Hi! Dennis von Indie Fresse hier.
Zwischen unseren Podcast-Folgen gibt’s kluge Gedanken zu schönen Spielen in eurem Postfach.
Wenn ihr uns dabei unterstützen wollt:
Heute: Sony hat angekündigt, Spiele in Zukunft nicht mehr auf Discs zu veröffentlichen. Das ist keine gute Nachricht.
Ein kluger (?) Gedanke: Das Ende der Disc
Am 21. Mai 2013 macht Microsoft eine Ansage: Ihre neue Xbox One erschwert den Weiterverkauf von Spielen (Öffnet in neuem Fenster) auf Discs. Denn der Gebrauchtmarkt ist der Feind. Und digital ist die Zukunft.
Es folgt: Chaos in den Kommentarspalten. Wut. Aufregung. Aufgebrachte Gamer.
Und dieses Video von Sony.
https://www.youtube.com/watch?v=kWSIFh8ICaA (Öffnet in neuem Fenster)Das ist der Moment, an dem Sony den Konsolenkrieg für sich entscheidet. Mit der Botschaft: Alles bleibt so wie es ist. Die Disc bleibt.
13 Jahre später ist das vorbei. Sony kündigt an: Ab Januar 2028 wird die Produktion von Blu-Ray-Discs für Sony-Konsolen eingestellt (Öffnet in neuem Fenster). Kurz darauf zieht Microsoft nach (Öffnet in neuem Fenster). Auch auf der nächsten Xbox (falls sie je existieren wird) sind Discs passé.
Und das ist nicht gut. Goodbye Disc, bedeutet nämlich auch:
Goodbye Eigentum: Wir kaufen keine Medien mehr, wir leihen sie nur für denselben Preis. Digitale Download-Stores bleiben nicht auf alle Ewigkeiten auf. Sie können jederzeit schließen oder Inhalte entfernen. Das beste Beispiel liefert Sony gleich selbst. In Kürze wird der PS-Store für PlayStation 3 und PS Vita dichtgemacht (Öffnet in neuem Fenster). Außerdem werden über 500 Filme (Öffnet in neuem Fenster)aus den Konten (!) von PlayStation-Kunden entfernt, darunter Klassiker wie Apocalypse Now!, weil Abmachungen mit dem Filmverleih zu Ende gehen.
Goodbye Schnäppchen: Im Playstation Store kostet das drei Jahre alte Spiderman 2 für die PS5 immer noch 79,99€. Auf eBay bekomme ich das Spiel für 25 Euro. Ohne den Gebrauchtmarkt haben Konzerne wie Sony noch weniger Druck, Preise für alte Spiele anzupassen. Im Gegenteil. Ohne alternativen Gebrauchtmarkt können Spielepreise steigen und das…
Goodbye Teilhabe: … ist schlimm für alle Menschen, die nicht das Glück haben, sehr viel Geld zu haben. In den USA ist (Konsolen)-Gaming schon jetzt ein Hobby für Besserverdiener (Öffnet in neuem Fenster). Das Ende der Spiele-Disc verschärft das Problem noch. Nicht nur der Gebrauchtmarkt ist dann tot. Auch der Zugang zu aktuellen Spielen über Bibliotheken ist dann kaum noch möglich.
Goodbye Rückwärtskompatibilität: Eines der größten Versprechen der aktuellen Konsolengeneration war: Du kannst deine Games-Bibliothek behalten. Die alten Discs funktionieren in deiner neuen Konsole. Das ist super. Alte Spiele bleiben spielbar. Aber was ist mit den alten Spielen, wenn die neuen Konsolen nicht mal mehr Laufwerke haben für Discs? Was machen wir dann mit den Regalen voller Blu-Rays? Die Antwort ist, denke ich, klar: Wir sollten sie noch mal kaufen.
Sony sagt: Wir sind selbst daran schuld. Laut Analysten werden über 80 Prozent (Öffnet in neuem Fenster) aller Spiele bereits digital gekauft.
Aus eigener Beobachtung kann ich das bestätigen.
Mein letztes, selbst gekauftes Disc-Spiel war No Man’s Sky in einem GameStop in Helsinki (kompletter Fehlkauf). Meine Lieblings-Games-Plattform ist Steam. Mein Lieblings-Song?
https://www.youtube.com/watch?v=GrYSaP165ok (Öffnet in neuem Fenster)ok gelogen (…aber nur ein bisschen)
Es gibt da aber ein Problem. Ja, viele Menschen kaufen ihre Games digital, aber: diese Statistiken sind irreführend.
Die Games-Bewahrungs-Initiative Does it Play erklärt (Öffnet in neuem Fenster): Um die Präferenz für Digital-Downloads zu zeigen, schaut Sony nicht etwa darauf wie viele Menschen Spider Man 2 auf Disc und wie viele als Download gekauft haben. Sondern: Sie schauen auf alle Game-Software-Verkäufe.
Und dazu gehören Spiele, die es digital only gibt (z.B. so gut wie alle Indie-Spiele) und auch die extrem lukrativen Ingame-Käufe, die über die eigenen Plattformen abgewickelt werden (z.B. Lootboxen bei Ultimate Team oder Skins in Fortnite und co.).
Und natürlich muss man auch die Henne/Ei-Frage stellen. Kaufen Leute digital only, weil sie es wirklich bevorzugen? Oder weil neue Konsolen vermehrt ohne Laufwerk verkauft werden? Oder vielleicht, weil bei Spielen wie GTA 6 gar keine Disc in der Packung steckt, sondern eh nur ein Download-Code?
Klar ist auch: Das Ende der Disc einzuläuten, hat sehr viele Vorteile für Konzerne wie Sony oder Microsoft.
Keine Discs, die man pressen muss, verpacken und verschicken
Keine Läden, denen man einen Cut der Verkaufserlöse abgeben muss
Plattformen, die man komplett selbst kontrollieren kann
Aber für uns hat die Abschaffung eigentlich nur Nachteile.
Ich glaube : Große Spielekonzerne wie Sony, Microsoft, Nintendo tragen eine besondere Verantwortung für das Medium Spiel. Und dazu gehört vielleicht eben auch die Disc und die Bewahrung des Mediums. Die letzten Monate haben mir gezeigt:
Sie nehmen diese Verantwortung nicht wahr.
Schamlose Selbstpromo und anderes Zeug
Guckt doch mal in eure Podcast-App. Da ist nämlich eine neue Folge Indie Fresse (Öffnet in neuem Fenster)! Wir haben mal wieder eine Bonusfolge aufgenommen. Dieses Mal über Hardware und Peripherie (und die Steam Machine)
Noch ein Aspekt mit dem Ende der Disc: Drittanbieter von Collector’s Editions von Indie-Spielen wie Lost in Cult schlagen Alarm (Öffnet in neuem Fenster). Mit dem Ende der Disc ist auch ihr Geschäftsmodell bedroht.
Toller Text von Nicole Clark über das Making-Of von Mina the Hollower (Öffnet in neuem Fenster)
Der Zubehör-Hersteller Dbrand hat einen Companion Cube Skin gemacht für Valves neue Steam Machine. Problem: Sie hatten gar nicht die Rechte daran (Öffnet in neuem Fenster).
Neue Seite für mehr guten Lesestoff zu Games: Warp Point (Öffnet in neuem Fenster) sammelt unabhängige Gaming-Blogs zu einer schön oldschooligen Blogroll.