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Humor- und Lachgruppen

Lachen und Humor sind für ältere Menschen in der Pflege ein wichtiges Stärkungsmittel von Körper und Seele. Bereits häufiges Lachen setzt Glückshormone frei, senkt Stresshormone und beruhigt so das Herz-Kreislauf-System. Durch das stärkere Ein- und Ausatmen wird zudem der Stoffwechsel angeregt und das Immunsystem aktiviert. Studien zeigen, dass herzkranke Patienten, die regelmäßig humorvolle Filme sahen, deutlich seltener erneute Herzinfarkte erlitten als Kontrollgruppen. Auch die Psychologie bestätigt: Humor hilft, schwierige Alltagssituationen leichter zu bewältigen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern. Selbst Experten betonen, dass Humor Pflege und Betreuung emotional bereichern und die Lebensfreude fördern kann.

Ältere Menschen erleben häufig Einschränkungen, Einsamkeit oder gesundheitliche Sorgen. Hier setzt das Konzept der Humor- und Lachgruppen an: Durch spielerische Übungen, Geschichten oder Lieder mit komischen Elementen wird Heiterkeit geweckt. Die gemeinschaftliche Atmosphäre in solchen Gruppen stärkt das Miteinander und ermöglicht den Senioren kurzweilige Ablenkung vom Alltag. Im Idealfall entsteht ein Motivationseffekt – in einer Umfrage berichteten Betreuungskräfte, dass Blickkontakt und gemeinsame Gesten in Lachgruppen „eine Verbindung“ schaffen und zwischenmenschliches Vertrauen herstellen. Damit Humor als Ressource wirkt, darf er jedoch nicht zur Belastung werden: Empathie und Taktgefühl sind Grundvoraussetzung für gelingende Lachangebote.

Zielsetzung: emotionale, soziale und kognitive Effekte

Das gezielte Arbeiten mit Humor verfolgt mehrere Ziele. Emotional steht die Lebensfreude und Entspannung im Vordergrund. Gelächter löst Anspannung und Aggression ab und erhöht nachweislich die Ausschüttung von Endorphinen (den „Glückshormonen“). Gleichzeitig sinkt der Adrenalinspiegel, sodass Angst und Stressgefühle abnehmen. Bei Ängsten oder Stimmungstiefs kann Humor als kreative Methode Abhilfe leisten: Gezieltes Lachen und Scherze wirken stimmungsaufhellend und lindern depressive Verstimmungen. In der Betreuung beugt Lachen auch Frustration und Überlastung vor – nach Worten eines Gerontopsychiaters macht ein humorvoller Umgang Stress „ein bisschen leichter“ und kann das Unglück verringern.

Sozial hat Humor die Aufgabe, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Gemeinsames Lachen und spielerisches Miteinander steigern das Zugehörigkeitsgefühl und lösen Isolation auf. Gruppenaktivitäten mit humorvollen Spielen oder Witzrunden wecken Gesprächsbereitschaft und lockern Hemmungen; wie ein Praxisbericht festhält, fördert „gemeinsames Lachen“ in Seniorenrunden nicht nur die Stimmung, sondern auch die soziale Nähe. Auch das Selbstwertgefühl wird gestärkt – Erfolgserlebnisse durch gelungene Beiträge und miteinander erlebte Heiterkeit lassen Senioren mehr Selbstvertrauen gewinnen und steigern so die Lebensqualität im Alter. Zudem kann Humor Konflikte entschärfen: Er fungiert als soziales Schmiermittel, das Spannungen abbaut und als Vermittler in zwischenmenschlichen Situationen wirkt.

Kognitiv bringt Humor ebenfalls Aktivierung und Förderung. Witze erzählen oder humorvolle Rätsel lösen trainiert das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit. Kreative Übungen wie Phantasiegeschichten oder Pantomime-Spiele rufen Vorstellungskraft und Reaktionsvermögen ab. Auch Lachyoga-Kurse können nach einigen Wochen positiven Einfluss auf die geistige Fitness haben: Der Lachyoga-Gründer Madan Kataria weist darauf hin, dass regelmäßiges, bewusstes Lachen die Problemlösefähigkeit und das Erinnerungsvermögen unterstützen sowie Herz-Kreislauf-System und psychische Gesundheit verbessern kann. Letztlich wird durch Humor das Denken mobilisiert – erst durch eine unerwartete Pointe oder lustige Aufgabe schalten die Teilnehmer in einen neuen Modus um und erleben kognitive Anregung im Spiel.

