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Wenn Hilfe wie Alarm ankommt

Warum ein eigentlich überlebenswichtiger Schutz zu einem diagnostischen und therapeutischen Katastrophenzustand führt.

Mutteralarm, Diagnostik-Karussell, PDA und das Flegel-Heim der kindlichen Orientierung

Willkommen im Spektrum.

Manche Nachrichten von Eltern enthalten nicht nur Informationen.

Sie enthalten Alarm.

Nicht, weil diese Eltern „zu viel“ sind. Nicht, weil sie hysterisch wären. Nicht, weil sie ihr Kind krankreden. Sondern weil sie oft seit Monaten oder Jahren erleben, dass ihr Kind durch Systeme geschickt wird, die eigentlich Orientierung geben sollen — und dabei immer neue Verwirrung erzeugen.

Erst heißt es: Magersucht.
Dann: Psychose.
Dann: Trauma.
Dann: Autismus.
Dann: ADHS.
Dann: Dissoziation.
Dann: „nicht kooperativ“.
Dann: „hochkomplex“.
Dann: PDA
Dann: „Bitte wenden“.

Und irgendwo in der Mitte sitzt ein Kind.

Nicht als Fall.
Nicht als Testwert.
Nicht als Diagnosepaket.

Sondern als junges Nervensystem im Alarm.

Genau darum geht es in dieser Vertiefung: Was passiert, wenn ein Kind nicht nur die Worte der Erwachsenen hört, sondern ihren Alarm spürt? Was passiert, wenn Hilfe als Druck ankommt? Und warum kann PDA in solchen Situationen manchmal besser verstanden werden als Protective Demand Avoidance — also als schützende Anforderungsvermeidung?

Ihr könnt aber ganz beliebig dieser Diagnosebegriffe durch irgendwas anderes austauschen. Es sind hier Platzhalter für ein total desorientiertes Hilfesystem.

Die anonymisierte Ausgangslage: Eine Mutter kämpft wie eine Löwin

Der Ausgangspunkt für diesen Artikel ist eine anonymisierte Elternnachricht, wie sie viele Eltern neurodivergenter Kinder so oder ähnlich schreiben könnten. So oder so ähnlich erhalte ich sie derzeit fast täglich. Oder erlebe es dann in “älterer” Form in der Klinik. Oder bei meinen Mitarbeitern, die wegen ihrer Kinder im Alarm sind. Und bei mir selber, der die ganzen Alarme registriert und nicht löschen oder lösen kann. Aber jede Nacht dann eine neue Lagebild-Karte schreiben müsste, was wiederum mein Gehirn nicht schlafen lässt. Denn ich bin gerade dabei, am Donnerstag eine Psychologen-Forbildung dazu zu entwickeln.
Überall Orientierungsarbeit in einem ADHS-Gehirn, das einen echt kirre werden lässt.

Kennst du ? Dann lies weiter.

Eine Mutter beschreibt ihr Kind. Ein Kind, das in verschiedenen Systemen unterschiedlich gesehen wurde. Mal als essgestört. Mal als psychosegefährdet. Mal als traumatisiert. Mal als autistisch. Dann mal mit Absencen-Epilepsie. Mal als ADHS. Mal als nicht erreichbar. Mal als verweigernd. Mal als hochsensibel. Mal als gefährdet. Mal als „schwierig“.

Die Mutter sammelt Befunde. Sie schreibt E-Mails. Sie organisiert Termine. Sie kämpft mit Schule, Klinik, Diagnostik, Jugendhilfe, Ärzt:innen, Therapeut:innen. Sie versucht, ihr Kind zu schützen.

Und genau das ist wichtig:

Diese Mutter ist nicht das Problem.

Sie kämpft aus Liebe.

Viele Mütter neurodivergenter Kinder sind Löwinnen. Ohne diese Löwinnen wären viele Kinder längst verloren gegangen — im Schulsystem, im Gesundheitssystem, in Wartelisten, in Fehlzuschreibungen, in Beschämung, in Überforderung.

Aber es gibt ein bitteres Paradox:

Wenn die Löwin selbst im Alarm ist, kann Schutz beim Kind manchmal wie Gefahr ankommen.

