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“Ein Stift ist mächtiger als ein Schwert”

Von Hasnain Kazim - Zwei Kriege / Metropoltheater / Böhnchen-Krise / Billige Stifte

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir leben in dunklen Zeiten. Gleich zwei Kriege haben diese Woche begonnen. Pakistan hat Afghanistan angegriffen, der pakistanische Verteidigungsminister hat offiziell von Krieg gesprochen. Und die USA haben, gemeinsam mit Israel, Iran bombardiert.

Zum Krieg in Pakistan und Afghanistan habe ich mich in der “Zeit” geäußert. (Opens in a new window) In den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten hat es eine Menge Terroranschläge in Pakistan gegeben, koordiniert von den Taliban in Afghanistan. Die pakistanische Regierung wehrt sich dagegen - und greift Talibanstellungen nicht nur entlang der knapp 2500 Kilometer langen Grenze, der Durand-Line, an, sondern auch deren Quartiere in Kabul und Kandahar, tief im Inneren Afghanistans.

Pakistan und Afghanistan sind zwei sehr ungleiche Gegner, was die Stärke und die militärischen Fähigkeiten angeht. Allerdings sind die Taliban extrem beweglich, sie kennen sich gerade im unwirtlichen Grenzgebiet sehr gut aus und sind zäh. Sie haben die Truppen der Sowjetunion zurückgedrängt, die westlichen Alternativen aus dem Land getrieben und werden auch in ihrem Kampf gegen den Staat Pakistan Stärke zeigen. Ich kann nur hoffen, dass es den Pakistanern gelingt, den Terror einzudämmen. Nach meinen Informationen dauerten die Kämpfe in der Nacht zu Sonntag an.

Was Iran angeht, höre, lese und sehe ich sehr unterschiedliche Einschätzungen. Die USA haben den gegen das Mullah-Regime protestierenden Menschen in Iran versprochen, ihnen zu helfen. Diese Hilfe hat am Samstagmorgen begonnen. Nach bald fünf Jahrzehnten Mullah-Regime ist diese Herrschaft hoffentlich bald zu Ende.

Manche sagen, noch nie sei ein gewaltsamer Regimechange erfolgreich gewesen. Nun ja, “noch nie” würde ich nicht behaupten, gerade als Deutscher nicht, aber es stimmt schon: In vielen, ich würde sagen: in den meisten Fällen in zurückliegender Zeit hat ein militärisch herbeigeführter Machtwechsel zu nichts Gutem geführt. Im Fall Iran würde ich aber sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass danach etwas Besseres kommt, ist sehr, sehr, sehr hoch.

Ich hoffe nur, dass es sich jetzt nicht um einen kosmetischen Angriff handelt und am Ende diese Religion missbrauchenden Fanatiker an der Macht bleiben. Sondern dass die US-Truppen, gemeinsam mit den israelischen, ihr Werk vollenden. Ich habe noch nie den Tod eines Menschen gefeiert. Aber sollten sie Khamenei erwischen, werde ich eine Flasche Champagner öffnen. Am Samstagabend war zu vernehmen, dass das wahrscheinlich der Fall ist. Der Champagner steht schon mal kalt.

Angeblich seien schon bei den ersten Luftangriffen mehrere führende Personen des iranischen Regimes getötet worden, heißt es. Mal schauen, ob und wann das offiziell bestätigt wird.

Gerade lese ich von manchen Kommentatoren in Deutschland (Linkspartei, islamistische Gruppierungen etc.), das Vorgehen der USA und Israels in Iran sei “Mord” und ein “Verbrechen”. Das ist grotesker Quatsch.

Manche argumentieren mit dem Völkerrecht und bezeichnen den Angriff als "völkerrechtswidrig". Nun, das Völkerrecht ist nicht in Stein gemeißelt, aber ja, natürlich kann man da Bedenken äußern. Aber wenn so ein extremistisches religiös-fanatisches Regime seit bald einem halben Jahrhundert herrscht, Tausende Menschenleben auf dem Gewissen hat und es endlich die Chance gibt, diesem Regime kräftig in den Hintern zu treten und von der Macht wegzubefördern, und dann kommen da Leute und sagen: "Aber das Völkerrecht! Lasst und die Regeln einhalten und zur Not in Kauf nehmen, dass diese Typen weitere fünf Jahrzehnte an der Macht bleiben!", dann, ganz ehrlich, ist dieses Völkerrecht nichts wert. Dann muss man es ändern.

