Bewegungstherapie umfasst alle geplanten körperlichen Aktivitäten, die Mobilität, Kraft und Koordination älterer Menschen erhalten oder verbessern. Durch gezielte Bewegung können chronische Erkrankungen vorgebeugt und Alltagsfähigkeiten gestärkt werden. Regelmäßige Bewegung trägt dazu bei, die Selbstständigkeit zu erhalten und das Sturzrisiko zu senken. Neben klassischen Anwendungen im Rahmen der Physiotherapie (z.B. Krankengymnastik) zählen auch seniorengerechte Angebote wie Sitzgymnastik, Tanz, Tai-Chi oder Spaziergänge zur BewegungstherapieLaut Empfehlungen des ZQP fördert körperliche Aktivität die Bewegungsfähigkeit und geistigen Ressourcen älterer, pflegebedürftiger Menschen. Voraussetzung ist stets die Zustimmung der Betroffenen sowie die Berücksichtigung individueller Fähigkeiten; ärztliche Abklärung soll im Zweifelsfall erfolgen. (Hinweis: Das Lexikon - Inhaltsverzeichnis (Öffnet in neuem Fenster))
Zielsetzungen der Bewegungstherapie
Bewegungstherapie bei Senioren verfolgt präventive und rehabilitative Ziele:
Präventiv: Sie dient der Vorbeugung von Gebrechlichkeit, Sturzunfällen und chronischen Folgeerkrankungen. Regelmäßige Aktivität stärkt Muskulatur, Knochen und Herz-Kreislauf-System. So kann zum Beispiel das Risiko osteoporosebedingter Knochenbrüche um 30–50 % verringert werden. Auch das Immunsystem wird gestärkt und altersbedingte Gesundheitsrisiken (Herzkrankheiten, Diabetes) können vermindert werden. Bewegung fördert zudem die geistige Gesundheit: Gedächtnisleistung, Reaktionsvermögen und Stimmung verbessern sich, da Endorphine freigesetzt werden. Ein weiterer präventiver Schwerpunkt ist die Sturzprophylaxe – durch Balance- und Koordinationsübungen sowie Krafttraining lässt sich das Gleichgewicht verbessern und damit die Sturzwahrscheinlichkeit reduzieren.
Rehabilitativ: Nach Operationen oder Erkrankungen (z.B. Schlaganfall, Hüftfraktur, Gelenkersatz) ist Bewegungstherapie Teil der Rehabilitation. Sie zielt darauf ab, Mobilität und Muskelkraft wiederherzustellen sowie Schmerzen zu lindern. Auch bei chronischen Leiden (Arthrose, Rückenbeschwerden, Herzinsuffizienz) kann sie Beschwerden mildern und die Funktion im Alltag verbessern. Zudem unterstützt Bewegungstherapie die Erhaltung oder Wiedererlangung alltagspraktischer Fähigkeiten: ältere Menschen lernen oder erhalten Fähigkeiten wie Gehen, Treppensteigen oder Körperpflege. Nicht zuletzt wirkt sich körperliche Aktivität positiv auf die Psyche aus, steigert das Selbstwertgefühl und mindert Ängste und depressives Verhalten.
Vor- und Nachteile der Bewegungstherapie
Vorteile: Die Bewegungstherapie bietet zahlreiche gesundheitliche und psychosoziale Vorteile. Sie verbessert die körperliche Gesundheit allgemein und steigert Ausdauer, Kraft und Flexibilität. Dies führt zu besserer Mobilität und Selbständigkeit im Alltag sowie verminderter Schmerzempfindung. Chronische Erkrankungen werden oft gelindert: So kann regelmäßiges Training Bluthochdruck senken und das Herz stärken. Auch kognitive Funktionen profitieren – Studien zeigen, dass Aktivität geistigem Abbau entgegenwirken kann. Beides zusammen hebt die Stimmung und fördert das allgemeine Wohlbefinden. Zudem stärkt Bewegung das soziale Miteinander: Gemeinsame Sportstunden oder Gruppentraining erhöhen die soziale Teilhabe und Motivation. Bewegungstherapie gilt darüber hinaus als kostengünstige und effektive Methode, die nach fachlicher Anleitung oft auch selbstständig zu Hause weitergeführt werden kann.
Nachteile: Nachteile ergeben sich vor allem, wenn Bewegung nicht richtig umgesetzt wird. Der Therapieerfolg hängt entscheidend von der regelmäßigen Teilnahme und der individuellen Motivation ab. Ohne kontinuierliches Üben fällt der Nutzen oft gering aus. Zudem können gesundheitliche Risiken entstehen, wenn Kontraindikationen nicht beachtet werden. Vor Beginn sollte zum Beispiel eine medizinsche Abklärung erfolgen, da bestimmte Beschwerden (akuter Herzinfarkt, unkontrollierter Bluthochdruck, akute Entzündungen) zunächst ausgeschlossen sein müssen. Ebenso dürfen Übungen nicht überfordern: Die Belastung muss dem Zustand der Person angepasst werden, Überlastung und Schmerzen sind zu vermeiden. Einige Seniorinnen und Senioren könnten Angst vor Verletzungen oder Fehlbelastungen haben, weshalb das Programm gut erklärt und langsam gesteigert werden sollte. Zusätzlich kann es sein, dass nicht jeder Gruppenangebote wahrnehmen möchte; für diese gilt es alternative Einzelübungen zu bieten.
Anleitung zur Durchführung
Für die Praxis ist eine sorgfältige Planung und Durchführung der Bewegungseinheiten entscheidend. Folgende Aspekte sind wichtig:
Aufbau und Ablauf: Ein Übungsprogramm beginnt üblicherweise mit einer Aufwärmphase (5–10 Minuten), z.B. leichtes Gehen auf der Stelle, Arm- und Hüftkreisen oder sanftes Heben der Schultern. Anschließend folgt der Hauptteil (etwa 20–30 Minuten) mit gezielten Kräftigungs-, Beweglichkeits- und Gleichgewichtsübungen (siehe unten). Am Ende steht ein Cool-down (5 Minuten) mit Dehnungen oder Entspannungsübungen, um den Körper wieder herunterzufahren und Muskelkater vorzubeugen. Ein solcher strukturierter Ablauf (Begrüßung, Warm-up, Trainingsübungen, Ausklang) erhöht die Sicherheit und Akzeptanz des Angebots.
Aufwärmen (z.B. 5–10 Min.): Lockeres Laufen oder Gehen, Armkreisen und Schulterzucken. Beispiel: Kopfnicken, Schultern hochziehen, leichtes Hüpfen auf der Stelle.
Hauptteil (z.B. 20–30 Min.): Kräftigungs- und Balanceübungen (siehe unten). Geräte wie Hanteln oder Therabänder können sinnvoll integriert werden. Auch rhythmische Tätigkeiten oder Spiele lockern auf (Ballspiele, leichtes Tanzen). Wichtig ist, Abwechslung zu bieten und die Aufmerksamkeit zu halten.
Cool-down (5 Min.): Leichte Dehnübungen (z.B. langsames Strecken des Oberkörpers), Atemübungen oder kurze Entspannung im Sitzen, um den Puls zu senken und die Muskeln zu entspannen.
Übungsbeispiele: Typische Übungskategorien in der Seniorenbetreuung sind:
Kraft- und Mobilisationsübungen: Sitzen auf einem Stuhl und abwechselnd die Knie anheben (Knieheben) oder mit Theraband Arme dehnen. Liegen oder Sitzen und abwechselnd ein Bein anheben stärkt die Oberschenkelmuskeln. Schulterblattrotationen oder Oberkörperdrehungen verbessern die Rumpfmobilität.
Dehnübungen: Sanfte Dehnungen von Rücken- und Schultermuskeln, etwa indem die Pflegekraft den Oberkörper behutsam dreht oder die gestreckten Arme des Bewohners sanft nach außen führt. Diese Übungen verbessern die Beweglichkeit und lösen Verspannungen.
Gleichgewichtsübungen: Einbeinstand mit oder ohne Unterstützung und Fersenspitzengang auf einer Linie schulen das Gleichgewicht und senken nachweislich Sturzrisiken. Auch Tai-Chi-artige Arm- und Gewichtsverlagerungsübungen fördern Balance und Körperwahrnehmung.
Sitzgymnastik: Für bewegungseingeschränkte Senioren eignen sich Sitzübungen. Beispiele sind Wechsel von Beinheben, Fußwippen und Schulterkreisen im Sitzen. Hier besteht keine Sturzgefahr, da die Übenden auf Stühlen sitzen.
Alltagsorientierte Bewegung: Im Alltag können einfache Aktivitäten eingebaut werden, z.B. wiederholtes Aufstehen vom Stuhl, Schieben eines leichten Gegenstands oder simuliertes Einkaufen.
Entspannung und Atemübungen: Tiefe Atemzüge und meditative Bewegungen (z.B. sanftes Strecken bei geschlossenen Augen) können zur Ruhe führen.
Kreative Methoden: Bewegungsgeschichten oder Fantasiereisen verbinden körperliche Aktivität mit Vorstellungskraft. Zum Beispiel ahmen Senioren beim Erzählen einer „Spaziergangsgeschichte“ das Gehen und Armbewegungen nach. Solche spielerischen Ansätze fördern neben Bewegung auch Kommunikation und Motivation.
Planung: Vor Beginn sollte der Gesundheitszustand erfasst werden (Mobilität, Kontraindikationen, Vorlieben). Die Gruppe (falls vorhanden) wird idealerweise nach Leistungsstand sortiert. Die Übungsumgebung muss sicher sein: rutschfeste Böden, stabile Stühle mit Lehne, ggf. Haltegriffe. Hilfsmittel (Bälle, Gewichte, Therabänder) sollten gut greifbar sein. Die Anleitung erfolgt durch geschultes Personal; eine Fachkraft (z.B. Altenpfleger oder Physiotherapeut) plant das Programm und passt es individuell an. Klare und einfache Anweisungen sowie Demonstrationen erleichtern das Mitmachen.
Sicherheitsaspekte: Sicherheit hat oberste Priorität. Folgende Punkte sind zu beachten:
Ärztliche Abklärung: Vor neuen Übungen sollte insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder akuten Beschwerden eine Freigabe durch den Arzt eingeholt werden. Kontraindikationen (z.B. instabile Herzinfarktnachbehandlung) werden so ausgeschlossen.
Einverständnis und Kontrolle: Jede Bewegungseinheit erfolgt nur mit Zustimmung der Seniorinnen/Senioren. Überforderung ist unbedingt zu vermeiden – Schmerzen oder Schwindel müssen sofort ernst genommen werden.
Individuelle Anpassung: Übungen werden dem Fitness- und Gesundheitszustand angepasst. Als Faustregel gilt: So intensiv trainieren, wie es die Person verträgt. Hilfestellung geben, wenn jemand wackelig steht oder Anzeichen von Ermüdung zeigt. Regelmäßige Pausen und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme sicherstellen.
Sturz- und Verletzungsprophylaxe: Umfeld frei von Stolperfallen gestalten. Bei Balance-Übungen bieten Betreuer in der Nähe Sicherheit oder halten den Arm des Bewohners, wenn dieser instabil ist. Beim Einsatz von Geräten (Hanteln, Widerstandsbänder) auf passendes Gewicht achten.
Umsetzungsempfehlungen
Gruppenangebote
Bewegungsprogramme in der Gruppe fördern Motivation und soziale Interaktion. Idealerweise nehmen daran etwa 6–12 Personen teil, bei geringer geistiger Belastbarkeit (z.B. ausgeprägte Demenz) eher kleiner Gruppen von 5–7.
Die Leitung erfolgt durch eine qualifizierte Betreuungskraft oder Therapeutin, ggf. unterstützt von einer Hilfskraft. Empfohlen wird eine feste Regelmäßigkeit – z.B. zwei- bis dreimal pro Woche – um Routinen zu schaffen und Teilnehmer zu binden.
Ein strukturierter Ablauf (Begrüßung, Warm-up, Übungsblöcke, Ausklang) gibt Orientierung.
Programme wie MAKS® (für Demenz), „Fit für 100“ oder das Lübecker Bewegungswelten-Modell bieten konkrete Ablaufpläne: etwa Begrüßung mit Musik, gefolgt von 5–10 Minuten Aufwärmen (Arm- und Gleichgewichtsübungen), einem 20–30-minütigen Hauptteil mit wechselnden Übungen (z.B. Kraftübungen im Sitzen, Steh- und Balancetraining) und einem Abschluss mit Lockerungen.
Gruppenarbeit ermöglicht den Austausch und steigert den sozialen Zusammenhalt – ein wichtiges Motivationsmoment.
Allerdings muss auf unterschiedliche Leistungsniveaus geachtet werden: Teilnehmende sollten nicht überfordert werden. Ggf. können parallele Kleingruppen oder Assistenz durch zusätzliche Betreuer erfolgen.
Einzelbetreuung
Die Einzelbetreuung erlaubt maximale Flexibilität. Sie kommt zum Einsatz, wenn Gruppen nicht möglich sind (z.B. wegen Isolation, Bettlägerigkeit oder fehlendem Interesse am Gruppenangebot). Auch im Einzel lässt sich Bewegungstherapie in den Alltag integrieren – etwa bei der täglichen Morgenmobilisation im Zimmer oder begleitend zur Körperpflege. Pflegende können beim Transfer (Hinsetzen, Aufstehen) aktivieren, einfache Liege- und Sitzübungen durchführen oder den Bewohner beim Gehen am Rollator anleiten. Vorteil ist die gezielte Anpassung an eine Person: Tempo, Pausen und Schwierigkeitsgrad können exakt abgestimmt werden. Wichtig ist auch hier die Regelmäßigkeit. Selbst kurze, täglich durchgeführte Einheiten (z.B. 5–10 Minuten am Vormittag) haben positive Effekte. Die gleiche Sicherheitsregel gilt: Auf Zustimmung und Wohlbefinden achten.
