Soooo, hier kommt das Vogel-Update für den letzten Monat. Da war echt EINIGES los, und es hat echt ne Weile gedauert, bis ich alle Bilder gesichtet und alles zusammengeschrieben habe. Aber im März geht es eben so richtig los, und diese Entwicklung setzt sich jetzt auch im April fort. Im heutigen Update habe ich nestbauende Kleiber, knatternde Mäusebussarde und eine Menge Wasservögel für dich!

März = Frühling, and it shows! Die Blüten schlüpfen, die ersten Bienen und Hummeln taumeln durch die Luft, und hier und da wachen immer mehr Schmetterlinge auf und stärken sich das erste Mal im neuen Jahr mit Nektar.



Natürlich findet man ab März auch überall Vögel, die ihre Balzgesänge zum Besten geben, man will ja einen potenziellen Partner oder eine Partnerin beeindrucken.
Lange galt das Vogelgezwitscher im Frühling übrigens als reine Männerdomäne, doch Forscherinnen und Forscher haben in den letzten Jahrzehnten ein viel komplexeres Bild herausgearbeitet: Auch Weibchen singen, und das wohl häufiger, als lange angenommen. Eine große vergleichende Studie aus dem Jahr 2014 legte nahe, dass das gemeinsame Vorfahrenpaar der Singvögel wahrscheinlich beide Geschlechter als Sänger kannte, und dass der Gesang der Weibchen in vielen Linien einfach übersehen wurde, weil die Forschung sich historisch auf nordamerikanische und europäische Arten konzentriert hatte, bei denen Weibchen tatsächlich seltener (aber nicht gar nicht!) singen. In tropischen Regionen dagegen singen Weibchen sehr regelmäßig. Was sie dabei kommunizieren, wird noch erforscht: Revierkämpfe, Paarbindung, Koordination mit dem Partner, das alles kommt vor.

Das Schöne, wenn man anfängt, Vögel zu beobachten: Irgendwann weiß man, wer wo Ansitz macht und singt. Dieses Rotkehlchen hier sitzt immer an der Brücke am Fluss neben meinem Haus entweder auf dem Weißdorn, der Hasel oder der Esche, alles in einem Radius von 20 oder 30 Metern. Wenn ich gucken will, wie es ihm geht, gehe ich einfach da hin und voilà, da ist es!
Ich hatte ja auch erzählt, dass ich gar nicht wusste, wie viele Gimpel (Dompfaffe) hier leben. Jetzt weiß ich, wo die sich am liebsten herumtreiben und kann sie einfach besuchen gehen.


Direkt am 01. März haben Lorenz und ich (den ich mittlerweile auch mit Birding und Vogelfotografie angesteckt habe, dazu aber mehr im nächsten Update!) eine Vogelführung auf der Elbinsel Kaltehofe mitgemacht. Das machen wir jetzt gern häufiger, und es hatte sich sehr gelohnt! Insgesamt habe ich im März 20 neue Arten beobachtet, was meinen Zähler auf 54 verschoben hat.

Kaltehofe ist ein interessanter Ort: Die Insel entstand Ende des 19. Jahrhunderts, als man die Norderelbe begradigte und das Gebiet dabei vom Festland abtrennte. Ab 1893 filterte hier ein Wasserwerk fast hundert Jahre lang Elbwasser für Hamburg, bis die Anlage 1990 stillgelegt wurde. Danach blieb die Insel rund zwei Jahrzehnte sich selbst überlassen, und genau das hat sie zu dem gemacht, was sie heute ist: Tiere und Pflanzen haben das Gelände zurückerobert, die alten Filterbecken wurden zu Brut- und Rastgewässern, es ist wirklich toll und einen Ausflug wert!

Inzwischen brüten dort 44 Vogelarten, dazu kommen natürlich noch viele Zugvögel, die an den Becken Päuschen machen. Ein Teil der Insel ist Naturschutzgebiet und bleibt vollständig gesperrt, seit 2011 ist der Rest aber öffentlich zugänglich, so richtigmit Naturlehrpfad, Vogelbeobachtungsplattform und regelmäßigen Führungen, wie der, die wir mitgemacht haben.

