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X ist eine Nazikneipe: Löscht Twitter!

Wer Anstand hat, muss X endlich verlassen

Vor etwa einem Jahr verließ ich – gemeinsam mit Max Czollek und mit vielen weiteren – die Onlineplattform X (zu besseren Zeiten: das soziale Netzwerk Twitter). Die Aktion damals hieß #eXit (Opens in a new window). Ein Jahr, seitdem wir in unserem offenen Abschiedsbrief (Opens in a new window) u.a. schrieben:

„Seit der Übernahme durch Elon Musk ist Twitter kein Ort mehr für freie und faire Meinungsäußerung und einen offenen Austausch. Schlimmer noch, Twitter ist ein Ort der Zensur, des Rassismus, Antisemitismus und des rechten Agendasettings geworden. Die Abschaffung von Moderationsmechanismen und die gezielte Verstärkung extremistischer Inhalte untergraben die Grundprinzipien einer deliberativen Plattform und machen X zu einem Werkzeug der Polarisierung, der Manipulation​​​ und der Menschenfeindlichkeit.“

Alles daran stimmt nach wie vor. Soweit ich das mitbekomme, stimmt es nicht nur nach wie vor, sondern mehr denn je. Und obwohl ich seitdem zu keinem Zeitpunkt Zweifel daran hatte, ob es die richtige Entscheidung war, Elon Musks Saftladen zu verlassen, macht es uns der weltbekannteste Ketaminkonsument dieser Tage besonders leicht, mit Genugtuung zurückzublicken auf unseren kollektiven eXitus (Opens in a new window).

X ist seit der Übernahme durch den krampfhaft unlustigsten CEO aller Zeiten (Opens in a new window) eine international radikalisierende Hassmaschine geworden; eine Hassmaschine, die Desinformationen, Verschwörungstheorienen und Menschenfeindlichkeit zu einer unappetitlichen, braunen, mit käuflichen Accounthäkchen garnierten Suppe verrührt. Unter anderem letzteres kritisierte nun die EU-Kommission (Opens in a new window):

„Die EU verhängt gegen Elon Musks Online-Plattform X wegen Transparenzmängeln eine Millionenstrafe. Die US-Firma müsse 120 Millionen Euro zahlen, unter anderem wegen einer irreführenden Authentifizierung von Nutzerkonten durch den weißen Verifizierungshaken auf blauem Grund, wie die zuständige EU-Kommission mitteilte. Menschen könnten glauben, dass hinter den Konten mit den Häkchen echte, verifizierte Nutzer stehen - doch das sei nicht zwingend der Fall. 

Die EU wirft dem Twitter-Nachfolger auch vor, Forschern Daten vorzuenthalten und geschaltete Werbung nicht transparent zu dokumentieren. Die Strafe setzt sich demnach aus drei Teilen zusammen: 45 Millionen Euro für die Verifizierungshäkchen, 40 Millionen Euro für den fehlenden Datenzugang für die Wissenschaft und 35 Millionen Euro für fehlende Transparenz bei Werbung.“

Seitdem dreht die rechte Szene auf. Wegen einer verhältnismäßig lächerlichen Geldstrafe von 120 Millionen Euro – Elon Musk besitzt ein Vermögen von geschätzten 466 Milliarden Dollar (Stand: November 2025) und verdient als Einzelperson (!) jährlich mehr Geld als alle 1.4 Millionen US-amerikanischen Grundschullehrer und Grundschullehrerinnen ZUSAMMENGENOMMEN (Opens in a new window) – wurde im X-versum ein Anti-EU-Shitstorm losgetreten, bei dem auch höchste US-Regierungsvertreter nur zu gerne mitmachen. Kein Wunder, denn rechte Digitalpropaganda und libertärer Tech-Imperialismus sind fester Bestand der „Make America Great Again“-DNS. Ebenso und nicht ganz unwichtig: Vor wenigen Tagen hat die Trump-Regierung eine Nationale Sicherheitsdoktorin (Opens in a new window) veröffentlicht, die sich liest wie ein langes Mobbingpapier gegen Europa und insgesamt gegen alle, die bei Trumps hässlichem Ultranationalismus nicht mitmachen (unnötig zu erwähnen, dass die AfD jubelt (Opens in a new window)).

