Zum Hauptinhalt springen

Nesteldecken in der Demenzbetreuung

Nesteldecken (auch Fühldecken oder Aktivitätsdecken genannt) sind Patchwork-Decken aus unterschiedlichsten Stoffen und angebrach­ten Fühlelementen. Sie bieten Menschen mit Demenz vielfältige taktil-haptische Reize und Beschäftigungsmöglichkeiten. Typischerweise legt man eine solche Decke auf den Schoß des Betroffenen oder über sein Bett, so dass er Finger und Hände an verschieden strukturierten Stoffen, Taschen, Reißverschlüssen oder Schnüren „herumspielen“ kann. Abbildung 1 zeigt eine beispielhafte Nesteldecke in Grün („Minze“) mit vielen Fühlelementen und Mustern.

Der Ursprung dieses Konzepts liegt in der Aktivierungs­arbeit und Ergotherapie für demenziell erkrankte Menschen. Ähnliche Ideen werden in Nordamerika und Europa seit den 2000er Jahren umgesetzt – oftmals von ehrenamtlichen Strick- oder Nähgruppen, die „Touch Quilts“ oder „Fidget Blankets“ für Demenzstationen fertigen. In Deutschland etablierten sich Nesteldecken vor allem durch Initiativen wie das Projekt „Nesteldecken.de“ (Patchwork-Design) und Zuschüsse durch Seniorenheime. Sie gelten als sinnvolles Therapiemittel im Alltagsmanagement von Demenz, da es nur wenige medikamentöse Mittel gibt, um Unruhe und Ängste zu lindern. Pflegeeinrichtungen und Angehörige berichten, dass Nesteldecken zunehmend genutzt und geliebt werden. In vielen Heimen und Tagespflegeeinrichtungen werden sie mittlerweile als fester Bestandteil in die Beschäftigungsangebote integriert.

Die Bedeutung einer Nesteldecke für Menschen mit Demenz liegt darin, unruhigen Händen eine sichere, sinnvolle Beschäftigung zu geben und dabei über die vielfältigen Reize aktivierend oder beruhigend einzuwirken. Oft entsteht dadurch Aufmerksamkeit und Freude – selbst in fortgeschrittenen Demenzphasen sind die Betroffenen häufig neugierig und konzentriert beim Ausprobieren der verschiedenen Elemente.

Zielsetzung des Einsatzes

Der Einsatz von Nesteldecken verfolgt mehrere therapeutische und aktivierende Ziele, die sich ergänzen:

  • Taktil-sensorische Stimulation: Durch die verschiedenen Materialien (Baumwolle, Samt, Cord, Jeans, Leder, Frottee usw.) und Zusatz­elemente (Knöpfe, Reißverschlüsse, Bänder, Fransen, Taschen, Kordeln, Perlen etc.) erhalten die Hände vielfältige Sinneseindrücke. Diese taktilen Reize stimulieren die Wahrnehmung und Konzentration der Betroffenen und aktivieren das Nervensystem. Viele Demenzkranke haben ein verstärktes Bedürfnis nach Haptischem („Nesteln“), weil Sehen und Verstehen abnehmen. Eine Nesteldecke befriedigt dieses Bedürfnis auf positive Weise.

  • Beschäftigung der Hände: Nesteldecken geben den Fingern und Händen sinnvolle Aufgaben. Das „Herumzupfen“, Öffnen von Reißverschlüssen, Knoten oder Befühlen von unterschiedlichen Oberflächen wirkt wie eine motorische Beschäftigungstherapie. So wird der natürliche Nesteltrieb (ständiges Suchen, Fühlen und Tasten) kanalisiert und auf die Decke gelenkt. Dieses Beschäftigen fördert feinmotorische Fähigkeiten und kann alltägliche Handgriffe (z. B. Knöpfen, Reißverschluss-Bedienung) spielerisch üben.

  • Beruhigung und Reduktion von Unruhe: Viele Menschen mit Demenz sind motorisch unruhig und neigen zu wiederholenden, nervösen Bewegungen oder zum Zupfen an Kleidung und eigener Haut. Die Nesteldecke lenkt diese Rastlosigkeit ab. Die betroffene Person erhält durch die Fühlreize ein haptisches Feedback, das beruhigend wirkt und Aufmerksamkeit bin. Dadurch werden Aggressionen, Angstgefühle und Nervosität abgebaut, und die Gefahr einer Selbstverletzung (z. B. durch Kratzen) sinkt. Viele Betreuungs­kräfte berichten, dass Unruhephasen dank Nesteldecken deutlich kürzer ausfallen oder erst gar nicht eskalieren.

  • Aktivierung und Stimmungsaufhellung: Die bunten Farben und reizvollen Muster einer Nesteldecke wecken Neugier und fördern Engagement. Sie kann die Aufmerksamkeit erregen und das Gemüt anregen, ähnlich wie kleine Gedächtnis- oder Aktivierungsspiele. Indem die Decke als Gesprächsanlass dient (etwa durch Themen oder vertraute Motive), kann sie die Kommunikation zwischen Betreuenden und Demenzkranken beleben. Viele Einrichtungen stellen fest, dass die Betroffenen mit Nesteldecke offener und fokussierter wirken.

  • Biografiearbeit und emotionale Anker: Elemente mit persönlichem Bezug (Fotos, vertraute Gegenstände, Themenstoffe) können Erinnerungen an frühere Zeiten hervorrufen. Beispielsweise weckt ein Küstenmuster Meereserinnerungen, ein Foto in einer Tasche familientypische Situationen. Das Erzählen von Geschichten während des Nestelns fördert die Biografiearbeit und gibt den Menschen Orientierung und Sicherheit. Gleichzeitig wirkt die Decke durch das Gefühl des Zugedeckt-Seins auch als Geborgenheitssymbol – allein die sanfte Wärme kann beruhigend wirken.

  • Entlastung der Betreuungskräfte: Da die Betroffenen sich lange mit der Decke beschäftigen können, gewinnen Pflegekräfte oder Angehörige zwischendurch kurze Ruhepausen. Nesteldecken erlauben es, demenziell veränderten Personen auf non-verbale Weise einen sinnvollen Rückzugsraum zu geben. Gleichzeitig vermittelt es den Betroffenen ein Erfolgserlebnis, wenn sie an der Decke aktiv etwas tun können – das steigert ihr Selbstvertrauen und Wohlbefinden.

Zusammengefasst fördert eine Nesteldecke also Sensorik, Motorik und Kommunikation. Sie dient sowohl der stimulierenden Aktivierung als auch der Angstreduktion – zwei Ziele, die in der Demenzbetreuung besonders wichtig sind.

Chancen und Herausforderungen (Vor- und Nachteile)

Vorteile und Nutzen:

  • Beruhigung und Stressabbau: Die ablenkende Beschäftigung beruhigt viele Demenzkranke nachweislich. Bewohnern richten ihre Aufmerksamkeit weg von Ängsten oder Schmerzen hin zur Decke, was Aggressionen und Angst reduzieren kann. Oft sinkt so die allgemeine Anspannung.

  • Feinmotorik und Selbstbeschäftigung: Durch Knoten, Knöpfen und Greifen fördert die Decke feinmotorische Fähigkeiten. Besonders in späten Demenzstadien ermöglicht sie Selbsttätigkeit („Ich kann noch etwas tun“), was das Selbstwertgefühl stärkt. Die stundenlange Beschäftigung gilt als positive Impulssetzung.

  • Stimulierung der Sinne: Menschen mit Demenz haben oft eingeschränkte Wahrnehmung. Nesteldecken setzen gezielt verschiedene Sinnesreize (Tastsinn, visuelle Kontraste) ein, wodurch die geistige Aktivierung gefördert wird. Eine abwechslungsreiche Decke kann das Interesse aufrechterhalten, wenn ein monotoner Reiz (z. B. Fernseher) langweilig wirkt.

  • Personalisierung und Biografie: Die Möglichkeit, Themen und Stoffe an die Lebensgeschichte des Bewohners anzupassen (Haustiere, Hobbys, Heimatmotive), macht die Decke emotional wertvoll. Vertraute Bilder und Gegenstände in Taschen können konkrete Gesprächsthemen liefern. So wird die Nesteldecke nicht nur oberflächlich als Spielzeug, sondern als biografische Brücke wahrgenommen.

  • Praxistauglichkeit: Viele Nesteldecken lassen sich als Geschenk leicht selbst nähen oder günstig kaufen. Pflegeagenturen und Betreuungsvereine bieten Nähkurse an oder sammeln Sachspenden für kreative Projekte. Aufgrund der positiven Rückmeldungen von Pflegeheimen (häufig wird von durchweg positivem Feedback berichtet) werden sie gern in Betreuungsprogrammen eingesetzt.

Herausforderungen und Risiken:

  • Hygiene: Nesteldecken werden häufig berührt, angenagt oder bekleckert. Deshalb müssen sie regelmäßig gereinigt werden. Alle Materialien (Stoffe, Bänder, Taschen) sollten waschbar sein. Bedenken bestehen, wenn Dekorationen schwer zu reinigen sind (z. B. eingestickte Applikationen oder voluminöse Elemente). In Einrichtungen empfiehlt sich das Waschen bei 30–40 °C in einem Schonwaschgang oder Wäschesack. Bei Flecken sollte man auf Desinfektionsmittel verzichten, um die Stoffe nicht zu schädigen.

  • Materialwahl und Sicherheit: Es dürfen keine scharfen, harten oder verschluckbaren Teile verwendet werden. Knöpfe, Reißverschlüsse oder Schnallen sollten stabil vernäht und kindersicher sein. Einige Gestalter*innen verzichten sogar auf herkömmliche Knöpfe, da sie sich lösen und verschluckt werden könnten. Auch Zipper mit scharfen Kanten werden ausgesondert. Die Decke darf keine losen Fäden oder Teile aufweisen – alles muss fest appliziert sein. Diese Anforderungen stellen einen Herstellungsaufwand dar, der sorgfältige Planung erfordert.

  • Überstimulation: Eine zu stark überladene Decke kann verunsichern statt beruhigen. Buntes Durcheinander, grelles Blinken oder klackernde Elemente können Demenzkranke eher ängstigen. Daher sollte man die Gestaltung dosiert halten und keine Reize überhäufen. Erfahrene Gestalter empfehlen, die Decken nicht zu „bunt und überladen“ zu machen, damit der oder die Betroffene sie nicht als Reizüberflutung erlebt.

