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Kurz gesagt: Italien live in Norditalien – und Nachruf auf eine Ikone

Liebe Newsletter-Abonnentinnen und -Abonnenten,
liebe Mitglieder,

ich hoffe, Sie hatten, ihr hattet, einen erholsamen und möglichst genussvollen Sommer.

In diesem Newsletter weise ich auf eine Veranstaltung am kommenden Samstag in einer bezaubernden norditalienischen Stadt hin, bei der ich zu Gast sein werde.

Und ich möchte einem Menschen ein paar Zeilen widmen, der in Italien ohne jede Übertreibung eine Ikone war – den aber in den deutschsprachigen Ländern kaum jemand kennt.

Live in Gorizia

Am kommenden Samstag, den 6. September, habe ich einen Auftritt beim Festival delle Lingue in Görz, beim Festival der Sprachen in jener norditalienischen Stadt, die in mindestens vier Sprachen einen eigenen Namen hat: Italienisch (Gorizia), Deutsch (Görz), Slowenisch (Gorica) und Friaulisch (Gurize).

Das Festival organisiert zum mittlerweile dritten Mal der Verein Kulturhaus Görz, der sich der Förderung der sprachlichen Vielfalt in der Stadt und ihrer Umgebung verschrieben hat.

Mein Auftritt ist ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Kulturhauses Görz, Jens Kolata, wir werden uns über “Verstehen und Missverstehen zwischen Deutschland und Italien” unterhalten, wie es das Programmheft verspricht.

Das Gespräch wird auf Deutsch abgehalten und vor Ort ins Italienische gedolmetscht.

Der Auftritt findet am Samstag, den 6. September, von 18.15 bis 19.00 Uhr statt, im Palazzo de Grazia in der Via Guglielmo Oberdan 15 in Görz (Öffnet in neuem Fenster).

Das gesamte Programm des Festival delle Lingue ist unter diesem Link zu finden:

https://www.turismofvg.it/eventi/festival-delle-lingue-456425 (Öffnet in neuem Fenster)

Alle Kurz gesagt: Italien-Hörerinnen und -Hörer sind natürlich höchst willkommen.

Für alle unter Ihnen/Euch, die in Österreich oder Norditalien wohnen, sich gerade dort aufhalten — oder ohnehin mal nach Görz oder allgemein in den Friaul reisen wollten – lohnt ein Abstecher.

Das an der Grenze zu Slowenien gelegene Görz ist – gemeinsam mit der slowenischen Nachbarstadt Nova Gorica und zeitgleich mit dem ostdeutschen Chemnitz – europäische Kulturhauptstadt 2025. (Öffnet in neuem Fenster)

Das Programm des Festival delle Lingue ist spannend.

Teil des Programms sind unter anderem eine Führung durch das jüdische Viertel von Görz und Gespräche über die Mehrsprachigkeit in der Stadt (die italienische Vielsprachigkeit ist ein Thema, das Kurz gesagt: Italien-Hörerinnen bestens vertraut ist (Öffnet in neuem Fenster) und das ich in einem Mensile-Bonusnewsletter vertieft habe (Öffnet in neuem Fenster)).

Zum Abschluss der Festivaltage finden am Freitag ein Konzert statt – und am Samstag eine für die Theaterbühne inszenierte Lesung der Erzählung Die Narren von Görz von Anton Kuh (die in der Vergangenheit auch schon der von mir verehrte Helmut Qualtinger vorgetragen hat (Öffnet in neuem Fenster)).

Görz ist eine bemerkenswerte Stadt.

Görz liegt im Friaul, nahe der Grenze zu Österreich und Slowenien, war bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Teil Österreich-Ungarns. Es ist eine der sehenswertesten italienischen Städte, die ich je besucht habe.

Empfehlen kann ich das Schlendern durch die hübsche Altstadt und besonders das beeindruckende Museum über den Ersten Weltkrieg (Öffnet in neuem Fenster) in der Burg, die die Stadt überragt. Und die Trattoria Da Gianni (Öffnet in neuem Fenster). In kaum einem anderen Restaurant habe ich je so reichhaltig und gleichzeitig so gut gegessen.

Pippo Baudo

Am Tag nach Ferragosto (Öffnet in neuem Fenster) ist ein Mann gestorben, den im deutschsprachigen Raum fast niemand kennt – in Italien aber nahezu buchstäblich jede und jeder.