Nicht als Schuld.
Sondern als Resonanz.

Das Kind hört nicht nur Worte

Erwachsene sagen:

„Wir helfen dir.“
„Wir klären das.“
„Wir wissen jetzt mehr.“
„Wir suchen die richtige Diagnose.“
„Wir wollen dich schützen.“

Das Kind hört diese Worte vielleicht auch.

Aber viele neurodivergente Kinder hören nicht nur Worte. Sie lesen Nervensysteme.

Sie spüren Anspannung.
Sie spüren Hilflosigkeit.
Sie spüren Planwechsel.
Sie spüren Druck.
Sie spüren, ob Erwachsene innerlich sicher sind oder nur so tun.

Gerade Kinder mit ADHS, Autismus, PDA-Profilen, Entwicklungstraumata oder frühen Orientierungserschütterungen sind oft erstaunlich präzise darin, Alarm in anderen wahrzunehmen. Nicht immer bewusst. Nicht immer sprachlich. Aber körperlich.

Das Kind hört dann nicht:

„Mama beschützt mich.“

Sondern vielleicht:

„Mama ist alarmiert. Also stimmt etwas nicht. Also muss ich noch mehr aufpassen.“

Das ist kein logischer Denkprozess. Das ist Nervensystemlogik.

Und Nervensystemlogik ist älter als Sprache.

Das Flegel-Heim: Wenn der Körper zum Alarmgebäude wird

Ich benutze dafür das Bild des Flegel-Heims.

Das Flegel-Heim ist der Körper von innen, wenn viele Systeme gleichzeitig Alarm melden.

Der Bauch sendet.
Der Schlaf kippt.
Das Herz rast.
Die Muskeln spannen.
Die Haut reagiert.
Das Essen wird schwierig.
Die Wahrnehmung wird unheimlich.
Die Gedanken kreisen.
Der Körper wird fremd.
Die Beziehung zu Erwachsenen wird unsicher.

Und mittendrin sitzt das Gehirn wie eine überforderte Hausverwaltung.

Es versucht nicht, schwierig zu sein.

Es versucht Orientierung herzustellen.

Was ist gefährlich?
Was ist alt?
Was ist neu?
Was ist Körper?
Was ist Erinnerung?
Was ist Kontrolle?
Was ist Schutz?
Was ist Krankheit?
Was ist Überforderung?
Was ist mein Gefühl — und was ist der Alarm der anderen?

Wenn ein Kind schon früh erlebt hat, dass Orientierung fehlt, dann kann das Gehirn beginnen, eigene Regeln zu bauen.

Nicht, weil es trotzig ist.

Sondern weil es überleben will.

Diagnosen sind wichtig — aber sie können auch erschüttern

Ich möchte sehr klar sein:

Diagnosen sind nicht unwichtig.

Wenn ein Kind nicht mehr essen kann, körperlich gefährdet ist oder Gewicht verliert, braucht es medizinischen Schutz. Ich habe selber als Leitender Oberarzt einer Akutklinik im Essstörungsbereich gearbeitet. Da geht es auch um Überleben. Damals waren mir aber viele Zusammenhänge so noch nicht klar. Es geht eben nicht nur um Gewichtswiederherstellung. Dann ist es nämlich eher eine Drehtür von “Gemästet werden” und wieder “Abnehmen müssen” zu Hause.

Wenn Wahrnehmung und Wirklichkeit gefährlich auseinanderdriften, braucht es Schutz.

Wenn Suizidalität, Selbstverletzung, psychotische Symptome, schwere Mangelernährung oder akute Gefährdung im Raum stehen, dürfen wir nicht romantisieren.

Dann braucht es klare Verantwortung, medizinische Abklärung und manchmal auch entschlossenes Handeln.

Aber Diagnosen dürfen nicht wie wechselnde Türschilder benutzt werden.

Heute Tür 1: Magersucht.
Morgen Tür 2: Psychose.
Dann Tür 3: Autismus.
Dann Tür 4: Trauma.
Dann Tür 5: ADHS.
Dann Tür 6: Dissoziation.
Dann Tür 7: nicht kooperativ.