  • Interessenlosigkeit: Es gibt kein Patentrezept: Manche Menschen mit Demenz zeigen wenig Interesse am Nesteln. In solchen Fällen sollte man es akzeptieren und die Decke nicht aufzwingen. Wie ein Experte bemerkt: „Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn jemand mit der hübschen Decke nichts anfangen kann“. Die Decke kann dann alternativ als Kuscheldecke oder Dekoration dienen.

  • Betreuungsaufwand: Obwohl Nesteldecken selbstständig beschäftigen, erfordern sie dennoch Einführung und Beaufsichtigung. Betreuungskräfte müssen erklären, wie die Decke funktioniert, geeignete Elemente zeigen und ggf. häufiger mal wechseln. Ohne einen behutsamen Erstkontakt kann der Nutzen geringer sein. Auch sollten die Decken gut aufbewahrt und bei Nichtgebrauch zusammengefaltet verstaut werden, um Verschmutzung zu vermeiden.

  • Kosten und Pflege: Professionell gefertigte Nesteldecken oder -kissen können teuer sein. Selbstgefertigte Materialien sind günstiger, kosten aber Zeit und Mühe. Zudem kann die Pflege (Waschen, Reparieren) einen Mehraufwand bedeuten, z. B. zum Entfernen abgerissener Teile und Nachnähen lockerer Kanten.

Insgesamt überwiegen jedoch die Chancen: Nesteldecken bieten einen wenig aufwendigen, vielseitigen Einsatznutzen in der Demenzbetreuung. Ihre Risiken lassen sich durch bedachte Materialauswahl und Anleitung minimieren.

Anleitung: Herstellung, Auswahl und Pflege

Planung und Materialwahl: Zunächst sollte geklärt werden, für wen die Nesteldecke gedacht ist. Dazu nutzt man etwa Biographie-Informationen: Lieblingsfarben, Interessen oder frühere Berufe der Person. Eine thematische Gestaltungsrichtung (z. B. Natur, Fahrzeuge, Haushalt) hilft, passende Stoffe auszuwählen und Erinnerungen anzuregen. Empfehlenswert ist eine Patchworkgröße von etwa 60–100 cm Kantenlänge (z. B. 4×4 Quadrate á 20–25 cm) – ausreichend für den Schoß, aber nicht zu groß, damit der Griff noch leicht fällt. Ein zu kleines Format bietet zu wenig Abwechslung, zu groß kann unhandlich werden.

Als Stoffe verwendet man ein Mix aus weichen und groben Materialien: Baumwollstoff, Samt, Frottee, Cord, Denim, Leder oder Wollfilz. Auch Alltagsstoffe (Jeans, alte Hemden, Geschirrtücher, Seidentücher) eignen sich, da sie Vertrautheit vermitteln. Wichtig ist, dass die Stoffe farblich zum Thema passen und gut fühlbar sind: einander kontrastierende Texturen („weich vs. rauh, glatt vs. strukturiert“) steigern den haptischen Reiz. Stoffquadrate werden üblicherweise auf einem Unterstoff (z. B. festes Baumwollgewebe oder Fleece) zusammengefügt.

Fühlelemente: An den Quadraten werden verschiedene Objekte fest angenäht. Dazu gehören etwa:

  • Reißverschlüsse und Knöpfe: öffnen/schließen fördert Geschicklichkeit.

  • Bänder, Schnüre und Kordeln: können verknotet, geflochten oder um Führringe gewickelt werden.

  • Kletten- und Klickverschlüsse: ähnlich wie beim Anziehen üben.

  • Taschen und Schlaufen: zum Fühlen oder Einstecken von Kleinteilen (z. B. Perlen, Steine, kleine Stofftiere).

  • Fransen, Pompons, Federn: regen die Berührungslust an (achten Sie hier auf gute Befestigung).

  • Holz- oder Kunststoffringe: zum Drehen oder Festhalten (wie in [25]).

Alle Elemente müssen festsitzend und ungefährlich sein: Es dürfen keine scharfen Kanten oder ablösbaren Kleinteile vorhanden sein. Wie die Expertin Katharina Salomon rät: Besser auf echte Knöpfe verzichten, da sie abreißen könnten. Stattdessen können Sicherheits-Knöpfe oder angenähte Stoffblumen als Zier dienen. Karabinerhaken und Schnallen aus Kleidung bieten interessante Klickmechanismen ohne Verletzungsgefahr. Vorsicht bei allem, was sich um Gliedmaßen wickeln oder eingeatmet werden könnte. Alle Nähte sollten mit doppeltem Faden durchgeführt und mehrfach gesichert sein.

Herstellung: Die Patchwork-Decke entsteht, indem man einzelne Quadrate aufeinander näht (am einfachsten reihenweise aneinander). Eine bewährte Variante: das „Top“ (Vorderseite) vollständig zusammennähen und anschließend eine Rückseite aus einem Stück weichen Stoff (z. B. Fleece oder Baumwolltuch) auflegen. Dabei legt man Vorder- und Rückseite rechts auf rechts aufeinander, lässt eine Wendeöffnung von ca. 10 cm, näht alle Ränder zusammen, stülpt die Decke durch die Öffnung und schließt dann diese Naht. Alternativ kann eine farblich passende Einfassung (Bindeband) das „Top“ umfassen. Kein Innenfutter verwenden – eine reine Stoffdecke ist leichter und zu warmen. Nach dem Wenden wird der Rand von außen knapp abgesteppt.

Anschließend können an Rück- und Vorderseite Nähfäden als zusätzliche Fühlelemente eingesetzt werden: Man zieht Fäden von der Rückseite her durch die Decke und knotet sie auf der Oberseite. Diese frei hängenden Fäden bieten weiteres Spiel für die Finger. Auch praktische Extras wie eine eingenähte Tasche für Erinnerungsgegenstände sind möglich.

Gestaltungstipps: Je individueller die Decke, desto eher spricht sie den Nutzer an. Lieblingsfarben, Hobbymotive oder Stoffe aus dem Besitz der Person (z. B. ein Stück alter Schürze) steigern die Identifikation. Vermeiden Sie zu grelle Farben oder zu viele gleiche Reize nebeneinander – sonst kann die Decke überfordern. In der Praxis hat sich gezeigt, dass ein ausgewogenes Design mit Themen (etwa rot-weiß Karos für etwas Nostalgisches oder maritime Streifen für Seefans) ideal ist.

Bezugsmöglichkeiten: Wer nicht selbst nähen kann, findet Nesteldecken auch fertig in Fachgeschäften oder Online-Shops (z. B. nesteldecken.de, pflege-shop.at, Reviva u. a.). Dort gibt es verschiedene Größen und Themen. Achten Sie beim Kauf auf CE-Kennzeichnung und Waschbarkeit. Alternativ bieten auch einige ehrenamtliche Initiativen kostenlose Decken für Heime an (z. B. Nähgruppen in Kirchengemeinden oder Vereinen). Nestelkissen, -schürzen oder -muffs sind kleinere Varianten, die nach demselben Prinzip arbeiten und besonders für sitzende Menschen geeignet sind.

Lagerung und Pflege: Nesteldecken sollten trocken und sauber gelagert werden, um Milben und Schimmel zu vermeiden. Zwischen Einsätzen kann man sie zusammenrollen oder flach ablegen. Je nach Nutzungshäufigkeit reinigt man die Decke etwa monatlich oder bei Verschmutzung. Viele Hersteller empfehlen die Maschinenwäsche bei 30–40 °C im Schonprogramm – idealerweise in einem Wäschesack, um lose Teile nicht zu verlieren. Ein Vollwaschgang mit Handwäsche-Einstellungen oder Feinwaschmittel schont die Materialien. Nach dem Waschen wird die Decke luftgetrocknet, nicht in den Trockner gegeben (damit Plastikteile oder Applikationen nicht beschädigt werden). Ein gelegentliches Abwischen mit Wasser/Neutralreiniger ist bei leichter Verschmutzung ebenfalls möglich.

Sicherheitshinweise: Kontrollieren Sie die Decke regelmäßig auf abstehende Fäden, lose Teile oder Schäden. Lockern sich Bänder, müssen sie nachgenäht werden. Bei defekten Elementen ist sofortige Reparatur oder Entfernen angezeigt. Legen Sie die Decke nie auf das Gesicht (Erstickungsgefahr) und beaufsichtigen Sie stets Menschen, die noch stark räumlich desorientiert sind.

Umsetzung in der Praxis

Nesteldecken lassen sich flexibel in den Betreuungsalltag integrieren – einzeln oder in der Gruppe, zuhause oder im Heim:

  • Einzelbetreuung: Gerade bei Unruhezuständen (z. B. vor dem Essen, nach Medikamentengabe oder vor dem Schlafen) legt man die Decke auf den Schoß oder das Bett. Die Pflegekraft kann demder Bewohnerin behutsam einige Elemente zeigen und zum Erkunden anregen. Oft reicht dies, um angespanntes Verhalten zu mildern. Auch im Sitzen in der Tagespflege kann die Decke demenzkranken Menschen angeboten werden (z. B. während einer Gesprächsrunde als Anschauungsmaterial oder als Beschäftigung zwischendurch).

  • Gruppenaktivitäten: In der Gruppe kann man Nesteldecken als gemeinsames Thema nutzen. Beispielsweise hält die Betreuungskraft die Decke hoch und fragt, welche Gegenstände die Anwesenden erkennen oder welche Farbe ihnen gefällt (biografisches Erzählen). Anschließend können Bewohnerinnen einzeln oder reihum ein Stück der Decke kurz in die Hand nehmen. Dabei erzählen Betreuende oft Geschichten („Früher habe ich als Kind gern im Wald gespielt, da erinnern mich diese Karomuster daran…“), was Erinnerungen weckt. Anschließend erfahren die Teilnehmenden, dass auch sie später „eins mit nach Hause nehmen dürfen“. So wird das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und jeder fühlt sich beteiligt.

