2025 war ein hartes Jahr für viele von uns und 2026 hat gestartet wie ein Fiebertraum.
Alle Gewissheiten scheinen sich aufzulösen. Institutionen, auf die wir uns viele Jahrzehnte verlassen konnten, zerbröseln vor unseren Augen. Und was sich nun formt, scheint erschreckend zu sein.
Angst paralysiert und macht gefügig.
Bis das Korsett zu eng wird. Bis das weiter so undenkbar wird.
Als Donald Trump zum zweiten Mal Präsident wurde, sagten viele: So schlimm wird es schon nicht kommen. Und es kam noch schlimmer.
Wir in Deutschland sind erstens abhängig von den USA und haben zweitens eine Politik an der Macht, die sich nah an die der faschistischen Regierung der USA anschmiegt. Die tief vernetzt ist mit den ultrarechten Vordenkenden und Tech-Milliardären. Die unseren Staat vorauseilend durchdringen lassen von Software wie Palantir und sehr ähnliche Politik betreiben. Eine Politik, die grausam gegenüber Marginalisierten ist und alles hofiert, was reich, weiß und männlich ist.
Auch das haben viele vorhergesehen. Und die Wahrheit ist: Wir sind nur wenige Schritte hinter den USA hinterher.
Zu sehen, wie wir einen Abgrund hinabstürzen, kann lähmend sein. Wie einem Autounfall zuzusehen. Nur sind wir gleichzeitig Zuschauer und auf der Rückbank festgeschnallt. Ohne Möglichkeit auszusteigen.
Die Frage ist aber: Ist das wirklich so? Oder können wir den Gurt lösen. Das Steuer rumreißen. Das Auto zum Stehen bringen, bevor es in die Schlucht stürzt.
Die Geschichte sagt, es gibt Möglichkeiten. Und dasselbe sagt die Soziologie, die Psychologie.
Faschistische Regierungen sind verwundbar. Sie brauchen den stillen Gehorsam aus Angst.
So wie Angst ansteckend ist, so ist es Zuversicht.
Es braucht Gemeinschaft, die sich Kraft gibt durch ihr Zusammensein. Das weiß auch repressive, faschistische Politik. Sie fürchtet die Zivilgesellschaft. Nicht ohne Grund werden gerade die Mittel für viele Organisationen gekürzt, die die Zivilgesellschaft stabilisieren.
Ein noch immer wenig bekanntes Beispiel sind die Proteste im Februar und März 1943 in der Berliner Rosenstraße. Als arisch eingeordnete Ehefrauen protestierten dort gegen die Internierung ihrer jüdischen Männer und jugendlichen Kinder.
1943 war das dritte Reich so tief in Gewalt und Vernichtungsphantasien verstrickt, war schon so viel geschehen, dass Protest wie Todessehnsucht wirken musste. Und doch tauchten diese Frauen täglich auf. Etwa 1000 von ihnen. Bis ihre Angehörigen freigelassen wurden. Sie wurden mit Gewalt bedroht und blieben dennoch. Sie ließen sich nicht lähmen. Diese freigelassenen Juden waren bis zum Schluss vor Deportation und Ermordung sicher.
Wir befinden uns nicht im dritten Reich. Und wir sind nicht in der Rosenstraße.
Wir haben das Geschenk der späten Geburt. Nutzen wir es.
Was also ist zu tun, wenn der Faschismus um sich greift – aber noch nicht ganz angekommen ist? Der Faschismus kommt nicht mit Blitz und Donner. Er schleicht sich nach und nach ein. Das haben wir ja entdeckt.
Wie damit umgehen. Wie sich vorbereiten.
Eigentlich hätte ich gern etwas Spektakuläres zu bieten. Und dann habe ich entschieden, dass es doch Sinn macht, das Alltägliche zu notieren. Das, was alle tun können.
Der Widerstand gegen den Faschismus ist kein Sprint. Er ist ein Dauerlauf. Und er wird nicht von einer Lichtgestalt geformt. Er braucht alle von uns. In eben der Form, in der es den Einzelnen möglich ist. Es ist wichtig, sich das klarzumachen.
