Zum Hauptinhalt springen

Wie RUMS Lokaljournalismus als Veranstaltung denkt

Hallo,

das ist der Media-Rewilding-Newsletter mit meinen Learnings dazu, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird.

Heute blicken wir nach Münster. Dort mischt RUMS seit ein paar Jahren mit einem digitalen Angebot den Lokaljournalismus auf. Und sie haben einige Erfahrungen mit journalistischen Veranstaltungen gesammelt. Deswegen habe ich Mitgründer Marc-Stefan Andres interviewt, der als Produktmanager dafür zuständig ist.

Media-Reilding-Logo im Game-Boy-Stil mit Pinguinen
Dieser Newsletter ist bislang kostenfrei. Leite ihn gerne an Menschen in Redaktionen, Verlagshäusern und Medienorganisationen weiter, die sich für das Thema interessieren. Und falls du diesen Newsletter von jemandem weitergeleitet bekommen hast, kannst du ihn hier abonnieren: media-rewilding.de
Case

RUMS ist ein 2020 gestartetes, digitales Lokalmedium aus Münster, das vor allem über einen kostenpflichtigen Newsletter veröffentlicht wird. Die Redaktion versteht sich als unabhängige Alternative zur lokal dominierenden Tageszeitungslandschaft. Veranstaltungen gehören seit der Gründung zum Konzept.

  • Bereits vor dem Start des Angebots wurden Events als Element für Community-Bildung und Markensichtbarkeit mitgedacht. Die ersten Formate fanden während der Corona-Pandemie als Zoom-Veranstaltungen statt.

  • Ursprüngliches Kernformat waren moderierte Gespräche und Diskussionsveranstaltungen. Aus diesen Veranstaltungen entstanden oft neue Themenideen für die Redaktion und ein direkter Austausch mit der Stadtgesellschaft.

  • Inzwischen gibt es mehrere Veranstaltungsreihen mit unterschiedlichen Zielen. Dazu gehören die RUMS-Revue als unterhaltende Bühnenshow mit journalistischen Inhalten, Lesungen mit Autor:innen sowie die Reihe „Rein in die Wirtschaft“, die Multiplikator:innen aus Unternehmen und Institutionen zusammenbringt.

  • Im Rahmen einer Förderung durch die Landesmedienanstalt NRW arbeitet das Team außerdem an hyperlokalen Stadtteilveranstaltungen, die Menschen in Quartieren erreichen sollen, in denen klassischer Lokaljournalismus weniger präsent ist.

Insgesamt verfolgt das Medium mit seinen Veranstaltungen vier Ziele: zusätzliche Einnahmen, stärkere Bindung bestehender Leser:innen, Sichtbarkeit von Journalismus und den Zugang zu neuen Zielgruppen in der Stadt.

RUMS-Veranstaltung „Kandidatencheck“
Beim „Kandidatencheck“ trafen die drei aussichtsreichsten Bewerber:innen um das Oberbürgermeisteramt aufeinander. RUMS organisierte die Diskussion als hybrides Format mit Publikum vor Ort und Online-Übertragung. Foto: Nikolaus Urban.
Mit der RUMS-Revue hat das Lokalmedium 2025 ein neues Bühnenformat gestartet. Die rund zweistündige Veranstaltung verbindet verschiedene journalistische Inhalte zu einer Show und war bei der Premiere innerhalb von acht Stunden ausverkauft. Foto: Nikolaus Urban.

Vom ausführlichen Interview mit Marc-Stephan Andres habe ich einige wichtige Perspektiven mitgenommen. Drei Learnings möchte ich hier mit dir teilen:

  1. Veranstaltungen funktionieren nicht automatisch als Abo-Maschine. RUMS hat gelernt, dass sich Reichweite und persönliche Begegnungen nicht direkt in neue Mitgliedschaften übersetzen lassen. Der Wert liegt eher in Markenbekanntheit, Vertrauen und langfristiger Bindung. Andres: „Diese Idee, dass 150 Menschen eine Veranstaltung besuchen und dann am nächsten Tag alle zu Abonnent:innen werden, funktioniert überhaupt nicht.“

