Man könnte meinen, nach mehr als sieben Jahren Autojournalismus, kenne ich die Rennstrecken in Deutschland auswendig. I wish! 🥲

Doch zum Himmelfahrtswochende in diesem Jahr ist ein Traum in Erfüllung gegangen: das erste Mal Nürburgring, das erste Mal 24h Rennen. Es war ganz spektakulär, ich wurde gepampert, ich “musste” durfte natürlich auch arbeiten. Und dann habe ich mir noch eine Challenge gestellt, die ebenso leicht wie traurig war. Das war mein erstes Mal 24h Rennen in der “Grünen Hölle”!
Wie kommt man zu einem Rennwochenende als Journi?
Man muss kurz verstehen, wie das in der Welt des Autojournalismus (und wie mir gesagt wurde, auch z.B. bei Food-Journis der Fall ist) so läuft: ein Hersteller lädt zu einer Veranstaltung ein. Meist ist es eine Neuvorstellung, manchmal ein Fahrtest, oder wie in diesem Fall eben eine andere Veranstaltung die etwas mit der Marke zu tun hat, hier das Rennwochenende.
Das Ziel: das die JournalistInnen über ihre Marke schreiben. Das kann in einigen Fällen ganz offensichtlich sein, indem einfach das Fahrzeug vorgestellt wird. Hier in diesem Fall wurde ich von Michelin zum Rennen eingeladen, weil sie der größte Reifenhersteller an diesem Wochenende waren. Und natürlich wollen sie dementsprechend auch, das darüber berichtet wird.
Ich war im Auftrag von einigen Lokalzeitschriften vor Ort, für die ich dann einen Artikel geschrieben habe – zu gegebener Zeit kann ich euch das auch verlinken. Aber hier kann ich euch schon mal teasern: ich habe einen Artikeln mit 5400 Zeichen einreichen müssen (rund 3 A4-Seiten, 14pt). Davon habe ich zweimal den Markennamen gedropt - natürlich journalistisch eingerahmt. Macht mit dieser Info, was ihr mögt 😅
Ist das noch Arbeit?
Und wenn man dann bei so einem Termin vor Ort ist, hat man meist Möglichkeiten, von denen Normalsterbliche meist träumen können. Wie zum Beispiel VIP-Zugang zur Manthey-Lounge wo man im warmen, schön das Rennen verfolgt, direkt über der Boxengasse sitzt und auch Zugang zum FahrerInnenlager hat. (Und habe ich schon das essen erwähnt?!) Oder eine Manthey-Werksführung. Zugang zum Michelin-Reifenzelt, wo man zuschauen kann, wie die Reifen der Fahrzeuge gewechselt werden. Impressive af! Oder auch einen Shuttle-Service zu verschiedenen Punkten an der Rennstrecke. … Gepampert, ich sage es euch!
Für mein erstes Mal 24h-Rennen kann ich sagen, eine verdammt crazy Erfahrung. Man erhält Einblicke, die man natürlich sonst nicht bekommt. Dafür fehlen mir nun die Erfahrungen von z.B. den Zeltplätzen – eine Erfahrung, wie mir gesagt wurde, aber auch den Charme des 24h-Rennens vom NBR ausmacht.
Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass ich mich (surprise, wer hätte es erwartet?!) in das Rennen verliebt habe und natürlich gerne wiederkommen werde. Egal ob als “Normalo” oder als Journi.

