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Der X-Algorithmus, NIUS und ein wenig Foucault

oder: was haben ein Staatssekretär im Innenministerium und Frauke Brosius-Gersdorf mit der Übermacht der High Tech-Oligarchen zu tun?

Die rechtskonservative Wirkmacht des Algorithmus von X

Ein in “Nature” publizierte Artikel „The political effects of X’s feed algorithm” (Nature, Februar 2026) Gauthier, Hodler, Widmer & Zhuravskaya (Öffnet in neuem Fenster)berichtet von einem Experiment, in dessen Fall belegt wurde, was sowieso schon alle wussten. Zumindest jene, die X weiterhin benutzten.

Die Forschenden führten im Sommer 2023 Feldexperiment mit rund 5.000 aktiven US-Nutzern durch. Die Teilnehmer wurden zufällig entweder dem algorithmischen Feed („For You”) oder dem chronologischen Feed („Following”) zugeteilt – unabhängig von X selbst, also ohne Kooperation mit der Plattform.

Das kam dabei heraus:

  • Das Einschalten des Algorithmus verschob die politischen Meinungen messbar in eine konservativere Richtung: Nutzer, die vom chronologischen zum algorithmischen Feed wechselten, priorisierten häufiger republikanische Politikthemen (Inflation, Migration, Kriminalität). Sie bewerteten die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Donald Trump häufiger als inakzeptabel und zeigten Kreml-freundliche Haltungen zum Ukrainekrieg.

  • Das Ausschalten des Algorithmus hatte hingegen keinen messbaren Effekt – ein asymmetrisches Muster, das sich mit früheren Meta-Studien deckt.

  • Affektive Polarisierung und Parteiidentifikation blieben jedoch in beiden Richtungen unbeeinflusst.

Der X-Algorithmus bevorzugt der Studie zufolge konservative Inhalte und politische Aktivisten-Accounts. Traditionelle Nachrichtenmedien zeigte er deutlich weniger gezeigt.

Nutzer, die dem algorithmischen Feed ausgesetzt waren, folgten daraufhin noch mehr konservativen Aktivisten-Accounts – und behielten diese Abonnements auch nach dem Wechsel zurück zum chronologischen Feed bei. Dadurch bleibt der politische Effekt bestehen, selbst wenn der Algorithmus abgeschaltet wird.

Der Nutzen der Algorithmen für die rechte Avantgarde und der Fall Christoph de Vries

In Deutschland wirkt dieser Mechanismus massiv ebenso auf die Politik - meines Erachtens vor allem auf die der CDU. Medien wie NIUS, Apollo News oder Tichys Einblick fungieren hierzulande als effektive Rechtsdrall-Maschinen. Es gibt auch in Deutschland rechte Influencer und Podcaster. Ganz so machtvoll wie in den USA ersetzten sie die klassischen Medien und durchdrangen sie m.E. die politische Öffentlichkeit noch nicht.

Es formierte sich jedoch eine Art rechter “Avantgarde”, die weniger auf die “Massen” zielt als darauf, Einfluss auf Politik und Parteien zu nehmen. Sie agiert anders als Lobbygruppen - sie nutzt Druck, den sie in sozialen Medien aufbaut, und suggeriert dabei, dass breite Bevölkerungsteile ebenso denken würden.

Einzelne Politiker wie der jetzige parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium Christoph de Vries setzen diese Mechanismen meiner Beobachtung nach als Hebel für die eigene Karriereplanung ein. Er erhielt als Kandidat in Hamburg-Mitte lediglich 17 % der Stimmen, profilierte sich jedoch als rechtskonservativer Hardliner vor allem über X und NIUS. Diesem gab er mehrfach Interviews zu Themen rund um Migration, Grenzkontrollen, der Existenz einer angeblichen “Asylindustrie” und attackierte die “Willkommenskultur”.

