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EXPLORING BIRDSONG - aus FUZE.119

IRGENDWO ZWISCHEN AUFBRUCH UND ANKOMMEN. Mit ihrem neuen Album „Every House We Built“ erhalten die Briten aus Liverpool aktuell viel positives Feedback. Gleichzeitig müssen sie sich selbst manchmal daran erinnern, dass sie noch mitten im Aufbau sind. Lynsey Ward, Matt Harrison und Jonny Knight sprechen mit uns über den Umgang mit zunehmender Sichtbarkeit und den roten Faden im vermeintlichen Chaos, der alles verbindet.

Foto: Luke Tatlock

Ihr genießt momentan viel Aufmerksamkeit, gebt zahlreiche Interviews, bekommt Unterstützung von Kerrang!, spielt große Touren. Fühlt sich das manchmal surreal an oder wart ihr immer überzeugt, dass eure Zeit bald kommen würde?
Lynsey: Wir haben immer gehofft, dass irgendwann schon soweit ist. Nach so vielen Jahren als Band fühlt sich jeder Schritt wie der nächstlogische an. Man arbeitet sich von Etappe zu Etappe und nimmt sich dabei oft zu wenig Zeit, um zu reflektieren, was man bereits erreicht hat. Natürlich machen wir Musik, um damit möglichst viele Menschen zu erreichen. Deshalb ist es schön, dass wir mit diesem Album mehr Leute ansprechen können als je zuvor.
Matt: Oft fühlt es sich an wie ein Schachspiel: Kaum ist ein Zug gemacht, denkt man schon an den nächsten. Dadurch fällt es uns schwer, das Erreichte zu genießen. Unser Management hat uns deshalb sogar dazu aufgefordert, die Veröffentlichung bewusst richtig zu feiern. Wahrscheinlich hätten wir sonst direkt wieder an die nächsten Alben gedacht.

Unser Management hat uns deshalb sogar dazu aufgefordert, die Veröffentlichung bewusst richtig zu feiern. Wahrscheinlich hätten wir sonst direkt wieder an die nächsten Alben gedacht.

Als ich „Every House We Built“ zum ersten Mal gehört habe, war ich zunächst überrascht. Ihr verbindet darauf Alternative Pop, Progressive Rock, Metalcore, cineastische Elemente, trotzdem wirkt es insgesamt nicht chaotisch. Für mich ist Lynseys Stimme der rote Faden, der alles zusammenhält. Entsteht diese stilistische Vielfalt bewusst oder eher intuitiv?
Matt: Die ist vielleicht einfach das Ergebnis unserer individuellen Hörgewohnheiten. Wir mögen alle sehr unterschiedliche Musik und schreiben dann Songs, wie wir sie selbst gerne hören würden. Dadurch fließen die verschiedensten Elemente in unsere Musik ein. Besonders gegen Ende des Albums wird das deutlich, etwa bei „You like it best when it hurts“ und „Cartography“, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Gleichzeitig ist Lynseys Stimme tatsächlich der verbindende Faktor. Da wir sehr melodieorientiert arbeiten, verbindet sie die verschiedenen Facetten unseres Sounds und bildet damit den roten Faden des Albums.

https://youtu.be/YM9ZBblQn9o?si=A6L9QgmXvUMBqX_F (Öffnet in neuem Fenster)

Wenn jemand eure Band noch gar nicht kennt und nur in einen Song reinhören dürfte: Welcher Track repräsentiert EXPLORING BIRDSONG im Moment am besten?
Lynsey: Für mich wäre das „Romanticise“. Der Song vereint die härteren Elemente, die inzwischen einfach zu unserem Sound gehören, mit unseren aktuellen Einflüssen und er zeigt die Stärken der einzelnen Bandmitglieder. Für mich fasst er ziemlich gut zusammen, wofür EXPLORING BIRDSONG heute stehen.

Freut mich zu hören, dieses Stück habe ich auch in meinem Review hervorgehoben.
Matt: Spannend, dass Lindsay ausgerechnet „Romanticise“ genannt hat. Ich würde „Meadowlands“ nehmen. Der Track beginnt mit dem, was unseren Kern ausmacht: Gesang, Klavier, Schlagzeug, etwas Bass. Von dort aus entwickelt er sich zu etwas deutlich Größerem. Für mich stellt er die Essenz dessen dar, was EXPLORING BIRDSONG ausmacht. Dass wir auf deine Frage so unterschiedliche Antworten haben, ist vermutlich einer der Gründe, warum wir als Band so gut funktionieren.

Hast du noch einen dritten Vorschlag, Jonny?
Jonny: Definitiv. Ich würde wahrscheinlich sagen „The warning“. Da steht das Klavier im Zentrum, er hat einen großen melodischen Refrain, gleichzeitig viele weitere Einflüsse. In der zweiten Strophe gibt es beispielsweise einen leicht lateinamerikanischen Rhythmus, dazu kommen Streicher, orchestrale Elemente. Letztlich vereint der Track viele Facetten unseres Sounds.

Zum Abschluss noch eine andere Frage: Wenn „Every House We Built“ ein reales Gebäude wäre, wie würde dieses Haus aussehen?
Lynsey: Das ist vielleicht eine unspektakuläre Antwort, aber für mich sieht das exakt aus wie das hübsche Backsteinhäuschen auf dem Cover. Genau so. Es wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, ist womöglich umgeben von deutlich größeren Bauten, scheint fast ein wenig fehl am Platz. Gerade damit passt es perfekt zu den Themen des Albums. Auf seine stille Weise erzählt es genau die Geschichte, die wir mit den zwölf Songs vermitteln wollen. Deshalb ist es für mich ganz klar das Haus auf dem Cover.

Jonny, Matt, seht ihr das genauso?
Jonny: Ja, ich würde dasselbe sagen. Ich habe versucht, mir eine andere Antwort zu überlegen, aber für mich trifft es dieses Haus ebenfalls am besten. Interessant ist noch, dass wir kurz darüber gesprochen hatten, ob das Artwork vielleicht komplett digital oder sogar mit KI erstellt werden sollte. Letztlich war das aber gar nicht nötig. Dieses Haus haben wir nicht konstruiert, sondern einfach gefunden. Matt ist daran vorbeigefahren, hat es gesehen und wusste sofort: Das ist es! So erging es mir übrigens mit dem Albumtitel. Seit der feststeht, kann ich mir keinen anderen mehr vorstellen. Und genauso war es mit diesem Foto: Es war da und es hat alles zusammengefasst.
Matt: Ja, wenn das Album ein Haus wäre, wäre es mit Sicherheit genau das.
Mia Lada-Klein

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Kategorie Interviews

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