Skip to main content

Paradies: Glaube (2012)

Anna Maria ist bekennende Katholikin und widmet ihre Ferien ganz der Missionsarbeit. Sie geht Klinken putzen und nervt die Leute mit ihrer Religion, die sie sehr radikal lebt: Anna Maria geht regelmäßig zur Gebetsgruppe und geißelt sich mit einer Lederpeitsche oder rutscht auf Knien betend über den Boden, um die Sünden ihrer Mitmenschen zu sühnen. In ihrem Haus hängen zahlreiche Heiligenbilder und Kruzifixe, die sie zur Selbstbefriedigung nutzt. Anna Marias Seelenfrieden wird gestört, als ihr querschnittgelähmter Ehemann Nabil nach Jahren der Abwesenheit aus Ägypten heimkehrt. Was nun passiert, hat nichts mit Nächstenliebe zu tun.

Paradies: Glaube aus dem Jahr 2012 ist der zweite Teil von Ulrich Seidls Paradies-Trilogie. Der Regisseur schrieb zusammen mit Veronika Franz das Drehbuch. Maria Hofstätter spielt die psychotische Katholikin Anna Maria und Nabil Saleh ihren muslimischen Ehemann Nabil. Weitere wichtige Rollen werden von René Rupnik und Natalya Baranova verkörpert.

Auch in Paradies: Glaube hält Seidl die Kamera drauf, wo andere längst weggeschwenkt hätten. Wir sehen einen nackten Messie, ein wild gestikulierendes Paar und eine betrunkene Russin. Das ist alles so schmerzhaft realistisch und streckenweise zum Fremdschämen - allerdings völlig ohne Humor. Das, was wir hier sehen, tut weh. Die Szene, in der Anna Maria mithilfe eines Kruzifixes masturbiert, sorgte nach der Premiere in Italien für einen Skandal. Ultrakonservative Katholiken zeigten Ulrich Seidl und andere Mitwirkende des Films wegen Blasphemie bei der Staatsanwaltschaft in Venedig an.

Menschliche Abgründe sind es, die Seidl mal wieder ganz großartig inszeniert: in Paradies: Glaube sieht man sie in mannigfaltigen Ausprägungen. Das Werk ist mit seinem typischen Dokumentarstil nicht nur filmisch sehr gelungen, sondern aufgrund der religiösen Thematik auch inhaltlich hochinteressant. Ein echter Realitätsporno.

https://www.imdb.com/de/title/tt2371824/ (Opens in a new window)

Topic Film