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Zwischen Wartezimmer, Wiesel und wundervollen Begegnungen

Es gibt Tage, die sich unauslöschlich in die Erinnerung schreiben. Nicht durch Spektakel, sondern durch leise, prägende Augenblicke.

Ich möchte heute eine dieser Erinnerungen teilen – den Beginn meiner Hospitation. Einen der ersten Tage voller Eindrücke, Begegnungen und Emotionen. Einzelne Situationen, die sich eingebrannt haben, weil sie mehr über den Menschen erzählen als jedes Handbuch über Hören, Technik oder Reha es je könnte.

Es ist mein Versuch, diesen Zeit festzuhalten – als Mosaik aus Erlebtem, Gesehenem, Gefühltem. Es geht auch - zu mindest in diesem Beitrag, viel um das Thema Warten. Denn als Patient, wird man Profi in dieser Disziplin und ich konnte dir unterschiedlichen Umgangsformen mit Wartezeit nun genauestens beobachten

Es waren Tage voller Begegnungen – vielschichtig, fordernd, berührend. Ich habe Menschen kennengelernt, Schicksale berührt, Lebensgeschichten gehört, die man nicht einfach nach Feierabend abstreift. Manche von ihnen waren wie leise Melodien, die im Nachhall etwas in einem zum Schwingen bringen. Andere wiederum hinterließen Dissonanzen, Töne, die man lieber nicht noch einmal hören möchte.

Es gibt sie, diese Menschen, deren Präsenz sofort guttut – freundlich, offen, achtsam, ohne großes Aufhebens. Und es gibt die anderen: jene, die sich selbst für die Sonne des Universums halten, um die sich alles zu drehen scheint, und die das auch mit bewundernswerter Konsequenz ausstrahlen. (Mein Wieselchen möchte beißen)

Ich begegne ihnen, wie sie kommen – mit Neugier, mit offenem Blick. Doch anmaßendes Verhalten, diese leise Arroganz, die sich wie ein unsichtbarer Nebel in Gespräche legt, überrascht mich jedes Mal aufs Neue. Ich frage mich dann, warum so viele so miesepetrig sind, so gereizt, so unfähig, das eigene Ich einmal in Relation zu setzen.

Ich bin, und das sage ich ohne Koketterie, ein sonniges Menschenkind. Ich lache gern, schenke anderen ein Lächeln, nicht als Pose, sondern als Haltung. Ich glaube an die stille Macht der Freundlichkeit, an ihre Fähigkeit, Räume heller zu machen. Und meistens gelingt es mir, andere mit dieser Wärme anzustecken – bis, ja bis mir jene begegnen, die sich darin lieber sonnen, als selbst etwas zurückzugeben.

In solchen Momenten regt sich mein inneres Wiesel – dieses temperamentvolle, ungeduldige, leicht überreizte Wesen, das in mir wohnt. Es fletscht innerlich die Zähnchen, scharrt mit den Pfoten und würde am liebsten die nächste unhöfliche Bemerkung an der Hüfte ihres Urhebers packen. Ich hingegen ringe um Contenance, nippe an meinem Kaffee, atme tief und flüstere ihm zu:

„Ruhig, mein Kleines. Wir sind hier nicht auf Safari, sondern auf Expedition.“

Und so bleibe ich sitzen – äußerlich ruhig, innerlich amüsiert zivilisiert –, während das Wiesel gedanklich die Stuhllehne attackiert.

Dann ist da dieses Warten. Warten auf die nächste Untersuchung, weil ein Patient vorher vielleicht mehr Sorgen und Fragen hatte, die geklärt werden mussten. Warten, weil eine Untersuchung zuvor länger dauerte, da hier alle sehr gründlich und verantwortungsvoll sind.

Warten weil ein Notfall dazwischen kam.

Und manchmal dauert es, weil Ärztinnen, Arzthelferinnen, Audiologen, Techniker oder Logopädinnen eben auch einmal Mittag essen möchten. (Für viele ein guter Grund sich maßlos zu echauffieren)

Pause. Kaffee. Toilette oder tatsächlich etwas Zeit um das mitgebrachte Essen in der Mikrowelle aufzuwärmen, um eine halbe Stunde Mensch zu sein …

Ich, finde ich, steht ihnen zu. Sie verbringen den ganzen Vormittag in Gesprächen, Untersuchungen, Diagnosen, hören zu, erklären, trösten, kalibrieren, korrigieren. Wer mit Menschen arbeitet, braucht Pausen – nicht als Luxus, sondern als notwendige Rekonvaleszenz der Seele.

Ich ertappe mich dabei, wie ich die Szenerie betrachte und mich unwillkürlich vergleiche: Wie reagiere ich eigentlich, wenn ich warten muss?

