Verstehen Sie Ihre Bank?
Ob online oder im persönlichen Gespräch – Banken benutzen in Beratungen häufig Sätze und Formulierungen, um sich juristisch abzusichern. Doch was steckt dahinter?
„Dieses Finanzprodukt besitze ich selbst“
Sagt nichts über die Qualität des Produkts.
„Vertrauen Sie mir. Dieses Produkt ist unser Bestseller. Dazu raten wir oft“
Auch dies sagt nichts über die Qualität.
„Damit können Sie sehr viel Steuern sparen“
Alarm-Zeichen! Eventuell erzielt das empfohlene Produkt nur geringe Rendite, macht primär Verluste, die man steuerlich absetzen kann. Aber ist das das Ziel? Oder Produkt ist eine Versicherung, die steuerlich fürs Vorsorge-Aufwendung gilt – und hohe Kosten hat.
„Das Produkt ist von der „BaFin“ geprüft“
Sagt nichts über die Qualität. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen „BaFin“ prüft keine Finanzprodukte auf Qualität oder Rendite, sondern gestattet nur den Zugang zum Markt, wenn bestimmte Vorgaben eingehalten sind.
„Ziel ist die allgemeine Vermögensbildung“
Es gibt Anlagen, die höhere Rendite erzielen, während andere vor allem Sicherheit bieten. Der optimale Mix aus Rendite und Sicherheit wird allein durch Kundenbedürfnisse bestimmt.
„Fonds für Anleger mit Basiskenntnissen“
Anfänger-Produkt. Trotzdem sollte man verstehen, wohin das Geld fließt, das der Fonds anlegt.
„Mittel- bis langfristiger Anlagehorizont“
„Empfohlene Haltedauer“ mindestens 5 Jahre.
„100% des eingezahlten Kapitals sind einem Verlustrisiko ausgesetzt“
Das gilt für jeden Fonds. Nichts ist garantiert.
„Wir haben hier eine durchschnittliche Rendite-Erwartung von etwa 7%“
Klingt gut, betrifft aber die Vergangenheit. Eine Garantie für die Zukunft lässt sich daraus nicht ableiten.
„Wir haben Ihre Anlage in Risikoklasse 3 eingestuft – 2 ist eine niedrigere Risikoklasse“
Banken stufen ihre Geldanlagen in 7 Kategorien ein. Wie, ist den Banken überlassen. Als sicher gelten Anlagen der Stufe 2.
„Bitte beachten Sie das Währungsrisiko“
Vermeidet aus rechtlichen Gründen, Auslandsgeschäfte zu empfehlen.
„Diese Anlage ist für Anleger, die Verluste bis zu dem angelegten Betrag tragen können“
Hoch risikoreiche Anlage. Angelegtes Geld gilt als „Spielgeld“. Wer sichere Anlage will, lässt dies.
„Unser Stress-Szenario zeigt, was Sie unter extremen Bedingungen zurückbekommen“
Wenn es schlecht läuft, bleibt nicht viel übrig.
„Wir haben hier ein Verlust-Risiko von 45%“
Banken müssen auf Schwankungen hinweisen.
Der Wert zeigt, wie stark eine Anlage in den letzten Jahren im Extremfall gefallen ist. Ein theoretischer Wert, weil diese Verluste nur real geworden wären, wenn man zu dem schlechtesten Zeitpunkt verkauft hätte.
„Das pessimistische, mittlere und optimistische Szenario veranschaulichen die schlechteste, durchschnittliche und beste Wertentwicklung in den letzten 10 Jahren“
Diese Szenarien sind Teil der Basis-Informationsblätter und spiegeln ohne realistische Gewichtung der vergangenen Werte wider. Für Sparer ist die Aussagekraft begrenzt, eine Voraussage für die Zukunft ergibt sich nicht.
„Diese Beiträge werden zur Deckung der laufenden Kosten und als Vergütung für die Dienstleistungen des Anbieters verwendet“
Sagt wenig darüber, wie hoch die Kosten sind. Bei Fonds beträgt der Anteil 1,0 bis 2,5% des Anlagebetrags pro Jahr.
„Fonds kann Optimierungsstrategie anwenden, die einen Gewinn von fallenden oder steigenden Kursen beinhaltet“
Spekulative Finanzprodukte wie Derivate.
„Sämtliche Kosten des Produkts selbst sind enthalten, jedoch unter Umständen nicht alle, die Sie an Berater zahlen müssen. Unberücksichtigt ist auch Ihre persönliche steuerliche Situation“
An einer Geldanlage verdienen nicht nur Fondsgesellschaft bzw. Bank, sondern auch oft Vermittler und Finanzamt, das für Gewinne über Sparerfreibeträge (1.000 Euro/Jahr) 25% Abgeltungssteuer verlangt.
„Das ist ein Produkt, das nicht einfach zu verstehen sein kann“
Hände weg! Gerade sog. Derivate sind spekulativ, weil sie darauf wetten, dass ein Index oder Rohstoffpreis zu einem bestimmten Termin einen bestimmten Wert hat.
„Das Produkt ist für Sie geeignet, weil es für Ihr Anlageziel und für die von Ihnen angestrebte Anlagedauer geeignet ist“
Bank darf Produkt nur empfehlen, wenn es Kundenprofil entspricht. Hierzu gehören auch Risiko- und Spar-Bereitschaft, finanzielle Verhältnisse und sonstige Wünsche, nicht Werturteil der Bank oder der Finanzprodukte.
„Sie haben (sehr) geringe Risikobereitschaft und (sehr) geringe Renditeerwartung“
Gibt es faktisch nicht: Sparer. Größtmöglicher Ertrag ist Kursgewinn durch steigende Zinsen. Der Wert, den Kunden an Sicherheit anbieten.
„Gemäßigte Risikobereitschaft und gemäßigte Renditeerwartung“
Typische Mischung, bei der Sicherheit und Risiko ausgewogen sind.
„Ihre Kurs- und Ertragserwartungen liegen auf mittlerem Niveau“
Durchschnittlicher Gewinn ist möglich, mit mittlerer Rendite-Erwartung und mittlerer Risikobereitschaft.
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Quelle: FINANZplus