“Mittwinter”

Vergangene Woche war ich im Metropoltheater München zur Premiere des Theaterstücks “Mittwinter”. Es ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg beziehungsweise mit den Folgen von Krieg. Und keine Frage: Es ist schwere Kost, kein leichtes Stück. Mich hat es derart mitgenommen, dass mir danach nicht allzu sehr zum Reden zumute war.

In der Beschreibung heißt es: “Winter in einem unbenannten, kargen Ort am Ende eines langen Krieges. Es gibt keinerlei gesellschaftlichen Halt mehr, Nahrung und Ressourcen sind knapp, doch Maud hat einen Pferdekadaver gefunden, den sie hinter sich herzieht. Als sie auf einen alten Mann und dessen hungrigen Enkel trifft, zwingt sie ihnen einen Tausch auf: Das Pferd gegen den Jungen. Der Junge soll die Lücke füllen, die der Tod ihres eigenen Kinds hinterlassen hat - ein Verlust, den Maud verschweigt.”

Und so nimmt die Geschichte, die zwischen zwei großen Kriegen spielt, ihren Lauf. Krieg ist - leider - das Thema unserer Zeit. Entsprechend ist es Stoff für künstlerische Auseinandersetzung. Ich empfehle Ihnen einen Besuch dieses Theaterstücks der britischen Autorin Zinnie Harris (Opens in a new window), das Regisseur Jochen Schölch in München auf die Bühne gebracht hat:

https://www.metropoltheater.com/spielplan/stueck-details/mittwinter-831/ (Opens in a new window)

Frau Dr. Bohne am Hintern

Ich würde mich täuschen, meinte ich, ich könnte mich von Streit und Gewalt ablenken, wendete ich mich nur meinem Hündchen Frau Dr. Bohne zu. Von wegen.

Kürzlich haben wir Urlaub gemacht, Frau Dr. Bohne war natürlich auch dabei. Sie liebt es, mit der gesamten Familie, sprich: Rudel zu verreisen, dann ist viel Zeit für sie, wir unternehmen viel, und die Zugfahrten findet sie eh unglaublich spannend. Böhnchen liebt die Bahn!

Frau Dr. Bohne, die wir ja aus dem Tierheim haben und die etwa ein Jahr alt war, als sie zu uns kam, muss irgendwelche schlechten Erfahrungen mit anderen Hunden gemacht haben. Jedenfalls kann sie andere Hunde nicht ausstehen und reagiert ihnen gegenüber äußerst abweisend bis aggressiv. Dieser furchtbar niedliche Hund kann dann innerhalb einer Sekunde zur Furie mutieren. Peinlich ist das manchmal.

Im Urlaub nervte sie auf einem Marktplatz ein anderer Hund. Wir gingen weiter und entfernten uns einfach. Doch ein paar Minuten später war dieser andere Hund wieder da und erschreckte Frau Dr. Bohne. Er wollte, glaube ich, nur spielen. Unser Hund entwickelte daraufhin unfassbare Kräfte, entwand sich aus dem Geschirr und befreite sich von dem Maulkorb (den man in Österreich “Beißkorb” nennt). Und dann rannte Böhnchen diesem anderen Hund, etwas kleiner als sie und bis eben noch supermutig laut kläffend, hinterher. Sie jagte ihn geradezu über den Marktplatz.

Helle Aufregung, lautes Gebelle. Einige Passanten aufgeregt, “Mein Gott!” Wir auch ein wenig in Panik. Der andere Hund nun plötzlich winselnd und ängstlich, rennt immer noch über den Platz, Böhnchen dem Hund weiter hinterher, dahinter das Besitzerpaar des anderen Hundes, dahinter wir. Irgendwann erwischt das andere Herrchen seinen Hund und hebt ihn, vor Böhnchen rettend, in die Höhe. Und, ich werde dieses Bild nie vergessen, am Hintern des fremden Hundes hängend, daran festgebissen: Böhnchen, nun ebenfalls in die Höhe steigend. Zum Glück lässt sie nach ein paar Sekunden von dem Hund ab und fliegt ein paar Meter durch die Luft.

Ich denke noch: Um Himmels willen, hoffentlich ist der andere Hund nicht verletzt. Ich sehe ihn schon mit blutender Wunde am Hintern. Aber zum Glück: nichts. Er winselt ein bisschen und kuschelt sich an sein Herrchen, Frau Dr. Bohne ängstlich beobachtend. Die wiederum habe ich nun im Arm und schimpfe mit ihr.

