Zum Hauptinhalt springen

Kulinarische Weltreise (monatliche Stationen)

Eine solche Aktion kann Bewohnerinnen und Bewohner auf „kulinarische Reisen“ entführen und dabei vielfältige Sinneserfahrungen, Erinnerungen und Gespräche anregen. Das Konzept sieht vor, dass in regelmäßigen Abständen (z.B. monatlich) ein Land oder eine Region im Mittelpunkt steht – mit typischen Speisen, Dekoration und Hintergrundinformationen. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden gestalten die Senioren den jeweiligen Themenabend oder -tag: Sie bringen eventuell Rezepte oder Erinnerungen aus ihrer Familie ein und dürfen auch mithelfen, Zutaten vorzubereiten oder das Buffet zu richten. Die Atmosphäre wird oft durch Landeskarten, Flaggen, Musik oder Quizfragen ergänzt, sodass die Teilnehmenden nicht nur essen, sondern symbolisch in andere Kulturen „abtauchen“ können.

Zielsetzung

Das Programm „Kulinarische Weltreise“ verfolgt mehrere pädagogische und soziale Ziele: Es soll den Alltag in der stationären Pflegeeinrichtung auflockern und Bewohnern Abwechslung bieten. Gemeinsames Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme – es ist ein soziales Ritual, das Erinnerungen weckt und das Wohlbefinden steigert. Gerade bei älteren Menschen bleiben Geschmacks- und Geruchserinnerungen oft lange erhalten. Durch vertraute oder kuriose Speisen aus aller Welt lassen sich Gespräche über frühere Reisen, Kindheitserlebnisse oder Lieblingsgerichte initiieren. So können Betreuende beispielsweise Fragen stellen wie: „Warst du schon einmal in Italien? Was fällt dir zum dortigen Essen ein?“ oder sie regen an, Bilder von Reisen anzusehen.

Zusätzlich zielt das Konzept auf körperliche und psychische Aktivierung ab: Kochen und gemeinsame Mahlzeiten bieten Struktur im Alltag und stärken vorhandene Fähigkeiten. Laut dem Pflegeportal trägt jede sinnvolle Beschäftigung dazu bei, Fähigkeiten zu festigen, vertraute Handlungen (etwa Backen) zu reaktivieren und das Selbstwertgefühl zu fördern. Die Teilnahme an einer kulinarischen Reise kann also Freude bereiten, Einsamkeit entgegenwirken und das Gemeinschaftsgefühl stärken. Ein weiteres Ziel ist die interkulturelle Bildung: Durch das Kennenlernen fremder Speisen und Traditionen fördern die Senioren Offenheit für andere Kulturen und schaffen Gesprächsanlässe mit Mitarbeitenden und Angehörigen mit Migrationshintergrund. Insgesamt dient die Weltreise damit der Lebensqualität der Bewohner: Sie sollen Genuss erleben, Neues erfahren und soziale Kontakte knüpfen können.

Vor- und Nachteile

Vorteile: Das Konzept bietet eine besonders abwechslungsreiche Verpflegung. Neben den regelmäßigen Mahlzeiten erhält der Speiseplan spannende Extras aus der ganzen Welt. Dies entspricht der goldenen Küchenregel vieler Einrichtungen, wonach „eine abwechslungsreiche Verköstigung den Geschmack der Senioren [und] die Bedürfnisse auf ganzer Linie erfüllt“. Die Vielfalt lädt zum Probieren ein und regt mit exotischen Düften und Geschmacksnoten die Sinne an. Zudem animiert eine schöne Tischdekoration („Das Auge isst mit“) zum Essen, was gerade bei Appetitminderung im Alter wichtig ist.

Sozial und kognitiv förderlich ist besonders die Erinnerungsarbeit beim Essen: So berichtet die Seniorenresidenz Extertal, dass beim gemeinsamen Backen und Essen (z.B. Kartoffelpuffer mit Apfelmus) lebhafte Gespräche über Kindheitserinnerungen entstehen, während Betreuer durch gezielte Fragen das Langzeitgedächtnis aktivieren. Auch das Kurana-Haus Bonn dokumentiert, dass thematische Speise-Events mit Bilderreisen, Quiz und Erzählrunden Bewohner dazu gebracht haben, sich an Reisen in die entsprechenden Länder zu erinnern. Das gemeinsame Essen mit internationalen Gerichten kann also individuelle Erinnerungen hochholen und positive Gefühle vermitteln.

Außerdem stärkt das Angebot das Gemeinschaftsgefühl: Wenn Bewohner und Personal gemeinsam feiern und ausprobieren, entsteht eine festliche Atmosphäre. Zum Beispiel nahmen bei einem Kurana-„Ländertag“ Pflegekräfte aus verschiedenen Heimaten von Europa selbstgemachte Speisen mit, sodass die Tische förmlich unter Spezialitäten bogen. Solche Aktionen fördern Teamgeist und Wertschätzung untereinander. Schließlich berücksichtigt die hauseigene Küche bei fachgerechter Planung auch stets besondere Diätbedürfnisse: Speisen werden altersgerecht, leicht verdaulich und bei Bedarf diabetiker- oder allergikergerecht zubereitet.

Nachteile: Die Vorbereitung einer kulinarischen Weltreise ist zeit- und kostenintensiv. Die Küche muss sich auf oft aufwändigere Gerichte einstellen und möglicherweise exotische Zutaten beschaffen. Für Diabetiker, Allergiker oder Menschen mit Schluckbeschwerden ist es häufig nötig, Rezepte anzupassen (z.B. weniger Zucker oder Gewürze), damit die Gerichte verträglich sind. Nicht jeder Senior mag außerdem fremdländische Speisen: Manche haben sture Vorlieben oder verweigern auf Grund von Gewohnheit unbekannte Speisen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt: Niemand darf zum Essen gezwungen werden (das Recht zur Nahrungsverweigerung muss immer geachtet werden), trotzdem sollte man durch Präsentation und kleine Kostproben zum Mitprobieren ermuntern.