Ich habe versucht zusammenzutragen, was wichtig ist, was möglich ist. Nichts davon ist neu. Nichts, was in der Liste steht, ist spektakulär. Und das ist auch gut so. Alle können mitmachen.
Nichts davon wird einen Effekt haben – wenn es einzeln und einmalig passiert.
Das Momentum entsteht aus der Beständigkeit und aus der Masse. Ein zentrales Element ist die Bewusstheit.
Sich bewusst sein, was passiert.
Sich bewusst sein, was das bedeutet.
Sich bewusst sein, was meine Möglichkeiten sind.
Das zweite zentrale Moment ist die Gemeinschaft. Und Gemeinschaft entsteht nicht über Nacht. Gemeinschaft entsteht in vielen kleinen Handlungen. Auch dafür ist diese Liste.
Es kann der Moment kommen, an dem diese oder ähnliche Listen nicht mehr ausreichen. Es kann der Moment kommen, an dem wir Verhältnisse wie in Minnesota bekommen. Oder schlimmer. Und auch dann wird es Dinge geben, die wir tun können. Dann wird uns helfen, dass wir schon jetzt begonnen haben, uns vorzubereiten.

1. „Das ist nicht normal“ als Mantra.
Die Verschiebung des Sagbaren, die Verschiebung von Normalität ist das täglich Brot der faschistischen Ideologie. Der Widerstand dagegen beginnt tatsächlich im Kopf.
Sagen wir uns jeden Tag, was nicht normal ist. Machen wir Mantras daraus. Gedichte und Gebete.
Sammeln wir konkrete Sätze, was nicht normal ist. Und wiederholen wir sie jeden Tag. Rufen wir sie uns auf der Straße zu.
Remigration ist ein faschistischer Begriff. Ihn zu verwenden ist unmenschlich. Dass das nun Alltag ist, ist nicht normal.
Arbeitsschutz abschaffen zu wollen ist ein feindlicher Akt. Wer das will, verachtet Menschen. Das ist nicht normal.
Wer es per Gesetz möglich macht, Menschen die Lebensgrundlage zu entziehen, verbreitet Angst, um uns alle zu lähmen. Das ist nicht normal.
Das müssen wir an möglichst vielen Orten auch laut aussprechen. Soweit es uns möglich ist.
Tagebuch schreiben ist auch eine Möglichkeit, zu dokumentieren, was nicht normal ist. Und damit auch selbst einen Überblick zu behalten, woran wir uns schon zu gewöhnen drohen.
2. Sich von Erlöserfiguren und Held*innenfantasien verabschieden
Alles muss man selber machen. Und das ist noch nicht mal glamourös. Der Widerstand gegen den uns bedrohenden Faschismus gehört in den Alltag. Und es wird niemand mit einem Federstreich erreichen. Der Widerstand gegen faschistische Strömungen entsteht in vielen kleinen Schritten. Es wird niemand kommen, der das für uns erledigt. Es wird noch nicht einmal jemand kommen, der uns erklärt, was wir zu tun haben. Es ist eine gemeinsamer Weg. Wie wenig auf Heldenfiguren Verlass ist, sehen wir daran, wie wenig Prominenz bisher laut geworden ist gegen den Faschismus in den USA, gegen die an den Faschismus anbiedernde Politik in Deutschland.
3. Spenden – Geld und Zeit wenn möglich, Aufmerksamkeit immer
In der aktuellen politischen Lage sind Spenden, gerade für kleinere Organisationen, extrem wichtig. Überall werden die Mittel für Demokratiearbeit und Schutz von Marginalisierten gekürzt und gestrichen. Wer Geld hat, sollte das als Aufruf sehen, an Organisationen der Wahl zu spenden. Wer Zeit dafür freimachen kann, der sollte sich jetzt bereits bestehenden Organisationen anschließen.
Aufmerksamkeit ist für die meisten eine Ressource, die sie zu geben haben.