Zusammengefasst sollen Humor- und Lachgruppen den Senioren helfen, mehr Lebensfreude zu gewinnen, Ängste und Anspannungen abzubauen, ihre sozialen Beziehungen zu vertiefen und geistig aktiv zu bleiben. Auf die Motivation wirkt Humor ebenfalls positiv: Ein gut abgestimmter Einsatz kann sogar schüchternen oder zurückgezogenen Menschen Antrieb geben und Kommunikationsbarrieren abbauen.

Chancen & Grenzen von Humor- & Lachgruppen

Vorteile: Die Förderung von Lebensfreude und positiver Stimmung ist das größte Potenzial von Humorgruppen. Durch regelmäßiges Lachen kann die mentale Balance der Betroffenen gestärkt werden; humorvolle Einheiten gleichen Gefühle aus und helfen den Senioren, „seelisch im Gleichgewicht“ zu bleiben. Der gemeinsame Spaß schafft zudem Vertrauen zwischen Pflegekräften und Bewohnern – befreit von formeller Distanz kann viel Menschlichkeit zum Vorschein kommen. In der Praxis beobachten Pflegekräfte, dass selbst Menschen mit fortgeschrittener Demenz durch kindlichen Humor, Slapstick oder Clownerie leicht zu begeistern sind. Humorgruppen bieten jeder Persönlichkeit eine Plattform: Sie motivieren Zurückhaltende sanft zur Teilnahme und entlasten Überforderte durch Abwechslung vom Pflegealltag. Die Gruppenatmosphäre erleichtert darüber hinaus soziale Kontakte: Senioren, die sich sonst wenig unterhalten würden, lachen gemeinsam über einfache Spiele oder Witze und knüpfen so neue Bande.

Grenzen und Risiken: Humorarbeit stößt an Grenzen, wenn sie zum Zwang oder zur Irreführung wird. Nicht alle älteren Menschen mögen ausgelassenes Lachen; manche empfinden öffentliche Heiterkeit anfangs als peinlich oder anstrengend. Ängste vor Blamage oder kulturelle Vorbehalte können Widerstand auslösen, wenn Personen sich nicht angemessen fühlen. Auch die Verschiedenheit der Bewohner – in Charakter, Krankheitsbild und Stimmungslaune – erfordert individuelle Ansprache. Fortgeschrittene Demenz etwa erschwert das Verstehen komplexer oder ironischer Witze; Wortspiele, Ironie und doppeldeutiger Humor werden oft missverstanden oder gar als beängstigend empfunden. Bei solchen Einschränkungen sollten die Fachkräfte auf einfachen, klaren Humor setzen.

Außerdem besteht das Risiko, dass Humor falsch angewendet wird. Verunglimpfende Späße, Lachen über Schwächen oder ungewollter Humor, bei dem ein Patient unfreiwillig zur Komikfigur wird, verletzen die Würde der Betroffenen gravierend. Fachliteratur mahnt dringend: Humor darf nie als Waffe dienen, und Fehlleistungen der Senioren dürfen nicht zum Objekt hämischer Witze werden. Viele Pflegekräfte halten es deshalb für richtig, solche Situationen zu vermeiden und respektvoll zu reagieren. Auch die Belastbarkeit der Teilnehmer ist zu bedenken: Bei körperlich oder psychisch stark beanspruchten Menschen könnte zu viel Überschwang anstrengend sein. Schließlich muss die Gesamtorganisation stimmen – zu kleine Gruppen, unpassende Räumlichkeiten oder fremde Störgeräusche können den Humorfluss beeinträchtigen.

Trotz dieser Grenzen überwiegen in der Praxis meist die positiven Erfahrungen. Wird Humor einfühlsam und angepasst dosiert eingesetzt, steigert er Motivation und Wohlbefinden deutlich. Doch Vorsicht ist geboten: Situationen mit starkem emotionalem Gewicht (z. B. akute Trauer, Schmerzensmomente) erfordern Zurückhaltung beim Witzemachen. In solchen Momenten steht das Einfühlungsvermögen der Betreuungskräfte an erster Stelle – Humor muss sich nach dem Menschen richten, nicht umgekehrt.


