bild, das wir selbst und andere von uns haben. Essen kann bestimmen, ob wir als gesundheitsbewusst, diszipliniert, wohlerzogen oder gebildet wahrgenommen werden.</p><p>Aber nichts prägt dieses Bild so sehr, wie die Frage danach, mit <em>wem</em> wir essen.</p><p>Treuen Leser*innen dieses Newsletters wird auffallen, dass ich immer wieder zu einer Podcast-Reihe von <em>The Atlantic</em> zurückkehre. Tatsächlich finde ich in den unterschiedlichen “How to…” Serien immer wieder spannende Denkansätze und Inspiration.</p><p>Diese Woche habe ich mir während meiner anderthalb Tage beinahe manischen Hausputzes (trotz oder wegen der Hitze) u. a. <a href="https://open.spotify.com/episode/4PPSjAxWmlXpbDIEiacS9Y?si=ac5c22284baf4d8d">die Folge “How to Fuel Up” </a>angehört, in der es weniger ums Essen als um Ernährung und deren Moden geht. Denn nicht nur <em>Fashion</em> ist den Trends unterworfen, das ist auch bei <em>Food </em>so.</p><p>Und während in besagter Episode unterschiedliche <em>Superfood </em>Phänomene sowie Ernährungs-Dogmen und ihre Entstehung unter die Lupe genommen werden, fiel ganz am Rande ein Satz, der mich nachhaltig beschäftigt hat. Im Gespräch mit der Moderation berichtet die interviewte Ernährungswissenschaftlerin Kera Nyemb-Diop davon, wie anders ihre Kinder essen, wenn sie sich getreu der Kultur ihres Ehemannes als Famile einen gemeinsamen großen Teller teilen. Wie viel mehr Gemüse die Kids zu sich nähmen und wie viel weniger wählerisch sie seien. </p><p>Essen als Gemeinschaft, die sich ein Gericht teilt, solle ganz ähnlich wie essen in Gesellschaft gesünder für uns sein, so die Expertin. Ohne mich in entsprechende wissenschaftliche Studien darüber einzulesen, spürte ich intuitiv, dass das zumindest für mein persönliches Essverhalten wahr ist.</p><p>Wenn ich beim Essen alleine bin, esse ich mehr, als wenn ich mir das gemeinsam zubereitete Gericht mit jemandem teile.</p><p>Wenn ich alleine esse, richte ich meine Aufmerksamkeit allermeistens auf irgendetwas anderes - ein Buch, einen Bildschirm, einen Podcast - nur nicht auf mein Essen.</p><p>Nie ist es vorgekommen, dass ich in der Anwesenheit anderer Menschen gebinget habe (<em>Binge Eating</em>, krankhaftes Überessen).</p><p>Nicht nur ist der Einfluss durch soziale Kontrolle zu groß, Gefühle von Einsamkeit, Frustration oder Trauer, die durch übermäßiges essen betäubt werden sollen, kommen in Gesellschaft gar nicht erst an die Oberfläche. Stattdessen genießt man die Unterhaltung und verbindet sich über das geteilte Erlebnis von gutem Geschmack und Vorfreude beim Kochen (jaaa, oder beim Bestellen).</p><p>Ich hatte die ungesunde Seite von Einsamkeit bisher immer als hauptsächlich psychische Problematik verstanden. Diese Woche habe ich gelernt, was für einen unmittelbar physischen Einfluss sie auf die Gesundheit nehmen kann. Und zwar, indem eine dauerhaft einsame Nahrungsaufnahme zu ungesunden Essgewohnheiten verleitet. </p><p>Schade. Dabei hatte ich gedacht, wenigstens in den eigenen vier Wänden ist das Essen alleine kein Problem. Denn wenn man außerhalb alleine isst - besonders als Frau - scheint das immer noch ein Ding zu sein.</p><hr/><p>Cleo live</p><p><em>Am 11.07. moderiere ich die </em><a href="https://periodenladen.de/products/let-it-flow"><em>Lesung von Lisa Opel und das gemeinsame Q&amp;A zu Sex und Feuchtigkeiten</em></a><em> bei La Blutique in Berlin (19:30 Uhr). Komm vorbei!</em></p><hr aria-hidden="true"/><p>Zumindest legt das <a href="https://www.nzz.ch/feuilleton/solo-dining-trend-frauen-allein-beim-abendessen-im-restaurant-ld.1889161">dieser Artikel nahe, den ich letzte Woche in der NZZ gesehen habe.</a> Im Interview erzählt die Restaurantkritikerin Callie Hitchcock, wie sie bemitleidet oder schräg angeschaut wird, wenn sie (beruflich) alleine Essen geht. Frauen würden immer noch als soziale Wesen betrachtet, für die es unnormal sei, allein zu erscheinen.</p><p>Ich würde sagen, wir sind ja auch soziale Wesen, die laut der wenigen Studien, die es zu Freundschaft im Erwachsenenalter gibt, auch besser darin zu sein scheinen, stabile Netzwerke zu bilden.</p><p>Allerdings stimme ich den meisten Beobachtungen aus dem Artikel zu. Ich habe zwar noch nie befürchtet, wie noch vor 100 Jahren für eine Prostituierte bei der Kundenakquise gehalten zu werden, aber vollkommen unbedarft setze ich mich heute auch noch nicht alleine in ein Restaurant. Zumindest bin ich mir sehr bewusst, dass ich in keiner Begleitung erscheine.</p><p>Cafés sind witzigerweise etwas anderers. Der NZZ-Text erwähnt Simone de Beauvoirs Rückeroberung der Stadt, indem sie sich provokant alleine in Pariser Straßencafés begab und deswegen offenbar auch Gegenwind erfuhr. Als Frau oder weiblich gelesene Person alleine den öffentlichen Raum zu benutzen - nicht, um irgendwelche Besorgungen zu machen - galt einst als Protestaktion in Europa.</p><p>Die Entwicklungen der letzten Jahre z. B. in Iran haben gezeigt, Öffentlichkeit und die selbverständliche Bewegungsfreiheit in ihr, ist ein Privileg, dass Frauen nicht sicher ist. Deswegen lasst es uns nutzen, damit das Bild einer allein essenden oder einfach exististierenden Frau im öffentlichen Bewusstsein bleibt. So selbstverständlich nämlich, wie es sein sollte.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Du weißt noch nicht so recht, ob du das alleine Essen gehen mal ausprobieren solltest? Dann lies dir doch gerne meine Erfahrungen dazu in dem Blogartikel durch, den ich im November 2023 auf Cleographie veröffentlicht habe und hier gleich nochmal re-poste!</p><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber nicht das 1000. Abo irgendwo abschließen, nur um es aus den Augen zu verlieren und umständlich kündigen zu müssen? Feel you.</p><p>Wenn du diesen Newsletter heute besonders magst, kannst du mir auch einfach einmalig dafür einen Kaffee spendieren:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Blog</p><h2>Alleine essen gehen - Einfach erbärmlich oder Akt der Selbstfürsorge?</h2><h4>Der Absprung aus der Unsicherheit führt zur weichen Landung an einem Tisch für Eine. Der Platz mir gegenüber demonstrativ unbesetzt. Ein Kellner zögert sich heran, ob er schon einmal die Karte? Ja gerne, und nein, ich warte nicht. Ich erwarte heute niemanden mehr. Tatsächlich sind der Spontaneität keine Grenzen mehr gesetzt, wenn das Warten auf Andere erst einmal ein Ende genommen hat.</h4><p>Ich bin der Überzeugung, viele Frauen kennen das Gefühl: Die kleine alltägliche Sehnsucht, sich in das einladende Restaurant zu setzen, an dem sie so häufig vorbeilaufen, es aber nie vorschlagen, wenn es um gemeinsame Abendessen geht. Denn dieses gemütliche, einladende Restaurant ist nicht günstig genug gelegen für alle Freundinnen, nicht interessant genug für die Erwartungen der oft Ausgehenden und zu heimelig für ein erstes Date. Den eigenen Ansprüchen jedoch würde es perfekt entsprechen. Aber in den Genuss dieses Restaurants zu kommen, würde bedeuten, alleine essen gehen zu müssen. Und bei mir hat das meine Scham lange sehr erfolgreich verhindert.</p><h3><em>The female urge</em> nicht einsam zu wirken</h3><p>Wie sieht das denn aus, wenn ich mich alleine an einen Tisch setze? Was denken die Leute dann von mir? Dass ich keine Begleitung gefunden habe? Zu verwöhnt bin, um für mich selbst zu kochen an einem Dienstagabend? Oder noch schlimmer: Dass ich von meiner Verabredung versetzt wurde?!</p><p>Wenn ich als junge Frau wie eines <em>nicht</em> wirken will, dann wie bestellt und nicht abgeholt. Wie in Erwägung gezogen und für nicht wichtig genug befunden. Allein in einem Restaurant zu sitzen, das kann ja nur einen zweifelhaften Charakter attestieren. Davon war ich lange überzeugt. Wie beschäftigt man sich überhaupt während des Essens, wenn man einerseits mangels Gegenüber kein Gespräch führen und andererseits mangels Privatsphäre kein Netflix gucken kann? Und wie würden die Menschen um mich herum auf mein offensichtliches Alleinsein reagieren?</p><p>In meinem Kopf spielten sich jedes Mal Szenen der sozialen Ächtung ab, wenn ich vor einem Restaurant stehen blieb und spontan alleine einzukehren erwog: Eltern, die ihren Kindern verbieten zu mir rüber zu starren, nur um mir selbst verwirrt-angeekelte Blicke zuzuwerfen. Servicepersonal, das mich so lange ignoriert, bis ich vom Hunger überwältigt in <em>Karen</em>-Manier durch das ganze Restaurant nach einer Bestellung brülle. Ein hochprozentiger Gruß vom Herrn dort drüber an der Bar, der gönnerhaft-lauernd dabei zuschaut, wie mir der Cocktail an den Tisch gebracht wird.</p><p>Mit solchen Schreckensszenarien vor dem inneren Auge stand ich eines schönen Spätsommerabends vor einem Restaurant und hatte mich noch gar nicht fertig gegruselt, als eine Kellnerin mich mit einem freundlichen „Suchst du einen Tisch für dich?“ ansprach. Also ließ ich locker – und mich von ihr an einen Tisch im Außenbereich führen.</p><h3>Alleine essen gehen als Selfcare-Trend: #solodining</h3><p>Es wird für die Wenigsten wohl eine Überraschung sein, wenn ich sage, dass ich an diesem Tisch ein wirklich gutes Abendessen verlebte. Meine Kellnerin <em>betreute</em> mich fast mehr, als dass sie mich bediente. Nach dieser schönen Erfahrung wiederholte ich das Erlebnis gerne und oft – Ketchupflaschen-Effekt. Bis ich merkte, dass es doch ins Geld geht, sich immer nur von sich selbst einladen zu lassen und meine einsamen kulinarischen Ausflüge wieder etwas zurückschraubte.</p><p>Aber bis zu diesem Punkt habe ich unheimlich genossen, was für ein enormes Gefühl der Unabhängigkeit ich mir damit selbst bescheren kann. Die Scham und die unangenehmen Gedanken waren zwar nicht sofort verflogen, aber ich lernte sie auszuhalten. Schließlich überwogen die Vorteile deutlich: Ich konnte ein gutes Buch lesen, während ich auf mein Essen wartete. Ich konnte mich dazu entscheiden, alleine ein paar Tage in eine fremde Stadt zu fahren, ohne die gesamte Zeit von Fertigessen aus dem Supermarkt zu leben. Und ja, manchmal konnte ich auch einfach getrost zu faul sein, um an einem Dienstagabend für mich alleine zu kochen.</p><p>Worauf basiert diese Scham vor dem alleine essen, die durchaus nicht nur mir bekannt ist und die bei mir sogar dann einsetzt, wenn ich Pizza für mich alleine nach Hause bestelle? Sie basiert auf der Tatsache, dass wir Einsamkeit gesellschaftlich immer noch tabuisieren. Wir glauben, dass niemand wirklich freiwillig allein ist. Besonders nicht in Situationen, die stark gemeinschaftlich kodiert sind und zu denen vor allem das Essen zählt. Niemand möchte gerne wie die Person aussehen, die man nicht zum Abendessen treffen will.</p><p>Außerdem hängt das Schamgefühl mit unserem kollektiven Verständnis davon zusammen, wie besonders junge Frauen sich zu verhalten haben. Sie sollen sozial sein und sich verpartnern wollen, um sich nützlich machen zu können. Sie sollen ihren Wert darüber definieren, welche Menschen (Männer) sich mit ihnen umgeben wollen. Sie lernen früh im Leben, es als schmeichelhaft zu betrachten, wenn ein Mann sie zum Essen ausführen möchte. Und ganz besonders schnell erlernen sie die Angst davor, nicht als Partnerin – für’s Abendessen oder für’s Leben – ausgewählt zu werden. Nichts ruft lauter „mit der stimmt doch was nicht“ als eine alleingebliebene Frau zu sein.</p><h3>#girldinner findet nicht im Restaurant statt</h3><p>Und deshalb tut eine junge Frau alles dafür, um möglichst sicher ausgewählt zu werden. Das bedeutet typischerweise die Herstellung sowohl einer maximal einladenden äußeren Erscheinung als auch möglichst minimal bedrohlicher innerer Werte. Wie angenehm für all diejenigen Mitglieder unserer Gesellschaft, die die auswählende Rolle besetzen. Übrigens eine Rolle, in der Einsamkeit viel mehr verklärt wird, als dass sie verschrien ist (siehe auch „<a href="https://www.urbandictionary.com/define.php?term=Lonewolf"><em>Lonewolf</em></a>“).</p><p>Dass ich heute Stolz anstatt Scham empfinden kann, wenn ich sichtbar alleine bin, ist darauf begründet, eine Machtposition einnehmen zu können, die mir von Geburt an als erstrebenswert (für Männern) vorgelebt wurde. Als junge Frau dieses Privileg für mich zu beanspruchen, fühlt sich gut an, obwohl ich weiß, dass das Gefühl des Triumphs nicht nachhaltig sein kann. Schließlich will ich nicht die gleichen Chancen auf Einsamkeit wie ein Mann. Diese stereotype Einsamkeit, die als alternativloser Status definiert wurde, der keine Option auf Gemeinschaft, Schwäche oder Hilfe von außen erlaubt.</p><p>Ich will die Chance auf eine Schambefreiung wie sie bisher niemandem in unserer Gesellschaft zugestanden wird, aber allen eingeräumt werden sollte. Ich träume von der Ent-Privilegisierung von Akten der Selbstfürsorge, wie solo Abendessen oder Kinobesuche. Keine Person, vor allem keine weiblich gelesene, sollte sich dafür schämen, wenn sie bei typisch geselligen Unternehmungen nicht in Gesellschaft ist und es trotzdem macht.</p><p>Denn das tut so viel besser, als es nicht zu machen oder so lange auf eine Begleitung zu warten, dass das erste <em>Dinner for One</em> erst zum 90. Geburtstag stattfindet.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Es wurde schon viel geschrieben über die Frau, die allein is(s)t. Eine Leseempfehlung dazu aus einer älteren Generation als meiner ist das Memoir “Die singuläre Frau” von Katja Kullmann:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/62e97da9-8ac1-4993-bbd9-3d213f76a89c/uploads/images/d5n2ignoam/1000045573.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wer lieber Lust auf fiction hat - mit ein bisschen fantasy und einem sehr wortwörtlichen Bezug zur Identifikation mit der eigenen Esskultur - der*dem empfehle ich “Woman, Eating” von Claire Kohda:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/62e97da9-8ac1-4993-bbd9-3d213f76a89c/uploads/images/hcolmxupil/1000045576.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Events</p><p>Ich freue mich schon sehr auf meine Lesung und Besprechung von “Gleichstellung” im Liosalon! Meldet euch per Nachricht bei mir oder <a href="https://www.instagram.com/liofemtalk/">Lio Brix</a>, wenn ihr euch anmelden möchtet!</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/62e97da9-8ac1-4993-bbd9-3d213f76a89c/uploads/images/d2dphf2f2k/1000044965.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 06 Jul 2025 07:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#8: In Schubladen denken, stecken, lieben]]></title>