4. Miteinander darüber sprechen, was passiert
Im Alltag versuchen wir vor allem eins: Durch den Alltag zu kommen. Doch das hier und jetzt ist der Ort, der Öffentlichkeit braucht. Miteinander zu besprechen, was gerade politisch passiert, ist wichtig. Auch wenn wir einer Meinung sind. Denn dann sind wir nicht allein in unserem Kopf. Miteinander können auch Ideen entstehen, aber zumindest das Gefühl, nicht allein zu sein. Dass diejenigen, die nicht einverstanden sind, das Gefühl haben, allein damit zu sein, ist eine mächtige Waffe faschistischer Politik. Die können wir entschärfen. Indem wir uns einander zu erkennen geben. Auch jenseits von Social Media.
5. Sich klar werden: wer in meinem Umfeld ist verwundbar?
Wir können oft mehr für andere tun, als uns bewusst ist. Der erste Schritt ist, sich bewusst zu machen, wer in meinem Umfeld mit welchen Hürden und Herausforderungen zu kämpfen hat. Dabei geht es auch um Stigmatisierungen. Das ist besonders wichtig, falls sich das politische Klima in Deutschland noch verschärft.
Es kann sehr hilfreich sein, sich jetzt schon klar zu machen, welche Familien oder Einzelpersonen im Umfeld besonders vulnerabel sind, weil sie zb Migrationsgeschichte haben, queer sind oder bei jemandem eine körperliche, seelische oder geistige Behinderung besteht, jemand arm ist.
Dabei geht es nicht um das Führen von Listen oder inquisitorisches Nachfragen – sondern um Bewusstheit und erkennen, wie verwundbar viele in unserer Gesellschaft sind. Wir haben uns in Deutschland den Gedanken angewöhnt, dass alle, die Hilfe brauchen, schon welche beim Staat bekommen. Dem ist nicht so. Immer wieder und immer öfter sind staatliche Stellen sogar die Gefährderinnen. Deshalb ist es extrem wichtig, diesen Gedanken zu verlernen und selbst in die Verantwortung füreinander zu kommen.
Ein zweiter Schritt ist dann, konkrete Hilfe anzubieten, wenn es möglich ist. Das können auch schnelle Erledigungen sein, zb der Gang zum Glasmüllcontainer.
Wichtig ist hierbei der Ausblick. Wenn wir konkrete Gesichter dazu haben, wer von faschistischen Maßnahmen betroffen ist, dann wird uns schneller klar, dass es nötig ist zu handeln. Und dann wissen wir, wem wir eine Hand reichen müssen, wenn es soweit kommen sollte.
Ein dritter Aspekt ist es, sich selbst zu hinterfragen und die eigenen Vorurteile zu beleuchten. Wir alle haben sie, Vorurteile sind Teil der menschlichen Natur. Es ist wichtig, wie wir damit umgehen. Besonders in Zeiten, in denen alle marginalisierten Gruppen besonderen Bedrohungen ausgesetzt sind.
6. Hinschauen. Aushalten. Fühlen
Es ist wichtig, seine geistige Gesundheit zu erhalten. Das darf aber nicht zur Ausrede werden, um unbequemen Wahrheiten nicht ins Gesicht schauen zu müssen. Und wir leben nun einmal in der Welt in der wir leben.
Dazu gehört, dass Menschen – auch in Deutschland – schreckliche Dinge geschehen, die uns erspart bleiben, weil wir privilegiert sind. Zum Beispiel von der aktuellen Regierung in den Iran abgeschoben zu werden. Vielleicht können wir gerade nichts Aktives dagegen tun. Aber wir können wenigstens bezeugen, was ist. Die Ohnmacht, den Schmerz und die Wut über diese Ungerechtigkeiten zu fühlen, stärkt unser Sensorium und stärkt unseren Willen zur Gegenwehr. Der Austausch mit anderen über diese Ungerechtigkeiten kann dabei helfen, die Situation zu ertragen.
7. Sich selbst stabilisieren
Um Aushalten zu können, brauchen wir Stabilität. Und die entsteht jenseits von einem Optimierungsdruck, der uns in den letzten Jahren als Wellness und Selfcare verkauft wurde.