So schreibt der US-Außenminister, Marco Rubio, von einer „Strafe für das amerikanische Volk“ (Opens in a new window):

US-Vizepräsident JD. Vance verbreitet, immerhin sehr X-typisch, inhaltliche Desinformation, indem er fälschlicherweise behauptet, es würde bei der EU-Strafe primär um Meinungsfreiheit und Zensur gehen:

Selbst wenn man die Doppelmoral ausklammert, dass derselbe JD Vance erst im September dazu aufrief, Charlie-Kirk-Kritiker ihrer Meinung wegen bei ihren Arbeitgebern zu verpfeifen (Opens in a new window) (und tatsächlich wurden deswegen so viele Menschen gefeuert, degradiert oder abgemahnt, dass es dazu einen eigenen Wikipedia-Artikel (Opens in a new window) gibt) – hier wird eine Drohkulisse aufgebaut, die eher an Mafiataktiken (Opens in a new window) erinnert als an internationale Diplomatie.

Auch Trump selbst hat sich mittlerweile geäußert: Europa müsse „sehr vorsichtig sein“ (Opens in a new window), mahnte der orangefarbene Pate. Interessante Erkenntnis bei der Recherche dieses Artikels: Anfang des Jahres 2025 ist ein Buch erschienen, das die tatsächlichen Mafiakontakte (Opens in a new window) einiger US-Präsidenten, inklusive Trump, unter die Lupe nimmt; es stammt von Eric Dezenhall und heißt „Wiseguys and the White House: Gangsters, Presidents, and the Deals They Made“. Trumps Äußerungen nannte der SPIEGEL (Opens in a new window) treffend eine „weitgehend unfokussierte Wutrede“. Also quasi business as usual.

Bei den Reaktionen auf die Strafe von 120 Millionen Euro darf natürlich der wohl erfolgreichste Steuervermeider der Welt nicht fehlen. Für Elon Musk sind jene, die ein Minimum an Grundregeln für das digitale Miteinander (Opens in a new window) einfordern, natürlich, was sonst, Nazis:

(Opens in a new window)

Starke Worte von jemandem, der selbst wiederholt den Hitlergruß (Opens in a new window) gemacht hat. Starke Worte von jemandem, dessen eigene KI die Existenz des Holocausts leugnete (Opens in a new window) und Hitler lobte (Opens in a new window). Starke Worte von jemandem, der von einer Kindheit im Südafrika der Apartheid profitierte (Opens in a new window) und auch nach wie vor in seiner alten Heimat Rassismus schürt (Opens in a new window). Ein Nazivergleich von einem Tech-Milliardär, der eine gesichert rechtsextreme Partei in Deutschland hofiert (Opens in a new window) und ebenso die rechtsextremen Bewegungen anderer Länder gezielt fördert (z.B. Großbritannien (Opens in a new window)). Wie immer also: Viel Ego, viel Hass, wenig Inhalt. 

Löscht X, besser spät als nie!

Der zentrale Punkt: Demokratische Stimmen, demokratische Institutionen und demokratische Parteien haben auf X nichts und wieder nichts zu gewinnen, im Gegenteil. Wer jetzt noch auf X postet, der gibt einer extremistischen Plattform Relevanz! Wer jetzt noch auf X postet, generiert Traffic für einen megalomanen Tech-Bro, der dem Feudalismus und dem Geldadel nähersteht als der liberalen Demokratie (ich empfehle diesen Essay (Opens in a new window) von Georg Diez).

