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Igel im Winter: Dickes Fettpolster als Überlebensprinzip

Ein häufiger Neujahrsvorsatz: Runter mit dem Speck! Igel haben damit keine Probleme, sie nehmen im Winter zwangsläufig ab.

Herzlich willkommen zur ersten Ausgabe im neuen Jahr. Es ist Januar und wie angekündigt, starten wir gleich mit der ersten Tiere-im-Winter-Ausgabe. Den Anfang macht der Igel, Tier des Jahres 2024.

Kleiner Naseweis: Ein Igel schaut direkt in die Kamera, er sitzt auf einem Schotterweg, im Hintergrund ein Park mit grünem Buschwerk.
Bildquelle: Calle Eklund/V-wolf, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Lange Nase, Stummelbeine, Knopfaugen: Igel gehören trotz ihrer Stacheln zu den wohl beliebtesten Wildtieren. Weltweit sind derzeit 18 verschiedene Arten bekannt (Quelle 1). In Mittel- und Westeuropa (also auch bei uns) kommt der sogenannte Braunbrustigel am häufigsten vor. Er trägt den schönen, wissenschaftlichen Namen Erinaceus europaeus.

Im Winter ist Erinaceus e. allerdings selten zu sehen. Denn Igel tun in der kalten Jahreszeit, was so mancher Mensch gerne täte: Sie fallen (wie Bilche (Opens in a new window) auch) in einen tiefen Winterschlaf. Dieser beginnt meist im November, spätestens aber, sobald das Thermometer im Durchschnitt auf unter fünf Grad Celsius fällt. In dieser Zeit zehren die Stacheltiere von ihrem dicken Winterspeck und den angefutterten Fettröllchen.

Kuscheliges Winternest

Bei der Wahl ihrer Winterunterkunft sind Igel nicht sehr wählerisch. Hauptsache, das geschützte Plätzchen ist kühl und trocken. Sie überwintern unter Laubhaufen, in (Totholz-) Hecken, Komposthaufen und Erdmulden – oder sie kuscheln sich in Nester, die sie unter Holzstapeln, Baumwurzeln oder an der Hauswand bauen. Dort rollen sich die Stacheltiere zwischen Laub und Moos zu einer Kugel zusammen und pennen die nächsten Monate durch.

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Währenddessen reduzieren sie alle Lebensfunktionen drastisch, um Energie und Fettreserven zu sparen: Sie senken ihre Körpertemperatur, bis diese nur knapp über der ihrer Umgebung liegt. Sie atmen (je nach Quelle) zwei- bis viermal pro Minute, das Herz schlägt nur wenig schneller. Wenn sie aufwachen, müssen sie die gesamten Regler wieder nach oben schieben, das kostet sehr viel Energie. Am glücklichsten sind Igel also, wenn wir sie im Winter ganz ungestört schlummern lassen.

Zivilisation ist doof!

Zumindest aus der Sicht vieler Tierarten, auch von Igeln. In seiner heutigen Form gibt es den heimischen Braunbrustigel schon seit rund 15 Millionen Jahren. Die Art ist damit erdgeschichtlich sehr alt. Die Evolution konnte dem wehrhaften Insektenfresser wenig anhaben – doch die Moderne mit dicht befahrenen Straßen, dem Klimawandel und Lebensraumverlusten setzt ihm zu. Daher steht die Art seit dem Jahr 2024 auf der Vorwarnliste der Roten Liste (Quelle 2).

Igel im Winter gesehen: Was nun?

Im Winter schlummern Braunbrustigel normalerweise tief und fest. Sind sie bei Schnee und Eis unterwegs, brauchen sie vermutlich Hilfe. Mitnehmen sollte man die kleinen Kerlchen trotzdem nicht einfach, auch wenn sie einen mit großen Knopfaugen anschauen. Die Stachelkugeln gehören in Deutschland zu den besonders geschützten Tieren; so steht es im Naturschutzgesetz. Außer sie wiegen zu wenig, wirken krank oder sind verletzt.

Daher lohnt es sich bei einer Wintersichtung in jedem Fall, eine Tierarztpraxis, den Igelnotruf oder die Wildtierhilfe zu kontaktieren und das weitere Vorgehen mit den ExpertInnen abzusprechen. Oder zumindest auf einer geeigneten Webseite das Wichtigste nachzulesen (entsprechende Links unten).

Ein kleiner Igel liegt halb eingerollt in einer Handfläche. Man sieht die Augen, Schnauze, vier kleine Füße mit den Zehen. Außen hat er ein beige-schwarzes Stachelkleid, innen und am Kopf weiches Fell.
Bildquelle: Kora27, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons.

