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KREATOR

Die Weltenzerstörer

Bandfoto mit den KREATOR-Mitgliedern vor einer Mauer
Foto: Robert Eikelpoth

Ox-Interview von Joachim Hiller

Wenn wir über Punk und Hardcore reden, reden wir über extreme Musik. Wie extrem sie ist, fällt unsereins im Detail und wegen langjähriger Gewöhnung aber meist nicht mehr auf. Doch zwischen „normalen“ Popsongs sticht unsere Musik immer noch hervor. Und so ist es auch mit den (noch) radikaleren Geschwistern von Hardcore und Punk: Grind und Thrash zum Beispiel, und etwa NAPALM DEATH und KREATOR im Speziellen. Gerade letztere haben sich von den Anfängen im Essener Norden vor 40 Jahren bis heute zwar weiterentwickelt, aber das Extreme, das Kompromisslose, das Unkontrollierbare zeichnet die Band um Sänger und Gitarrist Mille Petrozza bis heute aus und verschaffte ihnen über die letzten Jahre eine wachsende Zahl von Fans (und Anerkennung) auch in den benachbarten Genres. Weshalb es angemessen ist, die Band erneut in diesem Heft mit einer Titelstory zu würdigen anlässlich ihres 16. Albums „Krushers Of The World“, das Anfang 2026 veröffentlicht wird. Im Sommer 2025 erschien zudem Milles autobiografisches Buch sowie die Kino-Doku über KREATOR. Aus beiden ließ sich die Erkenntnis mitnehmen, dass KREATOR zwar keine Polit-Band sind, aber eine Gruppe politischer Menschen. Einmal mehr hatte ich das Vergnügen, mit Mille über all das zu sprechen.

Mille, wir sitzen uns hier morgens um 8:30 Uhr bei Zoom gegenüber. Ich sitze immer so früh am Rechner – bist du auch immer so früh wach?

Ja, aber manchmal bestätigten Ausnahmen die Regel. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich ein Mönch geworden bin. Wenn es ein guter Abend ist, dann stehe ich auch mal länger irgendwo rum oder hänge mit Freunden ab. Wir hatten in jüngeren Jahren wahrscheinlich öfter diese Abende, und die werden mit den Jahren weniger, wenn man ein gesundes Verhältnis dazu hat. Es ist tragisch, wenn man sein Leben nicht anpasst, man muss ja auch auf seinen Körper hören. Was bringt mir das, wenn ich einen Kater habe, der drei Tage andauert, für einen Abend Spaß? Da überlegt man sich schon, wann sich das lohnt.

Du hast nicht wirklich eine große Story daraus gemacht, aber irgendwann sagtest du: „Nee, heute trinke ich nichts.“ Mit der Zeit bemerkte ich, dass du eigentlich gar nichts mehr trinkst.

Ich würde jetzt nicht ausschließen, dass ich jemals wieder was trinke, aber praktisch trinke ich momentan nichts.

Ozzy Osborne war ein Idol der ganzen Metal-Szene, der ist dieses Jahr gestorben, er wurde erstaunlich alt, aber war irgendwie auch eine tragische Gestalt, so wie er sich durch verschiedenste Sachen ruiniert hatte. Bei allem Respekt vor Ozzy, ist so was ein mahnendes Beispiel, wie man möglicherweise nicht alt werden will?

Der Alterungsprozess lässt sich nicht aufhalten, man kann nur ein paar Sachen optimieren. Und selbst dann gibt es keine Garantie, dass du nicht plötzlich eine ganz schlimme Krankheit kriegst. Ozzy hat wahrscheinlich in den 1970ern schon so gelebt, dass er einen Schaden davongetragen hat. Das habe ich zum Glück nicht, obwohl ich die 1980er auch mitgemacht habe. Ich war da immer recht kontrolliert. Ich fand immer schon, dass Musik und Gesundheit wichtiger sind als der absolute Exzess. Ich will jetzt nicht so klingen, als hätte ich nie gefeiert, aber man muss man sein Maß finden. Es ist ein bisschen komisch, darüber zu referieren und mit dem Zeigefinger zu kommen, von wegen „Macht das bloß nicht, sonst werdet ihr krank.“ Das stimmt ja so nicht, man muss einfach nur aufpassen und ich glaube, dein Körper gibt dir schon Signale.

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