Ein Entspannungsbad mit Duft (oft auch Aromabad genannt) ist ein besonderes Pflegeangebot in stationären Altenpflegeeinrichtungen, das die beruhigende Wirkung eines warmen Bades mit der kraftvollen Wirkung ätherischer Düfte kombiniert. Dabei wird dem Badewasser nach gründlicher Vorbereitung nur eine geringe Menge ausgewählter ätherischer Öle zugegeben (z.B. 3–5 Tropfen auf ein Vollbad), meist vermischt mit einem Emulgator wie Sahne, Honig oder Salz, damit sich die Öle gleichmäßig verteilen. Schon das warme Wasser wirkt entspannend: Es umhüllt den Körper wie ein „energetischer Mantel“, fördert die Hautdurchblutung, löst Verspannungen und bewirkt insgesamt ein befreites, erfrischtes Gefühl von Körper und Geist. Ergänzend wird durch den gezielten Duftreiz der Geruchssinn angesprochen (als Teil der olfaktorischen Stimulation). So können etwa beruhigende Düfte wie Lavendel oder Rose und aktivierende Zitrusdüfte eingesetzt werden, je nachdem, ob Entspannung oder Aktivierung im Vordergrund steht. Insgesamt zielt ein solches Angebot darauf ab, das allgemeine Wohlbefinden zu steigern – sowohl körperlich (etwa durch Schmerzlinderung, Hautpflege und Kreislaufanregung) als auch psychisch (etwa durch Stressabbau, Angstreduktion und eine positive Atmosphäre).
Zielsetzung und Wirkprinzip
Ein Entspannungsbad mit Duft verfolgt mehrere Ziele: vor allem die Entspannung der Bewohner, Stressreduktion und die Förderung eines guten Schlafs. Studien belegen, dass Aromatherapie in der Altenpflege zu einer deutlichen Verbesserung des Schlafverhaltens beitragen kann – so berichteten über 78 % der Teilnehmer nach regelmäßigen Aromaanwendungen von einer höheren Schlafqualität. Auch Schmerzen und allgemeines Unwohlsein können gelindert werden: Etwa wirken Lavendel, Kamille oder Bergamotte beruhigend, wohingegen Rosmarin und Pfefferminz stimulierend auf Geist und Körper einwirken. Zudem kann das Bad die Haut reinigen und pflegen: Warmes Wasser öffnet die Poren, löst Hautschüppchen und macht die Haut geschmeidig.
Nicht zuletzt dient das Entspannungsbad als Form der sinneaktiven Stimulation (auch im Sinne der Basalen Stimulation). Durch die Kombination von Wärme, Hautberührung, angenehmen Düften und ruhiger Atmosphäre werden verschiedene Sinneskanäle angesprochen. Der Geruchssinn ist dabei ein besonders mächtiges Instrument: Duftmoleküle gelangen über die Nase ins limbische System, wo sie Gefühle und Erinnerungen auslösen können. So kann etwa ein für den Bewohner vertrauter Duft nostalgische Erinnerungen wecken und Biografiearbeit unterstützen. Ein bekanntes Beispiel ist Marcel Prousts Schilderung, wie der Duft von Limonade und Gebäck Erinnerungen an die Kindheit zurückbrachte. Auch in der Pflegeliteratur spricht man von der semantischen Wirkung eines Duftes: Zitronen- oder Lavendelduft wecken bei reiselustigen Bewohnern schöne Urlaubsbilder, Fichtenduft erinnert an Waldspaziergänge und Zimtduft weckt oft behagliche Weihnachtserinnerungen.
Die Wirkung eines Aromabades ist damit vielschichtig: Körperliche Entspannung, Atemregulierung, Muskelentspannung und Hautpflege gehen Hand in Hand mit psychischer Beruhigung, Stressabbau und einer positiven Beeinflussung von Stimmung und Emotionen. Durch die milde, körpernahe Natur der Behandlung entstehen kaum Nebenwirkungen – im Idealfall entstehen so „stabile“ Veränderungen des Befindens, die längere Zeit anhalten können. Wichtig ist allerdings, dass der Duft angenehm empfunden wird: Wie eine Anleitung der Aromapflege betont, gilt die hedonische Wirkung – wer einen Geruch als schön empfindet, fühlt sich dadurch wohl. Daher soll genau beobachtet werden, wie Bewohner auf verschiedene Düfte reagieren.