Besondere Vorsicht gilt, wenn Bewohner an Demenz erkrankt sind: Für diese kann das Kochen selbst ein Sicherheitsrisiko bergen. Mit fortschreitender Demenz steigt das Risiko, den eingeschalteten Herd zu vergessen und einen Brand auszulösen. Daher sollten demenzbetroffene Personen nicht unbedacht mit offenen Flammen hantieren – technische Herdwächter oder eine Begleitperson können helfen, die Sicherheit zu gewährleisten. Schließlich ist organisatorisch zu bedenken, dass ein großes Fest auch logistische Herausforderungen mit sich bringt (genügend Platz, Geschirr, Service-Personal). Bei ungünstigem Wetter oder Krankheitsfällen kann ein geplanter Ländertag kurzfristig ausfallen. Insgesamt gilt es, die Vorteile (Belebung, Aktivierung, Gemeinschaft) gegen die Mehraufwände (Kosten, Aufwand, Aufwand vs. appetitlicher Erfolg) sorgfältig abzuwägen.

Umsetzung in der Praxis

Die praktische Durchführung einer monatl ichen kulinarischen Weltreise lässt sich in mehrere Schritte gliedern:

Themenland und Zeitplan festlegen. Das Betreuungsteam wählt zu Beginn des Jahres oder Quartals, welche Länder oder Regionen anstehen sollen. Hierbei kann man Aspekte wie saisonale Feste oder Bewohnerwünsche berücksichtigen (z.B. chinesisches Neujahr, Oktoberfest, Karneval). Oftmals folgt man einem Jahresplan: Ein Heim in Osterhofen reiste etwa kulinarisch durch sieben Länder (Italien, Schweiz, Ungarn, Kroatien, Spanien, Österreich, Bayern) und zeigte den Ablauf während des Jahres auf. Wichtig ist, die Termine frühzeitig anzukündigen (etwa mit Aushängen oder im Wochenplan) und die Kolleginnen und Kollegen aus Küche und Betreuung über Menü und Programm zu informieren.

Bewohner einbeziehen und vorbereiten. Bereits im Vorfeld sollten Bewohner motiviert und beteiligt werden. Man kann Fragenrunden einbauen: Wer möchte ein bestimmtes Land vorschlagen? Wer hat Erinnerungen an Reisen oder Familiengeschichte aus diesem Land? Oft bringt das Erinnerungserzählen schon viele Ideen hervor. Vielleicht bringt eine Bewohnerin Fotos oder Postkarten von früheren Urlaubsreisen mit. Das Betreuungsteam kann gemeinsam mit den Senioren typische Landeskarten, Souvenirs oder sogar kleine Flaggen basteln und anschmücken. Parallel empfiehlt es sich, ein kleines Quiz oder eine Ratespielrunde vorzubereiten: Fragen wie „In welchem Land isst man viel Reis und scharfe Gewürze?“ oder Sprichwörter aus dem Land können die Teilnehmer neugierig machen. Kurana Bonn etwa gestaltete eine „Bilderreise“ mit Sehenswürdigkeiten und landestypischen Gegenständen, was den Senioren zusätzlichen Gesprächsstoff bot.

Speiseplan und Einkauf. Die Küche recherchiert zu jedem Themenland typische, seniorengerechte Rezepte (geringerer Salz-, Fett- und Zuckergehalt; weiche Konsistenz oder Püreeoptionen bei Kauproblemen). Traditionelle Gerichte sollten möglichst authentisch sein, aber in abgespeckter Form serviert werden: Beispielsweise werden Roggen- oder Vollkornvarianten bevorzugt, und Fleisch wird gut durchgegart. Dabei achtet man auf individuelle Vorlieben: Das Bavaria-Seniorenheim stellt sicher, dass „besondere Wünsche“ wie Unverträglichkeiten oder Diätvorgaben stets berücksichtigt werden. Anschließend organisiert man die Zutaten, z.B. Olivenöl, exotische Gewürze, spezielle Mehlsorten etc. Ideal ist es, wenn Mitarbeitende mit passender Herkunft ihre Erfahrungen einbringen können: In Bonn nahmen Pflegekräfte aus Balkanländern die Rezepte für „Mititei“ oder „Saftgulasch“ auf ihre Heimatländer mit und halfen, diese zubereiten zu lassen. Auch Familienangehörige können eingeladen werden, mitzuhelfen oder ihre vertrauten Rezepte zur Verfügung zu stellen.

Vorbereitung von Raum und Dekoration. Das Speisezimmer wird thematisch geschmückt: Landkarten, Fahnen oder typische Tischdekoration schaffen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Für eine „Italien-Woche“ können beispielsweise Pasta-Fotos, Weinflaschen und rote Tischdecken passen, für Asien stimmungsvolle Laternen und Bambus. Musik aus dem jeweiligen Land untermalt die Veranstaltung sanft im Hintergrund. Zum Essen gehört auch ein schön gedeckter Tisch: Kerzen, Servietten und farblich abgestimmtes Geschirr steigern die Erwartungshaltung.

Durchführung am Aktionstag. Am Stichtag trifft man sich gemeinsam zu dem Themenmittag oder -abend. Die Betreuenden leiten meist kurz in das Land ein (z.B. mit interessanten Fakten oder einer Landeskunde-Geschichte). Dann beginnt das gemeinsame Essen: In Buffetform können sich alle selbst bedienen, was aktivierend ist; Alternativ servieren die Mitarbeitenden die Gerichte und erklären sie dabei. Wichtig ist, dass die Mahlzeit in Ruhe stattfindet – essen in angenehmer Atmosphäre ohne Stress. Während des Essens regen Betreuende die Konversation an: Erinnerungen an eigene Reisen, Vermischung mit heimatlichen Assoziationen oder kleine Zitate aus der Landesküche (z.B. ein Sprichwort aus Italien) gehören zu den Gesprächen. Nach dem Essen können leichte Quizfragen gestellt werden oder es wird ein klassisches Kulturlied gespielt. Die Kursana-Woche demonstrierte beispielsweise, dass Quizrunde und musikalische Einlagen das Gemeinschaftsgefühl noch steigerten.

Aktivität einbinden (bei Bedarf). Je nach Leistungsstand kann man praktische Elemente einbauen: Bei einfachen Rezepten kann man Bewohner mitkochen lassen (kartoffelnd schälen, Teig rollen, Salat anrichten etc.), was zusätzlich die Feinmotorik trainiert. Wie die Ideenplattform vorschlägt, kann eine themenbezogene Aktivierung darin bestehen, gemeinsam die Zubereitung vorzubereiten und die Speisen dann zu verkosten. Ist Kochen nicht möglich (etwa wegen Demenz oder Mobilitätseinschränkungen), genügt oft auch die sensorische Erfahrung: Gerüche, Gewürze und kleine Häppchen zu riechen und zu schmecken sind schon anregend.

