
Es gibt Menschen, die schreiben, um Literaturgeschichte zu machen. Ich schreibe, um zu überleben. Und – Hand aufs Herz – um mein inneres Wiesel endlich zur Ruhe zu bringen.
Dieses hyperaktive Tierchen springt mir sonst unablässig durchs Hirn, knabbert an Zweifeln, macht Saltos über Gedankenschlaufen und kreischt dabei wie ein schlecht geölter Papagei. Erst wenn meine Finger die Tastatur berühren, verstummt es. Dann legt sich die Wasserbüffelin schwerfällig ans Ufer, kaut in aristokratischer Ruhe an ihrem Seerosenblatt und schenkt mir das Illusionstrugbild von Konzentration.
In solchen Momenten bin ich – zumindest aus meiner Sicht – eine Mischung aus Goethe, Woolf und einer überdosierten Kaffeebohne. Alles fließt, ich bin brillant, ich bin erleuchtet, ich bin die literarische Offenbarung des Augenblicks. Meine Kapitel funkeln wie frisch polierte Kronjuwelen – bis ich den Fehler begehe, sie einige Tage später noch einmal zu lesen.