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Best-of-seven: Unsere Eishockey-Woche

von Bernd Schwickerath und Christoph Fetzer

In der Kolumne Best-of-seven blicken wir auf die Highlights der Eishockey-Woche.

Thema der Woche: Kaprizovs Rekordvertrag

https://www.nhl.com/wild/news/minnesota-wild-signs-kirill-kaprizov-to-an-eight-year-contract-extension-093025 (Opens in a new window)

Wenn selbst deutsche Medien über den neuen Vertrag eines hierzulande eher wenig bekannten russischen Flügelstürmers der Minnesota Wild berichten, muss der etwas Besonderes sein. Und der war etwas Besonderes: acht Jahre, 17 Millionen Dollar pro Saison, macht insgesamt 136 Millionen. Noch nie gab es in der Eishockey-Geschichte einen größeren Vertrag. Da stellen sich natürlich einige Fragen. Wir beantworten fünf davon.

Wie sahen die bisherigen Rekordverträge aus?
Da muss man unterscheiden. Denn je nach dem, auf welche Zahl wir blicken, bekommen wir andere Rekorde. Den insgesamt größten Vertrag hielt bislang ein anderer russischer Flügelstürmer: 2008 unterschrieb Alexander Ovechkin für 124 Millionen Dollar bei den Washington Capitals.

Allerdings gab es damals noch andere Regeln für NHL-Verträge – und nicht wie heute eine Maximallänge von acht Jahren. Deswegen war Ovechkins Vertrag bis diese Woche zwar der höchste der NHL-Geschichte, aber weil er über 13 Saisons ging, war er nicht der mit dem höchsten Jahresgehalt. Um es ganz genau zu machen: Ovechkin bekam von 2008 bis 2020 jede Saison 9.538.462 Millionen Dollar. Damit wäre er 2025/26 gerade mal auf Platz 24.

Die Nummer eins? Leon Draisaitl mit 14 Millionen Dollar pro Saison. Aber weil Draisaitl ja „nur“ für acht Jahre unterschreiben konnte, ist der Gesamtbetrag (112 Millionen) unter dem von Ovechkin. Trotzdem gilt Draisaitl nun für eine Saison als bestbezahlter Eishockeyspieler der Welt. Aber eben nur für diese eine Saison. Dann übernimmt Kaprizov mit seinen 17 Millionen. Also Stand jetzt, es gibt noch diverse andere Stars, die spätestens 2026 einen neuen Vertrag brauchen (dazu später mehr).

Hat Kaprizov einen so großen Vertrag verdient?
Auf den ersten Blick ist das in der Tat kurios. Kaprizov hat noch nie eine Playoff-Runde gewonnen. Kaprizov hat – abgesehen von der Calder Trophy für den Rookie des Jahres 2021 – noch nie eine individuelle Auszeichnung in der NHL erhalten. Kaprizov hat noch nie 50 Tore geschossen. Kaprizov hat genau einmal die 100-Punkte-Marke geknackt. Und er ist ja bereits 28 Jahre alt. Viel besser dürfte er nicht mehr werden.

Vielleicht muss er das aber auch gar nicht, denn vergangene Saison galt er lange Zeit als heißer MVP-Kandidat. Allerdings verletzte er sich zwischendurch und machte nur 41 Spiele. Dafür waren seine 25 Tore und 56 Punkte natürlich herausragend. Hinzu kamen neun Punkte in sechs Playoff-Spielen gegen Vegas.

Kaprizovs Problem: Er hat noch nie eine volle 82er-Runde gespielt. Mal wurde die Saison wegen der Corona-Pandemie verkürzt, mal war er verletzt. Wäre das alles nicht passiert, Kaprizov hätte wohl schon mehrere Saisons mit 50 Toren oder 100 Punkten in seiner Statistik stehen. Dass er in der Kategorie Superstar geführt wird, ist also absolut berechtigt. Und damit auch ein großer Vertrag. Ob es gleich der größte der Geschichte sein muss, das sei trotzdem mal dahingestellt.

Warum ist er dann so groß?
Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Zuerst natürlich Kaprizovs Qualitäten auf dem Eis. Aber es sind auch die Umstände in Minnesota. Die Wild konnten es sich nicht erlauben, ihren einzigen Superstar abzugeben. Und das wäre ziemlich sicher passiert, hätte GM Bill Guerin das Portemonnaie nicht ganz weit geöffnet hätte. Kaprizov konnte also mehr oder weniger verlangen, was er wollte.

Hinzu kommt das alte Thema Steuerungleichheit in den USA. Laut ESPN (Opens in a new window)hat der Bundesstaat Minnesota mit 9,85 Prozent den fünfthöchsten Einkommensteuersatz der USA. Im Podcast von Daily Faceoff hieß es, ein Agent habe gesagt, dass Kaprizov für das gleiche Nettogehalt in Florida nur etwa 14 Million Dollar bekommen müsste.

Und dann dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass der Salary Cap in den nächsten Jahren enorm steigt. In der anstehenden NHL-Saison dürfen die Teams 95,5 Millionen Dollar für Gehälter ausgeben, 2026/27 sind es bereits 104 Millionen. Rechnet man Kaprizovs Vertrag prozentual auf den Salary Cap um, würde er diese Saison „nur“ 15,6 Millionen verdienen. Immer noch mehr als Draisaitl, aber es wäre nicht mehr so ein Riesensprung.

Wie sieht der NHL-Rekord im Vergleich zu denen in anderen Sportarten aus?
Keine Sorge, Kirill Kaprizov wird sich in den kommenden Jahren sicherlich ein Dach über dem Kopf und zwei bis drei Mahlzeiten am Tag leisten können. Aber wenn er sich mit den Stars aus anderen Sportarten vergleicht, könnte er dennoch etwas neidisch werden. Dafür muss er gar nicht weit schauen, da reicht der Blick in die drei anderen großen Ligen in Nordamerika.

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