Herzlich willkommen!
Was treibt Eltern von Schulkindern derzeit um, was wird bildungspolitisch in dieser Woche diskutiert und wo findet man als Elternteil Rat und Unterstützung, wenn man selbst nicht weiterkommt? Darum geht es wöchentlich in diesem kleinen Mittwochsbriefing.
Und da dieser Newsletter nicht als Einbahnstraße gedacht ist, können Sie mir Ihre Frage(n) gern an Schulkonferenz@MarcoFechner.de (Opens in a new window)schicken.
Jede Woche beantworte ich anonymisiert Fragen aus meiner Community in diesem Newsletter.
Ich weiß zwar auch nicht alles, aber mir fällt im Zweifel immer jemand ein, den ich fragen könnte. Also schreiben Sie mir.
Los geht’s.
Diesmal
Die Elternfrage.
Wo finde ich Hilfe bei Mobbing?
Was jetzt ansteht:
Sitzung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie des Berliner Abgeordnetenhauses.
Veranstaltungshinweise
Podiumsdebatte: “Wie viel ist uns Bildung wert?”
Aktuelles:
Podcastgespräch zur Berufsorientierung an Berlins Sekundarschulen
Debatte um die Lehrkräfteausbildung
Studie zur Gewalt an Berliner Schulen
Podcastgespräch mit Prof. Dr. Stefan Kipf, Humboldt-Universität zu Berlin
Hörtipp
Aladin el Mafaalani im “Hotel Matze”.
1. Die Elternfrage
“Wo finde ich Hilfe, wenn mein Kind gemobbt wird?”
Die erste Ansprechpartnerin sollte die Klassen- und/oder Schulleitung sein. Es gibt festgelegte Verfahren für den Umgang mit Mobbing und anderer Gewalt. Die Schule muss ein Krisenteam haben, das tätig werden kann und muss und es gibt für alle Schulen einen berlinweit einheitlichen "Notfallordner", der Meldewege und das weitere Vorgehen für die Schulen verbindlich festlegt. Auch die Schulsozialarbeit ist Ansprechpartnerin bei Mobbing und Gewalt.
Eine Einbeziehung der Schulpsychologie ("SIBUZ") ist möglich.
Je nach Schweregrad der Gewalt kann die Einbeziehung der Präventionsbeauftragten des lokalen Polizeiabschnitts sinnvoll sein. Diese beraten Schulen und auch einzelne Klassenverbände und wirken so auch gewaltpräventiv.
Die Schule hat zu entscheiden, ob sie eine Klassenkonferenz einberuft, die über die Einleitung von Erziehungs- oder Ordnungsmaßnahmen entscheidet.
2. Was jetzt ansteht:
Der Bildungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses ist genau genommen der “Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie”. Insofern befasst er sich neben Fragen der Bildung auch mit Fragen von Jugend und Familie. Diesmal (25.06.2025, 14:00 Uhr) auf der Tagesordnung:
Drucksache 19/0974 (Opens in a new window)
“Nach den Messerangriffen auf Schülerinnen in Neukölln nicht einfach zur Tagesordnung übergehen – Die Opfer verdienen eine unmittelbare Reaktion” (Antrag der AfD)"Antrag ”Personalbedarf, Prognoseverfahren und Ausbildungssituation bei Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen in allen Einsatzbereichen” (Opens in a new window)
(Antrag von Bü’90/Die Grünen und Die Linke)
Mit Anhörung von Expert:innen.Antrag ”Projekt effiziente Sozialausgabensteuerung: Wie der defizitären HzE-Finanzierung begegnen?” (Opens in a new window)
(Antrag von Die Linke)Drucksache 19/2774 (Opens in a new window)
“Vorschulklassen an Grundschulen als optionales Angebot wieder einführen (Vorschulgesetz Berlin).” (Antrag der AfD)Drucksache 19/2812 (Opens in a new window)
“Rauch- und Alkoholverbot auf öffentlichen Kinderspielplätzen in Berlin (Grünanlagengesetz)” (Antrag der AfD).