Anpassungen für unterschiedliche Gruppen. Nicht alle Bewohner können an jeder Phase voll teilnehmen. Für demenzkranke Personen kann man sich stärker auf Sinneseindrücke und Bekannte beschränken. Eine zu komplexe Speise oder zu fremdartige Zutaten vermeiden, stattdessen bekannte Grundzutaten aus andern Kulturen vorstellen (z.B. Fadennudeln statt Reis im Asiagericht). Die Gespräche werden einfacher und sehr konkret geführt. Bei rollstuhlfahrenden oder körperlich eingeschränkten Gästen achtet man auf ausreichende Bewegungsfreiheit um die Tische. Das Küchenpersonal muss während der Kochphase stets alle Herdplatten im Blick behalten oder technische Herdwächter benutzen, um Brandgefahren vorzubeugen.

Nachbereitung und Feedback. Nach dem Event sammeln die Betreuenden Erfahrungen: Was kam besonders gut an, welche Gerichte wurden verschmäht? Das Heim in Osterhofen nutzte zum Beispiel die Postkarten-Aktion – Bewohner sammelten und schickten Postkarten von ihren Heimat- und Urlaubsorten – um in Gesprächen zusätzlich Erinnerungen zu vertiefen. Solche Rückmeldungen können in die Planung einfließen (Beliebtheit einzelner Länder/Rezepte) und vielleicht beim nächsten Mal die Themenauswahl beeinflussen.

Insgesamt erfordert die Umsetzung Engagement und Kreativität des Personals. Doch das Ergebnis kann die Bewohner emotional bereichern: Wie das Beispiel aus Osterhofen zeigt, zauberte man mit Gerichten wie Mortadella, Minestrone oder Panna Cotta den Altenheim-Bewohnern Urlaubserinnerungen an Italien ins Gedächtnis. Auch ausgefallene oder regionale Spezialitäten („Mititei“ aus Rumänien, Gulasch aus Ungarn) animierten selbst skeptische Senioren zum Probieren. Gerade wenn die Küche danach jederzeit etwas Leckeres bietet, wird das gemeinsame Essen so zu einem Höhepunkt, der den Heimalltag auflockert und noch lange positiv nachwirkt.

Kulinarische Weltreise


Gemeinsame Koch- und Essaktivitäten bereichern den Alltag in Pflegeheimen auf vielfältige Weise. Beim gemeinsamen Zubereiten von Speisen verbinden sich Genuss, Erinnerungen und Gemeinschaftsgefühl. Die Bewohner können dabei eigene Rezepte und Lebenserfahrungen einbringen – ein praktisches Beispiel: In einer Senioren-WG treffen sich Bewohner regelmäßig zum Kochen, tauschen Anekdoten aus der Jugend beim Schnippeln aus und essen anschließend gemeinsam. Solche Aktivitäten fördern erwiesenermaßen Lebensfreude und soziale Bindung: Der Duft vertrauter Gerichte weckt Erinnerungen an frühere Zeiten und bietet Gesprächsanlässe, während das gemeinsame Zubereiten feinmotorische und kognitive Fähigkeiten trainiert.

Jede Aktivierungsidee in dieser Sammlung ist einem Land bzw. einer Region gewidmet und enthält eine praxisnahe Beschreibung, alle benötigten Materialien sowie eine detaillierte Anleitung. Außerdem zeigen jeweils konkrete Anwendungsbeispiele, wie die Aktivität mit unterschiedlichen Gruppen – etwa mit oder ohne Demenz – umgesetzt werden kann. Die Rezepte und Aktionen sind an den Alltag in der stationären Altenpflege angepasst: einfache Zubereitung, gebrauchsfertige Zutaten oder schon vorbereitete Teigmengen erleichtern die Umsetzung, und die Pflegekräfte unterstützen bei Bedarf (z. B. beim Bedienen von Herd oder Messern).

Italien

Ein „italienischer Abend“ weckt Erinnerungen ans Dolce Vita: Beim gemeinsamen Pizzabacken etwa rollen die Bewohner kleine Teigfladen aus und belegen sie nach Lust mit Tomatensauce, Mozzarella, Kräutern und Gemüse.

Material: Pizzateig (fertig oder hausgemacht), Tomatensauce, Mozzarella, Basilikum, Gewürze (Salz, Pfeffer, Oregano); Gemüse- und Wurstzutaten (Paprika, Zwiebeln, Salami etc.); Utensilien wie Backblech oder Pizzaofen, Teigrolle, Schüsseln, Schneebesen, Käse-Reibe und evtl. italienische Deko (Flaggen, Tischläufer).

Anleitung: Ein Bäckerteig oder Fertigteig wird ausgerollt. Die Pflegekraft vermengt mit den Bewohnern gemeinsam die Zutaten für die Tomatensauce (Dosentomaten, Kräuter, Knoblauch) und erklärt jedes Gewürz. Dann nimmt jeder Bewohner einen Teigfladen und bestreicht ihn mit Sauce. Anschließend wählen alle Käse und weitere Zutaten aus und belegen die Pizza nach eigenen Vorlieben. Die Pflegekraft achtet darauf, dass alle Zutaten erreichbar sind, hilft ggf. beim Schneiden oder Grillen und schiebt die Pizzen ins Backgerät.

Beispiel: Bei Bewohnern mit leichter Demenz können einfache Aufgaben wie Rühren der Sauce oder Bestreuen mit Käse übernommen werden, während die Pflegekraft die Backzeit überwacht. Ältere Bewohner ohne kognitive Einschränkungen können auch an der Vorbereitung des Teiges und am Schneiden der Zutaten aktiv teilhaben. Der Duft des frischen Flammkuchens und das gemeinsame Genießen erinnern viele an Urlaubserlebnisse – Studien zeigen, dass solche Sinnesreize alte Erinnerungen wachrufen und Gespräche über vergangene Reisen oder Familienrezepte anregen.

Italienische Küche bietet noch mehr Aktivitätsideen:

Hausgemachte Pasta beispielsweise.

Material: Mehl, Eier, Wasser; Zutaten für Pesto oder Tomatensauce; Nudelholz oder Nudelmaschine, große Schüsseln, Schneidebrett, Messer.

