Du interessierst Dich für Dich selbst und Deine Beziehungen. Deshalb liest Du diesen Artikel, beziehungsweise hörst diese Podcast-Folge bei »Aufklärung tut Not«. Mit dem »Sender Empfänger Modell« geht die Prämisse einher, als Sender interpretieren zu müssen.
Hallo, bei »Aufklärung tut Not«,
das »Sender Empfänger Modell« wird dem Umstand gerecht, dass wir beim Kommunizieren Nachrichten senden und empfangen. Diesen Umstand nimmt das Modell Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun (Opens in a new window), auch 4 Ohren Modell genannt, auf.

Das »Sender und Empfänger Modell« geht auch davon aus, dass ein Sender seine Nachricht codiert und der Empfänger diese wieder decodieren muss. Für das technische Senden von Nachrichten mag dies stimmen. Für Eure Kommunikation in Beziehungen, in Partnerschaft oder Ehe, handelt es sich um eine verkomplizierende Annahme.
Im Folgenden beschreibe ich anhand dieser Annahme aus dem Sender Empfänger Modell, was wir als Sender und Empfänger einer Nachricht tatsächlich machen.
Laut »Sender Empfänger Modell« codiert der Sender seine Nachricht
Die Annahme eines Codes legt die Vermutung nahe, dass Sender etwas zu verbergen haben. Oder wir könnten davon ausgehen, dass Sender kein Interesse daran haben, dem Empfänger ihrer Nachrichten das Leben leicht zu machen.
Ist die Gefahr gegeben, dass Fremde mithören, wie im 2. Weltkrieg, dann ist eine solche Behauptung nachvollziehbar und entspricht in diesem Zusammenhang wahrscheinlich den Tatsachen.
Doch wie ist das mit Eurem Partner oder Eurer Partnerin? Welches Interesse sollte er oder sie haben, als Sender Euch als Empfänger seiner oder ihrer Nachricht das Decodieren zu erschweren?
Im Sender Empfänger Modell muss der Empfänger decodieren
Der Zwang des Decodierens (Opens in a new window) ist im Kommunikationsquadrat oder 4 Ohren Modell fest verbrieft. Danach senden Sender immer auf allen 4 Ebenen oder mit 4 Schnäbeln. Empfänger sind gefordert, die Botschaften auf den 4 Ebenen mit ihren 4 Ohren zu hören und zu decodieren oder zu entschlüsseln.
Stress durch den Zwang zur Interpretation
Das verursacht tatsächlich Stress für jeden Empfänger. Denn wir sind als Empfänger angehalten, nach Botschaften auf den 4 Ebenen Sachebene, Selbstoffenbarungsebene, Appellebene und Beziehungsebene zu suchen. Fehlt eine Ebene, interpretieren wir sie ggf. hinzu.
Und auf der anderen Seite erlaubt es Sendern, ihre Nachrichten fahrlässig und ohne Selbstwahrnehmung zu senden. Anders formuliert werden wir als Sender verleitet, unsere Nachrichten unbedacht und nicht aufgrund unserer Selbstwahrnehmung zu tätigen. Unsere Aufmerksamkeit für unsere Selbstwahrnehmung wird nicht gefordert und kann dadurch verloren gehen. Für die Qualität unserer Beziehungen in Partnerschaft oder Ehe ist dies fatal.
Unsere Sprache ermöglicht Nachrichten mit klaren Botschaften
Die 4 Ebenen, die ich bereits im Detail beschrieben habe, ermöglichen und klare Botschaften. Wir können somit Sachverhalte übermitteln, von uns selbst, unseren Gefühlen, unseren Bedürfnissen und Wünschen sowie unseren Grenzen erzählen. Wir können jemanden zu einer Handlung auffordern und Beziehung und Kontakt zu unseren Partnerinnen und Partnern herstellen.
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Die Möglichkeiten bleiben oft ungenutzt. Doch selbst wenn wir als Sender eine eindeutige Botschaft senden, neigen Empfänger heute vermehrt zur Interpretation und Spekulation.
Interpretation als Reaktion auf Nachrichten
Der Grund hierfür ist einfach und komplex zugleich. Interpretation dient unter anderem der Beseitigung unangenehmer Gefühle.
Die Interpretation perfektionieren viele Mitmenschen im Laufe ihrer Entwicklung und werden dadurch zu Empfängern, die Nachrichten nicht adäquat verarbeiten.
Die Interpretation, und auch die Spekulation, bestimmt deshalb in vielen Partnerschaften oder Ehen die Kommunikation. Damit wird Verständigung miteinander sehr schwierig.
Das »Sender Empfänger Modell« erschwert Verständigung
Durch die Idee des Codierens und des Decodierens bekommen die Modelle zur Kommunikation, eine Ausrichtung, die das Interpretieren und Spekulieren nach Erhalt einer Nachricht salonfähig macht. Dies gilt für das Kommunikationsquadrat, auch 4 Ohren Modell genannt, und das Kommunikationsmodell von Watzlawick.
Im schlimmsten Fall führt dies dazu, dass die eine oder der andere nicht merkt, dass sie oder er eine Nachricht interpretiert.
Gelingende Kommunikation braucht eine Abkehr von solch störenden Einflüssen. Das »Sender Empfänger Modell« mit seiner Idee codierter Nachrichten erscheint hier nicht besonders hilfreich. Das »Sender Empfänger Modell« setzt uns letztendlich einen Floh ins Ohr.
Bis zum nächsten Mal
Freundliche Grüße
Michael Ueberschaer