Was uns Stabilität gibt, ist eine individuelle Sache. Und hängt doch auch mit unserer Körperlichkeit zusammen. Welche kleinen Dinge stabilisieren uns? Ist es die gemeinsame Tasse Tee mit einem nahen Menschen? Der Spaziergang unter Bäumen? Das Lesen von Liebesromanen? Oder hilft mir, einfach auf dem Bett zu liegen, zu atmen und von der Welt zu träumen, in der ich eines Tages leben will und werde?
Dinge selbst erschaffen
Eine besonders stabilisierende Wirkung haben schaffende Tätigkeiten. Besonders, wenn unser Leben sehr geprägt ist von digitaler Arbeit und Kontakten.
Kochen, gärtnern, stricken, tanzen, nähen, tischlern, schreiben, töpfern, klöppeln, Musik machen - alles Tätigkeiten, die sehr stabilisierend wirken können. Besonders wenn wir sie von den Gedanken von Effizienz und Erfolg befreien.
8. Einander stabilisieren
Wir Menschen sind soziale Wesen und so anstrengend zusammenleben ist – so wichtig ist es dennoch für uns. Da gibt es sehr viel Möglichkeiten, einander zu stärken. In der Sozialpsychologie ist diese Kraft als Ripple-Effect oder Welleneffekt benannt und erforscht. Kleine Handlungen des Einzelnen tragen sich fort und haben weiterreichende Konsequenzen. So wie ein Stein, der in einen See fällt, Wellen auslöst, die schließlich die ganze Wasseroberfläche überziehen.
Es ist nicht gleichgültig, ob du einem Menschen die Tür aufhältst – oder nicht. Es ist nicht gleichgültig, ob du einem Obdachlosen alles Gute wünschst – oder nicht. (Das gehört übrigens auch zum Aushalten. Häufig ignorieren wir Obdachlose, weil ihre Existenz für uns selbst schwer zu ertragen ist. Und das schadet am Ende uns und ihnen.)
Sagen wir einander, dass wir uns schätzen. Machen wir einander Mut. Zeigen wir einander, dass wir nicht alleine sind. Jede kleine Aufmerksamkeit ist eine Welle, die sich weiterträgt.
9. Sich erinnern, was war
Die Vergangenheit zu klittern durch Verdrängung und Veränderung von Erzählungen, gehört zum Einmaleins des faschistischen Besteckkasten. Gegenwehr bedeutet, sich daran zu erinnern, was vor kurzem noch als selbstverständlich galt. Die Einhaltung vom Grundgesetz und Menschenrechten etwa. Denn auch in Deutschland haben wir uns davon verabschiedet. Und zwar nicht in verschämt versteckten Ausnahmen, sondern im öffentlich ausgelebt durch die Formulierung der neuen Bürgergeldgesetze und der de facto Abschaffung des politischen Asyls.
Es ist unsere Aufgabe daran zu erinnern, was bereits Normalität war. Es kann wichtig werden zu dokumentieren, was war. Die Vorgänge in den USA haben deutlich gemacht, dass die Gefahr von Löschungen ganzer Websites und von Forschungsergebnissen sehr real ist.
10. Utopien erschaffen
Es ist leichter für etwas zu kämpfen, als gegen etwas. Und es ist leichter Menschen zum Mitmachen zu bewegen, wenn sie eine Alternative sehen können. Das ist etwas in Vergessenheit geraten. Wir brauchen einen Ausblick auf das, was wir wollen. Auch das gibt Stärke. Der Austausch mit anderen kann die Ideen befeuern und das spielerische Element erhöhen.
Durchdenken wir, schreiben wir und erzählen wir uns, wie wir leben wollen. Alles ist möglich. Alles ist erlaubt.
11. Protestieren
Ohne Demonstrationen und Protestaktionen hat es keine politische Änderung zum Guten gegeben. Protest ist wirksam. Das sehen wir gerade in den USA, in Iran (auch wenn es zu schrecklichen Opfern kam), das hat die Geschichte immer wieder gezeigt.