Anleitung: Aus Mehl und Eiern wird ein Pastateig geknetet. Gemeinsam formen die Bewohner den Teig zu Tagliatelle oder Lasagneplatten, während Gespräche über „Omas Nudelmaschine“ entstehen. Mit Hilfe der Pflegekraft kochen die Nudeln anschließend in kleinen Chargen.

Beispiel: Bewohner mit Demenz können beim Ausrollen helfen oder die Tagliatelle in die Schale legen; klar strukturierte Schritte (Nudeln schneiden, in kochendes Wasser geben) halten sie bei der Stange. Für kognitive Unterschieden liegt der Fokus eher auf dem Erleben der verschiedenen Teig-Konsistenzen und gemeinsamen Rühren.

Eine weitere Idee ist italienisches Antipasti: Die Gruppe bereitet gemeinsam Bruschetta zu.

Material: Baguette oder Ciabatta, Tomaten, Basilikum, Knoblauch, Olivenöl, Antipasti-Zutaten (getrocknete Tomaten, Oliven, Mozzarella-Stückchen), Backblech oder Toaster, Messer, Schneidebrett.

Anleitung: Die Pflegekraft erklärt, wie man Brot in Scheiben schneidet und im Ofen knusprig backt. Die Bewohner zerhacken Tomaten mit Messern oder verteilen Kräuter, besprechen Herkunft und Geschmack jeder Zutat.

Beispiel: Mit älteren Menschen ohne Demenz kann man über Urlaubserinnerungen an Italien sprechen: „Wer war schon einmal in Rom?“ Für Bewohner mit Demenz reichen kleine Handgriffe wie das Bestreichen der Brotstücke mit Olivenöl oder einfaches Riechen an frischem Basilikum, um Erinnerungen an „Mama“ und „Kräutergarten“ zu wecken.

Auch italienischer Nachtisch lässt sich einbinden: Zum Beispiel Tiramisu oder Panna Cotta.

Material: Mascarpone, Eier, Löffelbiskuits oder Vanillecreme, Kaffee, Kakao; Dessertgläser, Rührschüsseln, Schneebesen, Servierteller.

Anleitung: Ein einfaches Tiramisu-Rezept (Mascarponecreme mit Löffelbiskuits schichten) wird gemeinsam verrührt. Die Bewohner schichten Löffelbiskuits in Gläser, tränken sie in abgekühltem Kaffee und decken sie mit der Creme ab. Abschließend streuen sie Kakao darüber.

Beispiel: Diese Aktivität fördert taktile und sensorische Erfahrungen – selbst wer nicht mehr lesen kann, spürt, wie die cremige Mascarpone geschichtet wird. Bewohner mit starken Demenz-Symptomen können beim Abmessen der Zutaten helfen oder einfach verschiedene Duftnoten (Kaffee, Mascarpone, Kakao) erschnuppern. Somit werden positive Emotionen und Erinnerungen an Familienfeste oder italienische Urlaube geweckt.

Frankreich


Frankreichs Küche inspiriert zu Backaktivitäten und Verkostungen. Zum Beispiel backen die Senioren Schokoladen-Croissants – ein Klassiker aus Paris.

Material: Croissant- oder Blätterteig (fertig), Zartbitterschokolade oder -streusel, Backblech mit Backpapier, kleines Messer oder Teigrolle.

Anleitung: Die Bewohner schneiden den Teig in Dreiecke (auf einem Teller vorgegeben), legen jeweils ein Schokoladenstück ans breite Ende und rollen ihn zu Hörnchen auf. Diese legt die Pflegekraft auf ein Backblech. Anschließend backen alle Croissants zusammen im Ofen. Beim Warten können Geschichten über französisches Frühstück oder Bäckereien ausgetauscht werden.

Beispiel: Leicht demenztätige Bewohner können einfache Teilaufgaben übernehmen, etwa den Teig gut festzuhalten oder Stückchen Schokolade hineinzugeben. Bewohner ohne Demenz erinnern sich vielleicht an Lieblings-Croissant-Sorten aus früheren Urlaubsreisen.

Ebenfalls typisch ist der Elsässer Flammkuchen – eine Spezialität mit Zwiebeln und Speck.

Material: Teig (ausgerollt oder selbst geknetet), Crème fraîche oder Sauerrahm, Zwiebeln, Speckwürfel, Salz, Pfeffer; Backofen oder offener Grill, Backblech, Schneidebrett, Messer.

Anleitung: Die Gruppe rollt den Flammkuchenteig aus (oder bekommt fertige Fladen). Jeder Bewohner belegt einen Fladen, indem er zuerst Crème fraîche verstreicht, dann Zwiebeln und Speck darauf verteilt. Anschließend würzen alle gemeinsam mit Salz und Pfeffer. Die Pflegekraft schiebt die belegten Teige in den Ofen.

Beispiel: (Angelehnt an einen Kursana-Bericht) Hierbei kommen biografische Gespräche auf: Bewohner erinnerten sich beim Verzehr an „frühere Backzeiten“ und regionale Unterschiede. Bei Bewohnern mit Demenz kann der Fokus auf das Riechen der Zwiebeln und das Behutsame Drücken des Teiges liegen. So erleben sie sinnliche Reize und das Gefühl, am Geschehen teilzuhaben.

Neben Backwaren eignen sich französische Crêpes als Aktivität.

Material: Pfannkuchenteig (Mehl, Milch, Eier), Pfannkuchenpfanne oder Crepes-Pfanne, Pfannenwender; zusätzlich Zutaten zum Füllen (Zimt-Zucker, Obstmus, Marmelade, Nutella).

Anleitung: Die Pflegekraft zeigt das Ausbacken eines Crêpes in der heißen Pfanne. Die Bewohner rühren den dünnflüssigen Teig an (je nach Fähigkeit) und können beim Wenden des Crêpes assistieren. Anschließend füllen sie die Crêpes mit süßen oder auch herzhaften Füllungen.

Beispiel: Beim Füllen können Bewohner mit guter Feinmotorik Marmelade verstreichen, andere können die Crêpes gleichmäßig mit Zimt bestreuen oder Früchte darauf legen. Bei Demenzkranken bieten sich feste Rituale an: „Wir singen zusammen beim Warten“ oder „Jeder darf wählen, was er mag“.

Schließlich kann man eine Käseverkostung im französischen Stil durchführen.

Material: Verschiedene französische Käsesorten (z. B. Camembert, Brie, Roquefort), etwas Baguette, kleine Teller, Besteck (Käsemesser).