      <description><![CDATA[“Was sind wir eigentlich?”  “Du bist doch gar nicht queer!” “Ich will mich nicht festlegen.” Sind alles Sätze, die etwas mit Kategorien zu tun haben. Wenn es um unsere…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>“Was sind wir eigentlich?”  “Du bist doch gar nicht queer!” “Ich will mich nicht festlegen.” Sind alles Sätze, die etwas mit Kategorien zu tun haben. Wenn es um unsere eigene oder die Identität der anderen geht, sind wir schnell versucht “das Kind beim Namen zu nennen”, um sogenannte “Fakten zu schaffen”.</p><p>Wir möchten wissen, wer oder was jemand ist und in welcher Beziehung wir zueinander stehen. Wir sehnen uns nach Möglichkeiten zur Orientierung - und dafür nutzen wir Labels.</p><p>Dabei sind besonders Liebes-Labels umstritten. Beim Dating sollen sie uns Sicherheit geben, dafür sorgen, dass wir erstens wissen, mit wem wir es zu tun haben (schwul, polyamor, hetero, trans) und zweitens bestimmen, was wir von unserem Gegenüber erwarten können (Freundschaft plus, Ehe, girlfriend/boyfriend). </p><p>Im politischen Kampf für die Akzeptanz und Gleichstellung aller Menschen, die nicht heteronormativ lieben, sorgen Labels für Sichtbarkeit alternativer Identitäten und Lebesentwürfe. Aber Kategorie-Bezeichnungen haben einen entscheidenden Nachteil: sie sind Schubladen. Und weil sie unser Wesen einordnen sollen, heißt das auch, einmal drin, kommst du da so schnell nicht mehr raus. Denn wer kann schon einfach mal so ändern, wer er*sie ist?</p><p>Um die fehlende Flexibilität von Labels ging es diese Woche auch bei einem Panel Talk im Berliner Fotografiska Museum, zu dem die Dating-App Hinge anlässlich ihres jährlichen LGBTQIA+ Dating Reports geladen hatte. Diskutiert wurde u. a. die “Label Fatigue” (übersetzt mit “Frustration”, wobei ich den Vorschlag “Müdigkeit” etwas passender finde), von der 31% der 14.000 befragten Hinge-Nutzenden berichteten. Unter den queeren App-Nutzer*innen sagten sogar knapp die Hälfte (48%), sie erlebten es als negativ “durch eindeutige Begriffe wie etwa lesbisch, schwul oder nicht-binär in eine feste “Schublade” gesteckt zu werden” (Quelle: Hinge D.A.T.E. Report 2025).</p><p>Labels sorgten dafür, dass man die Freiheit verliere, das eigene Begehren als vielschichtig anzuerkennen, hieß es während der Diskussion zwischen den beiden Panel-Gästen Jamie Williams (er/ihm), transidenter Influencer, und Aljosha Muttardi (er/ihm), queerer Aktivist, moderiert von Ricarda Hofmann (sie/ihr), die den <a href="https://open.spotify.com/show/01raBiQ6NI8XoIBd1RYGOF?si=efa1461bf6104dad">queeren Podcast “Busenfreundin”</a> hostet. </p><p>Besonders ein öffentliches Outing als schwuler Mann könne dafür sorgen, dass man sich selbst in seiner Lust beschneide auch mit Menschen anderen Geschlechts etwas anzufangen. Die Einschränkungen durch Kategorien würden im eigenen Kopf beginnen und durch die Außenwelt fortgesetzt, die sofort ein anderes Label verlange oder die behauptete Identität in Frage stellte, sobald ein nicht Label konformes Verlangen verspürt und ausgelebt wird.</p><p>Wer kennt das besser als bisexuelle Menschen, die traditionell wahlweise zu hören bekommen, sie befänden sich nur in einer Phase, wenn sie gerade homosexuell daten, oder sie seien eigentlich verkappt schwul/lesbisch und würden sich das nicht eingestehen, wenn sie gerade hetersexuell verpartnert sind.</p><p>Ja, Kategorien sind für die Außenwahrnehmung gedacht. Gerade im nicht-monogamen Dating habe ich sie schon sowohl als einschränkend, aber auch als extrem hilfreich dabei erlebt, zu kommunizieren, wie viel Verbindlichkeit man von mir als Date-Partnerin erwarten kann. Dass eine Beziehungs-Bezeichnung, die nur die Grenzen des Erlaubten festlegt, einfacher anzupassen ist, als ein Label, das deine Identität bestimmt, sehe ich allerdings auch ein. </p><p>Genauso verstehe ich den Trotz, der aufkommt, wenn Menschen das Gefühl bekommen, andere würden ihnen vorschreiben wollen, wen sie hot zu finden haben, nur weil sie sich einmal als homosexuell eingeordnet haben. Aber kommt der berichtete Frust über Labels wirklich nur von der Festlegung, die dadurch geschieht? </p><p>Klar, wer in Großstädten heterosexuell datet, kann sich gerade bei der Frage “Was sind wir eigentlich?” richtig gut vorstellen, zu wie viel Frustration die (mangelnde) Festlegungs-Freude führen kann. Gefühlt haben verbindlichkeits-phobische Heteros schließlich die Label-Müdigkeit erfunden. Nichts scheint weniger erstrebenswert als einen Beziehungsstatus zu erhalten, der aussagt: hier muss ich mich verantwortlich zeichnen.</p><p>Was ich mir allerdings auch vorstellen kann, ist, dass die Leute Labels der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität nicht nur frustrierend finden, weil sie sie einengen und wir sie durch eine weitgehende gesellschaftliche Akzeptanz überflüssig gemacht haben. Sondern auch, weil sie müde geworden sind, die Vielfalt zu beachten und mitzudenken.</p><p>Im Sommer 2025 ist es in Deutschland, Europa und der Welt so en vogue wie schon lange nicht mehr, Regenbogen-Flaggen zu verbieten, zu zerreißen oder anzuzünden. Pride-Paraden sollen verhindert oder angegriffen und Teilnehmende eingeschüchtert werden. <a href="https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2024/12/lagebildlgbtqiplus.html">Die Hasskriminalität gegen queere Menschen nimmt zu.</a></p><p>Wir sind einerseits in Teilen der Gesellschaft an einem Punkt angekommen, wo manche sagen “Ach, so ein Label wie “schwul” brauche ich nicht mehr, ich kann einfach lieben, wen ich will, kümmert keinen.” Und das ist ein wunderbarer Fortschritt, eine Errungenschaft, die wir feiern sollten.</p><p>Gleichzeitig gehört es in anderen Teilen der Gesellschaft wieder oder immer noch zum guten Ton “schwul” als Schimpfwort zu verwenden und Hass zu schüren, der sich auch in einem passiv-agressiven “Scheiß auf die ganzen woken Labels und Pronomen” Bahn bricht. </p><p>Ich weiß, es ist so abgedroschen wie nur was, aber Sprache schafft Wirklichkeit. Dass wir diese ganzen Begriffe haben, die andere Schubladen als die heterosexuelle zieren, dass die meisten Menschen sie kennen und mindestens ungefähr wissen, was sie davon zu erwarten haben, ist auch eine Errungenschaft und eine Wirklichkeit, die wir verteidigen müssen. </p><p>Ich bin der Meinung, wir müssen diese Worte verwenden, auch wenn wir ihrer manchmal überdrüssig werden. Damit sie ein so fest verankerter Teil unseres Wortschatzes sind, dass es absurd erscheint, sie unserer Sprache und unserer Wirklichkeit wieder zu entreißen. </p><p>Wir müssen verstehen, dass man Tabus auch wiederbeleben kann, dass man Sagbares auch wieder zu Unsagbarem erklären kann. Aber man kann dem auch etwas entgegensetzen. Und zwar sprachliche Sichtbarkeit durch eine selbstverständliche Verwendung queerer Labels.</p><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber nicht das 1000. Abo irgendwo abschließen, nur um es aus den Augen zu verlieren und umständlich kündigen zu müssen? Feel you.</p><p>Wenn du diesen Newsletter heute besonders magst, kannst du mir auch einfach einmalig dafür einen Kaffee spendieren:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Blog</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat. Im dritten Interview lest ihr von Lilly, 60, (Name geändert). Wenn du auch einmal dabei sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir!</p><h4><em>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?</em></h4><p>Lilly: “Menopasusensex - bin ich schon zu alt, um noch richtige Leidenschaft zu erleben?</p><p>Bin ich mit 50 noch sichtbar?</p><p>Umdenken, wie Sex schön sein kann, weil plötzlich, wie von einem Tag auf den anderen, alles an meinem Körper brüchig und trocken geworden ist, die Gelenke, die Haare, aber vor allen Dingen die Scheide. So unglaublich trocken, daß an Penetration nicht mehr zu denken ist.</p><p>Ich denke an das Video “Slow Sex”, das ich mir zwar gekauft , aber immer noch nicht angeschaut habe.</p><p>Von meiner Freundin höre ich, dass wir reifen Frauen einfach mehr Vorspiel brauchen, um feucht zu werden,  aber darauf hab ich irgendwie keine Lust, keine Muße vielleicht? Ich will unkompliziert bleiben.</p><p>Ich habe mich mit 50 gefragt, ob ich mein Trauma noch mal angehen soll. Denn ich wurde als Kind überfallen, von einem nackten Teenager. Was dann passiert ist, weiß ich nicht, aber ich reagiere somatisch, wenn ich von sexuellen Übergriffen höre. Ich ging also zu einer Therapeutin und erzählte ihr das, und sie sagte: “Egal was oder ob etwas passiert ist, Sie haben jetzt die Wahl durch diese Tür zu gehen, und alles hinter sich zu lassen.” Das klang für mich gut, denn irgendwie hatte ich die große  Sehnsucht unkompliziert und normal zu sein - aber meine Sexualität ist und bleibt schwierig. Ich habe aber einen tollen Partner, dem das völlig egal ist, und der klasse auf meine Bedürfnisse eingeht.”</p><h4><em>Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?</em></h4><p>Lilly: “Nichts. Und doch kann ich zumindest in puncto Autoerotik (gibt es das Wort überhaupt? Selbstbefriedigung finde ich nicht so ein schönes Wort, und ist das im eigentlichen Sinne Sex? Ich finde JAAAAAA!!!!), also wenn ich mit mir alleine Sex habe, bin ich in Bildern klarer geworden.</p><p>Ich lasse ungewöhnliche Bilder zu, die kommen einfach, und ich zensiere nicht. Ich hab das Gefühl, ich könnte im Alter noch ein neues Tor aufstoßen, vielleicht sogar irgendwann mit meinem Partner, aber vor allem für mich.”</p><h4><em>Worauf willst du heute beim Sex nicht mehr verzichten?</em></h4><p>Lilly: “Was ich brauchte, habe ich immer eingefordert! Früher und heute.”</p><h4><em>Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?</em></h4><p>Lilly: “Sex stand bei mir nie an erster Stelle. Aber mit dem Älterwerden habe ich gemerkt, dass ich keine sexlose Person werden möchte. Dabei spielt Häufigkeit keine so große Rolle, aber jeder sexuelle Akt bestärkt mich in meinem sinnlichen Dasein, in meiner Vollständigkeit als Mensch. Das hab ich früher nicht gedacht.”</p><h4><em>Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</em></h4><p>Lilly: “Die Libido nimmt wirklich ab. Den Nutzen davon verstehe ich nicht. Oder ist das nur wieder so ein gesellschaftliches Bild, dem wir verfallen, und wonach wir uns richten? Sex ab 50 ist doch eigentlich klasse, weil ich nicht ungewollt schwanger werden kann.”</p><p>Ich danke dir herzlich, liebe Lilly, dass du uns solche verletzlichen und authentischen Einsichten in die Reflektion über dein Sexleben gewährt hast! Ein tolles Beispiel dafür, dass wir weitersuchen dürfen und es kein festes Alter gibt, in dem wir festgezurrt haben müssen, wie unser Sex auszusehen hat.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Der Pride Month Juni ist fast vorbei, aber um Gleichstellung der Geschlechter und sexuellen Orientierungen darf es immer gehen!</p><p>Deswegen empfehle ich heute (total uneingennützig) die letzten 4 (und die nächste Woche kommende - Spoiler hehe) Folgen der <a href="https://www.deutschlandfunknova.de/podcasts/download/eine-stunde-liebe">Eine Stunde Liebe zu Queerness erklärt und zu unterschiedlichen Perspektiven auf Bisexualität bei Männern</a>.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Außerdem habe ich diese Woche das erste Mal einen Fuß in den WDR gesetzt! Diese Weltpremiere, haha, meines Gesprächs mit Elif Şenel darüber, wieso Gleichstellung nicht an der Bettkante stoppen sollte, könnt ihr in der Audiothek oder auf Spotify im Podcast “WDR5 Neugier genügt - Redezeit” nachhören! Viel Spaß!</p><p><a href="https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-neugier-genuegt-redezeit/redezeit104.html">Gleichberechtigung beim Sex - Cleo Libro</a></p><p></p><hr/><p>Events</p><p>Einen <a href="https://cleo-libro.de/events/">Überblick über Veranstaltungen mit mir</a> erhälst du auf meiner Webseite!</p><hr aria-hidden="true"/><p>Am 11. Juli werde ich zum ersten Mal eine Lesung moderieren! Und zwar liest die umwerfende Lisa Opel bei La Blutique, DEM Periodenladen in Berlin Fhain, zwei ihrer scharfen Kurzgeschichten vor. Es wird, man kann es erahnen, um hotte und non-chalante Darstellungen von Menstruationssex und anderen sexy Tabus gehen. Im Anschluss gibt’s dann noch ein Q&amp;A mit Lisa und mir über Feuchtigkeit, Fantasien und die Kunst entspannt über Sex zu reden.</p><p><a href="https://periodenladen.de/products/lisa-opel-x-cleo-libro">Tickets gibts unter diesem Link</a>, beim Periodenladen. Lasst euch das nicht entgehen!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b5e07815-6879-462b-b399-a31f17b101a0/uploads/images/u5zvrtu63c/Screenshot_2025-06-14_143055.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 29 Jun 2025 09:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#7: (K)Eine Wahl haben wollen]]></title>
