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Erinnerungskoffer

Erinnerungskoffer (oder Erinnerungskisten) sind speziell zusammengestellte Koffer oder Boxen mit Gegenständen aus früheren Lebensabschnitten älterer Menschen. Ziel ist es, durch taktile, visuelle oder auditive Reize Erinnerungen anzuregen und Gespräche zu fördern. Gerade in der Alten- und Demenzbetreuung dienen Erinnerungskoffer als „Erinnerungsschlüssel“: Durch das Anfassen oder Betrachten vertrauter Alltagsgegenstände werden in Senioren Erinnerungen und Emotionen wachgerufen. Dies öffnet quasi ein Tor zwischen Vergangenheit und Gegenwart und schafft Zugang zur Identität der betreuten Personen.
Solche Koffer können thematisch oder biografisch bestückt sein – beispielsweise mit Fotos, Büchern, Haushaltsgegenständen, alten Spielzeugen, Musik aus früheren Jahrzehnten oder typisch geduftenden Produkten wie Parfüm oder Gewürzen. Die Vorgehensweise im Umgang mit dem Erinnerungskoffer ist vielfältig: Gegenstände können einzeln vorgestellt und besprochen werden, der Raum kann mit den Exponaten dekoriert werden, oder der Koffer steht offen im Zimmer zur freien Nutzung durch Bewohner und Personal.
Insgesamt zielt der Erinnerungskoffer darauf ab, die biografischen Fähigkeiten älterer Menschen zu fördern, Kommunikation und Interaktion zu erleichtern und dadurch die Lebensqualität zu steigern. (Hinweis: Das Lexikon - Inhaltsverzeichnis (Öffnet in neuem Fenster))

Zielsetzung

Der Einsatz von Erinnerungskoffern verfolgt mehrere Ziele. Im Vordergrund steht das Wecken von Erinnerungen und das Aktivieren verblassender biografischer Inhalte. Dadurch sollen Senioren, besonders solche mit kognitiven Einschränkungen, dazu angeregt werden, über eigene Erfahrungen zu sprechen und zu erzählen Ein weiteres zentrales Ziel ist die Förderung der Kommunikation – zwischen der betreuten Person und der Betreuungskraft, aber auch innerhalb einer Gruppe. Indem vertraute Objekte als Gesprächsanlass dienen, entsteht ein vertrauensvoller Austausch, der oft tiefer und einfühlsamer gelingt als andere Gesprächsansätzea.

Zudem trägt der Erinnerungskoffer dazu bei, Identität und Selbstbild zu wahren. Für Menschen mit Demenz gilt: Viele Erinnerungen sind zwar noch vorhanden, aber schwer zugänglich. Durch die gezielte Nutzung von Erinnerungsreizen können sie ein Stück Identität zurückgewinnen und erleben, wer sie einst waren. Die Erfahrung, dass eigene Erlebnisse und Geschichte wertgeschätzt werden, stärkt das Selbstwertgefühl. Auch für die Mitarbeitenden der Seniorenbetreuung ist der Erinnerungskoffer ein wertvolles Werkzeug: Er ermöglicht es, die betreuten Personen besser kennenzulernen (ihre Lebensgeschichte, Vorlieben und Gewohnheiten). So lassen sich Betreuungsangebote stärker an den individuellen Bedürfnissen ausrichten und eine persönlichere Pflege gestalten.

Vor- und Nachteile des Einsatzes von Erinnerungskoffern

Vorteile: Erinnerungskoffer bieten viele positive Effekte in der Seniorenbetreuung. Indem sie bekannte Gegenstände, Fotos oder Klänge enthalten, regen sie die Gedächtnisleistung an und aktivieren das Langzeitgedächtnis. Studien und Erfahrungsberichte zeigen, dass durch Erinnerungskoffer Kommunikation, Stimmung und allgemeines Wohlbefinden verbessert werden können. So berichten Betreuungskräfte, dass sich beim Umgang mit den Koffern oft ein Lächeln zeigt und die Betroffenen „aufblühen“ – weil sie positive Gefühle erleben und über bedeutsame Erlebnisse sprechen können.

Gleichzeitig fördert die Arbeit mit Erinnerungen die soziale Interaktion. In Gruppensettings können mehrere Senioren gemeinsam an einem Erinnerungsthema arbeiten, was das Gemeinschaftsgefühl stärkt und den Austausch untereinander anregt. Auch pflegende Angehörige oder Ehrenamtliche können einbezogen werden, sodass Wissen über familiäre Hintergründe bewahrt und gegebenenfalls weitergegeben wird. Darüber hinaus wirkt die Erinnerungspflege identitätsstiftend: Sie ermöglicht es den betreuten Personen, sich in ihrer eigenen Lebensgeschichte wiederzuerkennen und vermittelt ihnen das Gefühl, ihr Leben sei sinnvoll gewesen.

Weitere Vorteile sind die Vielseitigkeit und die Multisensorik: Koffer können mit haptischen (Tast-), visuellen, auditiven und olfaktorischen Reizen gefüllt werden, sodass auch Menschen mit eingeschränkter Sprache oder anderen Beeinträchtigungen angesprochen werden. Beispielsweise fördern Duftstoffe oder Schmusebilder eine nonverbale Beschäftigung. Nicht zuletzt ist der Erinnerungskoffer eine niederschwellige Methode der Biografiearbeit: Er benötigt keine spezielle Technologie und kann sowohl in Einzel- als auch Gruppensituationen flexibel eingesetzt werden.

Nachteile und Gefahren: Trotz seiner vielen Vorteile birgt der Einsatz von Erinnerungskoffern auch Risiken und erfordert Vorsicht. Insbesondere das Hervorrufen von Erinnerungen kann auch schmerzliche Inhalte ans Licht bringen. So sollte man darauf achten, dass keine traumatischen Erlebnisse (z. B. Kriegserfahrungen, Unfälle, Todesfälle von Angehörigen) unbedacht aufgegriffen werden. Solche Inhalte können Schuldgefühle, Angst oder Trauer auslösen. Daher gilt es, vorab die persönliche Biografie der Senioren zu kennen und gegebenenfalls schmerzhafte Themen bewusst auszuschließen. Eine behutsame Begleitung durch geschulte Betreuungskräfte ist wichtig, damit auftauchende Emotionen eingeordnet werden können und die Aktivität nicht zu einer Belastung wird.

Ein weiterer Nachteil besteht in der Vorbereitung und Individualisierung: Es kostet Zeit und Mühe, für jede Person oder Gruppe einen geeigneten Koffer zusammenzustellen. Dabei müssen die Gegenstände originalgetreu sein und zur Biografie passen, damit sie tatsächlich Erinnerungen wecken. Bei kulturell heterogenen Gruppen oder Menschen mit Migrationshintergrund muss man darauf achten, dass die Inhalte wirklich bekannt sind (z. B. typische Alltagsgegenstände aus der Heimat). Wenn dies nicht gelingt, wirkt der Koffer möglicherweise belanglos. Es besteht also ein gewisser organisatorischer Aufwand und die Gefahr, dass bei unzureichender Vorbereitung die Aktivität flach bleibt.

Schließlich können einige Senioren mit fortgeschrittener Demenz oder starker Kommunikationsbeeinträchtigung nur noch eingeschränkt profitieren. Bei extrem kognitiven Einschränkungen sind reine Gesprächsrunden vielleicht zu komplex, und man muss sich auf einfache Sinneserfahrungen beschränken (z. B. Fühlen oder Riechen). In seltenen Fällen kann es auch passieren, dass eine Person auf ein bestimmtes Objekt passiv oder unruhig reagiert, was die Aktivierung behindern kann. Insgesamt überwiegen aber in der Regel die positiven Effekte, solange die Betreuungskräfte die Methode fachgerecht einsetzen und individuell anpassen.

Anleitung und Umsetzung in der Praxis

Vorbereitung und Organisation

Eine erfolgreiche Umsetzung mit Erinnerungskoffern erfordert sorgfältige Vorbereitung. Zunächst sollte man Biografieinformationen einholen: Wichtige Lebensphasen, Berufe, Hobbies, kulturelle Hintergründe und frühe Wohnorte der Seniorinnen und Senioren sollten bekannt sein. Daraus lassen sich Themen für den Koffer ableiten. Es ist ratsam, für verschiedene Lebensbereiche (z. B. Kindheit, Beruf, Freizeit, Feste) eigene Koffer oder Boxen zu packen. Jede Box enthält dann eine Kombination aus originalen oder authentisch wirkenden Gegenständen (Fotos, Alltagsgegenstände, Musikinstrumente, Kleidung, Lebensmittelproben etc.) sowie ggf. passende Dokumente oder Tonträger. Dabei sollten Gegenstände für alle Sinne dabei sein: Fotos und Ansichtskarten (Sehsinn), Spielzeug oder Werkzeuge (Tastsinn), Musik-CDs oder alte Radiosendungen (Hörsinn) und typische Düfte (Geruchssinn).

Nützlich ist auch ein Input-Plan oder Leitzettel für die Betreuungskraft, auf dem kurzstehend Begrüßungsformeln und Fragestellungen in passender Sprache vermerkt sind. So kann man beispielsweise für jedes Objekt Notizen bereithalten, die anregen, was man fragen oder erzählen könnte. Insgesamt sollte die Arbeitsumgebung ruhig und angenehm sein. Oft stellt man den geöffneten Koffer an einen einladenden Ort – im Gruppenraum oder im privaten Zimmer – sodass die Senioren ihn selbst entdecken können.

Einsatz in Einzel- und Gruppensettings

Einzelsituationen: In der Eins-zu-eins-Betreuung ermöglicht der Erinnerungskoffer eine intensive persönliche Gesprächsatmosphäre. Eine Betreuungskraft setzt sich mit einer Person zusammen, packt den Koffer gemeinsam aus und zieht nach und nach einzelne Gegenstände hervor. Dabei kann offen auf die Reaktion eingegangen werden: Wenn die Person zögert, berührt oder betastet das Objekt und wird ermutigt, dazu zu sprechen oder es zu benennen. Die Betreuungskraft fragt gezielt nach Erlebnissen oder Gefühlen zu diesem Gegenstand (z. B. „Kennst du dieses Spielzeug noch?“). Es ist empfehlenswert, den Ablauf flexibel zu gestalten und genug Zeit für Pausen zu lassen. Gerade bei Menschen mit Demenz kann es beruhigend sein, wenn man lange Bedenk- oder Erzählpausen zulässt. Wichtig ist außerdem, dass die Betreuungskraft empathisch auf nonverbale Signale achtet und Gespräche sanft leitet.

