Skip to main content

Eine von den Jungs

Unsere Kolumnistin war lange hauptsächlich mit Männern befreundet. Warum, realisiert sie erst später.

Als ich 18 war, traf ich meine zweite Familie. Das war mir nicht sofort klar, logisch. Man lernt die Leute ja erst als Fremde kennen, bevor man anfängt, sie gernzuhaben und irgendwann zu lieben. So war das, als ich vor ziemlich genau zehn Jahren begann, mich allmählich an der juristischen Fakultät wohlzufühlen. Und beschloss, einen Typen anzuquatschen, der mir sympathisch vorkam. Innerhalb weniger Wochen wurden wir Freunde und ich lernte nach und nach die Jungs kennen, mit denen er zur Schule gegangen war. Ich schreibe nicht nur deshalb von Jungs, weil sie bis auf eine Person alle männlich waren. Sie waren richtige Bilderbuchjungs. Wenn ich heute an diese Teenager zurückdenke, die ich an der Krummen Lanke oder am Späti oder um einen mit Flaschen überfüllten Beistelltisch herum zusammengepfercht auf irgendeiner WG-Couch traf, sehe ich Kinder vor mir.

Sie hörten amerikanischen HipHop, tranken mitten am Tag Bier, hatten Bewegungsdrang, schienen einander permanent in irgendetwas übertrumpfen zu wollen, lachten pausenlos, meistens übereinander, alles war witzig, alles war laut. Schnell wusste ich, dass ich so viel Zeit mit ihnen verbringen wollte wie möglich. Wir verbrachten die Winter in der Kneipe, die Sommer im Park, die Klausurenphasen in der Bib, die Hauspartys da, wo man rauchen konnte. Karneval der Kulturen, erster Mai, Demos. Wir waren unterwegs, ich und meine Jungs. Und irgendwann, vielleicht mit zwanzig oder 21, bemerkte ich etwas, das mir heute noch so peinlich ist, dass ich meine Hände zwingen muss, es aufzuschreiben. Ich wollte keine anderen Frauen in diesem Freundeskreis.

Lies den ganzen Text von Missy-Autorin Özge İnan auf Missy Online.

Topic Missy Print

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of Missy Magazine and start the conversation.
Become a member