Anleitung und Umsetzung in der Praxis

Gestaltung von Lach- und Humoreinheiten

Humor-Einheiten sollten sorgfältig strukturiert sein, um alle Teilnehmenden zu aktivieren und eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Eine typische Lachstunde beginnt mit einer Begrüßungsrunde und einfachen Aufwärmübungen. Beispielsweise führen Betreuerinnen und Betreuer kleine Bewegungsspiele ein, bei denen Grimassen geschnitten oder Arme und Beine gespielt bewegt werden – dies lockert die Muskeln und bereitet auf das Lachen vor. Ein klassischer Einstieg aus dem Lachyoga ist etwa das „Zitronenessen“: Alle tun so, als ob sie in eine saure Zitrone beißen, bis automatisch das Gesicht verzieht und Lachen folgt. Anschließend animieren Kursleiter die Gruppe zu lustigen Imitationen, etwa das Starten eines Motorrads oder das Nachahmen von Tierlauten – selbst starke Senioren merken oft gar nicht, dass sie schon lachen. Sogenannte Lachklatschen (Beifallklatschen bei komischen Beiträgen) und Begrüßungslieder (bei Übungen wie „Ho ho ha ha“) geben feste Ritualpunkte vor, an denen alle wieder neu einsteigen können.

Die Einheit sollte stets frei von Leistungsdruck bleiben. Übungen sind bewusst simpel oder nonsensisch gehalten, sodass niemand etwas „falsch“ machen kann. Gerade bei gemischten Gruppen mit sehr fitten und körperlich eingeschränkten Personen vermeidet man Vergleichssituationen: In Lachyoga etwa zählt nur das gemeinsame Lachen, nicht die Ausführung einer perfekten Übung. Klar strukturierte Wiederkehr (z. B. das wiederholte Ende-Ritual „Hoho-hoho-ha-ha!“) gibt auch kognitiv eingeschränkten Senioren Halt und Orientierung. Gegen Ende der Einheit beruhigt man die Gruppe langsam mit sanfter Musik oder Entspannungsübungen, um einen ruhigen Ausklang zu ermöglichen.

Methoden: Clownerie, Lachyoga, Biografiearbeit, Witzrunden, Improvisation, Requisiten

Clownerie und Klinikclowns: Der Einsatz ausgebildeter Clowns oder clownesker Einlagen ist eine bewährte Methode. Clowns tragen rote Nasen, bunte Kostüme oder übertriebene Accessoires und treten in scherzhafter Art mit den Senioren in Kontakt. Sie biegen Requisiten um, spielen alberne Pantomimen oder erzählen spontane Späßchen. Das lockert Angespanntes: Ein Gerontopsychiater berichtet, dass er in Krisensituationen manchmal einfach eine rote Nase aufsetzte – allein diese Geste löste Aggressionen und schuf einen neuen, humorvollen Blick auf die Lage. Klinikclowns arbeiten nach diesem Prinzip: Sie fördern spielerisch Interaktion und Ablenkung. Wichtig ist, dass die Clownerie nie verletzend sein darf; das Lachen des Pflegepersonals über Überreaktionen eines Bewohners wurde schon kritisch hinterfragt. Clowns reagieren flexibel: Singt ein Pflegebedürftiger spontan, tanzen sie mit, bauen spielerische Elemente ein oder singen alberne Antworten. Sie animieren oft auch zurückhaltendere Teilnehmer zum Mitmachen, ohne sie jedoch zu drängen.

Lachyoga: Diese Methode kombiniert bewusstes Lachen mit einfachen Atem- und Dehnübungen. Nach dem indischen Konzept von Dr. Madan Kataria soll das absichtliche Lachen schon ähnliche Effekte wie natürliches Lachen haben. Lachyoga-Einheiten enthalten zum Beispiel rhythmisches Klatschen, ausgedehnte „Ha“- und „Ho“-Rufe und wechselseitige „Lach-Dialoge“. Ein typisches Übungsmuster ist das „Lachkreis“-Spiel: Die Teilnehmenden stehen oder sitzen im Kreis, sehen sich in die Augen und lachen einander zu. Durch die Spiegelneuronen beginnen dann viele von selbst zu lächeln und zu lachen. Schon wenige Minuten solcher Übungen können die Stimmung merklich aufhellen. Speziell bei Senioren zeigt sich: Selbst wenn das Lachen zunächst künstlich wirkt, wird es bald zunehmend echt und verbindet die Gruppe durch einen kollektiven Energieanstieg. Lachyoga ist besonders geeignet für Gruppen, weil jeder über sich selbst lachen lernt und es keine Wettkampfkomponente gibt.