Gruppensettings: In der Gruppe bieten Erinnerungskoffer die Chance auf gemeinschaftliches Erinnern und soziales Miteinander. Ein zentraler Koffer wird im Raum platziert, und die Gruppe wird eingeladen, gemeinsam zu schauen. Man kann beispielsweise ein Thema des Koffers vorstellen (z. B. „Heute schauen wir uns alte Familienfotos an“) und dann zu jedem Gegenstand reihum die Erinnerungen austauschen lassen. Der Vorteil: Wenn eine Person selbst nicht auf eine Erinnerung kommt, kann eine andere mit eingreifen („Ich erinnere mich, als wir als Kinder…“), was das Gruppengefühl stärkt. Die Gespräche können sich leicht verzweigen und mehrere erzählen etwas. Durch den gruppenbezogenen Austausch wird oft viel „lebendig und bunt“ – beispielsweise kann jeder erzählen, wie es bei ihm früher war, gemeinsame Themen und Unterschiede kommen ans Licht.

Für Gruppen ist es oft sinnvoll, ein bis zwei Betreuende anwesend zu haben, um zu moderieren und auf alle Beteiligten einzugehen. Die Kiste kann auch als Raumdekoration fungieren: Alternativ zum gemeinsamen Blick können alle Teilnehmer (oder einzelne in Kleingruppen) einzelne Objekte im Raum erkunden, die aus dem Koffer ausgepackt wurden. Dieses Vorgehen erlaubt es Betroffenen, selbst zu entscheiden, welcher Gegenstand sie interessiert. Gerade bei unterschiedlichen Fähigkeiten in einer Gruppe kann man so jedem den individuellen Zugang ermöglichen.

Ob Einzeln- oder Gruppensetting: Gemein ist, dass die Struktur niedrigschwellig sein sollte. Fragen können offen („Erzähle mal…“) oder als Ja/Nein oder Anweisungen gestellt werden, je nach kognitiver Leistungsfähigkeit. Besonders bei Demenzkranken empfiehlt sich aktive Teilnahme statt passivem Vorlesen: Wenn eine Person noch schreiben oder malen kann, kann sie etwa den Gegenstand auf einem Blatt beschreiben. Bei fortgeschrittenen Einschränkungen kann man die Gegenstände einfach herumgehen lassen und nonverbal darauf reagieren lassen (Lächeln, Nicken, Fühlen). Wichtig ist, dass der Prozess mit Ruhe und Wertschätzung begleitet wird.

Anpassungen für verschiedene Fähigkeitsniveaus

Die Methode des Erinnerungskoffers muss auf die kognitiven und sensorischen Fähigkeiten der Senioren angepasst werden. Folgend einige Empfehlungen:

Frühstadium von Demenz / hohe Kommunikationsfähigkeit: Hier können Koffer komplexer gestaltet sein. Man wählt viele unterschiedliche Gegenstände und stellt offene Fragen. Die Senioren können aktiv in den Auspackvorgang einbezogen werden. Auch gemeinsames Sortieren oder Ordnen von Bildern ist möglich.

Moderate Demenz / eingeschränkte Sprache: Man konzentriert sich stärker auf Sinneserfahrungen. Statt langer Erklärungen legt man Wert auf Fühlen, Hören und Riechen. Zum Beispiel kann man jemanden mit fortgeschrittener Demenz Dinge zum Tasten geben und um einfache Reaktion bitten (Ist es hart/weich? kennst du das?). Sprachliche Hinweise sollten kurz sein, und man kann auf biografische Details beschränken (z. B. statt nach Namen fragen: „Das ist ein alter Brief, vielleicht ist er von einem geliebten Menschen?“). Bildkarten mit klaren Symbolen oder großen Fotos können unterstützend wirken.

Schwere Demenz / minimaler Kontakt: In sehr späten Stadien kann man einen „offenen Erinnerungsraum“ schaffen: Der Koffer steht dauerhaft aufgestellt im Zimmer, die Gegenstände können gefühlt oder gerochen werden. Oft genügen schon gefühlt gepackte Gegenstände oder das Hören von Musik. Hier geht es weniger um Gespräche und mehr um emotionale Stimulierung (einige Personen beruhigen sich etwa beim Halten eines weichen Stofftiers). Die Pflegekraft kann einfache Worte sprechen oder gemeinsam Musik anhören, ohne Dialog zu forcieren.

Hör- und Sehbehinderungen: Passen Sie die Materialien an: Große Fotos mit kontrastreichen Motiven und laute Audiodateien sind sinnvoll. Bei Hörminderung können schriftliche Notizen (Großschrift) zusätzlich verwendet werden. Umgekehrt helfen bei Sehschwäche besonders haptische Gegenstände (Holzwerkzeuge, Plüschtier, Duftproben) oder Aromakarten (z. B. Parfümfläschchen).

Kulturelle und sprachliche Anpassungen: Bei Menschen mit Migrationshintergrund sind Gegenstände aus der Herkunftskultur wichtig. Idealerweise spricht die Betreuungskraft die Begriffe in der Muttersprache der Person aus, oder es werden zweisprachige Karten mit Namen der Objekte beigefügt. Interkulturelle Erinnerungskoffer arbeiten oft mit Landeskarten, typischen Gewürzen, regionaler Musik oder religiösen Symbolen aus dem Herkunftsland. Wichtig ist, nicht anzunehmen, dass alle Migranten die gleichen Gegenstände kennen – orientieren Sie sich an individuellen Lebensgeschichten.

Insgesamt gilt: Der Erinnerungskoffer sollte immer als flexibles Angebot verstanden werden. Betreuende beobachten, wie die Person reagiert, und variieren entsprechend. Man kann beispielsweise auch grafische Spiele, Puzzle oder Lieder mit einfachen Reimen ergänzen, wenn dies dem Fähigkeitsniveau entspricht. Bei Unsicherheit gelten frühere Erfahrungen aus der Validationstherapie oder biografischen Interviews als Leitfaden, was der einzelnen Person guttun könntedemenz-saarland.destadt.muenchen.de.

Umgang und Didaktik

Einige bewährte Vorgehensweisen beim Arbeiten mit dem Erinnerungskoffer sind:

Gegenstände einzeln vorstellen: Man nimmt einen Gegenstand heraus, zeigt und nennt ihn, und lässt die Person reagieren. Dabei können Fragen helfen wie „Wofür hast du das früher benutzt?“ oder „Wer hat das früher gemacht?“ Wichtig ist, nicht zu korrigieren, sondern aufmerksam zuzuhören und anzuknüpfen.

Raumgestaltung: Alternativ kann der gesamte Raum mit Exponaten geschmückt werden. Alle Gegenstände werden geöffnet und so platziert, dass die Senioren sie anfassen können. Jeder kann dann selbst auswählen, worauf er reagieren möchte. Diese Methode bietet ein selbstgesteuertes Erlebnis, ähnlich einem Erinnerungs-Parcours.

Kontinuierlicher Zugang: Oft stellt man den geöffneten Koffer über längere Zeit im Zimmer der Betroffenen auf. Pflegepersonal und Besucher werden so automatisch auf die Gegenstände aufmerksam und nutzen sie als Gesprächsaufhänger im Alltag. Das kann auch informell geschehen, z. B. die Flurseife aus der Heimat soll gerochen werden, oder jemand erzählt beim Kaffee von einem Küchenutensil.

Miteinbeziehung von Angehörigen: Angehörige können bei der Zusammenstellung helfen oder beim gemeinsamen Öffnen dabei sein. Sie können wertvolle Hinweise geben, welche Dinge eine starke positive Bedeutung haben. Auch für sie ist es oft emotional bedeutsam, Erinnerungen zu teilen.

Sicherheitshinweise: Der Erinnerungskoffer soll positive Erinnerungen fördern, daher sollten schmerzhafte Themen vermieden werden. Kriegserinnerungen etwa können im hohen Alter oft belastend sein. Wenn ein sogenanntes „No-Go“-Thema angesprochen wird, sollte das Gespräch einfühlsam gesteuert oder das Thema rasch gewechselt werden. Konflikte oder starke Gefühlsausbrüche müssen durch Betreuende frühzeitig wahrgenommen und sensibel begleitet werden.

Dokumentation: Notieren Sie, welche Gegenstände besonders gut ankamen oder welche Geschichten erzählt wurden. Dies kann Teil der Pflegeakte oder der Biografiearbeit sein und dient später der kontinuierlichen Begleitung. So entsteht über die Zeit ein immer besseres Bild von den Vorlieben der Person.

Aktivierungen rund um den Erinnerungskoffer

Nachfolgend finden Sie praxisorientierte Aktivitätsideen, die den Einsatz von Erinnerungskoffern beleben können. Jede Aktivierung ist als eigenes kleines Projekt konzipiert und enthält eine Materialliste, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung sowie ein Beispiel für die Umsetzung (mit Hinweisen auf Variationen für unterschiedliche Gruppen). Diese Beispiele können direkt übernommen oder individuell angepasst werden.

Kindheitserinnerungen – Schulzeit

Materialliste: Alte Schulhefte, Federpennal mit Stift (historischer), Tafel und Kreide (Mini-Set), Bilder von Schulklassen, Kopie eines alten Stundenplans, ein altes Lesebuch.

Schritt-für-Schritt:

  1. Begrüßen Sie die Teilnehmer und legen Sie ein Foto einer alten Schulklasse vor ihnen aus.

  2. Fragen Sie die Gruppe, ob sie sich an ihre eigene Schulzeit erinnert.

  3. Jeder darf ein Objekt aus dem Koffer nehmen (z. B. eine Schiefertafel oder ein Lesebuch) und kurz erklären, wie es früher genutzt wurde.

