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Wir müssen über Bilder reden...

Hallo,

das ist die siebte Ausgabe des Media-Rewilding-Newsletters mit meinen Learnings dazu, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird.

In der letzten Ausgabe ging es um Häuser, in denen Journalismus sichtbar wird. Heute blicken wir gemeinsam auf die Bedeutung von Fotografie, wenn wir Journalismus wieder in der Gesellschaft verankern wollen.

Der Anlass: Ich habe Sven Ehmann von der laif foundation interviewt, die bald die BildBotschaft startet – ein Format, das visuelle Medienkompetenz mit demokratischer Beteiligung verbindet.

Illustration zeigt Polaroidkamera und Polaroid-Bilder mit verschiedenen Motiven

Eine wichtige Bitte vorab: Leite diesen Newsletter gerne an Menschen in Redaktionen, Verlagshäusern und Medienorganisationen weiter, die sich für das Thema interessieren. Und falls du diesen Newsletter von jemandem weitergeleitet bekommen hast, kannst du ihn hier abonnieren: media-rewilding.de (Opens in a new window)

Worum es geht

  • Der Kern von laif ist eine seit fast 45 Jahren bestehende Bildagentur, die vor drei Jahren in eine von den Fotograf:innen gegründete Genossenschaft übergegangen ist. Im zweiten Schritt entstand zusätzlich die gemeinnützige laif foundation, die sich für Wahrnehmung, Wertschätzung und gesellschaftliche Bedeutung von Fotojournalismus einsetzt.

  • Sven Ehmann ist Director of Strategy & Development der laif foundation. Im Rahmen dieser Aufgabe entwickelt er Formate, die visuelle Bildung, Partizipation und journalistische Praxis zusammenbringen.

  • Mit der BildBotschaft geht im November ein Pilotprojekt zur Förderung von lokalem Fotojournalismus in die konkrete Umsetzung: In der Hamburger Innenstadt entsteht ein temporärer Ort, an dem Fotojournalismus als Ausgangspunkt für gesellschaftlichen Dialog erfahrbar wird.

  • Das Format: In einem Erdgeschoss mit Schaufenster werden Bilder aus verschiedenen Perspektiven gezeigt, also von professionellen Fotograf:innen, Jugendlichen und diversen Gruppen der Stadt. Begleitende Workshops und Veranstaltungen regen Gespräche über lokale Themen an und erproben neue Formen des Austauschs zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen.

  • Bis zur nächsten Bundestagswahl sollen in verschiedenen Regionen Deutschlands weitere BildBotschaften entstehen. Ziel ist es, das Format als skalierbares Modell für visuelle Dialogräume zu erproben.

Was ich gelernt habe

  1. Bilder können Türen öffnen, wo Sprache trennt. Die BildBotschaft will mit Fotografie offene Gespräche über gesellschaftliche Themen ermöglichen. Sven Ehmann sagte mir im Interview: „Bilder haben eine besondere Kraft, solche Gespräche möglich zu machen, weil man sich weniger direkt mit Sprache, Begriffen und Argumenten aneinander abarbeitet, sondern über Bande spielt.“ Wenn wir also Räume schaffen, in denen Menschen über Wahrnehmung statt über Argumente sprechen, entsteht ein anderer Zugang zu Öffentlichkeit. Es geht um Erfahrung statt Debatte, um Orte, an denen wieder Begegnung stattfindet, bevor Verständigung verlangt wird.

  2. Journalismus kann sich durch Teilhabe regenerieren. Die BildBotschaft ist kein Ort, an dem Journalist:innen senden, sondern einer, an dem Bürger:innen mitgestalten. Jugendliche, Migrant:innen und lokale Gruppen werden selbst zu Bildautor:innen. Ein Touchpoint, an dem Menschen eine neue Beziehung zu Medienmarken aufbauen können, die solche Orte betreiben.

  3. Weiter gedacht: Journalismus bleibt dann relevant, wenn er nicht nur Inhalte liefert, sondern Teil sozialer Begegnungen wird. Menschen wollen heute nicht einfach fertige Produkte konsumieren, sondern Beziehungen zu Themen, Orten oder anderen Menschen aufbauen. Für Medienorganisationen heißt das: Sie müssen sich fragen, an welchen Stellen im Alltag sie noch vorkommen könnten und wie sie dort Resonanz erzeugen können.