An Stelle des Paares, dem der andere Hund gehört, wäre ich ziemlich sauer auf uns und auf Böhnchen gewesen. Aber sie waren sehr freundlich und zurückhaltend. “Ja, warum ist Ihr Hund denn so?”, fragten sie noch. Meine Frau erklärte ihnen, dass wir unseren Hund aus dem Tierheim haben und sie von vornherein ein Problem mit anderen Hunden hat. Ich bin derweil immer noch damit beschäftigt, Böhnchen zu beruhigen und ihr deutlich zu machen, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung war.

Es ist also nichts passiert, aber wir hatten einen ziemlichen Schrecken. Seit Jahren üben wir mit Böhnchen Hundebegegnungen, es ist auch schon viel besser geworden, aber dann: ein derartiger Rückfall. Also auch an dieser Front: Krise.

Billige, mächtige Stifte

“Ein Stift ist mächtiger als ein Schwert”, diesen berühmten Spruch sagt Kardinal Richelieu in dem Theaterstück “Richelieu; or the Conspiracy”: “The pen is mightier than the sword.” Geschrieben hat das Stück 1893 der englische Schriftsteller und Dramatiker Edward Bulwer-Lytton, und dem Ausspruch liegt die Idee zugrunde, dass Worte, Ideen, das Schreiben mehr bewirken können als physische Gewalt.

Als Schreibwarenenthusiast interessiere ich mich schon seit Jahren dafür, womit die Mächtigen schreiben, welchen Stift Diktatoren schwingen, zu welchen Kugelschreibern Präsidenten greifen, mit welchen Füllfederhaltern Königinnen unterzeichnen. Das wäre Stoff für einen langen Text.

Heute nur kurz: Ich habe diese Woche zwei relativ preiswerte Stifte ausprobiert, die Politikerinnen und Politiker in den USA nutzen. Der meistgenutzte Alltagsstift von US-amerikanischen Politikern - ich habe ihn in den Händen von Barack Obama (der normalerweise mit Füllhaltern von Cross schreibt und unterzeichnet), Kamala Harris, Hillary und Bill Clinton, Nancy Pelosi und, als einzigem republikanischen Politiker, George W. Bush gesehen - ist der Pilot G2. Das ist ein Gelschreiber des größten japanischen Stifteherstellers Pilot, Hauptsitz: Tokio. Ich selbst nutze ihn auch seit Jahren, er sieht nicht gerade edel aus, ist aber nachfüllbar und gibt ein weiches Schreibgefühl, mit satter, deckender Farbe. Und man bekommt den in Japan hergestellten Stift überall auf der Welt.

Donald Trump ist bekannt dafür, dass er besonders gerne einen Sharpie nutzt. Bis diese Woche hatte ich noch nie einen in der Hand, habe mir nun aber eine Packung - Made in USA - besorgt, um mal zu schauen, was das für ein Stift ist. Es ist der US-Konkurrent von Edding: ein Marker mit wasserfester Farbe. Riecht auch genauso. Mag ich. Aber nicht unbedingt zum Vielschreiben. Zum Unterzeichnen, für Autogramme vielleicht okay.

Trump nutzt das zum Unterschreiben seiner Dekrete und von Dokumenten. Passt irgendwie zu ihm: dick auftragen, breit und bullig, alles andere als elegant, dafür unübersehbar, getrieben vom Willen, von Dauer zu sein. Der Hersteller hat eigens für Trump eine edlere Variante des Stiftes hergestellt, in Gold natürlich, Trump liebt ja Gold. Ich habe die Standardvariante aus Plastik, ein grauer, unauffälliger Stift, praktisch mit Clip, preiswert. Werde ihn vielleicht zum Signieren nutzen. Nur weil Trump den verwendet, muss er ja nicht schlecht sein. Wer auch gerne einen Sharpie genutzt hat: der 2018 verstorbene Senator und Präsidentschaftskandidat der Republikaner im Jahr 2008, John McCain. Während der Pilot G2 also eher ein Demokratenstift zu sein scheint, ist der Sharpie mehr ein Republikanerding.

Frau Dr. Bohne, die gerade völlig entspannt neben mir liegt und alle paar Minuten zufrieden seufzt, als wäre sie der friedlichste Hund der Welt, und ich wünschen Ihnen trotz der Weltlage einen schönen Sonntag und eine hoffentlich entspannte erste März-Woche!

Herzliche Grüße aus Wien,

Ihr Hasnain Kazim

P. S.: Immer mehr Menschen lesen die “Erbaulichen Unterredungen”, was mich freut. Ein paar unterstützen das Schreiben dieser sonntäglichen Publikation durch eine Mitgliedschaft, und es freut mich, wenn Sie das auch tun mögen. Das geht hier:

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