  4. Moderieren Sie eine Gesprächsrunde: „Wer hatte früher ein Federpennal? Welche Fächer mochten Sie?“

  5. Helfen Sie mit Erzählungen (z. B. eine kleine Lesestunde aus dem alten Buch, gemeinsames Schreiben auf der Tafel).

Beispiel (Variationen):

  • Für mobilere Gruppen kann man ein Spiel „Schulweg-Memo“ spielen: Bilder vom Schulweg aufdecken und an die Plätze legen. Wer erinnert sich?

  • Bei Menschen mit starker Demenz können nur ein oder zwei Gegenstände angeboten werden (etwa eine Schultafel und ein Stockfedermäppchen), damit sie diese erfühlen und benennen.

Reise in die Heimat – Erinnerungen an Orte

Materialliste: Fotos oder Postkarten von Dörfern/Städten (Heimatort), eine Spielzeug-Landskarte, typische Souvenirs (z. B. Salzstreuer mit Landschaftsbild), alter Reiseführer oder Stadtpläne.

Schritt-für-Schritt:

  1. Zeigen Sie die Bilder/Postkarten von verschiedenen Orten. Fragen Sie, wer diese Orte kennt oder Ähnliches.

  2. Legen Sie eine große Landkarte auf den Tisch, damit jeder einen Ort zeigen kann, von dem er erzählen möchte.

  3. Geben Sie jedem Teilnehmer ein Souvenir oder einen Postkartendruck in die Hand und lassen Sie beschreiben, was darauf zu sehen ist und ob es Erinnerungen weckt.

  4. Erzählen Sie gemeinsam positive Erlebnisse von Reisen oder dem Heimatdorf.

  5. Ergänzend können Sie regionale Lieder oder Dialekt-Videos abspielen, die an diese Orte erinnern.

Beispiel (Variationen):

  • Für einen internationalen Seniorenkreis können jeweils Gegenstände aus verschiedenen Ländern hinzukommen (z. B. Mini-Eiffelturm, kleine Flaggen) und darüber gesprochen werden, welches Heimatland oder Lieblingsreiseziel die Person hat.

  • Bei stark eingegrenzter Kommunikation reicht es, Duftproben einzusetzen (z. B. Erde oder Kräuter), die an Felder oder Gärten der Heimat erinnern.

Musik und Tanz

Materialliste: Schallplatten oder CDs mit Volksliedern, Schlagern und Tänzen aus Jugendzeiten; einfache Musikinstrumente (z. B. Rassel, Mundharmonika, Xylophon); Noten oder Liedtexte; eventuell Tanztuch oder Taktgeber.

Schritt-für-Schritt:

  1. Spielen Sie ein bekanntes Lied aus den 50er/60er Jahren an. Singen oder summen Sie mit und animieren Sie zum Klatschen oder Mitsingen.

  2. Überreichen Sie Requisiten wie ein Rasselinstrument oder Kopfhörer. Lassen Sie jede Person ein Instrument ausprobieren.

  3. Erinnern Sie sich gemeinsam: „Welches Lied haben Sie als Kind geliebt? Welche Tanzschritte kannten Sie?“

  4. Erklären Sie, wofür ein Tanztuch ist, und probieren Sie langsam Tanzbewegungen zur Musik – auch im Sitzen möglich.

  5. Optional: Kleine Gesellschaftstanz- oder Bewegungsgeschichte für den Stuhlkreis, die an historische Tänze anknüpft.

Beispiel (Variationen):

  • In einer Gruppe mit starker Demenz kann die Musik einfach im Hintergrund laufen, während mehrere Instrumente herumgegeben werden. Jeder darf im Rhythmus wippen.

  • Für deutschsprachige Migranten können Lieder aus dem Herkunftsland gespielt werden; die Texte werden gemeinsam erraten oder gefühlt.

Lieblingsbücher und Gedichte

Materialliste: Ausgewählte Bücher oder Gedichtbände aus der Jugendzeit, Fotos von alten Büchern, Lesezeichen, Lesebrille (als Requisite), Liederbücher.

Schritt-für-Schritt:

  1. Legen Sie einige Bücher auf und zeigen Sie markante Titelbilder. Fragen Sie, ob jemand eine Vorliebe für bestimmte Geschichten oder Autoren hatte.

  2. Nehmen Sie gemeinsam eines der Bücher: Lesen Sie einen bekannten 5-Minuten-Text (z. B. aus „Das waren die 50er!“) vor oder lassen die Senioren reihum Kurzverse aufsagen.

  3. Stellen Sie thematische Fragen: „Haben Sie früher vorgelesen bekommen? Wem haben Sie selbst gerne vorgelesen?“

  4. Halten Sie Zitate oder Gedichtzeilen bereit und lassen Sie einzelne Wörter ergänzen oder gemeinsam nachsprechen.

  5. Als Aktivierung: Jeder, der mag, kann ein Buch an einer Stelle aufschlagen, eine Seite vorlesen oder einem Mitteilnehmer den Satz erklären.

Beispiel (Variationen):

  • Varianten können sein: Rate-, Silben- oder Reimspiele (ausgedruckte Gedichtzeilen vervollständigen).

  • Bei eingeschränkter Sprachfähigkeit genügt oft das Vorlesen kurzer, bekannter Verse und das Betrachten der Illustrationen. Einige Senioren reagieren freudig auf rhythmische Reime oder Kinderlieder (z. B. „Alle Vögel sind schon da“).

Küche und Backen – Düfte der Erinnerung

Materialliste: Alte Koch- oder Backutensilien (z. B. Handmühle, Kaffeemühle, Teigrolle), Ausstechförmchen, Duftproben (z.B. Vanille, Zimt, Kaffee, Schokolade), Kochrezepte von früher (als Vorlesetext), ein altes Geschirrtuch.

Schritt-für-Schritt:

  1. Zeigen Sie typische Küchenutensilien. Übergeben Sie nacheinander z. B. eine Kaffeemühle, und fragen Sie: „Wie hat man früher Kaffee gemacht?“

  2. Verteilen Sie kleine Duftgläser (Zimtstange, Kaffebohnen, Vanilleschote). Lassen Sie die Teilnehmer daran riechen und beschreiben, was sie riechen.

  3. Lesen Sie gemeinsam einen einfachen alten Rezepttext vor (z. B. ein Omas-Brezn-Rezept). Ermutigen Sie die Senioren, über Lieblingsspeisen oder Weihnachtsplätzchen zu erzählen.

  4. Schaffen Sie eine kleine Aktivität: Zum Beispiel eine einfache Back- oder Kaffeetafel simulieren. Jeder kann an der Teigrolle auf dem Tisch kurz drehen oder mit dem Kochlöffel „Rührgeräusche“ nachahmen.

  5. Diskutieren Sie, wie viel Arbeit früher in der Küche war (Holzofen, Waschbrett) und welche Gerichte sie am meisten genossen haben.

Beispiel (Variationen):

  • Für Seniorinnen können Sie zusätzlich nostalgische Nähutensilien (z. B. alte Nähmaschine, Stoffreste) anbieten, falls Kochen weniger interessiert.

  • Bei einer ausländischen Gruppe können typische Gewürze oder Teesorten aus der Heimat eingeführt werden (etwa schwarzer Tee für Migranten aus China).

Werkzeuge und Berufe

Materialliste: Kleine Werkzeuge (Schraubenzieher, Nähnadel, Hammer, Holzklötzchen), alte Arbeitskleidung (z.B. Kochschürze, Arztkittel, Bauarbeiterhelm), Fotos oder Ausweise vom Beruf, Fachbücher oder Kataloge.

Schritt-für-Schritt:

  1. Verteilen Sie verschiedene Werkzeuge und lassen Sie fühlen. Fragen Sie: „Was könnte man damit gemacht haben?“

  2. Halten Sie Fotos von Arbeitsplätzen bereit (Fabrik, Bauernhof, Büro) und sprechen Sie darüber: „Wer hat früher einen Beruf gehabt wie auf diesem Foto?“

  3. Lassen Sie die Personen von ihrem Beruf erzählen. Nutzen Sie Alltagsfrage: „Woran haben Sie gearbeitet?“ oder „Wer hat Ihnen Bücher beibringen später?“

  4. Zeigen Sie dazu passende Kleidung oder Verpflegung (z. B. Stahlhelm, Kittel). Fragen Sie, was man als Arbeiter/träger getan hat.

  5. Optional: Einfache Rollenspiele – jemand tut so, als repariere er mit dem Schraubenzieher etwas, andere reagieren darauf.

Beispiel (Variationen):

  • Bei Sitzgruppen können Arbeitsmaterialien als Sammelbegriff abgelegt werden (z. B. „Erinnerungs-Koffer: meine alten Arbeitswerkzeuge“).

  • Für Menschen mit starkem Demenz reicht es, nur wenige große Gegenstände zu zeigen (z. B. Helm, Kochlöffel) und zu fragen, ob sie sich an bestimmte Tätigkeiten erinnern.

Familie und Kinder

Materialliste: Familienfotos (Hochzeit, Geburt, Festtage), Babypuppe oder Kuscheltier, Kinderlieder-CD, Erinnerungsstücke von Enkelkindern (z. B. Strickjacke, Kinderbuch), eine leere Wimpelkette zum Ausmalen.

Schritt-für-Schritt:

  1. Zeigen Sie ein altes Hochzeitsfoto. Fragen Sie, ob jemand ähnliche Bilder hat oder wie die eigenen Kinder hießen.

  2. Geben Sie eine Babypuppe herum und sprechen Sie über „Wenn ich deine Großmutter/Vater wäre…“.

  3. Spielen Sie ein Kinderlied (z. B. „Alle meine Entchen“) und laden Sie zum Mitsingen oder Händeklatschen ein.

  4. Erstellen Sie gemeinsam mit der Gruppe eine „Familienkette“: Jeder malt einen Papierwimpel mit seinem Namen oder zeichnet ein Symbol (z. B. Haus, Auto). So entsteht eine bunte Girlande.

  5. Sprechen Sie über generationenübergreifende Werte, erinnern Sie an Enkelkinder oder schöne Familienfeste.

Beispiel (Variationen):

  • Wenn viele Kinderfotos in der Gruppe vorhanden sind, kann man ein Fotopuzzle daraus gestalten: Die Bilder werden in Stücke geschnitten (Pflegekraft) und die Senioren setzen sie zu den Familienmitgliedern zusammen.