Der Ausschuss tagt öffentlich. Die Sitzung wird auf der Webseite des Abgeordnetenhaus gestreamt (Link) (Opens in a new window).
3. Veranstaltungshinweis
Podiumsdebatte: “Wie viel ist uns Bildung wert?”
Über Bildung wird viel gesprochen. Schwieriger wird es, wenn entschieden werden muss, wofür das Geld tatsächlich ausgegeben wird. Gerade jetzt, wo Berlin vor großen finanziellen Herausforderungen steht, stellt sich die Frage: Welche Priorität haben unsere Schulen?
Am 30. Juni diskutieren der Landeselternausschuss und der Landesschülerausschuss mit den bildungs- und finanzpolitischen Sprecher*innen von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke über die Zukunft der Berliner Bildung. Dabei geht es nicht nur um Zahlen im Haushalt, sondern um ganz konkrete Fragen: Wie gelingt guter Unterricht? Wie kommen Schulbau und Sanierung voran? Wie können Inklusion, Ganztag und Fachkräftegewinnung gelingen?
Es geht nicht nur um die Ziele, sondern auch um die Finanzierung.
Dienstag, 30. Juni 2026, 18:30 Uhr
OSZ Kraftfahrzeugtechnik, Gierkeplatz 1–3, 10585 Berlin
Anmeldung: https://eveeno.com/podium-zu-bildung+finanzen2026 (Opens in a new window)
4. Aktuelles:
Podcastgespräch zur Berufsorientierung an Berlins Sekundarschulen
In einem diesmal etwas anderen Setting fanden bei mir im Podcast IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner, die Bildungspolitische Sprecherin der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus, Dr. Maja Lasic sowie die Vorsitzende des Schulleitungsverbands IBS e.V., Beate Maedebach zusammen, um über die Qualität und Weiterentwicklung der Berufs- und Studienorientierung an Berlins integrierten Sekundarschulen zu diskutieren.
Hinzu stießen Ronald Rahmig, der Schulleiter des OSZ Kraftfahrzeugtechnik und Denise Ney, Lehrkraft an einem Berliner Oberstufenzentrum.
Es war eine interessante Debatte, in der wir unter Anderem an einer Sachstandsbeschreibung “werkelten”, darüber diskutierten, was Schulen für eine erfolgreiche Berufs- und Studienorientierung benötigen und auch darüber, was Indikatoren für eine erfolgreiche berufliche Orientierung sein könnten.
Nachhörbar ist die Debatte hier. (Opens in a new window)

Debatte um die Lehrkräfteausbildung
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach brachte auf einer Podiumsdiskussion (ich berichtete (Opens in a new window)) den Vorschlag ins Gespräch, die Lehrkräfteausbildung aus den Universitäten herauszulösen und in eine eigene “School of education” zu überführen, um die Studierenden gezielter auf den Schulalltag vorbereiten zu können. Derzeit sehe er die Lehrkräfteausbildung zu häufig als “Anhängsel der universitären Fachbereiche.
Widerspruch kam unter Anderem von Sabine Achour, Professorin für politische Bildung und Demokratiebildung am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft und Direktorin der Dahlem School of Education.
Die universitäre Lehramtsausbildung in Berlin würde entgegen der Darstellungen von Steffen Krach funktionieren: die Abbruchquoten lägen bei nur 6,5 %, die Absolventenzahlen hätten sich in den vergangenen Jahren verdoppelt. Die Forderung nach einer zentralen Pädagogischen Hochschule sei falsch und rückständig. Sie verwies darauf, dass eine solche in Berlin 1980 abgeschafft wurde. Der neu kommende “Flex-Master” würde Studium und Schulpraxis sinnvoll verbinden (“Tagesspiegel”-Bericht) (Opens in a new window).

