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So “konservativ” war Charlie Kirk laut deutschsprachigen Online-Medien

Charlie Kirk in schwarz-weiß mit einem Mikrophon vor einem bunten Hintergrund. Links neben ihm ein Tortendiagramm. Die schwarze Tortenhälfte ist wesentlich größer und darauf steht konservativ. Auf der kleinen roten steht "nicht konservativ".

Am vergangenen Mittwoch wurde der MAGA-Influencer Charlie Kirk ermordet. Über die Motive ist weiterhin nicht viel bekannt. Über Kirk dagegen, wissen wir vieles.

“Über trans Menschen sagte er hingegen, diese seien "krank, und ich sage das nicht einfach so dahin". Kirk forderte außerdem Strafverfolgung nach Vorbild der Nürnberger Prozesse für jeden Mediziner, der an einer Klinik für geschlechtsangleichende Operationen arbeitet.”

Julian Seiferth auf t-online.de (Opens in a new window)

Kirk leugnete den menschgemachten Klimawandel und behauptete entgegen der Realität: Homosexualität sei eine Entscheidung. Laut der US-Amerikanischen Organisaiton Anti-Defamation League, kurz ADL, soll Kirk (Opens in a new window) einen christlichen Nationalismus verbreitet haben. Er wollte die verfassungsgemäße Trennung zwischen Kirche und Staat aufheben.

Kirk verbreitete Verschwörungserzählungen über die COVID-19-Pandemie und behauptete, Donald Trump habe die Wahl 2020 für sich gewonnen. Zwei Tage vor der tödlichen Erstürmung des Kapitols in Washington D.C. am 6. Januar 2021, das von einigen Beobachter:innen als möglicher Putschversuch durch Trump-Verbündete sowie Trump selbst angesehen wird, schickte Kirk laut eigenen Angaben mehr als achtzig Busse (Opens in a new window) mit “Patrioten” in die Stadt, um “für diesen Präsidenten zu kämpfen.”

Wir kratzen hier nur an der Oberfläche, aber eines sollte ersichtlich sein: Charlie Kirk war kein Konservativer. Zumindest nicht, wie man es in Deutschland versteht. Wie gehen etablierte deutsche Online-Medien damit um, denn sowohl Kirk selbst als auch seine Organisation Turning Point USA verstehen, bzw. verstanden sich selbst als konservativ.

Was schreiben Online-Medien?

Ich habe mich selbst bereits dazu geäußert (Opens in a new window), wollte es aber genauer wissen. In den vergangenen zwei Tagen habe ich Online-Medien via Google News durchforstet und teils bei einzelnen Medien noch einmal präziser gesucht. Gesondert nach Beiträgen mit Erwähnungen von Charlie Kirk gesucht habe ich bei FAZ.net, SPIEGEL.de, Tagesschau.de, Tagesspiegel.de, taz.de und WELT.de.

Insgesamt habe ich 213 Artikel, teilweise auch eingebettete Videos, von Online-Medien ausgewertet. Das hat keinen wissenschaftlichen Anspruch, aber kann einen Eindruck zur Tendenz geben, in der Kirk eingeordnet wird. Die Daten dazu gibt es hier roh (Opens in a new window).

https://datawrapper.dwcdn.net/FWmjL/3/ (Opens in a new window)

Die Auswertung der Zuordnungen ergibt: Unter allen Beiträgen im Datensatz (n = 213) hat sich die klare Mehrheit der Online-Medien mit rund 65,3% (n = 139) für eine eindeutige Zuordnung von Charlie Kirk als “rechtskonservativ” entschieden.

Rund 20,7% (n = 44) haben Kirk lediglich als “rechts” bezeichnet und diesen dabei nicht klar vom Konservatismus abgegrenzt, was ich als “vage” kategorisiert habe. Lediglich bei rund 14,1% (n = 30) bleibt beim Publikum nicht zwangsläufig der Eindruck hängen, dass Kirk lediglich “konservativ” war.

