Herbstnotizen aus Zürich.
Der Herbst kam plötzlich nach Zürich. Am Samstag waren wir noch einmal im See. Das Wasser war nach den ersten kühlen Nächten schon frisch, die Luft noch warm. Der Abend, den wir auf dem Balkon verbrachten, war mild.

Am Montag dann Regen, mal ein fieses Nieseln, mal Platzregen. Selbst mit Lederjacke und Wollpulli war es zu kalt. Das Licht in meinem Studio ist jetzt dunkler. Immerhin: Wenn die Sonne durchkommt, werfen die Bäume nun wieder ihre Schatten an die Wand neben meinem Schreibtisch. Die Eisdiele nebenan hatte die ganze Woche geschlossen – heute gibt es dort statt Glacé Schokoschnitten.

Wie immer war der Sommer zu kurz. Um den Spätsommer fühle ich mich komplett betrogen. Dabei ist es vielleicht meine liebste Zeit in Zürich. Wenn es nicht mehr so heiss ist und die Badis leerer werden. Die Stadt wirkt dann unaufgeregter als im Hochsommer. Ich mag die kühle Luft am Morgen und dass man wieder eine leichte Jacke tragen kann.
Eines Tages lagen die ersten Kastanien auf dem Trottoir. Ich habe sie ignoriert. Herbst beginnt in Zürich für mich erst richtig, wenn die ersten Marronistände in der Innenstadt auftauchen. Bis heute habe ich noch keinen gesehen.

Auch der Tageslichtwecker erfüllt wieder seinen Zweck. Wenn ich kurz nach sieben von selbst aufwache, ist es draussen noch dämmerig. Die Katze trägt nasses Laub ins Haus und schimpft dabei lauthals über das Wetter. Nur der Salat im Beet auf der Terrasse scheint sich über den vielen Regen zu freuen. The National und Seabear laufen in einer Endlosschleife.
Abends sitze ich mit einem Freund im Xenix, draussen stehen nur noch ein paar Raucher:innen. Wir reden schon darüber, wie wir Weihnachten verbringen werden.
Vielleicht gewöhne ich mich noch an den Herbst. Beim Winter habe ich da so meine Zweifel.