Studie zur Gewalt an Berliner Schulen veröffentlicht
Die Senatskoalition hat sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, eine Studie zur Gewalt in Berlins Schulen in Auftrag zu geben. Diese wurde nun veröffentlicht und die Ergebnisse sind dramatisch, wenn auch wenig überraschend:
Das „Gewalt- und Konfliktbarometer" weist auf Basis repräsentativer Befragungen aus, dass mehr als die Hälfte der Berliner Lehrkräfte Gewalt als großes Problem ansieht. Fast zwei Drittel berichten von einer Zunahme von Gewalt seit Corona. Die Zunahme von Gewalt beträfe alle Bezirke und alle Schulformen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung und Intensität.
Wissenschaftler konstatieren eine sinkende Impulskontrolle. Kleinigkeiten eskalieren schnell und auch religiöser Konformitätsdruck und digitale Konflikte nähmen zu.
Schulleitungen beklagen, dass ihnen rechtlich die Hände gebunden sind. Bildungssenatorin Günther-Wünsch (CDU) kündigte an, konkrete Maßnahmen zu Prävention, Intervention und Repression zu entwickeln.
→ Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (Opens in a new window)
Podcast mit Prof. Dr. Stefan Kipf,
Was haben das Brandenburger Tor und Debatten über Chancengerechtigkeit und Unterrichtsqualität gemeinsam?
Sie alle spielen eine Rolle in der Welt der klassischen Philologie und Professor Dr. Stefan Kipf von der Humboldt-Universität zu Berlin erklärte mir, warum das so ist.
Er sprach mit mir über eine Sprache, die gemeinhin für „tot“ gehalten wird, aber dennoch die drittmeistgelernte Fremdsprache (nach Englisch und Französisch) in Deutschen Schulen ist und er hatte eine überraschende Antwort auf meine Frage, was ich als „Nicht-Lateiner“ verpasst habe.
Er erzählte mir, wie Latein als „kulturelle Sehhilfe“ funktioniert, überraschte mich damit, dass Latein entgegen des elitären Rufs der Sprache sogar mehr Chancengerechtigkeit im Bildungssystem schaffen könnte und wir sprachen darüber, warum es sich lohnt, lateinische Schriften im Original zu lesen, auch wenn eine KI „behauptet“, sie in Sekunden übersetzen zu können.
Außerdem sprachen wir über die Struktur des Lehramtsstudiums, darüber, was ein gutes Lehramtsstudium können muss, was er selbst an der Lehrkräfteausbildung verändern würde und was eine gute Lehrkraft ausmacht. Zum Podcast geht es hier entlang. (Opens in a new window)

5. Hörtipp
Soziologe und Bildungsforscher Prof. Dr. Aladin el Mafaalani (Uni Dortmund) im “Hotel Matze” über Bildungsgerechtigkeit und Migration.
Ich habe die Episode bereits mehrfach gehört.
https://open.spotify.com/episode/4YghhqAfR9n5JNmTcFxUnT?si=2Z1X4GecS8ycnJLwnsHrVQ (Opens in a new window)Bis nächste Woche. Wenn Ihnen der Newsletter gefällt, empfehlen Sie ihn gern weiter.
Marco Fechner
Webseite: MarcoFechner.de (Opens in a new window)
Folgen bei: Bluesky (Opens in a new window) | LinkedIn (Opens in a new window) | Instagram (Opens in a new window)
Podcasts: Herr Fechner lädt zum Gespräch (Opens in a new window) | Eltern verstehen (Opens in a new window)
Ein so anspruchsvolles Produkt wie die „Berliner Mischung“ mitsamt Podcasts, Newsletter, Beiträgen und Recherchen benötigt viel Zeit und Leidenschaft. Leidenschaft fürs Thema habe ich und die Zeit nehme ich mir. Da ich der Meinung bin, dass Bildung auch finanziell barrierefrei sein sollte und deshalb auch die Debatten hierum, möchte ich meine Angebote nicht hinter einer Paywall unterbringen.
Wenn Sie die Aufrechterhaltung dieses Angebots (Kosten fürs Hosting, Technik für den Podcast etc.) jedoch mit einem kleinen freiwilligen Beitrag von 4€ oder 7€ pro Monat supporten möchten, würde ich mich freuen und kann die „Berliner Mischung“ dann auch mittel- und langfristig aufrecht erhalten.