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Maybe Logic - Leben und Gedanken von Robert Anton Wilson (2003)

Die Dokumentation beleuchtet das bewegte Leben und das unkonventionelle Denken des US-amerikanischen Schriftstellers und Philosophen Robert Anton Wilson. Der Fokus des Films liegt dabei auf seiner Philosophie des "Modellagnostizismus", die besagt, dass wir die Realität niemals absolut begreifen, sondern sie nur durch unsere eigenen, stets fehlerhaften Wahrnehmungsfilter erfassen können. Die daraus entstehenden Modelle - mögen sie religiöser, wissenschaftlicher oder ideologischer Art sein - bilden nach Wilsons Philosophie den subjektiven Realitätstunnel. Es gibt weder Wahrheit, noch Dinge an sich, noch die richtige oder falsche Sichtweise, noch die eine Welt - alles ist relativ und abhängig vom jeweiligen Betrachter. In der Doku sehen wir Archivaufnahmen, Interviews mit RAW - wie er in Fankreisen abgekürzt wird - und Wegbegleitern wie dem Kultautor Tom Robbins und dem Medientheoretiker Douglas Rushkoff sowie Aufnahmen aus Wilsons Spätphase, in der er trotz seiner Post-Polio-Erkrankung mit Humor, Mitgefühl und Optimismus Themen wie Verschwörungstheorien, Bewusstseinserweiterung und die Natur der sogenannten Wahrheit hinterfragt.

Wie soll ich über einen Schriftsteller und Philosophen adäquat schreiben, der mich in meinem Denken, ja in meinem ganzen Leben, geprägt hat wie kein zweiter? Das ist schon eine Mammutaufgabe und ich werde am Ende nicht zufrieden damit sein. Ganz gerecht werden kann man so einem Menschen ohnehin nicht. Ich versuche es trotzdem und beruhige meinen inneren Kritiker mit der Tatsache, dass es "nur" eine Filmrezension ist.

Robert Anton Wilson ist vor allem durch seine geniale "Illuminatus!"-Trilogie bekannt geworden, die auch in Hans-Christian Schmids 23 - Nichts ist so wie es scheint (1998), einem meiner absoluten Lieblingsfilme, Thema ist. Wilson spielt sich in dem Film selbst. Doch er war nicht nur irgendein Bestsellerautor und postmoderner Philosoph, sondern galt auch als Underground-Ikone und Gegenkulturpapst; er war Guerilla-Ontologe, Quantenpsychologe, Diskordianer, Psychonaut und Anarchist (manche sagen, er sei sogar der "Outer Head of the Illuminati" gewesen).

Zu einer Zeit, als Verschwörungstheorien eine beliebte Denkübung in linken und gegenkulturellen Kreisen waren und noch keine geopolitische Realität, war ich begeistert von Wilsons Schriften. Vor allem seine Sachbücher inspirierten und retteten mich an einer bestimmten Stelle in meinem Leben davor, in ideologisch problematische Kreise zu rutschen. Insbesondere sein Buch "Cosmic Trigger - Die letzten Geheimnisse der Illuminaten oder an den Grenzen des erweiterten Bewusstseins" prägt mein Denken bis heute. Das Sachbuch steckt voller Geschichten über Aliens, Okkultismus, Drogenerfahrungen, magische Rituale, mythologische Wesen und Quantenmechanik - wer sich jetzt fragt, ob das nun alles wahr oder fiktiv ist, hat Wilsons Philosophie nicht verstanden.

Maybe Logic - Leben und Gedanken von Robert Anton Wilson aus dem Jahr 2003 wurde von Lance Bauscher geschrieben und inszeniert. Die Dokumentation nimmt uns mit in das wilsonsche Realitätslabyrinth, in dem wir - durch Quantenfelder und die blinden Flecken der menschlichen Wahrnehmung watend - über die gruseligen Synchronizitäten der acht Dimensionen des RAW-Universums staunen, zum Doppelsternsystem Sirius reisen und uns so von den ideologischen Illusionen der Dominanzkultur befreien können.

"My goal is to try to get people into a state of generalized agnosticism, not agnosticism about God alone, but agnosticism about everything."

https://www.imdb.com/de/title/tt0398191/ (Opens in a new window)

Topic Film