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Heavenly Creatures (1994)

Christchurch in den 1950er-Jahren: Die beiden wahrscheinlich neurodiversen Teenager Pauline und Juliet verbindet eine intensive Freundschaft. Um der Langeweile des normierten Spießerlebens ihrer Familien und der Schule zu entkommen, träumen sie sich in die selbst erschaffene “Vierte Welt”, einem mittelalterlich anmutenden Fantasiereich. Ihre Eltern können das natürlich nicht verstehen und hadern mit der engen Freundschaft ihrer Töchter. Die Mädchen werden schließlich für lesbisch erklärt, was in der menschenfeindlichen Vorstellung zur damaligen Zeit mit einer psychischen Krankheit gleichgesetzt wird. Als Juliet an Tuberkulose erkrankt, kommt das den Eltern ganz gelegen, denn nun haben sie einen Grund, die Mädchen zu trennen. Juliet soll wegen des warmen Klimas nach Südafrika zu Verwandten ziehen. Schon zuvor wurden Paulines Fantasien gewalttätiger, jetzt beginnt sie ihre Mutter richtiggehend zu hassen. So entschließen sich die beiden mittlerweile ineinander verliebten Mädchen, Paulines Mutter zu ermorden. Am 22. Juni 1954, während eines Spaziergangs im Victoria Park, erschlagen Pauline und Juliet die Mutter mit einer Damenstrumpfziegelsteinkeule.

Heavenly Creatures - Himmlische Kreaturen basiert auf der wahren Geschichte von Pauline Yvonne Parker und Juliet Marion Hulme, die später unter dem Namen Anne Perry als Schriftstellerin bekannt wurde. Peter Jackson hat hier einen eigenwilligen und skurrilen Film abgeliefert. Dem Werk aus dem Jahr 1994 merkt man eine ähnlich ironische Darstellung der bürgerlichen Familie an, wie man das schon bei seinem Film Braindead (1992) sah. Mit traniger Geigenmusik und unerträglichem Gejaule, das arg am Nervenkostüm zerrt, wird die Illusion einer heilen Welt auch musikalisch beschworen.

Dieser Film ist von der Absurdität und Gewalttätigkeit des Repressionsraumes Familie durchdrungen. Und so ist die Mordszene am Schluss, die mir in ihrem Realismus den Boden unter den Füßen wegzog, nicht nur tragisch und dramatisch, sondern kommt auch einer Katharsis gleich. Die Mädchen sind nun befreit.

Kate Winslet als Juliet sowie Melanie Lynskey als Pauline, die ich von ihrer Rolle als Rose in der Sitcom Two and a Half Men (2003) kenne, spielen ihre Rollen eindringlich und tragen den Film fast alleine. Heavenly Creatures ist ein tiefsinniges und poetisches Werk, das eindrucksvoll beweist, dass Peter Jackson früher einmal gute Filme gemacht hat.

https://www.imdb.com/de/title/tt0110005/ (Opens in a new window)
Topic Film