Vorteile und Herausforderungen
Vorteile: Entspannungsbäder mit Duft sind in der Praxis beliebt, weil sie einen einfachen, kostengünstigen Weg bieten, das Wohlbefinden älterer Menschen zu fördern. Ätherische Öle sind in der Regel preiswert und lassen sich leicht in den Pflegealltag integrieren. Die Anwendungen stärken auch das Gemeinschaftsgefühl: Gemeinsame Bad- oder Aromaprogramme mit Belegschaft und Angehörigen schaffen Nähe und Freude im Alltag. Viele Betreuende berichten, dass nicht nur die Bewohner Ruhe finden, sondern auch das Pflegepersonal und die Angehörigen weniger gestresst sind, wenn alle gemeinsam an einem solchen Ritual teilnehmen. Zudem gelten aromatherapeutische Verfahren als relativ risikoarm, da sie – im Unterschied zu Medikamenten – keine systemischen Nebenwirkungen hervorrufen. Bei korrekter Anwendung können Düfte gezielt zur Linderung von Beschwerden (z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit) und zur Stärkung der Selbstheilungskräfte beitragen.
Herausforderungen: Trotz aller Vorteile erfordern aromatische Entspannungsbäder einige Vorbereitungen und Vorsichtsmaßnahmen. Sie binden Personal und Zeit: Für die Durchführung (inkl. Vorbereitung und Nachbereitung) ist oft eine Stunde oder länger einzuplanen. Mitarbeiter müssen in der richtigen Dosierung und Anwendung geschult sein. Vor allem bei eingeschränkten Bewohnern wird teilweise ein hoher Assistenzaufwand nötig (z.B. Hebegerät, 2-Personen-Hilfe beim Einsteigen). Ferner können Duftstoffe unerwünschte Reaktionen auslösen: Viele Duftstoffe sind bekannte Kontaktallergene und können Haut- oder Schleimhautreizungen verursachen. Daher sind Allergie-Tests (Riechprobe) und Rücksprache mit Ärzten unerlässlich. Auch müssen bestimmte gesundheitliche Risiken bedacht werden: Bei Menschen mit hohem Blutdruck sollten beispielsweise stark anregende Öle wie Rosmarin im Bad vermieden werden, da sich ihre Wirkung durch Wärme steigert. Zudem besteht im Bad generell ein Sturz- und Unfallrisiko. Deshalb sind rutschhemmende Maßnahmen (Matten, Haltegriffe) und Hilfsmittel (Badelift, Klappsitz) vorzusehen, um das Ein- und Aussteigen sicherer zu machen. Schließlich ist die Wirkung von Düften subjektiv: Ein Geruch, den manche Bewohner als wohltuend empfinden, kann bei anderen Unbehagen auslösen. Deshalb gilt es, gut aufzupassen, welche Düfte gewählt werden – unangenehme Reaktionen des Bewohners sind ein klares Zeichen, den Duft zu wechseln. Zusammenfassend überwiegen die positiven Effekte meist, aber ein Aroma-Entspannungsbad erfordert eine gewissenhafte Planung und Beobachtung.
Planung und Vorbereitung
Für ein gelungenes Duftbad empfiehlt sich eine sorgfältige Vorbereitung. Zunächst sollte der Zeitpunkt gewählt werden: Üblicherweise plant man solche Anwendungen in ruhigeren Phasen (zum Beispiel am Nachmittag oder abends, wenn der Biorhythmus der Bewohner eine Entspannung zulässt). Mit dem Bewohner wird abgesprochen, ob ein solches Angebot gewünscht ist und welche Düfte ihm vielleicht vertraut sind. Dabei kann biografisches Wissen einfließen: Lieblingsblumen, Teearten oder Weihnachtsgebäck etwa können Anhaltspunkte für passende Düfte sein. Weiterhin ist Rücksprache mit dem Arzt oder der Leitung wichtig, um etwaige Kontraindikationen abzuklären (z.B. empfindliche Haut, Epilepsie oder Asthma, die bestimmte Öle ausschließen könnten).