  • Für eine Einzelperson kann an der Tür ein selbstgemaltes Familien-Bild ausgehängt werden, das als steter Anknüpfungspunkt dient.

Feste und Feiertage

Materialliste: Dekorationsmaterial für Weihnachten (Lichterkette, Kugel, Strohstern), Ostern (Bemaltes Ei), Geburtstag (Kerze, Geburtstagskarte), regionales Fest (z. B. kleines Maibaum-Modell), Notenblatt eines Volkslieds zum Feiern.

Schritt-für-Schritt:

  1. Erklären Sie, welches Fest auf dem Tisch dargestellt ist (z. B. Weihnachten). Lassen Sie weihnachtliche Musik (z. B. „Stille Nacht“) leise im Hintergrund laufen.

  2. Jeder darf eine Kerze anzünden (oder symbolisch mit einer Spielzeugkerze winken) und einen Wunsch äußern.

  3. Zeigen Sie Gegenstände für andere Feste (z. B. ein buntes Osterei), und sprechen Sie über Bräuche: „Wie haben Sie Ostern gefeiert?“

  4. Singen Sie ein Volks- oder Weihnachtslied gemeinsam, und überreichen Sie passende Requisiten (eine Klingel, ein selbstgemachtes Mini-Geschenk).

  5. Besprechen Sie das Jahresrad: Machen Sie einen Kalender mit den Geburtsmonaten aller Teilnehmer, notieren Sie die Geburtstage.

Beispiel (Variationen):

  • Bei einer multikulturellen Gruppe können statt klassischer christlicher Feste auch Ramadan, Holi oder Chanukka thematisiert werden, je nach Hintergrund.

  • Senioren mit Demenz können mit einfachen Handtrommeln oder Rasseln „Lichterlieder“ begleiten, die sie noch erinnern (z. B. „Oh Tannenbaum“).

Spielzeug und Kinderspiele

Materialliste: Alte Spielsachen (Holzpuzzle, Murmeln, Springseil, Kuckuckspuppe), Memory- oder Quartettspiel mit nostalgischen Motiven, Kinderkreide.

Schritt-für-Schritt:

  1. Verteilen Sie ein Spiel oder Spielzeug, z. B. Murmeln oder ein kleines Puzzle. Erinnern Sie: „Haben Sie früher damit gespielt?“

  2. Lassen Sie zwei Personen ein einfaches Memory-Spiel mit Bildern aus ihrer Jugend spielen.

  3. Skizzieren Sie mit Kreide ein Hüpfspiel (Gummitwist) auf ein Blatt; versuchen Sie es gemeinsam im Sitzen (Benennung der Felder).

  4. Stellen Sie ein altes Brettspiel (z. B. Mühle, Dame) vor und beobachten Sie, ob Teilnehmer es in Erinnerung haben oder verbessern.

  5. Erzählen Sie Anekdoten von eigenen Kindheitsspielen (z. B. Verstecken, Fangen).

Beispiel (Variationen):

  • Wenn eine Person motorisch eingeschränkt ist, kann man statt tatsächlichem Spielen einen Bilder-Spieleabend machen: etwa alte Comic-Figuren oder Märchen vorlesen.

  • In Gruppen kann man ein einfaches Wettbewerbs-Quiz veranstalten, das wie ein Kinderspiel aufgebaut ist (z. B. Fragen mit zwei Antwortmöglichkeiten, Plauderquiz).

Natur und Garten

Materialliste: Kleine Blumentöpfe mit Erde und Samen, Naturfotografien (Wiesen, Wälder, Tiere), ein kleines Vogelhäuschen-Modell, Getier-Spielzeug (Holzvögel, Stoffkäfer), Duftblumen (Lavendel), Brotkrumen und Vogelbild.

Schritt-für-Schritt:

  1. Legen Sie Naturfotos aus und fragen: „Welches Bild erinnert Sie an den Garten/die Heimat?“

  2. Jeder darf Erde im Topf fühlen und ein paar Samen aussäen (z. B. Kresse). Erläutern Sie, wie aus Samen eine Pflanze wird – das kann auch als Analogie zum Wachsen im Alter dienen.

  3. Geben Sie Vogel-Figuren oder Brotkrumen in die Hand und zeigen Sie das Modell-Vogelhaus. Sprechen Sie über Vögel und deren Bedeutung im Garten.

  4. Lassen Sie die Teilnehmer an Lavendel oder Rosen riechen, die ein Gefühl von Sommer oder Kindheit vermitteln.

  5. Als Aktivierung können Sie eine kleine Wetterrunde machen: „Wo ging die Sonne heute auf? Was haben Sie gerne im Garten gemacht?“

Beispiel (Variationen):

  • Für eine Gruppe mit grünen Daumen kann man eine kleine Gartenprojekt gründen: Pflanzenpflege-Tagebuch führen, bei denen jeder an der Pflanzung mitwirkt.

  • Bei Demenzkranken reichen allein die Düfte (z. B. Salbeitee) oder Steinchen (die fühlen sich kühl und glatt an) als sinnliche Erfahrung.

Kreiseln und Murmeln aus Kindertagen

Material: Kreisel, Murmeln, gegebenenfalls ein altes Gesellschaftsspiel

Schritt-für-Schritt:

  1. Legen Sie Kreisel und Murmeln aus dem Erinnerungskoffer auf den Tisch.

  2. Zeigen Sie, wie der Kreisel auf dem Untergrund gedreht wird, und lassen Sie die Personen selbst probieren.

  3. Ermutigen Sie die Teilnehmenden, mit den Murmeln zu spielen oder sie zu sortieren (z.B. nach Größe oder Farbe).

  4. Fragen Sie: "Kennen Sie noch ein Murmelspiel aus Ihrer Kindheit?", "Wie hieß das Kreiselspiel?"

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person spinnt den Kreisel und erzählt eigenständig vom Murmelspiel aus der Kindheit.

  • Bei leichter Demenz: Die betreuende Person erinnert an Regeln oder Farben (z.B. "Welche Farbe hat diese Murmel?"), um das Gespräch zu fördern.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Die betreuende Person sortiert bunte Murmeln, benennt sie laut und regt an, Merkmale wie „rund“ oder „glatt“ zu nennen.

Alte Handwerkszeuge erkunden

Material: Hammer, Schraubenschlüssel, Nägel oder Schrauben (sicher befestigt), Holzbrett

Schritt-für-Schritt:

  1. Nehmen Sie alte, ungefährliche Handwerkszeuge aus dem Erinnerungskoffer.

  2. Lassen Sie die Person nacheinander einen Hammer und einen Schraubenschlüssel in die Hand nehmen.

  3. Demonstrieren Sie kurz ihre Funktion (z.B. Hämmern auf das Holzbrett).

  4. Fragen Sie nach berufsbezogenen Erinnerungen: „Kennen Sie diese Werkzeuge?“, „In welchem Beruf hat man damit gearbeitet?“

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person benennt das Werkzeug und berichtet z.B., dass sie als Kind in der Werkstatt geholfen hat.

  • Bei leichter Demenz: Die betreuende Person beschreibt das Werkzeug genauer und hilft beim richtigen Hämmern auf das Holzbrett, während die Person assistiert.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Die betreuende Person führt langsam eine Hämmerübung durch; die Person kann den Hammer halten und auf das Brett schlagen, ohne sich über Details zu äußern.

Gemeinsam Wäsche falten

Material: Verschiedene Stofftücher oder Wäschestücke, Wäschekorb

Schritt-für-Schritt:

  1. Bereiten Sie vor: Legen Sie ein paar saubere Handtücher oder T-Shirts bereit.

  2. Setzen Sie sich zusammen und zeigen Sie, wie ein Tuch oder ein Hemd gefaltet wird.

  3. Lassen Sie die Person selbst ein Wäschestück nehmen und versuchen, es zu falten.

  4. Loben Sie das Ergebnis und führen Sie ein Gespräch: „Haben Sie früher oft die Wäsche gefaltet?“, „Welche Kleidung mochten Sie gern tragen?“

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person faltet selbstständig Wäsche und erzählt eine Anekdote vom Haushaltsalltag früher.

  • Bei leichter Demenz: Die betreuende Person führt Hand über Hand zusammen mit der Person die Faltbewegung aus, bis ein ordentliches Ergebnis entsteht.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Die betreuende Person faltet die Wäsche mit der Person zusammen und beschreibt jede Bewegung (z.B. „Wir legen das Tuch längs in der Mitte zusammen“), sodass die Person dem Prozess folgen kann.

Lieblingslied aus der Jugendzeit

Material: Liedertextblatt oder -buch, eventuell ein Musikgerät (Radio/CD-Spieler)

Schritt-für-Schritt:

  1. Wählen Sie ein bekanntes Volks- oder Schlagerlied aus früheren Jahrzehnten aus.

  2. Lesen oder singen Sie die erste Strophe vor. Spielen Sie die Melodie dazu ab (evtl. mit einem kleinen Lautsprecher).

  3. Ermuntern Sie die Person, mitzusingen oder mitzuwippen.

  4. Fragen Sie anschließend: „Kennen Sie dieses Lied aus Ihrer Jugend?“, „Was ist Ihnen dazu eingefallen?“

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person singt begeistert mit und erinnert sich an Melodie oder Teile des Textes, erzählt vielleicht, wo sie das Lied das erste Mal gehört hat.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie, den Text zu lesen oder summen Sie einen Teil. Bieten Sie Noten oder Bilder des Liedes an, damit die Person visuelle Anhaltspunkte hat.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Musik abspielen. Die Person kann einfach nicken oder klatschen. Rhythmische Elemente und vertraute Melodien lösen oft spontane Reaktionen aus (z.B. leichtes Mitschunkeln).

Weihnachtsschmuck anschauen

Material: Weihnachtsbaumschmuck (kleine Kugeln, Lichterkette, Weihnachtsmannfigur)

Schritt-für-Schritt:

  1. Öffnen Sie vorsichtig eine Kiste mit altem Weihnachtsschmuck aus dem Erinnerungskoffer.