Anleitung: Die Bewohner probieren nach und nach die Käse und beschreiben Geschmack und Konsistenz (bei Demenz: Geruch beschreiben oder mit Händen fühlen). Eine Pflegekraft erläutert Herkunft und Verwendung der Sorten.

Beispiel: Diese Aktivierung fördert Kommunikation und Sinneserfahrung: Bewohner ohne Demenz tauschen ihre Vorlieben aus, während Bewohner mit Demenz einfach den Duft einatmen und das weiche Käsegefühl schmecken. Der gemeinsame Austausch über „Lieblingskäsesorten“ weckt Erinnerungen an Frühstückstische oder Familienfeste.

Spanien


Spanische Küche ist bekannt für Tapas und gemeinsame Festmahle. Ein Tapas-Abend lässt sich leicht organisieren.

Material: Kleine Schalen oder Teller, Brot, Oliven, Serrano-Schinken, Manchego-Käse, Chorizo, gebratene Paprikaschoten (Pimientos de Padrón), spanische Tortilla (Kartoffelomelett), Zutaten für Papas Arrugadas (Kartoffeln, Mojo-Sauce); Teller, Käse- und Brotmesser.

Anleitung: Die Pflegekraft bereitet einfache Häppchen zu: Käse und Schinken in Scheiben schneiden, Brot rösten. Bewohner können Oliven in Schälchen füllen, gekochte Kartoffeln mit grobem Meersalz bestreuen oder Tortilla würfeln. Alle kosten gemeinsam und probieren verschiedene Tapas.

Beispiel: Selbst Bewohner mit Demenz genießen das Schmecken von Oliven oder mildem Käse. Bei ihnen kann man mit wenigen Geschmacksrichtungen arbeiten (süß vs. salzig) und mit ihnen über Farben und Formen der Speisen sprechen. Kognitiv fitte Bewohner können aktiv dabei helfen, Pimientos zuzubereiten (Paprika kurz in Öl anbraten) oder einfache Aufgaben wie das Bestreichen von Brot übernehmen. Der gesellige Charakter einer spanischen Tafel – mit Musik oder Tanz – motiviert alle Teilnehmer, und Stammtischgespräche über Urlaube in Andalusien oder Mallorca entstehen ganz von selbst.

Typisch spanisch ist auch Paella, ein gemeinschaftlich genossenes Reisgericht.

Material: Paella-Reis, Hühner- oder Gemüsebrühe, Hühnchenstücke, Meeresfrüchte oder Gemüse (je nach Diät), Safran oder Paprikapulver, großer flacher Paella-Wok oder Kochtopf, Kochlöffel.

Anleitung: Die Pflegekraft erklärt das Prinzip: Reis im Wok anbraten, mit Brühe aufgießen und nach und nach Zutaten hinzufügen. Bewohner können Reis probieren, Safran zum Einfärben geben oder Gemüse waschen (je nach Mobilität und Fähigkeiten). Gegen Ende wird die Paella kurz angebraten, damit der typische Reis „knuspert“.

Beispiel: Bei Demenzkranken können Pflegekräfte sie z. B. Kartoffeln schälen lassen oder Safran riechen lassen – so erleben die Gäste sinnlich, wie das Gericht entsteht. Ältere Bewohner ohne Demenz übernehmen vielleicht das Rühren oder geben als Gruppe Löffelweise Brühe hinzu. Das gemeinsame Probieren erinnert an spanische Gastfreundschaft.

Nicht zuletzt kann ein spanischer Sangria-Abend stattfinden.

Material: Verschiedene Säfte (Traube, Orange), Mineralwasser, Orangen, Zimtstangen; hochwertige Früchte (Feigen, Trauben, Apfelschnitze); große Karaffe oder Tischkaraffe, Gläser.

Anleitung: Die Bewohner bereiten gemeinsam einen alkoholfreien Sangria vor: Orangen in Scheiben schneiden, in eine Karaffe geben, mit Säften auffüllen, Gewürze wie Zimtstange zugeben. Die Pflegekraft füllt mit Mineralwasser auf.

Beispiel: Wer möchte, kann die Früchte vor dem Servieren probieren und beschreiben („Fruchtig“, „Süß-säuerlich“). Diese Aktivität motiviert zum Gespräch – allein das Servieren mit bunten Früchten schafft eine festliche Stimmung. Bei Demenzkranken dürfen einfache Teilaufgaben wie das Umrühren übernommen werden; der farbenfrohe Anblick des Getränks stimuliert die Sinne.

Griechenland


In Griechenland dominieren frische Zutaten und gemeinsame Grillaktivitäten. Zum Beispiel kann ein Grillteller mit Bifteki zubereitet werden.

Material: Hackfleisch (gemischt oder Lamm), Gewürze (Salz, Pfeffer, Oregano, etwas Knoblauchpulver), Zwiebeln, Olivenöl; Reis (Tomatenreis) oder Kartoffeln als Beilage; Zaziki-Zutaten (Joghurt, Gurke, Knoblauch, Dill); Grillpfanne oder Backofen, Grillzangen, Schüsseln.

Anleitung: Die Pflegekraft mischt mit den Bewohnern das Fleisch mit Gewürzen und formt daraus flache Hackfleischplätzchen (Bifteki). Diese werden auf der Grillpfanne oder im Ofen gegart. Gleichzeitig kann die Gruppe gemeinsam Zaziki rühren: Joghurt und geriebene Gurke vermischen, nach Belieben Knoblauch und Dill zugeben.

Beispiel: Bewohner mit leichter Demenz können beim Zutatenzusammenmischen helfen (z. B. das Salz abmessen) oder einfache Aufgaben wie das Drücken einer Gurke ins Tuch übernehmen. Demenzfreie Teilnehmer können selbst Grillzeit überwachen oder Reis kochen. Beim Essen ergeben sich Gespräche über griechische Urlaube: „Wer war schon auf Kreta?“ Dabei entsteht Gemeinschaftsgefühl durch den Genuss der gemeinsamen Arbeit.

Ein typisch griechischer Salat und Fladenbrot sind leicht vorzubereiten.

Material: Tomaten, Gurken, rote Zwiebeln, Oliven, Feta-Käse, Olivenöl, Oregano, ein paar Thymianzweige zum Riechen; Fladenbrot (Pita); Schüsseln, Messer.