      <description><![CDATA[Was ist eigentlich dieser Choice Feminismus? Und wieso reden alle in einem so abfälligen Tonfall davon? Diese Woche geht’s im Newsletter um die freie Wahl und um die…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Was ist eigentlich dieser Choice Feminismus? Und wieso reden alle in einem so abfälligen Tonfall davon? Diese Woche geht’s im Newsletter um die freie Wahl und um die Frage, welchen Ansprüchen sie genügen muss, um nicht als “schlecht für die feministische Sache” kritisiert zu werden.</p><p>Auf meinen Lesungen geht es oft um Sexfantasien. Kein Wunder, schließlich habe ich dem Thema <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/cleo-libro-gleichstellung-9783426284476?srsltid=AfmBOooWOBI9EtzfMUAzKhC1sMMcQPbxHCvT1UBDJBFbraEo8z8zIkfS">in meinem Buch ein ganzes Kapitel gewidmet</a>. Und zwar, meinem ehemalig schlechten Gewissen darüber, dass mein Kopfkino nicht selten den Weg der tugendhaften, politisch Korrekten verlässt. </p><p>Für erfreulich viel Diskussion sorgen die <em>Guilty Pleasures</em> meiner feministischen Mitstreiter*innen untereinander und immer wieder stellt sich die Frage: darf ich das geil finden?</p><p>Zuletzt fragte mich eine Zuhörerin, was ich dazu sagen würde, dass sie so sehr auf <em>Dark Romance</em> Literatur stünde (ein Genre, in dem es nicht selten vorkommt, dass weibliche Figuren sich in männliche Charaktere verlieben, die ihnen eigentlich Gewalt antun woll(t)en - <em>enemies to lovers at its best</em>).</p><p>Meine verkürzte Antwort auf Fragen dieser Art ist meistens, dass das in der eigenen Entscheidung liegt. Ob und wie viel des besagten <em>Guilty Pleasures</em> man konsumiert. Wie viel Geld man für bspw. Bücher dieser Art ausgibt oder ob man sie sich ausleiht. Ob man sie öffentlich mit Lobliedern rezensiert oder laut von den eigenen widerstreitenden Gefühlen bei der Lektüre berichtet.</p><p>Ich will meinem Buchkapitel nicht vorgreifen, falls du es noch nicht gelesen hast, deswegen nur so viel: es gibt komplexe Gründe, wieso wir hot finden, was tabu ist.</p><p>Ich bin der Ansicht, was reflektiert in meinem Kopf abgeht oder einvernehmlich in meinem Schlafzimmer, muss nicht zum Verrat an der feministischen Bewegung aufgeblasen werden. Den eigenen Aktivismus nur zu fantasieren, macht dich ja auch nicht zu einer besseren Feministin. Sondern der Gang zur Wahlurne, auf die Demo oder die Spende eines Teils deiner Ressourcen an ein aktivistisches Projekt.</p><p>Viele Menschen geben sich mit dieser Antwort zufrieden. Manche wirken erleichtert, haben sie doch gerade eine Art Absolution erteilt bekommen. Dass das aber alles nicht so einfach ist, so schwarz und weiß, das ist mir bewusst. Ich treffe hier die bewusste Entscheidung, meinen Feminismus als diplomatisches und bedürfnisorientiertes Programm zu fahren.</p><p>Ich wähle einen Feminismus mit möglichst realistisch lebbaren Prinzipien, weil ich davon überzeugt bin, dass wir alle nur Menschen sind. Und die sind bekanntlich fehlbar, brauchen zwischendurch mal Zucker und können auf die Dauer nicht gut mit allzu dogmatischem Idealismus. </p><p>Diese Wahl treffen aber andere Feminist*innen nicht so wie ich. Ihnen reicht der verständnisvolle Ansatz nicht weit genug, weil er nicht genug verlange und deswegen letztlich auch unsere Gesellschaft nicht weit genug in die gewünschte Richtung bewege. Eine Kritik, die ich sehr gut nachvollziehen kann.</p><h3>Du hast die Wahl… Solange du richtig wählst</h3><p>Einen anderen Vorwurf habe ich bisher aber noch nicht verstanden. Nämlich den des “Choice Feminismus”. Der wird nämlich immer dann unterstellt, wenn Frauen oder Feminist*innen eine Wahl treffen, die augenscheinlich unfeministisch ist. Zum Beispiel, wenn sie sich für Botox, Schönheits-OPs, das Hausfrauendasein oder eine devote Rolle im Bett entscheiden.</p><p>Nicht alles, wofür Feminist*innen sich frei entscheiden würden, sei automatisch deswegen feministisch, heißt es dann. Aber ist es deshalb direkt verwerflich? Ich dachte, es hieß auch <em>“we support women’s rights and wrongs”</em>?</p><p>Natürlich schützt die eigene Weiblichkeit eine nicht vor misogynem Verhalten. Genauso wie Homosexualität einen nicht immun gegen Homophobie macht etc. Aber ich werde den Eindruck einfach nicht los, dass der “Choice Feminismus”-Vorwurf auch immer den Beigeschmack von “ich weiß besser, wie Feminismus geht und du machst es falsch” hat.</p><p>Ging es nicht um Selbstbestimmung? Muss alles, was eine feministisch eingestellte Person tut, nach den Maßstäben der Bewegung ausgerichtet sein? Verliert ihr Aktivismus sonst nur seine Glaubwürdigkeit oder auch seine Wirkung?</p><p>Die Grenze des Akzeptablen scheinen viele spätestens dort zu ziehen, wo die Person, die feministisch-fragwürdig handelt, große Reichweite hat oder damit Geld verdient. <a href="https://www.annabelle.ch/kultur/sabrina-carpenters-mans-best-friend-warum-ihr-neues-albumcover-gefaehrlich-ist/">Anders kann ich mir den gellenden Aufschrei rund um Sabrina Carpenters neues Albumcover aktuell nicht erklären.</a> Pop dürfe das, man müsse Popkultur und Sexualität auch nicht entkoppeln, aber man dürfe zynische Posen wie bei “Man’s Best Friend” nicht unkommentiert veröffentlichen. Es bräuchte Reflexion und öffentliche Einordnung. Denn niemand verstünde online Ironie. Wir sind eine buchstäbliche Gesellschaft geworden.</p><p>Ehrlich gesagt, keine Ahnung, ob man diese Aussage stützen oder widerlegen kann. Ist mir auch nicht so wichtig. Solange es jede Menge unironisch anti-feministischen Content gibt, auf den kein Aufschrei nach Reflexion folgt, ist unser Ironieverständnis auch nicht so ein großes Problem?</p><p>Jedenfalls spekulieren alle über Carpenters Gesinnung, weibliche Unterwerfung wird lautstark kritisiert, wahrscheinlich wird die Sängerin mit ihrem Album jede Menge Geld verdienen und vielleicht steigt sogar der unironische Absatz von Handschellen mit Plüsch und kinky Sextoys wieder an. Win, win, win - well played.</p><p>Ich denke, wir können keine weibliche Selbstbestimmung fordern, um Frauen dann vorschreiben zu wollen, welche Wahl sie zu treffen haben. Wir müssen auch die Freiheit der anderen aushalten können.</p><p>Choice Feminismus als Kritikpunkt ist ein Oxymoron. Die feministische Bewegung wird überleben, auch wenn ihre Anhänger*innen nicht immer feministisch handeln. Letztlich wird sie wahrscheinlich sogar deswegen lebendig bleiben. Und sich realistisch an den Bedürfnissen und Limitierungen derjenigen orientieren, die sie voran treiben.</p><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber nicht das 1000. Abo irgendwo abschließen, nur um es aus den Augen zu verlieren und umständlich kündigen zu müssen? Feel you.</p><p>Wenn du diesen Newsletter heute besonders magst, kannst du mir auch einfach einmalig dafür einen Kaffee spendieren:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Cleophonie</p><p>In der neuen Folge meines Podcasts “Cleophonie - Sprachnachricht von Cleo” geht es auch um das Treffen einer Wahl. Nämlich die Wahl der sexuell unterwürfigen Rolle - allerdings als Feministin:</p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/posts/26d11e2d-fdbc-4ba9-a203-7af508bfba94">https://steady.page/de/cleophonie/posts/26d11e2d-fdbc-4ba9-a203-7af508bfba94</a><p>Sabrina Carpenters neues Album Cover erregt die Gemüter derjenigen, die diese Frage gerne mit “Nein.” oder “So nicht!” beantworten. Die Verunsicherung darüber, was nun Selbstbestimmung ist und was Verrat an der feministischen Sache, scheint größer zu sein, als gedacht.</p><p>In dieser Sprachnachricht teile ich meine Gedanken zu “Man’s Best Friend” und “Babygirl” mit dir und erkläre ein paar der komplexen Facetten von Unterwerfung. Und natürlich enthalte ich dir auch nicht vor, was ich davon halte, wenn Feminist*innen devot Sex haben möchten.</p><p>Mit einer Abo-Mitgliedschaft erhälst du Zugang zu dieser und allen anderen Folgen!</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><hr/><p>BLOG</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat. Heute kommt Ella, 50, (Name geändert) zu Wort! Wenn du auch einmal dabei sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir!</p><h4><em>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?</em></h4><p>Ella: “Verbindung, slow burn, multiple Orgasmen, embodiment (also der Körper wird mehr &quot;körperlich&quot;), manchmal aber auch Angst vor dem älter aussehenden Körper.”</p><h4><em>Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?</em></h4><p>Ella: “Weniger Sport, mehr Verbindung. Sex spielt eine kleinere Rolle, weil eine gewisse Sättigung der körperlichen Seite da ist. Weil ich wild war, habe ich jetzt nicht den Druck, tausend neue Dinge oder Partner*innen auszuprobieren. Ich brauche das Ganze Drumherum an Sex-Spielzeug, Sex Parties, das &quot;orgiastische Feiern&quot; nicht mehr, um guten Sex zu haben.”</p><h4><em>Worauf willst du heute beim Sex nicht mehr verzichten?</em></h4><p>Ella: “Humor. Die Art von <em>desire</em>, die aus Liebe und weniger reiner Begierde entsteht (letzteres ist auch schön, <em>but again, been there, done that</em>).”</p><h4><em>Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?</em></h4><p>Ella: “Unwichtiger (das beinhaltet aber nicht Masturbation, vor allem, wenn ich single bin. Die bleibt wichtig, weil sie nur mir gehört).”</p><h4><em>Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</em></h4><p>Ella: “Dass er anders sein soll als in den Jahren zuvor. Dass er stattfindet, vielleicht auch. Ich habe aber auch nie gedacht, dass ich 50 werde. Dachte altern passiert nur &quot;anderen Leuten&quot;.</p><p>Das klingt lustig und naiv, aber wenn man sehr jung ist, denkt man eventuell nicht daran, dass Menschen, die so alt sind wie die eigenen Eltern, überhaupt irgendwas machen, was menschlich und zugleich interessant sein könnte.”</p><p>Vielen Dank, Ella, das war wundervoll direkt und prägnant und macht deutlich, dass sich auch ein Zustand der satten Zufriedenheit erreichen und gut darin leben lässt!</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Passend zur Frage, wie frei unsere Wahl überhaupt sein kann - besonders im sexuellen Kontext - gibt es heute eine Buchempfehlung aus der Philosophie:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/55d70dfd-615a-49a6-a4a5-d1d7b9aad0cc/uploads/images/aqbj6sxr4d/1000042664.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Und wenn du nach Orientierung zwischen Begriffen wie “Selbstbestimmung” und “Choice Feminismus” suchst oder einfach mal einen basalen Überblick über die Entwicklung und Errungenschaften der feministischen Bewegung bekommen willst, dann empfehle ich “Stand Up - Feminismus für alle”:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/55d70dfd-615a-49a6-a4a5-d1d7b9aad0cc/uploads/images/x6zxgu2hvq/1000042651.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Und wer wissen möchte, wieso meine Wahl bei Dates schon lange auf die Limo anstatt auf den Cocktail fällt, der*die kann das in meiner neuesten Kolumne bei Tagesspiegel+ lesen:</p><p><a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/fur-mich-bitte-ein-stilles-wasser-wie-ich-lernte-nur-noch-nuchtern-zu-daten-13828552.html"><strong><em>Für mich bitte ein stilles Wasser! </em></strong>Wie ich lernte nur noch nüchtern zu daten</a></p><hr/><p>Events</p><p>Am 11. Juli werde ich zum ersten Mal eine Lesung moderieren! Und zwar liest die umwerfende Lisa Opel bei La Blutique, DEM Periodenladen in Berlin Fhain, zwei ihrer scharfen Kurzgeschichten vor. Es wird, man kann es erahnen, um hotte und non-chalante Darstellungen von Menstruationssex und anderen sexy Tabus gehen. Im Anschluss gibt’s dann noch ein Q&amp;A mit Lisa und mir über Feuchtigkeit, Fantasien und die Kunst entspannt über Sex zu reden.</p><p><a href="https://periodenladen.de/products/lisa-opel-x-cleo-libro">Tickets gibts unter diesem Link</a>, beim Periodenladen. Lasst euch das nicht entgehen!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b5e07815-6879-462b-b399-a31f17b101a0/uploads/images/u5zvrtu63c/Screenshot_2025-06-14_143055.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Einen </mark><a href="https://cleo-libro.de/events/"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Überblick über Veranstaltungen mit mir</mark></a><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit"> erhälst du auf meiner Webseite!</mark></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 22 Jun 2025 08:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[8. Nachricht: Dürfen Feministinnen devot sein?]]></title>
      <description><![CDATA[Sabrina Carpenters neues Album Cover erregt die Gemüter derjenigen, die diese Frage gerne mit “Nein.” oder “So nicht!” beantworten. Die Verunsicherung darüber, was nun…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sabrina Carpenters neues Album Cover erregt die Gemüter derjenigen, die diese Frage gerne mit “Nein.” oder “So nicht!” beantworten. Die Verunsicherung darüber, was nun Selbstbestimmung ist und was Verrat an der feministischen Sache, scheint größer zu sein, als gedacht.</p><p>In dieser Sprachnachricht teile ich meine Gedanken zu “Man’s Best Friend” und “Babygirl” mit dir und erkläre ein paar der komplexen Facetten von Unterwerfung. Und natürlich enthalte ich dir auch nicht vor, was ich davon halte, wenn Feminist*innen devot Sex haben möchten.</p><p><a href="https://steady.page/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/26d11e2d-fdbc-4ba9-a203-7af508bfba94">Auf Steady weiterlesen</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Sat, 21 Jun 2025 13:14:11 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[#6: Bücher lieben, hassen, liegen lassen]]></title>
      <description><![CDATA[“Wieso hören eigentlich so viele Männer auf Bücher zu lesen, wenn sie erwachsen werden?” fragte ich letztens einen Freund, der liest.  “Ich höre oft von Typen, dass sie…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>“Wieso hören eigentlich so viele Männer auf Bücher zu lesen, wenn sie erwachsen werden?” fragte ich letztens einen Freund, der liest.  “Ich höre oft von Typen, dass sie als Kinder viel gelesen haben, aber dann irgendwann aufhörten, als sie älter wurden.”</p><p>Da er selbst noch liest, hatte ausgerechnet er natürlich keine definitive Antwort für mich. Ihm war nicht einmal klar gewesen, dass sein Hobby etwas Exotisches zu sein scheint. Dadurch, dass er auch Romane und nicht nur Sachbücher liest, sogar besonders exotisch. Und besonders erotisch.</p><p>Ich habe keine Zahlen, aber wenn ich mit meiner Einschätzung des exotisch-erotischen lesenden Mannes komplett falsch liegen würde, gäbe es beim Dating den Attraktivitäts-Archetyp “lesender Mann in Café” nicht. Oder die Tweets darüber, wie hot es ist, wenn man zum ersten Mal die Wohnung eines Mannes betritt und ein großes Bücherregal entdeckt. Und umgekehrt, wie befremdlich, wenn sich kein einziges Buch in seiner Behausung finden lässt.</p><p>Ist es versnobt, lesende Menschen generell als kultivierter zu betrachten und deswegen anziehend zu finden? Ein Wohlfühl-Fetish der oberen Mittelschicht? Oder ist es einfach smart davon auszugehen, dass (fiktional) belesene Männer sich häufig und gerne die Perspektiven anderer Menschen auf das Leben zu Gemüte führen… und deshalb empathischer sind? </p><p>Dass das “männliche Lesen” in der Krise ist, hat zuletzt auch der <a href="https://www.deutschlandfunk.de/maenner-buecher-maennlichkeit-zielgruppe-toxisch-100.html">Deutschlandfunk im Nachgang an die Leipziger Buchmesse 2025</a> festgestellt. Obwohl Männer immer noch den Literaturbetrieb dominierten (sowohl selbst schreibend als auch in Entscheidungspositionen über Veröffentlichungen), würde die Zahl junger Männer, die solche Literatur auch konsumieren, heutzutage sehr klein ausfallen. </p><p>Der Verfasser des Dlf Kommentars zur Buchmesse, Nils Schniederjann, schlussfolgert daraus: es fehle an Literatur über Themen, die junge Männer interessieren. Ich erinnere mich noch deutlich an die - sagen wir mal lebendige - Diskussion in der Kommentarspalte unter dem betreffenden Instagram-Beitrag.