Der Raum und die Ausstattung müssen besonders einladend sein. Das Badezimmer sollte großzügig geheizt sein (idealerweise Raumtemperatur um 24–26 °C) und schwach beleuchtet werden, damit keine grellen Neonlampen stören. Eine leise, entspannende Hintergrundmusik kann die Atmosphäre unterstützen. Vor dem Baden sorgt ein Fußbodenbelag (Frottierunterlage oder Gummimatte) für Rutschsicherheit. Hilfsmittel wie ein Badelift, Klappsitz oder Haltegriffe am Wannenrand sollten bereits installiert sein, um einen gefahrlosen Ein- und Ausstieg zu ermöglichen. Zur Sicherheit wird auch überlegt, ob ein Wartebereich im Badezimmer notwendig ist (z.B. ein Stuhl neben dem Becken für die Pflegenden).
Ebenso wichtig ist die Materialvorbereitung: Alle benötigten Utensilien werden griffbereit gelegt. Dazu zählen ein Handtuch, Bademantel und Hausschuhe für den Bewohner, Reinigungsutensilien und frische Handtücher für die Pflegenden, Kamm/Bürste, Hautpflegemittel und insbesondere der Badezusatz. Bei dem Badezusatz werden das ätherische Öl (typischerweise nur 3–5 Tropfen pro Bad) und ein Emulgator bereitgestellt. Klassisch werden beispielsweise je 3 Tropfen Lavendel-, Orangen-, Geranium- und Bergamotteöl genommen und mit einem Esslöffel Honig verrührt, bevor die Mischung ins Wasser gegeben wird. Alternativ kann man auch Sahne, Milch oder Meersalz als Emulgator nutzen. Vor Zugabe der Öle sollte eine kleine Riechprobe beim Bewohner gemacht werden, um eine Allergie auszuschließen. Zudem wird die gewünschte Wassertemperatur (ca. 37–38 °C, je nach Empfinden des Bewohners) eingestellt. Ein Thermometer kann hier helfen, eine konstante Temperatur zu gewährleisten.
Schließlich wird der Bewohner abgeholt oder zur Toilette begleitet, da der Toilettengang vor dem Baden Sicherheit schafft. Wichtig ist auch, dem mobileren Bewohner zu erklären, dass er die Badezimmertür nicht abschließen darf und eine Klingelschnur oder Ruftaste griffbereit sein muss. Ein Hinweisschild „Bad in Gebrauch“ verhindert Störungen von außen. Sobald alles vorbereitet ist, begleitet die Betreuungskraft den Bewohner ins Bad bzw. zur Wanne. Die Pflegenden kleiden den Bewohner aus, achten darauf, dass er eventuell nur bis zur Hüfte entkleidet ist (den Oberkörper kann ein Handtuch bedecken), und helfen ihm gegebenenfalls in den Bademantel.
Durchführung
Hat der Bewohner die Möglichkeit, selbstständig ins Becken zu steigen, kann er dies unter Assistenz tun. Oft wird er von zwei Mitarbeitern unterstützt oder mittels eines Badeliftes vorsichtig in die Wanne gehoben. Die Wassertiefe sollte so gewählt sein, dass der Bewohner bequem bis zur Brust im Wasser liegen kann. Bevor er sich hineinlegt, stellt man sicher, dass das Wasser die richtige Temperatur (ca. 37 °C) hat. Nun werden die vorbereiteten Öl-Mischung und der Emulgator langsam ins Wasser gegeben und mit einem Löffel verrührt, damit sie sich gleichmäßig verteilen. Die Pflegenden begleiten den Bewohner dabei ruhig – sie können ihm die Hand halten oder beruhigend mit ihm sprechen, um Vertrauen aufzubauen.
Ist der Bewohner im Wasser, kann er sich 10–15 Minuten treiben lassen. Während dieser Zeit bleibt die Betreuungskraft am Wannenrand oder auf einem Stuhl in der Nähe des Kopfendes sitzen, um diskret über das Befinden zu wachen. So kann sie sofort eingreifen, falls es dem Bewohner zu heiß wird oder er sich unwohl fühlt. Es bietet sich an, in dieser Phase eine wohltuende Hand- oder Schulter-Massage mit etwas Lavendelöl durchzuführen. Die Aromapflegerin Tatjana Wolf berichtet beispielsweise, dass schon ein einziger Tropfen Lavendelöl auf den Nacken aufgetragen Wunder wirken kann – der Bewohner atmet ruhiger, entspannt sichtbar und die Muskulatur lockert sich.