Für Erwachsene sieht das vielleicht aus wie differenzierte Diagnostik.

Für das Kind kann es sich anfühlen wie ein Karussell.

Niemand weiß, was mit mir ist.
Alle schauen auf mich.
Jeder sieht etwas anderes.
Mein Körper gehört nicht mehr mir.
Mein Nein wird gefährlich.
Mein Ja auch.
Ich muss selbst aufpassen.

Und genau an diesem Punkt wird Kontrolle zur Notlösung.

PDA als Protective Demand Avoidance

PDA wird häufig als Pathological Demand Avoidance beschrieben: krankhafte Vermeidung von Anforderungen.

Ich finde diese Übersetzung in vielen Fällen problematisch, weil sie die Perspektive der Erwachsenen in den Mittelpunkt stellt.

Aus Erwachsenensicht sieht es aus wie:

Das Kind verweigert.
Das Kind macht nicht mit.
Das Kind blockiert.
Das Kind übernimmt die Kontrolle.
Das Kind sabotiert Behandlung, Schule, Alltag, Essen, Therapie, Diagnostik.

Aber aus Sicht des Kindes kann es anders klingen:

Ich kann euch nicht folgen.
Ich verstehe euren Plan nicht.
Ich spüre eure Unsicherheit.
Ich habe erlebt, dass Erwachsene sich irren.
Ich habe erlebt, dass mein Körper anderen gehört.
Ich habe erlebt, dass Hilfe Druck bedeutet.
Ich habe erlebt, dass Ja-Sagen gefährlich werden kann.

Dann ist PDA nicht nur pathologisch.

Dann ist es manchmal Protective Demand Avoidance.

Schützende Anforderungsvermeidung.

Nicht:

„Ich will nicht.“

Sondern:

„Ich kann euch nicht folgen, solange ich euch nicht vertraue.“

Das heißt nicht, dass jede Verweigerung sinnvoll ist. Es heißt auch nicht, dass Eltern oder Fachleute alles dem Kind überlassen sollten. Aber es verändert die klinische Frage.

Nicht mehr:

„Wie bringen wir das Kind dazu, mitzumachen?“

Sondern:

„Wie werden wir so orientierend, dass das Kind die Kontrolle nicht mehr allein tragen muss?“

Warum kleine Bitten explodieren

Für Erwachsene klingt eine Bitte oft klein.

„Iss bitte.“
„Komm bitte mit.“
„Antworte bitte.“
„Setz dich bitte hin.“
„Nimm bitte das Medikament.“
„Vertrau uns bitte.“

Für ein alarmiertes Gehirn kann diese Bitte aber etwas ganz anderes bedeuten.

„Gib Kontrolle ab.“
„Lass dich führen.“
„Überlass deinen Körper anderen.“
„Mach mit bei einem Plan, den du nicht verstehst.“
„Vertrau Erwachsenen, die selbst keine gemeinsame Karte haben.“

Dann ist die Bitte nicht klein.

Dann berührt sie eine Grundfrage:

Kann ich mich führen lassen, ohne mich selbst zu verlieren?

Wenn diese Frage innerlich mit Nein beantwortet wird, macht das System zu.

Oder es wird scharf.
Oder es verhandelt endlos.
Oder es flieht.
Oder es erstarrt.
Oder es übernimmt die Regie.

Dann schreiben Erwachsene vielleicht:

„Verweigert.“

Vielleicht müsste dort stehen:

„Schützt die letzte innere Steuerung.“

Entwicklungstrauma als Orientierungserschütterung

Entwicklungstrauma verstehe ich hier nicht nur als Liste schlimmer Ereignisse.

Natürlich können schlimme Ereignisse traumatisieren. Gewalt, Vernachlässigung, Übergriffe, Verlust, medizinische Überwältigung, Mobbing, Bindungsabbrüche — all das kann traumatisch sein.

Aber Entwicklungstrauma kann auch dort entstehen, wo Orientierung wiederholt fehlt.