Natürlich habe ich da viele Vögel gesehen, die ich schon getrackt hatte. Die Graugänse waren sehr damit beschäftigt, sich zu Paaren zusammenzufinden und auch zu versuchen, hier und da mal zu prüfen, ob man vielleicht die ein oder andere Gänsedame ausspannen kann, so wie hier. Der Partner der weiblichen Gans fand das nicht so gut und hat den Nebenbuhler direkt verscheucht:

Es gibt schön dichtes Schilf, in denen sich Gänse und viele andere Vögel ausruhen, in dem sie aber auch ihre Nester bauen können. Diese Gans hier war mit bloßem Auge fast nicht zu sehen:

Auch Schwäne gab es da …

… Stockenten, Meisen, und, und, und. Direkt am Anfang der Tour haben wir große Gruppen von Enten gesehen, in denen sich unterschiedliche Arten gemischt haben. Neu dabei waren für mich und meine 2026-Liste auf der Insel:
Brandgans
Reiherente
Höckerschwan (ja, habe ich echt da erst dieses Jahr protokolliert)
Schellente
Tafelente
Lachmöwe
Haubentaucher
Austernfischer
Kolkrabe
Krickente
Schnatterente
Zwergsäger
Blässhuhn
Seeadler (den hab ich ja letztes Jahr in Dänemark “freigeschaltet” und sehe ihn seitdem dauernd?!)
Zilpzalp
Brandgänse finde ich hier recht interessant, denn sie sieht aus wie eine Ente, doch sie gehört zu den sogenannten Halbgänsen, einer eigenen Unterfamilie der Entenvögel, die tatsächlich irgendwo zwischen Gans und Ente herumeiert. Halbgänse haben die Körperhaltung und Langbeinigkeit von Gänsen, aber gleichzeitig auch typische Entenmerkmale – als die da lang schwammen, dachte mein Hirn direkt: Ah, eine Ente! Ging wohl nicht nur mir so, denn früher hieß die Brandgans in der Literatur deshalb auch noch Brandente.

Ihr Gefieder ist weiß mit schwarzem Kopf, schwarzen Flügelbändern und einem rostbraunen Brustband, das ihr vermutlich auch den Namen gegeben hat. An der Elbe fühlt sie sich aus gutem Grund wohl: Brandgänse lieben Küsten, Flussmündungen und Wasserbecken mit ruhigem Wasser, und an der Elbe liegt mit dem Großen Knechtsand zwischen Weser- und Elbmündung sogar das weltweit wichtigste Mauserzentrum (ja, sowas gibt’s!) dieser Vogelart. Dorthin pilgern jeden Sommer fast alle Brandgänse der gesamten europäischen Population, weil sie während der Mauser gleichzeitig alle Schwungfedern verlieren und vorübergehend flugunfähig sind. Dann brauchen sie geschützte, nahrungsreiche Flächen, und die gibt es eben dort. Falls du zum Beispiel bei Dithmarschen wohnst, kannst du dir das Spektakel dann anschauen.
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Reiherenten sind für mich irgendwie Metal, ich finde die sehen heftig und spooky aus mit diesen kreisrunden, aus den schwarzen Federn herausleuchtenden Augen.
Die Wahrscheinlichkeit, nachts aufzuwachen und eine Reiherente mit einem Messer im Schnabel neben dem Bett stehen zu sehen sind vermutlich gering, meinem Bauchgefühl nach aber irgendwie nie ganz bei Null.






Über den Kolkraben habe ich mich besonders gefreut, denn in weiten Teilen Deutschlands war er lange komplett verschwunden: Als angeblicher “Schädling” (du weißt ja, ich hasse dieses Wort) der Jagd und Landwirtschaft wurde er über Jahrhunderte systematisch verfolgt, mit Schrot, Fallen und Gift ausgerottet, bis um 1940 bei uns in Mitteleuropa fast kein Bestand mehr aufzufinden war. Restbestände gab es nur noch in Schleswig-Holstein, dem Alpenraum und in Teilen Polens. Dass man ihn so gründlich ausrotten wollte, hatte auch mit seinem Ruf zu tun: Der Kolkrabe galt als Unglücksbote, als Begleiter von Tod und Verderben, und sein pechschwarzes Gefieder hat ihm jetzt nicht gerade bei den Vorurteilen der Leute geholfen. Diese Symbolik zieht sich durch Mythen und Sagen quer durch Europa und Nordamerika, von Odins Raben Hugin und Munin bis zum Tower of London, dessen Raben angeblich den Untergang des Königreichs ankündigen, sollten sie je wegfliegen.