Im Alltag wirkt es vielleicht ein bisschen langweilig, zu einer Demonstration zu gehen. Es ist extrem wichtig. Und hat große Wirkung. Jede Demonstration lebt von jedem Einzelnen, der hingeht.
12. Konfrontieren
Nicht allen ist dies möglich. Umso wichtiger ist es, dass Menschen konfrontieren, die privilegiert und stabilisiert sind. Sich erkennbar gegen alle Formen von Diskriminierung und Verharmlosung faschistischer Gewalt zu wenden, ist von großer Bedeutung.
Es ist wichtig, dem Bekannten zu widersprechen, der glaubt, wirtschaftliche Entwicklung sei wichtiger als Menschenrechte, oder der transfeindlichen Tante.
Konfrontation bedeutet nicht Gewalt. Konfrontation bedeutet Widerspruch. Im privaten Raum, im öffentlichen Raum, bei demokratisch Beauftragten, auf Social Media.
13. Sich dem System entziehen
Was unser Zusammenleben bedroht, wird zu weiten Teilen genährt von übergroßer Wirtschaftsmacht. Die berühmten Tech-Bros. Aber auch die Abhängigkeit vom Komfort des Kapitalismus. Dem können wir uns – wenigstens in Teilen – entziehen. Schritt für Schritt.
Nicht jedem ist es im gleichen Maße möglich. Und der einzelne Akt ist klein. Mit der Kraft der Gemeinschaft kann sich ein kaum zu bewältigende Macht entwickeln.
Wie sieht das konkret aus?
Geld und Aufmerksamkeit entziehen und umlenken. Sich soweit wie möglich, auch bei Unbequemlichkeiten, von Plattformen abmelden, die Tech-Oligarchen gehören und stattdessen zu etwa Mastodon und Bluesky oder ähnlichen digitalen Orten gehen. Besonders wichtig und wirksam wäre die Verweigerung, bei Amazon einzukaufen und das Abmelden von Streaming Plattformen wie etwa Spotify[1] (Opens in a new window) und stattdessen zu Plattformen wie Bandcamp oder Soundcloud zu wechseln. Dem Kaufen von Tonträgern. So kommt das Geld tatsächlich zu Musiker*innen.
14. Kultur als politisch begreifen und fördern
Viele von uns konsumieren vor allem das, was der Großteil liest und hört und sieht. Dabei kommt der off-Kultur eine übergroße Bedeutung in der Protestkultur zu. Während die etablierte Kultur oft Systeme stabilisiert . Die Stille aus der Leitkultur wird dann deutlich, wenn doch endlich jemand laut wird, wie Marc Ruffalo oder Bruce Springteen.
Protest ist auch, sich die Zeit zu nehmen und nach Büchern in Kleinstverlagen zu schauen. Musik auf zb Bandcamp zu hören. Zu den kleinen Konzerten zu gehen von wenig bekannten Musikschaffenden. In unabhängige Kinos gehen und dort Filme schauen, statt Netflix und Disney+ zu streamen. Es gibt viele kleine Schritte. Und jede*r zählt.
15. Mit weniger auskommen
Dieser Punkt wendet sich an die Habenden. Denn viele müssen schon mit wenig auskommen. Was in dieser Welt extrem hart sein kann.
Ökonomische Macht ist real: Disney hat sich dem massenhaften Kündigen von Abonnements gebeugt und Jimmy Kimmels Absetzung rückgängig gemacht.
Es ist auch eine Form von Solidarität, selbst weniger zu konsumieren als einem möglich ist. Und so auch Räume und Möglichkeiten der Beteiligung zu schaffen für alle, die nur wenig finanzielle Mittel haben. Wenn zum Beispiel Verabredungen im Park stattfinden statt in einem Restaurant.
Wenn sich etwa mehr Menschen davon abwenden, schick eingerichtete Behausungen zu haben oder den Moden mit regelmäßigen Einkäufen zu folgen, dann hat das drei Effekte:
Erstens: Wir werden alle freier, da Druck abfällt. Der Druck mitzuhalten und der Druck zu konsumieren, der – aus meiner Sicht – eine gesellschaftlich gutgeheißene Sucht ist.