  2. Lassen Sie die Person nacheinander die verschiedenen Dekorationsobjekte betrachten.

  3. Stellen Sie Fragen: „Was hängt bei Ihnen zu Hause am Weihnachtsbaum?“, „Welche Weihnachtsbräuche kennen Sie?“

  4. Erzählen Sie eigene Anekdoten über Weihnachtsfeste, um Erinnerungen zu stimulieren.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person benennt Dekorationsgegenstände (z.B. Kugeln, Lametta) und erzählt fröhlich von vergangenen Weihnachtsfesten in der Familie.

  • Bei leichter Demenz: Die betreuende Person unterstützt beim Hantieren mit dem Schmuck (z.B. hilft, Lametta zu entwirren) und gibt Erklärungen zu Weihnachtstraditionen dazu.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Zeigen Sie einzelne Dekorationsteile nacheinander und ermuntern Sie zum Fühlen oder Riechen (z.B. eine Zimtstange). Die sensorische Erfahrung kann Assoziationen wecken, ohne verbale Äußerungen zu erwarten.

Briefe aus vergangenen Tagen

Material: Alte Briefe, Karten oder Postkarten

Schritt-für-Schritt:

  1. Legen Sie ein paar handgeschriebene Briefe oder Postkarten mit lesbarer Schrift vor sich und die Person.

  2. Öffnen Sie vorsichtig einen Briefumschlag und lesen Sie ein paar Zeilen vor.

  3. Sprechen Sie über den Absender und das Datum: „Wer könnte diesen Brief geschrieben haben?“, „An welchem Ort waren Sie damals?“

  4. Ermutigen Sie zum Vorlesen eigener Zeilen oder zum Erzählen der Geschichte hinter dem Brief.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person liest selbst kurze Passagen vor und erzählt lebhaft vom entsprechenden Zeitpunkt oder von der Person, die den Brief geschickt hat.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie beim Lesen, indem Sie unklare Wörter laut buchstabieren oder erklären. Fragen Sie gezielt: „Erinnern Sie sich an diese Person?“

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lesen Sie langsam vor. Die Person kann zuhören und durch Schlüsselwörter (z.B. Namen, Ort) angeregt werden. Gefühle oder Bilder (z.B. ein alter Briefsiegel) können einen emotionalen Anknüpfungspunkt bieten.

Fotoalbum gemeinsam durchblättern

Material: Fotoalbum oder einzelne Fotos, Stift oder Notizblock für Stichpunkte

Schritt-für-Schritt:

  1. Blättern Sie ein Fotoalbum mit der Person durch oder legen Sie eine Auswahl von Fotografien auf den Tisch.

  2. Zeigen Sie auf einzelne Fotos und stellen Sie offene Fragen: „Wer sehen Sie hier?“, „Wo könnte das gewesen sein?“

  3. Helfen Sie mit Kontext: nenne Sie evtl. das Jahr auf einem Datum oder beschreiben Sie Kleidung oder Umgebung.

  4. Schreiben Sie beim Erzählen Stichworte auf (Notizblock), um weitere Details festzuhalten.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person erkennt Personen oder Orte auf den Bildern und berichtet detailliert von den abgebildeten Momenten.

  • Bei leichter Demenz: Geben Sie Hinweise wie „Das könnte dein Bruder sein, oder?“ oder zeigen Sie auf bekannte Details (z.B. Weihnachtsbaum), die auf die Zeit schließen lassen.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Wählen Sie ein Bild mit klaren Elementen (z.B. ein Weihnachtsbaum). Fragen Sie: „Was sehen Sie hier?“ – auch einfache Antworten („Baum“) können Sinn stiften und den Moment wertschätzen.

Garten- und Naturgeschichten

Material: Ein kleines Töpfchen Erde, Samen, getrocknete Blumen oder ein Ast mit Blättern

Schritt-für-Schritt:

  1. Stellen Sie Pflanzensamen, eine Handvoll Erde oder getrocknete Blumen aus dem Erinnerungskoffer bereit.

  2. Lassen Sie die Person die Samen fühlen und ansehen, vielleicht einen Samen in die Erde drücken.

  3. Stellen Sie Fragen: „Hatten Sie früher einen Garten?“, „Welche Blumen haben Sie gerne gezogen?“

  4. Bieten Sie an, ein Blümchen gemeinsam einzupflanzen oder die Blätter zu berühren.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person erzählt gerne vom eigenen Garten oder Lieblingsblumen und benennt z.B. Farben und Düfte aus ihrer Erinnerung.

  • Bei leichter Demenz: Die betreuende Person kann den Akt des Einpflanzens erklären und Hand über Hand mit der Person ausführen, während sie weiter plaudert.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person Erde fühlen und den Samen in der Hand drehen. Wiederholte Fragen („Ist das rosa oder gelb?“ zu einer Blüte) fördern die Teilnahme auch ohne große Erzählung.

Schreiben wie früher

Material: Federschreiber oder Bleistift, Schreibheft oder Tafel und Kreide

Schritt-für-Schritt:

  1. Nehmen Sie einen alten Stift oder Federhalter und ein Blatt Papier hervor.

  2. Erklären Sie kurz: früher hat man so geschrieben; zeigen Sie einen Schriftzug (z.B. Ihren eigenen Namen) als Beispiel.

  3. Bitten Sie die Person, einige Buchstaben oder Wörter abzuschreiben oder in die Luft zu malen.

  4. Fragen Sie nach: „Haben Sie früher viel geschrieben?“, „Welches Schulfach mochten Sie?“

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person schreibt den eigenen Namen oder bekannte Wörter selbstständig und spricht dabei über die Schulzeit.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie, indem Sie die Hand führen oder Buchstaben vorzeichnen, sodass die Person nachfahren kann.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person einfach den Stift fühlen und Kreise in die Luft malen, während Sie aus dem Gedächtnis Formen beschreiben (z.B. „Schreibe einen Bogen“).

Lieblingsrezept aus der Jugend

Material: Altes Kochbuch oder handgeschriebene Rezepte, Küchengerätschaft (Holzlöffel, Schüssel)

Schritt-für-Schritt:

  1. Holen Sie ein altbekanntes Rezept aus dem Erinnerungskoffer hervor.

  2. Lassen Sie die Person die Zutaten einzeln in die Schüssel legen oder an den Löffel halten.

  3. Erzählen Sie, woraus das Gericht besteht, und fragen Sie: "Haben Sie dieses Essen früher selbst zubereitet?"

  4. Sind Gewürze vorhanden, lassen Sie die Person daran riechen und benennen Sie die Gerüche (z.B. Vanille, Zimt).

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person beschreibt das Rezept, erinnert sich an einzelne Schritte und erzählt, für wen sie früher gekocht hat.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie beim Lesen der Rezeptanleitung; zeigen Sie auf Maßeinheiten oder Zutatenbilder und fragen gezielt nach einzelnen Aspekten (z.B. „Wie viel Mehl kam in den Teig?“).

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person einfache Tätigkeiten ausführen wie Rühren oder Riechen an einer Zutat. Konzentrieren Sie sich auf sensorische Eindrücke (z.B. die Textur des Teigs), statt auf das gesamte Rezept.

Schreibmaschine und Wählscheibentelefon

Material: Alte Schreibmaschine oder Tastatur, Wählscheibentelefon

Schritt-für-Schritt:

  1. Präsentieren Sie die Schreibmaschine und das alte Telefon aus dem Erinnerungskoffer.

  2. Lassen Sie die Person die Tasten der Schreibmaschine oder die Ziffernscheibe des Telefons in die Hand nehmen.

  3. Demonstrieren Sie kurz, wie ein Brief getippt oder eine Nummer gewählt wird.

  4. Stellen Sie Fragen: „Haben Sie früher Briefe geschrieben?“, „Wen haben Sie oft angerufen?“

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person setzt einen Brief mit der Schreibmaschine an oder wählt selbst eine bekannte Nummer am Telefon (mit Unterstützung) und erzählt von alten Schreibgewohnheiten.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie, indem Sie die Hand führen oder die Scheibe lenken. Nennen Sie Buchstaben oder Zahlen laut mit, um das Erkennen zu erleichtern.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Ermöglichen Sie Tastenkontakt oder eine Bewegung mit dem Telefonhörer. Selbst einfaches Drehen an der Wählscheibe oder Tippen auf die Maschine kann Erinnerungen wecken (auch ohne dass gesprochen wird).

Erinnerung an Haustiere

Material: Plüschtier (Hund, Katze o. Ä.), Futternapf, Leine

Schritt-für-Schritt:

  1. Holen Sie ein Plüschtier und eventuell einen kleinen Futternapf hervor.

  2. Ermutigen Sie die Person, das Plüschtier zu streicheln oder in den Arm zu nehmen.

  3. Fragen Sie: "Hatten Sie früher ein Haustier? Wie hieß es?"

  4. Erzählen Sie eigene Geschichten von Haustieren, um einen Dialog zu ermöglichen.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person streichelt das Plüschtier und berichtet von ihrem Haustier, nennt Namen und Anekdoten (z.B. wie das Haustier zum Familienmitglied wurde).

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie mit bildhaften Fragen: „War es ein Hund oder eine Katze?“ oder halten Sie ein Bildbuch mit Tieren bereit, um zu kategorisieren.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Die Person darf das Plüschtier einfach halten und fühlen. Selbst das sanfte Streicheln kann beruhigend wirken, ohne dass gesprochen wird.

Knöpfe sortieren

Material: Verschiedene alte Knöpfe (in einer Dose oder Schale)

Schritt-für-Schritt:

  1. Stellen Sie einen Behälter mit bunten Knöpfen auf den Tisch.

  2. Bieten Sie an, die Knöpfe nach Material, Größe oder Farbe zu sortieren.

  3. Fragen Sie nebenbei: „An welche Kleidung erinnern dich solche Knöpfe?“ oder lassen Sie die Person einen Lieblingsknopf auswählen.