In Tweets behauptete er, einen exklusiven Zugang zum “wahren Volkswillen” zu haben:

“Mit regelmäßig wiederkehrenden Empörungsorgien über das, was jeder Bürger mit offenen Augen sehen kann, findet auch eine Entkopplung von der großen Mehrheit der Bevölkerung statt, die einen grundlegenden Kurswechsel in der Migrationspolitik wünscht.” (Öffnet in neuem Fenster)

Manchmal traut de Vries sich aus X und NIUS hinaus ins wahre Leben (vermutlich seltener in die Hamburger Neustadt) - so äußerte er bei einer Podiumsdiskussion in Frankfurt

„Deutschland ist kein Einwanderungsland einfach deshalb, weil es ein genuin deutsches Volk gibt.“ (Öffnet in neuem Fenster)

Das dürfte sich nahe an dem bewegen, was in den in dem Verfassungsschutzgutachten zur AfD als “ethnischer Volksbegriff” und somit verfassungswidrig ausgewiesen wurde. Aber mit so was macht man in Deutschland halt Karriere und sichert sich hohe Pensionsansprüche. Während zugleich in seinem Wahlkreis Hamburg-Mitte der Anteil ausländischer Mitbürger bei 50-55% liegt, in Stadtteilen wie Billbrook bei 89,1% und auf der Veddel bei 76,5% (Öffnet in neuem Fenster) . Dass de Vries noch Politik für die Menschen jenes Hamburgs, für das er bei Wahlen antritt, machen würde, kann so nicht guten Gewissens behauptet werden. Seine Auftritte bei NIUS und seine markigen Sprüche dienen vermutlich eher dem Generieren von Aufmerksamkeit in sozialen Medien. So fällt man schneller auf als durch kluge, politische Aussagen im Sinne der tatsächlichen Bevölkerung in seinem Wahlkreis.

Dieses, ich nenne das mal so, Avantgarde-Modell politischer Agitation, das eher auf Social Media ausgerichtet ist und vom X-Algorithmus gezielt gefördert wird, mündet ins Aberwitzige - weil es sich in Kommunikationszusammenhängen situiert, die große Bevölkerungsteile gar nicht wahrnehmen. In meinem persönlichen Umfeld nutzen nur wenige Menschen X, wenn, dann Facebook oder Instagram - und das allein in meiner Familie 3 der Jüngeren lediglich sporadisch. Auch in den Medien arbeitende Freunde verwenden allenfalls Instagram und das auch nur ein Teil derer. NIUS oder Tichys Einblick kennen sie allenfalls vom Hörensagen, Bluesky gar nicht, Apollo News erst seit Kurzem aus DIE ZEIT. Rechte Influencer bei Youtube schauen sie sich auch nicht an.

Konkrete Einflussnahme: Der Fall Brosius-Gersdorf

Auf die Fraktionen im Bundestag scheint diese so vielen völlig unbekannte Sphäre jedoch nachhaltig Einfluss zu nehmen. Deutlich wurde dieses im Fall der scheiternden Wahl der Rechtsprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf als Verfassungsrichterin. Die Rechtsprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf galt bis kurz vor der Wahl allseits als renommiert und wissenschaftlich herausragend. Plötzlich wurde sie als „ultralinks” und „Aktivistin” diskreditiert. Der Hauptgrund: ihre Position zum Abtreibungsrecht: Sie hält es für verfassungsrechtlich möglich, Abtreibungen zu entkriminalisieren (Öffnet in neuem Fenster).

Treibende Kraft bei dieser Kampagne: vermutlich Julian Reichelt von NIUS. Der ehemalige Bild-Chefredakteur warnte auf seinem Portal NIUS vor der „schrecklichen Juristin” und verstieg sich laut NZZ vom 8.8.2025 zu einem Nazi-Vergleich:

„Von der Gedankenwelt der Frauke Brosius-Gersdorf ist es nur noch ein winziger Schritt zum Schrecken des lebensunwerten Lebens.”

Damit rückte er, wenn dieses Zitat stimmt, die Juristin in die Nähe nationalsozialistischer Gräueltaten. Reichelt verlinkte dabei gut sichtbar zur abtreibungskritischen Organisation 1000plus, die eine teilweise automatisierte Vorlage erstellt hatte, mit der Bürger dem CDU- oder CSU-Abgeordneten aus ihrem jeweiligen Wahlkreis eine Mail schicken konnten (Öffnet in neuem Fenster). In den folgenden Tagen kamen über diese Vorlage 38.000 E-Mails an die Abgeordneten von CDU und CSU. Auch Apollo News und NIUS schoben in dieser Zeit Dutzende Beiträge über Brosius-Gersdorf nach.