Das Kind weiß nicht:

Kommt Trost oder Vorwurf?
Kommt Nähe oder Übergriff?
Kommt Hilfe oder Druck?
Kommt Ruhe oder neue Panik?
Werde ich verstanden oder verwaltet?
Bin ich sicher, wenn ich etwas brauche?
Bin ich sicher, wenn ich Nein sage?
Bin ich sicher, wenn ich Ja sage?

Ein junges Gehirn baut daraus keine Theorie.

Es baut Vorhersagen.

Und wenn die Vorhersage lautet: „Erwachsene sind nicht zuverlässig orientierend“, dann wird Kontrolle zu einem Überlebenswerkzeug.

Das Kind kontrolliert dann vielleicht Essen.
Oder Nähe.
Oder Gespräche.
Oder Türen.
Oder Termine.
Oder den eigenen Körper.
Oder die Eltern.
Oder die Helfer.

Nicht aus Machtlust.

Sondern aus Angst vor Orientierungslosigkeit.

Neurodivergenz verändert die Wellenlänge

Jetzt kommt der neurodivergente Teil.

ADHS ist nicht einfach Trauma.

Autismus ist nicht einfach Trauma.

PDA ist nicht einfach „schlechte Erziehung“.

Aber neurodivergente Nervensysteme haben oft andere Wellenlängen.

Andere Reizfilter.
Andere sensorische Schwellen.
Andere Aktivierungsprofile.
Andere Schlafrhythmen.
Andere soziale Übersetzungsprozesse.
Andere Anforderungen an Vorhersagbarkeit, Autonomie und Passung.

Ein ADHS-System kann sehr schnell zwischen Unteraktivierung und Überaktivierung kippen. Es sucht Reiz, verliert Reiz, jagt Reiz und wird gleichzeitig vom Reiz überflutet.

Ein autistisches System braucht häufig Stimmigkeit, Vorhersagbarkeit und sensorische Ordnung. Wenn die Welt unlesbar wird, entsteht Alarm.

Ein PDA-System reagiert besonders empfindlich auf Fremdsteuerung, Erwartungsdruck und Verlust von Autonomie.

Wenn solche Nervensysteme auf Bezugssysteme treffen, die selbst alarmiert, erschöpft oder orientierungsarm sind, entsteht ein Resonanzfeld.

Das Kind sendet Alarm.
Die Mutter empfängt Alarm.
Die Mutter kämpft stärker.
Das Kind spürt mehr Alarm.
Die Helfer machen mehr Druck.
Das Kind schützt stärker.
Die Erwachsenen erleben Verweigerung.
Das Kind erlebt Kontrollverlust.
Alle wollen helfen.
Alle werden lauter.
Niemand wird orientierender.

Das ist das Flegel-Heim in Beziehung.

Was Eltern nicht brauchen: Schuld

Eltern brauchen jetzt nicht noch mehr Schuld.

Gerade Mütter neurodivergenter Kinder haben oft schon genug Schuldgefühle.

Hätte ich früher etwas merken müssen?
Habe ich zu viel Druck gemacht?
Habe ich zu wenig Druck gemacht?
War ich zu ängstlich?
War ich zu nachgiebig?
War ich zu streng?
Habe ich die falschen Ärzt:innen gewählt?
Habe ich mein Kind zu sehr geschützt?
Oder nicht genug?

Diese Fragen sind verständlich.

Aber Schuld hilft nicht bei Orientierung.

Wir müssen anders fragen:

Wo bin ich als Mutter oder Vater selbst im Alarm?
Wo sende ich Schutz, aber mein Kind empfängt Gefahr?
Wo möchte ich helfen, mache aber aus Hilfe Druck?
Wo übernehme ich Verantwortung — und wo übernehme ich zu viel Kontrolle?
Wo braucht mein Kind Führung?
Und wo braucht es Wahlmöglichkeiten?

Eltern müssen nicht perfekt ruhig sein.

Kinder brauchen keine perfekten Erwachsenen.

Sie brauchen echte Erwachsene, die sagen können:

„Ich merke, dass ich gerade selbst alarmiert bin. Ich gehe einen Schritt langsamer. Ich bleibe da. Ich mache keine Machtprobe daraus. Wir finden den nächsten kleinen Schritt.“

Was wäre orientierende Führung?

