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Fasching, ich komme – eine Annäherung in Moll und Dur

Aktuell sind sie wieder da: die Faschingsbälle.

Diese närrischen Zwischenreiche aus Musik, Maskerade, Ausgelassenheit und jenem kollektiv legitimierten Kontrollverlust, den wir hierzulande so liebevoll Gaudi nennen.

Oh, ich habe sie immer geliebt.

Vom ersten elterlichen Nicken – jenem feierlichen „Ja, du darfst“ – an war ich als Teenagerin auf Bällen unterwegs. Später Kinderfasching, dann wieder Tanzflächen, Partys, Lachen, Drehen, Schwitzen, Leben. Fasching war für mich nie bloß Verkleidung, sondern Verdichtung: von Gemeinschaft, Rhythmus, Zugehörigkeit.

2023 war ich zuletzt dort.

Mit Hörlibert auf der einen Seite, auf der anderen noch eine Hörgeräteversorgung. Wir saßen abseits. Gut abseits. Zu zweit. Eine bewusste Topografie der Schonung. Unterhaltung war so möglich, kontrollierbar, dosierbar. Doch die große Runde – sechs, acht Menschen, Musik, Lachen, gröhlende Pointen, sich überlagernde Stimmen – diese Konstellation habe ich bis heute nicht gewagt.

Nicht aus Unsicherheit.

Sondern aus Kalkül.

Denn wenn schon Weihnachten – wohlgemerkt ohne Störlärm, in halbwegs zivilisierter Akustik – kognitiv ermüdend war, mit häufigem Innehalten, Nachfragen, Rekonstruieren; wenn selbst dort Gesprächsfäden rissen, Kontexte im Zickzack verliefen und Themen leise hinter einer akustischen Milchglasscheibe verschwanden:

Wie wäre es dann an einem Tisch mit sechs bis acht Menschen auf einem Faschingsball?

Ich vermute: Ich verstünde exakt diesen einen armen Tropf neben mir. Der Rest wäre ein akustisches Schattenspiel. Teilhabe: fragmentiert. Präsenz: partiell.

Und dann wäre da natürlich mein inneres Wiesel.

Dieses empfindsame, hochdrehende Wesen, das nur eines will: dabei sein. Tanzen, singen, lachen, feiern. Und das bei steigendem Alkoholpegel sehr schnell beginnt, imaginär Menschen zu beißen, wenn dumme Kommentare fallen oder Witze nicht wiederholt werden – weil man Witze ja nicht erklärt.

Die Büffelin hingegen? Sie bliebe äußerlich gelassen, ihrer Natur gemäß ruhig, würdevoll. Doch innerlich – ich sehe es deutlich – nagt sie an der Hüfte des Witzeerzählers. Still. Beharrlich. Prinzipientreu.

Mein Hörsystem, mein Gehirn, mein Körper: Sie überraschen mich immer wieder.

Manchmal tragen sie mich weiter, als ich es kalkuliert hätte. Manchmal kapitulieren sie früher, als mir lieb ist. Und dennoch bleibt diese Schwierigkeit: Wenn es nicht klappt, kann ich nicht den ganzen Abend so tun, als wäre alles suuuper lustig. Dann sitze ich dazwischen, hochkonzentriert, mit diesem hoffenden Blick – bitte, bitte, lass mich diesen Witz verstehen – oder gehe früher.

Die Büffelin nagt weiter.

Das Wiesel liegt erschöpft und konsterniert in der Ecke.

Beides ist für Gruppen unerquicklich.

Ich hinterlasse – so meine Erfahrung – oft ein schlechtes Gewissen. Und nichts meide ich so sehr wie dieses Gefühl, Anlass für Verlegenheit zu sein.

Also vermeide ich solche Anlässe. Meistens.

Und dann denke ich an diesen Discoabend.

Mit meiner Freundin.

Und daran, wie unglaublich gut er war. Wie sehr ich mich arrangiert hatte. Mit mir, mit der Situation, mit dem Nicht-Verstehen-Müssen von allem. Wie viel möglich war, gerade weil ich aufgehört hatte, Perfektion zu verlangen.

Und so denke ich

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