  • Bettlägerige Menschen: Für Betten bietet sich eine längliche Version der Nesteldecke an, die über die Knie reicht. Betroffene, die nicht mehr aufstehen können, nehmen das Fühlen auf der Decke wahr und bewegen die Hände darin. Die Decke ersetzt hier den Körperkontakt oder das Streicheln. Erziehend ist die Beobachtung, dass selbst hochgradig bewegungs­gehemmte Menschen oft schon allein durch das Berühren ein Lächeln zeigen. Studien zeigen, dass das Gefühl, zugedeckt zu sein, ohnehin beruhigend wirkt. Nesteldecken machen dies quasi zur Aktivität und fördern das Wohlbefinden im Bett.

  • Biografie­arbeit: Gerade in Alltagsgesprächen und Pflegeberichten kann die Nesteldecke als Türöffner dienen. Eine Betreuungskraft schilderte, wie eine Bewohnerin durch den vertrauten Apfel-Stoff an ihre Kindheit auf dem Land erinnert wurde, worauf sie ausführlich berichtete. Solche Erlebnisse bestätigen, dass Decken, die gezielt Biografie-Elemente enthalten (z. B. ein Foto in einer Tasche oder das Kleidermuster eines verstorbenen Angehörigen), starken emotionalen Halt geben. Angehörige werden oft einbezogen: Sie können eigene Materialien beitragen (alte Kochschürze, bestickte Serviette) und so die Bindung an die Decke erhöhen.

Praxisberichte: Pflegende und Ehrenamtliche berichten, dass Nesteldecken von den Bewohner*innen meist sehr gern angenommen werden. In der Praxis erlebte eine Pflegefachkraft, dass ein anfangs zurückhaltender Heimbewohner „durch die Nesteldecke lebendig wurde“ – er begann mit ruhiger Stimme, dem Deckenmotiv entsprechend, über seine Jugend zu erzählen. Solche Einzelerfolge sind typisch: Der repetitive Beschäftigungsreiz gibt den Menschen eine Aufgabe, die sie als Erfolg (z. B. ein geöffnetes Reißverschluss-Fach) erleben können. Da Nesteldecken in erster Linie nonverbal wirken, sind sie auch für Demenzerkrankte mit Sprachverlust sehr gut geeignet.

Einbindung im Pflegealltag: In vielen Einrichtungen gehört die Nesteldecke mittlerweile zum Standard-Inventar im Beschäftigungsraum oder als Teil des „Aktivierungsrucksacks“. Pflegende integrieren sie in den Tagesablauf, etwa als Teil von Beschäftigungskoffern oder nach dem Mittagessen zur Entspannung. Auch in Erinnerungswerkstätten („Reminiscence Sessions“) dienen sie als Anschauungsmaterial. Wichtig ist, dass die Anwendung stets wohlwollend begleitet wird: Betreuende sollten ermutigen, loben und geduldig auf Vorlieben eingehen. Manche Heime verzeichnen, dass bereits Kleingruppenstunden mit mehreren Nesteldecken gleichzeitig möglich sind – jede Person erhält eine eigene Decke, und die Gruppe tauscht sich über die Entdeckungen aus.

Erfahrungsberichte von Angehörigen: Viele Familien von Demenzkranken geben an, dass die Nesteldecke auch zu Hause eine wichtige Rolle spielt. Sie berichten beispielsweise, dass die Eltern oft eigenständig zur Decke greifen und sich damit beruhigen, wenn Verunsicherung auftritt (z. B. bei fremder Geräuschkulisse). Einige Angehörige nähen inzwischen zweiteilige Decken (Fühl- und Wärmendecke), um Kopfschlägen durch Kälte vorzubeugen. Insgesamt bestätigen sie, dass Nesteldecken trotz einfacher Bauweise hohe Akzeptanz genießen: „Sie wurde jede Nacht mit ins Bett genommen“, erzählt eine Enkelin über ihre Großmutter, „ohne sie konnte Oma schlecht einschlafen“.

Zusammenfassung: In der Praxis erweisen sich Nesteldecken als flexible Hilfsmittel, die in Einzel- und Gruppenangeboten einsetzbar sind. Ihre besondere Stärke liegt im Verbindung von Aktivität und Beruhigung: Sie geben demenziell veränderten Menschen das Gefühl, beschäftigt und gleichzeitig geborgen zu sein. Pflegekräfte, die Nesteldecken anwenden, berichten übereinstimmend von einer spürbaren Verbesserung des Alltagsklimas – weniger Unruhe, weniger Umherlaufen und mehr Wohlbefinden.

Aktivierungen mit der Nesteldecke

Nesteldecken sind speziell gestaltete, oft handgefertigte Decken für Menschen mit Demenz. Sie bestehen aus Patchwork von Stoffen mit verschiedenen Oberflächen (Baumwolle, Fleece, Cord, Samt, Leder usw.) und sind mit zahlreichen Fühlelementen versehen. Knöpfe, Reißverschlüsse, Bänder, Schleifen und kleine Taschen laden zum Tasten, Greifen und Fühlen ein. Gerade in fortgeschrittener Demenz geben Nesteldecken den unruhigen Händen eine sinnvolle Beschäftigung, wirken beruhigend und steigern das Wohlbefinden. Die Bewohnerinnen und Bewohner greifen oft intuitiv zur Decke, legen sie sich über den Körper oder halten sie im Schoß, um taktile Reize zu erhalten.

Pflegekräften und Ergotherapeutinnen berichten: Schon das Gefühl, behütet zugedeckt zu sein, wirkt tröstlich. Zugleich stimulieren die unterschiedlichen Texturen und Materialien die Wahrnehmung und können vertraute Erinnerungen wecken. So erzählt eine Näh- und Pflegekraft von einem Mann, dessen Frau früher oft ihre Kleider aufriss – seit sie eine Nesteldecke bekam, beschäftigt sie sich stattdessen friedlich mit deren bunten Elementen. Angehörige und Betreuende berichten vielfach, dass das Nesteln mit der Decke dazu führt, dass die Person ruhiger wird und sich entspannt. Gleichzeitig kann die gemeinsame Beschäftigung mit der Decke, etwa beim Erzählen von Geschichten zu den Elementen, Teil der Biografiearbeit sein und Gespräche über frühere Erlebnisse anregenmal-alt-werden.demama-im-laendle.de.

Taktile und feinmotorische Übungen

Knöpfe auf- und zuknöpfen

Material: Eine Nesteldecke oder ein Polster mit eingenähten Knöpfen in unterschiedlicher Größe und Farbe. Alternativ: ein altes Hemd mit Knopfleiste oder angenähte Stoffquadrate mit Knöpfen.

Umsetzung: Zeigen Sie der betroffenen Person, wie sie einen Knopf durch die vorgesehene Öffnung (Knopfloch) ziehen kann. Nehmen Sie sich dafür viel Zeit und führen Sie die Hand sanft. Ermutigen Sie sie anschließend, selbst Knöpfe an- und abzuknöpfen. Arbeiten Sie zunächst mit wenigen Knöpfen, um Überforderung zu vermeiden. Sie können die Aufgabe steigern, indem Sie unterschiedliche Stoffe (weich wie Fleece oder fester wie Jeansstoff) verwenden oder überdimensionale Knöpfe nehmen. Alternativ kann man an der Decke eine Reihe von Knöpfen anbringen und den Bewohner ermutigen, nacheinander alle zu schließen bzw. zu öffnen.

Praxisbeispiel: In einer Einzelbetreuung lobt die Pflegekraft bei jeder erfolgreich zugeknöpften Knopfleiste: „Gut gemacht! Sie schaffen das sehr gut!“ So erlebt die Person Erfolgserlebnisse. In einer kleinen Gruppe können alle am Tisch oder im Sitzkreis mit jeweils einer eigenen Knopfleiste arbeiten und sich gegenseitig ermuntern. Einige freuen sich über das gemeinsame Klappern der Knöpfe und das rhythmische Auf- und Zuknöpfen.

Reißverschlüsse öffnen und schließen

Material: Nesteldecke oder Kissen mit angenähten Reißverschlüssen, z.B. farbiges Reißverschlussband oder eine alte Jeans-Hosentasche mit Reißverschluss.

Umsetzung: Bitten Sie die Person, den Zipper (Schieber) eines Reißverschlusses zu fassen. Halten Sie gegebenenfalls die Stoffbahnen an den Seiten fest, um ein flutschiges Wegziehen zu vermeiden. Demonstrieren Sie zuerst das Öffnen, dann das Schließen mehrmals in Zeitlupe. Ermuntern Sie die Betroffene, es selbst zu versuchen. Achten Sie darauf, dass beide Stoffseiten gerade ausgerichtet bleiben, damit der Reißverschluss ohne Hängenbleiben läuft. Für geschicktere Finger kann ein längerer Reißverschluss an der Bettdecke mehr Herausforderung bieten, ansonsten genügt ein kurzes Reißverschlussfeld.

Praxisbeispiel: Bei einer Bewohnerin in fortgeschrittener Demenz klappt das Öffnen eines Reißverschlusses auf Anhieb; sie beginnt, den Zipper immer wieder hoch- und runterzuziehen. Die Pflegekraft nutzt diesen Moment, um über beim Nähen helfen aus ihrer Vergangenheit zu sprechen. So gewinnt die Übung eine biografische Komponente. In einem Betreuungs-Kreis werden kleine Stoffbeutel verteilt, deren Reißverschlüsse die Teilnehmenden schließen. Gemeinsam zählen sie mit: „Eins, zwei, drei – zu!“. Das fördert das Gruppengefühl und motiviert zur Teilnahme.

Klettverschlüsse oder Druckknöpfe betätigen

Material: Decke oder Kissen mit aufgenähten Klettverschlüssen (Flausch- und Hackenband) oder mit Druckknopfverschlüssen (zwei Hälften). Beispiel: Eine ausrangierte Kleidung (Jacke, Tasche) mit Klettöffnung.

Umsetzung: Zeigen Sie zunächst die Aktion, indem Sie Klettverschluss auseinanderziehen und wieder zusammendrücken. Lassen Sie die Person den Vorgang selbst einleiten. Druckknöpfe können ähnlich geübt werden: zunächst zusammendrücken, dann wieder loslassen. Arbeiten Sie mit wenigen Verschlüssen und steigern die Anzahl nur behutsam. Besonders beruhigend ist der hör- und fühlbare Widerstand beim Schließen. Da diese Elemente einfacher zu handhaben sind als kleine Knöpfe, eignen sie sich auch für Menschen mit stärker eingeschränkter Feinmotorik.

Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin mit zitternden Händen findet viel Freude daran, die weichen Klettstreifen ihrer Nesteldecke mehrfach aneinanderzubefestigen und zu lösen. Dabei entwickelt sie eine rhythmische Bewegung, die sie sichtbar beruhigt. Die Pflegende kommentiert: „Hört, wie es klickt – wie früher beim Basteln!“. Dies regt Erinnerung an frühere Bastel- oder Näharbeiten an. In der Gruppe ermuntert die Betreuungsperson alle Teilnehmenden, eigene Jacken oder Hemden mit Klettdetails mitzubringen und sich gegenseitig beim Anbringen der Klettstreifen zu helfen, sodass auch soziale Interaktion gefördert wird.

Bänder und Schnüre knoten oder flechten

Material: Nesteldecke mit eingearbeiteten Stoffbändern, Schnüren oder Zopfbändern. Auch Schnürsenkel oder Schals mit Endkappen bieten sich an.

Umsetzung: Demonstrieren Sie, wie man ein Band zu einer Schleife bindet oder zwei Schnüre verflechten kann. Beginnen Sie mit einfachen Knoten oder einer Schlaufe. Führen Sie der Person die Hände vor, um das Bewegungsmuster zu verdeutlichen. Sind mehrere Bänder vorhanden, kann man diese zu Zöpfen zusammenbinden (wie Zöpfe flechten). Häufig mögen Betroffene das An- und Abwickeln von Schnüren – z. B. herumwickeln um Daumen und Finger – da dies ein greifbares Erfolgserlebnis liefert. Bleiben Sie behutsam bei der Begleitung, und lassen Sie Zeit für Wiederholungen.

Praxisbeispiel: Ein Bewohner mit mittlerer Demenz bindet stolz eine Schleife in ein Tischbandmuster, während ihn sein Pflegeassistent anfangs angeleitet hat. Die Pflegende sagt: „Schau mal, wie schön du das machst!“. Später fragt er: „Wie macht man denn noch mal so einen Knoten?“ und wird so wieder in ein Alltagsgespräch über das Binden von Schuhen oder Verpackungsknoten einbezogen. In einer Kleingruppe üben mehrere Personen, bunte Stoffstreifen zu flechten. Die Gruppe stellt fest, dass viele früher gerne mit Stickgarne oder Bänder gebastelt haben, was wertvolle Erinnerungen aktiviert.

Perlen- oder Knopfketten auffädeln

Material: Einfache große Holzperlen oder -knöpfe sowie stabiles Schnurmaterial (z.B. Lederband, dicke Schnur). Eine Nesteldecke kann als Unterlage dienen.

Umsetzung: Zeigen Sie der Person, wie sie eine Schnur durch das Loch einer Perle oder eines großen Knopfs führt. Beginnen Sie mit breiten oder mittleren Schnüren und übersichtlichen Löchern, damit es nicht frustriert. Halten Sie jeweils das Schnurende und die Perle nahe beieinander, um ein Verdrehen zu vermeiden. Ziel ist es, eine Kette aus mehreren Perlen zu schaffen. Wiederholen Sie den Vorgang so oft die Person möchte. Diese Übung fördert die Hand-Auge-Koordination und Feinmotorik.

Praxisbeispiel: Eine Dame mit Alzheimer schiebt begeistert bunte Holzperlen auf eine Kordel und zählt dabei leise mit. Sie erinnert sich an das Basteln früherer Jahre. Die Betreuungskraft fragt nach, welche Farbe sie wählen möchte, und lobt jede aufgezogene Perle. In einer Gruppenaktivität befindet sich ein Perlen-Nachfüllkorb in der Mitte – wer seine Kette beendet hat, nimmt sich Nachschub. Dieses gemeinsame Basteln führt zu Gesprächen über Armbänder und Ketten aus jungen Jahren.

Schnürsenkel binden

Material: Ein großes Holzbrett oder eine Nesteldecke mit aufgenähtem Schuhmodell (z.B. eine Stoffschuh-Applikation mit Schnürsenkeln) oder ein einfacher Schuh zum Üben.

Umsetzung: Bitten Sie die Person, wie früher die Schnürsenkel eines Schuhs zu kreuzen und einen Bogen zu formen. Viele Menschen mit Demenz erinnern sich an das Prinzip, auch wenn sie es nicht mehr vollständig umsetzen können. Gehen Sie schrittweise vor: zunächst das Überkreuzen, dann die Schlaufe(n). Helfen Sie, indem Sie den Schnürsenkel führen und ermutigen Sie zum Anfassen. Halten Sie das Tempo langsam, damit es nicht überfordert. Wenn das Binden selbst schwierig ist, reichen oft schon Wiederholungen der ersten Schritte (kreuzen, in die Löcher fädeln).

Praxisbeispiel: Ein Bewohner setzt sich konzentriert eine Schuhschablone vor sich. Die Ergotherapeutin führt seine Hand an die Schnürsenkel. Unter ihrer Anleitung gelingt es ihm, die Schnüre zu kreuzen. Er lächelt stolz und meint, es erinnere ihn an das „Schnürsenkelschleifenbinden“, das er als Kind geübt hat. In Einzelbetreuung kann sich dies zu einem entspannten Moment entwickeln: häufig macht die Person diese Bewegungen mit eigener Initiative weiter, selbst wenn das Ergebnis lockerer ist.

Gürtelschnallen und Verschlüsse üben

Material: Auf der Decke eingenähte Metall- oder Kunststoffschnallen (wie bei Hosen- oder Gürtelverschlüssen). Alternativ: ein alter Ledergürtel mit Schnalle oder ein Hosengürtel auf einem Kissen.

Umsetzung: Zeigen Sie, wie man die Schnalle öffnet und schließt: Gurt durch das Schnallenloch führen und falten. Helfen Sie der Person bei der ersten Aktion, indem Sie ihre Hand leiten. Für viele Betroffene hat das An- und Abschließen einer Schnalle (z.B. von Hosenbund oder Hemdkragen) Routinecharakter. Sie können hier ansetzen, indem Sie das Prinzip an vertrauten Handgriffen anleiten. Lassen Sie danach selbst üben, auch mehrfach hintereinander.

Praxisbeispiel: Eine Seniorin, die früher viel handwerklich gearbeitet hat, wiederholt fleißig das Öffnen und Schließen einer Lederschnalle an der Nesteldecke. Sie summt dabei einen alten Schlager, den sie früher immer beim Anziehen in der Werkstatt gesungen hat. Die Pflegende nutzt den Moment, um mit ihr über Gürtel oder Schuhe zu sprechen. Dabei kommt zum Vorschein, dass das Koppeln von Gürteln bei ihr ein positives Gefühl von Selbstständigkeit weckt.

Stoffriemen verflechten

Material: Mehrere Streifen oder Bänder aus Stoff, Leder oder robustem Garn, die fest angenäht oder lose auf einer Unterlage arrangiert sind. Z.B. drei lange Stoffstreifen an einer Deckenhälfte.

Umsetzung: Erklären Sie, wie man drei oder mehr Fäden zu einem Zopf (einer Kordel) verflicht. Zeigen Sie, indem Sie die einzelnen Schritte langsam vorführen (linker Strang über Mitte, rechter über Mitte etc.). Führen Sie bei Bedarf die Hand der Person an die Fäden. Beginnen Sie mit kurzen Flechtstreifen, um Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Flechten ist eine sich wiederholende rhythmische Bewegung, die viele als beruhigend empfinden.

Praxisbeispiel: Eine beinamputierte Bewohnerin flechtet nach Anleitung begeistert bunte Stoffstreifen. Da ihre Mobilität eingeschränkt ist, kann sie sich allein im Bett oder Rollstuhl auf diese ruhige Tätigkeit konzentrieren. Sie grinst zufrieden über ihre Fortschritte. Die Pflegekraft bemerkt, dass auch andere Kolleginnen neugierig zuschauen, und regt an, bei einem Aktivitätstreff ebenfalls gemeinsam Stoffstreifen zu flechten – was beim nächsten Mal tatsächlich Anklang findet.

Kleine Taschen oder Klappen erkunden

Material: Nesteldecke mit eingenähten Taschen, Klappen oder Netzen. Darin können kleine Gegenstände wie Stofftiere, Schlüsselattrappen oder Würfel versteckt werden.

Umsetzung: Zeigen Sie zunächst, wie man eine Klappe oder Tasche öffnet – etwa durch Umschlagen eines Stoffteils oder Öffnen eines Klettverschlusses. Lassen Sie die Person hineingreifen und den darin liegenden Gegenstand ertasten und herausnehmen. Variieren Sie die Gegenstände: groß, klein, hart, weich. Ziel ist nicht das Erraten, sondern das selbständige Ertasten und Herausziehen. Solche „Schatzkisten“-Elemente machen aus der Tätigkeit oft ein kleines Spiel. Beobachten Sie, welche Gegenstände bevorzugt werden, und besprechen Sie diese.

Praxisbeispiel: In einer Einzelaktivierung findet eine Bewohnerin immer wieder Freude daran, in die Innentasche der Decke zu greifen. Dort steckt eine kleine Dose. Sie murmelt: „Früher hab ich immer Marzipan reingelegt.“ Beim Öffnen stellt sie fest, dass anstelle von Süßem diesmal bunte Holzperlen drin sind. Sie lässt sie durch die Finger gleiten, sortiert sie nach Farben und staunt über die verschiedenen Formen. Die begleitende Pflegekraft lobt ihr Geschick und fragt, wozu solche Perlen früher im Leben wichtig waren – die Bewohnerin beginnt zu erzählen, dass sie als Kind Perlen zum Spielen hatte. So entsteht eine anregende Erinnerung.

Beruhigende Sinneserfahrungen

Verschiedene Stoffflächen streicheln

Material: Nesteldecke mit kontrastierenden Texturen (z.B. weicher Fleece neben rauem Jeansstoff oder Cord). Alternativ: verschiedene Stoffmuster zum Fühlen bereitlegen.

Umsetzung: Fordern Sie die Person auf, mit den Handflächen über die einzelnen Texturen zu streichen. Wiederholen Sie dies ruhig und langsam. Fragen Sie nach dem Gefühl: Ist der Stoff warm oder kalt? Rau oder weich? Dieser bewusste Fokus auf taktile Reize hat eine meditative, beruhigende Wirkung. Es kann die Aufmerksamkeit bündeln und Unruhe reduzieren. Sie können anbieten, dass die Augen geschlossen werden, um sich voll auf die Berührung zu konzentrieren. Gehen Sie in angenehmem Tempo vor und loben Sie jedes erfühlte Detail.

Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin, die sehr unruhig war, legt sich die Decke über die Schultern und beginnt, das weiche Fleece sanft über den Oberarm zu streichen. Sie schließt die Augen. Nach einigen Minuten scheint sie tief entspannt zu sein. Später erzählt sie, es erinnere sie an ihre alte Wolldecke zu Hause. In Einzelbetreuung wird diese Ruhe als positives Signal gewertet; eventuell lässt man sie dabei einfach weiter streicheln oder ergänzt weitere Stoffe. In der Gruppe können alle ihre Hände auf die eigene Decke legen und den Augenblick des Streichens gemeinsam spüren.

Sanfte Feder- oder Fell-Reize

Material: Ein weiches Federfederchen oder ein kleiner Plüschbesatz (z.B. Plüschbommeln, Nerzfellstreifen) an der Decke. Evtl. als Bortendekor oder als kleines Kissen.

Umsetzung: Streichen Sie vorsichtig mit der Feder über den Handrücken, Unterarm oder andere zugängliche Hautstellen der Person. Die flauschigen, leicht kribbelnden Reize können entspannend wirken – ähnlich einem leichten Windhauch. Achten Sie auf die Reaktion der Person: Manche Menschen mit Demenz genießen das sehr. Gegebenenfalls können Sie die Person anleiten, selbst mit der Feder über eigene Haut zu streichen oder über die verschiedenen Stoffflächen.

Praxisbeispiel: Ein älterer Herr mit Demenz legt lächelnd seine Hand auf den Tisch. Die Pflegekraft beginnt sanft, eine kleine Daunendecke über seine Hand gleiten zu lassen. Er lächelt. Später nimmt er selbst die Feder und lässt sie langsam über seinen Arm streichen, konzentriert auf das Kribbeln. Dieses ruhige Tun wiederholt er einige Male, bis er zur Ruhe kommt. Die Pflegekraft nutzt den Moment, um ein ruhiges Lied zu summen, was zusätzlich beruhigend wirkt.

Duftkissen fühlen und riechen

Material: Kleines Stoffsäckchen (z.B. Baumwolltuch oder Leinenbeutel) gefüllt mit getrocknetem Lavendel, Rosenblüten, Kaffee oder einem anderen vertrauten Duft (bitte auf Allergien achten). Dieses Säckchen wird in einer separaten Tasche der Nesteldecke oder in einem kleinen Körbchen angeboten.

Umsetzung: Lassen Sie die Person das Säckchen zunächst erfühlen und dann öffnen (z.B. Reißverschluss oder Klettverschluss). Ermuntern Sie, tief daran zu riechen. Bitten Sie sie zu beschreiben, was sie wahrnimmt: Erinnerungen und Assoziationen können sich öffnen. Danach kann das Säckchen von ihr wieder verschlossen werden, und das Streicheln des Stoffes kann die Entspannung vertiefen. Durch die vertrauten Düfte können Gefühle von Sicherheit und Geborgenheit entstehen.

Praxisbeispiel: Bei einer dementen Bewohnerin weckt der Duft von Lavendel Erinnerungen an das Gartenhäuschen ihrer Mutter. Sie berichtet lächelnd, dass sie früher Lavendelsäckchen gegen Motten ins Kleiderschrank gehängt habe. Anschließend knetet sie das Kissen vorsichtig, als wolle sie den Duft lange behalten. In der Gruppenbetreuung bringt ein anderes Teammitglied ein Säckchen mit frisch gemahlenem Kaffee: Die Runde schwelgt in Erinnerungen an gemeinsame Kaffeerunden in der Vergangenheit.

Hand- und Armmassage mit weichen Texturen

Material: Nesteldecke oder Tuch mit weichem Plüsch oder Frottee. Lotion oder Öl kann verwendet werden (ggf. vorher auf Hautverträglichkeit prüfen).

Umsetzung: Massieren Sie sanft die Handinnenflächen, Finger und Unterarme der Person auf dem weichen Gewebe. Die Kombination aus streichelndem Griff, wohliger Wärme der Haut und dem Führen über geschmeidige Stoffe ist sehr beruhigend. Sprechen Sie leise dabei. Sie können die Person anleiten, die Massage selbst fortzusetzen (z.B. die Fingerspitzen einzeln zu kneten). Dieser behutsame, langsame Kontakt lässt Muskelspannung nachlassen und wirkt entspannend.

Praxisbeispiel: In der Mittagsrunde legt die Pflegende nach dem Essen die Decke auf den Schoß einer Frau. Während diese sitzt, massiert die Pflegende mit sanften Fingerdrehungen und verwendet hierzu ihre freie Hand auf der Stoffdecke als Unterlage. Die Bewohnerin entspannt sich und sagt leise: „Das fühlt sich so angenehm an.“ Später greift sie selbst ihren Arm und ahmt die kreisenden Bewegungen nach, die sie von früheren Maniküre-Gängen kennt.

Biografiebezogene Aktivitäten

Fotos in Klarsicht-Taschen betrachten

Material: Transparente Kunststoffhüllen oder Filztaschen mit Fenstern, in die Fotos geschoben werden können. Die Hüllen sind fest an der Decke oder einem Rahmen befestigt. Beispielsweise alte Familienfotos, Kinderbilder, Ausflugsfotos.

Umsetzung: Die Person kann ein Foto aus der Tasche ziehen, berühren und anschauen. Fragen Sie ggf.: „Wer ist das auf dem Bild?“ und erzählen Sie kurze Anekdoten. Auch das Wiederhereinstecken ist motorisch leicht zu handhaben. Wechseln Sie die Fotos je nach Interesse: Bilder vom Heimatort, Haustieren oder Hobbys sind gut. Durch das greifbare Betrachten wird die Erinnerungsarbeit unterstützt.

Praxisbeispiel: In einer Einzelbetreuung zieht ein Mann vorsichtig ein Foto aus der transparenten Tasche. Es zeigt ihn als jungen Mann mit einem Fußball in der Hand. Die Betreuerin fragt: „Warst du früher Fußballer?“ Er nickt und beginnt, von seinem Lieblingsverein zu erzählen. Beim Anschauen weiterer Bilder wechselt er in eine heitere Stimmung. Später zeigt er stolz die Fotos auch einer Mitbewohnerin, was ein kurzes, soziales Gespräch anregt.

Erinnerungsbeutel ertasten

Material: Kleines Stofftäschchen (Nestelbeutel) mit persönlichen Gegenständen aus dem Alltag der Person: z.B. ein echter oder spielerischer Haustierschlüsselanhänger, eine Kleiderknopf, eine alte Münze oder ein kleiner Teddy (bei Männern z.B. ein Autoschlüsselattrappe, eine alte Taschenlampe).

Umsetzung: Die Person darf mit beiden Händen in die geschlossene Tasche fassen und einzelne Gegenstände ertasten. Fragen Sie nach, was sie fühlt: weich, kalt, eckig? Bitten Sie sie, zu erraten, was es sein könnte, und lassen Sie die Gegenstände hervorholen. Geben Sie jeweils das echte Objekt, sobald sie es benannt hat oder Sie das Thema erkennen. Diese Aktion fördert Sinnerwartung und Erinnerung: etwa an ein geliebtes Haustier, Hobby oder Alltagsritual.

Praxisbeispiel: Eine demenzkranke Bewohnerin greift in den Stoffbeutel und tippt einen kleinen Gegenstand. Sie spürt eine Münze. Nachdem sie gesagt hat „Katzenspielzeug?“, lässt die Betreuungskraft sie die alte 1-Mark-Münze in die Hand nehmen und erinnert sie an den letzten Wochenmarktbesuch. Sie lächelt beim Anblick der Münze und murmelt: „Ich liebe den Geruch nach Mandeln auf dem Weihnachtsmarkt.“ So öffnet sich eine Unterhaltung über frühere Markterlebnisse.

Duftkissen mit Alltagserinnerungen

Material: Stoffsäckchen oder kleine Kissen mit vertrauten Düften, z.B. frisch gemahlener Kaffee, Vanille, Haselnüsse, Pfefferminze. Diese Duftstoffe können in kleinen Stoffsäckchen (Duftsäckchen) fixiert werden.

Umsetzung: Legen Sie das Duftkissen nahe an Nase oder Hand der Person, ohne Zwang. Lassen Sie sie daran schnuppern und fragen Sie: „Was riechst du?“ Der Geruchssinn kann starke Erinnerungen auslösen (z. B. Lieblingsspeise, Orte). Nach dem Erkennen kann die Person das Säckchen streicheln oder auf die Decke legen. Wenn möglich, backen Sie danach gemeinsam einen Keks oder machen Kaffee, um den Geruch mit einer Tätigkeit zu verknüpfen.

Praxisbeispiel: Ein Betreuter riecht an Zimtsäckchen auf der Decke und hellt auf: „Meine Mutter hat früher Apfelkuchen mit Zimt gebacken.“ Daraufhin holen Pflegekräfte ein einfaches Apfelkuchenrezept hervor und besprechen es gemeinsam. Alle sitzen dabei im Stuhlkreis und befühlen das Zimtsäckchen, das dieses Gefühl verstärkt. Die Aktivität mündet in einem kleinen Backnachmittag in der Gemeinschaftsküche, wobei alle anrühren und riechen dürfen.

Fühl-Spiele mit Erinnerungsobjekten

Material: Die Nesteldecke oder eine Tischmatte kann als Unterlage für wenige, aber bekannte Gegenstände dienen: z.B. einen Stoff-Hut, ein kleines Modellauto, ein Schulbuch oder ein Gebetbuch. Legen Sie die Gegenstände auf die Decke.

Umsetzung: Bitten Sie die Person, die Augen zu schließen und einen Gegenstand mit der Hand zu ertasten. Lassen Sie sie dann öffnen und den Gegenstand benennen. Sprechen Sie gemeinsam über dessen Bedeutung: „Erinnerst du dich an solche Hüte?“ oder „Wo hast du so ein Auto früher gefahren?“ Solche Fühlspiele kombinieren taktile Stimulation mit biografischem Erinnern.