Humorvolle Biografiearbeit: Dabei knüpft man an individuelle Lebensgeschichten der Senioren an. Die Betreuungskraft führt gesprächsorientierte Runden durch und bittet die Alten, lustige Ereignisse aus ihrem Leben zu teilen (z. B. komische Missgeschicke, witzige Sprüche aus der Jugend). Aus solchen Erzählungen können kleine humorvolle Geschichten herausgearbeitet werden. Man kann etwa Fotobilder von den Jahren ihrer Jugend zeigen und in humorvollen Wortspielen kommentieren. Das Herausfinden eigener Anekdoten regt das Gedächtnis an und hat oft einen emotionalen Warm-up-Effekt. Entspannungsübungen mit biografischem Bezug funktionieren ebenfalls: Eine Gruppe erinnert sich gemeinsam an vertraute Lieder oder Reime („Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ usw.), die man in witziger Weise abwandelt, was allen Beteiligten Freude macht.

Witzrunden und Improvisation: Klassische Lachrunden funktionieren, indem abwechselnd kurze Witze oder lustige Sprüche erzählt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Inhalte einfach verständlich sind (keine Ironie, keine zu komplexen Wortspiele) – besonders wichtig bei kognitiver Einschränkung. Eine Variante sind Scherzfragen oder Wortkettenspiele: Ein Beispiel ist das „Ich packe meinen Koffer“ oder „Wörterkette mit verrückten Begriffen“, bei dem jeder kreativ sein Wort anfügt. Auch pantomimische Spiele („ein Besen tanzt Walzer“) bringen viel Gelächter und fördern gleichzeitig Beweglichkeit. Improvisationsübungen können kleine Szenen beinhalten, in denen Senioren spontan bekannte Situationen nachspielen (z. B. in ein imaginäres Rezeptbuch eine ungewöhnliche Zutat schreiben) – dies regt Kreativität an und ermöglicht großes Gelächter über ungewohnte Überraschungen. Als Moderator achte die Betreuungskraft darauf, alle Beteiligten einzubeziehen und im Zweifelsfall behutsam Humor mit nonverbalen Signalen (like clapping) zu fördern.

Requisiten und audiovisuelle Hilfsmittel: Der gezielte Einsatz von Materialien verstärkt den Lerneffekt. Einfache Requisiten wie Lustige Hüte, Perücken, rote Nasen oder Pfeifen signalisieren sofort den spielerischen Ton. Clownsnasen gehören ebenso dazu wie Kuscheltiere, Handpuppen oder Musikinstrumente (Tamburin, Rasseln). Diese Gegenstände lockern die Stimmung; wird etwa eine Puppe zu den Senioren „geschickt“ und beginnt eine alberne Konversation, entspannt sich die Gruppe. Auch projizierte Bilder, humorvolle Videos (Cartoons) oder Musikstücke mit komödiantischem Gehalt können integriert werden. Wichtig ist, dass die Requisiten altersgerecht und nicht überfordernd sind. Wie der Demenz-Experte Martin Herberg beschreibt, kommt bei Senioren häufig „alberner Humor“ gut an – lustige Verkleidungen und Stimmungslieder werden in der Regel als heiter empfunden. Bei allen Mitteln gilt: Sie sollen das positive Erlebnis unterstützen, nicht ablenken oder verwirren.