</p><p>Ob das bedeute, dass wir wieder mehr Kriegs- und Schützengräbenliteratur bräuchten, wurde dort schwadroniert. Ob die Tatsache, dass junge Männer so wenig lesen würden, sie für Radikalisierungen jeglicher Art über Social Media empfänglicher machen würde.</p><p>Man mag von den unterschiedlichen Standpunkten halten, was man will, es ist faszinierend zu sehen, für wie viel Kontroverse und das Aufwärmen totgeglaubter Stereotype die Frage sorgt, was junge Männer gerade brauchen könnten. Eines wurde dabei aber sehr deutlich: der Kultur- und Literaturbetrieb ist offensichtlich überfragt. </p><p>Als nächstes wurde dann eine <a href="https://www.derstandard.de/story/3000000267717/verleger-will-nur-buecher-von-maennern-publizieren-sie-wuerden-oft-uebergangen">Meldung der Österreichischen Zeitung Standard</a> durch meinen <em>rage bait feed </em>geschoben, in der es um den britischen Autor Jude Cook ging, der auf die männliche Lesekrise mit dem Plan reagierte, in seinem neuen Verlag nur Bücher von männlichen Autoren zu veröffentlichen. Die “männliche Stimme” werde “problematisiert” und männliche Literatur “übersehen”.</p><p>So ehrenwert es auch ist, den Ungehörten eine Stimme schenken zu wollen, so wenig wird ein Mehr dessen, was jetzt schon das Problem nicht löst, gegen die Krise helfen. Will sagen, einem Literaturbetrieb, der immer noch zu einem Großteil männliche Stimmen enthält, mehr männliche Stimmen hinzuzufügen, wird großflächig nichts verbessern, wenn die Wurzel des Problems in den falschen Themen liegt, über die geschrieben wird.</p><p>Oder im Medium selbst und der Tatsache, dass viele Menschen sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht die Zeit nehmen (können), kontinuierlich so lange Texte zu lesen, wie es Bücher eben sind. Podcasts und Streams kann man wunderbar im Sinne des Produktivitäts-Mindsets laufen lassen, während man noch zwei andere Dinge mit den Augen und den Daumen anfängt. Langes Lesen, das den Fokus auf eine und nur eine Sache gleichzeitig erfordert, passt einfach nicht in die Muster unserer Suche nach den nächsten Dopamin-Hits.</p><p>Schöne Ideen, über frische Themen oder einen <em>back to the roots </em>Verlagshaus nachzudenken. Wenn der Hase aber woanders im Pfeffer liegt, werden auch die “Leiden des jungen Werther” in irgendeiner <em>relatable</em>-21.-Jahrhundert-Version nichts ändern (außer, dass es mehr Aufmerksamkeit und Berichterstattung für Cooks neuen Verlag gibt. Was ihm bewusst zu sein scheint, so herrlich süffisant wie er für die entsprechenden Social Media Posts in die Kamera lächelt… Aber ein Schelm, wer Böses dabei denkt).</p><p>Darüber hinaus kann man sich fragen, wieso wir die Jungs überhaupt wieder ans Lesen bringen müssen, wenn sie das doch augenscheinlich gar nicht vermissen. Mal davon abgesehen, dass dem Büchermarkt dadurch ein enormer Teil des Absatzes durch die Finger geht, macht es doch die Welt nicht besser, wenn mehr Männer Bücher lesen, oder? </p><p>Der Welt hilft es wahrscheinlich nicht direkt. Aber gegen die andere männliche Krise des Jahres, die <em>male loneliness epidemic</em>, könnte es helfen. Schließlich bedeuten mehr lesende Männer in Straßencafés und mehr Bücherregale in Junggesellenwohnungen auch eine höhere Wahrscheinlichkeit auf heterosexuelle Verpartnerung.</p><p>Glaubst du nicht? Na, beweisen kann ich es nicht. Aber ich lasse einfach mal diesen einen von vielen Instagram-Accounts hier unbeaufsichtigt liegen, der den Namen <a href="https://www.instagram.com/hotdudesreading/?hl=de">“hot dudes reading”</a> trägt und 1,2 Millionen Followerin…*innen hat. Ups, da hätte ich fast nicht gegendert 😉</p><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber nicht das 1000. Abo irgendwo abschließen, nur um es aus den Augen zu verlieren und umständlich kündigen zu müssen? Feel you.</p><p>Wenn du diesen Newsletter heute besonders magst, kannst du mir auch einfach einmalig dafür einen Kaffee spendieren:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Blog</p><p>Ich freue mich sehr, heute den Beginn einer neuen Cleographie-Interviewreihe ankündigen zu können! Nach den langen und einsichtsreichen Gesprächen der <a href="https://cleographie.com/category/mama-messages/">Mama Messages</a> und <a href="https://cleographie.com/category/eltern-messages/">Eltern Messages</a> von 2021 und 2022, starte ich diesen Sommer die erste Staffel einer Reihe von Kurzinterviews:</p><blockquote><p>Was dir nie jemand sagt…</p><p>über Sex ab 50</p></blockquote><p>In dieser Reihe stelle ich Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, fünf Fragen dazu, wie sich ihr Sexleben entwickelt hat. Den Anfang macht die großartige Podcasterin und Körperakzeptanz Aktivistin <a href="https://www.instagram.com/liofemtalk/">Lio Brix</a>! Wenn du auch einmal dabei sein möchtest oder jemanden kennst, der*die interessiert ist, melde dich gerne bei mir!</p><p>Aber jetzt geht’s erstmal los mit Lio (58 Jahre):</p><h4><em>Welche Stichworte beschreiben Sex ab 50 für dich am besten?</em></h4><p>Lio: “Frei, leicht, angst- und schambefreit, lustvoll, selbstbestimmt.”</p><h4><em>Was fühlt sich bei Sex ab 50 anders an als mit 30?</em></h4><p>Lio: “Ich finde den Sex ab 50 unfassbar befreiend, weil ich keine Angst mehr vor einer Schwangerschaft haben muss. Das ganze Thema der Schwangerschaftsverhütung oder die Sorge, unter Umständen abtreiben zu müssen, hat mich lange belastet. Mir fällt erst im Nachhinein auf, wie sehr und wie befreit ich mich deswegen fühle, seitdem ich nicht mehr fruchtbar bin. Das fühlt sich mega schön an.</p><p>Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich heute nicht mehr so sehr “performe” wie mit 30. Also, dass ich nicht mehr so dringend gefallen will oder so fixiert auf Praktiken bin, die sich mein Sexualpartner wünscht. Ich habe zum Teil Dinge gemacht, die ich nicht machen wollte, weil ich nicht nein sagen konnte, als ich jünger war. Umgekehrt konnte ich aber auch nicht sagen, was ich mir gerne gewünscht hätte.</p><p>Was auch sehr befreiend ist, ist, dass ich mir nicht mehr so viele Gedanken um mein Aussehen mache. Alt sein hat auch etwas ganz Schönes, weil ich keinen super flachen Bauch mehr haben muss, Falten und Speckchen haben kann und mir deswegen keinen Druck mehr machen muss. Deshalb fühlt sich der Sex über 50 für mich freier an als mit 30.”</p><h4><em>Worauf willst du heute beim Sex (nicht mehr) verzichten?</em></h4><p>Lio: “Ich habe erst mit der Zeit gelernt, wie wichtig mir Kommunikation und Konsens beim Sex sind. Darauf möchte ich auf keinen Fall mehr verzichten.</p><p>Genauso möchte ich nicht mehr darauf verzichten, mehrere Sexualpartner*innen zu haben. Das habe ich mir mit 30 nicht erlaubt, obwohl ich diese Vielfalt an Menschen, Begegnungen und Körpern abenteuerlich, wunderbar und schön finde.</p><p>Worauf ich heute allerdings verzichte, sind Menschen, besonders Männer, die sich nicht gut mit der vulvarischen Anatomie auskennen. Da bin ich sehr kritisch geworden und genieße es sehr, wenn ich auf Partner treffe, die sich damit sehr gut auskennen und mich deswegen auch sehr schön verwöhnen können.</p><p>Außerdem finde ich es toll, jüngere Männer zu daten und mit ihnen Sex zu haben, weil die sich meistens ein bisschen besser mit Kommunikation und Konsens beim Sex auskennen.”</p><h4><em>Ist dir Sex heute wichtiger oder unwichtiger als mit 30?</em></h4><p>Lio: “Sex hat für mich einen größeren Stellenwert bekommen als mit 30. Aufgrund der Tatsache, dass ich mit 30 alleinerziehend mit zwei Kindern war, habe ich das Bedürfnis nach Sex oft verdrängt. Zudem hatte ich schwierige Partner, weswegen es mir auch ganz recht war, dass Sex nicht so oft stattgefunden hat.</p><p>Heute ist Sex mir viel, viel wichtiger geworden. Vor allem habe ich mit 30 keine Ahnung gehabt, wie ich mich selbst gut mit Sex versorgen kann. Ich meine damit, wie ich an Sexualpartner*inen sozusagen herankomme (lacht). Das weiß ich heute auch viel besser.</p><p>Ich kann mir Sex heute nehmen. Ich hatte früher Freundinnen, die das auch schon in jungem Alter konnten, aber für mich war das irgendwie nicht möglich. Mit über 50 habe ich das erst gelernt und es ist ein total schönes Erlebnis für mich. Vor allen Dingen in Kombination mit der Freiheit, die ich dabei empfinde.”</p><h4><em>Was hat dir nie jemand über Sex ab 50 gesagt?</em></h4><p>Lio: “Ich habe immer an das Narrativ geglaubt, dass die Libido nach den Wechseljahren nachlassen würde. Mir hat niemand gesagt, dass sie auch gesteigert wiederkommen kann.</p><p>Mir hat auch niemand gesagt, dass es tatsächlich viele junge Männer gibt, die auf ältere Frauen stehen. Inzwischen weiß ich auch, dass das übrigens nicht nur auf Männer zutrifft, sondern auch auf Frauen - das hätte ich auch gerne vorher gewusst. Da bin ich vielleicht auch den üblichen Klischees auf den Leim gegangen (lacht).</p><p>Was ich auch gar nicht geahnt habe, ist, dass man sich auch mit über 50 nochmal neu erfinden kann und vor allem mal von diesem heteronormativen Sex wegkommt. Für mich bedeutet das, dass ich auch mit Frauen und verschiedenen Menschen Sex haben kann. Diese Klischees und Narrative habe ich leider damals alle so übernommen. Aber jetzt weiß ich endlich, dass das gar nicht der Fall ist und dass ich ausleben kann, was ich mir wünsche. Und das tue ich auch!”</p><p>Danke, Lio, für dein Vertrauen und deine inspirierenden Worte! Wenn das keine Lust auf mehr macht, dann weiß ich auch nicht 😄</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Mehr von Lio Brix und mehr Antworten auf die Frage, wie sich das Sexleben von Frauen ab 50 gestalten kann, kannst du aktuell sogar in der ZDF Mediathek sehen! Lio und zwei andere spannende Frauen wurden für die Dokumentarsendung 37 Grad interviewt und mit der Kamera begleitet. Schau mal rein, es lohnt sich enorm!</p><a href="https://www.zdf.de/video/reportagen/37-grad-104/37-106">https://www.zdf.de/video/reportagen/37-grad-104/37-106</a><p>Außerdem hostet Lio den Podcast “<a href="https://open.spotify.com/show/6VXjYdrvdZgLKANU9O0SBw?si=534c27c67c764583">Queens of Berlin</a>” (deutschsprachig), in dem ich auch schon zu Gast sein durfte! Der ausführliche und verständnisvolle Raum, den Lio eröffnet, sorgt für interessante und versöhnliche Gespräche zugleich.</p><p>Aber ein Newsletter, der das Stichwort “Bücher” im Titel trägt, kann auch nicht ohne Buchempfehlung auskommen.</p><p>Der heutige Titel polarisiert. Das schreibt die Autorin selbst in ihrem Nachwort, Menschen lieben oder hassen ihr Buch und rezensieren es auch entsprechend. Ich befinde mich aktuell doch sehr stark auf der “lieben” Seite.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b5e07815-6879-462b-b399-a31f17b101a0/uploads/images/tp3dtw5jcc/1000041821.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ich habe “Bat Eater (and other names for Cora Zeng)” innerhalb weniger Tage verschlungen. Der Roman ist - und ich meine das wirklich als Triggerwarnung - extrem blutig und brutal. Die Tatsache, dass es sich nicht um ein Bilderbuch handelt, rettet die Lesenden nicht vor deutlichen Bildern vor dem inneren Auge, die durch beinahe grotesk detaillierte Beschreibungen von verstümmelten Leichen, ihren Todesarten und Überresten ausgelöst werden.</p><p>Aber der erschütterndste und gleichzeitig bewegendste Aspekt des Buchs von Kylie Lee Baker ist die Hasskriminalität und die anti-asiatischen Rassismen, denen sich alle asiatischen Figuren ausgesetzt sehen. Situaiert im Corona Lockdown 2020 in New York City bekommen die Protagonistin, ihre Familie und Freund*innen die geballte Ablehnung einer ganzen Stadt zu spüren. Man schimpft sie “Fledermausfresser” und macht sie kollektiv für den Ausbruch der Pandemie verantwortlich. Auch wenn allen Beteiligten klar ist, dass Covid nur den bequemen Vorwand für das Ausleben mysogyn-sinophobischer Gewaltfantasien bildet.</p><p>Dieser Roman unterhält auf dieselbe leicht übelkeiterregende Weise, in der wir uns auch an Horrorfilmen ergötzen. Mit dem Unterschied, dass die Monster alle real sind. Die Geschichte in hundertfacher Form genauso passiert.</p><p>Ich weiß, das klingt alles genau NICHT nach guten Gründen dieses Buch zu lesen. Wenn du “Blut sehen” kannst, tus trotzdem, besonders, wenn du weiß bist und Corona durchlebt hast. Es ist lange her, dass mich ein Roman so tief bewegt hat. Und mir so eine unmissverständliche Lektion über die Auswirkungen von rassistischer Sprache und Stereotypen erteilt hat. Die Autorin selbst findet am Ende des Buchs noch einmal deutliche Worte:</p><p>…&quot;many other marginalized people in the US face even more violent systemic racism. There would be no Stop Asian Hate movement without the advances of the Civil Rights Movement or the hard work and suffering of Black, Latine, and Indigenous communities. There is no justice for Asian Americans without justice for all BIPOC.</p><p>So please do not pity Cora Zeng while condemning Trayvon Martin. Anti-Asian hate is real and deserves attention, but it is only one symptom of a deeply broken society, and we cannot understand or stop it without acknowledging the danger of white supremacy and all the other people it has hurt. Do not let your empathy stop at the borders of your own community.&quot; - Kylie Lee Baker</p><p>…und auch nicht an den Grenzen Deutschlands oder Europas.</p><hr/><p>Events</p><p>Am 11. Juli werde ich zum ersten Mal eine Lesung moderieren! Und zwar liest die umwerfende Lisa Opel in der Blutique, DEM Periodenladen in Berlin Fhain, zwei ihrer scharfen Kurzgeschichten vor. Es wird, man kann es erahnen, um hotte und non-chalante Darstellungen von Menstruationssex und anderen sexy Tabus gehen. Im Anschluss gibt’s dann noch ein Q&amp;A mit Lisa und mir über Feuchtigkeit, Fantasien und die Kunst entspannt über Sex zu reden.</p><p><a href="https://periodenladen.de/products/lisa-opel-x-cleo-libro">Tickets gibts unter diesem Link</a>, beim Periodenladen. Lasst euch das nicht entgehen!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b5e07815-6879-462b-b399-a31f17b101a0/uploads/images/u5zvrtu63c/Screenshot_2025-06-14_143055.