Wie verhalte ich mich als Patientin, wenn die Zeit sich dehnt, wenn Termine sich verschieben, wenn die eigene Geduld auf die Probe gestellt wird?

Ich mag von mir glauben, gelassen zu sein – verständnisvoll, weil ich um die Abläufe weiß, um die Komplexität hinter jedem Namen auf der Warteliste.

Und doch kenne ich auch das leise, kaum merkliche Zucken des Fußes, das nervöse Blättern in Zeitschriften, das kleine Seufzen, wenn die Minuten sich summieren.

Vielleicht ist genau dies die eigentliche Prüfung – nicht das Warten selbst, sondern die Haltung, mit der man es tut.

Ich sitze also da, erinnere mich an Situationen des Wartens (es ist dabei völlig unerheblich, aufgrund welcher Umstände sich mein Warten verlängerte. Mittagspause, Notfall? Egal. Alles ist wichtig.

Ich erinnere mich, wie ich mein Buch zur Hand nahm, einen Schluck Kaffee aus meiner Thermostasse trank und ich übte mich darin, Geduld nicht als erzwungene Passivität, sondern als Form von Respekt zu begreifen.

Respekt vor den Menschen, die hier arbeiten, vor dem Rhythmus dieses Hauses, der nicht meinem Tempo folgt, sondern dem seiner Verantwortung. Abläufe die ineinander übergreifen wie feinjustierte Zahnräder. Und braucht ein Patient vor mir eben mehr Aufmerksamkeit - ist der Goldene Zeitpuffer der Planung schnell verbraucht.

Ein Affront wenn Arzt dann trotzdem Mittag macht? Nein. Absolut nicht.

h muss dann einfach warten, manchmal länger.

Denn wer bin ich denn, dass ich mich selbst für so bedeutend hielte, um zu verlangen, andere sollten auf ihre wohlverdiente, gesetzlich garantierte Pause verzichten, nur weil ich gerade hier bin? Und warte?

Diese Vorstellung ist mir zutiefst zuwider.

Und so wird das Warten, so unspektakulär es scheinen mag, zu einem stillen Lehrmeister – ein Moment, in dem man sich selbst zuhört.

Ich setze mich also, nehme ein Buch zur Hand oder gönne mir einen Kaffee. Ich beobachte, lausche, denke. Und übe mich in der Kunst der Gelassenheit – jener Tugend, die im Zeitalter der Sofortreaktionen fast schon anachronistisch wirkt.

Doch bei all den sonderbaren Begegnungen und mürrischen Gesichtern gibt es sie glücklicherweise auch: jene, die schlicht ein Segen sind.

Menschen, die mit ruhiger Selbstverständlichkeit Güte verströmen, ohne sie je zu benennen. Man begegnet ihnen zufällig – ein Blick, ein kurzes Gespräch, ein Lächeln – und plötzlich verändert sich die Stimmung des gesamten Raumes.

Mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ist wie das Öffnen eines Fensters: frische Luft, echtes Interesse, ehrliches Zuhören. Man begleitet, man lernt, man lacht – und für einen Moment scheint die Welt wieder im Gleichgewicht.

Ich bin zutiefst dankbar, dass ich in meiner Hospitation solchen Menschen begegnen durfte – jenen, von denen man lernt, ohne dass sie belehren. Beseelt von dieser stillen Energie gehe ich weiter, erfüllt von dem Wissen, dass Menschlichkeit leise, aber nachhaltig wirkt.

Und noch etwas haben diesen Tage besonders gemacht: Ich durfte begleiten.

Ich durfte mit zur Logopädin, Patientinnen und Patienten luden mich ein, bei der Feineinstellung ihrer Geräte dabei zu sein. Ich wurde willkommen geheißen bei Rehaberatungen, bei Gesprächen über Technik, über das passende Implantat, über Hoffnungen und Ängste. Ich stand im OP (hier werde ich wohl einen extra Beitrag machen)

Es war, als würde sich die Welt für einen Moment öffnen – ohne Distanz, ohne Hierarchie, nur getragen von Vertrauen und gegenseitigem Respekt. Wir lachten, wir tauschten Erfahrungen aus, und ich spürte, dass echtes Interesse Türen öffnet, die kein Schlüssel sonst aufschließen könnte.

So durfte ich also Tage erleben, die mich reich beschenkt haben.

Ich sprach mit Ärztinnen, mit Therapeutinnen, mit Psychologinnen, hörte zu, fragte nach, sog Eindrücke auf. Lernte. Es war ein Tage voller Resonanz, Erkenntnis und tiefer Menschlichkeit – Tage, die nachklingen.

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