Anleitung: Jeder Bewohner darf Gemüse waschen oder in grobe Stücke schneiden (Zwiebeln ggf. Pflegekraft), Oliven entkernen (sofern möglich) und Fetastücke bröseln. Anschließend gießen alle Olivenöl und Oregano über den Salat.

Beispiel: Schon das Spielen mit Oliven und Käse stimuliert den Geruchssinn. Bewohner mit Demenz freuen sich am Riechen der Kräuter und beim Kneten des Fladenbrots. Die Pflegekraft motiviert alle, eigene Essvorlieben zu nennen („lieber Oliven oder Käse?“). Das gemeinsame Essen löst sicherlich nostalgische Gefühle an „Frühstück im Urlaub“ aus.

Weitere Ideen sind Griechisches Joghurt-Dessert mit Honig und Nüssen.

Material: Griechischer Naturjoghurt, Honig, Walnüsse; Dessertschalen, Löffel.

Anleitung: Jeder Bewohner bekommt eine Schale Joghurt und darf Honig darüberträufeln und Nüsse darüberstreuen. Dabei kann über Lieblingsdesserts gesprochen werden.

Beispiel: Diese Aktivität kommt den verschiedenen Fähigkeitsniveaus entgegen: Demenzkranke können den Löffel benutzen und abschmecken, während alle über die Konsistenz und den süßen Geschmack sprechen. Es fördert das Gemeinschaftsgefühl, indem alle gemeinsam naschen und vielleicht Weihnachtsgebäck oder Bienenpatenschaften in früheren Zeiten thematisieren.

Deutschland und Mitteleuropa


Die heimische Küche bietet viele praktische Rezepte. So lässt sich Brot backen leicht umsetzen und mobilisiert alle Sinne.

Material: Mehl, Hefe, Wasser, Salz (fertiger Brotteig möglich); Knet- und Rührschüssel, Backform oder Gärkörbchen, Backofen.

Anleitung: Gemeinsam wird ein Brotteig geknetet (oder ein fertiges Brot als „Aktivitäts-Brot“ verarbeitet). Die Bewohner spüren die klebrige Masse, drücken darauf herum und formen Laibe. Die Pflegekraft erklärt die Schritte (gehen lassen, bemehlen, backen).

Beispiel: Bei Demenzkranken kann schon das Kneten Freude bereiten – sie brauchen nicht exakt messen, sondern dürfen einfach mit den Händen arbeiten. Bewohner ohne Demenz können sich an Rezepten versuchen (z. B. Vollkornbrot statt Weißbrot) oder das Brotflechten übernehmen. Schließlich verteilen alle das duftende Brot, zum Beispiel mit regionalen Aufstrichen oder Käse – das hebt Stimmung und erinnert an Alltagsrituale (Brotzeit).

Ein traditionelles deutsches Gebäck ist Apfelstrudel.

Material: Blätterteig oder Strudelteig, Äpfel, Zimt, Zucker, Rosinen (optional), Butter, Backblech, kleine Schüssel.

Anleitung: Die Bewohner schälen und würfeln Äpfel, würzen sie mit Zimt und Zucker. Gemeinsam verteilen sie die Füllung auf ausgerolltem Teig und rollen den Strudel auf. Danach kommt er in den Ofen.

Beispiel: Schon kleine Beiträge, etwa das Verteilen der Butter auf dem Teig oder das Bestreuen mit Zimt, machen jeden stolz. Beim Backen können Erinnerungen an „Omas Strudel“ besprochen werden. Bei Pflegebedürftigen mit Demenz ist der Fokus eher auf sicheren Handgriffen: Butter schmieren oder Rosinen zählen. Alle erleben Genuss und Erfolg, wenn der Strudel duftend auf dem Tisch steht.

Auch das Spätzle machen (typisch Süddeutsch/Oberrhein) eignet sich als Aktivität.

Material: Spätzlemehl oder normales Mehl mit Eiern, Salz; Spätzlepresse oder Brett mit Spätzlehobel, Topf, Kochlöffel.

Anleitung: Die Gruppe verrührt Teig (Eier, Mehl, Wasser) bis zur zähen Konsistenz. Dann drücken oder schaben alle gemeinsam Teig durch den Hobel in den Topf. Die Pflegekraft zeigt, wie das Abschaben funktioniert, und erklärt „So sah das aus bei Oma auf dem Brett“.

Beispiel: Bewohner mit Demenz können nur zuschauen und den Teig formen, während kognitiv fitte Teilnehmer aktiv Spätzle „schaben“ oder zupfen. Das Geräusch der plitschenden Teigfäden und der Duft von frischen Eiern weckt positive Stimmung. Gemeinsames Essen der Spätzle mit selbstgemachter Soße bindet die Gruppe.

Österreich/Schweiz (Alpenländer)


Eine Wiener Küche-Idee ist das Belegen von Wiener Schnitzeln: Statt Fleisch panieren wir vegetarisch Zucchinischeiben.

Material: Zucchini, Eier, Paniermehl, Salz, Pfeffer; Pfanne, Küchenpapier.

Anleitung: Die Bewohner waschen Zucchini, schneiden dünne Scheiben (mit der Hilfe der Pflegekraft) und tunken sie erst in verquirltes Ei, dann in Paniermehl. Anschließend brät die Pflegekraft sie goldbraun.

Beispiel: Auch Bewohner mit Einschränkungen können beim Wenden der panierten Scheiben helfen. Als Beilage wird oft Kartoffelsalat serviert – diesen können einige Bewohner aus Kartoffeln, Essig, Öl und Kräutern anmachen.

Eine echte Gemeinschaftsaktion für die Gruppe ist das Käsefondue (Schweiz).

Material: Fertiges Fondue-Pulver oder eine Mischung aus Gruyère und Emmentaler Käse, Weißwein oder Brühe, Knoblauch, Brotstücke, Fondue-Topf (Rechaud oder Herd).

Anleitung: Die Pflegekraft erhitzt Wein und Käse zusammen, rührt mit einem Holzlöffel. Die Senioren halten lange Gabeln bereit und tauchen Brot in den geschmolzenen Käse.

Beispiel: Jeder darf sein Lieblingsbrot wählen und eintauchen. Die Pflegekraft beschreibt die Schmelzstufen und rührt weiter – alle spüren Wärme und laden sich dabei auf. Auch stark kognitiv eingeschränkte Bewohner können hier mitmachen, indem sie Brotstücke greifen und in die Masse halten. Fondue-Idyll fördert Geselligkeit: Es gibt viel zu lachen und erzählen, während alle am gleichen Topf essen.

