
Medikamente wirken in der Regel nicht nur spezifisch und erzielen nicht nur die gewünschte Wirkung. Jedes Medikament, das wirkt, hat auch Nebenwirkungen. Fachleute sprechen von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW). Neben den UAW gibt es weitere Risiken, die von Medikamenten ausgehen können, zum Beispiel, wenn es Probleme bei der Herstellung gibt oder wenn sie falsch angewendet werden.
Medikamente werden in Studien getestet, bevor sie auf den Markt kommen dürfen. Darüber entscheiden die Zulassungsbehörden. Sie beurteilen, ob neue Arzneimittel mehr nutzen als schaden. Auch nach der Marktzulassung gehen die Überprüfungen weiter. Oft genug fallen dabei neue Sicherheitsprobleme auf.
In unserem aktuellen Heft beschäftigen sich gleich drei Beiträge mit Arzneimittelrisiken – zum Teil mit solchen, die neu bekannt geworden sind.
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Bei Älteren droht nach Absetzen des Schlafmittels Daridorexant schlechterer Schlaf
Daridorexant ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das seit 2022 gegen Schlafstörungen zugelassen ist. Es wird seitdem als eine neue Option bei chronischer Schlaflosigkeit beworben, weil es die Nachteile herkömmlicher Schlafmittel angeblich vermeidet. Denn diese, etwa Benzodiazepine, machen schnell abhängig und können Rückfälle auslösen, also die Schlaflosigkeit verschlimmern. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA stellte allerdings fest, dass es für Personen ab 65 Jahren zu einer erheblichen Verschlechterung nach dem Absetzen kommen kann: Sie waren durchschnittlich etwa 20 Minuten länger wach als vor Beginn der Behandlung.
Aus unserem aktuellen Heft: Risiko Schlafmittel Daridorexant (Opens in a new window) (€)
Eine oft übersehene Ursache für Schlafstörungen
Schlechter Schlaf kann viele Gründe haben. Suchtmittel wie Alkohol, Nikotin, oder Koffein können Schlafstörungen (Opens in a new window) begünstigen oder verursachen. Viele Menschen dürften schon die Erfahrung gemacht haben, dass beispielsweise Alkohol zu einem leichteren Schlaf mit häufigen Unterbrechungen führt. Ähnliches gilt aber auch für eine ganze Reihe von Medikamenten. Der Arzneimittelbrief fand bei einer Recherche in einer Datenbank zu Nebenwirkungen mehr als 650 Treffer, quer durch alle Indikationsbereiche.
Aus Heft 05/2025: Arzneimittel und Schlafstörungen (Opens in a new window) (€)
Hormonspiralen: Vermeidbares Risiko für Eileiterschwangerschaften
Die Hormonspirale gilt zwar als relativ zuverlässiges Verhütungsmittel, aber in seltenen Fällen können Eileiterschwangerschaften entstehen. Eine Eileiterschwangerschaft kann gravierende Folgen haben. Eine neue von der französischen Arzneimittelbehörde ANSM veranlasste Kohortenstudie stellt fest: Pro Jahr kommt es bei Spiralen mit niedriger Hormondosis bei etwa 18 von 10.000 Frauen zu einer Eileiterschwangerschaft, bei hoher Hormondosis nur bei 4 Frauen von 10.000.
Aus unserem aktuellen Heft: Bei Hormonspiralen mit niedriger Dosis drohen häufiger Eileiterschwangerschaften (Opens in a new window) (€)
Gefährliche Nebenwirkungen von Psychiatriemedikament
Promethazin wird verwendet bei Unruhe- und Erregungszuständen im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen. Jetzt wurde die Anwendung des Medikaments bei Kindern unter sechs Jahren verboten (Opens in a new window), weil es „zu zentralnervösen und psychiatrischen Nebenwirkungen führen kann.“ Dazu zählen insbesondere Halluzinationen und aggressives Verhalten.
Aus unserem aktuellen Heft: Promethazin: Nicht für Kinder unter 6 Jahren (Opens in a new window) (€)
Bleiwüste Packungsbeilage
Zu klein gedruckt, viel zu viele Fremdwörter, unmöglich zu falten und angsteinflößend beim Blick auf die möglichen Nebenwirkungen: Die Liste mit Vorwürfen gegen die Beipackzettel von Arzneimitteln ist lang. Die Lektüre lohnt dennoch. Enthält die Packungsbeilage doch viele wichtige Hinweise, um die Medikamenteneinnahme sicherer zu machen. Das bedeutet aber nicht, sich Wort für Wort durch lange, dicht bedruckte Seiten zu quälen – wenn man weiß, in welchem Abschnitt sich welche Informationen finden. Denn das ist bei jedem Beipackzettel gleich, egal ob es sich etwa um einen Hustensaft, ein Schmerzmittel oder ein Medikament gegen hohen Blutdruck handelt. Unser Ratgebertext hilft beim Orientieren in der Bleiwüste.
Aus Heft 01/2021, frei lesbar: Was der Beipackzettel verrät (Opens in a new window)
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Viele Grüße, Silke Jäger