Auf Wunsch kann außerdem eine beruhigende Musik im Hintergrund gespielt werden oder beruhigende Worte durch die Pflegenden gesprochen werden. Manche Bewohner genießen es auch, wenn Duftlamellen (Aromazäpfchen) im Raum brennen oder ein Zimmer-Zerstäuber („Duftanker“) im Bad verwendet wird. Wichtig ist, dass nicht zu viele verschiedene Reize gleichzeitig gesetzt werden, um den Bewohner nicht zu überfordern. Die Pflegekraft bleibt also während des Bades aufmerksam, beobachtet Mimik und Atmung, prüft die Haut (z.B. auf erste Rötungen) und sorgt dafür, dass dem Bewohner nicht kalt wird.
Am Ende des Bades hilft das Personal dem Bewohner beim Aussteigen aus der Wanne, wobei dieselben Hilfsmittel wie beim Einstieg verwendet werden. Zuvor lässt man das Wasser ablaufen und duscht den Bewohner gegebenenfalls warm ab (z.B. um Schaumreste zu entfernen). Anschließend werden die Ausscheidungen gereinigt und der Bewohner abgetrocknet. Ein warmer Bademantel wird umgelegt, ein Handtuch kann über den Kopf gelegt werden, und vorsichtig wird Mandelöl oder eine milde Lotion (zum Beispiel Mandelöl mit je 2 Tropfen Orangen- und Bergamotteöl) auf die feuchte Haut einmassiert. Oft sind die Handflächen und Fußsohlen nach dem Bad besonders empfänglich für sanfte Berührungen; deshalb empfiehlt es sich, sie am Schluss noch einzureiben. Danach zieht man den Bewohner in bequeme, warme Kleidung. Zum Abschluss sollte er etwa 20–30 Minuten warm und ruhig ruhen – idealerweise auf dem Bett oder in einem Ruhesessel, gut zudeckt.
Nachbereitung
Nach dem Bad wachen die Mitarbeiter über die anschließende Ruhezeit und sorgen dafür, dass der Bewohner nicht friert. Der Raum wird gelüftet und gereinigt (Handtücher gewechselt, Wanne gesäubert). Auch der Kreislauf sollte dabei noch einmal kontrolliert werden: Puls und Blutdruck können kurz nach dem Bad niedriger sein. Dokumentieren Sie den Verlauf (Düfte, Reaktionen, Aufenthaltsdauer) in der Pflegedokumentation. Da Entspannungsbäder auch die Wachheit mindern können, ist es sinnvoll, den Bewohner danach für etwa 30 Minuten nicht allein zu lassen und ggf. ein Glas Wasser anzubieten. Nutzen Sie außerdem die Gelegenheit, dem Bewohner Fragen zu seinem Empfinden zu stellen – sein Feedback hilft, das nächste Mal Düfte und Ablauf besser abzustimmen.
Besondere Zielgruppen
Die Durchführung kann je nach Mobilität und kognitivem Zustand der Bewohner variiert werden: Mobilität: Teilnehmende Bewohner, die noch selbstständig oder mit wenig Hilfe in die Wanne steigen können, genießen das komplette Badeerlebnis meist besonders. Für sie kann das Aromabad auch als gemeinschaftliche Aktivität organisiert werden (etwa ein „Badesonntag“ für mehrere Bewohner). Für stark gehbehinderte Mobilitätsteilnehmer eignen sich Fuß- oder Sitzbäder, bei denen nur die Beine im Wasser sind – so können auch mehrere Personen gleichzeitig teilnehmen. Demenz: Bewohner mit Demenzerkrankung reagieren oft besonders stark auf Düfte, können sich aber nur noch auf wenige Dinge konzentrieren. Daher ist hier besondere Einfühlsamkeit gefragt: Wählen Sie bekannte, einfache Düfte (z.B. Lavendel, Rose oder einen milden Zitrusduft), die in der Biografie verankert sein können. Setzen Sie möglichst auf „Duftanker“ – ein Duft, der bereits mit angenehmen Zeiten verbunden ist und Geborgenheit vermittelt. Führen Sie das Bad in vertrauter Umgebung und mit klaren Anweisungen durch, damit der Bewohner nicht verunsichert wird. Bitten Sie Angehörige um Hinweise, welche Düfte der Bewohner früher mochte (z.B. Waschmittel, Parfüm oder typische Speisendüfte). Manche Demenzkranke lassen sich nur sehr auf das Bad ein, wenn sie z.B. an Handmassagen oder Gesichtsstreichungen glauben – hier hilft die einfühlsame Aromapflegerin, Vertrauen aufzubauen.