Praxisbeispiel: In der Runde ertastet eine Seniorin ein kleines Stofffläschchen. Nach dem Raten wird klar: es ist ein Parfumspender. Sie berichtet daraufhin, wie ihre Tante ihr früher Parfüm auflegte. Die Erinnerungsarbeit wird angeregt, und alle lauschen. Ein Gruppenmitglied, das gerne einfache Bewegungsspiele macht, nimmt daraufhin das Fläschchen und tropft imaginär „Duft“ in die Luft, was alle zum Schmunzeln bringt und das gemeinsame Erlebnis auflockert.

Kreative und künstlerische Angebote

Stoffmalerei mit Pinsel oder Schwamm

Material: Wassermalfarben oder Textilfarben, Pinsel oder Schwammapplikatoren. Ein Stück weißer Stoff (Baumwolle) kann auf die Nesteldecke gelegt oder - je nach Ausstattung - direkt Teil der Decke sein.

Umsetzung: Zeigen Sie, wie man mit dem Pinsel Farbe aufträgt. Lassen Sie die Person einfache Figuren oder Farbflecken auf den Stoff malen. Sie kann etwa dem Rot einer Äpfel erinnern oder einem blauen Himmel nachspüren. Achtung: dünne Textil- oder Aquarellfarben verringern das Verwischen; bei Unsicherheit lieber schon getrocknete Farbtafeln zum Abreiben verwenden. Jede kreative Geste zählt hier – nicht das perfekte Ergebnis. Belohnen Sie mit Lob und freuen Sie sich über unerwartete Formen, die entstehen.

Praxisbeispiel: Eine Dame, die früher gerne gezeichnet hat, malt mit Wattestäbchen rot-grüne Punkte auf ein Tuch. Sie summt dabei fröhlich ein Volkslied. Später sagt sie: „Das sieht ja aus wie Kirschen!“. Daraufhin bindet die Pflegende an einer Ecke des Stoffes einen kleinen Stoffstiel, sodass ein Apfelmotiv entsteht. Die Gruppe kleidet sich spielerisch ein, indem jede* ein eigenes „Apfelstück“ bekommt und damit im Kreis winkt. Alle zeigen begeistert ihre Ergebnisse.

Sticken oder Garnaufnähen

Material: Großer Stickrahmen (z.B. aus Holz) mit Filzstoff, dickes Stickgarn oder Wolle, große Sticknadel (nicht spitz). Alternativ kann eine portionierte Decke mehrere Stickmuster vorzeichnen (vorgebundene Fäden).

Umsetzung: Führen Sie die Person an die Technik des einfachen Durch- und Auf-stickens heran. Ein gemeinsames, aufgestelltes Motiv kann sein: Bunte Punkte oder eine Linie, entlang derer man fädelnd arbeitet. Anfangs kann sie jeweils eine Stiche machen (vielleicht nur gerade oder „Knötchen“ mit Wolle). Jede eingefädelte Masche erzeugt ein kleines Erfolgserlebnis. Helfen Sie, die Spannung des Garns zu halten, und achten Sie auf einen festen Griff, damit der Faden nicht durchrutscht.

Praxisbeispiel: Ein Bewohner erlernt nach anfänglicher Schüchternheit das Sticken in einer Demonstration. Mit großer Geduld stickt er eine Reihe weißer und roter Kreuzchen auf das Filzbild. Er erinnert sich an seine Großmutter, die früher bestickte Deckchen anfertigte. Die Sitznachbarin lobt jeden Stich. Später zieht sich dieser Effekt fort: Beim Rundgang zeigt er stolz sein Filzbild, was ein Lob vom Pflegepersonal auslöst und seine Zufriedenheit steigert.

Stoffcollagen gestalten

Material: Verschiedene Stoffreste (Baumwolle, Samt, Spitze), Filzstücke, Knöpfe, Bänder, nicht permanent klebender Stoffkleber oder Nadel & Faden (je nach Fähigkeit). Eine Unterlage kann die Nesteldecke selbst sein oder ein weiteres Stoffstück, auf das aufgeklebt/aufgenäht wird.

Umsetzung: Ermutigen Sie die Person, Stoffflicken und kleine Objekte auf einer Fläche anzuordnen und zu befestigen. Beispiel: Eine Fläche mit aufgenähten Blumen oder Tieren, die aus Filz ausgeschnitten sind. Arbeitsschritte können sein: Flicken auswählen und auflegen, festkleben oder -stecken (für späteres Nähen). Besprechen Sie währenddessen Farben und Formen. Diese künstlerische Tätigkeit erlaubt viel Freiheit und Kreativität – es gibt kein „falsch“. Unterstützen Sie nur, wenn sie Hilfe anfordert oder der Flicken verrutscht.

Praxisbeispiel: Eine Seniorin, die früher als Schneiderin gearbeitet hat, näht konzentriert bunte Kreise aus Filz auf ein Stoffbild. Ein junger Betreuer fragt neugierig, welche Farben sie wählt. Sie lächelt und erzählt, dass Blau immer für sie etwas Beruhigendes hat. Später hängt sie ihre Collage im Wohnbereich auf, und die Gruppe bewundert das Ergebnis. Es ergibt sich ein Gespräch darüber, welche Muster und Farben die anderen wählen würden – ein schöner sozialer Moment.

Freundschaftsarmbänder knüpfen

Material: Mehrfarbiges Makramee-Garn oder dicke Baumwollfäden, eventuell mit kleinen Perlen. Die Finger allein reichen hier zur Aktivität aus, evtl. kann ein Helfer den Faden halten.

Umsetzung: Zeigen Sie die Anfangs-Verschlingung von zwei Fäden zu einem einfachen Knoten und dann zu einem Zopf. Helfen Sie, wenn nötig. Danach führt die Person die Knoten selbstständig weiter, um ein kurzes Band herzustellen. Für Menschen mit starken Einschränkungen kann es ausreichend sein, die Fäden zusammenzuhalten und kraus zu kneten – der Anleitung folgen ist dabei der Aktivitätskern.

Praxisbeispiel: Ein Heimbewohner mit Parkinson versucht sich am Makramee-Knoten. Anfangs braucht er viel Unterstützung, doch nach einigem Üben klappts besser. Er stellt fest: „Damit habe ich als Junge Schranken aufgehängt!“ Seine Aussage eröffnet eine Anekdote über Draht und Holzarbeiten früher. Das Armband trägt er stolz als Armband, weshalb die Pflegende ihm bei jeder Bewegung vorsichtig den Arm streichelt: „Du hast etwas Schönes selbst gemacht.“

Stoffpuppen oder -tiere basteln

Material: Vorgefertigte Stoff-Tierformen oder gestickte Handpuppen mit Klettverschlüssen, Filzreste, Füllwatte. Alternativ: Papiervorlagen oder Stoffflicken, die die Person auf der Decke zusammenlegen kann.

Umsetzung: Helfen Sie beim Zusammennähen oder Zusammenstecken von Stoffteilen, damit sich eine Tier- oder Puppengestalt ergibt. Lassen Sie – je nach Fähigkeit – das Dekorieren dieser Figuren zu: Augen (Knopfaugen), Nase (Stoffwurm), Schwanz (Knäuel). Erläutern Sie Geschichten oder Klänge, die zur Figur passen (z.B. Tierstimmen nachmachen).

Praxisbeispiel: In einer Beschäftigungsrunde entsteht eine kleine Stoffente. Eine Bewohnerin freut sich über das Flügelschlagen der fertigen Figur und imitiert ein quakendes Geräusch. Das Anfassen der glatten Stoffoberfläche und das Faltenspiel (Flügel ausbreiten/falten) wird zu einem kleinen Spiel. Anschließend erzählt sie, dass sie als Kind oft Enten im Teich gefüttert habe. Die Gruppe nickt mit und lacht, als eine andere Bewohnerin kommentiert: „Und sie hat sie wohl nie gefüttert, sondern nur geschaukelt!“.

Grußkarten aus Stoff gestalten

Material: Vorgeschnittene Karton- oder Filz-Vorlagen zum Aufkleben oder Annähen, bunte Stoffreste, Knöpfe, Federn. Nicht permanent haftender Bastelkleber kann helfen.

Umsetzung: Ermuntern Sie die Person, Stoffstreifen oder -stücke auf eine Klappkarte oder ein Filzbild zu kleben bzw. annähen. Dies kann ein einfaches Muster oder ein abstraktes Bild ergeben. Jedes Element dient als taktile Reizquelle (Struktur des Stoffes, Gewicht der Knöpfe). Helfen Sie beim Schneiden oder Platzieren nur, wenn nötig. Währenddessen können Sie über das Motiv sprechen („Möchtest du Herbstblätter oder Blumen machen?“).

Praxisbeispiel: Eine Seniorin, die früher Blumen stricken mochte, klebt bunte Stofflappen in Blütenform auf eine Grußkarte für den nächsten Geburtstag in der Wohngruppe. Das Hineinschmelzen der Finger in den farbigen Filz fühlt sich für sie vertraut an. Später schreibt sie mit Hilfe den Namen der Beschenkten in Druckbuchstaben. Bei der Übergabe der Karte strahlt sie: Ihr gelingt es, eine kleine Botschaft zu vermitteln, was ihr Selbstwertgefühl stärkt.

Musikalische Aktivitäten

Rasseln und Glöckchen nutzen

Material: Kleine Schellen, Glöckchen oder mit Bohnen gefüllte Stoffrasseln, die sicher an der Nesteldecke befestigt oder in die Hände gegeben werden können.

Umsetzung: Regen Sie an, die Rasseln oder Glöckchen zu schütteln oder zu streichen. Dabei können Sie einfache Lieder oder Schlagworte wie „Tamtam, Tamtam!“ singen. Das rhythmische Klirren gibt Sinnesreize und kann handliche Beschäftigung sein. Hilfestellung: Halten Sie die Rasseln, bis die Person den Ablauf verstanden hat. Auch gemeinsames Musizieren (z.B. alle an der Tischkante mit Rasseln trommeln) ist möglich.

Praxisbeispiel: Beim Mittagessen bringt die Betreuungskraft ein kleines Glöckchen mit und klingelt dazu. Ein Resident klatscht spontan im Takt mit. Später bekommt er das Glöckchen selbst in die Hand und läutet zu den Liedzeilen „Alle Vögel sind schon da“. Sein Gesicht zeigt dabei Freude. Eine ältere Dame übernimmt das Weiterschaukeln der Böhnertaschen-Rassel – die Gruppe begleitet sie im Gesang. Die Musik verbindet alle Beteiligten für kurze Zeit.