Fazit: In der Seniorenbetreuung ist Bewegungstherapie eine zentrale Maßnahme zur Förderung von Gesundheit, Mobilität und Lebensqualität. Durch sinnvolle Planung, individuelle Anpassung und motivierende Durchführung können Pflegeteams einen großen Beitrag zur Lebensqualität der Bewohner leisten.
Bewegungsaktivierungen
Bewegungstherapie und regelmäßige Aktivierungsangebote sind in der Altenpflege zentral, um Mobilität und Selbstständigkeit zu erhalten. Körperliche Aktivitäten wie Gleichgewichts- und Kraftübungen fördern die Beweglichkeit und Stabilität älterer Menschen und helfen, Stürze zu vermeiden. Eine gezielte Bewegungsförderung trägt dazu bei, Alltagskompetenzen möglichst lange aufrechtzuerhalten und ein aktiv-selbstbestimmtes Leben zu unterstützen. Auch für demenziell veränderte Menschen ergaben Studien positive Effekte: Regelmäßige Bewegung verbessert motorische Fähigkeiten (Gehen, Treppensteigen) und wirkt sich günstig auf das Verhalten und die Stimmung aus, indem sie etwa Unruhe oder depressive Symptome mindert.
Aktivierungen für körperlich fitte Senioren
Stand- und Gleichgewichtsübungen zu Musik
Zielgruppe: Körperlich fitte Senioren (Gruppe oder Einzeln), geeignet auch für ältere Menschen ohne Demenzerkrankung.
Materialliste: Musikanlage mit motivierender Musik, stabile Stühle oder Haltegriff zum Festhalten, evtl. leichte Hanteln oder Wasserflaschen als Gewichte.
Durchführung:
Stellen Sie sich hüftbreit aufrecht hin, gegebenenfalls mit leicht geknieten Knien.
Hören Sie Musik und halten Sie den Rhythmus mit sanften Armbewegungen oder Kopfnicken mit.
Wechseln Sie zwischen verschiedenen Balance-Übungen: z.B. Gewichtsverlagerung von einem auf das andere Bein (ohne feste Standbein), einbeiniges Stehen (je 5–10 Sekunden pro Seite), oder Fersen–Zeh-Stehen (abwechselnd auf die Fersen oder Spitzen stellen).
Zwischendurch können Sie optional leichte Bizeps-Curls ausführen: Hände mit Hanteln oder Wasserflaschen, Arme anheben und senken.
Zum Ende beenden Sie die Übung mit ruhigem Auspendeln der Arme und einer Entspannungsphase im Stand.
Hinweise zur Anpassung: Bei Unsicherheit kann ein Helfer als Stütze oder ein Haltegriff an der Wand verwendet werden. Die Dauer der Balance-Phasen wird den Fähigkeiten angepasst; bei Bedarf werden Übungen im Sitzen durchgeführt (z.B. einbeiniges Stehen durch Ausrollen eines Fußes). Auch Personen mit Demenz können hier teilnehmen, wenn die Anweisungen kurz und deutlich gegeben werden (ggf. optisch vorgemacht).
Praxisbeispiel: Im Morgenkreis nach dem Frühstück wird zum beliebten Marschlied eine 10-minütige Standübung angeboten. Alle Teilnehmenden stehen im Halbkreis und bewegen sich im Takt zur Musik, um den Tag aktiv zu beginnen.
Balance-Parcours im Stehen
Zielgruppe: Mobil stabile Senioren, geeignet als Gruppenangebot.
Materialliste: Weiche Bodenmatten oder zusammengelegte Decken, kleine Hütchen oder Kissen, evtl. Bänke zum Balancieren, Stühle als Stütze.
Durchführung:
Legen Sie einen kleinen Parcours aus: z.B. gehen über einen Deckenberg, Slalom um Kissen, dann mit Fußspitzen einen schmalen Balken (günstig als Klettband oder zusammengerolltes Laken) abgehen.
Die Teilnehmenden durchlaufen nacheinander den Parcours. Dabei wird auf eine ruhige Gangart geachtet und jede Station mit langsamem, konzentriertem Schritt durchgeführt.
An besonders schwierigen Passagen hilft ein zweiter Helfer, indem er die Hand gibt oder nahe steht.
Nach jedem Durchlauf kann ein Platz getauscht und der nächste Senior geht. Zwischendurch wird gelobt und auf korrekte Haltung geachtet (aufrechter Oberkörper, Blick geradeaus).
Hinweise zur Anpassung: Der Parcours lässt sich an die Fähigkeiten anpassen: Für weniger mobile Personen können die Hindernisse niedriger oder kürzer sein. Bei kognitiven Einschränkungen sollte der Parcours einfach aufgebaut werden und gegebenenfalls verbal begleitet werden, damit jeder Schritt erklärt ist. Sitzende Teilnehmende können statt Gehen Armkreisen oder Fußbewegungen ausführen (z.B. imitieren des „Slalomfahrens“ mit Füßen).
Praxisbeispiel: An einem Bewegungsnachmittag wird in der Gemeinschaftsstube ein „Wald-Parcours“ aufgebaut. Unter dem Motto „Spaziergang im Wald“ balancieren die Senioren wie über Baumstämme und weichen „Steinen“ aus. Anschließend besprechen alle, was sie im Wald gesehen haben, um Gedächtnis und Bewegung zu kombinieren.
Seniorengymnastik mit Gymnastikstab oder Tuch
Zielgruppe: Fitte Senioren und gruppentauglich, stärkt Rumpf und Koordination.
Materialliste: Gymnastikstäbe (z.B. Holzstab oder Besenstiel), leichte elastische Bänder oder Tücher, Stühle (für kurze Verschnaufpausen).
Durchführung:
Stehen Sie mit beiden Füßen fest auf dem Boden und halten Sie den Gymnastikstab oder das geknüpfte Tuch vor der Brust.
Führen Sie langsame Streck- und Drehbewegungen aus: den Oberkörper nach rechts und links drehen, dabei Stab parallel zum Boden halten.
Heben Sie danach den Stab über den Kopf (Arme ausgestreckt), lassen ihn dann kontrolliert hinter den Kopf sinken (Dehnung).
Wickeln Sie das Tuch um die Hüfte und führen Sie seitliche Ausfallschritte aus, während Sie das Tuch straff halten (leichtes Widerstandsgefühl).
Abschließend rollen Sie den Stab vor der Hüfte von einer Seite zur anderen ab, um die Rumpfmuskulatur zu aktivieren.
Hinweise zur Anpassung: Wer aus dem Stand unsicher ist, kann diese Übungen auch im Sitzen durchführen, nur fallen die Schritte kleiner aus. Bei kognitiven Einschränkungen sind einfache, wiederholte Bewegungen sinnvoll – die Leiterin führt vor, alle machen es gleichzeitig nach. Die Tuch-Band-Übungen bieten sanften Widerstand, der Kraft fördert und die Gelenke schont.
Praxisbeispiel: In der wöchentlichen Gymnastikrunde ziehen die Teilnehmenden einer interaktiven Anleitung nach. Die Erzieherin erzählt dazu eine kleine Geschichte (z.B. „Wir wedeln die Fahne“ beim Stablift) und bindet so Bewegungen und Phantasie zusammen, was besonders bei Demenzgruppen motiviert.
Kraftübungen mit leichten Hanteln
Zielgruppe: Senioren mit ausreichender Kraft und Ausdauer, sowohl als Gruppen- als auch Einzelangebot möglich.
Materialliste: Kleine Hanteln (je 0,5–2 kg) oder gefüllte Wasserflaschen, Sitzgelegenheiten mit Lehne (optional).
Durchführung:
Beginnen Sie im Stehen oder Sitzen mit geradem Oberkörper und Hanteln in den Händen.
Führen Sie langsame Bizeps-Curls aus: Hantel an die Schulter heben und kontrolliert senken (10–15 Wiederholungen).
Wechseln Sie zu Frontheben: Hanteln vor dem Körper parallel zum Boden heben, wieder absenken.
Machen Sie Schulterdrücken: Hanteln auf Schulterhöhe halten, dann über den Kopf strecken und wieder zurück.
Trizeps-Übungen: Hantel hinter den Kopf führen, Ellbogen nach oben richten, Hantel leicht senken und heben.
Lassen Sie nach der Übungsreihe etwas Pause im Sitzen zu Regeneration. Führen Sie 1–2 Durchgänge mit je 10–15 Wiederholungen pro Übung durch.
Hinweise zur Anpassung: Gewichte und Wiederholungen werden individuell angepasst. Personen im Rollstuhl führen die Armübungen im Sitzen aus (den Stuhl mit angewinkelten Füßen stabilisiert). Bei Gleichgewichtsstörungen empfiehlt sich eine Rückenlehne oder ein Partner, der die Balance kontrolliert. Bei kognitiven Einschränkungen sind weniger Wiederholungen sinnvoll und immer visuelle Demonstrationen durch die Betreuungsperson notwendig.
Praxisbeispiel: Im Sitzzirkel hält jede Person einen 0,5-kg-Knirps in der Hand. Nach Anleitung eines Therapeuten gibt es leichten Widerstand für die Arm- und Schultermuskulatur. Dabei wird darauf geachtet, dass alle Bewegungen langsam und gleichmäßig ausgeführt werden, um Überlastung zu vermeiden.
Luftballon-Bewegungsspiel
Zielgruppe: Fitte Senioren und auch teilnehmende Senioren mit leichten Mobilitätseinschränkungen, ideal als Gruppenangebot.
Materialliste: 1–2 bunte Luftballons, Musikgerät (optional).
Durchführung:
Alle setzen oder stellen sich im Kreis auf. Ein Luftballon wird von Person zu Person im Uhrzeigersinn geworfen oder leicht geschlagen, ohne dass er den Boden berührt.
Variation: Der Ballon wird im Rhythmus zur Musik hochgehalten oder von oben nach unten durch den Kreis gereicht.
Zwischen den Würfen können leichte tänzerische Beinbewegungen gemacht werden (z.B. Fuß kreisen, Knie heben), während man wartet.
Das Tempo kann allmählich gesteigert werden – Vorsicht, die Bewegung bleibt sanft, um Erschrecken zu vermeiden.
Zum Abschluss darf jeder Teilnehmer ein bis zwei Bälle dirigieren: z.B. jonglieren oder hoch in die Luft werfen und auffangen (sofern sicher möglich).
Hinweise zur Anpassung: Für Personen im Rollstuhl kann der Luftballon niedriger gehalten und seitlich gerichtet werden. Bei kognitiven Einschränkungen kann man einfache Regeln einführen (z.B. jeder muss mit einer Hand fangen) und klar visualisieren. Wird der Ballon nicht gefangen, lässt man ihn einfach auf die Schulter oder den Schoß fallen und hebt ihn wieder hoch – kein Kummer um Fehler.
Praxisbeispiel: Bei einer Nachmittagsrunde im Speisesaal tanzen die Senioren im Stuhlkreis zu flotter Musik und schlagen dabei abwechselnd mit einem leichten Luftballon. Diese spielerische Aktivität verbindet Bewegung mit Spaß und erleichtert das Miteinander.
Spaziergang im Freien oder Hausgang
Zielgruppe: Mobilere Senioren, als Gruppenaktivität an der frischen Luft oder im Hausflur.
Materialliste: Keine besonderen Hilfsmittel; bei Bedarf Rollatoren, Gehstöcke, bequeme Schuhe.
Durchführung:
Beginnen Sie mit einem kurzen Aufwärmen im Sitzen: Fuß- und Armkreiseln, Tiefes Ein- und Ausatmen.
Gehen Sie gemeinsam in langsamem, gleichmäßigem Tempo los. Achten Sie auf aufrechte Haltung und gleichmäßige Schritte.
Nutzen Sie die Zeit für Kommunikation: Der Spaziergang kann Gelegenheiten bieten, z.B. über Jahreszeiten (Blätter, Gerüche) zu sprechen.
Unterbrechen Sie den Gang alle paar Minuten mit Dehnübungen: Hände über den Kopf strecken, Vorbeuge mit geradem Rücken, Wadenstrecker an Stein oder Stuhl.
Nach der Gehphase (10–20 Minuten, je nach Ausdauer) beenden Sie den Rundgang mit einer Lockerungsrunde im Stehen und einer kleinen Abschlussrunde im Stuhlkreis.
Hinweise zur Anpassung: Bei Rollstuhlfahrenden wird eine „frische Luft“-Runde im Rollstuhl mit Gesangs- oder Sprechaktivitäten kombiniert (z.B. ein Lied singen). Gehfreudige demenziell veränderte Personen können mit Bildern oder Liedern begleitet werden, um die Aufmerksamkeit zu halten. Für stark Gehbehinderte verkürzt sich die Strecke; Sitzpausen werden häufiger eingebaut.
Praxisbeispiel: Zwei Mal pro Woche führt eine Betreuerin mit 5 Bewohnern einen 15-minütigen Gang durchs Parkgelände oder über den Flur des Altenheims durch. Anschließend setzen sich alle auf Bänke und machen leichte Dehnungen für Beine und Rücken, bevor es zum Mittagessen geht.
Musik-Tanz im Stehen
Zielgruppe: Fitte Senioren ohne akute Sturzgefahr, ideal als Gruppenangebot für Spaß und Bewegung.
Materialliste: Lautsprecher oder Radio, passende Musik (Tanzlieder oder volkstümliche Melodien), Musikstühle für Pausen.
Durchführung:
Ein Musikstück beginnt, und die Teilnehmenden tanzen auf ihrem Platz im Rhythmus – das kann einfaches Schunkeln, Wiegen oder kleine Schrittbewegungen sein.
Zwischendurch improvisiert die Übungsleitende einfache Tanzschritte vor (z.B. Schritt nach rechts, zurück zur Mitte, Klatschen), denen alle nachmachen.
Unter den Arm greifen sich Paare oder Kreistänze bilden – hier kann jeder mit jedem tanzen.
