Das zivilisationsmüde Model- und Influencer-Pärchen Carl und Yaya begeben sich auf Schiffsreise mit einer Luxus-Yacht. Zusammen mit Tech-Milliardären, Waffenfabrikanten und anderen Superreichen wollen sie einen schönen Urlaub erleben. Auf dem Schiff herrscht eine rassistische Klassengesellschaft: ganz oben stehen die schwerreichen Passagiere, dann kommen die weißen Bediensteten und ganz unten stehen nicht-weiße Maschinisten und Putzkräfte. Als ein Unwetter das pompöse Captains Dinner in eine Kotzorgie mit sozialistisch-kapitalistischem Zitate-Battle verwandelt und die Superreichen in ihrer eigenen Scheiße durchs Schiff gespült werden, ist das nur der Anfang von allem. Piraten überfallen daraufhin das Schiff und versenken es. Eine kleine Gruppe von Überlebenden - darunter auch Carl und Yaya - rettet sich auf eine Südseeinsel. Nun wendet sich das Blatt und das klassistische System wird umgekehrt. Die Putzkraft Abigail übernimmt die Führung der Gruppe, da sie als Einzige fischen und Feuer machen kann. Wer nicht arbeitet, bekommt auch nichts zu essen. Ihr vieles Geld nutzt den Reichen jetzt nichts mehr und Carl ist nur noch für eines gut: Sex.
Der mehrfach ausgezeichnete Spielfilm Triangle of Sadness von Ruben Östlund stammt aus dem Jahr 2022 und ist ein großartig inszeniertes und vielschichtiges Werk mit tollen Wendungen. In den Hauptrollen sehen wir Harris Dickinson als Carl, Charlbi Dean als Yaya, Dolly de Leon als Abigail, Zlatko Burić als Dimitry, Woody Harrelson als Kapitän Thomas Smith, Iris Berben als Therese und Sunnyi Melles als Vera. Schauspielerisch ist der Film auf höchstem Niveau.
Der schwedische Regisseur Ruben Östlund, bekannt von The Square (2017), zeigt mit seiner satirischen Tragikomödie eine scharfe Kritik an den kapitalistischen, klassistischen und rassistischen Verhältnissen in den westlichen Gesellschaften und verhandelt die Utopie eines Matriarchats.
Weil eine Südseeinsel vorkommt, auf der sich Schiffbrüchige retten, und man viel Kotze und Scheiße sieht, wurde Triangle of Sadness mit Herr der Fliegen (1990) und Die 120 Tage von Sodom (1975) verglichen; das ist eine sehr oberflächliche Betrachtungsweise und wird dem facettenreichen und tiefsinnigen Werk nicht gerecht.
Selten erlebt man eine Gesellschaftskritik so ungeschönt auf den Punkt gebracht und dabei gleichzeitig so unterhaltsam in Szene gesetzt. Triangle of Sadness ist kein einfaches Reichen-Bashing, sondern ein intelligent aufgebauter Film, der auf so vielen Ebenen funktioniert.
https://www.imdb.com/title/tt7322224/ (Opens in a new window)