Man muss es so drastisch sagen: X ist eine Nazikneipe. Wer auch nur einen Funken Anstand hat, muss X endlich verlassen!

https://bsky.app/profile/janskudlarek.bsky.social/post/3m7dv4noelc2a (Opens in a new window)

Autor Lorenz Meyer (Opens in a new window) fragt zu Recht, wie lange offizielle Stellen da noch mitmachen wollen:

„Liebe Europäische Kommission, liebes EU-Parlament: Wie lange wollt ihr noch Content für einen Kanal liefern, dessen Eigentümer euch auflösen will und der eure Reichweite drosselt? Dieser Ort ist eine Jauchegrube. Raus da! Geht lieber dahin, wo Demokratie kein Hassobjekt ist.“

Ebenso hat Amrei Bahr (Opens in a new window) recht, wenn sie schreibt:

Demokrat_innen auf X sind der Sauerstoff, der das Feuer aus Hass, Hetze, Fake News & Verschwörungsschrott auf X lodern lässt. Demokratiefeind_innen brauchen sie als Zielscheibe, um sich dran abzuarbeiten, & zur Legitimierung der Plattform. I said it before, I‘ll say it again: Los, raus da! #eXit (Opens in a new window)

Sofern sie noch auf X aktiv sind, schreibt euren Politikern und Politikerinnen! Schreibt den Parteien, die ihr wählt! Schickt E-Mails, schickt Briefe. Schreibt die Kommentarspalten voll und füllt die E-Mail-Postfächer. Schreibt ihnen sachlich, höflich, aber entschieden. Jeder muss verstehen: Wer heute noch X nutzt, macht sich zum Komplizen!

"Wenn Regierung und Behörden sich an Plattformen binden, die Hass, Desinformation und intransparente Algorithmen dulden oder fördern, stärken sie Strukturen, die demokratische Öffentlichkeit beschädigen."

Eine Petition, welche die Bundesregierung endlich runter von X holen möchte, findet ihr hier ⬇️

https://weact.campact.de/petitions/keine-macht-fur-oligarchen-bundesregierung-endlich-runter-von-x (Opens in a new window)

Die sozialen Kosten, sich heute noch auf der Radikalisierungsplattform X herumzutreiben, müssen merklich sein. Die Relevanz, die ultrafragile Ultranationalisten bei unserer digitalen Kommunikation haben, muss weniger werden. Natürlich –  auch die anderen Plattformen sind nicht perfekt und ein Mark Zuckerberg hat in etwa so viel Rückgrat wie eine Qualle (Opens in a new window). Nichtsdestoweniger ist X vor allen anderen sozialen Netzwerken eine besonders gemeinwohlschädliche, demokratiezersetzende Einöde, die täglich Gift in die Adern unserer Demokratien (Opens in a new window) pumpt. Das muss aufhören – und zwar sehr bald!  

An dieser Stelle, abschließend, noch ein paar Stimmen jener, die, wie ich, Twitter ebenfalls verlassen haben. Danke an alle, die mir ihre Meinungen, Erfahrungen und Erinnerungen geschrieben haben!

„War etwa 12 Jahre lang auf Twitter, gut 10 davon sehr gerne. Irgendwann letztes Jahr war dann Schluss. Habe die ganzen Bots, Russentrolle und MAGA-Clowns nicht mehr ertragen. Es wurde einfach immer toxischer.“ (Quelle (Opens in a new window))

„Ich war von 2012-2023 auf Twitter aktiv. Der letzte Tropfen war der Tweet gegen die Seenotrettung, den M geteilt hat. Das war Ende September '23.“ (Quelle (Opens in a new window))

„Ich war einige Jahre bei Twitter und fands toll. So viel Interessantes, Kluges, Spannendes, Schlimmes (in Echtzeit, wie den Kapitolsturm), aber auch Witziges. Dann kam Musk, eine Zeit lang hatte ich noch Hoffnung, trotz aller negativer Anzeichen. Schluss war für mich bei seiner 1. Wahlempfehlung für die AfD. Alles gelöscht, Rückkehr ausgeschlossen.“ (Quelle (Opens in a new window))

„Als der Vogel auf meinem Handy durch ein X ersetzt wurde war für mich Schluß.“ (Quelle (Opens in a new window))

„Ich war 6 Jahre auf Twitter. Hatte 17000 Follower. Der Austausch dort hat mir über eine sehr schwierige Trennung hinweggeholfen. Ich habe dort wahnsinnig wertvolle Menschen kennengelernt. 2023, nachdem aus Twitter X geworden war, und Musk sich immer mehr als Nazi outete, war Schluss.“ (Quelle (Opens in a new window))

„Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich Anfang 20 bei Twitter angefangen. In der Pandemie war das ein wirklich gutes Meinungs-/Informationsmedium. Vor einem Jahr bin ich zunächst einige Zeit zweigleisig gefahren und hab dann irgendwann um den Jahreswechsel Anfang 2024 den Schlussstrich gezogen.“ (Quelle (Opens in a new window))

„Mir hat der Austausch über den aktiven Account so sehr durch die Pandemie geholfen & über mehrere schwere Ereignisse und Phasen der Zeit, aber vor allem waren das eben die Menschen, nicht die Plattform, und auch wenn ich traurig um die bin, die dort geblieben sind, sind andere Teile meines Lebens 🥰“ (Quelle (Opens in a new window))

„Ich bin vor ca. 12 Jahren bei Twitter eingestiegen. Wollte mich eigentlich nur ein bisschen mit Fußball, Medien und Nachrichten beschäftigen. Dann kam PEGIDA. Das hat mich in ganz andere Richtung getrieben. Insgesamt sage ich, hat Twitter mich zu einem besseren Menschen gemacht. Jetzt ist es tot.“ (Quelle (Opens in a new window))

„Ich war dort 10 Jahre, hatte über 15.000 Follower und hab humoristisch über mein Leben, Politik und meinen Beruf geschrieben. Hatte viele tolle Kontakte, sogar Freunde gefunden. Aber ich unterstütze keine Faschisten. Mein Account liegt seit etwa 2 Jahren mehr oder weniger still. Hier ist es besser.“ (Quelle (Opens in a new window))

 

Viele weitere Stimmen zu persönlichen #eXits und den jeweiligen Beweggründen gibt’s hier:

https://bsky.app/profile/janskudlarek.bsky.social/post/3m7dvxerbuc2a (Opens in a new window)

Trotz allem euch eine schöne Vorweihnachtszeit & einen guten Jahresausklang,

Jan (folgt mir gern auf Bluesky (Opens in a new window), Instagram (Opens in a new window) oder Threads (Opens in a new window))

 

PS: Wer die im Wesentlichen antidemokratische Tech-Bro-Mentalität besser verstehen will, dem sei die Podcastreihe „Tech Bro Topia“ ebenso empfohlen wie der Podcast „Die Peter Thiel Story“:

https://www.deutschlandfunk.de/tech-bro-topia-f1-mit-der-roten-pille-zur-macht-100.html (Opens in a new window)https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:c7f36eed0a7fa50e/ (Opens in a new window)

 

PPS: Wer sich – oder mir – oder anderen ein Weihnachtsgeschenk machen möchte (und an einer Bücherverlosung teilnehmen), kann bei mir auf Steady vorbeischauen:

https://steady.page/de/janskudlarek/posts/d75c77e4-23c0-46bb-a4fd-e7b41f7ab4ef (Opens in a new window)

PPPS: Wie eine rechtsextreme Machtergreifung in Deutschland aussehen könnte (und was wir gegen die AfD tun können), bespreche ich mit Jurist & Autor Bijan Moini in meinem Podcast:

https://steady.page/de/janskudlarek/posts/7f66891d-d578-45ea-9b36-6c23883ac9d0 (Opens in a new window)

 

Guter Vorschlag ⬇️

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TLDR:

(Opens in a new window)

Bis hier gelesen? Yeah! Ich hoffe, der Artikel hat dir zugesagt – es wäre hilfreich, wenn du den Beitrag in den sozialen Netzwerken (Opens in a new window) teilst (oder anderen schickst). Willst du sichergehen, dass ich auch in Zukunft unabhängig publizieren kann? Dann unterstütze meine Arbeit durch ein Steady-Abo (Opens in a new window) (oder durch ein paar Euronen in die Kaffeekasse (Opens in a new window)). Nur so werde ich langfristig weitermachen können. Falls du schon ein Abo hast: Danke, du ermöglichst meine Arbeit <3

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