Nach jedem Lied folgt eine kurze Pause (Sitz-/Stehwechsel) mit Atemübungen: Arme langsam heben und senken, ausatmen.
Gesamtdauer je nach Fitness 2–3 Lieder (5–10 Minuten), dann Abschluss mit gemeinsamem Klatschen oder Jubel.
Hinweise zur Anpassung: Bei Demenz kann auf bekannte Lieder aus der Jugendzeit zurückgegriffen werden. Sind einige Personen unsicher auf den Beinen, wird vom Tanzen im Stehen ins Sitzen gewechselt (Sitz-Tanz). Rollstuhlfahrer drehen das Oberkörper-Rhythmisieren beider Arme zum Ausgleich.
Praxisbeispiel: Immer freitags findet im Wohnbereich eine Mini-Disco statt. Die Senioren kommen in Tracht oder festlicher Kleidung zusammen und tanzen zu alten Schlagern. Angehörige oder jüngere Pflegekräfte bringen sich ein, und es entsteht eine fröhliche Atmosphäre, die auch die Lebensfreude fördert.
Gymnastik mit Pezziball (Sitz-Übungen)
Zielgruppe: Senioren mit eingeschränkter Standfähigkeit (auch Senioren mit Demenz), als Gruppen- oder Einzelangebot auf Stühlen.
Materialliste: Ein Gymnastikball (Pezziball) pro Person (Durchmesser 20–30 cm, weich aufgeblasen), feste Stühle ohne Armlehnen.
Durchführung:
Setzen Sie sich mittig aufrecht auf den Stuhl (Sitzbeinhöcker bleiben gerade auf der Sitzfläche), halten Sie den Ball auf den Oberschenkeln.
Führen Sie kontrollierte Fuß- und Beinbewegungen aus: Ball mit den Füßen zu Rollen schieben und halten, die Beine abwechselnd heben und senken. Das fördert die Fußkoordination und Beinstabilität.
Rollen Sie den Ball mit den Händen von rechts nach links über die Oberschenkel, dabei Körperspannung halten.
Anschließend drücken Sie den Ball leicht zwischen den Knien zusammen und lösen, um die Adduktoren (innere Oberschenkelmuskulatur) zu aktivieren.
Zum Abschluss strecken Sie die Arme zur Seite aus und halten den Ball mit gestreckten Armen vor sich – dort einige Sekunden balancieren lassen (Hände eng aneinander).
Hinweise zur Anpassung: Gerade bei Demenzkranken ist der Ball durch seine taktile Beschaffenheit oft anregend. Lässt Konzentration nach, kann man nur Ballrollen am Tisch oder Hände bewegen lassen. Für Rollstuhlfahrer klappt die Druckübung auf Kniehöhe oder zwischen Rückenlehne und Kreuz. Immer kontrolliert führen, um Überlastung zu verhindern.
Praxisbeispiel: Während einer Gymnastikstunde in der Sitzecke werden die Bälle verteilt. Jede Person führt die Schritte nach und erhält individuelle Hilfestellung beim Aufrichten. Anschließend wird der Ball zum Austausch im Kreis weitergegeben, was die Begegnung fördert.
Hand- und Fingergymnastik (Fine Motorik)
Zielgruppe: Senioren unabhängig vom Gangvermögen, besonders geeignet für betagte, pflegebedürftige oder demenziell veränderte Personen zur Stimulation.
Materialliste: Tennisbälle, Schwammtücher, oder Fingerkugeln (kleine Bälle aus Schaumstoff), ggf. eigenes Schlüsselbund oder Knöpfchen.
Durchführung:
Halten Sie einen kleinen Ball in der Hand, drücken Sie ihn vorsichtig mit allen Fingern zusammen und lösen wieder (je 10–15 Wiederholungen pro Hand).
Führen Sie Mittenaugen-Übungen durch: Finger einzeln beugen und strecken, dabei den Daumen an die Fingerspitzen nacheinander führen (daumenspitzen).
Üben Sie Greif- und Schüttelbewegungen: zum Beispiel ein weiches Taschentuch mit einer Hand zusammendrücken und wieder öffnen, oder Klavierübung: Finger auf Tisch auflegen und einzeln heben.
Wer mag, schnippt kleine Bällchen (Pompoms) auf einer Tischfläche hin und her – damit wird auf spielerische Weise die Hand-Auge-Koordination aktiviert.
Abschließend kreisen Sie die Handgelenke, fächern die Finger weit auf und schütteln die Hände kurz aus, um die Übung aufzulockern.
Hinweise zur Anpassung: Jede Greifübung kann an den Grad der Feinmotorik angepasst werden: Wenn der Umgang mit Bällen schwierig ist, reichen weiche Schwammtücher. Bei Demenz kann man mit Rythmen begleiten (z.B. „Ramba Zamba“ beim Druck aussprechen) oder eine einfache Faltaufgabe einbauen (Tuch übergeben). Bettlägerige führen die Übungen liegend mit ihren Händen durch.
Praxisbeispiel: Im Rahmen eines herbstlichen Bastelnachmittags drücken die Senioren gemeinsam Kastanien in weichen Bällen. Dabei sprechen sie mit der Betreuerin über die Textur (hart/weich) und trainieren gleichzeitig Fingerkraft und Geschicklichkeit.
Sitzgymnastik: Armkreisen und Seitenbeugen
Zielgruppe: Senioren mit eingeschränkter Mobilität (im Sitzen), gut für Gruppenrunden.
Materialliste: Stabile Stühle (feststehend) oder Rollstühle, evtl. leichte Seile oder Handtücher als Widerstand.
Durchführung:
Setzen Sie sich gerade auf den Stuhlrand (Rücken ohne Lehne, Füße flach). Die Arme hängen entspannt seitlich.
Führen Sie beide Arme seitlich mit gestreckten Ellbogen großflächig kreisförmig nach vorne über Kreuz und wieder zurück (Armkreisen). Wiederholen Sie dies einige Male in beide Richtungen.
Danach heben Sie den rechten Arm seitlich über den Kopf und beugen den Oberkörper sanft nach links („Schuster-Müffel“-Streckung). Zurück zur Mitte, dann linken Arm hoch und nach rechts beugen. Einige Male abwechseln.
Wickeln Sie das Seil hinter dem Rücken und ziehen es mit beiden Händen langsam nach rechts und links (gibt leichten Widerstand bei Dehnung der oberen Rückenmuskulatur).
Beenden Sie die Übung mit lockerem „Schütteln“ der Arme und tiefer Atmung.
Hinweise zur Anpassung: Wer nur schwer sitzen kann, bleibt in Rückenlehne und führt nur Armkreisen aus. Demenzkranke profitieren von langsamen, begleitet vorgezeigten Bewegungen – die Verantwortliche kann die Übung vormachen und verbal begleiten („Arm hoch, bitte“). Bei Rollstuhlfahrern werden Armübungen auf Brusthöhe angesetzt, um Stabilität sicherzustellen.
Praxisbeispiel: Jeden Vormittag nach dem Frühstück machen Bewohner im Speisesaal gemeinsam 5 Minuten Stuhlgymnastik. Die Betreuerin gibt per Mikrofon wechselnde Kommandos („Arme hoch!“) und lobt sichtbare Erfolge („Schön durchgehalten!“).
Stuhlgymnastik: Beinheber und Fußkreisen
Zielgruppe: Senioren mit eingeschränktem Gang (im Sitzen), z.B. Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte.
Materialliste: Fester Stuhl oder Rollstuhl (mit gesicherter Bremse), evtl. Geschicklichkeitsspielzeuge (Weichbälle).
Durchführung:
Setzen Sie sich aufrecht auf den Stuhlrand oder in den Rollstuhl, Rücken gerade, Füße flach auf dem Boden. Halten Sie sich an der Sitzkante oder Armlehnen zur Stabilität fest.
Heben Sie das rechte Bein gestreckt vom Boden an – nur einige Zentimeter (bis Kniehöhe). Halten Sie kurz und senken Sie es wieder ab. Dann linkes Bein heben. Führen Sie 8–10 Hebungen pro Bein aus.
Drehen Sie die Fußgelenke jeweils 10-mal in beide Richtungen, um die Sprunggelenke zu mobilisieren.
Für Variation: Legen Sie ein weiches Kissen oder ein kleines Kissen zwischen die Knie und drücken Sie sanft zusammen (Kräftigung der Oberschenkelinnenseite).
Abschließend lassen Sie die Füße kreisen (im Sitzen, „Fahrrad fahren“ mit Füßen in der Luft) und geben Sie eine kurze Ruhepause, um Spannung abzubauen.
Hinweise zur Anpassung: Ist das Anheben eines Beins zu anstrengend, kann das Bein nur anheben bis circa Aufsichtshöhe oder nur Fußspitze heben. Demenzkranke führen diese Übung am besten gleichzeitig mit einem Gruppenleiter imitiert durch. Rollstuhlfahrer können ähnlich sitzen bleiben und lediglich die Wadenmuskulatur durch Abstoßen im Sitzen aktivieren.
Praxisbeispiel: Nach dem Mittagessen kommen Rollstuhlfahrer in der Gemeinschaftsrunde zusammen. Sie machen 5 Minuten Sitzgymnastik mit Beinhebern und Kreisen, um die Durchblutung zu fördern, bevor sie zur Ruhephase ins Wohnzimmer zurückkehren.
Arm- und Schulterkreisen im Sitzen
Zielgruppe: Senioren mit eingeschränkter Mobilität, gut als Einzel- oder Gruppenangebot.
Materialliste: Stabile Stühle, evtl. leichte Handgewichte oder Wasserflaschen.
Durchführung:
Sitzen Sie aufrecht mit entspannten Schultern. Lassen Sie die Arme locker hängen.
Kreisen Sie mit den Schultern einige Male langsam nach hinten und dann nach vorne (Schulterkreisen).
Strecken Sie beide Arme seitlich aus und führen Sie große Kreisbewegungen: Arme heben bis auf Schulterhöhe, kreisen nach hinten und unten zurück. 5–8 Wiederholungen in jede Richtung.
Heben Sie daraufhin die Arme über die Brust zusammen (mit den Handflächen nach vorne) und öffnen sie weit zur Seite – wie ein umgekehrtes Klatschen (auf Brust drücken, auseinanderfedern). Das wiederholen Sie 5 Mal als Brust-/Rückenöffner.
Beenden Sie die Übung mit lockerem Schwingen der Arme (leichtes Auf und Ab in den Schultern) und einigen tiefen Atemzügen.
Hinweise zur Anpassung: Wenn das Armkreisen sehr eingeschränkt ist, können die Arme auch einzeln oder nur bis zur Schulterhöhe gehoben werden. Bei zerebralen Einschränkungen können unterstützende Hilfestellungen gegeben werden (Hand führen). Personen mit Angst vor Bewegung können angeleitet werden, eine Hand auf den Tisch zu legen, um Stabilität zu sichern.
Praxisbeispiel: Zwei- bis dreimal pro Woche leiten Pflegekräfte eine fünfminütige Schultergymnastik ein, bevor das Pflegeteam die Bewohner zu den Mahlzeiten begleitet. Die Übung verbessert die Haltung beim Sitzen und löst Verspannungen im Nacken.
Theraband-Übungen im Sitzen
Zielgruppe: Sitzende Senioren, insbesondere zur Stärkung von Armen und Schultern.
Materialliste: Leichte Therabänder (Widerstandsbänder), die individuell gewählt werden (z.B. Farbe leicht für Anfänger), Stühle mit Armlehnen.
Durchführung:
Setzen Sie sich aufrecht mit Rückenlehne. Wickeln Sie das Theraband um einen festen Griffpunkt (z.B. ein Tischbein) oder halten es beidseitig in den Händen.
Ziehen Sie das Theraband nach außen, indem Sie die Arme seitlich ausstrecken oder zur Seite ziehen, bis das Band gespannt ist. Halten Sie kurz und lassen wieder nach. Wiederholen Sie dies 8–10 Mal (Schulterblattmuskulatur).
Führen Sie Zugübungen vor dem Körper aus: Armen mit Band vor dem Körper strecken und wieder lösen (Trizeps-Übung).
Wenn möglich, fixieren Sie das Band unter den Füßen und ziehen es über die Schultern nach oben (lassen Sie die Arme so hoch wie möglich heben), um etwas Widerstand für den oberen Rücken zu schaffen.
Zum Abschluss lassen Sie das Band locker und führen Sie ein paar Armkreise ohne Widerstand aus, um sich zu entspannen.
Hinweise zur Anpassung: Demenziell veränderte Personen wiederholen die Übung am besten zusammen mit einer Fachkraft oder einem „Buddy“. Die Lage des Bandes (Tisch, Unterkante Stuhl) wird so gewählt, dass kein Ungleichgewicht entsteht. Bei einseitigen Lähmungen kann das Band auch nur mit einer Hand gehalten und der gesunde Arm unterstützend eingesetzt werden.
Praxisbeispiel: In einer Physio-Einzeltherapie sitzt die Seniorin am Tisch. Zusammen mit dem Therapeuten macht sie langsame Zugübungen mit dem Theraband. Dadurch werden Sehnen und Gelenke mobilisiert, die Brustwirbelsäule aufgerichtet und der Oberkörper gestärkt.
Tischtennisball-Spiel im Sitzen
Zielgruppe: Senioren mit Mobilitätseinschränkung (im Sitzen), motivierend als Gruppen- oder Einzelübung.
Materialliste: Weiche Tischtennisbälle (oder Luftballons), einen rutschfesten kleinen Tisch oder einen großen Kissenberg als „Netz“, evtl. kleine Schläger (Pappteller).
Durchführung:
Zwei Personen sitzen sich an einem Tisch oder zwei Stühlen gegenüber. Der „Netzbereich“ wird durch einen Streifen aus dem Tisch getan oder alternativ ein flaches Kissen dazwischen gelegt.
Eine Person wirft den weichen Ball auf und lässt ihn hüpfen (oder prellt ihn) – die andere Person schlägt oder fängt den Ball nach dem 1–2 Hüpfers.