Man kennt’s. Mit nachlassender Verfolgung nach dem Zweiten Weltkrieg und gezielten Wiederansiedlungsprojekten in NRW, Thüringen und dem Böhmerwald erholten sich die Bestände langsam auch bei uns. Heute hat der Kolkrabe größere Teile Deutschlands zurückerobert, mit Schwerpunkten im Nordosten, in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, aber auch in den Mittelgebirgen und den Alpen. Im Westen und Südwesten gibt es noch Lücken, die Ausbreitung läuft aber weiter, also kannst du dieses super coole Tier vielleicht auch bald wieder beobachten.
Vielleicht fragst du dich gerade: Okay, wie unterscheide ich eine Krähe von einem Raben? Nun, wir hatten ab und zu einen Raben in einem meiner Gärten als Gast, und ich hab sofort gemerkt, dass es ein Rabe ist, denn die Viecher sind GROSS. Also wirklich richtig groß, sodass man direkt merkt: okay, keine Krähe. Außerdem haben sie diese langen Federn an der Kehle, die so runterhängen, und auch der Schnabel ist massiver als bei den Krähen. Solltest du also mal eine “Krähe” sehen, die irgendwie ungewöhnlich … äh, mächtig? Überwältigend? Verdächtig groß? wirkt: Ist ein Rabe.





Dass das mit den Vogelfotos nicht so einfach ist, wie es oft scheint, habe ich ja schon öfter erwähnt. Manchmal sind die Tiere einfach zu weit weg oder kommen nicht aus dem Geäst hervor, drehen sich nicht um, fliegen sofort weg, etc. Das sieht man ja auch an einigen der Bilder oben. Manchmal schafft man so einen Shot:

Oder eben so ein scharfes Portrait:

… und dann kommt man eben nur mit sowas nach Hause, was eher als Beleg denn als irgendwie ansprechendes Foto taugt:

Das da vorn ist ein Austernfischer. Daneben saß noch ein zweiter. Problem:
Er war sehr sehr sehr weit weg
… hinter einem Hügel
… und hinter Schilf.
Der Austernfischer be like:

Cool, thanks, I guess.
Mit meiner ersten Staren-Sichtung des Jahres lief es ähnlich, der Kollege hat sich ums Verrecken nicht umgedreht und ist dann weggeflogen:

Ok danke.
Dafür hat sich dieser Kerl endlich gezeigt:

Vor einigen Jahren (ich glaube, es war im Frühjahr 2022), sprach mich ein älterer Herr beim Vogelbeobachten an und erklärte mir, dass es hier ja den Grünspecht gebe. Ich: Ach super, dann halte ich mal Ausschau!
Ich hielt also 2022 Aussschau.
Und 2023.
Und 2024.
Und 2025.
Und 2026 erbarmte er sich und tauchte quasi direkt neben mir an einem Baum auf, so als sei nix gewesen. Ich habe ihn zuerst gehört und dann gesehen, und er saß geduldig da und rief ein bisschen, während ich ihn komplett übertrieben aufgeregt circa drölftausendmal fotografierte. Das war sowieso ein wilder Morgen, denn das war der Morgen, an dem ich das Bussard-Nest fand.
Ein Mäusebussard-Pärchen brütet einfach am Fluss, wo ich wohne, und ich kann das Nest von meiner Standard-Route aus sehen, bin total ausgeflippt. Joah, und als sei das noch nicht genug, konnte ich sie beim Bau beobachten, und dann haben sie sich VOR MEINER KAMERALINSE GEPAART! Bin fast in Ohnmacht gefallen.




