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The Witch (2015)

Neuengland im Jahre 1630: Der selbst für die Puritaner zu radikale William fällt bei den Menschen einer jungen Siedlung in Ungnade und verlässt mit seiner Familie den Ort, um fortan auf einem schäbigen Hof in der Wildnis zu leben. Das Dasein der Familie ist geprägt von Hunger, Leid und einem geradezu psychotischen Christentum. William und seine Frau Katherine erziehen ihre Kinder Caleb, Thomasin, Samuel und die Zwillinge Mercy und Jonas im Sinne ihrer krankhaften Auslegung der Religion. Als Baby Samuel spurlos verschwindet und eine mysteriöse Waldfrau seine Leiche zerstampft und zu Suppe verarbeitet, beginnt für die junge Thomasin eine erlösende Reise aus dem Wahnsinn der Eltern. Der Schwarze Phillip ist gekommen, um sie zu befreien.

Der mehrfach ausgezeichnete Mystery-Horrorfilm The Witch aus dem Jahr 2015 ist der erste Langfilm von Robert Eggers, einem der visionärsten Regisseure unserer Zeit. Eggers schrieb bei seinem Spielfilmdebüt auch das Drehbuch, was von historischen Geschehnissen und regionalen Hexenlegenden inspiriert ist. Die geniale Filmmusik stammt von Mark Korven, der später auch die Soundtracks zu Eggers Der Leuchtturm (2019) und Werken, u.a. wie Im hohen Gras (2019) und Das erste Omen (2024), beisteuerte. Die Kamera von Jarin Blaschke fällt durch ihre bleichen Bilder auf, die die bedrückende und trostlose Stimmung des Films verstärken. In den Hauptrollen spielen hier Anya Taylor-Joy als Thomasin, Ralph Ineson als William und Kate Dickie als Mutter Katherine. Die Kinderdarsteller Harvey Scrimshaw, Ellie Grainger und Lucas Dawson ergänzen den Cast. Neben den menschlichen Schauspielern sind im Film mehrere Tiere, wie ein Hund, ein Pferd, einige Ziegen und ein Rabe zu sehen. Vor allem der Darsteller des Schwarzen Philips, der fast 100 Kilogramm schwere Ziegenbock Charlie avancierte schnell zum heimlichen Star des Films und erlangte unter Horrorfans eine gewisse Berühmtheit, die sich in Internet-Memes, T-Shirts und Tattoos zeigte.

Der okkulte Folk-Horrorfilm erinnert uns eindrucksvoll daran, wie schädlich Religion sein kann. Das Christentum in seiner puritanischen Ausprägung offenbart sich hier als abgründige Massenpsychose. Diese apokalyptische Ideologie beeinflusst die Gesellschaft der Vereinigten Staaten bis heute und bestimmt gerade in jüngster Zeit die US-amerikanische Politik. Der Teufel in Gestalt des Schwarzen Phillips dagegen verspricht der an Religion und Familie zweifelnden Thomasin Freiheit und Genuss, also die Erlösung vom leibfeindlichen Christentum. Dies ist ein bekanntes Motiv okkult-satanistischer Strömungen.

Filmisch stimmt bei The Witch einfach alles. Das gekonnte Zusammenspiel aus Kulissen, Landschaft, Licht, Kamera, Musik, Kostümen, Schauspiel und Maske ist ganz große Kunst und sorgt nicht nur dafür, dass der Film die Zuschauer gekonnt ins Jahr 1630 versetzt, sondern lässt ein ästhetisches Gesamtkonzept erkennen. Und genau das ist Robert Eggers großes Talent und hebt ihn von der Masse der zeitgenössischen Regisseure ab. Die ästhetische Vision, die Eggers konsequent verfolgt, verstärkt den psychologischen Horror der dramaturgisch meisterhaft gesponnenen Story und übersetzt ihn in Bilder, die wohltuend subtil bleiben.

The Witch ist neben The Wicker Man (1973) und Ari Asters Midsommar (2019) der Maßstab, an dem ich Filme aus dem Subgenre des Folk-Horrors messe. Robert Eggers erster Film zählt definitiv zu meinen absoluten Favoriten der Filmgeschichte.

https://www.imdb.com/de/title/tt4263482/ (Opens in a new window)
Topic Film