Ziel ist es, den Ball über das imaginäre Netz hin- und herzuspielen. Jeder Handschlag zählt als Pluspunkt, ein Missen als Wechsel.
Für Variation können auch kleinere Teams von 3–4 Personen gebildet werden, die im Kreis den Ball zuwerfen oder hin- und herschlagen.
Achten Sie auf eine ruhige Bewegungsgeschwindigkeit, damit niemand überfordert wird. Langsam aufbauen und nach jedem kurzen Spiel entspannen.
Hinweise zur Anpassung: Wenn Tischtennisbälle zu klein oder schnell sind, kann ein aufgeblasener Luftballon benutzt werden. Steht kein Tisch zur Verfügung, kann das Spiel mit einem Kissen auf dem Schoß als Zielfläche arrangiert werden. Mit Demenzpatienten wird der Ball möglichst gemeinsam gefangen und zurückgeworfen (mit Ansagen wie „Ball, Ball, Ball“ zur Orientierung).
Praxisbeispiel: Im Sportraum findet ein kleines „Sitztennis-Turnier“ statt: Paarweise spielen die Senioren eine Runde gegeneinander. Es herrscht viel Gelächter und Konzentration, während die Augen-Hand-Koordination auf lockere Weise trainiert wird.
Kissen-Fußballspiel im Sitzen
Zielgruppe: Sitzende Senioren (auch Rollstuhlfahrer), als spielerische Gruppenaktivierung.
Materialliste: Weiche Kissen (o.ä. als „Ball“), evtl. zwei kleine Eimer oder Körbe als Tore.
Durchführung:
Ordnen Sie zwei Mannschaften: Senior:innen sitzen sich gegenüber in zwei Reihen (mindestens 2 Personen pro Reihe) oder im Stuhlkreis. Zwischen den Reihen liegen die „Tore“ (Eimer) links und rechts.
Ein Kissen wird als Ball benutzt. Die Teams schießen abwechselnd, indem sie mit den Händen das Kissen in Richtung des gegnerischen Tores abstoßen (wie eine Art „Handfußball“).
Der Kissen-„Ball“ darf einmal vom Boden hochgehoben und sofort weitergespielt werden, ohne dass er zu lange liegenbleibt.
Jede Spielrunde ist auf einige Minuten begrenzt. Danach wird kurz gewertet und die Teams wechseln die Seiten, damit alle mal in der gleichen Position sind.
Die Aktivität endet mit lockerer Siegesfeier (gemeinsam applaudieren) und einer kurzen Stretchrunde im Sitzen.
Hinweise zur Anpassung: Bei Senioren mit Demenz kann das Spiel zugänglicher gemacht werden, indem nur wenige feste Regeln gelten (z.B. immer rufen, bevor abgeschossen wird) und Hilfestellung zum Zielen gegeben wird (z.B. Anleitung: „Schießt den Ball leicht!“). Rollstuhlfahrer sind genauso aktiv und können das Kissen mit den Fingerspitzen anstupsen. Barrieren zwischen den Stühlen (Tische) sicherstellen, damit der „Ball“ nicht zu weit rollt.
Praxisbeispiel: Im Rahmen eines Spielevormittags treffen zwei Kleingruppen aufeinander. Nach kurzer Anleitung beginnt die Partie: Es wird gejubelt, wenn ein „Tor“ gelingt, und gemeinsam beraten, wie der nächste Pass gelingt. Die Teamarbeit fördert soziale Interaktion und körperliche Aktivität gleichzeitig.
Apfelpflücken (Arm- und Streckbewegung)
Zielgruppe: Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz, insbesondere als Gruppenangebot.
Materialliste: Stabile Stühle, idealerweise im Kreis; buntes Tuch oder imaginäre „Äpfel“ (keine realen Notwendigkeiten).
Durchführung:
Alle sitzen im Stuhlkreis. Stellen Sie sich vor, Sie stehen unter einem imaginären Apfelbaum.
Auf Kommando „Äpfel ernten“ strecken alle langsam die Arme nach oben, beugen sich leicht nach hinten und tun so, als pflückten sie Äpfel vom Baum. Die Arme mit den „Äpfeln“ (bunte Tücher) werden zur Seite gelegt.
Anschließend beugen sich alle vor, tun so, als legen sie die „gepflückten“ Äpfel in einen Korb (z.B. ein großes Handtuch auf dem Boden vor ihnen).
Wiederholen Sie die Abfolge mehrmals: Strecken, Pflücken, Einlegen – mit Mal- und Sprechanleitungen („Gleichzeitig pflücken wir einen Apfel!“).
Zum Abschluss ziehen alle einmal tief die Arme auseinander und atmen gemeinsam aus (so wird der Baum wieder trocken und bereit zum neuen Pflücken).
Hinweise zur Anpassung: Dieses Bewegungs-Spiel ist bewusst bildhaft gestaltet, um Demenzkranken Orientierung zu geben. Bei starker Orientierungslosigkeit kann eine Assistentin die Armbewegungen führen und verbal begleiten („Rechte Hand greift den Apfel“). Für Teilnehmende im Rollstuhl funktioniert die Bewegungsabfolge analog. Wichtig ist das gemeinsame Erlebnis: Jeder Schritt wird langsam vorgeführt und mit einfachen Worten erklärt.
Praxisbeispiel: Im Nachmittagsprogramm wird mit Bezug zur Jahreszeit geübt: Alle Senioren sitzen bei herbstlicher Musik im Kreis und tun so, als wäre ein großer Apfelbaum über ihnen. Nach einigen Durchgängen erzählen Betreuende kleine Geschichten zu Äpfeln, was kognitiv stimuliert und durch die Bewegung verankert wird.
Tuch-Schmetterlingstanz
Zielgruppe: Personen mit Demenz oder kognitiver Einschränkung, auch Sitzgruppe geeignet.
Materialliste: Dünne bunte Tücher oder leere Tücher (leicht zu fächern), evtl. sanfte Musik.
Durchführung:
Jede Person erhält ein Tuch in der Hand. Alle sitzen oder stehen (für Standfestigkeit gibt es Stühle zum Festhalten).
Auf ein leichtes Musikstück (z.B. Klassik oder Naturklänge) bewegen alle die Tücher sanft: einmal hoch über den Kopf schwingen, dann abwechselnd rechts-links wedeln. Dies imitiert das Flattern eines Schmetterlings.
Führen Sie Anweisungen ein: „Fliegt der Schmetterling nach oben? (Arme hoch) Und nun fliegt er zur Seite? (Arme strecken)“. Helfen Sie ggf. mit Hand auf Hand bei unsicheren Bewegungen.
Nach einigen „Flugrunden“ lassen alle die Tücher langsam sinken und atmen tief durch.
In einer Abschlussrunde können die Tücher sanft von einer Person zur nächsten weitergegeben werden, was auch die Gemeinschaft fördert.
Hinweise zur Anpassung: Für in der Sitzgruppe können die gleichen Bewegungen mit minimalen Abständen zwischen den Bewegungen gemacht werden, damit niemand überfordert wird. Farbige Tücher dienen als visuelle Orientierung; manche Demenzkranke blühen auf, wenn sie ein attraktives Material in der Hand halten. Musik und Poesie („Der kleine Schmetterling fliegt durch den Raum…“) können zusätzlich eingebunden werden.
Praxisbeispiel: Im Rahmen einer aktivierenden Beschäftigung setzen sich die Betreuenden mit den Bewohnern in einen Stuhlkreis. Leise Klassik erklingt, während alle die farbigen Tücher wie Schmetterlinge durch die Luft wirbeln lassen. Dadurch wird nicht nur die Beweglichkeit der Arme angeregt, sondern auch Erinnerungen an Kindheitserinnerungen und Frühlingsbilder geweckt.
Lied mit Bewegungen
Zielgruppe: Menschen mit Demenz, geeignet für Gruppen.
Materialliste: Liedtexte oder vertraute Volks- bzw. Kinderlieder (z.B. „Aramsamsam“), evtl. Schlaginstrumente oder Paarbecken.
Durchführung:
Wählen Sie ein bekanntes, einfaches Lied (z.B. „Alle Vögel sind schon da“ oder „Backe, backe Kuchen“) aus. Alle sitzen im Kreis.
Bei jedem Vers wird eine festgelegte Bewegung ausgeführt: z.B. beim Wort „Vögel“ die Arme zu Flügeln ausbreiten, bei „Kuchen“ winken, bei „schon da“ Klatschen. Die Betreuerin erklärt kurz vor.
Singen oder Summen Sie gemeinsam mit den Senioren. Die aufgeführten Gesten werden langsam und wiederholend erklärt („Jetzt breitest du deine Flügel aus!“).
Erhöhen Sie allmählich das Tempo oder fordern Sie den Wechsel von sitzender in stehender Position (sofern möglich) etwa beim Refrain.
Beenden Sie das Lied mit gemeinsamem Lachen oder Applaus.
Hinweise zur Anpassung: Wählen Sie Lieder, die in der Biografie der Senioren bekannt sind. Die Bewegungen müssen sehr einfach sein: Arme heben, klatschen, leicht auf der Stelle treten. Bei starker Demenz wird nur eine Bewegung eingebaut (etwa „Klatsch“ zum Refrain), damit es nicht überfordert. Der Reiz liegt im Wiedererkennen des Liedes und im Mitmachen.
Praxisbeispiel: Zum Geburtstag eines Bewohners wird das Geburtstagslied gesungen. Nach jeder Strophe klatschen alle gemeinsam und heben die Hände. Die heitere Stimmung lockert auf, und auch weniger aktive Bewohner machen wippende Bewegungen mit den Füßen.
Rhythmisches Klatschen im Sitzen
Zielgruppe: Alle demenziell veränderten Senioren, insbesondere in der Mittags- oder Nachmittagsrunde.
Materialliste: Keine (evtl. Rasseln oder Klöppel), Lied („Klatsch- und Namensspiel“).
Durchführung:
Alle sitzen im Stuhlkreis. Fangen Sie ein Rhythmusspiel an: Klatschen im Takt (z.B. zweimal klatschen, einmal auf den Oberschenkel klopfen).
Beim Namen jeder Person machen alle Klatschgeräusche im Wechsel: Betreuer ruft z.B. „Anna“, jeder Klatscht, dann „Jens“, alle klatschen, usw. Dabei muss aufgepasst werden, wer gerade gefragt ist (Achtsamkeitstraining).
Varianten: Jeder Klatsch kann von einer kleinen Beinbewegung begleitet werden (z. B. ein kurzes Heben des angewinkelten Beins).
Mit steigendem Tempo wird der Senior selbst häufiger in das Spiel eingebunden („Wer ist jetzt dran?“). Immer wieder erfolgen kurze Pausen und Wiederholung der Reihenfolge.
Am Ende besprechen alle, ob es „geklappt“ hat, und loben kleine Erfolge („Sehr gut aufgepasst!“).
Hinweise zur Anpassung: Dieses Spiel trainiert Aufmerksamkeit und fördert soziales Miteinander. Es erfordert kein Material und mobilisiert Arme und Beine in kleinem Rahmen. Bei starker Demenz kann das Namensrufen entfallen – man klatscht nur zu einfacher Musik oder zum Rhythmus der eigenen Hände. Helfer geben taktile Hinweise (z.B. Händes auf Schulter legen) wenn die Person nicht reagiert.
Praxisbeispiel: Im Sitztanzkreis ruft der Gruppenleiter nacheinander Namen: „Fritz, klatschen!“ Während alle klatschen, lächelt die Gruppe Fritz an. So wird jeder einzelne einzeln betrachtet, was das Zugehörigkeitsgefühl stärkt und sanft mobilisiert.
Bildkarten-Geschichte mit Gesten
Zielgruppe: Demenziell veränderte Senioren, als Gruppenspiel geeignet.
Materialliste: Große Bildkarten (z.B. Tiere, Alltagsszenen) oder als Alternative ein Taschenbuch mit großen Bildern.
Durchführung:
Die Betreuerin zeigt eine Bildkarte (z.B. ein Huhn auf der Wiese).
Alle bilden mit Armen und Körper dazu eine passende Bewegung nach: z.B. Hühnerflügel (Arme seitlich vorm Körper zusammenklappen) und „gackern“ (munteres Kopfnicken).
Dann wird ein anderes Bild gezeigt, zum Beispiel ein Ball im Gras – alle imitieren das Aufheben eines Balls und Tun ins Körbchen.
Jedes Bild wird kurz erläutert und mit einer simplen Geste verbunden, sodass die Gruppe mitträgt. Die Bilder werden nach 2–3 Bewegungen gewechselt, damit es dynamisch bleibt.
Am Ende werden alle Bilder kurz nacheinander rekapituliert: Jeder nennt, was er gerade dargestellt hat (solange möglich) – das verbindet Bewegung mit Erinnern.
Hinweise zur Anpassung: Verwenden Sie sehr aussagekräftige Bilder und lassen Sie Patienten mit Demenz die einfachsten Gesten nachahmen (oft reicht schon Hände aufblasen o.ä.). Wiederholungen verstärken das Gedächtnis. Wenn notwendig, kann eine persönliche Biografie einfließen („Als Kind haben Sie doch vielleicht ... gemacht?“). Bewegung und Erinnerung werden so verknüpft.
Praxisbeispiel: In einer morgendlichen Aktivierungsrunde verwenden Pflegekräfte einen einfachen Bilderwürfel. Jeder Senior zieht der Reihe nach eine Karte und führt die Bewegung aus. Die übrigen Senioren machen mit, und alle lachen über die lustigen Gesten, was die Gruppe zusammenschweißt.
Passive Arm- und Beinbewegungen
Zielgruppe: Bettlägerige oder höchst eingeschränkte Personen (Hochbettlage oder Rollstuhl mit Rückenlehne).
Materialliste: Keine, evtl. glatte Liegeunterlage oder Matten, ggf. Gleitmittel (creme oder Feuchttücher).