Bettlägerige Personen: Auch Bewohner, die bettlägerig sind, können vom Duftbad profitieren, wenn auch in abgeänderter Form. Weil sie nicht in eine Wanne steigen können, werden Teilbäder oder Fußbäder am Bett durchgeführt. Ein Wärme-Kissen (Kirschkernkissen) kann unter den warmen Füßen platziert werden, während ein Fußbadbecken auf einem stabilen Tisch oder Bettgalgen gehalten wird. Die abgemessenen Tropfen Öl werden hier ebenso in einem Emulgator angerührt und dem Badewasser hinzugefügt. Danach wird der Bewohner behutsam in die Bassin-Leggung (zum Fußbad) geführt und angeleitet, die Füße einige Minuten unterzutauchen. Oft reicht auch ein duftendes Fußbad oder eine Fußmassage mit Lavendel- oder Orangenöl zur Entspannung. Die Aromapflegerin Tatjana Wolf berichtet, dass sie auch bei stark Pflegebedürftigen nur ein paar Tropfen Lavendelöl auf die Fußsohlen massiert und nach kurzer Zeit eine deutliche Beruhigung sehen kann. Wichtig ist in jedem Fall, den Bewohner für das Bad aus dem Bett in eine halbhohe Position zu bringen (sofern medizinisch möglich) und die Haut anschließend gut zu trocknen.
Wellness- und Therapievarianten
Ein Aromabad kann als Wellness-Angebot lockerer organisiert sein, z.B. im Rahmen von Gartenfesten, Wellness-Tagen oder Feierlichkeiten im Heim. In diesem Fall steht das Wohlfühlerlebnis im Vordergrund: die Atmosphäre wird stärker auf Gemütlichkeit ausgerichtet (Kerzenlicht, entspannende Musik), und die Auswahl der Düfte folgt den Wünschen der Bewohner. Wellnessbäder dienen primär der Prävention und Alltagsverbesserung.
Anders ist es bei therapeutisch orientierten Anwendungen: Hier wird das Duftbad gezielt eingesetzt, um bestimmte Symptome oder Krankheitsbilder zu behandeln – etwa bei Schmerzen, Muskelverspannungen, Schlafstörungen oder in der Palliativpflege. Große Pflegeeinrichtungen und Kliniken integrieren Aromatherapie interdisziplinär: So arbeiten dort Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten zusammen, um etwa einen schmerz- oder angstlindernden Badezusatz einzusetzen. Nach ähnlichen Grundsätzen kann das Duftbad in die Basale Stimulation eingebettet werden, indem es gezielt die Sinne aktiviert. In jedem Fall sollte die Anwendung dokumentiert und – falls verfügbar – durch geschultes Personal oder eine Aromatherapeutin angeleitet werden.
In der Pflege hat sich zudem bewährt, Aromapflege mit anderen Aktivierungsangeboten zu kombinieren: Vor oder nach dem Bad kann eine Handmassage folgen, oder man setzt bewusst auf ruhige Musik oder Lichtreize (z.B. farbiges Licht) zur ergänzenden sensorischen Stimulation. Manche Einrichtungen verzichten aus Sicherheitsgründen auf offene Flammen und verwenden stattdessen elektrische Vernebler (Aromadiffusoren) für die Raumluft. Insgesamt unterscheidet sich ein Wellnessbad von einem therapeutischen Bad vor allem durch die Zielsetzung und Sorgfalt: Im therapeutischen Angebot wird verstärkt auf Dosierung, Protokollierung und mögliche Kontraindikationen geachtet, während das Wellnessbad eher lockerer nach dem Gusto der Bewohner gestaltet wird.