Orientierende Führung ist nicht Kapitulation.

Sie bedeutet nicht:

„Das Kind entscheidet alles.“

Sie bedeutet auch nicht:

„Wir vermeiden jede Anforderung.“

Das wäre bei medizinischer Gefährdung sogar gefährlich.

Orientierende Führung bedeutet:

Ich übernehme Verantwortung, ohne dich zu jagen.
Ich erkläre den nächsten Schritt.
Ich bleibe berechenbar.
Ich mache keine Drohung aus meiner Sorge.
Ich unterscheide Gefahr von Alarm.
Ich nehme dein Nein ernst, ohne mich davon komplett steuern zu lassen.
Ich gebe Wahlmöglichkeiten, wo Wahl möglich ist.
Ich bin klar, wo Schutz notwendig ist.
Ich bleibe in Beziehung, auch wenn du nicht kooperieren kannst.

Ein möglicher Satz wäre:

„Ich weiß, dass dein Gehirn Anforderungen gerade schnell als Gefahr hört. Ich werde dich nicht jagen. Ich erkläre dir den nächsten Schritt. Wir machen daraus keine Machtprobe. Und ich bleibe da.“

Das klingt einfach.

Es ist aber schwer.

Weil Eltern dann zuerst ihr eigenes Nervensystem regulieren müssen.

Nicht perfekt.
Aber ausreichend.

Skool: Aus der Vertiefung wird Anwendung

Diese Vertiefung hier auf Steady ist die Landkarte.

In Skool möchte ich daraus die Anwendung machen.

Dort könnten wir mit der Geschichte vom Flegel-Heim praktisch arbeiten — zum Beispiel als eingesprochene Audio-Geschichte für Eltern, die man anhören kann, bevor man wieder in ein Gespräch, eine Essenssituation, einen Schulkonflikt oder einen Termin geht.

Die praktische Frage wäre:

Wie werde ich als Mutter oder Vater orientierender, ohne noch mehr Druck zu machen?

Mögliche Übungen wären:

Welche Anforderungen lösen bei meinem Kind sofort Alarm aus?
Welche Sätze klingen für mich harmlos, kommen beim Kind aber als Fremdsteuerung an?
Wo bin ich selbst als Elternteil im Alarm?
Was ist bei meinem Kind Trotz, was Schutz, was Kontrollverlust, was fehlende Orientierung?
Wie kann ich aus „Du musst jetzt“ einen orientierenden nächsten Schritt machen?
Wie gebe ich Führung ohne Jagd?

Denn Wissen allein reicht nicht.

Das Nervensystem braucht Übung.

Der wichtigste Perspektivwechsel

Vielleicht ist der wichtigste Perspektivwechsel dieser:

Das Kind verhält sich nicht gegen uns.

Es schützt sich vor etwas.

Vielleicht schützt es sich vor Druck.
Vor Kontrollverlust.
Vor Beschämung.
Vor einem Plan, den es nicht versteht.
Vor Erwachsenen, die selbst keine Orientierung ausstrahlen.
Vor einem Körper, der schon zu oft Alarm gemacht hat.
Vor Diagnosen, die wie Türschilder gewechselt wurden.
Vor Hilfe, die sich nicht wie Hilfe angefühlt hat.

Und vielleicht beginnt Hilfe dann nicht mit der Frage:

„Wie kriegen wir das Kind dazu, endlich mitzumachen?“

Sondern mit:

„Wie schaffen wir so viel Orientierung, dass Mitmachen wieder sicher wird?“

Orientierung ist Behandlung

Das ist für mich der rote Faden:

Orientierung ist nicht Beiwerk.

Orientierung ist Behandlung.

Ein Kind kann nicht kooperieren, solange Kooperation sich wie Selbstverlust anfühlt.

Ein PDA-System kann nicht einfach folgen, solange Folgen wie Gefahr klingt.

Ein neurodivergentes Kind kann nicht einfach „flexibel“ sein, wenn die Welt unlesbar bleibt.