Mittlerweile haben wir Nachwuchs (haha, “wir”, aber es sind auch irgendwie meine Küken, oder????), doch: Ich muss mal gucken, ob ich die Jungtiere überhaupt gut ablichten kann. Aber nicht im Nest, denn ich zeige Nester nicht gerne, weil das oft Leute motiviert, loszuziehen und die “süßen Babyvögel” anzugucken und das Nest zu stören.
Deshalb eine kurze Nestetiquette, wenn wir schon beim Thema sind:
Wir halten Abstand.
Und zwar so viel Abstand, dass wir die Eltern nicht aufscheuchen, am besten beobachten wir aus mindestens 20–30 Metern mit dem Fernglas oder dem Teleobjektiv. Wenn ein Altvogel anfängt, uns zu beobachten oder unruhig wird, sind wir schon zu nah. Dann einfach rückwärts und ruhig zurückziehen.
Außerdem halten wir unser Maul ums Nest herum. Nein, wir brüllen nicht “JOCHEN, JOCHEN JETZT KOMM DOCH MAL, HIER IST EIN AMSELNEST!!! JO-CHEEEEN! KOMM!”
Wir vermeiden mehrfache Besuche, denn selbst kurze Störungen summieren sich. Jedes Mal, wenn ein Elternteil vom Nest wegfliegt, kühlen die Eier aus oder die Küken verlieren Körperwärme. Wenn ein Elternteil jedes Mal aufschreckt, wenn du “mal kurz guckst”, denkt es irgendwann, dass die Stelle nicht sicher ist und kommt nicht mehr wieder.
Wir halten Abstand.
Wir schneiden kein Geäst frei, um einen besseren Blick zu bekommen, und verändern nichts in der Umgebung des Nests.
Wir halten Abstand.
Wir erzählen nicht herum, wo man Nester finden kann.
Wir posten keine Fotos von aktiven Nestern und von Küken auf Social Media.
Wir halten übrigens Abstand.
Auf keinen Fall und unter keinen Umständen öffnen wir Nistkästen oder gehen nah ran und fotografieren mit dem Handy durch das Einflugloch. Ich hab da mal so ein Posting auf Reddit gesehen, ich melde sowas in Grund und Boden, damit durch diese absolut enthirnten Aktionen keine anderen Leute motiviert werden, das auch zu tun. Du tötest damit Babyvögel. Willst du Babyvögel töten, um 13 Likes auf Social Media zu kriegen? Nein? Dann mach das nicht.
Wir halten verdammt nochmal Abstand.
Was passiert, wenn das Nest zu oft gestört wird: Viele Arten geben das Nest auf, manchmal mitten in der Brutphase. Die Eier oder Küken sterben dann, weil niemand mehr brütet oder füttert. Außerdem lenken häufige Besuche die Eltern von der Nahrungssuche ab, was die Jungen schwächt. Und du gibst halt auch Krähen und anderen Prädatoren mit deinem dauernden Auftauchen an einer Stelle nen guten Tipp, wo man mal nach Küken suchen könnte. Gut für die Krähen, aber vermutlich nicht unbedingt das, was du im Sinn hattest, oder?
Ein Nest fotografieren ist in Deutschland übrigens auch rechtlich heikel. Vögel während der Brutzeit zu stören ist nach Bundesnaturschutzgesetz verboten, und das gilt ausdrücklich auch für Fotografierende. Das bedeutet: Viel Abstand (habe ich das eigentlich schon erwähnt?) und Teleobjektiv.
So.
Ich habe auf jeden Fall eine Menge an Nestern in meiner Umgebung gefunden, unter anderem konnte ich ein Kleiberpärchen dabei beobachten, wie sie ein Nest in einer Baumhöhle mit Rindenstückchen ausgekleidet haben:




Ich hab auch mehrere Meisennester entdeckt, Ringeltaubennester, Entennester, Schwanennester, Gänsenester, noch mehr Nester, Nester, Nester, und einen Eichhörnchenkobel. Hier siehst du Mama Eichhorn auf Nahrungssuche, sie hat einen festen Weg, den ich mittlerweile kenne:

Sehr gefreut habe ich mich dann auch noch über die Sichtung der Singdrossel:

Im April geht es genau so munter weiter, ich habe schon viele tolle neue Arten entdeckt.
Zusätzlich zu Kaltehofe waren also diese Arten im März noch neu dabei:
Hausrotschwanz
Wintergoldhähnchen (das hatte ich ja Ende Dezember in Dänemark gesehen)
Grünspecht
Singdrossel
Star
Nebelkrähe
Felsentaube
Zum Abschluss noch ein Bild von Liebmaus Lorenz im Café auf Kaltehofe. In diesem Moment weiß er noch nicht, dass er einen Monat später mit Kamera und Teleobjektiv mit mir im Wald stehen und stundenlang einen Grünspecht für seine Life-List im Geäst suchen wird:

Bis zum nächsten Vogelupdate!
Jasmin
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