Ein Thema mit Bedeutung und mein Fail
Und es wäre nicht ich, wenn ich nicht den Funken Feminismus in das Thema bringen würde. Also bereite ich mich den Dienstag vor dem Rennen vor, skripte ein Reel zum Thema “Diese Frauen nehmen am 24h-Rennen teil”. Produziere es und poste es am Freitag - damit dann alles den Bach heruntergeht (dramatisch gesagt).
Denn man muss verstehen: ich bin auf sogenannte Primärquellen angewiesen, also sichere Quellen, denen ich vertrauen kann. In diesem Fall wären das die offizielle TeilnehmerInnenliste auf der Website oder die Teilnehmenden selbst. Problem Nr. 1: Auch ich folge nicht allen Rennfahrerinnen auf SoMe. Asche auf mein Haupt, aber auch ich lerne noch dazu, ok? 🥲 Und es gibt soooo viele (was gut ist, das wollen wir, das feiern wir!!!), bitte entschuldigt, dass ich nicht allen Folge.
Und Problem Nr. 2: Auf der offiziellen Website war am Dienstag vor dem Rennen die Liste noch unvollständig? Wie kann das zwei Tage vor Qualifying noch sein? Es fehlten reihenweise Namen. Teilweise waren in einem Team 4x die selben Namen eingetragen. Und was im Fall von Michelle Gatting auch der Fall war: die Rennfahrerinnen wussten ebenfalls erst kurz vorher, dass sie am Rennen mitfahren werden.
Ergebnis: mein Video war falsch (Opens in a new window). Anstelle von meinen gezählten 7 Frauen, waren es 13 Fahrerinnen, die beim 24h-Rennen mitgefahren sind. Das tat mir natürlich mega Leid! Ich habe überlegt, ob ich das Video offline nehme, aber nachdem einige Rennfahrerinnen die selbst nicht erwähnt wurden sind, sich gemeldet hatten und mir schrieben, es ist ok, wenn ich es online lasse, habe ich es gelassen. Und am Ende muss man auch sagen, es ist gut angelaufen, ich habe auf das Thema Aufmerksam gemacht und heilt der Zweck dann die Mittel, oder so?
Die Challenge
Als ich dann am Rennsamstag die Möglichkeit hatte, beim Gridwalk teilzunehmen, hatte ich DIE Idee: warum mache ich nicht einfach ein Foto mit allen Rennfahrerinnen die mitfahren? Zu diesem Zeitpunkt war das Girls Only Team leider schon raus, aber neun andere Frauen sind ja trotzdem noch mitgefahren!
Gesagt getan. Mit den Nummern der Fahrzeuge in der Notizenapp ging es also auf die Suche. 160 Fahrzeuge und ich suche 8 (!) bestimmte Fahrzeuge. Kann man mal machen 😅
Nr 7 Patricija Stalidzane
Nr 108 Sarah Ganser
Nr 146 Girls Only: Carrie Schreiner, Janina Schall, Michelle Halder sowie Fabienne Wohlwend
Nr 418 Tabea Jünger
Nr 503 Julia Ponkratz
Nr 776 Mikaela Åhlin-Kottulinsky
Nr 870 Alesia und Jacqueline Kreutzpointner
Nr 918 Michelle Gatting
Nr 967 Pippa Mann

Aber: ich habe es geschafft! Mit zwei Ausnahmen (Patricija Stalidzane habe ich vor dem Rennen getroffen, Sarah Ganser während des Rennens am Sonntag) sind mir alle Frauen über den Weg gelaufen. Kleine Überraschung für mich, sogar zwei Frauen des Girls Only Team habe ich gesehen: Carrie Schreiner und Michelle Halder. Ich habe mit allen ein Foto oder Video machen können. 🥰
Ich bin soooo stolz darauf, diese Vorbilder in live getroffen zu haben. Wirklich! Während ich diesen Text schreibe, habe ich Tränen in den Augen, weil ich weiß, wie wichtig diese Frauen sind, welche Bedeutung ihre Teilnahme hat, welche Hürden sie durchmachen mussten und noch immer müssen, um Teil dieser Rennen zu sein.
Meine Learnings
Irgendwie muss ich nun diesen Text abschließen, wäre ein Fazit oder ein Was-nehme-ich-daraus-mit nicht passend?

Nun: zum einen, manchmal sind Sekundärquellen auch ne gute Idee, wenn man den Männern in meinen DMs glauben mag, die meinten, ich hätte nicht richtig recherchiert. Jokes on you, Sherlock. Auch ich google tatsächlich das Thema “Frauen beim 24h-Rennen” und weißt Du was? Das interessiert jetzt nicht so viele, dass da Texte zu kommen? Aber danke, ich schau das nächste Mal noch genauer. Machen meine männlichen Kollegen ja sicher auch… 😉
Das Thema erzeugt Interesse, ich sehe da einen hohen Bedarf! Ich bin sehr stolz, dass ich das Thema auch in meinem Artikel unterbringen (sneaky sneaky!) konnte. Mein aktueller Stand ist auch, dass er so übernommen wurde. Bin ich ja mal gespannt! Und das Feedback vor Ort und online war so schön zu sehen, die Rennfahrerinnen haben sich gesehen gefühlt und fanden es wichtig, dass darüber gesprochen wird. Freut mich sehr! I mean, ich wurde von einigen sogar erkannt?! 🤯
Und was ich schon geteasert habe: Ich werde wiederkommen. Das 24-h Rennen in der “Grünen Hölle” hat mich nicht zum letzten Mal gesehen. Motorsport sehe ich (nicht als Fahrerin, aber als Journalistin!) als Teil meiner Zukunft. Ich freue mich auf das was kommt!