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 15 Jun 2025 08:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#5: Zeit verbringen, verbrennen, verschwenden]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe Produktivitäts-OCD. Wenn ich meine Zeit nicht ständig produktiv verbringe, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Weil ich aber Pausen brauche, obwohl ich sie…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe Produktivitäts-OCD. Wenn ich meine Zeit nicht ständig produktiv verbringe, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Weil ich aber Pausen brauche, obwohl ich sie nicht machen will, verbrenne ich meine Zeit oft im Fegefeuer der Prokrastination; dieser Sofaritze zwischen Arbeit und Erholung.</p><p>Denn erholen darf man sich erst nach getaner Arbeit, ne? Ein Dogma, dem ich jetzt endlich etwas entgegenzusetzen versuche. Und zwar, indem ich wieder lerne, Zeit zu verschwenden.</p><blockquote><p>“Maybe we need to make the absence of productive satisfaction okay” - Ian Bogost in “How To Waste Time” für <em>The Atlantic</em></p></blockquote><hr/><p>Support</p><p>Du möchtest meine Arbeit unterstützen, aber nicht das 1000. Abo irgendwo abschließen, nur um es aus den Augen zu verlieren und umständlich kündigen zu müssen? Feel you.</p><p>Wenn du diesen Newsletter magst, kannst du mir auch einfach einmalig einen Kaffee spendieren:</p><a href="https://ko-fi.com/cleolibro">https://ko-fi.com/cleolibro</a><p>Herzlichen Dank!</p><hr/><p>Blog</p><p>Als ich im letzten Newsletter mein musikalisches Meditationserlebnis beschrieben habe, konnte man über diesen Absatz stolpern:</p><p><em>“Wenn ich alleine versuche zu meditieren, bekomme ich FOMO. Macht man es zum Gruppenevent, habe ich endlich kein schlechtes Gewissen mehr, dass ich währenddessen nicht “produktiv” bin. Aber das ist ein anderes Thema.”</em></p><p>Weil das aber ein Thema ist, das mich fast täglich beschäftigt, schaue ich heute mal genauer hin. Dass ich den Drang verspüre, ständig etwas Absichtsvolles zu tun, das mindestens meinen Erfahrungsschatz erweitert, wenn nicht Geld oder Ruhm einbringt (mit Schreiben lol), ist nicht erst seit meiner Selbstständigkeit so. Es ging mir auch schon als Festangestellte nicht anders. </p><p>Meine FOMO und der Produktivitätszwang sind tatsächlich ein älteres Phänomen. Zumindest älter als einer der offensichtlichen Treiber: Social Media. Ich kann mich noch genau an Schulferien erinnern, die von dem nagenden Gefühl geprägt waren, dass ich jetzt gerade nicht im Freibad rumliegen sollte, weil es Dringendes für die Schule zu tun gibt.</p><p>Vielleicht haben das Unwohlsein mit der Unproduktivität und die Prokrastination mehr mit der Frage zu tun, was ich darüber gelernt habe, wie man mit der Ressource Zeit umzugehen hat. “Zeit ist Geld”, “don’t waste my time”, “Zeit ist das Wertvollste” sind alles Leitsätze, mit denen ich aufgewachsen bin. Der Kardinalfehler: Zeit in etwas zu investieren, das sich im Nachhinein als Zeitverschwendung herausstellt. Denn unsere Zeit ist eine limitierte Ressource. </p><p>Dabei wird doch eines sehr schnell klar. Je mehr wir unsere Zeit mit Unternehmungen, Arbeit oder Projekten füllen, desto schneller vergeht sie. Wenn wir uns beschäftigt halten, spüren wir nicht einmal, wie schnell. Am Ende kommt vielleicht ein Ergebnis unseres Schaffens in Entstehung, an dem man absehen kann, dass Zeit hineingeflossen ist. Aber gespürt haben wir das nicht. Nicht bewusst zumindest. </p><p>Doch ist das laut moderner Achtsamkeitslehre nicht das Wichtigste in einer Zeit der zersplitterten Aufmerksamkeit? Bewusstes Erleben? Das höchste Gut gemeinsam mit dem ständigen Streben nach dem befriedigenden Gefühl, die Arbeit getan zu haben.</p><p>Aber um Zeit bewusst wahrzunehmen, kann man nur nichts machen. Wir sind keine Uhren. Wir haben keinen eingebauten Zeitmesser, der linear und gleichmäßig jede Sekunde zählt. Wir nehmen Zeit relativ dazu wahr, was in ihr (mit uns) passiert.</p><p>Wenn viel passiert, rückt das Zeitempfinden in den Hintergrund. Und während die Uhren stoisch weiterzählen, geraten wir aus dem Takt. Wenn wir dann aus unserem Tun wieder auftauchen und auf die Uhr sehen, sind wir nicht selten überrascht, wie viel Zeit vergangen ist.</p><p>Stellt sich die Frage: Ist nun die nicht bewusst wahrgenommene Zeit die verschwendete oder die, in der man nichts tut außer sie wahrzunehmen?</p><h3>Wie soll ich sein? Achtsam oder produktiv?</h3><p>Jedenfalls erlebe ich gerade eine gute Zeit. Eine Zeit, die mir sehr gefällt. Sie vergeht im Rückblick allerdings extrem schnell. Das macht mich unruhig, weil ich diese gute Zeit ja bewusst genießen will. Denn wer weiß, wie lange sie andauern wird? Deswegen muss ich mich jetzt umgewöhnen.</p><p>In Anlehnung an das Zitat von Ian Bogost, das ich diesem Text vorangestellt habe, möchte ich das Gefühl des “ich war produktiv” nicht mehr als die einzig geltende mentale Befriedigung verstehen. Sondern auch den mentalen Zustand, den man erreichen kann, wenn man sich wirklich erholt hat - durch achtsame Zeitverschwendung.</p><p>Ich will Zeitverschwendung hier gar nicht glorifizieren. Wenn wir sie als Luxusgut darstellen, werden wir auch die Einstellung nicht los, dass “unproduktive Zeit” etwas ist, das man sich verdienen oder teuer bezahlen muss. Denn eigentlich ist es die ständige Produktivität, für die wir den höchsten Preis von allen bezahlen. Und zwar, in Lebenszeit. </p><p>Klar, für produktiv investierte Lebenszeit erhalten wir im besten Fall Geld oder ein Endergebnis, das für eine Weile von uns abgekoppelt in der Welt bleibt. Aber was kann man damit wirklich anfangen, wenn keine Zeit bleibt, in der wir auf die verbrachte Zeit schauen und reflektieren, was es gebracht hat. Ob das so okay war.</p><p>Man kann vom Zeit verschwenden halten, was man will. Man kann es ein Privileg nennen und damit gleichzeitig Recht und eine Ausrede haben, warum man sich die Erholung letztlich nicht “gönnt”, obwohl man sie braucht.</p><p>Ich finde Zeitverschwendung sollte zum Gegenteil eines Privileges werden, zum Volkshobby, zur Familienunternehmung und zum Erholungstipp #1. Ich will unbedingt dieses unsägliche Gefühl loswerden, das mich beim Meditieren, beim Sport oder Spaziergang oder beim Kaffee mit einer Freundin beschleicht. Nämlich, dass ich “gerade eigentlich etwas PRodUkTIVeS tun müsste”. </p><p>Ich will nicht mehr an meiner Daseinsberechtigung zweifeln, nur weil ich gerade nichts tue, das ich pitchen oder posten kann. Ich mach da nicht mehr mit. </p><p>Ich hole mir die Langeweile wieder zurück, die ich noch aus meiner Kindheit kenne. Das manchmal zähe, manchmal friedliche dabei Zusehen, wie die Zeit vergeht. Und ich werde es genießen und kacke finden und Angst davor haben und nichts, absolut gar nichts Produktives daraus machen.</p><p>Basta.</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Natürlich möchte ich gerne die Podcast-Episode aus der <em>The Atlantic</em> Reihe “How to Keep Time” empfehlen, der ich das simple, aber wahre Zitat von Ian Bogost entnommen habe: “<a href="https://open.spotify.com/episode/2dXhZ4Gh9Nyl55wp6hXKqT?si=88b0072726a144c7">How to Waste Time</a>”. Allerdings ist die ganze Reihe sehr empfehlenswert, insbesondere die Folge <a href="https://open.spotify.com/episode/5SiCvAMnHmRm2oiQqj3ffO?si=a063f9f8923840c6">“How to Rest”</a>.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Die aktuelle Buchempfehlung ist - ganz im Sinne des wundervollen, unproduktiven Zeit Verschwendens - ein fiktionaler Roman. Kein Sachbuch, nichts zum Lernen, einfach nur zum Genießen. Und zudem passend zum Pride Month:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/354f7c0b-5a23-48bd-a34d-48a52bafb082/uploads/images/mkw4qcqds4/1000040938.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p>Außerdem eine Empfehlung für Berlin, die jegliche Zeit wert ist: </p><p>Noch bis zum 29.06.2025 gastiert die <a href="https://www.willy-brandt-haus.de/aktuelles-detail/world-press-photo-ausstellung-2025-73/">World Press Photo Ausstellung</a> im Willy-Brandt-Haus. <mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Der Eintritt ist frei</mark> und ich habe auch dort einen interessanten Gedanken über das Nehmen von Zeit entdeckt. Nämlich den Kommentar neben dem <a href="https://www.fotomagazin.de/bild/world-press-photo-awards-2025-das-sind-die-sieger/">Gewinner-Foto 2025 , das die palästinensische Fotografin Samar Abu Elouf von dem neunjährigen Mahmoud Ajjour im Frühjahr 2024 in Doha gemacht hat.</a> Es zeigt Mahmoud nach der Evakuierung aus dem Gazastreifen, wo er bei einem Angriff verstümmelt worden war:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/354f7c0b-5a23-48bd-a34d-48a52bafb082/uploads/images/jvxcamhaac/1000040860.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><blockquote><p>[…] “Fotos lassen uns manchmal innehalten und regen uns zumindest zum Nachdenken an, anstatt einfach zum nächsten Ereignis weiter zu scrollen. Und wenn wir uns dann die Zeit nehmen, sie wirklich intensiv zu betrachten, fordern sie uns auf, auch die Ebenen unter der Oberfläche wahrzunehmen - jene Energie und Dynamik, welche die Momente herbeigeführt haben, die wir auf den Fotos sehen.” […] - Finbarr O’Reilly, Vorsitzender der Jury für Europa.</p></blockquote><hr/><p>EVENTS</p><p>Zum Abschluss etwas, für das sich hoffentlich viele von euch Zeit nehmen möchten: </p><p>Am Abend des 09. September lese und diskutiere ich gemeinsam mit dem Journalisten und Sachbuchautor Matthias Kreienbrink und unserem Publikum über Sex und Scham in Langzeitbeziehungen.</p><p>Der interaktive Abend steigt im Kino Union in Berlin Friedrichshagen! <a href="https://www.kino-union.de/detail/121647/Cleo%20Libro%20und%20Matthias%20Kreienbrink">Mehr Infos und Tickets finden sich hier.</a></p><p>Kommt vorbei!!</p><p></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 08 Jun 2025 08:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#4: Verbindung suchen, finden, halten]]></title>
      <description><![CDATA[Von fehlender Verbindung ist ja immer wieder die Rede. Wir nennen das Einsamkeit, verstehen sie als ungesund und schieben die schlechte Karte alle Jahre wieder anderen…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Von fehlender Verbindung ist ja immer wieder die Rede. Wir nennen das Einsamkeit, verstehen sie als ungesund und schieben die schlechte Karte alle Jahre wieder anderen demografischen Gruppen zu.</p><p>Wenn Einsamkeit vor Corona noch vor allem “die Alten” betraf, war sie während und nach der Pandemie dann ein Problem “der Jugend”. Und heute, wo wir die Jahre 2020-2022 kollektiv verdrängt haben, diagnostizieren wir nicht mehr Covid sondern Einsamkeit als Epidemie und neue Männergrippe (aka “male loneliness epidemic”).</p><p>Aber wenn die Einsamkeit immer wieder anderen Bevölkerungsgruppen zugeschrieben wird, heißt das dann, dass sie auch immer wieder den Besitzer wechselt? Also, dass für die Alten und die Jugend das Problem jetzt gegessen ist, weil die Männer es nun an der Backe haben? Oder schauen wir uns die gleiche Einsamkeits-Statistik einfach immer nur durch verschiedene Linsen an, die so unterschiedlich gar nicht sind? Männer haben nunmal viele Überschneidungen mit den Gruppen “jung” und “alt”.</p><p>Und was ist mit den anderen Geschlechtern? Viele Fragen, viele Sorgen und wenig Ideen, wenn es darum geht, der Einsamkeit etwas entgegenzusetzen. Nämlich durch den Aufbau von Verbindung. Und nein, ich meine nicht zum Wlan - ganz im Gegenteil.</p><hr/><p>Blog</p><p>Ich habe diese Woche im Zeichen des Verbindung Findens verlebt und bei all den Aktivitäten, Gesprächen und Erkenntnissen ein zentrales, Verzeihung, <em>verbindendes</em> Element entdeckt: Musik.</p><p>Das mag für einige ein vollkommen un-überraschendes Ergebnis sein, aber <em>bear with me here</em>. Denn was mich überrascht hat, ist die Vielfältigkeit der Möglichkeiten und die relativ einfache Zugänglichkeit, mit der Musik beim Verbinden helfen kann. Mit anderen Menschen und dem eigenen Selbst. Und diese Woche habe ich mal ein paar exotischere Wege als die Jamsession mit der Band oder den Konzertbesuch mit Freund*innen ausprobiert.</p><h3>Mit dem Selbst fing es an</h3><p>Eine Freundin berichtete mir vor ein paar Wochen aufgeregt von all den Erfahrungen, die bei ihr in nächster Zeit anstanden. Aus ihrem begeisterten Redeschwall über <em>Ecstatic Dance Circles</em> und <em>Mushroom Churches</em> fiel ein Event heraus, das in mir einen Ton anschlug. Es sollte um Musik induzierte Trance gehen; high sein, aber eben auf Klängen statt Drogen. Beim ersten Mal habe sie jede Menge Bilder vor ihrem inneren Auge gesehen, schwärmte die Freundin. Wie auf einem Trip, nur eben ausgelöst durch laute Musik.</p><p>Ich kannte ja entspannende ASMR-ähnliche <em>Soundbaths</em> wie im Vabali, aber dabei nüchtern halluzinieren???</p><p>Klang spannend, also ging ich mit. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4a7aa384-231e-40a5-b165-691ffbfe99be/uploads/images/egegyytbjp/1000039252.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Hermannplatz, Hinterhof. Ins Obergeschoss eines Gebäudes für Kreative und Kunstschaffende hatte ich am Abend der Musik-Meditation mein eigenes Thema mitgebracht. Ich hatte seit Tagen über unvollständige, da unbewusste Abschiede nachgedacht. Ein wiederkehrendes Motiv in meiner Geschichte, das mich schwermütig machte und mich die Sehnsucht nach Verbindung spüren ließ. Ich wollte dieses Thema endlich in Ruhe mit mir selbst bearbeiten, aber war dankbar, dabei nicht allein zu sein.</p><p>Der Raum roch leicht nach Kerzen, Räucherstäbchen und Reformhaus. Dieser typische, schwach säuerliche Geruch von Esoteriker*innen über 60. Verteilt auf gemütlichen Matratzen lagen ca. 15 andere Personen, die das hier gemeinsam mit mir erlebten. Die sich auch die Zeit nahmen, für mehrere Stunden nichts anderes zu tun, als mit den Ohren zu beobachten, was um sie herum geschah und zu fühlen, was das in ihnen auslöste. Wenn ich alleine versuche zu meditieren, bekomme ich FOMO. Macht man es zum Gruppenevent, habe ich endlich kein schlechtes Gewissen mehr, dass ich währenddessen nicht “produktiv” bin. Aber das ist ein anderes Thema.  </p><p>Nach einer kurzen Atemübung legten wir uns quasi kollektiv schlafen. Ich zog die Wolldecke über mich und die Schlafmaske über meine Augen. Und dann begann die Musik. </p><p>Starke Bässe dröhnten schon bald aus den Lautsprechern. Da waren Tiergeräusche, Naturklänge, rhythmische Trommeln und in für mich fremden Sprachen klagende Stimmen. Auch live im Raum kamen Instrumente zum Einsatz, die alles zusätzlich zu einem haptischen Erlebnis machten. So intensiv spürbar waren die Vibrationen einer Trommel über meinem Körper, dass ich dachte, ihre Schallwellen wären sichtbar, würde ich mir die Schlafmaske vom Gesicht ziehen.