  2. Events sind ein Lernprozess, kein fertiges Produkt. RUMS entwickelt neue Veranstaltungsformate iterativ, startet mit kleinen Pilotprojekten und optimiert sie schrittweise. Statt alles vorab durchzuplanen, setzt die Redaktion auf Ausprobieren und Anpassung. Andres: „Dieses Machen ist entscheidend. Und ebenso die Entscheidung, irgendwann auch wieder zu revidieren, wenn es nicht läuft.“

  3. Erfolgreiche Eventstrategien haben etwas mit lokalen Netzwerken zu tun. Günstige Räume, technische Infrastruktur und neue Zielgruppen entstehen bei RUMS häufig durch Kooperationen mit Unternehmen, Institutionen und Veranstaltungsorten. Der Aufbau solcher Beziehungen ist für die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Formate mindestens ebenso wichtig wie das eigentliche Programm. Andres: „Es ist wichtig, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, das läuft alles über den Verlag, die Redaktion hat damit nichts zu tun. Wir bauen Netzwerke in die Stadt hinein auf und bekommen dadurch Zugang zu Räumen.“

Lesetipp

Das Interview enthält natürlich noch viel mehr Insights. Wenn du wichtige Impulse in Sachen Journalismus und Begegnung suchst, empfehle ich dir sehr, es zu lesen. Ich habe es für die Media-Rewilding-Community veröffentlicht.

(Öffnet in neuem Fenster)
Ausblick

Kommende Woche bin ich wieder für Media Rewilding auf Tour. Auf den Lokalmedientagen in Nürnberg gebe ich am Mittwoch in der Session Lokaljournalismus braucht Community: Wie erreichen wir Nähe und Austausch mit dem Publikum? (Öffnet in neuem Fenster) einen Impuls zur wachsenden Bedeutung von Begegnungsformaten für unsere Arbeit. Und ich darf mich mit Anke Myrrhe vom Tagesspiegel (sie macht unter anderem die Checkpoint Revue), Lynn Nagy vom Zeitungsverlag Waiblingen (Expertise in Sachen Pop-up-Redaktion) und Moderatorin Ella Schindler (Leitung Professional Development and Culture Redaktion, Verlag Nürnberger Presse) darüber unterhalten, wie sie damit umgehen.

Und dann wird es langsam Zeit, noch einmal auf das Festival der Zukunft von 1E9 zu blicken. Mehr dazu dann am nächsten Mittwoch.

Bis dann,

💚 Alexander

Report 2025

Im Media-Rewilding-Report findest du ein paar Einblicke und Gedanken zu meiner bisherigen Spurensuche. Er umfasst nicht alle Punkte, die ich gesehen und gelernt habe, aber er zeichnet eine erste Landkarte einer Welt, in der bereits einige Projekte daran arbeiten, den Journalismus in der Gesellschaft zu renaturieren. Lade dir das PDF als Mitglied der Media-Rewilding-Community gerne herunter. Und gib es bei Bedarf auch an andere Menschen weiter, die sich dafür interessieren könnten.

Cover des Media Rewilding Report 2025 (Öffnet in neuem Fenster)
Media Rewilding

Mein Name ist Alexander von Streit. Ich bin Journalist und beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Spannungsfeld, das die Digitalisierung in der Gesellschaft erzeugt. Mein 2025 gestartetes Projekt MEDIA REWILDING dreht sich um die Frage, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird. Konkret versuche ich herauszufinden, wie wir journalistische Recherche aus dem überfüllten digitalen Raum in analoge oder hybride Formate überführen können. Also wie wir systematisch Orte oder Veranstaltungen schaffen oder nutzen, an denen Menschen Recherchen erleben, mitgestalten, diskutieren und dadurch direkten Zugang zu hochwertigem Journalismus erhalten können. Und was das mit Vertrauen und Markenbeziehung zu tun hat. Und natürlich wie sich das alles finanzieren lässt.

Hier ist die Website von Media Rewilding: media-rewilding.de (Öffnet in neuem Fenster)
Hier ist meine Website: von-streit.de (Öffnet in neuem Fenster)
Hier ist mein LinkedIn-Profil: linkedin.com/in/vonstreit (Öffnet in neuem Fenster)