Doch was tun, wenn es mitten im Winter plötzlich wieder frühsommerlich warm wird (wie Mitte Januar 2026)? Laut Nabu-Webseite kann es in Phasen mit milderen Temperaturen durchaus sein, dass die drolligen Dauerschläfer vorübergehend aufwachen. Bei gesunden Tieren wohl kein Problem. Da es im Winter aber kaum etwas zu fressen gibt, können Gartenbesitzer helfen, indem sie den Tieren einen vor Katzen oder Mardern geschützten Fressnapf oder ein Igelhaus (Quelle 3), „gefüllt mit hochwertigem Feucht- oder Trockenfutter für Katzen mit hohem Fleischanteil“, anbieten. „Ein zusätzlicher Wassernapf wird ebenfalls gerne angenommen. […] Auch gegartes (niemals rohes) ungewürztes Rinderhackfleisch oder gestocktes Rührei können gefüttert werden.“ (Quelle 4)

Wie wird mein Garten igelfit?

Der heimische Garten lässt sich schon durch kleinere Veränderungen in ein echtes Igelparadies verwandeln. In wärmeren Winterwochen ist der oben beschriebene Futternapf sehr nützlich. Ansonsten sind unordentliche GärtnerInnen klar im Vorteil, denn unaufgeräumte oder naturnahe Flächen sind für die Stacheltiere ideal. Mähroboter können Igel dagegen eher nicht leiden.

Zusammenstellung einiger Tipps, um den eigenen Garten schon im Winter igelfit zu machen: u.a. bitte Hecken und Laubhaufen auf Igelnester checken sowie Mähroboter und Laubsauger vermeiden bzw. im Sommer nur am Tag nutzen. Denn Igel sind nicht nur Feinschmecker, sondern auch Schädlingsbekämpfer. Wichtig: Keine Kuhmilch füttern!

Zäune haben im igel-fitten Garten einen bodennahen Durchgang, es gibt eine große Blütenvielfalt, dichte Hecken und vielleicht eine kleine Totholzhecke oder einen Obstbaum. All das hilft den Insektenfressern, sich gut auf den Winter vorzubereiten.

Wenn alles gut geht, wachen sie dann im nächsten Frühjahr wieder auf, um sich putzmunter den hungrigen Bauch vollzuschlagen.

Bis zum nächsten Mal,

Kerstin

Breaking News

Gute Nachrichten aus der Politik, noch ganz druckfrisch: Am 17. Januar 2026 trat das UN-Hochseeschutzabkommen in Kraft. 20 Jahre Verhandlungen, an denen über 160 Länder beteiligt waren, rund 140 Staaten haben unterschrieben und 80 davon das Abkommen bisher verbindlich ratifiziert. Damit gibt es nun einen rechtlichen Rahmen, der die genetische Vielfalt in internationalen Gewässern schützen soll (Biological Diversity of Areas beyond National Jurisdiction oder BBNJ). Spannende Links dazu:

Aktuelle Leserfrage

Hattest du schon einmal einen Igel im Garten? Und wie bist du damit umgegangen?

Ich freue mich auf deine Email oder über eine Nachricht auf Social-Media:

Gut zu wissen! Alles rund um den Igel

Gut zu wissen! Kontakt-Adressen von Igel-Hilfsorganisationen

Lesefutter! Quellen und Referenzen

  1. Igelarten der Welt – frei verfügbare Forschungsdaten (Opens in a new window), www.pro-igel.de.

  2. Erinaceus europaeus Linné, 1758 (Opens in a new window) oder Westigel (Deutscher Name), Artenliste auf www.rote-liste-zentrum.de

  3. Bauanleitung für ein Igelhaus. Werkeln Sie für die kleinen Stachelkerlchen! (Opens in a new window), www.nabu.de

  4. Unterschlupf für Winterschläfer – Naturnahe Gärten sind der beste Igelschutz (Opens in a new window), www.nabu.de

 Alle genannten Links wurden zuletzt am 19. Januar 2026 abgerufen, ohne Gewähr.

Ausblick

In der kommenden Ausgabe folgt die Januar-Ausgabe (Opens in a new window) der Ticker-News.

Danach wird es nochmals um unseren liebsten Gartenbewohner gehen - den Braunbrustigel. Sein Bestand scheint abzunehmen, aber warum ist das so? (Opens in a new window) Und wie können BürgerwissenschaftlerInnen beim Monitoring helfen?

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https://steady.page/de/kerstinbeckert/posts/7904f0d4-cc6c-4e8d-b17c-99ed798ab84a (Opens in a new window)

Topic Lebensräume

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