  4. Sammeln Sie gemeinsam die Knöpfe wieder in den Behälter und loben Sie die Teilnahme.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person sortiert selbstständig und erzählt, von welchen Kleidungsstücken die Knöpfe stammen könnten.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie beim Sortieren, indem Sie eine Kategorie vorgeben (z.B. Farbe) und jeweils einen Knopf der Person zur Zuordnung geben.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Die Person darf einzelne Knöpfe fühlen und in die Hand nehmen. Sie können einfache Aussagen machen (z.B. „Das ist hart, das ist glatt“), um die Sinne anzuregen.

Erinnerungstanz mit Tüchern

Material: Leichte, bunte Tücher oder Schals, Musikquelle

Schritt-für-Schritt:

  1. Spielen Sie ein altes Tanzlied leise im Hintergrund ab.

  2. Halten Sie ein Seidentuch vor die Person und zeigen Sie kleine Tanzbewegungen an der Stelle (z.B. mit dem Tuch wedeln).

  3. Bitten Sie die Person, ein Tuch in die Hand zu nehmen und ein paar Bewegungen zu machen.

  4. Sprechen Sie darüber, zu welchem Tanz die Bewegungen gehören könnten (z.B. Walzer, Polka) und ob sie sich daran erinnern.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person macht (gelegentlich unsynchron) Tanzbewegungen, vielleicht leichtes Wiegen im Rhythmus, und erzählt, auf welche Musik sie früher gerne tanzte.

  • Bei leichter Demenz: Führen Sie einfache Schrittfolgen vor und helfen Sie beim Nachmachen. Fragen Sie: „Warst du früher ein guter Tänzer?“

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Überlassen Sie das Tuch der Person zum Fühlen. Oft reagieren Menschen auf Musik mit unwillkürlichen Bewegungen (Kopf nicken, Hände bewegen). Kommentieren Sie leise den Rhythmus oder tanzen Sie selbst, um die Stimmung zu halten.

Tee- und Kaffeegeschichten

Material: Porzellantasse, Teebeutel oder gemahlener Kaffee zum Riechen

Schritt-für-Schritt:

  1. Stellen Sie eine leere Teetasse hin und reichen Sie der Person einen Teebeutel oder eine Espressotasse mit etwas gemahlenem Kaffee zum Riechen.

  2. Erzählen Sie von Ihrem Lieblingsgetränk: „Bei mir gab es früher morgens immer Kaffee oder Tee.“

  3. Fragen Sie: "Trinken Sie lieber Tee oder Kaffee?", "Erinnern Sie sich an Ihren Lieblingsbecher?"

  4. Schauen Sie Bilder von traditionellen Teemaschinen oder Milchkannen (falls vorhanden) an.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person schnuppert am Kaffee oder Tee, kommentiert den Duft und erzählt vielleicht, wie sie selbst ihren Kaffee zubereitet hat oder wie der Kaffeeklatsch in der Familie war.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie beim Vergleichen: „Riecht es wie der Kaffee aus der Dorfbäckerei früher?“ oder zeigen Sie eine Kanne, um Gemeinsamkeiten anzudeuten.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person einfach den Duft aufnehmen. Kaffeegeruch oder eine Tasse in der Hand können tiefe biographische Assoziationen wecken, auch ohne verbale Reaktion.

Rätsel der alten Zeitung

Material: Eine alte Tageszeitung (Kopie) mit großen Bildern, Lupe

Schritt-für-Schritt:

  1. Legen Sie eine alte Zeitung aus den frühen Jahren der Person auf den Tisch (oder eine Kopie mit großgedrucktem Text).

  2. Unterstreichen Sie einen interessanten Artikel oder ein Foto (z.B. mit dem Finger oder der Lupe).

  3. Stellen Sie Fragen: "Was steht auf dieser Seite?", "Erkennen Sie diese Schlagzeile oder dieses Foto?"

  4. Ermutigen Sie, die Zeitung laut vorzulesen oder wichtige Wörter zu benennen.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person liest einen Teil der Überschrift vor und erinnert sich an historische Ereignisse oder das Zeitgeschehen ihrer Jugend.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie mit Stichworten: Nennen Sie das Thema des Artikels und fragen, ob die Person es schon erlebt hat.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Konzentrieren Sie sich auf Fotos oder große Schlagworte. Auch das Fühlen der Zeitung oder das Hören des Vorlesens kann die Sinne aktivieren.

Urlaubsziel erraten

Material: Foto oder Postkarte eines früheren Reiseziels

Schritt-für-Schritt:

  1. Zeigen Sie eine alte Postkarte oder ein Foto, das Strand, Berge oder eine bekannte Stadt zeigt.

  2. Bitten Sie die Person, das Bild zu beschreiben: "Was sehen Sie hier?"

  3. Fragen Sie: "Waren Sie jemals an einem solchen Ort? Hatten Sie einen Traumurlaub, an den Sie sich erinnern?"

  4. Erzählen Sie von Ihrem Lieblingsurlaub und fragen Sie nach Gemeinsamkeiten.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person erkennt vielleicht das Land oder erinnert sich an einen eigenen Ausflug an einen ähnlichen Ort und erzählt mit Begeisterung.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie mit Ja/Nein-Fragen: "War das am Meer?", und bieten Sie Hinweise wie "Das sieht aus wie Italien – Italien ist das Land der Zitronen".

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person das Foto betrachten oder sanft darüber streichen. Beschreiben Sie leise das Motiv (z.B. "Es ist ein Strand mit Palmen"). Visuelle Eindrücke können ein Gespräch aufrechterhalten.

Werkzeuge der ersten Berufsjahre

Material: Typische Utensilien aus einem alten Berufsfeld (z.B. kleiner Pinsel, Schreibfeder, Besteck)

Schritt-für-Schritt:

  1. Bereiten Sie charakteristische Gegenstände vor (z.B. einen Pinsel für Maler, einen Füllfederhalter für einen Schreiber, ein Besteckset für Köche).

  2. Legen Sie die Werkzeuge auf den Tisch und nennen Sie jeden einzeln.

  3. Fragen Sie: "Haben Sie einen dieser Berufe ausgeübt? In welcher Werkstatt oder in welchem Büro haben Sie gearbeitet?"

  4. Bitten Sie die Person, das Werkzeug vor sich zu halten und eine Bewegung zu machen, als hätte sie früher damit gearbeitet.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person nimmt den Gegenstand und erzählt detailreich, wo und wie sie damit gearbeitet hat.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie, indem Sie nach Berufen fragen oder Bilder von Tätigkeiten zeigen (z.B. Büroarbeit) und die Person dazu anregen.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Konzentrieren Sie sich auf die Handlung: Lassen Sie die Person den Gegenstand fühlen und eine einfache Bewegung ausführen. Oft weckt allein die Bewegung Erinnerungen.

Modenschau der Vergangenheit

Material: Ein alter Hut, Schal oder Kleidungsstück (z.B. Krawatte, Bluse)

Schritt-für-Schritt:

  1. Holen Sie ein Kleidungsstück aus dem Erinnerungskoffer hervor, zum Beispiel einen alten Hut oder eine Krawatte.

  2. Zeigen Sie das Kleidungsstück und legen Sie es (gegenseitig) auf oder über die Person.

  3. Fragen Sie: "Wer trug so etwas früher?", "Gab es besondere Anlässe oder Feste, zu denen man so angezogen war?"

  4. Lassen Sie die Person das Kleidungsstück berühren und anprobieren, falls möglich.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person erkennt den Kleidungsstil und beschreibt, wann und zu welchem Anlass das Kleidungsstück getragen wurde.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie: "War das ein Hut für die Arbeit oder für Feiertage?", und unterstützen Sie beim Anheben des Stücks, um die Haptik zu betonen.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Die Person darf den Stoff fühlen oder das Stück sanft anprobieren. Sichtbare Kleidung und das Gefühl des Materials können Erinnerungen wecken, auch ohne Worte.

Zurück zur Schulbank

Material: Alte Schultüte, Bleistift oder Kreide, Notizheft

Schritt-für-Schritt:

  1. Holen Sie eine leere Schultüte aus dem Erinnerungskoffer oder malen Sie eine solche auf Papier auf.

  2. Bitten Sie die Person, den Papierbogen umzudrehen und mit dem Bleistift den eigenen Namen oder kleine Zeichnungen hinzuzufügen.

  3. Erinnern Sie an den Schulanfang: "Welche Schulfächer mochten Sie?", "Haben Sie viel geschrieben oder vielleicht gesungen?"

  4. Die betreuende Person kann die Hand führen, um Buchstaben nachzuzeichnen, falls nötig.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person schreibt eigenständig den Namen oder zeichnet ein Bild und erzählt, welche Fächer sie mochte.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie, indem Sie Anlaute nennen (z.B. "U wie Unterricht") oder Buchstaben vorsprechen.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person den Stift in der Hand halten und führen Sie ihre Hand, um die Bewegung des Schreibens zu spüren.

Familiengeschichten am Küchentisch

Material: Alte Familienfotos, Teetasse, Kuchenteller (Papier)

Schritt-für-Schritt:

  1. Setzen Sie sich mit einer Tasse Tee und einem Papier-Teller in einer imaginären Küche oder am Tisch gegenüber der Person.

  2. Legen Sie ein altes Familienfoto auf den Tisch und fragen Sie: "Wer ist auf diesem Bild?"

  3. Lassen Sie die Person erzählen: "Erinnern Sie sich an Familienfeste? Welche Gerichte gab es in Ihrer Familie?"

  4. Erzählen Sie selbst von Familienfesten, um den Dialog zu unterstützen.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person nennt Namen der Familienmitglieder auf dem Foto und beschreibt typische Gerichte oder Feste (z.B. Geburtstagskuchen).

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie, indem Sie mögliche Namen vorschlagen oder Erinnerungsfetzen geben (z.B. "Das könnte dein Bruder sein, oder?").

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Die Person darf einfach beobachten, wie Sie Tee einschenken. Nutzen Sie sanfte Hinweise (z.B. "Das war früher immer Omas Spezialtorte") ohne Druck zum Sprechen.