Es gab vereinzelte Einzelfallentscheidungen, die ich im Datensatz kommentiert habe. So wird Kirk in einem Kommentar auf t-online.de (Opens in a new window) zwar lediglich als “rechts” bezeichnet, jedoch stellt der Autor klar: “Mit Konservativismus hat das nichts zu tun.

https://datawrapper.dwcdn.net/z6Nhb/4/ (Opens in a new window)

Man könnte argumentieren, dass die vagen Einordnungen beim Publikum auch den Eindruck hinterlassen könnten, dass Kirk lediglich konservative Positionen vertrete. Unter Ausschluss der als “vage” kategorisierten Beiträge, ergibt sich folgendes Bild:

https://datawrapper.dwcdn.net/Fq9ig/3/ (Opens in a new window)

Was sich noch ablesen lässt

Es gab kein Medium, bei dem nach meiner Auswertung ein Überhang von Beiträgen zu sehen war, in dem Kirk als “nicht konservativ” eingeordnet wurde. Möglicherweise zeigt sich jedoch eine Trendumkehr, nach den eher zögerlichen Einordnungen.

Die Anzahl an Einordnungen außerhalb des “konservativen” Spektrums haben im Zeitverlauf zugenommen. Dazu muss ich allerdings sagen, dass die Daten für den 14.09. nicht mehr die grobe Sichtung über Google News beinhalten, was den Eindruck nicht nur verzerren kann, sondern definitiv verzerrt.

Ein Medium das ich detaillierter auswertete stach heraus. WELT.de hat lediglich einen Beitrag in meinen Daten, den ich als “vage” kategorisiere. Ansonsten wird Kirk in den Beiträgen meines Datensatzes bei WELT.de konsequent als “rechtskonservativ” eingeordnet.

Überraschend: Bei der taz habe ich keinen Beitrag gefunden, in dem Kirk definitiv außerhalb des konservativen Spektrums angesiedelt wird. Zwar korrigierte die taz später einen Beitrag (Opens in a new window) vor diesem Hintergrund, beließ es aber auch bei der Bezeichnung “ultrakonservativ”, was immer noch als “Teil des konservativen Spektrums” verstanden werden kann.

Die höchste Variabilität fand ich bei Tagesspiegel.de sowie bei SPIEGEL.de, wobei letzterer, aber das ist ein subjektiver Eindruck, mehr zur Einordnung “nicht konservativ” neigte.

Was ist eigentlich “konservativ”?

Was das alles für mich bestärkt ist der Eindruck, dass es in Deutschland eine Debatte darüber benötigt, wo sich Konservative in diesem Land verorten wollen, gerade im Vergleich zu dem was in den Vereinigten Staaten noch als “Konservatismus” verkauft wird.

Es ist notwendig die unterschiedlichen Bedeutungsebenen des Begriffs für Deutschland und die USA journalistisch hervorzuheben. Das scheint mir hier jedoch nicht gegeben, in der bisherigen Debatte um Charlie Kirk. Vielmehr wird der US-Diskurs mehrheitlich direkt in den deutschen getragen. Unterschiede werden damit verwischt.

Schockiert war ich davon, wie oft in Beiträgen die MAGA-Bewegung als “konservativ” verharmlost wurde, die rechtsextreme Verschwörungsideologin Laura Loomer als “rechte Influencerin” verniedlicht wurde und noch einiges mehr, was sich im Datensatz nachlesen lässt.

Wenn “Konservative” sich in Deutschland anfangen mit Charlie Kirk zu identifizieren, haben sie, Medien und Gesellschaft etwas grundsätzliches vergessen.

Titelbild: Tortendiagramm, Gunnar Hamann. Foto von Charlie Kirk, Gage Skidmore (Opens in a new window) / flickr, CC BY 2.0 (Opens in a new window). Bearbeitung / Montage: Gunnar Hamann.

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https://steady.page/de/brodnig/posts/1d3a3ad9-b853-43e9-8541-c1ed2c175c9a?utm_campaign=steady_sharing_button (Opens in a new window)

Topic Alternativer Faktencheck