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Drei Frauen haben sich porträtiert, um nicht zu verschwinden

“Ich werde euch zeigen, wozu Frauen fähig sind” (Artemisia Gentileschi)

Jede Woche betrachten wir drei Kunstwerke aus historischer und erzählerischer Perspektive. Heute stelle ich dir drei Künstler aus drei verschiedenen Ländern vor. Es sind drei Selbstporträts aus derselben Epoche. Drei Wege, die eigene Identität zu bewahren, als die Kunst noch keinen klaren Platz dafür hatte.

Auf den ersten Blick sind es drei eigenständige Werke. Wenn man sie jedoch miteinander in Verbindung bringt, zeigt sich etwas, das man nicht sieht, wenn man sie einzeln betrachtet.

Wenn du diesen Newsletter abonnierst, erhältst du Zugang zur Analyse der drei Bilder in ihrem Kontext. Dort verändert sich die Bedeutung des Ganzen.

Auf den ersten Blick scheint es, als wäre das Malen von sich selbst eine einfache Geste: eine Frau, die vor dem Spiegel steht.

Doch für viele Künstlerinnen des späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war diese Geste alles andere als selbstverständlich.

Es geht nicht nur um die Darstellung. Es geht um die Möglichkeit, das Bild überhaupt erst zu besetzen.

In drei Selbstporträts, die in sehr unterschiedlichen Kontexten entstanden sind, taucht eine Frage auf, die, wenn auch nicht in jedem Fall auf dieselbe Weise formuliert, alle drei Werke durchzieht.

Was bedeutet es, sich selbst zu betrachten, wenn nicht immer offensichtlich war, dass dieser Platz dir als Künstlerin gehörte?

Ich zeige dir drei Arten, sich mit dem eigenen Bild auseinanderzusetzen. Es geht nicht darum, Stile zu vergleichen. Es geht darum, zu beobachten, was passiert, wenn man diese Bilder zusammen betrachtet und was unsichtbar bleibt, wenn man sie einzeln betrachtet.

Natalia Gontscharowa

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Natalja Gontscharowa. Selbstporträt. 1907. 79,5 × 60,5 cm. Staatliche Tretjakow-Galerie. Moskau.

Natalia Gontscharowa (1881–1962) absolvierte ihre Ausbildung im Moskau des späten 19. Jahrhunderts und erlernte alles, was damals wichtig war: Zeichnen, Perspektive, Anatomie und Disziplin. Dies war ein solides akademisches Fundament, das zu ihrer Zeit die Definition von „Malerin sein“ prägte.

Als sie sich 1907 selbst porträtierte, bewegte sie sich noch innerhalb dieser Sprache. Es gibt Struktur, eine klassische Gesichtsgestaltung und das Streben nach Ordnung. Es gibt keinen offensichtlichen formalen Bruch.

Doch es gibt Elemente, die sich allmählich nicht mehr ganz so verhalten, wie sie sollten: Die Farbe verändert ihre Präsenz. Sie hat eine eigene Dichte. Der Pinselstrich ist nicht mehr unsichtbar. Das Ganze bewegt sich in eine noch namenlose Richtung.

Nichts von dem, was später kommen wird, existiert bewusst. Es ist ein entscheidender Moment. Unterdessen erreichen postimpressionistische und symbolistische Strömungen aus Paris Moskau und Sankt Petersburg. Es sind neue Formen, die es ermöglichen, die malerische Oberfläche anders zu verstehen.

Gontscharowa leugnet weder die Vergangenheit noch das Gelernte, passt sich ihnen aber auch nicht automatisch an. Der Akademismus ist erkennbar, aber sie ist nicht mehr vollständig darin gefangen.

Jahre später wird sie im Zentrum der russischen Avantgarde stehen und die männlich dominierte Erzählung durchbrechen. Gemeinsam mit Michail Larionow wird sie den Rayonismus begründen und Kandinsky wird sie von 1912 bis 1914 einladen, mit der Gruppe „Der blaue Reiter“ durch Deutschland und Europa zu touren.

Im Jahr 1907 existiert all das noch nicht. Aber man ahnt es bereits.

Du siehst eine Frau, die sich selbst an diesem Zwischenort malt. Sie hält einen Strauß greller Blumen vor ihren eigenen Werken. Doch das ist ein Ort, an dem die Veränderungen noch nicht endgültig geklärt sind.

Erst im gemeinsamen Betrachten werden die drei Bilder zu keinem Einzelfall mehr.

Topic Künstlerinnen / Künstler

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