Durchführung:
Pflegende oder PhysiotherapeutIn stützen einen Arm oder ein Bein einer liegenden Person und führen sanfte Bewegungen durch: Beugen und Strecken im Ellbogen-/Kniegelenk, Hebungen nach oben. Jede Bewegung erfolgt langsam mit dem Rhythmus der Atmung. (Bei Händen: Faust machen und öffnen, Finger bewegen.)
Hüft- und Schultergelenke können behutsam kreisend bewegt werden („Gelenkmobilisation“), um versteifte Glieder zu lockern. Jede Bewegung wird wenige Male durchgeführt (5–8 Mal pro Gelenk).
Kombinieren Sie diagonale Bewegungen (z.B. rechter Arm nach links oben, linkes Bein anheben), damit auch Rumpf und Koordination angesprochen werden.
Sprechen Sie während der Mobilisation mit der Person, erklären Sie (sofern möglich) jede Bewegung („Wir heben den Arm bis zur Decke“), um Orientierung zu bieten.
Beenden Sie mit einer kurzen Ruhephase: die Gliedmaßen locker hängen lassen und einige tiefe Atemzüge abwarten.
Hinweise zur Anpassung: Achten Sie stets auf Schmerzsignale. Bei starker Spastik oder Zuckungen nicht überdehnen. Anpassungen: Den Bewegungsradius reduzieren, langsamer arbeiten. Finger- und Fußmobilisation kann auch alleine ausgeführt werden (ggf. Anleitung der Angehörigen). Diese passive Gymnastik fördert Durchblutung und verhindert Gelenkversteifung. Bei Demenzkranken können Sie Bewegungsanweisungen in Geschichten verpacken („Die Wolken winken uns“ bei Armheben).
Praxisbeispiel: Eine Pflegekraft besucht täglich einen bettlägerigen Bewohner und macht mit ihm im Bett Gelenkmobilisation. Dabei werden die Arme gestreckt und die Beine gebeugt. Das regelmäßige Bewegen hält die Gelenke geschmeidig und verhindert Druckstellen durch Stagnation.
Fußpumpen im Liegen
Zielgruppe: Bettlägerige Senioren, zur Durchblutungsförderung der Beine und Vorbeugung gegen Thrombose.
Materialliste: Keine, eventuell eine weiche Decke oder Kissen zur Lagerung des Knies.
Durchführung:
Die Person liegt mit ausgestreckten Beinen auf dem Rücken. Stellen Sie ein kleines Kissen unter ein gebeugtes Knie, wenn seitliches Anheben leichter fällt.
Anweisung: Fußspitze anziehen (Fußgelenk strecken), dann Fußspitze vom Körper weg drücken (fußwärts dehnen) – als ob auf ein Gaspedal zu drücken wäre. Führen Sie dies 10–15 Mal durch.
Optional mit dem Betroffenen: „Wir drücken den Boden weg, dann ziehen wir den Himmel an“ – das symbolische Sprechen fördert die Mitarbeit.
Danach können die Füße gemeinsam gekreist werden (beidseits möglichst synchron). 5 Kreise im Uhrzeigersinn und 5 gegen den Uhrzeigersinn.
Beenden Sie mit Abrollen der Fußsohlen: „vom Fersen auf die Zehenspitzen“ abrollen und umgekehrt.
Hinweise zur Anpassung: Sind Schmerzen vorhanden, reicht oft das sanfte Abrollen. Wenn noch kein Rezept für Thrombosespritzen besteht, ist diese Übung besonders wichtig. Bei Bewusstseinsminderung macht die Pflegekraft die Bewegungen vollständig selbst und erklärt sie verbal. Liegt der Patient im Bett, kann ein Kissen als „Pedal“ nutzbar gemacht werden, um effektiver zu dehnen.
Praxisbeispiel: Eine dreimal täglich stattfindende Lagerungsserie umfasst neben Seitenlage etc. auch eine Fußgymnastik. Der Bewohner wird dabei angeleitet („Fersen weit nach oben!“), was die Beine locker hält und Ödembildung vorbeugt.
Hand- und Fußmassage
Zielgruppe: Bettlägerige oder pflegebedürftige Senioren, besonders zur Entspannung und Durchblutungsförderung geeignet.
Materialliste: Handtuch, evtl. Massageöl oder Bodylotion (zucker- oder lanolinfrei).
Durchführung:
Reinigen Sie die Hände und erwärmen Sie das Massageöl in den Händen.
Massieren Sie sanft Handflächen und Fingerspitzen: Streichen Sie mit den Daumen von der Handwurzel bis zu den Fingern, kneten Sie mit leichter Spannung die Handballen (keine Druckstellen) und dehnen jeden Finger sanft.
Wiederholen Sie ähnliche Schritte an den Füßen: Lagewechsel ggf. ermöglichen, Fußsohle mit kreisenden Bewegungen massieren, Zehen sanft einzeln dehnen.
Beenden Sie mit sanftem Ausstreichen entlang der Extremitäten (z.B. vom Handgelenk Richtung Ellenbogen, oder vom Fußrücken zum Knie).
Lassen Sie die Person zwischendurch atmen und fragen Sie nach Empfinden („Warmes Öl?“). Ziel ist Entspannung und Kontakt, nicht Kraftaufwand.
Hinweise zur Anpassung: Massieren Sie stets mit ruhiger, sicherer Hand, damit der Senior den Kontakt spürt. Bei Demenz ist Massage oft sehr beruhigend – manchmal genügen nur Berührungen ohne Technik, begleitet von einem leisen Gespräch oder Musik. Fingerübungen mit „Kneten“ können nach Durchblutungsmassage forciert werden. Bei Sensibilitätsstörung (Diabetes) achten Sie darauf, keinen Druck auf Fußsohlen auszuüben, die bereits empfindlich sind.
Praxisbeispiel: Während der Abendpflege nimmt sich die Pflegekraft einige Minuten Zeit für die Fußmassage eines Ruhenden. Ruhige Musik und warme Hände helfen dem Bewohner, sich zu entspannen, und die Beine werden durch das massieren warm und weich.
Atem- und Brustkorbübung im Liegen
Zielgruppe: Bettlägerige, insbesondere Personen mit Atemwegserkrankungen oder eingeschränkter Tiefenatmung.
Materialliste: Kissen zur Unterstützung (ggf. unter den Kopf oder unter die Knie), evtl. Atemtrainer-Flöten (optional).
Durchführung:
Legen Sie sich auf den Rücken, ein Kissen unter den Kopf, oder zur Vereinfachung auf die Seite (Halbseitenlagerung). Hände können auf den Bauch gelegt werden.
Atmen Sie tief durch die Nase ein: Versuchen Sie, die Luft in den Bauch zu ziehen (Bauch wölbt sich langsam). Atmen Sie danach langsam durch den leicht geöffneten Mund aus, dabei ist ein sanftes Stöhnen oder „sssss“-Geräusch erlaubt („kerzenausblasen“). Wiederholen Sie dies 5–8 Mal.
Setzen Sie zur Variation Armbewegung ein: Heben Sie die Arme beim Einatmen über den Kopf, beim Ausatmen wieder auf die Brust sinken. (Je nach Bettenbreite geht auch Seitlingsheben).
Eine weitere Variante ist das „Lippenbremse“-Atmen: Langsam durch die Nase ein, mit gespitzten Lippen durch den Mund aus, so dass die Lippen beim Ausatmen einen sanften Widerstand bieten.
Achten Sie stets darauf, dass die Person nicht hustet oder würgt – eventuell stoppen und durchatmen lassen.
Hinweise zur Anpassung: Diese Übung kann im Halbsitz im Bett oder im Rollstuhl ähnlichermaßen durchgeführt werden. Bei Demenzpatienten können Sie visualisieren („Wir pumpen den Ballon auf“) oder ein Lied summen lassen, damit das Ausatmen verlängert wird. Atemtrainer-Flöten werden oft als Spielzeug eingesetzt (z.B. Seifenblasen machen), um die aktive Mitarbeit zu erhöhen.
Praxisbeispiel: Nach der Physiotherapie wird im Bett ein kurzes Atemtraining durchgeführt. Der Patient atmet tief, während ihm ein Therapeuten-Assistent die Hände auf den Bauch legt, um die Bauchatmung zu kontrollieren und die korrekte Ausführung zu vermitteln.
Zungen- und Gesichtsgymnastik
Zielgruppe: Bettlägerige oder hochgradig eingeschränkte Personen, zur Stärkung der Mund- und Gesichts-Muskulatur (auch Schluck- und Sprachtraining).
Materialliste: Keine, evtl. weich aufgewickeltes Tuch als „Lippenbremse“.
Durchführung:
Bitten Sie die Person, die Lippen fest zu schließen und 5 Sekunden zu halten, dann zu entspannen. Das stärkt die Mundmuskeln.
Lassen Sie die Lippen spitzen (Kussmund) und wieder entspannen, wiederholen Sie 5–8 Mal. Danach die Wangen aufblasen (Blasengeräusch machen) und Luft entweichen lassen, ebenfalls mehrfach.
Die Zunge aus dem Mund herausstrecken und wieder in den Mundraum ziehen. Wenn möglich, versuchen, mit der Zungenspitze die Nasenspitze oder das Kinn zu berühren.
Mund seitlich aufziehen (Lächeln) und Kinn gegen Widerstand nach vorne drücken (Hand unter Kinn). Jede Übung langsam, nur wenige Sekunden halten.
Einfache Artikulationsübungen (z.B. laut verschiedene Vokale sagen oder summen) können folgen, um die Atmung zu koordinieren.
Hinweise zur Anpassung: Achten Sie darauf, dass die Übungen nicht ermüden. Bei Demenz wird meist nur ein kleiner Teil gemacht (z.B. Lippenpusten als lustige Aktivität). Diese Gymnastik kann helfen, beim Essen die Flüssigkeitsaufnahme zu erleichtern. Ruhepausen einplanen.
Praxisbeispiel: Die Logopädin führt vor dem Frühstück mit dem Patienten Lippen- und Zungenübungen durch. Dadurch wird dessen Gesichtsmuskulatur aktiviert, was Schlucken und Sprechen im Alltag unterstützt.
Autogenes Training / Fantasiereise im Bett
Zielgruppe: Bettlägerige oder ruhende Senioren, zur mentalen Entspannung und Mobilisierung durch Vorstellung.
Materialliste: Beruhigende Musik oder Naturklänge, weiches Licht, ggf. Hand des Betreuers zum Festhalten.
Durchführung:
Bitten Sie die Person, es sich im Bett bequem zu machen (eine leichte Rückenstütze kann helfen). Klären Sie ab, ob der Bewohner bereit ist, die Augen zu schließen.
Leiten Sie einen Entspannungsprozess verbal an: „Spüren Sie, wie Ihre Füße schwer werden… lassen Sie alle Anspannung los“. Führen Sie durch verschiedene Körperteile (Fuß, Bein, Bauch, Arm etc.), die der Bewohner „loslässt“.
Wechseln Sie zu einer Fantasiereise: etwa das Vorstellen eines Spaziergangs im Sommergarten. Nutzen Sie sanfte Aufforderungen („Sie riechen die Blumen… hören die Vögel“). Integrieren Sie leichte Bewegungsaspekte, wie „Stellen Sie sich vor, Sie heben sanft Ihre Hände, um die Sonne zu fühlen“.
Achten Sie auf den Atemrhythmus: Atmen Sie tief und langsam vor, und der Patient imitiert unbewusst das ruhige Atmen.
Beenden Sie die Entspannung langsam: Zählen Sie leise von 1 bis 5 und fordern Sie den Patienten auf, die Augen zu öffnen, wenn er sich bereit fühlt.
Hinweise zur Anpassung: Diese nicht-motorische Aktivierung eignet sich besonders bei starker Pflegebedürftigkeit. Sie kann auch Mitfiebern für Demenzkranke bieten (gemeinsames In-die-Welt-Eintauchen). Keine hastigen Aufsteh- oder Bewegungsübungen durchführen, damit der Moment der Ruhe nicht gestört wird. Auch im Rollstuhl funktioniert eine angepasste Version (Beine fester stehen lassen).
Praxisbeispiel: Vor dem Schlafengehen liest die Pflegekraft eine angeleitete Imaginationsgeschichte vor, in der die Bewohnerin eine Wiese mit Schmetterlingen besucht. Dabei wippt die Betreuerin sanft an der Bettkante. Die Seniorin entspannte sich merklich und schlief danach schneller ein.
Luftballon-Volleyball
Zielgruppe: Fitte und eingeschränkt mobile ältere Menschen (auch im Rollstuhl) – für demenziell veränderte Teilnehmende bei verständlichen Regeln geeignet. Bettlägerige können teilweise mitmachen (sitzend).
Materialliste: Weicher Luftballon (oder großer Schaumstoffball), ggf. Stuhlkreis oder Netz.
Schrittweise Anleitung:
Teilnehmende sitzen oder stehen im Kreis. Eine Hilfsperson hält ggf. ein einfaches Netz (z.B. ein Tuch).
Der erste Teilnehmende wirft den Luftballon leicht über das Netz oder zur Mitte des Kreises.
Die nächste Person versucht, den Ballon zurückzuwerfen oder -zupusten, ohne dass er den Boden berührt.
Vorgegebene Reihenfolge (z.B. im Uhrzeigersinn) ermöglicht jedem abwechselnd den Ballkontakt.
Das Spiel wird ohne Zeitdruck fortgesetzt, gelegentlich können Aufgaben gestellt werden (z.B. „Klatsche einmal, bevor du den Ball abspielst“).
Hinweise zur Anpassung: Für Rollstuhlfahrer kann der Ball flacher gespielt werden, etwa durch Bumerangwurf. Bei kognitiven Einschränkungen einfache Rituale (z.B. gemeinsames Zählen) nutzen. Bettlägerige können den Ballon locker halten und die Arme bewegen, ohne aktiv zu werfen.
