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Der Todesking (1990)

In sieben Episoden, die nach Wochentagen benannt sind, sehen wir Ausschnitte aus dem Alltag verschiedener Personen und immer wieder eine "Selbstmörderbrücke" (die Mangfall-Brücke in Bayern). Alle Episoden handeln von Mord und Suizid. Und da nichts näher beieinander liegt als Eros und Thanatos, geht es natürlich auch um Sexualität. Der Todesking lullt die Zuschauer mit der Darstellung teils banaler, teils tragischer Alltagsmomente ein, um sie dann mit entsprechenden Schockszenen schmerzhaft an die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens zu erinnern - ein Motiv, das auch durch die in verschiedenen Zersetzungsphasen zwischen den Episoden gezeigte verwesende Leiche symbolisiert wird.

Der Todesking aus dem Jahr 1990 ist ein Low-Budget-Film von Jörg Buttgereit, der erstmals mit Nekromantik (1988) von sich reden machte. Jörg Buttgereit und Franz Rodenkirchen schrieben das Drehbuch, Manfred O. Jelinski hielt die Kamera und produzierte den Film. Die Filmmusik stammt von Daktari Lorenz, John Boy Walton und Hermann Kopp. Die Hauptrollen spielen u.a. der Musiker und Komponist Hermann Kopp, der Studio-Braun-Künstler Jacques Palminger und die Psychologin und Schauspielerin Eva-Maria Kurz.

Der Kultregisseur greift in diesem Film, wie auch schon in Nekromantik, ein Tabu auf: Diesmal steht der Suizid im Mittelpunkt. Jörg Buttgereits Filme zeichnet ihre Interpretationsvielfalt aus. Und das merkt man auch bei Der Todesking. Das Werk kann sowohl als einfacher Horrorfilm gelesen werden, der mit Anspielungen und Referenzen auf Nationalsozialismus, Horrorfilme, Sex, Heavy Metal und Selbstmord die konservative Dominanzgesellschaft schockieren will, als auch als ungewöhnlicher Kunstfilm, der das Thema Suizid in ikonischen Bildern bearbeitet und dabei auch ein Film über das Filmemachen selbst ist.

Marcus Stiglegger schreibt in seinem Buch "Grenzkontakte - Exkursionen ins Abseits der Filmgeschichte" zu Buttgereits Film: "Denken macht traurig. [...] Dabei würde man doch davon ausgehen, dass sich auch erfreuliche Dinge denken ließen - doch das Denken ist kaum kontrollierbar, und immer wieder verführt es uns, über den eigenen Tod zu reflektieren. Und den Tod der anderen. Es ist eine philosophische Frage, von der Jörg Buttgereits episodischer Spielfilm Der Todesking ausgeht."

Angesichts solch existentialistischer Fragestellungen verwundert es nicht, dass Der Todesking ein echter Kultfilm ist, auf den sich Black-Metal-Bands berufen und dessen makabre Kritzelzeichnung zum beliebten Tattoo-Motiv wurde. Der Todesking ist keine leichte Kost, sondern ein transgressives Memento Mori.

https://www.imdb.com/title/tt0098486/ (Opens in a new window)
Topic Film