Die Wirkungskette war also: NIUS diffamiert → verlinkt auf Mobilisierungsplattform → Massenmail-Kampagne flutet CDU-Abgeordnete → Fraktion bricht auseinander.

X wirkte dabei mittels Algorithmus, siehe die Studie oben, als Verstärker.

All das dürfte vom Großteil der Bewohner von Hamburg Mitte gar nicht wahrgenommen werden und hatte doch eine buchstäblich erschütternde Wirkung auf das institutionelle Gefüge der Republik: eine Kampagne von rechts verschob die Frage nach der Wählbarkeit einer potenziellen Verfassungsrichterin von der formaljuristischen Qualifikation hin zur Möglichkeit einer Abstimmung darüber, ob inhaltliche Positionen der politischen Rechten in den Kram passen oder auch nicht. Das ist das Gegenteil von Gewaltenteilung.

Weltdeutungsmaschinen und algorithmische Dispositive

Diese “Weltdeutungsmaschinen” namens Algorithmus wirken auf diese Art politisch. “Weltdeutungsmaschinen” deshalb, weil sie eben solche hervorbringen. Sie bilden ein System, das bestimmte Interpretationen von Wirklichkeit noch da als dominant erscheinen lässt, wo sie es gar nicht sind.

Michel Foucault grenzte sich einst von den Philosophien vor ihm dadurch ab, dass er z.B. Merleau-Ponty die Position unterstellte, dass wir immer schon von Sinn und Bedeutungen umgeben seien und diese Wahrnehmungen dann subjektiv verarbeiteten. Foucaults strukturalistisch geprägte Sicht zielte hingegen darauf, formale Strukturen zu analysieren, die Sinn und Bedeutung hervor bringen, erzeugen, produzieren - also Weltdeutungen oder auch Interpretationen von Wirklichkeit. Eine solche formale Struktur sind Algorithmen.

Foucault verwendet den Begriff Dispositiv für eine Konfiguration aus Diskursen, Institutionen, Gesetzen und Praktiken, die Macht organisiert. Der Algorithmus von X ist Teil eines solchen algorithmisches Dispositivs: eine technische Infrastruktur, die bestimmte Aussagen sichtbar macht, andere ins Unsichtbare drängt – und damit Machtverhältnisse nicht etwa widerspiegelt, sondern aktiv produziert.

Das Dispositiv ist hier in Codes eingeschrieben, was die Undurchsichtigkeit potenziert: Die Regeln der Sichtbarkeit sind selbst unsichtbar.

Der Kultur- und Medienwissenschaftler Simon Strick begreift solche Mechanismen als Teil der “Faschisierung”:

“Faschisierung heisst eine Normalisierung radikaler Sprache, Verknappung der Möglichkeiten der Teilnahme, Denken in falschen Alternativen, eine Sortierung der Gesellschaft in Eigene und Fremde.” (Öffnet in neuem Fenster)

Algorithmen als Möglichkeitsbedingung von Aussagen

In der Archäologie des Wissens fragt Foucault nicht nach dem Inhalt von Aussagen, sondern nach den Regeln ihrer Möglichkeit – was kann überhaupt gesagt werden, was gilt als sagbar? Der Algorithmus übernimmt genau diese Funktion: er selektiert das unter Bedingungen der Faschisierung Sagbare und lässt alles andere verschwinden.

Es wird nicht zensiert (im klassischen Sinne), sondern reguliert, was die diskursiven Oberflächen der Kommunikationssysteme auf und in den Plattformen prägt. Er bestimmt, welche Aussagen in den Feedfluss eintreten, welche verebben, welche viral verbreitet werden. Er ist die operative Grammatik des digitalen Archivs.

Zumindest im Falle von Algorithmen wie dem von X. Andere orientieren sich an User-Präferenzen. Je weiter die Faschisierung in den USA vordringt, desto stärker tendiert das System allerdings zu tatsächlicher Zensur - z.B. bei kritischer Berichterstattung über ICE. Wenn zudem die Social Media-Äußerungen von Personen über entsprechende Software systematisch an US-Sicherheitsbehörden weiter gegeben werden, dann mutieren die Systeme zu faschistoiden Überwachungstools. Ein Schelm, wer glaubt, dass Friedrich Merz bei seinen Forderungen nach Klarnamenpflicht das alles nicht wusste.