Praxisbeispiel: Diese Aktivierung eignet sich gut für die Nachmittagsgymnastik in der Gruppe. Nach dem Mittagessen werden die Teilnehmenden in einem Stuhlkreis aktiviert: Ein Luftballon wird eingesetzt, um Hände und Arme mit Spaß zu bewegen und die Aufmerksamkeit zu fördern.
Bewegungsgeschichte „Obsternte“
Zielgruppe: Alle älteren Menschen (fit, mobil eingeschränkt, Demenz, bettlägerig) – im Sitzen oder am Bett durchführbar.
Materialliste: Vorbereitete Geschichte oder Bilder (z.B. ein Liedtext oder Kartenset), Korb oder Schale als Requisite, eventuell ein weicher Ball als „Obst“.
Schrittweise Anleitung:
Die Gruppe sitzt in einem Kreis (oder die bettlägerige Person liegt im Bett).
Eine Begleitperson erzählt eine kurze Geschichte von einer Obsternte (z.B. Äpfel pflücken): Beschrieben werden konkrete Bewegungen.
Bei jedem Handlungsimpuls führen die Teilnehmenden die entsprechende Bewegung nach: z.B. Arme hochstrecken beim Pflücken, „Gießen“ mit beiden Armen, als würden sie Wasser aus einer Gießkanne ausschütten (einatmen, ausatmen).
Die Geschichte wird ggf. mehrfach wiederholt, damit alle mitmachen können.
Am Ende sammeln alle gemeinsam (z.B. mit dem Korb) die „gepflückten“ Früchte ein.
Hinweise zur Anpassung: Für Rollstuhlfahrer werden alle Bewegungen im Sitzen durchgeführt (z.B. mit Ellbogenstütze auf dem Lehnenrand). Demenziell veränderte Teilnehmende erhalten einen starken Bezug zum Thema (z.B. bekannte Früchte aus der Jugend). Bettlägerige Personen können vorgemacht bekommen, wie man „pflückt“ und „legt“. Auf Pausen achten und klare Aufforderungen geben.
Praxisbeispiel: Die Aktivierung kann morgens nach dem Frühstück in der Sitzecke beginnen. Mit geschlossenen Augen werden die Früchte „geduftet“ und dann gemeinsam „gepflückt“. Dies fördert Bewegung der Oberkörper und regt Erinnerungen an Gartenarbeit an.
Sonnengruß im Sitzen
Zielgruppe: Fitte und eingeschränkt mobile Personen, auch im Rollstuhl. Demenziell veränderte oder bettlägerige Personen können mit vereinfachter Version mitmachen.
Materialliste: Keine speziellen Materialien, evtl. ruhige Musik.
Schrittweise Anleitung:
Die Teilnehmenden sitzen aufrecht auf Stühlen oder Rollstühlen, Füße flach auf dem Boden.
„Einatmen“: Beide Arme seitlich nach oben führen, Hände über dem Kopf zusammenführen (Hände nach Möglichkeit berühren oder berühren fast).
„Ausatmen“: Arme langsam seitlich nach unten senken.
Diese Übung wird mehrmals wiederholt.
Nach einigen Wiederholungen Arme mit einer zusätzlichen Drehung des Oberkörpers verbinden (z.B. Blick nach links und rechts wenden).
Abschließend tief in den Bauch atmen, Schultern bewusst locker lassen.
Hinweise zur Anpassung: Im Rollstuhl ruhig anlehnen, Kopfhaltung lockern. Bei kognitiven Einschränkungen einfache Ansagen („einatmen – Arme hoch“, „ausatmen – Arme runter“) geben. Bettlägerige Personen können Grundübungen wie Arm heben leicht am Bett ausführen oder nur die Atmung üben.
Praxisbeispiel: Geeignet zu Beginn einer Gymnastikstunde oder zum Wecken am Morgen: Nach dem Aufstehen treffen sich die Teilnehmenden an ihren Stühlen und führen gemeinsam sitzend den „Sonnengruß“ durch, um Kreislauf und Mobilität zu aktivieren.
Aromatherapie-Handmassage
Zielgruppe: Eingeschränkt mobile, demenziell veränderte und bettlägerige Personen (auch fitte können mitmachen, bequem im Sitzen oder Liegen).
Materialliste: Ätherisches Lavendelöl oder Hautöl, weiches Tuch. Optional bunte Schalen mit Duftstoffen (z.B. Orange, Vanille) zum Hineinschnuppern.
Schrittweise Anleitung:
Eine Person bekommt vorsichtig etwas Öl in die Handflächen eingerieben.
Mit langsamen, kreisenden Bewegungen werden Handrücken und Fingerspitzen massiert (Daumen kreisförmig über den Handrücken führen, Finger sanft kneten).
Anschließend wird leicht über die Unterarme gestrichen.
Wiederholt einige Minuten pro Hand und Person, beide Hände gleich behandeln.
Währenddessen wird in ruhigem Ton erklärt, welche Bewegung folgt (z.B. „Jetzt streiche ich die Handrücken“).
Mit einer abschließenden, sanften Handdruckbewegung am Bizeps beenden.
Hinweise zur Anpassung: Auch im Rollstuhl oder Bett einfach durchführbar. Für Menschen mit Demenz: Aromastoffe (z.B. Orange) vor und während der Massage zeigen, um Sinne anzuregen. Bettlägerigen genügt minimale Berührung zur Durchblutung. Bei kognitiven Einschränkungen langsame Wiederholung und Lob („Das machen wir noch einmal, sehr gut“).
Praxisbeispiel: Ideal als Entspannungsübung vor dem Schlafengehen oder nach dem Mittagstisch. Während die Teilnehmenden gemeinsam beisammensitzen (z.B. im Gruppenzimmer), massiert die Pflegende nacheinander ihre Hände. Lavendelduft schafft Wohlbefinden und fördert ruhige Stimmung.
Zeitungstanz
Zielgruppe: Fitte und eingeschränkt mobile Senioren (im Sitzen möglich). Auch für demenziell Veränderte einfach in der Anleitung. Bettlägerige nur als passive Bewegung (Hände).
Materialliste: Je eine halbe oder ganze Zeitung pro Person (optional farbige Kreide zum Markieren), Stühle.
Schrittweise Anleitung:
Die Teilnehmenden sitzen um einen Tisch oder in Stuhlreihe. Jeder hat ein Zeitungsblatt auf dem Tisch liegen.
Zur Musik (ruhiger Walzer oder langsames Lied) werden einfache Schritte gesungen oder angesagt (z.B. „rechte Hand hebt sich zum Himmel“, „linkes Bein stellt sich vor“). Die Hände oder Füße werden wie beim Tanz geführt, während der Zeitungsblatt mitgeführt wird.
Auf das Liedende hin wird jeder aufgefordert, zusammenzuklappen oder einen Schlitz in die Zeitung zu schneiden (für Demenz gekürzt).
Die Zeitungen werden rhythmisch zu Bewegungen genutzt (z.B. weit ausbreiten und zusammenführen, als Fächer verwenden).
Wiederholungen mit wechselnder Musik oder Bewegungen.
Hinweise zur Anpassung: Rollstuhlfahrer führen die Bewegung mit Oberkörper und Armen aus. Bei kognitiven Einschränkungen möglichst bekannte Melodien verwenden. Bettlägerige können die Zeitung mit beiden Händen berühren und leicht schütteln.
Praxisbeispiel: Diese Aktivierung lässt sich gut im Nachmittagsprogramm durchführen. Nach Kaffee und Kuchen wird im Stuhlkreis ein Ruhiger Walzer gespielt, und jede Person „tanzt“ mit der Zeitung. Dadurch werden Arme, Schultern und Hüfte aktiviert, und es entsteht gute Stimmung.
Theraband-Gymnastik
Zielgruppe: Mobile, gut trainierte bis eingeschränkt bewegliche Personen (auch im Rollstuhl durchführbar). Vor allem für Personen ohne schwere Demenz. Bettlägerige können Teile der Übung im Bett versuchen.
Materialliste: Weiches Theraband oder Pilatesband (Gummiband mit geringer Zugkraft). Evtl. zwei Therabänder für Partner.
Schrittweise Anleitung:
Die Teilnehmenden sitzen aufrecht. Jeder hält das Theraband mit beiden Händen – entweder vor dem Körper oder auf Kniehöhe gespannt.
In Bauch-, Schulter- und Armbereich ausführen: z.B. Band nach vorne drücken und zurückziehen, oder seitlich auseinanderziehen.
Überkopf-Übung: Band in beiden Händen über dem Kopf halten, langsam nach unten bis auf Schulterhöhe ziehen und wieder anheben.
Einige Runden mit verschiedenen Übungen (Arm abwechselnd strecken, Arme heben/senken).
Wiederholungen moderat halten (5–10 x pro Übung) und entspannt atmen.
Hinweise zur Anpassung: Im Rollstuhl ggf. Rückenstütze nutzen. Für kognitiv eingeschränkte Teilnehmende jede Bewegung vormachen. Bettlägerige üben z.B. Finger spreizen und Faust bilden, indem sie das Band locker in den Händen halten und ziehen.
Praxisbeispiel: Solche Übungen können in einer Morgenrunde vor dem Frühstück durchgeführt werden. Unter Anleitung des Therapeuten dehnen die Bewohner das Band – ähnlich einem Widerstandstraining. Die langsamen Bewegungen stärken die Arm- und Rückenmuskulatur.
Ballon-Pustespiel
Zielgruppe: Alle Senioren, vor allem eingeschränkt mobil und Demenz, da es langsam und spielerisch ist. Rollstuhlfahrer können mitmachen; für Bettruhebedürftige zur Atemübung.
Materialliste: Ein bis zwei leichte Luftballons (möglichst groß und langsam sinkend). Alternativ: Pinwheel (Luftrad).
Schrittweise Anleitung:
Im Sitzen wird ein aufgeblasener Luftballon in die Mitte gelegt.
Die Teilnehmenden pusten nacheinander oder gemeinsam den Ballon in der Luft.
Ziel ist, den Ballon möglichst lange in der Luft zu halten, z.B. durch sanfte Pustestöße oder Schlägen.
Bei jeder Runde kann eine Person zur Mitte kommen und den Ballon in die Gruppe katapultieren.
Optional einfache Spielregeln: Wer den Ballon hält, nennt eine Farbe oder ein Wort und wirft ihn weiter.
Hinweise zur Anpassung: Rollstuhlfahrende bleiben sitzen und pusten in ihrem Luftbereich. Bei Demenz durch wiederholte Demonstration und Aufforderung motivieren. Bettlägerige können über den Mund den Ballon leicht auf- und abbewegen, um die Lunge zu dehnen.
Praxisbeispiel: Nach der Mittagsruhe oder in der Nachmittagsrunde werden die Ballons verteilt. In der Sitzecke bläst man das Spiel „Ballon in der Luft“: Alle Beteiligten sitzen im Kreis und achten darauf, dass der Ballon nicht auf den Boden fällt. Das fördert Atmung und Koordination.
Partner-Beinrollen
Zielgruppe: Mobile Senioren (fitt bis eingeschränkt mobil, auch Rollstuhlfahrer bei Hilfestellung). Nicht geeignet für Schwerst-Demenz. Bettlägerige können mit leichten Beinbewegungen alternativ (fußgewölbe bewegen).
Materialliste: Kleiner weicher Ball (z.B. Medizinball 1–2 kg oder Handtuchball). Stühle.
Schrittweise Anleitung:
Zwei Personen setzen sich einander gegenüber, Füße ausgestreckt. Je ein Ball wird zwischen den Innenknöcheln gehalten.
Im Wechsel rollen die Teilnehmenden den Ball mit den Fußsohlen hin und her. Dabei sind die Füße leicht angewinkelt (Tipp: Handtuch ballen als Ersatz).
Nach einigen Durchgängen wird die Rollenrichtung oder der Partner gewechselt.
Variationen: Ball mit den Knien halten und schieben, um Oberschenkelkraft zu trainieren.
Immer wieder entgegengesetzt mit den Handgriffen unterstützen (z.B. Hände am Rollstuhlgriff fixieren, um Stabilität zu gewährleisten).
Hinweise zur Anpassung: Rollstuhlfahrer stützen sich am Rollstuhl ab, Ball kann auch vom Pflegepersonal geführt werden. Demenziell veränderte Personen benötigen klare Aufforderungen („Schiebe den Ball zu mir!“). Bettlägerigen wird empfohlen, die Hände oder Ellenbogen zu bewegen, indem sie Ball zwischen Beinen leicht drücken.
Praxisbeispiel: Diese Übung wird gerne in Paaren gemacht – etwa in der Nachmittagsgruppe. Zwei Bewohner sitzen sich gegenüber und führen den Ballrolltest durch. So werden die Beinmuskeln aktiviert und die Wahrnehmung gefördert.
Tier-Imitationsspiel
Zielgruppe: Alle Senioren – besonders geeignet für Gruppenaktivierungen. Auch Demenzkranke (einfacher Symbolcharakter). Fitte und Rollstuhlfahrer gleichermaßen. Bettlägerige nehmen im Sitzen/ Liegen teil (Bewegung minimal).
Materialliste: Bilder oder Figuren von Tieren (optional), Tiere-Imitationskarten.
Schrittweise Anleitung:
Eine Pflegende nennt ein Tier (z.B. „Elefant“ oder „Vogel“).
Die Gruppe überlegt gemeinsam: Wie bewegt sich dieses Tier?
Alle stellen sich vor, das Tier zu sein, und führen nun die entsprechenden Bewegungen aus: z.B. mit gespreizten Armen flattern (Vogel), Fußstampfen (Elefant), Armwellen (Schlange), langsames Drehen (Schildkröte).
Jede Tieraktion erfolgt etwa 5–10 Sekunden.
Mehrere Runden mit verschiedenen Tieren – jeder kann auch einmal Tiervorschläge machen.