Festliche Traditionen

Material: Weihnachtsgeschichte oder Osterbild, elektrische Kerze (ohne echte Flamme)

Schritt-für-Schritt:

  1. Zeigen Sie ein Symbol für ein Fest (z.B. ein Bild von Weihnachten, Ostern oder Erntedank).

  2. Entzünden Sie eine elektrische Kerze und bitten Sie die Person, die Flamme anzuschauen.

  3. Erzählen Sie: "Früher gab es an Weihnachten einen Tannenbaum und Lieder. Welche Traditionen kannten Sie?"

  4. Diskutieren Sie gemeinsam: "Wer hat damals das Fest vorbereitet? Welche Lieder wurden gesungen?"

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person beschreibt Details (z.B. Weihnachtsbaum mit Kugeln) und erinnert sich an Traditionen wie das Festtagsessen.

  • Bei leichter Demenz: Erinnern Sie mit Bildern oder Liedzeilen (z.B. Summen eines Kirchenliedes) an bestimmte Elemente, um sie ins Gespräch zu holen.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Konzentrieren Sie sich auf den Moment der Kerzenflamme oder ein bekanntes Duftöl (z.B. Zimt bei Weihnachten). Sinneseindrücke können auch ohne viele Worte wirken.

Sportliche Erinnerungen

Material: Ein einfacher Ball (weich), Foto von Sportlern oder Medaille

Schritt-für-Schritt:

  1. Holen Sie einen weichen Ball (z.B. Schaumstoffball) und ein Foto einer Sportveranstaltung oder eine Medaille hervor.

  2. Werfen oder rollen Sie den Ball vorsichtig hin und her, um leichte Bewegung anzuregen.

  3. Fragen Sie: "Welchen Sport haben Sie früher getrieben? Gibt es ein Sportereignis, an das Sie sich erinnern?"

  4. Bieten Sie einfache Dehn- oder Wurfübungen an, falls die Person mitmachen möchte.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person nennt vielleicht einen Sportverein oder erzählt von einem besonderen Spiel, bei dem sie dabei war.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie, indem Sie Sportarten vorschlagen (z.B. "Haben Sie Fußball gespielt? Oder Schwimmen?").

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person einfach den Ball halten oder spielen Sie einen leichten Wurf hin und her. Schon kleine Bewegungen aktivieren oft das Erinnerungsvermögen.

Handarbeiten und Basteln

Material: Wolle und Stricknadeln (oder Stoffreste) und Nähnadel mit dickem Faden

Schritt-für-Schritt:

  1. Legen Sie buntes Garn, Stricknadeln oder Stoffreste auf den Tisch.

  2. Fragen Sie: "Haben Sie früher gestrickt oder genäht?" und bieten Sie an, ein paar Maschen zusammen anzufangen.

  3. Zeigen Sie einfache Handbewegungen (z.B. eine Masche aufnehmen) und lassen Sie die Person vorsichtig mitmachen.

  4. Loben Sie jeden Erfolg (auch ein paar Fadensprünge) und sprechen Sie über mögliche Projekte von früher.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person erzählt vielleicht von einer selbstgemachten Decke oder Kleidung und an wen sie diese geschenkt hat.

  • Bei leichter Demenz: Geben Sie eine klare Anleitung: "Lass uns zusammen eine Masche aufnehmen", und unterstützen Sie die Handhaltung Hand über Hand.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Konzentrieren Sie sich auf das Material: Lassen Sie die Person die Wolle oder den Stoff fühlen. Ruhiges Arbeiten wirkt oft beruhigend und weckt Erinnerungen.

Kartenspiele aus alten Zeiten

Material: Ein einfaches Kartenspiel (z.B. Schwarzer Peter)

Schritt-für-Schritt:

  1. Bereiten Sie ein Kartenspiel vor, das aus Kindheit oder Jugend bekannt ist (z.B. Schwarzer Peter).

  2. Mischen Sie die Karten und teilen Sie sie an sich und die Person aus.

  3. Erklären Sie die Regeln Schritt für Schritt und helfen Sie beim Spielen (z.B. Karte ziehen).

  4. Stellen Sie nebenbei Fragen: "Haben Sie früher oft Karten gespielt? Mit wem haben Sie gespielt?"

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person kann einer einfachen Runde folgen, selbst Karten ziehen und dabei erzählen, mit welchen Spielen sie früher Spaß hatte.

  • Bei leichter Demenz: Führen Sie die Kartenbewegungen mit und helfen Sie beim Sortieren. Erinnern Sie an bekannte Spielregeln („Kennst du dieses Spiel noch?“).

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Vereinfachen Sie das Spiel: Lassen Sie die Person nur eine Karte halten und benennen Sie zusammen die Farbe oder Zahl, um Teilhabe zu ermöglichen.

Sinne schärfen mit Gewürzen

Material: Kleine Gläser oder Tütchen mit Gewürzen (Zimt, Vanille, Pfefferminze)

Schritt-für-Schritt:

  1. Verteilen Sie kleine Proben der Gewürze auf dem Tisch.

  2. Bitten Sie die Person, an jedem Glas zu riechen und das Gewürz zu erraten.

  3. Fragen Sie: "In welchem Gericht wurde dieses Gewürz verwendet? Woher kennen Sie diesen Duft?"

  4. Beschreiben Sie die Aromen, falls die Person nicht antwortet, und fördern Sie den Austausch.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person erkennt Gewürze und berichtet, welche Speisen damit gewürzt wurden oder wer früher damit gekocht hat.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie: „Riecht das nach Weihnachten oder nach Kuchen?“ und erinnern Sie gemeinsam an Düfte (z.B. Weihnachtsplätzchen mit Zimt).

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person einfach riechen und sprechen Sie zu jedem Geruch kurz etwas, ohne Druck (z.B. "Zimt riecht süß und wird oft in Kuchen verwendet").

Gottesdienst und Chorgesang

Material: Kleines Symbol einer Kirche (z.B. Holzmodell), eventuell ein bekanntes Kirchenliedtextblatt

Schritt-für-Schritt:

  1. Zeigen Sie das Kirchsymbol oder eine kleine Kirche aus dem Erinnerungskoffer und beginnen Sie sanft, ein bekanntes Kirchenlied zu summen.

  2. Bitten Sie die Person, bei einer Strophe mitzusingen, falls sie kann, oder einfach zuzuhören.

  3. Fragen Sie: "Haben Sie früher regelmäßig die Kirche besucht? Welche Lieder wurden oft gesungen?"

  4. Erklären Sie den Ablauf eines Gottesdienstes kurz, wenn die Person daran erinnert wird (z.B. "Anfang, Lesung, Segen").

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person summt vielleicht die Melodie mit und erzählt, welchen Platz sie in der Kirche eingenommen hat oder an welche Feste sie sich erinnert.

  • Bei leichter Demenz: Singen Sie klare Refrains mit und geben Sie den Text vor. Ermuntern Sie mit sanften Fragen: "Kennst du diesen Liedvers?"

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Sichern Sie ein Gefühl von Ruhe: Die Person mag einfach nur zuhören oder leicht mitsummen. Der Anblick der Kirche oder die Hymne kann Trost und Vertrautheit vermitteln.

Wandertag in der Natur

Material: Bild von Wald oder Bergen, kleiner Wanderstock

Schritt-für-Schritt:

  1. Zeigen Sie ein Bild eines Waldes oder Gebirges und geben Sie der Person einen kleinen Wanderstock.

  2. Stellen Sie sich vor, gemeinsam auf einen Spaziergang zu gehen: "Welchen Weg würden Sie wählen?"

  3. Bitten Sie die Person, den Wanderstock zu halten oder sich daran zu stützen, während Sie den imaginären Weg entlanggehen.

  4. Fragen Sie: "Waren Sie gerne in der Natur? Welche Jahreszeit mochten Sie am liebsten?"

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person spricht begeistert von Wanderungen oder Spaziergängen und erkennt vielleicht gezeigte Bäume oder Berge.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie durch Detailfragen: "Könnte das ein Wald bei Ihnen in der Nähe sein? Erinnern Sie sich an den Weg dorthin?"

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Nutzen Sie Sinneserfahrungen: Lassen Sie die Person tief atmen und die Blätter fühlen, während Sie leise Vogelgesänge imitieren. Dies schafft eine ruhige, naturverbundene Atmosphäre.

Heimwerken im Alltag

Material: Kleine Werkzeugteile (Schrauben, Nägel) und ein Stück Holz

Schritt-für-Schritt:

  1. Stellen Sie ein Stück Holz bereit und geben Sie lose Schrauben und Nägel in einer Schachtel.

  2. Zeigen Sie, wie man vorsichtig eine Schraube in das Holz eindreht (mit ausgestellt befestigtem Schraubenzieher).

  3. Fragen Sie: "Haben Sie früher im Haus oder Garten selbst repariert? Welche Arbeiten haben Sie damals gemacht?"

  4. Bieten Sie an, eine einfache Bewegung auszuführen (z.B. Schraube in Holz drehen), während erzählt wird.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person nimmt eigenständig eine Schraube und spricht über vergangene Reparaturen oder das Bau von Möbeln.

  • Bei leichter Demenz: Geben Sie Hilfestellung (Hand halten) und machen Sie bekannte Geräusche nach (z.B. "Klack, klack" beim Einschrauben).

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Konzentrieren Sie sich auf das Tun: Lassen Sie die Person Nagel und Hammer oder Schraube fühlen. Taktiles Erleben kann auch ohne Worte Erinnerungen wecken.

Enkeltreffen und Familiennachwuchs

Material: Foto von einem Kleinkind, Stofftier (Teddy)

Schritt-für-Schritt:

  1. Zeigen Sie ein Bild eines Babys oder Kleinkinds aus dem Erinnerungsalbum.

  2. Fragen Sie: "Haben Sie Enkel oder vielleicht selbst Kinder? Wer ist auf diesem Foto?"

  3. Bieten Sie das Stofftier zum Kuscheln an und sprechen Sie über Kinderlieder oder Spiele, die man damals zusammen gespielt hat.

  4. Ermutigen Sie die Person, dem Teddy das eigene Alter oder Geburtsjahr "zu erzählen".

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person benennt, dass es der Enkel oder das eigene Kind ist, und erzählt von Lieblingsspielen oder Kinderliedern, die sie kennengelernt haben.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie mit Ja/Nein-Fragen: "Ist das Ihr Enkel?" oder führen Sie das Gespräch weiter: "Wie hieß Ihr Enkelkind?"