Ein Mann, der tiefere Spuren in Italien hinterlassen hat als mancher Ministerpräsident.

Pippo Baudo war nicht nur einer der bekanntesten und einflussreichsten Fernsehentertainer der italienischen TV-Geschichte. Er hat als 13-facher (!) Moderator des Festivals von Sanremo (Öffnet in neuem Fenster) durch seine Künstlerinnen- und Künstlerauswahl die Karrieren vieler heutiger Stars der italienischen Popmusik ermöglicht.

Und: Baudo –der trotz seiner sizilianischen Herkunft jenes vom römischen Dialekt romanesco gefärbte Italienisch gesprochen hat, das heute sogar die Regierungschefin spricht (Öffnet in neuem Fenster) – war sogar ein Antreiber der Veränderung der Sprache im Land. Dem Thema habe ich während meines Studiums eine Seminararbeit gewidmet (Öffnet in neuem Fenster), Baudo kommt selbstredend darin vor.

Mit dem Sanremo-Festival war Pippo Baudo so eng verwoben, dass er höchstpersönlich im inzwischen legendären Video Operazione Sanremo des neapolitanischen YouTube-Kollektivs The Jackal* (Öffnet in neuem Fenster) auftaucht.

Baudo erscheint in den letzten Sekunden und sagt den Satz, den in Italien jahrzehntelang viele Menschen gedacht haben: “Nur ich kann Sanremo moderieren.”

Pippo Baudo war einer der ersten italienischen Prominenten, die ich bewusst wahrgenommen habe.

In dem Haus, in dem ich in den 1990ern in der Nähe von Regensburg einen großen Teil meiner Kindheit verbracht habe, hatten meine Eltern eine Satellitenschüssel installieren lassen. Die Astra-Parabolantenne eröffnete uns die Welt von Rai 1, Rai 2 und Rai 3, der drei öffentlich-rechtlichen italienischen Fernsehsender. Meine Eltern lernten Italienisch, meine Mutter war unsterblich in das Land verliebt.

Italienisch konnte ich damals nur fetzenhaft. Aber die Rai-Shows, die wir regelmäßig am Samstagabend angesehen haben, sind mir bis heute unvergesslich: Scommettiamo Che…? (Öffnet in neuem Fenster)mit Fabrizio Frizzi und Milly Carlucci, I Cervelloni (Öffnet in neuem Fenster)mit Paolo Bonolis und später Giancarlo Magalli – und, natürlich, die Sanremo-Ausgaben, die Pippo Baudo moderierte.

Darunter Sanremo 1996, das den nach meiner Meinung schönsten TV-Vorspann der Festivalgeschichte hatte:

https://www.youtube.com/watch?v=LBQHZH5YOe8 (Öffnet in neuem Fenster)

In deutschsprachigen Medien ist der Tod Pippo Baudos leider kaum beachtet worden.

Eine erfreuliche Ausnahme ist der schöne Nachruf, den Italien-Korrespondent Luzi Bernet für die Neue Zürcher Zeitung geschrieben hat (Öffnet in neuem Fenster) (nur mit Abo zugänglich).

In einem Absatz fasst Bernet die unübersetzbar italienische Wirkmacht Baudos zusammen.

Baudo ist ein ganz und gar italienisches Phänomen, das mit der Omnipräsenz des Fernsehens im Alltag und mit dem ausgesprochenen Faible der Italiener für Musik und Unterhaltung zu erklären ist.

In einem Land, wo das ganze öffentliche Leben mitunter Züge einer Operette hat, spielen Stars wie Baudo eine andere, zentralere Rolle als anderswo. Allerdings ist der Grat zwischen solidem Entertainment, wie es eine Figur wie Baudo verkörperte, und Trash, wie er auch zum italienischen Fernsehalltag gehört, sehr schmal.

Der italienische Showmaster Pippo Baudo mit einem Mikrofon in der Hand, in einem dunklen Anzug mit hellblauem Hemd und buntgestreifter Krawatte (Öffnet in neuem Fenster)
Pippo Baudo im Jahr 2011 (Credits: Wikimedia Commons/G. M. Ireneo Alessi (Sinix))

A presto

Sebastian

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*das Video erwähne ich in der Podcast-Episode Sanremo (Öffnet in neuem Fenster)

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