</p><p>Aber dafür ging zu viel Interessantes hinter meinen geschlossenen Augenlidern ab. </p><p>Ich würde nicht sagen, dass ich wie beim Träumen unkontrolliert durch mentale Bilder stolperte. Stattdessen imaginierte ich mich für die erste Stunde ganz absichtlich an unterschiedliche Orte und Zeitpunkte in meinem Leben, mit denen ich mich auseinandersetzen wollte. Aber irgendwann warf mein Hirn auch Bilder und Eindrücke aus, die sich nicht anfühlten, als hätte ich sie mir bewusst und mühsam selbst erdacht. Sie waren einfach da. Wie ein Serviervorschlag dafür, worüber ich als nächstes sinnieren sollte. </p><p>Ich hatte mein Zeitgefühl vollständig verloren, als die Leiterin der Meditation uns irgendwann wieder in die Realität des Raums zurückholte. Als ich die Schlafmaske abnahm, war es deutlich dunkler als noch zuvor. Sonnenuntergang lag lange hinter uns, im Schein der Kerzen flackerten die verträumten Gesichter der anderen auf.</p><p>Für die nächsten zwanzig Minuten teilte die Gruppe Tee, Schokolade und Eindrücke über das gerade Erlebte. Ich blieb stumm, weil ich fühlte, dass es mir darum ging, die Verbindung zu meinen Gedanken und Erinnerungen zu halten, die die Meditation so stark in den Vordergrund gebracht hatte. Das eigene innere Erleben in Worte für die Außenwelt zu fassen, gibt ihm eine konkrete Form, in die es meistens nicht vollständig hineinpasst. Außerdem war ich unheimlich zufrieden damit, in der Gesellschaft einer kleinen, ruhigen Gruppe von Menschen nur die Verbindung zu mir selbst aktiv halten zu müssen. </p><p>Ich wusste ja, ich würde mich ein paar Tage später geplanterweise sehr direkt und auf die schönste aller Arten mit vielen anderen Menschen verbinden. Nämlich beim <em>One Day Choir</em>.</p><h3>Ein Tag, ein Chor, ein Song</h3><p>Ich krieg schon wieder Gänsehaut, wenn ich nur dran denke.</p><p>Mit einer Gruppe von Menschen mehrstimmig, harmonisch und aus vollem Halse zu singen, hat etwas transzendentes. Besonders, wenn die Gruppe wirklich groß ist und das Musikstück ihnen allen etwas bedeutet.</p><p>Das traf ganz genau so auf mein erstes <em>One Day Choir</em> Event zu. Ungefähr 300 Menschen (viele glitzernd und queer) waren dem Aufruf des New Yorker <a href="https://www.youtube.com/shorts/6f3eYtRiHLI"><em>Gaia Music Collective</em></a> gefolgt und haben sich zum ersten mal (endlich!) in Berlin getroffen, um Chappell Roans “Pink Pony Club” zu proben, zu singen und zu fühlen. Einmalig und nur für uns Anwesende. Keine Aufführung, kein Perfektionsdruck, kein zweites Treffen derselben Gruppe von Menschen. Einfach nur gemeinsam singen und fühlen, wie stark die hörbaren Harmonien auch die inneren Harmonien beeinflussen.</p><p>Noch Tage danach bin ich immer wieder zu Tränen gerührt, wenn ich die von Dirigent Kenter Davies sechs-stimmig arrangierte Chor-Version des Titels anhöre. Ich verfalle ständig und aus dem Nichts ins Singen meiner Stimme (2. Alt, woop woop) - beim Kochen, beim Schreiben, mitten in Unterhaltungen. Ich habe das Gefühl, keinen Ohrwurm von einem Lied zu haben, sondern von seiner Bedeutung.</p><p>Kenter hat das wundervoll gemacht. Er hat nicht nur - wie in den zahlreichen, mitreißenden Videos auf Social Media sichtbar ist - leidenschaftlich und mit großem Feingefühl den Chor dirigiert. Er hat auch einen Raum eröffnet, in dem sich alle Mitwirkenden willkommen, wohl und gehört fühlen konnten; in allem, was gemeinsames singen, proben und der Austausch über die Gefühle, die dadurch entstehen, mit sich bringt.</p><p>Was ich an diesem Feiertag gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Freund*innen erleben durfte, war keine Chorprobe, sondern eine Liebeserklärung. An die Musik, das Tanzen und die Verbindung, die zwischen Menschen entstehen kann, die sich und einander akzeptieren. Berührung ohne Berührung. Verbindung ohne Verbindlichkeit. Wie erleichternd es sein kann, wenn man Verbundenheit spüren darf, die nicht auf Teufel komm raus für mehr als einen Nachmittag halten muss.</p><p>Sollte Gaia jedenfalls noch einmal nach Berlin kommen, werde ich mich ohne zu zögern wieder anschließen. Und ich empfehle dieses Erlebnis uneingeschränkt allen Menschen, die gerne singen. Aber auch denjenigen, die “nicht singen können”, keine Noten lesen können oder noch nie Teil eines Chors waren. Um die Performance muss es beim Singen nicht gehen. Allein der Effekt, den tiefes atmen für ein paar Stunden auf Körper und Geist haben kann, ist enorm. Wenn man dabei noch in hunderte glückliche Gesichter blickt, ist es wie die Wirkung von drei Sitzungen Therapie auf einmal, versprochen 😉</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4a7aa384-231e-40a5-b165-691ffbfe99be/uploads/images/kbfprupnqh/1000039489.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Aber wie jeder Rausch kann auch das high sein auf Verbindung einen Kater nach sich ziehen.</p><p>Als ich am Tag danach eine Tarot-Karte ziehen möchte, um einen Impuls dazu zu bekommen, was ich mit der ganzen erlebten Verbundenheit zu mir und anderen nun machen soll, springt mir schon beim Mischen eine einzelne Karte aus dem Deck entgegen:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4a7aa384-231e-40a5-b165-691ffbfe99be/uploads/images/oufifuqvn3/1000039656.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Den Eremiten, den Einsiedler interpretierte ich als Hinweis, nun wieder die Einsamkeit zu suchen. Mich zurückzuziehen und über das Erlebte nachzudenken. Also versuchte ich das mit der Einsiedelei ernstzunehmen und tatsächlich mal auf die Ablenkungen zu verzichten, denen ich mich ständig aussetze. Kurznachrichten und Social Media. Podcasts, Netflix und Musik bilden ein dauerhaftes Hintergrund-, wenn nicht sogar Vordergrundrauschen, das ich viel zu selten mal bewusst abschalte.</p><p>Deswegen schreibe ich diese Zeilen gerade in vollkommener Ungestörtheit. Vor fast 24 Stunden habe ich mein Telefon in den Flugmodus verbannt, seitdem nicht mehr das Haus verlassen und mit keinem anderen Menschen kommuniziert. Nur Bücher sind erlaubt und das bisschen gespeicherte Musik auf meinem Handy.</p><p>Also folgen jetzt noch ein paar thematisch passende Lese-Empfehlungen, bevor ich mich wieder der Chor-Version von “Pink Pony Club” hingebe. Und das nicht nur, weil ich sonst passenderweise gerade nur <a href="https://open.spotify.com/intl-de/album/35qVMfUfBN6q2xzm9rZn5a?si=8sCk5VRMSfuMeJY9PFnCcg">Bo Burnhams “INSIDE”</a> in meinen Downloads gespeichert habe 😉</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Darum Verbindungen (dieses Mal romantische) offline zu suchen, ging es auch in meiner neuesten Kolumne für den Tagesspiegel: <a href="https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/ist-dating-wirklich-nur-noch-virtuell-moglich-wie-ich-versuchte-jemanden-offline-kennenzulernen-13682200.html">“Ist Dating wirklich nur noch virtuell möglich? Über meinem Versuch,jemanden offline kennenzulernen”</a>. Dieser und alle weiteren Texte meiner Dating Kolumne “20 letzte Dates” sind mit dem Tagesspiegel plus Abo lesbar!</p><p>Die Buchempfehlungen kommen heute beide aus Berlin-Kreuzberg. Zufall oder spürt man dort die Einsamkeit vielleicht besonders deutlich?</p><p>Los geht’s jedenfalls nicht-fiktional mit dem gerade erschienenen Titel “Radikal Einsam” von Nadine Primo:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4a7aa384-231e-40a5-b165-691ffbfe99be/uploads/images/ewhessqqp2/1000039306.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wer allerdings lieber einen Roman und dazu von einer männlichen Stimme lesen möchte, dem*der empfehle ich “Super Einsam” von Anton Weil:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4a7aa384-231e-40a5-b165-691ffbfe99be/uploads/images/bnywdf2hbv/1000039833.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 01 Jun 2025 08:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#3: Unsicher lieben, altern, arbeiten]]></title>
      <description><![CDATA[Hach, Unsicherheiten sind doch etwas Großartiges. Sie nerven, klar, aber sie bringen mich auch weiter. Wenn ich ständig von mir und meinen Entscheidungen überzeugt durchs]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hach, Unsicherheiten sind doch etwas Großartiges. Sie nerven, klar, aber sie bringen mich auch weiter. Wenn ich ständig von mir und meinen Entscheidungen überzeugt durchs Leben schreiten würde, würde ich so manches übersehen.</p><p>Aber das eigentlich Wichtige an Unsicherheiten ist ja, dass man sie ablegt, nachdem man sie sich näher angesehen und rausgefunden hat, wo sie einem helfen können und wo nicht. Unsicherheiten im Bereich meiner eigenen Arbeit zum Beispiel, bremsen mich aus, wenn ich sie nicht hinter mir lasse.</p><p>Ich denke, den meisten non-fiction Autor*innen ist die Sorge um die Relevanz der eigenen Themen gut bekannt. Das ist eine Unsicherheit, die mich regelmäßig heimsucht. Manchmal hat sie Recht und ich lasse ein Thema wieder fallen. Aber meistens erinnere ich mich selbst in solchen Momenten zuerst an einen großartigen Text, den die Autorin Melissa Febos in ihrem Essayband “Body Work - The Radical Power of Personal Narrative” veröffentlicht hat.</p><p>Sie argumentiert dort, dass besonders das Schreiben der Frauen über ihre persönlichen Erfahrungen häufig als Nabelschau abgewertet würde. Als seien Texte über echte, weibliche Lebenserfahrungen weniger wert als “echte Sachbücher” mit “reiner Information” (aka von Männern geschrieben und möglichst ohne jeglichen Rückbezug zum Autor). Dabei sei laut Febos letztlich nichts zugänglicher und einprägsamer als eine persönliche Geschichte. Ein Text nicht nur zum Verstehen, sondern zum Identifizieren. Sich als Frau oder queere Person in die Mitte zu stellen und zu sagen: Meine Gedanken und Erlebnisse sind genauso relevant wie die anderer Leute, das sei radikal.</p><p>Und so lange das als radikal empfunden wird, sollten wir es tun.</p><hr/><p>Cleophonie</p><p>In der 7. Sprachnachricht vom Cleophonie Podcast spreche ich auch über Unsicherheiten; allerdings in der Liebe. Nicht nur in der Anbahnung, sondern auch wenn man sich schon in Partnerschaft befindet, kann es mal an Selbstbewusstsein mangeln.</p><p>Dabei spielt in nicht-monogamen Beziehungen oft die Sorge eine Rolle, dem Partner oder der Partnerin nicht “auszureichen”. Aber auch in monogamen Verbindungen kommt es zu Unsicherheiten, und zwar wenn der Vergleich zu anderen potentiellen oder vergangenen Partner*innen im Raum steht. Alles unangenehm, aber oft auch unausweichlich. Deswegen erzähle ich in <a href="https://steadyhq.com/de/cleophonie/posts/3761116b-dbdb-4eb6-846f-b8bf1f7eefb5">Folge 7 von meinen Erfahrungen und gebe Tipps für mehr Selbstbewusstsein besonders in offenen Beziehungen</a>!</p><p>Mit einer Abo-Mitgliedschaft kannst du diese Folge auf Steady oder Spotify hören. Danke für deine Unterstützung!</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><hr/><p>Blog</p><h2>Baby Botox - Von der Angst nicht früh genug auf den Anti-Aging Zug aufzuspringen</h2><h4>Ich bin Anfang 30 und freue mich über meine ersten grauen Haare. Im Gegensatz zu hübschen Lametta-Strähnen und seriösen Denkfalten finde ich die dunklen Ringe unter meinen Augen allerdings bedenklich. Aber als ich mich auf die Suche nach einem Beauty-Hack gegen sichtbare erste Alterserscheinungen machte, wurde mir klar: Ich bin viel zu spät dran. Deutlich später jedenfalls als viele meiner Altersgenossinnen. </h4><p>Ich betrachte meine Lametta-Strähnchen im Spiegel, während ich einen Podcast über das sichtbare, weibliche Altern höre. Am Tag zuvor hat mir eine Freundin buchstäbliche Lametta-Strähnen in meine Haare geflochten. Glitzerndes Plastik glänzt jetzt neben meinen wenigen echten grauen Haaren. Ich finde es süß und bin gleichzeitig erleichtert, dass die ersten Anzeichen meiner verblassenden Jugend mich nicht weiter beunruhigen.</p><p>Es hätte auch anders kommen können. Ich könnte deutlich mehr Panik bei dem Gedanken empfinden, dass andere mir mein Altern ansehen. Schließlich wuchs ich mit dem medialen Tenor auf, dass weiße Haare und Falten vermieden werden müssen wie die Pest. Und wenn das bedeutet, dass man sich die Stirn aufschneiden und an anderer Stelle als zuvor an der Kopfhaut wieder festtackern lassen muss. Oder sich weniger ärgern soll, um die Zornesfalte zwischen den Augenbrauen zu verhindern. Wahrscheinlich sollte man auch weniger nachdenken, um Stirnfalten vorzubeugen. Ich habe das nicht mehr so genau im Kopf, es waren immer so viele Tipps auf einmal. </p><p>Anti-Aging Tipps und Cremes und <em>procedures </em>(den Begriff wortwörtlich mit “Prozedur” ins Deutsche zu übersetzen, gefällt mir wegen der anstrengenden Konnotation) habe ich meistens mit Distanz und höchstens mal aus Sensationslust näher beobachtet. Weil ich dachte, das betrifft mich ja nicht. Ich bin ja noch jung. In meinen Zwanzigern die Tagescremes mit Anti-Aging Wirkstoffen im Regal zurückzulassen und stattdessen mit einem günstigeren Normalprodukt von Dannen zu ziehen, habe ich immer als ein Privileg auf Zeit betrachtet. Das musste genutzt werden, solange es galt. Und mein 30. Geburtstag hat daran tatsächlich noch gar nicht so viel geändert. </p><p>Ich war es gewohnt, mein Leben lang für deutlich älter gehalten zu werden, als ich wirklich war. Ich habe das immer als Vorteil empfunden. Die Leute schoben ihre Fehleinschätzung meines Alters immer auf meine Körpergröße. Auch dann noch, als ich längst das für Wachstumsphasen typische Alter hinter mir gelassen hatte. </p><p>Danach beriefen sie sich auf meine “große emotionale Reife”. Gut, nahm’ ich auch, solange das bedeutete, dass man mich ernst nahm, mir Jobs gab oder mir eine Wohnung vermietete. Älter wirken, was auch immer älter aussehen beinhaltet, hat mir geholfen. Nicht zuletzt sogar, wenn es um belästigungsarme Bewegung durch den öffentlichen Raum ging. </p><h3>Baby Botox, Baby!</h3><p>Aber wie schon angedeutet, gefällt mir nicht jede Alterserscheinung. Die erwähnten Augenringe oder die neuen Rückenschmerzen sind schon weniger glorios. Ich kann sie halt auch nicht mal eben als ein simples feministisches Protestsymbol zweckentfremden, sondern muss sie als Hinweis interpretieren, dass ich besser mal meine Lebensweise anpasse. Also machte ich mich an die Recherche: Ab welchem Alter kümmert man sich um Anti-Aging und was genau muss ich tun? Doch anstatt mich dadurch besser informiert und motiviert zu fühlen, bekam ich Angst. Die Angst, den Startschuss im Rennen gegen das Altern nicht gehört und den Anschluss an meine Altersgenossinnen längst verpasst zu haben. </p><p>Und wenn ich ein Stichwort für diese Angst verantwortlich machen müsste, dann wäre es “Baby Botox”.