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Die Person kann den Teddy im Arm halten und einfache Berührungen genießen. Erzählen Sie sanft ein bekanntes Kinderlied, damit das Stofftier „mithört“.

Ein Musikinstrument ausprobieren

Material: Kleine Trommel oder Triangel, Liederbuch oder Songtext

Schritt-für-Schritt:

  1. Holen Sie ein leicht zu spielendes Instrument aus dem Erinnerungskoffer (z.B. kleine Trommel oder Triangel).

  2. Spielen Sie einen Rhythmus oder Ton vor und lassen Sie die Person das Instrument vorsichtig nachspielen.

  3. Fragen Sie: "Haben Sie früher ein Instrument gelernt? Welches Lied gefällt Ihnen besonders?"

  4. Schlagen Sie einen langsamen Takt an und singen Sie einen kurzen Liedrefrain gemeinsam.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person spielt den Rhythmus mit und summt vielleicht ein ganzes Lied mit.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie beim Halten des Instruments und führen Sie sanft die Hand beim Spielen mit (Hand über Hand).

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Geben Sie einfach das Instrument in die Hand und spielen Sie leise dazu. Oft sorgt schon das Mitwippen zum Takt für Freude.

Österliche Kindheitserinnerungen

Material: Ein bunt bemaltes Osterei (künstlich oder Papier), kleine Osterdekoration

Schritt-für-Schritt:

  1. Zeigen Sie ein bunt bemaltes Osterei oder einen Osterhase aus dem Erinnerungskoffer.

  2. Fragen Sie: "Haben Sie früher Eier gefärbt? Was fällt Ihnen zu Ostern als Erstes ein?"

  3. Lassen Sie die Person das Osterei halten und malen Sie sanft Muster (z.B. mit Finger auf Papier).

  4. Sprechen Sie gemeinsam über Ostern: "Wer hat damals das Ei versteckt?"

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person erinnert sich an das gemeinsame Eierfärben, nennt Farben oder Muster und erzählt, wer das Ei versteckt hat.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie mit Nachfragen: "Haben Sie rote oder blaue Eier gemalt?" und erinnern Sie an typische Osterrituale.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person einfach das Ei fühlen, während Sie das Muster malen. Erzählen Sie dabei die Geschichte vom Osterhasen leise im Hintergrund.

Herbstliche Erntedankstimmung

Material: Herbstdekoration (Kürbis, getrocknetes Laub, Nüsse)

Schritt-für-Schritt:

  1. Stellen Sie Herbstgegenstände auf den Tisch: z.B. Kürbis, bunte Blätter, Nüsse.

  2. Erklären Sie: "Das riecht nach Herbst! Hatten Sie zu dieser Zeit besondere Feste?"

  3. Fragen Sie: "Welche Herbstfrüchte hat man früher gesammelt?"

  4. Lassen Sie die Person Laub und Nüsse berühren und beschreiben Sie gemeinsam die Farben.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person spricht von Apfelernte, Kürbissuppe oder Erntedankfesten und erinnert sich, wer in der Familie gesammelt hat.

  • Bei leichter Demenz: Unterstützen Sie mit konkreten Fragen: "Stimmen hier Kartoffeln oder Kürbisse?", geben Sie Anweisungen wie "Wir legen das Laub auf den Tisch, wie damals im Garten."

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Konzentrieren Sie sich auf die Sinneserfahrungen: Lassen Sie die Person das Rascheln der Blätter hören und eine Nuss in der Hand rollen, um einfache Eindrücke zu bieten.

Alte Schulliedersammlung

Material: Liederbuch aus Schulzeiten oder Textblätter von Schulgesängen

Schritt-für-Schritt:

  1. Blättern Sie durch ein altes Liederbuch (z.B. Wanderlieder, Kinderlieder) oder singen Sie den Refrain eines bekannten Schulliedes an.

  2. Bitten Sie die Person, einzelne bekannte Zeilen mitzusprechen oder zu summen.

  3. Erinnern Sie: "Welche Lieder habt ihr früher in der Schule gelernt?"

  4. Singen Sie langsam und deutlich, damit die Person einsteigen kann.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person singt vollständig mit und erinnert sich an Exkursionen oder Feste, bei denen das Lied gesungen wurde.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie, indem Sie ein Lied zusammen singen oder mit dem Finger den Text verfolgen.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person einfach zuhören oder einzelne Wörter nachsprechen. Musik kann auch nonverbal viele Emotionen wecken.

Briefmarken sammeln

Material: Briefmarkenalben oder lose Briefmarken mit großen Bildern

Schritt-für-Schritt:

  1. Zeigen Sie Briefmarkenalben oder einige auffällige Briefmarken mit Motiven (z.B. Blumen, Tiere).

  2. Fragen Sie: "Haben Sie früher Briefmarken gesammelt? Erinnern Sie sich an Lieblingsmotive?"

  3. Sortieren Sie ein paar Marken nach Ländern oder Farben gemeinsam.

  4. Erzählen Sie, dass Briefmarken oft schöne Bilder und Geschichten zeigen.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person berichtet stolz von ihrer Sammlung oder wählt Marken aus, die ihr früher am besten gefallen haben.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie beim Sortieren nach Motiven oder Ländern (z.B. "Diese Marke ist aus Deutschland, die mit der Blume aus Frankreich").

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person die Marken anschauen oder fühlen. Die schönen Bilder wecken oft ganz ohne Worte Erinnerungen.

Kinderspielplatz im Dorf

Material: Foto eines alten Spielplatzes oder Spielgeräte (z.B. Schaukel)

Schritt-für-Schritt:

  1. Zeigen Sie ein Foto oder Bild einer alten Schaukel, Rutsche oder eines Dorfplatzes mit spielenden Kindern.

  2. Fragen Sie: "Waren Sie früher oft auf dem Spielplatz? Welches Spiel haben Sie am liebsten gespielt?"

  3. Spielen Sie eine einfache Bewegung nach (z.B. sanftes Hin- und Herschaukeln des Fotos).

  4. Sagen Sie: "Wir spielen jetzt, als wären wir wieder Kinder. Wer möchte schaukeln?"

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person beschreibt lebhaft Spiele aus Kindertagen (z.B. Fangen oder Verstecken) und hat Spaß an der Vorstellung.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie: "Haben Sie rote oder blaue Schaukeln gekannt?" oder bieten Sie Bilderbücher mit Spielplatzmotiven an.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Die Person kann „mitspielen“, indem Sie z.B. das Foto hin- und herschieben. Ein einfaches Nachahmen (Schaukeln) oder gemeinsames Lachen schafft Freude.

Beim Bäcker vorbei

Material: Leeres Brotkörbchen, Papiersack mit Mehl (sicher verschlossen), Duftstäbchen (Zimt)

Schritt-für-Schritt:

  1. Stellen Sie ein leeres Brotkörbchen und einen Papiersack mit Mehl bereit.

  2. Reiben Sie etwas Mehl oder halten Sie Zimt unter die Nase als Geruchsprobe.

  3. Fragen Sie: "Waren Sie früher oft beim Bäcker? Welche Brotsorte mochten Sie am liebsten?"

  4. Tun Sie so, als würde ein Laib Brot aus dem Ofen kommen, und sagen Sie: "Frisch und warm!"

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person schwärmt vom Frühstück mit frischem Brot und Butter und nennt vielleicht ihre Lieblingsbäckerei.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie mit Ja/Nein-Fragen: "War das Brot dunkel oder hell?" und beschreiben Sie den Backvorgang.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person das Mehl berühren und riechen. Auch der Duft von Zimt oder frischem Brot an der Hand kann angenehme Erinnerungen auslösen.

Tiergeschichten vom Bauernhof

Material: Kleine Holz- oder Plüschtiere (Huhn, Kuh, Pferd), Strohbündel oder Futtersäckchen (simuliert)

Schritt-für-Schritt:

  1. Legen Sie ein paar Plüschtiere auf den Tisch, z.B. Kuh, Pferd oder Hahn.

  2. Fragen Sie: "Gab es früher Tiere im Garten oder auf dem Bauernhof? Erinnern Sie sich?"

  3. Erzählen Sie eine einfache Geschichte: "Stell dir vor, der Hahn kräht gerade frühmorgens", und imitieren Sie passende Geräusche.

  4. Bieten Sie Strohbündel oder (simuliertes) Futter zum Fühlen an und erläutern Sie: "Morgen werden wir die Tiere füttern."

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person benennt die Tiere und erzählt, ob sie selbst Tiere gehalten hat oder aus der Nachbarschaft kennt.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie: "Mögen Sie Hühner oder lieber Kühe? Erinnern Sie sich an das Muhen?"

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person die Tiere streicheln und bewegen Sie sie spielerisch. Schon der Klang eines Hahns oder Bauernhofmusik im Hintergrund kann eine vertraute Stimmung schaffen.

Heimische Natur erleben

Material: Frischer Ast mit Blättern (z.B. Eiche, Ahorn), kleines Glas mit "Tautropfen" (künstlich)

Schritt-für-Schritt:

  1. Bringen Sie einen frischen Ast mit Blättern ins Zimmer.

  2. Fragen Sie: "Welcher Baum könnte das sein?" und lassen Sie die Person die Blätter berühren.

  3. Zeigen Sie das Glas Wasser (Tautropfen) und erklären Sie: "Stellen Sie sich vor, das ist Morgentau auf dem Gras."

  4. Führen Sie gemeinsam einfache Atem- oder Gehübungen durch, als würden Sie draußen spazieren gehen.

Beispiel (Variationen):

  • Bei guter Orientierung: Die Person erkennt vielleicht die Baumart und spricht über Spaziergänge oder den Geruch des Waldes.

  • Bei leichter Demenz: Helfen Sie durch Hinweise: "Riechen Sie den Wald?", und nennen Sie mögliche Vogelgesänge.

  • Bei fortgeschrittener Demenz: Lassen Sie die Person tief atmen und die Blätter fühlen. Visualisieren Sie sanft Vogelzwitschern oder Windgeräusche im Hintergrund. So wird die Ruhe der Natur auch ohne Worte spürbar.

Kategorie Gedächtnis & Erzählen

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