Lieder mit Bewegungen singen

Material: Nesteldecke oder ein großes Tuch, das als „Schal“ oder „Band“ verwendet wird. Wird z.B. bei Bewegungsliedern mitgeführt. Keine zusätzliche Anschaffung nötig.

Umsetzung: Führen Sie altbekannte Kinder- oder Volkslieder mit einladenden Bewegungen vor. Beispiel: „Backe, backe Kuchen“ – dabei können Elemente auf dem Tuch (z.B. Knetform aus Filz) aufgezählt werden. Oder „Der Kuckuck und der Esel“ – beim Refrain hält man das Tuch gemeinsam. Wichtig ist, dass jeder versteht, was zu tun ist (Arme heben, in die Hände klatschen, Tuch ziehen). Musik regt viele Demenzkranke an, und die Bewegungskoordination kann Freude machen.

Praxisbeispiel: In der Gruppe singt man „Hänschen klein“ und führt dazu das Tuch im Kreis umherschwenkend. Eine Bewohnerin, die sonst stumm wirkte, beginnt in leiser Stimme mitzusingen. Sie hält das Tuch in den Händen und lächelt, als sie die Reime erkennt. Durch das gemeinsame Tun wird Spontaneität ausgelöst. Auch Pflegekräfte werden mit einbezogen und bewegen gemeinsam mit den Bewohnern das Tuch sanft im Takt, was insgesamt eine gelöste Stimmung schafft.

Rhythmusübungen mit Klatschen oder Trommeln

Material: Weicher Untergrund (Tisch mit Tischdecke oder das eigene Knie), die Hände zum Klatschen. Alternativ kann man leichte Handtrommeln oder ein Kissen als Trommelersatz verwenden.

Umsetzung: Führen Sie einfache Rhythmusmuster vor („Klatsch-Ruh-Klatsch-Klatsch“) und ermuntern Sie die Person, mitzuklatschen. Beginnen Sie langsam und deutlich. Nach und nach können die Beteiligten den Rhythmus variieren oder auch Trommeln (etwa mit einem kleinen Kissen als Trommel) dazunehmen. Der Takt kann durch mündliche Anweisungen („eins-zwei-klatsch“) begleitet werden. Diese Form der Rhythmisierung bezieht Körper, Geräusch und Konzentration ein.

Praxisbeispiel: Eine betroffene Person, die häufig mit den Händen spielt, klatscht begeistert mit, als die Pflegekraft „Alle meine Entchen“ anstimmt und das einfache Klatschmuster vorgibt. Später klatscht die Gruppe unisono zum Liedende. Eine heitere Atmosphäre entsteht, in der alle lauter mitklatschen – auch diejenigen, die sonst still sind. Die Pflegende nutzt dies, um über Vogellieder oder den Garten im Frühling zu sprechen, was Biografie in die Bewegung integriert.

Klangschale oder Glocke anschlagen

Material: Eine kleine Tibetische Klangschale oder eine Glocke. Diese kann in sicherer Entfernung neben der Decke stehen.

Umsetzung: Schlagen oder Reiben Sie die Klangschale sanft an. Lassen Sie die Person den Klang hören und spüren. Fragen Sie, wie lange der Ton klingt. Diese meditative Klangschwingung kann innere Ruhe fördern. Anschließend kann die Person selbst die Schale (oder Glocke) anschlagen oder beobachten. Einmal erworbenes rhythmisches Anschlagen könnte Teil eines kleinen Rituals werden (z.B. Einläuten einer „Entspannungsrunde“).

Praxisbeispiel: Bei einem Nachmittagssingen erklingt plötzlich dezent eine Klangschale. Ein Bewohner, sonst in sich gekehrt, blickt fragend auf, als er die Schwingung hört. Nach einigen Versuchen gelingt es ihm, die Schale selbst sanft anzuschlagen. Er schließt die Augen und lächelt. Das Tuten hallt nach. Danach wirkt die Gruppe ruhiger, und die Pflegende kommentiert: „Das hat so schön geklungen – fast wie eine kleine Glocke.“ Dieser innere Frieden überträgt sich auch auf das restliche Beisammensein.

Alltagsnahe und spielerische Angebote

Wäsche falten

Material: Saubere, aber verrutschte Stofftücher, Geschirrtücher oder kleine Handtücher. Die Nesteldecke dient als rutschfeste Unterlage.

Umsetzung: Zeigen Sie der Person das Falten, indem Sie gemeinsam ein kleines Tuch (z.B. ein Taschentuch oder Geschirrtuch) in der Mitte falten. Helfen Sie den Händen, falls nötig. Der Vorgang kann mehrfach wiederholt werden: Falten, glattstreichen, falten. Sie können dies spielerisch gestalten („Jetzt falten wir das Taschentuch wie ein Kostüm!“). Solche Hausarbeit-ähnlichen Übungen sind vertraut und können das Gefühl von Normalität und Selbstwirksamkeit stärken.

Praxisbeispiel: Eine Seniorin, die früher als Hausfrau gearbeitet hat, setzt sich an den Tisch. Sie faltet ganz routiniert sechs Geschirrtücher, jedes Mal erhält sie ein aufmunterndes „Sehr gut!“ von der Bezugspflegekraft. Dabei beginnt sie, von ihrem damaligen Haushalt zu erzählen: was sie zur Weihnachtszeit gebacken hat und wie sie den Tisch deckte. Die Tätigkeit hat offensichtlich positive Erinnerungen geweckt und sie engagiert gehalten.

Besteck und Utensilien sortieren

Material: Ein Satz einfaches Besteck (Löffel, Messer, Gabel) oder Küchentücher, und kleine Behälter (Schalen), die auf der Nesteldecke bereitstehen. Eventuell farbige Unterlagen zur Unterscheidung.

Umsetzung: Bitten Sie die Person, das Besteck oder die Tücher in die verschiedenen Schalen zu sortieren (z.B. alle Löffel in die blaue Schale, alle Messer in die rote Schale). Zeigen Sie zuerst ein Beispiel. Diese Aufgabe verbindet Feinmotorik (Greifen, Ablegen) mit kognitiven Elementen (Sortieren nach Form oder Farbe). Achten Sie darauf, die Herausforderung an die aktuelle Fähigkeit anzupassen (z.B. weniger Kategorien bei höherer Demenz).

Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin mit mittlerer Demenz sortiert mit leuchtenden Schüsseln Besteck. Trotz gelegentlicher Verwirrung („War der Löffel nicht in Blau?“) schafft sie es mit Unterstützung. Jeder Erfolg (richtiger Griff) wird mit einem Lächeln anerkannt. Nach der Übung ist sie sichtlich ruhiger, weil sie eine Aufgabe bewältigt hat. In Gruppenarbeit könnte man auch ein „Geschirr-Bingo“ spielen: Wer befüllt seine Schale zuerst korrekt?

Einkaufsspiel (Stoffprodukte abwiegen)

Material: Stoffnachbildungen von Lebensmitteln (wie kleine Säckchen mit Linsen als Reis, Filz-Obststücke). Tassen oder Schüsseln mit Dosierungslinien (z.B. Markierungen für 100g, 200g). Eine Waage (oder einfaches Abwiegegefühl).

Umsetzung: Bitten Sie die Person, eine bestimmte Menge (taktisch festgelegtes „Rezeptelement“) von einem Stoffprodukt „abzuwiegen“. Beispiel: „Kannst du mir 100 Gramm Reis holen?“. Die Stofftüten lassen sich kneten, sodass ein ungefähres Gewicht erspürbar ist. Auch einfache, waagerechte Küchenwaagen (mit großen Zeigeranzeigen) können integriert werden. Das Spiel verbindet bekannte Alltagsmotive (Einkaufen, Kochen) mit taktiler Wahrnehmung und hat somit biografische Verankerung.

Praxisbeispiel: In einem Demenzcafé übt eine Seniorin mit einer Stoffmilchtüte, genau einen Liter abzumessen, indem sie an einer Linie auf einer Karotte „ausblendet“. Dabei plaudert sie über ihre Lieblings-Kaffeesorte. Der Fokus auf das Abmessen führt zu Erfolgserlebnissen und animiert sie, währenddessen Fotos von früheren Einkäufen anzuschauen.

Blumengießen (mit Wasserfarben)

Material: Gefäße (kleine Vasen oder leere Flaschen) mit Papier- oder Stoffblumen (keine echten Pflanzen, damit kein Müllersatz). Alternativ: Basteleinen aus Papierblumen. Ein kleiner Sprühzerstäuber mit Wasser oder Wasserfarben (Aquarellpinsel) wird bereitgehalten.

Umsetzung: Erklären Sie, dass die Person die Blumen „gießen“ darf, indem sie mit dem Pinsel oder Sprühfläschchen Wasser auf die Papierblumen aufträgt. Für Wassereffekte empfehlen sich nicht echte Blumen, sondern gebastelte, die sich bei Wasseraufnahme verändern (z.B. Aquarellblumen, die Farben aufnehmen). Bei reinen Papierblumen erzielen Sie mit farbigem Wasser oder verdünnter Tinte kreative Effekte. Diese praktische Aufgabe verbindet Motorik (Pinsel halten, Sprühen) mit Alltagsroutine (Blumen gießen) und hat einen beruhigenden, fast meditativ-betrachtenden Charakter.

Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin sprüht geschickt mit einem Pflanzenzerstäuber „Wasser“ auf die vorbereitete Papierblume. Diese nimmt blaues Wasser auf und verwandelt sich langsam grün-gelb. Sie lacht entzückt: „Schaut, sie wird bunt, wie im Sommer!“ Dabei erzählt sie von ihrem Garten, was die Stimmung hebt. Anschließend hilft sie anderen beim Gießen: Einfache Aufgabenbereiche der Gartenarbeit werden so erlebbar gemacht.

Stoffservietten oder Tücher falten

Material: Bunte Stoffservietten oder saubere Geschirrtücher. Ein leerer Tisch mit Tischdecke (oder die Nesteldecke selbst als Unterlage).

