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Der Hormonknödel – oder: Wer heute eigentlich Dienst hat

Ich bin ein Hormonknödel.

Ein Emotionsknödel obendrein. Und nein, das ist keine Diagnose — das ist eine Zustandsbeschreibung mit kulinarischem Unterton.

An manchen Tagen wache ich auf und fühle mich wie die Hauptfigur eines inneren Dramas in fünf Akten. Alles hat Bedeutung. Ein falscher Blick, ein schiefer Satz, ein leerer Kühlschrank — Tragödien epischen Ausmaßes. Das Wiesel sitzt dann mit feuchtem Blick auf der inneren Fensterbank und schreibt gedanklich bereits Monologe, die irgendwo zwischen Weltliteratur und beleidigter Katze oszillieren.

Zwei Tage später hingegen: dieselbe Frau, derselbe Haushalt, dieselbe Welt — aber plötzlich bin ich abgeklärt wie eine pensionierte Zen-Meisterin. Nichts erschüttert mich. Rechnungen? Leben. Chaos? Existenzielle Dekoration. Menschen schwierig? Anthropologisch hochinteressant.

Die Büffelin nickt ruhig, kaut metaphorisch ihr Gras und strahlt eine Gelassenheit aus, die beinahe verdächtig wirkt.

Und dann — ohne Vorwarnung — übernimmt eine dritte Instanz das Kommando: lebenslustig, verspielt, wolllüstern dem Dasein zugewandt. Farben wirken intensiver, Musik tiefer, Berührungen bedeutungsvoller. Das Wiesel tanzt, die Büffelin hebt anerkennend eine Augenbraue, und ich frage mich kurz, ob das Leben schon immer so angenehm war oder ob lediglich meine Hormone beschlossen haben, heute Festivalbetrieb zu veranstalten.

Früher hielt ich diese Wechsel für Inkonsistenz. Für ein „Zu viel“. Zu emotional, zu lebendig, zu wechselhaft.

Heute ahne ich: Es ist keine Unbeständigkeit. Es ist ein zyklisches Sichtbarwerden dessen, was ohnehin in mir wohnt. Die Hormone erfinden nichts neu — sie drehen lediglich am Scheinwerfer. Mal wird die Dramatische beleuchtet, mal die Humoristin, mal die Philosophin, mal die Sinnliche. Das Ensemble bleibt identisch, nur die Hauptrolle rotiert.

Ein inneres Mehrpersonenstück ohne Identitätskrise — eher eine sehr gut besetzte Produktion.

Das Wiesel nennt es Stimmung.

Die Büffelin nennt es Biologie.

Ich nenne es inzwischen: ein Gesamtpaket besonderer Art.

Und ehrlich gesagt — langweilig wird es mit uns dreien nie.

Bleibt’s xund,

eure Frau Kruemelkuchen

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