Archiv und Episteme

Das Archiv, das Bezugssystem von Aussagen, hat sich in alledem hin zu dem verschoben, was im Internet aufzufinden ist. Foucault verwendete einen solchen Begriff des Archivs. Der meinte nicht eine Sammlung von Dokumenten, vielmehr System, das regelt, was als Aussage überhaupt existieren kann.

Wenn der Algorithmus konservative Inhalte bevorzugt und traditionelle Medien abdämpft, produziert er zweierlei: epistemisches Rauschen (eine Übersättigung bestimmter Deutungsrahmen) und epistemische Stille (das systematische Verstummen anderer Wissensformen, ohne dass ein Verbot ausgesprochen wird). Foucault interessierte sich für die diskrete Macht der Klassifikation; die Plattform X betreibt Klassifikation in Echtzeit, im Millisekundenbereich, in Milliarden von Aussagen.

Foucaults Begriff Episteme bezeichnet zudem die Wissensordnung in einem bestimmten Zeitraum – das, was eine Gesellschaft als wahr denken kann, ohne dass sie ein Außen dieser Wahrheit zur Kenntnis nehmen könnte. Diese Episteme sind bedingt durch Grundannahmen über Sprache, Natur, Wirtschaft, Bevölkerungsstruktur, Wissensproduktion. Eine algorithmische Episteme wäre die durch Plattform-Infrastrukturen generierte Wissensordnung: Sie ist nicht von einer Person entworfen, nicht demokratisch legitimiert, aber sie strukturiert dennoch, was für Millionen Menschen als plausibel, relevant oder sagbar gilt. Das Tückische: Im Gegensatz zur klassischen Episteme ist sie nicht historisch gewachsen, sondern intentional designed.

In Anlehnung an Foucaults Begriff diskursiver Formationen (ein Ensemble von Aussagen, das nach erkennbaren Regeln organisiert ist) ließe sich zudem der Begriff Feedformation einführen: das je spezifische, individualisierte Aussagenensemble, das der Algorithmus für jeden Nutzer zusammenstellt. Die Feedformation ist paradoxerweise zugleich hochgradig individualisiert und strukturell reguliert – sie simuliert Singularität, während sie systemisch normiert.

Das Gemeinsame dieser Konzepte ist, dass sie den Algorithmus nicht als technisches Werkzeug, sondern als diskursiven Akteur behandeln – als eine Instanz, die Wissen nicht speichert, sondern konstituiert. Foucaults entscheidende Pointe war, dass Macht nicht primär verbietend, sondern produktiv wirkt: Sie bringt Subjekte, Wahrheiten, Wissensformen hervor.

Foucault hat die Archäologie des Wissens in den 60er Jahren verfasst; andere hier lediglich angekratzte Theoreme auch erst später oder ein wenig früher. Diese Mechanismen der Möglichkeitsbedingungen des Auftauchens von Aussagen in dominanten Dispositiven ist also nichts Neues. Auch TV-Quoten, die Normalverteilung als statistischer Filter, Minutenschrittanalysen, Auflagen von Zeitungen und Büchern, das Erfassen der Häufigkeit des Zitiertwerdens im Falle von Wissenschaftlern und viele andere Mechanismen funktionieren ähnlich wie Algorithmen. Durch ihre Ankopplung an ökonomische Oligarchien hat sich die Lage dennoch verändert.

Die Macht der High Tech-Oligarchie

Die Plattformen gehören einigen der reichsten Menschen der Welt. NIUS, das kaum jemand guckt oder liest und das direkt auf soziale Medien zielt, gehört einem Großspender der CDU. Das ist der entscheidende Punkt: Es handelt sich nicht um in den Netzen der Lebenswelt entstehende Kritik, sondern um ein Medium, das einem CDU-Finanzier gehört und gezielt Druck auf CDU-Parlamentarier ausübt – mit dem Effekt, die Partei weiter nach rechts zu verschieben, als selbst die Fraktionsführung wollte.