Durchführung: Gruppen- und Einzelangebote

Gruppenangebote: Lachgruppen finden meist in kleineren Gruppen (5–10 Personen) statt, damit jede Person ausreichend Aufmerksamkeit erhält. Ein Stuhlkreis ist dabei ideal: Jeder sieht jeden, was Nonverbales (z. B. Lächeln, Gestik) fördert und ansteckend wirkt. Die Betreuungskraft moderiert, gibt Impulse und alle führen die Übungen gemeinsam aus. Gruppen fördern den sozialen Effekt: Die Senioren profitieren vom gegenseitigen Ermutigen und gemeinsamen Erleben, was Einzelnen oft mehr Spaß macht als bei einsamen Übungen. Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit sind hier wichtig: feste Tageszeiten und Rituale (z. B. immer die gleiche Begrüßungssituation) schaffen Sicherheit. In Heimen oder Tagespflege sollte bei Bedarf auch multikulturelle Sensibilität berücksichtigt werden, da Humor kulturell geprägt sein kann. Für Gruppen mit sehr heterogenen Fähigkeiten empfiehlt es sich, Module variabel zu gestalten – die aktive Mitte kann laut mitmachen, ruhigere Teilnehmer unterstützen Zuschauerpositionen und dürfen Pausen machen.

Einzelangebote: Manchmal ist Einzelarbeit angebracht, etwa bei Bewohnern, die sich in der Gruppe überfordert fühlen oder mobil stark eingeschränkt sind. Hier kann die Pflegekraft im Einzelkontakt humorvolle Elemente einbringen – z. B. ein Bilderbuch mit komischen Zeichnungen zeigen, zusammen Reime erfinden oder zu zweit einfache Lachen-Übungen machen. Lachübungen (wie das Zitronenessen) funktionieren auch im Sitzen oder im Bett. Wichtig ist, wie beim Gruppensetting, Augenkontakt und eine fröhliche Stimmung. Bei telefonisch betreuten oder ambulanten Senioren können humorvolle Anrufe, lustige Postkarten oder ein Besuch von gut geschulten Lachcoaches Abwechslung bringen. Die Erfahrung zeigt: Selbst im Einzelsetting kann Humor Spannungen zwischen Pflegekraft und Patient lösen und Gesprächsanlässe bieten, z. B. wenn der Betreuer scheinbar „sein‘ Fehler“ mit Lachen eingesteht.

Varianten für körperlich und kognitiv eingeschränkte sowie zurückgezogene Senioren

Körperliche Einschränkungen: Für mobil eingeschränkte Senioren werden Übungen im Sitzen angepasst. Lachyoga etwa umfasst auch Sitzübungen mit einfachen Bewegungen der Arme und intensiver Atemwahrnehmung. Schon das herzliche Lachen im Sitzen aktiviert das Zwerchfell und verbessert die Sauerstoffversorgung. Wenn Standübungen nicht möglich sind, können Rhythmus- oder Schulterklatsch-Übungen verwendet werden. Wichtig: Die Bewegungen bleiben spielerisch harmlos, so dass niemand das Gefühl hat, nicht mithalten zu können. Gerade für Demenz-Patienten ist dieses Prinzip wesentlich – in Lachyoga fehlen Wettkampfelemente, sodass sich Leistungsstarke und –schwache gleichwertig fühlen. Hilfsmittel wie Greifbälle oder Schaumstoffwürfel können ebenfalls integriert werden, um die Motorik sanft zu fordern, während alle gemeinsam lachen.

Kognitive Einschränkungen: Bei Demenz und anderen geistigen Einschränkungen muss der Humor stark vereinfacht werden. Die Erfahrung zeigt, dass Menschen mit Demenz oft kindlichen oder pantomimen Humor lieben. Kurze, klare Übungen oder lustige Geräusche funktionieren besser als lange Witze. Lach-Impulse sollten sich schnell verändern: Die Übungen sind kurz, bauen aufeinander auf und haben ein einprägsames Abschlussritual („Ho‑ho‑ha‑ha“), sodass Aphasiker und Kurzzeitgedächtnisbelastete immer wieder neu einsteigen können. Nonverbale Reize (Fröhliches Gesicht, Musik, Pantomime) gewinnen an Bedeutung, je weiter die Demenz fortschreitet. In der Praxis setzen Pflegekräfte dabei oft auf Emotionen statt auf Geistiges: Ein fröhliches Lied oder das Schaukeln zu einem bekannten Rhythmus können ebenso humorvoll wirken wie eine komische Handbewegung. Zudem ist Rücksichtnahme geboten: Manche Betroffene entwickeln Vorlieben für derbe Witze oder Kraftausdrücke, andere fühlen sich von bestimmten Themen bedroht. Wichtig ist daher, aufmerksam auf Reaktionen zu achten und den Humor so zu wählen, dass niemand verunsichert wird.

