
Was macht eigentlich ein Botschafter den ganzen Tag? Das habe ich den Diplomaten Leigh Turner gefragt. Er war Botschafter in Wien, Kiew und Generalkonsul in Istanbul. Über Spionage, Brexit, Cocktail-Partys und was einen guten Diplomaten ausmacht.
🙆 Leigh Turner ist ein britischer Diplomat. Er war Botschafter in Wien, Kiew und Generalkonsul in Istanbul. Sein neuestes Buch: »Lessons in Diplomacy: Politics, Power and Parties« https://amzn.to/4dacO2v (Opens in a new window) Auch von ihm erschienen: »The Hitchhiker’s Guide to Diplomacy: Wie Diplomatie die Welt erklärt« https://amzn.to/4cBrO9B (Opens in a new window)
Diese Bücher empfiehlt Leigh:
I Am Pilgrim von Terry Hayes, https://amzn.to/4cP85TS (Opens in a new window)
The Three-Body Problem von Liu Cixin, https://amzn.to/3P1Xo7o (Opens in a new window)
The Jeeves Omnibus - Vol 1 von P.G. Wodehouse (plus Empfehlung für die gesamte Reihe), https://amzn.to/3P2vmZt (Opens in a new window)
Leighs Shoutout für Medien
Financial Times, https://www.ft.com/ (Opens in a new window)
BBC News Online, https://www.bbc.com/news (Opens in a new window)
Was nehme ich mir mit?
Don’t shoot the messenger.
Es ist wichtig, dass auch verfeindete Nationen Informationen austauschen können. Darum ist im Laufe der Zeit die diplomatische Immunität entstanden. Man darf Diplomaten in anderen Ländern nicht einfach einsperren. Das schafft zwar auch Probleme, sorgt am Ende des Tages aber dafür, dass auch Diplomatie in Staaten mit keinen guten Rechtssystemen und unabhängigen Gerichten möglich ist.
Botschafter sind Analytiker und Netzwerker.
Sie versuchen so viele Menschen wie möglich kennenzulernen, um Insider-Wissen zu sammeln. Das funktioniert auch andersrum: Wer einen Botschafter trifft, möchte selbst wiederum ja auch Wissen sammeln – oder im wahrsten Sinne des Wortes eine Botschaft anbringen. Leigh sagt, es ist wichtig, ein Experte zu werden. Also so viel wie möglich zu lernen und zu erfahren.
Die eigene Meinung zurückstecken.
Parteichefs müssen oft Positionen vertreten, die sie selbst nicht teilen. Eben: Weil die eigene Partei oder die Regierung das beschlossen hat. Bei Diplomaten ist das noch viel ärger: Da spielt die eigene Position quasi überhaupt keine Rolle. So hat Leigh jahrelang Großbritannien beim Brexit vertreten, obwohl er den Austritt aus der EU für einen schwerwiegenden Fehler hielt.