NIUS hat wiederholt gezeigt, wie Skandalberichterstattung als Mittel eingesetzt wird unter Nutzung der Effekte in der Plattform-Kommunikation, vom X-Algorithmus dabei privilegiert - siehe die Studie zu Beginn dieses Textes.

Zurück zum Fall Brosius-Gersdorf: Dieser ist ein Paradebeispiel für das, was sich mit den Begriffen fassen lässt. NIUS betreibt diskursive Weltdeutungsarbeit im doppelten Sinn: Es produziert nicht nur Inhalte, sondern schafft durch Verlinkung und Mobilisierung eine Feedformation, die Abgeordnete direkt mit 38.000 gleichlautenden Mails überflutet. Die epistemische Stille gilt dabei der eigentlichen Qualifikation Brosius-Gersdorfs – dass sie exzellent ist, verschwindet im Rauschen. Das algorithmische Dispositiv verbindet sich hier mit der Eigentümerstruktur (CDU-Großspender als Medieninhaber), so dass Archiv-Macht und Kapital institutionell verschmelzen. Das Ergebnis ist eine Verschiebung des parlamentarischen Sagbarkeitsraums, die nicht durch Abstimmung, sondern durch Überwältigungskommunikation erzwungen wird.

Der neue Strukturwandel der Öffentlichkeit

Meines Erachtens ist eine solche Betrachtung für eine Diagnostik der Gegenwart wichtiger, als dass nun auch noch Teile des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks glauben, bei sozialen Plattformen wie X handele es sich um eine Art “Repräsentation” von Bevölkerungsmeinungen. Das ist noch nicht mal bei Wahlumfragen der Fall. Weil hier Nicht-Wähler und Nicht-Staatsbürger keinerlei Berücksichtigung finden und auch Minderheitenperspektiven in die epistemische Stille gebeamt werden.

Es formiert sich vielmehr eine von Algorithmen mit betriebene Weltdeutungsmaschine mit hoher Suggestivkraft, die Faschisierung ganz im Sinne Simon Stricks betreibt und durch KI potenziell noch verstärkt wird. Vor allem, so hört man, ich habe es nicht selbst ausprobiert, im Falle von Grok und Chat GPT.

Meine Erfahrungen mit Claude sind allerdings gegenteilig; auch bei diesem Text habe ich es als Recherchetool genutzt. Allerdings in einem Fall, das ich die Ergebnisse auch selbst beurteilen kann, sowohl das Werk Foucaults betreffend als den Verlauf der Nicht-Wahl von Brosius-Gersdorf. Was sich auch dem verdankt, dass die Basis meines Wissens sich in einer Zeit formierte, da es noch nicht mal das Internet gab und ich erste Hausarbeiten zu Foucaults Die Ordnung der Dinge auf einer Schreibmaschine tippte. Das war hinsichtlich der Möglichkeit, Minderheitensichtweise aus der epistemischen Stille heraus zu lösen, eine erheblich dunklere Zeiten als aktuell - noch.

Der ganze Rechtsdrall, die fortschreitende Faschisierung reagiert aber genau darauf - dass Minderheitenperspektiven allmählich, nicht etwa plötzlich, sicht- und hörbar wurden. Die ganzen Wellen der Kritik an “Political Correctness”, “Identitätspolitik” und “woke” auch durch progressive Kräfte ist eine Reaktion auf den Verlust von Weltdeutungsprivilegien - bei Elons Musks Südafrika-Trauma wohl am deutlichsten vernehmbar.

Das algorithmische Dispositiv nunmehr müht sich redlich, die Geschichte zurückzudrehen - “Make Fascism Great Again”, sozusagen. Die Mechanismen in Deutschland unterscheiden sich dabei noch von denen in den USA.

Angesichts der aggressiven Privilegien-Verteidigung der Mehrheitsgesellschaft bezweifele ich, dass man überhaupt effektive Gegenmacht erzeugen kann, um die Faschisierung nicht total werden zu lassen. Zu viele proftieren von Rassismus, Queerfeindlichkeit und Misogynie.

Wir können es aber ja trotzdem versuchen. Falls ihr das wollt.

Kategorie Gesellschaft

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