
Bild: Chiara Doveri
Hier auf Steady teile ich anonymisiert einige eurer langen E-Mails und meine ausführlichen, empathischen und recherchierten Antworten. Ich bin kein Coach und keine Psychotherapeutin und würde euch bei entsprechenden Fragen bitten, Fachpersonal zu konsultieren. Wenn es bei euch im Alltag an kleinen Dingen hakt und ihr gern meine Einschätzung hättet, schreibt mir gern an anna [punkt] brachetti [at] posteo [punkt| de.
Hallo Anna,
Mein Sohn ist jetzt 3,5 Jahre alt, Ende 2020 ist er großer Bruder geworden. Die Geburt hat ihn recht wenig interessiert, der Bruder war halt dann da. Aktuell ist er aufgrund von Corona auch zu Hause.
Ich kenne, dass zum Beispiel das Abgeben im Kindergarten schwierig ist und man dann z. B. ein Vermissungsherz malen kann. Mein Sohn vermisst aber alles und jeden.
Wir fahren mit dem Auto meine Schwester besuchen "aber dann vermiss ich den Papa".
Wir fahren wieder nach Hause "aber dann vermiss ich die Tante".
Wir sehen eine Katze, die weiter läuft "aber dann vermiss ich die Katze".
Ein Kind hat ein - für ihn - tolles Spielzeug und er muss es wieder abgeben bzw. bekommt es nicht "aber dann vermiss ich den Bagger. Das ist der tollste Bagger auf der Welt".
Mal sagt er es nur, mal weint er richtig dabei. Ich versuche die Gefühle zu spiegeln, sag ihm, dass es in Ordnung ist zu vermissen, wir rufen Papa an, wenn er zu sehr vermisst wird. Oder wir stellen am Kalender die Uhrzeit ein, wann Papa wieder nach Hause kommt. Geht bloß bei Dingen schwierig oder Fremden, die wir nicht kennen. Ich versuche zu erklären / erfühlen wo er das vermissen spürt, aber bin ratlos. Vor allem bei der Menge an Vermissen wenn wir unterwegs sind.
Letztlich ist es natürlich eine Phase, trotzdem tut er mir Leid, wenn alles und jeder ständig vermisst wird.
Liebe Grüße
Philine*