Hinweise zur Anpassung: Für Rollstuhlfahrer alle Bewegungen im Sitzen (z.B. nur Oberkörper bewegen). Demenzkranke brauchen ggf. visuelle Unterstützung (Tierbild zeigen) und Ermunterung zum Mitmachen. Bettlägerige machen nur Kopf- und Armbewegungen (z.B. Kopfdrehen als Eule). Spielerische Stimmung aufrechterhalten, gerne mit Tiergeräuschen.
Praxisbeispiel: Ideal im Morgenkreis oder als Auflockerung nach dem Essen. In der Sitzecke wird laut ein Tier genannt, etwa der „Papagei“. Dann fliegen alle imaginär als Papageien und spreizen die Arme. Das aktiviert Arme und Schultern und regt Fantasie sowie Muskelgedächtnis an.
Farbenklatschen
Zielgruppe: Alle Senioren (fitt bis bettlägerig). Sehr gut für Demenzkranke, da einfache Aktionen mit Farben kombiniert werden. Auch Rollstuhlfahrer.
Materialliste: Farbige Karten oder Plättchen in leuchtenden Farben (je 4–5 Farben). Klebestreifen oder Bodenmarkierungen mit diesen Farben.
Schrittweise Anleitung:
Die Farbplättchen werden sichtbar am Boden oder Tisch verteilt (z.B. grün, blau, rot, gelb). Jeder Teilnehmende hat eine Farbkärtchen-Karte oder stapel.
Die Leitung ruft eine Farbe aus („Gelb!“). Alle Teilnehmenden strecken sich nach dem entsprechenden Plättchen aus und tippen es mit der Hand an.
Nach jedem Ruf wird die Farbe gewechselt. Schnelligkeit ist nicht wichtig, aber mitmachen ist.
Varianten: Den Stuhl kurz verlassen und mit dem Fuß auftippen (bei Gehfähigen), oder den Stuhl im Kreis drehen und dabei klatschen (für Demenz).
Wechselt man zwischen Klatschen und Schweigen, wird Konzentration gefördert.
Hinweise zur Anpassung: Rollstuhlfahrer drehen sich zum Plättchen. Bei kognitiven Einschränkungen einfache Befehle mit Wiederholung. Bettlägerige können auch am Bett Sitzen mit kleinem Tuch zum Berühren der Farbe. Bei sehr eingeschränkter Mobilität reicht bereits das Heben der entsprechenden Hand.
Praxisbeispiel: Dieses Spiel passt in die morgendliche Aktivierungsrunde. Nach dem Frühstück werden die Senioren im Aufenthaltsraum gebeten, schnell „rot“ oder „blau“ zu klatschen – dazu zeigen überall kleine bunte Plättchen. So werden Arme und Beine bewegt und die Aufmerksamkeit geschult.
Märchenhafte Bewegungsgeschichte
Zielgruppe: Alle alten Menschen (fit bis mobil eingeschränkt), speziell für Gruppen. Auch Menschen mit leichter Demenz (bekannte Geschichte) und sitzende/liegende Teilnehmende.
Materialliste: Ein Märchenbuch oder vorbereitetes Skript, evtl. Figuren (z.B. Holzpuppen oder Kissen).
Schrittweise Anleitung:
Die Teilnehmenden sitzen im Kreis oder in ihrer Position. Ein Märchen (z.B. „Rotkäppchen“ oder „Die Bremer Stadtmusikanten“) wird erzählt.
Die Vortragende bittet die Zuhörer, sich in die Geschichte hineinzuversetzen: Zu bestimmten Textstellen werden Bewegungen gemacht: z.B. „Alle drehen sich mit dem Körper einmal langsam wie die Windmühle“, „springt auf einem Bein wie der Wolf“, „klatscht in die Hände wie die Mama“.
Jede Bewegung wird deutlich angekündigt und geübt, bevor ins Erzählen zurückgekehrt wird.
Die Erzählerin legt Pausen ein, damit alle das Gezeigte nachmachen.
Am Ende wird gemeinsam überlegt, wie sich die Geschichte anfühlte (für Sinneswahrnehmung: Duft eines Brotes riechen, wenn Rotkäppchen ihren Kuchen riecht).
Hinweise zur Anpassung: Im Rollstuhl sämtliche Bewegungen sitzend ausführen (z.B. den Oberkörper drehen). Menschen mit Demenz brauchen sehr einfache, bildhafte Sprache und Wiederholungen. Bettlägerige machen Kopf- und Armbewegungen nach. Für Demenzkranke können Requisiten oder Bilder den Sinn der Bewegungen unterstützen.
Praxisbeispiel: Diese Aktivierung eignet sich als Nachmittagsprojekt. In der Sitzecke wird ein bekanntes Märchen vorgelesen. Sobald der Großvater erwähnt wird, heben alle mit Grinsen die Arme – das bringt Schwung und lockert auf. So verbindet man Geschichte und Bewegung, Erinnerungen werden geweckt und eine ruhige Gruppenstimmung entsteht.
Trommelkreis (Rhythmusübung)
Zielgruppe: Alle älteren Menschen – besonders Gruppenaktivität. Gut für Demenzkranke (Rhythmus ist ein fester Ablauf) und für fitte sowie Rollstuhlfahrer geeignet. Bettlägerige können mit Klatschen teilnehmen.
Materialliste: Trommeln, Eimer, Cajón oder andere einfache Schlaginstrumente für jede Person bzw. im Kreis. Evtl. Trommelstöcke.
Schrittweise Anleitung:
Die Teilnehmenden sitzen oder stehen im Kreis. Jeder hat ein Instrument (z.B. eine Trommel vor sich).
Die Leitung schlägt einen einfachen Rhythmus („eins-zwei-drei-Pause“) vor.
Alle spielen gemeinsam und synchron mit.
Anschließend können Teilnehmende reihum ein einfaches Trommelmuster vormachen („dieses gibt Ihr nach“).
Variationen: Laut/Leise wechseln, schneller/langsamer werden, einfache Kanons (eine Gruppe schlägt vorne, die andere dann kurz versetzt).
Mit Gesang oder einem afrikanischen Lied können die Übungen untermalt werden.
Hinweise zur Anpassung: Rollstuhlfahrer trommeln ebenfalls mit Händen auf einer Unterlage (Tischkante oder Schoß). Bei Demenz auf klare, wiederholende Rhythmen achten; einfache Geräusche mit Lachen begleiten, um Motivation zu erhalten. Bettlägerige klatschen zusammen mit einer Person Rhythmusmuster ab.
Praxisbeispiel: In der wöchentlichen Musikstunde setzen sich alle im Kreis. Zu afrikanischen Klängen trommeln die Bewohner den erlernten Rhythmus mit. Durch den klaren Schlag kommt Bewegung in die Arme und die Stimmung wird lebendig. Der Kreis fördert das Gemeinschaftsgefühl.
Sitz-Balance-Übung
Zielgruppe: Alle Senioren (vor allem eingeschränkt mobil). Fitte und Rollstuhlfahrer gleichermaßen (nur im Sitzen). Für Demenzgeeignet, da einfache Anweisung.
Materialliste: Kleines Kissen oder Beckenball (alternativ Wasserflasche). Stabile Stühle.
Schrittweise Anleitung:
Jede Person sitzt aufrecht, ein Kissen wird entweder im Schoß oder zwischen den Knien gehalten.
Zuerst ohne Gegenstand: Ein Bein anheben, Fuß langsam im Uhrzeigersinn kreisen lassen, dann absenken.
Kissen als Erschwerung: Kissen halten und auf ein Bein legen. Dann das andere Bein anheben und festhalten (so dass man „Balancierübung“ macht).
Arme ausgestreckt, um Gleichgewicht zu halten.
Beinwechsel mehrmals üben (linkes Bein halten, dann rechtes).
Abschließend wieder ohne Kissen, Tief durchatmen.
Hinweise zur Anpassung: Im Rollstuhl Rückenstütze verwenden, Fuß auf dem Boden abstützen lassen. Menschen mit Demenz klare Kommandos geben (z.B. „rechte Hand hält Kissen, rechtes Bein hoch“). Bettlägerige stützen mit beiden Armen auf, und heben ein Bein leicht an (unterstützt) oder schütteln nur den Fuß.
Praxisbeispiel: Diese Übung wird oft in der Krankengymnastik genutzt. Eine Pflegende verteilt kleine Kissen in einer Nachmittagsrunde. Beim Sitzen an Tischen versuchen die Senioren abwechselnd, ein Bein etwas zu heben, wobei sie ein Kissen halten. Das kräftigt Beine und Hüfte und fördert das Gleichgewicht.
Haushalts-Challenge: Socken sortieren
Zielgruppe: Alle Personen, die sitzen können (Fit, eingeschränkt mobil). Besonders geeignet für Demenzbetroffene (bekannte Alltagsaufgabe). Fitte und Rollstuhlfahrer gleichermaßen, Bettlägerige teilweise (nur mit Anleitung).
Materialliste: Ein Karton oder Korb mit Wäscheklammern und Socken (möglichst unterschiedliche Farben oder Muster), Wäscheleine (Schnur) oder Tischkante als „Leine“.
Schrittweise Anleitung:
Die Teilnehmenden sitzen am Tisch. Auf diesem liegen ungepaarte Socken und Wäscheklammern.
Aufgabe: Mit den Wäscheklammern die passenden Socke des Paares zusammenklammern.
Jede erarbeitete Socke wird danach „an die Leine gehängt“: Ein Sockenpaar wird mit der Klammer an die (im Sitzkreismodus über Tisch gespannte) Leine geheftet.
Schritt für Schritt üben: Erst einfarbige Socken, dann gemusterte.
Abschließend zählt die Gruppe gemeinsam die „gebrauchten“ Socken an der Leine.
Je nach Gelegenheit Rollstuhlfahrer können ein vorgefertigtes Paar zusammenbringen.
Hinweise zur Anpassung: Bettlägerige bewegen nur die Hände (z.B. Finger allein in die Klammer legen). Bei Demenz genaue Hilfestellungen (z.B. Farbe angeben: „Suche blau“). Für Rollstuhlfahrer Leine auf Tischhöhe oder über Knie spannen.
Praxisbeispiel: Diese Aktivierung kann beim alltäglichen Beschäftigungsangebot stattfinden. Ein Pflegeteam legt am Nachmittag unpaarige Socken aus. Die Senioren klammern und hängen sie auf. So werden Fingerfertigkeit, Augen-Hand-Koordination und Erinnerungen an Haushaltstätigkeiten gefördert.
Blumenpflege (Gießübungen)
Zielgruppe: Eingeschränkt mobile und bettlägerige Menschen sowie alle anderen (fit und Demenz). Besonders für Natur- und Gartenliebhaber.
Materialliste: Kleine Plastikeimer/Kännchen, ein (echt oder Kunst-)Pflanzentopf mit Erde, Stoffblumen oder Eimer mit Wasser und Plastikblumen.
Schrittweise Anleitung:
Ein Blumentopf wird auf den Tisch gestellt. Im Sitzen oder Rollstuhl hält jede Person in der Reihe nacheinander die Gießkanne.
Leichtes Wasser (oder aufgerollte Tücher) „gießen“: Die Person macht die Gießbewegung über dem Topf und plätschert etwas Wasser (symbolisch) hinein.
Den Deckel schließen, Hand wechseln und weitergeben.
Wenn mit echten Pflanzen, geschieht das Gießen an der Sitzgruppe, danach können alle den Pflanzenduft wahrnehmen.
Bei Stoffblumen: Mit nassem Schwamm über Blumen streichen, bis sie leicht „ernährt“ wirken.
Hinweise zur Anpassung: Rollstuhlfahrer den Eimer nahe ans Bein stellen, damit sie gießen können. Demenzkranke auf Worthilfen („gießen“, „Blumen“) beschränken. Bettlägerige formen die Gießbewegung nur mit den Armen über der Bettdecke.
Praxisbeispiel: In der Nachmittagstherapie kann ein „Pflanzentag“ stattfinden: Auf dem Tisch stehen mehrere Blumentöpfe. Jeder Senior füllt nach und nach mit der Gießkanne Wasser auf die Töpfe. So werden Hände und Oberkörper aktiviert, zusätzlich lernen alle etwas über Natur und Verantwortung (Stammeln von Pflanzenpflege).
Schwungtuchball
Zielgruppe: Alle Senioren (gemeinsame Gruppenaktivität). Gut für fitte bis eingeschränkt mobile Personen; auch Rollstuhlfahrer (mit Assistent). Demenzkranke durch gemeinsame Aktion und Spielidee motivieren.
Materialliste: Großes Schwungtuch (z.B. 2–3 m Durchmesser) oder großes Tuch, leichter Volleyball oder Ballon. Stühle im Kreis.
Schrittweise Anleitung:
Die Gruppe hält rundum das Schwungtuch straff (etwa Schulterhöhe). In der Mitte liegt ein leichter Ball.
Gemeinsam wird das Tuch in Wellen bewegt, um den Ball hoch und herunter zu bewegen.
Ziel: Den Ball durch gezielte Wellenbewegungen auf dem Tuch zu balancieren.
Als Spielvariante: Nach einem Signal versuchen alle, dass der Ball bei einem Nachbarn runterplumpst (Konzentration).
Nach ein paar Minuten der Anstrengung wird gemeinsam abgerollt (Ball langsam im Kreis herumgetragen).
Hinweise zur Anpassung: Rollstuhlfahrer greifen unter den Rollstuhl oder helfen mit Bewegungen über den Körper. Für Demenzkranke klare Anweisung („Alle bewegen das Tuch hoch“). Bettlägerige können nur den Ballon etwas mit dem Luftstrom bewegen oder das Tuch an den Seiten leicht ziehen (geringere Bewegungsamplitude).
Praxisbeispiel: Perfekt für die Gruppe am frühen Nachmittag. Mit Musikbeaufschlagung heben alle das Schwungtuch im Rhythmus an. Der Ball tanzt über dem Tuch. So werden Arme, Schultern und Rumpf in Bewegung gebracht, und der Teamgeist wird gestärkt.