Geeignete Duftstoffe
Für ein duftendes Entspannungsbad eignen sich vor allem milde, hautverträgliche ätherische Öle. Lavendelöl gilt als Klassiker für Beruhigung und Schlafförderung: Klinische Beobachtungen zeigen, dass Lavendel unter anderem die Einschlafzeit verkürzen und die Schlafdauer verlängern kann. Rosmarin- oder Pfefferminzöl wirkt dagegen anregend (z.B. bei Müdigkeit), während Zitronen-, Orangen- oder Bergamottöl die Stimmung heben und erfrischend wirken. Die Aromapflegerin des Vivantes-Geriatriezentrums nennt etwa Mandarine als Duft, der an fröhliches Kindheitserleben erinnert, und Lavendel sowie Rosenöl als beruhigend. Auch Kamille (römisch) wird oft zur Innendrehung eingesetzt und Geranienöl (Rosengeranie) zur Harmonisierung. Basilikumöl ist für seine nervenstärkende Wirkung bekannt und wird – kombiniert mit Orange – bei Angstzuständen empfohlen. Bei Appetitlosigkeit oder bei abwehrschwacher Stimmung haben sich zudem Mischungen mit Zimtöl bewährt (Zimtduft wirkt wärmend und weckt bei vielen Menschen Erinnerungen an Weihnachten).
Generell sollte die Auswahl der Öle stets individualisiert erfolgen. Manche Gerüche, etwa Eukalyptus, sind sehr stark und sollten nur sparsam verwendet werden, da sie die Atemwege reizen können. Bei Bluthochdruck empfiehlt man beispielsweise den Verzicht auf stark stimulierende Öle wie Rosmarin. Grundsätzlich gilt die Faustregel: Zitrusöle kann man etwas stärker dosieren (z.B. 5–12 Tropfen), während scharfe Öle (Eukalyptus, Wacholder, Zeder) nur wenige Tropfen erfordern. Vorher muss immer getestet werden, ob der Bewohner allergisch reagiert. Während der Anwendung ist darauf zu achten, dass niemand den Duft als unangenehm empfindet – eine Duftlampe oder ein diffusor kann den Geruch langsam verteilen, sodass eine Überdosierung kaum möglich ist.
Alle verwendeten ätherischen Öle sollten naturrein sein. Besondere Eignung haben Klassiker der Aromapflege wie Lavendel fein, Orangenöl oder Bergamotteöl; aber auch Rose, Melisse (Zitronenmelisse) oder Römische Kamille können je nach Bewohnerwahl eingesetzt werden. Da die Haut älterer Menschen oft empfindlicher ist, wird empfohlen, ätherische Öle sparsam zu nutzen und sie immer gut zu verteilen (z.B. mit Honig, Emulgator oder Ölträger). Zusätzliche Zusätze wie Honig, Milch oder Haferflocken können das Hautbild weiter pflegen. Wichtig ist abschließend immer: Nur Düfte einsetzen, die für den einzelnen Bewohner angenehm sind. Die Beobachtung der Reaktion ist entscheidend – ein zufriedenes Lächeln oder entspannte Gesichtszüge zeigen, dass das Entspannungsbad seinen Zweck erfüllt.
Fazit und Empfehlung
Ein wohltemperiertes Duftbad kann in der stationären Pflege einen erheblichen Beitrag zum Wohlbefinden der Bewohner leisten. Die Kombination aus warmem Wasser und gezielt eingesetzten Wohlgerüchen fördert Entspannung, lindert Stress und regt die Sinne auf positive Weise anpflege. Für die Umsetzung sind jedoch sorgfältige Planung und Schulung erforderlich. Pflegerische Fachkräfte sollten sich über Wirkung und Dosierung der Öle informieren, mögliche Kontraindikationen beachten und das Ritual einfühlsam an die Bedürfnisse jedes Bewohners anpassen. Mit der richtigen Vorbereitung (stabile Wassertemperatur, sichere Hilfsmittel, gedämpfte Atmosphäre) und angemessenen Nachsorge-Maßnahmen (Behagliches Trockenlegen, Nachruhe) lässt sich das Duftbad sicher in den Pflegealltag integrieren. Etablierte Anleitungen betonen zudem, dass das Duftbad individuell abstimmt werden muss – nur so wird es zu einem wirksamen Instrument der Pflege und Betreuung. Wird dieser sorgfältige Ansatz verfolgt, wird sich das Entspannungsbad mit Duft für viele Bewohner als wertvolles Wellness- und Therapieangebot erweisen.