Großbritannien und Irland


Auch die britische Tee- und Pub-Kultur eignet sich für Aktivierungsideen. Zum Beispiel kann ein englischer Nachmittagstee stattfinden.

Material: Scones (fertig oder zum Backen), Clotted Cream oder Butter, Erdbeermarmelade; Teekanne, verschiedene Teesorten (Schwarztee, Kräutertee), Teetassen, Untertassen, Kuchengabeln.

Anleitung: Die Gruppe backt Scones oder wärmt fertige auf. Die Bewohner bestreichen die noch warmen Scones mit etwas Butter oder Cream und Marmelade. Während der Tee zieht, erzählt jeder von seinen bevorzugten Teesorten und Milch-/Zuckergewohnheiten.

Beispiel: Senioren ohne Demenz können eigenständig Teegeschmack auswählen („stark mit Milch“) und beim Rühren helfen. Für Demenzkranke bieten sich sensorische Eindrücke an: der Geruch des Tees, das Streichen von Marmelade auf warmem Brot. Wer mag, kann mit Milch und Zuckerlöffel kleine Spiele spielen (z. B. Überraschungsquiz: Wie viele Teelöffel passen rein?).

Ein typisches Gericht aus Irland ist Irish Soda Bread (Natronbrot).

Material: Mehl, Natron (Backpulver), Buttermilch (oder Milch mit Zitronensaft), Salz, ggf. Rosinen; Schüssel, Holzlöffel, Backofen.

Anleitung: Die Pflegekraft mischt mit den Bewohnern Mehl, Natron und Salz, gießt die Buttermilch dazu und vermischt alles zu einem dickflüssigen Teig. Die Bewohner formen daraus Laibe, die dann im Ofen backen.

Beispiel: Schon das Kneten des leicht zähen Teigs macht allen Spaß. Demenzkranke erfreuen sich am Teilnehmen: Hände in den Teig stecken, dabei die Konsistenz erleben. Nach dem Backen schmecken alle das rustikale Brot mit Butter. Dabei weckt das Salz-Brot Erinnerungen an Irland-Reisen oder an Brotbäcker in der Heimat.

Ein weiteres bekanntes Gericht ist Fisch mit Kartoffeln (Fish and Chips, gebacken oder gepocht).

Material: Fischfilets (z. B. Seelachs, festes Gemüse als Ersatz), Kartoffeln oder TK-Pommes, Paniermehl, Ei, Gewürze (Zitronensaft, Salz); Ofen oder Fritteuse, Schüsseln.

Anleitung: Die Bewohner panieren (Butterflies) Fisch oder Gemüse und legen es mit Kartoffeln auf Backbleche. Die Pflegekraft schiebt alles in den Ofen.

Beispiel: Die Aktivität ist auch für Demenzkranke einfach: Man streut Paniermehl und salzt, während andere aus Kartoffeln würzige Pommes formen. Dabei geben Pflegekräfte Hilfestellung beim Würzen. Alle freuen sich zum Schluss über selbstgemachtes „Fish and Chips“ mit Ketchup oder Erbsenpüree. Gespräche über Auswanderungen oder Traumziele (Irland, England) vertiefen die kulturelle Atmosphäre.

Nordeuropa (Skandinavien)


In Schweden und Nachbarländern dominieren süße Backwaren und Fischgerichte. Beispielsweise backen die Senioren Kanelbullar (Zimtschnecken).

Material: Hefe- oder fertiger Hefeteig, Butter, Zucker, Zimt, Milch; Backblech, Teigrolle, kleiner Pinsel.

Anleitung: Die Gruppe rollt den Teig aus und pinselt ihn mit weicher Butter ein. Anschließend streuen sie Zimt und Zucker darüber und rollen alles zu einer Rolle. Von dieser schneiden die Bewohner Scheiben ab, die auf dem Backblech Platz finden. Während die Zimtschnecken im Ofen goldbraun werden, können Lieder über Schweden gesungen oder ein Ratsel gerätselt werden.

Beispiel: Bewohner ohne Demenz machen aktiv mit (Teig ausrollen, Schneiden), während bei Demenzkranken das Fühlen der Teigscheiben und Beobachten des Aufgehens im Ofen im Vordergrund steht. Nach dem Backen erinnern sich manche an „Fika“ (Kaffeepause) oder Reisen nach Stockholm – gemeinsames Probieren und Erzählen knüpft soziale Bindungen.

Auch Lachsgerichte passen zum Norden. Zum Beispiel können Bewohner gemeinsam einen gekochten Lachs mit Kräutern und Zitrone vorbereiten.

Material: Lachsfilet (geräuchert oder frisch zum Garen), Dill, Zitrone, Sahne/Dillsoße, Kartoffeln oder Brot; Topf mit Deckel, Servierteller, Küchenmesser.

Anleitung: Die Pflegekraft erläutert, wie man einen Fisch würzt. Die Bewohner legen den Lachs auf Alufolie oder in eine Pfanne, drücken Dill und Zitronenscheiben darauf. Dann kommt der Fisch unter Aufsicht in den Ofen oder Topf. Nebenbei können Pellkartoffeln gekocht werden.

Beispiel: Jeder Bewohner kann eine Zitronenscheibe für den Lachs legen oder beim Falten der Alufolie helfen. Diese Tätigkeit spricht verschiedene Sinne an (Fischgeruch, Kräuter). Beim Essen wird über nordische Ostsee-Fahrten gesprochen. Für Menschen mit Demenz kann man bereits fertigen Räucherlachs oder Lachsaufstrich riechen lassen – auch das erzeugt Wohlgefühl.

Die skandinavische Tradition umfasst zudem Krabben- oder Matjesbrötchen (Hering).

Material: Brötchen, frisch geräucherter Fisch oder Matjes-Hering, Zwiebeln, Dill, Remoulade; Teller, Besteck.

Anleitung: Bewohner belegen Brötchenhälften mit Fisch und garnieren mit Zwiebeln und Dill.

Beispiel: Das Fühlen und Schmecken von Fischfilets motiviert zum Probieren („Salzig“). Für Bewohner mit Demenz gibt es klare Sinneseindrücke (Geruch von Meer, Gabeln „ausgraben“). Beim Verspeisen kann die Pflegkraft erzählen, dass ähnliche Brötchen in Fjorden genossen werden – dadurch entsteht ein kultureller Bezug.

