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«30 Jahre Schlittenhundesport — Anny & Marco über das, was wirklich zählt»

Titelinterview — Ernährung im Schlittenhundesport

Kennel Malo-Rivest, Québec, Kanada

TEIL 1 – BIOGRAFIE & WERDEGANG

Anny, du bist Biologin – wie beeinflusst dieser Hintergrund deine Arbeit mit den Hunden?

Sehr stark. Für mich sind das Biologin-Sein und das Leben als Musherin untrennbar miteinander verbunden. Meine Leidenschaft für die Biologie entsprang einer natürlichen Neugier auf das Leben und die Welt um mich herum – jener Neugier, die einen dazu treibt, zu beobachten, zu fragen und zu entdecken. Als Kind verbrachte ich Stunden draußen, völlig vertieft darin, Tiere in ihrem Lebensraum zu beobachten. Dieses Staunen hat in mir den Wunsch geweckt, Biologin zu werden.

Das Biologin-Sein passt zum Leben als Musherin, weil beides dasselbe verlangt: tiefen Respekt vor der Natur, Widerstandskraft im Freien und einen Entdeckergeist. Als Wissenschaftlerin beobachte ich ununterbrochen, lerne ohne Unterlass und verknüpfe Wissen aus verschiedenen Bereichen – Fähigkeiten, die mit einem Hundeteam in der Wildnis genauso wertvoll sind. Die meisten Biologen lieben die Natur, ich auch; das Mushing erlaubt mir, diese Leidenschaft voll zu leben. Die abenteuerlustige, neugierige Haltung, die mich zur Biologie geführt hat, passt perfekt zum Alltag einer Musherin: Jeder Tag bringt neue Herausforderungen, neue Entdeckungen und neue Wege, die Verbindung zur Natur und zu meinen Hunden zu vertiefen.

Wie seid ihr beide zum Mushing gekommen, welche Rolle haben eure Kinder gespielt, und wie hat sich eure Laufbahn über die Jahre entwickelt?

Marco hat mit zehn Jahren angefangen, als er sich um die Hunde seines Onkels kümmerte, der einen Tourismusbetrieb führte. Schon mit elf fuhr er die Mitteldistanz in Québec, 50 bis 60 km, und gewann bald die ersten Trophäen und Medaillen. Damals besaß er bereits einen Kennel mit etwa sechzig Hunden, und seine ganze Familie hatte eigene Teams.

Ich bin spät dazugekommen, mit 25. Es war Marco, der mich an den Sport herangeführt hat – wir scherzen noch heute, dass er seine vierbeinigen Freunde benutzt hat, um mich zu umwerben. Jeden Abend nach der Arbeit nahm er mich auf seinem Schlitten mit, und wir legten kilometerweite Strecken zurück.

Mein erstes 50-km-Rennen fuhr ich 1996 – da begann das Abenteuer richtig.

Im Jahr darauf überlegten wir, nach Alaska zu gehen, um als Handler für einen Musher zu arbeiten und den Sport dort zu lernen, wo er Nationalsport ist. 1998 machten wir die Reise, nachdem wir Joee Redington kontaktiert hatten, einen Spezialisten für die längeren Sprintdistanzen.

Es war die Erfahrung unseres Lebens – acht Monate, in denen wir alles über Blutlinien, Training, Ausrüstung und Strecken lernten. Ein wahres Paradies.

Zurück in Québec fuhren wir mehrere Rennen des Provinzzirkus. Doch die Distanzen wurden immer kürzer, und wir sehnten uns nach größeren Herausforderungen. 2002 kehrten wir nach Alaska zurück, um das ONAC zu fahren. Marco fuhr mit jungen Hunden, die zur Grundlage unserer Blutlinie werden sollten. Unser erster Sohn, Tristan, war neun Monate alt. Marco und ich waren uns einig: Solange die Kinder zu Hause leben, sollte es ein Familienabenteuer sein. Unterwegs hielten wir auf dem westkanadischen Zirkus – wir liebten diese 60-km-Rennen über drei Tage mit Massenstart. Wir kehrten regelmäßig mit unserer kleinen Familie dorthin zurück, die inzwischen um Elliot, den zweiten Sohn, gewachsen war. Diese Rennen lehrten uns am meisten über die Eigenschaften, die wir bei unseren Athleten suchen: lange Distanzen, oft beißende Kälte und vor allem hohes Tempo. Unser Zuchtprogramm begann sich genau auf diese Merkmale zu konzentrieren. Wir fuhren dort bis 2010.

In jenem Jahr erfuhr ich, dass ich Brustkrebs hatte, und mein Leben stand zwei Jahre lang still. Wir verkleinerten den Kennel und unsere Aktivitäten, um auf uns zu achten.

Während der Remission, 2012, gönnten wir uns eine Reise mit den Hunden zum berühmten Pedigree Stage Stop in Wyoming. Marco führte das Team, während ich mit den Kindern die Landschaft genoss.

Nach dieser schweren Zeit überließ mir Marco das Wettkampfteam. Er habe es lange genug gemacht, sagte er – jetzt sei ich dran. Seither, Winter für Winter, eine Reise nach Westkanada und in die USA, mit der Familie, den Hunden und unserem Anhänger.

Es ist immer Teamarbeit; wir machen alles zusammen. Und auch wenn die Kinder jetzt erwachsen sind, sind sie vom Kennel nie weit entfernt.

Heute fahren wir den ganzen Winter über mit unseren vierzig Hunden auf dem Mitteldistanz-Zirkus und bei den Etappenrennen.

Topic Interviews

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