Zurückgezogenheit und depressive Stimmung: Manche Senioren sind generell scheu oder haben depressive Phasen, in denen sie für lautes Lachen wenig übrig haben. In solchen Fällen nimmt sich die Betreuungskraft zuerst Zeit für Vertrauensaufbau und einfühlsame Gespräche. Humorvolle Einheiten können langsam eingeführt werden – beispielsweise durch Vorlesen eines kurzen, heiteren Gedichts oder Zeigen eines lustigen Bildes in persönlichem Kontakt. Häufig erreicht man solche Personen auch über gemeinsame Aktivitäten, bei denen Humor nebenbei entsteht (etwa beim Lesen einer sehr simplen Witzeschatz-Schrift). Kleine Erfolge (ein seltenes Lächeln, ein kleines Lachen) werden gelobt und gefestigt. Die Idee ist, Humor niemals zu erzwingen, sondern behutsam immer wieder anzubieten. Manche Fachkräfte berichten, dass schon das Tragen eines farbigen Tuchs oder das Erzählen einer eigenen komischen Anekdote in ruhiger Zweier-Atmosphäre erste Reaktionen hervorrief.

Sicherer und respektvoller Umgang mit Humor

Beim Einsatz von Humor in der Pflege steht Sicherheit und Würde der Senioren an erster Stelle. Pflegekräfte brauchen dabei viel Feingefühl: Humor ist wie ein Arzneimittel, das in richtiger Form, Dosis und zum richtigen Zeitpunkt verabreicht werden muss. Witz und Lachen sollten niemals auf Kosten der Patienten gehen. Das bedeutet konkret: Niemals darf über einen dementen oder geistig eingeschränkten Menschen gelacht werden. Es gilt, das persönliche Erleben ernst zu nehmen. Schon Martin Herberg mahnt, dass sich Betreuende bewusst sein sollten, dass Dementiell Erkrankte zwar Lachen mögen, aber sehr genau spüren, wenn über sie gelacht wird – und darunter besonders leiden. Daher werden humorvolle Interventionen stets an die Persönlichkeit und aktuelle Verfassung des Einzelnen angepasst.

Ein respektvoller Umgang verlangt auch, kulturelle und individuelle Grenzen zu respektieren. So werden zum Beispiel religiöse Überzeugungen oder Krankheitserfahrungen nie ins Lächerliche gezogen. Auch Tabuthemen wie schweres Leid oder Verlusterlebnisse werden ausgelassen. Stattdessen nutzen Betreuungskräfte vorzugsweise positives, ermutigendes Material: Erzählt wird über liebevoll Vertraute, originelle Alltagssituationen oder nostalgische, fröhliche Ereignisse. Wenn ein Senior eigenständig einen Scherz macht (etwa einen verbalen Versprecher), kann das Ermutigung sein, doch auch hier entscheiden die Pflegenden sensibel, ob man mitlacht oder lieber sanft umlenkt.

Zur Sicherheit gehört auch der Schutz der physischen Gesundheit: In Lach- und Bewegungsspielen werden die Übungen so gewählt, dass Sturz- oder Verletzungsrisiken minimiert sind. Meist finden Sitzen oder Halten an Stuhllehnen statt. Nach intensiven Lachexplosionen nehmen sich Gruppen oft einen Moment der Ruhe, damit sich Atmung und Kreislauf normalisieren. Außerdem sollten alle Teilnehmenden ausreichend Flüssigkeit haben, da Lachen dehydriert wie jede körperliche Anstrengung.

Zusammenfassend erfordert humorvolle Betreuung eine wertschätzende Haltung und viel Fingerspitzengefühl. Der Erfolg einer Lachgruppe hängt entscheidend davon ab, dass die Angebote mit Herz durchgeführt werden und auf die Verfügbarkeit der Senioren eingehen. Ein gekonnter Humor steigert Motivation und Zufriedenheit nachhaltig, solange er einfühlsam dosiert ist. In jeder Einheit kann die Pflegefachkraft beobachten, wie die Augen ihrer Schützlinge aufleuchten – ein Zeichen dafür, dass Heiterkeit und menschliche Nähe wirken.

Kategorie Gedächtnis & Erzählen

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