</p><p>Laut der Journalistin<em>,</em> Yasmin Tayag, kann man den Begriff auf mindestens zwei unterschiedliche Arten verstehen: Erstens, dass beim “Baby Botox” nur mini-kleine Mengen des Nervengifts verwendet werden. Also viel geringere Mengen als bei einer vollen Dosis in die Gesichtsmuskulatur injiziert wird. Und zweitens, dass die Anti-Aging-Prozedur an Personen durchgeführt wird, die das mit dem Altern noch nicht so lange machen, weil sie noch sehr jung sind. Personen, häufig Frauen, die sich schon mit Mitte oder sogar Anfang zwanzig quasi präventiv Botox spritzen lassen, damit Falten gar nicht erst entstehen. “Baby Botox” bedeutet also, sich buchstäblich das eigene Babyface einfrieren zu lassen. Mit dem Ziel, so unsichtbar wie möglich zu altern. </p><p>Tayags Ausführungen in der Episode des Podcasts <a href="https://open.spotify.com/episode/0OMU1tv8cU3ZtoHZu5JWWC?si=b2f48a19f5ef4442">Today Explained “How to ‘fix’ your face”</a> zu folgen, verursachte zwei Reaktionen in mir: besagte Angst, zu spät dran zu sein und die gleichzeitige Wut darauf, dass man mir diese Angst machen konnte. Ich war wütend, weil ich das Gefühl bekam, dass mir Sorgen eingepflanzt wurden, die einfach nicht existieren sollten. </p><p>Plötzlich fragte ich mich: Werden mich die Falten in meinem Gesicht doch irgendwann stören und ich es dann bereuen, dass ich nicht früher Maßnahmen ergriffen habe? Bin ich die einzige Naive, die dachte, bisher altern alle um mich herum auf natürliche Weise? Und: Ist etwas dran an der im Podcast besprochenen Angst, mit 50 auf dem Dating-Markt mit Gleichaltrigen zu konkurrieren, die alle wie 30 oder sogar 20 aussehen? Selbst wenn ich jetzt noch schnell anfangen würde, meinen Anfang 30 Look möglichst permanent auf meinem Gesicht installieren zu lassen, könnte ich mir das überhaupt auf Dauer leisten? </p><p>Ganz ähnlich wie beim Haare färben oder Nägel machen ist es ja so, dass man die meisten nicht- oder minimal-invasiven Verjüngungs-Zauber wiederholen muss, damit sie auch dauerhaft wirken. Und das kostet verdammt viel Geld. Da ich mich gerade aus dem Grund, nicht immer wieder in meinen Ansatz investieren zu müssen, gegen eine neue Haarfarbe entschieden hatte, ließ ich den Gedanken an einen ersten Botox-Versuch auch schnell wieder fallen. Die Panik, die ich da gespürt hatte, war nunmal - auch wenn das vielleicht in ein paar Jahren nicht mehr gilt - die Panik der anderen. </p><p>Da wünsche ich mir schon fast wieder die Zeit zurück, in der kaum und nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen wurde, wenn jemand “was hatte machen lassen”. Dass Beauty-Eingriffe jedweder Art als etwas Verwerfliches galten, hatte auch den Effekt, dass man sie als nicht so erstrebenswert präsentiert hat wie heute. Was ursächlich dazu geführt hat, dass Botox heute als Selfcare gilt, führt hier zu weit. Wieso das Interesse an Fillern &amp; Co. aber so stark angewachsen ist, möchte ich allerdings noch kurz anschauen. </p><p>In der bereits erwähnten Podcast-Folge von Today Explained bespricht die Moderatorin mit einer Ärztin die These, dass die Corona Pandemie wie ein Brandbeschleuniger für die Nachfragen nach Anti-Aging Produkten und Beauty-Behandlungen gewirkt haben soll. Social Distancing hätte wie keine andere Maßnahme zuvor zur Folge gehabt, dass wir uns noch häufiger und länger vor Bildschirmen wiederfanden, die entweder unser Gesicht im unvorteilhaften Licht eines Zoom-Meetings zeigten. Oder andere Gesichter auf sozialen Medien, die durch Filter und Beauty-Eingriffe so viel jünger und frischer aussahen als unser eigenes, und unweigerlich zu unseren Vorbildern für das neue Schön wurden. </p><p>Ist ein Großteil der Angst vor dem älter aussehen also wieder dem guten alten Vergleich geschuldet? Würde ich überhaupt über die Anwendung von Anti-Falten Cremes nachdenken und “Baby Botox”-FOMO haben, wenn ich mein eigenes Gesicht seltener sehen würde? Wahrscheinlich nicht. </p><p>Vielleicht ist das ein ganz guter Leitfaden, um herauszufinden, welche Maßnahmen ich ergreife, um meinen körperlichen Alterungsprozess ein wenig zu verlangsamen. Ich <em>spüre</em>, dass mein Rücken nicht mehr so belastbar ist und schmerzt. Ich <em>fühle </em>mich mit derselben Menge an Schlaf nicht mehr so fit wie früher. Klingt so, als wäre es eine gute Idee, was dagegen zu tun. Aber ob ich auch <em>fühlen </em>würde, dass meine Gesichtshaut tiefer hängt als früher? Fraglich. Ich widme mich jetzt jedenfalls lieber zuerst den Maßnahmen, die mein Lebens- und Körper<em>gefühl</em> verbessern sollen. </p><p>Der Zug für “Baby Botox” in den Zwanzigern ist für mich eh abgefahren, also muss ich mich jetzt auch nicht mehr hetzen 😉</p><hr/><p>Empfehlungen</p><p>Wie im Intro schon anklang, empfehle ich den Essayband “Body Work” von Melissa Febos. Nicht nur, aber besonders den Schreibenden unter euch. Gold wert, wenn man mal wieder hören muss, dass man auch was zu sagen hat. Nicht nur die anderen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8515a2ae-3439-4f5a-a26e-e61257644af1/uploads/images/w2aczjwbyc/1000038244.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p>Außerdem hier noch eine Podcast-Empfehlung zum Thema Altern: Die englischsprachige Serie “How to Age Up” von <em>The Atlantic. </em>Insbesondere die Folge über unser großes Missverstehen der (Peri-) Menopause <a href="https://open.spotify.com/episode/48gvCZZKC1fSSc0VR07utu?si=9e7596eb2aca4cb9">“How to Wish You Were 66 Instead of 35”</a> mit der - ich kann es nicht anders sagen - bezaubernd klingenden Dr. Adams. Wie sehr ich nach diesem Interview mit dieser Frau befreundet sein will, ist kaum in Worte zu fassen.</p><p></p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 25 May 2025 08:01:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[7. Nachricht: Selbstbewusstsein in offenen Beziehungen entwickeln]]></title>
      <description><![CDATA[Die Liebe nicht monogam zu leben klingt interessant für dich, aber du hast verunsichernde Gedanken, die dich zurückhalten? Du fragst dich, ob eine offene Beziehung zu…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Liebe nicht monogam zu leben klingt interessant für dich, aber du hast verunsichernde Gedanken, die dich zurückhalten? Du fragst dich, ob eine offene Beziehung zu führen bedeutet, dass man sich einander am Ende nicht reicht? Oder sorgst du dich, dass der Vergleich zu anderen Partner*innen zu Eifersucht und Streit führt?</p><p>Diese Unsicherheiten sind ganz normal und haben ihre Gründe. In dieser Sprachnachricht teile ich mit dir, was mir geholfen hat, meine nicht-monogamen Partnerschaften selbstbewusster zu führen.</p><p><a href="https://steady.page/5962eacd-fbf0-4e2f-9ccf-0749e4be7b85/posts/3761116b-dbdb-4eb6-846f-b8bf1f7eefb5">Auf Steady weiterlesen</a></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Thu, 22 May 2025 06:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#2: Schreiben, lesen, Dirty Talk]]></title>
      <description><![CDATA[Schreiben ist hearte Arbeit. Es geht aufs Herz. Besonders dann, wenn die Motivation fehlt - und ich rede hier nicht von Rechnungen oder Deadlines. Zum Schreiben braucht…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Schreiben ist hearte Arbeit. Es geht aufs Herz.</p><p>Besonders dann, wenn die Motivation fehlt - und ich rede hier nicht von Rechnungen oder Deadlines. Zum Schreiben braucht es viel weniger Kreativität, Struktur, Disziplin oder Talent, als man denkt. Klar, diese Dinge sollten vorhanden sein. Aber sie helfen dir kein Stück, wenn du dich nicht zum Gang an den Schreibtisch motivieren kannst.</p><p>Diese Woche habe ich keine Energie, keine Einfälle. Aber eine verdächtig große Menge an Motivation. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass sich so viele Menschen initial zu diesem Newsletter angemeldet haben. Danke 🥹 Und zu einem anderen großen Teil daran, dass sich viele unterschiedliche Projekte in der Schwebe der Entstehung befinden. Projekte, die ich euch hoffentlich (hier zuerst, hehe) irgendwann ankündigen kann, damit ihr sie lesen oder hören könnt!</p><p>Aber einen nicht unwesentlichen Teil meiner Schreib-Motivation ziehe ich aus dem Schreiben der anderen. Momentan besonders aus dem Buch-Manuskript einer lieben Freundin, das ich am liebsten in einem Haps lesen würde, obwohl es bisher nur als PDF auf meinem Rechner existiert. Und Buch lesen im PDF geht eigentlich gar nicht klar. Mir aber von den ruhigen, geordneten Gedanken der Protagonistin dieses Buchs den eigenen Kopf aufräumen zu lassen, bringt mich jedes Mal in Schreib-Laune. Dann schließe ich das PDF-Fenster und öffne energisch ein Doc-Fenster, in das ich selber Worte tippen kann. Manchmal kommt sogar etwas Leserliches dabei raus.</p><p>Apropos unleserlich, das ist auch etwas, das ich wie die Motivation beim Schreiben lange unterschätzt habe: der Ausschuss. Niemals Angst vor zu viel Ausschuss haben. Denn die Alternative ist, nur dann zu schreiben, wenn wirklich etwas dabei herauskommen muss. Und dann fehlt einem die Übung. Die ruhige Hand, die Schreibmuskulatur.</p><p>Jedenfalls gibt es unter Blog heute quasi Ausschuss zu lesen. Einen Artikel, der so wie er ist, nicht erscheinen wird. Die meisten Texte haben viele dieser Geister-Versionen, die zwischen leerem Dokument und Veröffentlichung gelebt haben. Meistens werden sie vergessen, aber heute machen wir eine Ausnahme!</p><hr/><p>Blog</p><h2>Hier bitte nur kontrollierter Kontrollverlust - Was die Deutschen beim Dirty Talk mögen, ist eine Frage der Sicherheit</h2><h4>Wir leben in verunsichernden Zeiten. Das zeigt sich nicht nur durch einen Blick auf die Weltnachrichten, sondern auch auf die Kurznachrichten. Und zwar die von der riskanteren Sorte. Eine Studie stellt heraus, die Deutschen genießen ihren Dirty Talk - mündlich wie schriftlich - lieber auf der sicheren Seite: auf Deutsch nämlich und mit Menschen, bei denen sie damit garantiert offene Türen einrennen. Aber heißt das, im Zweifel halten sich alle beim heißen Flirt zurück?</h4><p>Nicht nur das Private, sondern auch das Privateste ist politisch. Oder spiegelt wenigstens wider, wie viel Nerven eine Gesellschaft angesichts ihrer politischen Lage gerade noch hat. Aktuell haben wir wohl nicht mehr genug übrig, um im privaten Rahmen eine gewisse Risikofreude an den Tag zu legen. Zumindest könnte das die Ergebnisse einer Studie über das Dirty-Talk-Verhalten der Deutschen erklären, die Babbel gemeinsam mit YouGov im Februar 2025 durchgeführt hat. Babbel ist ein Berliner Unternehmen, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Deutschen das Erlernen von Fremdsprachen näherzubringen. </p><p>Dirty Talk sei wie eine Fremdsprache innerhalb der Alltagssprache, erklärt Maren Pauli, Head of B2B Didactics bei Babbel, in einem Interview über die Ergebnisse Studie. Man bewege sich außerhalb der Komfortzone, wenn es darum ginge “ganz bewusst freizügige, provokante, vielleicht auch vulgäre oder sexuell explizite Sprache zu verwenden. Und zwar mit dem Ziel, die Intimität oder die Erotik zwischen Partnern zu steigern”, so Pauli über die Definition von Dirty Talk in besagter Umfrage.</p><p>Da es Babbel um das anwendungsbezogene Sprachenlernen ginge, scheue man sich also nicht, auch die Anwendungsbereiche näher unter die Lupe zu nehmen, über die öffentlich oft geschwiegen wird, obwohl sie Teil unseres Alltags seien. Und zum Flirt-Alltag der Deutschen scheint Dirty Talk tatsächlich zu gehören. Wenngleich die Ergebnisse der Umfrage nahelegen, dass die Lust auf explizite Kommunikation stark mit dem Alter und Beziehungsstatus der Befragten zusammenhängt. Und - etwas weniger stark - mit dem Geschlecht.</p><p>Während 42% der über 2000 Befragten angeben, dass Dirty Talk zu ihrem kommunikativen Repertoire gehöre, ist der Anteil der Männer, die finden, dass explizit ausgesprochene Fantasien ihr Gegenüber attraktiver macht, mit 30% deutlich höher als der der Frauen (18%). Frauen scheinen aber nicht nur weniger darauf zu hoffen, dass ihr*e Flirtpartner*in mit schlüpfrigen Bettgeflüster um die Ecke kommt, sondern auch, dass sie selbst dazu nicht den ersten Schritt machen müssen: ein Großteil (40%) der befragten Anwenderinnen berichtet davon, dass es sie Überwindung kostet, mit dem Dirty Talk zu beginnen.</p><p>Die Angst vor Zurückweisung, wenn man sich flirttechnisch mal aus dem Fenster lehnt, kennen alle Geschlechter. Den Kampf gegen die Scham, die vom alten Rollenbild der sexuell passiven Frau ausgelöst wird, kennt vor allem der weibliche Teil der Bevölkerung. Ungeklärt bleibt nur die Frage, ob sie sich immer noch schämen oder schon wieder, Dank neu erstarkendem Konservativismus.</p><p>Dass es aktuell in der Anbahnung von Intimitäten wieder zurückhaltender zugeht, scheint durch die mit sinkendem Alter der Befragten ansteigende Hemmschwelle gegenüber Dirty Talk zu bestätigen. Trotz Lust äußern fast die Hälfte der jungen Studienteilnehmenden (18- bis 24-Jährige) ihre Scheu, beim heißen Flirt den Anfang zu machen. Und das, obwohl ihr Dirty Talk sich mit höherer Wahrscheinlichkeit als bei den Älteren in Form von Sexting realisiert. Also geschützt durch die räumliche Distanz zwischen den Bildschirmen der Beteiligten.</p><p>Denn Dirty Talk sei - trotz der Betonung auf “Talk” - mitnichten ein rein mündliches Phänomen, berichtet Pauli. Tatsächlich könne das häufige Vorkommen in Textnachrichten wahrscheinlich dadurch erklärt werden, dass Dirty Talk beliebter wird, je jünger die Befragten sind. Allerdings könnte unter den Jungen auch der Anteil der Singles, die aktiv nach Flirts und Dates suchen, höher sein. Und da laut Studie Dirty Talk bei Befragten in monogamen Langzeitbeziehungen deutlich seltener Anwendung findet (46%) als beim Dating (78%), spricht die anteilig große Ungebundenheit jüngerer Menschen auch für mehr Gelegenheiten zum anregenden Austausch über Sex und Vorlieben. Und ein modernes Kennenlernen zwischen Singles findet häufig ebenfalls auf Apps und an Bildschirmen statt. Eigentlich eine Umgebung, in der es leichter fallen sollte, sich mal mit einer sexuellen Fantasie um die Ecke zu trauen.