Umsetzung: Zeigen Sie einfache Falttechniken (Quadrate, Dreiecke). Falten sollte möglichst gemeinsam im Sitzen erfolgen. Ermuntern Sie die Person, den Stoff glatt zu streichen und dann die Ecken zu falten. Belohnen Sie jedes Mal, wenn sie eine Ecke richtig hält und herunterdrückt. Dieser Vorgang ähnelt bekannten Tätigkeiten im Haushalt und gibt ein Erfolgserlebnis – ob die Form perfekt ist, ist nachrangig.

Praxisbeispiel: Bei einem Kaffeetisch falten mehrere Bewohner*innen zusammen Servietten. Eine Seniorin, die früher in einem Restaurant arbeitete, übernimmt dabei gerne die Führung. Sie faltet zügig ein Tuch und überreicht es stolz: „So machen wir das in Restaurants!“ Die Nachbarn bewundern das Ergebnis. Durch diese klare Alltagsaufgabe fühlt sie sich wieder gebraucht und erfährt Anerkennung für ihre Erfahrung.

Schlüsselbund-Handschlaufe ertasten

Material: Ein ausgedienter Schlüsselbund oder ein Attrappen-Schlüsselanhänger (ungiftig und rostfrei) an einer Baumwollschlaufe, die an der Decke befestigt ist.

Umsetzung: Bitten Sie die Person, mit der Hand die Schlaufe zu ertasten und den Schlüsselbund zu halten. Raus und reinziehen fördert die Handbeweglichkeit. Fragen Sie nach, wozu Schlüssel gehören: „Öffnen sie Türen?“. Oft erinnert das an „früher, wenn ich nach Hause komme, schließe ich auf“. Der bloße Griff in die Schlaufe aktiviert Griffkraft und kann – durch das Gewicht des Schlüsselbundes – einen zusätzlichen sensorischen Reiz geben.

Praxisbeispiel: Ein demenzkranker Herr drückt vertraut die Zähne aufeinander, als er den metallischen Schlüsselbund in den Händen spürt. Er erzählt davon, wie wichtig ihm das Schließen der Haustür war. Anschließend hält er den Schlüsselbund wie einen Schatz an sein Herz. Die Pflegende nickt zustimmend: „Ja, das war früher ganz wichtig für Sie.“ So entsteht ein kurzer Dialog. Danach setzt er den Schlüsselbund wieder ein und ab, was ihn sichtlich beruhigt.

Nestelkissen, Muffs und Tischmatten

Nestelkissen mit Schlaufen und Taschen

Material: Spezielles Nestelkissen (wie „Pauli“), das mit Schlaufen, Bändern und Fühl-Elementen (Holzperlen, Schnallen, Reißverschlusstasche) ausgestattet isti. Alternativ: selbstgenähtes kleines Kissen mit angenähten Zöpfen und -bändern.

Umsetzung: Die Person kann das Kissen auf den Schoß nehmen oder mit beiden Händen halten. Zeigen Sie, wie man zum Beispiel die Schlaufen öffnet, die Bänder sortiert oder die Henkeltasche öffnet. Oft bietet ein Nestelkissen eine Fülle verschiedener Reize auf engem Raum. Lassen Sie die Person verschiedene Elemente ausprobieren: Abnehmbare Zöpfe umknöpfen, Schleifen binden oder Perlenketten ertasten. Da alles kuschelig weich ist, wirkt die Aktivität tröstlich.

Praxisbeispiel: Bei einem Ruhe-Rundgang benutzt eine Bewohnerin das Nestelkissen. Sie steckt beide Hände hinein und massiert den großen, weichen Stoffball darin. Danach beginnt sie begeistert, die lang hängenden Bänder nach Farben zu sortieren. Neben ihr sucht ein Kamerad die kleinen Perlen in einer der Taschen. Am Ende der Runde fühlen sich alle wohlig beruhigt – wie ein Schlafanzug-Effekt. Die Teilnehmerin sagt: „Mit dem Kissen sind meine Hände beschäftigt, da ist weniger Aufregung.“ Dies bestätigt die positive Wirkung.

Demenz-Muff (Handgelenk-Muff) einsetzen

Material: Ein sogenannter Demenz-Muff (Handwärmer mit vielen eingebauten Fühl-Elementen). Er sieht aus wie ein großer, weicher Ärmel mit Taschen, Ringen, Perlen und Glöckchen. Alternativ: ein selbst gemachter Muffs aus Fleece mit gefülltem Ballen und angenähten Reizen.

Umsetzung: Schieben Sie die Hände oder Hände und Unterarme in beide Enden des Muffs. Im Inneren kann die Person an einer weichen Kugel oder gefüllten Schlaufe tasten. An den Außenflächen gibt es Reize wie Zöpfe, Spiegel, bunte Ringe und eine transparente Foto-Innentasche. Bitten Sie sie, alle Elemente zu erfühlen: Die Bänder zu ordnen, an den Ringen zu drehen, an den Glöckchen zu lauschen. Durch das Einkuscheln im Muff entsteht Wärme und Geborgenheit, während die Hände ungestört vielfältige taktile Impulse bekommen.

Praxisbeispiel: Ein Pflegebedürftiger, der oft unruhige Hände hat, steckt diese in den Muff und beginnt sofort, die bunten Schleifen zu sortieren. Er summt dabei leise vor sich hin. Eine Stunden später bemerkt die Pflegekraft, dass er immer noch ruhig mit dem Muff beschäftigt ist, statt wie üblich an der Kleidung zu zupfen. Sie gibt ihm eine stille Geste der Anerkennung. Später folgt er dem Vorschlag, ein Foto in die Innentasche zu stecken – es ist ein Bild seiner Enkel. Er strahlt beim Fühlen des Fotos und berichtet darüber.

Nesteltischmatte (aktive Unterlage auf Tisch)

Material: Kleine stoffbezogene Platte oder -matte mit diversen eingenähten Reizen (Knöpfe, Schnallen, Reißverschlüsse, Perlen), ähnlich einer Miniaturdecke. Liegt auf dem Esstisch oder Rollstuhltisch.

Umsetzung: Legen Sie die Nesteltischmatte vor die Person auf den Tisch. Die Hände können so abwechselnd über die verschiedenen Elemente gleiten. Nutzen Sie die Matte z. B. bei Mahlzeitenpausen oder in Beschäftigungspausen. Sie können dazu weiterhin über die geübten Handbewegungen sprechen („Schau mal, wie kribbelt es?“). Die Tischmatte dient dazu, auch bei sitzender Haltung eine konstante Fühlmöglichkeit zu bieten. Damit ist die Nesteldecke quasi immer griffbereit, ohne das Hochlegen oder Umschichten.

Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin hat die Matte vor sich liegen, während sie an einem Rätselblatt arbeitet. Immer wieder legt sie einen Stift weg und streicht mit den Fingerspitzen über die angenähten Knöpfe. Ihr Blick wird ruhiger. Nach der Aufgabe vertieft sie sich nun ganz in die Elemente der Matte, liest daran förmlich ihre „Zeile“ ab. Die Betreuungskraft kommentiert: „Schön, wie du da ruhig dranbleibst.“ Die Matte zeigt, dass auch zwischen Mahlzeiten Nesteln eingeflochten werden kann.

Filztastwürfel oder Tastkissen

Material: Würfel- oder Kissenförmige Objekte, auf deren Oberflächen unterschiedlich strukturierte Stoffe und Applikationen befestigt sind (z.B. Rauten aus Filz, Lederquadrate, Satinband). Kann auch ein selbstgefertigter Schaumstoffwürfel mit Stoffbezug sein.

Umsetzung: Bieten Sie den Würfel zum Greifen an. Die Person kann ihn drehen und wenden und so die verschiedenen Materialflächen erkunden. Alternativ kann sie mit den Fingerspitzen darüberstreichen. Diese Variante ähnelt einem „taktilen Würfel“ – ein Spielzeug, das mehrere Sinnesreize kombiniert. Sprechen Sie mit der Person darüber: „Welche Fläche fühlt sich am kuscheligsten an?“ Dadurch regen Sie die bewusste Wahrnehmung an.

Praxisbeispiel: Ein Herr greift mit beiden Händen den Filzwürfel und spürt sofort den groben Filz. Er streicht gespannt darüber und sagt: „Das ist ganz rauh.“ Dann findet er das glänzende Satinband auf der nächsten Seite und schüttelt anerkennend den Kopf: „So glatt!“. Er betastet alle Seiten. Dabei summt er aus vollem Hals. Die Pflegende notiert im Pflegebericht: „Schmerzsensorik aktiv – kein Unbehagen.“ Die Beschäftigung hat nicht nur motorische, sondern auch haptische Interessen geweckt.

Bewegungsdecke / Mobile basteln

Material: Eine einfache Nesteldecke oder einen großen Stoffrest, den Sie an der Decke oder im Türrahmen befestigen können (wie eine Hängematte quer). Darauf sind Stoffstreifen, Bänder oder leichte Materialien befestigt. Alternativ ein Mobile aus Stoffapplikationen zum Anfassen.

Umsetzung: Hängen Sie die Decke hoch, so dass sie tief genug hängt, um leicht berührt zu werden. Betroffene können nun beim vorbeigehen die oberen Materialien streifen oder runterdrücken – ähnlich wie bei Kinder-Mobile-Spielen. Jede Berührung lässt ein Rascheln oder Flattern der leichten Stoffe entstehen. Diese Aktivität kombiniert Bewegung (leichter Kontakt mit der Decke) mit taktilem Reiz. Unterstützend kann das Auslösen der Decke mit Musik oder Beschreibungen verbunden werden: „Zieh mal den Faden!“ oder „Welche Farbe spürst du?“

Praxisbeispiel: In einer geräumigen Wohngruppe schaukelt eine aufgehängte Nesteldecke sanft im Luftzug. Eine Bewohnerin, die sich oft nach Bewegung sehnt, steht auf, streckt die Hand aus und berührt einen angehängten Wollfaden. Als er sich bewegt, lacht sie kurz auf. Sie wiederholt es mehrmals. Andere Teilnehmern folgen, manche tanzen sogar leicht dazu. Durch diese Aktivität werden auch leicht motorische Sequenzen ausgelöst, was den Kreislauf anregt und die Person in den Moment einbindet.

Kategorie Kreative Beschäftigungen

0 Kommentare

Möchtest du den ersten Kommentar schreiben?
Werde Mitglied von Lexikon der sozialen Betreuung und starte die Unterhaltung.
Mitglied werden