Zweitens schaffen wir eine Gemeinschaft, die mehr Menschen einschließt. Nämlich all jene, die kaum konsumieren können, aufgrund finanzieller Zwänge.
Drittens entziehen wir damit einer Wirtschaft Geld, die in vielen Fällen direkt oder indirekt faschistische Bewegungen stützt. (Denken wir zum Beispiel an die Stiftung Familienunternehmen).
16. Bewusst langsamer werden
Die aktuelle Politik saugt viel Kraft aus der kollektiven Hektik und dem Panikmodus. Hektik und Panik lähmen das Denken. Hektik und Panik entziehen Kraft. Auch deshalb halten faschistische und ultrarechte Politikschaffende die Menschen mit ständig neuen Wildheiten auf den Zehenspitzen.
Es ist schwer und es ist möglich, langsamer zu werden. Nicht auf einmal. Aber Schritt für Schritt.
Je privilegierter man lebt, desto leichter ist es oft. Obwohl gleichzeitig gerade von Privilegierten der Zustand des „geschäftig seins“ hochgehalten wird. Gerade wir sollten uns fragen, welche Geschäftigkeit wirklich relevant ist und welche Schaden anrichtet. Es macht vielleicht mehr Sinn, zuhause in Ruhe ein Essen zuzubereiten und über den Tag nachzudenken, als in ein Yoga-Studio zu hetzen und zu versuchen, in 45 Minuten die innere Mitte zu finden.
17. Öffentliche Räume beleben und dritte Orte einfordern
Faschismus und Rechtsruck nährt sich auch von der Vereinzelung derer, die nicht einverstanden sind. Deshalb kommt dritten Räumen – Orten jenseits von Zuhause und Arbeitsstelle – eine große politische Bedeutung zu. Hier können wir Begegnungen haben, die aus unseren üblichen hinausfallen. Hier ist es am wahrscheinlichsten „über den Tellerrand hinaus zu schauen“. Gleichzeitig geben dritte Orte die Möglichkeit, ein Gefühl für Gemeinschaft zu bekommen, dass sonst oft fehlt.
Das Einfordern dritter Orte verursacht Mühe und Aufwand. Und es dauert. Bestehende öffentliche Räume zu beleben ist ein einfacherer Weg, zu zeigen, dass es den Bedarf gibt.
Einen neuen öffentlichen Raum zu eröffnen, ist zum Beispiel, sich mit ein paar anderen Personen auf einen Kaffee auf einer Brache, einer Verkehrsinsel, oder einem breiteren Gehweg zu treffen. Die Irritationen, die solche Treffen erzeugen, macht darauf aufmerksam, dass wir Räume brauchen und uns Räume nehmen sollten.
Daten schützen
Ein wichtiger praktischer Punkt ist es, seine Daten zu schützen, wo es nur geht. Wichtige Punkte können dabei zum Beispiel sein: das Verweigern der digitalen Krankenakte, das Verlegen von Social Media Aktivitäten auf unabhängige Plattformen wie bluesky oder mastodon.
Diese Liste setze ich sehr gern fort, wenn mich Vorschläge erreichen (dann nenne ich auch bei Wunsch den Namen) oder mir noch Dinge einfallen.
Außerdem habe ich vor, hier Links und Texte zum Thema zu sammeln.
http://www.berlin-judentum.de/denkmal/rosenstrasse.htm (Opens in a new window)
http://www.rosenstrasse-protest.de/info/index_info.html (Opens in a new window)
https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/jens-spahn-cdu-interview-regierung-spd-weltlage-trump-afd-e338370/?reduced=true (Opens in a new window)
[1] (Opens in a new window) Spotify lenkt ganz konkret Geld, das Kunstschaffenden gehören sollte zu dem Investment in AI-Rüstungsfirmen um – look it up. Es ist keine Verschwörungstheorie.