Media-Rewilding-Interview

Kachel zeigt Sven Ehmann

Wie blicken die Macher:innen der BildBotschaft selbst auf ihr Projekt, welche Annahmen leiten sie – und was sind ihre Learnings? Darum geht es im ausführlichen Interview mit Sven Ehmann bei media-rewilding.de (Opens in a new window).

Media-Rewilding-Rückblick

Anfang Oktober war ich in Bonn auf dem b° future festival. Das Festival ist eine interessante Mischung aus journalistischer Fachkonferenz und öffentlichem Stadtfest mitten in Bonn. Das passt natürlich sehr zu den Ideen, auf die ich mit Media Rewilding blicke. Daher habe ich mich sehr gefreut, dass ich mein Projekt dort im Rahmen einer Session vorstellen konnte. Der Raum war voll, ein schönes Signal, dass das wichtige Thema Resonanz findet. Und ich konnte nicht nur Grumpy Cat, sondern auch zwei Pinguine in meiner Präsentation unterbringen – als Sinnbild dafür, wie wir Gesellschaft (und auch Journalismus) denken müssen: als Beziehung. 🐧

https://www.tickaroo.com/e/GdT3iNWM2kcCepVa (Opens in a new window)

Was ich in dem Vortrag erzählt habe, kannst du in der aktuellen Ausgabe des Medienmagazins journalist lesen, für das ich dazu einen Essay geschrieben habe. Falls du das Magazin im Abo hast, empfehle ich dir die Kombi mit den wunderbaren Illustrationen von Jochen Schievink. Ansonsten kannst du hier den Text online lesen: Neue Orte für Journalismus (Opens in a new window).

Aufgeschlagene Doppelseite des Magazins journalist mit Illustrationen und Text (Opens in a new window)

Media-Rewilding-Ausblick

Am 24. Oktober stelle ich auf den Medientagen München ein paar Gedanken zu Media Rewilding vor – zusammen mit den anderen Fellows aus den Research-Programmen des Media Lab Bayern, auf deren Projekte ich schon sehr gespannt bin. Komme doch gerne vorbei, falls du auch auf den Medientagen bist. Oder lass uns einen Kaffee zusammen trinken. Ich bin an allen drei Tagen dort. Das hier ist meine Session, aus Platzgründen ist eine zusätzliche Anmeldung nötig: Elfmal Zukunft: Neue Ideen für Journalismus und Social Media (Opens in a new window).

Kachel der Medientage München zeigt Alexander von Streit

In der kommenden Ausgabe des Newsletters beschäftige ich mich mit grundsätzlichen Gedanken zu Media Rewilding. Und ich erzähle dir, wie es mit dem Projekt weitergeht.

Bis zum nächsten Media-Rewilding-Newsletter
Alexander

Media Rewilding

Mein Name ist Alexander von Streit. Ich bin Journalist und beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Spannungsfeld, das die Digitalisierung in der Gesellschaft erzeugt. Mein Projekt MEDIA REWILDING dreht sich um die Frage, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird. Möglich macht mir das eine Förderung des Media Lab Bayern, das mich im Rahmen des Future of News Fellowships (Opens in a new window) unterstützt.

Konkret versuche ich herauszufinden, wie wir journalistische Recherche aus dem überfüllten digitalen Raum in analoge oder hybride Formate überführen können. Also wie wir systematisch Orte oder Veranstaltungen schaffen oder nutzen, an denen Menschen Recherchen erleben, mitgestalten, diskutieren und dadurch direkten Zugang zu hochwertigem Journalismus erhalten können. Und wie sich das alles finanzieren lässt.

Dafür mache ich eine Bestandsaufnahme dessen, was bereits in diesem Bereich ausprobiert wird, recherchiere die Erfahrungen der Redaktionen damit, untersuche die Geschäftsmodelle dahinter und systematisiere die Erkenntnisse als Blaupause für die Medienbranche. 💚

Hier ist die Website von Media Rewilding: media-rewilding.de (Opens in a new window)
Hier ist meine Website: von-streit.de (Opens in a new window)
Hier ist mein LinkedIn-Profil: linkedin.com/in/vonstreit (Opens in a new window)