</p><p>Und wenn man sich schon traut, dann am liebsten auf Deutsch, stellt die Babbel-Untersuchung heraus. Auch wenn die Befragten durchaus den romantischen Klischees entsprechend Französisch und Italienisch als besonders attraktive Sprachen bewerten, wird Deutsch als Sprache für erregenden Austausch bevorzugt. Expertin Maren Pauli vermutet dahinter den Wunsch nach Sicherheit und Angemessenheit im Ausdruck in der eigenen Muttersprache. Offenbar will niemand das doppelte Risiko eingehen, sich nicht nur wegen des sexuellen Vorstoßes, sondern auch wegen der möglicherweise fehlerhaften Fremdsprachenkenntnisse zu blamieren. Dass Deutsch nicht zwingend die (einzige) Muttersprache von Befragten in Deutschland sein muss, sondern einfach die Sprache ist, mit der man sich am wahrscheinlichsten mit anderen Menschen in diesem Land verständigen kann, ließ die Studie allerdings außer Acht.</p><p>Sich sexy ausdrücken zu können ist wahrscheinlich für gelungenen Dirty Talk genauso wichtig, wie einander zu verstehen. Zu Kommunikationsschwierigkeiten kommt es trotzdem: Ungefähr jede siebte befragte Frau gab an, durch den Dirty Talk ihres Gegenübers schon einmal herabgewürdigt worden zu sein, was von männlichen Befragten nur halb so oft berichtet wurde. Dass ein gutes Fünftel der Frauen sich durch die mitgeteilten Fantasien in eine traditionell-devote Rolle zurückgedrängt fühlte und ein Viertel von ihnen schon einmal durch unangekündigte verbale sexuelle Avancen “überrumpelt” wurde, zeugt von mangelnder Rücksichtnahme beim erhitzten Zusammentreffen der Geschlechter.</p><p>Expertin Pauli ruft zu Langsamkeit und Umsicht im Vorgehen auf: “Es geht darum, sprachlich ein bisschen Sensibilität zu zeigen [...] und das gilt in jedem Bereich: eine Ablehnung oder negative Reaktion nicht persönlich zu nehmen.”</p><p>Deutlich wird also, wer sprachlich die Sau rauslassen will, muss das mit einer gewissen Rücksicht tun und Sicherheit vermitteln. Sonst ziehen sich die deutschen Dirty Talker von ihm oder ihr zurück. Der heiße Flirt - beim Date wie auch im gemeinsamen Schlafzimmer - soll ja wahrscheinlich für die meisten eine Ablenkung von Konflikten um uns herum bieten, anstatt zu einem weiteren zu werden. Auch wenn das auf Kosten der Abenteuerlichkeit geht. </p><hr/><p>Empfehlung</p><p>Passend zur Frage, welche Herausforderungen Flirt, Dirty Talk und andere hoch emotionale Gespräche für uns bereit halten, heute ein Buch-Tipp zum Thema Scham:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f455ef8d-e3fc-4e14-a2c5-333ceba22a1e/uploads/images/hwdp3rj7cv/1000037356.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Übrigens sind Matthias und ich uns bei der LitPop in Leipzig quasi hinter der Bühne begegnet und haben beschlossen: zusammen, was zusammen gehört! Und damit meinten wir unsere Bücher 😉</p><p>Berliners, stay tuned für eine gemeinsame Lesung &amp; Gespräch mit Matthias und mir diesen Herbst!</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die subscriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><p><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 18 May 2025 08:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Cleographie: Willkommen!]]></title>
      <description><![CDATA[Ich begrüße dich herzlich beim kostenfreien Cleographie Newsletter! Wie schön, dass du hier bist :) Was wird dich über diesen Newsletter erreichen?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich begrüße dich herzlich beim Cleographie Newsletter! Wie schön, dass du hier bist :)</p><p>Was wird dich über diesen Newsletter erreichen?</p><p>💌 Texte, die auf meinem Blog online gehen, direkt ins Postfach</p><p>💌 Gedanken und Hintergrund-Infos zum Cleophonie Podcast</p><p>💌 Meine Buchempfehlungen ganz ohne auf Insta sein zu müssen</p><p>💌 Neu: meine Podcast Empfehlungen und Lesungs-Termine</p><p>...und das alles versehen mit einem lieben Gruß 🤗</p><p></p><p>Nie mehr vergessen, dass du eigentlich noch einen Artikel lesen, Podcast hören oder Buch ansehen wolltest, nur weil die Insta-Story schon wieder aus dem Sinn ist 😌 Als Newsletter bleibt Cleographie für dich auch zum wieder Nachlesen verfügbar und wir auch dann in Kontakt, wenn wir mal eine Pause von den sozialen Medien brauchen 👻</p><hr/><p>Cleophonie</p><p>Falls du meinen kleinen, feinen Podcast noch nicht kennst: Ich nehme in regelmäßigen Abständen Sprachnachrichten auf, in denen ich über Bücher, das Schreiben und Beziehungsfragen philosophiere oder über meine Salon-Events und schräge Dates berichte. In Folge #6 geht’s um einen Salon-Abend, der sich der Frage gewidmet hat, wie wir Humor einsetzen können, um tragische Ereignisse wie z. B. Trennungen zu verknusen. Die Folge ist auf Steady kostenlos für alle verfügbar, hör mal rein!</p><p><a href="https://steadyhq.com/de/cleophonie/posts/d2dc585f-ab97-4d02-9526-c2e986e5dded">6. Sprachnachricht anhören</a></p><p>Und wenn du alle Sprachnachrichten hören und immer aktuell zugeschickt bekommen möchtest, wird das möglich über eine Mitgliedschaft in meinem Steady-Abo. Deine Mitgliedschaft macht möglich, dass ich den kostenlosen Content für alle und gleichzeitig dir exklusive Podcast-Folgen zur Verfügung stellen kann! :-)</p><p><a href="https://steady.page/de/cleophonie/about">Mitglied werden</a></p><hr/><p>Blog</p><h3>Gedanken zu Attraktivität</h3><p>“Findest du mich attraktiv?“, frage ich einen Mann, mit dem ich ab und zu schlafe über Text.</p><p>„Ja. Wieso fragst du?“, kommt sofort zurück. Und: „Habe ich Anlass gegeben, dass du das nicht glaubst?“</p><p>Hatte er nicht, glaube ich. Aber wirklich gesagt, dass oder was er an mir anziehend findet, hatte er auch noch nie. Menschen haben aus so vielen unterschiedlichen Gründen Sex miteinander, dass Attraktivität dafür nicht immer der Grund sein muss. Sex passiert auch aus Langeweile, Einsamkeit, Druck, Wut oder um sich zu vergewissern, dass man noch gut zu sich sein kann.</p><p>Es findet Sex statt, um jemand anderem etwas heimzuzahlen. Oder sich selbst. Um sich abzulenken, meistens von sich selbst. Um sich etwas zu beweisen. Um sich begehrt zu fühlen und liebenswert, daseinsberechtigt. Wenn sich jemand auf diese Weise körperlich mit mir verbinden will, dann muss das doch was aussagen über mich.</p><p>Ein Grund für Sex, der mir jetzt erst einfällt, ist der Wunsch nach Reproduktion. Für mich ist das ein Hinweis, dass Menschen nicht mit dem Ziel, Kinder zu machen, auf diese Welt kommen. Für einen großen Teil der Menschheitsgeschichte wussten sie wahrscheinlich nicht einmal, dass Sex zu Nachwuchs führt. Der zeitliche Abstand zwischen Sex und unübersehbaren Anzeichen einer Schwangerschaft oder dem Stattfinden einer Geburt ist groß. Die Entstehung einer Schwangerschaft erscheint oft random, nicht als unausweichliche Folge von Sex. Vielleicht haben Menschen nach der Sesshaftwerdung ihre Nutztiere beobachtet und aufgrund von kürzeren Tragezeiten und eingegrenzten Fruchtbarkeitsphasen ihre Schlüsse gezogen.</p><p>Aber über diese ganze Zeit bis ins Heute ist in unserem Körper erst einmal Lust, bevor sich auch in unseren Köpfen Ideen von Familie bemerkbar machen. Deshalb habe ich kein schlechtes Gewissen, die Reproduktion mal für einen Moment zu vergessen. Die Art wird uns schon jemand erhalten, da bin ich mir sicher. Aber dafür braucht es Attraktivität.</p><h3>Attraktiv sein zu wollen, ist keine Sünde</h3><p>Wir tun oft so, als wäre der Wunsch, als attraktiv empfunden zu werden, so ein niederes Bedürfnis. So Mädchenkram, beflügelt von der Motivation zum Konsum unterschiedlicher Beauty-Produkte und -Services. Dabei ist der Wunsch, schön zu sein, auch nur die Sehnsucht nach Liebe in einer Gesellschaft, die sich darauf geeinigt hat: Liebe ist der Wunsch zu besitzen. Anfassen zu dürfen, eigene Bedürfnisse unter Zuhilfenahme des Geliebten erfüllen zu können. Geliebt werden wollen ist, gewollt werden wollen. Je höher der Preis für den zu erfüllenden Wunsch, umso besser, beliebter.</p><p>Das ist auch rückversichernd, denn Beliebtheit ist messbar (Likes). Heute kann ich auf meine App-Profile zeigen und sagen: du musst mehr in mich investieren, denn ich bin beliebter als das, was du gibst. Da kommen sonst noch ganz andere. Angebote, Menschen. Es gibt Apps, die mir ausrechnen, <a href="https://kamelrechner.eu/de">wie viele Kamele ich wert bin als Partnerin</a> (nicht als Person). Der Wert liegt nicht in meinem Sein an sich, sondern im Servicepotential für andere.</p><p>Deswegen finde ich es auch super unlogisch, dass mein hoher Bodycount meinen Kamelpreis drückt. Schließlich bedeutet der, dass ich heute einen deutlich besseren Sex bereitstellen kann als die <a href="https://www.swr.de/swrkultur/wissen/mythos-jungfernhaeutchen-wie-falsche-vorstellungen-frauen-schaden-102.html">Jungfrau, die ich mal gewesen sein soll</a>.</p><p>Aber vielleicht verstehe ich auch einfach diesen ganzen Marktplatz der Liebe und Anziehung nicht, weil ich eine Frau bin. Frauen haben die Regeln schließlich nicht gemacht. Dann sähen sie sicherlich anders aus. Ob besser, darüber lässt sich streiten, aber definitiv anders. Was sollen wir auch mit Kamelen? Oder „eigenen“ Partnern, die zu einem privaten Haushalt gehören?</p><p>Wer weiß, vielleicht wäre das alles gar kein Markplatz mehr, sondern ein Potluck. Jede bringt was Appetitliches mit und alle teilen. Jede probiert nach ihrem eigenen Geschmack. Ein Kompliment hier, eine Frage nach dem Rezept da. Und niemand muss bis zum Ende aufessen, was ihr nicht schmeckt. Das machen dann andere. Weil Geschmack etwas Veränderliches ist, wird keine gezwungen gegen ihren Widerwillen zu essen. Und trotzdem werden alle satt.</p><p>Sharing is caring. Liebe in der Gemeinschaft zu finden bekommt da nochmal eine leicht andere Bedeutung. Und die Frage nach meiner Attraktivität, ob ich die mir genauso stellen würde? Oder ob mir das Gemeinschaftsleben täglich eine Antwort darauf gäbe, ungefragt?</p><hr/><p>Empfehlung</p><p>Ich bin von der großartigen Lio Brix in ihren Podcast “Queens of Berlin” eingeladen worden. Unser wundervoll fließendes, ausführliches Gespräch über selbstbestimmten Sex als Frau in den 30ern und 60ern kannst du z. B. kostenfrei bei <a href="https://www.alex-berlin.de/audio/1743616-queens-of-berlin-%2312---interview-mit-cleo-libro">Alex Radio</a> oder auf <a href="https://open.spotify.com/episode/3GDoSrEvZZVAmIA4aDLs6q?si=9ec663c32a794dce">Spotify</a> hören.</p><p>Übrigens, das Buch, über das wir dabei viel reden, ist <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/cleo-libro-gleichstellung-9783426284476?srsltid=AfmBOooZhw22w0ChSng464IcxLaK7qsPQ60eRUkak0BOaCSgoEwRYFwq">“Gleichstellung - Sex zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Ein feministischer Selbstversuch”</a> geschrieben von mir ;-)</p><hr/><p>Kontakt</p><p>Du möchtest mit mir über etwas, das du bei mir gelesen oder gehört hast, sprechen? Dann kannst du mich über meine <a href="https://cleo-libro.de/kontakt/">Website</a> erreichen oder mir bei <a href="https://www.instagram.com/cleo.libro/?hl=de">Instagram eine DM</a> schreiben. Ich freue mich auf deine Gedanken!</p><p>Danke für’s Lesen und liebe Grüße von</p><p>Cleo</p><hr/><p>Dank</p><p>Merci an die Subcriber des Newsletters für euren Support! Und merci beaucoup an die Abo-Mitglieder, die mit ihrem Beitrag meine Arbeit unterstützen und auch kostenlosen Content möglich machen &lt;3</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[Cleographie]]></category>
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      <pubDate>Sun, 11 May 2025 08:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[6. Nachricht: Mit Humor Trennungen überwinden]]></title>
      <description><![CDATA[Gratis anhören: Es war wieder Salon und viele Leute kamen, um gemeinsam mit Autorin Ricardia Bramley und mir darüber zu sprechen, wie Humor uns dabei helfen kann...]]></description>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Sat, 26 Apr 2025 08:55:06 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[5. Nachricht: Gelesen - Der Report der Magd]]></title>
      <description><![CDATA[In meiner 5. Sprachnachricht teile ich ein paar Gedanken und Eindrücke mit dir, die ich beim Lesen von “Der Report der Magd”/”The Handmaid’s Tail” hatte. Was kann uns…]]></description>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Mon, 31 Mar 2025 05:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[4. Nachricht: Entspannt über Sex sprechen]]></title>
      <description><![CDATA[In dieser Sprachnachricht gebe ich dir meine persönlichen Erfahrungen und Tipps dazu, wie und warum du deine Fähigkeit über Sex zu sprechen, erweitern solltest.]]></description>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Sat, 15 Mar 2025 14:26:06 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[3. Nachricht: Was ist die Boyfriend Experience?]]></title>
      <description><![CDATA[Schonmal was von der Boyfriend Experience beim Dating gehört? Und falls sie dir selbst schon begegnet ist, weißt du auch, wie du sie beim nächsten Mal vielleicht zu…]]></description>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Mon, 24 Feb 2025 17:19:29 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[2. Nachricht: Ein Salon-Abend zu Nüchternheit & Tarot]]></title>
      <description><![CDATA[In dieser 2. Sprachnachricht berichte ich dir davon, wieso ich die Berliner Tradition der Salon-Abende aufgegriffen und sie in meinem Wohnzimmer in die Tat umgesetzt habe]]></description>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Mon, 03 Feb 2025 16:21:55 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[1. Nachricht: Mein Weg zum Buch-Deal]]></title>
      <description><![CDATA[In der ersten Folge von Cleophonie erzähle ich dir exklusiv, wie es zu meinem ersten Buch-Deal kam. Woher kam die Idee für “Gleichstellung”? Welche ersten Schritte macht…]]></description>
      <category><![CDATA[Cleophonie]]></category>
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      <pubDate>Mon, 20 Jan 2025 18:21:27 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Cleophonie Trailer]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen bei Cleophonie - Sprachnachricht von Cleo! Wie dieser Podcast genau aussehen wird und worum es geht, erfährst du hier im Trailer. Schön, dass du zuhörst!]]></description>
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      <pubDate>Fri, 17 Jan 2025 11:23:55 +0000</pubDate>
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