Osteuropa

Auch östlich des Rheins gibt es schmackhafte Rezepte.

Polnische Pierogi (gefüllte Teigtaschen) lassen sich in vereinfachter Form herstellen.

Material: Fertigteigplatten oder ausgerollter Mürbeteig, Kartoffeln, Frischkäse oder Quark, Zwiebeln, Butter; Kochtopf, Schüsseln, Teigroller.

Anleitung: Die Bewohner bereiten eine Füllung aus gekochten, zerstampften Kartoffeln und Quark an. Jeder belegt einen Teigkreis mit einem Klecks Füllung, klappt ihn zusammen und drückt die Ränder mit einer Gabel fest. Die Pflegekraft kocht die Pierogi dann in Salzwasser.

Beispiel: Schon das Formen und Zusammendrücken der Teigtaschen sorgt für taktile Erlebnisse. Bewohner mit leichten Einschränkungen übernehmen das Bestreichen mit Butter oder einfaches Umrühren. Danach schmecken alle gemeinsam diese Teigtaschen. Beim Essen erzählen Demenz-betroffene Teilnehmer vielleicht von früheren Familienfeiern, bei denen selbstgebacken wurde.

Ein klassisches Gericht aus Mittelosteuropa ist Gulasch.

Material: Rind- oder Schweinefleischwürfel, Paprika, Zwiebeln, Tomatenmark, Rinderbrühe, Paprika süß/scharf; Topf mit Deckel, Kochlöffel.

Anleitung: Unter Anleitung werden gewürfelte Zwiebeln in Öl angeschwitzt. Die Bewohner können das Tomatenmark dazugeben und umrühren, während die Pflegekraft würzt. Dann wird Fleisch hinzugegeben und alles scharf angebraten. Schließlich wird Brühe aufgegossen und das Gulasch lange gekocht.

Beispiel: Pflegebedürftige können kleine Aufgaben übernehmen, etwa das Rühren oder das Abschmecken (ein paar Tropfen Brühe probieren). Der Duft von Paprika und Fleisch regt die Sinne an. Während des Essens mit Kartoffeln oder Knödeln fließen Erinnerungen an „Mama kochte Gulasch“ ein – ein Genuss, der Verbundenheit schafft.

Russische Borschtsch-Suppe (rote-Bete-Suppe) ist eine weitere Idee.

Material: Rote Bete, Kartoffeln, Karotten, Kohl, Rindfleisch (oder vegetarisch mit Pilzen), Zwiebeln, Gewürze (Lorbeerblatt, Dill), Brühe; Suppentopf.

Anleitung: Die Gruppe schneidet Gemüse, die Pflegekraft erklärt jedes Stück. Alles wird nacheinander gekocht und gewürzt.

Beispiel: Einfache Tätigkeiten wie Rote-Bete-Raspeln sind gut für feinmotorische Fähigkeiten. Beim Probieren raten die Bewohner sogar die Zutaten („Die rote Suppe schmeckt erdig!“). Anschließend wird die Suppe gemeinsam gegessen. Dazu passt ein Schälchen Sauerrahm – ähnlich wie beim Pierogi ein Klecks Sahne. Die Demenzerkrankten riechen und probieren: Das intensive Rot der Suppe und der Dill erwecken Aufmerksamkeit und vielleicht Erinnerungen an Weihnachten, wo rote Gerichte es auch bei uns gibt.

Schließlich können osteuropäische Gebäckvarianten ausprobiert werden – z. B. böhmische oder ungarische Strudel mit Kartoffel- oder Kirschfüllung. Solche Backaktivitäten (Strudel ausrollen, Füllung verteilen) sind ähnlich wie oben bei Strudel beschrieben zu gestalten.

Benelux

Zum Abschluss bieten sich Aktivitäten mit belgisch-niederländischem Touch an. Einfache Waffeln nach belgischer Art wecken nostalgische Gefühle.

Material: Waffelteig (z. B. Eier, Mehl, Milch, Backpulver); Waffeleisen oder alternativ ein belgischer Waffelautomat, Schüsseln, Tassen.

Anleitung: Der Teig wird angerührt, dann füllt jeder Bewohner etwas davon in das Waffeleisen (unter Aufsicht). Während der Waffeln backen, unterhalten sich alle über Kaffee oder Kakao.

Beispiel: Senioren ohne Demenz können das Waffeleisen selbst bedienen (mit Anleitung), während bei Demenzkranken das Schöpfen des Teigs oder das Topping-Auswählen (Streusel, Obst) im Fokus steht. Das Muster der belgischen Waffel regt die Sinne an („das fühlt sich an wie Mohnstollen“).

Belgische Pralinen- oder Schokoladenverkostung ist ebenfalls denkbar:

Material: Auswahl verschiedener Pralinen oder Schokoladensorten, Dessertteller, kleine Zangen.

Anleitung: Die Bewohner kosten unter Anleitung verschiedene Schokoladen – weiße, Vollmilch, Zartbitter – und beschreiben ihren Geschmack.

Beispiel: Alle nehmen dabei Platz wie in einem kleinen Café. Menschen mit Demenz profitieren von der vertrauten Süße, während demenzerfahrene Bewohner simple Beschreibungen liefern („süßer als anderer“). Die gemeinsame Freude am Genuss fördert Gespräch und Wohlgefühl, ohne dass viel Aktivität nötig ist.

Zusammenfassend bringen die kulinarischen Weltreise-Aktivitäten in der stationären Altenpflege vielschichtige Vorteile: Sie fördern das Gemeinschaftsgefühl und lebhafte Gespräche, regen die Sinne (Geruch, Geschmack, Tastsinn) an und stärken die Erinnerungsfähigkeit durch bekannte Aromen. Durch einfache Rezepte, motivierende Geschichten und gemeinsame Rituale erblüht Lebensfreude im Alltag. Jede Aktivierungsidee kann flexibel an die Fähigkeiten der Bewohner angepasst werden (z. B. grobe Aufgaben für Demenzkranke, anspruchsvollere Schritte für Kognitiv-Starke) und sorgt für Abwechslung über alle Regionen Europas hinweg.

Kategorie Kreative Beschäftigungen

0 Kommentare

Möchtest du den ersten Kommentar schreiben?
Werde Mitglied von Lexikon der sozialen Betreuung und starte die Unterhaltung.
Mitglied werden