Rollstuhl-Fitness
Zielgruppe: Rollstuhlfahrende ältere Personen und eingeschränkt mobile, im Sitzen durchführbar. Kann bei Demenz mitbegleiteten Übungen gut eingesetzt werden. Bettlägerige nur teilweise (Oberkörper).
Materialliste: Ein leichtes Theraband oder Gymnastikband, evtl. kleiner Softball. Festes Kissen als Rückenstütze.
Schrittweise Anleitung:
Die Person sitzt aufrecht im Rollstuhl. Theraband wird mittig um ein Teil des Rollstuhls gespannt, Enden halten die Hände.
Nun werden Arm- und Rumpfbewegungen geübt: Band mittig am Brustkorb halten, Unterarme abwechselnd nach außen ziehen.
Schulterkreisen: Mit dem Band in den Händen Schultern abwechselnd nach vorne und hinten kreisen.
Beinbewegung (falls freies Rad): Fersen auf Boden abstellen, mit den Fußspitzen den Boden drücken (Fußtritt).
Optional: Den Rollstuhl „aufdrehen“: kräftig die Räder mit etwas Hilfe drehen, um Oberkörper zu mobilisieren.
Hinweise zur Anpassung: Theraband statt Gewichten, um Arme zu kräftigen. Für Demenz kurze Phrasen nutzen („Hände auseinander“). Bettlägerige üben Sitzkante-Legung am Bett, indem sie sich selber aufrichten (Rückenzug). Bei Inkontinenzproblemen nur Oberkörperübungen.
Praxisbeispiel: In einer auf Rollstuhlfahrende ausgerichteten Gymnastikstunde rollt jeder Teilnehmende mit seinem Stuhl kreisförmig im Raum. Danach üben alle gemeinsam mit Theraband und Schulterkreisen die Beweglichkeit. So werden Schultern und Oberkörper gestärkt, was die Selbstständigkeit im Alltag fördert.
Stuhlkreis-Rhythmus
Zielgruppe: Alle älteren Menschen in Gruppen. Besonders Demenzkranke (einfache Gruppenspiele) und mobile Senioren. Auch Sitzende/Rollstuhlfahrer. Bettlägerige klatschen mit.
Materialliste: Keine, evtl. Klanghölzer oder einfache Percussion-Instrumente (z.B. Rassel).
Schrittweise Anleitung:
Alle sitzen im Kreis. Zunächst klatschen alle ruhig den Takt mit („1–2–3–4, 1–2–3–4“).
Eine Leitung gibt vor, z.B. Hand aufs Knie, danach beide Hände klatschen, danach die Schenkel.
Die Gruppe wiederholt stets den Rhythmus – zuerst langsam, dann etwas schneller.
Jeder darf mal den Rhythmus vorgeben oder vorschlagen („Klatsch zweimal, dann hüpf auf dem Stuhl“).
Am Schluss wird die Abfolge ohne Stimme als Stummübung durchgegangen (alle Zeichen nachahmen).
Hinweise zur Anpassung: Rollstuhlfahrer machen die Bewegungen nach Möglichkeit mit dem Oberkörper. Bei Demenz kurze Aufrufe („Klatschen, Stampfen, Klatschen, Stampfen“) in einfacher Sprache. Bettlägerige klatschen rhythmisch nur mit den Händen.
Praxisbeispiel: Zur Wochenplanbesprechung im Sitzecken-Kreis erfolgt eine Aufwärmphase: Eine Pflegende schlägt einen einfachen 4/4-Takt vor, die Bewohner klatschen und bewegen dabei abwechselnd die Arme. Danach verkündet jeder im Rhythmus seine Tagesidee. Das weckt Körper und Geist.
Klatsch- und Zähle-Spiel
Zielgruppe: Alle Senioren, sehr geeignet für Demenzkranke (zählt und klatscht einfache Folgen). Auch fitte und Rollstuhlfahrer.
Materialliste: Keine (Zettel mit Zahlen optional).
Schrittweise Anleitung:
Alle sitzen im Kreis. Die Leitung sagt eine Zahl („Eins, zwei, drei“), alle klatschen die entsprechende Anzahl (z.B. 3-mal klatschen).
Anschließend wird abwechselnd (im Kreis) jede Zahl von 1–10 gerufen: Der Rufende klatscht die Zahl am Schluss mit.
Nächstes Spiel: Person A ruft Zahl, Person B klatscht, dann B ruft neue Zahl, C klatscht, usw.
Abwechseln zwischen lautem Zählen und rhythmischem Klatschen: „5 Klatscher auf den Schoß“.
Humorvoll gestalten („Wer 7 nicht sagen kann, muss lachen“).
Hinweise zur Anpassung: Bei Rollstuhl und Bett die Klatschbewegung adaptieren (Schulterzucken statt Klatschen). Bei Demenz sehr langsam einführen und feste Zahlenbilder (1–5). Steigern, indem bis 10 gezählt wird.
Praxisbeispiel: Ein Klassiker in der Nachmittagsrunde: Zusammen wird bis 5 gezählt, jeder klatscht mit. Dann rufen die Senioren selbst Zahlen auf (Beispiel: „Jetzt 4!“ – alle klatschen viermal). Das fördert Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnis und rhythmische Bewegung.
Spiegel-Duett
Zielgruppe: Alle Senioren, besonders demenziell veränderte Personen (Spiegelübung ist selbsterklärend). Fit und mobil eingeschränkt.
Materialliste: Ein kleiner Handspiegel pro Paar (oder ein großes Gruppen-Spiegel-Bild).
Schrittweise Anleitung:
Zwei Teilnehmende sitzen sich gegenüber. Zwischen ihnen wird ein Spiegel (oder Video/Tablet mit Frontkamera) platziert.
Langsam wird gesagt: „Mache genau, was dein Gegenüber im Spiegel tut.“
Eine Person führt einfache Bewegungen aus (z.B. Händefalten, Arme heben, freundlich lächeln) und der andere macht sie synchron.
Nach ein paar Minuten die Rollen tauschen.
Variation: Gemeinsam Grimassen schneiden und im Spiegel beobachten.
Hinweise zur Anpassung: Rollstuhlfahrer stellen sich so, dass sie ihr Spiegelbild sehen. Demenziell veränderte Personen reagieren oft gut auf Lächeln und einfache Bewegungen. Für Bettlägerige wird statt Spiegel ein Angehöriger Spiegelbild spielerisch verkörpert (sprechender Spiegel). Dabei immer positive Rückmeldungen geben.
Praxisbeispiel: Während einer Beschäftigungsgruppe setzen sich Paare gegenüber und nutzen einen Spiegel. Eine Bewohnerin winkt sich selbst zu, ihre Partnerin macht es nach. Dieser Spaß mit Mimik und leichten Armbewegungen fördert Körperspannung und soziales Miteinander.
Aktivierungswürfel
Zielgruppe: Alle Senioren in Gruppen. Gut für Demenzkranke (Würfel als Reiz), fitte und Rollstuhlfahrer. Bettlägerige können im begrenzten Rahmen mitmachen (nur Oberkörper).
Materialliste: Großer Schaumstoffwürfel mit Symbolen oder selbstgemachtes Aktionswürfel (z.B. würfeln mit Pfeil für Hand heben, Fuß heben, ...). Optional: Vergrößerte Spielfiguren.
Schrittweise Anleitung:
Alle sitzen im Kreis. Jeder würfelt reihum mit dem Würfel oder der Pflegende würfelt für jede Person.
Der Würfel zeigt ein Symbol oder eine Aufgabe („Hände hoch“, „drei Mal knien“, „Lied pfeifen“).
Der Teilnehmende führt die Aktion aus, die jeder in gleicher Weise vormacht (z.B. alle anderen heben mit).
Nach jedem Wurf wechselt der Würfel im Uhrzeigersinn oder wird erneut für die gleiche Person geworfen.
Variationen: Punkte- oder Spielturnier führen (mit Kleingewinnen) – je nach Mobilität.
Hinweise zur Anpassung: Klare, gut lesbare Symbole verwenden oder zusätzlich ansagen. Für Demenzsymbole einfache Bilder nutzen. Im Rollstuhl nur sitzende Bewegungen würfeln (z.B. Armkreisen, Schultern ziehen). Bettlägerige bekommen passende Aufgaben (z.B. „Hände heben“, „Kopf nach rechts drehen“).
Praxisbeispiel: In der Gruppenstunde vor dem Fernseher hat jeder ein paar Münzen und wirft reihum. Erstaunlich motivierend: Beim Symbol „Bein heben“ tippen alle mit dem Fuß auf der Stelle. Der Würfel bringt spielerisch Bewegung in Alltagsszenarien.
Tiefes Atmen & Fingerübungen
Zielgruppe: Alle Senioren (fit, eingeschränkt, Demenz, bettlägerig). Besonders wichtig für Bettlägerige und Menschen mit Lungenschwäche. Rollstuhlfahrer ebenfalls.
Materialliste: Optional weicher Luftballon, Stressball oder Knetball. Weiches Tuch oder Atemtrainer (Papierstreifen).
Schrittweise Anleitung:
Aufrecht sitzen oder im Bett halb aufgerichtet liegen.
Tief einatmen durch die Nase, Arme dabei seitlich öffnen; langsam ausatmen durch den Mund, Arme vor den Körper bringen.
Dabei kann ein Luftballon vor den Mund gehalten werden: beim Ausatmen füllt er sich leicht (stimulierend) und wird wieder zusammengepresst beim Einatmen.
Parallel dazu Finger gymnastik: Nach jeder Ausatmung Fasern sacht auseinanderkneten (Knetball nehmen) oder Finger schnell öffnen/schließen.
Ablenkung: Bei Demenz einfache Zählung („ein… zwei… drei“) während des Ausatmens.
Hinweise zur Anpassung: Rollstuhl aufrecht stellen, Kissen im Rücken. Demenzkranke brauchen kurze, ruhige Anweisungen („Tief einatmen… aus“). Bettlägerige profitieren von Assistenz (Arme leicht heben). Stressball drückt jeder nach Atemzug kurz – so trainiert man Fingerkraft.
Praxisbeispiel: Bereits morgens oder abends können diese Übungen am Bett durchgeführt werden. Ein Bewohner inhaliert langsam durch den Mund, sodass sein Luftballon leicht schwebt, und formt dabei seine Hände um den Ballonrand. Durch tiefe Atemzüge werden Lunge und Hände gleichzeitig aktiviert.
Gummiball-Kneten
Zielgruppe: Alle Senioren, besonders für Feinmotorik. Gut für Demenz (wiederholende Knet-Bewegung) und auch bewegungsbeeinträchtigte Personen. Fit und Rollstuhlfahrer gleichermaßen. Bettlägerige trainieren damit Finger.
Materialliste: Stressbälle (Knetball oder weiche Anti-Stress-Bälle), optional Therapieknete (ungiftig).
Schrittweise Anleitung:
Jede Person erhält einen kleinen Ball.
Die Finger umschließen den Ball vollständig. Anschließend die Finger zusammenpressen und wieder öffnen – mindestens 5–10 Mal pro Hand.
Fußballenmassage als Variante: Den Ball zwischen die Füße klemmen und zusammendrücken.
Zwischen den Pressbewegungen ruhig tief atmen, die Handflächen spüren die Ballspannung.
Nach dem Drücken Hand lockern, Ball wechseln (von rechter Hand zur linken).
Hinweise zur Anpassung: Rollstuhlfahrer platzieren den Ball auf dem Oberschenkel zum Pressen. Bei Demenz einfache Aufmunterung („Press den Ball! Sehr gut!“). Bettlägerige Bälle nur leicht quetschen (kein Kraftaufwand), evtl. assistiert vom Personal. Knetmasse statt Ball hilft, die Finger einzeln zu bewegen.
Praxisbeispiel: Als Pause zwischen den Mahlzeiten erhalten alle Bewohner einen kleinen Knetball. Während ruhiger Musik drücken sie ihn im Rhythmus. Dies fördert den Blutfluss in den Händen und entspannt, z.B. während des Vorlesens oder nach einer Besprechung.
Entspannungsreise (Geführte Bildgeschichte)
Zielgruppe: Besonders demenziell veränderte und bettlägerige Personen, aber auch für alle anderen zur Beruhigung.
Materialliste: Beruhigende Bilderbücher oder Fotokarten (Natur, Landschaften), ruhige Musik (optional), Decken zum Zudecken.
Schrittweise Anleitung:
Alle legen sich zurück oder sitzen entspannt.
Die Leitperson erzählt langsam eine Fantasiereise (z.B. Spaziergang am Strand). Dabei werden sanfte Bewegungen eingebaut: Wenn vom „Wellenrauschen“ erzählt wird, können alle ihre Arme wie Wellen rollen lassen.
Zwischendurch Körperregionen entspannen lassen: „Atmen Sie tief ein und stellen Sie sich vor, wie Sie den warmen Sand an den Füßen spüren“ (oder „Füße strecken“).
Die Bilder/ Karten werden gezeigt, um die Atmosphäre zu verstärken (z.B. Blatt am Baum bewegen).
Zum Abschluss streckt sich jeder einmal ganz aus („sonnen Sie sich im imaginären Feld“), bevor man langsam aufwacht.
Hinweise zur Anpassung: Für Demenz sehr bildhaft und mit Wiederholungen arbeiten. Rollstuhlfahrer können ähnliches im Sitzen machen. Bettlägerige liegen unter einer Decke und machen wenigstens Fingerbewegungen (Wellenbewegungen mit den Händen). Ruhige Stimme, langsame Anleitung geben.
Praxisbeispiel: Diese Übung eignet sich zum Ausklang am Nachmittag oder vor dem Schlafengehen. Die Pflegende erzählt vor dem gemeinsamen Fernsehabend eine Fantasiereise am Waldsee, während alle sanft mit den Armen wippen. Die Bewohner schließen die Augen, atmen ruhig und lassen die Bilder wirken – so werden Körper und Geist beruhigt.