Liebe Kulturinteressierte,
könnt Ihr euch vorstellen, dass in einem Bestattungsinstitut Kultur stattfindet? “Wir haben uns heute hier eingefunden, um Abschied zu nehmen”, begrüßte Benedikt Kirchberg am Donnerstag zahlreiche Gäste im Bestattungszentrum Limburg. Doch was sich erstmal sehr ernst anhörte, war der Auftakt zu einem kurzweiligen Abend. Viel Spaß beim Lesen!
Über die Toten nur Gutes
Ein Traum für Buchhändlerin Jasmin Geismar von Buch&Tee in Elz wurde wahr. “Als Buchhändlerin träumt man immer von einer Lesung an besonderen Orten und mein Traum war es schon immer mal, eine Lesung in einem Bestattungsinstitut zu haben.” Da passt der neue Kriminalroman “Über die Toten nur Gutes - ein Trauerredner ermittelt” von Andreas Izquierdo sehr gut in dieses Ambiente.
Der Raum im Bestattungsinstitut strahlt eine angenehme Atmosphäre aus, doch es wirkt auch ein wenig skurril - ein schwarzer Sarg ist links drapiert, dahinter leuchtet ein Baum mit weißen Blüten und alles ist in Kerzenschein gehüllt. Mittig nimmt der Autor an einem Stehtisch platz und beginnt, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.

Andreas Izquierdo sei zum ersten Mal in Limburg und mit Blick auf den Raum meint er nur: “Hier stirbt man gerne”. Er gab eine kurze Einführung zu dem Buch. Er wollte einen Krimi schreiben und habe eine spannende Figur gesucht, da er als Ermittler von den üblichen Figuren wie Polizist oder Detektiv weggehen wollte. Über acht Monate hatte er keine Idee und las dann etwas über Trauer. Trauerredner und Polizisten werden gleichermaßen angelogen, denn “über Tote sagt man nur Gutes.” Und so war sein Trauerredner Mads Madsen geboren, der Post aus dem Jensseits erhält und plötzlich mitten in einem Kriminalfall landet.
Von Andreas Izquierdo kannte ich bisher nur “Romeo und Romy” sowie “Club der Traumtänzer”, zwei sehr schöne Romane, mit denen ich gelacht habe und welche ich kaum aus der Hand legen konnte. Daher war Izquierdo als Krimiautor für mich neu und der Einstieg in seinen Kriminalroman lässt davon auch erstmal nichts anmuten, denn die erste Trauerrede ist etwas skurril und endet überraschend (mehr sei an dieser Stelle nicht verraten :-)). Izquierdo liest seine Figuren mit verschiedenen Stimmen - Mads, den Trauerredner als wohlüberlegten Redner, gut im formulieren, seinen Vater Fridtjof mit einer schnarrenden alten Stimme. Und Udo Jürgens, den wir als Leser nur lesen können, singt er auf einmal. So gelingt es ihm, seinen Geschichte lebendig zu gestalten und die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. In einer Trauerrede geht es häufig um die Erinnerungen an den Toten. Umso interessanter, dass Mads Madsen erstmal so gar keine Erinnerung an seine Vergangenheit hat. Doch auch auf seine Erinnerungen sollte man sich nicht immer verlassen, so Izquierdo, denn Erinnerungen können uns auch einen Streich spielen. Dabei macht nicht der Tod Angst, sondern dass, was er eventuell offenlegt. Mads erhält Post aus dem Jensseits, ein alter Freund aus Kindertagen taucht überfahren plötzlich wieder auf und Mads steckt mitten drin in seinem eigenen Krimi.
Mit einem Cliffhänger endet die Lesung, denn Mads fragt sich: “Oh Gott, wie konnte ich das nur vergessen?”

Einladung zum Plaudern
Nach der Lesung lädt Izquierdo die Zuhörer zu einer kleinen Plauderrunde ein und beantwortet sehr gerne Fragen zu seinem Schreibprozess, seinem zweiten Standbein, dem Drehbuchschreiben und nimmt auch hier die Besucher mit viel Humor mit. “Außer dem Abitur und dem Führerschein habe ich nichts nachzuweisen.” Aber er habe viel studiert, nichts davon beendet, wußte einfach nicht, was er machen sollte. Nach einem Gelage mit seinem besten Freund meinte dieser zu ihm, er käme doch aus der Eifel und solle mal was über eine tote Sau schreiben. Gesagt, getan. 1995 erschien sein Krimi “Der Saumord” und dies war sein Einstieg in die Schreiberei. Dies habe ihn so glücklich gemacht, ihn in einen Rausch versetzt, so dass er sich sagte, er mache dies mal zehn Jahre und schaue dann. Dies sei jetzt 30 Jahre her. Mit Drehbüchern verdiene er sein Geld, aber verliere seine Seele. Beim Schreiben von Drehbüchern säßen so viele mit dran, wenn man Pech habe, sogar ein Schauspieler und dann lerne man, richtig mit Kritik umzugehen. Und da er die Arbeit eines Drehbuchautors kennt, sei er auch gar nicht traurig, dass keines seiner Bücher bisher verfilmt wurde, denn er wüßte, was einem Buch dadurch passieren könne.
Am Ende stand er den Zuhörern zur Verfügung und signierte gerne die Bücher. Und er verriet, dass ein zweiter Teil im September erscheinen wird.
Ist ein Bestattungsunternehmen ein kultureller Ort? Auf alle Fälle. Es war ein sehr angenehmes Ambiente für diese Lesung und auch davor sowie in der Pause kamen die Gäste ins Gespräch miteinander. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es irgendjemanden irgendwie eingeschränkt hat. Für mich war es der erste Besuch des Bestattungsunternehmes als Kulturort, doch ich habe mitbekommen, dass in der Vergangenheit bereits Lesungen und musikalische Veranstaltungen stattfanden. Und am Rande hat Benedikt Kirchberg einen Wunsch verraten - er wünscht sich eine Veranstaltung, in welcher die Themen Trauer und Comedy miteinander verbunden werden. Wer also jemanden kennt, der jemanden kennt….
Zum Schluss
Die Fastnacht hat vergangene Woche wieder gestartet und ich wünsche allen eine schöne Kampagne. Ich gehe in diesem Jahr nur zu einer Sitzung, denn mehr klappt in diesem Jahr leider nicht. An alle Fastnachter da draußen - habt viel Spaß!
Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende,
Eure Heike
Über mich
Ich bin jahrelang als freie Journalistin im Landkreis Limburg-Weilburg unterwegs gewesen und habe ein besonderes Interesse am Ehrenamt und der Kultur. In Teilzeit bin ich beim DRK-Kreisverband Limburg für die Öffentlichkeitsarbeit angestellt. Neben dem Kulturnewsletter schreibe ich noch einen touristischen Blog zu den Sehenswürdigkeiten im Landkreis (Opens in a new window).
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