Ein traumatisiertes System kann nicht einfach vertrauen, wenn Vertrauen früher nicht geschützt hat.

Ein somatisch alarmiertes System kann nicht einfach loslassen, wenn der Körper längst gelernt hat, dass Alarm die einzige Sprache ist, die Erwachsene ernst nehmen.

Deshalb brauchen diese Kinder nicht noch mehr Türen.

Nicht noch mehr „Bitte wenden“.

Nicht noch mehr Testwerte ohne Übersetzung.

Sie brauchen Erwachsene, die mit ihnen durch das Flegel-Heim gehen.

Langsam.
Klar.
Ehrlich.
Nicht beschämend.
Nicht planlos mächtig.

Und vielleicht hängt am Ende im Flur dieses Flegel-Heims ein Schild:

Hier wohnt kein falsches Kind.

Hier wohnt ein Nervensystem, das zu oft Alarm machen musste.

Bitte langsam sprechen.

Bitte nicht jagen.

Bitte Orientierung geben.


Was tun ?


Du merkst vielleicht, auch ich ringe nach Orientierung in den ganzen Alarmen und Erschütterungen. Ich bin ja auch mehrfach selber betroffen. Soll dann in der Klinik Orientierung geben, während gerade Urlaubszeit ist und wir ein neues EDV-System mit Orientierungsstörungen und Veränderungen implementieren. Wir haben ja als Klientinnen fast nur Mitarbeiter in sozialen bzw. pädagogischen Berufen oder therapeutischen Umfeld, die sowohl Helfer wie auch eben “Patient” sind und die zu Hause fast alle neurodivergente und / oder traumatisierte Kinder haben.
Und zu guter letzt habe ich am Donnerstag eine lange Weiterbildung für Psychologinnen genau dazu.

Ich tausche mich intensiv mit Johannes Drischel dazu aus, weil er mit Emoflex (Öffnet in neuem Fenster) aus meiner Sicht die Anwendung und Orientierung für dieses Dilemma / Tetralemma hat. Aber wir ringen halt auch selber mit uns und unseren. Orientierungsproblemen. Aber wir dringen irgendwie immer tiefer ein in das Thema. Das irritiert. Aber es schafft auch Klarheit.

Mein Gehirn klingelt und brummt.

Was hilft : Mit einer Mitgliedschaft hier im Social crowdfunding von Steady unterstützt du mich schon mal erheblich, da ich dann die Ressourcen für diese Orientierungsarbeit habe. Und nicht auf so Alarme wie Werbung auf Webseiten, Rechtsanwaltsdrohungen, Steuern, Rechnungen etc jedesmal mit einem Weltuntergangsgefühl reagiere. So wie mein Gehirn das sonst aus jahrzehntelanger Erfahrung von drohenden Finanzkollaps kannte. Ich mache seit 1998 Aufklärung in Sachen ADHS und dabei habe ich leider zeitweilig 6stellige Forderungen gegen mich erhalten, die aus einem EU-Projekt (web4health) und dann viel viel späteren Steuernachzahlungen gegen mich als haftende Person kamen. Ich habe da also eine Vergangenheit, die nicht unrelevant ist. Und eben auch meine “entwicklungsgeschüttelte” Vergangenheit und Gegenwart mit neurodivergenten Kindern (u.a. jetzt in einer Werkstatt für Behinderte bzw. im Studium).

Danke, an ALLE, die das bereits tun.

Als Wegöffner würdest du dann selber aktiv in der Skool-Community dabei sein. Da geht es maßgeblich darum, gemeinsam eine Orientierung zu schaffen, wie wir Orientierung schaffen. Wie wir uns gegenseitig in diesem Tetralemma der Orientierungs-Irrgärten unterstützen und Klarheit schaffen können.

Das bedeutet dann auch gegenseitige Unterstützung und aktives Mitmachen und Rückmelden.

Springst du da mit rein?

LG Martin
🧠💡🌈👥🗣️✨🔗🎨💬🚀
https://steadyhq.com/de/adhsspektrum/ (Öffnet in neuem Fenster)

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